Kategorie: Gedanken.Memo

[Wirklichkeitsbezug #14 … ]

“ … There is a happy land where only children live
They don’t have the time to learn the ways
Of you sir, Mr. Grownup
There’s a special place in the rhubarb fields underneath the leaves
It’s a secret place and adults aren’t allowed there, Mr. Grownup

… Sissy Steven plays with girls, someone made him cry
Tony climbed a tree and fell, trying hard to touch the sky
Tommy lit a fire one day, nearly burned the field away
Tommy’s mum found out, but he put the blame on me and Ray
There is a happy land where only children live
You’ve had your chance and now the doors are closed …“

„There Is A Happy Land“ (David Bowie, 1967)
—> https://youtu.be/RqNHo1gXKlo

-.-

// https://de.wikipedia.org/wiki/David_Bowie_(Album) (1967)


[Mythen meiner Kindheit #17… ]

Ein 1965 Ford Galaxie 500 in „The Streets of San Francisco“ (Fernsehserie 1972-1977)
via https://www.imcdb.org/vehicle_178717-Ford-Galaxie-500-1965.html

“ … Lieutenant Mike Stone und Inspector Steve Keller (Heller) rasten stets in einem Ford Galaxie durch die Strassen von San Francisco. …“ | https://www.fuw.ch/article/the-streets-of-san-francisco

“ … Maldens Physiognomie mit der charakteristischen Knollennase widersprach allen Hollywood-Klischees. … “ | https://www.wienerzeitung.at/archiv/portraets/75551-Karl-Malden.html

[Zeit im Bild #61 … ]


Julia Schröder (28.02.2021): “ … Anfang der Achtzigerjahre, als Gibson begann, vom Cyberspace zu erzählen, hatte kaum ein Mensch auch nur eine schattenhafte Vorstellung, was das Internet einmal sein würde. Auf Seite 83 von „Neuromancer“ – da ist vom Cyberspace bereits mehrfach und handlungsentscheidend die Rede gewesen – bietet der Autor einen freundlichen Service für seine ahnungslose Leserschaft und lässt seinen Helden Case eine Definition abspielen. Aus einer Kindersendung, wohlgemerkt: „Die Matrix hat ihre Wurzeln in primitiven Videospielen […], in frühen Computergrafikprogrammen und militärischen Experimenten mit Schädelelektroden. […] Cyberspace. Eine Konsens-Halluzination, tagtäglich erlebt von Milliarden zugriffsberechtigter Nutzer in allen Ländern […] Eine grafische Wiedergabe von Daten aus den Banken sämtlicher Computer im menschlichen System. Unvorstellbare Komplexität. Lichtzeilen im Nicht-Raum des Verstands, Datencluster und -konstellationen. Wie die zurückweichenden Lichter einer Stadt … Wer heute vom „Cyberspace“ redet, denkt nicht mehr an psychedelische Trips durch fantastische Welten in 3D, sondern bestenfalls an hyperrealistisch designte Online-Spiele. Das real existierende World Wide Web ist bekanntlich längst ökonomisch, politisch und geostrategisch durchkolonisiert und in Plattform-Claims aufgeteilt – und kaum mehr erinnerlich als Gefilde von Freiheit und Abenteuer. … Denn die „Neuromancer“-Trilogie zählt nicht zu der Sorte Parabeln, deren Botschaft sich eindeutig herauspräparieren lässt. Sie hat eher die Eigenschaften eines großen, nicht endenden Traums, der sich fortsetzt, wenn die letzte Seite umgeblättert ist. In diesen Traum, so geht dem Leser auf, ist die Menschheit immer tiefer hineingeraten, und nicht erst, seitdem das alle und alles verbindende Netz Wirklichkeit geworden ist. Es ist die „Konsens-Halluzination“ aus der Kindersendungsdefinition. … Aus dem Eklektizismus, mit dem er die kokett ausgestellte Coolness von Hard-Boiled und Noir mit dem Drive des Beat und der ironischen Oberflächenlust der Postmoderne verblendet, gewinnt Gibson etwas ganz Eigenes. … “ | Aus: „William Gibson: „Neuromancer“ – Die Gegenwart der Zukunft“ | Quelle: „https://www.deutschlandfunk.de/william-gibson-neuromancer-die-gegenwart-der-zukunft-100.html
// https://de.wikipedia.org/wiki/Neuromancer-Trilogie
-.-
“ … Jochen Wegner: Wenn man frühe Gibson-Werke wieder liest, stellt man fest, wie selbst manche abseitigen Details darin im Laufe der Jahrzehnte wahr werden, und seien es selbstfahrende Autos mit künstlicher sozialer Intelligenz. Kann es sein, dass Ihre Bücher selbsterfüllende Prophezeiungen sind? Vielleicht bauen einflussreiche Computerwissenschaftler den Cyberspace einfach nach Ihren Ideen?

Gibson: … In Wahrheit bin ich lediglich ein Archäologe der Gegenwart, ich nehme die Dinge anders wahr. Wenn ich mit meinem jüngeren Selbst telefonieren würde und der junge Bill würde mich fragen: „Welche coole Technologie trägst du gerade bei dir?“, dann müsste ich antworten: „Ich habe einen riesigen Farbbildschirm in der Tasche, damit kann ich mit der ganzen Welt telefonieren, obwohl er keine Tasten hat, sondern nur Tastenattrappen. Wir sind alle mit diesem unsichtbaren Ding verbunden, das Internet heißt, und die Leute schicken sich damit Katzenbilder und schauen Pornos, und zwar kostenlos.“ Was soll er nur von uns denken? …

Jochen Wegner: Viele Ihrer frühen Werke sind vom positiven japanischen Fortschrittsgeist inspiriert, Sie haben auch eine Reihe von Essays zur japanischen Innovationskultur veröffentlicht. Schauen Sie heute immer noch dorthin, um die Zukunft zu sehen? …

… Gibson: Japan ist zum interessantesten Ort für Zukunftsnostalgie geworden – mit wunderschönen Zukünften, die nie eingetreten sind. Wir sind jetzt aber in einer historischen Phase, in der wir die Zukunft an sich verlieren. Wie die Menschen im Mittelalter. Sie dachten einfach nicht daran. Natürlich gab es immer den einen verrückten Mönch, der Flugzeuge malte. Aber es war kein großes Ding. Das kam erst im Zuge der Moderne. Als ich ein Kind war, in den frühen fünfziger Jahren, gab es diesen Fieberanfall von Volksfuturismus in den USA. Autos hatten Heckflossen, im Fernsehen liefen alle mit Weltraumhelmen rum, ständig sahen Leute fliegende Untertassen, das war eine Massenhysterie. …“ | Aus: „William Gibson: „Ich hoffe, wir sind nicht in negativen Utopien gefangen““ | Quelle: https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2017-01/william-gibson-science-fiction-neuromancer-cyberspace-futurist
-.-
Stoney #2.1 — 13. Januar 2017, 12:22 Uhr: “ … Früher war die Zukunft besser… „

[Mythen meiner Kindheit #16… ]


Ich war heimlich etwas verliebt in die große Schwester von einem Freund in der Dorfstraße. Sein Vater war ein Jäger. Die große Schwester veräppelte den 6 jährigen Freund ihres Bruders, der manchmal mit einem Klappfahrrad herüber kam. Wir saßen zu dritt in ihrem Zimmer. Die Schöne – und allein schon wegen des Altersunterschiedes ein mystisch unerreichbares Himmelswesen – erzählte mir, dass in ihrem Radio kleine Zwerge wohnen, die alles singen und sagen, was im Radio zu hören ist. Es gäbe da Nachrichtensprecher-Zwerge und Musik-Zwerge. Sie hätten dort im Radio sogar kleine Instrumente, um die Musik immer in Echtzeit spielen zu können. Ganz ernst konnte sie trotz aller Beteuerung, trotz allem Nachdruck nicht bleiben, auch wenn sie es versuchte. Zuhause fragte ich meinen Vater, ob das angehen könne, dass Zwerge im Radio Musik machen (es war mir nicht so ganz plausiebel). Das alles war wohl 1979.
Neben dem Kleiderschrank, über der Matratze hatte sie ein Bravo Riesenposter von John Miles, der lässig seine Hände über das Gewehr hängen ließ. Die Felljacke, die Lederstiefel, die enge Jeans, die ganze Körperhaltung beeindruckten meine Kinderaugen.
Als ich die Sache mit den Zwergen im Radio durchschaut hatte, als wir längst umgezogen waren, hörte ich den Song Music im Radio. Ich war mitgerissen von der Sequenz, in der Gesangsstimme von John Miles unmerklich langsam von den Streichern übertönt wird. …Eben las ich zufällig von seinem Tod (im Dezember 2021). Noch heute erinnert mich sein Bild mit dem Gewehr über der Schulter an die Zwerge im Radio. Tausende Dinge rauschen an einem vorbei, Träume, Gedanken, Gegenstände, Situationen. Das meiste verflüchtigt sich irgendwann. Manche Bilder bleiben seltsamerweise hängen und werden zu einer Art Sirup von kondensierter Zeit.

