[RWF #6… ]

Ulrich Behrens: “ … Niklashauser Fart – Deutschland 1970, 90 Minuten (DVD: 86 Minuten), Regie: Rainer Werner Fassbinder … Die Geschichte, an die Fassbinder in einem seiner weniger bekannten Filme 1970 anknüpfte, hatte sich tatsächlich im Jahr 1476 im fränkischen Niklashausen ereignet. Der Pauker Hans Böhm verbrannte am 24. März dieses Jahres seine Pauke und verkündete den Bauern, ihm sei Maria erschienen und habe ihn aufgefordert, zum Volk zu sprechen. Schon bald werden aus den ursprünglich christlichen Ansprachen Böhms sozialrevolutionäre Forderungen, d.h. er will die Abschaffung der reichen Stände und ihrer Privilegien, er will gleichen Lohn für gleiche Arbeit und die Schaffung von Gemeineigentum der Bauern. Doch zwischen der Mentalität der Bauern und der Böhms klafften Welten. Denn die Bauern konnten sich eine Veränderung ihrer Situation ausschließlich durch ein Wunder vorstellen, nicht aber durch eigenes Handeln. In Böhm sahen sie keinen Revolutionär, sondern eine Art Messias. Böhm konnte diese Kluft nicht schließen. Und als er schließlich von der Obrigkeit festgenommen und am 15.7.1476 in Würzburg öffentlich verbrannt wurde, standen die Bauern untätig und apathisch beiseite. … Die Selbstzweifel über den eigenen Film kamen schon bald. Man sei sich schon bald nicht mehr über alles an dem Film sicher gewesen, und man denke darüber nach, warum man den Film gemacht habe: „… weil es ein Film über unsere eigene Situation ist.” … So sind denn auch die Schauspieler im Film kaum mehr als Statisten, Repräsentanten von Überzeugungen, aber kaum wirklich fühlende Menschen. Sie stehen für etwas, kaum für sich selbst – außer Fassbinder selbst als schwarzer Mönch. Man könnte fast sagen: „Niklashauser Fart” ist eine komplizierte Selbstdarstellung des Regisseurs und seiner Probleme innerhalb der Linken der damaligen Zeit. … Heute ist „Niklashauser Fart” „nur” noch eine Art Zeitdokument, ein Teil der Selbstdarstellung eines Teils der damaligen Linken, die sich in wenigen Jahren zersplitterte, verschwand, in Terrorismus ergoss oder den Marsch durch die Institutionen wagte, aus dem am Ende u.a. „Die Grünen” hervorgingen. Auf das Werk Fassbinders bezogen allerdings steht der Film in einem homogenen Kontinuum und ist daher zu Unrecht mehr oder weniger in Vergessenheit geraten. …“ | https://www.follow-me-now.de/html/body_niklashauser_fart.html

lemon / 31 Juli 2020 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Schatten #14… ]

via ‚The Third Man‘ (1949): behind the scenes of the film noir masterpiece (in pictures) | https://www.theguardian.com/film/gallery/2019/sep/05/the-third-man-behind-the-scenes-film-noir-in-pictures

Ian Thomson (2019): “ … Carol Reed was courageous enough to give the film a determinedly unhappy ending, which even the pessimistic Greene was reluctant to endorse. Reed stuck to his conviction that Anna would not have any cause to love the man who had just betrayed and shot dead her lover. Wonderfully, at the conclusion she walks past Martins as he waits for her in the cemetery after Lime’s burial, not even pausing to acknowledge him. A writer of religious doubt rather than of religious certainty, Greene had found in Catholicism a sense of melodrama — an atmosphere of good and evil — that served him well for a film shadowed by the atom bomb and the brutality of Stalin’s technocratic Russia. Seven decades on, The Third Man remains a near-perfect work that continues to speak to our troubled times. …“ | https://www.ft.com/content/5cce6602-bf76-11e9-9381-78bab8a70848

Fritz Göttler (04.03.2020): “ … [die] Musik, [ ] so schrieb es einmal die Filmwissenschaftlerin Gertrud Koch, [die] „ebenso stupid wie bösartig animiert wirkt. In ihrer ohrwurmhaften Monotonie kennt sie vor allem das An- und Abschwellen. Sie verfolgt die Handlung und deren Personal auf eigenständige und perfide Art. Im Gegensatz zu den vielen Verstellungen besitzt sie die irreale Rachsucht einer Stimme aus dem Nirgendwo, die immer schon da war. Man könnte sagen, dass diese Zither-Musik einen grotesk verdrehten Plan ausführt: Statt aus der Unterwelt orphisch zu befreien, führt sie direkt in sie hinein.“ …“ | https://www.sueddeutsche.de/kultur/der-dritte-mann-der-oligarch-und-das-penicillin-1.4829285

