Kategorie: Cinema.Exposure

[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #102]

Die Grenze zwischen Filmmythos und echtem Leben war unscharf (Aus „La Vérité“ (1960), Wikipedia) … die Göttin der Sorglosigkeit lebt hier nicht mehr … von der Brigitte-Bardot-Welt zu träumen, war viel schöner, als mit ihr ernsthaft in Berührung zu kommen. … (Georg Seeßlen)
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“ … Der Vatikan nannte sie zwischenzeitlich „Inkarnation der Sünde“ …“ Stefan Brändle aus Paris (28. Dezember 2025) | Quelle: https://www.derstandard.de/story/3000000302192/franzoesischer-filmstar-brigitte-bardot-mit-91-jahren-gestorben
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Peer der Wallone: „… Brigitte Bardot und der Vatikan – [Sie] wurde übrigens am 27. September 1995 im Vatikan von Pabst Johannes Paul dem II empfangen. … [Es sah damals] so aus, als [würden] die beiden gut miteinander klar kommen :-). Ist ja auch viel Wasser seit dem Film „Et Dieu créa la femme“ von 1956 den Tiber runter geflossen. …“
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Franz Klug: “ … Schade, dass Brigitte Bardot bei uns nur auf die sexist Frau alive reduziert wurde. …“ | [ Bardot galt besonders in den 1950er und 1960er Jahren als internationales Sexsymbol. Meistens wurde sie als hedonistische, sexuell freizügige und selbstbewusste Schönheit besetzt und prägte damit im Kino einen neuen Frauentyp in der Anfangszeit der Sexuellen Revolution [https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Revolution]. — Brigitte Bardot Filmografie –> https://de.wikipedia.org/wiki/Brigitte_Bardot#Filmografie]

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“ … „Die Wahrheit“ … Dunkler Moralkrimi mit überlebensgroßer BB … 1960: Brigitte Bardot soll für ihren sündigen Lebenswandel verurteilt werden. Die hübsche Dominique (Brigitte Bardot) steht vor Gericht: Die junge Frau soll ihren Liebhaber, den Musikstudenten Gilbert (Sami Frey) ermordet haben. Schnell wird klar: Der konservative Staatsanwalt will Dominique vor allem für ihren in seinen Augen unmoralischen Lebenswandel verurteilen. Viele Zeugenaussagen lassen das facettenreiche Bild einer lebenshungrigen Frau entstehen, die der Provinz nach Paris entfloh und hier vor allem Männerbekanntschaften suchte… Selten wurde eine Schauspielerin so mit ihrer Rolle identifiziert wie BB in diesem Film. Regisseur Clouzot („Lohn der Angst“) nutzte ihr Luder-Image, um wie ein Prophet der 68er-Revolte die moralischen Konflikte seines Landes auszuleuchten. …“ | Quelle: https://www.cinema.de/film/die-wahrheit,1332370.html


“ … La Vérité (1960) … Jahrzehnte später erklärte [ ] Bardot, von all ihren Rollen sei ihr die in Die Wahrheit die liebste gewesen. … Clouzot hat darauf hingewiesen, dass ihn reale Gerichtsverhandlungen, die er zum Teil selbst besucht hatte, zur Thematik seines Films angeregt hatten. … Die Grenze zwischen Filmmythos und echtem Leben war unscharf. Während der Dreharbeiten kursierten Gerüchte über Liebesaffären zwischen Bardot und Frey sowie Bardot und Clouzot. Die Presse brachte Bardots launenhaftes Verhalten immer wieder mit ihren Suizidversuchen in Verbindung. Bardot wurde von Paparazzi gejagt und fühlte sich gehetzt. Als Clouzot sie nach den Dreharbeiten wieder traf, erschien sie ihm sehr bedrückt. Einige Tage später, an ihrem Geburtstag am 28. September 1960, schnitt sie sich die Pulsadern auf. Sie schwebte mehrere Tage lang in Lebensgefahr. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wahrheit_(Film) (28. Dezember 2025)
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“ … Film-Ikone Brigitte Bardot … [ihre] Karriere ist untrennbar mit dem Aufstieg des modernen Starkults verbunden. … “ | Aus: „Film-Ikone Brigitte Bardot ist tot – ihr Vermögen soll ihr Lebenswerk sichern“ Moritz Bletzinger (29.12.2025) | https://www.merkur.de/welt/ist-tot-filmstar-brigitte-bardot-zr-94100270.html
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“ … Der französische Präsident würdigte sie [ ] als „eine Legende des Jahrhunderts“ …“ | Quelle: https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_101060294/emmanuel-macron-reagiert-auf-den-tod-von-brigitte-bardot-und-nimmt-abschied.html
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“ … Bardot, das wohl erste globale Sexsymbol [eine Projektionsfläche für männliche Phantasmen], empfindet ihr Leben als nicht besonders glücklich. Der Ruhm, ihre Prominenz hätten sie beinahe zerstört. … Ist es absurd, eine Frau zu bedauern, weil ihr die Welt zu Füßen lag und sie damit nicht fertigwurde? … Der Fall Bardot ist auch interessant in einer Zeit, in der beinahe kein Tag vergeht, ohne dass Frauen und insbesondere Schauspielerinnen auf die Nebenwirkungen hinweisen, die das Frausein mit sich bringen kann. … Für ihr Publikum, vielleicht auch für ihre Regisseure, war sie immer mehr Frau als Schauspielerin, egal ob sie mit Louis Malle drehte oder mit Godard. … Dem Mythos Bardot jedenfalls setzte Brigitte selbst mit 38 Jahren ein Ende; als sie entschied, von nun an kein Star mehr sein zu wollen, keine Filme mehr zu drehen. Diese Welt sei unendlich leer gewesen, sagt sie … Bardot versteigerte die Häuser und Autos, den Schmuck ihres Exmanns Gunter Sachs und das Brautkleid, in dem sie, 18-jährig, Roger Vadim ehelichte. Mit dem Geld gründete sie ihre Stiftung, für die „Rettung der Tiere in aller Welt“, wie es im Statut heißt. Seitdem kämpft sie gegen Robbenjagd und grausame Schlachtmethoden, und sie begann damit zu einer Zeit, in der das als bestenfalls exzentrisch galt. … “ | Aus: „Das Rätsel BB“ Julia Amalia Heyer (11.03.2018) | Quelle: https://www.spiegel.de/spiegel/bigitte-bardot-vom-filmstar-zur-tierschuetzerin-a-1197388.html
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Meinungshaber, 28.12.2025: “ … Sie war eine großartige Frau mit Prinzipien. Schön, klug, eine wahrhaftige Französin. Wie auch France Gall, sah sie gestern in einer herrlichen Schlagerhistoriesendung im Fernsehen, mit ihrem Lied „Drei Apfelsinen im Haar“, sehr süss dieses Video aus den 60er Jahren, wunderbar heimatlich und natürlich. ..“

Fri K.: “ … Diese Frau würde von Muslimen mit der Todesstrafe bedacht werde, allein wegen ihrer Filme, Kleidung und Benehmen: Sie ist genau das Gegenprogramm gegen woke Feministinnen und grünes Gendern: Selbstbewusste Frau, die bei „Komplimenten“ und Avancen weiß, wie sie damit umgeht. Chapeau! …“

Udo D.: “ … „wegen Anstiftung zum Rassenhass belangt!“ Welch ein Abschluss für einen Nachruf. Welch eine Anerkennung sozialer Leistung, eines Lebenswerkes, welch ei Taktgefühl der/des/quer
Verfassers/:in! Geht wohl nicht ohne! Schamlos!! …“

[Kommentare zu: welt.de: „Französischer Filmstar Brigitte Bardot mit 91 Jahren gestorben“ (28.12.2025) | Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/article695100dad28c9b829c8c952e/nach-stiftungsangaben-franzoesischer-filmstar-brigitte-bardot-mit-91-jahren-gestorben.html]

