Kategorie: Global.Politix:Micro

Global.Politix:Micro

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #13 … ]

… in einer geteilten Wirklichkeit … Als personalisierte „Wahrheiten im Plural“, die angereichert von Affekten und Emotionen den Status subjektiver Wahrheiten innehaben, entziehen [ ] sich [soziale Medien] einer Nachprüfbarkeit, sind in ihrer Quantität schlicht überschaubar und erweisen sich aus sich selbst heraus als Beleg für die Unmöglichkeit der medialen Wahrheitskonstruktion. …

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“ … [[ … Die bikamerale Psyche ist in der Psychologie eine hypothetische Vorstufe des menschlichen Bewusstseins, die 1976 von Julian Jaynes in seinem Werk The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind postuliert wird. … … Die Hauptthese von Julian Jaynes, die er selbst preposterous („absonderlich“) nennt, besagt: Bewusstsein hat sich in historisch nachweisbarem Ausmaß erst in dem Jahrtausend vor der klassisch-griechischen Hochkultur entwickelt, etwa zwischen 1300 und 700 v. Chr. Die Menschen vor dieser Zeit hatten kein Bewusstsein, das heißt im Sinne Jaynes’ kein autonomes, exekutives Selbst. | https://de.wikipedia.org/wiki/Bikamerale_Psyche]] … Im Interview zeichnet McLuhan ein Bild der Rückkehr: „Wir kehren zurück in den Zustand des bicameral mind, kollektiv, tribal, ohne individuelles Bewusstsein.“ … Der Begriff des „bicameral mind“ stammt ursprünglich vom Psychologen Julian Jaynes, der damit einen präliteralen, vorbewussten Zustand des Menschen beschreibt: ein Denken, das nicht im Sinne innerer Reflexion funktioniert, sondern in dem die rechte Hirnhälfte – bildhaft, akustisch, mythisch – die linke dominierte. Entscheidungen, Intuitionen, Handlungen wurden nicht als inneres Selbstgespräch erlebt, sondern als „Stimmen der Götter“, als Befehle einer externen Autorität. Es war ein Leben in totaler Präsenz, ohne Distanz zwischen Impuls und Reaktion, zwischen Wahrnehmung und Interpretation. … [ Gerade deshalb sollten wir McLuhan nicht auf seine Aphorismen reduzieren. Seine Theorie ist keine Maschinenkritik, sondern eine Form der Selbstbeschreibung moderner Gesellschaft, die den Menschen nicht überschätzt, sondern funktional einordnet. Widerständigkeit? Möglich. Aber selten. Wahrscheinlicher ist, dass das System uns längst mitdenkt – auch wenn wir glauben, ihm zu widersprechen. Juni 2025 um 10:55 ] …“ | Aus: „Das globale Dorf als Brennglas der Gewalt – Ein systemtheoretischer Exkurs mit Marshall McLuhan“ gsohn (3. Juni 2025) | Quelle: https://ichsagmal.com/das-globale-dorf-als-brennglas-der-gewalt-ein-systemtheoretischer-exkurs-mit-marshall-mcluhan/
// https://de.wikipedia.org/wiki/Medientheorie

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Bild: Wechselseitige Irritationen: Social Media, Massenmedien, ‚Öffentlichkeit‘
January 2017, In book: Geschlossene Gesellschaften.
Verhandlungen des 38. Kongresses der DGS.
Publisher: DGSEditors: Stephan Lessenich
Authors: Jan-Felix Schrape, University of Stuttgart

“ … ‚Die Öffentlichkeit‘ bleibt [ ] bis zu einem gewissen Grad stets eine Fiktion (Schmidt 2001). … Die Existenz einer ontologischen Realität als Beobachtungshorizont wird auch aus dieser Perspektive nicht bestritten – diese kann aber keinesfalls beobachterunabhängig erfasst werden – weshalb übergreifende Bezugsgrundlagen wie ein geteiltes Zeit- und Zahlenverständnis, unsere Sprache sowie weitere sozial kristallisierte Symbolstrukturen notwendig werden, um Kompatibilität zwischen den mannigfaltigen Realitätssichten zu schaffen. …“ | Aus: „Wechselseitige Irritationen: Social Media, Massenmedien, ‚Öffentlichkeit‘“ Jan-Felix Schrape (2017) | Quelle: https://www.researchgate.net/publication/320146511_Wechselseitige_Irritationen_Social_Media_Massenmedien_Offentlichkeit‘

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“ … Das Bewusstsein in der Alltagswelt funktioniert subjektiv sinnhaft, intentional und objektbezogen. Damit ist es abgegrenzt von Bewusstseinsformen in anderen Welten: Traum, theoretische Physik, Spiel und im weiteren Sinne auch Kunst und Religion. Eine bestimmte Wirklichkeitsordnung strukturiert die Alltagswelt. Aspekte dieser Ordnung sind Sprache, Technik, soziale Beziehungen, das Hier und Jetzt als Zentrum, die Differenzierung in Nah- und Fernzonen, die Spezifika der Arbeitswelt, Intersubjektivität, verschiedene mögliche Perspektiven, Selbstverständlichkeit, Ausbildung von Routine- und Problembereichen, die Ausbildung eines Erfahrungsrahmens und eine Zeitstruktur, die sowohl das Konzept permanenten Zeitflusses als auch zeitliche Einzelabschnitte denkbar macht. … Das Wissen über Institutionen strukturiert bereits per Sozialisation die Alltagswelt. Sedimente von Wissen und Sinn bilden dazu Traditionen. Rollen werden von den Menschen internalisiert und repräsentieren die gesellschaftliche Ordnung. Diese Institutionalisierung kann verschieden stark durchgesetzt sein. Legitimationskrisen können zu historischer Veränderung führen oder neue Subsinnwelten produzieren. Dabei spielt der Grad der Verdinglichung eine große Rolle: Wie stark werden Gesellschaft oder Rolle als natur- oder gottgegeben wahrgenommen? … Menschen internalisieren subjektive Wirklichkeit über Sozialisation. … Bei einfachen Formen gesellschaftlicher Arbeitsteilung (Bauer, Ritter, …) ist auch die Sozialisation ein einfacher Prozess, resultiert jedoch in starker Identität. … „Wahrscheinlich sind alle Menschen, wenn sie erst sozialisiert sind, latente ‚Verräter an sich selbst‘. Die psychische Schwierigkeit dieses Verrates wird jedoch größer, wenn entschieden werden muß welches ‚Selbst‘ von Fall zu Fall verraten werden soll.“ (S. 181) … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_gesellschaftliche_Konstruktion_der_Wirklichkeit (4. Dezember 2024) – Zu: “ … Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit – ein Werk von Peter L. Berger und Thomas Luckmann. Es erschien 1966 in den USA unter dem Titel „The Social Construction of Reality“. Die deutsche Übersetzung von Monika Plessner wurde 1969 veröffentlicht. Es ist eines der Schlüsselwerke des Sozialkonstruktivismus. …“ | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkonstruktivismus

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„…Anhand konkreter Beispiele von Begegnungen zwischen Frankreich, der BRD, der DDR und Polen, sowohl in Kunstdiskursen als auch in der Kunst der 1960er bis 1980er Jahre, untersucht Mathilde Arnoux die jeweils unterschiedlichen Auslegungen der Konzepte der Wirklichkeit und des Wirklichen und beleuchtet gleichzeitig, inwiefern diese Wahrnehmungen geteilt, un- oder missverstanden werden. Zeitschriften, Kataloge, Kongresse, Museen, Galerien und andere alternative künstlerische Räume erscheinen hier als Foren, in denen die Facetten der jeweiligen Interpretationen durch die verschiedenen Autoren und Akteure der Kunstgeschichte – Künstler, Kunsthistoriker und Kunstkritiker – Gestalt annehmen. Ausgehend von den herausgearbeiteten Abweichungen wie Überschneidungen werden frühere Analysen kritisch zur Diskussion gestellt, um eine neue Perspektive auf die künstlerischen Beziehungen im Europa des Kalten Krieges anzubieten. …“ | Aus: „Geteilte Wirklichkeit – Für eine Geschichte der künstlerischen Beziehungen zwischen Ost und West im Europa des Kalten Krieges“ (2021) | Quelle: https://www.dfk-paris.org/de/publication/geteilte-wirklichkeit-2897.html | https://gab.hypotheses.org/6241

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“ … Wann immer Neuliberale den Sozialstaat attackieren, operieren sie mit dem Begriff der „Wirklichkeit“. … Kurzum: Die „Wirklichkeit“ ist ein außerordentlich legitimitätsheischender Begriff für straffe Marktreformer. Denn wer sich auf die „Wirklichkeit“ beruft, reklamiert für sich die unleugbaren Fakten, die unstrittige Empirie, ja die absolute Wahrheit. Selbst ist man nüchterner Realist, der andere aber – der die „Wirklichkeit“ partout nicht sehen will – lebt demgegenüber in einer Welt von Illusionen und Verdrängungen. Die „Wirklichkeit“ hat etwas Gebieterisches; sie verlangt folgsame Anerkennung, nicht Diskussion oder Erörterung. Der „Wirklichkeit“ hat man sich zu fügen, ihrer inneren Logik ist kompromisslos zu folgen. Sie setzt die Gegebenheiten, sie ist alternativlos und dadurch vernünftig, ja: Sie ist zwingend. Die „Wirklichkeit“ war und ist – kurzum – die stärkste diskursive Waffe neuliberaler Reformer in dieser Welt, um eine Realität zu desavouieren, die ihnen nicht gefällt und um eine „Zukunft“ zu formen, die sodann als einzig wirklich und damit herrisch absolut gesetzt wird. … “ | Aus: „Geteilte deutsche Wirklichkeit“ FRANZ WALTER (27.9.2005) | Quelle: https://taz.de/Geteilte-deutsche-Wirklichkeit/!539748/

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“ … Der Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer, der sich als Enthüllungsjournalist für linke Lebenslügen einen Namen gemacht hat, führte im März 2017 vor, warum es so nahe liegt, von den 68ern auf die Neuen Rechten zu kommen. Über ein Interview mit Rudi Dutschke aus dem Jahr 1967 schrieb er: „Wer beim Zuhören die Augen schließt, erkennt viele Parolen wieder, die heute die rechten Provokateure im Munde führen. Da ist die Schmähung der Regierungskabinette als „institutionalisierte Lügeninstrumente“, die Ablehnung des parlamentarischen Systems als manipulativ und unbrauchbar, die Verherrlichung der neuen Bewegung als eine, die „die wirklichen Interessen der Bevölkerung“ ausdrückt.“ … Zum Glück war Fleischhauer nicht im Archiv der taz. Die erste Ausgabe erschien im April 1979 mit Gedanken von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Rede ist dort von einem Staat, der „jeden Widerstand zu ersticken“ versuche. … Oskar Negt und Alexander Kluge [ ] argumentierten, dass es Gegenöffentlichkeit […] geben müsse, weil in der Öffentlichkeit einer Klassengesellschaft nur theoretisch all das verhandelt werde, was für wirklich alle wichtig ist. In der Praxis würden die Alltagserfahrungen vieler Menschen keine Rolle spielen … Es gibt heute Menschen, die sich in einer Art Diktatur wähnen – in jenem Sinn, in dem bei Oskar Negt und Alexander Kluge 1972 von einer „Diktatur der Bourgeoisie“ die Rede war. Sie wähnen sich in einer Diktatur des Liberalen, die sich nur noch für die Emanzipation immer neuer Minderheiten interessiert: Transgendertoiletten gelten als wichtig, Traditionen nicht. Das ist die Unterstellung. Männer sollen Männer heiraten dürfen, Frauen führen Unternehmen, Kopftücher gehören zu Deutschland, Flüchtlinge dürfen auch einfach rein – es ist nicht mehr so, wie es mal war. Als die 68er den Vertrieb der Bild-Zeitung blockierten oder Zeitungen aus dem Axel-Springer-Verlag verbrannten, da ging es immer auch um die Gefahr von Meinungsmonopolen. Springer kontrollierte damals mehr als 70 Prozent der Tageszeitungen in Westberlin. Die kommentierten die „Polit-Gammler“ und „rote SA“ in Grund und Boden und riefen dazu auf, die „Drecksarbeit“ gegen den „Terror der Jung-Roten“ nicht allein der Polizei zu überlassen. Kurz danach wurde Rudi Dutschke niedergeschossen. …“ | Aus: „Die taz und die Neuen Rechten: Die Lügenpresse, das sind wir“ Klaus Raab (15.4.2017) | Quelle: https://taz.de/Die-taz-und-die-Neuen-Rechten/!5396695/

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“ … Peter Trawny reflektiert leichtfüßig und tiefschürfend zugleich die „Krise der Wahrheit“ demokratischer Gesellschaften – und weist das Beunruhigende als gesellschaftlich produktiv aus … Spannend werden seine Ausführungen auch da, wo sich der Philosoph an der Differenzierung von „Wahrheit“ und „Tatsache“ abarbeitet und damit auch ein wichtiges Schlaglicht auf gegenwärtige Diskussionen um das „(Post-)Faktische“ [ „Als Postfaktizität oder postfaktische Politik wird ein politisches Denken und Handeln bezeichnet, für das Fakten irrelevant sind. “ –> https://de.wikipedia.org/wiki/Postfaktizit%C3%A4t] wirft, bei denen diese Differenzierung oftmals ausbleibt: Im Rekurs auf die Tatsache als historische nachprüfbare Wahrheit (zurückgehend auf die alte Unterscheidung von Tatsachen- und Vernunftwahrheiten [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunftwahrheiten_und_Tatsachenwahrheiten]) eröffnen sich die Möglichkeiten der Diskussion, die vor dem moralisch aufgeladenen Hintergrund einer „Wahrheitsfindung“ versperrt blieben. … Instruktiv ist auch Trawnys Einbettung der Funktionslogik sozialer Medien innerhalb des Wahrheitsdiskurses: Als personalisierte „Wahrheiten im Plural“, die angereichert von Affekten und Emotionen den Status subjektiver Wahrheiten innehaben, entziehen sie sich einer Nachprüfbarkeit, sind in ihrer Quantität schlicht überschaubar und erweisen sich aus sich selbst heraus als Beleg für die Unmöglichkeit der medialen Wahrheitskonstruktion. Gefahren sieht der Philosoph insbesondere in der Relativität eines dehierarchisierten Diskurses von Meinungen ohne Gatekeeper, zumal dieser suggeriert, dass alle diese Meinungen gleichrangig, gleich gültig sind. …“ | Aus: „Freischwebend in der Dauer-Krise“ (Nr. 2, Februar 2022, Kultur- und Medienwissenschaft) Zu: „Peter Trawny: Krise der Wahrheit. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2021“ | Quelle: https://literaturkritik.de/trawny-krise-der-wahrheit,28611.html

