[Momente & Realitätskerne #1 … ]

muetzenfalterin (02.12.2019): “ … Die Unsicherheit bei uns allen, wenn jemand in der Bahn sitzt, der offensichtlich den Verstand verloren hat. Meine Hemmungen, darüber zu schreiben. … , damit wir weiter funktionieren können, packen unser Leben handlich ein, in Träume und Angst. Eine stille, schüchterne Flucht. Vor dem Leben. Aber mehr noch vor sich selbst. …“ | Quelle: https://muetzenfalterin.wordpress.com/2019/12/02/21-5/


Kontext / Memo / Nachtrag #1

“ … Metakognitionen umfassen zum einen das Wissen und zum anderen auch die Kontrolle (Überwachung und Selbstregulierung) über die eigenen Kognitionen. … [Daneben gibt es] Eine einfache, grundlegende Form, das sogenannte Kernbewusstsein, … das Wesen des Kernbewusstseins ist das Gefühl von sich selbst, als individuellem Wesen. …“ | Textfraktal zu: https://de.wikipedia.org/wiki/Metakognition (6. September 2019)

lemon / 5 Dezember 2019 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #38… ]

“ … Visuelle Lust und narratives Kino (englischer Originaltitel: Visual Pleasure and Narrative Cinema) ist ein 1975 verfasster Essay von Laura Mulvey. … Laut Mulvey geht die Faszination bestimmter Hollywoodfilme der 1930er bis 1950er Jahre auf bereits bestehende Muster und geschlechtsspezifische Formen der patriarchal geprägten Gesellschaftsstrukturen, die bereits tief im Unbewussten verankert sind, zurück. In dieser Gesellschaft sei die Frau in einer symbolischen Ordnung gefangen, während der Mann seine Phantasien durch die Herrschaft der Sprache ausdrücken könne. … Mulvey nähert sich der „Lust am Schauen“ („pleasure in looking“) und des „Angesehen-Werdens“ („to-be-looked-at“) … an. … Mulvey demonstriert ihre Thesen anhand des Films Vertigo – Aus dem Reich der Toten (1958) von Alfred Hitchcock, da in seinen Filmen der männliche Blick durch die subjektive Kameraführung besonders forciert werde und der Zuschauer in die Rolle des männlichen Protagonisten versetzt werde. Sie kritisiert, dass dieser Film keine weibliche Betrachtungsweise zulasse. … Ihr Ziel ist es, darauf aufmerksam zu machen, dass der Blick des Kinos nicht neutral ist, …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Visuelle_Lust_und_narratives_Kino ( 30. September 2019)

Parviflorum #14: “ … „Man könnte Hustlers als Angebot begreifen, als Aufforderung an die Zuschauerin, sich auch die Filmgeschichte retroaktiv anzueignen und all die Diven und Pin-ups, bombshells und Babes aus dem Knast der Männerfantasie zu befreien.“ … Der „Knast der Männerfantasie“ hat viel von Projektion. Wer kennt ihn denn schon? …“ | Zu: Sabine Horst (21. November 2019) -> https://www.zeit.de/kultur/2019-11/hustlers-kinofilm-jennifer-lopez-feminismus-rezension/komplettansicht

redshrink #20: “ … Wenn Frauen auf andere Frauen mit einer erotischen Faszination schauen können – und nicht vor allem als zu bekämpfende Konkurrentin – wäre schon viel gewonnen. Dass sich Erotik wieder einmal auf perfekte Körper, Laiszivität, Styling – viel Styling – und den einstudierten Performances von inszenierten Showgrößen und Schauspielerinnen fest konzentriert, finde ich etwas ernüchternd. Genauso funktionieren konsumistische Leitbilder. Ob Frauen nun aus dem “Knast” männlicher Fantasien befreit werden, bezweifle ich. Dass Männer Frauen (oder andere Menschen) sexy finden, macht ihr Begehren nicht unbedingt zum Knast, zumal wenn sich dann der weibliche Blick an unerreichbarer und hochgradig stilisierter weiblicher Schönheit weidet. … Wirklich progressiv finde ich den hier beschworenen weiblichen Blick eher nicht. …“ | Zu: Sabine Horst (21. November 2019) -> https://www.zeit.de/kultur/2019-11/hustlers-kinofilm-jennifer-lopez-feminismus-rezension/komplettansicht

“ … Den männlichen Blick kontrollieren hier die Frauen – und wissen ihn zu nutzen. … Hustlers basiert auf einer Recherche der Journalistin Jessica Pressler für das New York Magazine und handelt von einer Gruppe New Yorker Stripperinnen, die auf die Finanzkrise 2008 damit reagierten, dass sie die Jordan Belforts der Wall Street unter Drogen setzten und abzockten. Man könnte sagen: Es ist eine Geschichte über ein Rudel Wölfinnen, die genauso sündig sind wie die Wölfe der Wall Street. “ | Aus: „Macht dich Geld nicht auch geil?“ (26. November 2019) | Quelle: https://www.zeit.de/kultur/film/2019-11/hustlers-kinofilm-jennifer-lopez-kritik/komplettansicht

Desaguliers #11: “ … Ach ja: Dann müsste nach der Logik dieser Kritik der Hochstapler, der Susanne Klatten abgezogen hat, ein Held sein, der sich nicht nur als antikapitalistischer Kämpfer erweist, sondern auch die Machtverhältnisse umkehrt. Ist das so, ZON? …“

Frau. Huber #11.3: “ … Da Männer allgemein in unserer Gesellschaft als Sexobjekt benutzt werden, sei es um fast nackt auf Kühlerhauben für Autos zu werben oder als Stripper für Frauen tanzen, die einen guten Geschäftsabschluss feiern, haben Sie völlig Recht. Frau Klatten als typische Vertreterin der weiblich dominierten Welt des Finanzadels steht hier sinnbildlich für die vielen Frauen in Vorstandsetagen und im Finanzsektor, der Held der Geschichte für die vielen Männer, die zur Prostitution gezwungen werden. Wie wir wissen sind männliche Prostituierte eine gute Einnahmequelle für die Mafia und sie werden häufig unter Drogen gesetzt, geschlagen und vergewaltigt, um sie gefügig zu machen. …“

