Kategorie: Global.Politix:Micro

Global.Politix:Micro

[Kriegsschauplätze #41… ]

… Es wütet der Irrsinn …

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“ … Der gesicherte Standort des ungefährdeten Beobachters auf dem „Feldherrenhügel“ geriet zunächst durch die Erfindung der Distanzwaffen zusehends in Gefahr. … “ | Jan Süselbeck: „Der Kampf und die Kamera“ (Kunst-, Kultur- und Filmwissenschaft, Nr. 10, Oktober 2006) | https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=9943
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Bild: „Siebentausend Zinnsoldaten“
Quelle: https://www.schlossspross.de/2018/07/30/siebentausend-zinnsoldaten/

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“ … Insgesamt findet man überdurchschnittlich viele Memes, die die Kriegsprotagonisten Selenskyj und Putin als Avengers–Figuren übersetzen, so als sei der Konflikt etwas, das ein Achtjähriger gerade in seinem Kinderzimmer mit Actionfiguren ausficht. … [https://de.wikipedia.org/wiki/Zinnsoldat] … Genau wie in der kognitiven Verfügbarkeit unserer inneren mentalen Referenzschubladen, die uns visuelle Parallelen herausholen und zur Einordnung verwenden lassen, bedingt auch das unendliche Archiv des Internets einen permanenten Remix und das assoziative Verkleben von Wirklichkeit und Kultur, von Realitätsbildern und Comic-Motiven. Es geht um diese Verfügbarkeiten, weil uns das Verständnis und ein anderes visuelles Vokabular fehlt, die Abstraktion eines Krieges für uns und andere zu übersetzen. …“ | „Der Krieg ist kein Marvel-Film“ Samira El Ouassil (24. März 2022) | https://uebermedien.de/69775/der-krieg-ist-kein-marvel-film/
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Anetta Kahane (08.08.2022): “ … [Zweiter Weltkrieg] … Die deutschen Mörder hatten die Ukraine erobert und besetzt, sie ausgebeutet, die Menschen fürs Reich arbeiten lassen. Vor allem Juden und Roma wurden systematisch ermordet. Die Folgen für das ganze Land sind bis heute zu spüren. Die Wälder sind voll von Massengräbern. Manchmal weisen Gedenksteine am Straßenrand auf die deutschen Erschießungen von damals hin. Deutsche Verantwortung in der Ukraine ist nicht nur ein Wort. Sie ist eine riesengroße Wunde. …“ | Aus: „Deutsche Verantwortung in der Ukraine: Eine riesengroße Wunde“ | https://www.fr.de/meinung/kolumnen/ukraine-roma-sinti-nazis-zweiter-weltkrieg-deutsche-verantwortung-riesengrosse-wunde-91711400.html
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“ … Der Krieg im Osten 1941-1945, der mehr als 30 Millionen Menschen das Leben kostete, sprengte alle Grenzen zwischen „erlaubtem“ Töten feindlicher Soldaten im Kampf und dem Mord an Gefangenen und Zivilisten. „Zig Millionen“ zivile Opfer sah schon die deutsche Planung vor, die folgende Kriegsrealität war der Planung adäquat. Unter den Faktoren, die einen derart enthemmten Krieg möglich machten, wird hier das deutsche Feindbild des slawischen Untermenschen thematisiert: Inhalt, Kontext, Funktion, Tradition. …“ | Link: Video: Peter Jahn
Berlin, February 24th, 2007, 21:30 – 22:00 –> „Untermensch im Osten“ (20 Minuten) —> https://dictionaryofwar.org/concepts/Untermensch_im_Osten
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“ … Als Vorwort zu seiner aus alltäglichen Weltkriegsdialogen montierten „Tragödie in fünf Akten“, die er „Die letzten Tage der Menschheit“ nannte, schrieb Karl Kraus im Jahr 1919 in der „Fackel“: „Die unwahrscheinlichsten Gespräche, die hier geführt werden, sind gesprochen worden; die grellsten Erfindungen sind Zitate. … und einige Zeilen später fügte der Autor noch vielsagend hinzu: „Wer schwache Nerven hat, wenn auch genug starke, die Zeit zu ertragen, entferne sich von dem Spiel.“… Das gilt auch für Anton Holzers niederschmetternden Foto-Band „Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918“ … So lautete einer der vielen von Holzer zitierten Befehle des k.u.k. Truppenkommandos in Lemberg: „Sobald sich irgendwo nur die geringsten Anzeichen einer Unterstützung des Feindes sichtbar machen, ist in rücksichtslosester Weise vorzugehen. Kein Mittel ist in so einem Fall scharf genug.“ Was man hier euphemistisch als „Kriegsnotwehrrecht“ bezeichnete, war nichts anderes als eine offene Aufforderung an alle Soldaten, in Eigenregie tatkräftig und nach Gutdünken dabei mitzuhelfen, die Zivilbevölkerung wahllos „niederzumachen“, Dörfer und Städte niederzubrennen, zu vergewaltigen, zu foltern und die Opfer tagelang öffentlich auszustellen – und zwar ganz ohne umständliche juristische „Klügeleien“, wie es markig hieß. Wer fröhlich mordete, musste auch nicht fürchten, belangt zu werden, denn die Taten tauchten später in der Regel nicht einmal mehr in irgendwelchen Gerichtsakten mehr auf. … Möglicherweise würde dieser Aspekt des Ersten Weltkriegs heute tatsächlich bereits längst und für immer vergessen sein – wenn die Täter nicht jenes verstörende Lustempfinden entwickelt hätten, dass auch auf der von Kraus aufgegriffenen Fotografie der Hinrichtung Battistis so unübersehbar seine Fratze enthüllt [https://de.wikipedia.org/wiki/Cesare_Battisti]: die eines offenen Genusses der Grausamkeit und ihrer fetischistischen Dokumentation auf Fotografien. Diese geradezu pornografische und damit auch offenichtlich sexuell motivierte Lust an der sadistischen Gewalt führte dazu, dass sich der typische soldatische Verbrecher jenes Kriegs mittels einer vertrackten medialen Selbstreflexivität eigens überführte, wie schon Kraus in seiner von Holzer zitierten Bemerkung feststellte: „Denn nicht daß er getötet, auch nicht, dass er’s photographiert hat, sondern daß er sich mitphotographiert hat und daß er sich photographierend mitphotographiert hat – das macht seinen Typus zum unvergänglichen Lichtbild unserer Kultur.“ …“ | Aus: „Wenn sich Massenmörder selbst überführen – Anton Holzer erinnert in seinem Bildband „Das Lächeln der Henker. Der unbekannte Krieg gegen die Zivilbevölkerung 1914-1918″ an vergessene Gräuel im Ersten Weltkrieg“, Jan Süselbeck (Nr. 12, Dezember 2008) | https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=12533
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“ … Im Krieg sterben täglich viele Tausend Menschen. Ganze Städte werden dem Erdboden gleichgemacht. Es wütet der Irrsinn nationaler Identitäten. Der Kampf wird um den Besitz von Gebieten, um die Sicherung von Hegemonien, um Überreste zusammengebrochener Wirtschaftssysteme geführt, und jede Großmacht nimmt mit ihren eigenen Mitteln an diesem Kampf teil. Es fließen die Waffen, und es fließt das Blut. Ist Osteuropa im Kleinen nicht ein Abbild der Welt? Auf dem Planeten gibt es kaum mehr Wasser zum Trinken, kaum Luft zum Atmen, und wir führen unterdessen die Kriege des 20. Jahrhunderts um die Machtzonen und die Ausbeutung weiter, sodass der Hunger morgen noch größer wird und noch mehr das Gefühl haben werden, es gebe keine andere Art zu überleben als zu morden. …“ | Gábor Schein, Aus dem Ungarischen von Eva Zador (Krieg in der Ukraine – Am Tor des Widerstands), 7 August 2022 | https://www.zeit.de/kultur/literatur/2022-08/gabor-schein-ungarn-ukraine-krieg/komplettansicht

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[Wirklichkeitsbezug #12 … ]

“ … Auf den jetzt veröffentlichten Bildern ist deutlich zu erkennen, wie die etwa 100 Nanometer großen Sars-Coronaviren-2 auf den Zellen aufliegen. …“ | https://www.mdr.de/wissen/fotos-corona-covid-viren-nano-strukturen-100.html (04. Februar 2021)

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“ … Ein Mikroskop versetzt uns gewissermaßen in eine andere Welt. Es bietet uns eine Szenerie ganz neuartiger Gegenstände …“ | Aus: Hans Blumenberg „Die Lesbarkeit der Welt“ (Erste Auflage, 1981 – S.156, Eine Robinson Welt gegen die Newton-Welt)

Christian Thomas „Hans Blumenberg „Die nackte Wahrheit“: Sie ist kein Besitz“ (01.11.2019): “ … Das Schauen wesentlicher Dinge wurde abgelöst durch ein wissenschaftliches Durchschauen der Bewegungsgesetze der Welt, wie Nietzsche es bereits illusionslos erfasste, wobei er insbesondere den Künsten so etwas wie die Funktion einer neuen Einkleidung der Wahrheit zuschrieb. „Die Wahrheit ist hässlich. Wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zu Grunde gehen.“ Da „die nackte Wahrheit enttäuscht“, erweise sich das „Umschleiertsein durch Illusion“ (Nietzsche) … “ | Quelle: https://www.fr.de/kultur/literatur/hans-blumenberg-nackte-wahrheit-kein-besitz-13186398.html

Elke Schmitter (18.08.2020): “ … Der Kollege Odo Marquard, wie Blumenberg ein begnadeter Aphoristiker, charakterisierte Blumenbergs Bücher als „dickleibige Problemkrimis“. Das grundsätzliche Problem: die Bedingtheit des Denkens. Anschaulich gemacht: Wieso halten wir es inzwischen mehrheitlich für selbstverständlich, dass nicht ein zürnender Gott uns das Coronavirus als Strafe für sorglosen Lebenswandel schickt? Dass die Sonne sich nicht um die Erde dreht? Oder, dass die Neugier etwas Produktives und grundsätzlich Gutes ist? Wie lösen sich Paradigmen des Denkens und Mentalitäten ab – und wie kann man dennoch Autoren lesen, die ihr Selbst- und Weltverständnis vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden gebildet haben, unter einem buchstäblich anders bevölkerten Himmel? …“ | https://www.spiegel.de/kultur/literatur/philosoph-hans-blumenberg-der-umweg-als-ziel-a-a6885965-6d64-4083-9181-7072e2515971

“ … In seinem Monumentalwerk „Arbeit am Mythos“ entwarf Blumenberg die Genese der mythischen Weltsicht, die darin besteht, „Wirklichkeiten, in denen wir leben“ – so ein Buchtitel -, zu beschreiben. Für Blumenberg gab es mehr als nur eine Wirklichkeit, die in die Systematik einer „großen Erzählung“ gezwängt wurde, wie dies bei Hegel oder Fichte erfolgte. Blumenberg plädierte vielmehr für eine Vielzahl von Erzählungen, die Facetten der gesamten europäischen Kulturgeschichte aufwiesen. … Trotz der Wertschätzung der Mythen plädierte Blumenberg keineswegs für eine „neue Mythologie“, wie sie in der Romantik propagiert wurde. Angesichts der explosionsartigen Entwicklung der Technik und der Naturwissenschaften gab es für ihn keine Rückkehr zur mythischen Weltsicht, genauso wenig wie ein „Zurück zur Natur“. Was bleibt, ist eine Trauer angesichts des Verlusts des Poetisch-Narrativen, das einer zweckrationalen Ordnung weichen musste. …“ | Aus: „Entlastung vom Absoluten“ (13. August 2020) | https://oe1.orf.at/artikel/674175/Entlastung-vom-Absoluten

// Pygmalion and Galatea (1890)
// https://en.wikipedia.org/wiki/Pygmalion_and_Galatea_(G%C3%A9r%C3%B4me_painting)

“ … Galatea. So nannte sie der Philosoph und Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau (1712 – 1778) in seiner lyrischen Szene Pygmalion (entstanden 1762 / 1771). Die Geschichte Galateas seit der Aufklärung ist nicht nur eine Geschichte glückender oder scheiternder männlicher Bemühungen und die Bildung der jungen Frau, sondern auch eine der Emanzipation von eben diesen Bemühungen, eine Emanzipation vom männlichen Blick. Jüngster Beleg dafür war die Ausstellung „Die schaffende Galatea. Frauen sehen Frauen“ in der Kunsthalle ”Talstrasse” in Halle (Saale) von Mitte Juli bis Mitte Oktober 2019 (vgl. dazu auch den im Mytho-BLOG veröffentlichten Beitrag „Von Bildern und Mythen: Die schaffende Galatea“). … Ovids Quelle im Falle Pygmalion ist verloren gegangen. Was Philostephanos über diesen berichtete, wissen wir nur durch eine entsprechende Erwähnung in der „Mahnrede an die Heiden“ des Philosophen und Kirchenvaters Clemens von Alexandria (150 bis ca. 215 n. Chr.). Clemens prangert darin die Verführung lüsterner Menschen durch die Kunst und die Anbetung von Götterbildern, die Idolatrie, an. …“ | Aus: „Namensschwestern und sonst nichts? – Betrachtungen zu Galatea und Galateia“ | Quelle: https://www.vergleichende-mythologie.de/namensschwestern-und-sonst-nichts-betrachtungen-zu-galatea-und-galateia/

“ … Als Bilderverehrung oder Ikonodulie bezeichnet man sowohl die bildliche Darstellung göttlicher Wesen und Kräfte sowie mit Gott oder den Gottheiten verbundener geschöpflicher Wesen (Engel, Heilige oder Symboltiere, Totems), als auch die damit verbundene Verehrung dieser Bilder, Skulpturen oder Ikonen. Von der Ikonodulie („Bilderverehrung“) sind Ikonolatrie („Bilderanbetung“) und Idolatrie oder Idololatrie („Götzendienst“) zu unterscheiden, wenn auch gegen die Bilderverehrung gerichtete Polemik (siehe Ikonoklasmus) diese nicht selten als Ikonolatrie oder gar Idolatrie bezeichnet. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bilderverehrung

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #62… ]

