Kategorie: Cinema.Exposure

[Zum Wahn der Liebe #98 … ]

Die untreue Frau (‚La femme infidèle‘, Claude Chabrol – 1969) | “ … Charles und Hélène Desvallées führen eine scheinbar harmonische Ehe. Doch während Charles in Paris als Anwalt arbeitet, langweilt sich Hélène in ihrem luxuriösen Haus. Allein der Sohn des Paares steht noch im Mittelpunkt des gemeinsamen Interesses. Misstrauisch, ob Hélène ihm noch treu ist, engagiert Charles einen Privatdetektiv, der seine Frau beschatten soll. Der Detektiv überreicht Charles nach wenigen Tagen ein Foto mit der Adresse des Liebhabers seiner Frau … Laut Lexikon des internationalen Films ein „melodramatischer Thriller aus dem Milieu des französischen Bürgertums“, der „psychologisch eindringlich mit kühlem analytischem Blick und formaler Strenge inszeniert“ sei. Dabei stehe „weniger die kriminalistische Handlung im Zentrum des Interesses“, vielmehr verwiesen „die an Hitchcock geschulten Spannungselemente auf die deformierte Psyche der Protagonisten hinter der kultivierten Fassade“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_untreue_Frau // https://de.wikipedia.org/wiki/Claude_Chabrol

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„… Der Familienprunk offenbart die Persönlichkeit [von Hélène Desvallées], er wird jedoch durch einen sozialen, familiären und physischen Rahmen verdoppelt … Claude Chabrol schrieb 2003: „Was für mich die Bourgeoisie charakterisiert, ist neben dem Besitzgeschmack die Verdrängung der Bestialität unter einem polierten Äußeren.“ … Hélène Desvallées nimmt ihren Geliebten nie mit zu sich nach Hause … Freiheit kann nicht im privaten Raum sein … Für die untreue Ehefrau resultiert die Unterdrückung (die Konformität) aus der familiären Verpflichtung …“ | La fidélité est un vilain défaut par Ariane Beauvillard | https://www.critikat.com/actualite-cine/critique/la-femme-infidele/

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(10. Dezember 2007): “ … Es ist die Sexualität, eigentlich eher: die Lust am Leben, auf das Leben und im Leben als solche, die hinter der Fassade, man könnte fast sagen: einer Konvenienzehe [eine Ehe, die mit Rücksicht auf die zusammenpassende soziale Herkunft der Ehepartner geschlossen wird] keinen Platz gefunden hat und findet. Hélène liebt die Annehmlichkeiten dieses Lebens, aber ihre Lust hat hier keinen Platz. Der Mord an Pegala [ihrem Liebhaber] wird für Charles [ihren Mann] zu einer inneren Notwendigkeit, weil die traditionellen Mittel zur „Lösung” solcher Probleme ein für allemal der Vergangenheit angehören. Auch wenn Hélènes Akt des Fremdgehens nicht unbedingt Ausdruck von Emanzipation ist, so ist er doch nur möglich, weil es Emanzipation in der Gesellschaft gibt. Das zweite wesentliche Moment der Geschichte ist der Widerspruch zwischen der privaten Gewalt und der öffentlichen Gewalt, d.h. die Unterwerfung des Privaten unter die Regeln des Öffentlichen. Mord bleibt Mord – da helfen keine Pillen. [Die Aufdeckung des Mordes] … glückt nur durch Zufall. Hätte Charles das Notizbuch von Pegala verschwinden lassen, hätte er besser Spuren beseitigt, hätte er … usw. [wäre der Mord nicht aufgeflogen]. Beide Momente – die Erfüllung der Lust Hélènes außerhalb der Ehe wie die vermutliche Festnahme von Charles und dessen absehbare Verurteilung – weisen auf die Brüchigkeit der Konvenienzehe in einem historischen Moment [hin], in dem von allen Seiten Angriffe auf dieses Relikt der bourgeoisen Ehe gefahren werden … Chabrol zeigt aber eben auch die Beschränktheit im Verhalten seiner beiden Akteure, die lieber weiterhin, trotz allem, in einer fadenscheinigen, wenn auch materiell reizvollen Struktur gelebt hätten, als sich zu trennen und Klarheit zu schaffen. …“ | https://www.follow-me-now.de/html/die_untreue_frau.html

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“ … Chabrolesk sind Sujets wie Gier, Lüge, Heuchelei, Eifersucht, Ehebruch und Korruption – die „Chabrol’schen Todsünden als Phantome des Banalen“, wie Helmut Merker im Tagesspiegel schrieb. Chabrolesk sind die Familienclans, die die kleinen Perversionen und großen Schweinereien im Kreise der Lieben hinter der Maske der Wohlanständigkeit kaschieren. … Den betrogenen Betrügerinnen galt Chabrols Zuneigung, bei aller Koketterie mit dem monströsen Charme der Bourgeoisie. Für die bezwingend Unbezwinglichen, die Unverstandenen, die sich am Ende von einer Männergesellschaft verraten sehen, entwickelte er Solidarität, ja eine spröde Zärtlichkeit. …“ | Christiane Peitz: „Das unbestechliche Auge“ (12.09.2010)| https://www.tagesspiegel.de/kultur/das-unbestechliche-auge/1932146.html

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #76 … ]