Oneironautin #14: “ … J.Lo – Sexsymbol, Businessfrau, Popikone … oder Wichsvorlage. Ich habe meinen Bruder mal aus Versehen beim Onanieren erwischt, als eines ihrer Musikvideos auf MTV oder Viva lief. Das war zu Love Don’t Cost A Thing. Da sieht man JLo zunächst in einem mondänen Luxusappartement, wo sie mit ihrem Verehrer telefoniert und sich etwas gelangweilt für ein teures Geschenk bedankt, was den vielen Goldkettchen zufolge, die ihren Hals beschweren, wohl nicht das erste gewesen ist. Dann düst sie genervt mit dem Cabrio los und fängt an, sich all der verschwenderischen Accesoires zu entledigen. So flattert eine edle Handtasche in hohem Bogen aus dem Wagen. Später lässt sie die protzige Karre stehen und promeniert in gesäßbetonter Jeans eine palmenbesäumte, sonnendurchflutete Straße entlang. Jetzt fliegt das Designermäntelchen und der Schmuck weg. Schließlich kommt sie am Strand an, um sich dort, inzwischen halbnackt, mit akrobatischen Verrenkungen schmachtend zur subjektiven Kamera im Sand rumzurekeln. Für mich war JLo immer eine Businessfrau, die sich über ihr Äußeres vermarktete und feuchte Träume für frühpubertierende Teenager produzierte. Als Sängerin ließ sie sich einen durchkalkulierten Sound für die Charts verpassen. Als Schauspielerin hat sie, abgesehen von Out Of Sight, einen Haufen schrottiger Filme gedreht und war schon x-Mal für die Goldene Himbeere nominiert. Hustlers kenne ich nicht. Ich werde mal meinen Bruder anrufen, ob er Bock hat, mit reinzugehen. …“

Frau. Huber #14.1: “ … Ihre Geschichte hat mich daran erinnert, wie ich an der Uni in ein Gespräch mit Kommilitoninnen in einer Arbeitsgruppe gerutscht bin, in der eine erzählte, beim onanieren denke sie immer an Brad Pitt. Zwei andere meinten dann, sie auch und die anderen dachten bevorzugt an Johnny Depp, Leonardo DiCaprio und eine an ein italienisches Model, das in einer damals omnipräsenten Fernsehwerbung nackt aus den Wellen auftauchte.
Mein erster Freund wollte übrigens nicht,dass ich in die gemischte Sauna gehe, damit sich nicht irgendjemand beim Gedanken an meinen nackten Körper daheim einen runter holt… Ich konnte damals schon nicht nachvollziehen, worin er das Problem sah. Jeder darf doch phantasieren, was er mag, das hat ja nichts mit der realen Person zu tun, die er sich vorstellt. …“

“ … Das männliche Starren in der Werbung ist ein vergleichsweise gut untersuchtes Thema, und Werbung fällt einem eher als Film ein, wenn der Begriff genannt wird. Die Frau in der Werbung wird mehr als nur das angestarrte Objekt, sie wird zu dem, was gekauft und verkauft wird: „Die Botschaft jedoch war immer die gleiche: kaufe das Produkt, bekomme das Mädchen; oder kaufe das Produkt, um so zu werden wie das Mädchen um einen Mann zu kriegen“ mit anderen Worten: „‚Kauf das Image, ‚bekomme‘ die Frau“ (Wykes, p. 41). …“ | Aus: „Male Gaze“ ( 15. November 2012 ) | http://feminismus101.de/male-gaze/

Nachtrag / Notiz:

Aus: „Montage/av“ (04.02.1995): pdf/Quelle: https://mediarep.org/bitstream/handle/doc/1070/montage_AV_4_2_1995_Fernsehen.pdf?sequence=1&isAllowed=y

lemon / 27 November 2019 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #37… ]

Harlan Ellison
(Quelle: https://www.harlanellisonbooks.com/project/this-book-needs-no-introduction-by-harlan-ellison/)

– /// –

“ … »Es gibt unter Menschen immer und überall Dinge, nach denen im Normalfall nicht gefragt wird, weil das alle wissen oder zu wissen glauben, aber auf Nachfrage gar nicht sonderlich genau erklären können – in der Bundesrepublik Deutschland der Gegenwart, in der ich schreibe, wären das zum Beispiel ein ›Handy‹ (›everyday new technology‹) oder ein ›Verfassungsfeind‹ (›deeply embedded social ideology‹).« – Dietmar Dath …“ | https://www.matthes-seitz-berlin.de/buch/niegeschichte.html

// mp3: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2019/11/01/dietmar_dath_ueber_science_fiction_niegeschichte_drk_20191101_1405_7c3a7021.mp3

// via https://thgroh.blogspot.com/2019/11/niegeschichte-dietmar-dath-uber-science.html

lemon / 25 November 2019 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Geistige Minenfelder #2… ]

“ … Und nur eines kann ich nicht verstehen, wenn ich die Figur dieses Menschen betrachte, der mit Hartleben herumgesoffen hat, und von dem man sagt, er habe in diesen fröhlichen Kneipnächten die Figur des »Serenissimus« erfunden. Christian Morgenstern liebte ihn. Dieser feine, gütige, hohe und tiefe Geist liebte Rudolf Steiner. War das Weltfremdheit? …“ | Wrobel, Ignaz (Kurt Tucholsky): Rudolf Steiner in Paris, WB 20/II, Nr.27, 03.07.1924, S.26 | https://de.wikisource.org/wiki/Die_Schaub%C3%BChne_%E2%80%93_Die_Weltb%C3%BChne/Inhalt_Weltb%C3%BChne | –> “ … Otto Erich Hartleben (* 3. Juni 1864 in Clausthal; † 11. Februar 1905 in Salò am Gardasee) war ein deutscher Schriftsteller. Zu Lebzeiten besonders als Dramatiker ungeheuer populär, kursierten zahlreiche Anekdoten um seine Person. … Eine seiner bekanntesten Figuren war der „Serenissimus“, ein vertrottelter Duodezfürst eines imaginären Zwergstaates. … [Duodezfürst = „Herrscher eines sehr kleinen Fürstentums“] …“ –> https://www.textlog.de/tucholsky-rudolf-steiner.html | https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Erich_Hartleben ( 27. September 2019 )

