Kategorie: Gedanken.Memo

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #13 … ]

… in einer geteilten Wirklichkeit … Als personalisierte „Wahrheiten im Plural“, die angereichert von Affekten und Emotionen den Status subjektiver Wahrheiten innehaben, entziehen [ ] sich [soziale Medien] einer Nachprüfbarkeit, sind in ihrer Quantität schlicht überschaubar und erweisen sich aus sich selbst heraus als Beleg für die Unmöglichkeit der medialen Wahrheitskonstruktion. …

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“ … [[ … Die bikamerale Psyche ist in der Psychologie eine hypothetische Vorstufe des menschlichen Bewusstseins, die 1976 von Julian Jaynes in seinem Werk The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind postuliert wird. … … Die Hauptthese von Julian Jaynes, die er selbst preposterous („absonderlich“) nennt, besagt: Bewusstsein hat sich in historisch nachweisbarem Ausmaß erst in dem Jahrtausend vor der klassisch-griechischen Hochkultur entwickelt, etwa zwischen 1300 und 700 v. Chr. Die Menschen vor dieser Zeit hatten kein Bewusstsein, das heißt im Sinne Jaynes’ kein autonomes, exekutives Selbst. | https://de.wikipedia.org/wiki/Bikamerale_Psyche]] … Im Interview zeichnet McLuhan ein Bild der Rückkehr: „Wir kehren zurück in den Zustand des bicameral mind, kollektiv, tribal, ohne individuelles Bewusstsein.“ … Der Begriff des „bicameral mind“ stammt ursprünglich vom Psychologen Julian Jaynes, der damit einen präliteralen, vorbewussten Zustand des Menschen beschreibt: ein Denken, das nicht im Sinne innerer Reflexion funktioniert, sondern in dem die rechte Hirnhälfte – bildhaft, akustisch, mythisch – die linke dominierte. Entscheidungen, Intuitionen, Handlungen wurden nicht als inneres Selbstgespräch erlebt, sondern als „Stimmen der Götter“, als Befehle einer externen Autorität. Es war ein Leben in totaler Präsenz, ohne Distanz zwischen Impuls und Reaktion, zwischen Wahrnehmung und Interpretation. … [ Gerade deshalb sollten wir McLuhan nicht auf seine Aphorismen reduzieren. Seine Theorie ist keine Maschinenkritik, sondern eine Form der Selbstbeschreibung moderner Gesellschaft, die den Menschen nicht überschätzt, sondern funktional einordnet. Widerständigkeit? Möglich. Aber selten. Wahrscheinlicher ist, dass das System uns längst mitdenkt – auch wenn wir glauben, ihm zu widersprechen. Juni 2025 um 10:55 ] …“ | Aus: „Das globale Dorf als Brennglas der Gewalt – Ein systemtheoretischer Exkurs mit Marshall McLuhan“ gsohn (3. Juni 2025) | Quelle: https://ichsagmal.com/das-globale-dorf-als-brennglas-der-gewalt-ein-systemtheoretischer-exkurs-mit-marshall-mcluhan/
// https://de.wikipedia.org/wiki/Medientheorie

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Bild: Wechselseitige Irritationen: Social Media, Massenmedien, ‚Öffentlichkeit‘
January 2017, In book: Geschlossene Gesellschaften.
Verhandlungen des 38. Kongresses der DGS.
Publisher: DGSEditors: Stephan Lessenich
Authors: Jan-Felix Schrape, University of Stuttgart

“ … ‚Die Öffentlichkeit‘ bleibt [ ] bis zu einem gewissen Grad stets eine Fiktion (Schmidt 2001). … Die Existenz einer ontologischen Realität als Beobachtungshorizont wird auch aus dieser Perspektive nicht bestritten – diese kann aber keinesfalls beobachterunabhängig erfasst werden – weshalb übergreifende Bezugsgrundlagen wie ein geteiltes Zeit- und Zahlenverständnis, unsere Sprache sowie weitere sozial kristallisierte Symbolstrukturen notwendig werden, um Kompatibilität zwischen den mannigfaltigen Realitätssichten zu schaffen. …“ | Aus: „Wechselseitige Irritationen: Social Media, Massenmedien, ‚Öffentlichkeit‘“ Jan-Felix Schrape (2017) | Quelle: https://www.researchgate.net/publication/320146511_Wechselseitige_Irritationen_Social_Media_Massenmedien_Offentlichkeit‘

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“ … Das Bewusstsein in der Alltagswelt funktioniert subjektiv sinnhaft, intentional und objektbezogen. Damit ist es abgegrenzt von Bewusstseinsformen in anderen Welten: Traum, theoretische Physik, Spiel und im weiteren Sinne auch Kunst und Religion. Eine bestimmte Wirklichkeitsordnung strukturiert die Alltagswelt. Aspekte dieser Ordnung sind Sprache, Technik, soziale Beziehungen, das Hier und Jetzt als Zentrum, die Differenzierung in Nah- und Fernzonen, die Spezifika der Arbeitswelt, Intersubjektivität, verschiedene mögliche Perspektiven, Selbstverständlichkeit, Ausbildung von Routine- und Problembereichen, die Ausbildung eines Erfahrungsrahmens und eine Zeitstruktur, die sowohl das Konzept permanenten Zeitflusses als auch zeitliche Einzelabschnitte denkbar macht. … Das Wissen über Institutionen strukturiert bereits per Sozialisation die Alltagswelt. Sedimente von Wissen und Sinn bilden dazu Traditionen. Rollen werden von den Menschen internalisiert und repräsentieren die gesellschaftliche Ordnung. Diese Institutionalisierung kann verschieden stark durchgesetzt sein. Legitimationskrisen können zu historischer Veränderung führen oder neue Subsinnwelten produzieren. Dabei spielt der Grad der Verdinglichung eine große Rolle: Wie stark werden Gesellschaft oder Rolle als natur- oder gottgegeben wahrgenommen? … Menschen internalisieren subjektive Wirklichkeit über Sozialisation. … Bei einfachen Formen gesellschaftlicher Arbeitsteilung (Bauer, Ritter, …) ist auch die Sozialisation ein einfacher Prozess, resultiert jedoch in starker Identität. … „Wahrscheinlich sind alle Menschen, wenn sie erst sozialisiert sind, latente ‚Verräter an sich selbst‘. Die psychische Schwierigkeit dieses Verrates wird jedoch größer, wenn entschieden werden muß welches ‚Selbst‘ von Fall zu Fall verraten werden soll.“ (S. 181) … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_gesellschaftliche_Konstruktion_der_Wirklichkeit (4. Dezember 2024) – Zu: “ … Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit – ein Werk von Peter L. Berger und Thomas Luckmann. Es erschien 1966 in den USA unter dem Titel „The Social Construction of Reality“. Die deutsche Übersetzung von Monika Plessner wurde 1969 veröffentlicht. Es ist eines der Schlüsselwerke des Sozialkonstruktivismus. …“ | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkonstruktivismus

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„…Anhand konkreter Beispiele von Begegnungen zwischen Frankreich, der BRD, der DDR und Polen, sowohl in Kunstdiskursen als auch in der Kunst der 1960er bis 1980er Jahre, untersucht Mathilde Arnoux die jeweils unterschiedlichen Auslegungen der Konzepte der Wirklichkeit und des Wirklichen und beleuchtet gleichzeitig, inwiefern diese Wahrnehmungen geteilt, un- oder missverstanden werden. Zeitschriften, Kataloge, Kongresse, Museen, Galerien und andere alternative künstlerische Räume erscheinen hier als Foren, in denen die Facetten der jeweiligen Interpretationen durch die verschiedenen Autoren und Akteure der Kunstgeschichte – Künstler, Kunsthistoriker und Kunstkritiker – Gestalt annehmen. Ausgehend von den herausgearbeiteten Abweichungen wie Überschneidungen werden frühere Analysen kritisch zur Diskussion gestellt, um eine neue Perspektive auf die künstlerischen Beziehungen im Europa des Kalten Krieges anzubieten. …“ | Aus: „Geteilte Wirklichkeit – Für eine Geschichte der künstlerischen Beziehungen zwischen Ost und West im Europa des Kalten Krieges“ (2021) | Quelle: https://www.dfk-paris.org/de/publication/geteilte-wirklichkeit-2897.html | https://gab.hypotheses.org/6241

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“ … Wann immer Neuliberale den Sozialstaat attackieren, operieren sie mit dem Begriff der „Wirklichkeit“. … Kurzum: Die „Wirklichkeit“ ist ein außerordentlich legitimitätsheischender Begriff für straffe Marktreformer. Denn wer sich auf die „Wirklichkeit“ beruft, reklamiert für sich die unleugbaren Fakten, die unstrittige Empirie, ja die absolute Wahrheit. Selbst ist man nüchterner Realist, der andere aber – der die „Wirklichkeit“ partout nicht sehen will – lebt demgegenüber in einer Welt von Illusionen und Verdrängungen. Die „Wirklichkeit“ hat etwas Gebieterisches; sie verlangt folgsame Anerkennung, nicht Diskussion oder Erörterung. Der „Wirklichkeit“ hat man sich zu fügen, ihrer inneren Logik ist kompromisslos zu folgen. Sie setzt die Gegebenheiten, sie ist alternativlos und dadurch vernünftig, ja: Sie ist zwingend. Die „Wirklichkeit“ war und ist – kurzum – die stärkste diskursive Waffe neuliberaler Reformer in dieser Welt, um eine Realität zu desavouieren, die ihnen nicht gefällt und um eine „Zukunft“ zu formen, die sodann als einzig wirklich und damit herrisch absolut gesetzt wird. … “ | Aus: „Geteilte deutsche Wirklichkeit“ FRANZ WALTER (27.9.2005) | Quelle: https://taz.de/Geteilte-deutsche-Wirklichkeit/!539748/

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“ … Der Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer, der sich als Enthüllungsjournalist für linke Lebenslügen einen Namen gemacht hat, führte im März 2017 vor, warum es so nahe liegt, von den 68ern auf die Neuen Rechten zu kommen. Über ein Interview mit Rudi Dutschke aus dem Jahr 1967 schrieb er: „Wer beim Zuhören die Augen schließt, erkennt viele Parolen wieder, die heute die rechten Provokateure im Munde führen. Da ist die Schmähung der Regierungskabinette als „institutionalisierte Lügeninstrumente“, die Ablehnung des parlamentarischen Systems als manipulativ und unbrauchbar, die Verherrlichung der neuen Bewegung als eine, die „die wirklichen Interessen der Bevölkerung“ ausdrückt.“ … Zum Glück war Fleischhauer nicht im Archiv der taz. Die erste Ausgabe erschien im April 1979 mit Gedanken von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Rede ist dort von einem Staat, der „jeden Widerstand zu ersticken“ versuche. … Oskar Negt und Alexander Kluge [ ] argumentierten, dass es Gegenöffentlichkeit […] geben müsse, weil in der Öffentlichkeit einer Klassengesellschaft nur theoretisch all das verhandelt werde, was für wirklich alle wichtig ist. In der Praxis würden die Alltagserfahrungen vieler Menschen keine Rolle spielen … Es gibt heute Menschen, die sich in einer Art Diktatur wähnen – in jenem Sinn, in dem bei Oskar Negt und Alexander Kluge 1972 von einer „Diktatur der Bourgeoisie“ die Rede war. Sie wähnen sich in einer Diktatur des Liberalen, die sich nur noch für die Emanzipation immer neuer Minderheiten interessiert: Transgendertoiletten gelten als wichtig, Traditionen nicht. Das ist die Unterstellung. Männer sollen Männer heiraten dürfen, Frauen führen Unternehmen, Kopftücher gehören zu Deutschland, Flüchtlinge dürfen auch einfach rein – es ist nicht mehr so, wie es mal war. Als die 68er den Vertrieb der Bild-Zeitung blockierten oder Zeitungen aus dem Axel-Springer-Verlag verbrannten, da ging es immer auch um die Gefahr von Meinungsmonopolen. Springer kontrollierte damals mehr als 70 Prozent der Tageszeitungen in Westberlin. Die kommentierten die „Polit-Gammler“ und „rote SA“ in Grund und Boden und riefen dazu auf, die „Drecksarbeit“ gegen den „Terror der Jung-Roten“ nicht allein der Polizei zu überlassen. Kurz danach wurde Rudi Dutschke niedergeschossen. …“ | Aus: „Die taz und die Neuen Rechten: Die Lügenpresse, das sind wir“ Klaus Raab (15.4.2017) | Quelle: https://taz.de/Die-taz-und-die-Neuen-Rechten/!5396695/

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“ … Peter Trawny reflektiert leichtfüßig und tiefschürfend zugleich die „Krise der Wahrheit“ demokratischer Gesellschaften – und weist das Beunruhigende als gesellschaftlich produktiv aus … Spannend werden seine Ausführungen auch da, wo sich der Philosoph an der Differenzierung von „Wahrheit“ und „Tatsache“ abarbeitet und damit auch ein wichtiges Schlaglicht auf gegenwärtige Diskussionen um das „(Post-)Faktische“ [ „Als Postfaktizität oder postfaktische Politik wird ein politisches Denken und Handeln bezeichnet, für das Fakten irrelevant sind. “ –> https://de.wikipedia.org/wiki/Postfaktizit%C3%A4t] wirft, bei denen diese Differenzierung oftmals ausbleibt: Im Rekurs auf die Tatsache als historische nachprüfbare Wahrheit (zurückgehend auf die alte Unterscheidung von Tatsachen- und Vernunftwahrheiten [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunftwahrheiten_und_Tatsachenwahrheiten]) eröffnen sich die Möglichkeiten der Diskussion, die vor dem moralisch aufgeladenen Hintergrund einer „Wahrheitsfindung“ versperrt blieben. … Instruktiv ist auch Trawnys Einbettung der Funktionslogik sozialer Medien innerhalb des Wahrheitsdiskurses: Als personalisierte „Wahrheiten im Plural“, die angereichert von Affekten und Emotionen den Status subjektiver Wahrheiten innehaben, entziehen sie sich einer Nachprüfbarkeit, sind in ihrer Quantität schlicht überschaubar und erweisen sich aus sich selbst heraus als Beleg für die Unmöglichkeit der medialen Wahrheitskonstruktion. Gefahren sieht der Philosoph insbesondere in der Relativität eines dehierarchisierten Diskurses von Meinungen ohne Gatekeeper, zumal dieser suggeriert, dass alle diese Meinungen gleichrangig, gleich gültig sind. …“ | Aus: „Freischwebend in der Dauer-Krise“ (Nr. 2, Februar 2022, Kultur- und Medienwissenschaft) Zu: „Peter Trawny: Krise der Wahrheit. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2021“ | Quelle: https://literaturkritik.de/trawny-krise-der-wahrheit,28611.html