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“ … Da ein wachsendes Misstrauen in die Unterscheidung von Realität und Fiktion unsere Gegenwart prägt, begab sich das Duo (Andrea Orejarena & Caleb Stein) seit 2020 auf Social Media und fotografisch auf Erkundungstour. Entstanden ist ein erstes Archiv mit über 2.000 Fotografien und aktuellen Bildformen, das den Einfluss von Verschwörungsnarrativen auf die amerikanische Gesellschaft und die individuelle Wahrnehmung manifestiert. Diese Auseinandersetzung mit Bildern, die teils mit Augenzwinkern, teils mit paranoidem Blick, unser Verhältnis zur Wirklichkeit hinterfragen, haben Orejarena und Stein in ein eigenes fotografisches Konzept weiterentwickelt, das lose einem Atlas verschwörungstheoretischer Schauplätze in den USA folgt. Ihre Serie American Glitch dokumentiert die Landschaften der USA ausgehend von viralen Bildwelten als Simulation. … TACTICS AND MYTHOLOGIES ist die erste Ausstellung der neuen Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe »Viral Hallucinations«, die von 2024 bis 2026 die Rolle fotografischer und KI-generierter Bilder für den wachsenden gesellschaftlichen Einfluss von Verschwörungstheorien adressiert. …“ | Aus: „TACTICS AND MYTHOLOGIES“ (2024) | Quelle: https://deichtorhallen-onlineshop.de/products/american-glitch-a-orejarena-c-stein-signed

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“ … Arendt beschreibt im Zusammenhang mit Angriffen der Politik auf Tatsachenwahrheiten die Manipulation der Geschichtsschreibung durch die Politik. Als Beispiel nennt sie Leo Trotzkis Rolle in der Russischen Revolution, die in keinem sowjetischen Geschichtsbuch erwähnt werde. … Zwischen der politischen Vision sowie den eigenen Interessen einerseits und der Lüge andererseits gebe es enge Verbindungen. Eine Konsequenz daraus sei, dass Politiker es mit den Tatsachen nicht so genau nähmen. Anders verhalte es sich mit der Wahrheit, denn sie sei „das, was der Mensch nicht ändern kann; metaphorisch gesprochen ist sie der Grund, auf dem wir stehen, und der Himmel, der sich über uns erstreckt.“ Wahrheiten stehen also im Gegensatz zu Meinungen und Urteilen, die veränderbar sind. „Die Schwierigkeit liegt darin, daß Tatsachenwahrheit wie alle Wahrheit einen Gültigkeitsanspruch stellt, der jede Debatte ausschließt, und die Diskussion, der Austausch und Streit der Meinungen, macht das eigentliche Wesen allen politische Lebens aus.“ Jedoch bleiben die Tatsachen wesentlich für die Beurteilung von Meinungen und beschränken die Möglichkeit der Meinungsbildung: „Tatsachen sind der Gegenstand von Meinungen, und Meinungen können sehr verschiedenen Interessen und Leidenschaften entstammen, weit voneinander abweichen und doch alle noch legitim sein, solange sie die Integrität der Tatbestände, auf die sie sich beziehen, respektieren.“ – Hannah Arendt (Wahrheit und Politik. Berlin 2006, S. 23.) …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit_und_Politik (21. Oktober 2024)

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Gestellte Szenen: Mord und Totschlag mutete der Fotograf Eugène Appert den Betrachtern seiner Bildserie „Verbrechen der Commune“ zu. Allerdings sind die Szenen von Schauspielern nachgestellt und von Appert anschließend zusammengesetzt worden. Die Gesichter der Statisten ersetzte er durch die von Anhängern der Kommune. Das von Regierungstruppen an Kommunarden 1871 verübte Massaker setzte er dagegen nicht in Szene. Foto: Joyce F. Menschel Photography Library Fund
via „Aus den Anfängen der Bildbearbeitung Lincolns Kopf und Calhouns Körper“ [… schon kurz nach Erfindung der Fotografie wurde kräftig manipuliert – indem man Köpfe und Körper austauschte oder sogar Hinrichtungsszenen mit Schauspielern nachstellte. 13.10.2014] | Quelle: https://www.spiegel.de/fotostrecke/fruehe-bildmanipulationen-fotostrecke-119928.html

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„… Es ist wie ein sozialer Schock, wenn auf solche Weise plötzlich der Vorhang fällt, wenn sich alles Politische in der virtuellen Welt auf einmal wie in einem Theater darstellt, wenn offenkundig wird, dass der radikale Verteidiger der Internetzensur ebenso einen freien Zugang zum Internet hat wie jener bekannte Journalist, der bis dato so engagiert gegen den Filtermechanismus des Internets geschrieben hat, als sei er selbst ein Opfer der Zensur. Plötzlich registriert die Internetgemeinde, dass es keine Fronten mehr gibt, dass alle, Feinde wie Freunde, Insassen eines Boots auf einer sehr rauen See sind, die nur unterschiedliche Rollen spielen. … «Die Legitimität einer Herrschaft hängt von vielem ab, dazu gehört zweifellos die Gleichberechtigung in der Kommunikation», schrieb am vergangenen Dienstag die reformernahe Tageszeitung «Ham Mihan» und fügte hinzu, wenn in den sozialen Netzwerken eines Landes der häufigste Verweis dem Buch «Farm der Tiere» von George Orwell gehöre, dann müsse die Herrschaft dieses Landes über ihre Legitimität lang nachdenken. …“ | Aus: „Musk demaskiert. Das Internet als Herrschaftsinstrument“ Ali Sadrzadeh (5. Dezember 2025) | Quelle: https://www.journal21.ch/artikel/musk-demaskiert-das-internet-als-herrschaftsinstrument

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“ … Was als Maßnahme zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit konzipiert war, entwickelte sich binnen Stunden zu einem PR-Desaster für diverse politische Influencer. Zahlreiche Accounts, die sich als US-amerikanische Patrioten oder Anhänger der „America First“-Bewegung inszenierten, wurden durch die Anzeige in Ländern wie Nigeria, Russland oder Bangladesch verortet, also klassischen Ländern, in denen sogenannte Trollfarmen betrieben werden. …“ | Aus: „Auslandstrolle: Neues X-Feature entlarvt massenweise Trump-„Fans““ Witold Pryjda (24.11.2025) | Quelle: https://winfuture.de/news,155146.html

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EffEll am 24.11.25 um 13:46 Uhr
wer hätte das gedacht?!

logo00 am 25.11.25 um 18:58 Uhr
… Ich behaupte jetzt aber mal ganz frech, dass das so gut wie jedes digitale Medium betrifft. Leider …

Günther H.
Natürlich sind es die VPN-Adressen. Das Internet ist unfassbar blöd und fehlgeleitet, mir japanische oder rumänische Werbung einzublenden, wenn ich über einen dortigen Server eingeloggt bin, obwohl klar sein sollte, daß ich das wahrscheinlich gar nicht lesen kann.

Tom N.
Warum sollte jemand der in den USA lebt einen weit entfernten VPN in Nigeria oder Pakistan auswählen? …

[Kulturelles Unterbewusstsein #11 … ]

Jenseits der UFA – Zum Scheitern des deutschen Nachkriegsfilm
von Alexander Bohr u. Peter H. Schröder (2002)
–> https://youtu.be/V84fhWEROIc

Die Dokumentation begleitet den deutschen Nachkriegsfilmen der Produktionsjahre 1946 bis 1948. Mit Hilfe von Filmausschnitten, Wochenschauen und Interviews werden die ersten Gehversuche des deutschen Films nachgezeichnet. … “ … harte Zeiten verlangten nach Ablenkung, und so trägt die Dokumentation ,,Jenseits der Ufa“ … nicht umsonst den Untertitel ,,Zum Scheitern des deutschen Nachkriegsfilms“. Denn schon bald hieß es: Keine filmischen Experimente mehr! Zwar mochte die Ufa als Staatskonzern zerschlagen worden sein, doch ihr charakteristischer Stil lebte in der restaurativen Adenauer-Ära fort. Das westdeutsche Publikum wandte sich bald schon lieber den ,,Schwarzwaldmädeln“ und ,,Försterchristeln“ jener Jahre zu. Nachdenken? Unerwünscht! Heimatfilme, Militärklamotten und Schlagerseligkeiten bestimmten nun das Kinoprogramm. Und im Osten? Da beschnitt die Staatszensur künstlerische Freiheiten. …“ | Aus: „Düstere Zeit des deutschen Films“ (20.07.2002) | Quelle: https://www.noz.de/deutschland-welt/panorama/artikel/vermischtes-duestere-zeit-des-deutschen-films-23970264

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Kontexte:

“ … Die deutsche „Traumfabrik“ scheint durch idyllische Bilderreihen einen ganz bestimmten Zweck zu verfolgen und dabei einer Ideologie gewahr zu sein. Der Heimatfilm bewahrte diese Ideologie durch seinen Inhalt und seine spezifische Bildersprache. Daher war es erforderlich, die Trümmerwirklichkeit auszublenden, um diese Illusion des Vollkommenen zu erzeugen, aber auch um den Anschein zu erwecken, dass die deutsche Realität nicht so problematisch war, wie man allgemein annehmen könnte. Anstelle dessen wurden unberührte Wälder und Berge präsentiert, Halbwahrheiten, die von sentimentalem Kitsch erfüllt waren. Die Harmonie und heile Welt erfüllte den Wunsch nach „einem unkomplizierten und unbelasteten Vaterland“. Die deutsche Filmindustrie bediente diese Sehnsüchte und lieferte dem Publikum entsprechende Bilder bis weit in die 1960er Jahre. …“ | Aus: „„Fiktion als widerständiges Element in Alexander Kluges ABSCHIED VON GESTERN (1966/67)“ von Hüseyin Kocintar (Diplomarbeit – Wien, 2015), pdf (89 Seiten) | Quelle: https://services.phaidra.univie.ac.at/api/object/o:1313997/get


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„Medien der 1950er Jahre (BRD und DDR)“
Marburger Hefte zur Medienwissenschaft: 54 / 55
Es geht um eine Neubestimmung einer Zeit und um die Einordnung einer Zeit in die vorhandenen mediengeschichtlichen Rahmen. … (pdf 192 Seiten, 2012)
–> https://mediarep.org/server/api/core/bitstreams/b62c9297-6319-4242-ba54-79eecf5efdad/content

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LINK ACCUMULATOR :: [Filmgeschichte (Notizen)… ]
–> https://www.subf.net/linklist/index.php/topic,206.0.html

[Der Blick in die Kamera #90… ]


“ … Can Sürücü war fünf Jahre alt, er stand kurz vor seinem 6. Geburtstag als er seine Mutter verlor. …“ | Aus: „Der verlorene Sohn meldet sich bei Youtube“ Uta Schleiermacher (1.12.2025) | Quelle: https://taz.de/Femizid-an-Hatun-Sueruecue/!6133777/

// Hatun „Aynur“ Sürücü (* 17. Januar 1982 in West-Berlin; † 7. Februar 2005 in Berlin)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Hatun_S%C3%BCr%C3%BCc%C3%BC

[Vor unseren Augen (Politik) #2 …]

„What normalization does is transform the morally extraordinary into the ordinary. It makes us able to tolerate what was once intolerable by making it seem as if this is the way things have always been. … Stanley identifies the pillars of fascist politics that deepen the divide between „us“ and „them“ — denying equality, using a culture of victimhood, and feeding the sexual anxiety of men. Strategies include undermining journalists and reporters, promoting anti-intellectualism, the use of propaganda, spreading conspiracy theories, letting fear and anger overtake „reasoned debate“, and then calling on „law and order“ solutions.“ — Stanley. How Fascism Works | https://en.wikipedia.org/wiki/How_Fascism_Works

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Foto: Gareth Joswig (Gießen, 2025)
via https://taz.de/-AfD-Jugend-und-Gegenprotest-/!6133377/
Kontext: https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Deutschland

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Kontexte – // –

Aus Gießen Gareth Joswig „Gründung „Generation Deutschland“: Rechtsextreme AfD-Jugendorganisation hat jetzt neuen Namen“ (29.11.2025): “ … Die Gründung der AfD-Jugend war ein extrem rechter Offenbarungseid. Und zwar auch der Mutterpartei. … Adrian Maxhuni aus Niedersachsen [stellt] sich vor: Auch er ist langjähriger Kader der JA und gehört zu den völkischen Netzwerken innerhalb der Partei, die spätestens seit 2021 der bestimmende Mainstream der AfD sind und in der Jugendorganisation sogar deutlich länger. Der Landesverband Niedersachsen hatte 2022 die von ihm geführte JA als Jugendorganisation aberkannt, weil sie zu radikal aufgetreten ist. Damals stand in Chats von JA-Gruppen „Wir sollten Tierversuche stoppen und Flüchtlinge dafür nehmen“ oder die „Endlösung für die Musels in Deutschland“. Maxhuni führte die JA Niedersachsen trotzdem weiter. Darüber hinaus soll er auch Kontakte zu einem alten NPD-Ideologen haben, der Schulungen durchführt. Zur Belohnung gibt es 81,09 Prozent. … Die Frage ist nur: Ist der Bogen irgendwann überspannt? Und wie viele Verbotspunkte will die AfD noch sammeln. Kevin Dorow aus Schleswig-Holstein, ein Burschenschaftler mit mehreren Schmissen im Gesicht, testete die Grenzen aus. Er hielt für den ersten Beisitzer im Vorstand die bis dahin radikalste Rede: „Wir distanzieren uns nicht“, ruft er in den Saal, lobt das aktivistisch-außerparlamentarische Vorfeld und leitet dann zum Motto der Hitlerjugend über: „Jugend muss durch Jugend geführt werden“, forderte er. Das HJ-Motto hatte Rechtsextremist Björn Höcke vor einigen Wochen in Social Media gepostet und verschämt wieder gelöscht, nachdem herauskam, dass er mal wieder wissentlich NS-Parolen verbreitet hatte. Dorow bezieht sich auf Höcke und ruft das Motto hier von der Bühne. Dafür gibt es Szenenapplaus. …“ | Quelle: https://taz.de/Gruendung-Generation-Deutschland/!6133527/]https://taz.de/Gruendung-Generation-Deutschland/!6133527/

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Juergen Kasek (27. November 2025): “ … eine Partei ist nicht automatisch demokratisch, nur weil sie an Wahlen teilnimmt. Wenn das so wäre, wäre selbst die NSDAP eine demokratische Partei gewesen. … Zu den unverzichtbaren Grundpfeilern unserer Demokratie gehören Gleichheit und Minderheitenschutz. Gleichheit bedeutet: Jeder Mensch zählt – unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Lebensweise. Minderheitenschutz bedeutet: Auch die Schwächeren haben Rechte, die nicht vom Stimmungsbarometer einer Mehrheit abhängen. Genau diese Prinzipien stellt die AfD offen infrage. Sie will den Minderheitenschutz faktisch abschaffen und ersetzt das Ideal des Kompromisses durch das Diktat einer angeblich homogenen Mehrheit. Ihr Denken speist sich aus einem völkischen Nationalismus, dessen Kern ein hierarchisierendes, rassistisches Menschenbild ist. Es ist kein Zufall, dass dieses Weltbild nahtlos anschlussfähig ist an die Logik des Nationalsozialismus. … Die größte Gefahr für Deutschland sind nicht allein die Rechtsextremen. Die größte Gefahr ist eine gesellschaftliche Mitte, die im Angesicht des Drucks Begriffe, Forderungen und Feindbilder der Rechten übernimmt – und damit die Normalisierung von Menschenfeindlichkeit vorantreibt. … “ | Quelle: https://juergenkasek.wordpress.com/2025/11/27/wie-demokratien-sterben-und-warum-die-afd-nicht-demokratisch-ist/