// Das Harry-Lime-Thema (engl. The Third Man Theme)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Harry-Lime-Thema
// https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Krasker
// https://de.wikipedia.org/wiki/Der_dritte_Mann
// https://monovisions.com/the-third-man-1949-vintage-classic-film-photos/

lemon / 27 Juli 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Fellini #30… ]

Fellinis Satyricon (1969)

“ … Tatsächlich stellt Satyricon einen der überzeugendsten Versuche dar, den Blick in die Antike als den in eine monströse Ferne zu formulieren, als Mixtur aus Pop und Byzanz. In dieser schillernden Version des Petronii Arbitri Satyricon findet sich das alte Erzählkino zum Scherbenhaufen klaustrophobischer Fragmente und fremdartiger Sackgassen zerschlagen. …“ | https://www.filmmuseum.at/en/film_program/calendar/production?veranstaltungen_id=1545032748824

// Der Film basiert auf dem Fragment des gleichnamigen satirischen Romans Satyricon
// von Titus Petronius Arbiter aus der Zeit um ca. 60 n. Chr.
// https://de.wikipedia.org/wiki/Fellinis_Satyricon

lemon / 15 Juli 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Schwarzer Kies (BRD 1961) … ]

Schwarzer Kies“ (R: Helmut Käutner, 1961)

Andreas Busche (23.04.2018): “ … Die Adenauer-Ära waren bleierne Jahre, geistig hatte die junge Bundesrepublik nach der NS-Zeit die Wende verpasst. In Helmut Käutners Noir-Heimatfilm „Schwarzer Kies“ von 1961 liegt die deutsche Schuld buchstäblich verschütt unter dem titelgebenden Schotter, den die Deutschen im Auftrag der Amerikaner aus einem Tagebau im Hunsrück abtransportieren. … Käutner war einer von Möllers Kronzeugen für die Vitalität, Brüchigkeit und kritische Melancholie des deutschen Films in den Nachkriegsjahren. … Käutner war nie ein eminent politischer Filmemacher, aber auch kein Opportunist, der sich nach dem Krieg groß verbiegen musste. Das ist wohl die einzige Kontinuität in der Karriere des 1980 gestorbenen Regisseurs. Dass er dem falschen Frieden der Bundesrepublik nicht traute, hat ihm keine Freunde beschert, weder links noch rechts. … “ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/helmut-kaeutner-retrospektive-unter-dem-kies-liegt-die-schuld/21201446.html

Tobias Sunderdiek (06.09.2018): “ … Dass „Schwarzer Kies“ beim harmoniesüchtigen Publikum nicht ankam, wundert angesichts der pessimistischen Handlung und der trostlosen Szenerie kaum. …“ | https://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/1516652/wiederentdecktes-meisterwerk-schwarzer-kies

Oliver Nöding (19.12.2017): “ … Ein schnauzbärtiger, weißhaariger alter Mann lässt unentwegt deutsche Marschmusik aus der Musicbox erschallen und schreitet dazu laut singend auf und ab – sehr zum Unmut der amerikanischen GIs, die sich nicht ganz zu Unrecht von seiner Darbietung provoziert fühlen. Der Besitzer des Tanzlokals ermahnt den Mann aufzuhören, erst freundlich, dann, als der sich beharrlich weigert, deutlicher. „Du … Saujud!“, schmettert ihm der Greis daraufhin entgegen. Der Wirt erstarrt, man kann eine Stecknadel fallen hören. Und am Unterarm des Beschimpften zeigt sich die Tätowierung, die ihn als Überlebenden des Holocaust ausweist. Die Szene ist der emotionale Gefrierpunkt von Helmut Käutners Schwarzer Kies (1961), einem Film, der mit der in jener Zeit herrschenden Wirtschaftswunder-Aufbruchsstimmung nicht viel zu tun hat. Stattdessen zeigt er ein tief verwundetes, gespaltenes Land, voller Kriegsversehrter, gescheiterter Existenzen, Glücksjäger und Hoffnungsloser. … Und da auch die zeitgenössische Kritik nicht gerade zurückhaltend war mit ihren absurden Einschätzungen, verschwand Käutners Film völlig von der Bildfläche. …“ | https://www.critic.de/film/schwarzer-kies-10719/