“ … [‚Twist and Shout‘ (Danish: Tro, håb og kærlighed) 1984] … Two best friends, Bjørn (Adam Tønsberg) and Erik (Lars Simonsen), and their coming-of-age in 1963 Denmark against the backdrop of The Beatles becoming an overnight sensation throughout Europe. Bjørn is pursued by Kirsten (Ulrikke Bondo), who has her mind set on marriage, but Bjørn instead falls for Anna (Camilla Søeberg). The somber Erik cares for his home-bound mentally ill mother while his strict father rules his life. Erik desires Kirsten, but she’s unattainable to him. Pregnancy, a horrific illegal abortion, an engagement party, and a revelation about the rectitude of Erik’s father leads to a climax of events, and Bjørn and Erik must stand up to controlling adults. … Michael Wilmington of The Los Angeles Times … said [the Film] gives „a realistic look at adolescent love and its harrowing consequences, a stark portrayal of the horrors of family life, and a bitter but clear-eyed look at social barriers, the dangers of compromise and the vulnerable bonds of friendship“. …“ | https://en.wikipedia.org/wiki/Twist_and_Shout_(film)

// – – – // [ … [‚Twist and Shout‘ (Danish: Tro, håb og kærlighed) 1984] … Zwei beste Freunde, Bjørn (Adam Tønsberg) und Erik (Lars Simonsen), und ihr Erwachsenwerden im Jahr 1963 in Dänemark vor dem Hintergrund, dass die Beatles über Nacht zu einer Sensation in ganz Europa wurden. Bjørn wird von Kirsten (Ulrikke Bondo) verfolgt, die fest entschlossen ist ihn zu heiraten, aber Bjørn verliebt sich stattdessen in Anna (Camilla Søeberg). Der zurückhaltende Erik kümmert sich um seine ans Zuhause gebundene psychisch kranke Mutter, während sein strenger Vater sein Leben regiert. Erik begehrt Kirsten, aber sie ist für ihn unerreichbar. Eine Schwangerschaft, eine schreckliche illegale Abtreibung, eine Verlobungsfeier und eine Enthüllung über die Rechtschaffenheit von Eriks Vater führen zu einem Höhepunkt der Ereignisse, und Bjørn und Erik müssen sich gegen die Kontrolle von Erwachsenen behaupten. … Michael Wilmington von der Los Angeles Times … sagte, [der Film habe] „einen realistischen Blick auf die jugendliche Liebe und ihre erschütternden Folgen, zeige eine scharfe Darstellung der Schrecken des Familienlebens und einen bitteren, aber klaren Blick auf soziale Ausgrenzung, er handelt von den Gefahren des Kompromisses und die verwundbaren Bande der Freundschaft“. …] // – – – //

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Blick in die Jetztzeit / Kontext …

Susan Vahabzadeh (30 März 2017): “ … In Washington fanden in der vergangenen Woche [2017] die Befragungen des designierten neuen Richters am Supreme Court statt. Dabei war auch seine Haltung zur geltenden Abtreibungsgesetzgebung immer wieder ein Thema: Würde Neil Gorsuch versuchen, das Urteil im Präzedenzfall Roe vs. Wade, das die Grundlage für die derzeitige Abtreibungsregelung in den USA ist, gerne kippen? … Viele Staaten erschweren Abtreibungen schon jetzt und haben Verbotsgesetze für den Fall in der Schublade, dass es gelingt, Roe vs. Wade zu kippen. Im US-Staat Oklahoma wird derzeit ein neues Abtreibungsrecht diskutiert, wonach für jede Abtreibung die schriftliche Genehmigung des Kindsvaters erforderlich wäre. Der republikanische Abgeordnete Justin Humphrey, der dieses Gesetz durchdrücken will, erklärt seine Position so: „Ich kann schon verstehen, dass sie“ – die Frauen – „das Gefühl haben, das sei ihr Körper.“ Verstehen kann er es, er sieht es nur anders und erklärt dann weiter, Frauen seien halt eher „hosts“, Gastgeber. Das Zitat klingt nach Mittelalter, stammt aber aus dem Februar 2017. … Damit rührt Humphrey an einen zentralen Punkt. Er stellt tatsächlich gar nicht die Abtreibung an sich in Frage, sondern wer die Kontrolle hat über den Körper einer Frau. … Kinderkriegen ist ein monströses Armutsrisiko. Es gibt Heerscharen alleinerziehender Mütter, und nein, das liegt nicht allein daran, dass Vätern von Gerichten das Sorgerecht versagt wird, auch wenn das im Einzelfall passiert. In Deutschland leben laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung (2014) 1,6 Millionen Frauen mit ihren Kindern allein, die Zahl ist in den letzten zwei Jahrzehnten gestiegen, das Armutsrisiko auch … Frauen, die ungewollt schwanger sind, müssten, so Justin Humphrey, der Abgeordnete aus Oklahoma, ihre „Verantwortungslosigkeit“ ausbaden. … Und wie stehen die Dinge bei uns? Die AfD bleibt in ihren Positionen ausweislich des Parteiprogramms ziemlich unkonkret. Im Prinzip ist Abtreibung nicht so toll, soviel ist klar. Das Rezept dagegen ist die „Familie als Leitbild“, es geht um „elterliche Betreuung“. Über diesem Abschnitt steht: „Diskriminierung von Vollzeit-Müttern stoppen“. Nur für den Fall, das irgendwer noch nicht kapiert hat, wer mit „elterlich“ eigentlich gemeint ist. …“ | Aus: „Kann es Gleichberechtigung ohne das Recht auf Abtreibung geben?“ | https://www.sueddeutsche.de/kultur/gleichberechtigung-kann-es-gleichberechtigung-ohne-das-recht-auf-abtreibung-geben-1.3436601-0

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Eva Oer (24.6.2022): “ … Bisher hatte das Grundsatzurteil „Roe v. Wade“ aus dem Jahr 1973 landesweit das Recht auf Abtreibungen gesichert, bis der Fötus außerhalb des Mutterleibs lebensfähig wäre – also etwa bis zur 24. Schwangerschaftswoche. „Die Verfassung gewährt kein Recht auf Abtreibung“, heißt es nun im am Freitag veröffentlichten Urteilstext des Supreme Court, den der konservative Richter Samuel Alito verfasst hat. Sowohl „Roe v. Wade“ als auch ein bestätigendes Urteil von 1992 würden aufgehoben und „die Befugnis zur Regelung des Schwangerschaftsabbruchs wird an das Volk und seine gewählten Ver­tre­te­r*in­nen zurückgegeben“. …“ | https://taz.de/US-Gericht-zu-Schwangerschaftsabbruechen/!5863360/
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Delia Friess (25.06.2022): “ … Während Donald Trump das Urteil des Supreme Courts als „Entscheidung Gottes“ bejubelt, [sprach] Joe Biden, der selbst Katholik ist, [ ] von einem „tragischen Fehler“. …“ | https://www.fr.de/politik/usa-abtreibung-supreme-court-washington-bundesstaaten-donald-trump-joe-biden-91631297.html
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Noura Maan (24. Juni 2022): “ … Der Supreme Court hat am Freitag mit sechs zu drei Stimmen entschieden, das Grundsatzurteil Roe vs. Wade aus dem Jahr 1973 zu kippen. … Den Weg dorthin bereitet hat das Wahlergebnis von 2016: In die Amtszeit des Republikaners Donald Trump fielen drei Besetzungen im Supreme Court. Auch wenn Rechtspopulisten nur kurzzeitig an der Macht sind, man sie „aus Frust gegen das Establishment“ wählt, hat das ernsthafte Konsequenzen. …“ | https://www.derstandard.at/story/2000136873827/supreme-court-kippt-roe-vs-wade-ein-albtraum-wird-realitaet
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Zu: https://www.zeit.de/politik/ausland/2022-06/schwangerschaftsabbruch-usa-roe-vs-wade-protest

Christian G. #7: “ … Richter, die der Partei nahestehen, die sonst die Freiheit vor gemeinschaftlicher Verantwortung sehen, haben nun konträr dieser Linie gegen die Freiheit – von Frauen – entschieden. … [‚Staaten können Gebärmütter regulieren, aber keine Waffen?‘] … „
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Dominic GD #48: “ … Demokratie wird [ ] von vielen gerne als Argument verwendet. Ist ja nicht schlimm, dass Frauen ihr Recht über ihren Körper verlieren. Es ist ja demokratisch geschehen. Also ich finde, dass es auch für die Demokratie Grenzen gibt. Und über meinen Körper (Abtreibung, Sterbehilfe, Ehe) möchte ich selbst entscheiden. Es ist mein Körper. Das ist Freiheit. …“

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Zu: https://www.zeit.de/gesellschaft/2022-06/usa-abtreibungsrecht-supreme-court-protest-fs-2

sittingbull #16: “ … Diese Gerichtsentscheidung ist kein Beginn einer Entwicklung, sondern deren ungebrochene Fortsetzung, die mit dem Machtantritt Trumps offen in das Bewusstsein der Bürger katapultiert wurde und dort nun weiter ihr Unheil anrichtet. … Bezahlen werden dafür Frauen, deren Körper in einer Extremsituation zu öffentlichem Eigentum wird, womit sie ihre Selbstbestimmung beraubt und um Generationen zurückgeworfen werden. …“
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(25 Juni 2022): “ … Das Urteil hat allerdings auch seine Fans. Neben großen Teilen der republikanischen Partei, verschiedenen erzkonservativ-christlichen Organisationen, Vatikan inklusive, begrüßen auch rechtsextreme Gruppierungen den Entscheid. …“ | https://www.derstandard.at/story/2000136884554/aus-fuer-abtreibungsrecht-rechtsextreme-feiern-urteil-des-us-hoechstgerichts
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Oligarchenneffe: “ … Nicht nur in den USA feiern Rechtsextreme das Urteil des US-Höchstgerichts. Auch auf der österreichischen katholischen Hetz-Seite kath.net sind reaktionäre Rechtsradikale ganz aus dem Häuschen, als hätten sie das erste mal im Leben einen Orgasmus. „God bless Donald Trump“ und ähnlicher Schwachsinn ist dort in den User-Foren zu lesen. …“
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Zu: https://www.zeit.de/gesellschaft/2022-06/schwangerschaftsabbruch-roe-v-wade-frauen-usa

KalbshaxeFlorida #1 :“ … So eine Entscheidung sollte eigentlich ausschließlich oder zumindest überwiegend von Frauen bzw. Müttern getroffen werden. …“
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RGFG #1.1: “ … Die entscheidende Stimme kam von einer jüngeren weißen Frau, die extra deswegen von Trump und den Republikanern in den Supreme Court gehievt worden war. …“
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Jadoo6 #1.71: “ … Das Problem ist die Rückkehr zu einer bigotten Moral der Konservativen, die sich zwar jedes Recht gerne als Elite herausnehmen, aber Menschen ohne Einkommen oder Opfer von Verbrechen behandeln, als ob diese ein quasi göttlicher Schicksalschlag getroffen hätte. Es geht um Macht, eine sehr bösartige Art von Weltanschauung und doppelte Moral. …“

[Wirklichkeitsbezug #11 … ]

