Kategorie: Gedanken.Memo

[Das Reale, Symbolische & Imaginäre #105]


“ … Für viele Zuschauer war Herbie [ ] ein Symbol der Freiheit. Der kleine Käfer konnte sich aus jeder Situation befreien, brach die Regeln, wenn es sein musste, und setzte sich für seine Freunde ein. Diese Eigenschaften machten ihn zu einem der liebenswertesten Filmhelden der 1960er und 1970er Jahre. …“ | Aus: „Der unverwüstliche VW-Käfer aus „Ein toller Käfer““ (20.03.2026) | Quelle: https://www.film-autos.com/blog/20260320-herbie-der-unverwuestliche-vw-kaefer-aus-ein-toller-kaefer/

Moviegod (2016): “ … Ein Film nach der damals typischen Disney-Erfolgsformel. Kurzweilig und ganz amüsant. …“ | Quelle: https://www.moviepilot.de/movies/ein-toller-kaefer/kritik

Herbie, der Käfer mit der Nummer 53. Das anthropomorphe Auto. Der zweite Film im Kino, den meine Kinderaugen sehen. Mein Herz schlägt verzweifelt schnell, wenn „Herbie“ in einer düsteren Szene versucht, sich mit traurigem Fiebsen von der Golden Gate Bridge in den Tod zu stürzen. Die Kinderseele ist sonnenhell, wenn Jim, Carole und Teddy das große Rennen von El Dorado trotz aller Widrigkeiten doch noch gewinnen (1. und 3 Platz!). Das Licht geht wieder an. Wir Kinozuschauer erheben uns – und laufen zurück in das straßenblaue Licht der Alltagswelt.

In Kiel steht in den 70er Jahren an fast jeder Ecke ein VW Käfer. Ich wusste damals nichts von seiner Entstehungsgeschichte [“ … 1934 beauftragt Hitler die Porsches mit der Entwicklung eines billigen „Volkswagens“ für zwei Erwachsene und drei Kinder. Porsche und sein Sohn Ferry orientieren sich an einem Modell, das sie für die NSU-Werke konstruiert haben, und überzeugen Hitler von ihrem Konzept. … Am 8. Mai 1945 [wollten die] … Briten [ ] eine zivile Automobilproduktion ins Leben rufen und gründen die „Wolfsburg Motor Works“. Bereits im Dezember 1945 beginnt die Serienproduktion des VW Typ 1 (VW Käfer) nach den 1936er-Plänen von Ferdinand Porsche. … [Der Käfer wird zwischen 1938/1945 und 2003 mehr als 21,5 Millionen Mal verkauft] … [In den 1960er Jahren ist der Käfer (neben dem VW Bus) ein Kultobjekt der Hippies. …] … [… in Österreich ist alles ein bisschen anders als anderswo – und deswegen wird der Käfer in meiner Kindheit ein wenig respektlos als „Hitler-Buckel“ bezeichnet. … Im Jahr 1933 kommen in Deutschland die Nazis an die Macht. Ihr Führer Adolf Hitler ist von Autos fasziniert und kennt sich bei der Technik „überraschend gut“ aus, wie Ferry Porsche in seiner Autobiographie „Mein Leben“ anmerkt. Hitler, seit dem 1. Januar 1925 Mitglied des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs e.V., hat in seinen „Tischgesprächen“ in der Nacht vom 9./10. Januar 1942 erklärt: „Meine Liebe gehört dem Automobil. Das Auto hat mir die schönsten Stunden meines Lebens geschenkt.“ … “ | Aus: „Der VW Käfer, ein Mythos auf vier Rädern“ Georg Biron (25.05.2019) | Quelle: https://www.wienerzeitung.at/h/der-vw-kafer-ein-mythos-auf-vier-radern]

Ich wusste nichts über über die Vorgänge in Brasilien [„… Im VW-Werk bei São Paulo arbeitete der Werksschutz mit der Geheimpolizei zusammen. Linke Beschäftigte wurden bespitzelt, einige landeten in Folterkellern, mutmaßlich mit Wissen des VW-Vorstands in Brasilien. 2020 zahlte der Konzern den Betroffenen rund 5,5 Millionen Euro. Für manche kam das zu spät, sie waren bereits verstorben. …“ | Aus: „Urteil gegen VW do Brasil: Einfach nur beschämend“ Kommentar von Niklas Franzen (31.8.2025) | Quelle: https://taz.de/Urteil-gegen-VW-do-Brasil/!6107607/ | [GregTheCrack 31.08.2025, 19:43 Uhr: Was ist „beschämend“? Der Rechtsweg, die Gewalteinteilung? Ich verstehe nicht, warum Klimaschützer beim Europ. Meschengerichtshof EINSTEIGEN und hier der nä Rechtsweg Schritt hier von einem Regionalgericht „beschämend“ sein soll. Ist das nur das Thema? | Perkele 01.09.2025, 08:55 Uhr @GregTheCrack: Schon mal daran gedacht den Begriff „beschämend“ auf die moralische Kompetenz der Verantwortlichen bei dem Konzern zu lenken? …] | “ … Zur Zeit der Militärdiktatur 1964–1985 zwang Volkswagen do Brasil brasilianische Arbeiter zu sklavenähnlicher Arbeit. Darüber hinaus observierte es Mitarbeiter und Gewerkschafter – so auch den Gewerkschaftsführer und späteren Präsidenten Lula da Silva, der nicht für VW tätig war. Die erhobenen Daten wurden an die Militärdiktatur weitergegeben. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Volkswagen_do_Brasil#Menschenrechtsverletzungen] | Mitarbeiterin am Lehrstuhl Dezember 2017 um 06:17 Uhr: “ … „Die Korrespondenz mit dem Vorstand in Wolfsburg zeigt bis 1979 eine uneingeschränkte Billigung der Militärregierung“ …“ | nach-denklich 15. Dezember 2017 um 09:43 Uhr: Volkswagen wirbt ja gerne mit „die perfekte Symbiose aus Tradition und Moderne“. Angesichts [des] Dieselskandals und die o.g. Leichen im Keller muss dieser Spruch im größeren Zusammenhang verstanden werden. …“ | Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2017-12/brasilien-volkswagen-militaerdiktatur-studie#comments

Bundesarchiv, Bild 146-1979-025-30A: 240a/Zum 30. Januar 1943 … der deutsche Volkswagen, fährt., Atlantic, 19.1.43 /C. /Scha. E.M. | Der KdF-Wagen auf einer Reichsautobahn, Januar 1943 | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Volkswagen_AG

“ … 1998 versucht VW mit dem „New Beetle“, also dem neuen Käfer, an alte Zeiten anzuknüpfen. Der Wagen im Retro-Design ist größer und komfortabler als sein Vorbild und soll ebenfalls zum Kult-Mobil werden. Das gelingt allerdings nicht. … “ | Aus: „VW Käfer: Vom Alliierten-Auftrag zum meistgebauten Auto der Welt“ (09.03.2026) | Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/dezember-1945-der-vw-kaefer-geht-in-serienproduktion,vwkaefer-ndr-100.html |Der VW Käfer (VW Typ 1) >> https://de.wikipedia.org/wiki/VW_K%C3%A4fer

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Netzfund: In jenen Tagen. Geschichten eines Autos | Ernst Schnabel und Helmut Käutner, Verlag: Flensburg und Hamburg: Wolff, 1947Erste Ausgabe. 8vo. 259 S. Illustrierter Orig.-Karton Enthält das Drehbuch zum gleichnamigen Film, dem ersten deutschen Nachkriegsfilm der britischen Zone. Selten ( Von diesem Buch wurde nur eine begrenzte Auflage hergestellt“). BEIGABE: Orig.-Filmprogrammheft (1 gef. Blatt) von 1947 | Quelle: https://www.abebooks.de/erstausgabe/Tagen-Geschichten-Autos-Schnabel-Ernst-Helmut/30115224887/bd?srsltid=AfmBOorbcrm6YhFQhAYJP34ZgPcEWgh_SFKJ4PX5QcDPMw44RpOZJ2tt

Erst spät entdeckte ich Helmut Käutners Film „In jenen Tagen“ (1947). Der Film blickt auf die Deutsche Geschichte anhand von Episoden, in denen persönliche Schicksale erzählt werden. [“ … Das Lexikon des internationalen Films bezeichnet In jenen Tagen als „(film-)historisch wichtige[n] Film, der in knapp-präziser Charakterisierung und geschickter Aufbereitung der Zeitatmosphäre die Frage stellt, was es heißt, ‚Mensch‘ zu sein.“ …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/In_jenen_Tagen_(1947) (3. August 2024)]


Der Kunstgriff durch die Erzählweise: Das Auto spricht in „In jenen Tagen“ selber aus dem Off.

“ … „Als ich jung war,“ erzählt uns der Wagen dann mit der Stimme des Regisseurs Helmut Käutner, „glaubte ich, mein Leben würde 1000 Jahre dauern, würde köstlich sein. Aber es war nicht so köstlich, und es wurden nur zwölf Jahre daraus.“ …“ | Aus: „Filmkolumne Max Annas zu Helmut Käutner: „In jenen Tagen““ (Geschrieben am 15. Februar 2017) | Quelle: https://culturmag.de/crimemag/filmkolumne-max-annas-zu-helmut-kaeutner-in-jenen-tagen/98968

Traction Avant (deutsch „Frontantrieb“) ist die geläufige Bezeichnung für die ersten vorderradangetriebenen Citroën-Serienmodelle 7A, 7B, 7C, 11B (mit Reihenvierzylindermotoren) und 15/6 (mit Reihensechszylindermotor), die zwischen 1934 und 1957 gebaut wurden. [https://de.wikipedia.org/wiki/Citro%C3%ABn_Traction_Avant]


Le bon et les méchants (1976)

“ … „Der Gute und die Bösen“ ist eine französische Spionagekomödie von Claude Lelouch aus dem Jahr 1976. … [Es ist das] Jahr 1935: Die beiden Automechaniker Jacques und Simon sind kleine Gauner, denen Polizist Bruno schon seit Jahren vergeblich auf den Fersen ist. Sie stehlen einen modernen Citroën Traction Avant und begehen Banküberfälle, wobei sie durch den neuen Wagen schneller als die Polizei sind. … Frankreich wird teilweise von der deutschen Wehrmacht besetzt. Bruno kollaboriert mit den Nationalsozialisten, während Jacques, Lola und Simon fast große Probleme mit den Besatzern bekommen, da Simon Jude ist. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Gute_und_die_B%C3%B6sen

“ … Man kann gar nicht daran denken, vollständig aufzuzählen, in wie vielen Gangster- (und das heißt auch immer: Polizeifilmen) Autos eine zentrale Rolle spielen – von Arthur Penns Bonnie and Clyde (1967) mit seinem emblematischen Schlussbild des von Kugeln durchsiebten Fluchtautos des Gangsterpärchens über die bis heute unübertroffene Verfolgungsjagd durch die Straßen von Brooklyn in William Friedkins Meilenstein French Connection (1971) bis hin zu Jean-Pierre Melvilles Le Cercle rouge (Vier im roten Kreis, 1970). Im Mittelpunkt vieler Gangsterfilme, und nicht nur bei Melville, steht seit seiner Markteinführung sehr oft der Citroën DS … [Es] gibt [ ] eine ganze Welle von französischen Filmen, French Connection II (John Frankenheimer, 1975) die ohne die DS einen ganz wesentlichen Reiz verloren hätte: Es handelt sich um den „typischen“ Gangsterfilm der Sechziger und Siebziger Jahre, der fast immer eine französisch-italienische Koproduktion (oder umgekehrt) war – „Gebrauchsfilme“ ohne allzu große künstlerische Ambitionen, aber sehr gediegen in Erzählweise und Ausstattung und enorm unterhaltsam. Diese Filme, gedreht von heute vielfach unterschätzten Regisseuren wie Henri Verneuil, Georges Lautner, René Clement, Jacques Deray und anderen und bevölkert von Stars wie Jean Gabin, Jean-Paul Belmondo, Alain Delon und Lino Ventura, sind heute – trotz nachweislich großer Fangemeinde – fast völlig von der Bildfläche verschwunden und in vielen Fällen auch nicht auf DVD erhältlich. … Die eher avantgardistischen designerischen Qualitäten andererseits, die die déesse als kühne, einzigartige Erfindung von Anfang an kennzeichneten, zog aber auch städtische Intellektuelle (siehe Roland Barthes) unweigerlich an. … “ | Aus: „Dossier Gangsterfilm: Die Göttin der Unterwelt“ Andreas Ungerböck (06/2012, Magazin 09/2009) | Quelle: https://ray-magazin.at/dossier-gangsterfilm-die-goettin-der-unterwelt#:~:text=Der%20Citroen%20DS%20ist%20mehr%20als%20blo%C3%9F,Objekt%2C%20Die%20perfekte%20Verschmelzung%20von%20Design%20und

“ … Seit Roland Barthes 1957 in seinen „Mythen des Alltags“ den damals neuen Citroen zur Göttin erhob, als superlativisches Objekt betrachtete und als „Wendepunkt in der Mythologie des Automobils“ bezeichnet hat, ist so viel Zeit vergangen, dass dieses Auto zu etwas wie dem rollenden röhrenden Hirsch bestimmter Kreise geworden ist. … “ | Aus: „Göttin der Stromlinie: eine Hommage an die Citroen DS“ Alexander Porto (15.08.2003) | Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/gottin-der-stromlinie-eine-hommage-an-die-citroen-ds-1034035.html


Bild: Auf Liebe und Tod (Originaltitel: Vivement dimanche!) ist ein französischer Kriminalfilm von François Truffaut mit Fanny Ardant und Jean-Louis Trintignant aus dem Jahr 1983 | https://de.wikipedia.org/wiki/Auf_Liebe_und_Tod



Und da gibt es natürlich noch den Kriminalkommissar Columbo von der Mordkommission Los Angeles. In „Columbo“ Folgen [https://de.wikipedia.org/wiki/Columbo] fährt Peter Falk immer einen von der Zeit gezeichneten Peugeot 403 und der gesuchte Mörder fährt außergewöhnlich häufig einen Mercedes: [„Inspektor Columbo und sein Peugeot 403 sind untrennbar miteinander verbunden. Doch beinahe ebenso sicher fährt der Mörder einen Mercedes-Benz SL der Baureihe 107. … In „Playback“ (1975) steuert Oskar Werner einen ahorngelben 450 SL mit geschmacklich höchst fragwürdigen Drahtspeichenrädern. Eine Folge später sitzt George Hamilton in „Der Schlaf, der nie endet“ ebenfalls in einem 450er, allerdings in Dunkelblau 904 und mit den originalen Blech-Radkappen. In „Mord in eigener Regie“ (1978) bekommt Trish van Devere ihren astralsilbernen 450 SL mit rotem Leder sogar vom späteren Opfer geschenkt. … “ | Aus: „Vergessene Filmautos: Die Mercedes-Benz SL aus „Columbo““ Paul Krüger 29.11.2021 | Quelle: https://www.zwischengas.com/de/blog/2021/11/29/Vergessene-Filmautos-Mercedes-Benz-SL-aus-Columbo-wenn-der-Schein-truegt.html].