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„Die Ikone selbstbewusster Weiblichkeit“ (28. Dezember 2025) Brigitte Bardot begründete ein neues Frauenbild – und zog sich jung aus der Öffentlichkeit zurück. Nun ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben. Ein Rückblick in Bildern
https://www.zeit.de/kultur/film/2025-12/brigitte-bardot-schauspielerin-saengerin-fotomodell-fs
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Randolf K: Eine ziemlich heftige Rassistin und Sexistin ist von uns gegangen. Dass dies in der gutbürgerlichen ZEIT keine Erwähnung findet überrascht nicht.
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Hatzerim: … Erleichtern Sie sich an der zukünftigen Grabstätte. Es wird Ihnen hoffentlich Genugtuung bringen.
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Leben in Lee @ Randolf K:: Sie könnten bei einer Ausnahmeerscheinung wie Bardot eigentlich zwischen ihrer beispiellosen Karriere und späteren Abschweifungen unterscheiden und im Moment des Todes Respekt vor ihrer Leistung … zeigen. Aber nein, Sie müssen die angekratzte andere Seite der Medaille prominent ins Licht rücken. Enttäuschend.
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Mollmoll: Als Schwarzer stellt sich mir (leider?) nicht die Frage, welchen Aspekt ihres Lebens ich in den Vordergrund stellen möchte.
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Leben in Lee: Antwort auf @Talano068: … Heute Respekt, ab morgen meinetwegen kritisieren. Der Hauptkommentar hält diese Reihenfolge nicht ein.
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One-Republic: Nicht zu vergessen, dass sie unter anderem auch Klassistin war, wo sie gegen Obdachlose hetzte. Die Frau war einfach schlecht gealtert.
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Leben in Lee: Was von Bardot bleibt, ist ihre fast unerreichbare Attraktivität sowie ihr Look und Auftritt, der mit seiner Modernität und Wirkung in ganz Europa Maßstäbe für mindestens 2 Jahrzehnte gesetzt hat.
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gopalvenu: Die Schönheit war vergänglich, die Volksverhetzung ist gerichtsfest.
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One-Republic Antwort auf @gopalvenu: Ihre Schönheit wäre für die Ewigkeit prädestiniert gewesen … Aus einer Göttin wurde später eine verbitterte Frau, die mit Stammtischparolen jonglierte.
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stefanincello: Naja, sie war halt ganz nach dem Geschmack der Medien. Aber sich ganz banal ihrem Sohn widmen brachte sie nicht auf die Reihe. Ein klassisches Kind der 60er eben, in denen die Elfenbeinwelt des absurden Konsums entstand und alle die abgedrehten Konsumenten bewunderten. …
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Wildbader: Ich denke, dass Catherine Deneuve, Jeanne Moreau und Romy Schneider schauspielerisch größere Ikonen des französische Films waren, und sind.
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Michael_DD: Sie war in erster Linie ein Sexsymbol und wurde als solches von der Film- und Entertainment-Industrie ausgebeutet, bis es Jüngere und Schönere gab. Jetzt sind schon zwei oder drei Generationen ohne ihre Filme aufgewachsen (die ja tatsächlich nur selten gezeigt oder besprochen werden), aber sie lebt fort in den sentimentalen Erinnerungen alter weißer Männer an die einstige Traumfrau. Immerhin – Sogar eine tschechische Diesellokomotive trägt ihren Namen wegen des charakteristischen Vorbaus.
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HH-SH: Die letzte Ikone einer Ära…nach Delon und Cardinale nun auch BB. Für mich, weiblich, geb. Ende der 70er Jahren, bis heute ein absolutes Idol! Ihre Filme schaue ich immernoch sehr gerne. So eine wunderschöne Frau, sexy und selbstbewusst, ganz großes Kino! Auch ihr Engagement für den Tierschutz und ihr sehr zurückgezogenes Leben auf La Madrague beeindruckte mich. In punkto metoo teile ich ihren klaren Standpunkt, genau wie die großartige C. Deneuve. Einzig Bardot‘s politische Haltung im Alter verwunderte mich, war sie in jungen Jahren mit Vadim doch eher den Linken zuzuordnen und rebellierte gegen ihr fürchterlich konservatives Elternhaus. Rest in Peace, BB.

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virales: Ich bin wirklich traurig. Ich dachte Brigit B wuerde fuer immer dasein. Brigit Bardot in „Und Gott schuf die Frau“ ein französischer Liebesfilm aus dem Jahr 1956. Fuer mich wurde sie nie älter als in diesem Film.

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Popstars, zerschnitten zum Sammeln und AufhängenHistorische «Starschnitte» aus der Jugendzeitschrift «Bravo» hängen an einer Wand in der Ausstellung «Bravo»-Starschnitte. Quelle –> „Den Anfang machten die Füße von Brigitte Bardot“ Alexander Diehl (12.10.2025) | https://taz.de/Museumsdorf-zeigt-Bravo-Starschnitte/!6115492/

“ … Man nannte sie die schönste Frau der Welt, auch weil sie dem Ideal des neuen Kleinbürgertums entsprach. … Brigitte Bardot war 1959 der erste Bravo-Starschnitt. Netzstrümpfe, umgürtete „Wespentaille“, das lange blonde Haar. Der ikonische „Schmollmund“. Das Bild war mit 156 Zentimetern nachgerade lebensgroß. Und eine Göttinnengestalt, die vielleicht zum ersten Mal danach verlangte, dass das Teenager-Zimmer ein vom Rest der Familie abgesonderter Raum war. … Von der Brigitte-Bardot-Welt zu träumen, war viel schöner, als mit ihr ernsthaft in Berührung zu kommen. Dort hätte man ihren Selbstmordversuch erlebt, ihre Einsamkeit, ihr Gefangensein. Jemand wie Brigitte Bardot war für Charakter- und gar „Altersrollen“ nicht geschaffen. 1973 erklärte sie ihren Rücktritt sowohl vom Film als auch von der Musik – und wurde nie rückfällig. Ihr Bild zu bewahren, fiel der schon wieder nächsten Generation denkbar schwer: Wie konnte sie, eine einstige Vorkämpferin der Befreiung, nun mit den muffigsten Rechten gemeinsame Sache machen, Rassismus und Nationalismus verbreiten, das lobenswerte Ziel des Tierschutzes mit solchem Fanatismus verfolgen, dass noch die letzten Reste der einstigen Sorglosigkeit verschwinden mussten, die einmal ihr Charakteristikum gewesen waren? Die Göttin der Sorglosigkeit, die möglicherweise, wie eine Zeitung damals schrieb, den Sex für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts neu erfunden hat, ist uns lange schon fremd geworden. … Den Bravo-Starschnitt von Brigitte Bardot kann man sich heute digital zusammengesetzt aus dem Internet für den Heimdrucker bestellen und das kleine Vermögen dafür per PayPal abdrücken. Aber die Göttin der Sorglosigkeit lebt hier nicht mehr. Und nun ist auch ihre menschliche Gestalt verstorben. …“ | Aus einem Essay von Georg Seeßlen: „Zum Tod von Brigitte Bardot: Die Göttin der Sorglosigkeit“ (28.12.2025) | https://taz.de/Zum-Tod-von-Brigitte-Bardot/!6141456/

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Georg Seeßlen (* 1948 in München) ist ein deutscher Autor, Feuilletonist und Cineast …
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_See%C3%9Flen#Schriften_(Auswahl)

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[Zur Nicht-Realität der wahrgenommenen Objekte #3]

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Film technicians at Pinewood Studios set up a miniature air crash sequence for the Jack Gold film The Medusa Touch, using scale models of a Boeing 747 and a skyscraper. The film was released in 1978. | via
// https://en.wikipedia.org/wiki/The_Medusa_Touch_(film)