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #73]

Photo: Jenny Kane (2025) [„Every journalist hit with a stinger grenade or pepper ball by law enforcement while covering a protest is a message from the government“ (18. Nov. 2025, 23:25) | Source: https://social.freedom.press/@freedomofpress/115573045228240088]

Caitlin Vogus (Nov. 18, 2025): “ … A Department of Homeland Security officer sprays a protester outside an Immigration and Customs Enforcement facility on Oct. 2 in Portland, Oregon. Federal agents have attacked journalists working to capture images like these. [“ … You’ve probably seen the inflatable frogs, the dance parties, the naked bike ride. Maybe you’ve also seen the darker images: a federal officer aiming a weapon at protesters, or federal agents hurling tear gas and flash bangs into peaceful demonstrations at a Portland, Oregon, immigration facility. Local journalists have been attacked for bringing images like these to the world. … “If you cover protests, you’re going to have discomfort and hazard. Period. That’s just the way it is,” [Photojournalist John] Rudoff [from Portland, Oregon] told us. “They shoot 20-year-old girls, and they shoot 70-year-old men, and they shoot people in wheelchairs, and they shoot blind people,” he added, referring to federal agents using crowd-control munitions. “The word impunity seems to be coined for them.” Despite the danger, Rudoff refuses to stop documenting. “The entire media ecosystem has been covered with the administration’s rantings about the war-ravaged hellscape of Portland, and the city is burning down, and ICE officers are being attacked, and on and on and on,” he said. “I feel some obligation to try and counter this frankly preposterous narrative that the city’s burning down. It isn’t.” … „] | Source: https://freedom.press/issues/journalists-cameras-become-targets-at-oregon-protests/

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Kontext #1:

Bedrettin Bölükbasi (29.09.2025): “ … Den Einsatz von Militär und Nationalgarde innerhalb des eigenen Landes begründete Trump bislang mit angeblich ausufernder Kriminalität in den Demokraten-Hochburgen. Tatsächlich hat Portland mit einer im nationalen Vergleich hohen Kriminalitätsrate zu kämpfen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 fiel die Rate der Gewaltverbrechen aber um 17 Prozent. Die höchste Kriminalität herrscht laut den Zahlen der Organisation Major Cities Chiefs Association vor allem in Staaten wie Louisiana, Mississippi und Tennessee. Alle drei Bundesstaaten werden von Gouverneuren der Republikaner regiert. …“ | Quelle: https://www.fr.de/politik/portland-trump-schickt-soldaten-zum-krieg-gegen-die-antifa-nach-zr-93958148.html

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“ … Jona Spreter, Portland (16. Oktober 2025): Vergangene Woche war Heimatschutzministerin Kristi Noem in Portland. Mit ihr reisten mehrere rechtsextreme Influencer an. Sie durften die ICE-Zentrale in Portland betreten, was bislang selbst Ihrem Stadtrat verwehrt bleibt. Sie standen auf dem Dach der Polizeiwache und nahmen Instagram-Content auf. | Bürgermeister Keith Wilson: Es ist beispiellos. Aber das sagen wir ständig über diese Regierung. Hier geht es um mehr als verschobene Normen: Wir haben Bundesbeamte, die mit Scharfschützengewehren auf dem Dach der ICE-Zentrale sitzen, unsere Leute verschrecken und mit Pfefferspraygeschossen schießen. In welcher Demokratie hat es das jemals gegeben? …“ | Aus: „“Die Leute werden von ICE aus ihren Autos gezerrt““ (16. Oktober 2025) | Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-10/portland-usa-keith-wilson-nationalgarde-ice-gxe/komplettansicht
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nepomuf: Die Kostüme sind ein brillianter Move. Der Kontrast zu den Tacticool-Kriegslarpern von ICE zieht das Alles in eine lächerliche Ebene, die Bilder der Festnahme friedlicher Frösche und Tiger haben einen eher schlechten Effekt. Und es erinnert alle Protestierenden daran: friedlich! Alle müssen zu jeder Zeit verstehen, dass das Regime nur diesen einen Moment der Eskalation sucht, um sein Notstandsgesetz durchzubringen. Das Schlimmste, was passieren kann, sind Bilder wie in Hamburg vor ein paar Jahren, oder bei den George Floyd Protesten. Genau das wollen Vance, Miller & Co … Wenn in jedem Bild stattdessen lustig Frösche rumhüpfen, wird das schwer. Ich hoffe, es gelingt.

Kontext #2:

„How inflatable frog suits became the protest fashion statement of the year“ Costumes have been worn as political symbols for decades, but animal outfits have become especially popular at anti-ICE demonstrations in Portland (October 14, 2025) | Quelle: https://www.washingtonpost.com/style/fashion/2025/10/14/portland-costumes-protesters-ice-immigration/

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Andersmal: [Auch] In Deutschland wird man beim Besuch der Ausländerbehörde abgeholt in Abschiebegewahrsam genommen, obwohl man einen Ausbildungsplatz hat und von der Airline „Freebird“ hinfort geflogen.
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Aufpassen-971: Es war schon im Mai 2025 in der ZEIT zu lesen, dass Trump und die rechtskonservative Denkfabrik “Heritage Foundation” für das „Projekt 2025“ Soldaten in die liberale Metropolen schicken will. Was im Moment in Portland, Chicago und anderen Städten passiert ist nur die Durchsetzung eines schon lange ausgefeilten Plans, und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Seit über zwei Jahrzehnten fahre ich täglich mit meinem Fahrrad sicher durch Portlands Straßen. Ja, wir haben viele Obdachlose und Drogen hier, doch die werden mit Trumps Politik keineswegs weniger.
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Nihi Liana: Ich habe gerade Besuch aus den USA. Zwei engagierte Akademiker aus dem Bildungsbereich, die sich nächste Woche in Griechenland niederlassen werden, weil sie eine zweite Trump Amtszeit und den MAGA Kult nicht ertragen. Gestern sprachen sie mit einer Kollegin der vor einer Demo geraten wurde ihr Smartphone nicht mitzunehmen, weil Teilnehmer inzwischen geortet und verfolgt werden.
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Wuya: Für Menschenjäger hat das Regime Geld übrig, die werden mit Kopfprämie neu eingestellt, statt entlassen (wie diejenigen, die ab und zu etwas für ihre Mitmenschen tun). Das Gewissen hat in den USA derzeit einen Kurs von 50.000 Dollar.

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Kontext #3: “ … Um das Ziel von einer Million Abschiebungen, also keine freiwilligen Ausreisen, zu erreichen, muss die Regierung noch mehr Razzien durchführen lassen, benötigt mehr ICE-Mitarbeiter. Und das kostet. Im Juli verabschiedete der Kongress mit Mehrheit der Republikaner ein großes Steuer- und Ausgabenpaket. Darin enthalten: rund 170 Milliarden Dollar für Grenzsicherheit und Einwanderungskontrolle für die kommenden vier Jahre. 75 Milliarden Dollar sind für ICE eingeplant. Das Jahresbudget der Behörde wird von etwa acht Milliarden Dollar auf rund 28 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht. ICE hat damit einen Etat, der fast dreimal so hoch ist wie das des FBI. … ICE lockt mit Prämien von bis zu 50.000 Dollar und weiteren Leistungen wie der Erstattung von Studienkrediten in Höhe von bis zu 60.000 Dollar. Die Altersgrenzen für Neueinstellungen werden aufgehoben, auch Personen über 40 und unter 18 können sich jetzt bewerben. … “ | Aus: „“Das Heimatland verteidigen“ – wie Trump ICE ausbaut“ Nina Barth, Washington (21.10.2025) | Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-ice-100.html

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #12]

… Was wir in der Schule gelernt haben, als Aufklärung zu sehen, ist einerseits der Kampf gegen den schlimmsten religiösen Obskurantismus und die absolutistische Willkür, andererseits ein gewisser Kult der Vernunft. (Philipp Blom)

„Wikipedia-Gründer Jimmy Wales: Warum Vertrauen Wissen schafft“ (SRF, 2025)
Video –> https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/wikipedia-gruender-jimmy-wales-warum-vertrauen-wissen-schafft?urn=urn:srf:video:3544c466-b1b3-4a26-81f3-112ef57aebab (1:00:41)

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Kontext #1:

Götz Hamann: “ … Diderots Encyclopédie schien den Kontinent zu erleuchten. Sie war ein Angriff auf das christliche Weltbild, das Primat der Kirche und die von Gott abgeleitete Macht der Könige. Denn sie stellte Vernunft, wissenschaftliche Methoden und die Empirie über den Glauben und gilt als das wichtigste Werk der Aufklärung. Das blieb nicht ohne Kritik. Da Diderot seine Haltung auch in diversen Essays kundgetan hatte, war er noch vor Erscheinen der ersten Bände verhaftet worden und mehrere Monate lang inhaftiert gewesen. Danach wurde er vorsichtiger … Denis Diderot und sein Freund und Kollege Jean Baptiste le Rond d’Alembert schrieben ihr Lexikon gemeinsam mit 142 sogenannten Enzyklopädisten. Wissenschaftler aus ganz Europa trugen dazu genauso bei wie die Intellektuellen der französischen Aufklärung und Revolution: der Staatstheoretiker und Philosoph Montesquieu; der Schriftsteller und politische Autor Voltaire; und nicht zuletzt Jean Jacques Rousseau. Doch außer ihnen lud Diderot auch Handwerker ein, machte sie zu Autoren, stellte ihre Kenntnisse gleichberechtigt neben die von Künstlern und Philosophen. Ein Uhrmacher beschrieb die Mechanik eines Uhrwerks, ein Kartograph teilte sein Wissen über die Vermessung der Erde. … Diderot arbeitete fast zwanzig Jahre an dem Lexikon, ein Lebenswerk. Fertig wurde er nicht. Nach 17 Textbänden und einigen zugehörigen mit Tafeln und Bildern übergab er seinen Nachfolgern die Aufgabe, es zu beenden. Sie taten es mit Bravour … 1780 erschien der letzte Band, Nummer 35. … “ | Aus: „Das gesammelte Wissen der Welt“ (17. Januar 2011) | Quelle: https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2011-01/wikipedia-diederot

„Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ („Enzyklopädie oder ein durchdachtes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke“) … | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Encyclop%C3%A9die_ou_Dictionnaire_raisonn%C3%A9_des_sciences,_des_arts_et_des_m%C3%A9tiers


“ […] Lukas Luger: … [Paris, wenige Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution: Im Salon des Barons d’Holbach treffen sich die größten Denker Europas, um ihre radikalen Ideen zu diskutieren. Der Historiker Philipp Blom hat in seinem Buch „Böse Philosophen“ ihre Geschichte niedergeschrieben.] In Ihrem Buch [Böse Philosophen. Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung. Carl Hanser Verlag, München 2011., 400 Seiten, ISBN-13: 9783446236486] setzen Sie sich für eine Wiederentdeckung der radikalen Strömung der Aufklärung ein. Warum verdient ein Philosoph wie Denis Diderot im 21. Jahrhundert eine Rehabilitierung? [Wo stecken die Denis Diderots von heute? … ]
Philipp Blom: … Was wir in der Schule gelernt haben, als Aufklärung zu sehen, ist einerseits der Kampf gegen den schlimmsten religiösen Obskurantismus und die absolutistische Willkür, andererseits ein gewisser Kult der Vernunft. … Der Austausch des Wissens ist heute global und sehr von kommerziellen Gesichtspunkten geprägt. Grundlegende Debatten sind kaum noch möglich, das System ist heute viel diffuser. Es gibt viel mehr kleine Stimmen, die sich in bestimmten Gebieten zu Einzelfragen unterhalten. Aber eine große revolutionäre Stimme, die unser aller Leben verändert, gibt es nicht mehr. … Diderot zum Beispiel hätte gerne an Gott geglaubt. Er war in seiner Jugend sehr fromm, wollte Jesuit werden. Irgendwann hat er aber begriffen, dass sein Bedürfnis zu glauben etwas ist, dem er nicht nachgeben darf, weil es rational falsch ist. In jeder Philosophiestunde lernt man, wie wichtig es ist, die richtigen Fragen zu stellen. Aber niemand sagt einem, wie schwierig es ist, mit den Antworten, die man sich erarbeitet, zu leben. Vielleicht kommen sie auf Ergebnisse, die ihren ureigensten Instinkten, ihren Lebenseinstellungen gar nicht entsprechen. Den Mut zu finden, gegen sein Bauchgefühl anzudenken – das habe ich von Diderot mitgenommen. …“ | Aus: „Buch über radikale Denker – Interview mit dem Autor Philipp Blom“ Lukas Luger (14. Oktober 2011) | Quelle: https://www.nachrichten.at/kultur/Buch-ueber-radikale-Denker-Interview-mit-dem-Autor-Philipp-Blom;art16,736236

Zeichnerische Darstellung einer Camera obscura aus der Encyclopédie

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Denis Diderot (* 5. Oktober 1713 in Langres; † 31. Juli 1784 in Paris)
https://de.wikipedia.org/wiki/Denis_Diderot

Als Enzyklopädisten werden die 144 namentlich bekannten Beiträger der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers bezeichnet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklop%C3%A4dist_(Encyclop%C3%A9die)

Obskurität (von lateinisch obscuritas „Dunkelheit, Unverständlichkeit“) … Obskurantismus bezeichnet keine feststehende Weltanschauung. Obskurantismus und die Bezeichnung für dessen Anhänger, Obskurant, wurden als kritische Bezeichnungen etabliert. Diejenigen, die sich als Vertreter einer der Aufklärung verpflichteten Denkweise sahen, benutzten das Wort als rhetorisches Mittel. Die anderen, deren Positionen ihnen als „anti-aufklärerisch“, „metaphysisch“ oder „religiös“ galten, wurden mit der Zuschreibung, Anhänger eines Obskurantismus zu sein, belegt. … Meyers Konversationslexikon in der Ausgabe von 1888 erklärt die Obskuranten schließlich zu „Finsterlingen“: „Obskurantismus (lat.), Gegensatz zu Aufklärung (–> Aufklärung: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung), sowohl die Hinneigung zur geistigen Dämmerung als das System, alle Aufklärung von andern abzuhalten. Die Anhänger des Obskurantismus heißen Obskuranten (Finsterlinge).“ … | Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Obskurit%C3%A4t (31. Mai 2025)

[Zeit im Bild #82 … ]