“ … Das Erfolgsrezept der Serie: Columbo wirkt etwas begriffsstutzig und wird leicht unterschätzt – am Ende aber überführt der Mann mit dem zerknitterten Gesicht, dem schäbigem Trenchcoat und dem mausgrauen Peugeot Cabrio auch die gerissensten Täter. Schon fast zur Tür hinaus, drehte er sich häufig nochmal um: «Ich hätte da noch eine Frage», «Eine Frage hätte ich noch», «Da wäre noch eine Kleinigkeit». … “ | Aus: „«Ich hätte da noch eine Frage…»: 50 Jahre «Columbo»“ (09.2021) | Quelle: https://www.krimi-couch.de/magazin/genre-news/ich-haette-da-noch-eine-frage-50-jahre-columbo/

Bild via („1:43 Umbau/Nachbau Inspektor Columbos Peugeot 403“) | Quelle: https://www.wettringer-modellbauforum.de/forum/index.php?page=Thread&threadID=48749 | “ … Der Peugeot 403 ist eine Pkw-Reihe, die im April 1955 in Paris erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde und für Peugeot den Schritt zum international erfolgreichen Großserienhersteller bedeutete. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Peugeot_403

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“ … Nach den Unruhen im US-Bundesstaat Virginia ist den Behörden zufolge die Zahl der Toten auf drei gestiegen. Am frühen Nachmittag war während einer Kundgebung von Anhängern des Ku-Klux-Klans und anderer rechtsextremer Gruppen in der Stadt Charlottesville ein Auto in eine Gruppe mit Gegendemonstranten gefahren. Dabei war eine 32-jährige Frau getötet worden. Ein 20-jähriger Mann aus dem US-Staat Ohio hatte laut Polizei am Steuer gesessen. Er wurde später festgenommen. …“ | Aus: „Auto fährt in Demonstranten“ (12. August 2017) | Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2017-08/usa-virginia-charlottesville-nationalisten-kundgebung-proteste-gewalt

yellow rose of texas 13. August 2017 um 08:04 Uhr: “ … „So hatte Charlottesville laut CNN im Februar beschlossen, eine Statue von General Robert E. Lee aus einem Park zu entfernen. Auch der Park selbst war demnach von Lee-Park in Emancipation-Park umbenannt worden. “ … So viel Selbsthass gegenüber der eigenen Geschichte. Lee wird für viele immer ein Held bleiben. …“
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tassentee 13. August 2017 um 02:42 Uhr: “ …Ich merke mir: Wenn das nächste mal ein Jihadist in eine Menschenmenge fährt, ist es angemessen, über die Vorzüge des Propheten Mohammed zu diskutieren – so wie hier nach einem vergleichbaren Anschlag vorrangig über die Heldentaten des Generals Lee diskutiert wird. Wieder was gelernt! …“
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offalla 13. August 2017 um 02:45 Uhr : “ … Bei den Blues Brothers fanden das alle lustig. …“
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r.schewietzek 13. August 2017 um 03:07 Uhr Antwort auf @offalla: “ … Kino ist nicht die Realität. … „

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“ … Jake Blues wird nach mehrjähriger Haft aus dem Staatsgefängnis von Joliet entlassen und von seinem Bruder Elwood in einem ausgemusterten 1974er Dodge Monaco der Mount Prospect Police, dem sogenannten Bluesmobil, abgeholt … Für die Dreharbeiten der Szene, in der das Auto der Nazis (Ford Pinto) vom Himmel fällt, musste eine Sondergenehmigung der Bundesluftfahrtbehörde eingeholt werden. … Die Figuren der Nationalsozialisten und ihre Persiflierung sind eine Anspielung auf ein damaliges Ereignis: 1977 klagte die Nationalsozialistische Partei Amerikas (NSPA, ein regionaler Ableger der American Nazi Party) ein, in Skokie, Illinois, demonstrieren zu dürfen, was ihr vom Supreme Court auch gestattet wurde. Diese Demonstration wird im Film persifliert. … [Der Film ist eine] „Ungewöhnliche Mischung aus Musik- und Actionfilm, die durch überdrehte Ausgelassenheit, eine unbändige Zerstörungswut, zündende Musiknummern und urige Hauptdarsteller gekennzeichnet ist. In Europa zum ‚Kultfilm‘ avanciert, blieb der Film in den USA eher ein mäßiger Erfolg.“ – Lexikon des internationalen Films … In der amtlichen Zeitung des Heiligen Stuhls, L’Osservatore Romano, wurde der Film 2010 als „katholischer Klassiker“ bezeichnet. … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Blues_Brothers | [Dodge Monaco … Die Produktion dieser Monaco- bzw. Royal-Monaco-Generation fiel in eine Zeit gravierender wirtschaftlicher Probleme des Chrysler-Konzerns. Die schweren, unökonomischen Autos gehörten zu den größten Pkw ihrer Zeit und werden in der Literatur rückwirkend als die „brontosaurusartig“ bezeichnet … | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Dodge_Monaco_(1974%E2%80%931976)].
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“ … Rund ein Jahr nach einem illegalen Autorennen in Ludwigsburg, das für zwei unbeteiligte Frauen im Alter von 22 und 23 Jahren tödlich endete, ist nun das Urteil gefallen. Im Fall des Unfallverursachers verhängte das Gericht eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Sein Bruder, der das andere am Rennen beteiligte Auto steuerte, erhielt eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren. Beide hätten den Tod anderer Verkehrsteilnehmer billigend in Kauf genommen, befand das Gericht. Die Anwälte der verurteilten Täter haben angekündigt, Revision gegen die Urteile einzulegen. Statistisch betrachtet handelt es sich bei den Rasern überwiegend um junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren. Viele von ihnen sind Deutsche, es finden sich aber auch überproportional viele junge Männer, die aus der Türkei und dem arabischen Raum stammen. Interessanterweise wird in den aktuellen Berichten über die Verurteilung über die Nationalität der Täter nichts ausgesagt, ich meine mich aber zu erinnern, dass letztes Jahr davon die Rede war, dass die beiden Haupttäter türkischstämmig sind. Die Nationalität spielt nur insofern eine Rolle, als im türkisch-arabischen Kulturkreis eine bestimmte Vorstellung von Männlichkeit endemisch ist und diese Männlichkeit sich ihrer selbst durch PS-starke Automobile versichert. Diese Autos dienen jungen Männern, die sich ihrer Männlichkeit nicht sicher sind, als Selbstwertprothesen. Sie sind das Viagra des schwächelnden männlichen Stolzes. …“ | Aus: „140 | Vom Juckreiz unterdrückter Gefühle“ Götz Eisenberg (13. April 2026) | Quelle: https://durchhalteprosa.de/2026/04/13/140-vom-juckreiz-unterdrueckter-gefuehle/

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“ … in der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) werden diese Mordrennen nicht erfasst. Dort werden nur „verkehrsfremde Eingriffe“ gezählt, erklärt eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA). Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr werden von der Polizeistatistik als kriminell erfasst. Fehlverhalten im Straßenverkehr aber ist für die Polizeistatistik nicht kriminell genug – und dazu gehört neben den illegalen Rennen zum Beispiel auch Trunkenheit am Steuer. Das sei 1994 von einer Kommission der Innenministerkonferenz beschlossen worden, schreibt die BKA-Sprecherin. Und die PKS-Kommission sehe auch keinen Anlass, das zu ändern. … Elf Bundesländer konnten der taz die Zahl der Anzeigen wegen illegaler Rennen aus den Jahren 2024 und 2025 nennen: Sie stiegt dort von 6.075 auf 6.800 – ein Zuwachs um rund 12 Prozent. Allein in Nordrhein-Westfalen kamen dabei 19 Menschen ums Leben – so viel wie nie zuvor. … “ | Aus: „Mörderisch, aber nicht kriminell genug für die Statistik“ Gereon Asmuth (14.4.2026) | Quelle: https://taz.de/Illegale-Autorennen-in-Deutschland/!6170576/

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“ … Der Tesla Cybertruck, einst ein Symbol für den Erfolg von Elektro-Pickups in den USA, erlebt einen dramatischen Rückgang der Verkaufszahlen. Im Jahr 2025 sanken die Verkäufe um fast 50 Prozent, was den Cybertruck zum größten Verlierer der Elektroauto-Branche macht. Experten fragen sich, ob dies das Ende des Hypes um das futuristische Fahrzeug bedeutet. … “ | Aus: „Tesla Cybertruck: Ein Symbol des Wandels in der Elektroauto-Branche“ (22. Januar 2026) | Quelle: https://www.it-boltwise.de/tesla-cybertruck-ein-symbol-des-wandels-in-der-elektroauto-branche.html

[Bilder und Angewandtes Misstrauen #1 … ]

Wann sind wir bereit das, was uns als Realität vermittelt wird, herauszufordern?
– fini (02.03.2026)


How do portraits help us honor the dead? A painted portrait can display our dearly departed in a most flattering way, but is this the most accurate? A still image of a loved one captures only a small fraction of their life. At best, it allows us to remember them in a positive light, but at worst, it permits us to project distorted memories onto them. // [“ … Wie helfen uns Porträts, die Toten zu ehren? Ein gemaltes Porträt kann unsere geliebten Verstorbenen auf äußerst schmeichelhafte Weise darstellen, aber ist dies auch die treffendste Darstellung? Ein Standbild eines geliebten Menschen fängt nur einen Bruchteil seines Lebens ein. Im besten Fall erlaubt es uns, ihn in positiver Erinnerung zu behalten, im schlimmsten Fall aber, verzerrte Erinnerungen auf ihn zu projizieren. …“]

From: „“Laura” is a haunting portrait that looms over cinema to this day“ C. Nelson-Lifson (July 11, 2024) | Source: https://tonemadison.com/articles/laura-is-a-haunting-portrait-that-looms-over-cinema-to-this-day/ | Laura ist ein US-amerikanischer Film noir des österreichischen Regisseurs Otto Preminger aus dem Jahr 1944 | https://de.wikipedia.org/wiki/Laura_(1944)
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gelöschtes Profil 9. Juli 2017, 10:19:27: Angewandtes Misstrauen ist gelebte Lebenserfahrung.
Nakamura 9. Juli 2017, 12:18:22: gelebte Lebenserfahrung ist, zu wissen, wem man Vertrauen schenken kann und wem nicht. Das ist das Wichtigste Fähigkeit im Leben ohnehin.
strangerinastrangeland Iwan Iwanowitsch Iwanow 9. Juli 2017, 11:44:52: Die Kunst dabei ist, nicht in heillosen Zynismus oder Misanthropie zu verfallen. // via

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“ … Was lässt uns weinen, lachen oder erschaudern? .. Die Untersuchung spannt dabei einen Bogen vom Theater der Empfindsamkeit des 18. Jahrhunderts bis zum zeitgenössischen Hollywoodfilm. … Was dabei als übergreifendes Prinzip in den Blick kommt, ist die Modulierung der Zuschauergefühle mittels der Gestaltung der Zeit ihres konkreten Erlebens. … Jenseits von Repräsentation und räumlicher Figuration geht es vor allem um die Bewegung, die den Film als Ganzes durchzieht: das Entrollen, Entfalten, Enthüllen der je besonderen Wahrnehmungswelt des einzelnen Films in der Gegenwart einer leibhaften Wahrnehmung des Zuschauers. Als wahrnehmendes, denkendes und empfindendes Subjekt realisiert der Zuschauer so Film als Intensitätsverkettung. Der Film, als Wahrnehmungsdispositiv gefasst [Das Wahrnehmungsdispositiv bezeichnet das Zusammenwirken technischer, räumlicher und diskursiver Rahmenbedingungen, die steuern, wie wir Welt wahrnehmen], wird zu einer verkörperten Wirklichkeit, einer leibhaft-psychischen Realität – die nicht die des Zuschauers ist. [und bildet das Zuschauergefühl und [die] Affektpoetiken.] Die titelgebende vierte Dimension bezeichnet die Zeit, in der sich der Film in der Wahrnehmung des Zuschauers als eine Welt enthüllt, die ihren eigenen Gesetzen folgt. Eine Welt, deren Sinnlichkeit und deren Empfindungsweisen sich grundsätzlich von denen unserer alltäglichen Weltwahrnehmung unterscheiden. …“ | Aus: „Zuschauergefühl und Affektpoetiken“ Prof. Dr. Hermann Kappelhoff: Kolleg-Forschungsgruppe Cinepoetics – Poetologien audiovisueller Bilder (Abgerufen: 26. März 2026) | Quelle: https://www.cinepoetics.fu-berlin.de/kappelhoff/Forschung/Text01_Zuschauergefuehl/index.html
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“ … Es gehört zu den Risiken des digitalen Zeitalters, als Gast in einem Airbnb heimlich von versteckten Minikameras gefilmt zu werden. Ein Fall am Bezirksgericht Dielsdorf zeigt nun aber, dass man nicht einmal in seinem eigenen Zuhause vor Familienangehörigen sicher ist. Sogar der Verteidiger bezeichnet die Handlungen des Beschuldigten im Gerichtssaal «als tiefen Eingriff in die Lebensverhältnisse», der bei den Betroffenen eine grosse Erschütterung ausgelöst habe. «Das Urvertrauen ist weg.» [Der 61-jährige Schweizer Geschäftsführer hat heimlich nicht weniger als 1398 Videoaufnahmen erstellt – und diese im Internet verbreitet. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten.]…“ | Aus: „«Das Urvertrauen ist weg» – ein Mann versteckt Minikameras im Haus und filmt Familie und Gäste in intimen Situationen“ Tom Felber (23.10.2025) | Quelle: https://www.nzz.ch/zuerich/das-urvertrauen-ist-weg-ein-mann-versteckt-minikameras-im-haus-und-filmt-familie-und-gaeste-in-intimen-situationen-ld.1908235
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Kontext / Gedankensprung: “ … Augen der Angst (Originaltitel: „Peeping Tom“) ist ein Spielfilm-Thriller von Michael Powell, der 1959 in Großbritannien gedreht wurde. … Peeping Tom hat ein unangenehmes Thema… „Doppelbödiger Thriller, der zu seiner Entstehungszeit einen Skandal auslöste und die Karrieren von Karlheinz Böhm und Regisseur Powell schlagartig beendete. Rückblickend gesehen ein erstaunlich moderner Film über den Zusammenhang von Schaulust, Todessehnsucht und sexueller Neurose.“ … „Krankhaft, abwegig und peinlich geschmacklos“, so urteilte der katholische Filmdienst bei der deutschen Erstaufführung. Das deutsche Kinopublikum wurde zum ersten Mal mit der Lust an Gewalt konfrontiert und protestierte heftig. Auch im Ausland waren die Kritiken vernichtend. … Heute zählt der Film zu Powells Meisterwerken. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Augen_der_Angst ( 25. März 2026)
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“ … In ihrem Einführungsvortrag »Emotionsvermittlung und Emotionalisierung in Literatur und Film« stellte Poppe zu Beginn der Tagung einige zentrale Erkenntnisse sowie noch ungelöste Probleme der mit filmischen und literarischen Kunstwerken befassten Emotionsforschung heraus: Sie verwies auf die Diskussion über mögliche Unterschiede zwischen Emotionen, die sich auf reale bzw. auf fiktionale Gehalte richten, auf das in der literatur- und medienwissenschaftlichen Forschungsliteratur unterschiedlich weit gefasste Spektrum der auf Kunstwerke bezogenen Typen von Emotionen (fiktionale, Artefakt- und Meta-Emotionen) sowie auf die Annahme verschiedener Rezeptionsmodi (Empathie, Sympathie, Identifikation, Beobachtung) und deren Bedeutung für die Erklärung verschiedener Arten emotionaler Wirkungen von Kunst. Poppe hob hervor, es sei zum einen noch unklar, wie das Verhältnis von Betrachter und Kunstwerk genauer bestimmt werden könne, und zum anderen, welchen Einfluss die Form der medialen Vermittlung in diesem Zusammenhang ausübe. … Burkhard Meyer-Sickendiek (Berlin) verfolgte in seinem Beitrag zum Thema »›Lyrisches Gespür‹, oder: Stimmungen als Gegenstand der Poesie« einen phänomenologischen Ansatz: Hermann Schmitz’ ›Neue Phänomenologie des Fühlens‹ stelle eine integrative Grundlage für die aus seiner Sicht nötige Aktualisierung des Stimmungsbegriffs dar. Meyer-Sickendiek bediente sich vor allem des Begriffs des »Gespürs«, verstanden als Fähigkeit, auch Stimmungen oder einen ähnlichen verborgenen, nicht sichtbaren Sachverhalt als Atmosphäre wahrzunehmen. … Das Spektrum geht dabei jedoch über das Atmosphärische der Neuen Ästhetik und das Leiblichkeits-Prinzip … hinaus, wo sich nicht nur zum Beispiel durch entsprechendes Bildinventar dargestellte »großstädtische« und »kleinstädtische« Atmosphären finden, sondern etwa das Erspüren von Räumlichem oder ein temporales Gespür, also eine spürende Präsenz der Vergangenheit in der Gegenwart …“ | Aus: „Anna Fenner und Claudia Hillebrandt, Mediale Emotionen. Filmische und literarische Emotionalisierung im Vergleich“ (Emotionsvermittlung und Emotionalisierung in Literatur und Film. Interdisziplinäre Tagung am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) in Bielefeld. 18.-20.11.2010, pdf (06.01.2011) | Quelle: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0222-001445 | Quelle: #2 https://d-nb.info/1009399446/34&ved=2ahUKEwj_5fvX0L2TAxUvSPEDHc71KbAQFnoECDoQAQ&usg=AOvVaw1m1aQlc1xlcoESKt5N-pAr
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“ …Das, was als die Seele oder das Innere eines Menschen angesprochen wird, ist erst durch [ein] Sprachspiel konstituiert worden und unabhängig davon gar nicht erfassbar [http://de.wikipedia.org/wiki/Sprachspiel] … Nun dürfen aber Wittgensteins Aussagen über die physische und die logische Unmöglichkeit eines Blickes ins Innere des Menschen nicht als Beitrag zur Metaphysik der Seele missverstanden werden. Er spricht nicht von Eigenschaften der Seele, sondern von Eigenschaften des Sprachspiels über die Seele; er behauptet nicht, die Seele sei letztlich unerforschlich, sondern dass „unser Sprachspiel (…) auf unwägbarer Evidenz beruht“. … Damit ist die Frage, was es mit diesem Innenleben, mit dem Inneren des „Ausdrucks“ nun auf sich hat, noch nicht beantwortet. Wir wissen nur, dass es weder offensichtlich noch unerkennbar ist: Was ist es aber wirklich? Oder, anders formuliert: Was ist die Seele? – Wittgenstein gibt darauf eine überraschende Antwort: Die Seele ist nur ein Bild. Sie ist ein Bild, das wir uns vom Menschen machen, weil das menschliche Benehmen nicht […] vorhergesagt werden kann. Für diese Unsicherheit über das Verhalten der anderen haben wir unzählige Redeweisen, neben den schon genannten, von Wittgenstein angeführten („Wir können uns immer irren; wir können nie sicher sein; was wir beobachten, kann immer noch Verstellung sein.“), [dazu] fallen mir noch ein: „Ich kann in ihn nicht hineinschauen“, „Sie macht sowieso immer, was sie will“ oder „Ich habe ihn nie verstanden“. … “ | Aus: „FREIHEIT DES AUSDRUCKS – Zwei sprachphilosophische Annäherungen an ein Menschenrecht“ Florian Oppitz (Wien 2002) | Quelle: (sammelpunkt.philo.at)
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“ … Das „Trust-Aesthetics Paradox“ bezeichnet den kategorialen Konflikt zwischen der visuellen Anziehungskraft KI-generierter Inhalte und dem transaktionalen Misstrauen europäischer Konsumenten gegenüber autonomen algorithmischen Systemen im digitalen Handel. Generative künstliche Intelligenz (generative KI) produziert ästhetisch ansprechende Bilder, deren Bewertungswerte menschliche Fotografien in kontrollierten Messungen konsistent übertreffen (Neyra et al., 2025). Agentenbasierte künstliche Intelligenz (agentische KI), die eigenständig kaufmännische Entscheidungen trifft, erzeugt bei denselben Konsumenten ein tiefgreifendes transaktionales Unbehagen, obwohl diese die ästhetische Qualität synthetischer Bilder positiv bewerten. [Psychologische Situations-Ästhetik] Das Trust-Aesthetics Paradox weist einen inneren logischen Widerspruch auf, der die zugrundeliegenden Theorien an eine erkennbare Grenze führt. Je präziser ein KI-System ästhetische Präferenzen optimiert, desto erkennbarer wird seine algorithmische Natur, da hyperperfekte Bildparameter als nicht-menschlich gedeutet werden. Gleichzeitig gilt. Je autonomer ein KI-System agiert, desto stärker wird das Misstrauen gegenüber seinen Entscheidungen. … “ | Aus: „Das Trust-Aesthetics Paradox: Ästhetische Überlegenheit generativer KI und transaktionales Misstrauen im E-Commerce (Werbepsychologie LXII, Lexikon der Werbe- und Konsumentenpsychologie)“ Andreas Wellner University of Applied Sciences BFI Vienna (March 2026) | Quelle: https://www.researchgate.net/publication/401693354_Das_Trust-Aesthetics_Paradox_Asthetische_Uberlegenheit_generativer_KI_und_transaktionales_Misstrauen_im_E-Commerce_Werbepsychologie_LXII