Serenissimus (Deutsch), Wortart: Substantiv, (männlich) – Wortbedeutung:
1) Bewusstseinswissenschaft:
Bezeichnung für ein höheres Niveau in der Evolutionsstufe des Bewusstseins
2) veraltet: Anrede oder Titel eines regierenden Fürsten (zur Zeit der Kleinstaaterei)
3) veraltet, scherzhaft: Kleinstaatfürst; Witzfigur
https://www.wortbedeutung.info/Serenissimus/

Ambros Waibel (20. 11. 2019): “ … Menschen machen sich seltsame Vorstellungen von sich selbst und ihrer Umgebung, und andere Menschen, die diese Ideen nicht teilen – ja sie sogar, wenn sie in ihren Grundlagen und Konsequenzen vor ihnen ausgebreitet würden, scharf ablehnten … Sie handeln sozusagen, auch wenn sie sich selbst ein rationales Weltbild zuschreiben, diesem entgegen – und fahren oft sehr gut damit. Diesem Widerspruch versucht das Buch von Helmut Zander „Die Anthroposophie: Rudolf Steiners Ideen zwischen Esoterik, Weleda, Demeter und Waldorfpädagogik“ auf den Grund zu gehen: Ohne Schaum vor dem Mund oder Filz vor den Augen, mit wirklichem Erkenntnisinteresse, aber immer mit kritischem, ironischerweise ebenfalls weltanschaulich gebundenem Abstand – Zander ist katholischer Theologe und lehrt Religionswissenschaften an der Universität Fribourg. … Als mein Sohn dann vor 20 Jahren gut katholisch auf die Welt gekommen und in ihr heimisch geworden war und wir eine Schule für ihn suchen mussten, war die Wahl übrigens ganz einfach: Die Waldorfschule war die Einzige, die einen nicht wie eine Kaserne begrüßte, die nicht wie eine Anstalt aussah und die nicht nach Klo roch, sondern zur Weihnachtszeit morgens im Kerzenlicht erstrahlte. Man muss kein Anthroposoph sein, um das verwirklichen zu können. Aber wenn es hilft – wer wollte da das erste Zuckerkügelchen werfen? …“ | https://taz.de/Waldorf-Weleda-Demeter-und-Co/!5638891/

Wolf Haberer (20.11.2019, 18:01): “ … Also eines muss man dem Zander neidlos zugestehen … er wird ja von beiden Seiten gelesen, von den zürnenden oder zumindest beunruhigten Anhängern genauso wie von jenen, die unter- bis oberschwellig fasziniert einen tieferen Blick in diese Welt riskieren wollen …“

Jim Hawkins 21.11.2019, 09:19: “ … Aber: Auf mein Weleda-Wildrosen-Öl lasse ich nichts kommen.“

“ …

gelöschter User (16. Jänner 2011, 18:21:50): “ … Mir wir schon flau im Magen, wenn ich das typisch anthroposopisches Design sehe, dazu reicht schon der „Weleda“-Schriftzug. Dann befällt mich eine klaustrophobische Beklemmung und das Bedürfnis, die Fenster aufzureißen zu müssen. Dies, obwohl ich eigentlich recht wenig mit der Anthroposophie in Berührung gekommen bin. Ein sehr guter Freund von mir hatte sich vor langer Zeit mit einer zwar nicht konsequent praktizierenden, aber doch stark anthroposophisch geprägten (und im übrigen nicht sonderlich intelligenten) Frau liiert, die auf Dauer nicht zu ertragen war. Das hat gereicht, um mich bis heute zu traumatisieren. …“ Kommentar zu: https://www.derstandard.at/story/1293370714873/anthroposophie-steiner-entsteinern

“ …

Hans-Florian Hoyer (27. Januar 2011 um 01:03): “ … to whom it may concern: Huber, J., Astral-Marx, Über Anthroposophie, einen gewissen Marxismus und andere Alternatiefen, in Kursbuch 55, 1979, S.139-161. — Joseph Huber beschreibt in dem Aufsatz „Astral-Marx“ sein Erleben mit solchen Aktivitäten der anthroposophischen Bewegung wie folgt: „Mir persönlich ging es mit der Anthroposophie wie im Märchen vom Igel und vom Hasen. Als linke Hasen rennen wir uns nach den sozialistischen Träumen die Hacken ab, und wenn wir wo hinkommen, steht da oft ein anthroposophischer Igel und sagt ‚Ätsch, ich bin schon da‘: hier ist ein klassenloses Krankenhaus, dort eine eigene Genossenschaftsbank, da sind selbstverwaltete Kindergärten und Schulen, Verlage, alternative Heil- und Therapieeinrichtungen, Tagungsstätten, freie Kunstakademien, Arzneimittelfabriken, biologisch-dynamische Landwirtschaftsbetriebe und anderes. Wo die heutige Linke mit lautem Getöse relativ wenig erreicht, schaffen Anthroposophen im Stillen viel.“ …“ | https://www.ruhrbarone.de/150-jahre-rudolf-steiner-%E2%80%93-%E2%80%9Eaber-ich-hab%E2%80%99-doch-nichts-davon-gewusst%E2%80%9C/22119