// John Miles ‚Music‘ (1976)
// —> https://youtu.be/rXIHtv7ukC8 [Ab 2:45 (Min.) ist der Part wo die Stimme in die Streicher fließt]

[Jean-Luc Godard (1930-2022) …]

Die Verachtung ist ein Film von Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1963 … An diversen Stellen seines Films bricht Godard mit gängigen Spielfilm-Konventionen. … In Frankreich schauten sich den Film 235.000 Kinobesucher an, was für einen Film von Godard viel war, aber für einen Film mit Bardot wenig. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verachtung
-.-
Stefan Grissemann (13.09.2022): “ … In „Le mépris“ brachte [Godard] es 1964 zuwege, einen Brigitte-Bardot-Film zu einer Studie der Eigenheiten seines Mediums umzubauen, ein schwelgerisch orchestriertes Beziehungsdrama mit filmtheoretischen Exkursen und avancierten Inside-Jokes zu verschmelzen. … “ | https://www.profil.at/kultur/zum-tod-von-jean-luc-godard-im-kosmos-verirrt/402144498
-.-
“ … [Ein] Film über Film: ein kurzer Film über die Liebe und eine Liebeserklärung ans große Kino. Elementarfarben, dunkles blau, knallendes rot und tödliches gelb, dominieren, zitiert werden Hölderlin und Dean Martin, Brecht und Rossellini. Ansonsten redet ein jeder am anderen vorbei: Der Autor spricht nicht englisch, der Produzent kein französisch – einzig Fritz Lang, „das Gewissen des Films, seine Ehrlichkeit“, beherrscht alle Sprachen, die am Set von „Le Mépris“ gesprochen werden. (Michael Omasta) …“ | https://www.falter.at/kino/53789/le-mepris-die-verachtung
-.-
“ … Auf Wunsch von Produzent Jeremy Prokosch (Jack Palance) soll der mittellose Drehbuch-autor Paul Javal (Michel Piccoli) den „zu künstlerisch“ geratenen Odysseus-Film von Fritz Lang (gespielt von Regielegende Fritz Lang) publikumswirksam umfrisieren. Aber mit dem Geldsegen verliert Paul die Achtung seiner Frau Camille (Brigitte Bardot)…“ | https://www.cinema.de/film/die-verachtung,1299437.html // “ … Wikipedia schreibt nüchtern: „Die Verachtung ist ein Film von Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1963. Die Hauptdarsteller sind Brigitte Bardot und, in seiner ersten Hauptrolle, Michel Piccoli. Nebenrollen spielen u. a. Fritz Lang als er selbst in der Rolle des Regisseurs und Godard selbst in einem kurzen Auftritt als dessen Assistent.“ … Der Film ist unter anderem Ausdruck von Godards Verachtung für die Filmindustrie Hollywoods (im Film symbolisiert durch einen US-Produzenten, gespielt von Jack Palance) und die Kommerzialisierung des Films. Die Verachtung zeigt aber auch seine Liebe für die Kunst, Filme zu machen und Filme anzusehen. …“ | https://www.igb.info/veranstaltungen/jean-luc-godard-brigitte-bardot-michel-piccoli-in-die-verachtung (2020)

-.-

“ … Le Mépris thematisiert die Schwierigkeit sich über Sprache und Bilder auszudrücken. Was ist Lüge? Was ist Wahrheit? Was ist Fiktion? Was ist Wirklichkeit? Durch den Einsatz der vielschichtigen Musik, die visuelle Heteroginität, die ironisch-tragische Erzählweise, die Mehrsprachigkeit und den Verlauf der Handlung wird die kommunikative Unfähigkeit der Figuren verdeutlicht. …“ | https://www.moviepilot.de/movies/die-verachtung
-.-

„Le Mépris“, „Contempt“ – Jean-Luc Godard (1962) –> https://youtu.be/Dqwv9XkHOpk

-.-
(13.09.2022): “ … Er prägte die zeitgenössische Leinwand-Kunst, indem er ihre Regeln immer wieder in Frage stellte und nach neuen Formen suchte. …“ | https://www1.wdr.de/kultur/kulturnachrichten/jean-luc-godard-gestorben-100.html
-.-

von mir aus #1: “ … Epochenende, wo man auch hinblickt. Godard steht für mich für eine offene, bildstark-eindrückliche, künstlerisch-poetische Erzählweise. Gerade das Nicht-Selbstverständliche, Ungewöhnliche evoziert die heute immer schwächer werdende und doch so notwendige menschliche Eigentätigkeit. …“
-.-
Coronel Buendia #4: “ … Erst mit „Pierrot Le Fou“ und der „Verachtung“ habe ich entdeckt, wozu das Medium Film neben all den Mainstream-Produktionen noch in der Lage ist. Mit Godard geht jemand, dem man mit jeder Szene angesehen hat, wie sehr er das Kino liebte. …“
-.-
Zu: https://www.zeit.de/kultur/film/2022-09/frankreich-regisseur-jean-luc-godard-tot
-.-
“ … [Godard] bezog die Experimentalanordnung seiner Filme mit in die Bewertung des Ergebnisses ein („Ich ziehe es vor, etwas zu suchen, was ich nicht kenne, statt etwas, was ich kenne, besser zu machen.“) Ähnlich wie für Friedrich Schlegel („Nur das Unvollendete kann begriffen werden.“) waren für Godard neue Ziele wichtiger als der zurückgelegte Weg. Immer wieder stellte er sich die Frage, wie das Wissen über die Technik des Filmes zu erlangen sei und in welcher Weise diese Technik die Realität darstellen könne. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Luc_Godard
-.-
„Passion oder die Einbildungen des Jean-Luc Godard“ (Monographie – Joachim Paech, 1989): “ … Die Collagen in Godards Filmen machen keinen Unterschied mehr zwischen Bildern als Kunstwerken oder der Ikonographie des Alltags in Werbeplakaten, Illustriertenfotos, Postkarten etc. Es wird immer schwerer, überhaupt noch zwischen den Bildern hindurch auf eine Realität zu sehen, die hinter den Bildern mehr von ihnen verborgen als abgebildet wird. Ergänzend zu dem Enthusiasmus Aragons, der in Godards Filmen, wenn sie vollständig aus Collagen bestehen, die wesentliche moderne Kunstform sieht, muß man in den Collage-Filmen auch die kritische Demonstration einer durch Bilder verklebten Welt sehen … „So wie die Maler heute die Staffelei aufgeben und hinaus in die Welt der alltäglichen Objekte als Gegenstände für ihre Malerei gehen, so geht Godard los und malt und filmt die Wände, Reklametafeln, Poster, Tankstellensäulen und Comic-Books, die uns heute umgeben , um daraus in seinen Filmen eine Reihe von halb-abstrakten Collagen zu machen, die vielleicht mehr als irgend eine andere moderne Kunstform Zeichen unseres Zeitalters sind.“ Einen anderen, bemerkenswerten Weg der ‚Analyse des Collagierens und Zitierens ‚ in Godards Filmen ist Tom Conley gegangen, der die Integration von Bildern und Texten im psychoanalytischen Sinne als ‚Übertragungen‘ beschrieben hat. … Die Übertragung der Spuren dieser und anderer Vorbilder der Avantgarde des 19. Jahrhunderts sieht Conley im wesentlichen unter dem Aspekt ihrer Entlarvung im Pastiche, vergleichbar ihrer ständigen Entwertung als Postkarten-Motiv und Buchillustrationen. Mag das auch ein Effekt der allgegenwärtigen – mittelbaren oder unmittelbaren – Anwesenheit von Werken der Kunstgeschichte in Godards Filmen sein, daß sie zum wiederholten Male zum Cliche, zum Substitut werden, Godard selbst jedenfalls sieht diese ‚Übertragung‘ unter dem positiven Aspekt der sinnvollen Einschreibung des Films in die Kulturgeschichte der Bilder, deren Vor-Bilder die Produktion von Filmen anleiten können. … Es muß nicht entschieden werden, ob derartige unterschwellige Übertragungen auch Zitate genannt werden können; ein eindeutiges Zitat zu Beginn des „Pierrot le fou“ führt jeden falls zu Elie Faure, Godards kunsthistorischem Mentor. Durch ihn, hat Godard gesagt, habe er Rembrandt kennengelernt, seine Einleitung in Velasquez gibt das kunstgeschichtliche Motto für den „Pierrot le fou“, seine „Einführung in die Mystik des Films“ hat Godards Vorstellungen vom Film wesentlich mitgeprägt. So hat Elie Faure 1937 gemeint, daß der „Film nur wieder er selbst werden und seine suggestive Kraft wiederfinden (wird), wenn er die Erzählung, den Dialog, das Selbstgespräch dem Bild unterordnet … “ … Ein Buch über die Bilder und Töne (die ‚Ein-Bild-ungen‘) Godards kann man nicht zuende schreiben … “ | http://kops.uni-konstanz.de/handle/123456789/31716 | https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/123456789/31716/1/Paech_0-300097.pdf
-.-
Bauchladendetektiv: “ … Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich irgendwann in den späten Neunzigern im Nachtprogramm über „Weekend“ gestolpert bin [–> https://de.wikipedia.org/wiki/Weekend_(1967)]. Ich wusste nicht, wer Godard ist, hatte noch nie was über die nouvelle vague gehört oder irgendein cineastisches Vorwissen – aber ich habe mich mit staunendem Mund vom Fleck weg in dieses Meisterwerk verliebt. Es ist eine der wenigen Lieben meines Lebens, die von Bestand sind. …“ | Zu: https://www.derstandard.de/story/2000139042737/regisseur-und-drehbuchautor-jean-luc-godard-ist-tot (13. September 2022)

-.-

Nachtrag / Memo #1:

Barbara Basting (Die Wochenzeitung – Nr. 37 – 15. September 2022): “ … Die «Histoire(s) du cinéma» als Synthese verbinden all das, was Godards Biografie als Regisseur geprägt hat und was er zugleich als Bausteine des Kinos wie auch seiner eigenen Filme vorführt: die grossen realistischen Romane des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Balzac, Zola vor allem, Hugo, Flaubert, Proust, Céline, Gide; aber auch die Lyrik, Baudelaires «Voyage», Celans «Todesfuge», beides Jahrhundertgedichte. Die «Histoire(s)» sind voller grossartiger Musik vom Mittelalter über Beethoven bis zu Ton Steine Scherben mit ihrer für Godard sehr passenden Parole «Macht kaputt, was euch kaputt macht». Nicht umsonst ist der Soundtrack separat vermarktet worden: Musik macht Bilder. Godard montierte Stills und Sequenzen aus der Filmgeschichte, die ihm wichtig waren, und das, kurz vor dem Durchbruch des Digitalen, als hätte er dessen umwälzende Kraft geahnt, mit den analogen Möglichkeiten des Videos: Experimente mit Tempo und Schnitt, das ganze Arsenal der akustischen und optischen Schnitt- und Überblendungstechniken. Vor allem aber sind die «Histoire(s)» eine Geschichte der Malerei, die für Godards Blick auf die Welt so wichtig war. Von Giotto über Rembrandt und Caravaggio bis zu Goya, Manet, Turner, schliesslich ­Picasso: Es sind die Meister des Lichts und die Dramatiker der menschlichen Existenz, die für ihn zur Ahnenreihe des Verführungs­apparats Kinos gehören, ebenso wie die Foto­pioniere Joseph Nicéphore ­Niépce und ­Nadar. Godard zeigt, wie bereits in der Kunst seit Jahrhunderten jene Wirklichkeiten produziert werden, von denen wir immer noch allzu gerne denken, sie seien die Aufzeichnung einer Realität – und wie sich diese in unser Weltbild einschleichen. Und so geschieht das Wunder: Godard, beargwöhnt als spröd und kantig, Godard, der Verweigerer und ätzende Zeitkritiker, schafft ein soghaftes, sinnliches Werk, das um die Sehnsucht des Blicks weiss, auch um die Sehnsucht nach dem Körper, weitab der Klischees der Pornoindustrie. Die Geschichte(n) des Kinos mögen zu Ende sein, plattgewalzt, banalisiert, ausverkauft von den Medienkonzernen. Doch die Geschichte der «Zeichen, die unter uns sind», wie das letzte Kapitel heisst, ist es noch längst nicht. Heute, 25 Jahre nach ihrem Erscheinen, wird immer deutlicher, was die «Histoire(s) du cinéma» sind: ein Schlüsselwerk, um über die Produktion und Wahrnehmung von Bildern, ihre Geschichte, ihre Bedingungen sowie ihre Verwendungsweisen in unserer Gesellschaft nachzudenken. Sie sind die Essenz des Godard-Films, sie sind Jean-Luc Godards Vermächtnis. Und im Bilddelirium der Gegenwart stellen sie Fragen nach der unheimlichen Macht der Bilder, wie sie aktueller nicht sein könnten. …“ | https://www.woz.ch/2237/jean-luc-godard-1930-2022/jean-luc-godard-1930-2022-das-vermaechtnis-des-jlg/ | // „Histoire(s) du cinéma“ is an 8-part video project begun by Jean-Luc Godard in the late 1980s and completed in 1998. The longest, at 266 minutes, and one of the most complex of Godard’s films, Histoire(s) du cinéma is an examination of the history of the concept of cinema and how it relates to the 20th century; in this sense, it can also be considered a critique of the 20th century and how it perceives itself.—> https://en.wikipedia.org/wiki/Histoire(s)_du_cin%C3%A9ma
-.-

(dw.com, 07.12.2009): “ … Der Altmeister des französischen Films beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Medium. Nun liegt sein unkonventioneller Blick auf die Geschichte des Kinos auf DVD vor. … Nach 110 der insgesamt 264 Minuten der „Geschichte(n) des Kinos“ sagt Godard einen Satz, den man als ironisch gebrochenen Kommentar zum eigenen Werk interpretieren könnte: „Warum einfach, wenn es kompliziert geht“. Jean-Luc Godard wollte es noch nie einfach. … Im Artikel, den Klaus Theweleit zum Booklet der DVD-Ausgabe der „Histoire(s) du cinéma“ beigesteuert hat, ist sehr treffend von einer Godardschen „Ästhetik der Überforderung“, die der Franzose pflege, die Rede. Das kann man nun als grandiose philosophische Leistung interpretieren oder aber auch als doch sehr subjektivistische Assoziationshuberei ablehnen. Jean-Luc Godard wird auch mit diesem „Alters“-Werk seine Jünger begeistern, andere eher abschrecken. Tragisch ist auf jeden Fall, dass man seines „Histoire(s)“ eigentlich nur in dem Medium sehen kann, das der Meister doch so sehr hasst: auf DVD, also auf dem kleinen Fernsehbildschirm. …“ | https://www.dw.com/de/geschichten-des-kinos/a-4920487

HISTOIRE(S) DU CINÉMA (Geschichte(n) des Kinos. Histoire(s) du cinéma)

[Kriegsschauplätze #42… ]

Im Westen nichts Neues (1929)

Christian Schröder (25.08.2022): “ … Das Buch, sagte [Regisseur Edward Berger], sei „heute leider relevanter, als wir es erwartet haben“. … Remarques Roman kam 1929 heraus … Er schildert in großer Eindringlichkeit die Brutalität der Schützengrabenkämpfe des Ersten Weltkriegs. Junge Rekruten werden von weit hinter der Front agierenden Politikern und Generälen in den Tod geschickt. Als der Held Paul Bäumer kurz vor Kriegsende von einem Scharfschützen erschossen wird, meldet der Heeresbericht lapidar: „im Westen nichts Neues“. … Als die Hollywood-Verfilmung von Lewis Milestone 1930 ins Kino kam, kam es wegen ihrer pazifistischen Haltung in Deutschland zu scharfen Protesten. Die Nationalsozialisten organisierten eine Kampagne und störten Filmvorführungen, indem sie Stinkbomben zündeten oder weiße Mäuse freiließen. …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/entscheidung-in-deutscher-vorauswahl-im-westen-nichts-neues-geht-ins-oscar-rennen/28626024.html
-.-
“ … Remarques Bücher wurden während der Bücherverbrennung 1933 in Deutschland mit dem „Feuerspruch“ „Gegen literarischen Verrat am Soldaten des Weltkriegs, für Erziehung des Volkes im Geist der Wehrhaftigkeit!“ verbrannt. … Seine Schwester Elfriede Scholz, die als Schneiderin in Dresden wohnte, wurde nach einer Denunziation wegen Äußerungen gegen das NS-Regime, wonach der Krieg schon verloren sei, 1943 vom Präsidenten des „Volksgerichtshofs“ Roland Freisler wegen „Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt und durch das Fallbeil hingerichtet. Freisler sagte im Prozess: „Ihr Bruder ist uns entwischt, Sie werden uns nicht entwischen.“ Remarque erfuhr vom Tod seiner Schwester erst nach Kriegsende und widmete ihr daraufhin seinen Roman Der Funke Leben (1952). …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Maria_Remarque (17. August 2022) // https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Funke_Leben
-.-
Birgit Schütte (21.06.2022): “ … Erich Maria Remarque war nicht nur Schriftsteller, sondern auch ein großer Musikliebhaber. Über 700 Schallplatten befinden sich im Erich-Maria Remarque Friedenszentrum in Osnabrück. … Remarque hat bereits in jungen Jahren angefangen zu komponieren,“ erklärt Schneider, „weil sein ursprünglicher Berufswunsch Musiker war. Er hat Klavier gelernt. Dieser Wunsch wurde dann aber durch die Verwundung an der Hand im ersten Weltkrieg zunichte gemacht. Die Hand war zwar nicht erheblich beschädigt, aber nicht mehr so funktionsfähig, dass er professioneller Musiker hätte werden können.“ Dann wäre Remarques berühmter Antikriegsroman „Im Westen nichts Neues“ womöglich nicht geschrieben worden. …“ | https://www.ndr.de/kultur/musik/Teile-von-Remarques-Plattensammlung-zugaenglich,remarquesschallplatten100.html
-.-
(03.06.2022): “ … Die Sammlung umfasst den Angaben zufolge Jazz, Klassik, Filmmusik und Folklore, aber auch Schlager, Chansons und Musicals. Aus Tagebuch-Notizen lässt sich rekonstruieren, dass der Autor des Antikriegsromans „Im Westen nichts Neues“ seine Schallplatten nicht nur spontan erwarb. Remarque sei mit einigen Künstlerinnen und Künstlern wie Fred Astaire, Charlie Chaplin, Arthur Rubinstein oder Cole Porter befreundet gewesen und habe deshalb deren Schallplatten gekauft. Zahlreiche Titel von Marlene Dietrich, mit der Remarque mehrere Jahre liiert war, finden sich ebenso in dem Nachlass. Der von den Nationalsozialisten verfolgte Erich Maria Remarque lebte nach seiner Emigration aus Deutschland in der Schweiz und den USA. …“ | https://www.deutschlandfunkkultur.de/schallplatten-sammlung-von-erich-maria-remarque-in-osnabrueck-zu-hoeren-104.html

[Zum Wahn der Liebe #99 … ]

Nina Simone – My Baby Just Cares For Me
–> https://youtu.be/3ZS7iKdRo5Q


My baby don’t care for shows
My baby don’t care for clothes
My baby just cares for me
My baby don’t care for cars and races
My baby don’t care for high-tone places
Liz Taylor is not his style
And even Lana Turner’s smile
Is somethin‘ he can’t see
My baby don’t care who knows
My baby just cares for me
My baby don’t care for shows
And he don’t even care for clothes
He cares for me
My baby just cares for me
My baby don’t care for cars and races
Baby don’t care for high-tone places
Liz Taylor is not his style
And even Lana Turner’s smile
Is something he can’t see
My baby don’t care who knows
My baby just cares for me
My baby don’t care for shows
And he don’t even care for clothes
He cares for me
My baby don’t care for shows
And he don’t even care for clothes
He cares for me
My baby don’t care for cars and races
Baby don’t care for high-tone places
Liz Taylor is not his style
And even Liberace’s smile
Is something he can’t see
Is something he can’t see
I wonder what’s wrong with baby
My baby just cares for
My baby just cares for
My baby just cares for me

