Kategorie: Global.Politix:Micro

Global.Politix:Micro

[Kiel (MFG-5-Gelände) #100… ]

“ … Am 28. März 2013 verabschiedeten sich die Marineflieger mit der Übergabe des Schlüssels und der Bundesdienstflagge endgültig vom Standort Kiel-Holtenau. Seitdem plant die Stadt Kiel auf dem etwa 92 Hektar großen Sanierungsgebiet einen neuen Stadtteil. Seit dem 15. Dezember 2020 befindet sich das Gelände im Eigentum der Stadt Kiel. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Marinefliegergeschwader_5 (16. Dezember 2025)
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“ … auf der früheren Zufahrtsstraße rollen Fahrräder, drehen Kinder auf Rollern und Jogger:innen ihre Runden. … Überraschend verlangt die Bundeswehr das Grundstück zurück. Es gibt Protest – und Verhandlungen mit offenem Ausgang. „Holtenau Ost“, wie der neue Stadtteil heißen soll, liegt nördlich des Nord-Ostsee-Kanals an der Kieler Förde. Über den ehemaligen Kasernengebäuden kreisen Möwen. Etwas entfernt hat sich die Bauwagen-Kolonie ,,Schlagloch“ angesiedelt. Doch geht es nach der Stadt, sollen auf dem 73 Hektar große Gelände rund 2250 Wohnungen entstehen. 13 Hektar sind für Wirtschaft und Gewerbe vorgesehen, weitere 20 Hektar für Wald. In dem „Zukunftsquartier“ sollen Kitas, Sport und Freizeiteinrichtungen ihren Platz finden, so beschreibt eine Homepage die „Vision“ eines ,,wertvollen Standorts für gemeinschaftliches Handeln, Vielfalt und Austausch von Ideen“. Doch nun hat die Marine das Gebiet wieder in den Blick genommen. …“ | Aus: „Bundeswehr will Fliegerhorst zurückerobern“ Aus Kiel Esther Geißlinger (28.7.2025) | Quelle: https://taz.de/Kasernen-statt-Wohnungen/!6103744/
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Geplante Flächennutzung Holtenau Ost | Bildquelle: https://www.kiel.de/de/kiel_zukunft/kiel_plant_baut/standortdialog.php (Stand: 16.04.2026)

„… Zwei Flächen im Stadtgebiet sollen künftig wieder von der Marine genutzt werden – unter anderem das MFG-5-Gelände in Holtenau. … “ | „MFG-5-Deal sieht Rückkehr der Marine an alten Standort in Kiel vor“ Moritz Kodlin (15.04.2026) | Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/kiel_neumuenster_ploen_rendsburg-eckernfoerde/mfg-5-deal-sieht-rueckkehr-der-marine-an-alten-standort-in-kiel-vor,mfg5-100.html

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(Eine Interview-Dokumentation, Kiel 2024: Super8, 16mm, 15Min.): Zu Besuch bei der Wagengruppe Schlagloch. Die Filmgruppe Laterna 24143 begleitet den Umzug vom Meimersdorfer Moor auf das MFG5 Gelände.

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„MFG5-Gelände: Fahrplan für die weiteren Verhandlungen“ UrsulaS (16. April 2026) | … Am gestrigen Abend stellten Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Flotillenadmiral Christian Walter Meyer in der Halle 400 die vorläufigen Ergebnisse der Gespräche zwischen Stadt und Bund vor. Diese sind in einem Letter of Intent festgehalten, der wenige Stunden zuvor unterzeichnet wurde. … | Quelle: https://kielaktuell.com/2026/04/mfg5-gelaende-fahrplan-fuer-die-weiteren-verhandlungen/