„Wir bewegen uns auf eine neue Klassenspaltung zu, die nicht mehr auf Geld beruht, sondern auf der Fähigkeit, seinen kritischen Geist einzusetzen und Informationen zu sortieren.“ – Umberto Eco, Jean-Claude Carrière, Stephen Jay Gould, Jean Delumeau: „Das Ende der Zeiten“, DuMont Verlag Köln 1999
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Rüdiger Suchsland „Der Zynismus moderner Massenmedien“ (18. Juni 2022): “ … es geht gar nicht mehr darum, dass die Journalisten in ihrer Arbeit bewusst manipulieren – sondern darum, dass sie gar nicht mehr begreifen, dass man auch anders über das Weltgeschehen berichten könnte, als in der Abfolge von politischer Krise und moralischer Klarheit. Oder dass die Journalisten wenigstens verstehen, dass man die Dinge durchaus verschieden beurteilen könnte, dass es Wirklichkeit, Gewissheit und Wahrheit (leider) in den Medien, jenseits dem von ihnen Gezeigten nicht gibt, und dass es eben um diese Darstellung von Ungewissheit und Unklarheit, um Irritation, nicht Beruhigung, um Kompexitätssteigerung, nicht -reduzierung gehen müsste. … “ | https://www.heise.de/tp/features/Der-Zynismus-moderner-Massenmedien-7144919.html?seite=all
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Screenshot: n-tv (23.06.2022)
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Axel Schmidt („Medien und Medienkommunikation“, 2018): “ … Medien leisten nicht nur einen über unmittelbare Situationen hinausgehenden Kontakt, sondern sie sind im Falle medialer (insbesondere massenmedialer) Produkte zu dem kulturelle Artefakte, die etwas anderes zeigen als sich selbst. … “ | https://ids-pub.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/7075/file/Schmidt_Medien_und_Medienkommunikation_2018.pdf
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Klaus Beck („Harry Pross – Signalökonomie und „neue Kommunikationspolitik“, 2015): “ … Adorno und Benjamin, Lippmann und McLuhan – was haben sie und andere „Klassiker“ der Medien- und Kommunikationswissenschaft heute noch zu sagen? … Harry Pross begreift im Anschluss an Ernst Cassirer, Charles Sanders Peirce und Susan K. Langer den Menschen als das Wesen, das Symbole gebraucht und sich damit grundlegend vom Tier unterscheidet. Als Menschen leben wir in einer symbolisch konstruierten Welt von Bedeutungen: „Es führt kein Weg von Mensch zu Mensch, von ihm zu anderen Lebewesen und zur Natur als über Zeichen“ (Pross 1996:32). Für Pross ist unsere Realität – ganz im Sinne von Berger und Luckmann – gesellschaftlich konstruiert (vgl. Beth/Pross 1976: 110). … Die Sprache (mit dem Stimmlaut als ihrem physikalischen Träger) fungiert bei Prossals ein elementares, primäres Medium des unmittelbaren persönlichen Gesprächs, das sich funktional so grundlegend von anderen Formen der medientechnisch vermittelten Kommunikation unterscheidet, dass er es für „das wichtigste Kommunikationsmittel der abendländischen Geschichte“ (Pross 1967:14) und bis heute für unersetzlich hält (vgl.Pross 1972b:23), … Die sekundären Medien Schrift, Musik, Druck und Graphik unterscheiden sich qualitativ von den primären, weil sie auf physikalisches Gerät für die Produktion und den Transport der Zeichen angewiesen sind. Auch Feuer- und Rauchzeichen, Flaggen und Wimpel, Brief und Plakat zählen als historische und aktuelle Medien zu den sekundären Medien … Die tertiären Medien benötigen technische Apparate und Netze für Produktion, Transport und Rezeption der Signale. Neben den von Pross genannten Telegraph, Telefon, Fernschreiber, Radio, Television und Film zählen hierzu alle elektronischen und digitalen Medien (vgl. Pross 1996: 38, 108). … Die journalistischen Regeln der Selektion, Platzierung, Formatierung, Reduktion auf visuelle Oberflächenreize bis hin zum „Medienkitsch“ sind der Signalökonomie geschuldet, erschweren aber Reflexion und Erkenntnis: „Kitsch zielt auf Zeitgewinn. Die Wahrheit aber braucht Zeit“ (Pross 1983b:7). „Die elektronischen Medien aber sind ihrer Struktur nach auf Flüchtigkeit angelegt. Mehr Zuschauer heißt mehr ‚universelle Metaphern‘ ins Programm und zeitlich kürzen bis zum Bedeutungsverlust. Daraus entsteht dann global über Satelliten, was man in der Unterhaltung wie in der Information ‚internationalen Kitsch‘ nennen muß“ (Pross 1984: 14-15). Die Signalökonomie steht im engen Zusammenhang zur ritualisierten Medienkommunikation, die „durch geregelte Wiederholung … Ordnung in die Praktiken der Kultur[bringt], indem sie die organische Lebenszeit der Subjekte in gleiche Mitteilungen einbindet“ (Pross 1983a:8) und damit – auf effiziente Weise – synchronisiert. Die leichtverständliche „Wiederholung des Momentanen als aktuelles Element unterliegt der minutiösen Ökonomie der Signale“ (Pross 1983a:11). … Pross [begreift] „die sozialeFrage … nicht nur [als] eine ökonomische, nicht nur eine politische, sie ist vor allem eine publizistische Frage, eine des Umgangs mit Medien, eine Frage der Wahrnehmungsweisen und der Vergegenwärtigungskompetenz“ (Pross 1972b:52). Heutzutage würden wir eher von Agenda Setting, Priming und Framing oder gar von der „Filter Bubble“ (Pariser 2011) sprechen. … Grundlegend ist die anthropologische Sicht des Menschen als Mängelwesen und animal symbolicum (Cassirer). … Historisch und analytisch gilt es, die Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten selbstbestimmter Kommunikation zu ermitteln, normativ geht es darum, die größtmögliche Selbstbestimmung in der Kommunikation durchzusetzen, auch und gerade gegen eine fremdbestimmte Indienstnahme durch Staat oder Unternehmen. Kommunikationsfreiheit ist, wenn man die Systematik von Pross ernst nimmt, unteilbar: als innere und äußere Presse- bzw. Medienfreiheit ist sie grundlegend für den publizistischen Prozess der sekundären und tertiären Medien, aber auch als Selbstbestimmung auf der Ebene der primären Medien genießt sie bei Pross höchste Priorität. …“ | https://www.nomos-elibrary.de/10.5771/1615-634X-2015-4-489/titelei-inhaltsverzeichnis-jahrgang-63-2015-heft-4?page=1

[Identitätspolitik (Kulturelles Unterbewusstsein) #7… ]

Vintage Auflauf | via

Franziska Schutzbach (12.08.2019): “ … Polarisierung, das machen schliesslich nur andere, wie Gujer behauptet: „Die einen rufen „Lügenpresse“, die anderen nur noch „Rechte“ oder „Nazis“. Beide Seiten verhalten sich wie verfeindete Stämme.“ Rechte und rechtsextreme Positionen sind aus Gujers Sicht also das gleiche wie linke. Ob man Pluralismus angreift oder diese Angriffe kritisiert, ist angeblich beides irrationale Polarisierung. In der Forschung nennen wir das Äquidistanz: Man stellt links wie rechts als gleich extrem dar, und gibt sich dadurch selbst als un-ideologisch. Die NZZ erscheint auf diese Weise als die „bürgerlich-liberale“ vernünftige Option zwischen durchgeknallten Irren … Ich persönlich denke, dass es wichtig ist, rhetorische Prozesse zu verstehen und ihnen dadurch etwas entgegensetzen zu können. Aber es ist nicht das wichtigste, man kann auch mit wenig Analyse beherzt für eine solidarische Gesellschaft einstehen. … mir geht es darum zu analysieren, wie rechtes und rechtsextremes Denken mittels rhetorischen Verschiebungen gesellschaftsfähig wird. Daneben plädiere ich aber in meinem Kapitel über Gegenstrategien auch klar dafür, dass wir nicht wie Motten um Gegner kreisen sollten …“ | https://www.freitag.de/autoren/michael-angele/was-ist-rechte-rhetorik
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// https://www.zeit.de/gesellschaft/2022-06/ferda-ataman-anti-diskriminierung-privilegien (comments)

Ernst Acht #175: “ … „Vorgeblich entzündet sich dieser Zorn an der „Kartoffel“ – mit diesem Wort habe Ataman Deutsche „verspottet“, behauptete die Bild in einer Überschrift – um diese Behauptung im Artikel selbst dann dahingehend abzuschwächen, sie habe die Bezeichnung in einer Spiegel-Kolumne von 2020 „verteidigt“.“ …“
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ResponsibleGambling #173: “ … Die BILD wie ein Nichtschwimmer in einem verzweifelten Überlebenskampf. …“
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mahna mahnam #17: “ … Aus Atamans Kolumne: „Und es geht um Macht: manche wollen einfach nicht die Deutungshoheit abgeben. Wer in Deutschland wen als was bezeichnen darf, soll immer noch die „Mehrheitsgesellschaft“ bestimmen, also die weißen Deutschen. Doch so läuft das nicht mehr. In einer Einwanderungsgesellschaft kann nicht eine Gruppe allein bestimmen, wie alle bezeichnet werden. Das Suppengemüse redet im Knollendiskurs jetzt mit und nennt die Kartoffeln auch mal Alman(i)s oder Biodeutsche. …“
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Dagehtnochwas #17.1: “ … „Es geht nämlich um Macht und die Demonstration von Macht.“ Im ersten Teil haben Sie Recht, es geht um Macht. Aber im 2. Teil liegen Sie völlig falsch. Es wird lediglich der allumfassende Machtanspruch auf Deutungshoheit der Biodeutschen angesprochen. Man kann sich davon natürlich schon „bedroht“ fühlen, wenn man zur privilegierten Gruppe gehört. …“
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Sumu #17.5: “ … Privilegiert ist jene Gruppe die ungestraft öffentlich andere mit „spassigen“ Bezeichnungen belegen darf. …“
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mahna mahnam #17.8: “ … Es geht nicht um „wir“ und „ihr“ sondern um Teilhabe aller an allem. …“
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KatSi #2.49: “ … Meine Freunde machen Kartoffelpartys wenn sie die deutsche stabü haben. Kennen den Begriff nur positive besetzt. Aber es geht im Artikel ja darum das Frau Ataman etwas unterstellt werden soll was sie nicht gesagt hat …“
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Bitte bleiben Sie konstruktiv #2.50: “ … „Deshalb nochmal ganz langsam: Ataman hat nicht Deutsche als Kartoffeln bezeichnet. Das wuessten Sie, haetten Sie diesen Artikel hier gelesen.“ — Nein. Sie macht es subtil. Sie verteidigt einerseits die Zuschreibung als harmlos, andererseits verleiht sie mit ihrem Verein die „Goldene Kartoffel“ für herausragenden Rassismus, also für „besondere Kartoffeligkeit“. …“
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mahna mahnam #1: “ … Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/tba …“
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berlinerin73 #2: “ … In meinem Umfeld geht das [Kartoffel] mittlerweile als scherzhafte Selbstbezeichnung durch. ..:“
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Gerald1 #2.1: “ … Oh, das ist ja toll. Aber ich nehme mal an, Sie sind keine Antidiskriminierungsbeauftragte. …“
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Treverer #2.2: “ … Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/tba …“
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Gerald1 #2.3: “ … Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt. …“
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berlinerin73 #2.4: “ … Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/tba …“
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DrJohnBecker #2.8: “ … Die Kartoffel ist übrigens auch eine „Migrantin“. …“
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Jessy Thinkman #2.9: “ … entweder einigen wir uns darauf alle Menschen als gleiche unter gleichen zu behandeln und sprechen miteinander auch so (was ich befürworte) oder wir akzeptieren irgendwelche Sonderbegriffe zur schmähenden Gruppierung (was ich ablehne). Ein „diese Gruppe kann halt wegen X damit leben“ ist entweder falsch oder entwertet schon wieder andere Gruppen, denen man das nicht zutraut oder zumutet damit zu leben.
Wer mich als „Kartoffel“ bezeichnet müsste halt damit leben, dass ich ihm nicht mehr zuhöre, egal welche Begründung da aufgefahren wird warum ich das nicht negativ empfinden könne und ebenso bezeichne ich andere nicht als irgendein Lebensmittel oder Tier und denke mir ne Begründung aus, warum die das bitte nicht stören solle. TL,DR Einfach höflich und nett zueinander sein und solche Debatten haben sich erledigt. …“
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DrJohnBecker #2.12: “ … Wenn Sie sich mal mit der Herkunft anderer diffamierender Begriffe für Volksgruppen befassen, müsste Ihnen eigentlich klar werden, dass man bei der Bezeichnung Kartoffel eben doch mit zweierlei Maß messen muss. Ich verstehe Ihren Punkt, aber er erscheint mir eher lächerlich vor diesem Hintergrund. …“
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Gerald1 #2.14: “ … Bei der Diskriminierungsdebatte geht es doch besonders immer darum, was andere als beleidigend empfinden. Vieles was früher lustig war ist es heute nicht mehr. Deshalb liegt es wohl nicht bei Ihnen zu entscheiden was hier lächerlich ist. …“
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Freispruch mit lebenslänglich #2.16: “ … Kochbücher meinen das Kümmel gut zu Kartoffeln paßt. Ich hab das nie verstanden und bleib bei Rosmarin und Majoran. …“
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schmitzblitz #19: „… Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/tba …“
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Jupatja #41: “ … Anhand dessen, wieviel Kommentare hier gelöscht wurden, wird deutlich, wie sehr das Thema uns an die Nieren zu gehen scheint. Ich habe noch nie derartig viele Seiten mit gelöschten Kommentaren hier auf Zeit Online entdeckt bei einem Artikel. Da scheint jemand genau den Punkt getroffen zu haben, der echt schmerzt. …“
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phocs #43: “ … Vielleicht sollte man als Biodeutscher nicht unnütz beleidigt sein, wenn man „Kartoffel“ genannt wird …“
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Sumu #43.2: “ … Alleine die … Gelassenheit erhebt den Schreiber über die ganzen Befindlichkeitsneurotiker. …“
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ArribaChinchita #11: “ … „im konservativen Feuilleton“ Manchmal ist ein zuviel an Höflichkeit peinlich. Das sind überwiegend in den muffigen Adenauerjahren hängengebliebene Peinlichkeiten, die im Hause Springer und in Frankfurt ihr Austragshäusl bewohnen. Typische Salzkartoffelesser eben. …“
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Wullewux #44: “ … Wer regt sich (künstlich) auf? Das Dreigestirn BILD, Welt und Focus – schon allein deshalb nicht ernst zu nehmen. Die drei sind gerne auf der Suche nach „Aufregern“, die dabei helfen, woanders zitiert zu werden. Mit Journalismus hat das meist nichts zu tun, sondern gehört in die Abteilung PR. …“
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Margot Melzer #37: “ … Kennt noch jemand Asterix? „Asterix und die Goten“? Der französische Blick auf die deutschen Nachbarn. Dort sprechen die Goten in Frakturschrift und tragen Pickelhaube. Sie achten sehr auf Regeln, zumindest, wenn andere diese einhalten sollen. Der ostgotische Grenzsoldat muss bei Einfuhr ausländischer Ware (ein gallischer Druide) zunächst seinen Vorgesetzten fragen. Erfolge werden einhellig mit „Es lebe Rhetorik, unser Chef“ gefeiert. Etwas mehr Gelassenheit im Genuss kultureller Darstellungen könnte auch beim Kartoffelthema hilfreich sein. Jetzt mach‘ ich mir noch ’ne Krautrock CD an… „
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Ondine #16: “ … Ich frage mich, wie aktuell das Deutschland-Bild der Integrationsbeauftragten eigentlich ist. Nach meinem Eindruck, wenn ich mich so im Supermarkt umschaue, kaufen die Deutschen heutzutage viel mehr Pasta als Kartoffeln. Klar, ist ja sich einfacher zuzubereiten. Kartoffeln werden allenfalls als Fritten gern gegessen. Restaurants mit deutscher Küche gibt‘s auch kaum noch, dagegen ganz viel Döner und Sushi. …“
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ArribaChinchita #16.1: “ … Das Deutschlandbild im Discounter zu Beginn von Corona: Bei uns war Klopapiermangel, in Frankreich gingen die Kondome aus. …“
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Volker Beck #16.3: “ … Daher wäre es vielleicht an der Zeit, die Deutschen nicht mehr als Kartoffel zu bezeichnen, sondern treffender als Nudel, Tofu oder Klopapier. …“
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sinea #18.5: “ … „Die Kartoffel ist hier nur eine Nebelkerze.“ Danke, Sie bringen es auf den Punkt. …“
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Dogwalker #29: “ … Ich mag Kartoffeln – wo ist das Problem? …“
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talktome #29.1: “ … Ich mag auch Spaghetti. …“
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die_andere_meinung #29.2: “ … Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/tba …“
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Ingo Heumann #29.3: “ … Kümmel ist auch sehr lecker …“
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Bitte bleiben Sie konstruktiv #2.47: “ … „Rosmarin, Parmesan und Olivenöl. Das ist lecker“ Ja. Aber auch: Backkartoffel mit Butter, Salz und Kümmel. Ein Traum! …“
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Geraldao #4: “ … Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/tba …“
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Philea #4.1: “ … Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt. …“
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BrunoBrenner #179: “ … Mir scheint die Gruppe derjenigen, die sich über den Kartoffel-Begriff echauffieren hat große Überschneidungen mit der Gruppe von Leuten, die, wenn es um tatsächlichen sprachlichen Rassismus geht, gerne empfehlen man solle sich nicht so haben, es sei ja nicht böse gemeint, das habe man schon immer gesagt und überhaupt lasse man sich von der Sprachpolizei nichts vorschreiben. …“