Nina Simone „My Baby Just Cares for Me“ (Album: Little Girl Blue, Veröffentlicht: 1959)

[Kriegsschauplätze #41… ]

… Es wütet der Irrsinn …

— /// —

“ … Der gesicherte Standort des ungefährdeten Beobachters auf dem „Feldherrenhügel“ geriet zunächst durch die Erfindung der Distanzwaffen zusehends in Gefahr. … “ | Jan Süselbeck: „Der Kampf und die Kamera“ (Kunst-, Kultur- und Filmwissenschaft, Nr. 10, Oktober 2006) | https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=9943
-.-

Bild: „Siebentausend Zinnsoldaten“
Quelle: https://www.schlossspross.de/2018/07/30/siebentausend-zinnsoldaten/

-.-
“ … Insgesamt findet man überdurchschnittlich viele Memes, die die Kriegsprotagonisten Selenskyj und Putin als Avengers–Figuren übersetzen, so als sei der Konflikt etwas, das ein Achtjähriger gerade in seinem Kinderzimmer mit Actionfiguren ausficht. … [https://de.wikipedia.org/wiki/Zinnsoldat] … Genau wie in der kognitiven Verfügbarkeit unserer inneren mentalen Referenzschubladen, die uns visuelle Parallelen herausholen und zur Einordnung verwenden lassen, bedingt auch das unendliche Archiv des Internets einen permanenten Remix und das assoziative Verkleben von Wirklichkeit und Kultur, von Realitätsbildern und Comic-Motiven. Es geht um diese Verfügbarkeiten, weil uns das Verständnis und ein anderes visuelles Vokabular fehlt, die Abstraktion eines Krieges für uns und andere zu übersetzen. …“ | „Der Krieg ist kein Marvel-Film“ Samira El Ouassil (24. März 2022) | https://uebermedien.de/69775/der-krieg-ist-kein-marvel-film/
-.-
Anetta Kahane (08.08.2022): “ … [Zweiter Weltkrieg] … Die deutschen Mörder hatten die Ukraine erobert und besetzt, sie ausgebeutet, die Menschen fürs Reich arbeiten lassen. Vor allem Juden und Roma wurden systematisch ermordet. Die Folgen für das ganze Land sind bis heute zu spüren. Die Wälder sind voll von Massengräbern. Manchmal weisen Gedenksteine am Straßenrand auf die deutschen Erschießungen von damals hin. Deutsche Verantwortung in der Ukraine ist nicht nur ein Wort. Sie ist eine riesengroße Wunde. …“ | Aus: „Deutsche Verantwortung in der Ukraine: Eine riesengroße Wunde“ | https://www.fr.de/meinung/kolumnen/ukraine-roma-sinti-nazis-zweiter-weltkrieg-deutsche-verantwortung-riesengrosse-wunde-91711400.html
-.-


“ … Der Krieg im Osten 1941-1945, der mehr als 30 Millionen Menschen das Leben kostete, sprengte alle Grenzen zwischen „erlaubtem“ Töten feindlicher Soldaten im Kampf und dem Mord an Gefangenen und Zivilisten. „Zig Millionen“ zivile Opfer sah schon die deutsche Planung vor, die folgende Kriegsrealität war der Planung adäquat. Unter den Faktoren, die einen derart enthemmten Krieg möglich machten, wird hier das deutsche Feindbild des slawischen Untermenschen thematisiert: Inhalt, Kontext, Funktion, Tradition. …“ | Link: Video: Peter Jahn
Berlin, February 24th, 2007, 21:30 – 22:00 –> „Untermensch im Osten“ (20 Minuten) —> https://dictionaryofwar.org/concepts/Untermensch_im_Osten
-.-
“ … Als Vorwort zu seiner aus alltäglichen Weltkriegsdialogen montierten „Tragödie in fünf Akten“, die er „Die letzten Tage der Menschheit“ nannte, schrieb Karl Kraus im Jahr 1919 in der „Fackel“: „Die unwahrscheinlichsten Gespräche, die hier geführt werden, sind gesprochen worden; die grellsten Erfindungen sind Zitate. … und einige Zeilen später fügte der Autor noch vielsagend hinzu: „Wer schwache Nerven hat, wenn auch genug starke, die Zeit zu ertragen, entferne sich von dem Spiel.“… Das gilt auch für Anton Holzers niederschmetternden Foto-Band „Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918“ … So lautete einer der vielen von Holzer zitierten Befehle des k.u.k. Truppenkommandos in Lemberg: „Sobald sich irgendwo nur die geringsten Anzeichen einer Unterstützung des Feindes sichtbar machen, ist in rücksichtslosester Weise vorzugehen. Kein Mittel ist in so einem Fall scharf genug.“ Was man hier euphemistisch als „Kriegsnotwehrrecht“ bezeichnete, war nichts anderes als eine offene Aufforderung an alle Soldaten, in Eigenregie tatkräftig und nach Gutdünken dabei mitzuhelfen, die Zivilbevölkerung wahllos „niederzumachen“, Dörfer und Städte niederzubrennen, zu vergewaltigen, zu foltern und die Opfer tagelang öffentlich auszustellen – und zwar ganz ohne umständliche juristische „Klügeleien“, wie es markig hieß. Wer fröhlich mordete, musste auch nicht fürchten, belangt zu werden, denn die Taten tauchten später in der Regel nicht einmal mehr in irgendwelchen Gerichtsakten mehr auf. … Möglicherweise würde dieser Aspekt des Ersten Weltkriegs heute tatsächlich bereits längst und für immer vergessen sein – wenn die Täter nicht jenes verstörende Lustempfinden entwickelt hätten, dass auch auf der von Kraus aufgegriffenen Fotografie der Hinrichtung Battistis so unübersehbar seine Fratze enthüllt [https://de.wikipedia.org/wiki/Cesare_Battisti]: die eines offenen Genusses der Grausamkeit und ihrer fetischistischen Dokumentation auf Fotografien. Diese geradezu pornografische und damit auch offenichtlich sexuell motivierte Lust an der sadistischen Gewalt führte dazu, dass sich der typische soldatische Verbrecher jenes Kriegs mittels einer vertrackten medialen Selbstreflexivität eigens überführte, wie schon Kraus in seiner von Holzer zitierten Bemerkung feststellte: „Denn nicht daß er getötet, auch nicht, dass er’s photographiert hat, sondern daß er sich mitphotographiert hat und daß er sich photographierend mitphotographiert hat – das macht seinen Typus zum unvergänglichen Lichtbild unserer Kultur.“ …“ | Aus: „Wenn sich Massenmörder selbst überführen – Anton Holzer erinnert in seinem Bildband „Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918″ an vergessene Gräuel im Ersten Weltkrieg“, Jan Süselbeck (Nr. 12, Dezember 2008) | https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=12533
-.-
“ … Im Krieg sterben täglich viele Tausend Menschen. Ganze Städte werden dem Erdboden gleichgemacht. Es wütet der Irrsinn nationaler Identitäten. Der Kampf wird um den Besitz von Gebieten, um die Sicherung von Hegemonien, um Überreste zusammengebrochener Wirtschaftssysteme geführt, und jede Großmacht nimmt mit ihren eigenen Mitteln an diesem Kampf teil. Es fließen die Waffen, und es fließt das Blut. Ist Osteuropa im Kleinen nicht ein Abbild der Welt? Auf dem Planeten gibt es kaum mehr Wasser zum Trinken, kaum Luft zum Atmen, und wir führen unterdessen die Kriege des 20. Jahrhunderts um die Machtzonen und die Ausbeutung weiter, sodass der Hunger morgen noch größer wird und noch mehr das Gefühl haben werden, es gebe keine andere Art zu überleben als zu morden. …“ | Gábor Schein, Aus dem Ungarischen von Eva Zador (Krieg in der Ukraine – Am Tor des Widerstands), 7 August 2022 | https://www.zeit.de/kultur/literatur/2022-08/gabor-schein-ungarn-ukraine-krieg/komplettansicht

— /// —

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #76 … ]

Internetfund via ZombieLife

-.-
Krawuzzi Kapuzzi (2022): “ … Diese unglaubliche Angst dieser mutigen Männer vor den Frauen. …“ | Kommentar zu: „34 Jahre Haft für saudische Frauenrechtlerin“ (16. August 2022) | Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000138309722/34-jahre-haft-fuer-saudische-frauenrechtlerin
-.-
Hans-Martin Lohmann (21.02.2005): “ … Männer, so lässt sich das zusammengetragene ethnologische Material und die wissenschaftliche Literatur darüber interpretieren, haben den starken unbewussten Wunsch, ihre ursprüngliche sexuelle Abhängigkeit von den Frauen zu verleugnen … Prinzipiell ist daher in der ambivalenten bis feindseligen Einstellung des Mannes zu seinen weiblichen Sexualobjekten die Idee der Vernichtung des Objekts und seiner Surrogate unbewusst immer enthalten… Eine der Hauptquellen für Frauenhass wäre dann der Hass auf das eigene (sexuelle) Begehren, für das die Frau verantwortlich gemacht und deshalb bestraft wird. … Pohl [pocht] auf das elementare Gewicht einer spezifisch zugerichteten männlichen Sexualität, ohne deren platter Naturalisierung oder Ontologisierung zu verfallen. … “ | Aus: „Rolf Pohl: Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen“ | https://www.deutschlandfunk.de/rolf-pohl-feindbild-frau-maennliche-sexualitaet-gewalt-und-100.html
-.-
“ … Als Psychotherapeut und Supervisor habe ich sehr von der Lektüre profitiert, weil Rolf Pohl Ausflüge zur Anthropologie, Ethnologie und Soziologie macht und zusammenträgt, welche fassungslos machende Fülle an Frauenfeindlichkeit es in verschiedenen Kulturen gab und gibt und wie Zusammenhänge zu aktuellen Phänomenen zu sehen sind. Bestürzend, desillusionierend, aufrüttelnd und aktivierend, Schluß zu machen mit dem Spuk. …“ (Über: Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen., 11. August 2015)
-.-