“ … Die Reaktionen auf die jetzige Vorlage fallen gemischt aus. Während Knud Hansen, Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Kiel, von einem „Sechser im Lotto für Kiel und Schleswig-Holstein“ spricht, lehnen die Linken im Kieler Rathaus die Ergebnisse als „Kapitulation gegenüber der Bundeswehr“ klar ab und kündigen Widerstand an. Kritische Nachfragen, aber kaum lauten Protest gab es bei einer öffentlichen Versammlung am Mittwochabend. In der gut gefüllten Halle 400 saßen auch die direkt Betroffenen, darunter Mitglieder des Wagengruppe „Schlagloch“, die seit 2024 auf dem Gelände leben, und die „Schwentineflotte“ – Wohnboote, die zurzeit in einem Hafen liegen, den später die Marine nutzen will. „Ist ja schön, dass Sie so einen tollen Dialog geführt haben, aber die Kommunikation mit uns war grottenschlecht“, sagte einer der Bewohner. Weder für die Schwentineflotte noch für Schlagloch oder die rund 600 Geflüchteten, die zurzeit in den alten Kasernen wohnen, gibt es bisher neue Standorte, nur die Zusage, dass nach Lösungen gesucht werde. Andreas Meyer vom Bündnis für bezahlbaren Wohnraum ist unzufrieden mit der Lösung: „Holtenau-Ost war eine Perle – nur gibt es über die Stadt verkleckerte Flächen.“ In der Ostsee hätten die Nato-Staaten eine so deutliche Überlegenheit, dass die Bedrohung durch einen möglichen russischen Angriff unwahrscheinlich erscheine. Das sah ein anderer Kieler bei der Infoveranstaltung anders: „Durch Bundeswehr mitten in der Stadt fühle ich mich bedroht – die Bevölkerung wird als Schutzschild missbraucht.“ Den Vorwurf wies Admiral Christian Walter Meyer, Kommandeur der in Kiel stationierten Flottille, zurück und ergänzte: „So schlimm das ist: Heute nimmt keiner mehr Rücksicht auf zivile Ziele, im Gegenteil, sie werden direkt angegriffen.“ … “ | Aus: „Klecker-Grundstücke statt „Perle“ an der Förde“ Esther Geißlinger (16.4.2026) | Quelle: https://taz.de/Bundeswehr-macht-Gelaendegewinne/!6162247/

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“ … Für die Mitglieder der Schwentineflotte ist diese Entwicklung hart. Sie pachten ihren Anleger derzeit von der Stadt Kiel, der Vertrag läuft noch bis Ende 2033. Bald könnte die Bundeswehr als Vertragspartner einspringen – und die will keine zivile Nutzung des Plüschowbeckens, sagt Vera Fichtner, Vereinsvorsitzende der Schwentineflotte. „Wenn wir hier weg müssen, müssen wir vorausschauend mit allen Akteuren sprechen. Denn dieser Verein braucht einen Hafen.”
Doch wohin es gehen könnte, ist noch offen. Bisher hofften sie, bleiben zu können. Es wäre auch nicht das erste Mal in militärischer Nachbarschaft. Früher befand sich an der Nordseite der Bucht der British Yacht-Club, gegenüber das MFG-5-Gelände. Zwar durften sie dort nicht anlegen, erzählt Fichtner, aber es habe ein freies Toleranzwegerecht gegeben. “Eine Koexistenz, die gut funktioniert hat.” Bitter ist zudem: Nach eigenen Angaben investierte der Verein zuletzt massiv in die Steganlage. Rund 280.000 Euro steckten die Mitglieder in neue Pfähle. “Wir sind gerade an einem Punkt angekommen, dass Ruhe eingekehrt ist”, sagt Enno Doobe. Er ist seit über 20 Jahren dabei und hat die bewegte Geschichte der Schwentineflotte miterlebt. … Dass sie nun gehen sollen, sei Wahnsinn. “Hier leben mehr als 25 Leute. Ein Wohnort wie überall, Anlaufpunkt für die weltweite Seefahrt. Und jetzt sagt die Bundeswehr, hier wird alles weggewischt. … “ | Aus: „Kiel: Marine will Plüschowhafen übernehmen – Segler müssen weichen“ Fabian Boerger, Ursula Meer (16.04.2026) | Quelle: https://www.yacht.de/special/menschen/kiel-marine-will-plueschowhafen-uebernehmen-segler-muessen-weichen/

[Das Reale, Symbolische & Imaginäre #105]


“ … Für viele Zuschauer war Herbie [ ] ein Symbol der Freiheit. Der kleine Käfer konnte sich aus jeder Situation befreien, brach die Regeln, wenn es sein musste, und setzte sich für seine Freunde ein. Diese Eigenschaften machten ihn zu einem der liebenswertesten Filmhelden der 1960er und 1970er Jahre. …“ | Aus: „Der unverwüstliche VW-Käfer aus „Ein toller Käfer““ (20.03.2026) | Quelle: https://www.film-autos.com/blog/20260320-herbie-der-unverwuestliche-vw-kaefer-aus-ein-toller-kaefer/

Moviegod (2016): “ … Ein Film nach der damals typischen Disney-Erfolgsformel. Kurzweilig und ganz amüsant. …“ | Quelle: https://www.moviepilot.de/movies/ein-toller-kaefer/kritik

Herbie, der Käfer mit der Nummer 53. Das anthropomorphe Auto. Der zweite Film im Kino, den meine Kinderaugen sehen. Mein Herz schlägt verzweifelt schnell, wenn „Herbie“ in einer düsteren Szene versucht, sich mit traurigem Fiebsen von der Golden Gate Bridge in den Tod zu stürzen. Die Kinderseele ist sonnenhell, wenn Jim, Carole und Teddy das große Rennen von El Dorado trotz aller Widrigkeiten doch noch gewinnen (1. und 3 Platz!). Das Licht geht wieder an. Wir Kinozuschauer erheben uns – und laufen zurück in das straßenblaue Licht der Alltagswelt.