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Nachtrag: #1

Ronya Othmann (26.06.2022): “ … Eine andere Sache, die in diesen Ta­gen ebenso wie die potentielle Antidiskriminierungsbeauftragte die Schlagzeilen füllt, ist die Documenta mit ihrem riesigen Wandgemälde des indonesischen Kollektivs Taring Padi, auf dem ein Schwein mit Davidstern und „Mossad“-Aufschrift und ein Mann mit Kippa, Zigarre und SS-Zeichen auf dem Hut zu sehen sind. Auf den ersten Blick ha­ben diese beiden Themen wenig miteinander zu tun, außer dass Antisemitismus, wenngleich er ein paar Wesensunterschiede zum Rassismus aufweist, auch in den Zuständigkeitsbereich einer Antidiskriminierungsbeauftragten fällt. Doch wenn man genauer hinsieht, lassen sich Berührungspunkte ausmachen in beiden Debatten, die Frage nach doppelten Standards: Wie bewerten wir Rassismus und Antisemitismus, je nachdem, von wem er kommt? In dem Statement der Gruppe Taring Padi heißt es, die Bildsprache sei kulturspezifisch auf ihre eigenen Erfahrungen bezogen, die Figuren würden nämlich in Indonesien häufig verwendet, „um ein ausbeuterisches kapitalistisches System (…) zu kritisieren“, und die Arbeit werde nur „in diesem speziellen Kontext in Deutschland als beleidigend empfunden“. Dabei verkennen sie, dass Anti­semitismus nun mal Antisemitismus ist, ob in Deutschland, Mexiko oder Indonesien, einem Land in dem kaum Juden leben. Und dass es eine lange Tradition der „Kapitalismuskritik“ gibt, die in antisemitischen Bildern daherkommt und de­ren Bildmotive sich vom mittelalter­lichen Wittenberg über Yogyakarta bis ins zeitgenössische Kassel ziehen (Stichwort „Judensau“). Sowohl die Debatte um die Documenta als auch um die Antidiskriminierungsbeauftragte deuten auf blinde Flecken gegenwärtiger antirassistischer und postkolonialer Diskurse hin. Und gerade in ihnen zeigt sich der Wi­derstreit kulturalistischer und universalistischer Positionen. …“ | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/documenta-die-blinden-flecken-antirassistischer-diskurse-18125109.html
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“ … Die Hetze gegen Walther Rathenau begann schon Monate vor dem Anschlag der rechtsextremen Terroristen aus besten Kreisen, erzählt die Rathenau-Biografin Shulamit Volkov in einem Porträt für die Zeit: „Antisemiten attackierten ihn als Juden, andere wollten in ihm unbedingt einen Kriegsprofiteur, einen skrupellosen Kapitalisten, einen Volksfeind sehen. Seit 1920 folgte eine Todesdrohung der anderen. …“ | Aus: „9punkt – Die Debattenrundschau: Wer in Russland BMW fährt – Kommentierter Rundblick durch die Feuilletondebatten. Wochentags um 9 Uhr, sonnabends um 10 Uhr (23.06.2022) | https://www.perlentaucher.de/9punkt/2022-06-23.html
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“ … Konzepte, die Kultur nicht als historisch konstruiert und nicht als veränderbar betrachten, und in denen Vorstellungen von Kultur „in einem solchen Maße verdinglicht und essentialisiert werden“, dass Kultur „zum funktionalen Äquivalent des Rassenbegriffs wird“, werden von einigen Forschern als „Kulturalismus“ oder „kultureller Rassismus“ bezeichnet: John Solomos und Les Back vertreten beispielsweise die Auffassung, dass Rasse heute „als Kultur kodiert“ werde und dass „das zentrale Merkmal dieser Prozesse darin besteht, dass die Eigenschaften von sozialen Gruppen fixiert, naturalisiert und in einen pseudobiologisch definierten Kulturalismus eingebettet werden.“ … Solchen Konzepten zufolge wird „Kultur“ als eine unüberwindliche Schranke betrachtet, die politisch nicht zu überwinden sei. Entsprechende naturalisierende und biologisierende Argumentationen kämen sowohl im Rechtsextremismus als auch in verkürzten ethnopluralistischen Ansätzen der Neuen Rechten in der Gestalt von „Kulturalisierungen der Differenz“ (Müller) vor. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturalismus (26 Juni 2022)
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Sama Maani: „Die Krux mit der Migrantenliteratur“ (November 2018): “ … Ich hatte mich immer gefragt, warum wir selbstverständlich von Migrantenliteratur reden, nicht aber – zum Beispiel – von „Migrantenphilosophie“. Bis mir mein Freund, der brillante deutsch-indische Philosoph Pravu Mazumdar, von der folgenden und anderen, ähnlichen Reaktionen auf sein erstes Buch über Foucault erzählte: „Sie kommen aus Indien? Welch wunderbare Kultur! Warum schreiben S‘ dann über einen französischen Philosophen? Schreiben S‘ doch über Indien!“ Pravu Mazumdar, dem Angehörigen der „wunderbaren indischen Kultur“, wurde mit anderen Worten das Recht abgesprochen, auch noch etwas anderes zu sein als Angehöriger „seiner Kultur“. … “ | https://www.derstandard.at/story/2000090533413/sama-maani-die-krux-mit-der-migrantenliteratur
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Timagoras, 3. November 2018, 19:16:12: “ … das tragische und paradoxe Dilemma vieler heutige Linker: mit ihrer Identitätspolitik vertreten sie – zwar „wohlmeinender“ – letztendlich nichts anderes, als die Identitären und Rassisten: Um die Mitglieder einer Gruppe zu identifizieren, werden kulturelle, ethnische, soziale oder sexuelle Merkmale verwendet. Menschen, die diese Eigenschaften haben, werden zu der Gruppe gezählt und häufig als homogen betrachtet. Menschen, denen diese Eigenschaften fehlen, werden ausgeschlossen. Menschen werden also in kulturalistische (und sogar in „rassische“) Schubladen gesteckt, und aufgrund der Zugehörigkeit zu einer Gruppe werden diesen Menschen dann Eigenschaften, Verhaltensweisen und – je nach Standpunkt – Privilegien oder Einschränkungen zugewiesen. das ist für mich nicht links …“
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imax 3. November 2018, 20:53:23: “ … Sind dann „die Linken“ auch sowas wie eine Rasse? …“
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Sonnstrahlen 3. November 2018, 18:17:21: “ … Mir geht dieses „Kulturgerede“ schon lange auf die Nerven, erstens ist es meist nichts anderes als Tradition, das damit gemeint ist und zweitens sollte immer der einzelne Mensch im Vordergrund stehen, es können zwei aus dem selben „Kulturkreis“ kommen und diese trotzdem ganz unterschiedlich sehen. …“
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bearskin, 3. November 2018, 22:42:02: “ … Trotzdem haben die meisten Menschen aus den gleichen Kultur eine ähnlichere Wertvorstellungen als von fremde Kulturkreise. Ich komme nicht von hier und weiß wovon ich spreche. …“
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Sonnstrahlen, 5. November 2018, 10:13:24: “ … Das bestreite ja auch niemand, was ich bestreite ist, dass eine Kultur „besser“ ist als die andere. Ich kenne eine Menge Menschen aus anderen Kulturkreis und nur ein Miteinander auf Augenhöhe kann funktionieren. …“
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bearskin 5. November 2018, 14:40:33: “ … Natürlich sind manche Kulturen besser. Wollen Sie echt eine Kultur des Faschismus mit einer der Demokratie gleichsetzen? Wollen Sie echt eine Kultur des Patriarchismus mit [angestrebter] Gleichberechtigung gleichsetzen. Wollen Sie echt eine Kultur der Massentierhaltung mit der der nachhaltige Bio-Tierhaltung gleichsetzen. Vor allem gibt es eine Kultur der Konfliktbeweltigung. Die eine zucken gleich ein Messer oder treten auf alte Menschen, die anderen Lachen über die Ignoranz der ältere Generation. Alleine die Kultur in Österreich ist heute viel besser als die von 50 Jahren und erst recht von vor 80 Jahren. Dieses Gleichmachen und Relativieren ist wirklich eine Realitätsverweigerung. Natürlich wäre es schon wenn wir alle gleich wären, sind wir aber nicht. …“
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MagisterMagister 3. November 2018, 18:44:20: “ … Mir gehen genervte Spießer in Internetforen auf die Nerven, aber dagegen kann ich leider auch nix machen. …“
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s.giovanna 3. November 2018, 19:57:36: “ … doch, nicht in die gewisse foren gehen. …“
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Zunz Emma, 3. November 2018, 17:22:52: “ … Was ist Migrantenliteratur? Sind Mario Benedetti, Julio Cortázar oder Thomas Mann auch Migrantenliteratur? …“

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #61… ]

Der Maler blickt vom Gaisberg auf Salzburg (Jacques Sternfeld, 1923)

“ … Investoren lassen Wohnungen oft leer stehen, da die hohen Renditen eine Vermietung gar nicht mehr notwendig machen. Allein die Wertsteigerung deckt die Kosten. …“ | Aus: „Leerstand, Betongold und Festspielabsteigen verschärfen Salzburgs Wohnungsnot“ Stefanie Ruep (16. Juni 2022) | https://www.derstandard.at/story/2000136566994/leerstand-betongold-und-festspielabsteigen-verschaerfen-salzburgs-wohnungsnot

Heerke Hummel (29. März 2010): “ … Brodbecks Kernthese laute: „Das Geld ist kein Ding, das Geld ist eine universalisierte Denkform… Die Welt denkt in einer Form, von der sie beherrscht wird und die eben deshalb ihre Macht entfalten kann, weil sie unerkannt ist.“ Dahinter stehe die Erkenntnis, daß mit dem Eintritt des Geldes in die Geschichte der Menschheit (im Zusammenhang mit der Entwicklung der Arbeitsteilung) sich nicht nur die Strukturen des Wirtschaftens, sondern auch die Seelen der Menschen verändert haben. Mit dem Geld begännen die Menschen, sich nicht nur durch Sprache zu verständigen, sondern durch Rechnen. Und zwar berechneten sie nicht nur Dinge, sondern sich selbst gegenseitig. …“ | https://das-blaettchen.de/2010/03/zwanzig-jahre-zu-spaet-1232.html

“ … Zu keiner Zeit des Jahres wird der erzwungene Konformismus durch den Kapitalismus spürbarer als zu Weihnachten. Verzweifelt, gestresst und missmutig schlittern wir durch die Straßen […] “Ich muss noch was für Papa finden” … Obwohl Papa doch schon alles hat, was man sich wünschen kann und wenn etwas Neues auf den Markt käme, könnte er es sich im Handumdrehen selbst kaufen. “Aber ich MUSS…” …“ | Aus: „Konformität – Wem gehört mein Leben?“ (2012) | Autor? | Quelle nicht mehr abrufbar: http://www.weeyoo.de/konformitaet-wem-gehoert-mein-leben/

“ … Auch das Eingehen emotionaler Beziehungen wird zunehmend nach dem Vorbild von Marktverhältnissen organisiert. Das Verfahren basiert darauf, dass die Leute sich selbst zur Ware machen: Für die Partnersuche im Internet und über Vermittlungsagenturen präsentieren sie sich als Ware, indem sie ihre Vorzüge auflisten und Fotos ins Netz stellen. Hier fehlt das, was Freud den „einzigen Zug“ genannt hat, der einzigartige Impuls, der sofort entscheidet, ob ich jemanden sympathisch finde oder nicht. Liebe ist eine Wahl, die als Unumgänglichkeit erfahren wird. An einem bestimmten Punkt ist man überwältigt von dem Gefühl, zu lieben und gar nicht anders zu können. Die Vorzüge von Kandidaten zu vergleichen und sich dann zu entscheiden, in wen man sich verlieben will, kann also per definitionem nicht Liebe sein. Deshalb sind Partneragenturen Liebestöter par excellence. …“ | Aus: „Zeit der Monster – Ein Aufruf zur Radikalität“ Slavoj Zizek (monde-diplomatique.de, Ausgabe vom 12.11.2010)