Kavallerie auf dem Paradeplatz Zürich während des Proteststreiks vom 9. November 1918 … Dass gegen Ende des Ersten Weltkrieges die Idee eines landesweiten Generalstreiks in der Schweizer Arbeiterbewegung zunehmend populärer wurde, war kein Zufall. Seit dem Kriegsausbruch hatten sich die Lebensbedingungen breiter Massen zunehmend verschlechtert. Hatte sich zu Beginn des Krieges die Sozialdemokratie – ohne dass sie allerdings in die Landesregierung eingebunden worden wäre – der Politik des „Burgfriedens“ angeschlossen und waren die Konflikte eher entlang der Grenze der mit unterschiedlichen Kriegsparteien sympathisierenden Sprachgruppen verlaufen, so verschärfte sich die Kluft zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum in den folgenden Jahren mehr und mehr. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Landesstreik

// Mike Dunn (14. Nov. 2025): “ … Today in Labor History November 14, 1918: Striking workers were gunned down in Granges, Switzerland during a General Strike of over 250,000 workers. Some of their demands were universal women’s suffrage, a 48-hour week, old age and disability insurance, and forcing the rich to pay off the nation’s debt. Women still did not have full suffrage until 1990 in some parts of Switzerland. …“ | https://mastodon.bits-und-baeume.org/@MikeDunnAuthor@kolektiva.social/115548565067438747

[Vor unseren Augen (Politik) #1 …]

“ … München/Washington, D.C. – „Ich glaube, Wissenschaft weiß gar nichts“: Das sagte Donald Trump schon 2020. Und sein Vize J.D. Vance erklärte Professoren ganz offen zu „Feinden“ und kündigte an, „für die Dinge, die wir tun wollen, müssen wir die Universitäten offen und aggressiv attackieren“. …“ | „Trump holt zum Generalangriff auf die Wissenschaft aus – mit Folgen auch für Deutschland“ Klaus Rimpel (12.03.2025) | Quelle: https://www.merkur.de/politik/wissenschaft-aus-trump-holt-zum-generalangriff-auf-die-93617129.html

“ [Mathias Risse (7. Oktober 2025)] … Wer seit der Ermordung des rechten Aktivisten Charlie Kirk dessen politische Positionen kritisiert und sich für eine Stärkung der Bürger- und Minderheitenrechte einsetzt, ist für Trump und seine Entourage sofort ein zur Gewalt anstiftender Aufwiegler. Die Regierung prüft sogar, ob sie gegen diese Kritiker Strafrechtsparagrafen anwenden kann, deren Zweck eigentlich die Bekämpfung organisierter Verbrechen ist. … die kurzzeitige Absetzung der Jimmy-Kimmel-Show [zeigt], wie stark der Druck auf die Medienkonzerne ist. Und was die Universitäten anbelangt, so ist Harvard bislang die einzige, die sich gegen die Erpressungsversuche der Trump-Regierung juristisch gewehrt hat. Rund 20 weitere Unis haben Harvards Gang zum Gericht mit einem sogenannten Amicus-Curiae-Brief unterstützt. Aber angesichts des brachialen Angriffs auf die Wissenschafts- und Meinungsfreiheit hätten eigentlich mindestens 400 Hochschulen Harvard beispringen müssen. Leider lassen sich viele Eliten von Trump einschüchtern, allen voran einige der größten Anwaltskanzleien. Mut ist in solchen Zeiten offenbar eine rare Tugend. …“ | Aus: „“Leider lassen sich viele Eliten von Trump einschüchtern““ (7. Oktober 2025) | Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-10/usa-demokratie-donald-trump-widerstand-harvard-mathias-risse/komplettansicht

Eyes Wide Shut (10/2025): “ … Hitler brauchte für die absolute Macht das Amt des Reichspräsidenten, und das nahm er sich „erst“ nach Hindenburgs Tod 1934. Die Gleichschaltung der Gerichte ging auch nicht von heute auf morgen. Ja, die Nazis waren vielleicht etwas schneller, aber in beiden Fällen sehen wir eine durchaus ähnliche Überrumpelungstaktik und „Schocktherapie“. In beiden Fällen sehen wir meisterhafte Propaganda. In beiden Fällen sehen wir die Einschüchterung und Einflussnahme auf Medien, Künstler, Oppositionelle. In beiden Fällen sehen wir eine Art Putztruppe für die Straßen [https://www.amnesty.de/informieren/amnesty-journal/usa-trump-immigrationspolizei-ice-deportation-menschenjagd („USA: Menschenjagd landauf, landab“, 02. Oktober 2025)]. In beiden Fällen sehen wir, dass vor der Gleichschaltung des Staates zunächst die Gleichschaltung der herrschenden Partei erfolgte. In beiden Fällen stehen hinter der Prolo-Parteispitze raffinierte und im Dunkeln agierende Oligarchen und andere Eliten. In beiden Fällen sehen wir einen psychisch auffälligen und offensichtlich für sein Amt ungeeigneten Führer, der sich für eine gottgegebene nationale Lichtgestalt und als natürliche Person an der Spitze des Staates sieht, und der seiner einfach gestrickten Anhängerschaft die Lösung ihrer Probleme verspricht. …“

Tim Hartmann (10/2025): Antwort auf @Krombacher: „Russland 2019 und USA 2025 sind durchaus auf vergleichbar autoritärem Stand.“ Das ist schlichtweg sachlich falsch. Falls dies nicht Rhetorik ist um „wachzurütteln“ sondern genuine Überzeugung ist, dann ist es ein Problem. In 2019 gab es in Russland längst kein Kimmel mehr. Es gab keine Prominenz in der Unterhaltungsindustrie die gegen den Präsidenten twittert. Keine Opposition in den Parlamenten. Die Auflistung von alldem ist unendlich lang. Von staatlich verordneten und zur Einschüchterung kaum kaschierte politischen Morden an Oppositionellen und Journalisten kaum zu sprechen. Die Verfassung wurde bereits geändert. Die Krim bereits besetzt und annektiert. Die Liste ist endlos. Es ist schlichtweg eine Verschwörungstheorie. Ein Gavin Newsom [https://de.wikipedia.org/wiki/Gavin_Newsom] wäre nicht nur nicht Gouverneur von Kalifornien, er wäre tot im Russland von 2019. …“

What normalization does is transform the morally extraordinary into the ordinary. It makes us able to tolerate what was once intolerable by making it seem as if this is the way things have always been.“

— Stanley. How Fascism Works

“ … How Fascism Works: The Politics of Us and Them is a 2018 nonfiction book by Jason Stanley, the former Jacob Urowsky Professor of Philosophy at Yale University. Since 2025 he has been the Bissell-Heyd Chair in American Studies at the University of Toronto’s Munk School of Global Affairs & Public Policy, with a cross-appointment in philosophy. His move to Canada has been widely reported as motivated by growing concerns over political interference in U.S. universities, restrictions on academic freedom, and his desire to raise his children in a more stable democratic environment. …“ | Source: https://en.wikipedia.org/wiki/How_Fascism_Works (21 September 2025)

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… As Foucault used the term, normalization involved the construction of an idealized norm of conduct – for example, the way a proper soldier ideally should stand, march, present arms, and so on, as defined in minute detail – and then rewarding or punishing individuals for conforming to or deviating from this ideal. …
https://en.wikipedia.org/wiki/Normalization_(sociology)

Andy Beckett (Fri 31 Oct 2025): “ … How would you behave if your democracy was being dismantled? In most western countries, that used to be an academic question. Societies where this process had happened, such as Germany in the 1930s, seemed increasingly distant. The contrasting ways that people reacted to authoritarianism and autocracy, both politically and in their everyday lives, while darkly fascinating and important to study and remember, seemed of diminishing relevance to now. Not any more. Illiberal populism has spread across the world, either challenging for power or entrenching itself in office, from Argentina to Italy, France to Indonesia, Hungary to Britain. But probably the most significant example of a relatively free, pluralist society and political system turning into something very different remains the US, now nine months into Donald Trump’s second term. …“ | From: „“What would you do if democracy was being dismantled before your eyes? Whatever you’re doing right now““ | Source: https://www.theguardian.com/commentisfree/2025/oct/31/democracy-california-life-donald-trump-resistance

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eamonmcc (2025): “ … Our post-1945 western world is now going, fast. What will replace it? At the moment, right-wing authoritarianism. If that direction of travel continues for another 3-4 years, which is very likely, how will we judge our actions and thinking of today? In order to answer that, we should look to the last time we had right-wing authoritarianism across the west – in the 1930s-1940s. [The] Problem is, we think the 1930s, or a shade of it, won’t happen. So we are rolling the die. ‚The best of luck‘ won’t do, because plain old luck with this one is a bit like fighting an upright angry bear with a rolled-up newspaper. Our right not to be imprisoned or deported arbitrarily is going, our right not to be assaulted is going, our right to protest against injustice is going, our right not to have our person violated is going, our right to a decent safe workplace is going, our decent public health services are going, our right to free speech is going, our right, or possibility, to vote for a government that stands up for humane principles is going. In many ways, our right to be the sort of person we choose to be, or that we are in essence, is going.
The principles of universalism were established, albeit it imperfectly, across the west post-1945; they are going too. They were not firmly established before 1945 which could very well be why we ended up with the apocalypse in 1914-1945. …“

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Andy Beckett (Fr., 31. Okt. 2025): „… Wie würden Sie sich verhalten, wenn Ihre Demokratie abgebaut würde? In den meisten westlichen Ländern war das früher eine rein akademische Frage. Gesellschaften, in denen dieser Prozess stattgefunden hatte, wie etwa Deutschland in den 1930er Jahren, schienen immer weiter entfernt. Die unterschiedlichen Reaktionen der Menschen auf Autoritarismus und Autokratie, sowohl politisch als auch im Alltag, waren zwar auf düstere Weise faszinierend und wichtig zu erforschen und zu erinnern, schienen aber für die heutige Zeit an Bedeutung zu verlieren. Doch das hat sich geändert.
Illiberaler Populismus hat sich weltweit ausgebreitet und strebt entweder nach der Macht oder etabliert sich an der Macht, von Argentinien bis Italien, von Frankreich bis Indonesien, von Ungarn bis Großbritannien. Das wohl bedeutendste Beispiel für eine relativ freie, pluralistische Gesellschaft und ein ebensolches politisches System, das sich in etwas völlig anderes verwandelt hat, sind jedoch nach wie vor die USA, neun Monate nach Beginn von Donald Trumps zweiter Amtszeit. …“ | Aus: „Was würden Sie tun, wenn die Demokratie vor Ihren Augen abgebaut würde? Was auch immer Sie gerade tun.“ Quelle: https://www.theguardian.com/commentisfree/2025/oct/31/democracy-california-life-donald-trump-resistance

eamonmcc (UK, 2025): „… Unsere westliche Welt nach 1945 befindet sich im rasanten Wandel. Was wird an ihre Stelle treten? Momentan der Rechtsautoritarismus. Sollte sich diese Entwicklung in den nächsten drei bis vier Jahren fortsetzen, was sehr wahrscheinlich ist, wie werden wir dann unser heutiges Handeln und Denken beurteilen?
Um diese Frage zu beantworten, sollten wir uns die letzte Phase des Rechtsautoritarismus im Westen ansehen – die 1930er- und 1940er-Jahre. Das Problem ist, dass wir glauben, die 1930er-Jahre, oder zumindest eine ähnliche Situation, würden sich nicht wiederholen. Wir spielen also mit dem Feuer. Einfach nur Glück zu haben, reicht nicht, denn in diesem Fall ist es, als würde man mit einer zusammengerollten Zeitung gegen einen wütenden Bären kämpfen.
Unser Recht, nicht willkürlich eingesperrt oder abgeschoben zu werden, schwindet. Unser Recht, gegen Ungerechtigkeit zu protestieren, schwindet. Die Möglichkeit einen sicherer Arbeitsplatz zu bekommen schwindet. Unsere guten öffentlichen Gesundheitsdienste sind bedroht. Unser Recht auf freie Meinungsäußerung schwindet. Unser Recht – oder die Möglichkeit – eine Regierung zu wählen, die für unsere Rechte einsteht schwindet. Denn humane Prinzipien schwinden.
In vielerlei Hinsicht schwindet unser Recht, so zu sein, wie wir es wollen – oder wie wir im Grunde sind.
Die Prinzipien des Universalismus wurden nach 1945 im Westen, wenn auch unvollkommen, etabliert; auch sie verschwinden. Vor 1945 waren die Prinzipien des Universalismus nicht fest verankert, was durchaus der Grund für die Katastrophen von 1914–1945 sein könnte. …“

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Kontext #1

“ … In der „Querelle des Anciens et des Modernes“ (1687) war „Moderne“ noch ein Gegenbegriff zu „Antike“ [Als Querelle des Anciens et des Modernes (französisch für Streit der Alten und der Neuen) bezeichnet man eine geistesgeschichtliche Querele [Streit] in Frankreich an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert. Es ging dabei um die Frage, inwiefern die Antike noch das Vorbild für die zeitgenössische Literatur und Kunst sein könne]. Erst im 19. Jahrhundert wurde es üblich, mit dem Wort Moderne die Gegenwart von der Vergangenheit allgemein abzugrenzen. In der Philosophie fällt die Moderne mit der Aufklärung zusammen [Aufklärung –> https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung].