In Kiel steht in den 70er Jahren an fast jeder Ecke ein VW Käfer. Ich wusste damals nichts von seiner Entstehungsgeschichte [“ … 1934 beauftragt Hitler die Porsches mit der Entwicklung eines billigen „Volkswagens“ für zwei Erwachsene und drei Kinder. Porsche und sein Sohn Ferry orientieren sich an einem Modell, das sie für die NSU-Werke konstruiert haben, und überzeugen Hitler von ihrem Konzept. … Am 8. Mai 1945 [wollten die] … Briten [ ] eine zivile Automobilproduktion ins Leben rufen und gründen die „Wolfsburg Motor Works“. Bereits im Dezember 1945 beginnt die Serienproduktion des VW Typ 1 (VW Käfer) nach den 1936er-Plänen von Ferdinand Porsche. … [Der Käfer wird zwischen 1938/1945 und 2003 mehr als 21,5 Millionen Mal verkauft] … [In den 1960er Jahren ist der Käfer (neben dem VW Bus) ein Kultobjekt der Hippies. …] … [… in Österreich ist alles ein bisschen anders als anderswo – und deswegen wird der Käfer in meiner Kindheit ein wenig respektlos als „Hitler-Buckel“ bezeichnet. … Im Jahr 1933 kommen in Deutschland die Nazis an die Macht. Ihr Führer Adolf Hitler ist von Autos fasziniert und kennt sich bei der Technik „überraschend gut“ aus, wie Ferry Porsche in seiner Autobiographie „Mein Leben“ anmerkt. Hitler, seit dem 1. Januar 1925 Mitglied des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs e.V., hat in seinen „Tischgesprächen“ in der Nacht vom 9./10. Januar 1942 erklärt: „Meine Liebe gehört dem Automobil. Das Auto hat mir die schönsten Stunden meines Lebens geschenkt.“ … “ | Aus: „Der VW Käfer, ein Mythos auf vier Rädern“ Georg Biron (25.05.2019) | Quelle: https://www.wienerzeitung.at/h/der-vw-kafer-ein-mythos-auf-vier-radern]

Ich wusste nichts über über die Vorgänge in Brasilien [„… Im VW-Werk bei São Paulo arbeitete der Werksschutz mit der Geheimpolizei zusammen. Linke Beschäftigte wurden bespitzelt, einige landeten in Folterkellern, mutmaßlich mit Wissen des VW-Vorstands in Brasilien. 2020 zahlte der Konzern den Betroffenen rund 5,5 Millionen Euro. Für manche kam das zu spät, sie waren bereits verstorben. …“ | Aus: „Urteil gegen VW do Brasil: Einfach nur beschämend“ Kommentar von Niklas Franzen (31.8.2025) | Quelle: https://taz.de/Urteil-gegen-VW-do-Brasil/!6107607/ | [GregTheCrack 31.08.2025, 19:43 Uhr: Was ist „beschämend“? Der Rechtsweg, die Gewalteinteilung? Ich verstehe nicht, warum Klimaschützer beim Europ. Meschengerichtshof EINSTEIGEN und hier der nä Rechtsweg Schritt hier von einem Regionalgericht „beschämend“ sein soll. Ist das nur das Thema? | Perkele 01.09.2025, 08:55 Uhr @GregTheCrack: Schon mal daran gedacht den Begriff „beschämend“ auf die moralische Kompetenz der Verantwortlichen bei dem Konzern zu lenken? …] | “ … Zur Zeit der Militärdiktatur 1964–1985 zwang Volkswagen do Brasil brasilianische Arbeiter zu sklavenähnlicher Arbeit. Darüber hinaus observierte es Mitarbeiter und Gewerkschafter – so auch den Gewerkschaftsführer und späteren Präsidenten Lula da Silva, der nicht für VW tätig war. Die erhobenen Daten wurden an die Militärdiktatur weitergegeben. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Volkswagen_do_Brasil#Menschenrechtsverletzungen] | Mitarbeiterin am Lehrstuhl Dezember 2017 um 06:17 Uhr: “ … „Die Korrespondenz mit dem Vorstand in Wolfsburg zeigt bis 1979 eine uneingeschränkte Billigung der Militärregierung“ …“ | nach-denklich 15. Dezember 2017 um 09:43 Uhr: Volkswagen wirbt ja gerne mit „die perfekte Symbiose aus Tradition und Moderne“. Angesichts [des] Dieselskandals und die o.g. Leichen im Keller muss dieser Spruch im größeren Zusammenhang verstanden werden. …“ | Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2017-12/brasilien-volkswagen-militaerdiktatur-studie#comments