“ … Der Streit um die Wehrmachtsausstellung vor wenigen Jahren machte deutlich, welche Brisanz Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute haben [https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_die_Wehrmachtsausstellung]. Die falschen Beschriftungen von Abbildungen berührten eines der Grundprobleme der Fotografie, die Frage nach der Objektivität und Authentizität des Lichtbildes […“So zeigten manche Fotos eine Reihe nackter Juden, nicht aber ihre Ermordung, wie die Bildunterschrift behauptete. … fehlende oder unpräzise Herkunftsangaben für manche Fotografien. Ohne diese sei aber keine Zuordnung der verantwortlichen Täter möglich. Fotos ohne solche Angaben könnten zu einer falschen Einordnung der Verbrechen führen. … fehlende didaktische Hilfestellung zum Verständnis der gezeigten Bilder. Sie erzeugen Schock und Entsetzen, aber ließen die Betrachter mit Fragen über die Hintergründe allein. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmachtsausstellung (13 Januar 2026)] . War wirklich das abgebildet, was man auf den Bildern zu sehen glaubte? Welche Beweiskraft hatte das Dargestellte? Fragen der politischen Instrumentalisierung und Wirkung betreffen nicht nur Bilder von Verbrechen der Wehrmacht, sondern Fotografie in einer Diktatur generell. Fotos haben Quellenstatus für die Beschäftigung mit dem Dritten Reich, der Fotohistoriker Rolf Sachsse bezeichnet im vorliegenden Buch die Fotografie als „die Basis der historischen Erinnerung an diesen Staat“. Unter dem beziehungsreichen Titel „Die Erziehung zum Wegsehen“ hat sich Rolf Sachsse den unterschiedlichen Aspekten der Fotografie im NS-Staat gewidmet. … “ | Aus: „Aus: Frank Schmitz: [Rezension zu:] Sachsse, Rolf: Die Erziehung zum Wegsehen. Fotografie im NS-Staat, [Dresden] 2003. In: ArtHist.net, 29.03.2004. Letzter Zugriff 26.03.2026. | Quelle: https://arthist.net/reviews/58

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“ … In der Tat ist Design – inklusive Selbstdesign – vor allem ein Mechanismus zur Erzeugung von Verdacht. Die gegenwärtige Welt des totalen Designs wird oft als eine Welt der totalen Verführung beschrieben, aus der die Unerfreulichkeit der Realität verschwunden ist. Dem möchte ich widersprechen mit der Behauptung, dass die Welt des totalen Designs vielmehr eine Welt des totalen Verdachts ist, eine Welt der latenten, hinter den designten Oberflächen lauernden Gefahr. Das primäre Ziel des Selbstdesigns besteht darin, den Verdacht eines potentiellen Betrachters zu neutralisieren, einen Effekt der Aufrichtigkeit zu produzieren, der in der Seele des Betrachters Vertrauen erweckt. In der heutigen Welt sind alle mit der Produktion von Aufrichtigkeit und Vertrauen beschäftigt – und doch war dies, und ist dies immer noch, die Hauptbeschäftigung der Kunst in der gesamten Zeit der Moderne: Der moderne Künstler hat sich immer schon als die einzige aufrichtige Person in einer Welt der Heuchelei und der Korruption positioniert. …Doch der rousseauistische Glaube an die Entsprechung von Aufrichtigkeit und Null-Design ist in unserer Zeit geschwunden [Null-Design versucht, für den Betrachter auf künstliche Weise einen solchen Riss zu erzeugen und ihm damit zu ermöglichen, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind.]. … Die Säkularisierung der Kunst hingegen bringt ihre radikale Entwertung mit sich. Aus diesem Grund behauptet Hegel am Anfang seiner „Vorlesungen über die Ästhetik“, dass die Kunst eine Sache der Vergangenheit sei. Kein moderner Künstler kann erwarten, dass jemand vor seinem Kunstwerk kniet und betet, dass er praktische Hilfe von ihm erbittet oder es benutzt, um Gefahr abzuwenden. Heute ist man höchstens bereit, ein Kunstwerk interessant zu finden und natürlich zu fragen, was es koste. Der Preis immunisiert das Kunstwerk bis zu einem gewissen Grad gegen den Geschmack des Publikums – würden ökonomische Erwägungen nicht den unmittelbaren Ausdruck des Publikumsgeschmacks begrenzen, wäre ein grosser Teil der Kunst, die heute im Museum steht, längst schon im Müll gelandet. …“ | Aus: „Selbstdesign und Ästhetische Verantwortung. Oder von der Produktion der Aufrichtigkeit“ Boris Groys *1947 | Quelle: https://whtsnxt.net/060
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“ … Amnesty International: Die Menschenrechtsorganisation illustrierte Polizeigewalt in Südamerika mit KI-Bildern. Kennzeichnung? Fehlanzeige. Das kam nicht gut an. „Bislang war es immer so, dass ein fotografisches Abbild ein Vorwegvertrauen genossen hat. Menschen haben Bildern einen bestimmten Wahrheitsgehalt zugebilligt“, erklärt Pawlowski. …“ | Aus: „Künstliche Intelligenz als ethische Herausforderung“ Felix Klein (30. September 2024) | Quelle: https://www.haw-kiel.de/news/kuenstliche-intelligenz-als-ethische-herausforderung/
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“ … Ich fühle mich seit einiger Zeit immer abgestoßener von bebilderten Medien. Ganz pauschal jede Art von visuellem Medium widert mich an. Sie sind voller Bilder und Sprache, denen man nicht trauen kann. Stumpfer Journalismus, der in Abhängigkeit von Meta dahin pauschalisiert. Dopaminabhängigkeiten als Lock-In-Methode für die verschiedenen Anbieter soziale Medien. Scheinbare, dürre Sozialität mit der gesamten Welt. Die seltsame Gleichzeitigkeit der Dinge, die uns immer mehr abstumpft gegenüber dem, was wir als Einzelwesen ganz direkt erleben könnten. Und überall Unterhaltung, vor der wir uns kaum noch retten können. … Wann führen wir phantastische Diskussionen, die unsere Köpfe zum rauchen bringen? Wann sind wir bereit das, was uns als Realität vermittelt wird, herauszufordern? …“ | Aus: „Willkommen im bunten Faschismus – 15.Brief: Warum wir lieber scrollen als denken – über Bilderwelten und die Lust am Wegsehen.“ fini (02.03.2026) | Quelle: https://blogs.taz.de/finiskleinerlieferservice/2026/03/02/willkommen-im-bunten-faschismus/

[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #104]

“ … Ding, Begriff und Ausdruck sollen beim Sprechen eindeutig zusammengehören. Das gelingt nicht immer, vielmehr muss man immerzu aufpassen, ob der eben verwendete Begriff das betrachtete Ding richtig erfasst, ob der eben verwendete Ausdruck den gemeinten Begriff trifft, und sogar ob das eben betrachtete Ding überhaupt eins ist und nicht etwa einige oder gar keins. Passen die drei Ecken nicht zueinander, „So entstehen leicht die fundamentalsten Verwechslungen (deren die ganze Philosophie voll ist).“ – Wittgenstein: Tractatus 3.324 …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Semiotisches_Dreieck

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“ … [Bei Aristoteles ist ein Zeichen (semeion, damit meint er ein Wort) ein Symptom für eine Seelenregung, d. h. für etwas, das der Sprecher sich vorstellt. Diese Vorstellung des Sprechers ist dann ein Ikon für ein Ding. … Seit Aristoteles wird vertreten, dass Zeichen Dinge der Welt nicht unvermittelt, sondern vermittelt über einen „Begriff“, „Vorstellung“ etc. bezeichnen. Dies bedeutet eine Differenzierung gegenüber der einfachen aliquid-stat-pro-aliquo-Konzeption [also gegenüber der einfachen „etwas steht für etwas (anderes)“ Konzeption] und ist „für die ganze Geschichte der Semiotik entscheidend“. (Trabant: Semiotik. 1996, S. 25)] … Das semiotische Dreieck ist ein in der Sprachwissenschaft und Semiotik verwendetes Modell. Es soll veranschaulichen, dass ein Zeichenträger (Graphem, Syntagma, Symbol) sich nicht direkt und unmittelbar auf einen außersprachlichen Gegenstand bezieht, sondern dieser Bezug nur mittelbar durch eine Vorstellung/einen Begriff erfolgt. Das semiotische Dreieck publizierten erstmals Charles Kay Ogden und Ivor Armstrong Richards in dem Werk The Meaning of Meaning (1923). … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Semiotisches_Dreieck (30. Dezember 2024)

“ … Der Begriff des Signifikanten spielt auch in der vom Strukturalismus beeinflussten Psychoanalyse Jacques Lacans eine tragende Rolle als Element des Symbolischen innerhalb der Psyche. … Als Signifikanten können für Lacan nicht nur Wörter, sondern auch Dinge wie Objekte, Beziehungen und Symptom­handlungen fungieren (vgl. Seminar IV. Die Objektbeziehung). …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Signifikant

Bildquelle https://postsecret.com/

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“ … der Signifikant [ist] als äußerlich fassbare Form die Ausdrucksseite eines Zeichens, etwa ein Lautbild, eine Zeichenkette von Buchstaben einer Schrift oder auch eine verabredete Gebärde. In einer Sprache ist einem bezeichnenden Ausdruck ein bezeichneter Inhalt zugeordnet, als das innerlich auffassbare Signifikat. So kann ein sprachlicher Ausdruck wie Apfel mit der mentalen Vorstellung eines Apfels verknüpft werden [Roland Harweg: Studien zum Verbum und seinem Umfeld. Aufsätze. Sprache-Kommunikation-Wirklichkeit, Linguistische Studien zur Semantik und Pragmatik, Bd. 7, LIT, Berlin 2014, ISBN 978-3-643-12597-2, S. 19]. Diese Verknüpfung von Bezeichnendem und Bezeichnetem ist – so Ferdinand de Saussure, der die Begriffe von Signifikant und Signifikat entscheidend geprägt hat – willkürlich und wird durch Konvention festgelegt. Das Signifikat des Wortes Augapfel gleicht beispielsweise dem von Bulbus oculi [Der Augapfel (lateinisch = Bulbus oculi) ist ein fast kugelförmiger Körper, der sich innerhalb bestimmter Grenzen ähnlich dem Prinzip einer kardanischen Aufhängung um beliebig viele Achsen drehen kann, dabei seine Position innerhalb der Augenhöhle jedoch nicht oder nur unwesentlich verändert.]. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Signifikat

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“ … «Ich verstehe nur zu gut, was in dir jetzt vorgeht.» – Die Aussage setzt nicht voraus, dass man ins «Innere» der anderen Person treten kann; man teilt mit ihr einfach einen Erfahrungsraum, zu dem auch ein gemeinsamer Sprachgebrauch gehört. Diese Verbundenheit begründet das Medium, in dem wir uns immer schon sprechend «drinnen» befinden. Der Geist ist etwas Soziales, er ist nicht in uns, sondern wir sind vielmehr, miteinander kommunizierend, immer schon «im» Geist.
Philosophische Probleme entstehen oft, weil sie uns mit einer bestimmten Betrachtungsweise in Bann halten, uns verzaubern, ohne dass wir es bemerken. Gelingt es uns, die Probleme zu entzaubern, verschwinden sie wie ein Spuk. Und wir fühlen festen Boden unter uns. Philosophen erinnern gelegentlich an die Comicfigur Wile. E. Coyote, der über eine Klippe rennt, und weiter rennt. Er fällt erst dann in den Abgrund, wenn er merkt, dass unter ihm nur Luft ist. … “ | Aus: „Philosophie als Taschenspielerei“ Eduard Kaeser (Dezember 2022) | Quelle: https://www.journal21.ch/artikel/philosophie-als-taschenspielerei

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Wile E. Coyote (in Deutschland auch als Karl der Coyote und Willi/Willy Kojote bekannt) – ein immer hungriger und vom Pech verfolgter Kojote. Der Name ist ein Wortspiel von wily (deutsch gerissen, schlau). … Die Schwerkraft ist der schlimmste Feind des Kojoten. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Road_Runner_und_Wile_E._Coyote
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“ … // [„… Er fällt erst dann in den Abgrund, wenn er merkt, dass unter ihm nur Luft ist. …“] … // Veränderungsblindheit (englisch change blindness) bezeichnet ein Phänomen der visuellen Wahrnehmung, bei dem teilweise große Änderungen in einer visuellen Szenerie vom Betrachter nicht wahrgenommen werden. Blickt der Betrachter beispielsweise auf eine Abbildung und wird die Aufmerksamkeit für kurze Zeit, etwa durch eine vorbeigehende Person, abgelenkt, so erkennt der Betrachter in dieser Zwischenzeit vorgenommene Veränderungen des Bildes nicht, auch wenn diese erheblich sind. Dieses Phänomen wird u. a. in der Bewusstseinsforschung untersucht bei der Frage, wie sich die Wirklichkeit bzw. Realität in unserem Bewusstsein abbildet. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ver%C3%A4nderungsblindheit

[Zur Ontologie des nicht seienden #35]


Seitennotiz zur Erzähltechnik (Twin Peaks, aus den Jahren 1990, 1991): Die Konstruktion einer Imagination. Dale Cooper spricht mit Diane, die nie tatsächlich erscheint. [ … Diane is mentioned throughout the original series … but does not physically appear in any of them | Source].