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“ … DER SCHRECKEN DER MEDUSA durchstreift viele Genres und scheitert nicht in seinem Unterfangen diese absolut schlüssig zusammenzuführen. Viel mehr wird die Geschichte derart geschickt erzählt, dass es völlig logisch ist, dass in diesen 105 Minuten der Whodunit-Krimi, der Horror- und der Katastrophenfilm zusammen mit der Apokalypse in einem Boot sitzen. …“ | Quelle: https://www.filmtipps.at/kritiken/Der_Schrecken_der_Medusa/

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[Documenting the ‘then’ and ‘now’ of movie locations worldwide.]: „The Medusa Touch“ (Director: Jack Gold, 1978) | https://www.reelstreets.com/films/medusa-touch-the/

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“ … „fantastisch“ [ist] alles, was unglaublich, versponnen, wunderbar oder großartig ist. Der Ursprung des Begriffs „phantastische Literatur“ ist ein Übersetzungsfehler: E. T. A. Hoffmanns Fantasiestücke in Callots Manier wurden 1814 als Contes „fantastiques“ ins Französische übersetzt, statt richtigerweise als Contes „de fantaisie“. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Phantastik

[Kulturelles Unterbewusstsein #11 … ]

Jenseits der UFA – Zum Scheitern des deutschen Nachkriegsfilm
von Alexander Bohr u. Peter H. Schröder (2002)
–> https://youtu.be/V84fhWEROIc

Die Dokumentation begleitet den deutschen Nachkriegsfilmen der Produktionsjahre 1946 bis 1948. Mit Hilfe von Filmausschnitten, Wochenschauen und Interviews werden die ersten Gehversuche des deutschen Films nachgezeichnet. … “ … harte Zeiten verlangten nach Ablenkung, und so trägt die Dokumentation ,,Jenseits der Ufa“ … nicht umsonst den Untertitel ,,Zum Scheitern des deutschen Nachkriegsfilms“. Denn schon bald hieß es: Keine filmischen Experimente mehr! Zwar mochte die Ufa als Staatskonzern zerschlagen worden sein, doch ihr charakteristischer Stil lebte in der restaurativen Adenauer-Ära fort. Das westdeutsche Publikum wandte sich bald schon lieber den ,,Schwarzwaldmädeln“ und ,,Försterchristeln“ jener Jahre zu. Nachdenken? Unerwünscht! Heimatfilme, Militärklamotten und Schlagerseligkeiten bestimmten nun das Kinoprogramm. Und im Osten? Da beschnitt die Staatszensur künstlerische Freiheiten. …“ | Aus: „Düstere Zeit des deutschen Films“ (20.07.2002) | Quelle: https://www.noz.de/deutschland-welt/panorama/artikel/vermischtes-duestere-zeit-des-deutschen-films-23970264

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Kontexte:

“ … Die deutsche „Traumfabrik“ scheint durch idyllische Bilderreihen einen ganz bestimmten Zweck zu verfolgen und dabei einer Ideologie gewahr zu sein. Der Heimatfilm bewahrte diese Ideologie durch seinen Inhalt und seine spezifische Bildersprache. Daher war es erforderlich, die Trümmerwirklichkeit auszublenden, um diese Illusion des Vollkommenen zu erzeugen, aber auch um den Anschein zu erwecken, dass die deutsche Realität nicht so problematisch war, wie man allgemein annehmen könnte. Anstelle dessen wurden unberührte Wälder und Berge präsentiert, Halbwahrheiten, die von sentimentalem Kitsch erfüllt waren. Die Harmonie und heile Welt erfüllte den Wunsch nach „einem unkomplizierten und unbelasteten Vaterland“. Die deutsche Filmindustrie bediente diese Sehnsüchte und lieferte dem Publikum entsprechende Bilder bis weit in die 1960er Jahre. …“ | Aus: „„Fiktion als widerständiges Element in Alexander Kluges ABSCHIED VON GESTERN (1966/67)“ von Hüseyin Kocintar (Diplomarbeit – Wien, 2015), pdf (89 Seiten) | Quelle: https://services.phaidra.univie.ac.at/api/object/o:1313997/get


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„Medien der 1950er Jahre (BRD und DDR)“
Marburger Hefte zur Medienwissenschaft: 54 / 55
Es geht um eine Neubestimmung einer Zeit und um die Einordnung einer Zeit in die vorhandenen mediengeschichtlichen Rahmen. … (pdf 192 Seiten, 2012)
–> https://mediarep.org/server/api/core/bitstreams/b62c9297-6319-4242-ba54-79eecf5efdad/content

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LINK ACCUMULATOR :: [Filmgeschichte (Notizen)… ]
–> https://www.subf.net/linklist/index.php/topic,206.0.html

[Zeit im Bild #81 … ]

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“ … Zwischen gestern und morgen ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahre 1947 von Harald Braun. Er ist dem Genre des für die ersten Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland typischen Genre des Heimkehrer- und Trümmerfilms zuzuordnen. … Die zeitgenössischen Kritiken wie die rückblickenden der Adenauer-Jahre fielen durchaus positiv und milde aus, während in späteren Jahren in bisweilen scharfem Ton die Unverbindlichkeit, das Unanalytische und das Selbstmitleid dieses Streifens und auch zahlreicher anderer Filme jener Jahre vor der Gründung beider deutscher Staaten (1949) attackiert wurde. … Buchers Enzyklopädie des Films setzte sich intensiv mit der generellen Problematik des Trümmerfilm-Genres auseinander: „Typischer für die frühe deutsche Nachkriegsproduktion waren allerdings die ab 1947 entstandenen Trümmerfilme, Werke, die sich mit der Nazizeit aus dem ratlos-verkaterten Blickwinkel des Hinterher auseinandersetzten und viele gut gemeinte Ansätze durch eine Beschränkung auf das Klagelied des ohnehin machtlosen, kleinen Mannes zunichte machten oder sich in allgemeine Anklagen verloren, die niemanden trafen, weil alle zu den Betroffenen zählten. Typisches Beispiel dafür waren Harald Brauns Zwischen gestern und morgen oder Wolfgang Liebeneiners Liebe 47…“ … Für Ludwig Marcuse bildet sich mit diesem Film und seiner Story [https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischen_gestern_und_morgen#Handlung], auch auf dem Hintergrund der eigenen Emigrationserfahrung, das grundsätzliche Verhältnis der Deutschen zu seinen rückkehrenden Emigranten ab: „Ich habe gehört: da ist jetzt der erste Film einer deutschen Firma in der USA-Zone; man sollte ihn nicht vergessen. (…) Das schwere deutsche Problem, 1948, lautet: soll man einem Emigranten die Hand geben, der zwar nicht Österreich, die Tschechoslowakei, Polen, Belgien, Holland, Frankreich, Finnland, Dänemark und Norwegen gestohlen hat … aber vielleicht ein Schmuckstück? Gott sei Dank findet sich plötzlich das Gesuchte. Der Emigrant ist rehabilitiert. Man braucht zur Interpretation keine Tiefenpsychologie: der Emigrant muss beweisen, dass er sich anständig benommen hat. Dann erst kann man ihm die Hand geben. Wem er die Hand geben kann, wird nicht in Betracht gezogen.“… “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischen_gestern_und_morgen
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“ … „Wir sind auf der Suche nach Vätern, das ist kein Vergnügen – nach Vätern, die die Wahrheit sagen, nach Vätern, die, weil sie die Wahrheit schon einmal tausend Jahre verschwiegen haben, die Folgen dieses Schweigens jetzt endlich einsehen und bereuen, nach Vätern, die uns ihre Reue mitteilen und die mit uns zusammen nachdenken über die Wege, die sie gegangen und die jetzt zu gehen sind.“ — Nicht mehr, aber auch nicht weniger fordert Klaus Köhler von den deutschen Vätern. Klaus Köhler ist der Protagonist von Christian Geisslers Debütroman „Anfrage“. Als das Buch 1960 im westdeutschen Claassen Verlag erschien, provozierte es erhitzte Reaktionen … [es] wurden Stimmen laut, der Autor müsse wegen Landesverrats angeklagt werden [Zum Buch: Christian Geissler: „Anfrage“. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Detlef Grumbach. Berlin 2023. 344 Seiten]. Andere waren begeistert. „Dieses Buch ist leidenschaftlich und rücksichtslos, radikal und aggressiv, zornig und hemmungslos. Und es ist gleichzeitig unreif, oft sehr naiv, unbeholfen, mitunter sentimental und melodramatisch“, schrieb Marcel Reich-Ranicki. Ralph Giordano nannte es „ein Buch, das um sich beißt, kratzt, schlägt, faucht und sticht“. Geisslers Roman zeichnet sich in der Tat durch einen heiligen Zorn aus. Dieser Zorn lässt ihn solitär in der deutschen Literaturlandschaft der ersten Nachkriegsjahrzehnte stehen. …“ | Aus: „Die Schuld der bequemen Ratlosigkeit“ Ulrich Gutmair (28.7.2023) | Quelle: https://taz.de/Roman-aus-dem-Jahr-1960/!5947623/
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“ …“Die Ehe der Maria Braun“ ist ein Spielfilm von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1979. … Fassbinder nutzt diese melodramatische Geschichte, um einen distanziert-pessimistischen Blick auf die unmittelbare Nachkriegszeit in Westdeutschland zu werfen. Maria Braun wird dabei vielfach als Verkörperung des Wirtschaftswunders gesehen, das Wohlstand nur um den Preis des Verdrängens von Gefühlen brachte. …“ | [ Siehe auch: Sabine Pott: Film als Geschichtsschreibung bei Rainer Werner Fassbinder. Peter Lang GmbH Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2001. 2. durchgesehene Auflage 2004. ISBN 3-631-51836-6, S. 19–99. ] | Aus: „Die Ehe der Maria Braun“, Datum der letzten Bearbeitung: 2. September 2025, 20:13 UTC, Versions-ID der Seite: 259408625
Permanentlink: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Die_Ehe_der_Maria_Braun&oldid=259408625, Datum des Abrufs: 13. Oktober 2025, 09:10 UTC