„Zugleich steht die Zeit der Weimarer Republik im krisenhaft akzentuierten Schnittpunkt epochaler soziokultureller Neurungen. Sie bildet den Höhepunkt jener klassischen Moderne, die sich um die Jahrhundertwende zu entfalten begann. In ihr entstanden die Züge unserer gegenwärtigen Lebenswelt, erfolgte der Durchbruch der modernen Sozialpolitik, Technik, Naturwissenschaft, der Humanwissenschaften und der modernen Kunst, Musik, Architektur und Literatur. In knapp 14 Jahren wurden nahezu alle Möglichkeiten der modernen Existenz durchgespielt. Zugleich geriet die klassische Moderne in ihre Krisenjahre. Der allgemeinen Durchsetzung folgten Problematisierung, Zurücknahme und Zusammenbruch.“

– Detlev Peukert: Die Weimarer Republik. Krisenjahre der klassischen Moderne, Frankfurt am Main 1987.
…“
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Moderne (13. Oktober 2025)

Weimarer Republik (zeitgenössisch auch Deutsche Republik: 1918 bis 1933)
https://de.wikipedia.org/wiki/Weimarer_Republik

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Kontext #2

“ … Als Menschenrechte werden individuelle Freiheits- und Autonomierechte bezeichnet, die jedem Menschen allein aufgrund seines Menschseins gleichermaßen zustehen. Sie sind universell (gelten überall für alle Menschen), unveräußerlich (können nicht abgetreten werden) und unteilbar (können nur in ihrer Gesamtheit verwirklicht werden). Sie umfassen dabei bürgerliche, politische, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechtsansprüche. … Universalität im Menschenrecht steht für Allgemeingültigkeit. Das heißt, dass die Menschenrechte überall und für alle Menschen jederzeit gültig sind. Diese ist jedoch in der Praxis nicht immer gewährleistet, da die Ausgestaltung sowie der Schutz von spezifischen Menschenrechten von der politischen Auffassung und der damit verbundenen rechtlichen Durchsetzung innerhalb von Staaten und Institutionen abhängig sind. …“ (8. Oktober 2025)
https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenrechte

Menschenrechte nach Staat
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Menschenrechte_nach_Staat

Autoritarismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Autoritarismus

Universalismus
https://de.wikipedia.org/wiki/Universalismus_(Philosophie)

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Kontext #3

„…
Jule Govrin: … Das Recht, über den eigenen Körper zu bestimmen, wird derzeit von der Rechten frontal angegriffen: Man sieht das an den Illegalisierungen von Abtreibungen in den USA … Die reaktionäre Antwort ist [ ], sämtliche Versorgungsstrukturen zu zerstören.
Daniel Hackbarth: Woran machen Sie das fest?
Jule Govrin: Wenn etwa Milei mit der Kettensäge in der Hand eine Schocktherapie durchsetzen will, also die radikale Zerschlagung sozialstaatlicher Strukturen. In den USA sieht man dasselbe bei den Angriffen auf die Bildung oder die Gesundheitsversorgung. In moderaterer Form lässt sich das auch in Deutschland an den Debatten um die Schuldenbremse beobachten. Zwar wurde Letztere gelockert. Zugleich hat … Friedrich Merz betont, dass so Gelder fürs Militär beschafft werden sollen und er Sozialleistungen kürzen will. …“
Aus: „Was hat Ungleichheit mit unseren Körpern zu tun?“ (Nr. 18 – 1. Mai 2025)
Quelle: https://www.woz.ch/2518/jule-govrin/was-hat-ungleichheit-mit-unseren-koerpern-zu-tun/!2FJWCHM1E2TD

“ … Jule Govrin setzt bei der Abhängigkeit und Verwundbarkeit unserer Körper an und fordert einen «Universalismus von unten»: Gleichheit nicht als Ideal, sondern als gelebte alltägliche Praxis, als Sorge um unsere Mitmenschen. Klingt gut. Doch wie soll das gehen, angesichts der politischen Weltlage und dem Erstarken konservativer und reaktionärer Kräfte? … Darüber spricht sie mit Yves Bossart. …“ | Link –> https://www.srf.ch/audio/sternstunde-philosophie/sorge-statt-kapital-warum-wir-mehr-gleichheit-brauchen?id=AUDI20250927_NR_0026 (27.09.2025)

Jule Govrin (* 18. Juni 1984 in Siegburg) ist eine deutsche Philosophin und politische Autorin.
… In ihren Büchern Universalismus von unten. Eine Theorie radikaler Gleichheit (2025) und Politische Körper. Von Sorge und Solidarität (2022) entwirft sie eine Theorie von Gleichheit als Praxis, die auf Differenz, Sorge und Solidarität beruht und bringt das Konzept eines „Universalismus von unten“ ein. …
https://de.wikipedia.org/wiki/Jule_Govrin

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Nachtrag #1:

Heinrich Wefing. DIE ZEIT Nr. 47/2025 (Aktualisiert am 9. November 2025): “ … In der Zeitschrift The Atlantic erschien unlängst ein Essay des Juristen Aziz Huq, der an der University of Chicago lehrt – der Universität, an der Fraenkel sein Buch vollendete. Huqs Text ist überschrieben mit: America Is Watching the Rise of a Dual State, zu Deutsch: Amerika erlebt den Aufstieg eines Doppelstaates. … Huq hütet sich, Donald Trumps Amerika des Jahres 2025 allzu direkt mit dem Nazi-Regime der Dreißigerjahre zu vergleichen. Das Land ist längst keine Diktatur, die Gerichte arbeiten, viele Menschen stellen sich Trumps autoritären Versuchen entgegen. Aber dennoch bietet Fraenkels Doppelstaat ein analytisches Instrumentarium, um zu verstehen, was derzeit in den Vereinigten Staaten geschieht. … „Die Liste der Maßnahmen, die eine Sphäre schaffen, in denen das Recht nicht gilt“, werde „jeden Tag länger“, schreibt Huq: die Begnadigung der Männer, die das Kapitol stürmten; die forcierten Rücktritte von Staatsanwälten, die nicht gegen Trumps Gegner ermitteln wollen; die Einschüchterung und Erpressung von Großkanzleien und Universitäten; die Festnahmen von Migranten auf offener Straße durch vermummte Beamte in Zivil. Das gemeinsame Ziel all dieser Schritte sei die Schaffung eines „Maßnahmenstaats“, schreibt Huq, „in dem nicht das Recht regiert, sondern grausame Launenhaftigkeit“. Wohin das am Ende führen wird, ist unmöglich zu sagen. Doch dass Der Doppelstaat jetzt ausgerechnet in dem Land wieder gelesen wird, in dem Fraenkel Zuflucht fand vor dem Faschismus, ist eine bittere historische Pointe. … “ | Aus: „Wenn das Recht noch besteht, aber nicht mehr gilt“ (9. November 2025) | Quelle: https://www.zeit.de/2025/47/der-doppelstaat-ernst-fraenkel-rechtsstaat-nationalsozialismus-gxe/komplettansicht

Der Doppelstaat ist eine Studie des deutsch-amerikanischen Juristen und Politikwissenschaftlers Ernst Fraenkel (1898–1975) über den NS-Staat.
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Doppelstaat

„America Is Watching the Rise of a Dual State“ Aziz Huq (March 23, 2025)
For most people, the courts will continue to operate as usual—until they don’t.
https://www.theatlantic.com/magazine/archive/2025/05/trump-executive-order-lawlessness-constitutional-crisis/682112/

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Nachtrag #2


„We asked activists from authoritarian regimes what they wish they’d known sooner. Here’s what they said“ Danielle Renwick (Tue 9 Dec 2025 11.00 CET) | Activists from Hungary, El Salvador and Turkey offer advice to the US about what they’ve learned about authoritarians …
https://www.theguardian.com/us-news/2025/dec/09/experts-authoritarian-regimes-trump

[Klaus Doldinger (1936-2025)… ]

Doldinger Jubilee (Auswahl an Titeln 1953–1973) (1973)

Schirokko (Komponist: Klaus Doldinger)
Organ: Brian Auger (Hammond) [?], Klaus Doldinger (ts, 2. Solo) / Johnny Griffin (ts, 1. Solo) / Volker Kriegel (g) / Kristian Schultze (e-piano) / Wolfgang Schmid (b) / Pete York (dr) / Curt Cress (dr) /
Orch./Chor/Ensemble: Passport
Schirokko (9:47 Min.) –> https://www.youtube.com/watch?v=dQjprnuWGp4&list=OLAK5uy_kZVtMp6h5FVrhZeEuGNl6Wt8jrEPjJejE&index=4

Compared to What (Doldinger Jubilee II, 1975) [Composer: Gene McDaniels]
Guitar: Buddy Guy Drums, Percussion: Curt Cress Tenor Saxophone: Johnny Griffin Producer: Klaus Doldinger Tenor Saxophone: Klaus Doldinger Organ: Kristian Schultze Electric Piano: Kristian Schultze Piano, Vocals: Les Mccann Drums: Pete York Guitar: Philip Catherine Producer: Siegfried E. Loch Bass: Wolfgang Schmid Composer: Gene McDaniels
Compared to What (5:04 Min.) –> https://youtu.be/rKzLVcMQL0I?list=RDrKzLVcMQL0I

// https://vinyl.bertelsmann.com/de/records/view/L3544
// https://www.discogs.com/de/release/2191046-Doldinger-Jubilee
// https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Doldinger

Nachtrag:

Torsten Groß (19. Oktober 2025): “ … Der von Doldinger geliebte Jazz war bei seinem autoritären Vater und am Konservatorium verpönt. Für Doldinger hingegen war Musik grundsätzlich grenzüberschreitend, die damals übliche Trennung zwischen U- und E-Musik lehnte er ab. Auch durch diese offene Haltung wurde Doldinger zu einem zentralen Vorkämpfer und Wegbereiter der deutschen Jazz-Revolution. … Klaus Doldinger wurde zum Star der Schwabinger Jazz-Szene der späten Sechziger- und Siebzigerjahre, wo er die Clique um Rainer Werner Fassbinder und andere Akteure des Neuen Deutschen Films kennenlernte. Er arbeitete und feierte mit Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotta, Wolfgang Petersen und Hans W. Geißendörfer, diese Freundschaften wurden zugleich die Grundlage für seine spätere Kompositionsarbeit für unzählige Filme und Fernsehserien. … Von der berühmten Tatort-Melodie, die bis heute Sonntag für Sonntag in den Wohnzimmern der Republik erklingt, hat Doldinger über die Jahre zahlreiche Versionen aufgenommen. In den meisten Folgen wird die Version gespielt, die er 1979 zum 100. Tatort mit der damaligen Passport-Besetzung eingespielt hat. Es sei ein Segen, dass der Erfolg der Reihe für ihn damals nicht abzusehen gewesen sei, erzählte er mir einmal, sonst hätte er sich vermutlich bei der Komposition verkrampft. … “ | Quelle: https://www.zeit.de/kultur/musik/2025-10/klaus-doldinger-tod-tatort-musik/komplettansicht

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Heinz-Rüdiger: “ … Jugend auf dem Land in Oberbayern Ende der 80er/Anfang der 90er. Die Tochter kannte man weitläufig von irgendwelchen Feten (wie das damals hieß), vom Vater hatte ich noch nie gehört. Bis zu einem denkwürdigen Abend im winzigen ‚Korkenzieher‘ in Geretsried. Er trat mit Barbara Dennerlein auf. Alder, ging das ab …“
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Leonia Bavariensis: “ … Klaus Doldingers Passport begleitete in meinem letzten Schuljahren meinen langsamen Weg vom Rock über den Jazzrock hin zum Jazz. …“

[Zeit im Bild #81 … ]

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“ … Zwischen gestern und morgen ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahre 1947 von Harald Braun. Er ist dem Genre des für die ersten Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland typischen Genre des Heimkehrer- und Trümmerfilms zuzuordnen. … Die zeitgenössischen Kritiken wie die rückblickenden der Adenauer-Jahre fielen durchaus positiv und milde aus, während in späteren Jahren in bisweilen scharfem Ton die Unverbindlichkeit, das Unanalytische und das Selbstmitleid dieses Streifens und auch zahlreicher anderer Filme jener Jahre vor der Gründung beider deutscher Staaten (1949) attackiert wurde. … Buchers Enzyklopädie des Films setzte sich intensiv mit der generellen Problematik des Trümmerfilm-Genres auseinander: „Typischer für die frühe deutsche Nachkriegsproduktion waren allerdings die ab 1947 entstandenen Trümmerfilme, Werke, die sich mit der Nazizeit aus dem ratlos-verkaterten Blickwinkel des Hinterher auseinandersetzten und viele gut gemeinte Ansätze durch eine Beschränkung auf das Klagelied des ohnehin machtlosen, kleinen Mannes zunichte machten oder sich in allgemeine Anklagen verloren, die niemanden trafen, weil alle zu den Betroffenen zählten. Typisches Beispiel dafür waren Harald Brauns Zwischen gestern und morgen oder Wolfgang Liebeneiners Liebe 47…“ … Für Ludwig Marcuse bildet sich mit diesem Film und seiner Story [https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischen_gestern_und_morgen#Handlung], auch auf dem Hintergrund der eigenen Emigrationserfahrung, das grundsätzliche Verhältnis der Deutschen zu seinen rückkehrenden Emigranten ab: „Ich habe gehört: da ist jetzt der erste Film einer deutschen Firma in der USA-Zone; man sollte ihn nicht vergessen. (…) Das schwere deutsche Problem, 1948, lautet: soll man einem Emigranten die Hand geben, der zwar nicht Österreich, die Tschechoslowakei, Polen, Belgien, Holland, Frankreich, Finnland, Dänemark und Norwegen gestohlen hat … aber vielleicht ein Schmuckstück? Gott sei Dank findet sich plötzlich das Gesuchte. Der Emigrant ist rehabilitiert. Man braucht zur Interpretation keine Tiefenpsychologie: der Emigrant muss beweisen, dass er sich anständig benommen hat. Dann erst kann man ihm die Hand geben. Wem er die Hand geben kann, wird nicht in Betracht gezogen.“… “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Zwischen_gestern_und_morgen
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“ … „Wir sind auf der Suche nach Vätern, das ist kein Vergnügen – nach Vätern, die die Wahrheit sagen, nach Vätern, die, weil sie die Wahrheit schon einmal tausend Jahre verschwiegen haben, die Folgen dieses Schweigens jetzt endlich einsehen und bereuen, nach Vätern, die uns ihre Reue mitteilen und die mit uns zusammen nachdenken über die Wege, die sie gegangen und die jetzt zu gehen sind.“ — Nicht mehr, aber auch nicht weniger fordert Klaus Köhler von den deutschen Vätern. Klaus Köhler ist der Protagonist von Christian Geisslers Debütroman „Anfrage“. Als das Buch 1960 im westdeutschen Claassen Verlag erschien, provozierte es erhitzte Reaktionen … [es] wurden Stimmen laut, der Autor müsse wegen Landesverrats angeklagt werden [Zum Buch: Christian Geissler: „Anfrage“. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Detlef Grumbach. Berlin 2023. 344 Seiten]. Andere waren begeistert. „Dieses Buch ist leidenschaftlich und rücksichtslos, radikal und aggressiv, zornig und hemmungslos. Und es ist gleichzeitig unreif, oft sehr naiv, unbeholfen, mitunter sentimental und melodramatisch“, schrieb Marcel Reich-Ranicki. Ralph Giordano nannte es „ein Buch, das um sich beißt, kratzt, schlägt, faucht und sticht“. Geisslers Roman zeichnet sich in der Tat durch einen heiligen Zorn aus. Dieser Zorn lässt ihn solitär in der deutschen Literaturlandschaft der ersten Nachkriegsjahrzehnte stehen. …“ | Aus: „Die Schuld der bequemen Ratlosigkeit“ Ulrich Gutmair (28.7.2023) | Quelle: https://taz.de/Roman-aus-dem-Jahr-1960/!5947623/
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“ …“Die Ehe der Maria Braun“ ist ein Spielfilm von Rainer Werner Fassbinder aus dem Jahr 1979. … Fassbinder nutzt diese melodramatische Geschichte, um einen distanziert-pessimistischen Blick auf die unmittelbare Nachkriegszeit in Westdeutschland zu werfen. Maria Braun wird dabei vielfach als Verkörperung des Wirtschaftswunders gesehen, das Wohlstand nur um den Preis des Verdrängens von Gefühlen brachte. …“ | [ Siehe auch: Sabine Pott: Film als Geschichtsschreibung bei Rainer Werner Fassbinder. Peter Lang GmbH Europäischer Verlag der Wissenschaften, Frankfurt am Main 2001. 2. durchgesehene Auflage 2004. ISBN 3-631-51836-6, S. 19–99. ] | Aus: „Die Ehe der Maria Braun“, Datum der letzten Bearbeitung: 2. September 2025, 20:13 UTC, Versions-ID der Seite: 259408625
Permanentlink: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Die_Ehe_der_Maria_Braun&oldid=259408625, Datum des Abrufs: 13. Oktober 2025, 09:10 UTC