Internetfund via ZombieLife

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Hans-Martin Lohmann (21.02.2005): “ … Männer, so lässt sich das zusammengetragene ethnologische Material und die wissenschaftliche Literatur darüber interpretieren, haben den starken unbewussten Wunsch, ihre ursprüngliche sexuelle Abhängigkeit von den Frauen zu verleugnen … Prinzipiell ist daher in der ambivalenten bis feindseligen Einstellung des Mannes zu seinen weiblichen Sexualobjekten die Idee der Vernichtung des Objekts und seiner Surrogate unbewusst immer enthalten… Eine der Hauptquellen für Frauenhass wäre dann der Hass auf das eigene (sexuelle) Begehren, für das die Frau verantwortlich gemacht und deshalb bestraft wird. … Pohl [pocht] auf das elementare Gewicht einer spezifisch zugerichteten männlichen Sexualität, ohne deren platter Naturalisierung oder Ontologisierung zu verfallen. … “ | Aus: „Rolf Pohl: Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen“ | https://www.deutschlandfunk.de/rolf-pohl-feindbild-frau-maennliche-sexualitaet-gewalt-und-100.html
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“ … Als Psychotherapeut und Supervisor habe ich sehr von der Lektüre profitiert, weil Rolf Pohl Ausflüge zur Anthropologie, Ethnologie und Soziologie macht und zusammenträgt, welche fassungslos machende Fülle an Frauenfeindlichkeit es in verschiedenen Kulturen gab und gibt und wie Zusammenhänge zu aktuellen Phänomenen zu sehen sind. Bestürzend, desillusionierend, aufrüttelnd und aktivierend, Schluß zu machen mit dem Spuk. …“ (Über: Feindbild Frau. Männliche Sexualität, Gewalt und die Abwehr des Weiblichen., 11. August 2015)
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“ … Der Diskurs über die ideale Frau spiegelte sich auch in dem über deren Antithese wider, nämlich über Frauen, die entweder kriminell oder durch sonstiges deviantes [von der Norm abweichendes] Verhalten auffällig waren. … In den 1920er und 1930er Jahren intensivierte sich, angeregt durch die Rezeption westlicher Forschungen zur Evolution, Kriminalität, Psychologie und Psychoanalyse – insbesondere der Schriften von Richard von Krafft-Ebing und Sigmund Freud – die Ansicht, jegliche Art weiblicher Sexualität und die Neigung zu kriminellem Verhalten stünden in einem kausalen Zusammenhang. … Anhand der Nachzeichnung der historischen Genese der dokufu [‚evil woman‘] … bis hin zu einem ubiquitären Topos eines weiblichen ›Anderen‹ in der Unterhaltungs- und Populärkultur sowie der Medizin, Psychologie und den Sozial- und Kulturwissenschaften der Nachkriegszeit zeigt sie überzeugend auf [Christine L. Marran: Poison Woman. Figuring Female Transgression in Modern Japanese Culture. Minneapolis: University of Minnesota Press (2007)], dass die sozialen und kulturellen Konstruktionen von deviantem Verhalten ebenso wie dessen mediale Repräsentationen im historischen und politischen Kontext der Formierung des japanischen Nationalstaates zu sehen sind. Auf diesem Hintergrund wird deutlich, dass die Darstellung von Geschlechterbildern und –beziehungen in den Medien – Literatur, Journalismus, Theater, Film – einer ideologischen Instrumentalisierung unterliegt. Marran zeigt auf, wie sehr der Diskurs über kriminelle und deviante Frauen in den über den Modernisierungsprozess Japans eingebettet ist. …“ | Aus: Evelyn Schulz: „Giftmischerinnen, Vagabundinnen und Erotomaninnen“ Eine Literatur- und Mediengeschichte krimineller und devianter Frauentypen im modernen Japan – IASLonline [17.02.2009]| http://www.iaslonline.de/index.php?vorgang_id=2722
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“ … Willi Jaspers Buch [‚Die Jagd nach Liebe‘ Verlag S. Fischer Frankfurt/Main 2007, 410 Seiten] beschreibt Heinrich Mann als einen ausgemachten Erotomanen … Erotik war für den Künstler jedoch auch immer ein geistiges „Prinzip“, er wollte „sinnlich denken“ und trachtete danach, seine Literatur „ins Weibliche zu übersetzen.“ … Willi Jasper zeichnet die Biographien von insgesamt neun Frauen aus Heinrich Manns Leben nach, die fast alle auch in sein Werk Einzug hielten. …“ | Joachim Scholl „Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ (13.04.2007)| https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-kopf-bis-fuss-auf-liebe-eingestellt-100.html
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“ … Caravaggio stieß seine Zeitgenossen auch durch sein wildes und abenteuerliches Wesen, seinen Lebensstil und seine zahllosen Affären vor den Kopf. Dennoch erhielt er mehrere Aufträge für große Gemälde. Sein Werk folgte naturalistischen Gesetzen und bezog einfache Menschen von der Straße mit ein, die er als Modelle für seine großformatigen, religiösen und mythologischen Szenen benutzte. Als er von 1600 an diese Tendenz in seinem Werk entwickelte, geschah es oft, dass die Auftraggeber seine Gemälde wegen ihrer Ungehörigkeit oder theologischen Fragwürdigkeit ablehnten. Sein Werk weckt im Betrachter tiefe Gefühle. Obwohl von Vielen verurteilt, wurden seine Innovationen bald gefeiert, und Caravaggio gewann die Achtung seiner Zeitgenossen. Zuweilen geriet er durch Schlägereien in Schwierigkeiten. Am 28. Mai 1606 geriet er nach einem Spiel in Streit und tötete seinen Gegner. Zum Tod verurteilt, floh er im Alter von 35 Jahren aus Rom. … Nichts an Caravaggios Werk ist trivial, und ihre physische und moralische Komplexität bringt auch im modernen Zuschauer eine Saite zum Klingen. Die langen Schlangen vor der Ausstellung zeigen, dass die Menschen nicht nur den Wunsch haben, diese Bilder zu betrachten, sondern dass sie auch nach der komplexen Wahrheit der Menschlichkeit suchen. …“ |Aus: „Dunkle und komplexe Schönheit“ Paul Bond (2007) | https://www.wsws.org/de/articles/2007/01/cara-j03.html