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“ … Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass epigenetische Informationen die Grenze der Generationen nicht überschreiten können. Wissenschaftler nahmen an, dass das epigenetische Gedächtnis, das während des gesamten Lebens angehäuft wurde, bei der Entwicklung von Spermien und Eizellen vollständig gelöscht wird. Erst vor kurzem wiesen mehrere Studien nach, dass epigenetische Markierungen tatsächlich an folgende Generationen weitervererbt werden – aber wie genau und welche Auswirkungen dies auf die Nachkommen hat, blieb bisher unklar. … „Unsere Studie legt den Schluss nahe, dass wir mehr als nur Gene von unseren Eltern erben. …“ | Aus: „Epigenetik zwischen den Generationen“ (13. Juli 2017) [[Zenk F, Loeser E, Schiavo R, Kilpert F, Bogdanovic? O, Iovino N, Germ line–inherited H3K27me3 restricts enhancer function during maternal-to-zygotic transition. Science; Vol. 357, Issue 6347, pp. 212-216; July 14th, 2017]] | Quelle: https://www.mpg.de/11396064/epigenetik-vererbung

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„… Inzwischen gibt es „eine Flut von Veröffentlichungen zum Thema generationaler Weitergabe früher Traumatisierung“, wie die Psychosomatikerin Christiane Waller schrieb … Im Jahr 2017 berichtete der Wissenschaftsjournalist Michael Lange im Deutschlandfunk über die Neuroepigenetik, die bemüht sei zu klären, ob und wenn ja, wie sich traumatische Erlebnisse jenseits evolutionärer Prozesse, in denen Mutation und Selektion bestimmend sind, im Erbgut verankern und auf nachfolgende Generationen übertragen. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Transgenerationale_Weitergabe

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“ … [Zu: Ines Geipel: „Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass“. Klett-Cotta, Stuttgart 2019, 377 S.] … Dieses Buch schmerzt. Es erzählt über den Schmerz, den eine Familie erleidet. „Umkämpfte Zone“, das [ ] Buch von Ines Geipel, fügt aber auch Schmerzen zu. In dem Band über „Meinen Bruder, den Osten und den Hass“ wird das Unterste der Familie Geipel zuoberst gekehrt. All die Angst und der Hass und die Traumata, die die Geipels durch das 20. Jahrhundert hinüber in das unsere mitschleppen und die sie knebeln. In „Umkämpfte Zone“ wird das Nichtgesagte bloßgelegt und anschließend besprochen wie eine klaffende Wunde. [… Ines Geipels] Buch über die Kontinuität von Gewalterfahrungen erzählt [eben diese] auf eindrucksvolle Weise. …“ | Aus: „Keinerlei Hemmungen“ Anja Maier (5.4.2019) | Quelle: https://taz.de/Umkaempfte-Zone-von-Ines-Geipel/!5583141/
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mowgli, 05.04.2019, 22:30 Uhr: “ … Aha. „DIE Wut im Osten“ hat also nur eine einzige Quelle. Die, die Ines Geipel aus eigener Anschauung kennt. Schon irgendwie erstaunlich bei zuletzt 18 Millonen DDR-Bürgern! Im Westen scheint es DIE Wut nicht zu geben. Da hat jeder ein Recht auf seine eigenen, individuellen Gründe, richtig? – Echt mal, werte Anja Maier: Ines Geipel ist sicher eine ganz tolle Schriftstellerin, aber sie zum Stellvertreter für gleich ein paar Millionen Leute zu machen, nimmt ihr ihre Individualität als Opfer. Das ist nicht fair, finde ich. Ines Geipel hat ein Recht darauf, dass ihre Geschichte IHRE Geschichte bleibt und nicht zur Geschichte aller Ossis gemacht wird. Wir sind ja schließlich nicht in Nordkorea. Nicht jeder, der heute Wut hat, hatte überzeugte Nazi-Großeltern und brutale Stasi-Eltern. Manch einer hat seine Wut auch aus den frühen 90-ern oder sogar erst nach 2000 erworben. Und überhaupt: Wütend zu sein, ist kein Alleinstellungsmerkmal der ,,Ossis“. Die Strukturen, die Menschen in die Raserei treiben, gibt es anderswo auch. Und immerhin haben wir Deutschen ja eine gemeinsame (Vor-)Kriegsgeschichte. Die wirkt in uns allen irgendwie nach. Der Ü30-Durchschnitts-Ossi ist womöglich nur immer noch etwas weniger dick lackiert als der Ü30-Durchschnitts-Wessi mit bürgerlichem Hintergrund. Er ist ja nicht so intensiv aufs Karrieremachen vorbereitet worden. Er sollte eher Arbeiter oder Bauer werden. …“
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76530, 06.04.2019, 10:43 Uhr @mowgli: “ … Ich kann Sie beruhigen: Wut ist in der Tat kein Alleinstellungsmerkmal der „Ossis“. Auch [der] Bruder [der Wut], der Zorn, nicht. Ja, es gibt gewisse Strukturen auch im Westen, die auch in uns nachwirken. Je nach Person sehr unterschiedlich stark ausgeprägt. Wie ich erst kürzlich mit einem früheren Kollegen [besprach], brechen im Alter ohnehin die Abwehrmechanismen auf, spielen Statusfragen, Karrieredenken et. al. keine große Rolle mehr. Es geht dann früher oder später nur noch an’s Eingemachte. …“

[Der Blick in die Kamera #88… ]

Das Auge des Bösen (L‘ Oeil du Malin) Spielfilm 1962

Das Auge des Bösen ist ein Psychothriller aus dem Jahr 1962 von Claude Chabrol, der zu dem Schwarzweißfilm auch das Drehbuch schrieb. | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Auge_des_B%C3%B6sen_(1962)

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“ … Der erfolglose französische Journalist Albin Mercier soll über das Alltagsleben der Deutschen in einer bayrischen Kleinstadt schreiben und dringt neiderfüllt und von Eifersucht getrieben in das Geheimnis einer glücklichen Ehe ein. …“ | https://www.studiocanal.de/title/das-auge-des-bosen-1962/