Peter Kern [zu: Jürgen Leibiger: Eigentum im 21. Jahrhundert Metamorphosen, Transformationen, Revolutionen Verlag Westfälisches Dampfboot, 381 Seiten] (24.05.2022): “ … und ließe sich die Luft privatisieren, gäbe es längst die für diesen Naturstoff passenden Investmentfonds. Für Wasser gibt es solche; Trinkwasser ist ja in großen Teilen der Erde ein knappes Gut. Was liegt also näher, als mit dem Grenznutzen dieses Guts zum eigenen Nutzen und Frommen zu spekulieren? Den Geschäftsleuten und ihren höheren Angestellten wird solche Spekulation auf den Billboards der großen Flughäfen nahegebracht. Jürgen Leibiger stellt ganz kindlich klingende Fragen: Was ist Eigentum; warum gehört jemandem etwas; könnte es eine Welt ohne Privateigentum geben; ist Eigentum am Häuschen mit Garten identisch mit Eigentum eines Konzerns, dem die ganze Welt als Hinterhof gilt; setzt individuelle Freiheit Privateigentum voraus und wenn ja, reicht es nicht, wenn ein Ich der Eigentümer seiner Arbeitskraft ist; geht als okay durch, wenn 40 Leute so viel an Vermögen angehäuft haben wie bald vier Milliarden Menschen? Die kindlichen Fragen sind natürlich hintersinnig gestellt, es ist gleichsam ein sokratisches Fragen, womit der Schreiber des Buchs seinen Leser behelligt. Warum solche Hebammenkunst außer Gebrauch gekommen ist, versteht man sofort. Wer so vorgeht, will den Zusammenhang von Eigentum, Macht und Herrschaft beleuchten. In den Spiegel schaut eine Gesellschaft aber nicht gerne, die ziemlich alt aussieht, wenn sie ihre propagierten politischen Ideale (die sogenannten Werte) mit der schmutzigen ökonomischen Realität abgleicht. … Die Aktionärsversammlung ist nicht der Ort, wo der zum Angestellten geadelte Arbeiter seinen demokratisch-politischen noch ökonomische Mitspracherechte hinzufügen könnte. Dort findet kein Plebiszit statt. Der Kleinaktionär bleibt zu Hause, und die institutionellen Anleger bestimmen die Musik der Versammlung. Er firmiert formal unter Eigentümer, aber von der wirklichen Verfügung über das Kapital ist er ausgeschlossen. Aktien können verliehen und beliehen werden; neue Eigentumsobjekte sind entstanden und die ihnen entsprechenden Eigentumsdelikte, zu deren bevorzugten Opfern die Aktien-Amateure gehören. Die Demokratisierung des Kapitaleigentums ist ein Schein … Solidarität ist eine knappe Ressource, an deren Verknappung die Kulturindustrie verlässlich arbeitet. Dieser Industriezweig lebt von der Wirklichkeit gewordenen Idee, die Individuen seien, wie die Objekte der äußeren Natur, bloße Singularität, der nichts Wesenhaftes eigne. Der Gedanke der Solidarität lebt aber vom Gedanken an dieses Übergreifende. Den vereinzelten Individuen fällt es unsagbar schwer, den Gedanken der Solidarität zu fassen; Karl Heinz Haag hat diesen Zusammenhang analysiert. Was bleibt, sind Theoretiker und politisch Handelnde, die diesem Gedanken die Treue halten, auch wenn solche Intransigenz [Politische Starrheit; Unversöhnlichkeit, Unnachgiebigkeit] als schiere Donquijoterie erscheint. Leibigers Buch endet mit keinem Hurra auf ein unüberwindliches Proletariat, sondern mit dem Melancholiker Hamlet: „Dass wir die Übel, die wir haben, lieber ertragen, als zu uns unbekannten fliehen. So macht Bewusstsein Feige aus uns Allen.“ … “ | https://www.glanzundelend.de/Red22/J-L/juergen_leibiger_%20eigentum_im_21_jahrhundert.htm

[Zeit im Bild #57 … ]

Kurt Tutschek (11. Juni 2022): “ … Im Jahr 1902 [ ] machte sich der im Jahr 1876 in San Francisco als John Griffith Chaney geborene Autor [Jack London] auf um jener Stadt einen Besuch abzustatten, die ihm seinen Namen gab: London. … Er lebte für mehrere Monate im Stadtteil Whitechapel, dem Londoner East End, eine Gegend, die damals hauptsächlich von den Ärmsten der Armen bevölkert wurde. Und Jack London hielt seine Erfahrungen die er auf den Straßen der Stadt machte in einem Buch fest. In „The People of the Abyss“ beschrieb er das Leben der einfachen Menschen, den gnadenlosen Alltag, die unwürdigen Bedingungen, unter denen sie ihr Dasein fristen mussten. Um Zugang zu den Bewohner es East End zu erlangen, verkleidete er sich als Arbeiter und gab vor, einer von ihnen zu sein. … Und er griff auch zur Kamera. Tausende Fotos entstanden in den folgenden Jahren, die Gassen von Whitechapel … “ | https://www.derstandard.at/story/2000136325509/der-schriftsteller-jack-london-als-fotograf

„Jack London Photographs and Negatives“
Approximately 12,000 images, primarily taken by London himself between 1902 and 1916, document the poor in the City of London, the Russo-Japanese War, the aftermath of the San Francisco earthquake and fire, London’s 18-month cruise through the South Pacific, a shipboard journey around Cape Horn, the Mexican Revolution, and London’s ranch in California’s Sonoma Valley. … | –> https://hdl.huntington.org/digital/collection/p16003coll7

[Der Blick in die Kamera #51… ]

Alexander (Hammid) Hackenschmied :: Maya Deren, n.d. | via https://unregardoblique.com/2022/05/14/maya-deren-by-a-hammid-1940s/

“ … Maya Deren, geboren als Eleanora Solomonovna Derenkovskaya (* 29. April 1917 in Kiew, Ukraine; † 13. Oktober 1961 in New York City), war eine US-amerikanische Avantgarde-Regisseurin, Tänzerin und Filmtheoretikerin der 1940er und 1950er Jahre. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Maya_Deren

“ … Deren verstand sich zeitlebens als Amateurfilmerin, die ihre Filme – wie sie es ausdrückte – „mit Budgets macht, die in Hollywood gerade mal für die Lippenstifte reichen“. Sie engagierte sich auch in Amateurfilmvereinigungen. 1959 rief sie im Movie Makers Annual der amerikanischen Amateur Cinema League Filmer dazu auf, sich alle Besessenheit mit Profistandards und Filmausrüstung aus dem Kopf zu schlagen und besseren Gebrauch von ihrer filmerischen Freiheit zu machen. Ein halbes Jahrhundert später hat Maya Derens Mahnruf nichts von seiner Aktualität verloren. …“ | https://www.filmkorn.org/maya-deren-filmer-eure-wichtigste-ausrustung-seid-ihr-selbst/

Maya Deren — // prolsit (vor 12 Jahren) her voice is hypnotic….
https://youtu.be/MhEOOpbJKEc

IN THE MIRROR OF MAYA DEREN (Trailer, Martina Kudlácek 2008)
https://youtu.be/Bfg3Ya-LQzc

[Wirklichkeitsbezug #9 … ]

Includes for example the following chapters: The Crisis of the Sciences as Expression of the Radical Life-Crisis of European Humanity; Clarification of the Origin of the Modern Opposition between Physicalistic Objectivism and Transcendental Subjectivism etc. … [Umfasst beispielsweise folgende Kapitel: Die Krise der Wissenschaften als Ausdruck der radikalen Lebenskrise der europäischen Menschheit; Klärung des Ursprungs des modernen Gegensatzes zwischen physikalistischem Objektivismus und transzendentalem Subjektivismus etc.]
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“ … Albert Camus [schrieb] im April 1938: “ … Über ein und dieselbe Sache denkt man am Morgen nicht das gleiche wie am Abend. Aber wo liegt die Wahrheit, im Denken der Nacht oder im Geist des Mittags? …“ …“ | https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/reflexionen/vermessungen/2138808-Schriftwege-ins-Offene.html
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KRichard 01.06.2017, 17:23 Uhr: “ … Unser Bewusstsein ist unser Erleben, welches sich im Fokus der Aufmerksamkeit befindet und dadurch der eigenen Wahrnehmung zugänglich ist. …“ | https://scilogs.spektrum.de/wirklichkeit/ist-bewusstsein-wenn-es-keine-substanz-ist/
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“ … Für die Phänomenologie ist Subjektivität kein abgeschlossener geistiger Bereich, sondern von Anfang an in der Welt: Subjektivität und Welt sind voneinander abhängig und untrennbar verbunden. Die Subjektivität ist wesentlich demjenigen gegenüber offen, was sie selbst nicht ist (Transzendenz des Bewusstseins). Diesen Zusammenhang bezeichnet die Phänomenologie durch den Begriff der Intentionalität, welcher programmatisch ausdrückt, dass jede (subjektive) Erfahrung eine Erfahrung von etwas (Welt) ist. Für die Phänomenologie ist das Bewusstsein also kein Kasten, in dem die Erfahrungen eines Subjekts stattfinden. Stattdessen ist es das Feld, in dem das Subjekt die Welt erfährt. Erst indem die Subjektivität diese Offenheit vollzieht und sich selbst in der Welt vorfindet, wird sich die Subjektivität ihrer selbst bewusst (Selbstbewusstsein). … Es geht nicht mehr darum, das Subjekt hier und das Objekt dort in Übereinkunft zu bringen. Stattdessen untersucht sie eine Tiefenschicht, in der Subjekt und Objekt als Subjekt und Objekt erst möglich werden. … Schon früh hat Husserl argumentiert, dass sich psychische und physische Phänomene nicht ohne Weiteres sauber voneinander unterscheiden lassen. Und der Psychologe Carl Friedrich Graumann, der sich als Phänomenologe verstanden hat, überwindet die Unterscheidung zwischen vermeintlich ‘exakten’ Naturwissenschaften und Geisteswissenschaften, indem er die Psychologie eine “Erfahrungswissenschaft” (Graumann, 1960) nennt.So ergibt sich die grundsätzliche Antwort auf die Frage, ob die Phänomenologie mit Naturwissenschaft vereinbar ist: Der Begriff der Naturwissenschaft ist selbst voraussetzungsreich und die Phänomenologie hinterfragt diese Voraussetzungen. … die Phänomenologie [ist] kein Dogma, sondern ein eigener Diskurs … “ | Aus: „Was kann die phänomenologische Psychologie zum Bewusstseinsproblem beitragen?“ Stephan Schleim (14. Feb 2022) | https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/was-kann-die-phaenomenologische-psychologie-zum-bewusstseinsproblem-beitragen/
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Martin Holzherr, 14.02.2022, 17:58 Uhr: “ … Zitat Wikipedia zu Husserls Auffassung der Phänomenolgie: “ Sie [die Phänomenologie] soll sicherstellen, dass sich die Wissenschaften nur von Evidenzen leiten lassen, die dem unmittelbaren Bewusstseinserleben entstammen.“ Die heutige Naturwissenschaft braucht kein bewusstes Erleben um etwas messen zu können. Man kann Infrarot-Strahlung messen oder Röntgenstrahlung und das ohne dass wir diese Strahlung direkt empfinden oder erleben können. Es braucht keine Menschen um Experimente durchzuführen. Auch Roboter können dies. Und Roboter haben heute ja kein Bewusstsein. …“
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Stephan Schleim 14.02.2022, 19:00 Uhr: “ … @Holzherr: Forschung ohne Menschen „Die heutige Naturwissenschaft braucht kein bewusstes Erleben um etwas messen zu können. […] Auch Roboter können dies.“
So so – wer liest dann bitteschön die Messergebnisse ab? Und wer baut und programmiert die Roboter? Sie kommen am Subjekt nicht vorbei. …“
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Elektroniker 14.02.2022, 21:10 Uhr: “ … @ Stephan Schleim 14.02.2022, 19:00 Uhr — Zitat: „Sie kommen am Subjekt nicht vorbei.“ — Folgendes Gedankenspiel: Jemand fährt mit seinem voll autonomen Auto zur Arbeit. Nach der Ankunft „verabschiedet“ sich das Auto mit der Frage „ist es ok. wenn ich dich um 17 Uhr wieder hier abhole und irgendwo auf einem Parkplatz warte und zwischendurch Strom tanke?“ Das einzige lebende „Subjekt“ sagt nichts und steigt einfach aus … Das Auto handelt nur gemäß seiner Erfahrungen. Die Programmierer sind bereits gestorben, die erforderlichen Erfahrungen für die KI wurden von anderen Versuchsautos automatisch gemacht und die Daten übernommen. Das einzige lebende Subjekt, der Fahrer, handelt nicht, er verhält sich passiv. War derartiges jemals als Subjekt gedacht? …“
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Martin Holzherr 14.02.2022, 21:32 Uhr: “ … Letztlich ist meine Haltung zur Phänomenologie folgende: Phänomene, Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen passieren alle in einer Welt von Dingen, die auch ohne Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen existieren. Die Welt der Dinge ist realer als die Welt der Wahrnehmungen und Erfahrungen, weil die Welt der Dinge über das Subjektive hinausgeht. Jedes Subjekt (Tier, Mensch, Roboter) kann die Welt anders erleben. Aber es ist immer die gleiche Welt. …“
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Wolfgang Stegemann 14.02.2022, 22:28 Uhr: “ … @Holzherr: „Letztlich ist meine Haltung zur Phänomenologie folgende: Phänomene, Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen passieren alle in einer Welt von Dingen, die auch ohne Wahrnehmungen und bewusste Erfahrungen existieren.“ — Das ist gar nicht das Thema. Nehmen Sie an, wir existieren nicht (mehr), was hat die Welt dann für einen Sinn (für uns)? Die Welt, wie wir sie wahrnehmen, existiert nur durch uns. Wir konstruieren im Kopf eine perfekte 1:1 Kopie der Welt, aber nur der Welt, die wir wahrnehmen bzw. wie wir sie wahrnehmen. Und wir sind es, die sie konstruieren. Man muss sich klarmachen, dass das Leben so betrachtet tautologisch ist, denn wir betrachten uns letztlich selbst. Wir müssen uns von der metaphysischen Objektivität verabschieden, sie existiert nicht. Auch die Plankschen Quanten sind unsere Abstrakta. Sie werden gerne genommen, um ein Schlupfloch ins Transzendente zu suchen. Da wir in der Lage sind, mit Begriffen nicht nur reale Dinge zu (re-) konstruieren, sondern auch Dinge, die es gar nicht gibt, ist es leicht, sich eine irreale Welt vorzustellen. …“
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anton reutlinger 15.02.2022, 16:17 Uhr: “ … Jeder Mensch hat eine eigene Lebensgeschichte und eine eigene Lebenswelt, biologisch, kognitiv und sozial/kulturell. Aus der Menge der möglichen Wahrnehmungen, Erfahrungen und Wissensquellen hat jeder Mensch eine eigene Teilmenge. Insofern ist jeder Mensch auch ein Individuum, biologisch, psychisch und geistig. … Kenntnisse in Philosophie schaden keinem Psychologen. …“
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Tobias Jeckenburger 17.02.2022, 00:12 Uhr: “ … @KRichard 16.02. 20:04 „Die allererste und wichtigste Fragestellung sollte in einer seriösen Forschung die Fragestellung sein – ob es ein ´Bewusstsein´ überhaupt gibt.“ — Ohne die Anerkennung der inneren Phänomene als intersubjektive Fakten könnten wir überhaupt keine Psychologie betreiben. Und die erlebbaren inneren Phänomene sind derzeit auch der einzige Beweis dafür, dass wir ein Innenleben haben. Und solange wir die Korrelate der inneren Welten auf Nervennetzebene nicht kennen, bleibt nur die Phänomenologie übrig. …“
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Stephan Schleim (15.01.2021): “ … Der Naturalist baut sein Wissen auf die metaphysischen Annahmen, dass es nur eine Welt gebe, dass diese unerschaffen sei und von Gesetzmäßigkeiten regiert. Vor allem soll diese Welt – die Realität – „außerhalb unseres Denkens“ angesiedelt sein (Mahner, 2018, S. 46); sie ist folglich „in ihrer Existenz und ihren Eigenschaften unabhängig von unserem Bewusstsein“ (Vollmer, 2013, S. 22). Mir widerstrebt zu erklären, dass das nicht zusammenpasst. Es ist zu offensichtlich. Wenn es nur eine Welt gibt, die es zu erkennen gilt, wo finden die Gedanken über diese Welt dann ihren Platz? In der Welt kann ihr Platz nicht sein, denn die Welt soll ja unabhängig vom Bewusstsein und den darin aufgehobenen Gedanken existieren. Irgendwo anders ist auch kein Platz, da es ja nur diese eine Welt gibt. Daraus folgt Gedankenlosigkeit. Der Begriff vom „Bewusstsein“ ist damit hinfällig. Ohne Gedanken aber gibt es keine Philosophie. Der Naturalismus löscht sich selbst aus. Komisch, dass es diese Naturalisten gibt: Philosophen ohne Philosophie. … Unter den Fesseln der Metaphysik bekommen wir für die Welträtsel bestenfalls Scheinlösungen. Machen wir uns davon frei. Die Wissenschaft kennt solche Beschränkungen nicht. Einzig die Widerspruchsfreiheit und die Übereinstimmung mit den Fakten stecken den Denkrahmen ab. … Solange die von uns erkannten Gesetzmäßigkeiten der Welt ein bewusstes Denken nicht zulassen, kann auch das Universum nicht gedacht werden. Es existiert demnach für uns nicht. Die heutige Wissenschaft ist offenbar nicht reichhaltig genug, um das Geistige zu verstehen. … “ | https://scilogs.spektrum.de/menschen-bilder/das-fuenfte-weltraetsel-bewusstsein/