“ … Der Diskurs über die ideale Frau spiegelte sich auch in dem über deren Antithese wider, nämlich über Frauen, die entweder kriminell oder durch sonstiges deviantes [von der Norm abweichendes] Verhalten auffällig waren. … In den 1920er und 1930er Jahren intensivierte sich, angeregt durch die Rezeption westlicher Forschungen zur Evolution, Kriminalität, Psychologie und Psychoanalyse – insbesondere der Schriften von Richard von Krafft-Ebing und Sigmund Freud – die Ansicht, jegliche Art weiblicher Sexualität und die Neigung zu kriminellem Verhalten stünden in einem kausalen Zusammenhang. … Anhand der Nachzeichnung der historischen Genese der dokufu [‚evil woman‘] … bis hin zu einem ubiquitären Topos eines weiblichen ›Anderen‹ in der Unterhaltungs- und Populärkultur sowie der Medizin, Psychologie und den Sozial- und Kulturwissenschaften der Nachkriegszeit zeigt sie überzeugend auf [Christine L. Marran: Poison Woman. Figuring Female Transgression in Modern Japanese Culture. Minneapolis: University of Minnesota Press (2007)], dass die sozialen und kulturellen Konstruktionen von deviantem Verhalten ebenso wie dessen mediale Repräsentationen im historischen und politischen Kontext der Formierung des japanischen Nationalstaates zu sehen sind. Auf diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Darstellung von Geschlechterbildern und –beziehungen in den Medien – Literatur, Journalismus, Theater, Film – einer ideologischen Instrumentalisierung unterliegt. Marran zeigt auf, wie sehr der Diskurs über kriminelle und deviante Frauen in den über den Modernisierungsprozess Japans eingebettet ist. …“ | Aus: Evelyn Schulz: „Giftmischerinnen, Vagabundinnen und Erotomaninnen“ Eine Literatur- und Mediengeschichte krimineller und devianter Frauentypen im modernen Japan – IASLonline [17.02.2009]| http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=2722
-.-
“ … Willi Jaspers Buch [‚Die Jagd nach Liebe‘ Verlag S. Fischer Frankfurt/Main 2007, 410 Seiten] beschreibt Heinrich Mann als einen ausgemachten Erotomanen … Erotik war für den Künstler jedoch auch immer ein geistiges „Prinzip“, er wollte „sinnlich denken“ und trachtete danach, seine Literatur „ins Weibliche zu übersetzen.“ … Willi Jasper zeichnet die Biographien von insgesamt neun Frauen aus Heinrich Manns Leben nach, die fast alle auch in sein Werk Einzug hielten. …“ | Joachim Scholl „Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ (13.04.2007)| https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-kopf-bis-fuss-auf-liebe-eingestellt-100.html
-.-
“ … Caravaggio stieß seine Zeitgenossen auch durch sein wildes und abenteuerliches Wesen, seinen Lebensstil und seine zahllosen Affären vor den Kopf. Dennoch erhielt er mehrere Aufträge für große Gemälde. Sein Werk folgte naturalistischen Gesetzen und bezog einfache Menschen von der Straße mit ein, die er als Modelle für seine großformatigen, religiösen und mythologischen Szenen benutzte. Als er von 1600 an diese Tendenz in seinem Werk entwickelte, geschah es oft, dass die Auftraggeber seine Gemälde wegen ihrer Ungehörigkeit oder theologischen Fragwürdigkeit ablehnten. Sein Werk weckt im Betrachter tiefe Gefühle. Obwohl von Vielen verurteilt, wurden seine Innovationen bald gefeiert, und Caravaggio gewann die Achtung seiner Zeitgenossen. Zuweilen geriet er durch Schlägereien in Schwierigkeiten. Am 28. Mai 1606 geriet er nach einem Spiel in Streit und tötete seinen Gegner. Zum Tod verurteilt, floh er im Alter von 35 Jahren aus Rom. … Nichts an Caravaggios Werk ist trivial, und ihre physische und moralische Komplexität bringt auch im modernen Zuschauer eine Saite zum Klingen. Die langen Schlangen vor der Ausstellung zeigen, dass die Menschen nicht nur den Wunsch haben, diese Bilder zu betrachten, sondern dass sie auch nach der komplexen Wahrheit der Menschlichkeit suchen. …“ |Aus: „Dunkle und komplexe Schönheit“ Paul Bond (2007) | https://www.wsws.org/de/articles/2007/01/cara-j03.html

-.-

“ … Als Sujet für meinen Vortrag habe ich die Femme Fatale gewählt, die gefährliche Frau, die angeblich die Männer verschlingt. … Im Juli dieses Jahres [2006: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatsaff%C3%A4ren] kam Claude Chabrols Film „Geheime Staatsaffären“ in die deutschen Kinos. … Obwohl mit dem Filmtitel die Korruptionsaffäre europäischen Ausmaßes bei der Deregulierung der Mineralölwirtschaft Frankreichs und der DDR in der Wendezeit angesprochen ist, macht der Film bei der Schilderung dieses brisanten Politikums die Richterin zur Hauptfigur. Isabelle Huppert wird mit roten Handschuhen und dem mehr als eindeutigen Namen „Jeanne Charmant Killman“ bei ihrem kurzen Aufstieg in der Männergesellschaft zur heutigen Femme Fatale. „Madame Piranha“ kommentiert der Tagesspiegel, „Richterin und Raubtier“ die taz. Der Fluss der Korruptionsgelder wird zur Nebensache, die europäische Dimension nicht erwähnt. Die politische Affäre wird feminisiert unter dem Einsatz einer offenbar immer noch überzeugenden Weiblichkeitskonstruktion, die hier für die zynische Parabel steht, das jeder des anderen Feind sei. Mit diesem mörderischen Frauenbild wird der für Frauen heutzutage durchaus begehrte Posten in der Berufswelt verstellt, um strukturelle gesellschaftliche Probleme nationaler Ökonomien im Neoliberalismus als feminisierte Personalisierung im Film „sichtbar“ zu machen. … Gefährliche Weiblichkeit, die nach damaliger Auffassung an die Sexualität der Frau gebunden ist, wird im Mythos verankert und in der sogenannten Natürlichkeit des weiblichen Körpers ganz allgemein erkannt. … Ein Beispiel des Vorsprungs der Malerei: Im Jahr 1908, also 15 Jahre bevor Erich Wulffen 1923 erreichen wollte, „daß das Bild des weiblichen Verbrechers – … plastisch – vor unseren Augen steht“, arbeitete der Maler Albert von Keller der Wulffenschen These von der „geborenen Sexualverbrecherin“ mit dem Bild „Liebe“ den Wissenschaftlern zu. Der Band „Das Weib als Sexualverbrecherin“ erschien an prominenter Stelle in der Enzyklopädie moderner Kriminalistik erst 1923. Darin versuchte Wulffen die von Lombroso 1894 aufgestellte, aber von anderen Wissenschaftlern zurückgewiesene These, des tendenziell kriminellen Charakters aller weiblichen Sexualität erneut zu bekräftigen. Keller griff in seinem vielfach reproduzierten Gemälde die bewährte Salome-Ikonographie auf und vereinte sie mit der Geschichte der aktiven Judith. Ein Opfer liegt hinter ihr und greift noch im Tod nach dem abgeschnittenen Haar, ein abgeschlagener Kopf zu ihren Füßen, bedrohlich auffordernd blickt sie auf die Betrachter des Bildes. Das Serielle ihrer Morde in diesem „Liebe“ genannten Bild ist mehr als angedeutet. Wulffen setzte 1923 diesem Weiblichkeitsbild den „Mutterschoß“ als „heiligen Boden“ entgegen, denn „die Jugend steigt aus dem Schoße der Mütter des Landes hervor“. „Gesunde Sexualität“ im Sinne der Fortpflanzung der Art wurde zu dem offiziellen Diskurs im Sozialstaat der Weimarer Republik. (Wenk, Versteinerte Weiblichkeit) In Opposition dazu zerstückelten die Maler der Avantgarde – wie Otto Dix aus Lust den ganzen weiblichen Akt als kriminelle Handlung und als künstlerische Tat im Bild. Sie machten den Mord zu ihrem unsterblichen Werk. Fragen wir abschließend noch einmal, welches Konstrukt zu welcher Zeit welchen Zweck erfüllte und wem es diente: Bei dem zuletzt genannten Lustmord arbeiteten die Künstler nach 1918 Gewalterfahrung an Bildern des Weiblichen ab. Sie reagierten als neue Täter auch auf das in der Sphinx und der Salome präsentierte Frauenbild. Sowohl in dem Film „Geheime Staatsaffären“ von 2006 als auch bei den Bildern von Salome und Sphinx wird das Konstrukt Femme Fatale eingesetzt. War es damals die sexuell aktive Frau, die zwar im Bild genossen, aber zugleich skandalisiert und abgewehrt wurde, so wird im Film 2006 eine Relation zwischen kastrierender, ja mörderischer beruflicher Tüchtigkeit der Frau und ihrem Versagen in den ehelichen Beziehungen hergestellt. Claude Chabrol lässt Jeanne Charmant Killman in der Schlusszene ihren Beruf – und damit ihre Macht – aufgeben und mit dem jungen Mann im Auto davon fahren. Statt eines versuchten neuen Konstruktes, das den Plot bis hierhin bestimmt hatte, wird nun an das altbekannte Muster erinnert. …“ | Aus: „Fatale Konstrukte: Bildende Kunst und Sexualwissenschaft im Dialog“ Kathrin Hoffmann-Curtius (27.10.2006) | http://www.hoffmann-curtius.de/PDF/femme_ge.pdf

