Kategorie: Cinema.Exposure

[Bürgerliche Illusion und Wirklichkeit #1 …]

“ … In seinem Aufsatz „Subjekt und Macht“ erläuterte Michel Foucault … Er versteht das Subjekt als das empirische Ich, das kulturell und historisch bestimmt ist. „Das Wort Subjekt hat zwei Bedeutungen: es bezeichnet das Subjekt, das der Herrschaft eines anderen unterworfen ist und in seiner Abhängigkeit steht; und es bezeichnet das Subjekt, das durch Bewusstsein und Selbsterkenntnis an seine eigene Identität gebunden ist.“ Foucault wandte sich gegen die Vorstellung eines autonomen Subjekts und betonte die Geschichtlichkeit des Menschen und seine Eingebundenheit in gesellschaftliche Lebensverhältnisse. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Philosophie) (4. Januar 2021)

Zwei Freundinnen (Originaltitel: Les Biches, wörtlich: „Die Hirschkühe“) ist ein 1968 erschienener Film von Claude Chabrol | https://de.wikipedia.org/wiki/Zwei_Freundinnen

Ines Walk (13.09.2010): “ … [Claude Chabrol … Der “Chronist des französischen Bürgertums” legte Ende der 1960er einige Meisterwerke vor] … Viele damalige Kritiker warfen ihm Zynismus und Verachtung vor, weil er ungeschönt auf das bürgerliche Leben schaute, und es scheinbar distanziert und kalt beobachtete. … Er selbst sagte zu seiner Arbeit: “Filme mit einer Botschaft bringen mich entweder zum Kotzen oder zum Lachen. Ich finde es unmoralisch, dem Zuschauer eine Moral aufzudrücken, ihn beeinflussen zu wollen, ihm sozusagen ein Hirn-Klistier einzupflanzen. Ein Film sollte das Publikum vielmehr zum eigenständigen Nachdenken anregen. Darum versuche ich nur, die Menschen präzise so zu zeigen, wie sie sind. Es wäre doch heuchlerisch, sie zu verurteilen – schließlich hat jeder von uns Dreck am Stecken.” …“ | https://www.moviepilot.de/news/claude-chabrols-abrechnungen-mit-der-bourgeoisie-108045

[Zum Wahn der Liebe #94 … ]

“ … The 1940 film version of Rebecca, based on Daphne du Maurier’s 1938 novel of the same name, was a psychological thriller with nod to the gothic tradition. The black-and-white film, which captured the moody, mysterious feel of the book, was the first American film by director Alfred Hitchcock.
Joan Fontaine starred in the role of the naïve young woman who marries a brooding widower Maxim de Winter, portrayed by Laurence Olivier. Rebecca, the departed first wife of de Winter, is never seen in the film, but casts a powerful shadow over the inhabitants of Manderlay castle….“ | https://www.literaryladiesguide.com/film-adaptations-of-classic-novels/rebecca-1940-movie-based-on-the-novel-by-daphne-du-maurier/


Mathias Hirsch: „… Die Idealisierung fälscht das Urteil über das Liebesobjekt. Freud spricht es nicht direkt aus, bezeichnet aber eine Art von phantasmatischer Verschmelzung zwischen Subjekt und Objekt, wenn er meint, »daß das Objekt so behandelt wird, wie das eigene Ich, daß also in der Verliebtheit ein größeres Maß narzißtischer Libido auf das Objekt überfließt.[…] Man liebt es wegen der Vollkommenheiten, die man für das eigene Ich angestrebt hat und die man sich nun auf diesem Umweg zur Befriedigung seines Narzißmus verschaffen möchte« (ebd.,S.124). … »Es schweigt die Kritik, die von dieser Instanz ausgeübt wird; alles, was das Objekt tut und fordert, ist recht und untadelhaft. Das Gewissen findet keine Anwendung auf alles, was zugunsten des Objektes geschieht; in der Liebesverblendung wird man reuelos zum Verbrecher. Die ganze Situation läßt sich restlos in eine Formel zusammenfassen: Das Objekt hat sich an die Stelle des Ich-Ideals gesetzt.« …“ | Aus: „Das Phänomen Liebe“ (2018) | https://www.psychosozial-verlag.de/pdfs/leseprobe/9783837927610.pdf