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anton reutlinger 15.01.2021, 20:18 Uhr: “ … Wenn der Naturalismus so einfach widerlegbar ist, dann frage ich mich, warum die Mehrzahl der Philosophen Naturalisten sind! Sind die alle so dumm? Kein Naturalist behauptet, das Welträtsel Bewusstsein gelöst zu haben. Aber es gibt auch keinen Beweis, dass es unlösbar ist. Dagegen ist beweisbar, dass unser Wissen über diese Welt immer unvollständig bleiben wird (Gödel). …“
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Wolfgang Stegemann 16.01.2021, 11:59 Uhr: “ … Solche Beiträge amüsieren mich. Ich stelle mir dann vor, ein Raumschiff mit Aliens, die uns mental und technisch haushoch überlegen sind, beobachten uns. Ich höre sie sagen, ‘was ist das für eine seltsame Spezies da unten. Sie schlagen sich gegenseitig die Köpfe ein und machen ihren Planeten kaputt, glauben aber, sie seien die Krone der Schöpfung. Was für eine Schöpfung? Sie glauben, jemand hätte sie erschaffen und wenn sie tot sind, leben sie trotzdem weiter, weil ihr, wie sie es nennen, Bewusstsein oder Geist, nicht stirbt. Aber warum denken sie denn so etwas? Ihre Neuronen sind nur niederdimensional verknüpft, sie denken überwiegend assoziativ. Schade, dass so ein schöner Planet solche einfachen Bewohner hervorbringt.’ …“

[Kriegsschauplätze #40… ]

“ … Der tödlichste Witz der Welt (englisch The Funniest Joke in the World, auch Joke Warfare oder Killer Joke) ist ein Sketch der britischen Komikergruppe Monty Python. … Der Sketch spielt während des Zweiten Weltkriegs. Der britische Witzfabrikant Ernest Scribbler (auf Deutsch Ernst Schreiberling, Ernst Schmierer oder Ernst Kritzler) erfindet den lustigsten Witz der Welt und lacht sich darüber buchstäblich tot. Auch andere, die versuchen, den Vorgang zu untersuchen, sterben beim Lesen des Witzes. … Der Witz wird in einer Szene von einem britischen Ehepaar per Radio empfangen, das nach Ende des Witzes eher irritiert schaut, statt vor Lachen zu sterben. … Der Sprecher bemerkt, dass die Genfer Konvention nunmehr „die Witzkriegsführung“ verboten hat und man die letzte erhaltene Version des tödlichen Witzes dort (gemeint ist das Grab zu seinen Füßen) beerdigt habe, auf dass er niemals mehr erzählt werde. … Die Deutschen erforschen in Peenemünde ihrerseits den „V-Witz“. … Das Ende des Sketches wurde in der Filmfassung wie folgt abgeändert: Es wird zunächst zum Kommentar, die Deutschen hätten durch den Witz fürchterliche Verluste erlitten, eine Szene aus einem Lazarett gezeigt, in dem sich eingegipste und verbundene Verwundete vor Lachen krümmen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Der_t%C3%B6dlichste_Witz_der_Welt
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(19. Mai 2022): “ … Bei einer Veranstaltung in Dallas im Bundesstaat Texas hat der ehemalige US-Präsident George W. Bush über den einst von ihm befohlenen Einmarsch in den Irak gesprochen und diesen „brutal“ und „ungerechtfertigt“ genannt. Es handelte sich jedoch um einen Versprecher, denn Bush korrigierte sich selbst rasch und ergänzte Kopfschüttelnd: „Ich meine: in die Ukraine.“ In seiner Rede sprach Bush unter anderem über das politische System in Russland: „Das Resultat ist das Ausbleiben von Kontrollmechanismen in Russland und die Entscheidung eines Mannes, eine vollkommen ungerechtfertigte und brutale Invasion des Irak zu starten.“ Nachdem er sich auf „Ukraine“ ausgebessert hatte, schob er den Versprecher scherzhaft auf sein Alter. Das Publikum verzieh es ihm offenbar und lachte. …“ | https://www.derstandard.at/story/2000135863223/ehemaliger-us-praesident-bush-verurteilt-in-versprecher-irak-einmarsch

MarcoMadre: “ … The decision of one man to launch a wholly unjustified and brutal invasion of Irak … Comedy gold ist das. …“

Drez: “ … Ein freud’scher Kriegsverbrecher …“

Moosmüller: “ … Abgesehen davon, dass der „Ehemalige“ sich über solche Vorgänge nicht äußern sollte, ist der Versprecher als Indiz dafür zu sehen, dass er in seinem „Unterbewusstsein“ wohl noch nicht alles geordnet hat …“
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nestrus: “ … Er hat sehr wohl alle ungerechtfertigten und brutalen Invasionen in dieselbe Kategorie geordnet! …“

„Wer einmal Anlaß gehabt hat, sich in der Literatur bei Ästhetikern und Psychologen zu erkundigen, welche Aufklärung über Wesen und Beziehung des Witzes gegeben werden kann, der wird wohl zugestehen müssen, daß die philosophische Bemühung dem Witz lange nicht in dem Maße zu teil geworden ist, welches er durch seine Rolle in unserem Geistesleben verdient.“ Aus dem Vorwort Sigmund Freuds zu Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten, Zweite Auflage (1912)

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #74 ]

(23.03.2022): “ … Klaus Stieringer habe neben seinem Account mindestens einen weiteren Account, einen sogenannten Fake-Account, betrieben, sagt auch Andreas Schwarz …“ | https://www.br.de/nachrichten/bayern/bamberger-fake-accounts-forensikerin-belastet-stieringer,T0ug1Om

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“ … In Fake Accounts, dem Romandebüt der amerikanischen Autorin Lauren Oyler, das nun im Berlin-Verlag in deutscher Übersetzung erscheint, verschwimmt [ ] die Grenze zwischen Wahrheit und Lüge, aufgesetztem und authentischem Selbst. … Sarkasmus ist ihr Modus Operandi. Umringt von einem selbstgerechten Kult der Aufrichtigkeit und einer Politisierung, die die vermeintliche Authentizität der Empörung zum Statussymbol erhebt, bemerkt die Erzählerin spöttisch, dass Ironie „dieser Tage [auch] eine marginalisierte Identität“ sei. … Fragmentierte Gedankenstränge und sprunghafte Handlungsstruktur ähneln dem Duktus eines Twitter-Feeds, in dem die Masse der Nachrichten die Leserin eher mitschwemmt als fesselt, durch den man zwar viel erfährt, aber wenig begreift. „Inzwischen ist mir klar geworden, dass ich nicht weiß, welche äußeren Kräfte […] wirkten oder nicht“, lässt die Erzählerin uns wissen. Akzeptanz der Oberflächlichkeit ist ihre Form der Resignation. … Sentimentale Offenbarungen der eigenen Gefühlslage sieht sie demnach skeptisch, hält sie für ein Zeichen „der in unserem Milieu verbreiteten Tendenz […], sich mit seinen regelmäßigen Therapiesitzungen zu brüsten“. Ihre nie endenden, analytisch scharfen Beobachtungen legen nahe, dass sie die hermeneutischen Tendenzen ihres sozialen Umfelds, der oberen Mittelschicht des globalen Nordens, dennoch verinnerlicht hat. Situationen und Persönlichkeiten werden von ihr mit zugekniffenen Augen erfasst und anschließend verbal seziert, dabei auf Distanz gehalten, als sei die Welt ein dreckiger Putzlappen, den es angewidert zu entsorgen gilt. … Die deutsche Hauptstadt ist in Fake Accounts einerseits Zufluchtsort vor der absolut immanenten Wirklichkeit des Internets, das auf einen eindrischt. Andererseits reproduziert das Berliner Expat-Dasein einen Abstand zur Realität, die dem Gefühl beim Scrollen ähnelt: Auf den Straßen rauschen fremde Worte an der Erzählerin vorbei, im Internet die überwältigende Masse der Tatsächlichkeiten. … In die Gedankenwelt der Erzählerin einzutauchen ist oft seltsam, aber nie unbeschwert, so als tanze man im Angesicht des stets erwarteten Weltuntergangs einen euphorisch-resignierten Reigen. Die Ambivalenz der Lektüreerfahrung bezeugt immerhin, dass es Fake Accounts gelingt, die affektive Struktur des Internets widerzuspiegeln, die man schließlich auch nur mit gemischten Gefühlen betrachten kann. …“ | https://www.zeit.de/kultur/literatur/2022-02/lauren-oyler-fake-accounts-roman-rezension/komplettansicht

CptCaspslock #2: “ … Klingt ganz nach meiner Generation Jahrgang Ende 80er. Sarkasmus und Zynismus als letztes Mittel der Resignation und teilweise die Haltung, sich durch Protest auf der moralischen „richtigen“ Seite zu fühlen, ohne bemerkenswert etwas in der Welt zu ändern. …“

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(25.03.2022): “ … Erika Thomalla: Die Erzählerin von „Fake Accounts“ nimmt tatsächlich oft eine Metaperspektive ein, indem sie den Zwang, sich selbst zu reflektieren und zu analysieren, wiederum reflektiert. Warum tut sie das?
Lauren Oyler: Sie will sich nicht dem Imperativ unterwerfen, durch Selbstreflexion an ihre wahren, authentischen Gefühle heranzukommen. Oft gibt es eine solche authentische Erfahrung ja gar nicht. Man hat ein Erlebnis und denkt sich: Das ist wie im Film oder wie in einem Roman. …“ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/lauren-oylers-roman-fake-accounts-und-der-wahnsinn-internet
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mahe | Community (27.03.2022): “ … In der Psychologie nennt man das „Persona“. …“
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“ … Die Persona ist eine Art ‚Kleidung‘ des Ichs, welche sowohl der dahinter verborgenen Individualität einen Schutz bietet als auch eine Ausgangsbasis für normale (situativ konventionelle) Kommunikation bietet. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Persona

[Zeit im Bild #55 … ]

Stella Moris heiratet Julian Assange … “ … Julian Assange and his partner, Stella Moris, got married on Wednesday at Belmarsh high-security prison in south-east London. … “The prison states that our wedding picture is a security risk because it could end up on social media or the press,” she wrote. “How absurd. What kind of security threat could a wedding picture pose?” …“ | https://www.theguardian.com/media/2022/mar/24/julian-assange-marries-stella-moris-in-london-prison-ceremony
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(23.03.2022): “ … Eine Hochzeit im Hochsicherheitstrakt: Bilder und Videos vom 23. März 2022 zeigen, wie Stella Moris, die Partnerin von Julian Assange (50), im Hochzeitskleid vor dem Belmarsh Gefängnis in London vorgefahren ist. Dort sitzt der WikiLeaks-Gründer ein, seit er 2019 aus der ecuadorianischen Botschaft in Großbritannien abgeführt wurde. … Auf dem offiziellen Instagram-Account von WikiLeaks wurde ebenfalls eine Bilderreihe veröffentlicht. Auf ihnen ist jedoch nur die Braut sowie „die gemeinsamen kleinen Kinder Gabriel und Max“ zu sehen. Als Begründung der fehlenden Aufnahmen des Bräutigams heißt es: „Es sind von heute keine Bilder von Julian Assange verfügbar, weil die Gefängnisleitung Fotos des Bräutigams als ‚Sicherheitsrisiko‘ ansieht.“ …“ | https://www.stern.de/lifestyle/leute/julian-assange–wikileaks-gruender-hat-stella-moris-geheiratet-31725802.html
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Jose Allen (@joseeallyn) twitterte um 8:14 nachm. on Do., März 24, 2022:
That lovely picture makes me sad, but happy at the same time.
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Heiner Miller (@heinermiller) twitterte um 9:52 nachm. on Do., März 24, 2022:
Beautiful, congratulations! What a happy day. And what a sad one.