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“ … Da ein wachsendes Misstrauen in die Unterscheidung von Realität und Fiktion unsere Gegenwart prägt, begab sich das Duo (Andrea Orejarena & Caleb Stein) seit 2020 auf Social Media und fotografisch auf Erkundungstour. Entstanden ist ein erstes Archiv mit über 2.000 Fotografien und aktuellen Bildformen, das den Einfluss von Verschwörungsnarrativen auf die amerikanische Gesellschaft und die individuelle Wahrnehmung manifestiert. Diese Auseinandersetzung mit Bildern, die teils mit Augenzwinkern, teils mit paranoidem Blick, unser Verhältnis zur Wirklichkeit hinterfragen, haben Orejarena und Stein in ein eigenes fotografisches Konzept weiterentwickelt, das lose einem Atlas verschwörungstheoretischer Schauplätze in den USA folgt. Ihre Serie American Glitch dokumentiert die Landschaften der USA ausgehend von viralen Bildwelten als Simulation. … TACTICS AND MYTHOLOGIES ist die erste Ausstellung der neuen Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe »Viral Hallucinations«, die von 2024 bis 2026 die Rolle fotografischer und KI-generierter Bilder für den wachsenden gesellschaftlichen Einfluss von Verschwörungstheorien adressiert. …“ | Aus: „TACTICS AND MYTHOLOGIES“ (2024) | Quelle: https://deichtorhallen-onlineshop.de/products/american-glitch-a-orejarena-c-stein-signed

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“ … Arendt beschreibt im Zusammenhang mit Angriffen der Politik auf Tatsachenwahrheiten die Manipulation der Geschichtsschreibung durch die Politik. Als Beispiel nennt sie Leo Trotzkis Rolle in der Russischen Revolution, die in keinem sowjetischen Geschichtsbuch erwähnt werde. … Zwischen der politischen Vision sowie den eigenen Interessen einerseits und der Lüge andererseits gebe es enge Verbindungen. Eine Konsequenz daraus sei, dass Politiker es mit den Tatsachen nicht so genau nähmen. Anders verhalte es sich mit der Wahrheit, denn sie sei „das, was der Mensch nicht ändern kann; metaphorisch gesprochen ist sie der Grund, auf dem wir stehen, und der Himmel, der sich über uns erstreckt.“ Wahrheiten stehen also im Gegensatz zu Meinungen und Urteilen, die veränderbar sind. „Die Schwierigkeit liegt darin, daß Tatsachenwahrheit wie alle Wahrheit einen Gültigkeitsanspruch stellt, der jede Debatte ausschließt, und die Diskussion, der Austausch und Streit der Meinungen, macht das eigentliche Wesen allen politische Lebens aus.“ Jedoch bleiben die Tatsachen wesentlich für die Beurteilung von Meinungen und beschränken die Möglichkeit der Meinungsbildung: „Tatsachen sind der Gegenstand von Meinungen, und Meinungen können sehr verschiedenen Interessen und Leidenschaften entstammen, weit voneinander abweichen und doch alle noch legitim sein, solange sie die Integrität der Tatbestände, auf die sie sich beziehen, respektieren.“ – Hannah Arendt (Wahrheit und Politik. Berlin 2006, S. 23.) …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit_und_Politik (21. Oktober 2024)

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Gestellte Szenen: Mord und Totschlag mutete der Fotograf Eugène Appert den Betrachtern seiner Bildserie „Verbrechen der Commune“ zu. Allerdings sind die Szenen von Schauspielern nachgestellt und von Appert anschließend zusammengesetzt worden. Die Gesichter der Statisten ersetzte er durch die von Anhängern der Kommune. Das von Regierungstruppen an Kommunarden 1871 verübte Massaker setzte er dagegen nicht in Szene. Foto: Joyce F. Menschel Photography Library Fund
via „Aus den Anfängen der Bildbearbeitung Lincolns Kopf und Calhouns Körper“ [… schon kurz nach Erfindung der Fotografie wurde kräftig manipuliert – indem man Köpfe und Körper austauschte oder sogar Hinrichtungsszenen mit Schauspielern nachstellte. 13.10.2014] | Quelle: https://www.spiegel.de/fotostrecke/fruehe-bildmanipulationen-fotostrecke-119928.html

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„… Es ist wie ein sozialer Schock, wenn auf solche Weise plötzlich der Vorhang fällt, wenn sich alles Politische in der virtuellen Welt auf einmal wie in einem Theater darstellt, wenn offenkundig wird, dass der radikale Verteidiger der Internetzensur ebenso einen freien Zugang zum Internet hat wie jener bekannte Journalist, der bis dato so engagiert gegen den Filtermechanismus des Internets geschrieben hat, als sei er selbst ein Opfer der Zensur. Plötzlich registriert die Internetgemeinde, dass es keine Fronten mehr gibt, dass alle, Feinde wie Freunde, Insassen eines Boots auf einer sehr rauen See sind, die nur unterschiedliche Rollen spielen. … «Die Legitimität einer Herrschaft hängt von vielem ab, dazu gehört zweifellos die Gleichberechtigung in der Kommunikation», schrieb am vergangenen Dienstag die reformernahe Tageszeitung «Ham Mihan» und fügte hinzu, wenn in den sozialen Netzwerken eines Landes der häufigste Verweis dem Buch «Farm der Tiere» von George Orwell gehöre, dann müsse die Herrschaft dieses Landes über ihre Legitimität lang nachdenken. …“ | Aus: „Musk demaskiert. Das Internet als Herrschaftsinstrument“ Ali Sadrzadeh (5. Dezember 2025) | Quelle: https://www.journal21.ch/artikel/musk-demaskiert-das-internet-als-herrschaftsinstrument

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“ … Was als Maßnahme zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit konzipiert war, entwickelte sich binnen Stunden zu einem PR-Desaster für diverse politische Influencer. Zahlreiche Accounts, die sich als US-amerikanische Patrioten oder Anhänger der „America First“-Bewegung inszenierten, wurden durch die Anzeige in Ländern wie Nigeria, Russland oder Bangladesch verortet, also klassischen Ländern, in denen sogenannte Trollfarmen betrieben werden. …“ | Aus: „Auslandstrolle: Neues X-Feature entlarvt massenweise Trump-„Fans““ Witold Pryjda (24.11.2025) | Quelle: https://winfuture.de/news,155146.html

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EffEll am 24.11.25 um 13:46 Uhr
wer hätte das gedacht?!

logo00 am 25.11.25 um 18:58 Uhr
… Ich behaupte jetzt aber mal ganz frech, dass das so gut wie jedes digitale Medium betrifft. Leider …

Günther H.
Natürlich sind es die VPN-Adressen. Das Internet ist unfassbar blöd und fehlgeleitet, mir japanische oder rumänische Werbung einzublenden, wenn ich über einen dortigen Server eingeloggt bin, obwohl klar sein sollte, daß ich das wahrscheinlich gar nicht lesen kann.

Tom N.
Warum sollte jemand der in den USA lebt einen weit entfernten VPN in Nigeria oder Pakistan auswählen? …

[Kulturelles Unterbewusstsein #11 … ]

Jenseits der UFA – Zum Scheitern des deutschen Nachkriegsfilm
von Alexander Bohr u. Peter H. Schröder (2002)
–> https://youtu.be/V84fhWEROIc

Die Dokumentation begleitet den deutschen Nachkriegsfilmen der Produktionsjahre 1946 bis 1948. Mit Hilfe von Filmausschnitten, Wochenschauen und Interviews werden die ersten Gehversuche des deutschen Films nachgezeichnet. … “ … harte Zeiten verlangten nach Ablenkung, und so trägt die Dokumentation ,,Jenseits der Ufa“ … nicht umsonst den Untertitel ,,Zum Scheitern des deutschen Nachkriegsfilms“. Denn schon bald hieß es: Keine filmischen Experimente mehr! Zwar mochte die Ufa als Staatskonzern zerschlagen worden sein, doch ihr charakteristischer Stil lebte in der restaurativen Adenauer-Ära fort. Das westdeutsche Publikum wandte sich bald schon lieber den ,,Schwarzwaldmädeln“ und ,,Försterchristeln“ jener Jahre zu. Nachdenken? Unerwünscht! Heimatfilme, Militärklamotten und Schlagerseligkeiten bestimmten nun das Kinoprogramm. Und im Osten? Da beschnitt die Staatszensur künstlerische Freiheiten. …“ | Aus: „Düstere Zeit des deutschen Films“ (20.07.2002) | Quelle: https://www.noz.de/deutschland-welt/panorama/artikel/vermischtes-duestere-zeit-des-deutschen-films-23970264

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Kontexte:

“ … Die deutsche „Traumfabrik“ scheint durch idyllische Bilderreihen einen ganz bestimmten Zweck zu verfolgen und dabei einer Ideologie gewahr zu sein. Der Heimatfilm bewahrte diese Ideologie durch seinen Inhalt und seine spezifische Bildersprache. Daher war es erforderlich, die Trümmerwirklichkeit auszublenden, um diese Illusion des Vollkommenen zu erzeugen, aber auch um den Anschein zu erwecken, dass die deutsche Realität nicht so problematisch war, wie man allgemein annehmen könnte. Anstelle dessen wurden unberührte Wälder und Berge präsentiert, Halbwahrheiten, die von sentimentalem Kitsch erfüllt waren. Die Harmonie und heile Welt erfüllte den Wunsch nach „einem unkomplizierten und unbelasteten Vaterland“. Die deutsche Filmindustrie bediente diese Sehnsüchte und lieferte dem Publikum entsprechende Bilder bis weit in die 1960er Jahre. …“ | Aus: „„Fiktion als widerständiges Element in Alexander Kluges ABSCHIED VON GESTERN (1966/67)“ von Hüseyin Kocintar (Diplomarbeit – Wien, 2015), pdf (89 Seiten) | Quelle: https://services.phaidra.univie.ac.at/api/object/o:1313997/get


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„Medien der 1950er Jahre (BRD und DDR)“
Marburger Hefte zur Medienwissenschaft: 54 / 55
Es geht um eine Neubestimmung einer Zeit und um die Einordnung einer Zeit in die vorhandenen mediengeschichtlichen Rahmen. … (pdf 192 Seiten, 2012)
–> https://mediarep.org/server/api/core/bitstreams/b62c9297-6319-4242-ba54-79eecf5efdad/content

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LINK ACCUMULATOR :: [Filmgeschichte (Notizen)… ]
–> https://www.subf.net/linklist/index.php/topic,206.0.html

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #12]

… Was wir in der Schule gelernt haben, als Aufklärung zu sehen, ist einerseits der Kampf gegen den schlimmsten religiösen Obskurantismus und die absolutistische Willkür, andererseits ein gewisser Kult der Vernunft. (Philipp Blom)

„Wikipedia-Gründer Jimmy Wales: Warum Vertrauen Wissen schafft“ (SRF, 2025)
Video –> https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/wikipedia-gruender-jimmy-wales-warum-vertrauen-wissen-schafft?urn=urn:srf:video:3544c466-b1b3-4a26-81f3-112ef57aebab (1:00:41)

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Kontext #1:

Götz Hamann: “ … Diderots Encyclopédie schien den Kontinent zu erleuchten. Sie war ein Angriff auf das christliche Weltbild, das Primat der Kirche und die von Gott abgeleitete Macht der Könige. Denn sie stellte Vernunft, wissenschaftliche Methoden und die Empirie über den Glauben und gilt als das wichtigste Werk der Aufklärung. Das blieb nicht ohne Kritik. Da Diderot seine Haltung auch in diversen Essays kundgetan hatte, war er noch vor Erscheinen der ersten Bände verhaftet worden und mehrere Monate lang inhaftiert gewesen. Danach wurde er vorsichtiger … Denis Diderot und sein Freund und Kollege Jean Baptiste le Rond d’Alembert schrieben ihr Lexikon gemeinsam mit 142 sogenannten Enzyklopädisten. Wissenschaftler aus ganz Europa trugen dazu genauso bei wie die Intellektuellen der französischen Aufklärung und Revolution: der Staatstheoretiker und Philosoph Montesquieu; der Schriftsteller und politische Autor Voltaire; und nicht zuletzt Jean Jacques Rousseau. Doch außer ihnen lud Diderot auch Handwerker ein, machte sie zu Autoren, stellte ihre Kenntnisse gleichberechtigt neben die von Künstlern und Philosophen. Ein Uhrmacher beschrieb die Mechanik eines Uhrwerks, ein Kartograph teilte sein Wissen über die Vermessung der Erde. … Diderot arbeitete fast zwanzig Jahre an dem Lexikon, ein Lebenswerk. Fertig wurde er nicht. Nach 17 Textbänden und einigen zugehörigen mit Tafeln und Bildern übergab er seinen Nachfolgern die Aufgabe, es zu beenden. Sie taten es mit Bravour … 1780 erschien der letzte Band, Nummer 35. … “ | Aus: „Das gesammelte Wissen der Welt“ (17. Januar 2011) | Quelle: https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2011-01/wikipedia-diederot

„Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ („Enzyklopädie oder ein durchdachtes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke“) … | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Encyclop%C3%A9die_ou_Dictionnaire_raisonn%C3%A9_des_sciences,_des_arts_et_des_m%C3%A9tiers


“ […] Lukas Luger: … [Paris, wenige Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution: Im Salon des Barons d’Holbach treffen sich die größten Denker Europas, um ihre radikalen Ideen zu diskutieren. Der Historiker Philipp Blom hat in seinem Buch „Böse Philosophen“ ihre Geschichte niedergeschrieben.] In Ihrem Buch [Böse Philosophen. Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung. Carl Hanser Verlag, München 2011., 400 Seiten, ISBN-13: 9783446236486] setzen Sie sich für eine Wiederentdeckung der radikalen Strömung der Aufklärung ein. Warum verdient ein Philosoph wie Denis Diderot im 21. Jahrhundert eine Rehabilitierung? [Wo stecken die Denis Diderots von heute? … ]
Philipp Blom: … Was wir in der Schule gelernt haben, als Aufklärung zu sehen, ist einerseits der Kampf gegen den schlimmsten religiösen Obskurantismus und die absolutistische Willkür, andererseits ein gewisser Kult der Vernunft. … Der Austausch des Wissens ist heute global und sehr von kommerziellen Gesichtspunkten geprägt. Grundlegende Debatten sind kaum noch möglich, das System ist heute viel diffuser. Es gibt viel mehr kleine Stimmen, die sich in bestimmten Gebieten zu Einzelfragen unterhalten. Aber eine große revolutionäre Stimme, die unser aller Leben verändert, gibt es nicht mehr. … Diderot zum Beispiel hätte gerne an Gott geglaubt. Er war in seiner Jugend sehr fromm, wollte Jesuit werden. Irgendwann hat er aber begriffen, dass sein Bedürfnis zu glauben etwas ist, dem er nicht nachgeben darf, weil es rational falsch ist. In jeder Philosophiestunde lernt man, wie wichtig es ist, die richtigen Fragen zu stellen. Aber niemand sagt einem, wie schwierig es ist, mit den Antworten, die man sich erarbeitet, zu leben. Vielleicht kommen sie auf Ergebnisse, die ihren ureigensten Instinkten, ihren Lebenseinstellungen gar nicht entsprechen. Den Mut zu finden, gegen sein Bauchgefühl anzudenken – das habe ich von Diderot mitgenommen. …“ | Aus: „Buch über radikale Denker – Interview mit dem Autor Philipp Blom“ Lukas Luger (14. Oktober 2011) | Quelle: https://www.nachrichten.at/kultur/Buch-ueber-radikale-Denker-Interview-mit-dem-Autor-Philipp-Blom;art16,736236