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“ … Als Sujet für meinen Vortrag habe ich die Femme Fatale gewählt, die gefährliche Frau, die angeblich die Männer verschlingt. … Im Juli dieses Jahres [2006: https://de.wikipedia.org/wiki/Geheime_Staatsaff%C3%A4ren] kam Claude Chabrols Film „Geheime Staatsaffären“ in die deutschen Kinos. … Obwohl mit dem Filmtitel die Korruptionsaffäre europäischen Ausmaßes bei der Deregulierung der Mineralölwirtschaft Frankreichs und der DDR in der Wendezeit angesprochen ist, macht der Film bei der Schilderung dieses brisanten Politikums die Richterin zur Hauptfigur. Isabelle Huppert wird mit roten Handschuhen und dem mehr als eindeutigen Namen „Jeanne Charmant Killman“ bei ihrem kurzen Aufstieg in der Männergesellschaft zur heutigen Femme Fatale. „Madame Piranha“ kommentiert der Tagesspiegel, „Richterin und Raubtier“ die taz. Der Fluss der Korruptionsgelder wird zur Nebensache, die europäische Dimension nicht erwähnt. Die politische Affäre wird feminisiert unter dem Einsatz einer offenbar immer noch überzeugenden Weiblichkeitskonstruktion, die hier für die zynische Parabel steht, das jeder des anderen Feind sei. Mit diesem mörderischen Frauenbild wird der für Frauen heutzutage durchaus begehrte Posten in der Berufswelt verstellt, um strukturelle gesellschaftliche Probleme nationaler Ökonomien im Neoliberalismus als feminisierte Personalisierung im Film „sichtbar“ zu machen. … Gefährliche Weiblichkeit, die nach damaliger Auffassung an die Sexualität der Frau gebunden ist, wird im Mythos verankert und in der sogenannten Natürlichkeit des weiblichen Körpers ganz allgemein erkannt. … Ein Beispiel des Vorsprungs der Malerei: Im Jahr 1908, also 15 Jahre bevor Erich Wulffen 1923 erreichen wollte, „daß das Bild des weiblichen Verbrechers – … plastisch – vor unseren Augen steht“, arbeitete der Maler Albert von Keller der Wulffenschen These von der „geborenen Sexualverbrecherin“ mit dem Bild „Liebe“ den Wissenschaftlern zu. Der Band „Das Weib als Sexualverbrecherin“ erschien an prominenter Stelle in der Enzyklopädie moderner Kriminalistik erst 1923. Darin versuchte Wulffen die von Lombroso 1894 aufgestellte, aber von anderen Wissenschaftlern zurückgewiesene These, des tendenziell kriminellen Charakters aller weiblichen Sexualität erneut zu bekräftigen. Keller griff in seinem vielfach reproduzierten Gemälde die bewährte Salome-Ikonographie auf und vereinte sie mit der Geschichte der aktiven Judith. Ein Opfer liegt hinter ihr und greift noch im Tod nach dem abgeschnittenen Haar, ein abgeschlagener Kopf zu ihren Füßen, bedrohlich auffordernd blickt sie auf die Betrachter des Bildes. Das Serielle ihrer Morde in diesem „Liebe“ genannten Bild ist mehr als angedeutet. Wulffen setzte 1923 diesem Weiblichkeitsbild den „Mutterschoß“ als „heiligen Boden“ entgegen, denn „die Jugend steigt aus dem Schoße der Mütter des Landes hervor“. „Gesunde Sexualität“ im Sinne der Fortpflanzung der Art wurde zu dem offiziellen Diskurs im Sozialstaat der Weimarer Republik. (Wenk, Versteinerte Weiblichkeit) In Opposition dazu zerstückelten die Maler der Avantgarde – wie Otto Dix aus Lust den ganzen weiblichen Akt als kriminelle Handlung und als künstlerische Tat im Bild. Sie machten den Mord zu ihrem unsterblichen Werk. Fragen wir abschließend noch einmal, welches Konstrukt zu welcher Zeit welchen Zweck erfüllte und wem es diente: Bei dem zuletzt genannten Lustmord arbeiteten die Künstler nach 1918 Gewalterfahrung an Bildern des Weiblichen ab. Sie reagierten als neue Täter auch auf das in der Sphinx und der Salome präsentierte Frauenbild. Sowohl in dem Film „Geheime Staatsaffären“ von 2006 als auch bei den Bildern von Salome und Sphinx wird das Konstrukt Femme Fatale eingesetzt. War es damals die sexuell aktive Frau, die zwar im Bild genossen, aber zugleich skandalisiert und abgewehrt wurde, so wird im Film 2006 eine Relation zwischen kastrierender, ja mörderischer beruflicher Tüchtigkeit der Frau und ihrem Versagen in den ehelichen Beziehungen hergestellt. Claude Chabrol lässt Jeanne Charmant Killman in der Schlusszene ihren Beruf – und damit ihre Macht – aufgeben und mit dem jungen Mann im Auto davon fahren. Statt eines versuchten neuen Konstruktes, das den Plot bis hierhin bestimmt hatte, wird nun an das altbekannte Muster erinnert. …“ | Aus: „Fatale Konstrukte: Bildende Kunst und Sexualwissenschaft im Dialog“ Kathrin Hoffmann-Curtius (27.10.2006) | http://www.hoffmann-curtius.de/PDF/femme_ge.pdf

Parsifals Versuchung“ (Arthur Hacker, 1894)

[Zeit im Bild #58 … ]

Paul Tomkowicz: Street-Railway Switchman
In this film, Paul Tomkowicz, Polish-born Canadian, talks about his job and his life in Canada. He compares his new life in the city of Winnipeg to the life he knew in Poland, marvelling at the freedom Canadians enjoy. In winter the rail-switches on streetcar tracks in Winnipeg froze and jammed with freezing mud and snow. Keeping them clean, whatever the weather, was the job of the switchman. Directed by Roman Kroitor – 1953 | 9 min
–> https://youtu.be/lYPACCoJsSg | https://de.wikipedia.org/wiki/Roman_Kroitor

[Jean-Louis Trintignant (1930 – 2022) …]

Le Train (R: Pierre Granier-Deferre, 1973) [basierend auf einem Roman von Georges Simenon]

Andreas Kilb (17.06.2022): “ … Am heutigen Freitag ist Jean-Louis Trintignant im südfranzösischen Uzès gestorben. …“ | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kino/zum-tod-des-schauspielers-jean-louis-trintignant-18110898.html