Wibke Bergemann (16.06.2019): “ … Für Mentzos steht am Anfang einer Psychose ein unlösbares Dilemma: In der Beziehung zu anderen Menschen schwankt der Betroffene zwischen übersteigerter Nähe und extremer Distanz. Als Ausweg verlässt der Betroffene die Realität und „rettet“ sich in den Wahn. …“ | https://www.deutschlandfunk.de/psychosen-wahn-und-wirklichkeit.740.de.html?dram:article_id=451348

Felizitas, 37 Jahre: „Wenn ich karierte Tischdecken sehe, ist das tiefe Gefühl der Verbundenheit mit diesem Menschen plötzlich wieder da. Klingt ziemlich bescheuert, ist aber so. Wir haben uns nämlich auf einem Volksfest kennengelernt. Es war magisch. Aber magische Liebe hat nicht immer etwas mit einer funktionierenden Beziehung zu tun.“

Anonym: „Ich glaube, wenn man jemanden wirklich liebt, so richtig aus tiefstem Herzen, dann gibt man einen Teil aus seiner Seele und nimmt immer einen Teil des anderen mit.“

Mia, 33 Jahre: „Ich träume regelmäßig von meinem Exfreund, obwohl wir schon seit über 10 Jahren getrennt sind, ich inzwischen verheiratet bin und zwei Kinder habe. Ich glaube, er ist eine Art Projektionsfläche für mich geworden. Er ist meine geistige Flucht in die alte Freiheit, denn in meiner realen Welt spielt er eigentlich keine Rolle mehr.“

Anonyme Leserin: „Die Begegnung ist 20 Jahre her, wir haben uns seit Jahren nicht gesehen und leben beide in glücklichen Beziehungen. Für mich ist er nicht der Mann meines Lebens, aber der Mann meines Herzens geblieben.“

Nervengewitter #12: “ … Nostalgie ist schön, gerade weil sie nicht an der Realität zerschellen kann. …“

Richi Rich #14: “ … Ich war 7 Jahre mit meiner Ex-Partnerin zusammen. Ich habe sie sehr geliebt und wollte mit ihr zeitnah eine Familie gründen. Zufällig habe ich entdeckt, dass sie seit Monaten eine Affäre mit einem Mann in einer anderen Stadt hat. Ich habe sie zur Rede gestellt, sie hat es sofort zugegeben. Eine Stunde später war sie ausgezogen. Es gab keinerlei Gespräche. Ich habe sie seit dem nie wieder gesehen und wir hatten bis auf SMS im Zusammenhang mit ihrem Auszug keinen Kontakt mehr. Von heute auf morgen war sie einfach weg, verschwunden aus meinem Leben. Das ganze ist so surreal, …“

Quelle: https://www.zeit.de/campus/2021-02/vergangene-liebe-beziehungen-nostalgie-sehnsucht-affaeren-erinnerung/komplettansicht

[RWF #10… ]

“ … Jean de Baroncelli stellte am 19. Januar 1980 in Le Monde auf die allegorischen Qualitäten des Films ab: der Film präsentiere Maria Braun mit einer „leuchtenden Einfachheit“ als Allegorie für Deutschland, sie sei wie das Land „ein Wesen, das mit auffälligen teuren Kleidern angetan ist, das aber seine Seele verloren hat“. … „Fassbinders Geschichtsschreibung ist eine private“, stellt Pott fest. Indem er Geschichte am persönlichen Schicksal einer Frau festmacht, synchronisiert er deren Schicksal mit dem ihrer Umwelt. Figuren wie Maria werden in Fassbinders Werk somit zu „Inkarnationen ihrer Epoche, parabolisch spiegeln sie in ihrem politisch unbewussten Privatleben die kollektive Mentalität der Zeit“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Ehe_der_Maria_Braun (10. Oktober 2020)

[Aber Wissen ist hier Ohnmacht #3 …]

La Grande Bouffe (französisch-italienischer Spielfilm, 1973)