Zeichnerische Darstellung einer Camera obscura aus der Encyclopédie

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Denis Diderot (* 5. Oktober 1713 in Langres; † 31. Juli 1784 in Paris)
https://de.wikipedia.org/wiki/Denis_Diderot

Als Enzyklopädisten werden die 144 namentlich bekannten Beiträger der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers bezeichnet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklop%C3%A4dist_(Encyclop%C3%A9die)

Obskurität (von lateinisch obscuritas „Dunkelheit, Unverständlichkeit“) … Obskurantismus bezeichnet keine feststehende Weltanschauung. Obskurantismus und die Bezeichnung für dessen Anhänger, Obskurant, wurden als kritische Bezeichnungen etabliert. Diejenigen, die sich als Vertreter einer der Aufklärung verpflichteten Denkweise sahen, benutzten das Wort als rhetorisches Mittel. Die anderen, deren Positionen ihnen als „anti-aufklärerisch“, „metaphysisch“ oder „religiös“ galten, wurden mit der Zuschreibung, Anhänger eines Obskurantismus zu sein, belegt. … Meyers Konversationslexikon in der Ausgabe von 1888 erklärt die Obskuranten schließlich zu „Finsterlingen“: „Obskurantismus (lat.), Gegensatz zu Aufklärung (–> Aufklärung: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung), sowohl die Hinneigung zur geistigen Dämmerung als das System, alle Aufklärung von andern abzuhalten. Die Anhänger des Obskurantismus heißen Obskuranten (Finsterlinge).“ … | Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Obskurit%C3%A4t (31. Mai 2025)

[Mythen meiner Kindheit #29… ]

„… Märchen wurden bis zur Romantik von Erwachsenen für Erwachsene erzählt und erst danach zur Kinderunterhaltung degradiert. … “ (Aus: „Die Wahrheit im Märchenspiegel“, 18. August 2009, Quelle: https://www.wissenschaft.de/gesellschaft-psychologie/die-wahrheit-im-maerchenspiegel/)

“ … Henry van de Velde bezeichnete das Sanatorium Kohnstamm als Zufluchtsstätte vieler Intellektueller während des Ersten Weltkrieges. Sein Patient Gerdt von Bassewitz schrieb in diesem Sanatorium das Märchen Peterchens Mondfahrt und nahm die Kinder des Ehepaars Kohnstamm zum Vorbild für die Protagonisten. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Kohnstamm

[ … “Peterchens Mondfahrt” erschien zuerst 1911 als Buchausgabe – 1915 mit Illustrationen von Hans Baluschek … ]: “ … Eines Abends kommt Herr Sumsemann in das Zimmer von Peterchen und Anneliese. Dort entgeht er nur knapp dem Schicksal seiner Vorfahren, von der Zofe totgeschlagen zu werden, und versteckt sich hinter einem Vorhang. Von dort beobachtet er, wie die beiden Kinder von ihrer Mutter mit seiner Maikäfer-Ballade in den Schlaf gesungen werden. Das macht ihm Mut; er sieht sich im Kinderzimmer um und beginnt, auf seiner Geige einen Maikäfertanz zu spielen, wobei er immer ausgelassener herumhüpft. Davon erwachen Peterchen und Anneliese wieder und schauen belustigt zu. Nachdem man sich vorgestellt hat, erzählt Herr Sumsemann den neugierigen Kindern die traurige Geschichte von seinem sechsten Beinchen und beide erklären sich bereit, ihm zu seinem fehlenden Beinchen zu verhelfen. Bei einem Zaubertanz lernen die Kinder nun von ihm das Fliegen. Als das klappt, machen sie sich mit zwei Körbchen voller Äpfel als Proviant, Anneliese mit Puppe und Peterchen mit Hampelmann im Arm, auf den Flug zum Mond, während der Maikäfer unermüdlich geigt. … Mit der Mondkanone müssen die beiden Kinder und der Maikäfer auf den großen Mondberg geschossen werden, da eine Besteigung auf andere Art nicht möglich ist. Dort steht aber jene Birke, an der das sechste Beinchen des Herrn Sumsemann hängt. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Peterchens_Mondfahrt

“ … Kunstmärchen (in jüngerer Zeit auch: Moderne Märchen) sind eine spezielle Ausprägung der Literaturgattung des Märchens. Im Gegensatz zu den Volksmärchen ist die Urheberschaft von Kunstmärchen einem bestimmten Dichter oder Schriftsteller zuzuordnen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstm%C3%A4rchen

Nachtrag #1:

“ … Die Nationalsozialisten setzten Baluschek 1933 als „marxistischen Künstler“ von seinen Ämtern ab und schlossen ihn später von allen Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten aus. Seine Werke brandmarkten sie als „Entartete Kunst“ im Gegensatz zur sogenannten „Deutschen Kunst“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Baluschek

„Hans Baluschek und das Gewissen der Zeit“ Ulrich Horb (25. Januar 2020)
Baluschek, so schildert es Meißner, malte und zeichnete aus der Erinnerung. Es gibt nur wenige Skizzen. Die Motive, die er beobachtete, sind „trotz Detailfülle und topographisch genau anmutender Ortsangaben nicht vor der Natur entstanden“. Es sind meist verdichtete und typische Zeugnisse des Elends in den Arbeiterquartieren und den Fabriken, die sich Baluschek einprägte und in seinen Bildern zusammenfügte. …
https://geschichten-aus.berlin/hans-baluschek-und-das-gewissen-der-zeit/

Hans Baluschek 1870-1935
Maler, Graphiker, Schriftsteller
https://www.dhm.de/lemo/biografie/hans-baluschek

Hans Baluschek
https://www.stadtmuseum.de/artikel/hans-baluschek

[Zeit im Bild #81 … ]

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“ … Zwischen gestern und morgen ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahre 1947 von Harald Braun. Er ist dem Genre des für die ersten Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland typischen Genre des Heimkehrer- und Trümmerfilms zuzuordnen. … Die zeitgenössischen Kritiken wie die rückblickenden der Adenauer-Jahre fielen durchaus positiv und milde aus, während in späteren Jahren in bisweilen scharfem Ton die Unverbindlichkeit, das Unanalytische und das Selbstmitleid dieses Streifens und auch zahlreicher anderer Filme jener Jahre vor der Gründung beider deutscher Staaten (1949) attackiert wurde. … Buchers Enzyklopädie des Films setzte sich intensiv mit der generellen Problematik des Trümmerfilm-Genres auseinander: „Typischer für die frühe deutsche Nachkriegsproduktion waren allerdings die ab 1947 entstandenen Trümmerfilme, Werke, die sich mit der Nazizeit aus dem ratlos-verkaterten Blickwinkel des Hinterher auseinandersetzten und viele gut gemeinte Ansätze durch eine Beschränkung auf das Klagelied des ohnehin machtlosen, kleinen Mannes zunichte machten oder sich in allgemeine Anklagen verloren, die niemanden trafen, weil alle zu den Betroffenen zählten. Typisches Beispiel dafür waren Harald Brauns Zwischen gestern und morgen oder Wolfgang Liebeneiners Liebe 47…“ … Für Ludwig Marcuse bildet sich mit diesem Film und seiner Story [https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischen_gestern_und_morgen#Handlung], auch auf dem Hintergrund der eigenen Emigrationserfahrung, das grundsätzliche Verhältnis der Deutschen zu seinen rückkehrenden Emigranten ab: „Ich habe gehört: da ist jetzt der erste Film einer deutschen Firma in der USA-Zone; man sollte ihn nicht vergessen. (…) Das schwere deutsche Problem, 1948, lautet: soll man einem Emigranten die Hand geben, der zwar nicht Österreich, die Tschechoslowakei, Polen, Belgien, Holland, Frankreich, Finnland, Dänemark und Norwegen gestohlen hat … aber vielleicht ein Schmuckstück? Gott sei Dank findet sich plötzlich das Gesuchte. Der Emigrant ist rehabilitiert. Man braucht zur Interpretation keine Tiefenpsychologie: der Emigrant muss beweisen, dass er sich anständig benommen hat. Dann erst kann man ihm die Hand geben. Wem er die Hand geben kann, wird nicht in Betracht gezogen.“… “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischen_gestern_und_morgen
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“ … „Wir sind auf der Suche nach Vätern, das ist kein Vergnügen – nach Vätern, die die Wahrheit sagen, nach Vätern, die, weil sie die Wahrheit schon einmal tausend Jahre verschwiegen haben, die Folgen dieses Schweigens jetzt endlich einsehen und bereuen, nach Vätern, die uns ihre Reue mitteilen und die mit uns zusammen nachdenken über die Wege, die sie gegangen und die jetzt zu gehen sind.“ — Nicht mehr, aber auch nicht weniger fordert Klaus Köhler von den deutschen Vätern. Klaus Köhler ist der Protagonist von Christian Geisslers Debütroman „Anfrage“. Als das Buch 1960 im westdeutschen Claassen Verlag erschien, provozierte es erhitzte Reaktionen … [es] wurden Stimmen laut, der Autor müsse wegen Landesverrats angeklagt werden [Zum Buch: Christian Geissler: „Anfrage“. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Detlef Grumbach. Berlin 2023. 344 Seiten]. Andere waren begeistert. „Dieses Buch ist leidenschaftlich und rücksichtslos, radikal und aggressiv, zornig und hemmungslos. Und es ist gleichzeitig unreif, oft sehr naiv, unbeholfen, mitunter sentimental und melodramatisch“, schrieb Marcel Reich-Ranicki. Ralph Giordano nannte es „ein Buch, das um sich beißt, kratzt, schlägt, faucht und sticht“. Geisslers Roman zeichnet sich in der Tat durch einen heiligen Zorn aus. Dieser Zorn lässt ihn solitär in der deutschen Literaturlandschaft der ersten Nachkriegsjahrzehnte stehen. …“ | Aus: „Die Schuld der bequemen Ratlosigkeit“ Ulrich Gutmair (28.7.2023) | Quelle: https://taz.de/Roman-aus-dem-Jahr-1960/!5947623/
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“ …“Die Ehe der Maria Braun“ ist ein Spielfilm von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1979. … Fassbinder nutzt diese melodramatische Geschichte, um einen distanziert-pessimistischen Blick auf die unmittelbare Nachkriegszeit in Westdeutschland zu werfen. Maria Braun wird dabei vielfach als Verkörperung des Wirtschaftswunders gesehen, das Wohlstand nur um den Preis des Verdrängens von Gefühlen brachte. …“ | [ Siehe auch: Sabine Pott: Film als Geschichtsschreibung bei Rainer Werner Fassbinder. Peter Lang GmbH Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2001. 2. durchgesehene Auflage 2004. ISBN 3-631-51836-6, S. 19–99. ] | Aus: „Die Ehe der Maria Braun“, Datum der letzten Bearbeitung: 2. September 2025, 20:13 UTC, Versions-ID der Seite: 259408625
Permanentlink: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Die_Ehe_der_Maria_Braun&oldid=259408625, Datum des Abrufs: 13. Oktober 2025, 09:10 UTC


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“ … Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass epigenetische Informationen die Grenze der Generationen nicht überschreiten können. Wissenschaftler nahmen an, dass das epigenetische Gedächtnis, das während des gesamten Lebens angehäuft wurde, bei der Entwicklung von Spermien und Eizellen vollständig gelöscht wird. Erst vor kurzem wiesen mehrere Studien nach, dass epigenetische Markierungen tatsächlich an folgende Generationen weitervererbt werden – aber wie genau und welche Auswirkungen dies auf die Nachkommen hat, blieb bisher unklar. … „Unsere Studie legt den Schluss nahe, dass wir mehr als nur Gene von unseren Eltern erben. …“ | Aus: „Epigenetik zwischen den Generationen“ (13. Juli 2017) [[Zenk F, Loeser E, Schiavo R, Kilpert F, Bogdanovic? O, Iovino N, Germ line–inherited H3K27me3 restricts enhancer function during maternal-to-zygotic transition. Science; Vol. 357, Issue 6347, pp. 212-216; July 14th, 2017]] | Quelle: https://www.mpg.de/11396064/epigenetik-vererbung

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„… Inzwischen gibt es „eine Flut von Veröffentlichungen zum Thema generationaler Weitergabe früher Traumatisierung“, wie die Psychosomatikerin Christiane Waller schrieb … Im Jahr 2017 berichtete der Wissenschaftsjournalist Michael Lange im Deutschlandfunk über die Neuroepigenetik, die bemüht sei zu klären, ob und wenn ja, wie sich traumatische Erlebnisse jenseits evolutionärer Prozesse, in denen Mutation und Selektion bestimmend sind, im Erbgut verankern und auf nachfolgende Generationen übertragen. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Transgenerationale_Weitergabe

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“ … [Zu: Ines Geipel: „Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass“. Klett-Cotta, Stuttgart 2019, 377 S.] … Dieses Buch schmerzt. Es erzählt über den Schmerz, den eine Familie erleidet. „Umkämpfte Zone“, das [ ] Buch von Ines Geipel, fügt aber auch Schmerzen zu. In dem Band über „Meinen Bruder, den Osten und den Hass“ wird das Unterste der Familie Geipel zuoberst gekehrt. All die Angst und der Hass und die Traumata, die die Geipels durch das 20. Jahrhundert hinüber in das unsere mitschleppen und die sie knebeln. In „Umkämpfte Zone“ wird das Nichtgesagte bloßgelegt und anschließend besprochen wie eine klaffende Wunde. [… Ines Geipels] Buch über die Kontinuität von Gewalterfahrungen erzählt [eben diese] auf eindrucksvolle Weise. …“ | Aus: „Keinerlei Hemmungen“ Anja Maier (5.4.2019) | Quelle: https://taz.de/Umkaempfte-Zone-von-Ines-Geipel/!5583141/
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mowgli, 05.04.2019, 22:30 Uhr: “ … Aha. „DIE Wut im Osten“ hat also nur eine einzige Quelle. Die, die Ines Geipel aus eigener Anschauung kennt. Schon irgendwie erstaunlich bei zuletzt 18 Millonen DDR-Bürgern! Im Westen scheint es DIE Wut nicht zu geben. Da hat jeder ein Recht auf seine eigenen, individuellen Gründe, richtig? – Echt mal, werte Anja Maier: Ines Geipel ist sicher eine ganz tolle Schriftstellerin, aber sie zum Stellvertreter für gleich ein paar Millionen Leute zu machen, nimmt ihr ihre Individualität als Opfer. Das ist nicht fair, finde ich. Ines Geipel hat ein Recht darauf, dass ihre Geschichte IHRE Geschichte bleibt und nicht zur Geschichte aller Ossis gemacht wird. Wir sind ja schließlich nicht in Nordkorea. Nicht jeder, der heute Wut hat, hatte überzeugte Nazi-Großeltern und brutale Stasi-Eltern. Manch einer hat seine Wut auch aus den frühen 90-ern oder sogar erst nach 2000 erworben. Und überhaupt: Wütend zu sein, ist kein Alleinstellungsmerkmal der ,,Ossis“. Die Strukturen, die Menschen in die Raserei treiben, gibt es anderswo auch. Und immerhin haben wir Deutschen ja eine gemeinsame (Vor-)Kriegsgeschichte. Die wirkt in uns allen irgendwie nach. Der Ü30-Durchschnitts-Ossi ist womöglich nur immer noch etwas weniger dick lackiert als der Ü30-Durchschnitts-Wessi mit bürgerlichem Hintergrund. Er ist ja nicht so intensiv aufs Karrieremachen vorbereitet worden. Er sollte eher Arbeiter oder Bauer werden. …“
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76530, 06.04.2019, 10:43 Uhr @mowgli: “ … Ich kann Sie beruhigen: Wut ist in der Tat kein Alleinstellungsmerkmal der „Ossis“. Auch [der] Bruder [der Wut], der Zorn, nicht. Ja, es gibt gewisse Strukturen auch im Westen, die auch in uns nachwirken. Je nach Person sehr unterschiedlich stark ausgeprägt. Wie ich erst kürzlich mit einem früheren Kollegen [besprach], brechen im Alter ohnehin die Abwehrmechanismen auf, spielen Statusfragen, Karrieredenken et. al. keine große Rolle mehr. Es geht dann früher oder später nur noch an’s Eingemachte. …“