[Claudia Cardinale (1938 – 2025) … ]


Claudia Cardinale in „Un maledetto imbroglio“ Pietro Germi (Italien, 115 Min. / 35 mm, 1959) | https://de.wikipedia.org/wiki/Unter_glatter_Haut

“ … Kommissar Ingravallo (Pietro Germi) stößt bei der Untersuchung eines Juwelendiebstahls und eines Mordes in der römischen Via Merulana auf geänderte Testamente, suspekte Alibis und verräterische Briefe. Die literarische Vorlage von Carlo Emilio Gadda, eine durch verschiedene Sprachebenen gestaltete Schilderung der römischen Gesellschaft und ihrer sozialen Strukturen, ist eines der Hauptwerke der italienischen Moderne. Pietro Germis Adaption … war für Claudia Cardinale „eine Offenbarung“. Obwohl sie nur eine Nebenrolle spielt, hob Pier Paolo Pasolini sie in seiner Filmkritik hervor: „Seine ganze Besprechung des Films basierte auf der Analyse meines Blickes. Ich besäße eine Art zu beobachten, schrieb er, die allein mir eigen sei, zu drei Vierteln aus dem Augenwinkel heraus“. …“ | Quelle: https://www.arsenal-berlin.de/kino/filmvorfuehrung/un-maledetto-imbroglio-3637/

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(24.09.2025): “ … Cardinale wurde 15. April 1938 in Tunis als Tochter sizilianischer Auswanderer geboren und wuchs dort dreisprachig – mit Französisch, Arabisch und dem Sizilianischen – in bescheidenen Verhältnissen auf. … Nach ihrer Karriere als Schauspielerin engagierte sich Cardinale als Aktivistin für Frauenrechte. Als Unesco-Botschafterin und Unterstützerin der Bewegungen #MeToo und Time‘s Up setzte sie sich für Freiheit, Unabhängigkeit und weibliche Selbstbestimmung ein. … “ | Quelle: https://www.wort.lu/kultur/trauer-um-italienische-schauspielerin-claudia-cardinale/92549546.html

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(FD, 24.09.2025): “ … Lange verbarg sie auch, dass sie eine ledige Mutter war. Das Kino wurde schließlich zu ihrer Rettung. Ihr Sohn Patrick soll, wie die Schauspielerin in ihren Memoiren bekannte, die Folge einer Vergewaltigung gewesen sein. …“ | Quelle: https://www.filmdienst.de/artikel/39411/claudia-cardinale-tv-programm-arte

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Robert Messer (dpa, Mi, 24. Sep 2025): “ … Von Marlon Brando bis Alain Delon hätten es viele versucht, aber sie habe alle abgewiesen. Selbstbestimmung und Frauenrechte waren ihr immer wichtig. „Ich war immer schon der Ansicht, dass die Frau stärker ist als der Mann“, sagte sie … „Denn die Frau gibt das Leben.“ …“ | Quelle: https://www.badische-zeitung.de/abschied-von-einer-film-ikone-claudia-cardinale-ist-tot

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Captain Brown (24.09.2025) zu: https://www.zeit.de/kultur/2025-09/claudia-cardinale-tot-schauspielerin-italien: “ … [„Die französisch-italienische Schauspielerin hatte Rollen in über 150 internationalen Filmen und gewann den Goldenen Bären. Nun ist sie mit 87 Jahren gestorben.„] Offen gestanden hatte ich etwas Persönlicheres erwartet als den nur mäßig paraphrasierten Beitrag aus der deutschen Wikipedia. Mit ihr ist der letzte Star aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ gegangen, was mindestens einer Generation von Kinozuschauern unter die Haut gehen dürfte. …“
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Iza1966: “ … Ich habe mir in meiner Kindheit oft gewünscht, dass diese Frau meine Mutter gewesen wäre. Ihre Persönlichkeit, so wie ich sie aus ihren Filmen erlebt habe, hat mich sehr beeindruckt und geprägt. Ich trauere um den Verlust, um den Verlust einer Mutter. …“

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Barbensis: “ … Claudia Cardinale … war schön, eigenständig, hatte Charisma. Auch sie gehörte zu den vielen Frauen, die Vergewaltigung und daraus resultierend schwerste Konflikte austragen musste, Sie fand zu Souveränität und Engagement, das macht sie zu einer Schwester im Geiste von #MeToo. Ich erinnere mich an sie im „Rosaroten Panther“ und in „Cartouche, der Bandit“ – frech, strahlend, unvergesslich. Ich hätte sie gerne kennengelernt. …“

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Drüberschauen: “ … Wenn man nur bedenkt, wie sie die Männer- und Banditenwelt in „Spiel mir das Lied vom Tod“ (1968) vorführte! In dieser Zeit als der Film gedreht wurde, war das ganz außergewöhnlich! Und ihr tiefer Blick in die Kamera, unvergessen! …“

[Schatten #27… ]

Bild zu: „Die Dame im See“ („Lady in the Lake“, USA, 1947)

“ … Die Literaturadaption [„Die Dame im See“ („Lady in the Lake“, USA, 1947) ] ist ein berühmteste Beispiel in der Filmgeschichte, in dem die subjektive Kamera benutzt wird. Der gesamte Film wird fast ausschließlich aus der Sicht von Philip Marlowe erzählt. Dies ist unüblich und hat für Kritik gesorgt, denn die klassische Erzählweise in nahezu jedem Film ist auktorial [[„… In der auktorialen Erzählsituation gehört der Erzähler (auktorialer Erzähler) selbst nicht zu der Geschichte, die er erzählt, sondern tritt deutlich als Urheber und Vermittler der Geschichte in Erscheinung. Der Erzähler tritt gewissermaßen in eine „Er/Es-Perspektive“: Jemand erzählt allwissend die Geschichte einer oder mehrerer Figuren. Der Erzähler ist also selbst nicht Teil der dargestellten Welt, sondern schildert sie „allwissend“ von außen, weswegen er auch oft als allwissender Erzähler bezeichnet wird. So kann er etwa Zusammenhänge mit zukünftigen und vergangenen Ereignissen herstellen, diese kommentieren und Wertungen (Erzählerrede) abgeben, Handlungen verschiedener Figuren zur gleichen Zeit an unterschiedlichen Orten schildern usw. Generell weiß er mehr als seine Figuren, er kennt deren Gedanken- und Gefühlswelt und sieht die Situation aus einer anderen Perspektive. …“] | Aus: „Typologisches Modell der Erzählsituationen – Die Auktoriale Erzählsituation“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Typologisches_Modell_der_Erz%C3%A4hlsituationen#Auktoriale_Erz%C3%A4hlsituation (5. Juni 2025)].