Jochen Kürten (06.05.2018): “ … Von „Schwarzer Kies“ gibt es zwei Versionen, die Urfassung und die, die später in den Verleih kam. … Sie erzählen viel über das gesellschaftliche und kulturelle Klima in der BRD der frühen 1960er Jahre und spiegeln die Schlacht um kulturelle Deutungshoheiten einer Zeit wider, die von Kaltem Krieg und Verdrängung, von Wirtschaftswundermentalität und Vergangenheitsbewältigung zeugen. … Ein Wiedersehen des Käutner-Films lohnt vor dem Hintergrund … , dass das deutsche Nachkriegskino immer noch unter dem abschätzigen Urteil firmiert, es habe damals nur Heimatfilme vom Kaliber „Grün ist die Heide“ gegeben. Ein Heimatfilm ist „Schwarzer Kies“ auch, freilich mit einer ganz anderen Stoßrichtung. Er zeigt nicht grüne Wiesen und rauschende Bäche, stellt uns keine gradlinigen Förster und strammen Bauernmädel vor, spielt nicht vor blühender Heide- oder Alpenkulisse. … “ | https://www.dw.com/de/anti-heimatfilm-helmut-k%C3%A4utners-schwarzer-kies/a-43664633

lemon / 12 Juli 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Foolish Wives (1922) … ]

“ … Törichte Frauen ist ein US-amerikanisches Filmdrama von Erich von Stroheim aus dem Jahr 1922. … Stroheims dritter Film … Die monströse, lasterhafte Handlung übertraf an Frivolität vieles, was bis dahin im Kino zu sehen gewesen war. … Stroheim lieferte dem Studio einen Film von mehreren Stunden Dauer und brachte es nicht über sich, ihn auf normale Länge zu trimmen. In mehreren Anläufen ließ das Studio den Film kürzen. Mit keiner dieser gekürzten Fassungen war Stroheim einverstanden. Der so gekürzte Film wurde dann mit Erfolg in den Kinos gezeigt. Auch nach einigen Eingriffen der Zensur liefen aber amerikanische Puristen immer noch Sturm gegen die lasterhafte Geschichte. So wurde der Film unter anderem im US-Bundesstaat Ohio verboten. … “ … Hier wird die Gegenüberstellung von amerikanischem Puritanismus und europäischer Libertinage ins makabre Extrem getrieben: der verführerische Graf „Wladislas Sergius Karamzin“ erscheint als dekadenter Erotomane, der am Ende vom Vater einer Idiotin, die er vergewaltigt hat, erschlagen und in ein Rinnsteinloch gestopft wird. …“ Ulrich Gregor, Enno Patalas: Geschichte des Films. Gütersloh 1973 …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%B6richte_Frauen

lemon / 8 Juli 2020 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

lemon / 5 Juli 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #46… ]

“ … Die Deutung ist nach wie vor ein zentrales Element der psychoanalytischen Behandlung. …“ (Kuttenkeuler, Dorothea; Schäfer, Georg (Hg.) – Zu: „Deutungsprozesse im Wandel‘)

“ … Generationen sind zugleich als historische Lagerungen zu begreifen. … es liegt [ ] nahe, Generationen als zeitdynamische Strukturierung von Gesellschaften und Organisationen zu begreifen. …“ | (Olaf Struck „Generationen als Zeitdynamische Strukturierung“, 2003)

“ … Die Moderne ist in die Jahre gekommen. Sie galt einmal als Teil eines Rationalisierungsprozesses. … das, woran wir uns beim Weinen erinnern, ist stets die Erkenntnis, dass wir eben nicht heroisch oder infantil-allmächtig alles in der Hand haben. …“ (Gesine Palmer)

Der Loulou“ (1980)