“ … Aus seiner unbändigen Triebhaftigkeit heraus bestellt Marcello drei Prostituierte, selbstverständlich mit dem Einverständnis der anderen. Zu der bereits gewachsenen Gesellschaft stößt eher zufällig die Lehrerin Andrea. Die Frau aus einfachen bürgerlichen Verhältnissen fühlt sich in der Gesellschaft der einfluss- und erfolgreichen Herren sehr wohl. Philippe und Andrea geben ihre Verlobung bekannt, trotzdem schläft sie auch mit den anderen. Anfänglich fühlen sich die drei Prostituierten in dieser dekadenten Gesellschaft noch wohl, aber nach kurzer Zeit befällt sie der Ekel über das unmäßige Essen, und sie verlassen nach und nach das Anwesen. Zwischendurch explodiert die verstopfte Toilettenanlage des Anwesens und überflutet das Haus mit Exkrementen. Marcello ist inzwischen wieder sexuell unausgeglichen und gibt wutentbrannt bekannt, dass er abreisen werde. Er startet den von ihm mit Begeisterung instandgesetzten Bugatti Type 37 A aus den 20er Jahren, stirbt jedoch auf der versuchten „Flucht“ an Unterkühlung, und sein Leichnam wird in die hauseigene Kühlkammer gebracht. … Der Film wurde in den 1970er Jahren als sehr schockierend aufgenommen. Neben der skandalösen Handlung waren es auch die derben Sexszenen, die explizit dargestellten „Fressszenen“ und die überdeutlich hörbaren Verdauungsgeräusche und Blähungen der Protagonisten, die den bisherigen Seh- und Hörgewohnheiten der 1960er Jahre komplett zuwiderliefen. …“ | http://www.cine-kult.de/kult-filme-von-a-bis-z/die-herausragenden-kult-filme/123-das-grosse-fressen.html

“ … Roger Ebert schrieb 1973 in der Chicago Sun-Times, der Film besitze keine philosophische Tiefe (philosophical depth). Er bezeichnete den Film als „dekadent“, „voller Selbstüberdruss“ (self-loathing), „zynisch“ und „häufig obszön“ (frequently obscene). „Das große Fressen“ (Originaltitel: La Grande Bouffe) wurde von einem anderen Kritiker wegen „grandios durchdachter Bildaufbauten“ gelobt und „in höchstem Grade interessant“ beschrieben. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_gro%C3%9Fe_Fressen

DoomPet – Das große Fressen – Rezension aus Deutschland vom 17. Januar 2020 “ … Der Film hat mir ausgezeichnet gefallen! Leben wir nicht in einer Zeit der -Brot und Spiele- …“

Senja – Das große Fressen – grenzdebil bis abartig Rezension aus Deutschland vom 23. Januar 2020: “ … Häßliche alte Hauptdarsteller, französischer „Humor“ der nicht zum Lachen ist, unerotische „Sexzenen“… einfach nur krank. …“

Dieter Wunderlich: “ … Während der Inhalt des Films Ekel hervorruft, scheuten die Filmemacher bei der Ausstattung keine Mühe, und sowohl die Bildkompositionen als auch die Ausleuchtung und Kameraführung sind ausgesprochen ästhetisch. …“ | Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Ferreri_grosse_fressen.htm

“ … „Der gesellschaftliche Wandel der vergangenen Jahrhunderte, sowohl in sozialer Hinsicht, aber auch in technologischer und linguistischer, lässt sich in Liebesbriefen sehr gut lesen“, erklärt Eva Lia Wyss. Dass sich gesellschaftliche Entwicklungen in Liebesbriefen widerspiegeln, zeigt sich beispielsweise beim Thema Sexualität. Ende des 19. Jahrhunderts deuteten Autoren Sex in Liebesbriefen nur durch vage Formulierungen an, wie: „Ich sehne mich nach Deinen Küssen“ oder „ich bin verrückt nach Dir“. Später folgen explizitere Formulierungen. In dem Brief eines Mannes aus der Sammlung Frauennachlässe des Instituts für Geschichte der Universität Wien heißt es 1945: „Was soll ich Dir noch schreiben? Dass ich mich freue, ganz schrecklich auf dich freue, Sehnsucht nach Dir habe und heute besonders aufgelegt wäre für eine unserer schönen Stunden.“ – Im Zuge der sexuellen Revolution 1968 wird das Schreiben über Sexualität freier. Viele junge Menschen verabschieden sich von gesellschaftlichen Konventionen. Unverheiratete Paare ziehen zusammen und Frauen emanzipieren sich. Ein Mann schreibt 1980, ebenfalls in einem Brief der Universitäts-Sammlung in Wien: „Die Sonne kommt durchs Fenster, ich träume Tränen, Gefühle wechseln blitzschnell. Auf einmal durcheinander, deine Muschel, möchte aus ihr trinken. (…) Ruhe, an deiner Brust saugen, albern, Pläne schmieden, Kopf anrennen – lachen. (…) Kaum berühren. Nur ansehen – und wissen: Liebe.“ … Eine weitere Veränderung zeigt sich über die Jahrhunderte in der Sprache der Liebe, sagt die Sprachwissenschaftlerin. Sie werde sachlicher und direkter. Briefe würden immer mehr aus einem spontanen Akt der Leidenschaft heraus geschrieben. Eva Lia Wyss erklärt sich diesen Wandel unter anderem mit den immer größeren Möglichkeiten, sich persönlich zu treffen, sich zu unterhalten und somit direkte Intimität zu schaffen. Mit der Erfindung des Telefons, des Internets, der Handys und Social Media werden Liebesbriefe auf Papier seltener. SMS, Kurznachrichten, Smileys, E-Mails oder schlicht Nachrichten erreichen den Flirt, den Partner immer und überall – innerhalb weniger Sekunden. „Die Funktion von Liebesbriefen hat sich verändert. Das bedeutet aber nicht, dass sie heute schlechter sind als damals. Sie sind schlicht anders“, sagt Wyss. …“ | Aus: „“Ich bin verrückt nach Dir“: Ein Archiv sammelt Liebesbriefe“ Nina Witwicki (So, 10. Januar 2021) | Quelle: https://www.badische-zeitung.de/ich-bin-verrueckt-nach-dir-ein-archiv-sammelt-liebesbriefe–199384648.html

