Kategorie: Gedanken.Memo

[Bewusste und unbewusste Prozesse #2 …]

// https://it.wikipedia.org/wiki/La_grande_illusione_(film)

“ … § 11. Das Unbewußte. Giebt es unbewußte psychische Wirklichkeit? Die Frage ist wichtig, denn die ganze Methode d[er] Ps[ychologie] wird davon beeinflußt. Giebt es unb[e]w[ußte] ps[ychische] V[orstellungen], so kann das Bewußtsein nicht ausreichen, die Erkenntniß des psychischen zu vollenden. Der Begriff des Bewußtseins ist jungen Datums. Also auch der des Unbewußten. Schon bei Locke kam die Frage, ob man unbewußte Ideen haben könne [!]. Er hat sie geleug[ne]t. … Ulrici hat darauf hingewiesen, daß man durch eine Straße gehen kann in Unterhaltung begriffen und daß einem Stunden [!] später einfällt, daß man etwas gesehen hat. …“ | Horst Gundlach (Autor): WILHELM WINDELBAND – Das Fach Philosophie und die Wissenschaft Psychologie im Deutschen Kaiserreich (2017) [Horst Gundlach studierte Psychologie und Philosophie. Während seiner Universitätslaufbahn, die ihn nach Heidelberg, Passau und Würzburg führte, befasste er sich mit der Geschichte der Psychologie als Teil der Wissenschaftsgeschichte. …] | https://library.oapen.org/bitstream/id/a542175b-2913-4466-ba95-af333fcfc1fe/203-68-78810-2-10-20170904.pdf // https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Windelband

“ … Es geht um das Ganze des Denkens, das sich allerdings auf doppelte Weise als fragmentarische Totalität darstellt. … Die Kraft (»forza«) des Genies sei die Kraft der Natur (1855, Zib. 1854f.), aber nicht im Sinne des romantischen Naturgenies, sondern insofern »natura« und »illusione« gleichsetzt werden. Die Natur wehrt sich gegen die mortifizierende Wahrheit des wissenschaftlichen, aufklärerischen Bewusstseins mit Illusionen,um die Subjekte zu schützen. … Jeder bewusste Zeitpunkt ist Teil einer Sukzession [Nachfolge], der durch einen je späteren gegenwärtig wird. Was wir als (lustvolle etc.) Gegenwart empfinden, ist bereits eine transzendentale Erinnerung. …“ | Aus: Milan Herold „Der lyrische Augenblick als Paradigma des modernen Bewusstseins – Kant, Schlegel, Leopardi, Baudelaire, Rilke“ – Gründungsmythen Europas in Literatur, Musik und Kunst – Band 10 (Variationen des Scheiterns – Herausgegeben von Uwe Baumann,Michael Bernsen und Paul Geyer (2017) – [Kap. Leopardi: Übergang zur Modernen Dichtung] | Quelle: https://www.romanistik.uni-bonn.de/bonner-romanistik/personal/herold/Milan%20Herold_Der%20lyrische%20Augenblick%20als%20Paradigma%20des%20modernen%20Bewusstseins%202017.pdf

[Mosaikstein (référence) #1… ]

Steffen Kolberg (07.11.2019): “ … Ein »Desaster« sei das Album gewesen, so Sänger und Bassist Roger Waters, als er Jahre später in einem Interview darauf angesprochen wurde. Auch Gitarrist David Gilmour und Drummer Nick Mason äußerten sich später wenig wohlwollend über »Ummagumma«. …“

Markus Peltner (7.3.2012): “ … „Grantchester Meadows” heißt der erste Beitrag von Roger Waters. Mit Vogelgezwitscher beginnt das Stück und erinnert ein wenig an eine Folk-Nummer. Ein schöner und entspannter Titel entwickelt sich hier, der nur durch Gesang, mittels einer akustischen Gitarre und durch das bereits erwähnte Vogelgezwitscher instrumentiert ist. Legendär das Ende des Songs. Da hört man dann eine Fliege Brummen, jemand kommt die Treppe heruntergerannt und macht der Fliege lautstark den Garaus. Der zweite Beitrag Roger Waters’ heißt „Several Species Of Small Fury Animals Gathered Together In A Cave And Grooving With A Pict”. Und genauso abgefahren wie der Titel, so ist auch die Musik in diesen fünf Minuten ihrer Dauer. Alles ist rhythmisch, alles huscht irgendwie herum und man kann diese kleinen, zornigen Viecher fast schon auf dem Boden herumwuseln sehen. Das Stück besteht nur aus bearbeiteten Stimmen, auf Instrumente wurde völlig verzichtet, lässt man mal das rhythmische Fingerklappern zu Beginn der Nummer außen vor. Wahrlich eines der seltsamsten Stücke der Musikgeschichte. …“

Lars Junker (ahoimag.de, 31.05.2016): “ … Ummagumma ist das vierte Album der Band Pink Floyd und wurde 1969 erstmalig veröffentlicht. Es handelt sich dabei um die erste Doppel-LP der Band, die aufgrund ihrer inhaltlichen Struktur auch eine gewisse Sonderstellung im Vergleich zu den restlichen Veröffentlichungen einnimmt. … Ummagumma ist kein Gesamtwerk im Sinne eines kontinuierlichen Albums, vielmehr finden sich auf der Platte die Essenzen der einzelnen Musiker wieder. … „

J. Scholz (13. Mai 2018): “ … Heute gefallen mir die avantgardistischen Sachen besser. Diesbezüglich ist Ummagumma das Nonplusultra …“

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #2 ]

Louise Aston (1814-1871) gemalt von Johann Baptist Reiter | “ … Sie schrieb erotische Gedichte, kritisierte Religionen, trug Hosen – und wurde 1846 wegen alldem als „staatsgefährdende Person“ aus Berlin verwiesen. Während der Märzrevolution gründete sie den „Club Emancipierter Frauen“. … “ via | https://de.wikipedia.org/wiki/Louise_Aston

„Ich verwerfe die Ehe, weil sie zum Eigenthume macht, was nimmer Eigenthum sein kann: die freie Persönlichkeit; weil sie ein Recht giebt auf Liebe, auf die es kein Recht geben kann; bei der jedes Recht zum brutalen Unrecht wird.“ – Meine Emancipation, Verweisung und Rechtfertigung, C. G. Vogler, Brüssel 1846 | https://de.wikiquote.org/wiki/Louise_Aston

[Zum Wahn der Liebe #92 … ]

// https://de.wikipedia.org/wiki/Alain_de_Botton

The ideology of Romanticism has been fatal to our chances of long-term happiness in modern relationships. Here, School of Life founder Alain de Botton delivers a lecture at the Sydney Opera House charting a wiser course for love. | ‚Alain de Botton on Romanticism‘ (2016) >> https://youtu.be/sPOuIyEJnbE

// Romantik (Kulturgeschichtliche Epoche)
// https://www.subf.net/linklist/index.php/topic,402.0.html

[Arbeit am Mythos #8 … ]

OKKULT – Grenzbereiche der Wissenschaft (1970)

Juliane Bergmann (04.12.2020): “ … Immer wieder hat sich das Bild vom Himmel gewandelt – durch neue Erkenntnisse, aber auch durch Irrglauben, Mythen und Schwindel. …“ | https://www.ndr.de/kultur/buch/Der-Atlas-des-Himmels-Eine-Geschichte-der-Astronomie,atlasdeshimmels100.html

Andreas Lichte (04.12.2020): “ … Kurz nach 1900 war [Rudolf] Steiner Atheist, Anarchist, Mitglied des Giordano-Bruno-Bundes, dozierte an der von Wilhelm Liebknecht gegründeten Berliner Arbeiterbildungsschule, oder schrieb ein Buch über den Evolutionsbiologen Ernst Haeckel. Diese Phase beschrieb er später als dämonische Prüfung, die er habe bestehen müssen, bevor er das spirituelle Christentum gefunden habe. … [Nun] entwickelte er wenige Jahre danach eben die Mond-Sonne-Mythen, … also seine ganze kosmische Evolutionsmetaphysik, der die Abwertung des Jüdischen als vermeintlich überwundener Vorstufe des Christentums eingebaut ist. …“ | https://hpd.de/artikel/anthroposophie-und-antisemitismus-18761

Michael Eggert ): “ … Hello again, Ihr Gipfelstürmer, Ihr okkulten Narzissten, … die Anthroposophische Gesellschaft versucht, in ihren Presse- Tipps zum Thema Corona ein differenziertes Bild zu geben. Die hysterische Endzeit- Prophetie scheint also Teil der Selbst- Inszenierung einer Hardcore- Minderheit zu sein, die inmitten der Querdenker und Rechten ein Forum für ihre apokalyptischen und zugleich narzisstischen Vorstellungen finden. …“ | Quelle: https://egoistenblog.blogspot.com/2020/11/so-seufzt-die-geschundene.html | Nachtrag: … Michael Eggert (11.12.): “ … Natürlich sind die Perspektiven surreal, wirken die penetrant vorgetragenen Selbst- Glorifizierungen, apokalyptischen Deutungen, Verdammungen ritualisiert, sinnentleert, psychotisch. …“ >> https://egoistenblog.blogspot.com/2020/12/ich-bin-so-geil-geil-geil-oder.html