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Die neutrale Kamera ist weder an räumliche noch an zeitliche Beschränkungen gebunden, während die subjektive Kameraposition dem Publikum das Geschehen auf der Leinwand durchgängig aus dem Blickwinkel eines Protagonisten zeigt. Möglicherweise bekommt der Zuschauer den Eindruck, dass ihm durch die subjektive Kamera nur etwas vorgemacht wird oder er empfindet diese Erzählweise, die sich durch den ganzen Film zieht, als verkrampft und klaustrophobisch. Das Prinzip des Ich-Kamera-Films wird nur zweimal durchbrochen, als Marlowe am Anfang und am Ende des Films aus neutraler Perspektive das Publikum anspricht, wobei er direkt in die Kamera blickt. So setzt er den Rahmen für die in einer Rückblende erzählte Geschichte. Damit wird die subjektive optische Sicht äußerst streng eingehalten … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Dame_im_See | https://de.wikipedia.org/wiki/Point-of-View-Shot

Die Erzählperspektive eines erzählenden Textes (Epik) ist eine Antwort auf die Frage „Wo sieht und spricht der Erzähler?“ oder auch „Was kann der Erzähler wissen?“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Erz%C3%A4hlperspektive

Das typologische Modell der Erzählsituationen von Franz Karl Stanzel ist ein gebräuchliches Schema zur Analyse von Prosatexten, das seit den 1950er Jahren – trotz häufiger Kritik – weite Verbreitung in der Literaturwissenschaft gefunden hat. Innerhalb der Erzähltheorie ist es eines von mehreren gebräuchlichen Modellen zur Unterscheidung von Erzählperspektiven. | https://de.wikipedia.org/wiki/Typologisches_Modell_der_Erz%C3%A4hlsituationen

Reference photograph taken on the set – showing actor and director Robert Montgomery with a camera crew, capturing a scene with actor Lloyd Nolan (1946). via https://www.royalbooks.com/pages/books/165072/robert-montgomery-audrey-totter-lloyd-nolan-tom-tully-raymond-chandler-steve-fishe-starring/lady-in-the-lake-original-photograph-of-robert-montgomery-and-lloyd-nolan-on-the-set-of-the-1946-film

[Terence Stamp (1938-2025)… ]



Pier Paolo Pasolini & Terence Stamp (bei Arbeiten zu „Teorema – Geometrie der Liebe“, 1968)
// “ … Ein Postbote gibt ein Telegramm an der Tür der Villa einer großbürgerlichen Industriellenfamilie ab, in dem für den nächsten Tag die Ankunft eines Gastes angekündigt wird. Der Gast ist ein gutaussehender und zurückhaltender junger Mann, liest Arthur Rimbaud und bewegt sich ungezwungen im ganzen Haus. Nacheinander erliegen alle Familienmitglieder seiner Faszination: Die Haushälterin Emilia, der Sohn Pietro, die Mutter Lucia, die Tochter Odetta sowie letztendlich der Vater. Mit allen hat der Gast sexuellen Verkehr und leitet eine Wende in ihrem Leben ein. Nach seiner plötzlichen Abreise hinterlässt er Leere und seelisches Chaos, das Mutter, Vater, Tochter und Sohn auf unterschiedlichste und teils absurde Weise zu kompensieren versuchen. Das Theorem, das im Filmtitel vorkommt, ist dasjenige, welches behauptet, man müsse auf die Probleme der Welt und die eigenen existenziellen Bedürfnisse mit einer formalistischen Geometrie antworten, genauer gesagt mit spießbürgerlichen Verhaltensweisen. Eine solche Gesellschaft kann laut Pasolini nicht echt sein. Ein Ereignis außerhalb der Norm, wie der Besuch des unbekannten Gasts, genügt, um die Leere zu offenbaren. Die Bewohner des Hauses beginnen sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und geraten selbst aus der Norm. Im Film wird also das Theorem zerlegt. „| Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Teorema_%E2%80%93_Geometrie_der_Liebe (21. November 2022)



// Picture via „TERENCE STAMP INTERVIEW“ (by Rossana Capitano with Morgaine Gaye, 2007) | https://www.maramarietta.com/the-arts/cinema/t-v/teorema/

[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #101]

Eine Vaterschaftsfabel … der Privatdetektiv („Das Auge“) weiß, dass sie [seine Ersatztochter] ebenso in einer wahnsinnigen Fantasie lebt wie er selbst … Wir träumen. Wir sind bereit, umherzuwandern.


Bild aus dem Spielfilm: „Das Auge“ („Mortelle Randonnée“, Frankreich, 1983) | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Auge_(1983)

“ … Michel Serrault spielt … [in „Mortelle Randonnée“, Frankreich, 1983] „Das Auge“ [… einen ehemals] berühmt-berüchtigter Privatschnüffler, der nach privaten und beruflichen Nackenschlägen inzwischen nur noch einen schlecht bezahlten Job bei einer kleinen Detektei hat. Beauvoir hadert mit der Tatsache, nie seine einzige Tochter Marie kennengelernt zu haben. … Sein aktueller Job scheint ein simpler Beschattungsauftrag, denn ein wohlhabendes Ehepaar möchte Informationen über die ihnen völlig unbekannte Affäre ihres Sohnes bekommen. Hierbei handelt es sich um die verführerische Catherine (Isabelle Adjani), die sich als scheinbar skrupellose Mörderin entpuppt … In einer Mischung aus Obsession und Traumabewältigung sieht er in Catherine seine Tochter und übernimmt die unsichtbare Vaterrolle.

Eine pessimistische, makabre und psychologisch interessante Geschichte wird über weite Strecken fast wie eine schwarze Krimikomödie verkauft … Die teilweise durchaus krude anmutende Mischung aus skrupellosem Crime-Roadmovie, abgründigem Psycho-Drama und beinah absurder Genre-Parodie funktioniert wirklich nicht immer und dürfte nicht wenige Zuschauer*innen dabei auf der Strecke lassen, entwickelt aber trotzdem relativ schnell einen hochinteressanten und faszinierenden Sog, der das Geschehen insgesamt sehr markant und beinah sogar einzigartig gestaltet, so dass man über so inzwischen bald beiläufige Dinge wie Logik oder eine zielgerichtete Genre-Definierung kaum noch einen Gedanken verliert. Das Auge gelingt es, ganz viele Bausteine völlig krumm und schief zusammenzusetzen und daraus ein sonderbares, aber in seiner ganz eigenen Form bemerkenswertes Gebilde zu erschaffen, das gerade dadurch erst echte Stabilität erringt. Das letzte Drittel hat so viel poetische Schönheit und bittere Melancholie, dass einem der anfänglich holperig erscheinende Beginn plötzlich vollkommen perfekt vorkommt – in seinem eigenen Mikrokosmos. …“ | Aus: Jacko Kunze „Mortelle randonnée – Das Auge (Claude Miller, 1983)“ | Quelle: https://www.moviebreak.de/film/das-auge

athanasiosze, 28. März 2024: “ … Das habe ich nicht erwartet. … Es stellt sich heraus, dass es eine schwarze Komödie ist. Eine Dekonstruktion von Krimi-/Noir-Filmen, eine Parodie. …“

robert-temple-1, 16. März 2010: “ … Die Hauptfigur ist ein echter Mr. Anonymous, ein hoffnungsloser Detektiv, brillant gespielt von Michel Serrault, der so gewöhnlich aussieht, dass ihn niemand bemerkt. Wie er selbst im Film sagt: „Ich sehe aus wie jeder andere.“ Sein Leben wurde zwanzig Jahre zuvor durch den Tod seiner kleinen Tochter zerstört. Seine Frau hatte ihn … verlassen und ihm das Kind mitgenommen. Dieser doppelte Verlust – das Abhandenkommen und der Tod des Kindes, das er nie kennenlernen durfte – hat völlig Besitz von ihm ergriffen. Sein gegenwärtiges Leben ist leer. Als er den Routineauftrag erhält, die Freundin eines reichen jungen Mannes zu identifizieren, und dem Mädchen begegnet, das Isabelle Adjani mit eindringlicher Intensität spielt, macht es Klick. Über weite Strecken des Films wird uns weisgemacht, er halte sie für seine verlorene Tochter. Erst viel später wird uns klar, dass er ihr nur als Fantasieersatz nachjagt, denn er weiß genau, dass seine echte Tochter als Kind gestorben ist. Als er erkennt, dass Adjani genauso am Rande der Verzweiflung lebt wie er, fühlt er sich ihr seelisch verbunden. Sehr bald erkennt „das Auge“, dass sie eine psychotische Mörderin mit unzähligen Decknamen ist. Sie tötet und raubt zwanghaft und hält zwischen den Opfern kaum inne, um Luft zu holen. Serrault („Das Auge“) folgt ihr von Land zu Land, beobachtet ihre Stelldicheins durch Fenster, wird sogar Zeuge, wie sie eine Leiche beseitigt, eine Kehle durchschneidet und sich wirklich wie ein böses Mädchen benimmt. Doch er fühlt sich gezwungen, sie zu beschützen, denn er weiß, dass sie ebenso in einer wahnsinnigen Fantasie lebt wie er selbst. Er wird emotional und psychisch zu Komplizen ihrer Verbrechen und beseitigt sogar eine der Leichen für sie. Doch er spricht nicht mit ihr, und sie beachtet ihn nie, weil er so unbedeutend ist. Dies ist eine Geschichte über eine Verbindung durch Osmose, in der zwei Menschen, die nicht miteinander kommunizieren, dennoch eine symbiotische Existenz führen. Der eine ahnungslos, der andere leidenschaftlich ergeben, während sie gemeinsam von einem Tatort zum nächsten reisen. Der Film ist zutiefst traurig, nicht nur im Hinblick auf Serrault und die tragische Lücke in seiner Existenz, sein persönliches néant („Nichts“), sondern auch auf die wahnsinnige Mordserie des Mädchens, das machtlos ist, sich selbst zu stoppen, dass von einem Zwang gepackt wird, der ebenfalls ein „Nichts“ ist. Wir dürfen vermuten, dass Marc Behm [„Eye of the Beholder„] unter den Einfluss von Sartre und den Existenzialisten geriet, denn dieses ganze „Nichts“ [‚Nothingness‘] war es, worüber sie alle die ganze Zeit schrieben. …“