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“ … Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass epigenetische Informationen die Grenze der Generationen nicht überschreiten können. Wissenschaftler nahmen an, dass das epigenetische Gedächtnis, das während des gesamten Lebens angehäuft wurde, bei der Entwicklung von Spermien und Eizellen vollständig gelöscht wird. Erst vor kurzem wiesen mehrere Studien nach, dass epigenetische Markierungen tatsächlich an folgende Generationen weitervererbt werden – aber wie genau und welche Auswirkungen dies auf die Nachkommen hat, blieb bisher unklar. … „Unsere Studie legt den Schluss nahe, dass wir mehr als nur Gene von unseren Eltern erben. …“ | Aus: „Epigenetik zwischen den Generationen“ (13. Juli 2017) [[Zenk F, Loeser E, Schiavo R, Kilpert F, Bogdanovic? O, Iovino N, Germ line–inherited H3K27me3 restricts enhancer function during maternal-to-zygotic transition. Science; Vol. 357, Issue 6347, pp. 212-216; July 14th, 2017]] | Quelle: https://www.mpg.de/11396064/epigenetik-vererbung

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„… Inzwischen gibt es „eine Flut von Veröffentlichungen zum Thema generationaler Weitergabe früher Traumatisierung“, wie die Psychosomatikerin Christiane Waller schrieb … Im Jahr 2017 berichtete der Wissenschaftsjournalist Michael Lange im Deutschlandfunk über die Neuroepigenetik, die bemüht sei zu klären, ob und wenn ja, wie sich traumatische Erlebnisse jenseits evolutionärer Prozesse, in denen Mutation und Selektion bestimmend sind, im Erbgut verankern und auf nachfolgende Generationen übertragen. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Transgenerationale_Weitergabe

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“ … [Zu: Ines Geipel: „Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass“. Klett-Cotta, Stuttgart 2019, 377 S.] … Dieses Buch schmerzt. Es erzählt über den Schmerz, den eine Familie erleidet. „Umkämpfte Zone“, das [ ] Buch von Ines Geipel, fügt aber auch Schmerzen zu. In dem Band über „Meinen Bruder, den Osten und den Hass“ wird das Unterste der Familie Geipel zuoberst gekehrt. All die Angst und der Hass und die Traumata, die die Geipels durch das 20. Jahrhundert hinüber in das unsere mitschleppen und die sie knebeln. In „Umkämpfte Zone“ wird das Nichtgesagte bloßgelegt und anschließend besprochen wie eine klaffende Wunde. [… Ines Geipels] Buch über die Kontinuität von Gewalterfahrungen erzählt [eben diese] auf eindrucksvolle Weise. …“ | Aus: „Keinerlei Hemmungen“ Anja Maier (5.4.2019) | Quelle: https://taz.de/Umkaempfte-Zone-von-Ines-Geipel/!5583141/
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mowgli, 05.04.2019, 22:30 Uhr: “ … Aha. „DIE Wut im Osten“ hat also nur eine einzige Quelle. Die, die Ines Geipel aus eigener Anschauung kennt. Schon irgendwie erstaunlich bei zuletzt 18 Millonen DDR-Bürgern! Im Westen scheint es DIE Wut nicht zu geben. Da hat jeder ein Recht auf seine eigenen, individuellen Gründe, richtig? – Echt mal, werte Anja Maier: Ines Geipel ist sicher eine ganz tolle Schriftstellerin, aber sie zum Stellvertreter für gleich ein paar Millionen Leute zu machen, nimmt ihr ihre Individualität als Opfer. Das ist nicht fair, finde ich. Ines Geipel hat ein Recht darauf, dass ihre Geschichte IHRE Geschichte bleibt und nicht zur Geschichte aller Ossis gemacht wird. Wir sind ja schließlich nicht in Nordkorea. Nicht jeder, der heute Wut hat, hatte überzeugte Nazi-Großeltern und brutale Stasi-Eltern. Manch einer hat seine Wut auch aus den frühen 90-ern oder sogar erst nach 2000 erworben. Und überhaupt: Wütend zu sein, ist kein Alleinstellungsmerkmal der ,,Ossis“. Die Strukturen, die Menschen in die Raserei treiben, gibt es anderswo auch. Und immerhin haben wir Deutschen ja eine gemeinsame (Vor-)Kriegsgeschichte. Die wirkt in uns allen irgendwie nach. Der Ü30-Durchschnitts-Ossi ist womöglich nur immer noch etwas weniger dick lackiert als der Ü30-Durchschnitts-Wessi mit bürgerlichem Hintergrund. Er ist ja nicht so intensiv aufs Karrieremachen vorbereitet worden. Er sollte eher Arbeiter oder Bauer werden. …“
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76530, 06.04.2019, 10:43 Uhr @mowgli: “ … Ich kann Sie beruhigen: Wut ist in der Tat kein Alleinstellungsmerkmal der „Ossis“. Auch [der] Bruder [der Wut], der Zorn, nicht. Ja, es gibt gewisse Strukturen auch im Westen, die auch in uns nachwirken. Je nach Person sehr unterschiedlich stark ausgeprägt. Wie ich erst kürzlich mit einem früheren Kollegen [besprach], brechen im Alter ohnehin die Abwehrmechanismen auf, spielen Statusfragen, Karrieredenken et. al. keine große Rolle mehr. Es geht dann früher oder später nur noch an’s Eingemachte. …“

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #11]

“ … Die Informationsethik beschäftigt sich … mit den Fragen, ob und in welcher Form Eigentumsrechte an Informationen geltend gemacht werden können, mit den Aspekten der Informationsfreiheit, der Überwindung einer digitalen Kluft zwischen Personen mit und ohne Zugang zu Informationen, der informationellen Selbstbestimmung und der Wahrung der Privatsphäre angesichts wachsender Möglichkeiten der Überwachung (Datenschutz) sowie mit den Beschränkungen der Verbreitung von Informationen aufgrund von Persönlichkeits- und Jugendschutz und ebenso mit Zensur. Verwandte Forschungsgebiete sind die Medienethik, Computerethik, Technikethik, Zukunftsethik, Technikfolgenabschätzung und Wirtschaftsethik. Die wichtigsten Funktionen der Informationsethik sind nach dem Philosophen und Informationswissenschaftler Rafael Capurro, der diesen Begriff auch geprägt hat, „nach der Entstehung der Strukturen und Machtverhältnisse fragen, die das Informationsverhalten bestimmen“, „Informationsmythen aufdecken und kritisieren“, „verdeckte Widersprüche der herrschenden Sprachnormierung offenlegen“ und „die Entwicklung informationsethischer Fragestellungen beobachten“ … [Rafael Capurro: Ethik im Netz. Franz Steiner, Stuttgart 2003, ISBN 3-515-08173-9 (Medienethik 2).] … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Informationsethik („Informationsethik“, Datum der letzten Bearbeitung: 19. Juni 2024, 20:40 UTC, Versions-ID der Seite: 246052542, Permanentlink: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Informationsethik&oldid=246052542, Datum des Abrufs: 9. Oktober 2025, 14:06 UTC)

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“ … Meine Vision basierte auf Teilen, nicht auf Ausbeutung … Ich war 34 Jahre alt, als mir die Idee für das World Wide Web kam. … Ich glaubte, dass eine so einfache Möglichkeit, im Internet zu navigieren, Kreativität und Zusammenarbeit auf globaler Ebene ermöglichen würde…. [Jetzt sehen] Wir [ ] eine Handvoll großer Plattformen, die private Daten ihrer Nutzer sammeln, um sie an kommerzielle Vermittler oder sogar repressive Regierungen weiterzugeben. Wir sehen allgegenwärtige Algorithmen, die von Natur aus süchtig machen und die psychische Gesundheit unserer Teenager schädigen. Der Handel mit persönlichen Daten gegen Nutzung passt ganz sicher nicht zu meiner Vision eines freien Webs. … Regulierung und globale Governance sind technisch machbar, aber abhängig von politischem Willen. Wenn wir ihn aufbringen, haben wir die Chance, das Web als Werkzeug für Zusammenarbeit, Kreativität und Mitgefühl über kulturelle Grenzen hinweg wiederherzustellen. … Es ist noch nicht zu spät. … “ | From: „Why I gave the world wide web away for free“ Tim Berners-Lee (Sun 28 Sep 2025) | Source: https://www.theguardian.com/technology/2025/sep/28/why-i-gave-the-world-wide-web-away-for-free | https://www.theguardian.com/technology/2025/sep/28/why-i-gave-the-world-wide-web-away-for-free#comments –// — https://de.wikipedia.org/wiki/Tim_Berners-Lee

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JBHaynes, 28. September 2025, 16:08 Uhr: „… Ich denke auch oft darüber nach – und spreche mit anderen über die Ursprünge des Webs, die Vorteile und den zunehmenden Missbrauch, hauptsächlich, aber nicht nur, durch die amerikanischen „Tech-Bro“-Unternehmen und -Plattformen. … [Ich] sehe [ ] ehrlich gesagt nicht, wie … [dieser] Geist wieder in die Flasche gesteckt oder zumindest zurückgedrängt werden kann …“
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OlliEcological 28.09.2025 16.54: „ … ich vermisse Douglas Adams wirklich. Was hätte er aus dieser Shitshow gemacht? …“
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SustainabilityBrown, 28. Sep. 2025, 20:10 Uhr: “ … Oh, Tim, ich erinnere mich noch an die ehrenvollen und optimistischen Zeiten, als das Internet Menschen zusammenbringen sollte, ermöglicht durch selbstlose Softwarehersteller. Leider hat es sich zum genauen Gegenteil entwickelt: Es ist heute ein Vehikel für Kriminalität, Ausbeutung, Anwerbung und Radikalisierung. Die Frage ist nun: Wie geht es weiter? …“

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Msomerville, 28. Sep. 2025, 18:13 Uhr: “ … mein Fazit ist meist das gleiche: Ich denke, es ist wie jede andere Technologie, die wir jemals entwickeln. Sie kann zum Guten wie zum Schlechten eingesetzt werden. Das Problem sind die Menschen. [… ]
Das gedruckte Wort war eines der einflussreichsten Instrumente der protestantischen Reformation. Mithilfe des Buchdrucks konnten „Reformer“ und „Verteidiger“ im Europa des 16. Jahrhunderts ein breites Publikum erreichen und sowohl religiöse als auch soziale Unruhen auslösen.
– Website „Reformationsflugblätter“ der Loyola Marymount University

Wir sind es. Nicht die Technologie. …“

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stupowerlord, 28. Sep. 2025, 20:21 Uhr: “ … Anfang 1994 begann ich bei British Telecommunications zu arbeiten – in den Forschungslabors in Suffolk. Als Absolventen trafen wir uns alle in London und wählten einige von uns aus, die im Rahmen einer großen, im Fernsehen übertragenen Veranstaltung kurze Vorträge vor den damaligen British Telecommunications-Direktoren halten sollten. Ich wurde ausgewählt, mein Thema vorzustellen: Ich sagte im Wesentlichen, British Telecommunications sollte sicherstellen, dass jeder Mitarbeiter an seinem Schreibtisch Internetzugang hat. Nur so könne das Unternehmen wirklich innovativ sein und die Zukunft gestalten. Die damaligen Chefs lächelten höflich und sagten mir dann, ich sei naiv und die Idee sei dumm. …“

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MarcoPoloMint (28. Sep. 2025 20:33): “ … [ich] experimentierte [ ] mit verschiedenen Technologien aus der Zeit vor dem WWW, wie Usenet und später Gopher, konfigurierte WinSock auf einer Windows 3.1-Maschine, wählte mich mit einem 28800-Baud-Modem ein und genoss die Begeisterung, mit anderen Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten und Ideen auszutauschen. Das Potenzial, das sich für uns alle bot, war für einen angehenden jungen Wissenschaftler geradezu überwältigend. Ich war damals kein Informatiker oder Ingenieur, sondern Geisteswissenschaftler und brachte mir die Technologien selbst bei.

Es ist schwer zu beschreiben, was für ein Fortschritt das WWW in diesen aufregenden Anfangstagen war. Eine radikale Demokratisierung, bei der jeder eine Website erstellen konnte, indem er HTML lernte, und die Forschungsergebnisse von Menschen aus aller Welt lesen konnte, die dasselbe getan hatten.

Netscape Navigator war der Open-Source-Browser, der dieses Königreich erschloss. Aber jeder weiß, was daraus geworden ist: Technologieunternehmen wie Microsoft haben ihre Browser mit dem Betriebssystem (Windows 95 und später) gebündelt und dann die bisherigen Standards und Codes geändert, wodurch das „offene“ Web zu etwas proprietärerem umgestaltet wurde. Und von da an ging der Schaden weiter. Alle verweisen auf Web 2.0 und den Aufstieg der sozialen Medien, aber der Verfall setzte schon vorher ein.

Und jetzt muss alles zu einer App werden. Alles Banking, soziale Medien, sogar das Parken. Ladet euch noch eine verdammte App herunter. Das ist wieder die falsche Richtung vom „offenen“ Web. Ich versuche, mich so gut es geht dagegen zu wehren.