Nina Apin (26. 2. 2011): “ … Rhythmische Prozesse, Astralleib, geisterfüllte Erde – das klingt skurril … die Anthroposophie ist alles andere als bodenständig; ihr Fundament ist das Spirituelle, das Kosmische, ja das Okkulte, wie mehrere, zu Steiners 150. Geburtstag erschienene Bücher betonen. … Die neue Geisteswissenschaft umfasste eine Kunst und (christliche) Metaphysik. Die Anthroposophie wurde zum kultischen Gesamtkunstwerk mit Rezitationen und der Aufführung von Mysterienspielen, aus denen die Eurythmie hervorging. Diese tänzerische Ausdrucksform, die den übersinnlichen Urgrund der menschlichen Sprache sichtbar machen soll, ist noch heute Unterrichtsfach an allen Waldorfschulen. … Die kosmologische Theorie, die Steiner entwickelte, basiert – verkürzt gesagt – auf der Idee, dass Weltall und Mensch einem gemeinsamen göttlich-geistigen Urgrund entspringen, zu dem es wieder zurückzufinden gilt. Dem Gang der Weltentwicklung zufolge befinden wir uns gegenwärtig in der fünften Kulturepoche, einer Hochzeit der Individualisierung und des Materialismus. Dass es den „weißen Rassen“ obliege, die Menschheit zum Höheren zu führen, während „Neger“ oder Juden auf historisch niedrigeren Stufen zurückbleiben, gehört zu den heute viel kritisierten, von Steiners Biografen aber auch zeitgeschichtlich eingeordneten, Aspekten. … Dass sich das spirituell-vormodern geprägte Weltbild der Anthroposophie bisweilen in Dogmatismus äußert, kann ich zu Hause ganz konkret studieren: Weil mein Lebensgefährte sich noch heute von den „Anthros“ mit ihren verwischten Konturen und warmen Erdtönen verfolgt fühlt, dominieren bei uns nun klare Konturen und spitze Winkel …“ |Aus: „Rudolf Steiners Vermächtnis: Kartoffeln fördern den Materialismus“ (26. 2. 2011) | https://taz.de/Rudolf-Steiners-Vermaechtnis/!5125903/

Anna Rothenfluh (09.02.20): “ … Es nützt [ ] nicht allzu viel, einen Mythos als Mythos zu entlarven, ihn mit nackten Fakten zu bewerfen, um ihn so seiner Magie zu berauben. Besser, wir versuchen, seine Funktion zu verstehen. … Den Mythos finden wir [ ] immer dort, wo eine bestimmte Idee historische Ewigkeit beansprucht, als wäre sie schon immer da gewesen, als wäre sie nie etwas anderes gewesen als gelebtes Brauchtum. Politische Ziele werden durch jene mythischen Wahrheiten der Geschichte legitimiert und erscheinen so als ganz natürlich und ewig gültig. An den Mythos zu glauben heisst, an die reale Wirkungsmacht erfundener Geschichten zu glauben. …“ | Quelle: https://www.watson.ch/wissen/schweiz/568146141-mythos-tell-wie-der-schweizer-freiheitsheld-instrumentalisiert-wurde

“ … Der Denkform des Mythos erschließt sich die Welt auf eigentümliche Weise. In ihr zeigt sich eine Fülle von bisweilen bizarren und seltsamen Gestalten und Zusammenhängen, die [] als [etwas] objektives erlebt [werden]. […] [Das] … Objekt- und Wirklichkeitsverständnis ist spezifischer Art. Während das empirisch-wissenschaftliche Denken bestrebt ist, Gründe für dieses oder jenes aufzuzeigen und eine allgemeine Gesetzmäßigkeit des Geschehens zu eruieren, manifestiert sich im Mythos „die bloße Hinganbe an den Eindruck selbst“. Obwohl der Mythos das Chaos der unmittelbaren Eindrücke nicht schlechthin hinnimmt und es zu ordnen versucht, bleibt er in der Präsens des Gegenwärtigen befangen. Es fehlt ihm das Kriterium, zwischen Wahrheit und Schein zu unterscheiden, so dass das Wahrheits- und Wirklichkeitsverständnis des Mythos mit der Präsens seines Inhalts zusammenfällt. Das empirisch- wissenschaftliche Wirklichkeitsverständnis differenziert im konstitutiven Sinne zwischen dem Grund und dem Begründeten. Die Realitätsauffassung des Mythos, d. h. seinen Bildern der Realität, für die jene Scheidung indifferent ist, „fehlt somit gleichsam die Tiefendimension“.
Aus diesem Grundzug des mythischen Denkens folgt, dass es im Vergleich zum empierischen-wissenschaftlichen Denken keine deutliche Trennungslinie kennt, d. h. keine „feste Grenzscheide zwischen dem bloß ‚Vorgestellten‘ und der ‚wirklichen‘ Wahrnehmung, zwischen Wunsch und Erfüllung, zwischen ‚Bild‘ und ‚Sache‘. So vermag mythisches Denken kein sicheres Kriterium zu entwickeln, welches Traum vom Wachen trennt. […]
Cassirer begründet diesen Sachverhalt damit, dass das unreflektierte Bewusstsein sich weigert, jene Trennung zu vollziehen, weil es sie nicht erlebt. Vielmehr wird der Mensch lediglich in verschiedenen Zuständen wahrgenommen. … So weiß er nichts von einer ideellen Welt, die er von einer reellen [Welt] zu trennen hätte. [Der Mythos] scheidet nicht eine Welt des unmittelbaren Seins von einer mittelbaren Bedeutung. Vielmehr fallen ‚Bild‘ und ‚Sache‘ zusammen. Cassirer spricht von einem „Verhältnis realer ‚Identität‘. Das ‚Bild‘ stellt die ‚Sache‘ nicht dar – es ‚ist‘ die Sache. Sehr deutlich zeigt sich diese Identität im mythischen Tun, d.h. im ‚Ritus‘, sofern sich im ihm eine Verwandlung des Akteurs in den Gott oder Dämon, den er darstellt, vollzieht. …“ | Kap. ‚Mythisches Denken‘ – Aus: Ernst Cassirers „Philosophie der symbolischen Formen“ Peter Müller (WBG, 2010) S. 43, 44

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #55… ]

Die Kraniche ziehen (1957) | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Kraniche_ziehen

Herbert Spaich (6.Mai 2012): “ …Mit dem Tod Josef Stalins am 5. März 1953 begann eine neue Ära in der Sowjetunion, die als „Tauwetter-Periode“ in die Geschichte eingegangen ist. … Bei den Filmfestspielen von Cannes 1958 wurde die sowjetische Produktion „Die Kraniche ziehen“ als Sensation gefeiert …“ | https://filmspaicher.de/sowjetische-tauwetter-filme // https://de.wikipedia.org/wiki/Tauwetter-Periode

“ … Die Tauwetterperiodehat [hat] eine riesige Welle von Filmen hervorgebracht, vor allem im Vergleich zu der stalinistischen Periode, die als „Malokartinje“ bezeichnet wird. Doch das Phänomen der Tauwetterkriegsfilmästhetik wird in der Kultur-und Filmwissenschaftin der Regel nur anhand einiger Meisterwerke wie Letjat žuravli (1957), Ballada o soldate (1959), Sud’ba čeloveka (1959) und Ivanovo detstvo (1962) verallgemeinert. Die Analyse der Ästhetik des Tauwetterfilms wird nur auf diese weltberühmten Meisterwerke reduziert. … die sowjetische posttraumatische Gesellschaft der 1960er Jahre [verfügt] nicht nur über melancholische, sondern auch über schizophrene Merkmale. Das passiert dann, wenn im Bewusstsein der Subjekte derselben Gesellschaft, in der jedes Subjekt mehr oder weniger ein Trauma erfuhr, zwei sich gegenseitig ausschließende Versionen der Vergangenheit existieren, die sich in einem passiven Konflikt gegenüberstehen. Auf der einen Seite ist da die verdrängte, intime, traumatisierende, kritische, unausgesprochene, eine persönliche Kränkung enthaltende Geschichtsversion; auf der anderen Seite die offizielle, zur Schau gestellte, ideologisch akzeptierte und „genehmigte“, manchmal auch eher neutrale Version der Vergangenheit, … . Es war aber insbesondere die zweite Version des Gedächtnisses, die die Erinnerungkultur für die nachfolgenden Generationen Russlands wesentlich prägte. Etkind bezeichnete diese gleichzeitige Existenz mehrerer Dimensionen sich gegenseitig ausschließender und zuweilen unlogischer Erinnerungen über dieselbe Ereignisse mit einer gewissen Ironie als „Multihistorismus“ in Analogie zum westlichen Multikulturalismus. … Solženicyn und viele andere Forscher, die einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der sowjetischen Erinnerungskultur geleistet haben, unterstrichen, dass die Opfer des Kommunismus oftmals nicht verstanden haben, warum das System plötzlich damit anfing, in ihnen Feinde und Verräter zu sehen, und bis zuletzt auf einen guten Ausgang des schicksalhaften und absurden, wie sie meinten, Missverständnisses hofften. Die unbewusste, verdrängte Angst vor dem sowjetischen Totalitarismus, die in der Filmkunst durch unheimliche Parallelen zum deutschen Nationalsozialismus reflektiert wird, ist das Hauptleitmotiv, mit dem die Regisseure-Šestidesjatniki [(Die ‚Sechziger‘ waren Vertreter einer neuen Generation der sowjetischen Intelligenz, von denen die meisten zwischen 1925 und 1945 geboren wurden und in den späten 1950er und 1960er Jahren – nach dem Chruschtschow-Tauwetter – in die Kultur und Politik der UdSSR eintraten.)] bewusst oder unbewusst in der Kriegsfilmästhetik der Tauwetterzeit gearbeitet haben. … Schmerzhaft nicht nur wegen des Schweregrades des Traumas selbst, sondern auch wegen der bekannten tragischen Folgen für die Kunstschaffenden und die Intelligenzija [https://de.wikipedia.org/wiki/Intelligenzija], falls sie eine oder andere heikle Frage in der öffentlichen Diskussion ausgebreitet haben sollten. Mit anderen Worten, die Diskussion über das Trauma führte zur Wiederholung des Traumas im wortwörtlichen, physischen Sinne. … Die Analyse der Kriegsfilme aus der Tauwetterperiode hat gezeigt, dass die Unterwanderung der symbolischen Ordnung und der Ideologie in der Filmkunst für einen symptomatischen Ausdruck des sowjetischen Kriegstraumas steht. Die von den Regisseuren verwendeten Verfahren, vor allem die Verfremdungsverfahren dienen dabei der Visualisierung der traumatischen Symptome der sowjetischen Gesellschaft der 60er Jahren. Dem Rezipienten beziehungsweise dem Zuschauer des Films wird die Rolle zugeschrieben, die dargestellten Symptome zu erkennen und sie zu interpretieren…. “ | Aus: „Die Rolle des Imaginären in sowjetischen Kriegsfilmen: Zur Unterwanderung von symbolischer Ordnung und Ideologie in der Filmkunst nach dem Stalinismus“ Inauguraldissertationzur Erlangung des Doktorgrades der Philosophiean der Ludwig‐Maximilians‐Universität München vorgelegt von Evgenia Bezborodova aus Chemnitz (2018) | https://edoc.ub.uni-muenchen.de/22382/1/Bezborodova_Evgenia.pdf

[Arbeit am Mythos #7 … ]

Homers Held (hier Kirk Douglas in „Die Fahrten des Odysseus“, 1954) bei einer begründeten freiheitsbeschränkenden Maßnahme.