“ … In dem romantischen Schauermärchen „Der Sandmann“ von E. T. A. Hoffmann verliebt sich der schwärmerische Student Nathanael in den Automaten „Olimpia“. Das künstliche Wesen erscheint ihm als die ideale Partnerin, und gerade ihr Mangel an Ausdrucksfähigkeit und ihre auf ein simples „Ach“ reduzierten Antworten schrecken ihn nicht etwa ab, sondern befördern und bestätigen seine Liebe zu ihr. Abgesehen von der ironischen Beschreibung des männlichen Begehrens, das gerade kein ebenbürtiges Subjekt als Gegenüber erstrebe, gibt Hoffmann in seiner Novelle eine überzeugende Beschreibung des Mechanismus der Liebe, die sich immer auch einer Projektion subjektiver Vorstellungen auf das Liebesobjekt verdankt. Dies führt zur Idealisierung des geliebten Objekts, weshalb Freud den Vorgang der Liebe mit Wahnsinn vergleicht. … Der Romantiker Hoffmann erzählt davon, dass unserer Begegnung mit menschenähnlichen Automaten etwas Unheimliches anhaftet. Je mehr die Gestalt des künstlichen Wesens einem Menschen ähnelt, umso stärker reagieren wir mit Irritation und Verunsicherung. Die Psychoanalyse zieht hier eine Parallele zum romantischen Motiv des Doppelgängers, das uns in der digitalen Gegenwart in Form von Robotern in seiner technologischen Gestalt begegnet. … “ | Aus: „Wir Cyborgs! – Ein Theaterstück über Menschen und Maschinen“ Bernd Liepold-Mosser (31. Jänner 2021) | Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000123713038/cyborgs-wie-wirmenschliche-evolution-durch-technologie

“ … Der Romantitel „Allegro Pastell“ geht auf die Allegro-Grundschule in Berlin-Tiergarten zurück, in der das Training der Badminton-Abteilung des TSV GutsMuths Berlin stattfindet. Sowohl die weibliche Hauptfigur Tanja Arnheim als auch Randt selbst trainieren dort. Das Wort „Pastell“ bezieht sich unter anderem auf die Pastelltöne der Website, die Jerome Daimler seiner Freundin zum Geburtstag schenken möchte. Jeromes Vater Jürgen Casper Daimler lernt im Roman seine neue Lebensgefährtin Beate über ein Online-Datingportal kennen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Leif_Randt (31. Januar 2021)

(10. Februar 2021): “ … Liebe und Begehren ändern sich im Kern nicht, die Zeiten allerdings schon – und so muss immer wieder neu darüber erzählt werden. … Wer nachlesen will, wie hyperreflektiert Dreißigjährige der Gegenwart mit Gefühlen umgehen, sollte zu Leif Randts „Allegro Pastell“ Germany’s next Lovestory greifen. Die Liebenden haben darin unglaublich viele Ansprüche an sich und das Leben – und spüren, kurz vor der Pandemie übrigens, bereits „vorauseilende Wehmut“. Antje Weber …“ | Quelle: https://www.sueddeutsche.de/bayern/valentinstag-liebe-geschenke-kultur-1.5198304

“ … Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.03.2020: Rezensent Jens-Christian Rabe war es schon fast unheimlich, wie gut Leif Randt in diesem „posttherapeutischen Liebesroman“ unsere „post-pragmatische“ Gegenwart eingefangen hat. Der freie Webdesigner Jerome und die junge Autorin Tanja erleben darin eine Liebe, die dem Kritiker zufolge genauso lauwarm ist wie ihre höchsten Begeisterungsausdrücke „cute“ und „nice“. Aber nicht nur der Plot strotzt vor sublimierender Abmilderung, auch die Sprache ist vollkommen beherrscht, so Rabe – besser kann man die reflektierte Starrheit der zufriedenen deutschen Mehrheitsgesellschaft gar nicht beschreiben, lobt der faszinierte Rezensent. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

“ … Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.03.2020: Doris Akrap liest Leif Randts neuen Roman als genaue Abbildung der Lebensverhältnisse derer, die diesen Roman lesen. Das hippe, aufgeklärte Paar im Text, das ständig auf der Suche nach Wohlfühlmomenten ist, begegnet Akrap in der U-Bahn und im Club, am Flughafen oder im Spar – also dauernd. Wie Randt dieses sehr gewöhnliche Dasein der deutschen Mittelschicht sprachlich fasst, findet Akrap stark. Mehr als eine treffende Milieustudie, meint sie, ein Sittengemälde der Berliner Republik im freien Fall. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

“ … Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2020: Rezensent Jan Küveler hat Leif Randt in Berlin getroffen, um mit ihm über seinen für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Roman zu sprechen. Zunächst fand der Kritiker, dass die Geschichte über das Paar Jerome und Tanja etwas spröde klingt, dann aber bemerkte er, dass dahinter eine Methode steckt: Mit jedem Satz dachte der Rezensent klarer, so wie die Figuren ihm zufolge selbst mit klarem Blick ihr Erleben beobachten und kommentieren. Der Autor erzählt laut Küveler also vom „durchkuratierten Leben“, in dem man Emotionen wie Second-Hand-Klamotten anprobiert und nur anlässt, wenn sie angenehm sitzen, so Küveler. Damit spielt Randt seiner Meinung nach „das Pop-Spiel“ zu Ende, das Lottmann, Goetz und Kracht begonnen haben – nur um ein Vielfaches fluffiger, schließt der Rezensent und lehnt sich entspannt zurück. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.03.2020: Rezensentin Judith von Sternburg fasziniert die unkatastrophische Anlage von Leif Randts neuem Roman. Ganz gegenwärtig, ganz an einer weitgehend ruhigen Oberfläche spielt diese Fernbeziehungsgeschichte zwischen Berlin und Frankfurt laut Sternburg. Die liberalen Zeitzeugen im Text scheinen Sternburg so wenig verkrampft wie der Text selbst. Es handelt sich einfach um einen Roman, der den Ball sehr flach hält, auch stilistisch meint Sternburg. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

von_Beust, Rezension aus Deutschland vom 21. März 2020: “ … Schon lange habe ich keinen Roman mehr gelesen, der mir so auf die Nerven ging, obwohl ich nicht wusste, ob er so gut oder so schlecht war. „Allegro Pastell“ ist so eine durchdesignte Beziehungskiste zwischen Tanja und Jerome, wahnsinnig hip, modern, kontrolliert und seicht. Sind die heute 30-Jährigen so, dass für sie alles gleich wichtig oder unwichtig ist, dass Drogen oder Sex nur eine von vielen Kommunikationsformen oder Zeitvertreiben sind, denen man nachgehen kann, wenn das Wetter verregnet ist? Kann einem eine Textnachricht „gefallen“, weil ihr „Tonfall souverän“ ist? (S. 37) Die Sprache mit ihren Anglizismen und aus der mündlichen Sphäre entnommenen Ungenauigkeiten nervt gewaltig – spricht man heute so, wenn man in einer Berliner Werbagentur arbeitet? Oder schlimmer: Schreibt man so? Gleichzeitig hat Leif Randt freilich seine Sprache gut im Griff und erlaubt sich keine Ausrutscher. Einige Sätze entlarven durch Konstruktion und Inhalt das Geschehen als leer und seicht: „Marlene besaß eine optimalere Pfanne als Tanja.“ (S. 267) …“