“ … In einer Vorstadtdisco lernt Nelly, eine junge bürgerliche Frau, den charmanten Herumtreiber Louis, genannt Loulou, kennen. In ihrer Beziehung zu André, einem gut situierten Besitzer einer Werbeagentur, findet sie keine Erfüllung. Der unbeschwerte Lebenskünstler Loulou dagegen war bereits im Gefängnis und hält sich mit Gelegenheitseinbrüchen über Wasser. Nelly ist fasziniert von dem unkonventionellen Typ, der ihre Sehnsüchte nach einem weniger spiessigen Leben verkörpert. Sie verlässt André und stürzt sich in das Abenteuer. Doch alles ändert sich, als sie plötzlich schwanger ist und mit den sozialen Verhältnissen Loulous konfrontiert wird. …“ | https://www.cede.com/fr/movies/?view=detail&aid=10300909

Olga Baruk zu ‚Der Loulou‘ – Frankreich 1980: “ … „Stimmt es, dass du im Hotel wohnst?“ fragt Loulous Mutter ihren Sohn. – „Ja“. – „Und wer bezahlt das?“ – „Na sie“. … In diesem dynamischen Film, in dem ausgesprochen viel um die Häuser gezogen, ausgegangen, gebummelt und gebumst, einander besucht und geprügelt wird, ist Nelly die Figur, die die größte Bewegung vollzieht. Sie macht etwas höchst Unvernünftiges, nämlich – wenn auch vermutlich nicht für ihr Leben lang – einen Milieuwechsel. … André zu Nelly: „Na hör mal, du musst dir deinen Macker erziehen. Sorg dafür, dass er Mozart hört, während du ihm… (eine obszöne Geste)“. … Bei einem geselligen Landausflug passiert etwas, was sich in Folge als Wendepunkt der Geschichte erweist – so beiläufig gewendet sieht man Storys im Kino selten. … “ | https://www.perlentaucher.de/im-kino/filmkritiken-zu-dau-von-ilya-krzhanovsky-und-der-loulou-von-maurice-pialat.html

Pretty Woman“ (1990)

“ … »Ein seichtes Melodram, angereichert durch einen repräsentativen Querschnitt durch die amerikanische Schlager-Geschichte und eine Bestandsaufnahme der Modetrends der oberen Zehntausend. Die Süddeutsche Zeitung beschrieb die Wirkung von Pretty Woman sehr treffend: Entweder man heult mit, oder man kotzt. …“ | http://www.wunderlin-online.de/film/pretty%20woman%20(1990).htm

Johanna W. Stahlmann (31.12.1991)“ … jener unterhaltsame Film … ist gemacht von und für Menschen, die sich selbst peinlich sind. … “ | https://www.krisis.org/1991/pretty-woman/

“ … Es ist eine dieser Geschichten, die American-Dream-treue Ameri­kaner gern erzählen. So wie die vom Teller­wä­scher, der es zum Millionär gebracht hat. Oder der Prosti­tu­ierten in Gary Marshalls Pretty Woman (1990), die vom reichen Geschäfts­mann »erkannt« und »erlöst« wird. Alles Geschichten, die im Kern natürlich nichts anderes sind als eine Variation des alten Grimm’schen Märchens vom »Aschen­puttel« (1812) …“ | https://www.artechock.de/film/text/artikel/2020/06_25_cook_off_zimbabwe_purr.html

“ … Als Pretty Woman 1990 in die Kinos kam, wurde der Film sofort zum Kassenschlager und die Fans konnten nicht genug bekommen von Julia Roberts und Richard Gere, die als Edward und Vivian ihre Liebesgeschichte in der noblen Umgebung von Beverly Hills ausleben. … “ | https://www.editorchoice.com/geheime-fakten-pretty-woman/

“ … der Film [Pretty Woman sollte eigentlich] „3000“ heißen – also nach der Summe, die Vivian für ihre Liebesdienste von Edward bekommen sollte. … „Er warf sie aus dem Auto, warf ihr Geld als Erinnerung hinterher, fuhr weg und ließ sie in einer dreckigen Gasse zurück“ … Das Arthouse-Drehbuch wurde [dann aber] Hollywood-gerecht umgeschrieben … Die Schlussszene, in der Edward über eine Feuertreppe klettert, um Vivian seine ewige Liebe zu gestehen, gehört zu den Klassikern der Filmgeschichte. Roberts wurde über Nacht zum Superstar und alle Frauen wollten ihr braun gepunktetes Kleid, das selbst zur Fashion-Ikone wurde. Die romantische Komödie rührt mit ihrer Sentimentalität zu Tränen, verzerrt den Job von Sex-Arbeiterinnen, bildet durchweg Stereotype ab und setzt die Rettung durch Liebe einer christlichen Erlösungsidee gleich. …“ | Aus: „Julia Roberts verrät eigentliches Ende von „Pretty Woman““ (25.06.2019) | https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.von-wegen-happy-end-julia-roberts-verraet-eigentliches-ende-von-pretty-woman.560e9a41-3ee9-4650-9ede-a7a29bb8e450.html