Gerhard Midding (17. Juni 2022): “ … Sein Blick war aufmerksam und beharrlich. … Trintignants erstaunliche Schaffenskraft – er spielte in über 140 Kino-und Fernsehfilmen mit und führte zweimal Regie – war tiefer Schwermut abgetrotzt. „Ich wurde schon verzweifelt geboren“, sagte er einmal. … In seiner Jugend beging er mehrere Selbstmordversuche. Um der Depression zu entkommen, in die er nach dem tragischen Tod seiner Tochter Marie im Jahr 2003 verfiel, kehrte er auf die Bühne zurück, um Gedichte von Apollinaire zu rezitieren. … In seinen letzten Rollen habe er sich wohlgefühlt, weil seine Figuren mit dem Tod konfrontiert werden, gestand Jean-Louis Trintignant einmal. … “ | https://www.derstandard.at/story/2000136656852/franzoesische-filmlegendejean-louis-trintignant-gestorben


el::grillo : “ … Danke für Dutzende bewegende Filme die meine Liebe zum französischen Kino befeuert haben. …“

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Alfred J. Noll: “ …“Auf Liebe und Tod“ (Vivement dimanche!) habe ich wohl drei-, viermal gesehen – und es war nicht nur Fanny Ardant, sondern Trintignant mit seinem ironisch-verklärten Blick und die Grandezza, mit der Truffaut seinen letzten Film gestaltete …“
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Pi7Tovix: “ … ja , wobei für mich neben der knapp über 30-jährigen Fanny Ardant so ziemlich alles unterging – sollte mir den film jetzt nochmals ansehen. …“
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Tumen “ … Man kann die Zerrissenheit dieses wunderbaren Schauspielers vielleicht besser verstehen, wenn man weiß wie sehr ihn die Familiengeschichte im und nach dem 2. Weltkrieg für immer geprägt hat. Seine Mutter wurde den Dorfbewohnern aufgrund einer Affäre mit einem deutschen Soldaten mit geschorenem Kopf vorgeführt, während sein Vater, ein ehemaliger Bürgermeister, im selben Monat als Résistant eine gefeierte Heimkehr erlebte. Das Schicksal der Mutter erinnert an sehr viele tausend Französinnen, aber auch anderen Frauen z.B. in den Niederlanden, die diesen „Verrat“, mit der ultimativen öffentlichen Demütigung büßen mussten. …“

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zorro 57: “ … ich weiß, dass er niveauvollere filme – die ich auch gesehen habe- gedreht hat, aber der stumme in „leichen pflastern seinen weg“ ist einer erwähnung würdig. …“

Tucobenedicto: “ … IL Grande Silenzio. …“ | // –> https://youtu.be/H9vkC-Y0pwM — Ennio Morricone (Il Grande Silenzio)
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Asgard: “ … Der Film war in meiner Jugend ein Hammer! Brutal dargestellt, daß der Gute nicht gewinnt, aber trotzdem „moralischer“ Sieger ist. Schwerer Tobak damals …“

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schluss.punkt: “ … merci seigneur trintignant pour de nombreux moments cinématographiques émouvants.! …“

[Wirklichkeitsbezug #10 … ]

Medien … produzieren eine notwendig moralisch entleerte Wirklichkeit, um aus sicherer Position das »Leiden anderer« betrachten zu können. … Die romantische Ironikerin weiss nur zu gut dass die Inszenierung der Romantik wesentlich ist und ihr von Anfang an zugehörig war

Damian Zimmermann, DER STANDARD, 2.7.2013: “ … Bilder von Innenräumen, in denen der Fernseher läuft: Da schauen etwa zwei Hunde in einem sehr aufgeräumt wirkenden Wohnzimmer einen Pornofilm. The Hamptons nennt er [Philip-Lorca diCorcias] das Foto ironisch, als dokumentiere es das Long-Island-Feriendomizil eines reichen New Yorkers. … “ | https://www.derstandard.at/story/1371171202484/inszenierte-wirklichkeit-wahrer-als-wahr

[Dunja Bialas über: France (Regie: Bruno Dumont, 2020)] “ … Bruno Dumont transformiert in France Medienkritik zur metaphysischen Fragestellung, während Léa Seydoux in Tränen zerfließt … Der nahe­lie­gende Blick auf France als Medien­sa­tire würde aber übersehen, dass es Dumont nicht wirklich um Medien­schelte geht. Das wäre platt und offen­sicht­lich. Ihm geht es genau um die auf erster Ebene ange­pran­gerte Über­for­mung der Wirk­lich­keit durch die mediale Darstel­lung. Ihre Trans­for­ma­tion in der Montage durch Schnitt und Kommentar und die Produk­tion einer Wirk­lich­keit zweiter Ordnung inter­es­sieren ihn, in der sich die Jour­na­listin France de Meurs dann auch narziss­tisch spiegeln kann. Medien, das ist die Folge, produ­zieren eine notwendig moralisch entleerte Wirk­lich­keit, um aus sicherer Position das »Leiden anderer« betrachten zu können. …“ | https://www.artechock.de/film/text/kritik/f/france1.htm

Andreas Busche (01.06.2022): “ … Trier und Vogt entwickeln für Julie immer wieder originelle Szenarien einer alternativen Realität. Ihr expliziter Flirt mit Eivind, der gerade so weit geht, dass er nicht den Tatbestand des Treuebruchs erfüllt (darauf haben sie sich zuvor konsensual geeinigt), gehört zu den tollsten Szenen in einer romantischen Komödie seit Ewigkeiten. Und einmal hält Julie buchstäblich die Welt an, um durch ein Tableau vivant ihrer Beziehung mit Aksel zu entfliehen. …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/der-schlimmste-mensch-der-welt-im-kino-romantik-ist-so-2012/28392276.html // https://de.wikipedia.org/wiki/Tableau_vivant