“ … Rainer Herzog: »Nicht von außen, so sagte Rudolf Steiner schon 1914/1915, drohe seinem Werke Gefahr. Die Feinde kommen von innen, aus der Mitgliederschaft selbst.« (Adelheid Petersen, „Erinnerungen an Rudolf Steiner“, S. 189) – Ich muss gestehen, dass ich noch bis vor kurzem die diversen Berichte, Mahnungen und Warnungen über die Offenheit der anthroposophischen Bewegung für Verschwörungstheorien (VT) als etwas übertrieben erlebte – auf Facebook und auch vor allem [ ] auf dem Egoistenblog. Inzwischen weiß ich: Es ist viel schlimmer, irrer und durchgeknallter, als ich angenommen hatte. …“ | „Ein halbes Jahr in einer anthroposophischen Facebook-Gruppe – Ein Selbstversuch“ Eingestellt von Ingrid H. (23. Oktober 2018), Quelle: https://egoistenblog.blogspot.com/2018/10/ein-halbes-jahr-in-einer.html

Impuls / Kontext: —> https://egoistenblog.blogspot.com/2019/11/lieber-anthroposophischer.html
Bild Quelle (2): pdf

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk (03.09.2019): “ … Wenn sich der Religionswissenschaftler Helmut Zander die Anthroposophie vorknöpft, ist Rezensentin Monika Dittrich ganz Ohr, denn die Felder ihrer Tätigkeit breiten sich aus: Von Demeter-Höfen über Drogeriemärkten und Banken bis zu Weleda bis zu den Waldorf-Schulen. „Prägnant und kurzweilig“ sei das Buch geschrieben, meint die Rezensentin, man könne es in einem durchlesen, aber auch als Handbuch. Dittrichs Darstellung zufolge reibt sich Zander vor allem am Absolutheitsanspruch der Anthroposophie, die er an Rudolf Steiners Glauben an die höhere Erkenntnis festmacht. Höhere Erkenntnis sei nicht verhandelbar, zitiert Dittrich den Autor, dem sie attestiert, auch in seiner Kritik an okkulten Dimensionen der Anthroposophie nüchtern und fair zu bleiben, zwischen verschiedenen Fraktionen zu differenzieren und nie ins Abrechnende zu verfallen. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/helmut-zander/die-anthroposophie.html

Monika Dittrich (02.09.2019): “ … Anthroposophen werden das nicht gern hören – und auch an andere Ideen von Rudolf Steiner werden sie vermutlich lieber nicht erinnert. So sprach Steiner von menschlichen Rassen, von Wurzelrassen, von degenerierten Indianern und vom starken Triebleben der – Zitat – „Neger“.
Die Art und Weise, wie Anthroposophen heute mit den rassistischen Aussagen ihres geistigen Mentors Steiner umgehen, bezeichnet Zander als „unsouverän“ – trotz diverser Distanzierungsversuche und etwa der sogenannten Stuttgarter Erklärung des Bundes Freier Waldorfschulen.
Hier offenbare sich ein grundsätzliches Problem: Die Kritik am Gründungsvater werde als Gefahr für das gesamte anthroposophische System wahrgenommen.
„Steiner glaubte, dass diese Vorstellungen Ergebnis seiner Einsichten in höhere Welten seien. Wenn man jetzt ein Stück aus diesen höheren Welten herausschneidet und sagt, dieser Teil stimmt nicht, dann ist unklar, ob nicht wie ein Domino-Effekt andere Teile dieser Einsicht auch fallen.“
Dazu schreibt Zander: „Am Ende geht es um viel mehr, um die Logik seines Weltanschauungshauses. Tief in dessen Inneren sitzt eine Evolutionstheorie, die Steiner aus dem 19. Jahrhundert geerbt hat und in der die ganze Kultur evolutionstheoretisch gedeutet wird. […] Steiners Rassentheorie zu kritisieren bedeutet im Kern, seine Logik der Evolutionslehre infrage zu stellen.“
Zanders Buch ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Anthroposophie – aber keine Abrechnung. Er schreibt mit dem beobachtenden Blick des Historikers – als Theologe und Religionswissenschaftler vermag er insbesondere die okkulte und religiöse Dimension der Anthroposophie einzuordnen. … Vor allem aber wird in seinem Buch deutlich: Die Anthroposophie ist ein weit verzweigtes Netz mit vielen Aspekten und Ausprägungen – und ihre Akteure lassen sich nicht über einen Kamm scheren. Das anthroposophische Milieu sei hochdifferenziert, sagt der Autor: „Von offen linken, bürgerlichen, grünen Anthroposophen und einer Betonfraktion auf der anderen Seite, die der Meinung sind, dass die Rassentheorie Steiners doch irgendwie stimmt.“ …“ | https://www.deutschlandfunk.de/helmut-zander-die-anthroposophie.1310.de.html?dram:article_id=457576


Jürgen Holwein (29.01.2011): “ … Steiner glaubte, dass man die übersinnliche Welt erkennen könne. Deshalb gründete er eine Esoterische Schule, in der Meditation zur Erlangung höherer Erkenntnis gelehrt wurde. Dafür schrieb er Mysteriendramen, in denen der Mensch den Weg in die geistige Welt nachvollziehen können solle. Und deshalb entstanden in der Theosophischen, später Anthroposophischen Gesellschaft Kulträume, in denen ein freimaurerischer Ritus, ein „Erkenntniskult“, gefeiert wurde – dies jedenfalls behauptet Helmut Zander.
Kritiker sehen in der Anthroposophie (wörtlich „Weisheit vom Menschen“) nichts anderes als die „sonderbare ,Weisheit“‚ des Menschen Rudolf Steiner. In ihr verschmelzen die Elementarteilchen aus allen nur denkbaren Erkenntnis- und Wissensgebieten zu einer einzigen Evolutionsgeschichte der Menschheit, der Erde und, ja, des ganzen Kosmos.
Steiner war kein Rassist im nationalsozialistischen Sinn, auch wenn in der Konstruktion seines theosophischen Sozialdarwinismus von „degenerierten“, „zurückgebliebenen“ oder „zukünftigen Rassen“ die Rede ist. Und eine Weltsicht, in der sich Engel und Dämonen gegenüberstehen, die die Existenz von Volks- und Rassengeistern behauptet und die lehrt, dass das Leben der Menschen von Karma aus früheren Leben bestimmt ist, erscheint heute befremdlicher denn je.
Nehmen wir Rudolf Steiner als ein Kind seiner Zeit. Lebensreformerische Bewegungen lagen in der Luft. Aus Steiners reformpädagogischem Konzept wurde die erfolgreichste Privatschulbewegung überhaupt. 221 Schulen gibt es in Deutschland, 1000 sind es weltweit. Das Arnika-Massageöl von Weleda oder die Rosencreme von Dr. Hauschka wird auch in Hollywood geschätzt. … “ | https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.anthroposophie-rudolf-steiner-geist-und-geister.62671315-0db8-4f0b-ab15-472b679907af.html