Reinhart Wustlich (03.05.2020): “ … Homers Odysseus sucht und hält den Kurs in unbekannten Gewässern, im Nicht-Wissen, im Beharren gegen die Schwarmintelligenz der Gefährten. … Der Held am Mast, ein Mann der Antike – doch wozu die freiheitsbeschränkenden Maßnahmen, den Odysseus jeglicher Bewegung zu berauben, nur damit er die Versuchung zu hören bekomme? Weshalb den sensiblen Hörsinn der Gefährten zu blockieren, nur um sie nicht vom Kurs abzubringen? Und wie gestaltete ein Homer von heute die Liste der Sirenengesänge – vom verblendeten Turbokapitalismus, vom verstockten Autoritarismus? … „Wir tragen das Bild Homers in uns“, notierte die spanische Schriftstellerin Nuria Labari, „aber wir haben die Geschichte falsch verstanden.“ Durch die Corona-Geografie, die sich wie Nebel über alle Länder legt, die Terra incognita, die uns zurückwirft auf ein eingeschränktes Weltverständnis: „So viel Wissen über unser Nichtwissen und über den Zwang, unter Unsicherheit handeln zu müssen, gab es noch nie“ …“ | https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/navigieren-jetzt-13746769.html

(10.8.2020): “ … Zwischen Skylla und Charybdis – Ein Gaststättenbetrieb ohne Alkoholausschank ist kaum denkbar. Coronaschutz unter Zechenden aber ebensowenig. Was tun? …“ | https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/alkoholverbot-zwischen-skylla-und-charybdis-li.97945

Udo Gümpel, Rom (Donnerstag, 19. November 2020): “ … Zwischen Skylla und Charybdis – Ärzte in Italien fordern drastischen Lockdown …“ | https://www.n-tv.de/politik/Arzte-in-Italien-fordern-drastischen-Lockdown-article22180167.html

(31.10.2020): “ … Alle Politiker haben irgendwelche Probleme und Widersacher. Aber wohl kaum so viele wie Boris Johnson. … Anhänger verteidigen Johnson mit dem Argument, dass es eine enorme Herausforderung für ihn sei, einen Weg zwischen «der Scylla eines neuen nationalen Lockdown und der Charybdis eines unkontrollierten Virus» zu finden — wie er es selbst mit Bezug auf Seeungeheuer in der griechischen Mythologie formuliert. …“ | https://www.bluewin.ch/de/news/international/boris-johnson-hat-viele-probleme-und-wenige-politische-freunde-456048.html

Wolfgang Schneider (09.05.2019): “ … In „Als die Natur noch sprach“ zeichnet Karl-Heinz Göttert die vormoderne Naturgeschichtsschreibung nach. Ihm gelingt es, einen faszinierenden Überblick zu geben – trotz seiner zuweilen ermüdenden Detailverliebtheit. … Göttert blättert in alten Kräuterbüchern und medizinischen Kompendien, er sammelt erhabene Irrtümer, abstruse Theorien und verwegene Spekulationen. Es gibt Kapitel über die heute wieder verklärte Klostermedizin des Mittelalters und über die Säftelehre bzw. Humoralpathologie von Hippokrates und Galen, die über zwei Jahrtausende die medizinische Theorie und Praxis bestimmte – eine zwar irrige, aber hochkomplexe Systematik des menschlichen Körpers und der Temperamente. Immerhin brachte die Humoralpathologie eine neue, magiefreie Denkweise gegenüber den archaischen Auffassungen. Diese erklärten die Befindlichkeiten und Krankheiten des Menschen ganz aus dem Wirken von Göttern, Geistern oder Dämonen. … Auf Dauer wird Götterts Buch den besprochenen Werken immer ähnlicher: eine Kompilation, ein Sammelsurium, ein Kuriositätenkabinett. Aber auch wenn man manche allzu detailfreudige Ausführung überblättert, bekommt man einen faszinierenden Panoramablick über 2000 Jahre Naturgeschichtsschreibung. …“ | https://www.deutschlandfunkkultur.de/karl-heinz-goettert-als-die-natur-noch-sprach-weltdeutung.1270.de.html?dram:article_id=448205

Andreas Grünschloß, Professor für Religionswissenschaft an der Universität Göttingen (02.09.2020): “ … Gerade in der Anfangsphase der Corona-Pandemie gab es ja eine Fülle von esoterischen oder sagen wir mal „alternativen“ Deutungen dessen, was hier im Gange ist: Dass es sich hier gar nicht um ein Virus handelt, sondern das sind Strahlen der Übertragungsmasten … Also eine ganze Reihe von alternativen Deutungsmustern. Und das ist, glaube ich, ein wichtiger Punkt. Wir kennen es nur vom Hörensagen – und wenn man dann mit Beeinträchtigungen leben muss, dann kann man sich natürlich relativ leicht darüber hinwegsetzen und behaupten, diese ganzen [Kontakt-] Reduzierungsvorschriften, die sind unplausibel, ich kenne überhaupt niemanden, der das Virus gehabt haben soll. Das kommt auch noch mit hinzu. Und dann eben das gepaart, sei es nun aus einer alternativen politischen Utopie, also ich sage mal einer Reichsbürger-affinen Ideologie heraus oder sei es aus einer esoterischen Weltdeutung heraus, wo man sagt, hier sind gewisse Mächte im Gange, die im Hintergrund ihre Fäden ziehen, auch in der esoterischen Weltdeutung gibt es ja Verschwörungstheorien, es muss nicht, aber es gibt sie, und so können dann natürlich so bestimmte Argumentationsmuster sich ergänzen. Und dass man zumindest da dann sich auf einer Demo zusammenfinden kann und sagen, wir haben einen gemeinsamen Feind, und das sind die etablierten, diskursmächtigen Größen, die uns hier was weismachen wollen. …“ | https://www.deutschlandfunk.de/esoterik-rechtsextreme-und-proteste-gegen-corona-massnahmen.886.de.html?dram:article_id=483421

Nils Markwardt (15. April 2017): “ … Das Gefährliche an Rechtspopulisten ist nicht bloß ihr eigenwilliger Umgang mit Fakten. Es ist ihre Sehnsucht nach einer politischen Mythologie. … Schon seit der Gegenaufklärung des 18. Jahrhunderts zeichnet [ ] sich [das reaktionäre Denken] durch eine radikale Kritik am kalten, zersetzenden Rationalismus der Moderne aus. Von Edmund Burke über Joseph de Maistre bis Carl Schmitt besteht die Grundidee, grob gesagt, darin, dass der Mensch, dieses sündhafte Mängelwesen, vom dekadenten anything goes bedroht wird. Dort, wo sich Universalismus und Humanismus ungehindert Bahn brechen, wo Autorität, Tradition und Hierarchie schwinden, verfalle der Mensch der Hybris und gleiten Gesellschaften ins Chaos. Deshalb brauche das Subjekt eine höhere, schicksalhafte Idee, der es sich buchstäblich unterwerfen kann. …“ | https://www.zeit.de/kultur/2017-04/politische-mythologie-rechtspopulismus-identitaere-bewegung-heimat-volk-fakten

Joachim F. Tornau (17.05.2020): “ … drei Rentner bilden den Vorstand des eingetragenen Vereins „Thule-Seminar“, der bereits seit dem Jahr 1980 mit Publikationen und Veranstaltungen für einen intellektuell verbrämten Rechtsextremismus und Rassismus wirbt. Das Verfahren gegen sie schwelt schon sehr lange: Es geht um einen Taschenkalender für das Jahr 2016, den sie veröffentlicht haben sollen. Das nach dem rächenden Kriegsgott aus der römischen Mythologie benannte Werk „Mars Ultor“ rief auf zum Rachefeldzug gegen die angeblich durch Masseneinwanderung und Multikulturalismus angestrebte „Ausrottung der Deutschen“. …“ | https://www.fr.de/politik/rechte-vordenker-muessen-gericht-13766431.html

Thomas Assheuer (November 2020): “ … wir müssen [Mythen] vom gewaltverliebten Schicksalsdenken lösen und ihre Stoffe deuten. … Nie gab Klaus Heinrich Anlass für rationalistischen Hochmut, und seine jüngsten Zeitdiagnosen waren düster. Nicht nur, dass das Vertrauen in die Macht der Vernunft schwinde; die Zivilisation selbst erliege dem „Sog der Selbstzerstörung“, während sich die „Abgrundgemeinschaft“ der Enttäuschten im Hass zerfleische. Heinrich hatte Freuds Rede vom „Selbstvernichtungstrieb der Gattung“ stets verteidigt; deren heimlicher Wunsch, „die Welt selbst aus der Welt zu schaffen“, war für ihn eine drohende Wahrheit. Behalten die Mythenerzähler am Ende also doch recht? Nein, Heinrichs Pointe ging anders: Anstatt gegen sich selbst die Kräfte der Kritik zu mobilisieren, verleugnet die Zivilisation die Natur und macht den Fortschritt zum Mythos – die Aufgeklärten waren nicht aufgeklärt genug. Am Montag ist Klaus Heinrich in Berlin im Alter von 93 Jahren gestorben. …“ | https://www.zeit.de/2020/49/klaus-heinrich-religionsphilosoph-mythen-theologie-nachruf