Swann Rezension aus Deutschland vom 7. April 2020: “ … Schwer zu sagen, ob das alles ernst gemeint ist oder ein unendlicher Spaß sein soll, über den man allerdings nicht lachen kann. Wenn es etwa auf Seite 212 heißt, Jerome habe von Tanja in Erinnerung, dass Peter Handke „ihr liebster Autor aus der Schweiz“ (sic!) sei. …“

“ … Ironie führt nicht zur Sicherheit eines positiven Wissens; ihr entspricht allenfalls ein negatives Wissen über die Grenzen des im Medium Sprache Erkennbaren und Sagbaren. Der Ironiker ist folglich nicht jemand, der Ironie als sprachliches Mittel einsetzt, sondern allenfalls derjenige, der weiß, dass er keine Macht über seine eigene Sprache hat. Um diese Erkenntnis haben zu können, muss sich der Sprechende von sich selbst distanzieren und seine Sprache betrachten, als wäre es die eines Fremden. Insofern der Sprechende von seinen eigenen Äußerungen notwendigerweise immer wieder überrascht wird, treibt die Machtlosigkeit über die eigene Sprache diese Distanzierung zugleich an. In seiner späten Vorlesung über die Philosophie der Sprache und des Wortes bemerkt Schlegel, Ironie sei „nichts andres, als dieses Erstaunen des denkenden Geistes über sich selbst“ (Schlegel 1958-1995, Bd. 12,S. 353). …“ | Aus: „Romantische Ironie und die Möglichkeit von Metaliteratur“ von Oliver Kohns (2007)

[RWF #9… ]

“ … „Götter der Pest … [Rainer Werner Fassbinder (1969), Kamera: Dietrich Lohmann] handelt von Menschen, die nicht miteinander reden wollen oder können und deshalb unfähig sind, Beziehungen länger aufrechtzuerhalten. Wieder einmal veranschaulicht Rainer Werner Fassbinder seine These, dass es eine von Zwängen freie Liebe nicht gebe. Die Männer wirken emotionslos; Gefühle bleiben den Frauen vorbehalten, die wegen ihrer Empfindungen in das Geschehen eingreifen. Götter der Pest ist eine artifizielle, minimalistische, das Genre des amerikanischen Gangsterfilms parodierende Tragödie, …“
– Dieter Wunderlich, 2004 | https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tter_der_Pest

[Aber Wissen ist hier Ohnmacht #2 …]

“ … „Unter einer „symbolischen ‚Form‘“ soll jene Energie des Geistes verstanden werden, durch welche ein geistiger Bedeutungsgehalt an ein konkretes sinnliches Zeichen geknüpft und diesem innerlich zugeeignet wird.“ – Ernst Cassirer …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Cassirer (06.03.2020)

“ … Zulawski erzählt [ ] eine Geschichte, in der sich zwei Prinzipien nicht nur diametral gegenüberstehen, sondern miteinander verschränkt sind: das Prinzip Geld und das Prinzip Liebe. .. [Er] zeigt in „Nachtblende“ auch, wie die Beziehungen der Figuren mit Geld und Macht zusammenhängen. Nicht zuletzt kann man „Nachtblende“ als Reflexion über die Frage … verstehen … was die Kommerzialisierung für Künstler bedeutet. … [„Wir sind alle Marionetten mit einem Scheißleben, die noch keine Karriere gemacht haben.“ (Klaus Kinski als Karl Zimmer zur Schauspielerin Nadine Chevalier). … Zulawskis [ ] Drama wirft den Betrachter in die Welt der erfolglosen Schauspieler, Fotografen und Filmfreaks. Mit Großaufnahmen und Nacktszenen verhandelt der Film in schäbigen Wohnungen und Cafés den Wert des Lebens und der Liebe. … | https://www.choices.de/film/nachtblende] … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Nachtblende_(1975) (4. Mai 2020)

Wenke Husmann (20.01.2021): “ … Sicher, wir hatten das romantische Bild vom Genie oder gar dieses biedermeierliche Spitzweggemälde vom inspirierten Hungerleider längst abgehängt. Existenzsorgen machen nicht erfinderisch. Manchmal müssen sich auch Künstler schlicht um das Bezahlen der Miete oder die Kinderbetreuung kümmern, manchmal vermutlich auch ums Ausfüllen eines Novembergeldantrags … auch Filmschaffende, Musiker, Theatermacher haben versucht, möglichst so weiterzumachen wie bislang, also mit Musizieren, Filmen, Schauspielern. Eine bunte Feier der Gemeinschaft, ein mal lustiger, mal ernsthafter Tanz um die immergleiche Leerstelle. …“ | https://www.zeit.de/kultur/2021-01/kultur-kunst-enttaeunschung-innovation