Parsifals Versuchung“ (Arthur Hacker, 1894)

[Jean-Louis Trintignant (1930 – 2022) …]

Le Train (R: Pierre Granier-Deferre, 1973) [basierend auf einem Roman von Georges Simenon]

Andreas Kilb (17.06.2022): “ … Am heutigen Freitag ist Jean-Louis Trintignant im südfranzösischen Uzès gestorben. …“ | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/zum-tod-des-schauspielers-jean-louis-trintignant-18110898.html

Gerhard Midding (17. Juni 2022): “ … Sein Blick war aufmerksam und beharrlich. … Trintignants erstaunliche Schaffenskraft – er spielte in über 140 Kino-und Fernsehfilmen mit und führte zweimal Regie – war tiefer Schwermut abgetrotzt. „Ich wurde schon verzweifelt geboren“, sagte er einmal. … In seiner Jugend beging er mehrere Selbstmordversuche. Um der Depression zu entkommen, in die er nach dem tragischen Tod seiner Tochter Marie im Jahr 2003 verfiel, kehrte er auf die Bühne zurück, um Gedichte von Apollinaire zu rezitieren. … In seinen letzten Rollen habe er sich wohlgefühlt, weil seine Figuren mit dem Tod konfrontiert werden, gestand Jean-Louis Trintignant einmal. … “ | https://www.derstandard.at/story/2000136656852/franzoesische-filmlegendejean-louis-trintignant-gestorben


el::grillo : “ … Danke für Dutzende bewegende Filme die meine Liebe zum französischen Kino befeuert haben. …“

-.-
Alfred J. Noll: “ …“Auf Liebe und Tod“ (Vivement dimanche!) habe ich wohl drei-, viermal gesehen – und es war nicht nur Fanny Ardant, sondern Trintignant mit seinem ironisch-verklärten Blick und die Grandezza, mit der Truffaut seinen letzten Film gestaltete …“
-.-
Pi7Tovix: “ … ja , wobei für mich neben der knapp über 30-jährigen Fanny Ardant so ziemlich alles unterging – sollte mir den film jetzt nochmals ansehen. …“
-.-

Tumen “ … Man kann die Zerrissenheit dieses wunderbaren Schauspielers vielleicht besser verstehen, wenn man weiß wie sehr ihn die Familiengeschichte im und nach dem 2. Weltkrieg für immer geprägt hat. Seine Mutter wurde den Dorfbewohnern aufgrund einer Affäre mit einem deutschen Soldaten mit geschorenem Kopf vorgeführt, während sein Vater, ein ehemaliger Bürgermeister, im selben Monat als Résistant eine gefeierte Heimkehr erlebte. Das Schicksal der Mutter erinnert an sehr viele tausend Französinnen, aber auch anderen Frauen z.B. in den Niederlanden, die diesen „Verrat“, mit der ultimativen öffentlichen Demütigung büßen mussten. …“

-.-

zorro 57: “ … ich weiß, dass er niveauvollere filme – die ich auch gesehen habe- gedreht hat, aber der stumme in „leichen pflastern seinen weg“ ist einer erwähnung würdig. …“

Tucobenedicto: “ … IL Grande Silenzio. …“ | // –> https://youtu.be/H9vkC-Y0pwM — Ennio Morricone (Il Grande Silenzio)
-.-
Asgard: “ … Der Film war in meiner Jugend ein Hammer! Brutal dargestellt, daß der Gute nicht gewinnt, aber trotzdem „moralischer“ Sieger ist. Schwerer Tobak damals …“

-.-
schluss.punkt: “ … merci seigneur trintignant pour de nombreux moments cinématographiques émouvants.! …“

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #61… ]

Der Maler blickt vom Gaisberg auf Salzburg (Jacques Sternfeld, 1923)

“ … Investoren lassen Wohnungen oft leer stehen, da die hohen Renditen eine Vermietung gar nicht mehr notwendig machen. Allein die Wertsteigerung deckt die Kosten. …“ | Aus: „Leerstand, Betongold und Festspielabsteigen verschärfen Salzburgs Wohnungsnot“ Stefanie Ruep (16. Juni 2022) | https://www.derstandard.at/story/2000136566994/leerstand-betongold-und-festspielabsteigen-verschaerfen-salzburgs-wohnungsnot

Heerke Hummel (29. März 2010): “ … Brodbecks Kernthese laute: „Das Geld ist kein Ding, das Geld ist eine universalisierte Denkform… Die Welt denkt in einer Form, von der sie beherrscht wird und die eben deshalb ihre Macht entfalten kann, weil sie unerkannt ist.“ Dahinter stehe die Erkenntnis, daß mit dem Eintritt des Geldes in die Geschichte der Menschheit (im Zusammenhang mit der Entwicklung der Arbeitsteilung) sich nicht nur die Strukturen des Wirtschaftens, sondern auch die Seelen der Menschen verändert haben. Mit dem Geld begännen die Menschen, sich nicht nur durch Sprache zu verständigen, sondern durch Rechnen. Und zwar berechneten sie nicht nur Dinge, sondern sich selbst gegenseitig. …“ | https://das-blaettchen.de/2010/03/zwanzig-jahre-zu-spaet-1232.html

“ … Zu keiner Zeit des Jahres wird der erzwungene Konformismus durch den Kapitalismus spürbarer als zu Weihnachten. Verzweifelt, gestresst und missmutig schlittern wir durch die Straßen […] “Ich muss noch was für Papa finden” … Obwohl Papa doch schon alles hat, was man sich wünschen kann und wenn etwas Neues auf den Markt käme, könnte er es sich im Handumdrehen selbst kaufen. “Aber ich MUSS…” …“ | Aus: „Konformität – Wem gehört mein Leben?“ (2012) | Autor? | Quelle nicht mehr abrufbar: http://www.weeyoo.de/konformitaet-wem-gehoert-mein-leben/

“ … Auch das Eingehen emotionaler Beziehungen wird zunehmend nach dem Vorbild von Marktverhältnissen organisiert. Das Verfahren basiert darauf, dass die Leute sich selbst zur Ware machen: Für die Partnersuche im Internet und über Vermittlungsagenturen präsentieren sie sich als Ware, indem sie ihre Vorzüge auflisten und Fotos ins Netz stellen. Hier fehlt das, was Freud den „einzigen Zug“ genannt hat, der einzigartige Impuls, der sofort entscheidet, ob ich jemanden sympathisch finde oder nicht. Liebe ist eine Wahl, die als Unumgänglichkeit erfahren wird. An einem bestimmten Punkt ist man überwältigt von dem Gefühl, zu lieben und gar nicht anders zu können. Die Vorzüge von Kandidaten zu vergleichen und sich dann zu entscheiden, in wen man sich verlieben will, kann also per definitionem nicht Liebe sein. Deshalb sind Partneragenturen Liebestöter par excellence. …“ | Aus: „Zeit der Monster – Ein Aufruf zur Radikalität“ Slavoj Zizek (monde-diplomatique.de, Ausgabe vom 12.11.2010)

Peter Kern [zu: Jürgen Leibiger: Eigentum im 21. Jahrhundert Metamorphosen, Transformationen, Revolutionen Verlag Westfälisches Dampfboot, 381 Seiten] (24.05.2022): “ … und ließe sich die Luft privatisieren, gäbe es längst die für diesen Naturstoff passenden Investmentfonds. Für Wasser gibt es solche; Trinkwasser ist ja in großen Teilen der Erde ein knappes Gut. Was liegt also näher, als mit dem Grenznutzen dieses Guts zum eigenen Nutzen und Frommen zu spekulieren? Den Geschäftsleuten und ihren höheren Angestellten wird solche Spekulation auf den Billboards der großen Flughäfen nahegebracht. Jürgen Leibiger stellt ganz kindlich klingende Fragen: Was ist Eigentum; warum gehört jemandem etwas; könnte es eine Welt ohne Privateigentum geben; ist Eigentum am Häuschen mit Garten identisch mit Eigentum eines Konzerns, dem die ganze Welt als Hinterhof gilt; setzt individuelle Freiheit Privateigentum voraus und wenn ja, reicht es nicht, wenn ein Ich der Eigentümer seiner Arbeitskraft ist; geht als okay durch, wenn 40 Leute so viel an Vermögen angehäuft haben wie bald vier Milliarden Menschen? Die kindlichen Fragen sind natürlich hintersinnig gestellt, es ist gleichsam ein sokratisches Fragen, womit der Schreiber des Buchs seinen Leser behelligt. Warum solche Hebammenkunst außer Gebrauch gekommen ist, versteht man sofort. Wer so vorgeht, will den Zusammenhang von Eigentum, Macht und Herrschaft beleuchten. In den Spiegel schaut eine Gesellschaft aber nicht gerne, die ziemlich alt aussieht, wenn sie ihre propagierten politischen Ideale (die sogenannten Werte) mit der schmutzigen ökonomischen Realität abgleicht. … Die Aktionärsversammlung ist nicht der Ort, wo der zum Angestellten geadelte Arbeiter seinen demokratisch-politischen noch ökonomische Mitspracherechte hinzufügen könnte. Dort findet kein Plebiszit statt. Der Kleinaktionär bleibt zu Hause, und die institutionellen Anleger bestimmen die Musik der Versammlung. Er firmiert formal unter Eigentümer, aber von der wirklichen Verfügung über das Kapital ist er ausgeschlossen. Aktien können verliehen und beliehen werden; neue Eigentumsobjekte sind entstanden und die ihnen entsprechenden Eigentumsdelikte, zu deren bevorzugten Opfern die Aktien-Amateure gehören. Die Demokratisierung des Kapitaleigentums ist ein Schein … Solidarität ist eine knappe Ressource, an deren Verknappung die Kulturindustrie verlässlich arbeitet. Dieser Industriezweig lebt von der Wirklichkeit gewordenen Idee, die Individuen seien, wie die Objekte der äußeren Natur, bloße Singularität, der nichts Wesenhaftes eigne. Der Gedanke der Solidarität lebt aber vom Gedanken an dieses Übergreifende. Den vereinzelten Individuen fällt es unsagbar schwer, den Gedanken der Solidarität zu fassen; Karl Heinz Haag hat diesen Zusammenhang analysiert. Was bleibt, sind Theoretiker und politisch Handelnde, die diesem Gedanken die Treue halten, auch wenn solche Intransigenz [Politische Starrheit; Unversöhnlichkeit, Unnachgiebigkeit] als schiere Donquijoterie erscheint. Leibigers Buch endet mit keinem Hurra auf ein unüberwindliches Proletariat, sondern mit dem Melancholiker Hamlet: „Dass wir die Übel, die wir haben, lieber ertragen, als zu uns unbekannten fliehen. So macht Bewusstsein Feige aus uns Allen.“ … “ | https://www.glanzundelend.de/Red22/J-L/juergen_leibiger_%20eigentum_im_21_jahrhundert.htm