“ … Die Vorstellung vom [ ] Gegensatzpaar Thanatos-Eros ist erst durch die Freudsche Psychoanalyse aufgekommen und der griechischen Mythologie entlehnt. Thanatos und Eros werden im Sinne einer Evolution der Triebe als Urtriebe angesehen. Freud selbst sprach allerdings nur von „Eros“ im Gegensatzpaar von Lebenstrieb(en) und Todestrieb(en) seiner späteren Theorie. (Freud erwähnt dabei abwechselnd Trieb und Triebe, verwendet also den Singular und Plural ohne genaue Festlegung.) Der Begriff des „Thanatos“ als Gegenpol zum „Eros“ wurde allerdings nicht durch Freud selbst, sondern von Ernst Federn eingeführt. … [Hier ein] Zitat aus Herbert Marcuse, Triebstruktur und Gesellschaft: Ein philosophischer Beitrag zu Sigmund Freud, 1984 Frankfurt/Main, Suhrkamp, (unter altem Titel „Eros und Kultur“ schon 1957 erschienen.): „Die letzte Beziehung zwischen Eros und Thanatos bleibt dunkel“ (S. 32). …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Thanatos_(Mythologie)

Juan Fernando de Laiglesia: Eros und Thanatos am Strand
Mischtechnik auf Papier, 34,5 x 24,9 cm, 1977

Quelle: https://www.catawiki.de/l/16197701-signed-greta-buysse-eros-thanatos-2000

[Mythen meiner Kindheit #11… ]

“ … Die Brüder Löwenherz (schwedisch Bröderna Lejonhjärta) ist der Titel eines erstmals 1973 veröffentlichten Romans von Astrid Lindgren. … Der neunjährige Karl liegt schwer krank im Bett und weiß, dass er bald sterben wird, obwohl es ihm keiner sagen möchte. Er bewundert seinen 13-jährigen Bruder Jonathan, der klug, fröhlich und überall beliebt ist. … Astrid Lindgren hat sich … des Themas Tod angenommen. Sie hat dafür Kritik von zwei Seiten erhalten. Einerseits gab es Meinungen, dass das Thema zu ernst sei, um in Kinderbüchern beschrieben zu werden. Andererseits wurde kritisiert, dass der Tod verharmlost werde, weil die Brüder sich ihrer Schwierigkeiten durch einen Sprung in den Tod entziehen können. … Viele junge Leser wandten sich immer wieder an Astrid Lindgren und wollten wissen wie es mit Karl („Krümel“) und Jonathan weiterging. Daher wandte Astrid Lindgren sich im Jahr 1974 in einem offenen Brief an die schwedische Boulevardzeitung Expressen. Dort wurde ein weiteres Kapitel zum Buch veröffentlicht. Karl und Jonathan leben zusammen mit Mattias im Mattisgården in Äppeldalen. Dort bauen die beiden Hütten, reiten durch die Wälder und schlafen am Lagerfeuer. … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Br%C3%BCder_L%C3%B6wenherz (9. November 2020)

[Szenen aus dem Alltagsleben #1 … ]

“ … Dieses Foto entstand in einer der vornehmeren Rostocker Wohn- gegenden. …
… Dieser Ausschnitt … lenkt den Blick auf Einzelheiten, die sich nicht sofort erschließen. Hier auf Beobachter, die vom Fenster aus gespannt das Geschehen auf der Straße verfolgen. …“ | Fotos : Kulturhistorisches Museum Rostock | Quelle: https://www.ostsee-zeitung.de/Nachrichten/Fotostrecken-Nachrichten/Historisches-Alltagsleben-detailliert-aufgespuert/2 (07.06.2013)

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“ … Konstantin Nowotny: Was ist denn eigentlich Normalität? – Normalitäts-Forscher Jürgen Link: Jeder glaubt, das zu wissen. Aber ich glaube, wenn sie es jetzt definieren müssten, stünden die meisten Leute ziemlich schnell auf dem Schlauch. …“ | https://www.freitag.de/autoren/konstantin-nowotny/das-problem-ist-das-wir (2020)

“ … In der Theorie kam diese Müllabfuhr einmal am Tag – außer sonntags und an Feiertagen – vorbei, um den Hausmüll und Schmutz abzuholen. Dann bimmelten sie mit ihrer Glocke und warteten, dass die Leute ihren Unrat herausbrachten. Es war schließlich verboten, Müll vor dem Haus zu lagern, geschweige denn, ihn vor einem anderen Haus oder gar einer Kirche loszuwerden. In der Theorie. In der Praxis waren die Londoner Straßen derart überladen mit Schmutz, Asche, Unrat, Exkrementen und Tierleichen, dass der gelatineartige Londoner Straßendreck bei den Gärtnern von Market Garden ausgesprochen beliebt war als Dünger und dafür wohl auch hervorragend taugte. …“ | Aus: „Alltagsleben in London um 1750 – Steine & Schmutz, Londons Straßen – Geschichtskrümel 66 “ (27. Juni 2019) | https://www.donnerhaus.eu/2019/06/alltagsleben-in-london-um-1750-steine-schmutz-londons-strassen-geschichtskruemel-66/

“ … Mit Tagebüchern, Autobiografien und Interviews, aber auch mit Fotos, Briefsammlungen und diffusen schriftlichen Nachlässen existiert eine beachtliche Diversität von Ego-Dokumenten als potenziellen Quellen, die allerdings einige Herausforderungen an die Systematisierung innerhalb lebensgeschichtlicher Forschungsprojekte stellt. …“ |Zu: „Zur Konzeption lebensgeschichtlich orientierter Forschung (2009)“, Herausgeber: Manfred Seifert und Sönke Friedreich |https://www.isgv.de/publikationen/details/alltagsleben-biografisch-erfassen (Stand: 24.11.2020)

Michi Strausfeld (über: ‚Die Abgründe des Alltags‚ – In ihren Erzählungen „Wer nicht?“ zeichnet Claudia Piñeiro fesselnd-seltsame Normalitäten, 20.11.2020): “ … Als Szenen aus dem Alltagsleben könnte man sie bezeichnen, denn sie erzählen von Treue und Verrat in einer Beziehung, dem komplizierten Verhältnis von Kindern und Eltern, Familiengeheimnissen, Eifersucht, Neid und Unsicherheiten: Wer kennt das nicht, hat nicht einiges davon selbst erlebt oder zumindest davon gehört? Ja, wer nicht? … Die Erzählungen sind ungleich lang, einige umfassen nur ein paar Seiten. … Viele werden nach der Lektüre überzeugt davon sein, dass hinter jeder Normalität, hinter jedem schönen Schein ein Abgrund lauern kann. Schließlich lautet die Widmung: „Für alle, die imstande sind, sich in andere hineinzuversetzen. Ob sie nun seltsam sind oder nicht“ …“ | https://literaturkritik.de/pineiro-wer-nicht-abgruende-alltags-ihren-erzaehlungen-wer-nicht-zeichnet-claudia-pineiro-fesselnd-seltsame-normalitaeten,27377.html

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #54… ]

Das Miniatur Wunderland in der Hamburger Speicherstadt | via
// https://de.wikipedia.org/wiki/Miniatur_Wunderland

“ … Das Wort Modell entstand im Italien der Renaissance als ital. modello, hervorgegangen aus lat. modulus, einem Maßstab in der Architektur, und wurde bis ins 18. Jahrhundert in der bildenden Kunst als Fachbegriff verwendet. … Die Modellbildung abstrahiert mit dem Erstellen eines Modells von der Realität, weil diese meist zu komplex ist, um sie vollständig abzubilden. … Ein Ziel eines Modellierers ist generell die Reduzierung der Komplexität des Modells gegenüber der Realität. Ein häufiger Trugschluss ist daher, ein Modell mit der Realität gleichzusetzen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Modell (Juli 2020)

Irena Güttel (24.11.2020): “ … „Man kann sich seine eigenen heile Welt bauen, unabhängig von dem, was draußen passiert“, beschreibt Böhlein, selbst passionierter Modelleisenbahner … Vor allem bei den Gleisen sei die Nachfrage gestiegen, weil nun viele ihre Anlage ausbauten. „Krisenzeiten sind für die Modelleisenbahn nicht die schlechtesten Zeiten“, meint [Jens Beyer] … “ | https://www.heise.de/news/Modelleisenbahn-Heile-Welt-in-der-Coronazeit-4969255.html

Harald Schaub („Störungen und Fehler beim Denken und Problemlösen“ (Datum?)) “ … Handeln in komplexen Realitäten ist […] gekennzeichnet durch ständig neue Probleme und Schwierigkeiten,durch Misserfolge, Pannen und Enttäuschungen. Es ist kaum verwunderlich, wenn in solchen Konstellationen die Tendenz zur „Einkapselung“ in gut beherrschte Realitätsausschnitte zu beobachten ist. … “ | https://www.psychologie.uni-heidelberg.de/ae/allg/enzykl_denken/Enz_09_Schaub.pdf

“ … Der Mechanismus, der Lebewesen zu autonomen Systemen macht, [ist] die Autopoiese“ (Maturana und Varela, 1987: 55). … “ Als Beispiel für die Autopoiese kann die Zelle gelten. Sie ist ein Netzwerk chemischer Reaktionen, die Moleküle in der Weise produzieren, dass diese genau das Netzwerk aus Reaktionen erzeugen, welche schließlich die Zelle selbst erzeugte.“ Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Interaktion eines Lebewesens mit seiner Umgebung durch die Art bestimmt wird, wie es die Umgebung sieht und wie es diese zu seiner „Umwelt“ macht. Die Umgebung an sich ist unveränderlich, aber ihre Bedeutung verändert sich je nach „innerem Zustand“ des Lebewesens (von Uexküll und Wesiack, 1998: 47). “Was für das (jeweilige) System Umwelt ist, ergibt sich […] nicht objektiv, sondern […] aus der selektiven Perspektive des (jeweiligen) Systems selbst. So gesehen produziert das (jeweilige) System sich […] seine Umwelt, nämlich das, was es als Umwelt ansehen will und kann“ (Reinhold, 1997: 669-670). Umgebung und Lebewesen sind daher nicht nur physikalisch-chemisch definiert, sondern lassen sich erst durch ihre Beziehung definieren. …“ | Aus: „Zur Entstehung der individuellen Wirklichkeit und ihrer Bedeutung in der Medizin im Werk von Thure von Uexküll und Wolfgang Wesiack“ Carina Storp (2009) | Quelle: https://edoc.ub.uni-muenchen.de/10666/1/Storp_Carina.pdf