Gisela Thiele: “ … Den „Konsumkapitalistische(n) Inszenierungen der Liebe“ … In der Postmoderne, … sei die Verfügung über Ressourcen gegenüber dem Besitz und Haben vorrangig geworden. Im Zwischenmenschlichen sei eine tiefe Liebesbeziehung gegenwärtig zu wenig, denn sie könnte als Mangel und der Beschränkung nach Abwechslung gedeutet werden. Die Chance der Begegnung und menschlicher Nähe müssten dauerhaft enttäuscht bleiben, damit die Konsumlust, die Nachfrage nach Beziehungsangeboten, die online feilgeboten würden, dauerhaft bestehen (S. 21). …“ | Zu: „Burkhard Bierhoff: Liebe im Konsumkapitalismus“ (Wiesbaden) 2016 | https://www.socialnet.de/rezensionen/22082.php

Zimmer mit Aussicht“ (1985)

Magdalena Natalia Zalewski (6. Juli 2014) zu „Zimmer mit Aussicht“ (1985) : “ … Humorvoll werden anhand von Lucys Schicksal die Sitten und Gebräuche der besseren Gesellschaft infrage gestellt, wenn nicht gar belächelt. Tourismus- und Italienklischees werden mithilfe opulenter Landschaftsaufnahmen und skurriler britischer, wie italienischer Nebencharaktere mit Eleganz durch den Schlamm gezogen. Aus der naiv wirkenden Romanze entwickelt sich bald eine köstliche Gesellschaftssatire. …“ | http://www.cereality.net/kritik/zimmer-mit-aussicht-071556

Oliver Armknecht (2. März 2020): “ … Schöner Schein … Das Thema der Emanzipation, der Ausbruch einer Gefangenen, das kommt relativ kurz. Am Ende läuft es nur darauf hinaus, dass zwei Menschen, bei denen von Anfang an feststeht, dass sie füreinander bestimmt sind, doch noch zusammenkommen. Das war als Geschichte vor über hundert Jahren schon nicht originell, ist es seither auch nicht geworden. Beim Thema der Klassenunterschiede bleibt man ebenfalls an der Oberfläche, das wird immer nur wieder angekratzt bei der Frage, wer auf welchem Stand ist, wer wofür oder für wen unangemessen ist. Zu größeren Verwerfungen oder Konflikten führt das nicht. …“ | https://www.film-rezensionen.de/2020/03/zimmer-mit-aussicht/

lemon / 25 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[In jenen Tagen (1947) … ]

In jenen Tagen (Episodenfilm von Regisseur Helmut Käutner, 1947)

Eva Pfister (25.03.2008): “ … [Helmut Käutner] „Ich nahm das Mittel der Verfremdung, nämlich die Geschichte eines Autos, um von einem relativ neutralen Standpunkt die Dinge zu erzählen, denn unsere Wut, unsere Verzweiflung und unser Hass auf das, was gewesen war, wäre nicht in der Lage gewesen, eine Geschichte zu erzählen, die richtig wär. Das wäre dann nur: Ja, jetzt wo ihr dürft, da brüllt ihr los.“ … In den 60er und 70er Jahren arbeitete Helmut Käutner vermehrt als Theaterregisseur, auch als Schauspieler sah man ihn auf der Bühne und in Fernsehfilmen. Auf die Entwicklung des westdeutschen Kinos nach dem Krieg sah er mit Resignation zurück: „Es wurde eine allgemeine Banalität, und es gab eigentlich keinen künstlerischen oder politischen Film mehr, sondern nur noch eine Art von, ja: Unterhaltung. Die wertvollen Ansätze dieser ersten Zeit sind im Grunde verloren gegangen.“ … “ | https://www.deutschlandfunk.de/auf-umwegen-zum-film.871.de.html?dram:article_id=126190