Christian Jany, ETH Zürich (07.06.2022): “ … Die Unsicherheit darüber, was das Romantische sei, steht tatsächlich am Anfang der literaturhistorischen Epoche der Romantik. Im November 1797 schreibt Friedrich Schlegel, einer der Cheftheoretiker der frühen Romantik, seinem Bruder: “Meine Erklärung des Worts romantisch kann ich Dir nicht gut schicken, weil sie – 125 Bogen lang ist!” … Die romantischen Kulissen sind einfach nicht kaputtzukriegen. Am allerwenigsten durch den Hinweis, das Ganze sei nur Wirklichkeitsinszenierung, Erfindung, Unfug, Kitsch. So spricht der nüchterne Realist, der den romantischen Schein entzaubern möchte, nicht aber die romantische Ironikerin. Sie weiss nur zu gut, dass die Inszenierung (und damit die Illusion, die Einbildung, der Schein, der Trug) der Romantik wesentlich ist und ihr von Anfang an zugehörig war. Wüsste sie davon nicht, wäre sie bloß eine Schwärmerin, eine Fantastin bar jeder Vernunft und ohne allen Sinn für die Magie von Kulisse und Beleuchtung. Sie blickte zutiefst unromantisch in die Welt. …“ | https://www.praefaktisch.de/romantik/romantische-inszenierungen-oder-von-projekten-und-beleuchtungszauber/

[Der Blick in die Kamera #51… ]

Alexander (Hammid) Hackenschmied :: Maya Deren, n.d. | via https://unregardoblique.com/2022/05/14/maya-deren-by-a-hammid-1940s/

“ … Maya Deren, geboren als Eleanora Solomonovna Derenkovskaya (* 29. April 1917 in Kiew, Ukraine; † 13. Oktober 1961 in New York City), war eine US-amerikanische Avantgarde-Regisseurin, Tänzerin und Filmtheoretikerin der 1940er und 1950er Jahre. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Maya_Deren

“ … Deren verstand sich zeitlebens als Amateurfilmerin, die ihre Filme – wie sie es ausdrückte – „mit Budgets macht, die in Hollywood gerade mal für die Lippenstifte reichen“. Sie engagierte sich auch in Amateurfilmvereinigungen. 1959 rief sie im Movie Makers Annual der amerikanischen Amateur Cinema League Filmer dazu auf, sich alle Besessenheit mit Profistandards und Filmausrüstung aus dem Kopf zu schlagen und besseren Gebrauch von ihrer filmerischen Freiheit zu machen. Ein halbes Jahrhundert später hat Maya Derens Mahnruf nichts von seiner Aktualität verloren. …“ | https://www.filmkorn.org/maya-deren-filmer-eure-wichtigste-ausrustung-seid-ihr-selbst/

Maya Deren — // prolsit (vor 12 Jahren) her voice is hypnotic….
https://youtu.be/MhEOOpbJKEc

IN THE MIRROR OF MAYA DEREN (Trailer, Martina Kudlácek 2008)
https://youtu.be/Bfg3Ya-LQzc

[Fellini #36… ]

Amarcord (Federico Fellini, 1973) … „A m’arcord“, das bedeutet im Dialekt von Rimini „ich erinnere mich“, auf Italienisch „io mi ricordo“ … | https://de.wikipedia.org/wiki/Amarcord

Adam Grinwald (20.05.2022): [‚Federico Fellini and the Exuberance of Memory‚] “ … The films of Federico Fellini are lathered in suds of the surreal; in his movies, characters succumb to the hallucinations of fantasies, memories, and daydreams, with the language of the films themselves intentionally blurring what’s actually happening and what’s merely imagined. … Through many expressionist flourishes, Fellini’s movies become less concerned with what actually happened in a given memory than they are with how that particular memory felt. … Fellini understands that much of the joy of memories comes from the actual reflection upon them. They aren’t always supposed to be factual, nor entirely accurate. It’s more about remembering how they once felt, how a given event may have once wowed you, moved you, changed you. Things may even become fantastic once you begin remember them. …“ | https://collider.com/federico-fellini-exuberance-memory-explained/



// Adam Grinwald (20.05.2022): [‚Federico Fellini und der Überschwang der Erinnerung‘] “ … Die Filme von Federico Fellini sind mit Schaum des Surrealen eingeseift; In seinen Filmen erliegen Charaktere den Halluzinationen von Fantasien, Erinnerungen und Tagträumen, wobei die Sprache der Filme bewusst verwischt, was tatsächlich passiert und was nur eingebildet ist. … Durch viele expressionistische Schnörkel beschäftigen sich Fellinis Filme weniger damit, was nach einer bestimmten Erinnerung tatsächlich passiert ist – eher damit, wie sich diese bestimmte Erinnerung anfühlt. … Fellini versteht, dass ein Großteil der Freude an Erinnerungen von der tatsächlichen Reflexion über sie herrührt. Erinnerungen müssen hiernach gar nicht immer sachlich oder ganz genau sein. Es geht mehr darum, sich daran zu erinnern, wie eine Erinnerungen sich einst angefühlt haben, wie ein bestimmtes Ereignis einen selbst einmal beeindruckt, bewegt, verändert hat. Die Dinge können sogar fantastisch werden, wenn man beginnt, sich an sie zu erinnern. …“

[Vangelis (1943-2022) … ]

Evángelos Odysséas Papathanassíou, professionally known as Vangelis, has passed away at aged 79. … | https://musictech.com/news/vangelis-yamaha-cs-80-died-aged-79-blade-runner-chariots-of-fire/

(19.05.2022): “ … Seine Inspiration fand Vangelis nach eigenen Angaben unter anderem in der Weltraumforschung, der Natur, futuristischer Architektur und dem Neuen Testament. Sein Leben lang experimentierte er musikalisch und war in den unterschiedlichsten Genres unterwegs: von psychedelischem Rock bis hin zu Ehtno-Musik und Jazz. …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/im-alter-von-79-jahren-griechischer-film-komponist-vangelis-gestorben/28360910.html

denk anstoss: “ … „1968 zog er nach Paris“ [https://www.derstandard.at/story/2000135895886/elektro-pionier-vangelis-ist-tot] … Ein bisschen Kontext dazu: In den Jahren 1967-1974 war Griechenland unter einer Militärjunta. Vangelis wurde zwar nicht verfolgt, die Junta hatte aber wenig Verständnis für experimentelle Musik. …“

Bonewerkz: “ … Also beim Blade Runner Intro stellts mir jedes mal die Haare hoch. …“ [–> https://youtu.be/-fu7jN2_2pE]