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Kontext #1

Zur Konstruktion einer Imagination: “ … Wie Träume eröffnen Imaginationen Fenster zum Unbewussten. Im Unterschied zu Träumen geht es bei Imaginationen aber um mehr oder weniger bewusst kontrollierte bildhafte Vorstellungen …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Imagination

[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #103]

“ … Von einer Tötung oder gar Ermordung des Autors vonseiten der Theorie ist übrigens weder bei Barthes noch bei Foucault (noch bei Blanchot) die Rede… Für Barthes und Foucault stellte sich eher die Frage, wie mit dem schreibend ohnehin stattfindenden Tod – im Sinne der Preisgabe einer entsprechenden subjektiven Verfügungsgewalt im Produktionsakt und in seinen Folgen – umzugehen ist. … “ | Aus: „Gespensterbelebung. Autorschaft und Autorität“ (24. November 2019) | Quelle: https://geschichtedergegenwart.ch/gespensterbelebung-autorschaft-und-autoritaet/

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Jochen Schimmang (12.11.2015): “ … Barthes hat 1968 über den „Tod des Autors“ geschrieben und später auf die vielfachen Kontingenzen verwiesen, durch die ein „Werk“ zustande kommt. Seine eigene Arbeit, darunter eine Vielzahl davon Gelegenheitsarbeiten, die auf Anfrage geschrieben wurden, bezeugt die Fragwürdigkeit der Vorstellung vom „Werk“ am besten. ..“ | Quelle: https://taz.de/Zum-100-Geburtstag-von-Roland-Barthes/!5250832/ | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Barthes

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“ … Für Barthes ist Schreiben der Raum, wo das Subjekt verschwindet, das fotografische Negativ, wo jede Identität verloren ist, und das beginnt mit der Identität desjenigen, der schreibt. Barthes entwickelt dabei eine kurze historische Skizze des Schreibens und der Autorschaft, um diese Transformation darzustellen. In den ursprünglichen Gesellschaften war Schreiben für das bekannt, was es ist. In der Moderne entwickelte sich die tyrannische Figur des Autors, und erst langsam begann eine Rückkehr zum ursprünglichen Schreiben durch die Dekonstruktion des Autors.
… Bereits Mallarmé schrieb, dass nicht der Autor, sondern die Sprache spricht. Valéry nannte den Rückgriff auf das Innere des Autors Aberglaube. Proust verwischte die Autor-Figuren-Relationen und nannte den Erzähler denjenigen, der schreiben wird. … Nach dieser Dekonstruktion nennt Barthes den modernen Autor einen Schreiber (scripteur), der im selben Moment entsteht wie sein Text, und zwar immer im Hier und Jetzt. War der Autor vor allem das Buch, ist das, was dem Schreiber vorausgeht, der Text. [Adrian Wilson: Foucault on the “Question of the Author”: A Critical Exegesis. In: The Modern Language Review, Band 99, Nr. 2, April 2004, S. 339–363. S. 341] Ein Text wiederum ist für Barthes ein multidimensionaler Raum: ein Gewebe aus Zitaten, also nicht originell. Der Schreiber hat in sich keine Leidenschaften, Gefühle oder Eindrücke, sondern das große Wörterbuch, aus dem er schöpft. Das Leben imitiert das Buch, das Buch ist verlorene Imitation. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tod_des_Autors_(Roland_Barthes) (14. Januar 2025)

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Bawafafa: Der Tod des Autors ist manchmal eine nützliche Idee. … Aber das Konzept des Todes des Autors bewirkt einiges, was ich nicht für hilfreich halte. … Wenn Menschen nicht als Autoren ihrer Worte gesehen werden, wenn sie nur als Kanäle betrachtet werden, durch die sich der Diskurs bewegt, wie können sie dann für die Dinge, die sie sagen, zur Rechenschaft gezogen werden? …

Nyorliest: „Warum sollte Verantwortung für Worte von großer Bedeutung sein?“ … Ich bin alt und ein großer Teil meiner literarischen Erziehung in der Kindheit war ‚der Autor meint dies‘ und ‚der Autor meint das‘, und das war total fehlgeleitet.
Ich weiß, dass Dickens sich mit der Reform des Gefängnisses beschäftigt hat und daran interessiert war. Ich weiß, dass sein Vater im Gefängnis war. Das sind nicht-textuelle Informationen, die mir helfen, Pips Beziehung zu Magwitch zu kontextualisieren. Aber jedes Mal, wenn ich sage ‚Dickens meinte hier X‘, ist das Wahnsinn. Anstatt zu versuchen, „Große Erwartungen“ als Séance zu behandeln, kann ich einfach darüber sprechen, wie es mich fühlen lässt, da mein Vater ein Verbrecher war (Reader Response), und es in den Kontext von Dickens‘ Leben und anderen zeitgenössischen Erzählungen und politischen Themen stellen.
Vielleicht ist eine einfachere Art, das zu sagen – ich tippe schnell, während ich frühstücke – dass es fast immer eine schlechte Nutzung von Zeit und Gedanken ist, sich auf den Geist des Autors und den Autor selbst zu konzentrieren. Es gibt viele lohnenswerte und interessante Dinge zu sagen, ohne jemals zu versuchen, eine tote Person zu psychoanalysieren.

JoyBus147: Es gibt ein kleines Detail, das die Dinge vielleicht klarer macht: Im ursprünglichen Französisch lautet der Titel „La Mort de l’auteur“. … Anhand … des kulturellen Kontexts können wir schließen, dass der „Tod“ des Autors eher eine rhetorische Ausschmückung als striktes Dogma ist.
„Tod des Autors“ bedeutet nicht, dass der Autor bedeutungslos ist. … [Die]-„Tod des Autors“-Perspektive … sagt nur, dass der Autor nicht die Autorität ist – als Schöpfer des Textes könnte man ihn als einen „Ersten unter Gleichen“-Kritiker betrachten. …

Bruchstücke aus: „Der Tod des Autors?“ (09.11.2026) | Quelle: https://www.reddit.com/r/CriticalTheory/comments/1phwez0/the_death_of_the_author/?tl=de

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Gedankensprung: Die Stimme aus dem Off (1)


“ … Das gesprochene Wort des Off-Textes nimmt vielmehr auch immer eine bestimmte Haltung gegenüber dem bildlich Dargestellten ein. Die Frage lautet also: In welcher Funktion steht der Text bzw. inwieweit beeinflusst er das Bild in seiner Bedeutungsaussage? Welche Kategorien lassen sich für diese Text-Bild-Verbindung finden? … Das gesprochene Wort ist aber nicht nur durch seinen Text bestimmt, sondern wird auch durch den Charakter von Stimme und Sprechweise beeinflusst, welche zusätzliche Informationen vermitteln und Deutungen anbieten können. Eine bestimmte Sprechweise kann einem Text eine emotionale Färbung geben, ihn dramatisieren oder auch Ironie ausdrücken (vgl. Hickethier 1991), wodurch die Bildaussage gesteigert bzw. eingeschränkt werden kann. In diesem Sinne (be)wertet der Off-Text die filmische Darstellung. Dies ist auch in Form eines auktorialen Voice-overs möglich …“ | Aus: „Die Stimme aus dem Off“ Lysann Windisch (2012)

Waldo Lydecker, ein bekannter New Yorker Radiokolumnist, berichtet in seiner großen und prunkvoll ausgestatteten Wohnung, wie tief bewegt er von dem Tod einer sehr guten Freundin sei. Laura habe ihm alles bedeutet. Sein Leben sei – ohne sie – bedeutungslos geworden.

Die Stimme des Kolumnisten ist das Erste, was wir hören in „Laura“ von Otto Preminger aus dem Jahr 1944. Wir hören die Stimme aus dem Off bevor wir den Autor selbst sehen können, wie er nackt in der Badewanne sitzend seine Geschichte in die Schreibmaschine tippt.

Er, Waldo Lydecker wolle, da nun entsetzlicherweise seine Freundin Laura ermordet worden sei, die tragische Geschichte ihres Todes für alle Welt niederschreiben.

Durch Rückblenden, durch den Verlauf der Filmhandlung wird deutlich, dass dieser distinguierte Kolumnist seine Texte als Waffe zu gebrauchen weiß, um männliche Konkurrenten, die Laura zu nahekommen, auszuschalten. In dem Moment aber, als diese Waffe aus Buchstaben nicht mehr greift, nimmt er eben eine Schrotflinte zur Hand, um Laura zu erschießen. Wenn Laura nicht bei ihm bleiben will, so soll sie tot immerhin nicht zu jemanden anderen gehören können.

Dem jungen Polizisten Mark McPherson, der als Ermittler in Lauras Tagebücher gelsen hat, der sich in das Bild, in das Gemälde der vermeintlich Toten verliebt hat, gelingt es das Versteck der Schrotflinte in einer alten Standuhr aufzuspüren. Er kann nun den tatsächlichen Tathergang rekonstruieren.

Waldo wird durch die Entdeckung von Mark die Gewalt über seine Erzählung verlieren. Waldos Version der Geschehnisse, sein Bericht an die Welt, seine Erzählung von Lauras Tod ist ihm nun unmöglich geworden. Die Stimme aus dem Off, der Erzähler, der Autor selbst war der Mörder.

Gedankensprung: Die Stimme aus dem Off (2)

Joe Gillis liegt in „Boulevard der Dämmerung“ (Billy Wilder, 1950) tot in einem Swimmingpool. Die Polizei, die Presse und das Fernsehen sind unterwegs zum Ort des Geschehens. Gillis erzählt als bereits gestorbener Mann, als Stimme aus dem Jenseits, als Stimme aus dem Off wie sich alles ereignete.

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Der Tod des Autors ist ein in der Literaturtheorie vertretenes Konzept, das die klassische Idee der völligen Kontrolle des Schriftstellers über seine eigene Schöpfung in Zweifel zieht. Für die Textinterpretation bedeutet dieser Ansatz vor allem, dass die mutmaßliche Absicht des Autors unerheblich ist und Texte auch durchaus Bedeutungen entwickeln können, die der Absicht des Autors widersprechen.] | https://de.wikipedia.org/wiki/Tod_des_Autors

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Die These von der Rückkehr des Autors kam in den 1990er Jahren in der Literaturwissenschaft auf. Sie rückt die Person des Autors wieder stärker in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. … In der deutschen Forschung kam der Begriff durch einen 1999 von Fotis Jannidis, Gerhard Lauer, Matías Martínez und Simone Winko herausgegebenen gleichnamigen Sammelband wieder auf [Gregor Thuswaldner: Derrida und danach? Literaturtheoretische Diskurse der Gegenwart. DUV, 2008, ISBN 3-8350-6036-8, S. 21.]. Darin sollte der Autor wieder zum legitimen Untersuchungsgegenstand der Literaturwissenschaft gemacht werden, allein um die „unaufgeklärte Schizophrenie“ zwischen Literaturtheorie und Praxis der Literaturwissenschaft zu vermeiden. | Aus: „Rückkehr des Autors“ (4. Juni 2023) | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckkehr_des_Autors

[Kriegsschauplätze #56…]

Die Komplizenschaft im Gewaltensemble zeigt sich in einer Stummheit … Wenn das vergesellschaftende Wie dunkel bleibt …

„… Uns drängen sich Fragen auf, wenn wir lesen, Freuds Psychoanalyse sei in ihrer „eigentlichen Substanz soziologisch“ (Marcuse, Triebstrukturen und Gesellschaft, 1968), ohne dass durch eine vorabgegebene Klärung der unbewussten Strukturen selbst der Übergang in den Sozialbereich legitimiert worden wäre, wenn, anders ausgedrückt, das vergesellschaftende Wie dunkel bleibt und ungefragt vorausgesetzt wird; uns drängen sich Fragen auf […] wir werden rückfragen müssen, wenn die psychoanalytische Todestriebhypothese kurzerhand als ein Produkt bürgerlicher Ideologie verrechnet wird …“ | Aus: Hermann Lang – Die Sprache und das Unbewusste. Jacques Lacans Grundlegung der Psychoanalyse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973 (erneut 1986, 1993) [Lang studierte unter anderem bei Gadamer, Ricoeur und Lacan. 2019 starb Lang in Würzburg]

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“ … Auf den Bildern soll zu sehen sein, wie ein 25 Jahre alter Mann kurz vor der Kollision an Gleis 2 steht. In einiger Entfernung, ihm den Rücken zugewandt, wartet eine 18-jährige Frau auf die U-Bahn. Dann, so heißt es in Ermittlungskreisen, umklammert er sie und stürzt sich mit ihr auf das Gleisbett, als die U-Bahn einfährt. Beide versterben, bevor die Feuerwehr eintrifft. …“ | Aus: „Er riss sie auf das Bahngleis“ Christoph Heinemann und Tom Kroll, Hamburg (30. Januar 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/hamburg/2026-01/hamburg-wandsbek-u-bahn-mann-frau-mordkommission

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“ … Der Wunsch nach Vernichtung des Lebendigen kann sowohl auf das Subjekt selbst als auch auf andere Personen gerichtet sein. Im ersten Fall nimmt der Todestrieb die Form der Autoaggression oder der Regression an … Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Konzeption des Todestriebs spielte für Freud dabei die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, der ein bis dahin noch nie erlebtes Ausmaß an menschlicher Zerstörungslust offenbarte. Erich Fromm analysierte in seiner Schrift Anatomie der menschlichen Destruktivität (1973) unter anderem Adolf Hitler und Heinrich Himmler als „destruktive“, auf pathologische Weise vom Todestrieb beherrschte Charaktere. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Todestrieb (14. Dezember 2025)
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“ … Die erste Drohne […] explodierte direkt neben dem Zug und brachte ihn zum Stehen. Die zweite Drohne traf eine Oberleitung, die dritte schlug direkt in einen Waggon mit 18 Personen ein. Einige konnten fliehen, andere starben, wieder andere gelten noch als vermisst. …“ | Aus: „In Stücke gerissene Leichen am Bahngleis“ | Von Juri Larin aus Charkiw [Aus dem Russischen Gaby Coldewey] (28.1.2026) | Quelle: https://taz.de/Russischer-Drohnenangriff-auf-Zug/!6149429/

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“ … Es könnte sich bei Putin um einen „inneren Vernichtungsdrang“ handeln, einen „Todestrieb“ – das Konzept hatte der Psychoanalytiker Sigmund Freud bekannt gemacht. … Russland wolle ein mächtiger Pol in der Welt sein, doch es gelinge ihm nicht, ein „erfolgreiches politisches Modell zu schaffen, dem sich andere anschließen würden“. Nun habe es also „nichts anderes zu bieten, als jeden in seine eigenen Tiefen zu ziehen“ – ein Todestrieb eben, schlussfolgert Pomerantsev. … “ | Aus: „Russland-Experte attestiert Putin einen tiefen „Todestrieb““ (13.06.2023) | Quelle: https://www.merkur.de/politik/wladimir-putin-psychologie-persoenlichkeit-motive-analyse-todestrieb-sigmund-freud-peter-pomerantsev-92336320.html
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Nach dem Lesen der obigen Artikel, die den „death drive“ plastisch werden lassen, schaute ich eine Zeitlang in ein geisterhaftes Nirgendwo. Es gibt mittlerweile so viele Artikel dieser Art (die von einer primitiven und absurd anmutender Brutalität erzählen). Einige Präsidenten und Staatsoberhäupter erscheinen mir vor dem inneren Auge in ihrer Gewaltlust fast austauschbar (als müssten sie alle ein dunkles Muster zwanghaft wiederholen). Erleben wir gerade einen globalen Rückfall, eine Vitalisierung des Todestriebs? Wie könnte der Rückfall in Wahn und Elend später in der Rückschau genannt werden? – Die Gegenwart wird durchzogen von seelisch schwarzem Wasser. Ich denke an das schreiende Unglück der Menschen, die der Krieg widerfährt. Warum stocke ich gerade diesmal bei dieser Art von Artikeln, die zeigen wie Absurdität und Gewalt sich steigern? Darf ich überhaupt darüber nachsinnen, während ich mir einen Kaffee aufsetze (es bleibt so vieles am eigenen Leben grotesk und rätselhaft – darum besser schweigen?) – Warum stocke ich, warum stockt etwas in mir, bei den obigen Artikeln? – Weil wieder eine oder mehrere zivilisatorische Schichten durchstochen wurden? – Weil sie von jedem von uns dokumentieren wie entbehrlich und ungeschützt wir sind? – Ist es nicht so, dass ich selber gerne mit dem Zug fahre, atme, lebe? – Ich glaube, ich wollte diesmal nicht in diese Wortlosigkeit fallen. Ich wollte diesmal nicht darüber hinweggehen, ich wollte innehalten. Sagte mir: Nun sieh es Dir an! Lass es wirken auf dein inneres Leben. War das nicht oft das Problem gewesen? – Die Wortlosigkeit zwischen den Generationen, die kalkulierte Kühle zwischen den Menschen (gerade in Deutschland)? Sind wir schweigsam, weil „wir“ (weil ich) für diese extreme Form von absurder Grausamkeit keine sinnvollen Sätze bilden können? (Weil die Absurdität uns übersteigt?) – Wie die eigene Naivität, die eigene Dummheit (Dunkelheit) beenden, die wie Nebelschwaden der Indifferenz an der Seele haften? – Wie könnte ich die Nadel von der Platte der Wortlosigkeit, der Überforderung nehmen, die durch einen Kratzer immer wieder in die gleiche Rille springt? – Ich erinnerte mich an DADA als eine Revolte gegen die falsche Moral und gegen die große Politik, die man mit Verstand nicht mehr fassen konnte [die Werke der Dadaisten sollten eine künstlerische Antwort auf das irrationale Abschlachten des [1. Welt-] Krieges sein.] | Quelle: „Dada – eine Antwort auf den Krieg“ von Sabine Oelze und Benjamin Wirtz (2016) | Quelle: https://www.dw.com/downloads/30109427/nachrichten-mit-vokabeln-20160209-dada-eine-antwort-auf-den-krieg.pdf | … Aber heute (2026) kann DADA nicht mehr eine Antwort auf den Krieg (auf den death drive) sein. Die Karte wurde ausgespielt. Es scheint mir als wäre DADA bereits vergilbt und unleserlich geworden. Die multimediale Öffentlichkeit ist heute eine Andere.