[Wirklichkeitsbezug #10 … ]

Medien … produzieren eine notwendig moralisch entleerte Wirklichkeit, um aus sicherer Position das »Leiden anderer« betrachten zu können. … Die romantische Ironikerin weiss nur zu gut dass die Inszenierung der Romantik wesentlich ist und ihr von Anfang an zugehörig war

Damian Zimmermann, DER STANDARD, 2.7.2013: “ … Bilder von Innenräumen, in denen der Fernseher läuft: Da schauen etwa zwei Hunde in einem sehr aufgeräumt wirkenden Wohnzimmer einen Pornofilm. The Hamptons nennt er [Philip-Lorca diCorcias] das Foto ironisch, als dokumentiere es das Long-Island-Feriendomizil eines reichen New Yorkers. … “ | https://www.derstandard.at/story/1371171202484/inszenierte-wirklichkeit-wahrer-als-wahr

[Dunja Bialas über: France (Regie: Bruno Dumont, 2020)] “ … Bruno Dumont transformiert in France Medienkritik zur metaphysischen Fragestellung, während Léa Seydoux in Tränen zerfließt … Der nahe­lie­gende Blick auf France als Medien­sa­tire würde aber übersehen, dass es Dumont nicht wirklich um Medien­schelte geht. Das wäre platt und offen­sicht­lich. Ihm geht es genau um die auf erster Ebene ange­pran­gerte Über­for­mung der Wirk­lich­keit durch die mediale Darstel­lung. Ihre Trans­for­ma­tion in der Montage durch Schnitt und Kommentar und die Produk­tion einer Wirk­lich­keit zweiter Ordnung inter­es­sieren ihn, in der sich die Jour­na­listin France de Meurs dann auch narziss­tisch spiegeln kann. Medien, das ist die Folge, produ­zieren eine notwendig moralisch entleerte Wirk­lich­keit, um aus sicherer Position das »Leiden anderer« betrachten zu können. …“ | https://www.artechock.de/film/text/kritik/f/france1.htm

Andreas Busche (01.06.2022): “ … Trier und Vogt entwickeln für Julie immer wieder originelle Szenarien einer alternativen Realität. Ihr expliziter Flirt mit Eivind, der gerade so weit geht, dass er nicht den Tatbestand des Treuebruchs erfüllt (darauf haben sie sich zuvor konsensual geeinigt), gehört zu den tollsten Szenen in einer romantischen Komödie seit Ewigkeiten. Und einmal hält Julie buchstäblich die Welt an, um durch ein Tableau vivant ihrer Beziehung mit Aksel zu entfliehen. …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/der-schlimmste-mensch-der-welt-im-kino-romantik-ist-so-2012/28392276.html // https://de.wikipedia.org/wiki/Tableau_vivant

Christian Jany, ETH Zürich (07.06.2022): “ … Die Unsicherheit darüber, was das Romantische sei, steht tatsächlich am Anfang der literaturhistorischen Epoche der Romantik. Im November 1797 schreibt Friedrich Schlegel, einer der Cheftheoretiker der frühen Romantik, seinem Bruder: “Meine Erklärung des Worts romantisch kann ich Dir nicht gut schicken, weil sie – 125 Bogen lang ist!” … Die romantischen Kulissen sind einfach nicht kaputtzukriegen. Am allerwenigsten durch den Hinweis, das Ganze sei nur Wirklichkeitsinszenierung, Erfindung, Unfug, Kitsch. So spricht der nüchterne Realist, der den romantischen Schein entzaubern möchte, nicht aber die romantische Ironikerin. Sie weiss nur zu gut, dass die Inszenierung (und damit die Illusion, die Einbildung, der Schein, der Trug) der Romantik wesentlich ist und ihr von Anfang an zugehörig war. Wüsste sie davon nicht, wäre sie bloß eine Schwärmerin, eine Fantastin bar jeder Vernunft und ohne allen Sinn für die Magie von Kulisse und Beleuchtung. Sie blickte zutiefst unromantisch in die Welt. …“ | https://www.praefaktisch.de/romantik/romantische-inszenierungen-oder-von-projekten-und-beleuchtungszauber/

[Wirklichkeitsbezug #9 … ]

Includes for example the following chapters: The Crisis of the Sciences as Expression of the Radical Life-Crisis of European Humanity; Clarification of the Origin of the Modern Opposition between Physicalistic Objectivism and Transcendental Subjectivism etc. … [Umfasst beispielsweise folgende Kapitel: Die Krise der Wissenschaften als Ausdruck der radikalen Lebenskrise der europäischen Menschheit; Klärung des Ursprungs des modernen Gegensatzes zwischen physikalistischem Objektivismus und transzendentalem Subjektivismus etc.]
-.-

“ … Albert Camus [schrieb] im April 1938: “ … Über ein und dieselbe Sache denkt man am Morgen nicht das gleiche wie am Abend. Aber wo liegt die Wahrheit, im Denken der Nacht oder im Geist des Mittags? …“ …“ | https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/reflexionen/vermessungen/2138808-Schriftwege-ins-Offene.html
-.-
KRichard 01.06.2017, 17:23 Uhr: “ … Unser Bewusstsein ist unser Erleben, welches sich im Fokus der Aufmerksamkeit befindet und dadurch der eigenen Wahrnehmung zugänglich ist. …“ | https://scilogs.spektrum.de/wirklichkeit/ist-bewusstsein-wenn-es-keine-substanz-ist/
-.-
“ … Für die Phänomenologie ist Subjektivität kein abgeschlossener geistiger Bereich, sondern von Anfang an in der Welt: Subjektivität und Welt sind voneinander abhängig und untrennbar verbunden. Die Subjektivität ist wesentlich demjenigen gegenüber offen, was sie selbst nicht ist (Transzendenz des Bewusstseins). Diesen Zusammenhang bezeichnet die Phänomenologie durch den Begriff der Intentionalität, welcher programmatisch ausdrückt, dass jede (subjektive) Erfahrung eine Erfahrung von etwas (Welt) ist. Für die Phänomenologie ist das Bewusstsein also kein Kasten, in dem die Erfahrungen eines Subjekts stattfinden. Stattdessen ist es das Feld, in dem das Subjekt die Welt erfährt. Erst indem die Subjektivität diese Offenheit vollzieht und sich selbst in der Welt vorfindet, wird sich die Subjektivität ihrer selbst bewusst (Selbstbewusstsein). … Es geht nicht mehr darum, das Subjekt hier und das Objekt dort in Übereinkunft zu bringen. Stattdessen untersucht sie eine Tiefenschicht, in der Subjekt und Objekt als Subjekt und Objekt erst möglich werden. … Schon früh hat Husserl argumentiert, dass sich psychische und physische Phänomene nicht ohne Weiteres sauber voneinander unterscheiden lassen. Und der Psychologe Carl Friedrich Graumann, der sich als Phänomenologe verstanden hat, überwindet die Unterscheidung zwischen vermeintlich ‘exakten’ Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften, indem er die Psychologie eine “Erfahrungswissenschaft” (Graumann, 1960) nennt.So ergibt sich die grundsätzliche Antwort auf die Frage, ob die Phänomenologie mit Naturwissenschaft vereinbar ist: Der Begriff der Naturwissenschaft ist selbst voraussetzungsreich und die Phänomenologie hinterfragt diese Voraussetzungen. … die Phänomenologie [ist] kein Dogma, sondern ein eigener Diskurs … “ | Aus: „Was kann die phänomenologische Psychologie zum Bewusstseinsproblem beitragen?“ Stephan Schleim (14. Feb 2022) | https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/was-kann-die-phaenomenologische-psychologie-zum-bewusstseinsproblem-beitragen/
-.-
Martin Holzherr, 14.02.2022, 17:58 Uhr: “ … Zitat Wikipedia zu Husserls Auffassung der Phänomenolgie: “ Sie [die Phänomenologie] soll sicherstellen, dass sich die Wissenschaften nur von Evidenzen leiten lassen, die dem unmittelbaren Bewusstseinserleben entstammen.“ Die heutige Naturwissenschaft braucht kein bewusstes Erleben um etwas messen zu können. Man kann Infrarot-Strahlung messen oder Röntgenstrahlung und das ohne dass wir diese Strahlung direkt empfinden oder erleben können. Es braucht keine Menschen um Experimente durchzuführen. Auch Roboter können dies. Und Roboter haben heute ja kein Bewusstsein. …“
-.-

Stephan Schleim 14.02.2022, 19:00 Uhr: “ … @Holzherr: Forschung ohne Menschen „Die heutige Naturwissenschaft braucht kein bewusstes Erleben um etwas messen zu können. […] Auch Roboter können dies.“
So so – wer liest dann bitteschön die Messergebnisse ab? Und wer baut und programmiert die Roboter? Sie kommen am Subjekt nicht vorbei. …“
-.-