[Gedankenflüge und Zettelkästen… ]

“ … Für Arno Schmidt, Niklas Luhmann und Hans Blumenberg war der Zettelkasten das wichtigste Arbeitsinstrument überhaupt. Heute verlieren sich Lesespuren in den Suchverläufen von Browsern. …“ Felix Heidenreich (19.11.2021)

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Bildquelle | https://niklas-luhmann-archiv.de/nachlass/zettelkasten

“ … Die Zettelkästen von Arno Schmidt sind legendär! – Für sein Hauptwerk „Zettel’s Traum“ hat er rund 120.000 Notizen angelegt. …“ | Aus: „Arno Schmidt und seine Zettelkästen“ (22.2.2025) | Quelle: https://www.swr.de/swrkultur/literatur/arno-schmidt-und-seine-zettelkaesten-matinee-swr-kultur-20250223-100.html | — // — | „Ein Lesebuch zum Einstieg in Arno Schmidts Roman „Zettel’s Traum““ Ralf Stiftel (21.01.2021) –> https://www.wa.de/kultur/lesebuch-einstieg-arno-schmidts-roman-zettels-traum-13955459.html | Zettel’s Traum (ZETTEL’S TRAUM in der Schreibweise des Autors) ist das 1970 erschienene Monumentalwerk des Schriftstellers Arno Schmidt –> https://de.wikipedia.org/wiki/Zettel%E2%80%99s_Traum
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“ … Gedankenflüge … Es geht [ ] um Verknüpfungen, um Assoziationen von zuvor Gelesenem, bereits einmal Gedachtem – nicht um Geniestreiche aus heiterem Himmel. „Ich denke ja nicht alles allein, sondern das geschieht weitgehend im Zettelkasten.“ (Niklas Luhmann) …“ | Aus: „Luhmanns Zettelkasten in Bielefeld: Ein Fetisch der Wissenschaft trifft auf Kunst“ Jochen Stöckmann (11.07.2015) | https://www.deutschlandfunk.de/luhmanns-zettelkasten-in-bielefeld-ein-fetisch-der-102.html
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“ … Niklas Luhmann gehört zu den wichtigsten Soziologen des zwanzigsten Jahrhunderts. Berühmt ist auch sein umfangreicher Zettelkasten, der als analoger Vorläufer heutiger Datenbanken gilt. Nun wird Luhmanns Nachlass digitalisiert. Dabei tritt das ausgeklügelte Ordnungssystem des Zettelkastens erstmals vollständig zutage. Ein Karteischrank aus hellbraunem Holz mit ausziehbaren Schubladen, prall gefüllt mit vergilbten, einzeln zugeschnittenen Zetteln, allesamt in einer häufig schwer lesbaren Handschrift beschrieben. Was auf den ersten Blick unscheinbar und vorsintflutlich erscheint, ist tatsächlich ein Schatz für die Wissenschaftsgeschichte …Luhmanns »Kommunikationspartner«, wie er ihn einst nannte, umfasst mehr als 90.000 Zettel, von denen nun die ersten 3.600 auf dem Portal des Luhmann-Archivs als digitale Faksimiles und in einer transkribierten und vollverlinkten Fassung eingesehen werden können. Sie erlauben einen Blick hinter die Kulissen der Ideenentwicklung und Theoriebildung des großen Soziologen. Mit circa 600 Veröffentlichungen, darunter über 40 Monographien zu fast allen Bereichen der modernen Gesellschaft, gehört Niklas Luhmann zu den produktivsten Denkern seiner Zeit. Der Zettelkasten dokumentiert die Arbeit an seinem Lebenswerk: eine Theorie der Gesellschaft auf systemtheoretischer Grundlage zu entwickeln. »Der ideelle Wert des Kastens lässt sich nicht hoch genug einschätzen«, sagt Johannes Schmidt, der die wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses an der Soziologischen Fakultät in Bielefeld koordiniert. »So eine Sammlung gibt es nicht noch einmal – nicht nur, was die Inhalte angeht. Ungewöhnlich ist auch, dass ein Wissenschaftler über einen so langen Zeitraum eine Sammlung mit einem so einzigartigen Ordnungssystem gepflegt hat.« … In seinen Vorlesungen hat Luhmann, anders als in seinen Büchern, weniger auf Begriffsstrenge geachtet. Die Verständlichkeit des mündlichen Vortrags war ihm sehr wichtig und er beweist sogar einen feinen Humor, resümiert Johannes Schmidt. Und was wird nun aus dem physischen Zettelkasten mit seiner abenteuerlichen Vorgeschichte? Da bereits alle Zettel digital erfasst sind, ist er nun von der Bürde befreit, den ideengeschichtlichen Wert der Gedanken seines Schöpfers weiter bewahren zu müssen. Er darf mittlerweile sogar auf Reisen gehen. Kürzlich war er im Historischen Museum in Frankfurt am Main zu sehen – ausgerechnet in einer Ausstellung zum Thema »Vergessen«. …“ | Aus: „Die Denkmaschine“ (20.08.2019) | Quelle: https://uni-koeln.de/universitaet/aktuell/koelner-universitaetsmagazin/unimag-einzelansicht/die-denkmaschine
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“ … Die damaligen Diskussionen prägen bis heute seinen akademischen Ansatz, der einen erweiterten Medienbegriff verfolgt: So führte er etwa die Frage, warum die Schaltstellen des Internets «Server» genannt werden, historisch zurück auf den Kammerdiener. Dieser muss nicht nur Informationen für seine Herrschaft beschaffen, sondern ihm wurden immer wieder auch Lese- und Schreibaufgaben übertragen. Klassische Kulturtechniken also, wie sie noch immer von Assistenten erledigt werden, nur dass diese eben inzwischen digital sind. Während seiner Laufbahn nahm Krajewski ein breites Spektrum solcher Kulturtechniken unter die Lupe, nicht zuletzt auch das Programmieren und seine kulturellen Effekte. … Zu Krajewskis Bibliografie gehören unter anderem ein Buch über die verkachelten Fassaden der deutschen Nachkriegsarchitektur, über die Hyäne als politisches Tier, eine Anleitung zum Schreiben einer universitären Abschlussarbeit (unter Einsatz von LSD – Lesen, Schreiben, Denken) oder eine Anthologie zur Geschichte der Glühbirne. Das breite Spektrum an Forschungsthemen ist gewollt: «Es geht darum, sich gelenkten Zufällen auszusetzen. Sich von Dingen inspirieren zu lassen und seiner forschenden Neugier zu folgen.» Wenn ihn dann ein Thema gepackt hat, geht er diesem intensiv über längere Zeit nach. Auf der Suche nach Material durchsucht er unter anderem literarische Quellen, Archive und Zeitungen. … Sein derzeitiges Buchprojekt entwickelt eine Vorgeschichte der Künstlichen Intelligenz, um ? im Vergleich mit den historischen Etappen dieser Technologie ? die Gegenwart besser einordnen und verstehen zu lernen. Darin spannt er einen Bogen von dem Gelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz, der seine Ideen und Wissensbausteine in einem speziell gefertigten Zettelschrank verwalten wollte, bis hin zu den grossen Sprachmodellen der heutigen generativen KI. …“ | Aus: „Vom Zettelkasten bis zur KI ? – Ein kulturwissenschaftlicher Blick auf die Wissensgeschichte“ (Datum ????) | Quelle: https://www.unibas.ch/de/Forschung/Forschen-in-Basel/Forschungsportraets/Portraet-Markus-Krajewski.html
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“ … Bibliothekare haben mit den von ihnen händisch gepflegten Zettelkästen eine überschaubare Ordnung allen menschlichen Wissens geschaffen. …“ | Aus: „Rettet die Zettel!“ (25.8.2025) [Die Berliner Staatsbibliothek will ihre Zettelkästen mit Millionen von Karteikarten wegwerfen.]| Quelle: https://taz.de/Zukunft-der-Bibliotheken/!vn6109411/
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Niklas Luhmann – 2019 – Der Zettelkasten ist online!
Max Oppel im Gespräch mit dem Medien- und Kulturwissenschaftler Prof. Markus Krajewski von der Universität Basel (Mitschnitt vom 09.04.2019 / Sendereihe «Kompressor» / Deutschlandfunk Kultur / Deutschlandradio)
–> https://youtu.be/k4dGA0Abb4o
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Niklas Luhmann – 2016 – Ich denke ja nicht alles allein (Zettelkasten als Zweitgedächtnis)
Vortrag von Johannes Schmidt im Rahmen des Symposiums „Potentiale und Herausforderungen des (digitalen) Archivierens – wie wird Information gesammelt und Wissen generiert? Kunstverein Hannover, 30.04.2016
–> https://youtu.be/NbncA7bDl70?t=485

[Kriegsschauplätze #55…]


“ … Draußen vor der Tür ist ein Drama des deutschen Schriftstellers Wolfgang Borchert, das er innerhalb von acht Tagen niederschrieb. Der Entstehungszeitraum wird zwischen Herbst 1946 und Januar 1947 angenommen. … Im Zentrum der Handlung steht der deutsche Kriegsheimkehrer Beckmann, dem es nach dreijähriger Kriegsgefangenschaft nicht gelingt, sich wieder ins Zivilleben einzugliedern. Während er noch durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs geprägt ist, haben seine Mitmenschen die Vergangenheit längst verdrängt. … Mit zunehmendem Abstand zum historischen Hintergrund wurden in den Untersuchungen von Draußen vor der Tür stärker die über die Zeit hinaus weisenden Dimensionen des Dramas in den Mittelpunkt gerückt … Für Tennessee Williams war … mit Draußen vor der Tür „der Aufbruch zu einer psychoanalytischen Dramatik in Deutschland geschehen“. … Zum 10. Todestag Wolfgang Borcherts kam es 1957 wieder zu einer größeren Zahl von Aufführungen von Draußen vor der Tür. Doch inzwischen hatte sich die Lebenswirklichkeit und Einstellung der Menschen gewandelt, und die Sicht auf das Drama war eine historische geworden. Christian Ferber urteilte in der Welt, „Beckmanns Schrei ist nicht mehr unser Schrei“, und er betonte die Differenz der „satten Restauration im Parkett“ gegenüber der „mageren Avantgarde auf den Brettern“. Mit zunehmendem Abstand zum zeitgeschichtlichen Hintergrund wurden vermehrt inhaltliche und formale Einwände gegen Borcherts Stück erhoben. So befand Günter Blöcker 1962: „Schwächen, die man einst gerührt übersah, drängen sich heute als solche auf. Die Monotonie des Borchertschen Wehetons, seine ungefilterte Sentimentalität, das vom ‚O Mensch‘ der Vätergeneration zu einem ‚Du Menschlein‘ geschrumpfte Pathos […] – alles das will nicht mehr so recht verfangen.“ Für Hans Egon Holthusen war das Stück, das er bereits 1954 als „saurer Kitsch“ bezeichnet hatte, 1961 „ein schwaches oder doch unreifes Stück Nachkriegsliteratur“ geworden. Und Hans Mayer fasste 1967 rückblickend zusammen: „[Borcherts] Schauspiel Draußen vor der Tür hatte alle Züge eines Nachkömmlings, dessen Erscheinen in der Welt zwar Eindruck machte, zugleich aber ein bißchen unzeitgemäß wirken mußte.“ …“ | Aus: „Draußen vor der Tür“ (25. April 2024) | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Drau%C3%9Fen_vor_der_T%C3%BCr

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Notizen über die Unvereinbarkeit gesellschaftlicher Strömungen. … oder auch einfach Mentalitätsgeschichte als der Versuch … “ … Mentalitäten, d. h. die Einstellungen, Gedanken und Gefühle der Menschen einer Epoche darzustellen … Die Methoden der mentalitätsgeschichtlichen Forschung reichen von mikrohistorischen Untersuchungen einzelner Regionen, Städte, sozialer Schichten oder Familien über die Analyse der Raum- und Zeiterfahrung, der Rituale und Tischsitten oder der Körperlichkeit anhand von Bildern bis hin zur Analyse der Vorstellungen über und den Umgang mit Glück, Liebe, Leid und Tod aufgrund von privaten und öffentlichen Manuskripten, Werken der Literatur und Dichtkunst, Grabinschriften oder Fotos. …“ | Aus: „Mentalitätsgeschichte“ (27. Juni 2025) | https://de.wikipedia.org/wiki/Mentalit%C3%A4tsgeschichte

“ … In Berlin werden verschiedene Szenarien sowie die Frage debattiert, welchen Beitrag Deutschland leisten könnte – auch was den Einsatz der Bundeswehr zur Friedenssicherung in der Ukraine angeht. … Außenminister Johann Wadephul (CDU) geht davon aus, dass auf Deutschland Forderungen nach einer Beteiligung der Bundeswehr im Rahmen einer „Koalition der Willigen“ in der Ukraine zukommen werden, sagte er im Deutschlandfunk. Er regte eine breite politische Debatte darüber an, „was Deutschland dazu beitragen kann und soll“. Die Koalition wolle in dieser Frage auch die Opposition beteiligen – „an vorderster Stelle“ die Grünen. Die Entscheidung über eine Bundeswehrbeteiligung müsse der Bundestag treffen. … “ | Aus: „Sollen deutsche Soldaten in die Ukraine?“ Sabine am Orde, Stefan Reinecke (19.8.2025) | Quelle: https://taz.de/Putins-Krieg/!6105071/