„… Aus den frühen 1890er Jahren in Weimar liegen einige Erinnerungen der bald darauf sehr erfolgreichen emanzipatorischen Schriftstellerin Gabriele Reuter vor, zu deren Freundeskreis Steiner gehörte. Sie schrieb: „Individualisten von reinstem Wasser waren wir sämtlich. […] Friedrich Nietzsche [war] unser Gott geworden. […] Jeder von uns war Herr der Welt und der Mittelpunkt ihres Seins, und die Souveränität des Einzigen [im Sinne Stirners] wurde mit den groteskesten Gründen und den gewagtesten Schlussfolgerungen bestätigt. [ ] Rudolf Steiner […] war groß darin, barocke, unerhörte Prämissen aufzustellen und sie dann mit einem erstaunlichen Aufwand von Logik, Wissen, kühnen Einfällen und Paradoxen zu verteidigen. … Ein Gedanke Steiners ist mir viel nachgegangen: die Forderung von moralischer und religiöser Phantasie […].“ – Gabriele Reuter
… Alles in allem gab es wenig Zeitgenossen, die Steiner indifferent gegenüberstanden. Er hatte eine starke und ungemein polarisierende Wirkung. Seine Zuhörerschaft teilte sich zumeist in Anhänger und Gegner. Die vielfältigen Impulse für verschiedenste Lebensbereiche, die Steiner ausübte, wurden daher in der Regel außerhalb des anthroposophischen Kontextes wenig rezipiert. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Steiner (Stand: 11. November 2019)

lemon / 21 November 2019 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

[Religions-Setzbaukasten #3… ]

(469219) Kamoʻoalewa [ Simulierter Orbit von (469219) 2016 HO3 ] | https://de.wikipedia.org/wiki/(469219)_Kamo%CA%BBoalewa

Otto Wöhrbach (11.11.2019): “ … Vom Asteroiden Kamo´oalewa aus hätten Aliens die Erde gut im Blick – wenn es sie denn gibt. 2022 soll ihn eine chinesische Sonde erforschen. …“ | Aus: „Ein Felsbrocken, der immer nah bei der Erde bleibt Ist Kamo’oalewa ein Beobachtungsposten der Außerirdischen?“, Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/ein-felsbrocken-der-immer-nah-bei-der-erde-bleibt-ist-kamooalewa-ein-beobachtungsposten-der-ausserirdischen/25211198.html

Rindenberg 11.11.2019, 09:59 Uhr: “ … “Manchmal glaube ich, der beste Beweis dafür, dass es anderswo im Weltall intelligentes Leben gibt, ist der, dass noch niemand versucht hat, Kontakt mit uns aufzunehmen.” (aus: Calvin & Hobbes) …“

Krotocker 11.11.2019, 11:56 Uhr: “ [Ein] Bekannter von mir behauptet das wir Menschen von Aliens abstammen und die Aliens demnächst die Erde besuchen werden. Der Mann ist nicht in Behandlung arbeitet als Küchenchef und hat eine Familie. Dann habe ich im letzten Jahr zwei Menschen kennen gelernt die allen ernstes behaupten das die Erde vielleicht ja doch eine Scheibe wäre. Auch Sie nicht in Behandlung und führen ansonsten ein normal geregeltes Leben. Sind das jetzt eher Ausnahmen [?]. …“

Babsack 11.11.2019, 12:10 Uhr: Antwort auf den Beitrag von Krotocker 11.11.2019, 11:56 Uhr: “ … „Sind das jetzt eher Ausnahmen.“ – Nein, Ausserirdische. …“

Flup 11.11.2019, 12:20 Uhr: Antwort auf den Beitrag von Krotocker 11.11.2019, 11:56 Uhr: “ … Natürlich ist die Erde eine Scheibe. Sie wird von vier Elefanten getragen, die auf dem Rücken einer Weltraumschildkröte durch das Weltall fliegt. Das kann jeder Atrozoologe bezeugen. Auch wissenschaftlich fundiert in den Scheibenwelt-Aufzeichnungen von Terry Pratchet dargelegt. Jetzt musste er allerdings wieder zurück auf seinen Planeten, weshalb er offiziell für tot erklärt wurde und deshalb für Rückfragen nicht mehr zur Verfügung steht. …“

Rotfahrer 11.11.2019, 13:23 Uhr: Antwort auf den Beitrag von Krotocker 11.11.2019, 11:56 Uhr: “ … Andere glauben hingegen an die unbefleckte Empfängnis.. jeder wie er möchte. Solange man andere in Frieden lässt. …“

