[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #60… ]

W.R. – Misterije organizma – – – Makavejevs 1971 gedrehter Film WR – Mysterien des Organismus über die Theorien von Wilhelm Reich wurde in Jugoslawien zunächst verboten, in den 1980er Jahren aber wieder zugelassen. | https://de.wikipedia.org/wiki/Du%C5%A1an_Makavejev

amazon Kunden, die W.R. – Misterije organizma angesehen haben: HAN XIAO 5,0 von 5 Sternen – Rezension aus den Vereinigten Staaten vom (13. Dezember 2012): “ …I REALLY CAN’T SEE THE POINT OF THIS FILM, MAYBE BECAUSE I’M NOT YUGOSLAVIAN, WELL, IT’S STILL VISUALLY STUNNING, AND I SUGGEST IF YOU WANT A PORN MOVIE, AND YOU DON’T HAVE PLAYBOY OR BELAMI AROUND YOU, TRY THIS. EVEN CHANDLER WON’T CALL IT „THE WORST PORN EVER“, TRUST ME. …“

“ … Zweifellos ein spannendes Zeitdokument: Die Filme des Serben Dušan Makevejev („Coca-Cola Kid“) waren im eigenen Land (damals Jugoslawien) fast alle verboten. Hier strukturierte er den Film wie eine surrealistische Collage, zeigt scheinbar dokumentarische Fragmente, vermischt diese mit viel sagenden Spielszenen und offenbart so (ähnlich wie Buñuel das spießige Bürgertum) die Pervertierung der sozialistischen Utopie durch Stalin und dessen Totalitarismus. Dabei verteufelt er die gesellschaftliche Unterdrückung durch sexuelle Disziplinierung. Heute erschließt sich dieser Kontext nur schwer, wirkt das Ganze eher wie ein bizarrer Sex-Streifen aus den Anfängen der Pornographie, dessen Botschaft sich recht plakativ darauf beschränkt, sich via Kopulation auch politisch frei zu kämpfen. Schön wär’s ja! …“ | https://www.prisma.de/filme/WR-Mysterien-des-Organismus,245217



Matthias Meindl (30. Mai 2021): [‚Matthias Meindl ist Slavist und habilitiert sich an der Universität Zürich mit einer Arbeit zur sexuellen Revolution in Jugoslawien um 1968. …‚] “ … Dušan Makavejevs Kultfilm „WR – Mysterien des Organismus“ ist ein Dokument der sexuellen Revolution. Am 5. Juni jährt sich zum fünfzigsten Mal die öffentliche Vorführung des Films in Novi Sad. Danach wurde er in Jugoslawien aus den Kinos verbannt. … Mit seinem Verfahren der assoziativen Montage (Dina Iordanova) arrangierte er dieses Material mit einer Fülle von visuellem und akustischem foundfootage (Archivaufnahmen von Reich bis Musik von The Fugs) sowie einer Spielfilmhandlung. In diesem Plot verliebt sich die Revolutionärin Milena – gespielt von der legendären Milena Dravić (1940-2018) – in einen sexuell verklemmten russischen Eiskunstläufer, der wie der russische Revolutionsführer Lenin heißt: Vladimir Il’ič. Der gastierende Künstler wird zum Mörder, er enthauptet die Reich-Anhängerin Milena, nachdem sie ihn verführte, mit einem Schlittschuh. … Auch der provokanteste Schnitt des Films ist eine politische Provokation: ein Match Cut ‚von Dildo auf Stalin‘. Er war in den Diskussionen um den Film immer präsent – und dies zu Recht, denn er ist entscheidend für sein Verständnis. Makavejev baute eine Gelegenheitsaufnahme ein, in der die Künstlerin Nancy Godfrey einen Gipsabdruck des erigierten Glieds von Jim Buckley abnahm, dem Chefredakteur der kontrakulturellen Zeitschrift Screw. … Die Verteidiger des Films – Intellektuelle und Filmschaffende – führten den internationalen Erfolg Makavejevs und sein befreiendes filmisches Denken ins Feld. Die Kritiker hingegen, die durch und aus dem Verband der Veteranen des Volksbefreiungskriegs (SUBNOR) rekrutiert wurden, empörten sich über Unsittlichkeit und Antikommunismus. Zwar hatte Tito schon 1948 mit dem sowjetischen Stalinismus gebrochen, dennoch erschien der Film vielen Zuschauern als zu aggressiv ‚gegen das sozialistische Brudervolk‘. Ihnen missfiel auch die von Makavejev lustig und lustvoll inszenierte Rekodierung des sozialistischen Sonderwegs Jugoslawiens als sexuellem Befreiungsprojekt. Als die salbungsvolle Hymne an die Kommunistische Partei durch die Aufnahme eines zärtlichen Geschlechtsverkehrs begleitet wurde, interpretierten die Gegner die Szene als Missbrauch patriotischer Emblematik. …“ | https://geschichtedergegenwart.ch/vom-ende-der-world-revolution-vor-50-jahren/

// „Schwarze Welle. Kinorebellion in der Tito-Ära“ Ab 1966 tauchten die Macher der Schwarzen Welle tief ins gesellschaftliche Leben ein und spülten bei ihren filmischen Erkundungen und Analysen der Conditio humana erhebliche Defizite in Titos Reich ins Licht der Kinoleinwände, worauf staatliche Behörden ab 1971 zunehmend empfindlich reagierten. // https://kultur-online.net/inhalt/schwarze-welle-kinorebellion-der-tito-%C3%A4ra (Filmarchiv Austria 2. Mai 2019 — 23. Juni 2019)

“ … Novi Film (serbokroatisch für: Neuer Film; später auch Crni talas = Schwarze Welle genannt) war eine Bewegung im jugoslawischen Spielfilm in den 1960er Jahren, die sich vom bis dahin üblichen, am italienischen Neorealismus orientierenden Stil, abgrenzt, ohne selbst als einheitlicher Stil aufzutreten. …“
https://de.wikipedia.org/wiki/Novi_Film

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