Der Krieg des kleinen Mannes – eine Militärgeschichte von unten

Verfasser Wolfram Wette (1992) // “ … Die Militärgeschichte – das ist ihre Botschaft – wurde bisher immer nur in der Perspekive von oben betrieben; sie beschränkte sich auf die Analyse von Schlachten, die Taten einzelner Heerfuhrer und eine mehr oder weniger vom Objekt faszinierte Darstellung der eingesetzten Waffen. …“ | https://zeitgeschichte-digital.de/doks/frontdoor/index/index/year/2013/docId/24

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“ … Zwei deutsche Wissenschaftler haben Gesprächsaufzeichnungen von gefangenen Wehrmachtssoldaten ausgewertet. Die Erkenntnis ist bitter. … Neitzel und Welzer treten einen Schritt zurück, enthalten sich der moralischen Einordnung. Sie lassen sich von der These leiten, dass man das Handeln von Menschen nur erklären kann, wenn es gelingt zu rekonstruieren „innerhalb welcher Referenzrahmen sie gehandelt haben“, an welches Wertesystem sie sich gebunden fühlten. Nur wer das rekonstruiert, versteht, „was die Voraussetzungen dafür sind, dass psychisch ganz normale Menschen unter bestimmten Bedingungen Dinge tun, die sie unter anderen Bedingungen nie tun würden“. Der Nationalsozialismus und der Krieg sind die Referenzrahmen der Wehrmachtssoldaten, so lässt sich ihr Verhalten erklären, konstatieren Welzer und Neitzel. Die Gruppe, die die persönlichen Entscheidungen bestimmt, ist die der Kameraden. Sie entscheidet über die Maßstäbe des Handelns. Denn nur sie arbeiten im selben Referenzrahmen. …“ | Aus: „Studie von Wehrmachtssoldaten: „Ich hatte Lust daran““ Hilke Lorenz (27.04.2011) | https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.studie-von-wehrmachtssoldaten-ich-hatte-lust-daran.17e95ff0-c048-45ec-8f9c-aafdf56d1a4c.html

Quelle: Das britische Kriegsministerium richtete im März 1939 für den Fall eines Krieges ein spezielles Verhörzentrum für Kriegsgefangene ein. Das System wurde von den Amerikanern übernommen. Von September 1939 bis Oktober 1945 durchliefen 10.191 deutsche Gefangene diese Lager. Es entstanden 16.960 Protokolle.

Forschung: Sönke Neitzel lehrt Neuere und Neueste Geschichte in Mainz und Saarbrücken. Harald Welzer ist Leiter des Zentrums für Interdisziplinäre Erinnerungsforschung am Kulturwissenschaftlichen Institut Essen. Ihre Studie „Soldaten. Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“, Frankfurt, 528 Seiten, 22,95 Euro, ist bei S. Fischer erschienen.

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“ … Der amerikanische Soziologe Goffman hat das Militär als eine „totale Institution“ charakterisiert, deren Bewegungsgesetz durch das Prinzip von Befehl und Gehorsam bestimmt wird. Die militärische Führung strebt die vollständige Kontrolle über die untergebenen Soldaten an. Das Erziehungsziel ist die „Fabrikation des zuverlässigen Menschen“, der im Krieg bereit ist, den Feind zu töten. In der geschlossenen Institution des Militärs gibt es – dieser Definition zufolge, die sich mit der landläufigen Ansicht über die Armee durchaus deckt – keine Handlungsspielräume. Befehle, Vorschriften, die Disziplin und die Pflicht zur Kameradschaft regeln alle Vorgänge innerhalb der „totalen Institution“. In der Wehrmacht des NS-Staates, um die es hier geht, wurde ein Verstoß gegen die so genannte „Manneszucht“ gelegentlich ebenso hart bestraft wie die Desertion oder der Kriegsverrat. …Wer sich für die Frage interessiert, ob es in der Wehrmacht des Zweiten Weltkrieges oder in der damals vollständig militarisierten Polizei Handlungsspielräume gegeben hat, um sich den Praktiken des Vernichtungskrieges zu entziehen, stößt zunächst auf das Phänomen der so genannten „Exekutionsverweigerer“. Damit sind Soldaten und Polizisten gemeint, die den Gehorsam aufkündigten, als ihnen befohlen wurde, sich an der Ermordung von Juden, Kriegsgefangenen, Politkommissaren und anderen Menschen zu beteiligen. Wie viele dieser mutigen Menschen es gab, wissen wir nicht. Aber wir wissen, dass es sie gegeben hat und dass die Verweigerung für den betreffenden Soldaten oder Polizisten keineswegs das Risiko in sich barg, selbst „an die Wand“ gestellt zu werden, wie nach dem Kriege immer wieder behauptet wurde, sondern dass dieser Ungehorsam in der Regel folgenlos blieb. Durch die Forschungen des amerikanischen Historikers Christopher Browning sind der interessierten deutschen Öffentlichkeit einige Männer des Reserve-Polizei-Bataillons bekannt geworden, die sich weigerten, sich an Judenerschießungen zu beteiligen, ohne dafür in irgendeiner Weise belangt zu werden. Wer nicht mitschießen wollte, wurde einfach zur Polizei nach Hamburg zurückgeschickt. Die Staatsanwälte der Ludwigsburger Zentralstelle der Landesjustizverwaltungen, die sich wegen der vielfachen Berufung von Tätern auf den „Befehlsnotstand“ mit diesem Komplex auseinander zu setzen hatten, kamen zu demselben Ergebnis. Sie konnten keinen einzigen Fall zutage fördern, der belegen würde, dass ein Exekutionsverweigerer tatsächlich erschossen wurde … Im Hinblick auf die große Mehrheit der auch im Vernichtungskrieg gehorsamen deutschen Soldaten und Polizisten stellt sich einmal mehr die Frage: Konnten sie nicht erkennen, welche Handlungsspielräume ihnen bei einer Portion Mut zur Verfügung standen? Oder fürchteten sie schweren Strafen für eine Gehorsamsverweigerung? Hatten sie Angst vor dem Spott der Kameraden? Waren sie aus solchen Gründen gleichsam zur Handlungsunfähigkeit verdammt und daher nicht in der Lage, sich zu verweigern? Obwohl es tatsächlich relativ gefahrlos war, sich der Mitwirkung an rechtswidrigen Mordaktionen zu entziehen, haben die meisten Soldaten, Polizisten und SS-Männer bekanntlich mitgeschossen, wie es ihnen befohlen wurde. Die „ganz normalen Männer“ im Militär, bei der Polizei und der SS schossen mangels Zivilcourage, mangels Mut, mangels aktiviertem Anstand mit. Ihr Gewissen, das ihnen signalisiert haben muss, dass es sich um die Ermordung unschuldiger und wehrloser Menschen handelte, wog offensichtlich leichter als das Bestreben, den Vorgesetzten zu gefallen, nicht gegen die Hierarchie aufzubegehren, vor den „Kameraden“ gut da zu stehen, und nicht als Feigling angesehen zu werden und in der Karriere voranzukommen. …“ | Aus: „Wolfram Wette, Albert-Ludwigs-Universität Freiburg — Beitrag zum Podium: Hilfe für Juden während des Holocaust“ (3. Internationale Konferenz zur Holocaustforschung: Helfer, Retter und Netzwerker des Widerstands 27./28. Januar 2011, Berlin) | Quelle: https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Vortrag_Wette.pdf

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“ … Nach dem Politologen und Militarismusforscher Wilfried von Bredow ist der Militarismus, den er als „die Dominanz des Militärs als Organisation in Staat und Gesellschaft“ bezeichnet und der „das Vorherrschen militärisch-kriegerischer Denkkategorien in Staat, Gesellschaft und Politik“ beinhaltet, von „zwei verschiedenen Modellen für das zivil-militärische Verhältnis“ abhängig, die sich nach der Industriellen Revolution entwickelten:

* Im ersten Modell erhalten die Streitkräfte im „gesellschaftlichen Alltagsleben“ keine übergroße Bedeutung, bleiben „virtuell“ und erst „im Falle einer Bedrohung“ werden sie „aktuell“ bedeutsam: „Im militärischen Ernstfall erscheint es den Bürgern als patriotische Pflicht, die Uniform anzuziehen und ihren Staat zu verteidigen.“ Nach von Bredow kann dieses Modell zu Militarismus führen, muss aber nicht. Im Falle der USA könnte „der auf dieses Modell zurückzuführende Waffenkult im Zivilleben als eine Schrumpfform des Militarismus bezeichnet werden“.

* Im zweiten Modell stellen die Streitkräfte selbst den „Motor der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung“. Die Streitkräfte gelten als „Schule der Nation“ und greifen auch in sogenannten Friedenszeiten massiv in politische Entscheidungsprozesse ein: „Militärische Werte und soldatische Verhaltensweisen bestimmen zivile Handlungen und Entscheidungsprozesse“. Dieses Modell befördert den Militarismus grundsätzlich. Als geschichtliches Beispiel hierfür nennt von Bredow den deutschen Militarismus unter Kaiser Wilhelm II (vgl. auch Unterabschnitt Militär im Artikel Deutsches Kaiserreich).

…“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Militarismus // Kontext: “ Zu: „Wolfram Wette: Militarismus in Deutschland – Geschichte einer kriegerischen Kultur, Primus Verlag, Darmstadt 2008. 309 Seiten (ISBN 9783896786418)“ [https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfram_Wette] … Dass eine mit Gewalt imprägnierte Gesellschaft zu gegebener Zeit eine Eigendynamik entfalten, dass sie sich sogar als ein Treibhaus für Katastrophen erweisen kann, diese uns heute einleuchtend erscheinende Einsicht musste im 20. Jahrhundert teuer erkauft werden. Der deutsche Militarismus hat seine Ursprünge in der altpreußischen Gesellschaft des 18. Jahrhunderts. Wolfram Wette macht mit seinem [ ] Werk deutlich, wie tief das Militär in Struktur und Mentalität der deutschen Gesellschaft verwurzelt war. Einflüsse des Militärs auf die Politik, die Wissenschaft und die Wirtschaft, sozialer Militarismus, Gewaltverherrlichung, Kriegsideologien, Freund-Feind-Denken, nationalistische und rassistische Ideologien, militaristische Erziehung, Interessen der Rüstungsindustrie und andere Erscheinungen sind als Bestandteile eines größeren Ganzen aufzufassen. …“ | Quelle: https://www.perlentaucher.de/buch/wolfram-wette/militarismus-in-deutschland.html (2009)

“ … „Starship Troopers“ ist ein amerikanischer Military-Science-Fiction-Actionfilm des Regisseurs Paul Verhoeven aus dem Jahr 1997, der lose auf dem gleichnamigen Roman von Robert A. Heinlein basiert. … Der Film wurde von Verhoeven nach eigener Aussage als Satire auf den Faschismus und Militarismus konzipiert. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (heute Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) indizierte den Film 1999 aufgrund der Gewaltdarstellungen und des von ihr als pro-militaristisch interpretierten Inhalts. … Calum Marsh dagegen bezeichnete „Starship Troopers“ in einem 2013 erschienenen Artikel in The Atlantic als einen der meistmissverstandenen Filme aller Zeiten und versucht anhand neuerer Rezeptionen zu belegen, dass sein subversiver Humor erst nach und nach verstanden werden würde. Der Film kritisiere „den militärisch-industriellen Komplex, den Hurra-Patriotismus der amerikanischen Außenpolitik und eine Kultur, die reaktionäre Gewalt [der] Sensibilität und Vernunft“ vorziehe. … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Starship_Troopers_(Film)&oldid=170964377 (13. November 2017)

[Paul Verhoeven, director of Starship Troopers (1997): … ‘I borrowed from the films of Leni Riefenstahl to show that these soldiers were like something out of Nazi propaganda. I even put one in an SS uniform. But no one noticed’] …“ | Source: https://www.theguardian.com/culture/2018/jan/22/how-we-made-starship-troopers-paul-verhoeven-nazis-leni-riefenstahl („How we made Starship Troopers“ Interviews by Phil Hoad (Mon 22 Jan 2018 20.21 CET))

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“ … [Starship Troopers, USA 1997] beschäftigt sich mit der kritischen Behauptung, dass alle Actionfilme von Natur aus faschistisch sind. Die im Film eingebaute Ironie wurde eingesetzt, um das ursprüngliche Narrativ des Romans zu kontern, womit der Film den Stoff parodiert. Einiges an Bildsprache sei daher von Nationalsozialistischer Propaganda entliehen worden, weshalb manche dem Film Nazismus unterstellten. Er sei aber gemacht worden, um die Kritik an der US-Politik spielend zu zeigen und nicht frontalunterrichtend. … Verhoeven wollte laut eigener Aussage einen offenen Kampf mit dem Buch führen, da dieses von ihm und von anderen Kritikern als militaristisch und faschistisch rezipiert wird. Die Schaffung dieses „politisch inkorrekten“ Films sei vor allem möglich gewesen, weil sich damals bei Sony/TriStar Pictures niemand das tägliche Material anschauen konnte, weil die Führung so oft ausgetauscht wurde, dass diese nie genug Zeit dafür hatte. …

In der deutschen Synchronisation wurden mehrere Textstellen inhaltlich verändert. Der Charakter der Dialoge änderte sich dadurch von einer reaktionären, antidemokratischen, antiprogressiven Gesellschaftsdoktrin einer Zweiklassengesellschaft hin zu einer einfachen Militärdoktrin zur Abwehr einer Invasion, wie sie beispielsweise der Bundeswehr entspricht. Die folgende Passage, Teil des Vortrags von Rasczak in einer Unterrichtsstunde:

“This year we explored the failure of democracy, how the social scientists brought our world to the brink of chaos. We talked about the veterans, how they took control and imposed the stability that has lasted for generations since.”