Paul_Oppermann 11.11.2019, 20:17 Uhr: Antwort auf den Beitrag von Krotocker 11.11.2019, 11:56 Uhr: “ … Leben und leben lassen. Ein indischer Bekannter von mir glaubt fest daran, dass es im Hymalaja Samadi-Höhlen mit jahrtausendealten Überlebenden von Atlantis gibt, die dort im Samadi-Zustand wie versteinert vor sich hinwarten, zu einem gegebenen Zeitpunkt wieder ins aktive Leben zurück zu kehren. Warum nicht, klingt ja irgendwie auch vernünftig. Er meint auch, dass dieser Glaube in Indien ganz normal und verbreitet sei. Ich hatte das eher für ein Hindu-Ding gehalten, aber er ist Sikh und glaubt halt auch dran. Und weil er kein Spinner ist und ich ihm noch einen Gefallen schuldete glaube ich das jetzt auch. ;-) Warum allerdings diese elende Flach-Erde-Theorie derzeit so grassiert verstehe ich auch nicht. Gibt es heutzutage keinen Astronomie-Unterricht mehr? …“

gesundermenschenverstand 11.11.2019, 21:33 Uhr: “ … „…Vielleicht beobachten die Aliens den Blauen Planeten aber zunächst aus sicherer Entfernung und melden nach Hause, was sich auf ihm so tut.“ – Das ist außerirdischen auch dringend anzuraten!! Sich den reichen und mächtigen (teils schwer durchgeknallten) aus wirtschaft und politik des planeten erde anzuvertrauen, ist mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit gar keine gute idee. …“

lemon / 12 November 2019 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Diktaturgeschichte & Realitätskerne #1 … ]

“ … „die heutige Demokratie in der Europäischen Union [seien] keineswegs ein Kind gestandener europäischer Liberalität“ [ ], sondern vielmehr „das Ergebnis eines schändlichen europäischen Sündenfalls: des genozidalen Weltkrieges“, der gleichbedeutend mit dem Scheitern des Konzeptes der europäischen Demokratie war. … CARLOS COLLADO SEIDEL (München) leitete mit einem groß angelegten Überblick über die Franco-Diktatur in Spanien die erste Sektion ein, welche sich der Entstehung und dem Charakter der südeuropäischen Diktaturen widmete. „Der Spanische Bürgerkrieg von 1936-1939 ist bis heute ein zentraler Referenzpunkt für die spanische Gesellschaft.“ … Die von António de Oliveira Salazar in Portugal errichtete Diktatur des Estado Novo (1933-1974) war die längste rechtsgerichtete Europas. Ein zweifelhafter ‚Rekord’, den CHRISTIANE ABELE (Paris/Freiburg) nach dem Wie sowie auf die Entwicklungsstufen des Regimes hin hinterfragte. … JANIS NALBADIDACIS (Berlin) hob zunächst die markanten Bedeutungsunterschiede der griechischen Militärdiktatur (1967-1974) gegenüber den zuvor präsentierten Vergleichsfällen in Spanien und Portugal hervor: Diese war die einzige, welche sich lange nach dem Zweiten Weltkrieg etablierte und daher international wesentlich stärker verflochten war, was nicht zuletzt zu ihrer Durchlässigkeit für internationalen Protest und damit auch ihrer im Gegensatz zu den Diktaturen auf der iberischen Halbinsel geringen Verweildauer geführt habe. Kritisch sei in diesem Zusammenhang, die historiografische Etikettierung des Obristen-Regimes als „aus der Zeit gefallen“ zu betrachten, da diese „ahistorische“ und simplifizierende Perspektive den weiten Bedeutungszusammenhängen der Diktatur in keiner Weise Rechnung trage. … Mit einem Zitat Jorge Sempruns führte ULRIKE CAPDEPÓN (Hamburg) in die zweite Sektion ein, welche das Ende der Diktaturen und ihren Weg zur Demokratie thematisierte: „Spanien hat sich mit erdrückender Mehrheit für eine kollektive und gewollte Amnesie entschieden […]“. …“ | Aus: (‚Europas vergessene Diktaturen? Diktatur und Diktaturüberwindung in Spanien, Portugal und Griechenland‘, Stiftung Ettersberg, Europäische Diktaturforschung – Aufarbeitung der SED-Diktatur – Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße; Landeszentrale für politische Bildung Thüringen, Datum 04.11.2016 – 05.11.2016) | Quelle: https://www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7037

Ines Geipel (geb. Schmidt) 1982 – ASV-Meeting in Koeln. Foto: Juergen Weyrich

“ … [Ines Geipel]: … Worüber wir auch nicht sprechen, ist die Tatsache, dass es mit 1990 kein Aufarbeitungsmodell für mehr als fünfzig Jahre Diktaturgeschichte gegeben hat. Woher auch? Wir sind ja überaus erfindungsreich, was Entlastungserzählungen angeht. … Aufarbeitung ist zäh, sie stößt auf Widerstände, bei Lichte besehen ist sie fast immer enttäuschend. … Mir geht es um eine Geschichte des Autoritären, der Gewalt, der Angst. Wir sagen DDR und denken dabei an einen stabilen, sicheren Käfig. Aber in ihm regierte die Angst, sehr viel Angst. Mein Modell wäre zu sagen: Okay, wir sind gedächtnispolitisch im Jahr 1975, wenn man als Nenngröße die alte Bundesrepublik setzt. Das war die Zeit, als die Nachfragen nach innen gingen, in die Familien, und als sich das politische Klima, die politische Haut der Gesellschaft veränderte. Im Westen verständigte man sich zu der Zeit auf einen Konsens: Was ist unser Maß, was das absolute No-Go? Im Osten existiert bis heute nur ein Konglomerat an Erzählungen. Du sitzt in einem Raum, willst über das Jahr 1989 sprechen, und jeder Anwesende bringt seine Version. Für den einen ist der 9. November 1989 der schlimmste Tag seines Lebens, die Nächste erzählt vom absoluten Glück. … Es ist unglaublich, mit welcher Härte die wirklichen Opfer der zweiten Diktatur wegerzählt werden. Fünfzig Jahre Diktaturerfahrung sind eben nicht nur traumatisierte Menschen, sondern auch eine traumatisierte Kultur. … Gerade das Autobiografische verlangt eine spezielle Art der Aushärtung. Es geht nicht um das Aufsammeln von Details, sondern: Halten die Sätze? Lege ich mit ihnen eine Wahrnehmung frei, die mit dem Ich, der inneren Apparatur, dem eigenen Koordinatensystem zu tun haben? Geht es dabei nicht zuerst um Realitätskerne, um eine Verdichtung von Erfahrung, die nach etwas Essenziellem in der Zeit sucht? …“ | https://www.derstandard.at/story/2000110569561/ex-ddr-athletin-und-autorin-ines-geipel-die-ddr-war | https://de.wikipedia.org/wiki/Ines_Geipel [ (2. November 2019): “ … In ihrem 2019 veröffentlichten Buch Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass greift Geipel das für die DDR-Geschichte so signifikante Thema des Verschweigens aus der Sicht mehrerer Generationen auf. Dabei bricht sie zum einen das „toxische Schweigen“ auf, mit dem nicht nur die SS-Vergangenheit ihrer beiden Großväter, sondern auch die Stasi-Tätigkeit des Vaters verhüllt wurde. … “ ]