“ … Wolfgang Fritz Haug hebt in seinem Konzept der Warenästhetik hervor, welch wichtige Rolle die Vorstellung, die Imagination des Konsumenten, spielt, über die dem Produkt ein Gebrauchswert als Erlebnisfolge zugeschrieben wird. In diesem Modus des ‚Andichtens‘ seitens der Vorstellungskraft des Rezipienten/Konsumenten kommt dem (ästhetischen) Produkt das Potenzial einer erweiterten Erfahrungsdimension zu; mit Deleuze gesprochen: In der aktuellen ästhetischen Erscheinungsform ist für den Konsumenten immer das Potenzial eines über das Aktuelle hinausgehenden Erlebnisses enthalten; das Potenzial des ständigen ‚Mehr‘. Dies wird im Folgenden als Prozess der Fetischisierung gefasst, der als spezifischer Wahrnehmungsmodus und als bestimmende Rezeptionshaltung anzusehen ist. …“ | Aus: „Film- und Mediengeschichte im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit – Kapitel 4 Fetischisierung des Filmerlebnisses und der Kinogeschichte“ (Franziska Heller, March 2020) | https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/186941/1/[9783770564606_-_Update!]_Update!(1).pdf

“ … Die vierte Folge ist ohne Zweifel der bisherige Höhepunkt der siebten Staffel, voller starker Charaktermomente, Spannung – und Drachen. …“ | Aus: ‚Field of Fire – GAME OF THRONES: THE SPOILS OF WAR‘ Simon Born (8 Aug 2017) | http://www.negativ-film.de/field-of-fire-game-of-thrones-the-spoils-of-war-s07e04/



Zeitleser Heidelberg (21.01.2021): “ … Immerwährend betrügt die Kulturindustrie ihre Konsumenten um das, was sie immerwährend verspricht. Die Talente gehören dem Betrieb, längst ehe er sie präsentiert: sonst würden sie nicht so eifrig sich einfügen. Was widersteht, darf überleben nur, indem es sich eingliedert. Einmal in seiner Differenz von der Kulturindustrie registriert, gehört es schon dazu … Zugleich aber hat die Mechanisierung solche Macht über den Freizeitler und sein Glück, sie bestimmt so gründlich die Fabrikation der Amüsierwaren, dass er nichts anderes mehr erfahren kann als die Nachbilder des Arbeitsvorgangs selbst. Kultur heute schlägt alles mit Ähnlichkeit. … Das Existieren im Spätkapitalismus ist ein dauernder Initiationsritus. Jeder muss zeigen, dass er sich ohne Rest mit der Macht identifiziert, von der er geschlagen wird. Was früher nur prekäre Künstlerexistenzen am Rande der Gesellschaft auszeichnete, wird verallgemeinert und die prosaische Selbstdressur des kapitalisierten Subjekts nimmt Bestimmungen der Kunst in sich auf, die wiederum den ordinären Zwangshandlungen unverdienten Glanz verleihen: Auf diese Weise avanciert der fröhliche Vollzug des ungelebten Lebens wahlweise zur „Lebenskunst“ oder zum „Event“, also selber zu einem künstlerischen Akt. Dies ist der harte ökonomische Kern jener allgegenwärtigen und institutionell abgesicherten Kulturalisierung aller Lebensäußerungen und Lebensbereiche. Umgekehrt regrediert die künstlerische Produktion vielerorts entweder auf schnödes Kunstgewerbe oder gleicht sich, soweit sie sich als „engagiert“ begreift, den politischen Ersatzhandlungen an und macht sich auf diese Weise vom ökonomisch-gesellschaftlichen Alltag umso schwerer unterscheidbar, je lauter sie mit infantilen Aktionen gegen ihn mobilisiert. Die sogenannte Kunst ist dann auch entsprechend: streng organisierte Phantasielosigkeit, die ewiggleichen „performativen Akte“, in denen der schon vergessen geglaubte Aktions-, Phrasen- und Kunstgewerbemüll aus 40 Jahren Bewegung postmodern recycelt wird, ödeste, weil gegenstandslose Selbstbespiegelung, ein großes, gähnendes, zum Existential aufgeblähtes Nichts. Kunst will das, was noch nicht war, aber alles, was sie ist, war schon. Kunst ist tatsächlich die Welt noch einmal, dieser so gleich wie ungleich. …“ | https://www.zeit.de/kultur/2021-01/kultur-kunst-enttaeunschung-innovation?cid=55678767#cid-55678767 | —> Kontext: Klaus Kreimeier – Die Unbesiegbarkeit des Endverbrauchers, Dialektik der Aufklärung (24.12.1999) “ … Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritik der »Kulturindustrie« prägte wie kein anderer Text hierzulande die Kultur- und Medienkritik der vergangenen Jahrzehnte. Am Ende dieses Jahrhunderts wieder gelesen, erscheint ihr Text wie die Blaupause des heutigen fit-for-fun-Universums….“ | http://www.icantrelaxin.de/texte/text-kreimeier-dieunbesiegbarkeitdesendverbrauchers.html | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-unbesiegbarkeit-des-endverbrauchers