[Zur Ontologie des nicht seienden #27… ]

“ … Die Coen-Brüder verweigern sich bei öffentlichen Auftritten meist sehr geschickt der Intellektualisierung oder Deutung ihrer Filme und ihrer Person. In Interviews geben sie häufig naiv anmutende, ironische, irreführende oder fragmentarische Antworten. … Die Interaktion der Brüder mit der Öffentlichkeit beruht nicht auf Authentizität oder ehrlicher Einordnung der eigenen Kunst, sie bemühen sich vielmehr, möglichst wenig von sich selbst preiszugeben. Ihr jahrelang im Abspann genannter Cutter Roderick Jaynes stellte sich als nicht existent heraus, die Brüder hatten ihre Filme selbst geschnitten. … Die Kunst der Coens wird so zu einem postmodernen, übergreifenden Narrativ, das jede Interpretation in Frage stellt. … [Die Filme der Coen-Brüder beschäftigen sich vornehmlich mit Verliererfiguren und deren Scheitern, das meist schicksalhaft und unumgänglich wirkt.] Die Auseinandersetzung mit den Coens und ihrer Kunst des Scheiterns konfrontiert mit dem eigenen Verhältnis zum Scheitern und dem Umgang, den man selbst und die direkte Umgebung damit pflegt. … “ | Aus: Maximilian Jonas Ahrens: „Die Coen-Brüder und die Kunst des Scheiterns“ (2018) | Quelle: https://monami.hs-mittweida.de/frontdoor/deliver/index/docId/10865/file/BachelorarbeitFINAL2.pdf // https://de.wikipedia.org/wiki/Ethan_und_Joel_Coen

Roderick Jaynes – Everything You Need to Know (30.11.2018) | https://youtu.be/tJYNuqs-MtE

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #1 … ]

L’ombre de Marguerite apparaissant à Faust
(‚Der Schatten von Marguerite erscheint Faust‘)
Faust-Illustrationen Eugène Delacroix (1798 – 1863) | via

“ … Die Übergänge zwischen „Erscheinungen“ unterschiedlichster Art wie Schemen, dem Geist eines Toten, den Geistern der Ahnen oder Gespenstern, von Spukgestalten oder Dämonen vielfältigster Gestalt oder von Teufeln und Engeln jeder Art bis hin zu „Visionen“ sonstigen Inhalts mit stimmlichen und dann zumeist als „Offenbarungen“ oder „Verkündigungen“ aufgefassten Erlebnissen sind fließend. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Erscheinung (Dezember 2018)

“ … Eine rein objektive Welt, die vor oder außerhalb der Sinngebung liegt, zu dem das Denken, das Geistige überhaupt hinzutreten müsste, wird von Cassirer genau so abgelehnt wie die Vorstellung einer einfachen Gegebenseinsweise der Welt. …“ | Christoph Asmuth (Fichte-Studien, 2010)

Aus einer Kolumne von Georg Seeßlen (11. 11. 2020): „Was von Trump bleibt: Wahn und Wirklichkeit“ – – – “ … Ein beunruhigend großer Teil unserer Mitmenschen scheint entschlossen, Personen, Ideen, Bewegungen zu folgen, die weder rational zu erklären noch moralisch zu rechtfertigen sind. Besonders erschreckend ist das, wenn man Menschen, denen man lange freundschaftlich verbunden war, sozusagen über Nacht an eines dieser anti­rationalen und antiethischen Milieus verliert. Der Bruch mit der großen Erzählung von Demokratie und Rechtsstaat, Aufklärung und Humanismus, Wirklichkeit und Wissenschaft geht mitten durch die Familien, die Nachbarschaften, die Arbeits­welten, die Vereine. Oft ist dieser Bruch so fundamental, dass es kaum zur Versöhnung kommen kann. …“| https://taz.de/Was-von-Trump-bleibt/!5723946/

Matthew D. Lieberman (05.01.2017): “ … Unser raffiniertes Wahrnehmungssystem bewältigt seine zahllosen Kalküle so rasant, dass wir gar nicht realisieren, wie viele Spezialeffekt-Teams im Hintergrund tätig sind, um uns eine scheinbar lückenlose Erfahrung vorzugaukeln. … der naive Realismus könnte die heimtückischste unentdeckte Quelle von Konflikten und deren Fortdauern sein. Vom Streit zwischen Israeli und Palästinensern über denjenigen zwischen Republikanern und Demokraten in den USA bis hin zu den Kleinkriegen über Impfungen – in jedem Fall hindert uns die eigene, wundersame Konstruktion der Realität daran, all die nicht minder wundersamen Realitätskonstruktionen ringsum wahrzunehmen und zu verstehen. …“ | https://www.nzz.ch/feuilleton/naiver-realismus-ich-das-mass-aller-dinge-ld.138043 (Übersetzung aus dem Englischen: Angela Schader) | https://de.wikipedia.org/wiki/Naiver_Realismus

“ … [»In welchem Sinn genau gibt es viele Welten? Was unterscheidet echte von unechten Welten? Woraus bestehen sie? Wie werden sie erzeugt? Welche Rolle spielen Symbole bei der Erzeugung? Und wie ist das Erschaffen von Welten auf das Erkennen bezogen?« Diese Fragen untersucht Nelson Goodman in seinem Buch Ways of Worldmakmg. [Zu: ‚Weisen der Welterzeugung‘ (suhrkamp taschenbuch wissenschaft) (Deutsch) 26. Februar 1990]] … [Nelson Goodman] löst das logische Dilemma, wonach zwei Weltbeschreibungen in sich widerspruchslos und in diesem Sinne wahr sein können, sich aber einander widersprechen, dahingehend auf, dass diese beiden Beschreibungen nicht die gleiche, sondern zwei verschiedene Welten beschreiben. Beispielsweise sind sowohl: „die Erde bewegt sich“, als auch: „die Erde steht still“ beide wahr, abhängig vom jeweiligen Bezugsrahmen. Ein Astronom, der kosmische Bewegung untersucht, untersucht eine Erde, die sich bewegt. Ein Wächter mit dem Befehl, Gefangene zu erschießen, sobald sie sich bewegen, wird dies eher nicht tun, „weil sie sich mit hoher Geschwindigkeit um die Sonne bewegt haben“. Es handelt sich um zwei verschiedene Weltversionen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Nelson_Goodman (2. Juni 2020)

Michael Stausberg (18.10.2020): “ … Als der Supreme Court dann entschied, dass es verfassungswidrig sei, ein verpflichtendes Schulgebet zu haben an amerikanischen Schulen, war das wie ein Donnerschlag in die amerikanische Gesellschaft hinein. …“ | Aus: „Heilsbringer im 20. Jahrhundert: Von Bob Marley bis zum Dalai Lama“ | https://www.deutschlandfunkkultur.de/buch-ueber-heilsbringer-im-20-jahrhundert-von-bob-marley.1278.de.html?dram:article_id=485923

Linda Hinz (Dienstag, 05.01.2016): “ … Mit der „Rache Gottes“ drohte der geistliche Führer des Iran, Ayatollah Ali Chamenei, dem Königreich Saudi-Arabien. Der saudische Außenminister hingegen verkündete, dass „die Aggression und das Böse vom Iran“ ausgehe. … Oft wird die Rivalität auf die unterschiedlichen Glaubensrichtungen innerhalb des Islam zurückgeführt. … Doch Husseini stellt klar: „Es handelt sich keineswegs um einen rein religiösen Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten – sondern es geht vor allem um die Macht in der Region.“ … “ | https://www.focus.de/politik/ausland/krise-in-der-arabischen-welt/rache-gottes-eskalation-zwischen-iran-und-saudi-arabien-das-steckt-hinter-der-erzfeindschaft_id_5190831.html

Christian Thomas (11.07.2020): “ … wegen der „ungehemmten Steigerung seiner Macht“, der „Gotteseskalation“ (Blumenberg), sah sich der vom Glauben fallende Mensch der Neuzeit umso mehr auf sich selbst zurückgeworfen. … „Der menschliche Wirklichkeitsbezug ist indirekt, umständlich, verzögert, selektiv und vor allem ‚metaphorisch‘“, schreibt Blumenberg … Mit dem Einbruch des vormaligen, des vormodernen Himmels ging auch der Absturz des Glaubens einher. Die so überschwänglichen wie maßlosen Sinnentwürfe der Theologie und der Metaphysik haben eine gnadenlose Leerstelle hinterlassen. …“ | https://www.fr.de/kultur/literatur/woran-sind-13829008.html

Hella Camargo (10.11.2020): “ … In Pakistan gibt es strenge Gesetze gegen Blasphemie, die hohe Strafen bis hin zur Todesstrafe für Gotteslästerungen und die Verletzung religiöser Gefühle vorsehen. …“ | https://hpd.de/artikel/pakistan-sicherheitsmann-erschiesst-bankmanager-wegen-vermeintlicher-blasphemie-18670

Hugo Stamm (10.11.2020): “ … Da sitzt ein verängstigt wirkender Teenager mit scheuen Rehaugen, stammelt in „Hauchdeutsch“ unfertige Sätze ins Mikrophon und erklärt uns die Welt samt dem Universum. Und die esoterische Gemeinde in den deutschsprachigen Ländern hängt ihr gebannt an den Lippen. Willkommen im Kosmos der 18-jährigen Christina von Dreien, die eigentlich Meier heißt. … Im Newsletter von Mitte Mai mit dem Titel „Entscheide dich für die Liebe“ interpretierte das Esoterik-Starlett die Pandemie als Folge der Transformation: „Die Erde ist mitten in ihrem Prozess der Schwingungserhöhung. Diese Transformation betrifft nicht nur die Erde, sondern auch andere Planeten und das ganze Universum. (…) Es gibt Kräfte, ich nenne sie ja auch ‚das Unlicht‘, die versuchen, mittels Angst und Leid die Schwingung der Menschheit möglichst tief zu halten.“ … Christina Meier ist mit ihren kruden Ideen und kosmischen Botschaften in guter Gesellschaft. So organisierten esoterische Kreise eine weltweite kollektive Meditation, um dem Virus den Garaus zu machen. Am 5. April 2020 um 4:45 Uhr soll die gleichzeitige Meditation von einer Million Menschen zur „endgültigen Auslöschung des Coronavirus“ geführt haben. In einer Anleitung dazu hieß es, die Meditierenden sollen sich eine Lichtsäule vorstellen, die von der kosmischen Zentralsonne zu den Zentralsonnen aller Galaxien in diesem Universum verteilt werde. Die Teilnehmer müssten auf dieses Licht meditieren, das in unser Sonnensystem eintrete und dann durch alle Wesen auf dem Planeten zum Mittelpunkt der Erde gelange. Das solle die Viren killen. …“ | https://hpd.de/artikel/esoterikstar-corona-chance-18671