Elektroniker 14.02.2022, 21:10 Uhr: “ … @ Stephan Schleim 14.02.2022, 19:00 Uhr — Zitat: „Sie kommen am Subjekt nicht vorbei.“ — Folgendes Gedankenspiel: Jemand fährt mit seinem voll autonomen Auto zur Arbeit. Nach der Ankunft „verabschiedet“ sich das Auto mit der Frage „ist es ok. wenn ich dich um 17 Uhr wieder hier abhole und irgendwo auf einem Parkplatz warte und zwischendurch Strom tanke?“ Das einzige lebende „Subjekt“ sagt nichts und steigt einfach aus … Das Auto handelt nur gemäß seiner Erfahrungen. Die Programmierer sind bereits gestorben, die erforderlichen Erfahrungen für die KI wurden von anderen Versuchsautos automatisch gemacht und die Daten übernommen. Das einzige lebende Subjekt, der Fahrer, handelt nicht, er verhält sich passiv. War derartiges jemals als Subjekt gedacht? …“
-.-
Martin Holzherr 14.02.2022, 21:32 Uhr: “ … Letztlich ist meine Haltung zur Phänomenologie folgende: Phänomene, Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen passieren alle in einer Welt von Dingen, die auch ohne Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen existieren. Die Welt der Dinge ist realer als die Welt der Wahrnehmungen und Erfahrungen, weil die Welt der Dinge über das Subjektive hinausgeht. Jedes Subjekt (Tier, Mensch, Roboter) kann die Welt anders erleben. Aber es ist immer die gleiche Welt. …“
-.-
Wolfgang Stegemann 14.02.2022, 22:28 Uhr: “ … @Holzherr: „Letztlich ist meine Haltung zur Phänomenologie folgende: Phänomene, Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen passieren alle in einer Welt von Dingen, die auch ohne Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen existieren.“ — Das ist gar nicht das Thema. Nehmen Sie an, wir existieren nicht (mehr), was hat die Welt dann für einen Sinn (für uns)? Die Welt, wie wir sie wahrnehmen, existiert nur durch uns. Wir konstruieren im Kopf eine perfekte 1:1 Kopie der Welt, aber nur der Welt, die wir wahrnehmen bzw. wie wir sie wahrnehmen. Und wir sind es, die sie konstruieren. Man muss sich klarmachen, dass das Leben so betrachtet tautologisch ist, denn wir betrachten uns letztlich selbst. Wir müssen uns von der metaphysischen Objektivität verabschieden, sie existiert nicht. Auch die Plankschen Quanten sind unsere Abstrakta. Sie werden gerne genommen, um ein Schlupfloch ins Transzendente zu suchen. Da wir in der Lage sind, mit Begriffen nicht nur reale Dinge zu (re-) konstruieren, sondern auch Dinge, die es gar nicht gibt, ist es leicht, sich eine irreale Welt vorzustellen. …“
-.-
anton reutlinger 15.02.2022, 16:17 Uhr: “ … Jeder Mensch hat eine eigene Lebensgeschichte und eine eigene Lebenswelt, biologisch, kognitiv und sozial/kulturell. Aus der Menge der möglichen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Wissensquellen hat jeder Mensch eine eigene Teilmenge. Insofern ist jeder Mensch auch ein Individuum, biologisch, psychisch und geistig. … Kenntnisse in Philosophie schaden keinem Psychologen. …“
-.-
Tobias Jeckenburger 17.02.2022, 00:12 Uhr: “ … @KRichard 16.02. 20:04 „Die allererste und wichtigste Fragestellung sollte in einer seriösen Forschung die Fragestellung sein – ob es ein ´Bewusstsein´ überhaupt gibt.“ — Ohne die Anerkennung der inneren Phänomene als intersubjektive Fakten könnten wir überhaupt keine Psychologie betreiben. Und die erlebbaren inneren Phänomene sind derzeit auch der einzige Beweis dafür, dass wir ein Innenleben haben. Und solange wir die Korrelate der inneren Welten auf Nervennetzebene nicht kennen, bleibt nur die Phänomenologie übrig. …“
-.-
Stephan Schleim (15.01.2021): “ … Der Naturalist baut sein Wissen auf die metaphysischen Annahmen, dass es nur eine Welt gebe, dass diese unerschaffen sei und von Gesetzmäßigkeiten regiert. Vor allem soll diese Welt – die Realität – „außerhalb unseres Denkens“ angesiedelt sein (Mahner, 2018, S. 46); sie ist folglich „in ihrer Existenz und ihren Eigenschaften unabhängig von unserem Bewusstsein“ (Vollmer, 2013, S. 22). Mir widerstrebt zu erklären, dass das nicht zusammenpasst. Es ist zu offensichtlich. Wenn es nur eine Welt gibt, die es zu erkennen gilt, wo finden die Gedanken über diese Welt dann ihren Platz? In der Welt kann ihr Platz nicht sein, denn die Welt soll ja unabhängig vom Bewusstsein und den darin aufgehobenen Gedanken existieren. Irgendwo anders ist auch kein Platz, da es ja nur diese eine Welt gibt. Daraus folgt Gedankenlosigkeit. Der Begriff vom „Bewusstsein“ ist damit hinfällig. Ohne Gedanken aber gibt es keine Philosophie. Der Naturalismus löscht sich selbst aus. Komisch, dass es diese Naturalisten gibt: Philosophen ohne Philosophie. … Unter den Fesseln der Metaphysik bekommen wir für die Welträtsel bestenfalls Scheinlösungen. Machen wir uns davon frei. Die Wissenschaft kennt solche Beschränkungen nicht. Einzig die Widerspruchsfreiheit und die Übereinstimmung mit den Fakten stecken den Denkrahmen ab. … Solange die von uns erkannten Gesetzmäßigkeiten der Welt ein bewusstes Denken nicht zulassen, kann auch das Universum nicht gedacht werden. Es existiert demnach für uns nicht. Die heutige Wissenschaft ist offenbar nicht reichhaltig genug, um das Geistige zu verstehen. … “ | https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/das-fuenfte-weltraetsel-bewusstsein/

-.-
anton reutlinger 15.01.2021, 20:18 Uhr: “ … Wenn der Naturalismus so einfach widerlegbar ist, dann frage ich mich, warum die Mehrzahl der Philosophen Naturalisten sind! Sind die alle so dumm? Kein Naturalist behauptet, das Welträtsel Bewusstsein gelöst zu haben. Aber es gibt auch keinen Beweis, dass es unlösbar ist. Dagegen ist beweisbar, dass unser Wissen über diese Welt immer unvollständig bleiben wird (Gödel). …“
-.-
Wolfgang Stegemann 16.01.2021, 11:59 Uhr: “ … Solche Beiträge amüsieren mich. Ich stelle mir dann vor, ein Raumschiff mit Aliens, die uns mental und technisch haushoch überlegen sind, beobachten uns. Ich höre sie sagen, ‘was ist das für eine seltsame Spezies da unten. Sie schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein und machen ihren Planeten kaputt, glauben aber, sie seien die Krone der Schöpfung. Was für eine Schöpfung? Sie glauben, jemand hätte sie erschaffen und wenn sie tot sind, leben sie trotzdem weiter, weil ihr, wie sie es nennen, Bewusstsein oder Geist, nicht stirbt. Aber warum denken sie denn so etwas? Ihre Neuronen sind nur niederdimensional verknüpft, sie denken überwiegend assoziativ. Schade, dass so ein schöner Planet solche einfachen Bewohner hervorbringt.’ …“

[Fellini #36… ]

Amarcord (Federico Fellini, 1973) … „A m’arcord“, das bedeutet im Dialekt von Rimini „ich erinnere mich“, auf Italienisch „io mi ricordo“ … | https://de.wikipedia.org/wiki/Amarcord

Adam Grinwald (20.05.2022): [‚Federico Fellini and the Exuberance of Memory‚] “ … The films of Federico Fellini are lathered in suds of the surreal; in his movies, characters succumb to the hallucinations of fantasies, memories, and daydreams, with the language of the films themselves intentionally blurring what’s actually happening and what’s merely imagined. … Through many expressionist flourishes, Fellini’s movies become less concerned with what actually happened in a given memory than they are with how that particular memory felt. … Fellini understands that much of the joy of memories comes from the actual reflection upon them. They aren’t always supposed to be factual, nor entirely accurate. It’s more about remembering how they once felt, how a given event may have once wowed you, moved you, changed you. Things may even become fantastic once you begin remember them. …“ | https://collider.com/federico-fellini-exuberance-memory-explained/



// Adam Grinwald (20.05.2022): [‚Federico Fellini und der Überschwang der Erinnerung‘] “ … Die Filme von Federico Fellini sind mit Schaum des Surrealen eingeseift; In seinen Filmen erliegen Charaktere den Halluzinationen von Fantasien, Erinnerungen und Tagträumen, wobei die Sprache der Filme bewusst verwischt, was tatsächlich passiert und was nur eingebildet ist. … Durch viele expressionistische Schnörkel beschäftigen sich Fellinis Filme weniger damit, was nach einer bestimmten Erinnerung tatsächlich passiert ist – eher damit, wie sich diese bestimmte Erinnerung anfühlt. … Fellini versteht, dass ein Großteil der Freude an Erinnerungen von der tatsächlichen Reflexion über sie herrührt. Erinnerungen müssen hiernach gar nicht immer sachlich oder ganz genau sein. Es geht mehr darum, sich daran zu erinnern, wie eine Erinnerungen sich einst angefühlt haben, wie ein bestimmtes Ereignis einen selbst einmal beeindruckt, bewegt, verändert hat. Die Dinge können sogar fantastisch werden, wenn man beginnt, sich an sie zu erinnern. …“

Nächste Seite »