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Ich denke an den Film „Le Train“ mit Jean-Louis Trintignant und Romy Schneider. „Le Train“ stellt präzise und fast universell Fragen zum Krieg (und seiner Absurdität). Konkret werden in „Le Train“ die Fragen an den Radiomechaniker Julien Maroyeur („einen ganz gewöhnlichen“ Mann) gestellt – ein Mann, der Zeit braucht, um seine Antwort zu finden – wohl auch in Stellvertretung für die Filmzuschauer: “ … „Le Train – Nur ein Hauch von Glück“ (Frankreich | Italien, 1973) entstand unter der Regie von Pierre Granier-Deferre nach dem Roman des belgischen Schriftstellers Georges Simenon. … [Der Film] entlarvt sich nie als ein Beitrag der falschen Untertöne und erspart sich unangebrachte melodramatische Anflüge, oder gar den Zeigefinger zu erheben. … “ | https://www.italo-cinema.de/item/le-train-nur-ein-hauch-von-glueck | https://de.wikipedia.org/wiki/Le_Train_%E2%80%93_Nur_ein_Hauch_von_Gl%C3%BCck


Jean-Louis Trintignant als Radiomechaniker Julien Maroyeur

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Ich denke an einen Text von Christina Thürmer-Rohr: “ … [»Die Stummheit der Gewalt und die Zerstörung des Dialogs«]: … Gewalt verletzt den Anspruch auf eine dialogische Existenz … Diese Möglichkeit [der dialogische Existenz] wird mit jedem Akt der Gewalt verweigert oder verworfen. … Gewalt definiert sich nicht nur über die einzelnen Gewalttaten und -täter, sondern ebenso über ihren Kontext, ihre Unterstützung und Duldung. Die Komplizenschaft im Gewaltensemble bedeutet nicht nur Zugehörigkeit zum Ensemble der Schadensanrichter, sondern zum Ensemble der Dialogzerstörer. Duldung von Gewalt ist gleichbedeutend mit der Stärkung eines monologischen Prinzips … Die Komplizenschaft im Gewaltensemble zeigt sich in einer Stummheit, die sich wie eine Epidemie addierter Monologe ausbreitet. …“ | Quelle: »Die Stummheit der Gewalt und die Zerstörung des Dialogs« (UTOPIE kreativ, S. 773-780, 2002) | Aber auch hier wird etwas ausgesprochen, was längst bekannt ist. Es spricht etwas aus, dass immer wieder übergangen werden kann (und immer wieder übergangen wird) – der Todestrieb verachtet Argumente, Diskussionen, das Miteinander (und gefällt sich in einem Eigenrausch – in der zerstörerischen Raserei).

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Ich frage mich, wie und wo sich die Dinge des Lebens niederschlagen werden. Wie wird später der death drive der jetzigen Welt erzählt werden? – Wie wird erzählt werden, was wir gerade erleben? – Wie wird es erzählt werden in der Rückblende, in der Rückschau? – – – „… An der Auseinandersetzung zwischen den kriegskritischen Positionen um Remarque und den radikalnationalistischen Texten um 1929/30 kann schließlich abgelesen werden, daß die symbolische Neuordnung im literarischen Feld die spätere politische Entwicklung vorweggenommen hat. … [„…Ähnlich wie auch in der zeitgenössischen Malerei, bei George Grosz und Otto Dix, kulminiert die literarische Darstellung während und nach dem Ersten Weltkrieg in der Beschreibung von Kriegskrüppeln oder Wahnsinnigen. …“] …“ | Zu „Imaginäre Schlachtfelder“ – Kriegsliteratur in der Weimarer Republik – Eine literatursoziologische Untersuchung, Jörg Friedrich Vollmer, Erscheinungsjahr 2003 | Quelle: https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/9872
// Notiz / Verweis: Erich Maria Remarque (1898 – 1970) war ein deutscher Schriftsteller. Er wurde mit dem 1928 erstmals erschienenen, zuerst 1930 in Hollywood verfilmten Antikriegsroman Im Westen nichts Neues weltberühmt. … Im NS-Staat wurden seine Bücher verboten und 1933 öffentlich verbrannt. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. …–> https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Maria_Remarque

[Kiel #99… ]

Wenn ich die Ringstraße entlangfahre und die jetzige Club 68 Hausfassade auf mich wirken lasse, erinnert mich das Gesehene (das Haus) an einen bereits toten Zahn, der noch nicht ausgefallen ist.

Als Kleinkind bin ich „im Club“ die Holztreppe auf allen vieren hoch – und runter geklettert. Als Student habe ich ein paar Monate die „Kellnerschicht oben“ übernommen (als Nils und Norbert noch lebten) – es war in der Zeit, als „die Küche noch lange auf“ hatte – und ich auf der Karte das „Zitronenhuhn“ bevorzugte (mir das Gericht aber im Grunde nicht leisten konnte – und so meistens am Ende der Schicht, der Vernunft folgend, den überbackenen Spinat mit Baguette nahm).

Im Jahr 2013 zeigten wir „im Club“ den Film „Neila“ (Kiel, Super8, 2009). Im Film gibt es eine Szene, eine Kameraeinstellung, die einen Mann zeigt, der im Club 68 sitzt, und noch etwas trinkt, bevor er an die Kieler Förde fährt. Dort soll ihn – dem Plan nach – ein Ufo abholen.


[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #102]

Die Grenze zwischen Filmmythos und echtem Leben war unscharf (Aus „La Vérité“ (1960), Wikipedia) … die Göttin der Sorglosigkeit lebt hier nicht mehr … von der Brigitte-Bardot-Welt zu träumen, war viel schöner, als mit ihr ernsthaft in Berührung zu kommen. … (Georg Seeßlen)
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“ … Der Vatikan nannte sie zwischenzeitlich „Inkarnation der Sünde“ …“ Stefan Brändle aus Paris (28. Dezember 2025) | Quelle: https://www.derstandard.de/story/3000000302192/franzoesischer-filmstar-brigitte-bardot-mit-91-jahren-gestorben
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Peer der Wallone: „… Brigitte Bardot und der Vatikan – [Sie] wurde übrigens am 27. September 1995 im Vatikan von Pabst Johannes Paul dem II empfangen. … [Es sah damals] so aus, als [würden] die beiden gut miteinander klar kommen :-). Ist ja auch viel Wasser seit dem Film „Et Dieu créa la femme“ von 1956 den Tiber runter geflossen. …“
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Franz Klug: “ … Schade, dass Brigitte Bardot bei uns nur auf die sexist Frau alive reduziert wurde. …“ | [ Bardot galt besonders in den 1950er und 1960er Jahren als internationales Sexsymbol. Meistens wurde sie als hedonistische, sexuell freizügige und selbstbewusste Schönheit besetzt und prägte damit im Kino einen neuen Frauentyp in der Anfangszeit der Sexuellen Revolution [https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Revolution]. — Brigitte Bardot Filmografie –> https://de.wikipedia.org/wiki/Brigitte_Bardot#Filmografie]

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“ … „Die Wahrheit“ … Dunkler Moralkrimi mit überlebensgroßer BB … 1960: Brigitte Bardot soll für ihren sündigen Lebenswandel verurteilt werden. Die hübsche Dominique (Brigitte Bardot) steht vor Gericht: Die junge Frau soll ihren Liebhaber, den Musikstudenten Gilbert (Sami Frey) ermordet haben. Schnell wird klar: Der konservative Staatsanwalt will Dominique vor allem für ihren in seinen Augen unmoralischen Lebenswandel verurteilen. Viele Zeugenaussagen lassen das facettenreiche Bild einer lebenshungrigen Frau entstehen, die der Provinz nach Paris entfloh und hier vor allem Männerbekanntschaften suchte… Selten wurde eine Schauspielerin so mit ihrer Rolle identifiziert wie BB in diesem Film. Regisseur Clouzot („Lohn der Angst“) nutzte ihr Luder-Image, um wie ein Prophet der 68er-Revolte die moralischen Konflikte seines Landes auszuleuchten. …“ | Quelle: https://www.cinema.de/film/die-wahrheit,1332370.html


“ … La Vérité (1960) … Jahrzehnte später erklärte [ ] Bardot, von all ihren Rollen sei ihr die in Die Wahrheit die liebste gewesen. … Clouzot hat darauf hingewiesen, dass ihn reale Gerichtsverhandlungen, die er zum Teil selbst besucht hatte, zur Thematik seines Films angeregt hatten. … Die Grenze zwischen Filmmythos und echtem Leben war unscharf. Während der Dreharbeiten kursierten Gerüchte über Liebesaffären zwischen Bardot und Frey sowie Bardot und Clouzot. Die Presse brachte Bardots launenhaftes Verhalten immer wieder mit ihren Suizidversuchen in Verbindung. Bardot wurde von Paparazzi gejagt und fühlte sich gehetzt. Als Clouzot sie nach den Dreharbeiten wieder traf, erschien sie ihm sehr bedrückt. Einige Tage später, an ihrem Geburtstag am 28. September 1960, schnitt sie sich die Pulsadern auf. Sie schwebte mehrere Tage lang in Lebensgefahr. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wahrheit_(Film) (28. Dezember 2025)
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“ … Film-Ikone Brigitte Bardot … [ihre] Karriere ist untrennbar mit dem Aufstieg des modernen Starkults verbunden. … “ | Aus: „Film-Ikone Brigitte Bardot ist tot – ihr Vermögen soll ihr Lebenswerk sichern“ Moritz Bletzinger (29.12.2025) | https://www.merkur.de/welt/ist-tot-filmstar-brigitte-bardot-zr-94100270.html
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“ … Der französische Präsident würdigte sie [ ] als „eine Legende des Jahrhunderts“ …“ | Quelle: https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_101060294/emmanuel-macron-reagiert-auf-den-tod-von-brigitte-bardot-und-nimmt-abschied.html
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“ … Bardot, das wohl erste globale Sexsymbol [eine Projektionsfläche für männliche Phantasmen], empfindet ihr Leben als nicht besonders glücklich. Der Ruhm, ihre Prominenz hätten sie beinahe zerstört. … Ist es absurd, eine Frau zu bedauern, weil ihr die Welt zu Füßen lag und sie damit nicht fertigwurde? … Der Fall Bardot ist auch interessant in einer Zeit, in der beinahe kein Tag vergeht, ohne dass Frauen und insbesondere Schauspielerinnen auf die Nebenwirkungen hinweisen, die das Frausein mit sich bringen kann. … Für ihr Publikum, vielleicht auch für ihre Regisseure, war sie immer mehr Frau als Schauspielerin, egal ob sie mit Louis Malle drehte oder mit Godard. … Dem Mythos Bardot jedenfalls setzte Brigitte selbst mit 38 Jahren ein Ende; als sie entschied, von nun an kein Star mehr sein zu wollen, keine Filme mehr zu drehen. Diese Welt sei unendlich leer gewesen, sagt sie … Bardot versteigerte die Häuser und Autos, den Schmuck ihres Exmanns Gunter Sachs und das Brautkleid, in dem sie, 18-jährig, Roger Vadim ehelichte. Mit dem Geld gründete sie ihre Stiftung, für die „Rettung der Tiere in aller Welt“, wie es im Statut heißt. Seitdem kämpft sie gegen Robbenjagd und grausame Schlachtmethoden, und sie begann damit zu einer Zeit, in der das als bestenfalls exzentrisch galt. … “ | Aus: „Das Rätsel BB“ Julia Amalia Heyer (11.03.2018) | Quelle: https://www.spiegel.de/spiegel/bigitte-bardot-vom-filmstar-zur-tierschuetzerin-a-1197388.html
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Meinungshaber, 28.12.2025: “ … Sie war eine großartige Frau mit Prinzipien. Schön, klug, eine wahrhaftige Französin. Wie auch France Gall, sah sie gestern in einer herrlichen Schlagerhistoriesendung im Fernsehen, mit ihrem Lied „Drei Apfelsinen im Haar“, sehr süss dieses Video aus den 60er Jahren, wunderbar heimatlich und natürlich. ..“

Fri K.: “ … Diese Frau würde von Muslimen mit der Todesstrafe bedacht werde, allein wegen ihrer Filme, Kleidung und Benehmen: Sie ist genau das Gegenprogramm gegen woke Feministinnen und grünes Gendern: Selbstbewusste Frau, die bei „Komplimenten“ und Avancen weiß, wie sie damit umgeht. Chapeau! …“

Udo D.: “ … „wegen Anstiftung zum Rassenhass belangt!“ Welch ein Abschluss für einen Nachruf. Welch eine Anerkennung sozialer Leistung, eines Lebenswerkes, welch ei Taktgefühl der/des/quer
Verfassers/:in! Geht wohl nicht ohne! Schamlos!! …“

[Kommentare zu: welt.de: „Französischer Filmstar Brigitte Bardot mit 91 Jahren gestorben“ (28.12.2025) | Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/article695100dad28c9b829c8c952e/nach-stiftungsangaben-franzoesischer-filmstar-brigitte-bardot-mit-91-jahren-gestorben.html]

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„Die Ikone selbstbewusster Weiblichkeit“ (28. Dezember 2025) Brigitte Bardot begründete ein neues Frauenbild – und zog sich jung aus der Öffentlichkeit zurück. Nun ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben. Ein Rückblick in Bildern
https://www.zeit.de/kultur/film/2025-12/brigitte-bardot-schauspielerin-saengerin-fotomodell-fs
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Randolf K: Eine ziemlich heftige Rassistin und Sexistin ist von uns gegangen. Dass dies in der gutbürgerlichen ZEIT keine Erwähnung findet überrascht nicht.
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Hatzerim: … Erleichtern Sie sich an der zukünftigen Grabstätte. Es wird Ihnen hoffentlich Genugtuung bringen.
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Leben in Lee @ Randolf K:: Sie könnten bei einer Ausnahmeerscheinung wie Bardot eigentlich zwischen ihrer beispiellosen Karriere und späteren Abschweifungen unterscheiden und im Moment des Todes Respekt vor ihrer Leistung … zeigen. Aber nein, Sie müssen die angekratzte andere Seite der Medaille prominent ins Licht rücken. Enttäuschend.
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Mollmoll: Als Schwarzer stellt sich mir (leider?) nicht die Frage, welchen Aspekt ihres Lebens ich in den Vordergrund stellen möchte.
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Leben in Lee: Antwort auf @Talano068: … Heute Respekt, ab morgen meinetwegen kritisieren. Der Hauptkommentar hält diese Reihenfolge nicht ein.
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One-Republic: Nicht zu vergessen, dass sie unter anderem auch Klassistin war, wo sie gegen Obdachlose hetzte. Die Frau war einfach schlecht gealtert.
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Leben in Lee: Was von Bardot bleibt, ist ihre fast unerreichbare Attraktivität sowie ihr Look und Auftritt, der mit seiner Modernität und Wirkung in ganz Europa Maßstäbe für mindestens 2 Jahrzehnte gesetzt hat.
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gopalvenu: Die Schönheit war vergänglich, die Volksverhetzung ist gerichtsfest.
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One-Republic Antwort auf @gopalvenu: Ihre Schönheit wäre für die Ewigkeit prädestiniert gewesen … Aus einer Göttin wurde später eine verbitterte Frau, die mit Stammtischparolen jonglierte.
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stefanincello: Naja, sie war halt ganz nach dem Geschmack der Medien. Aber sich ganz banal ihrem Sohn widmen brachte sie nicht auf die Reihe. Ein klassisches Kind der 60er eben, in denen die Elfenbeinwelt des absurden Konsums entstand und alle die abgedrehten Konsumenten bewunderten. …
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Wildbader: Ich denke, dass Catherine Deneuve, Jeanne Moreau und Romy Schneider schauspielerisch größere Ikonen des französische Films waren, und sind.
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Michael_DD: Sie war in erster Linie ein Sexsymbol und wurde als solches von der Film- und Entertainment-Industrie ausgebeutet, bis es Jüngere und Schönere gab. Jetzt sind schon zwei oder drei Generationen ohne ihre Filme aufgewachsen (die ja tatsächlich nur selten gezeigt oder besprochen werden), aber sie lebt fort in den sentimentalen Erinnerungen alter weißer Männer an die einstige Traumfrau. Immerhin – Sogar eine tschechische Diesellokomotive trägt ihren Namen wegen des charakteristischen Vorbaus.
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HH-SH: Die letzte Ikone einer Ära…nach Delon und Cardinale nun auch BB. Für mich, weiblich, geb. Ende der 70er Jahren, bis heute ein absolutes Idol! Ihre Filme schaue ich immernoch sehr gerne. So eine wunderschöne Frau, sexy und selbstbewusst, ganz großes Kino! Auch ihr Engagement für den Tierschutz und ihr sehr zurückgezogenes Leben auf La Madrague beeindruckte mich. In punkto metoo teile ich ihren klaren Standpunkt, genau wie die großartige C. Deneuve. Einzig Bardot‘s politische Haltung im Alter verwunderte mich, war sie in jungen Jahren mit Vadim doch eher den Linken zuzuordnen und rebellierte gegen ihr fürchterlich konservatives Elternhaus. Rest in Peace, BB.

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virales: Ich bin wirklich traurig. Ich dachte Brigit B wuerde fuer immer dasein. Brigit Bardot in „Und Gott schuf die Frau“ ein französischer Liebesfilm aus dem Jahr 1956. Fuer mich wurde sie nie älter als in diesem Film.