„Dieses Jahr erforschten wir das Scheitern der Demokratie, wie die Sozialwissenschaftler unsere Welt an den Rand des Chaos brachten. Wir sprachen über die Veteranen, wie sie die Kontrolle übernahmen und die Stabilität erzwangen, die mittlerweile seit Generationen anhält.“


Wurde geändert in:

„Unser Thema war dieses Jahr die politische Entwicklung seit der Jahrtausendwende und wie Außerirdische diese Entwicklung beeinflusst haben. Wir sprachen über die Bugs, wie sie die Erde angriffen und Tausenden unserer Vorfahren den Tod brachten.“

…“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Starship_Troopers_(Film) (Stand: 21. Mai 2025)

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[Gedankensprung]: “ … Es ist eine hässliche Welt nahe der Nulllinie. Die Nulllinie, das ist die hypothetische Grenzziehung zwischen den russischen und den ukrainischen Truppen, und der Soldat mit dem Pseudonym Kon, der auf der Seite Letzterer kämpft, befindet sich mittendrin in der archaischen Sphäre an der Front. Die Verletzten und Toten werden hier zu Zahlen – „Trjochsoty, also Dreihunderter, bedeutet verwundet, Dwuchsoty, Zweihunderter – tot“ … die Sprache ist dreckig … Der Roman ist recht voll von Ausdrücken wie ,,Fotze“ und ,,ficken“, die Sprache ist machistisch. [Machismo beschreibt ein übersteigertes Gefühl männlicher Überlegenheit und Vitalität, oft bis hin zum Männlichkeitswahn] … “ | Aus: „Was nützt deine Intelligenz an der Front?“ Jens Uthoff (5.7.2025) | Quelle: https://taz.de/Roman-ueber-Ukraine-Krieg/!6095417/

Zu: Szczepan Twardoch: Die Nulllinie (Roman aus dem Krieg)
Rowohlt Berlin Verlag, 256 Seiten, Berlin 2025
ISBN 9783737102094

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“ … In Russland kommt es vermehrt zu schweren Straftaten, die von Heimkehrern aus dem Ukraine-Krieg, der in Russland nach wie vor „spezielle Militäroperation“ genannt wird, begangen werden. Kriegsheimkehrer haben nach Angaben unabhängiger Medien mindestens 378 Menschen umgebracht und noch einmal so viele lebensgefährlich verletzt. Unter den mordenden Kriegsheimkehrern befinden sich auch eine große Anzahl früherer Sträflinge, die vom Gefängnis direkt an die Front geschickt wurden. Gehäuft kommt es zur Auslöschung ganzer Familien.

Der afrokaribisch-französische Schriftsteller und Politiker Aimé Césaire hat in seinem 1955 erschienenen Buch „Über den Kolonialismus“ bereits angesichts des Algerienkrieges davon gesprochen, dass die koloniale und imperiale Gewalt in die Mutterländer zurückschlage und dort zu einer „Rebarbarisierung“ und „Verwilderung“ des gesellschaftlichen Klimas führe, eine Erfahrung, die sich später in den USA im Kontext der Kriege in Vietnam, Afghanistan und im Irak bestätigte. Die Veteranen leben in einer Welt aus Scheidung, Alkohol, Drogen, Verbrechen, Polizei, Gefängnis und Depression. Noch fast dreißig Jahre nach der Rückkehr aus Vietnam kann Lester Farley, ein Vietnamveteran, dem wir in Philip Roth’s Roman „Der menschliche Makel“ begegnen, kaum eine Nacht richtig schlafen, ist unruhig, trinkt, neigt zu Gewalttätigkeiten und terrorisiert Frau, Kinder und seine ganze Umgebung. Er empfindet sich als ein Mann, der in Vietnam „gestorben ist“ und seither als „Untoter“ mit betäubten Gefühlen weiterlebt. Jede Soldateneinheit, die aus einem Kriegseinsatz zurückkehrt, kann man als lebendige Quelle von Gewalt, als Gewaltkristall, begreifen. Ich bin während meiner Arbeit im Gefängnis einem Russen begegnet, der mir schauderhafte Dinge aus dem Tschetschenien-Krieg berichtete, in dem man ihn als 18-Jährigen geschickt hatte. Nach ihrem Ausscheiden aus der Armee liegen die ehemaligen Soldaten wie Fische auf dem Sand, ihre dort erworbenen Fähigkeiten werden nicht mehr nachgefragt. Also führen sie den Krieg auf eigene Faust und mit anderen Mitteln fort. Sie haben nichts anderes gelernt und können nichts anderes. Sie tauchen ein ins Rotlichtmilieu, betreiben Geldwäsche, Drogen-, Waffen- und Mädchenhandel. Der Russe, der mir im Gefängnis begegnet ist, nahm innerhalb dieser kriminellen Gegenwelt im deutschen Osten die Rolle eines „herrenlosen Samurais“ ein und tötete bei seiner „Arbeit“ im Milieu drei Menschen. Man verurteilte ihn zu lebenslanger Haft. Ich habe durch ihn tiefe Einblicke in mafiöse Strukturen und Gepflogenheiten im kriminellen Milieu gewonnen. Wir haben lange und gern miteinander geredet. Was aus ihm inzwischen geworden ist, entzieht sich meiner Kenntnis. Es bleibt festzuhalten, dass es für jede Gesellschaft ein enormes Sicherheitsrisiko darstellt, wenn Hunderttausende Soldaten ins zivile Leben zurückzukehren versuchen. Dabei fallen „Kollateralschäden“ an, die weitgehend unbeachtet bleiben. Viele der ehemaligen Soldaten können nach Jahren kriegerischer Verwilderung und Brutalisierung den Weg zurück ins zivile Leben nicht finden. …“ | Aus: „126 | Ein herrenloser Samurai“ Götz Eisenberg (17. August 2025) | Quelle: https://durchhalteprosa.de/2025/08/17/126-ein-herrenloser-samurai/ | Götz Eisenberg (* 1951 in Arolsen, Hessen) ist ein deutscher Sozialwissenschaftler und Publizist. Er arbeitete als Gefängnispsychologe in der JVA Butzbach. | https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Eisenberg

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[Gedankensprung]: “ … Lethen ist das, was man einen prototypischen 1968er nennen könnte. 1939 in Mönchengladbach geboren, schließt er sich in den 1960ern der aufmüpfigen Studentenbewegung an und wird nach deren Kollaps Mitglied der maoistischen KPD-Aufbauorganisation. … „Verhaltenslehren der Kälte“ (1994) ist ein in seiner Bedeutung mit Klaus Theweleits „Männerphantasien“ vergleichbarer Klassiker über „Lebensversuche zwischen den Kriegen“. Es folgen eine große Studie über das in unterschiedlichen Graden zwischen Nähe und Distanz zu den Nazis oszillierende Dichterleben von Gottfried Benn (Der Sound der Väter, 2006) und eben die Staatsräte [Elite im Dritten Reich] [Buchtitel Die Staatsräte. Elite im Dritten Reich, 2018 | https://www.perlentaucher.de/buch/helmut-lethen/die-staatsraete.html | [„Rezensent Florian Meinel lernt aus Helmut Lethens Buch vor allem, dass dessen vier Antihelden in ihren egomanischen Filterblasen fast erstickten.“]]. … eine eigenwillige und formal ehrgeizige Studie über vier, wie Thomas Bernhard vielleicht gesagt hätte, „Geistesmenschen“, die sich in den 1930ern und 1940ern unter dem Nationalsozialismus, der geistfeindlichen Ideologie schlechthin, zu behaupten versuchen: der Schauspieler Gustav Gründgens, der Chirurg Ferdinand Sauerbruch, der Musiker und Dirigent Wilhelm Furtwängler und der Jurist und Staatsrechtler Carl Schmitt. … Wenn Lethen mit seinen „Glorious Four im Dritten Reich“ (Titel eines Buchkapitels) so etwas vorschwebt wie das Szenario eines Tarantino-Films, dann wäre Carl Schmitt wahrscheinlich sein glorreichster Bösewicht. Lethens Faszination für den immer wieder von Anflügen schwerster fleischlicher Begierden heimgesuchten Staatsrechtler, der für den Mord an SA-Führer Ernst Röhm juristische Argumente fand und sich nach dem Krieg in der Rolle des unbeteiligten Beobachters gefiel, ist greifbar. … “ | Aus: „“Die Staatsräte“ von Helmut Lethen: Die gloriosen Vier“ Christoph Winder (18. April 2018) | Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000077921690/die-staatsraete-von-helmut-lethen-die-gloriosen-vier

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“ … Wer heute behauptet, die Besatzungsmächte hätte die Deutschen 1945 „umerzogen“ oder gar einer zum „Schuldkult“ führenden „Gehirnwäsche“ ausgesetzt, den entkräftet Lethen [https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Lethen] schon durch die Erinnerung an das „verbissene Schweigen“ seiner Lehrer. Durch keine „Reeducation“ vorbereitet, sah er 1957 „Nacht und Nebel“ von Alain Resnais [Originaltitel: Nuit et brouillard (1956), ein französischer Dokumentarfilm über die deutschen Konzentrationslager, insbesondere das KZ Auschwitz-Birkenau, und den Holocaust in der Zeit des NS-Regimes | https://de.wikipedia.org/wiki/Nacht_und_Nebel_(Film)].
Der Dokumentarfilm über Auschwitz und die Vernichtungslager erschütterte ihn fürs Leben. … Das „Aufbrechen der Archive der schweigenden Väter“ und die Befreiung aus dem „teutonischen Trichter der Herkunft“ waren Grundantriebe der Rebellion von 1968. … [Und] Was immer man von Sommerfeld als Publizistin („Mit Linken leben“) halten mag – dieser Wendung verdankt Lethens Erinnerungsbuch noch spannende und anrührende Ausführungen über eine Ehe, die zum Symbol für die Lage des politisch zerstrittenen Landes wird. Man kann den beiden den Respekt dafür nicht versagen, dass sie im Gespräch bleiben, auch wenn manche Differenz nicht aufzulösen ist. „Hier geht es um Geschichtsfälschung, aber sie glaubt daran“, schreibt Lethen über Sommerfelds Narrativ der Nachkriegsgeschichte („amerikanische Gehirnwäsche“). Sonst ist sein Ton weniger auf energischen Widerspruch als auf eine leicht resignierte, manchmal auch verdutzte indirekte Rede gestimmt, mit der er ihre Auffassungen referiert. Es gibt für ihn Wichtigeres, als Recht zu behalten. Der Konflikt soll die Familie „nicht zerreißen“. Ohne die „kalte Luft der Diplomatie“ könne „die Seele nicht atmen“ – diese Maxime von Helmuth Plessner hat Lethen öfter zitiert. Er hat sich wohl nicht träumen lassen, dass er solche Verhaltenslehren der Abkühlung einmal auf die eigene Ehe würde anwenden müssen. …“ | Aus: „Die Verwilderung der Sitten“ (09.12.2020) [[Einfügung: “ … Womöglich ist die Energie, die der 81-Jährige (Stand: 19.10.2020) aus Enttäuschungen zu ziehen vermag, auch ein Grund, warum er die Spannungen in seiner eigenen Familie aushält. Seiner Ehefrau Caroline Sommerfeld-Lethen, früher seine Studentin und wie er politisch rotgrün verortet, widmet er in seinem neuen Buch ein eigenes Kapitel: Die Mutter dreier seiner Söhne gehört seit einiger Zeit der Neuen Rechten an und engagiert sich in der Identitären Bewegung. „Natürlich war es ein Schock. Vor allen Dingen, weil es mich vollkommen unvorbereitet traf. Na klar. Aber mit Schocks muss man umgehen.“ … Sie hätten sich „über die Rolle der Empathie und die dunklen Seiten der Empathie gestritten“. So viel gibt Helmut Lethen über die politischen Spannungen in seiner Ehe preis. Es sei „ein interessanter Streit, der noch lange nicht zu Ende gestritten ist“. … | Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/germanist-und-kulturwissenschaftler-helmut-lethen-ich-100.html]] | Aus: „Die Verwilderung der Sitten“ Wolfgang Schneider (09.12.2020) | Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/die-verwilderung-der-sitten-4216078.html

// Kontext: [“ … In einem Gespräch mit Hasnain Kazim verneinte [Caroline Sommerfeld-Lethen] die Frage, ob auch Nichtweiße Deutsche sein könnten. Zwar sei dies für sie nicht allein unter dem Gesichtspunkt der „Rasse“ zu bewerten, „aber es hat auf jeden Fall ganz elementar eine ethnische Komponente. Mit der Staatsbürgerschaft allein ist es nicht getan.“ Was „deutsch“ sei, sei „augenscheinlich“ und bedürfe keiner komplexen Definition. Es reiche, in eine typische deutsche Kleinstadt zu fahren und zu registrieren, „wie die Leute dort denken, wie sie sprechen, wie sie aussehen“. Sie sei aber nicht „gegen Fremde ganz pauschal, das ist Quatsch“. In der vom IfS herausgegebenen Sezession schrieb Sommerfeld: „Der Passdeutsche ist und bleibt vom Abstammungsdeutschen unterscheidbar, auch wenn er […] ebenfalls ‚Deutscher‘ genannt werden muss.“ Laut Sommerfeld müssen „größere Zahlen von Ausländern“ – auch in zweiter und dritter Generation in Deutschland lebende Menschen – das Land verlassen, um „das demographische Ende der Abstammungsdeutschen abzuwenden“. In einem 2017 in der Sezession protokollierten Gespräch mit ihrem Mann stellte sie die Forderung auf, Holocaust-Forschung müsse „freie Forschung sein dürfen“. Der Historiker Volker Weiß merkte dazu an, dass historische Forschung hierzulande frei sei, strafbewehrt sei nur Holocaustleugnung. Er kritisierte, dass niemand Sommerfeld „in den zahlreichen Interviews“ gefragt habe, was genau sie damit gemeint habe. …“ | Aus: „Caroline Sommerfeld-Lethen“ (geb. Sommerfeld; * 1975 in Mölln) | https://de.wikipedia.org/wiki/Caroline_Sommerfeld-Lethen (8. August 2025)]
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“ … Während seine Frau sich für die Abstraktion und gegen das Mitgefühl mit dem einzelnen Individuum gewissermaßen am Kältepol positionierte, dabei aber doch auf das „Volk“ als einer wärmenden Gemeinschaft beharrte, hielt Lethen am „Kältebad der Entzauberung mythischer Erzählungen“ fest. Man wäre gerne dabei, bei den Abendgesprächen dieser Ehe, die diese Kluft bisher offenbar ausgehalten hat. …“ | Aus: „Helmut Lethen: „„Denn für dieses Leben ist der Mensch nicht schlau genug“ Zwischen Kälte- und Wärmepolen““ Jörg Magenau (22.10.2020) | Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/helmut-lethen-denn-fuer-dieses-leben-ist-der-mensch-nicht-100.html