“ … Nach der Zerschlagung der Ufa, konnte man im besetzten Deutschland nur Filme drehen, wenn man eine Produktionsfirma hatte. Käutner gründete daher die Camera-Film, um IN JENEN TAGEN realisieren zu können. Er drehte mit einem Minimum an Aufwand und Personal unter widrigsten Bedingungen außerhalb der Ateliers und wurde deshalb – gemeinsam mit Wolfgang Staudte – zum Begründer des »Trümmerfilms« und zum Hoffnungsträger des deutschen Films nach 1945. … Auf den Internationalen Filmfestspielen von Locarno wurde IN JENEN TAGEN ausgezeichnet, doch das deutsche Publikum war an »Trümmerfilmen« nicht interessiert und der Film floppte an der Kinokassa. …“ | https://www.film.at/in_jenen_tagen

“ … In sieben Episoden wird die Zeit des Nationalsozialismus dargestellt. Eine Rahmenhandlung hält die Episoden zusammen: Am Beginn und am Ende des Films schlachten auf einem Rummelplatz der Nachkriegszeit zwei Männer ein altes Auto aus und unterhalten sich darüber, ob es „in jenen Tagen“ Menschen und Menschlichkeit gegeben habe. Das Auto mischt sich, nur für den Kinozuschauer hörbar, in das Gespräch und erzählt die folgenden sieben Episoden aus seiner „Lebenserfahrung“ in Form von Rückblenden, um die fragliche Menschlichkeit zu bezeugen. …“ | http://www.geschichte-projekte-hannover.de/filmundgeschichte/deutschland_nach_1945/zeitgenossische-spielfilme/die-filme-3/in-jenen-tagen-2.html

“ … Das Lexikon des internationalen Films bezeichnet In jenen Tagen als „(film-)historisch wichtige[n] Film, der in knapp-präziser Charakterisierung und geschickter Aufbereitung der Zeitatmosphäre die Frage stellt, was es heißt, ‚Mensch‘ zu sein.“. Käutners Neigung zu oberflächlicher Symbolik schwäche jedoch gelegentlich den Gesamteindruck. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/In_jenen_Tagen_(1947)

“ … Durch seine Aufnahmen des Nachkriegsalltags, überliefert der Trümmerfilm interessante Einsichten und Eindrücke einer Nachkriegsgesellschaft, bei denen es sich, […] um keine identisch abgebildete Wirklichkeit handelt, aber „sie geben Zugang zu den jeweiligen historischen Werten, Normen und Reflexionen unbewusster kollektiver Wunsch- und Traumvorstellungen oder Frustrationen.“ Natürlich sei auch an dieser Stelle erwähnt dass, Filmbilder „niemals die ganze Wirklichkeit, sondern nur bewusst oder unbewusst ausgesuchte Bruchstücke eines Ausschnittes einer gesellschaftlichen Wirklichkeit zeigen.“ … Wie sooft im deutschen Nachkriegsfilm, verzichtet „In jenen Tagen“ (1947) auf die explizite Darstellung von nationalsozialistischen Tätern. …“ | Aus: „„Geschichte“ als Kulisse? – Analyse der Ausstattung von so genannten Trümmerfilme“ – Verfasser Michael Hochwarter (Wien, im März 2009) | https://core.ac.uk/download/pdf/11585422.pdf

lemon / 22 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Fraktal.Text, Kunst.Encoder / 0 Comments

[Interieur #12 … ]

„Kleines Zelt und große Liebe“ (BRD, 1956)

// “ … der Wert des Films als historische Quelle für Bewusstseinslagen und Mentalitäten …“ (Peter Stettner) // Quelle: http://www.geschichte-projekte-hannover.de/filmundgeschichte/uploads/dokumente/hannover-im-film/aufsatz1.pdf

Jochen Kürten (28.02.2012): “ … Die 1950er Jahre waren künstlerisch ein Desaster für den deutschen Film. Es dominierten Heimatfilme, die verklärend ein Bild deutscher Provinz zeichneten, das nichts mit der Wirklichkeit zu tun hatte. Harmlose Lustspiele, sich vor der Wahrheit drückende Kriegsfilme, seichte Unterhaltungskost – das war für viele Jahre der deutsche Film. ..“ | Aus: „50 Jahre Neues Deutsches Kino“ | https://www.dw.com/de/50-jahre-neues-deutsches-kino/a-15771203

// “ … Träumen ist eine Erfahrungsmodalität, bei der die Beteiligung anderer ausgeschlossen ist. …“ | Aus: „Der Traum. 100 Jahre nach Freuds Traumdeutung.“ Brigitte Boothe (16. Oktober 2000)