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“ … Vangelis setzte häufig den Synthesizer Yamaha CS-80 ein, der prägend in [der] Filmmusik[] zu Blade Runner war …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Vangelis … / https://de.wikipedia.org/wiki/Yamaha_CS-80

[Bild im Bild #19… ]

Ettore Scola – C’eravamo tanto amati [‚We All Loved Each Other So Much‘] (1974)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_waren_so_verliebt

“ … Professor Roy Menarini schrieb: „Der Film hat eine unterschwellige Bitterkeit und eine evokative Kraft, die noch heute sehr wirksam ist. Es ist, als würde sich die italienische Komödie mit Schwanengesang beugen, um dreißig Jahre Geschichte durch ihre desillusionierten Vertreter zu decken „. … Der Theater- und Filmkritiker Aldo Viganò: [schreibt] „ [Hier] … entsteht das unangenehme Gefühl, im Nichts zu schweben: politisch, ästhetisch, kulturell.“ …“ | https://it.wikipedia.org/wiki/C%27eravamo_tanto_amati_(film)


“ … Der Schauspieler Alessandro Gassmann erklärte: „Ciao Ettore! Dein Kino war ein Geschenk. Ich habe dich lieb.“ … “ (Aus: „Italien trauert um Meisterregisseur Scola (2016))

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #75 … ]

Bild: „To Be or Not to Be“ (Ernst Lubitsch, 1942) | „… Warschau, 1939: Die polnischen Schauspieler eines Theaters proben eine antifaschistische Komödie, kurz bevor der Zweite Weltkrieg ausbricht. Da die polnische Regierung nicht in Konflikt mit dem Hitlerregime geraten möchte, wird das Stück vom Spielplan abgesetzt, stattdessen spielt das Ensemble Hamlet. …“ https://de.wikipedia.org/wiki/Sein_oder_Nichtsein_(1942) // https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Lubitsch // https://de.wikipedia.org/wiki/Hamlet

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“ … Imagine if a comedy about al-Qaeda terrorists attacking the World Trade Center had gone into production in the summer of 2001 and been released shortly after 9/11. That would be the modern-day equivalent of Lubitsch shooting To Be or Not to Be in Hollywood in late 1941 for a premiere of March 6, 1942. … Critics and many moviegoers weren’t amused and described the film as “callous” and “inexcusable” in their assessments. …“ | From: „To Be or Not to Be“ Essay by Brian Eggert February 19, 2013 | https://deepfocusreview.com/definitives/to-be-or-not-to-be/

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Gregor Moder: To Be or Not to Be – Lubitsch, Shakespeare and the Theatricality of Power (29.03.2022)

Gregor Moder is a philosopher, working as Senior Research Associate at the University of Ljubljana, Slovenia. He is the author of Comic Love: Shakespeare, Hegel, Lacan (DTP 2015, in Slovenian), of Hegel and Spinoza: Substance and Negativity (Northwestern UP 2017), and co-editor of The Object of Comedy (Palgrave Macmillan 2020). Currently, he is co-editing a volume on The Ethics of Ernst Lubitsch … “ … [Krieg in Osteuropa! Ernst Lubitschs Komödienklassiker „Sein oder Nichtsein“ (1942) wurde während des Zweiten Weltkriegs gedreht und spielt in der Frühzeit der nationalsozialistischen Besetzung Polens. Auch wenn die Zeiten düster und absolut ernst waren, konzentriert sich der Film auf die scheinbar flüchtige Geschichte einer Theatergruppe, auf Schauspieler und auf die metaphysische Frage, was eine überzeugende Leistung ausmacht.] … War in Eastern Europe! Ernst Lubitsch’s classic comedy „To Be or Not to Be“ (1942) was filmed during World War II and takes place in the early period of the Nazi occupation of Poland. Even though the times were dismal and absolutely serious, the film focuses on the seemingly ephemeral story of a theatre group, on actors, and on the metaphysical question of what makes up a convincing performance. …“
–> https://youtu.be/U1DJ_Jy_6N0 | https://mi2.hr/en/2022/03/gregor-moder-to-be-or-not-to-be/

[New Hollywood #1 … ]

Gavin Armour über ‚IN DER HITZE DER NACHT/IN THE HEAT OF THE NIGHT – Am Nullpunkt des New Hollywood‘: “ … Das ‚New Hollywood‘-Kino setzte weniger auf das für Hollywood typische ‚Als-Ob‘, denn auf Authentizität, ein ‚So Ist‘. Es versuchte, eine realistische Analyse der Gesellschaft zu spiegeln, weshalb die wesentlichen Werke sich weder mit historischen Stoffen, noch mit solchen des Genrekinos auseinandersetzten oder zufrieden gaben, sondern meist als zeitgenössische Dramen daher kamen. Zudem wollte man unverbrauchte Gesichter vor unverbrauchten Kulissen, keine Stars in Studiobauten. Die „Kulisse“ sollten fortan die Straße, die Welt, die Realität selbst sein. Das ‚New Hollywood‘ ging hinaus auf die Highways, in die Kleinstädte und die urbanen Zentren und bildete diese direkt ab. Dadurch entwickelte sich ein auch in fiktionalen Stoffen durchaus als dokumentarisch zu betrachtender Stil. Und doch waren die Grenzen fließend, die Übergänge unscharf. … Vom ersten Bild an, das Haskell Wexlers Kamera für Jewison einfängt, wissen wir genau, womit wir es zu tun haben: Mit einer verschlafenen, zeitgenössischen Südstaatenstadt inklusive all der sie prägenden Ressentiments und Eigenarten. Verklemmte, man würde sagen: spießige, Polizisten, eine verklemmte, schwüle Sexualität, die sich nur heimlich und im Verborgenen zeigen darf … Sicher, viele der Nebenprotagonisten sind von heute aus gesehen eher Stereotype. Doch darf man nicht vergessen, daß IN THE HEAT OF THE NIGHT ganz wesentlich dazu beitrug, diese Stereotype überhaupt erst einzuführen und auszuprägen. …“ | https://www.lostinfactsandfiction.de/in-der-hitze-der-nacht-in-the-heat-of-the-night-am-nullpunkt-des-new-hollywood/
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Sumner Forbes (March 21, 2022): “ … 1967 might feel like ancient history to some, but a substantial portion of the American population was alive when segregation and other regressive policies were plaguing the American South, and frustration over the lack of progress was boiling over into the streets throughout the nation. Director Norman Jewison’s In the Heat of the Night, a vehicle for the late Sidney Poitier, brings us back to that world. … There’s no denying that many of the narrative aspects feel dated now. The treatment of racism is mostly surface-level here, with muscle cars donning the Confederate Flag, prodigious use of the N-word, and sequences on a cotton field. This is a far cry from examining the structural and sociological ramifications of racism, but hey, we gotta start somewhere. In the Heat of the Night still holds up remarkably well today, and it only highlights the magnitude of losing Poitier. In light of all that’s happened in 1967, and beyond, it’s hard to avoid viewing this as anything other than the groundbreaking work it now recognized to be after its preservation by the Library of Congress. And if we’re being honest, it’s a breath of fresh air to revisit classics made at a time when major productions strove for social change and didn’t involve actors in spandex in front of a green screen. …“ | https://filmthreat.com/reviews/in-the-heat-of-the-night/