Piecro, 30. Jan. 2005: “ … Der Traum kann so lange dauern, wie der monologisierende, selbsternannte Vater mit seiner Ersatztochter im Einklang bleiben kann. … Wir als Zuschauer wünschen uns die große Begegnung und die Vergebung. Wir träumen. Wir sind bereit, umherzuwandern. Lange nachdem wir eigentlich wach und geerdet sein sollten, summen wir immer noch das musikalische Hauptthema, oder La Paloma, oder Schuberts Lieder … „Mortelle randonnée“ ist ein mehrdeutiges und düsteres Märchen für Erwachsene, gespickt mit Brücken und Augenzwinkern. Nach vielen Sichtungen gibt es in „Mortelle randonnée“ noch immer etwas zu entdecken und zu genießen, zumindest in der Version, die ich gesehen habe (118 Min). …“

Pasky, 3. Jan. 2007: “ … [Der Film] hat mich mit 19 Jahren zum Träumen gebracht – und tut es auch heute noch, mit 42. Serrault und Adjani (auf den ersten Blick ein unwahrscheinliches „Inzestuum-Pärchen“ … sehen wie Zombies aus: zwei Menschen, die vor langer Zeit gestorben sind und für die das Leben eine Art Wartezimmer ist. Sie wollen nur zurück in das Schwarz-Weiß-Schulfoto, als alles noch in Ordnung und das Leben lebenswert war. Die Geschichte grenzt von Anfang an an den Wahnsinn, mit Frau Schmidt-Boulanger (Leiterin einer Detektei – schöner Cameo-Auftritt von Geneviève Page, der Madame in Bunuels „Belle de Jour“). Während sie Beauvoir (dem Detektiv) den Fall erklärt, beobachtet er verträumt, wie eine Obdachlose die Scheibe von Schmidt-Boulangers Auto einschlägt, ihren Pelzmantel stiehlt, ihn anzieht und wie ein Model auf dem Laufsteg über den Parkplatz stolziert. … Lehnen Sie sich einfach zurück, erwarten Sie keine glaubwürdige Handlung und GENIESSEN Sie dieses kleine Juwel aus den 80ern! …“

Brogmiller, 27. Apr. 2022: “ … Der Satz „Stil vor Substanz“ könnte durchaus auf die ersten Szenen von Claude Millers Film zutreffen [„Cinéma du look“ >> https://de.wikipedia.org/wiki/Cin%C3%A9ma_du_look], und obwohl er nie aufhört, stilvoll zu sein, zieht er einen allmählich in seinen Bann und wird äußerst fesselnd. Der Hauptstrang der Handlung ist die distanzierte Beziehung zwischen Catherine, einer bisexuellen Serienmörderin, und dem Privatdetektiv Beauvoir, der eine väterliche Besessenheit entwickelt, sie zu beschützen, und sogar so weit geht, die Leichen ihrer Opfer zu verstecken. Dass zwei so gestörte und dysfunktionale Charaktere unsere Sympathie wecken können, ist Claude Millers inspirierter Besetzung von Michel Serrault und Isabelle Adjani zu verdanken. …“

Chaos-Rampant, 10. Apr. 2010: “ … Da ist ein Privatdetektiv, der ein altes Schwarzweißfoto bei sich hat. Es zeigt eine Klasse kleiner Mädchen, und eines davon ist seine Tochter, aber er weiß nicht, welches, also sind sie alle seine Töchter. Da ist ein mysteriöses Mädchen, schön und ein wenig traurig, sie zieht umher, ändert Namen und Perücken und tötet reiche Männer (aber nicht wegen ihres Geldes; das Geld ist nur ihr Lebensunterhalt, bis sie wieder töten kann) und sie erzählt haarsträubende, erfundene Geschichten über einen Vater, den sie wahrscheinlich nie kennengelernt hat. … [Er] nennt sie „Marie“, den Namen seiner lange verschollenen Tochter, sodass wir nicht mehr nach dem Warum fragen, sondern der Besessenheit direkt ins Auge blicken. Diese neu gefundene Ersatztochter wird zum Zwang, aber das ist erst der Anfang. … Irgendwann läuft im Fernsehen „Der letzte Mann“ von F.W. Murnau, und das Mädchen beginnt, sich eine neue Geschichte über ihren Vater auszudenken, diesmal nach dem Vorbild der Hotelportierfigur von Emil Janning in Murnaus Film. … Der Privatdetektiv von Michel Serrault ist eine der faszinierendsten Filmfiguren der 80er Jahre. Er geht methodisch vor, ist aber auch ein wenig losgelöst von seiner Umgebung, wie Elliot Goulds Phillip Marlow in „Der lange Abschied“, und das Einzige, was ihn weitermachen lässt, ist seine Besessenheit. Bis hin zum unglaublich traurigen Ende ist „Mortelle Randonnee“ ein vergessenes Juwel, das an den Rändern ein paar Fehler hat und bei dem die Details manchmal unscharf werden, als säßen wir in einem Auto und die Sicht aus dem Fenster wäre verschwommen, aber wir halten an Orten an und dort passieren bizarre Dinge (oft mit vorgehaltener Waffe) und dann sind wir wieder unterwegs und es ist dieser neonbeleuchtete verschwommene Eindruck von etwas Traurigem und Verzweifeltem, der den Film so faszinierend macht. …“

Modernmonstersdotnet, 21. Sept. 2016: “ … „Mortelle Randonnée“ […] ist ein düsterer Klassiker, ein herausragender Noir und eine Vaterschaftsfabel in einem. .. Der Film ist shakespearehaft, zugleich alltäglich. Er enthält den besten Giallo-Mord, der nicht von Argento verfilmt wurde. … Mortelle Randonnée, eine sehr schwarze Komödie, ist ebenso giftig komisch wie tragisch. Sie hinterlässt einen starken, bitteren Nachgeschmack. Man hat diesen Film wiederholt gesehen und kann sich nicht sattsehen. Der Film ist ein verlockendes Objekt, viel zu düster, um ihn anders als durch den Spiegel [der Psychologie, der eigenen Reflexion] zu betrachten, und man kann ihn nicht vergessen. Es ist Unmöglich, ihn ungesehen zu machen. …“

Aus: „Das Auge“ (1983): Rezensionen [https://www.imdb.com/de/title/tt0084358/reviews/]

[Zur Nicht-Realität der wahrgenommenen Objekte #2]


