[Bernhard Marsch (1962 – 2025)… ]


“ … Am vergangenen Sonntag ist der Kölner Regisseur und Gründer des Filmclub 813 nach einem Straßenbahnunfall in der Südstadt gestorben. …“ | https://www.ksta.de/kultur-medien/nachruf-bernhard-marsch-war-die-querulante-seele-des-koelner-kinos-1046345
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“ … Marsch kam Mitte Juni 2025 in der Kölner Südstadt bei einem Straßenbahnunfall ums Leben, während er mit dem Fahrrad auf dem Weg zum Filmclub 813 war. Der Filmkritiker Lukas Foerster würdigte ihn in einem Nachruf: „Als Kinomacher, Kinogänger und Filmsammler gehörte Bernhards Herz den Außenseitern und Querschlägern vor allem des deutschen und europäischen Kinos der 1960er und 1970er Jahre. Filmen, denen es im Korsett der klassischen Form zu eng geworden war, die aber auch keine Anstalten machten, sich die neuen, jetzt eher intellektuellen und moralischen Korsette des Autorenkinos anzulegen. Filme von Leuten wie Klaus Lemke, May Spils und Werner Enke, Roger Fritz, auch sie alle, wie Bernhard selbst, Freibeuter des Kinos.“ [“ … Als die Nachricht von Bernhards Tod die Mitglieder und Stammgäste des Filmclubs erreichte, lief dort gerade Christian Hohoffs Spiel der Verlierer aus dem Jahr 1978, ein eigenartiges, klaustrophobisches Melodram aus dem Fassbinder-Umfeld, produziert von RWF selbst. Zu den größten unter den vielen Entdeckungen, die man jahraus jahrein im Filmclub 813 machen kann, zählt dieser Film nicht unbedingt. Aber es gibt eine großartige Szene, in der sich Margit Carstensen, von Eifersucht zerfressen, in einer Orange verkrallt. Dass es sich allein für diesen Moment lohnt, einen Film, der aus der Filmgeschichte herausgefallen ist und der in den letzten paar Jahrzehnten bestenfalls ein, zwei Kinovorführungen erlebt haben dürfte, wieder auszugraben: Wo sonst als im Filmclub 813 könnte man diese Erfahrung machen? Rest in peace, Bernhard. …“ (Lukas Foerster, critic.de, 17.6.2025)] …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Marsch // https://filmclub-813.de/

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“ … Wenn man ihn einmal gesehen hatte, dann sah man ihn immer wieder, ohne sich wirklich zu kennen. Am Rande des Kurzfilmfestivals in Köln, in Kneipen rundherum, an der Kasse vorm Kino des Filmclubs 813, dem er vorstand und dessen Fortbestehen er 2020 nach einer Kündigung durch den im selben Haus befindlichen Kölnischen Kunstverein (inzwischen unter neuer Leitung) kämpferisch verteidigte.
„Nous restons-là“ [Wir bleiben hier], war ob der drohenden Räumung seitdem auf der Webseite und zeitweilig auch in der Vitrine am Kinogebäude zu lesen. Auch, wenn persönliche oder bürokratische Konflikte sicher eine Rolle gespielt haben mögen, konnte man in diesem ungleichen Streit zwischen einem immerhin etablierten und einem allenfalls mit der Almosen-Gießkanne bedachten, in Eigenengagement bespielten Kulturort doch ein Sinnbild für die Ungleichwertigkeit jener Sphären, mindestens in Deutschland, erkennen. …“ | Aus: „Apologet des Kinos“ Katharina J. Cichosch (26.7.2025) | Quelle: https://taz.de/Der-Filmemacher-Bernhard-Marsch/!6100517/

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Der Filmclub 813 wurde im Sommer 1990 von acht Cineasten gegründet, um Filme im Kino vorzuführen, die in Köln entweder nur für kurze Zeit, lange Zeit nicht mehr oder noch gar nicht zu sehen waren. // https://filmclub-813.de/der-filmclub/

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“ … Mit dem Filmemacher, Sammler und Filmvermittler Bernhard Marsch (15.4.1962-15.6.2025) ist eine zentrale Figur der alternativen deutschen Filmkultur gestorben. … Die von Bernhard Marsch im Filmclub 813 behauptete Dominanz konnte freilich auch polarisieren. Vorstandswahlen ließen schon einmal zehn Jahre auf sich warten, und als er vor einigen Jahren seine demokratische Abwahl als Vorsitzender leugnete und trotzig seinen Platz behauptete, kamen die Abtrünnigen irgendwann einfach nicht mehr. Ich selbst habe keinen Fuß mehr in das geliebte Kino gesetzt, nachdem mir der Hausherr bei der Nach-Corona-Wiedereröffnung den Zutritt verweigerte. Auch das war Bernhard Marsch: Jemand, der streng darüber wachte, wer als Freund oder Feind zu gelten habe und kritische Zwischentöne bereits als Verrat betrachten konnte. So wechselten über die Jahre auch die cinephilen Kreise, die ihn umgaben. Wo enge Bande sind, da gibt es oft auch böse Brüche. Immer aber blieb Marsch die zentrale Figur. Beliebt bei den einen, verkracht mit den anderen, war der Charismatiker weit über Köln hinaus eine feste Größe in der unabhängigen Kinokultur. Mit der Digitalisierung wurde dieses Netzwerk kleiner, aber auch enger. Die von Bernhard Marsch organisierten Treffen befreundeter Initiativen waren Feste der Kinoliebe voller Entdeckungen. Kleine Festivals, die Marsch wie kein anderer ohne Budget aus dem Boden stampfte. Sich diese Szene ohne ihn vorzustellen, scheint kaum möglich. Seine Expertise wird unersetzlich bleiben. …“ | Aus: „Nachruf auf Bernhard Marsch (1962-2025) —
Filmdienst: „„Macht doch einmal selber was!“ – Bernhard Marsch““ von Daniel Kothenschulte (11.07.2025) | Quelle: https://www.filmdienst.de/artikel/73800/nachruf-bernhard-marsch

Link: Gespräch mit Bernhard Marsch im September 2003
Bernhard Marsch (geboren 1962) ist Mitbegründer des Kölner Filmclubs 813, seit
Jahren in der Kölner Filmszene aktiv und hat als Filmemacher einen festen Platz im
Team der „Kölner Gruppe“ inne. …
https://www.koeln-im-film.de/fileadmin/user_upload/medien/pdf/Interview_Bernhard_Marsch_2003.pdf

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