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Popstars, zerschnitten zum Sammeln und AufhängenHistorische «Starschnitte» aus der Jugendzeitschrift «Bravo» hängen an einer Wand in der Ausstellung «Bravo»-Starschnitte. Quelle –> „Den Anfang machten die Füße von Brigitte Bardot“ Alexander Diehl (12.10.2025) | https://taz.de/Museumsdorf-zeigt-Bravo-Starschnitte/!6115492/

“ … Man nannte sie die schönste Frau der Welt, auch weil sie dem Ideal des neuen Kleinbürgertums entsprach. … Brigitte Bardot war 1959 der erste Bravo-Starschnitt. Netzstrümpfe, umgürtete „Wespentaille“, das lange blonde Haar. Der ikonische „Schmollmund“. Das Bild war mit 156 Zentimetern nachgerade lebensgroß. Und eine Göttinnengestalt, die vielleicht zum ersten Mal danach verlangte, dass das Teenager-Zimmer ein vom Rest der Familie abgesonderter Raum war. … Von der Brigitte-Bardot-Welt zu träumen, war viel schöner, als mit ihr ernsthaft in Berührung zu kommen. Dort hätte man ihren Selbstmordversuch erlebt, ihre Einsamkeit, ihr Gefangensein. Jemand wie Brigitte Bardot war für Charakter- und gar „Altersrollen“ nicht geschaffen. 1973 erklärte sie ihren Rücktritt sowohl vom Film als auch von der Musik – und wurde nie rückfällig. Ihr Bild zu bewahren, fiel der schon wieder nächsten Generation denkbar schwer: Wie konnte sie, eine einstige Vorkämpferin der Befreiung, nun mit den muffigsten Rechten gemeinsame Sache machen, Rassismus und Nationalismus verbreiten, das lobenswerte Ziel des Tierschutzes mit solchem Fanatismus verfolgen, dass noch die letzten Reste der einstigen Sorglosigkeit verschwinden mussten, die einmal ihr Charakteristikum gewesen waren? Die Göttin der Sorglosigkeit, die möglicherweise, wie eine Zeitung damals schrieb, den Sex für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts neu erfunden hat, ist uns lange schon fremd geworden. … Den Bravo-Starschnitt von Brigitte Bardot kann man sich heute digital zusammengesetzt aus dem Internet für den Heimdrucker bestellen und das kleine Vermögen dafür per PayPal abdrücken. Aber die Göttin der Sorglosigkeit lebt hier nicht mehr. Und nun ist auch ihre menschliche Gestalt verstorben. …“ | Aus einem Essay von Georg Seeßlen: „Zum Tod von Brigitte Bardot: Die Göttin der Sorglosigkeit“ (28.12.2025) | https://taz.de/Zum-Tod-von-Brigitte-Bardot/!6141456/

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Georg Seeßlen (* 1948 in München) ist ein deutscher Autor, Feuilletonist und Cineast …
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_See%C3%9Flen#Schriften_(Auswahl)

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[Wirklichkeitsbezug #31 … ]

MISSVERSTEHEN SIE MICH RICHTIG:
Max Uthoff zu Gast bei Maja Göpel (04.12.2025)
0:00 In dieser Folge…
1:57 Backstage
4:06 Tod des Internets durch KI, verfrühter Kulturpessimismus
9:13 Werdegang als Kabarettist und Jurist bis zur Anstalt
17:43 Journalische Eitelkeit, ironisierte Beleidigungen, Grimme-Preis bis Lüdenscheider Lüsternklemme
25:20 Maja muss sich zügeln, Positionen der Anstalt
36:49 Kabarettistische Opfersuche, reaktionäre Spießer aus dem Sauerland
46:06 Was ist links? Pokerfaces, Anstand und Mehrheiten
55:49 Grifting Away, abmontierte Demokratie der USA
1:01:51 Vaterfiguren von Autokraten, Bildung der Zukunft
1:23:28 Verteidigung der Wirklichkeit, Satire für die Gesellschaft, Bürgerräte
1:37:33 Boykott der Giganten
1:42:58 Kulturgut Humor, Scham
1:53:12 Intrinsisch motiviertes Lernen
1:59:38 3 Botschaften
2:02:24 Outro
–> https://youtu.be/cVpcYyb9UX8

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@sascharambeaud … angenehm und selten in der heutigen Zeit, einfach mal zwei intelligente Menschen mit echten Themen in Ruhe sprechen zu sehen.
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@scantrain5007 … Besonders die Betrachtungen über Schule und Bildung treffen den berühmten Nagel auf den Kopf. 160 Jahre probiert, was mehr schlecht als recht funktioniert. Mein Fazit daraus: Von der ‚Obrigkeit‘ kann man keine Veränderungen erwarten …
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@stefan_P_62 wir haben offensichtlich sehr kluge Menschen in diesem Land. Warum, zur Hölle, kommen in unserem System immer die an die Spitze (der Macht) die am rücksichtslosesten, schamlosesten und hemmungslosesten sind. Egal ob in der Politik oder in der Wirtschaft.

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #13 … ]

… in einer geteilten Wirklichkeit … Als personalisierte „Wahrheiten im Plural“, die angereichert von Affekten und Emotionen den Status subjektiver Wahrheiten innehaben, entziehen [ ] sich [soziale Medien] einer Nachprüfbarkeit, sind in ihrer Quantität schlicht überschaubar und erweisen sich aus sich selbst heraus als Beleg für die Unmöglichkeit der medialen Wahrheitskonstruktion. …

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“ … [[ … Die bikamerale Psyche ist in der Psychologie eine hypothetische Vorstufe des menschlichen Bewusstseins, die 1976 von Julian Jaynes in seinem Werk The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind postuliert wird. … … Die Hauptthese von Julian Jaynes, die er selbst preposterous („absonderlich“) nennt, besagt: Bewusstsein hat sich in historisch nachweisbarem Ausmaß erst in dem Jahrtausend vor der klassisch-griechischen Hochkultur entwickelt, etwa zwischen 1300 und 700 v. Chr. Die Menschen vor dieser Zeit hatten kein Bewusstsein, das heißt im Sinne Jaynes’ kein autonomes, exekutives Selbst. | https://de.wikipedia.org/wiki/Bikamerale_Psyche]] … Im Interview zeichnet McLuhan ein Bild der Rückkehr: „Wir kehren zurück in den Zustand des bicameral mind, kollektiv, tribal, ohne individuelles Bewusstsein.“ … Der Begriff des „bicameral mind“ stammt ursprünglich vom Psychologen Julian Jaynes, der damit einen präliteralen, vorbewussten Zustand des Menschen beschreibt: ein Denken, das nicht im Sinne innerer Reflexion funktioniert, sondern in dem die rechte Hirnhälfte – bildhaft, akustisch, mythisch – die linke dominierte. Entscheidungen, Intuitionen, Handlungen wurden nicht als inneres Selbstgespräch erlebt, sondern als „Stimmen der Götter“, als Befehle einer externen Autorität. Es war ein Leben in totaler Präsenz, ohne Distanz zwischen Impuls und Reaktion, zwischen Wahrnehmung und Interpretation. … [ Gerade deshalb sollten wir McLuhan nicht auf seine Aphorismen reduzieren. Seine Theorie ist keine Maschinenkritik, sondern eine Form der Selbstbeschreibung moderner Gesellschaft, die den Menschen nicht überschätzt, sondern funktional einordnet. Widerständigkeit? Möglich. Aber selten. Wahrscheinlicher ist, dass das System uns längst mitdenkt – auch wenn wir glauben, ihm zu widersprechen. Juni 2025 um 10:55 ] …“ | Aus: „Das globale Dorf als Brennglas der Gewalt – Ein systemtheoretischer Exkurs mit Marshall McLuhan“ gsohn (3. Juni 2025) | Quelle: https://ichsagmal.com/das-globale-dorf-als-brennglas-der-gewalt-ein-systemtheoretischer-exkurs-mit-marshall-mcluhan/
// https://de.wikipedia.org/wiki/Medientheorie

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Bild: Wechselseitige Irritationen: Social Media, Massenmedien, ‚Öffentlichkeit‘
January 2017, In book: Geschlossene Gesellschaften.
Verhandlungen des 38. Kongresses der DGS.
Publisher: DGSEditors: Stephan Lessenich
Authors: Jan-Felix Schrape, University of Stuttgart

“ … ‚Die Öffentlichkeit‘ bleibt [ ] bis zu einem gewissen Grad stets eine Fiktion (Schmidt 2001). … Die Existenz einer ontologischen Realität als Beobachtungshorizont wird auch aus dieser Perspektive nicht bestritten – diese kann aber keinesfalls beobachterunabhängig erfasst werden – weshalb übergreifende Bezugsgrundlagen wie ein geteiltes Zeit- und Zahlenverständnis, unsere Sprache sowie weitere sozial kristallisierte Symbolstrukturen notwendig werden, um Kompatibilität zwischen den mannigfaltigen Realitätssichten zu schaffen. …“ | Aus: „Wechselseitige Irritationen: Social Media, Massenmedien, ‚Öffentlichkeit‘“ Jan-Felix Schrape (2017) | Quelle: https://www.researchgate.net/publication/320146511_Wechselseitige_Irritationen_Social_Media_Massenmedien_Offentlichkeit‘

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“ … Das Bewusstsein in der Alltagswelt funktioniert subjektiv sinnhaft, intentional und objektbezogen. Damit ist es abgegrenzt von Bewusstseinsformen in anderen Welten: Traum, theoretische Physik, Spiel und im weiteren Sinne auch Kunst und Religion. Eine bestimmte Wirklichkeitsordnung strukturiert die Alltagswelt. Aspekte dieser Ordnung sind Sprache, Technik, soziale Beziehungen, das Hier und Jetzt als Zentrum, die Differenzierung in Nah- und Fernzonen, die Spezifika der Arbeitswelt, Intersubjektivität, verschiedene mögliche Perspektiven, Selbstverständlichkeit, Ausbildung von Routine- und Problembereichen, die Ausbildung eines Erfahrungsrahmens und eine Zeitstruktur, die sowohl das Konzept permanenten Zeitflusses als auch zeitliche Einzelabschnitte denkbar macht. … Das Wissen über Institutionen strukturiert bereits per Sozialisation die Alltagswelt. Sedimente von Wissen und Sinn bilden dazu Traditionen. Rollen werden von den Menschen internalisiert und repräsentieren die gesellschaftliche Ordnung. Diese Institutionalisierung kann verschieden stark durchgesetzt sein. Legitimationskrisen können zu historischer Veränderung führen oder neue Subsinnwelten produzieren. Dabei spielt der Grad der Verdinglichung eine große Rolle: Wie stark werden Gesellschaft oder Rolle als natur- oder gottgegeben wahrgenommen? … Menschen internalisieren subjektive Wirklichkeit über Sozialisation. … Bei einfachen Formen gesellschaftlicher Arbeitsteilung (Bauer, Ritter, …) ist auch die Sozialisation ein einfacher Prozess, resultiert jedoch in starker Identität. … „Wahrscheinlich sind alle Menschen, wenn sie erst sozialisiert sind, latente ‚Verräter an sich selbst‘. Die psychische Schwierigkeit dieses Verrates wird jedoch größer, wenn entschieden werden muß welches ‚Selbst‘ von Fall zu Fall verraten werden soll.“ (S. 181) … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_gesellschaftliche_Konstruktion_der_Wirklichkeit (4. Dezember 2024) – Zu: “ … Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit – ein Werk von Peter L. Berger und Thomas Luckmann. Es erschien 1966 in den USA unter dem Titel „The Social Construction of Reality“. Die deutsche Übersetzung von Monika Plessner wurde 1969 veröffentlicht. Es ist eines der Schlüsselwerke des Sozialkonstruktivismus. …“ | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkonstruktivismus

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„…Anhand konkreter Beispiele von Begegnungen zwischen Frankreich, der BRD, der DDR und Polen, sowohl in Kunstdiskursen als auch in der Kunst der 1960er bis 1980er Jahre, untersucht Mathilde Arnoux die jeweils unterschiedlichen Auslegungen der Konzepte der Wirklichkeit und des Wirklichen und beleuchtet gleichzeitig, inwiefern diese Wahrnehmungen geteilt, un- oder missverstanden werden. Zeitschriften, Kataloge, Kongresse, Museen, Galerien und andere alternative künstlerische Räume erscheinen hier als Foren, in denen die Facetten der jeweiligen Interpretationen durch die verschiedenen Autoren und Akteure der Kunstgeschichte – Künstler, Kunsthistoriker und Kunstkritiker – Gestalt annehmen. Ausgehend von den herausgearbeiteten Abweichungen wie Überschneidungen werden frühere Analysen kritisch zur Diskussion gestellt, um eine neue Perspektive auf die künstlerischen Beziehungen im Europa des Kalten Krieges anzubieten. …“ | Aus: „Geteilte Wirklichkeit – Für eine Geschichte der künstlerischen Beziehungen zwischen Ost und West im Europa des Kalten Krieges“ (2021) | Quelle: https://www.dfk-paris.org/de/publication/geteilte-wirklichkeit-2897.html | https://gab.hypotheses.org/6241

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“ … Wann immer Neuliberale den Sozialstaat attackieren, operieren sie mit dem Begriff der „Wirklichkeit“. … Kurzum: Die „Wirklichkeit“ ist ein außerordentlich legitimitätsheischender Begriff für straffe Marktreformer. Denn wer sich auf die „Wirklichkeit“ beruft, reklamiert für sich die unleugbaren Fakten, die unstrittige Empirie, ja die absolute Wahrheit. Selbst ist man nüchterner Realist, der andere aber – der die „Wirklichkeit“ partout nicht sehen will – lebt demgegenüber in einer Welt von Illusionen und Verdrängungen. Die „Wirklichkeit“ hat etwas Gebieterisches; sie verlangt folgsame Anerkennung, nicht Diskussion oder Erörterung. Der „Wirklichkeit“ hat man sich zu fügen, ihrer inneren Logik ist kompromisslos zu folgen. Sie setzt die Gegebenheiten, sie ist alternativlos und dadurch vernünftig, ja: Sie ist zwingend. Die „Wirklichkeit“ war und ist – kurzum – die stärkste diskursive Waffe neuliberaler Reformer in dieser Welt, um eine Realität zu desavouieren, die ihnen nicht gefällt und um eine „Zukunft“ zu formen, die sodann als einzig wirklich und damit herrisch absolut gesetzt wird. … “ | Aus: „Geteilte deutsche Wirklichkeit“ FRANZ WALTER (27.9.2005) | Quelle: https://taz.de/Geteilte-deutsche-Wirklichkeit/!539748/

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“ … Der Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer, der sich als Enthüllungsjournalist für linke Lebenslügen einen Namen gemacht hat, führte im März 2017 vor, warum es so nahe liegt, von den 68ern auf die Neuen Rechten zu kommen. Über ein Interview mit Rudi Dutschke aus dem Jahr 1967 schrieb er: „Wer beim Zuhören die Augen schließt, erkennt viele Parolen wieder, die heute die rechten Provokateure im Munde führen. Da ist die Schmähung der Regierungskabinette als „institutionalisierte Lügeninstrumente“, die Ablehnung des parlamentarischen Systems als manipulativ und unbrauchbar, die Verherrlichung der neuen Bewegung als eine, die „die wirklichen Interessen der Bevölkerung“ ausdrückt.“ … Zum Glück war Fleischhauer nicht im Archiv der taz. Die erste Ausgabe erschien im April 1979 mit Gedanken von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Rede ist dort von einem Staat, der „jeden Widerstand zu ersticken“ versuche. … Oskar Negt und Alexander Kluge [ ] argumentierten, dass es Gegenöffentlichkeit […] geben müsse, weil in der Öffentlichkeit einer Klassengesellschaft nur theoretisch all das verhandelt werde, was für wirklich alle wichtig ist. In der Praxis würden die Alltagserfahrungen vieler Menschen keine Rolle spielen … Es gibt heute Menschen, die sich in einer Art Diktatur wähnen – in jenem Sinn, in dem bei Oskar Negt und Alexander Kluge 1972 von einer „Diktatur der Bourgeoisie“ die Rede war. Sie wähnen sich in einer Diktatur des Liberalen, die sich nur noch für die Emanzipation immer neuer Minderheiten interessiert: Transgendertoiletten gelten als wichtig, Traditionen nicht. Das ist die Unterstellung. Männer sollen Männer heiraten dürfen, Frauen führen Unternehmen, Kopftücher gehören zu Deutschland, Flüchtlinge dürfen auch einfach rein – es ist nicht mehr so, wie es mal war. Als die 68er den Vertrieb der Bild-Zeitung blockierten oder Zeitungen aus dem Axel-Springer-Verlag verbrannten, da ging es immer auch um die Gefahr von Meinungsmonopolen. Springer kontrollierte damals mehr als 70 Prozent der Tageszeitungen in Westberlin. Die kommentierten die „Polit-Gammler“ und „rote SA“ in Grund und Boden und riefen dazu auf, die „Drecksarbeit“ gegen den „Terror der Jung-Roten“ nicht allein der Polizei zu überlassen. Kurz danach wurde Rudi Dutschke niedergeschossen. …“ | Aus: „Die taz und die Neuen Rechten: Die Lügenpresse, das sind wir“ Klaus Raab (15.4.2017) | Quelle: https://taz.de/Die-taz-und-die-Neuen-Rechten/!5396695/