Tim Berners-Lee: Danke, dass Sie uns eine kraftvolle Vision einer kooperativen Zukunft voller Potenzial geboten haben, zumindest für ein paar schwindelerregende Jahre. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihren Initiativen, die ebenfalls vielversprechend sind und sich um offene Standards und Datenschutz drehen. Aber wenn ich mit meinen Studierenden spreche, ist es unmöglich, ihnen das radikale Versprechen des WWW zu erklären und warum es jetzt so herzzerreißend ist. …“

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[MarcoPoloMint, 28 Sep 2025 20.33: Like some others here, I was playing around with various pre-WWW technologies such as Usenet and then Gopher, configuring WinSock on a Windows 3.1 installation, dialling up with a 28800 Baud modem, and feeling the thrill of connecting with other people around the world and sharing ideas. The potential for us all was nothing short of stunning for a budding young scholar. I wasn’t a computer scientist or engineer, but a humanities scholar at the time who taught himself the technologies. It’s difficult to express just what a step forward the WWW was in those heady, early days. A radical democratization in which anyone could put up a website by learning HTML, and read the research of people from around the world who had done the same. Netscape Navigator was the open source browser that opened up this kingdom. But everyone knows what happened to that: tech companies like Microsoft bundled their browser with the operating system (Windows 95 and thereafter) and then changed the previous standards and codes, reshaping the ‚open‘ web to become something more proprietary. And the damage continued from there. Everyone points to Web 2.0 and the rise of social media, but the rot set in before then.
And now everything has to become an app. All banking, social media, even for parking your car. Download another bloody app. This, again, is the wrong direction from the ‚open‘ web. I try to refuse as much as possible.
Tim BL: thank you for offering us a powerful vision of a cooperative future full of potential, for a few giddy years at least. I wish you good luck with your initiatives which are also promising and revolve around open standards and privacy. But when I talk to my students, it’s impossible to explain to them the radical promise of the WWW and why it is so heartbreaking now.“] …“

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Kontexte #1

“ … Denken Sie an Twitter, eine einst nützliche und oft unterhaltsame Microblogging-Seite, die von einem Tech-Bro in X, einen Post-Truth-Sumpf, verwandelt wurde. Oder Facebook, wo man heute eher mit gehäkelten, arschlosen Chaps von Shein als mit dem bescheidenen Prahlen eines guten Freundes konfrontiert wird. Oder Instagram, wo einst süße Hundevideos regierten. Jetzt serviert ein weiterer undurchschaubarer Algorithmus eine Kostprobe aus Tradwives, Gym-Bros und Uwu-Girls. Das Wörterbuchkomitee beschrieb Enshittification als „einen sehr einfachen angelsächsischen Begriff, verpackt in Affixe [https://de.wikipedia.org/wiki/Affix_(Linguistik)], die ihn fast formell, fast respektabel machen“. … Doctorow schrieb, dieser Verfall sei ein dreistufiger Prozess. „Zuerst sind Plattformen gut zu ihren Nutzern; dann missbrauchen sie ihre Nutzer, um die Dinge für ihre Geschäftskunden zu verbessern; und schließlich missbrauchen sie diese Geschäftskunden, um den gesamten Wert für sich selbst zurückzugewinnen“ … „Es ist frustrierend. Es ist demoralisierend. Es ist sogar erschreckend.“ … Wettbewerbsmaßnahmen zur Verhinderung marktbeherrschender Stellung, um Marktdominanz zu verhindern, Regulierungen in Bereichen wie dem digitalen Datenschutz, mehr Entscheidungsfreiheit für Nutzer bei der Nutzung von Plattformen und die Bekämpfung der Ausbeutung von Arbeitnehmern könnten den Prozess umkehren, schrieb er, denn „jeder hat ein Interesse an der Entschottung“. Big Tech könne nicht repariert werden, argumentiert er, aber vielleicht könne es zerstört werden. Er fügt der skatologischen Reise der Tech-Plattformen eine vierte Phase hinzu: Von der Gutmütigkeit gegenüber den Nutzern über deren Missbrauch zugunsten ihrer Kunden bis hin zum Missbrauch ihrer Kunden, um sich selbst zu dienen. „Dann sterben sie“, schrieb er. … “ | Aus: „‘What many of us feel’: why ‘enshittification’ is Macquarie Dictionary’s word of the year“ Tory Shepherd (26. Nov 2024) | Source: https://www.theguardian.com/science/2024/nov/26/enshittification-macquarie-dictionary-word-of-the-year-explained

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Der Begriff Enshittification (englisch, wörtlich etwa Verscheißigung), auch bekannt als Crapification oder Platform decay (deutsch Plattformverfall), beschreibt ein Muster, bei dem digitale Angebote, d. h. Onlinedienste und -plattformen, oft mit der Zeit an Qualität verlieren. Verursacht wird dies durch dort dann jeweils zunehmend wachsende Interessensgegensätze zwischen Betreibern und Nutzern: Anbieter versuchen dabei in der Regel die Monetarisierung ihrer Dienste bzw. ihrer Angebote deutlich zu verstärken bei gleichzeitigen Einsparungen bei den eigenen Kosten und gegebenenfalls auch mittels Verzichts bei der Produkt-Qualität bzw. der Produkt-Nutzerfreundlichkeit. Geraten diese teilweise gegensätzlichen Interessen zu sehr ins Ungleichgewicht zu Ungunsten der Nutzer bzw. der Kunden, dann tritt oft als eines der dann zu bemängelnden Ergebnisse die Enshittification als eine Flut belangloser, austauschbarer Texte, die das Vertrauen der Nutzer untergraben, auf. Ein weiteres jüngeres Problem wird in diesem Kontext mittlerweile auch gesehen: Verursacht durch sogenannten KI-Slop werden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz massenhaft Texte und Bilder generiert, die das Internet „vermüllen“. | https://de.wikipedia.org/wiki/Enshittification

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„KI: Der Tod des Internets“ (arte) [11.10.2025]: “ … Eine Dokumentation darüber, wie die Flut KI-generierter Inhalte das Internet förmlich zu ersticken droht … Kann es sein, dass das Internet tot ist und wir es nur noch nicht gemerkt haben? Mit dieser Frage beginnt diese Dokumentation von Mario Sixtus. Und die Antwort, die im Lauf des Films gegeben wird, stimmt nicht optimistisch: Wenn das World Wide Web noch nicht tot ist, dann doch im Sterben begriffen; das attestieren ihm die Expertinnen und Experten, die der Filmemacher befragt – unter anderem die amerikanische Computerwissenschaftlerin Melanie Mitchel, Internet-Aktivist und Autor Cory Doctorow oder Soziologin und Informatikerin Milagros Miceli. Grund für die Malaise ist das, was in der Szene „slob“ genannt wird: minderwertige Bot-Postings und KI-generierte Bilder und Videos, die das Netz und die sozialen Netzwerke fluten und dafür sorgen, dass seriöse Inhalte in der Masse synthetischen Dünnpfiffs heillos untergehen. …“ | https://www.filmdienst.de/artikel/75723/ki-der-tod-des-internets-doku-tv-programm

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Als Slop (auch KI-Slop, englisch AI slop; von englisch slop, Fraß, Mansch, Schlicker, Schlempe) werden Medieninhalte – einschließlich Text und Bilder – von niedriger inhaltlicher Qualität bezeichnet, die mit Hilfe von generativer künstlicher Intelligenz erzeugt werden. Der um 2022 geprägte Ausdruck ist, ähnlich wie Spam, abwertend konnotiert. … Die Verbreitung von Slop in Social Media wird dadurch gefördert, dass sich so auf einfache Weise monetäre Einnahmen etwa auf Facebook und TikTok generieren lassen. Zum Teil wirken Slop-Bildinhalte bizarr … | https://de.wikipedia.org/wiki/Slop

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Shitposting (englisch für „Scheiße posten“) ist ein aus der Internetkultur stammender Begriff. Er bezeichnet einen „nutzlosen, sinnlosen oder absurden Beitrag auf einer Social-Media-Plattform“. Solche von Nutzern erstellte Online-Inhalte sind häufig von „aggressiver, ironischer und trollig schlechter Qualität“. Shitposts sind in der Regel absichtlich so gestaltet, dass sie Diskussionen entgleisen lassen oder mit möglichst wenig Aufwand die größtmögliche Aufmerksamkeit hervorrufen sollen. Typische Eigenschaften von Shitposting sind die „Absurdität“ oder „Sinnlosigkeit“ der Inhalte, die Absicht zu kritisieren oder zu stören, eine eigene „hässliche“ Internetästhetik sowie die Benutzung von Metasprache. Shitposting ist multimedial und kann in Form von Text, Videos, Tonaufnahmen oder bearbeiteten Bildern wie Memes erfolgen. Häufig verfügen Shitposts absichtlich über Eigenschaften wie Rechtschreibfehler, schlechte Bildbearbeitung, grobe Fotomanipulation oder andere offensichtliche Schwächen. Auch „ironischer“ Spam oder Falschinformationen können unter den Begriff fallen. Der Term Shitposting soll erstmals von einem Nutzer des Internetforums Something Awful benutzt worden sein und begann ab ca. 2007 im Internet populär zu werden. Er war 2010 als Begriff für schlechte Onlineinhalte fest etabliert. | https://de.wikipedia.org/wiki/Shitposting

[Kiel #97… ]

Grobi (Stand 25.09.2025): “ … Im Jahr 2019 wurde beschlossen: Die Häuser in der Lornsenstraße 52–60 sollen saniert werden, behutsam, wie es bei Genossenschaftswohnungen üblich ist. Das war die Zusage. Die Mieter glaubten daran. Viele machten sich auf bauliche Veränderungen gefasst. Doch dann kippte alles. Ein angebliches Gutachten, das keiner sehen darf. Plötzlich hieß es: Die Häuser seien „nicht mehr wirtschaftlich sanierbar“. Angeblich bestätigt durch ein Gutachten. Ein Papier, das bis heute niemand kennt. Weder die Mieter. Noch der Mieterverein. Noch die Presse. Noch die Politik. Wie kann man so eine drastische Entscheidung treffen, ohne Offenlegung, ohne Transparenz? … Inzwischen wohnen nur noch 16 langjährige Mietparteien von ursprünglich 40 in den Häusern. Sie haben durchgehalten, trotz Unsicherheit, Angst, Intransparenz. 24 Einheiten sind bereits nur noch befristet vermietet. Jetzt sollen alle raus. Stück für Stück. Spätestens Ende 2027 soll das letzte Licht ausgehen. … Ein echtes, lebendiges, durchmischtes Quartier, wie es politisch oft beschworen, aber immer seltener realisiert wird. Häuser in bestem Zustand und trotzdem zum Abriss freigegeben? … “ | Aus: „Worum geht es? Hier wohnt Kieler Geschichte – Lornsenstraße 52–60 Unser Zuhause steht auf dem Spiel“ | Quelle: https://erlebnisreicher.de/lornsenstrasse-52-60/

Bild: Straßenfest in der Kieler Lornsenstraße am 7. September 2025

Online-Petition: “ … Die Wohnblöcke in der Lornsenstraße 52–60 in Kiel stehen vor dem Abriss, obwohl sie in hervorragendem baulichem Zustand sind. Kein Schimmel. Kein Asbest. Keine strukturellen Mängel. Alle Wohnungen sind … Teil einer gewachsenen Hausgemeinschaft, in der viele Menschen seit Jahrzehnten leben. Die geplanten Maßnahmen gefährden bezahlbaren Wohnraum, gewachsene Nachbarschaften und sie setzen ein klimapolitisch verheerendes Signal. Die Mieten des geplanten Neubaus sind für die jetzigen Mieter und sehr viele andere Wohnungssuchende nicht bezahlbar, das steht fest!Wer hier raus muss, findet nichts Vergleichbares mehr! Viele der aktuellen Mieter leben hier seit 40, 50 oder mehr Jahren. Für Seniorinnen und Senioren bedeutet ein Umzug häufig den Verlust sozialer Sicherheit und im schlimmsten Fall der Schritt in die Pflegeeinrichtung. Andere Mieter mit Migrationsgeschichte hätten kaum Chancen auf dem freien Wohnungsmarkt und sind auf diese stabile Wohnsituation dringend angewiesen. Die geplanten Neubauten sind deutlich teurer und damit für die Meisten nicht mehr bezahlbar. …“ | https://www.openpetition.de/petition/online/erhalt-statt-abriss-fuer-soziale-gerechtigkeit-und-ressourcenschonung-lornsenstrasse-in-kiel

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[The Redewendung #1 … ]

Zur Archäologie der Seele – Oder: When we say we’re fine …

“ … When we say we’re fine, what we often mean is: this isn’t the time or the place. … It is, in many ways, the perfect linguistic technology for a world uncomfortable with emotional mess. … Anything too raw, too unresolved, too unfixable, is quietly unwelcome. And so we moderate our disclosures. We wrap them in the cotton wool of disclaimers. We call them “rants” or “venting” or “oversharing” as if to apologize in advance. Or, more often, we simply don’t speak at all. We say “fine.” … “ | From: „Just Fine, Thanks“ Posted on Thursday, Sep 4, 2025 5:00AM by Priya Malhotra | Source: https://3quarksdaily.com/3quarksdaily/2025/09/just-fine-thanks.html

// [[Die englische Wendung „fine“ wird im Deutschen je nach Kontext mit „gut“, „in Ordnung“, „okay“ oder auch „schön“ übersetzt, um Zufriedenheit, Gesundheit oder eine akzeptable Situation auszudrücken. Beliebte Redewendungen sind „That’s fine“ für Zustimmung, etwa „Das geht schon“ oder „Das soll mir recht sein“, und „I’m fine“ als Antwort auf „Wie geht es dir?“ mit „Mir geht es gut]] [„…Wenn wir sagen, es geht uns gut [fine], meinen wir oft: Das ist weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Ort. … Es ist in vielerlei Hinsicht die perfekte Sprachtechnologie für eine Welt, in der emotionales Chaos zu viel Unwohlsein verursacht. … Alles, was zu roh, zu ungelöst, zu unheilbar ist, ist insgeheim unwillkommen. Und deshalb mäßigen wir unsere Enthüllungen. Wir verpacken sie in die Watte von Haftungsausschlüssen. Wir nennen sie „Schimpftiraden“, „Dampf ablassen“ oder „zu viel preisgeben“ [oversharing], als wollten wir uns im Voraus entschuldigen. Oder, häufiger, wir reden einfach gar nicht. Wir sagen „es geht uns gut“. …“] // [“ … Eine häufig verwendete Alternative zu „Ich bin fein damit“ ist „Das passt für mich“. Diese Formulierung drückt ebenfalls aus, dass man mit einer Situation oder Entscheidung zufrieden ist. Sie ist besonders dann geeignet, wenn man zusätzlich signalisieren möchte, dass die getroffene Wahl den eigenen Anforderungen entspricht. Ein weiteres gängiges Synonym ist „Ich habe nichts dagegen“. Dieser Ausdruck ist etwas neutraler und zurückhaltender als „Ich bin fein damit“. Er eignet sich besonders in formelleren Gesprächen oder Situationen, in denen Zurückhaltung gewünscht ist, ohne jedoch Missfallen auszudrücken. Auch „Das ist okay für mich“ wird oft als Alternative genutzt. Diese Phrase ist vielseitig einsetzbar und vermittelt eine ähnliche Botschaft wie „Ich bin fein damit“, allerdings mit einem leicht distanzierten Ton. Sie kann in verschiedenen sozialen und beruflichen Kontexten angewendet werden, um Zustimmung zu signalisieren. Für den schriftlichen Gebrauch oder in gehobener Sprache bietet sich „Ich stimme dem zu“ als Alternative an. Diese Formulierung ist förmlicher und präziser und eignet sich gut für offizielle Dokumente oder Korrespondenzen, in denen eine klare Bestätigung erforderlich ist. …“ | Quelle: https://praxistipps.chip.de/ich-bin-fein-damit-oder-ich-bin-fine-damit-so-heisst-die-redewendung-richtig_185949]

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Zu … Verschüttung psychischer Inhalte durch Verdrängung und deren Wiederentdeckung …


“ … Freud wendet hier vor allem die in der ›Traumdeutung‹ dargelegten Erkenntnisse über die Gesetze der Traumbildung sowie seine neurosentheoretischen Auffassungen auf eine Novelle an, die in der Seele ihres Helden ein eigentümliches Changieren zwischen Traum, Phantasie und Wahn beschreibt. Angezogen fühlte Freud sich offensichtlich besonders von der pompejanischen Landschaft, in der Jensen die Handlung spielen läßt; er war fasziniert von der Analogie zwischen dem historischen Schicksal Pompejis, seiner Verschüttung und späteren Ausgrabung, und den Phänomenen, mit denen er sich befaßte, der Verschüttung psychischer Inhalte durch Verdrängung und deren Wiederentdeckung im Vollzug psychoanalytischer Arbeit: Psychoanalyse als Archäologie der Seele. …“ | Quelle: https://www.fischerverlage.de/buch/sigmund-freud-der-wahn-und-die-traeume-9783596104550 // https://de.wikipedia.org/wiki/Gradiva

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Kontext #1 („Ungeschriebene Gesetze“)

Alles, was zu roh, zu ungelöst, zu unheilbar ist, ist insgeheim unwillkommen.