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[Gedankensprung]: “ … Der Chef des Verteidigungsausschusses erwartet, dass Deutschland sich an einer möglichen Friedensmission in der Ukraine beteiligt. Auch der Reservistenverband ist dafür. … CDU-Politiker Röwekamp hielt eine Entsendung deutscher Soldaten für folgerichtig. … “ Aus: „Reservisten fordern Beteiligung der Bundeswehr an Friedensmission“ (19. August 2025) | https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-08/bundeswehr-friendseinsatz-deutsche-soldaten-ukraine-sicherheitsgarantie
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Weelst: “ … Dann gibt es endlich „Rache für Stalingrad“ und eine richtige Ostfront, wie es sich gehört. Ganze Zeitungsredaktionen melden sich freiwillig, um ihren Worten Taten folgen zu lassen.. :-) …“
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JE la Roche: “ … Jeder, der einen Einsatz deutscher Soldaten von vornherein ausschliesst setzt die Sicherheit Deutschlands aufs Spiel. Frieden wird in der aktuellen Lage nur durch glaubwürdige Abschreckung erhalten werden. Wir müssen Stärke und Bereitschaft zeigen. …“
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Kaffewe: “ … [„ … [der] … setzt die Sicherheit Deutschlands aufs Spiel …„] … Könige und Päpste haben auch immer so argumentiert, wenn sie den Pöbel zum Verrecken an die Front geschickt haben. …“
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wassollderquatsch: “ …Schon beeindruckend, wie begeistert viele hier sind, endlich wieder deutsche Soldaten loszuschicken. Nur bei den eigenen Söhnen und Töchtern tun sich dann viele schwerer. …“
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Leser mit Interesse: “ … Wer hätte noch vor 5 Jahren gedacht, dass ein Mitglied des Bundestages ernsthaft darüber nachdenkt, Bundeswehrsoldaten in einem Nicht-NATO- und Nicht-EU-Land einzusetzen, die nicht durch die UN beauftragt wurden (Blauhelme). …“
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„Bundeswehr in die Ukraine!“ // [“ … Frieden entsteht nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke. Die Chefs der wichtigsten europäischen Länder sowie der EU und der Nato haben bei ihren Gesprächen mit dem US-Präsidenten im Weißen Haus demonstrativ gezeigt, dass sie zusammen fest an der Seite der Ukraine und ihres Präsidenten Selenskyi stehen. Es bleiben große Differenzen mit Washington, erst recht mit Moskau. Aber klar ist, dass es ein Ende des Tötens und Sterbens nur geben wird, wenn Europa Sicherheitsgarantien gibt – nicht nur auf dem Papier, sondern durch eigene Truppen, um Putin an einer Fortsetzung des Kriegs gegen die Freiheit ganz Europa zu hindern. …“] von Ludwig Greven (19. August 2025) | Quelle: https://www.ruhrbarone.de/bundeswehr-in-die-ukraine/249858/ | [„Ludwig Greven – Ehemaliger Politikredakteur bei ZEIT ONLINE, Schwerpunkte: Kommentare und Analysen, Integration und Migration, Europa“ | https://www.zeit.de/autoren/G/Ludwig_Greven/index.xml]
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mike_mh @Ludwig Greven: “ … „Frieden entsteht nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke.“ … Und Melden Sie sich dann Freiwillig, an der Ostukrainischen Grenze den Frieden zu sichern? …“

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“ … [Eingefügter Kontext zur kulturellen Imprägnierung: “ … In jeden Akt der Tötung geht eine ganze Gesellschaft samt ihren Weltbildern ein: nicht mehr, aber auch nicht weniger. …„] … Das auf KI-Technologie spezialisierte Rüstungsunternehmen Helsing hat nach eigenen Angaben weitere 600 Millionen Euro von Investoren eingesammelt. Mit dem Ergebnis der Serie-D-Finanzierungsrunde habe das Unternehmen nun seit Gründung 1,37 Milliarden Euro von seinen Geldgebern bekommen. Angeführt wurde die neue Finanzierungsrunde von der Investmentgesellschaft Prima Materia des Spotify-Gründers Daniel Ek (42), neben den bestehenden Investoren Lightspeed Ventures, Accel, Plural, General Catalyst und SAAB sowie den neuen Investoren BDT & MSD Partners. …“ | Aus: „Spotify-Gründer verdoppelt Investment“ (18.06.2025) | Quelle: https://www.manager-magazin.de/unternehmen/tech/spotify-gruender-investiert-millionen-euro-in-deutsches-ruestungs-start-up-helsing-a-7f9636e6-9a70-4e2e-a8b1-c391c21fecae
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[Eingefügter Kontext: “ … Keine physische Praxis ohne kulturelle Imprägnierung, keine Handlung ohne (Be-)Deutung, so könnte man den theoretischen Extrakt dieser Geschichte einer Rationalität des Tötens zusammenfassen. ….„] „Musikhören für den Krieg: Spotify investiert in Rüstungstechnologie“ Christian Schachinger (3.7.2025) | Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000277881/musikhoeren-fuer-den-krieg-spotify-investiert-in-ruestungstechnologie
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“ … Jürgen Martschukat schreibt seine Geschichte des gesetzlichen Tötens in zwei Etappen. Das Ancien Régime kannte den Bürger nicht. Seine Souveränitäts-Macht zielte auf den Untertan, den es in Schrecken zu halten galt. Die Aufklärung will den selbstbewussten Bürger, der tötet, ohne seine Humanität zu verleugnen. … Keine physische Praxis ohne kulturelle Imprägnierung, keine Handlung ohne (Be-)Deutung, so könnte man den theoretischen Extrakt dieser Geschichte einer Rationalität des Tötens zusammenfassen. In jeden Akt der Tötung geht eine ganze Gesellschaft samt ihren Weltbildern ein: nicht mehr, aber auch nicht weniger. …“ | [Zu: Jürgen Martschukat: „Inszeniertes Töten. Eine Geschichte der Todesstrafe vom 17. bis zum 19. Jahrhundert“. Böhlau Verlag, Köln/Weimar/Wien 2000, 272 Seiten] Aus: „„Hat er aber gemordet, so muss er sterben!““ ULRICH BRIELER (8.5.2001) | Quelle: https://taz.de/Hat-er-aber-gemordet-so-muss-er-sterben/!1173969/
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[Gedankensprung]: “ … Zu Lethens offenkundigen Leib- und Magenzitaten zählt ein Satz aus Büchners Revolutionsdrama „Dantons Tod“ [„Dantons Tod ist ein Drama in vier Akten von Georg Büchner, das von Mitte Januar bis Mitte Februar 1835 geschrieben wurde.“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Dantons_Tod], der zum Leitmotiv des schmalen Bandes [Helmut Lethen: Stoische Gangarten – Versuche der Lebensführung, Rowohlt Verlag] erhoben wird: „Geht einmal euren Phrasen nach bis zu dem Punkt, wo sie verkörpert werden“. … Anschließend wird es konfus. Lethen bekennt sich zu der historischen Notwendigkeit des strukturellen Pazifismus, und er bekennt sich zum neuen Postulat der Militarisierung, ferner bekennt er sich zum Lähmungsgefühl, das durch Doppelbekenntnisse dieser Art hervorgerufen werden. Letztlich liefert Lethen hier eine erschütternd unmittelbare, völlig schutzlose Demonstration der Ratlosigkeit, die ihn befällt, nachdem er das Vorhaben, sich seine „Verhaltenslehren der Kälte“ vom Leib zu schreiben, umgesetzt hat. … “ | Aus: „Lassen Sie sich nicht durch Emotionen aus der Fassung bringen“ Marianna Lieder (16.08.2025) | Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/sachbuch/helmut-lethens-stoische-gangarten-110633618.html

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Mr. Wizzzzer: “ … Der Artikel von Julia Encke über Helmut Lethens Buch „Stoische Gangarten“ [„Helmut Lethen über das bundesrepublikanische Bild des Soldaten“ Julia Encke (18.08.2025)] behandelt nicht die historische Bewertung der Wehrmacht oder die Schuldfrage vergangener Kriege, sondern die aktuelle gesellschaftliche Normalisierung von Rüstung im zivilen Alltag. … Kommentare, die den Fokus auf historische Aufrechnungen oder anti-russische Narrative lenken, verfehlen den Kern der Debatte. Es geht hier um die Frage, ob und wie Rüstungsunternehmen Einfluss auf Alltagskultur nehmen dürfen – und welche Werte dadurch verdrängt werden. Eine sachliche Diskussion über die ethischen Grenzen solcher Verflechtungen ist dringend nötig, ohne ideologische Ablenkung. … „
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“ … „Einsamkeit und Rheinmetall“ heißt die Überschrift, mit der der Kulturwissenschaftler Helmut Lethen in der Debatte um die Wehrfähigkeit in Deutschland am Ende seines gerade erschienenen Buchs „Stoische Gangarten“ (Rowohlt Berlin) einen interessanten Widerspruch auf den Punkt bringt: eine Unvereinbarkeit zweier gesellschaftlicher Strömungen. Er erzählt, wie er Ende Mai 2024, wenige Tage vor dem Champions-League-Finale Borussia Dortmund gegen Real Madrid im Londoner Wembley Stadion davon hört, dass der Rüstungskonzern Rheinmetall neuer Sponsor von Borussia Dortmund wird. Einer der weltgrößten Waffenproduzenten beginnt eine Liaison mit Lethens Lieblingsverein. Das wird von mancher Seite kritisiert und problematisiert, der Umgang mit Waffenproduzenten werde auf diese Weise normalisiert, heißt es, das Rüstungsgeschäft banalisiert. … Lethen selbst wurde 1939 geboren und blickt in „Stoische Gangarten“ zurück, auf das Schweigen der Veteranen nach dem 2. Weltkrieg – und auf etwas, das man danach in Deutschland erst einmal für unmöglich gehalten hatte: die „Wiederbewaffnung“. Fünf Jahre nach Kriegsende konnten sich laut Umfragen „eine deutliche Mehrheit einen Dienst an der Waffe nicht mehr vorstellen – weder für sich, noch für die Angehörigen“. Nach 1950 wuchs die Zustimmung. … „
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Owen Gräfe: “ … 1944 wurde der „Volkssturm“ gebildet, um alle waffenfähigen Männer zwischen 16 und 60 Jahren für die Verteidigung des „Heimatbodens“ aufzubieten. Dieses Gedankengut scheint neue Wurzeln zu schlagen. …“ [ // >> https://de.wikipedia.org/wiki/Volkssturm ]
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Aus / Zu: „Helmut Lethen über das bundesrepublikanische Bild des Soldaten“ Julia Encke (18.08.2025) | Quelle: https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/helmut-lethen-%C3%BCber-das-bundesrepublikanische-bild-des-soldaten/ar-AA1KFNY2

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“ … Eigentlich sollte es jetzt losgehen. Doch der Star von Borussia Dortmund nippt an seiner Wasserflasche, telefoniert und schaut sich um. Erné Embeli wirkt alleingelassen auf der Gamescom, der weltweit größten Messe für Computer- und Videospiele in Köln. Dabei ist er nicht als gamingbegeisteter „Zocker“, sondern als Attraktion hier. Der Gamer und Influencer mit mehreren hunderttausend Followern tritt für das E-Sports-Team von Borussia Dortmund auf. Der Fußballklub verkündete im Mai 2024 eine Partnerschaft mit dem Rüstungshersteller Rheinmetall. Und an einem Stand von Rheinmetall steht deswegen jetzt Embeli in einem Dortmund-Shirt und ruft in seiner Instagram-Story dazu auf, am Stand vorbeizuschauen. Er sei bis 15.30 Uhr da. Die Idee dahinter: Die Fans folgen ihrem Star – und kommen nebenbei mit den wartenden Recruitern ins Gespräch. … Jeder Kontakt zählt, denn schließlich ist die Bundeswehr auf Nachwuchssuche. Zeit zu warten, bis möglicherweise der Wehrdienst wieder eingesetzt wird, bleibt nicht: Laut Wehrbericht ist jede fünfte Stelle unbesetzt, zudem scheiden jährlich etwa 30.000 Soldaten aus dem Dienst aus, die meisten altersbedingt. Um der Schrumpfung vorzubeugen, investiert die Bundeswehr viel Geld, im Jahr 2024 waren es 58 Millionen Euro. Die fließen in aufwendig produzierte Serien, die den Soldatenalltag zeigen sollen, in Kampagnen in den sozialen Medien oder in „Discovery Days“, Schnuppertage beim Bund. Oder eben in einen VR-Helikopter, den man auf der Gamescom ausprobieren kann. Dabei tragen die Besucher eine Virtual-Reality-Brille und sitzen auf einer beweglichen Plattform, die jeden Flugwinkel des virtuellen Helikopters nachahmt.“ | Aus: „Charmeoffensive für die Rüstungsindustrie“ Tim Schellenbach, Köln  (24. August 2025) | https://www.zeit.de/politik/2025-08/gamescom-nachwuchs-bundeswehr-bnd-rheinmetall

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Herbert der Große: “ … Auf die Frage, ob es ein Klischee sei, antwortete der Kommandant der Archilles Brigade Drohneneinheit: 70% der derzeitigen Piloten sind hoodietragende ExGamer, die E-Zigaretten rauchen. …“
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Uxmal: “ … Witzig, Krieg kann so lustig sein. /s …“
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stiefmütterchen: “ … Es widert mich an. Krieg wird als ein geiles Spiel vermarktet. …“
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Ruhrradel: “ … Nein, wird es nicht. Soldaten machen einen Job, sie retten uns allen im Kriegsfall hoffentlich den Arsch. Oder sorgen wenigstens für Zeit, damit du vor den Orcs dich noch retten kannst…“
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ccpb: “ … Gibt es da gar keine Firmen und Behörden, die junge Leute für einen Diplomatenjob rekrutieren möchten? Strategie-Spieler, die ihre Fähigkeiten für den Erhalt des Friedens mit anderen Mitteln als der Waffe einsetzen wollen? Games, in denen Welten gemeinsam aufgebaut statt gegenseitig zerstört werden? Die Jungs, die nicht bei Rheinmetall anfangen würden, geben mir Hoffnung. …“
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Sehinsland: “ … Krieg ist auch gar nicht so schlimm. Der junge Gamer kann von der Couch aus Todesdrohnen steuern. Das beruhigt eventuelle Gewissensbisse. Er muss nicht wie früher mit ansehen, was es heißt qualvoll von Angesicht zu Angesicht einen Sterbenden zu sehen. …“
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gkwest: “ … Nein, eigentlich nicht, wenn man von den US Drohnenpiloten in Nevada liest. Die gingen ins Büro, flogen Drohnen in Afghanistan und haben manchmal Raketen auf Menschen abgefeuert, sind dann zum Abendessen nach Hause gegangen. Das hat auch PTSD erzeugt. Siehe
https://www.nytimes.com/2013/02/23/us/drone-pilots-found-to-get-stress-disorders-much-as-those-in-combat-do.html
https://www.hillandponton.com/ptsd-drone-operators-pilots/
Dazu gibt es mehrere Studien, z.B.:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8611566/
https://nation.time.com/wp-content/uploads/sites/8/2013/04/pages-from-pages-from-msmr_mar_2013_external_causes_of_tbi.pdf
https://www.mentalhealthjournal.org/articles/remote-warfare-with-intimate-consequences-psychological-stress-in-service-member-and-veteran-remotely-piloted-aircraft-rpa-personnel.html
…“

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TheTunk, 26.08.25 09:08: “ … [“ … Mit aufgeklebten Sprechblasen legten Aktivisten der Berliner Polizei Aussagen in den Mund, die Selbstkritik darstellen sollten. Werbeplakate an mehreren S-Bahnhöfen waren Anfang Juli 2024 betroffen. Nun befasste sich das Amtsgericht Tiergarten mit dem Geschehen. Auf der Anklagebank saß ein Student. Er blieb am Ende straffrei – gegen Zahlung einer Auflage von 900 Euro wird das Verfahren eingestellt. …„] Ich finde es hochspannend, wie Kommunikationsgeräte und kreative Aktionen genutzt werden, um staatliche Image-Kampagnen – etwa die Hochglanzplakate von Polizei oder Bundeswehr – kritisch umzudeuten. Diese Plakate sind ja keine „neutrale Information“, sondern astreine Propaganda: Sie verkaufen uns ein Bild vom „freundlichen Cops von nebenan“ oder vom „coolen High-Tech-Job beim Bund“. In Wirklichkeit geht es aber darum, Zustimmung für Repression und Militärintervention zu organisieren. Wenn Aktivist:innen solche Plakate verändern – mit Stickern, Stiften, Übermalungen oder digitalen Hacks – dann kippt die Botschaft. Aus dem Smiley-Polizisten wird der Überwacher, aus dem „Mach, was wirklich zählt“ der Hinweis auf Auslandseinsätze und tödliche Drohnen. Diese Eingriffe entlarven das, was die Hochglanzwerbung verschleiern will. Für mich ist das eine Kunst- und Aktionsform, die den öffentlichen Raum zurückholt. Wenn der Staat Millionen in Propaganda steckt, dann ist die kreative Gegenrede mit Marker und Kleber fast schon eine demokratische Notwendigkeit. …“ | Zu: „Polizeikritische Adbusting-Aktion in Berlin: Student bleibt gegen Geldauflage straffrei“ Kerstin Gehrke (25.08.2025) | Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizeikritische-adbusting-aktion-in-berlin-student-bleibt-gegen-geldauflage-straffrei-14225978.html

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Nachtrag #1

[Versprengte Notizen zum Krieg… ]
„Wird Zeit, dass unsere verweichtlichen Jugendlichen mal aufwachen!“
Ich bin dafür, dass Sie von Ihrem A…loch-sein mal aufwachen.