Susanne Beiweis (10.06.2013): “ … Richten wir den Blick auf die Renaissance, so entfaltet sich ein Panorama von Denkern, in deren Werken der Magie ein wichtiger Platz zukommt. Zu dieser Gruppe zählten Philosophen wie Pico della Mirandola, Agrippa von Nettesheim und John Dee. Eine maßgebliche Quelle für ihre Untersuchungen bildete das 1489 erschienene Werk „De vita libri tres“ des florentinischen Arztes, Philosophen und Priesters Marsilio Ficino. Die Drei Bücher des Lebens handelten naturphilosophische und medizinische Themen ab, die mit astrologischem und astral-magischem Wissen verwobenen wurden. Das Buch war ein großer Publikumserfolg, wie 26 Auflagen in den 150 Jahren nach der Ersterscheinung zeigen. …“ | https://sciencev2.orf.at/stories/1719189/index.html

Sebastian Leber / Werner van Bebber (09.10.2020): “ … Glaubt man Andrea Partisch, ist ihre Energiearbeit eine „sehr exklusive und hochwertige“. Schließlich hantiere sie mit der „Energie der Plejaden“, dies sei eine „ganz besonders feine, hoch frequentierte, mit der es möglich ist, ganz schnell energetisch zu arbeiten“. Sie sei sehr dankbar, dass sie diese Gabe besitze und so Menschen glücklich machen könne. … Sie betreibt zudem einen Onlineshop, in dem sie Produkte verkauft wie den „Aura Chakren Reiniger Pro“, ein handtellergroßes Stück Glas mit sieben pinken Kugeln drauf. Andrea Partisch behauptet, sie habe diesen Gegenstand „speziell energetisiert“, weshalb er Energiefelder neu ausrichten könne. Der „Aura Chakren Reiniger Pro“ kostet 120 Euro. …“ | Aus: „„Ich bin schon bei dir im Energiefeld“: Was die Deutschen so an Esoterik fasziniert“ | https://plus.tagesspiegel.de/reichsbuerger-und-bachblueten-wieso-die-esoterik-in-krisenzeiten-boomt-54641.html

Jens Bisky (Oktober 2020): “ … In „Feuer der Freiheit“ erklärt [Eilenberger] die ungewöhnliche Auswahl seiner vier Heldinnen [Ayn Rand, Simone de Beauvoir, Simone Weil und Hannah Arendt] mit einer Einsicht, die ihnen gemeinsam gewesen sein soll: Sie hätten sich, jede für sich, als „grundlegend anders in die Welt gestellt“ erfahren. …“ | https://www.sueddeutsche.de/kultur/wolfram-eilenberger-feuer-der-freiheit-anders-in-die-welt-gestellt-1.5075753

Angela Gutzeit (08.11.2020): “ … die Zivilisation, das europäische Erbe, das gesellschaftliche Miteinander, die individuelle Existenzweise, gekoppelt an die Frage, wie unter diesen Bedingungen Liebe, Leben und Denken miteinander verbunden werden können. Für die Frauen ist es, wie Eilenberger sie darstellt, ein Philosophieren im freien Flug. Ein „Denken ohne Geländer“ wie es bei Arendt so treffend heißt. Philosophieren ohne akademische Einbindung, ohne materielle Absicherung. Im Falle der sozialrevolutionären Mystikerin Simone Weil geht das bis zur Selbstauslöschung. … „Am Beispiel der Berlinerin Rahel Varnhagen ging [Hannah Arendt] … Identitätsdynamiken einer deutschen Jüdin und Intellektuellen zur Wende des 18. und 19. Jahrhunderts nach. (…) Exemplarisch für ein ganzes Zeitalter ist Rahels Fall für Arendt [ ] insofern, als in ihrer Lebenssituation zwei Formen erforderten Muts miteinander kollidierten: der aufklärerische Mut, sich des eigenen Verstandes zu bedienen und sich in diesem Sinne als Vernunftwesen autonom zu bestimmen, sowie der Mut anzuerkennen, dass die Freiheit dieses Selbstentwurfs stets von geschichtlichen wie kulturellen Verhältnissen bedingt bleibt, von denen sich kein Individuum völlig distanzieren kann.“ … “ | https://www.deutschlandfunk.de/wolfram-eilenberger-feuer-der-freiheit-denken-in-finsteren.700.de.html?dram:article_id=486924

Thomas Palzer (01.12.2019): “ … In einer ebenso umfassenden wie detaillierten Studie widmet sich der britische Historiker Mark Sedgwick [der] esoterischen Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts. Ihr Titel „Gegen die moderne Welt“ zitiert ein Werk des italienischen „Barons“ und Faschisten Julius Evola … In „Gegen die moderne Welt“ heißt es: „Die 1960er Jahre waren zweifellos ein Hauptwendepunkt des kulturellen und intellektuellen Lebens des Westens im 20. Jahrhundert, vielleicht waren sie sogar entscheidender als die Zeit im Ersten Weltkrieg. Nach den 1960er Jahren waren der Traditionalismus und der Westen ganz anders als zuvor. …“ [… Und … ] verzweigt stellt sich im 20. Jahrhundert die Geschichte der Seele dar, wie der Religionswissenschaftler Kocku von Stuckrad sie in seiner Untersuchung in allen möglichen Bezügen aufspürt und rekonstruiert – bei C.G.Jung und in der transpersonalen Psychologie, im politischen und nationalistischen Umfeld, in der Quantenphysik und der damit einhergehenden Renaissance einer Naturphilosophie, die von der „Seele der Planeten“ und einer „Vielzahl der Welten“ spricht – und in den ökologischen Bewegungen, die empfänglich dafür sind, die Erde zu sakralisieren. … [es wird] deutlich, dass die säkulare Moderne nie wirklich modern gewesen ist, denn nur scheinbar und an der Oberfläche ist sie durchweg verweltlicht. In Wahrheit treffen wir überall noch auf Restbestände magischen, mystischen, animistischen, okkultistischen und orphischen Denkens. … „Gegen die moderne Welt“ wie „Die Seele im 20. Jahrhundert“ [Kocku von Stuckrad] sind zwei Kulturgeschichten, die sich, so können wir am Ende festhalten, auf eine zwar unbeabsichtigte, gleichwohl aber erhellende Weise ergänzen. Gerade in der gegenwärtigen Lage, vor deren Horizont der westliche Lebensstil problematisch geworden ist, sind wir zurückverwiesen an die Vergangenheit, um an ihr die Zukunft neu zu bemessen. Das heißt aber nicht, dass die Zukunft in der Vergangenheit läge – es heißt nur, dass die Vergangenheit nicht nur nicht tot ist – sie ist noch nicht einmal vergangen. …“ | https://www.deutschlandfunk.de/mark-sedgwick-gegen-die-moderne-welt-noch-einmal-die-krise.700.de.html?dram:article_id=464327

“ … Hans-Christoph Zimmermann: Herr Gabriel, in Ihrem neuen Buch wollen Sie nichts Geringeres, als eine neue Erkenntnistheorie zu formulieren. Dabei spielen Begriffe wie „Fiktion“ und „Imaginäres“ eine wichtige Rolle. Ist das angesichts von Fake News und Verschwörungstheorien, die momentan überall wie Pilze aus dem Boden schießen, nicht ein riskantes Unterfangen?
Markus Gabriel: Der Hauptgedanke des Buchs besagt, dass unser mentales Leben als freie geistige Lebewesen immer Elemente von Schein aufweist, also Elemente wie Ideologie, Propaganda, ästhetische Erfahrung und so weiter. Es gibt zwar in der philosophischen Tradition vor allem Wahrheitstheorien, aber es gibt bisher kaum Täuschungstheorien. Und deswegen greift das Buch jetzt dieses Thema auf. Die hochaktuellen, brandgefährlichen Fake News und Verschwörungstheorien sind zwar das Ergebnis der modernen sozialen Medien. Doch letztlich stehen wir nicht vor der Wahl zwischen begründeten Expertenmeinungen einerseits und Fake News andererseits. Denn all diese Modellierungen unserer Situation haben immer auch fiktive Anteile. Es gibt keinen Wissensanspruch von freien geistigen Lebewesen bezüglich ihrer eigenen Situation, der vollständig frei von Schein wäre. … Die Situationen, in denen wir uns befinden, sind immer tief geprägt von Fiktivem. Hätten wir keine Fiktionen, gäbe es überhaupt gar kein sinnvolles Leben, sondern nur zusammenhanglose Erlebnis-Fragmente. … Als die Menschen erstmals einen Löwen an die Wand malten, anstatt ihn nur zu jagen, begann mit dieser Repräsentation ihrer selbst eigentlich die Menschheitsgeschichte. …“ | „Wir täuschen uns“ (13.06.2020) | [Markus Gabriel, geb. 1980, lehrt als Professor für Erkenntnistheorie und Philosophie der Neuzeit an der Universität Bonn. 2013 erschien sein Buch ‚Warum es die Welt nicht‘ gibt bei Ullstein. ‚Fiktionen‚ erschien 2020 bei Suhrkamp | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wir-taeuschen-uns