via

[Mythen meiner Kindheit #12… ]

[ Joachim Biemann – Eisenbahn im Film: “ … Während einer Bahnfahrt beobachtet Miss Jane Marple (Margaret Rutherford) den Mord an einer jungen Frau, welcher im Abteil eines parallel fahrenden Zuges verübt wird. Sie meldet den Vorfall zwar sofort dem Schaffner, doch wird in der Folge nirgends eine Leiche gefunden, weshalb die Behörden die Untersuchung des angeblichen Mordfalls rasch einstellen. Die schrullige, aber ebenso resolute alte Dame lässt jedoch nicht locker und stellt mit Hilfe des Bibliothekars Mr. Stringer (Stringer Davies) – und entgegen dem ausdrücklichen Ratschlag von Inspector Craddock (Charles Tingwell) – eigene Nachforschungen an, welche sich schon bald auf den Landsitz „Ackenthorpe Hall“ konzentrieren. …] | http://www.eisenbahn-im-film.de/info/murder.htm | Bild via // https://de.wikipedia.org/wiki/16_Uhr_50_ab_Paddington_(Film)

[Im Spiegel #16… ]

Le dernier métro (François Truffaut,1980) [‚… The film is set during the time of the French occupation. It demonstrates passive resistance through culture in the story of a small Parisian theatre surviving censorship, anti semitism and material shortages to emerge triumphant at the war’s end. …‘ | http://www.cinemamuseum.org.uk/2016/french-sundaes-le-dernier-metro-1980/] | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_letzte_Metro

// Le dernier métro (1980)
Timeline of Historical Film Colors
(21 Images) Color system
https://filmcolors.org/galleries/le-dernier-metro-1980/

[The Green Fog (2017) … ]

The Green Fog is an experimental film (63 min) directed by Guy Maddin, Evan Johnson, and Galen Johnson that loosely revisits the plot of Alfred Hitchcock’s movie Vertigo through a collage of found footage repurposed from old movies and television shows set in San Francisco. … | https://en.wikipedia.org/wiki/The_Green_Fog | https://vimeo.com/356966508


Movie Review – The Green Fog – Guy Maddin delivers an experimental feature that’s pure entertainment Clips from movies shot in San Francisco are edited into a reimagining of Alfred Hitchcock’s Vertigo. By J.R. Jones (2018)
https://www.chicagoreader.com/chicago/the-green-fog-guy-maddin-san-francisco/Content?oid=46443330

[Zu den Spielregeln der Zensur #3… ]

“ … Das Todeshaus am Fluß (House by the River) ist ein US-amerikanischer Film noir des deutsch-österreichischen Regisseurs Fritz Lang aus dem Jahr 1950. … Ursprüngliche wollte Lang die Figur des ermordeten Dienstmädchens zu einer Afroamerikanerin machen, was ihm aber das Zensurbüro des Hays Codes untersagte, da nach diesem erotische Begierde zwischen Schwarzen und Weißen nicht gezeigt werden durfte. … House by the River hatte am 23. März 1950 seine Premiere in Los Angeles, landesweit kam der Film zwei Tage später in die amerikanischen Kinos. In Deutschland feierte Das Todeshaus am Fluß erst mit einer Fernsehausstrahlung am 29. August 1986 seine Premiere. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Todeshaus_am_Flu%C3%9F

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