“ … Bizarre Bilder … vor Alpenpanorama… Die [ ] satirische Geschichte von „Adolf und Marlene” aus dem Jahr 1976 von Ulli Lommel dreht sich um die durch einen Film ausgelöste, brennende Leidenschaft Adolf Hitlers für Marlene Dietrich. Der Film bemüht sich weniger um historische Authentizität, sondern schwelgt in Nazi-Kitsch und Underground-Trash mit bizarren Bildern – wie Rainer Werner Fassbinder als Hermann Göring, in Lederhosen vor dem Alpenpanorama. …[“ …Hitler sieht einen Dietrich-Film und verfällt in solche Leidenschaft für die ausgewanderte Schauspielerin, dass er ihr Joseph Goebbels hinterherschickt, um sie „heim ins Reich“ zu holen. Er reist ihr schließlich sogar selbst ins feindliche Ausland nach, doch seine Zuneigung bleibt unerwidert. So begnügt er sich mit Eva Braun. … “ | Quelle: https://www.filmportal.de/film/adolf-und-marlene_c37883408d95444382b3090eec578db3] [Spielfilm, Regie: Ulli Lommel, 88 Min., BR Deutschland 1976]… | Aus: „Fassbinder als Schauspieler – Filmreihe zum 80. Geburtstag“ (16.04.2025) | Quelle: https://www.wochenanzeiger.de/fassbinder-als-schauspieler–filmreihe-zum-80-geburtstag/cnt-id-ps-940fb1df-7a08-4025-aacc-fd1273df4708

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Randnotiz #1

“ … Während der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland weigerte sich die Schauspielerin, die nationalsozialistische Propaganda zu unterstützen. Stattdessen nahm sie 1939 die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten an und unterstützte die US-Truppen während des Zweiten Weltkriegs, indem sie im Rahmen der Truppenbetreuung für die Soldaten sang und Verwundete in Lazaretten besuchte. … Auf einer Europatournee kehrte [Marlene Dietrich] 1960 nach Westdeutschland und West-Berlin zurück. Wie sie selbst betonte, war ihr Publikum begeistert von ihrer Show. Sie traf aber nicht nur auf ein freundliches Publikum, sondern sah sich auch als „Vaterlandsverräterin“ Anfeindungen ausgesetzt. In Berlin hielten Demonstranten vor dem Titania Palast Schilder mit „Marlene Go Home“ hoch. Wie sich 2001 herausstellte, war dies eine vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) gelenkte Aktion … [Quelle: Hermann Kreutzer, Manuela Runge: Ein Koffer in Berlin. Marlene Dietrich. Geschichten von Politik und Liebe. Aufbau Taschenbuch, Berlin 2001, ISBN 3-7466-8075-1, S. 147.].
In Düsseldorf wurde sie von einem jungen Mädchen angespuckt, und auf einer Bühne warf jemand mit einem Ei auf sie. Der Werfer wurde vom Theaterpublikum nahezu gelyncht und musste unter Schutz aus dem Theater gebracht werden. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Marlene_Dietrich (24. April 2025)

[Schatten #26… ]

The Man Who Wasn’t There (2001) … Obwohl dieser Film in Farbe gedreht wurde, kam er in Schwarz-Weiß in die Kinos. … Jan Distelmeyer … urteilt, der Film sei in „weitgehend expressionistischen Lichtverhältnissen gehalten“ und enthalte „eine Reihe [ ] filmtheoretischer und -kritischer Überlegungen“. … „Über allem ruht der trockene, unbeteiligte Tonfall des Erzählers, ein wortarmer Bericht, der ungefähr genauso karg daher kommt wie die beengende Schwarzweiß-Ästhetik und der ruhige Schnitt-Rhythmus.“ Dabei streift der Film „verwandte Genres“, darunter den „Gangsterfilm, aber auch Zeitgeschichtliches der vierziger Jahre und Übergänge […] zum US-Science-Fiction-Film der fünfziger Jahre“. … | https://de.wikipedia.org/wiki/The_Man_Who_Wasn%E2%80%99t_There

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Matt (Oct 26, 2018): “ … Unerwartet ist [ ] der tragische Faden, der sich durch den Film zieht und wie er die typische Albernheit der Coens überlebt. … [Es ist schön] die liebevoll skurrilen kleinen Details und den unkonventionellen Humor der Brüder entdecken [ – und] die großartige Kameraführung von Roger Deakins (fast schon ein Grund an sich, sich den Film noch einmal anzusehen) …“ | https://adamnfinecup.com/2018/10/26/the-rear-view-mirror-the-man-who-wasnt-there-2001/

[Der abwesende Blick #15 … ]


Angelika Waller in Das Kaninchen bin ich (1964/65)

Jörg Taszman (10.08.2012): “ … Nach dem Mauerbau 1961 findet in der DDR auf kulturellem Gebiet eine kurze Tauwetterperiode statt. Bisher ungeliebte Autoren dürfen Bücher veröffentlichen und bei der DEFA entstehen Filme über den Alltag in der DDR, die durchaus kritische Fragen stellen. Auch Kurt Maetzig dreht 1965 mit „Das Kaninchen bin ich“ ein bemerkenswertes Werk, das kritisch die Rolle eines DDR-Richters hinterfragt, der einen jungen Mann wegen „staatsfeindlicher Hetze“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Ausgerechnet die 19-jährige Schwester des Inhaftierten verliebt sich in den Karrieristen und entlarvt den Mann dann aber als Opportunisten. Wie fast die gesamte Jahresproduktion 1965 wird auch „Das Kaninchen bin ich“ zusammen mit Filmen wie „Spur der Steine“ auf direkte Weisung der SED verboten. Das Parteimitglied Kurt Maetzig übt in einem Brief öffentliche Selbstkritik, um weitere Filme drehen zu können. …“ | https://www.dw.com/de/filmregisseur-kurt-maetzig-mit-101-gestorben/a-6415163

“ … obwohl es in der DDR offiziell keine Sippenhaft gab, ging es nicht an, dass die Schwester eines Staatsfeindes studieren konnte. Der Film wurde Ende 1965 verboten und diente auf dem berüchtigten 11. Plenum als abschreckendes Anschauungsmaterial dafür, wie weit die Dekadenz in Kunstkreisen schon gediehen war. …“ | https://www.politische-bildung-brandenburg.de/veranstaltungen/filmreihe-zeitschnitt-2025-morgen-soll-nicht-vorgestern-sein-ost-frauen-im-film-3

“ … „Kaninchenfilme“ nannte die SED jene Werke, die angeblich die sozialistischen Werte untergruben und darum einkassiert wurden. Der Spottname basiert auf diesem Film von Kurt Maetzig …“ | https://www.cinema.de/film/das-kaninchen-bin-ich,1305703.html

“ … Das Kaninchen bin ich ist eine 1964/65 vom DEFA-Studio für Spielfilme, Gruppe „Roter Kreis“, verfilmte Literaturadaption von Regisseur Kurt Maetzig, die auf dem Roman Maria Morzeck oder Das Kaninchen bin ich von Manfred Bieler basiert. Der Schwarzweißfilm war bis 1990 in der DDR verboten, da er sich kritisch mit dem Sozialismus – insbesondere mit der Strafjustiz – auseinandersetzte. … Kurt Maetzig, der Regisseur des Films [:] … „Ich war unbeschreiblich enttäuscht, dass ich nicht durchkam mit diesem Film, dessen Premiere schon vorbereitet war, der gelungen war und der für eine Sache stand, die mir so sehr am Herzen lag, nämlich eine Demokratisierung unseres ganzen Lebens, ein Schritt hin zu einem demokratischen Sozialismus. Das war der Kerninhalt. Und das als unmöglich zu erleben, war die größte Enttäuschung überhaupt für mich. […] Es betrifft alle meine Filme nach dem 11. Plenum, nach dem Kaninchen. Danach habe ich noch irgendwie mit den Flügeln geschlagen und noch dies und jenes zuwege gebracht, aber das war nichts Vernünftiges. […] Man hat mir wohl das Rückgrat gebrochen und ich wusste dann auch, das[s] ich aufhören muss.“ … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Kaninchen_bin_ich | https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Maetzig

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