Christoph Asmuth: “ … In der Moderne, so sagt man, seien ganze Wertesysteme ins Wanken geraten. Es koexistierten jetzt ganz heterogene Lebensstile und Interessen … Die eine Welt kann als Vielheit von Welten betrachtet werden, die vielen Welten als eine. Das ist alles eine Frage der Betrachtungsweise (Goodman, 1998, S. 14). Der konkrete Blick indessen zeigt ein anderes Bild. Die verschiedenen Welten sind disparat. Entscheidend für Goodman ist dabei, dass sich viele Symbolwelten nicht ineinander transformieren lassen. Es gibt viele Weltversionen, die sich nicht ineinander übersetzen lassen. Es gibt keine Regeln, keine festen Korrelationen, um Wissenschaften wie Physik, Biologie und Psychologie fest aufeinander zu beziehen. Die Sichtweisen von Künstlern auf die Welt offenbaren jeweils ganz verschiedene Weltansichten, verschiedene Welten in verschiedenen, heterogenen, disparaten Symbolisierungen. Deshalb muss Goodman einen realistischen Wahrheitsbegriff ablehnen, der auf einer Übereinstimmung einer Weltversion mit der Welt beruht. Goodman sieht, dass viele Symbolsysteme einfach nebeneinander bestehen können. Bei einigen von ihnen spielt der Wahrheitsbegriff jedoch keine Rolle, etwa in der Kunst. Die Bilder der Kunst lassen sich nicht mit einer vorgefundenen Wirklichkeit abgleichen: Einerseits sind Kunstbilder nicht immer realistisch, andererseits gibt es nicht figurative Kunst, die überhaupt keine Gegenstände darstellt noch darstellen will (Goodman,1998, S. 33). […] Dass er trotzdem keineswegs der sog. postmodernen Beliebigkeit das Wort redet, macht die Stärke seines Entwurfs aus. So betont Goodman: »Die Bereitschaft, alternative Welten anzuerkennen, kann zwar befreiend sein und Hinweise auf neue Forschungswege geben, aber wem alle Welten gleich willkommen sind, wird keine erbauen« (Goodman, 1998, S. 36). […] Nelson Goodmans Idee einer symbolischen Welterzeugung war keinesfalls neu. Goodman hat das auch nie behauptet. Vielmehr bezieht er sich an vielen Stellen mehr oder minder explizit auf die Philosophie der symbolischen Formen, die Ernst Cassirer am Beginn des 20. Jahrhunderts entworfen hat. Tatsächlich entwickelt auch Cassirer eine Theorie, welche die verschiedenen Zugangsweisen zur Wirklichkeit durch Symbolisierungsweisen beschreibt. Darin kommt das Interesse Cassirers an der vergleichenden Kulturwissenschaft, an der Philosophie des Mythos und der Sprache ebenso zum Ausdruck wie die Geschichtlichkeit des philosophischen Denkens selbst. Aber im Gegensatz zu Goodman betont Cassirer zwei wesentliche Momente: die Geschichtlichkeit und die Systematik der symbolischen Formen. Ganz im Sinne Goodmans und – wie wir sehen werden – ganz im Sinne Fichtes entwickelt Cassirer seinen Begriff der symbolischen Form Jenseits aller dualistischen Auffassungen von Epistemologie und Hermeneutik, [so] forciert Cassirer den Gedanken einer ineinander verwobenen Konstituierung von Sinn und Objekt. Welt und Sinngebung der Welt sind unablösbar aneinander gebunden. Eine rein objektive Welt, die vor oder außerhalb der Sinngebung liegt, zu dem das Denken, das Geistige überhaupt hinzutreten müsste, wird von Cassirer genau so abgelehnt wie die Vorstellung einer einfachen Gegebenseinsweise der Welt. Vielmehr tritt die Welt erst hervor in den »verschiedene[n] Modalitäten der Sinngebung« (Cassirer, PhsF, III, 234). Dies sind die symbolischen Formen. Der Symbolbegriff tritt bei Cassirer daher in einer erweiterten Bedeutung auf. Er ist nicht mehr für die Ästhetik reserviert, wie etwa bei Schelling und Hegel, sondern bezeichnet die Energie des Geistes, »durch welche ein geistiger Bedeutungsgehalt an ein sinnliches Zeichen geknüpft und diesem Zeicheninnerlich zugeeignet wird« (Cassirer, 1956, S. 175). Diese geistige Energie ist notwendig, denn die symbolischen Formen sind dem Verfließen in der Zeit abgerungen. Das Bewusstsein ist, so Cassirer, in der Zeit und durch die Zeit gebunden. Alle Eindrücke sind dadurch im Fluss. Im Bewusstsein sind stets nur einmalige Eindrücke, eine permanente Bewegung des Einzelnen aus Einzelnem in Einzelnes. Das Allgemeine ist dadurch nur gegen das Besondere, gegen Fließen der Zeit, durch eine Energieleistung hervorzubringen. Es entsteht eine Kluft, ein unaufhebbarer Gegensatz. Eine neue konkrete Einheit wird als geistige Mitte zwischen dem geistigen Gehalt und dem Fließen der Eindrücke gefordert. »Dieser Prozeß stellt sich überall dort dar, wo das Bewußtsein sich nicht damit begnügt, einen sinnlichen Inhalt einfach zu haben, sondern wo es ihn aus sich heraus erzeugt. Die Kraft dieser Erzeugung ist es, die den bloßen Empfindungs- und Wahrnehmungsinhalt zum symbolischen Inhalt gestaltet.« (Cassirer, 1956, S.177) Cassirer nennt in der Philosophie der symbolischen Formen fünf Formen: die Sprache, die wissenschaftliche Erkenntnis, den Mythos, die Kunst und die Religion (Cassirer, PhsF, I, S. 3 f.). Alle seien Erzeugnisse der geistigen Kultur. Sie seien trotz aller Diversität ihrer inneren Struktur doch Glieder »eines einzigen großen Problemzusammenhangs,– zu mannigfachen Ansätzen, die alle auf das eine Ziel bezogen sind, die passive Welt der bloßen Eindrücke […] zu einer Welt des reinen geistigen Ausdrucks umzubilden« (Cassirer, PhsF, I, S. 51). …“ | Quelle: Christoph Asmuth: „Wie viele Welten braucht die Welt? – Goodman, Cassirer, Fichte“ (Fichte-Studien, 2010) | https://www.christoph-asmuth.de/system/files/inline-files/CassirerGoodmanFichte.pdf

[Seelenleben #4… ]

Jacob und Wilhelm Grimm auf der Original-Daguerreotypie von Hermann Biow (aus dem Besitz der Familie Grimm) [Aus: „Vor 160 Jahren: „Deutsches Wörterbuch“ der Brüder Grimm – der erste Band erscheint“] (2006) | Quelle: http://www.engelbach-wwr.de/17_Jacob_und_Wilhelm_Grimm.html

“ … Ob wir nun im Deutschen vom „Geist“ sprechen oder das englische „mind“ verwenden, … sollten wir kurz innehalten, was wir damit überhaupt meinen. Der Duden erklärt das Wort als „denkendes Bewusstsein des Menschen, Verstandeskraft, Verstand“, das Grimmsche Wörterbuch setzt es in ganzen 119 Spalten unter anderem mit der Seele und dem Atem in Beziehung. Mit über 500.000 Zeichen wäre der Eintrag für ein einziges Wort genug für ein eigenes Buch! Das wäre aber allenfalls für ein paar Sprachwissenschaftler und Philosophen von Interesse. … In der frühen Menschheitsgeschichte – und in manchen Religionen bis heute – war es üblich, unerklärlichen Naturkräfte als Götter zu beschreiben: Da gab es einen Wasser-, Feuer-, Regen- oder Donnergott und so weiter. Diesen Prozess nennt man auch „Deifikation“, Vergöttlichung. Machen wir dasselbe, wenn wir unsere psychischen Prozesse wie Wahrnehmungs-, Gefühls-, Denk-, Entscheidungs- und Handlungsprozesse einem Geist zuschreiben, Reifikation? [„Vergegenständlichung“ … Beispiel: „Sein Gewissen hielt ihn davon ab, in diesen Zug zu steigen.“ …] … “ | Aus: „Das kleine Einmaleins des Leib-Seele-Problems“ Stephan Schleim (31. Mai 2020) | https://www.heise.de/tp/features/Das-kleine-Einmaleins-des-Leib-Seele-Problems-4769110.html

“ …“Die Triebe sind mythische Wesen, großartig in ihrer Unbestimmtheit“ (GW XV: 101) mit dieser Unbestimmtheit ist der Mensch konfrontiert, und er verkennt sich selbst, wenn er sein Seelenleben für beherrschbar und transparent hält. … In der Psychoanalyse erscheint die Verfassung des Menschen prekär: Das Ich ist abhängig von der Außenwelt, über die Innenwelt seelischer Vorgänge ist es nur unzureichend informiert … zusammengefasst: „Der Mensch ist ein Wesen von schwacher Intelligenz, das von seinen Trieben beherrscht wird.“ (IX: 182) … Auf der anderen Seite aber geht es darum, das Ich zu stärken: „Wo Es war, soll Ich werden“, und auch die Intelligenz erscheint in einem anderen Licht: „[…] die Stimme des Intellekts ist leise, aber sie ruht nicht, ehe sie sich Gehör verschafft.“ (IX: 186) … In der Entdeckung des Unbewussten liegt die eigentliche philosophische Frage der Psychoanalyse: wer wir sind, wenn wir uns unter der Perspektive des Unbewussten verstehen …“ | Aus: „Freud“ Jan Heise (Reclam Taschenbuch Nr. 20332), 2010

Martin Mosebach (07.09.2014): “ … So wie der Kosmonaut Gagarin dem Parteisekretär Chruschtschew rapportiert haben soll, er habe bei seiner Fahrt in das Weltall keinen Gott gesehen, so geben die Neurobiologen davon Kenntnis, sie hätten im menschlichen Organismus keinen Sitz der Seele entdeckt – es sei da aber keineswegs eine Leerstelle entstanden, denn alle einst dem Wirken der Seele zugeschriebenen Phänomene liessen sich befriedigend physiologisch erklären. Zur Ehrenrettung der Wissenschaft sei hinzugefügt, dass es genügend Gelehrte gibt, die an diesem Triumph zweifeln. …“ | Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/die-seele-1.18377891