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“ … Peter Trawny reflektiert leichtfüßig und tiefschürfend zugleich die „Krise der Wahrheit“ demokratischer Gesellschaften – und weist das Beunruhigende als gesellschaftlich produktiv aus … Spannend werden seine Ausführungen auch da, wo sich der Philosoph an der Differenzierung von „Wahrheit“ und „Tatsache“ abarbeitet und damit auch ein wichtiges Schlaglicht auf gegenwärtige Diskussionen um das „(Post-)Faktische“ [ „Als Postfaktizität oder postfaktische Politik wird ein politisches Denken und Handeln bezeichnet, für das Fakten irrelevant sind. “ –> https://de.wikipedia.org/wiki/Postfaktizit%C3%A4t] wirft, bei denen diese Differenzierung oftmals ausbleibt: Im Rekurs auf die Tatsache als historische nachprüfbare Wahrheit (zurückgehend auf die alte Unterscheidung von Tatsachen- und Vernunftwahrheiten [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunftwahrheiten_und_Tatsachenwahrheiten]) eröffnen sich die Möglichkeiten der Diskussion, die vor dem moralisch aufgeladenen Hintergrund einer „Wahrheitsfindung“ versperrt blieben. … Instruktiv ist auch Trawnys Einbettung der Funktionslogik sozialer Medien innerhalb des Wahrheitsdiskurses: Als personalisierte „Wahrheiten im Plural“, die angereichert von Affekten und Emotionen den Status subjektiver Wahrheiten innehaben, entziehen sie sich einer Nachprüfbarkeit, sind in ihrer Quantität schlicht überschaubar und erweisen sich aus sich selbst heraus als Beleg für die Unmöglichkeit der medialen Wahrheitskonstruktion. Gefahren sieht der Philosoph insbesondere in der Relativität eines dehierarchisierten Diskurses von Meinungen ohne Gatekeeper, zumal dieser suggeriert, dass alle diese Meinungen gleichrangig, gleich gültig sind. …“ | Aus: „Freischwebend in der Dauer-Krise“ (Nr. 2, Februar 2022, Kultur- und Medienwissenschaft) Zu: „Peter Trawny: Krise der Wahrheit. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2021“ | Quelle: https://literaturkritik.de/trawny-krise-der-wahrheit,28611.html

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“ … Da ein wachsendes Misstrauen in die Unterscheidung von Realität und Fiktion unsere Gegenwart prägt, begab sich das Duo (Andrea Orejarena & Caleb Stein) seit 2020 auf Social Media und fotografisch auf Erkundungstour. Entstanden ist ein erstes Archiv mit über 2.000 Fotografien und aktuellen Bildformen, das den Einfluss von Verschwörungsnarrativen auf die amerikanische Gesellschaft und die individuelle Wahrnehmung manifestiert. Diese Auseinandersetzung mit Bildern, die teils mit Augenzwinkern, teils mit paranoidem Blick, unser Verhältnis zur Wirklichkeit hinterfragen, haben Orejarena und Stein in ein eigenes fotografisches Konzept weiterentwickelt, das lose einem Atlas verschwörungstheoretischer Schauplätze in den USA folgt. Ihre Serie American Glitch dokumentiert die Landschaften der USA ausgehend von viralen Bildwelten als Simulation. … TACTICS AND MYTHOLOGIES ist die erste Ausstellung der neuen Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe »Viral Hallucinations«, die von 2024 bis 2026 die Rolle fotografischer und KI-generierter Bilder für den wachsenden gesellschaftlichen Einfluss von Verschwörungstheorien adressiert. …“ | Aus: „TACTICS AND MYTHOLOGIES“ (2024) | Quelle: https://deichtorhallen-onlineshop.de/products/american-glitch-a-orejarena-c-stein-signed

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“ … Arendt beschreibt im Zusammenhang mit Angriffen der Politik auf Tatsachenwahrheiten die Manipulation der Geschichtsschreibung durch die Politik. Als Beispiel nennt sie Leo Trotzkis Rolle in der Russischen Revolution, die in keinem sowjetischen Geschichtsbuch erwähnt werde. … Zwischen der politischen Vision sowie den eigenen Interessen einerseits und der Lüge andererseits gebe es enge Verbindungen. Eine Konsequenz daraus sei, dass Politiker es mit den Tatsachen nicht so genau nähmen. Anders verhalte es sich mit der Wahrheit, denn sie sei „das, was der Mensch nicht ändern kann; metaphorisch gesprochen ist sie der Grund, auf dem wir stehen, und der Himmel, der sich über uns erstreckt.“ Wahrheiten stehen also im Gegensatz zu Meinungen und Urteilen, die veränderbar sind. „Die Schwierigkeit liegt darin, daß Tatsachenwahrheit wie alle Wahrheit einen Gültigkeitsanspruch stellt, der jede Debatte ausschließt, und die Diskussion, der Austausch und Streit der Meinungen, macht das eigentliche Wesen allen politische Lebens aus.“ Jedoch bleiben die Tatsachen wesentlich für die Beurteilung von Meinungen und beschränken die Möglichkeit der Meinungsbildung: „Tatsachen sind der Gegenstand von Meinungen, und Meinungen können sehr verschiedenen Interessen und Leidenschaften entstammen, weit voneinander abweichen und doch alle noch legitim sein, solange sie die Integrität der Tatbestände, auf die sie sich beziehen, respektieren.“ – Hannah Arendt (Wahrheit und Politik. Berlin 2006, S. 23.) …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit_und_Politik (21. Oktober 2024)

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Gestellte Szenen: Mord und Totschlag mutete der Fotograf Eugène Appert den Betrachtern seiner Bildserie „Verbrechen der Commune“ zu. Allerdings sind die Szenen von Schauspielern nachgestellt und von Appert anschließend zusammengesetzt worden. Die Gesichter der Statisten ersetzte er durch die von Anhängern der Kommune. Das von Regierungstruppen an Kommunarden 1871 verübte Massaker setzte er dagegen nicht in Szene. Foto: Joyce F. Menschel Photography Library Fund
via „Aus den Anfängen der Bildbearbeitung Lincolns Kopf und Calhouns Körper“ [… schon kurz nach Erfindung der Fotografie wurde kräftig manipuliert – indem man Köpfe und Körper austauschte oder sogar Hinrichtungsszenen mit Schauspielern nachstellte. 13.10.2014] | Quelle: https://www.spiegel.de/fotostrecke/fruehe-bildmanipulationen-fotostrecke-119928.html

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„… Es ist wie ein sozialer Schock, wenn auf solche Weise plötzlich der Vorhang fällt, wenn sich alles Politische in der virtuellen Welt auf einmal wie in einem Theater darstellt, wenn offenkundig wird, dass der radikale Verteidiger der Internetzensur ebenso einen freien Zugang zum Internet hat wie jener bekannte Journalist, der bis dato so engagiert gegen den Filtermechanismus des Internets geschrieben hat, als sei er selbst ein Opfer der Zensur. Plötzlich registriert die Internetgemeinde, dass es keine Fronten mehr gibt, dass alle, Feinde wie Freunde, Insassen eines Boots auf einer sehr rauen See sind, die nur unterschiedliche Rollen spielen. … «Die Legitimität einer Herrschaft hängt von vielem ab, dazu gehört zweifellos die Gleichberechtigung in der Kommunikation», schrieb am vergangenen Dienstag die reformernahe Tageszeitung «Ham Mihan» und fügte hinzu, wenn in den sozialen Netzwerken eines Landes der häufigste Verweis dem Buch «Farm der Tiere» von George Orwell gehöre, dann müsse die Herrschaft dieses Landes über ihre Legitimität lang nachdenken. …“ | Aus: „Musk demaskiert. Das Internet als Herrschaftsinstrument“ Ali Sadrzadeh (5. Dezember 2025) | Quelle: https://www.journal21.ch/artikel/musk-demaskiert-das-internet-als-herrschaftsinstrument

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“ … Was als Maßnahme zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit konzipiert war, entwickelte sich binnen Stunden zu einem PR-Desaster für diverse politische Influencer. Zahlreiche Accounts, die sich als US-amerikanische Patrioten oder Anhänger der „America First“-Bewegung inszenierten, wurden durch die Anzeige in Ländern wie Nigeria, Russland oder Bangladesch verortet, also klassischen Ländern, in denen sogenannte Trollfarmen betrieben werden. …“ | Aus: „Auslandstrolle: Neues X-Feature entlarvt massenweise Trump-„Fans““ Witold Pryjda (24.11.2025) | Quelle: https://winfuture.de/news,155146.html

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EffEll am 24.11.25 um 13:46 Uhr
wer hätte das gedacht?!

logo00 am 25.11.25 um 18:58 Uhr
… Ich behaupte jetzt aber mal ganz frech, dass das so gut wie jedes digitale Medium betrifft. Leider …

Günther H.
Natürlich sind es die VPN-Adressen. Das Internet ist unfassbar blöd und fehlgeleitet, mir japanische oder rumänische Werbung einzublenden, wenn ich über einen dortigen Server eingeloggt bin, obwohl klar sein sollte, daß ich das wahrscheinlich gar nicht lesen kann.

Tom N.
Warum sollte jemand der in den USA lebt einen weit entfernten VPN in Nigeria oder Pakistan auswählen? …

[Kulturelles Unterbewusstsein #11 … ]

Jenseits der UFA – Zum Scheitern des deutschen Nachkriegsfilm
von Alexander Bohr u. Peter H. Schröder (2002)
–> https://youtu.be/V84fhWEROIc

Die Dokumentation begleitet den deutschen Nachkriegsfilmen der Produktionsjahre 1946 bis 1948. Mit Hilfe von Filmausschnitten, Wochenschauen und Interviews werden die ersten Gehversuche des deutschen Films nachgezeichnet. … “ … harte Zeiten verlangten nach Ablenkung, und so trägt die Dokumentation ,,Jenseits der Ufa“ … nicht umsonst den Untertitel ,,Zum Scheitern des deutschen Nachkriegsfilms“. Denn schon bald hieß es: Keine filmischen Experimente mehr! Zwar mochte die Ufa als Staatskonzern zerschlagen worden sein, doch ihr charakteristischer Stil lebte in der restaurativen Adenauer-Ära fort. Das westdeutsche Publikum wandte sich bald schon lieber den ,,Schwarzwaldmädeln“ und ,,Försterchristeln“ jener Jahre zu. Nachdenken? Unerwünscht! Heimatfilme, Militärklamotten und Schlagerseligkeiten bestimmten nun das Kinoprogramm. Und im Osten? Da beschnitt die Staatszensur künstlerische Freiheiten. …“ | Aus: „Düstere Zeit des deutschen Films“ (20.07.2002) | Quelle: https://www.noz.de/deutschland-welt/panorama/artikel/vermischtes-duestere-zeit-des-deutschen-films-23970264

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Kontexte:

“ … Die deutsche „Traumfabrik“ scheint durch idyllische Bilderreihen einen ganz bestimmten Zweck zu verfolgen und dabei einer Ideologie gewahr zu sein. Der Heimatfilm bewahrte diese Ideologie durch seinen Inhalt und seine spezifische Bildersprache. Daher war es erforderlich, die Trümmerwirklichkeit auszublenden, um diese Illusion des Vollkommenen zu erzeugen, aber auch um den Anschein zu erwecken, dass die deutsche Realität nicht so problematisch war, wie man allgemein annehmen könnte. Anstelle dessen wurden unberührte Wälder und Berge präsentiert, Halbwahrheiten, die von sentimentalem Kitsch erfüllt waren. Die Harmonie und heile Welt erfüllte den Wunsch nach „einem unkomplizierten und unbelasteten Vaterland“. Die deutsche Filmindustrie bediente diese Sehnsüchte und lieferte dem Publikum entsprechende Bilder bis weit in die 1960er Jahre. …“ | Aus: „„Fiktion als widerständiges Element in Alexander Kluges ABSCHIED VON GESTERN (1966/67)“ von Hüseyin Kocintar (Diplomarbeit – Wien, 2015), pdf (89 Seiten) | Quelle: https://services.phaidra.univie.ac.at/api/object/o:1313997/get


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„Medien der 1950er Jahre (BRD und DDR)“
Marburger Hefte zur Medienwissenschaft: 54 / 55
Es geht um eine Neubestimmung einer Zeit und um die Einordnung einer Zeit in die vorhandenen mediengeschichtlichen Rahmen. … (pdf 192 Seiten, 2012)
–> https://mediarep.org/server/api/core/bitstreams/b62c9297-6319-4242-ba54-79eecf5efdad/content

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LINK ACCUMULATOR :: [Filmgeschichte (Notizen)… ]
–> https://www.subf.net/linklist/index.php/topic,206.0.html

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #12]

… Was wir in der Schule gelernt haben, als Aufklärung zu sehen, ist einerseits der Kampf gegen den schlimmsten religiösen Obskurantismus und die absolutistische Willkür, andererseits ein gewisser Kult der Vernunft. (Philipp Blom)

„Wikipedia-Gründer Jimmy Wales: Warum Vertrauen Wissen schafft“ (SRF, 2025)
Video –> https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/wikipedia-gruender-jimmy-wales-warum-vertrauen-wissen-schafft?urn=urn:srf:video:3544c466-b1b3-4a26-81f3-112ef57aebab (1:00:41)

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Kontext #1:

Götz Hamann: “ … Diderots Encyclopédie schien den Kontinent zu erleuchten. Sie war ein Angriff auf das christliche Weltbild, das Primat der Kirche und die von Gott abgeleitete Macht der Könige. Denn sie stellte Vernunft, wissenschaftliche Methoden und die Empirie über den Glauben und gilt als das wichtigste Werk der Aufklärung. Das blieb nicht ohne Kritik. Da Diderot seine Haltung auch in diversen Essays kundgetan hatte, war er noch vor Erscheinen der ersten Bände verhaftet worden und mehrere Monate lang inhaftiert gewesen. Danach wurde er vorsichtiger … Denis Diderot und sein Freund und Kollege Jean Baptiste le Rond d’Alembert schrieben ihr Lexikon gemeinsam mit 142 sogenannten Enzyklopädisten. Wissenschaftler aus ganz Europa trugen dazu genauso bei wie die Intellektuellen der französischen Aufklärung und Revolution: der Staatstheoretiker und Philosoph Montesquieu; der Schriftsteller und politische Autor Voltaire; und nicht zuletzt Jean Jacques Rousseau. Doch außer ihnen lud Diderot auch Handwerker ein, machte sie zu Autoren, stellte ihre Kenntnisse gleichberechtigt neben die von Künstlern und Philosophen. Ein Uhrmacher beschrieb die Mechanik eines Uhrwerks, ein Kartograph teilte sein Wissen über die Vermessung der Erde. … Diderot arbeitete fast zwanzig Jahre an dem Lexikon, ein Lebenswerk. Fertig wurde er nicht. Nach 17 Textbänden und einigen zugehörigen mit Tafeln und Bildern übergab er seinen Nachfolgern die Aufgabe, es zu beenden. Sie taten es mit Bravour … 1780 erschien der letzte Band, Nummer 35. … “ | Aus: „Das gesammelte Wissen der Welt“ (17. Januar 2011) | Quelle: https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2011-01/wikipedia-diederot

„Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ („Enzyklopädie oder ein durchdachtes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke“) … | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Encyclop%C3%A9die_ou_Dictionnaire_raisonn%C3%A9_des_sciences,_des_arts_et_des_m%C3%A9tiers


“ […] Lukas Luger: … [Paris, wenige Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution: Im Salon des Barons d’Holbach treffen sich die größten Denker Europas, um ihre radikalen Ideen zu diskutieren. Der Historiker Philipp Blom hat in seinem Buch „Böse Philosophen“ ihre Geschichte niedergeschrieben.] In Ihrem Buch [Böse Philosophen. Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung. Carl Hanser Verlag, München 2011., 400 Seiten, ISBN-13: 9783446236486] setzen Sie sich für eine Wiederentdeckung der radikalen Strömung der Aufklärung ein. Warum verdient ein Philosoph wie Denis Diderot im 21. Jahrhundert eine Rehabilitierung? [Wo stecken die Denis Diderots von heute? … ]
Philipp Blom: … Was wir in der Schule gelernt haben, als Aufklärung zu sehen, ist einerseits der Kampf gegen den schlimmsten religiösen Obskurantismus und die absolutistische Willkür, andererseits ein gewisser Kult der Vernunft. … Der Austausch des Wissens ist heute global und sehr von kommerziellen Gesichtspunkten geprägt. Grundlegende Debatten sind kaum noch möglich, das System ist heute viel diffuser. Es gibt viel mehr kleine Stimmen, die sich in bestimmten Gebieten zu Einzelfragen unterhalten. Aber eine große revolutionäre Stimme, die unser aller Leben verändert, gibt es nicht mehr. … Diderot zum Beispiel hätte gerne an Gott geglaubt. Er war in seiner Jugend sehr fromm, wollte Jesuit werden. Irgendwann hat er aber begriffen, dass sein Bedürfnis zu glauben etwas ist, dem er nicht nachgeben darf, weil es rational falsch ist. In jeder Philosophiestunde lernt man, wie wichtig es ist, die richtigen Fragen zu stellen. Aber niemand sagt einem, wie schwierig es ist, mit den Antworten, die man sich erarbeitet, zu leben. Vielleicht kommen sie auf Ergebnisse, die ihren ureigensten Instinkten, ihren Lebenseinstellungen gar nicht entsprechen. Den Mut zu finden, gegen sein Bauchgefühl anzudenken – das habe ich von Diderot mitgenommen. …“ | Aus: „Buch über radikale Denker – Interview mit dem Autor Philipp Blom“ Lukas Luger (14. Oktober 2011) | Quelle: https://www.nachrichten.at/kultur/Buch-ueber-radikale-Denker-Interview-mit-dem-Autor-Philipp-Blom;art16,736236