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// New Hollywood bezeichnet US-amerikanische Filme, die von 1967 bis Ende der 1970er
// Jahre das traditionelle Hollywood-Kino modernisierten. …
// https://de.wikipedia.org/wiki/New_Hollywood

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #73 ]

„Faust – Eine deutsche Volkssage“ Stummfilm, Deutschland 1926 (Friedrich Wilhelm Murnau)
… Erzengel Michael und Mephisto schließen einen Pakt, nach dem Mephisto die Erde gehören würde, wenn es ihm gelingt, die Seele des Gelehrten Faust zu erringen. Mephisto macht Faust das Ideal der Jugend schmackhaft und ihn wieder jung. Faust verführt sein Gretchen, lässt es schwanger sitzen und zu, dass sie als Kindsmörderin auf dem Scheiterhaufen landet. …“ | https://www.kinokalender.com/film1401_faust-eine-deutsche-volkssage.html

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Jo84 (22. Juli 2017): “ … In einer Szene am Hof der Herzogin von Parma des opulenten Werkes tauchen sogar zwei wie verkleidet aussehende Elefanten auf (die allerdings aus Stoff waren, aber absolut echt wirkten); in einer anderen ringt ein Mann mit einem echten Bären. …“ (Kundenrezensionen zu: ‚Faust – Eine deutsche Volkssage‘ – Deluxe Edition (DVD) … )

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“ … Vor ein paar Wochen sollte ich ein Stück zum Faust-Jahr für die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften schreiben: „Faust und künstliche Intelligenz“ und damit bei „acatech am Dienstag“ auftreten. Nichts leichter als das, dachte ich. Ich konnte doch am Nachmittag vor der Veranstaltung ein paar Sätze aus „Faust“ mit dem Google-Übersetzer ins Englische und zurück ins Deutsche übersetzen. Sicher würde so genug Lustiges herauskommen. Doch jeden Satz von Goethe, mit dem ich den Übersetzer von Google am Nachmittag vor der Veranstaltung fütterte, kam nach dem oben beschriebenen Rundweg nahezu unbeschädigt wieder im Deutschen an. Was jetzt? Zehn Sätze übersetzte ich so, zwanzig Sätze … In zwei Stunden sollte die Veranstaltung stattfinden und ich hatte noch keinen Stoff dafür! Statt über Google-Übersetzer zu spotten, musste ich ihn immer mehr bewundern. Hat Google am Ende die ganze „Faust“-Tragödie samt ihrer perfekten Übersetzung ins Englische seinem Übersetzer einverleibt? Ich ließ „Faust“ beiseite und suchte nach Sätzen von Goethe voller mehrdeutiger Metapher. Es mussten sich doch ein paar symbolische Worte von Goethe finden lassen, an denen Google-Übersetzer scheitern würde. Und endlich kamen diese Sätze: „Wer das erste Knopfloch verfehlt, kommt mit dem Zuknöpfen nicht zu Rande.“, wurde nach der Hin-und-zurück-Übersetzung zu: „Wer das erste Knopfloch vermisst, kommt mit dem Knopf zur Seite.“ Jawohl! Goethes Knopflöcher haben mich gerettet! Und Goethes Satz, „Die Welt urteilt nach dem Scheine.“, kam viel aktueller aus der Übersetzungsmaschine heraus: „Die Welt beurteilt die Rechnungen.“ Somit war Goethe dank der künstlichen Intelligenz des Google-Übersetzers im real existierenden Kapitalismus angelangt. …“ | Aus: Jaromir Konecny „Menschen und Maschinen und das Wunder ihrer Sprache“ (10. Jul 2018) | https://scilogs.spektrum.de/gehirn-und-ki/menschen-und-maschinen-und-das-wunder-ihrer-sprache/
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Karsten Laske (15.03.2022): “ … Die DDR, einst im Goethe-Jahr 1949 gegründet, meint, zeitlos gültig zu wissen, wie des Dichters Werk gedeutet zu werden habe, und insbesondere der Faust bleibt lange heikel-heilige Kuh. Erst 1982 erklärt das Neue Deutschland offiziell, dass Goethe auch „stets neue Entdeckungen zulässt“. …“ | Aus: „Bertolt Brecht gefiel dieser „Urfaust“. Walter Ulbricht dagegen nicht“ | https://www.freitag.de/autoren/karsten-laske/bertolt-brecht-walter-ulbricht-und-goethes-urfaust
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“ … In ihrem Buch „Strafakte Faust – Goethes berühmte Triebtäter auf dem juristischen Prüfstand“ durchforsten Gieschen und Meier der Tragödie ersten Teil nach Verstößen gegen die Rechtsordnung. … Fündig wird das unbestechliche Juristenauge in dieser „buchförmigen Aufzeichnung diverser Straftaten“ recht schnell. Schon beim Prolog im Himmel ermittelt die Anklage gegen den Herrgott und Mephisto wegen „Verdachts auf unerlaubtes Glücksspiel“ (Wette um die Seele von Faust). Mephisto gar kommt in Teufels Küche in Form des berüchtigten politischen Strafrechts: Seine Angaben zur Person „Ich bin ein Teil von jener Kraft / die stets das Böse will und stets das Gute schafft“ bringen ihm eine Anklage wegen § 129a StGB ein — Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Übel nimmt ihm die Anklage auch den Verstoß gegen das Luftverkehrsgesetz, den er durch sein „Fliegen mit dem Mantel“ begeht. Lang ist das Sündenregister des Dr. Faust, der schließlich „ach, Philosophie, Juristerei und Medizin“ studiert hat: Mord an Gretchens Mutter, Totschlag ihres Bruders Valentin, versuchte Gefangenenbefreiung von Gretchen aus dem Kerker, Hausfriedensbruch, Beleidigung, Anstiftung zum Diebstahl sowie Verführung der minderjährigen Margarete in Tateinheit mit Freiheitsberaubung und Nötigung. Da schlägt der wehrhafte Rechtsstaat zu und fordert lebenslänglich für Faust und 15 Jahre für Mephisto. …“ | Bernhard Pötter (15. 3. 1993): „Faust, juristisch geprüft“ | https://taz.de/Faust-juristisch-geprueft/!1625615/
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“ … Eine Beziehung der Geschlechter, ohne Betrug, ohne wenigstens kurzzeitige Idealisierung des anderen, ohne die Hypnose der Verliebtheit setzt voraus, dass die Sprache und damit auch das Unbewusste abgeschafft wären. …“ Manfred Schneider „Liebe und Betrug“ S.418-419 (1992)