“ … Freud hatte in seinem Konzept des „Unbewussten“ auf eine teils jahrhundertealte, teils erst in der deutschen Romantik des frühen 19. Jahrhunderts entfaltete Ideenwelt zurückgegriffen, in der man sich etwa das „Unheimliche“, also die seelischen Triebkräfte außerhalb des bewussten Zugriffs der Reflexion, bereits zu erklären versucht hatte. … Seit den 1970er-Jahren wird die Vokabel „Unterbewusstsein“ allem Anschein nach seltener in juristischen Entscheidungen oder Verteidigungsstrategien genutzt. Möglicherweise beruht der Rückgang darauf, dass die scharfe Kritik wirksam wurde, wie sie etwa der große Journalist Dieter E. Zimmer (1934–2020) am „Tiefenschwindel“ der Psychoanalyse einem breiten Publikum zugänglich machte. … Und wenn zu viele Menschen ihre seelischen Innereien als „Unterbewusstsein“ in die Öffentlichkeit tragen, verbietet natürlich schon das juristische wie medizinische Renommee, die Vokabel weiter zu gebrauchen. …“ | Aus: „Das „Unter­be­wusst­sein“ vor Gericht“ Martin Rath (18.02.2024) | Quelle: https://www.lto.de/recht/feuilleton/f/psychoanalyse-freud-justiz-gerichte-unterbewusstsein

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“ … In der Gesellschaft und ihren Institutionen existiert eine Vielzahl ungeschriebener Regeln, die festlegen, welche Gefühle man im jeweiligen Kontext in welcher Weise ausdrücken darf. So wird ein und dieselbe Person im Parlament ihre Emotionen anders zum Ausdruck bringen als in der Familie und wiederum anders bei einem Besuch im Seniorenheim. Diese Normen sind zudem immer wieder im Wandel. …“ | Aus: „Wohldosierte Emotionen“ Mechthild Zimmermann (10. Januar 2022) | Quelle: https://www.mpg.de/18101870/regieren-mit-gefuehl

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“ … Anders ausgedrückt, dienen kritisch-psychologische Kategorien dazu, sogenannte „Vorbegriffe“, die dem Alltagsdenken, aber auch wissenschaftlichen Diskursen entstammen können, daraufhin zu untersuchen, in welcher Hinsicht sie „zu weit, zu eng, ‚schief‘, in falschem Kontext gefasst sind, welche wesentlichen Zusammenhänge in ihnen wegisoliert, welche zentralen Spezifizierungen und Präzisierungen in ihnen ausgeklammert sind etc.“ …“ | Aus: „Kritische Psychologie“ (28. Juni 2025) | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kritische_Psychologie

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Kontext #2 („Als-ob“-Wirklichkeit, Gefühle, Liebesfähigkeit und Affekte)

Somit ist die Gefühlsentwicklung Dreh- und Angelpunkt

“ … die „inszenierte Wirklichkeit“ ist nichts Neues: Der Neukantianer Hans Vaihinger hatte in seiner Philosophie des Als-Ob (1911) den Begriff der „Fiktion“ („Als-ob“-Wirklichkeit [https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Philosophie_des_Als_Ob]) eingeführt, um die Annahmen und Konstruktionen damit zu bezeichnen, die den Menschen als Leitbilder im komplizierten, chaotischen und ängstigenden Leben dienen. Sie werden normalerweise im Alltag wieder fallengelassen, wenn man sie nicht mehr benötigt. … „Generation Golf“ … Mit diesem Buchtitel beschreibt Florian Illies die Jugendlichen, die zwischen 1965 und 1975 geboren sind (Illies selbst ist Jahrgang 1971). Die Bezeichnung „Generation Golf“ als auch die Zwischenüberschriften des Buches stammen aus den Werbeslogans von VW für diese Automarke und drücken nach Ansicht des Autors präzise das Lebensgefühl, die Ziele und Einstellungen seiner Altersgenossen aus. Illies schildert mit ironisch-lächelnder Distanz eine Kindheit, die von Verwöhnung, Überbesorgtheit, Bemutterung und supermoralischen Ansichten geradezu überquoll. Das Leben richtete sich auf Wärme, Süße, Bequemlichkeit, Mode, Konsum, Technik und Luxus genau so ein, wie es die gekonnt und perfekt wiedergegebenen Werbespots verkündeten. Solche Verwöhnung hatte natürlich Folgen … Narziß ist zum Idol [geworden] … Narziß ist der größte Gott der Generation Golf. Man huldigt ihm am besten vor dem Spiegel. Das Outfit beherrschte das Leben … [[Erich Fromm (1900 – 1980) war ein deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe. Bereits seit Ende der 1920er Jahre vertrat er einen humanistischen, demokratischen Sozialismus. Seine Beiträge zur Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik haben ihn als einflussreichen Denker des 20. Jahrhunderts etabliert, auch wenn er in der akademischen Welt oft gering geschätzt wurde. | https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fromm]] … Fromm spricht [ ] von den „Bedürfnissen“, welche von der Gesellschaft geweckt, dirigiert, manipuliert und partiell befriedigt werden —, aber es fehlt dabei der individuelle und schöpferische Beitrag des Einzelnen. … Die Existenzphilosophie (Martin Heidegger, Karl Löwith) betont, daß der Mensch von Geburt an in einer „Mitwelt“ bzw. in einem „Miteinandersein“ lebt. Phänomenologisch gesehen gibt es keine Trennung von Ich und Welt: Das Ich ist stets durch ein Du in Form von Mutter, Vater, Geschwister, Lehrer, Geschlechtspartner und Gemeinschaft bestimmt und konstituiert. „Welt“ ist somit soziale „Mitwelt“, in der man nach Meinung der Wertphilosophen Max Schele und Nicolai Hartmann eine Welt der Tatsachen von der Welt der Werte unterscheiden kann. Tatsachen wie Güter- und Geldwerte sind „real“, während Werte „ideal“ existieren, d.h. die Mitarbeit des Menschen benötigen, um ihr „Sein-Sollen“ zu verwirklichen. Auch Fromm setzte sich zeitlebens für das Sein-Sollende — was dem Ethischen entspricht — ein, indem er [die] Neurose als ethisches Defizit definierte und deren Heilung durch Selbstverwirklichung, Reifung der Person und „Produktivität“ beschrieb sowie den Aufbau eines kommunitären Sozialismus vorschlug. Es fällt jedoch auf, daß er diesen Vorgang zum Teil nicht wirklichkeitsnah genug beschreiben konnte: Zahlreiche Kritiker monierten seinen abgehobenen Moralismus und Utopismus. … [Philipp Lersch und Felix Krueger haben] herausgefunden [ ], daß der Mensch „Organe“ besitzt, welche Werte erkennen können, nämlich die Gefühle, und daß nur der zur Person herangereifte Mensch umfassend und weltoffen fühlen kann. Zwischen Wertverwirklichung, Gefühlen und Entwicklung des Menschen besteht ein dialektisches Verhältnis: Wer … zum Gelingen von Beziehungen nichts beiträgt und sich geistig nicht bemüht, erwirbt keine Gefühle, bleibt schwach und neurotisch. … Somit ist die Gefühlsentwicklung Dreh- und Angelpunkt der individuellen wie der sozialen Vervollkommnung. Die moderne Tiefenpsychologie hat von Max Scheler die Erkenntnis übernommen, daß die Liebe den Kern der Gefühle ausmacht. Obwohl Liebe gewiß nicht einfach zu definieren ist, kann von ihr doch zumindest ausgesagt werden, daß sie das ideale Baumaterial einer besseren, vollkommeneren und schöneren (Mit-)Welt, d.h. des Sozialen, darstellt. Fromm hat zwar in „Kunst des Liebens“ (1956) zahlreiche Strukturen des liebenden Charakters herausgearbeitet und mit Recht betont, daß Selbstliebe zur Menschenliebe und letztere zur höchsten menschlichen Tugend zählt. In dieses wahrhaft humanistische Gedankengut schmuggelte er jedoch einige Mystizismen ein, die der Realisierung durchaus hinderlich sind. … Die tiefenpsychologische Emotionslehre besagt [ ], daß Aggression, Haß, Wut, Eifersucht, Neid ebenso wie Angst und Depression keine Gefühle, sondern Affekte sind, welche soziale Bindungen (und damit Liebesgefühle) hemmen, sabotieren und zerstören. Affekte sind die maßgeblichen Verursacher von Neurose, Psychose und Psychosomatose. Dagegen verbinden Gefühle wie Sympathie, Wohlwollen, Freude, Hoffnung und Liebe mit der Wertwelt und bringen den Menschen dazu, sich tatkräftig für deren Verwirklichung einzusetzen. … Religionspsychologische Studien, soziologische und historische Untersuchungen des Mittelalters, der Renaissance und vor allem des Protestantismus von Luther und Calvin führten zu (teilweise berühmten) kulturkritischen Arbeiten Fromms, die den Kapitalismus, Kommunismus und die technisierte moderne Gesellschaft betreffen. Darin bewährte sich seine eigentliche Entdeckung, der „Gesellschaftscharakter“, der unter anderem Begriffe wie „Konsum“- und „Marketing“-Charakter umfaßt. Mit Hilfe dieses Konzeptes untersuchte Fromm auch die Ursachen des Nationalsozialismus und der menschlichen Destruktivität (Aggressivität). Die Psychoanalyse Hitlers und seiner „Nekrophilie“ zählen ebenfalls zu den Höhepunkten des Frommschen Schaffens. …“ | Ungeordnete Bruchstücke aus: „Traditionen und Perspektiven im Werk von Erich Fromm“ (Humboldt-Universität zu Berlin, DISSERTATION, 18. Oktober 2000) von Dr. med. Alfred Lévy (29.6.1945, geb. in Herisau/Schweiz) [Fachbereich Philosophie / Humanontogenetik] | Quelle: https://edoc.hu-berlin.de/server/api/core/bitstreams/a9bca96d-34e1-4f7d-81c2-3a193ac38c9d/content

[Television #17… ]

“ … Unter dem Einfluss von Peter Falks eigenwilliger Darstellung des Lieutenant Columbo wurde eine Welle neuer TV-Polizeiserien mit sogenannten character cops ausgelöst. Unter diesen im Hauptabendprogramm ausgestrahlten Serien waren die mehr oder weniger erfolgreichen Serien Kojak (1973–1978), Barnaby Jones (1973–1980), Shaft (1973–1974) und The New Perry Mason (1973–1974). …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Columbo

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“ … Peter Falks Auftritt war eine derartige Zumutung an den in den 1970er-Jahren herrschenden ästhetischen Zeitgeist, dass ihm Aufmerksamkeit gewiss war: Ein Hund namens „Hund“, ein zerknitterter Trenchcoat, zerzauste Haare und ein alter, verbeulter Peugeot 403 waren die Markenzeichen des scheinbar begriffsstutzigen Columbo. … Listig waren vor allem die Verhöre – und sie endeten oft mit dem zweiten Kniff: Beinahe schon bei der Tür hinausgegangen, kehrte Columbo immer wieder mit den Worten zurück „Ähem . . . Da wäre noch eine Frage“ – und führte so erst am Ende eines Verhörs den entscheidenden Stoß, der selbst raffinierteste Gauner zur Strecke brachte. … “ | Aus „50 Jahre Columbo: Und die Ehefrau gibt es doch“ Pierre A. Wallnöfer, Ralf Hillebrand (21. Februar 2018)| Quelle: https://www.sn.at/panorama/medien/50-jahre-columbo-und-die-ehefrau-gibt-es-doch-24480397

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“ … Über Columbos wahren Vornamen gibt es einige Zweifel. Im allerersten Film Mord nach Rezept (1967) wird er Philip genannt. In den Episoden Mord unter sechs Augen [Ein ehrenwerter General] (1971) und Blutroter Staub (1976) ist sein Dienstausweis zu sehen, demzufolge er Frank heißt. Vier Synchronsprecher liehen Columbo im Laufe der Jahre ihre Stimme: Uwe Friedrichsen, Klaus Schwarzkopf, Horst Sachtleben und Claus Biederstaedt. In den USA startete Columbo in den sechziger Jahren als Theaterstück. Der erste Film lief 1967 im US-Fernsehen. Die Originalserie startete 1971 und lief bis 1978. 1989 wurde die Produktion wiederaufgenommen und der schusselige Detektiv kehrt seitdem für einige neue Folgen pro Jahr auf die Bildschirme zurück. …“ | Aus: „Columbo (USA, 1968–2003)“ | Quelle: https://www.wunschliste.de/serie/columbo
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FrauLiguster: “ … Weil hier Columbo auch erwähnt wird [https://www.derstandard.de/story/3000000216725/zwei-good-cops-wir-haben-die-strassen-von-san-francisco-wiedergesehen ], da sah ich das erste Mal eine Armbanduhr mit digitaler Anzeige. Glaube sogar, es war Oskar Werner, der sie trug. Gar nicht lange danach hatten wir fast alle eine. …“
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Pepi Kleschek: “ … Es gibt eine Columbo-Folge mit Oskar Werner?? Bitte um Details! … „
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Wolfgang Mizelli: “ …Harold van Wyck Oskar Werner (Deutscher Sprecher: ARD 1975 – Oskar Werner) https://de.wikipedia.org/wiki/Columbo:_Playback …“
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kw75: “ … „der Kommissar“ (mit Erik Ode, Elmar Wepper und Günther Schramm..), schwarz weiß Krimi der BRD in den frühen 1970ern…unglaublich, aus heutiger Sicht..(Anzüge, Hornbrillen, Rauchen überall, ein Bier ist kein Bier, junge Ganoven mit aufmuepfiger Mode, immer auch ein grad aktueller Schlager im Film, z.b. Donna Hightower, „this world is a mess“). So hat alles seine Zeit. …“
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BeachBuddy: “ [Wer „Die Straßen von San Francisco“ aus den 1970ern-Jahren wiedersieht, darf mit einer ordentlichen Portion Nostalgie, Idealismus und mit coolen Autos rechnen |
Colette M. Schmidt, aktualisiert am 20. April 2024 |Quelle: https://www.derstandard.de/story/3000000216725/zwei-good-cops-wir-haben-die-strassen-von-san-francisco-wiedergesehen]…Danke für die Kindheitserinnerungen. Ich war als Kind (1972 9 Jahre alt) fasziniert von dieser Serie. Am meisten jedoch von der freundlichen Art des Karl Malden als Mike Stone. Und die Musik erst … . War damals eine schöne Episode meines Lebens. Ich denke, solche Erinnerungen sind teilweise auch ein Grund, warum man frühere Zeiten immer als besser empfindet als das heute. … „
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Holger am Waldsee: „… schöner waren die autos früher auf jeden fall … „
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HiFiSciFiHeavyMetal: “ … Frisuren, Kleidung, Ausstattung, Autos, Straßenszenen. … Ebenso die visuelle Anmutung des Filmmaterials, die Kameraführung – und natürlich die Musik. Eine sehr erfreuliche und erfrischende Reise in die Vergangenheit – ein halbes Jahrhundert, unglaublich. …“

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