Zeichnerische Darstellung einer Camera obscura aus der Encyclopédie

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Denis Diderot (* 5. Oktober 1713 in Langres; † 31. Juli 1784 in Paris)
https://de.wikipedia.org/wiki/Denis_Diderot

Als Enzyklopädisten werden die 144 namentlich bekannten Beiträger der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers bezeichnet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklop%C3%A4dist_(Encyclop%C3%A9die)

Obskurität (von lateinisch obscuritas „Dunkelheit, Unverständlichkeit“) … Obskurantismus bezeichnet keine feststehende Weltanschauung. Obskurantismus und die Bezeichnung für dessen Anhänger, Obskurant, wurden als kritische Bezeichnungen etabliert. Diejenigen, die sich als Vertreter einer der Aufklärung verpflichteten Denkweise sahen, benutzten das Wort als rhetorisches Mittel. Die anderen, deren Positionen ihnen als „anti-aufklärerisch“, „metaphysisch“ oder „religiös“ galten, wurden mit der Zuschreibung, Anhänger eines Obskurantismus zu sein, belegt. … Meyers Konversationslexikon in der Ausgabe von 1888 erklärt die Obskuranten schließlich zu „Finsterlingen“: „Obskurantismus (lat.), Gegensatz zu Aufklärung (–> Aufklärung: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung), sowohl die Hinneigung zur geistigen Dämmerung als das System, alle Aufklärung von andern abzuhalten. Die Anhänger des Obskurantismus heißen Obskuranten (Finsterlinge).“ … | Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Obskurit%C3%A4t (31. Mai 2025)

[Mythen meiner Kindheit #29… ]

„… Märchen wurden bis zur Romantik von Erwachsenen für Erwachsene erzählt und erst danach zur Kinderunterhaltung degradiert. … “ (Aus: „Die Wahrheit im Märchenspiegel“, 18. August 2009, Quelle: https://www.wissenschaft.de/gesellschaft-psychologie/die-wahrheit-im-maerchenspiegel/)

“ … Henry van de Velde bezeichnete das Sanatorium Kohnstamm als Zufluchtsstätte vieler Intellektueller während des Ersten Weltkrieges. Sein Patient Gerdt von Bassewitz schrieb in diesem Sanatorium das Märchen Peterchens Mondfahrt und nahm die Kinder des Ehepaars Kohnstamm zum Vorbild für die Protagonisten. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Oskar_Kohnstamm

[ … “Peterchens Mondfahrt” erschien zuerst 1911 als Buchausgabe – 1915 mit Illustrationen von Hans Baluschek … ]: “ … Eines Abends kommt Herr Sumsemann in das Zimmer von Peterchen und Anneliese. Dort entgeht er nur knapp dem Schicksal seiner Vorfahren, von der Zofe totgeschlagen zu werden, und versteckt sich hinter einem Vorhang. Von dort beobachtet er, wie die beiden Kinder von ihrer Mutter mit seiner Maikäfer-Ballade in den Schlaf gesungen werden. Das macht ihm Mut; er sieht sich im Kinderzimmer um und beginnt, auf seiner Geige einen Maikäfertanz zu spielen, wobei er immer ausgelassener herumhüpft. Davon erwachen Peterchen und Anneliese wieder und schauen belustigt zu. Nachdem man sich vorgestellt hat, erzählt Herr Sumsemann den neugierigen Kindern die traurige Geschichte von seinem sechsten Beinchen und beide erklären sich bereit, ihm zu seinem fehlenden Beinchen zu verhelfen. Bei einem Zaubertanz lernen die Kinder nun von ihm das Fliegen. Als das klappt, machen sie sich mit zwei Körbchen voller Äpfel als Proviant, Anneliese mit Puppe und Peterchen mit Hampelmann im Arm, auf den Flug zum Mond, während der Maikäfer unermüdlich geigt. … Mit der Mondkanone müssen die beiden Kinder und der Maikäfer auf den großen Mondberg geschossen werden, da eine Besteigung auf andere Art nicht möglich ist. Dort steht aber jene Birke, an der das sechste Beinchen des Herrn Sumsemann hängt. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Peterchens_Mondfahrt

“ … Kunstmärchen (in jüngerer Zeit auch: Moderne Märchen) sind eine spezielle Ausprägung der Literaturgattung des Märchens. Im Gegensatz zu den Volksmärchen ist die Urheberschaft von Kunstmärchen einem bestimmten Dichter oder Schriftsteller zuzuordnen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Kunstm%C3%A4rchen

Nachtrag #1:

“ … Die Nationalsozialisten setzten Baluschek 1933 als „marxistischen Künstler“ von seinen Ämtern ab und schlossen ihn später von allen Arbeits- und Ausstellungsmöglichkeiten aus. Seine Werke brandmarkten sie als „Entartete Kunst“ im Gegensatz zur sogenannten „Deutschen Kunst“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Baluschek

„Hans Baluschek und das Gewissen der Zeit“ Ulrich Horb (25. Januar 2020)
Baluschek, so schildert es Meißner, malte und zeichnete aus der Erinnerung. Es gibt nur wenige Skizzen. Die Motive, die er beobachtete, sind „trotz Detailfülle und topographisch genau anmutender Ortsangaben nicht vor der Natur entstanden“. Es sind meist verdichtete und typische Zeugnisse des Elends in den Arbeiterquartieren und den Fabriken, die sich Baluschek einprägte und in seinen Bildern zusammenfügte. …
https://geschichten-aus.berlin/hans-baluschek-und-das-gewissen-der-zeit/

Hans Baluschek 1870-1935
Maler, Graphiker, Schriftsteller
https://www.dhm.de/lemo/biografie/hans-baluschek

Hans Baluschek
https://www.stadtmuseum.de/artikel/hans-baluschek

[Zeit im Bild #81 … ]

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“ … Zwischen gestern und morgen ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahre 1947 von Harald Braun. Er ist dem Genre des für die ersten Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland typischen Genre des Heimkehrer- und Trümmerfilms zuzuordnen. … Die zeitgenössischen Kritiken wie die rückblickenden der Adenauer-Jahre fielen durchaus positiv und milde aus, während in späteren Jahren in bisweilen scharfem Ton die Unverbindlichkeit, das Unanalytische und das Selbstmitleid dieses Streifens und auch zahlreicher anderer Filme jener Jahre vor der Gründung beider deutscher Staaten (1949) attackiert wurde. … Buchers Enzyklopädie des Films setzte sich intensiv mit der generellen Problematik des Trümmerfilm-Genres auseinander: „Typischer für die frühe deutsche Nachkriegsproduktion waren allerdings die ab 1947 entstandenen Trümmerfilme, Werke, die sich mit der Nazizeit aus dem ratlos-verkaterten Blickwinkel des Hinterher auseinandersetzten und viele gut gemeinte Ansätze durch eine Beschränkung auf das Klagelied des ohnehin machtlosen, kleinen Mannes zunichte machten oder sich in allgemeine Anklagen verloren, die niemanden trafen, weil alle zu den Betroffenen zählten. Typisches Beispiel dafür waren Harald Brauns Zwischen gestern und morgen oder Wolfgang Liebeneiners Liebe 47…“ … Für Ludwig Marcuse bildet sich mit diesem Film und seiner Story [https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischen_gestern_und_morgen#Handlung], auch auf dem Hintergrund der eigenen Emigrationserfahrung, das grundsätzliche Verhältnis der Deutschen zu seinen rückkehrenden Emigranten ab: „Ich habe gehört: da ist jetzt der erste Film einer deutschen Firma in der USA-Zone; man sollte ihn nicht vergessen. (…) Das schwere deutsche Problem, 1948, lautet: soll man einem Emigranten die Hand geben, der zwar nicht Österreich, die Tschechoslowakei, Polen, Belgien, Holland, Frankreich, Finnland, Dänemark und Norwegen gestohlen hat … aber vielleicht ein Schmuckstück? Gott sei Dank findet sich plötzlich das Gesuchte. Der Emigrant ist rehabilitiert. Man braucht zur Interpretation keine Tiefenpsychologie: der Emigrant muss beweisen, dass er sich anständig benommen hat. Dann erst kann man ihm die Hand geben. Wem er die Hand geben kann, wird nicht in Betracht gezogen.“… “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischen_gestern_und_morgen
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“ … „Wir sind auf der Suche nach Vätern, das ist kein Vergnügen – nach Vätern, die die Wahrheit sagen, nach Vätern, die, weil sie die Wahrheit schon einmal tausend Jahre verschwiegen haben, die Folgen dieses Schweigens jetzt endlich einsehen und bereuen, nach Vätern, die uns ihre Reue mitteilen und die mit uns zusammen nachdenken über die Wege, die sie gegangen und die jetzt zu gehen sind.“ — Nicht mehr, aber auch nicht weniger fordert Klaus Köhler von den deutschen Vätern. Klaus Köhler ist der Protagonist von Christian Geisslers Debütroman „Anfrage“. Als das Buch 1960 im westdeutschen Claassen Verlag erschien, provozierte es erhitzte Reaktionen … [es] wurden Stimmen laut, der Autor müsse wegen Landesverrats angeklagt werden [Zum Buch: Christian Geissler: „Anfrage“. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Detlef Grumbach. Berlin 2023. 344 Seiten]. Andere waren begeistert. „Dieses Buch ist leidenschaftlich und rücksichtslos, radikal und aggressiv, zornig und hemmungslos. Und es ist gleichzeitig unreif, oft sehr naiv, unbeholfen, mitunter sentimental und melodramatisch“, schrieb Marcel Reich-Ranicki. Ralph Giordano nannte es „ein Buch, das um sich beißt, kratzt, schlägt, faucht und sticht“. Geisslers Roman zeichnet sich in der Tat durch einen heiligen Zorn aus. Dieser Zorn lässt ihn solitär in der deutschen Literaturlandschaft der ersten Nachkriegsjahrzehnte stehen. …“ | Aus: „Die Schuld der bequemen Ratlosigkeit“ Ulrich Gutmair (28.7.2023) | Quelle: https://taz.de/Roman-aus-dem-Jahr-1960/!5947623/
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“ …“Die Ehe der Maria Braun“ ist ein Spielfilm von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1979. … Fassbinder nutzt diese melodramatische Geschichte, um einen distanziert-pessimistischen Blick auf die unmittelbare Nachkriegszeit in Westdeutschland zu werfen. Maria Braun wird dabei vielfach als Verkörperung des Wirtschaftswunders gesehen, das Wohlstand nur um den Preis des Verdrängens von Gefühlen brachte. …“ | [ Siehe auch: Sabine Pott: Film als Geschichtsschreibung bei Rainer Werner Fassbinder. Peter Lang GmbH Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2001. 2. durchgesehene Auflage 2004. ISBN 3-631-51836-6, S. 19–99. ] | Aus: „Die Ehe der Maria Braun“, Datum der letzten Bearbeitung: 2. September 2025, 20:13 UTC, Versions-ID der Seite: 259408625
Permanentlink: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Die_Ehe_der_Maria_Braun&oldid=259408625, Datum des Abrufs: 13. Oktober 2025, 09:10 UTC


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“ … Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass epigenetische Informationen die Grenze der Generationen nicht überschreiten können. Wissenschaftler nahmen an, dass das epigenetische Gedächtnis, das während des gesamten Lebens angehäuft wurde, bei der Entwicklung von Spermien und Eizellen vollständig gelöscht wird. Erst vor kurzem wiesen mehrere Studien nach, dass epigenetische Markierungen tatsächlich an folgende Generationen weitervererbt werden – aber wie genau und welche Auswirkungen dies auf die Nachkommen hat, blieb bisher unklar. … „Unsere Studie legt den Schluss nahe, dass wir mehr als nur Gene von unseren Eltern erben. …“ | Aus: „Epigenetik zwischen den Generationen“ (13. Juli 2017) [[Zenk F, Loeser E, Schiavo R, Kilpert F, Bogdanovic? O, Iovino N, Germ line–inherited H3K27me3 restricts enhancer function during maternal-to-zygotic transition. Science; Vol. 357, Issue 6347, pp. 212-216; July 14th, 2017]] | Quelle: https://www.mpg.de/11396064/epigenetik-vererbung

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„… Inzwischen gibt es „eine Flut von Veröffentlichungen zum Thema generationaler Weitergabe früher Traumatisierung“, wie die Psychosomatikerin Christiane Waller schrieb … Im Jahr 2017 berichtete der Wissenschaftsjournalist Michael Lange im Deutschlandfunk über die Neuroepigenetik, die bemüht sei zu klären, ob und wenn ja, wie sich traumatische Erlebnisse jenseits evolutionärer Prozesse, in denen Mutation und Selektion bestimmend sind, im Erbgut verankern und auf nachfolgende Generationen übertragen. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Transgenerationale_Weitergabe

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“ … [Zu: Ines Geipel: „Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass“. Klett-Cotta, Stuttgart 2019, 377 S.] … Dieses Buch schmerzt. Es erzählt über den Schmerz, den eine Familie erleidet. „Umkämpfte Zone“, das [ ] Buch von Ines Geipel, fügt aber auch Schmerzen zu. In dem Band über „Meinen Bruder, den Osten und den Hass“ wird das Unterste der Familie Geipel zuoberst gekehrt. All die Angst und der Hass und die Traumata, die die Geipels durch das 20. Jahrhundert hinüber in das unsere mitschleppen und die sie knebeln. In „Umkämpfte Zone“ wird das Nichtgesagte bloßgelegt und anschließend besprochen wie eine klaffende Wunde. [… Ines Geipels] Buch über die Kontinuität von Gewalterfahrungen erzählt [eben diese] auf eindrucksvolle Weise. …“ | Aus: „Keinerlei Hemmungen“ Anja Maier (5.4.2019) | Quelle: https://taz.de/Umkaempfte-Zone-von-Ines-Geipel/!5583141/
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mowgli, 05.04.2019, 22:30 Uhr: “ … Aha. „DIE Wut im Osten“ hat also nur eine einzige Quelle. Die, die Ines Geipel aus eigener Anschauung kennt. Schon irgendwie erstaunlich bei zuletzt 18 Millonen DDR-Bürgern! Im Westen scheint es DIE Wut nicht zu geben. Da hat jeder ein Recht auf seine eigenen, individuellen Gründe, richtig? – Echt mal, werte Anja Maier: Ines Geipel ist sicher eine ganz tolle Schriftstellerin, aber sie zum Stellvertreter für gleich ein paar Millionen Leute zu machen, nimmt ihr ihre Individualität als Opfer. Das ist nicht fair, finde ich. Ines Geipel hat ein Recht darauf, dass ihre Geschichte IHRE Geschichte bleibt und nicht zur Geschichte aller Ossis gemacht wird. Wir sind ja schließlich nicht in Nordkorea. Nicht jeder, der heute Wut hat, hatte überzeugte Nazi-Großeltern und brutale Stasi-Eltern. Manch einer hat seine Wut auch aus den frühen 90-ern oder sogar erst nach 2000 erworben. Und überhaupt: Wütend zu sein, ist kein Alleinstellungsmerkmal der ,,Ossis“. Die Strukturen, die Menschen in die Raserei treiben, gibt es anderswo auch. Und immerhin haben wir Deutschen ja eine gemeinsame (Vor-)Kriegsgeschichte. Die wirkt in uns allen irgendwie nach. Der Ü30-Durchschnitts-Ossi ist womöglich nur immer noch etwas weniger dick lackiert als der Ü30-Durchschnitts-Wessi mit bürgerlichem Hintergrund. Er ist ja nicht so intensiv aufs Karrieremachen vorbereitet worden. Er sollte eher Arbeiter oder Bauer werden. …“
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76530, 06.04.2019, 10:43 Uhr @mowgli: “ … Ich kann Sie beruhigen: Wut ist in der Tat kein Alleinstellungsmerkmal der „Ossis“. Auch [der] Bruder [der Wut], der Zorn, nicht. Ja, es gibt gewisse Strukturen auch im Westen, die auch in uns nachwirken. Je nach Person sehr unterschiedlich stark ausgeprägt. Wie ich erst kürzlich mit einem früheren Kollegen [besprach], brechen im Alter ohnehin die Abwehrmechanismen auf, spielen Statusfragen, Karrieredenken et. al. keine große Rolle mehr. Es geht dann früher oder später nur noch an’s Eingemachte. …“

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