Cornelia Geißler (30.10.19): “ … Der Autor beruft sich hier auf die Integrationsforscherin Naika Foroutan und den Soziologen Daniel Kubiak, benennt das Phänomen des „Othering“: Eine Gruppe von Personen wird als besonders herausgestellt. Nichelmann schreibt: „Wenn in Ostdeutschland ein Problem auftritt, dann ist es ein Problem von Ostdeutschland. Wenn in Westdeutschland ein Problem auftritt, dann ist es ein Problem von Gesamtdeutschland.“ Die Triebkraft für Nichelmanns Recherchen liegt allerdings ursprünglich in der eigenen Familie. Er fand als Kind eine NVA-Uniform, die seinem Vater gehört haben muss, der aber verstört das Gespräch darüber verweigerte. … Als Erwachsener erkennt er, wie sich die Erfahrungen seiner Altersgenossen mit den Eltern ähneln: „Deutlich spürbar ist ihre Angst, offen über das Leben und die eigenen Rolle in der DDR zu sprechen.“ Was ist da schief gelaufen? …“ | https://www.fr.de/politik/30-jahre-mauerfall/buch-fall-mauer-nachwendekinder-warum-sprichst-kein-ossisch-13178089.html

Johannes Nichelmann (3. 11. 2019): “ … Als Henning 39 Jahre alt war, besorgte er sich die Stasi-Akte seines Vaters. „Ich bin da erst wenige Jahre drüber hinweg. Es gab damals auch keine psychologische Begleitung.“ …“ | https://taz.de/DDR-Aufarbeitung-in-Familien/!5635412/

Katarina Witt über die Wende „Man schweigt den Schmerz weg“ (5. 11. 2019): “ … Katrin Gottschalk: Sie sind bekannt dafür, Ihr Privatleben sehr gut zu schützen. Kürzlich aber haben Sie doch eine sehr persönliche Geschichte erzählt. Für das Por­trätbuch „Ostfrauen verändern die Republik“ haben Sie geschildert, wie es Ihren Eltern nach der Wende gegangen ist.
Katarina Witt: Hören Sie auf, da fange ich gleich wieder an zu heulen.
Katrin Gottschalk: Ihr Vater ist damals arbeitslos geworden, und Sie haben Ihre Eltern noch jahrelang unterstützt. Eine sehr ostdeutsche Erfahrung. Wie geht man als Kind damit um?
Katarina Witt: Ich war damals 23 Jahre alt. Meine Eltern, die heute über achtzig sind, waren damals also genauso alt wie ich heute. Die haben immer versucht, Probleme von uns Kindern fernzuhalten. Dieser Umbruch Anfang der Neunziger, der Schmerz, der damit einherging, die Verletzungen, das bricht ja jetzt erst auf. Unsere Eltern fangen jetzt erst an, offen zu reden, und das ist für uns, ihre Kinder, neu. …
Katrin Gottschalk: Sind „Ossi“ und „Wessi“ für Sie Schimpfwörter?
Katarina Witt: „Ossi“ und „Wessi“ ist eher eine Frotzelei. Grundsätzlich ist aber „Ossi“ eher positiv bei mir ­besetzt als „Wessi“. (alle lachen) Für mich ist die Bezeichnung „Ostfrau“ mittlerweile ein Güte­siegel. …“ | https://taz.de/Katarina-Witt-ueber-die-Wende/!5636400/

“ … Steffen Mau: „Als wir in die Bundesrepublik hineinkamen, da hatten wir natürlich eine antifaschistische Erziehung genossen. Und die in der Bundesrepublik haben gesagt: Wir haben ´68 gehabt, wir haben das eigentlich durch. Wir sind da vollständig aufgeklärt. Und dann kam die Wehrmachtsausstellung 1995 des Hamburger Instituts für Sozialforschung. Da haben sich viele Ostdeutsche gefragt: Was geht da eigentlich vor? Warum gibt es Demonstrationen in München oder Stuttgart gegen die Aussage, dass die Wehrmacht an Verbrechen des Nazi-Regimes beteiligt war? Das ist sozusagen im Weltbild der Ostdeutschen unvorstellbar, dass man so etwas überhaupt in Zweifel ziehen kann. Und ich sag einfach mal: dass die Ostdeutschen bei solchen Debatten fast nie zum Zuge gekommen sind.“ … Frank Blohm: „Der Westdeutsche sieht ja traditionell gern herab auf den Ostdeutschen, weil der sich ja so angepasst hätte und unterworfen hätte unter die Diktatur. Unterschlägt aber dabei, dass doch jeder von uns im Westen sich auch angepasst hat. So wird also der Ostdeutsche zur Projektionsfläche eigener Unzulänglichkeiten, wie das oft so ist, das Eigene wird verdrängt und dem anderen zugeschrieben, das Negative wird dem zugeschrieben. Und so ist es natürlich umgekehrt auch. Aber jetzt reden wir erst mal von den Westdeutschen, von denen ja immer so wenig geredet wird – weil: Der Westdeutsche redet ja gerne immer über die Ostdeutschen, ungern über sich.“ … „Das hat nicht so lange angehalten, diese Euphorie“, erinnert sich Jutta Voigt. In „Westbesuch“ nennt sie die Liebe zwischen denen, die sich 1989 in den Armen lagen, eine Amour fou: „Zwischen Ost und West. Na, eine verrückte Liebe, habe ich damals noch gedacht. Also Liebe stimmt ja nicht. Eine wilde Nacht – und dann war auch bald Schluss.“ …“ | https://www.deutschlandfunkkultur.de/westdeutscher-blick-auf-die-ddr-warum-der-westen-den-osten.976.de.html?dram:article_id=462762 ( Hans von Trotha, 06.11.2019)

lemon / 4 November 2019 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe #78 … ]