Lars Jaeger (21. Dez 2019): “ … So glaubt der US-Vize-Präsident Mike Pence nicht an die Evolutionstheorie. Er hält es für eine fundamentale Wahrheit, dass Gott Himmel, Erde und die Ozeane geschaffen hat – und den Menschen auch. Kaum ein vernünftiger, aufgeklärter Mensch zweifelt heute noch an der Evolution. In den 160 Jahren, seit Charles Darwin seine Theorie formulierte, haben Wissenschaftler aus unzähligen Mosaiksteinchen ein konsistentes Bild von der Entstehung der Arten zusammengesetzt. … Auch für Klimaskeptiker, Evolutions- und Relativitätstheoriekritiker, Impfgegner, Trump- oder AfD-Anhänger und andere erklärte Gegner der wissenschaftlichen Methode ist es selbstverständlich, mit Blitzableitern ihre Häuser vor Gewittern zu schützen, statt durch Opfergaben an Götter. Auch sie benutzen GPS-Systeme, um an ihr Ziel zu kommen, schlucken Antibiotika, wenn sie eine bakterielle Infektion haben und benutzen ihren Computer und das Internet, um mit Freunden und Geschäftskollegen zu kommunizieren und ihre populistische Polemik zu streuen. … Es ist paradox: Je mehr Wissen wir erlangten, desto weniger durften wir darauf hoffen, dass es eine letzte Wahrheit gibt. … “ | Aus: „Intellektuelle Redlichkeit II – Die Tugenden der Wissenschaft im Kampf gegen populistische Strömungen“ | https://scilogs.spektrum.de/beobachtungen-der-wissenschaft/intellektuelle-redlichkeit-ii-die-tugenden-der-wissenschaft-im-kampf-gegen-populistische-stroemungen/

“ … Der schwedische Gelehrte Emanuel Swedenborg (1688–1772) gab an, er habe durch göttliche Gnade die Fähigkeit erhalten, die geistige Welt wahrzunehmen und mit Engeln und Geistern Gespräche zu führen. Er identifizierte den Menschen mit der unsterblichen Seele, die den Körper nur vorübergehend als Organ nutze. … Ernst Cassirer [https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Cassirer] erörtert die Seele im Rahmen seiner Philosophie der symbolischen Formen. Er meint, dass jede symbolische Form die Grenze zwischen Ich und Wirklichkeit nicht als feststehende im Voraus habe, sondern sie selbst erst setze. … Bei Ludwig Klages wird aus dem Verhältnis von Geist und Seele eine Gegnerschaft, die sich zwangsläufig aus dem Wesen der beiden Pole ergibt. In seinem dreibändigen Hauptwerk Der Geist als Widersacher der Seele erläutert Klages, der hier stark von Friedrich Nietzsche beeinflusst ist, ausführlich seine These, dass der Geist und das Lebensprinzip, die Seele, „einander feindlich entgegengesetzt“ seien. … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Seele (September 2020)

Andreas Motschmann (09. November 2018): “ … Unmittelbar nachdem der Tod eintrat, wurde das Fenster geöffnet. Dieser Brauch entstand aus der Vorstellung früherer Jahrhunderte, dass die Seele durch den Mund des Verstorbenen in den Himmel entweicht …“ | https://www.obermain.de/lokal/obermain/art2414,695738,B::pic2417,779764

[Zum Wahn der Liebe #90 … ]

It Hurts So Good (Millie Jackson, 1973)
https://youtu.be/3gKDjm0M8sA

“ … I’m not complaining
What you’re doing, you see
Cause this hurting feeling
Is, ooh, so good to me Don’t you know that it
Hurts so good
Don’t you know that it
Hurts so good …“

Epiphanny Taylor 5 years ago: “ … don’t think it’s explainable. Pain n pleasure all at once…but the pleasure outweighs the pain …“

Gregory Carlton 7 years ago: “ … although the lyrics are psychotic … its a good song …“

Bonnie Wright 7 years ago: “ … man I love this song it is so true when you are so much in love!!!! DAMMMMMMMMMM ….“

Greg Williams 7 months ago: “ … U can’t help but feel it …“

Nomsa Mkhize 5 months ago: “ … when you are inlove, pride completely dies. …“

Victoria Levy 1 month ago: “ … My late husband nearly drove me to suicide three years ago. I was so heartbroken by him, I wanted to die. The neglect, abuse, cheating, lying and stealing was too damn much. That hurt wasn’t good. He was great in some areas and horrible in others. I say what a waste. He died of a drug overdose at 39 years old. RIP Sam. God bless you always. I love you Millie. You are beautiful. …“

Ray Melton 5 years ago: “ … I feel in love with her at 10 years old. …“

Trisie Tutson 3 years ago: “ … it hurt so bad you dont no where it come form …“

Tony Williams 2 years ago: “ … Kids had to go to bed when millie came on. Grown up time …“

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #51… ]

“ … Und sie warnte vor den Mystifizierungen von Fotografien und Porträts …“ (Photo by Charlie Frick)

High Times (January 16, 2020): “ … Among American intellectuals, Susan Sontag is probably the only Harvard-educated philosopher who digs punk rock. Sontag became famous in the Sixties when her series of brilliant essays on politics, pornography and art, including the notorious “Notes on Camps,” were collected in Against Interpretation—a book that defended the intuitive acceptance of art against the superficial, cerebral apprehension of it, then fashionable among a small hand of extremely powerful, rigid intellectuals who, for example, dismissed such American classics as Naked Lunch, Howl, On the Road, Andy Warhol’s film Chelsea Girls, etc., as trash. With the impact of her concise arguments, Sontag was immediately labeled the Queen of the Aesthetes, the philosophical champion of pop art and rock and roll. … “ | https://hightimes.com/culture/high-times-greats-susan-sontag/

Jens Uthoff (13. 10. 2020): “ … In diesem seltsamen Jahr 2020, in dem Covid-19 in die Welt kam und in dem die Pandemie immer wieder neu ausgedeutet wird – als Mahnmal zur Läuterung der klimasündigenden Menschheit, als Verschwörungskonstrukt, als Wahlkampfhelfer Donald Trumps, als Wahlkampfhelfer Joe Bidens –, kommt einem wohl vor allem ein Aufsatz von Susan Sontag in den Sinn: „Krankheit als Metapher“ aus dem Jahr 1977. Sontag schrieb darin über Krebs. Sie plädierte dafür, Krebs ausschließlich als physiologische Krankheit zu verstehen und nichts in den Befund hineinzuinterpretieren, etwa „daß Krebs eine Krankheit unzureichender Leidenschaft sei, die diejenigen befalle, die sexuell unterdrückt, gehemmt, unspontan sind und unfähig, Wut auszudrücken“. … Die Beziehung zwischen dem „Ding an sich“ und seiner Symbolik, zwischen dem Eigentlichen und dem Uneigentlichen war eines der Lebensthemen von Susan Sontag, als solches zieht es sich auch durch die fast 1.000-seitige Biografie von Benjamin Moser, die nun erstmals auf Deutsch vorliegt. … Moser setzt bei den Großeltern ein, kommt über die Weltreisen ihrer Eltern zur Kindheit Susans, um dann ihre Position in den Linksintellektuellen-Zirkeln New Yorks auszuleuchten. … Für dieses hippe New York der 1960er bis 1990er Jahre wurde Sontag selbst zur Symbolfigur. Was sie in „Anmerkungen zu Camp“ geschrieben hat, so Moser, lässt sich auch auf sie münzen. „Camp sieht alles in Anführungsstrichen: Nicht eine Lampe, sondern eine „Lampe“; nicht eine Frau, sondern eine „Frau““. Anders gesagt: Alles wird ständig zur Metapher. In dem Sinne will Moser beides ergründen: Susan Sontag und „Susan Sontag“. Die Person und das Icon. … Die Susan Sontag ohne Anführungsstriche lernt man sehr gut kennen. Jede Beziehung, die sie mit Männern und Frauen hatte, wird minutiös geschildert, zum Teil in Seitensträngen fast zu ausführlich nachverfolgt. Menschlich kommt Sontag dabei oft so rüber, wie Salman Rush­die sie einmal beschrieben hat: „Eigentlich war sie zwei Su­sans, die gute und die böse. Die gute Susan war brillant, witzig, loyal und einfach großartig, die böse Susan hingegen konnte ein gnadenloses Biest sein.“ … Stilistisch groß ist die Titelerzählung „Wie wir jetzt leben“ (1986), die von einem Freundeskreis handelt, in dem sich offenbar jemand mit einem Virus infiziert hat. Man ahnt, welches Virus es ist. Genannt wird es nicht. In der Auslassung, so lernt man, wird manchmal sehr viel mehr erzählt als in den Metaphern und Bildern, mit denen wir uns tagtäglich umgeben. …“ | https://taz.de/Biografie-ueber-Susan-Sontag/!5719479/

Arno Widmann (18.09.2020): “ … In ihren Veröffentlichungen hat sie nur selten einen Auftritt. Sie gibt sich als Beobachterin der anderen. Aber sie war – das zeigen ihre Tagebücher – auch eine der eigenen Person. … Moser beschließt seine Biografie mit den Sätzen: „Sontag zeigte auf, wie Metaphern das Ich formen und wie sie es dann verformen können; wie Sprache trösten und wie sie zerstören kann; wie Darstellung trösten, aber auch obszön sein kann; warum selbst große Interpreten gegen Interpretation sein sollten. Und sie warnte vor den Mystifizierungen von Fotografien und Porträts – auch denen von Biografen.“ – Das Schönste an Mosers Buch ist übrigens, dass es ganz gewiss nicht das letzte Wort über Susan Sontag sein wird. …“ | https://www.fr.de/kultur/literatur/sigrid-nunez-und-benjamin-moser-ueber-susan-sontag-von-trost-und-zerstoerung-90046379.html

// Susan Sontag (1933 – 2004)
// https://en.wikipedia.org/wiki/Susan_Sontag

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