[Kriegsschauplätze #39… ]

… Grossman zeichnete eine Parallele zwischen Nationalsozialismus und Stalinismus und ging damit weiter als je ein sowjetischer Schriftsteller zuvor. „Leben und Schicksal“ ist aber auch die Geschichte eines Mannes, der nach der Ermordung seiner Mutter durch die Nazis mit seiner jüdischen Abstammung konfrontiert wird …“ via https://unserekirche.de/artikel/2020/22/tvepos/ (27. Mai 2020)

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(31. Oktober 2021): “ … 80 Jahre nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion erscheint Wassili Grossmans Monumentalwerk „Stalingrad“ um die Weltkriegsschlacht in einer restaurierten Fassung ohne Zensureingriffe. Der Roman gibt Einblicke in den Alltag der Menschen in ihrem Kampf gegen die Wehrmacht. Die Geschichte um die Familie Schaposchnikow ist der Vorläufer des später erschienenem Grossman-Opus-magnum „Leben und Schicksal“. … es [sei] etwa tabu gewesen, Diebstahl und Trunkenheit oder auch Ungeziefer wie Wanzen, Kakerlaken, Läuse und Flöhe zu erwähnen, heißt es in einem Nachwort von Robert Chandler, der die englische Ausgabe herausgebracht hat. „Der sozialistische Realismus legt Wert auf Eindeutigkeit und Anständigkeit.“ Ein Roman um die heldenhafte Schlacht von Stalingrad sollte damals nur positive Bilder vermitteln. Nun hätten Figuren aber ihre ursprünglichen Ecken und Kanten wieder. Auch eine in den 1950er Jahren vom Dietz-Verlag in der DDR unter dem Titel „Wende an der Wolga“ veröffentlichte Fassung des Romans, der in der UdSSR unter dem Titel „Sa prawoje delo“ („Für eine gerechte Sache“) erschien, war zensiert worden. „Sowjetische Soldaten oder Funktionäre als Menschen darzustellen, die sich in militärisch entscheidenden Situationen kindisch oder eigennützig verhielten, kam nicht infrage“, sagte Chandler. So verlässt sich in einer Szene ein General auf eine Ziege und nicht auf seinen Kompass, um aus einem Sumpf herauszufinden. … „‚Stalingrad‘ und ‚Leben und Schicksal‘ können nun nacheinander gelesen werden“, schreibt der Osteuropa-Experte und Historiker Jochen Hellbeck in einem Vorwort zum Buch. Während „Stalingrad“ die „geistigen Horizonte der Kriegszeit aufzeigt und die Schlacht von Stalingrad als Anbruch der „unerbittlichen und frohen Stunde des Menschen“ beschwört, entstand der Folgeband im späteren Wissen, dass diese enormen Hoffnungen nicht eingelöst wurden“. …“ | Quelle: https://orf.at/stories/3234832/ // Stalingrad – Wassili Grossman – Christine Körner, Maria Rajer, Andreas Weihe (Übers.), Claassen Verlag 2021, 1.280 S.,
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Lin Hierse (16.3.2022): “ … Ich bin eine Schreibende, aber käme momentan auch mit 30.000 Zeichen nicht zurecht. Es ist auch nicht so, als ob ich keine Ideen hätte. … Dann fand ich alles falsch. Nicht die Punkte, die ich machen wollte, nicht die Bilder, die mir dazu einfielen. Was alles falsch macht, ist die Tatsache des Weitermachens, wenn alles erstarrt sein müsste vor der Entsetzlichkeit der Welt. Wir überspringen dieses Gefühl dauernd, besonders im Journalismus. Wir halten Ratlosigkeit für undruckbar, weil das doch gerade nicht unsere Aufgabe ist. Wer ohnehin keine anderen Werkzeuge hat als Wörter, sollte doch wenigstens im Eindordnen eine Hilfe sein. Im Aufmerksammachen, im Dranbleiben, im Weitermachen. Ich finde das wichtig, trotzdem habe auf die Delete-Taste gedrückt und zweitausendfünfhundert Zeichen dabei zugesehen, wie sie vom Cursor weggefressen wurden. … Wenn die Welt auseinanderbricht, warum brechen wir dann nicht auch mit der Art, in der wir sie beschreiben? …“ | https://taz.de/Worte-angesichts-des-Ukrainekriegs/!5841967/
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—> „Krankenhaus in Lwiw durch verletzte Kinder überlastet“ (15. März 2022) | Quelle: https://www.zeit.de/gesundheit/2022-03/krankenhaus-lwiw-ueberlastet-verletzte-kinder-polnische-grenze-unicef
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thiak #4: “ … Man kann immer den Wahrheitswert einzelne Berichte in Zweifel ziehen oder Dinge unterschiedlich werten, aber wenn UNICEF über eine Überlast des Krankenhauses durch verletzte Kinder und eine notwendige Triage (nichts anderes sind die Sticker [„Ein grüner Sticker heiße: verletzt, aber ohne dringenden Bedarf, ein gelber heiße: muss behandelt werden, und ein roter bedeute: Um dieses Kind muss sich sofort gekümmert werden. Es gebe auch schwarze Sticker, sagte der Sprecher: Das Kind lebe noch, aber es könne nicht gerettet werden und das Krankenhaus sei gezwungen, seine Ressourcen auf andere kleine Patienten zu konzentrieren“]) berichtet, gibt es nichts mehr zu diskutieren. Ich hoffe inständig, dass die Putin-Fans das irgendwann auch kapieren. …“
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Samdal #6: “ … Ich kann das nicht verstehen wie Menschen so sein können. …“
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Viktor Funk „Wladimir Putin: Russlands Präsident lebt in einer anderen Welt“ (15.03.2022): “ … Putin hat also ein Netzwerk aus Vertrauten um sich geknüpft, das ihm die Realität konstruiert, die er haben will. …“ | https://www.fr.de/politik/in-einer-anderen-welt-91409935.html
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Justine Klingenburg (15.03.2022): “ … ich bin mir da wieder nicht ganz sicher, ob nicht jeder, der solch einen Führungsposten innen hat, in einer Filterblase lebt. Selbst wir etwas einfachen Leute bevorzugen gern solch eine Filterblase, indem wir Kritik abscheulich finden und uns persönlich angegriffen fühlen, anstatt über das kleine Fünkchen Wahrheit nachzudenken. … [„Eine Umfrage des russischen staatlichen Umfrageinstituts Wziom vom 5. März zeigt, dass 71 Prozent der Befragten in Russland „die Entscheidung, eine militärische Sonderoperation in der Ukraine durchzuführen“ unterstützen. Dieses Umfrageergebnis überrascht nicht angesichts der Dominanz kremltreuer TV-Nachrichten.„] … wir [sollten] uns nicht nur die Medienlandschaft von Putin anschauen, sondern auch unsere. Auch da gilt vorwiegend: [w]essen Brot ich esse, in dessen Canon stimm ich ein. …“
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Gerhard Hanloser lehrt Deutsch, Geschichte, Politik an einer Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Berlin-Neukölln (14.03.2022): “ … Für Selbstwidersprüche des Westens gibt es keinen Platz. Als Trittin immerhin daran erinnert, dass Russen wie Ukrainer Opfer „unserer Väter und Großväter“ im Zweiten Weltkrieg waren, muss Lanz das schnell und hektisch mit dem Hinweis auf die von Stalin produzierte Hungersnot 1931 überblenden. 1991, 1999 und schließlich 2003 waren wir als antimilitaristische Linke, die Noam Chomsky und anderes lasen, äußerst sensibel für mediale Propaganda: Brutkästen-Lügen, Auschwitz-Vergleiche, CIA-Behauptungen von Massenvernichtungswaffen. Wir lernten immer wieder, dass der Westen zuweilen weit entfernt ist von seiner Selbstpräsentation als die demokratisch „Guten“. Dieses Wissen, und es gilt ja noch, ist nun gleich dreifach ins schlechte Licht gerückt: Zum einen hat eine linke Fixierung auf die Kritik des Westens jene anarchistischen und liberalen Positionen und Stimmen von Polen bis in die Ukraine nicht wahrnehmen wollen, die die Gefahr betonten, die von einem imperialen Autoritarismus Russlands ausgeht. Zum anderen ist die Skandalisierung westlicher Geheimdienstpraktiken verschwörungsmythologisch in der irrationalen Szene der Montagsmahnwachen der Nullerjahre zur antiwestlichen Ideologie geronnen, und zum Dritten wird von Putin höchstpersönlich der legitimatorische Hinweis auf das „westliche Lügen-Imperium“ gegeben, um wiederum seine Kriegspolitik zu rechtfertigen. Dabei ist Putin selbst auf die Politik der dreisten Lüge und Täuschung eingeschwenkt. Er spricht von „Genozid“ in der Ostukraine – als Kriegslegitimation seines Angriffskriegs. Außerdem bemüht er ein verdreht antifaschistisches Narrativ, wonach die Ukraine „entnazifiziert“ werden müsse. Darin folgt er sowjetischer Diskurslogik, denn auch das militärische Eingreifen in Ungarn 1956 und vor allem in der ČSSR 1968 war von Behauptungen begleitet, man habe es mit „faschistischen Banden“ zu tun, gegen die man vorgehe. …“ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/von-serbien-bis-zur-ukraine-wohin-treibt-die-deutsche-friedensbewegung
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Tuko2000, 15.03.2022 20:36: “ … Moralische Entrüstung und Betroffenheit Ist eine Frage der Geographie, der Bilder und der Geschichten. Wenn die Tagesschau nicht davon berichtet, interessiert es niemanden. [Dafür] ist der Jemen-Krieg ein Musterbeispiel …“ | Kommentar zu –> „Während Jemen hungert, breitet sich der Krieg weiter aus“ Elias Feroz (15. März 2022) | Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Waehrend-Jemen-hungert-breitet-sich-der-Krieg-weiter-aus-6549867.html // „… Die strategisch wichtige Position des Jemen wird mit seiner Lage am Bab al-Mandab begründet, der als enge Meeresstraße das Rote Meer mit dem Golf von Aden verbindet, durch den ein bedeutender Teil der weltweiten Erdöl-Verschiffung verläuft. Ägypten und Saudi-Arabien befürchteten, die Machtübernahme der Huthis werde den freien Durchgang der Meeresstraße gefährden.[61] Die Mineralölindustrie beobachtete den Konflikt mit Sorge, da über die Schifffahrtswege durch die an dem Jemen vorbeiführende enge Meerenge täglich rund 4 Millionen Barrel Erdöl zu den internationalen Märkten verschifft wurden.[190] … Die Militärkoalition der Saudis und der Anti-Huthi-Feldzug der Golfstaaten wurde durch die USA sowie durch die europäischen Führungen unterstützt.[66][140] Obwohl diese Medienangaben zufolge nicht zufrieden mit der Strategie der Militärkoalition waren, stützten sie sie diplomatisch ab.[66] Die USA galten zwar als nicht in den Entscheidungsprozess zur Militärintervention involviert, leisteten aber logistische und diplomatische Hilfestellungen für das saudische Herrscherhaus.[206] Der Westen ist in den Konflikt auf beiden Seiten involviert.[60] … Medienangaben zufolge stand Saudi-Arabien im Jahr 2014 auf Platz sechs der wichtigsten Empfängerländer der deutschen Rüstungsindustrie.[424] …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Milit%C3%A4rintervention_im_Jemen_seit_2015 (Version vom 15. März 2022 um 20:48)
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(taz, 26.8.2006): “ … „Der Kampf auf dem Gefechtsfeld wird vom Kampf um die Sichtbarkeitsverhältnisse im Krieg überlagert“, so Münkler. […] Die Parole vom „Bilderkrieg“ (Gerhard Paul) führt [jedoch] in die Irre. Natürlich ist jeder Krieg – heute stärker als früher – immer auch ein Propagandakrieg um Bilder und mit Bildern von beiden Seiten. … Die Behauptung, „der postmoderne Krieg“ sei im Unterschied zum herkömmlichen „vor allem ein Anschlag auf die Wahrnehmung“, wie Gerhard Paul schrieb, oder „der Kampf mit Waffen“ werde durch „den Kampf mit Bildern konterkariert“, wie Herfried Münkler behauptet, entspringt der bornierten Perspektive von Fernsehzuschauern und Freizeit-Clausewitzen. Zivilen und militärischen Kriegsbeteiligten auf beiden Seiten, aber auch Beobachtern ohne verklebte Brillen ist der Unterschied zwischen dem, was Bilder und was Waffen bewirken, so klar wie der Unterschied zwischen Leben und Tod. Gegenüber dem Geschwätz vom „virtuellen Krieg“ (Paul Virilio, Jean Baudrillard) muss man an Max Horkheimer erinnern: „Die Erschlagenen sind wirklich erschlagen.“ …“ | Aus: „Die Barbarei des Luftkriegs – Die Rede vom „asymmetrischen Krieg“ dient der Propaganda und der Selbstberuhigung. Sie soll über das eigentliche Dilemma im „Krieg gegen den Terror“ hinwegtäuschen“ | taz vom 26.8.2006, S. 11, 241 Z. (Kommentar) RUDOLF WALTHER | Quelle: http://www.taz.de/pt/2006/08/26/a0180.1/text // –> “ … Laut einer Untersuchung der IPPNW belaufen sich die Opferzahlen von 2001 bis 2014 des „War on Terror“ in Irak, Afghanistan und Pakistan – bei konservativer Auslegung der Quellenlage – auf weit über 1 Million Tote.[3] … “ https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_gegen_den_Terror (Version vom 11. März 2022 um 03:11)
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8.3.2022 – 17:58 Uhr: “ … [ … Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine gehen bislang gefestigte Gewissheiten verloren. Auch bei unserem Kolumnisten. … [André Mielke [(*1963) ist Baufacharbeiter, Militärfilmvorführer und Diplomjournalist. Er war Redakteur bei Berliner Zeitung, Eulenspiegel, Berliner Morgenpost und Die Welt. Seit 2002 freischaffende Schreibkraft, u. a. mit Glossen und Kolumnen….)]]]: Wie viele seiner Landsleute hielt ich ihm [Putin] zugute, dass er Russland aus dem Chaos der 1990er und der Wodkafahne von Boris Jelzin geführt hatte. Als er am Anfang jenes Jahrzehnts zurück in die Heimat gekommen war, hatte der vormalige KGB-Offizier sich als Taxifahrer verdingen müssen. … Neulich wurde ein Medienbericht von 1993 ausgegraben, über ein Treffen mit Emissären deutscher Unternehmen: Putin, inzwischen Vizebürgermeister von St. Petersburg, plädierte dafür, Russland durch eine Militärdiktatur zu stabilisieren, Modell Pinochet. Seine Gäste, steht da, hätten freundlich applaudiert. Das sagt etwas über die damalige Anarchie, über Wirtschaftsprioritäten und Putins unzweideutiges Verhältnis zur Gewalt. Nein, so sehr hat er sich nicht verändert. Trotzdem streifte mich eben noch ein Hauch von Putinverständnis – für sein wohl galliges Grinsen, als Russlands „unprovozierte und ungerechtfertigte Invasion“ von George W. Bush verurteilt wurde. George W. Bush! Das gibt’s in keinem Russenfilm. Doch es stimmt: Der ehemalige und gleichsam ewige Sowjetbürger Wladimir Putin führt einen imperialistischen, revisionistischen und chauvinistischen Eroberungskrieg. Ich ging, wie Platzeck, in der DDR zur Schule und muss diese Tatsache sacken lassen. Andere kostet sie das Leben, mir zieht sie Gewissheit aus den Knochen. …“ | https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/sympathisch-war-putin-auch-mir-nie-aber-es-gab-respekt-li.215770
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Frank Jansen / Anton Brushkivskyy (17.03.2022): “ … Der Abschuss anfliegender russischer Raketen ist sehr sehr laut, die Fenster zittern. Einmal bin ich rausgegangen und habe ein Geräusch wie bei einem Flugzeug gehört. Ich habe den Kopf gehoben und sah am Himmel eine Rakete. … Das Schrecklichste ist, wenn man Explosionen hört und mein Neffe zu den Kindern sagt: Hört mal, es fliegt wieder etwas am Himmel. Die Kinder sagen dann, dass es nicht Neues ist und sich daran gewöhnt haben. …“ | Aus: „„Man möchte seine Freunde wiedersehen und einen Himmel ohne Raketen.““ | https://www.tagesspiegel.de/politik/tagebuch-aus-kiew-donnerstag-17-maerz-man-moechte-seine-freunde-wiedersehen-und-einen-himmel-ohne-raketen-/28111122.html
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Nachtrag #1 | Eva Marburg (27.03.2022): “ … Die Flut der Bilder, die uns vom Krieg in der Ukraine erreicht und auf die wir mit Schrecken, Angst, Mitleid, Empörung, aber eben auch mit Sensationslust reagieren, macht uns dabei unweigerlich und „ob wir wollen oder nicht, zu Voyeuren“. So jedenfalls schreibt es Sontag. Der Krieg in der Ukraine hat auf verstörende Art und Weise die antike Denkmetapher des theatrum mundi – die Welt ist uns zu einer Bühne geworden – wiederbelebt. Wahrnehmungsweisen dieser Art treten uns zum Beispiel in der medialen Heroisierung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj entgegen. … Bilder helfen uns nicht, etwas zu begreifen, schreibt Susan Sontag, „nur Erzählungen können uns etwas verständlich machen“. …“ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/theater-im-krieg-wir-begreifen-nicht-also-schauen-wir-zu
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Nachtrag #2 („Narrative“):