[Zu: „Schülervertreter sieht junge Menschen bei Wehrdienstplänen übergangen“
(27. August 2025)
// Kontext: „Unionsfraktion will Gesetzentwurf für Wehrdienst im Bundestag ändern“
(27. August 2025)]
Link –> https://www.subf.net/forum/index.php/topic,220.msg13992.html#msg13992

[Terence Stamp (1938-2025)… ]



Pier Paolo Pasolini & Terence Stamp (bei Arbeiten zu „Teorema – Geometrie der Liebe“, 1968)
// “ … Ein Postbote gibt ein Telegramm an der Tür der Villa einer großbürgerlichen Industriellenfamilie ab, in dem für den nächsten Tag die Ankunft eines Gastes angekündigt wird. Der Gast ist ein gutaussehender und zurückhaltender junger Mann, liest Arthur Rimbaud und bewegt sich ungezwungen im ganzen Haus. Nacheinander erliegen alle Familienmitglieder seiner Faszination: Die Haushälterin Emilia, der Sohn Pietro, die Mutter Lucia, die Tochter Odetta sowie letztendlich der Vater. Mit allen hat der Gast sexuellen Verkehr und leitet eine Wende in ihrem Leben ein. Nach seiner plötzlichen Abreise hinterlässt er Leere und seelisches Chaos, das Mutter, Vater, Tochter und Sohn auf unterschiedlichste und teils absurde Weise zu kompensieren versuchen. Das Theorem, das im Filmtitel vorkommt, ist dasjenige, welches behauptet, man müsse auf die Probleme der Welt und die eigenen existenziellen Bedürfnisse mit einer formalistischen Geometrie antworten, genauer gesagt mit spießbürgerlichen Verhaltensweisen. Eine solche Gesellschaft kann laut Pasolini nicht echt sein. Ein Ereignis außerhalb der Norm, wie der Besuch des unbekannten Gasts, genügt, um die Leere zu offenbaren. Die Bewohner des Hauses beginnen sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und geraten selbst aus der Norm. Im Film wird also das Theorem zerlegt. „| Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Teorema_%E2%80%93_Geometrie_der_Liebe (21. November 2022)



// Picture via „TERENCE STAMP INTERVIEW“ (by Rossana Capitano with Morgaine Gaye, 2007) | https://www.maramarietta.com/the-arts/cinema/t-v/teorema/

[Monty Python’s Flying Circus… ]

„Britische Post widmet Monty Python Briefmarkenserie“ – Der Kultfilm „Ritter der Kokosnuss“ der Comedy-Gruppe wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Die britische Post feiert das Jubiläum mit einer Sonderedition (Aktualisiert am 8. August 2025) | Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-08/monty-python-briefmarken-roayl-mail-post-sammlerstueck-jubilaeum

// Monty Python’s Flying Circus
// https://de.wikipedia.org/wiki/Monty_Python%E2%80%99s_Flying_Circus

Harmlos01 (08.08.2025): “ … Britische Post widmet Monty Python Briefmarkenserie – Wo die Abstrusität des Lebens locker mit dem Flying Circus mithalten kann ist das eine nachvollziehbare Entscheidung. …“

Kontext:


The Bicycle Repair Man | >> https://youtu.be/A23WiU-TdLI
The bicycle scenes were filmed in Petersham on July 8th 1969


„Ex-Superman Dean Cain will Trump bei Massenabschiebungen helfen“
Nana Siebert (7. August 2025) | Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000282600/ex-superman-dean-cain-will-trump-bei-massenabschiebungen-helfen

Naridulu (7. August 2025): “ … bizzaro world … „

[Perspektive #3 …]

Luftbild von Merligen aus 300 m von Walter Mittelholzer (1925)

Mittelholzer (1894-1937), Sohn einer Bäckersfamilie, war ein Schweizer Luftfahrtpionier. Nach der Sekundarschule eignete er sich das fotografische Handwerk autodidaktisch an. 1937 [stürzte er] auf einer Klettertour an der Südwestwand der Stangenwand in der Steiermark mit seiner Seilschaft zu Tode, [vermutlich durch Steinschlag] verursacht. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Walter_Mittelholzer



“ … Die «Switzerland» fliegt zunächst vom Zürichsee über Neapel, Athen nach Alexandria. Dem Nil entlang geht es zum Victoriasee, weiter nach Karonga, heute Malawi, damals eine britische Kolonie. Mittelholzer beschreibt seine Ankunft aus der herablassenden Perspektive des weissen Europäers. … “ | Aus: „Walter Mittelholzer zeigte Afrika von oben herab“ (Radio SRF2 Kultur, Zeitblende, 30.9.2024) | Quelle: https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/fotograf-swissair-mitgruender-walter-mittelholzer-zeigte-afrika-von-oben-herab

“ … Jetzt – 100 Jahre später – haben Kieran Baxter und Alice Watterson von der University of Dundee Mittelholzers Flüge wiederholt. Mithilfe eines speziellen Programms ermittelten sie dafür die genaue Flugposition, von der aus Mittelholzer damals seine drei Fotos der Gletscher Argentiere, Mont Blanc Bossons und Mer de Glace geschossen hatte. In einer Flughöhe von 4.700 Metern, waghalsig aus ihrer kleinen Maschine hängend, wiederholten die beiden Forscher Mittelholzers Gletscheraufnahmen. … Das resultierende Vergleichsbild zeigt den Montblanc-Gletscher Mer de Glace einmal in Mittelholzers Aufnahmen von 1919 (links) und einmal in der heutigen Ansicht. „Das Ausmaß des Eisverlusts war schon erkennbar, als wir die Aufnahmehöhe erreichten“, berichtet Baxter. „Aber erst als wir die Fotos Seite an Seite verglichen, traten die Veränderungen der letzten 100 Jahre klar hervor. Es war eine atemberaubende und gleichzeitig herzzerreißende Erfahrung – vor allem im Hinblick auf das Wissen, dass sich diese Schmelze in den letzten Jahrzehnten massiv beschleunigt hat.“ … “ | Aus: „100 Jahre Eisverlust am Montblanc – Luftbilder im Abstand von 100 Jahren verdeutlichen Gletscherrückzug“ Nadja Podbregar (14. Oktober 2019) | Quelle: https://www.scinexx.de/fotos/100-jahre-eisverlust-am-montblanc/

“ … 18 000 seiner Aufnahmen liegen heute im Bildarchiv der ETH-Bibliothek und sind mittlerweile auch digital und online greifbar. … In der Ausstellung im Landesmuseum werden Leben und Werk Mittelholzers kurz vorgestellt, im Mittelpunkt stehen aber seine Aufnahmen, die in riesigen Lichtkästen an den Wänden und an der Decke montiert sind. Wir stehen gewissermassen unter Mittelholzers Himmel, den er jahrzehntelang kreuz und quer durchflogen hat. Besonders eindrücklich sind seine Aufnahmen von Bergen und Gletschern, deren Erscheinung noch etwas wuchtiger ist als heute. Zu sehen ist auch eine der Kameras, mit denen sich Mittelholzer aus seinen fliegenden Kisten gelehnt hat. Nicht verschwiegen werden die schwierigeren Seiten des Pioniers: So hat er in den Schilderungen seiner Afrikareisen, ganz dem Geist der Zeit entsprechend, immer wieder kolonialistische Wertungen aufscheinen lassen. Und er hat viele seiner Bilder von Eingeborenen auch gestellt, wie in der Ausstellung gut dokumentiert ist. So hat er die Leute etwa überredet, für die Fotos ihre Kleider abzulegen oder Stammeskleidung anzuziehen, die sie sonst nicht mehr trugen. Auf der andern Seite sorgte der Buchverlag bei Co-Autor Arnold Heim für Ärger, weil alle Geschlechtsteile der Abgebildeten sorgfältig wegretuschiert worden waren. Diese «moralische Retusche» sei in einer wissenschaftlichen Publikation lächerlich, fand er. …“ | Aus: „Unter Walter Mittelholzers Himmel“ (Eine Ausstellung im Landesmuseum präsentiert Leben und Werk des berühmten Flugpioniers und spricht auch ein paar seiner heikleren Seiten an) Adi Kälin (20.07.2018) | Quelle: https://www.nzz.ch/zuerich/unter-walter-mittelholzers-himmel-ld.1404980

[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #100]



Das wohl bekannteste Werk Füsslis Nachtmahr (Albtraum oder Nachtgespenst, um 1781) – es existiert in verschiedenen Versionen. Johann Heinrich Füssli (1741-1825) war ein schweizerisch-englischer Maler und Publizist, der in England als Henry Fuseli bekannt wurde. …
–> https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_F%C3%BCssli

“ … Füssli zeigt uns weder einen Albtraum noch die reale Wirklichkeit eines Schlafzimmers. Stattdessen zeigt er uns das, was auf der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit sitzt und sich unserer Seele bemächtigen will. Es sind jene Wesen, die sich der direkten Wahrnehmung des Menschen entziehen, die aber auf die Befindlichkeit und den menschlichen Körper einwirken. … hämisch grinsend hockt ein nächtlicher Dämon – der Alb oder Incubus – mit seinem ganzen Gewicht in der Magenkuhle der schlafenden Frau. Ergeben hängt sie kopfüber auf der Bettkante, die durchwühlte Decke zeugt von ihrem vergeblichen Kampf gegen das Grauen, welches nun vor ihrem inneren Auge abläuft. Der Alb, der sie „besitzt“, bringt Träume schrecklichster Art. Schrecklich? Eher wirkt es, als genieße sie. … Bei der Präsentation in der Royal Academy im Jahr 1782 gelang Füssli der erwünschte Skandal. Obwohl die Jahresausstellung der Akademie für ihr erotisches Flair bekannt war, sprengte die Mischung aus Gewalt und Sinnlichkeit den üblichen Rahmen. Empfindlichen Gemütern wurde abgeraten, das schaurige Bild zu betrachten. … “ | Aus: „Johann Heinrich Füsslis „Nachtmahr““ Paula Schwerdtfeger (2. Oktober 2012) | Quelle: https://stories.staedelmuseum.de/de/bild-des-monats-johann-heinrich-fusslis-nachtmahr

“ … Da sich das Werk einer eindeutigen Interpretation entzieht, wurde es zur Projektionsfläche jeweiliger Zeitstimmungen. … “ | https://www.karikatur-museum.de/programm/ausstellungen/fusslis-nachtmahr/

[Mythen meiner Kindheit #28… ]


Joey Clarks Leben ändert sich von einem Tag auf den anderen,
als er in der Zeitung von dem Hengst Fury liest.
Zu: „Fury“ (Engelbert, 1959)
https://de.wikipedia.org/wiki/Fury_(Jugendbuchreihe)

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“ … Das Pferd tritt in vielen Märchen als Begleiter des Helden auf. … Mit sicherem Instinkt wittern Pferde Gefahren … Dies legt die Vorstellung nahe, dass Pferde über Wissen verfügen, zu dem Menschen keinen direkten Zugang haben. … In der Welt der Märchen zeigt sich diese Vorstellung am deutlichsten in der Figur des sprechenden Pferdes, in der sich das Unterbewusstsein des Helden bzw. der Heldin manifestiert. … Das berühmteste dieser Märchen ist Die Gänsemagd aus der Sammlung der Brüder Grimm. Dort erinnert der abgeschlagene Kopf des Pferdes Falada das Mädchen täglich daran, dass sie eine Königstochter ist. …“ | Aus: „Tiere im Märchen: Das Pferd“ | Quelle: https://www.maerchenatlas.de/miszellaneen/marchenfiguren/tiere-im-maerchen-das-pferd/

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Die Gänsemagd Illustration von Otto Ubbelohde, 1909

// Kontext: „Die Gänsemagd“
// https://de.wikipedia.org/wiki/Die_G%C3%A4nsemagd

[Kriegsschauplätze #53…]

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“ … Häuserruinen, verrostete Fahrräder und verkohlte Kinderwagen: Im französischen Oradour-sur-Glane steht die Zeit still. Alles hier erinnert an das blutige Massaker vom 10. Juni 1944. Die SS metztelte dabei mehr als 600 Kinder, Frauen und Männer nieder. …“ | Aus „Das Massaker von Oradour: Als die SS ein ganzes Dorf auslöschte“ (Dienstag, 10. Juni 2025) | https://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/politik/Vor-81-Jahren-loeschte-die-SS-das-franzoesische-Dorf-Oradour-aus-600-Kinder-Frauen-und-Maenner-wurden-ermordet-article24993793.html
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“ … Vor allem die Tatsache, dass der Kommandeur der SS-Division „Das Reich“, Heinz Lammerding, in der Bundesrepublik niemals für das Massaker belangt wurde, sondern in Düsseldorf eine gutgehende Baufirma führte, wurde für Oradour das Sinnbild für die ausgebliebene strafrechtliche Ahndung des Verbrechens in der Bundesrepublik. …“ | Aus: „Der Tag, an dem die Zeit stehen blieb“ Andrea Erkenbrecher und Martin Graf (10.06.2014) | https://www.spiegel.de/geschichte/oradour-sur-glane-massaker-im-zweiten-weltkrieg-a-974233.html // https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz_Lammerding

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“ … Das Massaker von Oradour am 10. Juni 1944 war ein durch die Waffen-SS verübtes Kriegsverbrechen an der Bevölkerung des französischen Dorfes Oradour-sur-Glane. Nahezu alle Einwohner wurden dabei ermordet. Das Dorf wurde völlig zerstört. Es war mit 643 Opfern das zahlenmäßig verheerendste Massaker in Westeuropa. ..:“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_von_Oradour

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