// “ … Das Empfindungsbild hebt neben der Zeit des Filmbildes und der realen Zeit der Wahrnehmung der Zuschauerin auf eine dritte zeitliche Bewegungsdimension ab, die sich im „Wahrnehmungsraum des Publikums“ realisiert. Das Empfindungsbild verwirklicht sich für Kappelhoff zwischen der Zeit des kinematographischen Bilds und der [realen] Zeit der Wahrnehmung des Zuschauers […]. Identifikation und Einfühlung benennen also das Vermögen des Publikums, sich in seiner affektiven Bewegung in eine Synchronizität zu solchen zeitlichen Figurationen zu bringen; sie benennen die Fähigkeit, eine Ausdrucksbewegung in einer Empfindungsbewegung an sich selbst zu reproduzieren und diese als eigene Empfindungsfähigigkeit zu genießen. (a.a.O., 172; vgl. auch Kappelhoff 2006) Dass Kappelhoff sowohl von der Zuschauerin als auch vom Publikum spricht, verweist zum einen auf das Kino als sozialen Ort gemeinsamen, gleichzeitigen Sehens und zum anderen auf das Empfinden als eine Bewegung, die sich an einer jeden einzelnen Zuschauerin realisiert und die nichtsdestotrotz – wie für Sobchack – eine intersubjektive Dimension des filmischen Wahrnehmungsprozesses meint, die sich durch das kinematographische Bild realisiert. … Die Ausführungen zum Zuschauergefühl verdeutlichen, auf welche Weise mit der Analyse der ästhetischen Erfahrung Sinnbildungsprozesse untersucht werden können. Begreift man im Anschluss an Kappelhoffs Kinokonzeption Genre als Erfahrungsmodalität, so lässt sich über die kinematographische Inszenierung der Sinnhorizont und das Bedeutungspotenial von Filmen als spezifischer Realitätsbezug bestimmen. … [es] gilt [] weniger zu untersuchen, welche Geschlechterbilder die Filme zeigen, sondern,welche Formen von „Frau-Sein“ sie erfahrbar machen. Mit anderen Worten, es geht um die Frage, wie sich Geschlechtlichkeit als Erfahrung bzw. Filmerfahrung fassen lässt. [ …] Die Erfahrungsmodalität lässt sich also, so meine These, nicht ohne die theoretischen Auseinandersetzungen um Geschlechterpolitik begreifen. …“ | Aus: „Film, Feminismus und Erfahrung – Chick Flicks oder das Genre des gegenwärtigen Woman’s Film“ – Dissertationsschrift zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Philosophie von Sarah-Mai Dang (2014) | Quelle: https://refubium.fu-berlin.de/bitstream/handle/fub188/5247/Dang_Sarah-Mai.diss.pdf?sequence=1&isAllowed=y

1956 : Chronik — 6. Internationale Filmfestspiele Berlin – 22. Juni – 03. Juli 1956: “ … Wie sehr politische Akzente gerade in Berlin mit einer gesteigerten Empfindsamkeit wahrgenommen wurden, zeigen zwei Beispiele aus demselben Jahr 1956. Alfred Bauer hatte die unabhängige Aufführung von DEFA-Filmen in der Filmbühne am Steinplatz durch seinen Protest beim Berliner Senat verhindert. Die Veranstaltung war von der Berliner Zille-Gesellschaft geplant worden und stand unter dem Motto der „Völkerverständigung“, dem sich ja auch die Berlinale offiziell verpflichtet fühlte. Wurde Bauers Handeln hier von vielen als unglücklich empfunden, so verhinderte er grundlegende Kritik an seiner Person mit der Entscheidung, Alain Resnais Film Nuit et Brouillard (Nacht und Nebel) am Rande des Festivals in einer Sondervorführung zu zeigen. Der Film dokumentiert die Verbrechen der Deutschen im Konzentrationslager Auschwitz und war zuvor auf Einspruch der Bundesregierung in Cannes aus dem Festival-Programm genommen worden – mit dem beschämenden Argument, dass der Film der „Völkerverständigung“ nicht dienlich sei. …“ | Quelle: https://www.berlinale.de/de/archiv/jahresarchive/1956/01_jahresblatt_1956/01_jahresblatt_1956.html

lemon / 22 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

lemon / 20 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Found.Stuff, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

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