“ … Narrative sind wirksam, wenn sie von einer Mehrheit der zu erreichenden Personen unabhängig vom Wahrheitsgehalt geteilt werden und dadurch an Deutungshoheit gewinnen. Wirksamkeit darf hierbei nicht mit Akkuratheit gleichgesetzt werden. Speziell zugrunde liegende Logiken, die hinter Narrativen stehen, können in extrem beschleunigten Entwicklungsprozessen, wie sie in den Tagen seit Beginn der Angriffe auf die Ukraine stattfinden, leicht übersehen werden. Insbesondere, wenn sie zu einer vorherrschenden Erklärung werden und alternativlos scheinen. … Beispielsweise fühlten sich Menschen in Griechenland und auf dem Balkan durch die Verwendung des Narratives, der Angriffskrieg habe den seit 75 Jahre währenden Frieden in Europa beendet, in ihren Kriegserfahrungen ausgeklammert. Auf dem Balkan wurde das Narrativ vom ersten (Angriffs-)Krieg in Europa seit dem zweiten Weltkrieg mit Wut, Unglauben und Schmerz aufgefasst, da durch das Ausklammern beispielsweise des Kroatienkriegs (1991-1995), des Bosnienkriegs (1992-1995) oder des Kosovokriegs (1998-1999) diese als Zeiten des Friedens in Europa interpretiert wurden oder gänzlich in Vergessenheit geraten schienen. …“ | Aus: „Friedenslogische Reflexion in Deutschland verwendeter Narrative über den Krieg in der Ukraine “ Cora Bieß und Dr. Marcel Vondermaßen (10.03.2022) | https://uni-tuebingen.de/einrichtungen/zentrale-einrichtungen/internationales-zentrum-fuer-ethik-in-den-wissenschaften/publikationen/blog-bedenkzeiten/friedenslogische-reflexion-in-deutschland-verwendeter-narrative-ueber-den-krieg-in-der-ukraine/
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Kommentare zu: „Clash der Narrative: Weniger Geschichten wagen“ — Kollektive Erzählungen Der Krieg in der Ukraine ist nicht der erste Konflikt, in dem mit „historischen Narrativen“ um sich geschlagen wird —> Michael Angele | Ausgabe 12/2022 | https://www.freitag.de/autoren/michael-angele/ukraine-krieg-weniger-geschichte-wagen
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30sec (28.03.2022): “ … Ist die Verwendung des Begriffs „Narrativ“ eventuell eine Erzählung von Narren für Narren? …“
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Spieglein an der Wand (28.03.2022): “ … »„Historische Narrative“ können verblassen oder ganz verschwinden, aber ich habe noch nie, wirklich noch nie erlebt, dass jemand, der ein bestimmtes Narrativ vertritt, seine Sicht wegen eines anderen Narrativs revidiert hätte. Historische Narrative lösen Konflikte nicht, sondern befeuern sie. « — Das betrifft m.E. nicht nur „historische“ Narrative, sondern jegeliche Narrative, also jegliche Weise von Welterklärung. Letztlich heißt, ein Narrativ zu vertreten, nichts anderes, als eine bestimmte Perspektive anzulegen und – in Abhängigkeit von der eigenen Überzeugungsstärke – als unhinterfragbar aufzufassen und darzustellen. Macht die Welterklärung durch Komplexitätsreduktion einfach, ist daher eher etwas für vertrauensselige Gemüter. … Ein Narrative gilt immer nur in Referenz zu einer peer group, die dieses Narraiv hochhält. …“
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Christian Brecht (28.03.2022): “ … Zitat: „Was die jüngere Geschichte betrifft, ist die Amnesie hierzulande doch allgegenwärtig“ — Je nachdem, was man als „jüngere“ Geschichte bezeichnet: Auch in Deutschland konnten sich nach 1945 Millionen deutscher Bürger nicht mehr daran erinnern, 1933 ihren eigenen Diktator gewählt und bejubelt zu haben. Nach 1945 wurden Menschen wie der Widerstandskämpfer Georg Elser jahrzehntelang noch bis Anfang der 1990er Jahre in Deutschland totgeschwiegen, weil er als einfacher Handwerker und Einzeltäter im Gegensatz zu den „gebildeten“ und organisierten Widerstandskämpfern nicht in das Nachkriegs-Narrativ des Mainstreams passte: Ich war schon immer gegen Hitler, aber als kleiner Mann konnte man doch nichts dagegen machen. …“

Nachtrag #3: Uwe Kalkowski (13. März 2022): “ … Die Ausgabe von »Im Westen nichts Neues«, die mir seinerzeit in die Hände fiel, stammt aus dem Jahr 1929; meine Großeltern müssen sie während der zwölf Jahre, in denen das Buch verboten war, irgendwo versteckt haben. Sie waren zwar überzeugte Parteigenossen und da hätte sich dieses Buch schlecht im Regal gemacht. Aber weggeschmissen haben sie es nicht – sie haben nie etwas weggeworfen. Und irgendwann war es in dem Buchregal meiner Eltern gelandet. Dann in meinem. Da ist es immer noch und jetzt, während ich dies schreibe, liegt es neben mir, ich schaue, welche Stellen ich damals mit Bleistift markierte und rufe mir die Jahre zurück ins Gedächtnis, in denen ich es gelesen habe. …“ | https://kaffeehaussitzer.de/erich-maria-remarque-im-westen-nichts-neues/ | “ … Merkmale der Neuen Sachlichkeit sind: ein sachliches, realitätsbezogenes Schreiben; ein nüchternes und emotionsloses Erzählen; der Verzicht auf Pathos bis zur Befreiung von allem Pathos; der Verzicht auf Dekoratives und Ornamentales; Präzision; Montage; faktenorientierte Darstellung, Konzentration auf „Tatbestände“; die Akzeptanz der Macht der Dinge, Sachen und Situationen; das Postulat der wahrheitsgemäßen Darstellung; die Objektivität durch Beobachtung; die Abkehr vom Psychologisieren, von Gefühlen der Melancholie, Trauer usw.; die Ablehnung von „falschem“ Poetisieren; die Sache ganz aus sich heraus zu verstehen und bis zur letzten Konsequenz darstellen zu wollen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Im_Westen_nichts_Neues

[Kriegsschauplätze #38… ]

via https://www.rockabilly-rules.com/blog/elvis-presley-und-richard-nixon-die-wahre-geschichte/
… Einig zeigte sich Elvis mit dem mächtigsten Mann der Welt darin, dass auch der Drogenkonsum etwas zutiefst unamerikanisches sei. Deshalb habe er sich nicht nur mit kommunistischer Gehirnwäsche, sondern auch mit der Drogenkultur eingängig befasst. Zumindest der zweite Punkt entsprach wohl der Wahrheit …

“ … Ausschliesslich durch den albanischen Hades führt [ ] Ismail Kadares letzter Roman «Die Verbannte». Darin reflektiert der Autor nach dem Ende des kommunistischen Spuks nebenbei auch seine eigene zwiespältige Position als «Orpheus am Machtpol» (Theweleit), als gefeierter und beargwöhnter Paradeautor des Regimes. Hauptsächlich geht es aber um die perversen Mechanismen der Bespitzelung und um die Praxis der massenhaften Verbannung von vermeintlichen politischen Gegnern. Diese wurden zum Teil zusammen mit ihren Familien in Straflager oder in entlegene Ortschaften deportiert, wo sie oft lebenslang dahinvegetierten. …“ | Aus: „Der sowjetische und der albanische Hades – zwei Romane des Altmeisters Ismail Kadare“ Franz Haas (15.05.2018) | Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/der-sowjetische-und-der-albanische-hades-zwei-romane-des-altmeisters-ismail-kadare-ld.1347539
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“ … An jenem 27. Februar schrieb Benn seinem Freund Egmont Seyerlen, einem ehemaligen Schriftsteller, der sich seinerseits soeben verwandelte, in einen Nazi-Kollaborateur nämlich, der sich anschickte, den neuen Machthabern als Spezialist für die Enteignung von Gewerkschaftsvermögen an die Hand zu gehen. „Die Revolution ist da, und die Geschichte spricht. Wer das nicht sieht, ist schwachsinnig“, rechtfertigte Benn seine Metamorphose. „Dies ist die neue Epoche des geschichtlichen Seins, über ihren Wert oder Unwert zu reden, ist läppisch, sie ist da.“ … Ein „unheimliches Dokument“ nennt Theweleit diesen Brief, der „zeigt, wie Benn zum Terroristen wird“. Keine Gegenwehr mehr, keine Distanzierung, statt dessen – „beinah zufrieden“ – die totale Kapitulation vor dem totalen Staat. Bis dahin waren für den Expressionisten Benn Geist und Macht, Kunst und Macht „die allergegensätzlichsten Pole“. Jetzt fallen sie in eins, werden identisch. … 1970 sprach King Elvis bei Präsident Nixon im Weißen Haus vor, um sich einen Spezialausweis als Drogenfahnder vom „Federal Bureau of Narcotics and Dangerous Drugs“ zu verschaffen. Was auch gelang: Nixon lancierte eben, als Ablenkung vom Vietnamkrieg, eine Anti-Drogen-Kampagne, da kam ihm der Mega-Rocker Elvis als Kampagnereiter zupaß. Was Tricky Dick nicht wußte: Narziß Presley war selber ein schwerer Narcotic und wünschte sich das magische Emblem eines „Federal Narc“ einzig, weil ihm die Plakette das Recht verlieh, jede verbotene oder verschreibungspflichtige Droge bei sich zu führen. …“ | Aus: „Wie einer zum Nazi wird“ Sigrid Löffler (05.12.1994) | Quelle: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9293848.html

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“ … [… Benito Mussolini declared in speeches across fascist Italy: „O con noi o contro di noi“—You’re either with us or against us. …] … An [other] example is the statement of the former US President George W. Bush, who said after 9/11 … „Every nation, in every region, now has a decision to make. Either you are with us, or you are with the terrorists.“ … In the film X-Men: First Class, Dr. Klaus Schmidt / Sebastian Shaw tells the X-Men, „If you are not with us, then by definition, you are against us.“ …“ | https://en.wikipedia.org/wiki/You_are_either_with_us,_or_against_us (11 March 2022) // Categories:
Dichotomies, Dilemmas, Political catchphrases, Propaganda …
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“ … Russische Künstler, die sich nicht deutlich von Putin distanzieren, sind im Westen nicht mehr gern gesehen. In Russland müssen sich Künstler zu Putin bekennen, wenn sie ihre Posten behalten wollen …“ | Roland Bathon: „Unpolitische russische Künstler werden nicht mehr geduldet“ (09.03.2022) | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/russische-kuenstler-sanktionen-und-kultureller-kahlschlag
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Christian Brecht | Community, 10.03.2022: “ … Auf der einen Seite wird die globale Welt immer komplexer. Auf der anderen Seite wird diese komplexe Welt durch den Homo sapiens wie bei den Maßnahmen gegen das Corona-Virus in geradezu banaler Weise auf zwei Lager reduziert: Wer nicht für uns ist, der ist gegen uns. Das gilt für den russischen Präsidenten Putin und seine Anhänger, das gilt aber auch für den angeblich „liberalen“ und „demokratischen“ Westen und seine Fans. Opportunisten und Heuchler gibt es auf jeder Seite. … Aber solange im westlichen TV noch Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel – by Heidi Klum“ ausgestrahlt werden und die Pakete von Amazon rechtzeitig geliefert werden, ist für die meisten Bürger im Wertewesten doch alles in Ordnung oder etwa nicht? …“


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