“ … Das Grübeln über Natur und Wesen des Menschen sowie die engeren und weiteren Bedingungen seines Menschseins hat viele Antworten hervorgebracht. Letztlich aber laufen alle Versuche zur Bestimmung der conditio humana auf etwas hinaus, das der Bayerische Volkssänger Weiß Ferdl in einem Stoßseufzer so zusammenfasst: „I woaß net wia ma is!“
Rund 2.000 Jahre früher ist sein römischer Kollege Catull von ähnlichen Problemen geplagt: „Ich hasse und liebe zugleich“, beginnt er eines seiner berühmtesten Gedichte. … Ambivalenzerfahrungen sind ein natürlicher Teil unserer psychischen Realität. Und es gibt gute Gründe, ihnen ein dauerhaftes Bleiberecht einzuräumen. …“ | Quelle: „Das innere Hin und Her“ Simon Demmelhuber (31.01.2018), https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/psychologie/ambivalenz-konflikt-100.html

“ … Im Begehren kann der Freundschaftskeim enthalten sein, aus Kameradschaft wird Zärtlichkeit; aber im allgemeinen scheint es mir ratsam, zwischen Eros und Sympathie, zwischen geschlechtlich-emotioneller Attraktion und moralisch-intellektueller Affinität sauber zu unterscheiden. …“ | Klaus Mann (1906-1949) – Der Wendepunkt. 1. Auflage. Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag, 1974. S. 400

lemon / 17 Oktober 2019 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Mythen meiner Kindheit #10… ]

„Mein Luftkissenfahrzeug ist voller Aale.“

“ … Monty Python waren die psychedelische Revolution in der Geschichte der Komik. … Dieser realitätsaufweichende Impuls indes war nicht etwa drogeninduziert, sondern reines Kalkül. … “
Frank Schäfer (06.10.2004)

„… Am Sonntag, 5. Oktober 1969, zeigte die BBC im Abendprogramm die erste Episode einer Unterhaltungsserie, die das Comedy-Genre für immer verändern sollte: „Monty Python’s Flying Circus“ … Anders als konventionelle Komiker verzichteten die Pythons auf die obligatorische Pointe am Schluss und verknüpften die einzelnen Elemente mit surrealen Animationen und satirischen Songs zu einer Art absurden Bewusstseinsstrom. …“ | Aus: „Very British: Die Kultshow „Monty Python’s Flying Circus“ wird 50″ Uli Hesse (05.10.2019) | Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Very-British-Die-Kultshow-Monty-Python-s-Flying-Circus-wird-50-4542653.html

lemon / 5 Oktober 2019 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe #77 … ]

Ein Telefon – Aus: „7 invenções do passado que estavam muito além de seu tempo“ | [7 vergangene Erfindungen, die weit über Ihre Zeit hinausgingen] ( 03/05/2017)

“ …. „Zum einen gilt es, mediale Maschinerien als Spiegelungen von Bedürfnissen, Antrieben und Phantasmen einer Menschheit zu verstehen, die nicht zuletzt in Gestalt der techné praktische Anthropologie betreibt, zum anderen aber ist danach zu fragen, wie diese mediale techné die Befindlichkeit des Menschen verändert, variiert und modifiziert, die sich nicht einfach statisch zwischen Mensch und Welt stellt, sondern indem sie letztere erst in der uns heute geläufigen Form konstituiert, auch jene Momente des Inszenatorischen und Imaginären ins Blickfeld rückt.“ …“ Quelle: Hans Ulrich Reck: Inszenierte Imagination. Beiträge zu einer historischen Anthropologie der Medien. Hrsg.: Wolfgang Müller-Funk, Hans Ulrich Reck. Springer, Wien/New York 1996, S. 1. | https://de.wikipedia.org/wiki/Techne (1. Mai 2019)

Rainer Funke „Die Erotik des Design“ (2006): “ … Als Sehnsucht nach Vollkommenheit ist Eros auch der gefühlte Hinweis auf die Leerstellen in der eigenen Existenz, die eigene Unvollkommenheit und Quelle für Vorstellungen der eigenen Idealität. So, wie dem geteilten Menschen die andere Hälfte fehlt und er im Streben nach der Vereinigung mit der anderen Hälfte seine Vorstellung von dem eigenen idealen Dasein versucht zu realisieren, so sind wir auch in ständiger Bemühung, die Leerstellen unseres physischen, sozialen und seelischen Daseins im Wechselspiel zwischen Hingabe und Penetration mit Prothesen aufzufüllen. Die Lust, die bei der Begegnung mit einer viel versprechenden Prothese, sei es der neue MP3-Player, das neue Computerspiel, die neue Version von Photoshop, oder das neue Interieur einer Bar, erfahren wird, ist durchaus mit der Lust im engeren erotischen Sinne zu vergleichen. Auf dem Weg zum Ideal wird die Erweiterung des Ich durch Verschmelzung erfahren. … Design liefert die Oberflächen, also die Anreize, Wahrnehmung unter Rückgriff auf Vorstellungen idealen Daseins zu konstruieren. Indem Design Formen kreiert, die Lust wecken, schafft es Wahrnehmungs-, Projektions- und Reflexionsanlässe, die mehr oder weniger dazu geeignet sind, dass die Nutzer mit sich selbst oder mit anderen Menschen bzw. auch mit Gruppen von Menschen in Bezug auf den Horizont verfügbarer Ideale kommunizieren. …“ | http://www.applaus-potsdam.de/2006/de/event/program.html

lemon / 27 August 2019 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder / 0 Comments

1 2 3 17