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“ … Pasolini [sieht] … , wie sehr das Triebhafte und damit Destruktive in unseren modernen Gesellschaften abgespalten wird. Und es ist kein Zufall, dass uns gerade dies seit der Jahrtausendwende wieder massiv einholt. Dem Schriftsteller und Regisseur … geht es um die Kraft des Irrationalen. Die Kunst, so formuliert er 1970 in einer Fernsehsendung, sei ein Angriff auf die bürgerliche Rationalität. … Und hier kann man eine Qualität Pier Paolo Pasolinis erkennen: Gerade durch seine Sehnsucht nach dem vorgeschichtlichen Mythos, gerade dadurch, dass er sich einem allgemeinen Fortschrittsglauben verwehrt und sich bereits durch seine sexuelle Orientierung als Außenseiter erlebt, verliert er nie das Gespür für Ausgrenzung. Macht ist für ihn etwas Monströses. …“ | Aus: „Pier Paolo Pasolini: Der lange Pass in die Gegenwart“ Maike Albath (4. März 2022) | Quelle: https://www.sueddeutsche.de/kultur/pier-paolo-pasolini-100-geburtstag-neuerscheinung-literatur-wagenbach-edition-converso-1.5541185

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“ … Erkenntnistheoretischer Irrationalismus: Vertreter dieser Richtung erklären die menschliche Vernunft allein für unfähig, die Grundlagen, Zusammenhänge und Gesetzmäßigkeiten der objektiven Realität zu erkennen. Als Alternativen für deskriptive und normative Welterklärungen werden zum Teil „höhere“ Erkenntnisfunktionen wie beispielsweise Wesensschau, Glaube, Intuition oder „direktes Erleben“ vorgeschlagen. Der ausschließlich rationalen Erkenntnis wird – anders als im Rationalismus – keine wahre Erkenntnis zugesprochen, die sich vielmehr auch auf Gefühle, den Geist oder die Seele berufen müsse. Diese Auffassungen spielen oft im Zusammenhang mit religiösen, esoterischen und okkultistischen, aber auch politischen Anschauungen eine Rolle. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Irrationalismus (13. Mai 2021)


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w.endemann (2019): “ … Wir suchen Sinn, weil ohne die Komplexitätsreduktion des Sinns die Welt nicht denkbar, geschweige denn begreifbar, und daher kein zweckvolles, zielgerichtetes Handeln möglich wäre. Aber der Sinn macht auch nur Sinn, wenn er entweder objektive Sachverhalte abbildet oder als Möglichkeit objektiviert werden kann. Sonst ist er Wahn-Sinn in der doppelten Bedeutung des Unsinns oder der fiktiven Wunscherfüllung. … Die Dinge benennen sich [ ] nicht selbst, wir sind es, und wir tun es immer interessenbedingt. Sprache bildet die Welt ab, wie sie für uns bedeutsam ist. Oder besser: sie (re)konstruiert eine Symbolwelt, wie sie für uns bedeutsam ist. Mit der Sprache haben wir die Dreiteilung in reale, imaginäre und Zeichenwelt, könnte man mit Lacan sagen. Sinn wird zwar gesucht, aber nicht gefunden, sondern gemacht. Man kann einen höheren Sinn voraussetzen, dann ist man religiös, Metaphysiker, ein Sucher nach dem Absoluten, und wenn man glaubt, fündig geworden zu sein, ist man ein „Wissender“, Erleuchteter. Nein, danke. Und man kann im Gegenteil schon den banalen, menschlichen Sinn für Blödsinn oder Selbsttäuschung halten, dann ist man halt Positivist [[Der Positivismus ist eine Richtung in der Philosophie, die fordert, dass Erkenntnisse, die den Charakter von Wissen beanspruchen, auf die Interpretation von „positiven“, d. h. von tatsächlichen, sinnlich wahrnehmbaren und überprüfbaren Befunden beschränkt werden. Diese Denkrichtung findet sich der Sache nach schon in der griechischen Antike]], eine in meinen Augen ebenso unhaltbare Position. … strenggenommen ist bei Lacan das Reale des „unerkannten und unerkennbaren zentralen Begehrens“, dieser leere oder ortlose Ort, eine metaphysische Phantasmagorie (die physiologische Basis des Begehrens läßt sich sehr genau bestimmen, hat einen körperlichen Ort, wie Hunger oder kognitive Dissonanz). …“ | Aus einem Kommentar zu einem Kommentar zu: „Und sie lohnt sich doch“ (Edith Seifert | Ausgabe 33/2019) | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/und-sie-lohnt-sich-doch-es-war-einmal

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