Bundesarchiv, Bild 146-1979-025-30A: 240a/Zum 30. Januar 1943 … der deutsche Volkswagen, fährt., Atlantic, 19.1.43 /C. /Scha. E.M. | Der KdF-Wagen auf einer Reichsautobahn, Januar 1943 | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Volkswagen_AG

“ … 1998 versucht VW mit dem „New Beetle“, also dem neuen Käfer, an alte Zeiten anzuknüpfen. Der Wagen im Retro-Design ist größer und komfortabler als sein Vorbild und soll ebenfalls zum Kult-Mobil werden. Das gelingt allerdings nicht. … “ | Aus: „VW Käfer: Vom Alliierten-Auftrag zum meistgebauten Auto der Welt“ (09.03.2026) | Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/dezember-1945-der-vw-kaefer-geht-in-serienproduktion,vwkaefer-ndr-100.html |Der VW Käfer (VW Typ 1) >> https://de.wikipedia.org/wiki/VW_K%C3%A4fer

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Netzfund: In jenen Tagen. Geschichten eines Autos | Ernst Schnabel und Helmut Käutner, Verlag: Flensburg und Hamburg: Wolff, 1947Erste Ausgabe. 8vo. 259 S. Illustrierter Orig.-Karton Enthält das Drehbuch zum gleichnamigen Film, dem ersten deutschen Nachkriegsfilm der britischen Zone. Selten ( Von diesem Buch wurde nur eine begrenzte Auflage hergestellt“). BEIGABE: Orig.-Filmprogrammheft (1 gef. Blatt) von 1947 | Quelle: https://www.abebooks.de/erstausgabe/Tagen-Geschichten-Autos-Schnabel-Ernst-Helmut/30115224887/bd?srsltid=AfmBOorbcrm6YhFQhAYJP34ZgPcEWgh_SFKJ4PX5QcDPMw44RpOZJ2tt

Erst spät entdeckte ich Helmut Käutners Film „In jenen Tagen“ (1947). Der Film blickt auf die Deutsche Geschichte anhand von Episoden, in denen persönliche Schicksale erzählt werden. [“ … Das Lexikon des internationalen Films bezeichnet In jenen Tagen als „(film-)historisch wichtige[n] Film, der in knapp-präziser Charakterisierung und geschickter Aufbereitung der Zeitatmosphäre die Frage stellt, was es heißt, ‚Mensch‘ zu sein.“ …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/In_jenen_Tagen_(1947) (3. August 2024)]


Der Kunstgriff durch die Erzählweise: Das Auto spricht in „In jenen Tagen“ selber aus dem Off.

“ … „Als ich jung war,“ erzählt uns der Wagen dann mit der Stimme des Regisseurs Helmut Käutner, „glaubte ich, mein Leben würde 1000 Jahre dauern, würde köstlich sein. Aber es war nicht so köstlich, und es wurden nur zwölf Jahre daraus.“ …“ | Aus: „Filmkolumne Max Annas zu Helmut Käutner: „In jenen Tagen““ (Geschrieben am 15. Februar 2017) | Quelle: https://culturmag.de/crimemag/filmkolumne-max-annas-zu-helmut-kaeutner-in-jenen-tagen/98968

Traction Avant (deutsch „Frontantrieb“) ist die geläufige Bezeichnung für die ersten vorderradangetriebenen Citroën-Serienmodelle 7A, 7B, 7C, 11B (mit Reihenvierzylindermotoren) und 15/6 (mit Reihensechszylindermotor), die zwischen 1934 und 1957 gebaut wurden. [https://de.wikipedia.org/wiki/Citro%C3%ABn_Traction_Avant]


Le bon et les méchants (1976)

“ … „Der Gute und die Bösen“ ist eine französische Spionagekomödie von Claude Lelouch aus dem Jahr 1976. … [Es ist das] Jahr 1935: Die beiden Automechaniker Jacques und Simon sind kleine Gauner, denen Polizist Bruno schon seit Jahren vergeblich auf den Fersen ist. Sie stehlen einen modernen Citroën Traction Avant und begehen Banküberfälle, wobei sie durch den neuen Wagen schneller als die Polizei sind. … Frankreich wird teilweise von der deutschen Wehrmacht besetzt. Bruno kollaboriert mit den Nationalsozialisten, während Jacques, Lola und Simon fast große Probleme mit den Besatzern bekommen, da Simon Jude ist. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Gute_und_die_B%C3%B6sen

“ … Man kann gar nicht daran denken, vollständig aufzuzählen, in wie vielen Gangster- (und das heißt auch immer: Polizeifilmen) Autos eine zentrale Rolle spielen – von Arthur Penns Bonnie and Clyde (1967) mit seinem emblematischen Schlussbild des von Kugeln durchsiebten Fluchtautos des Gangsterpärchens über die bis heute unübertroffene Verfolgungsjagd durch die Straßen von Brooklyn in William Friedkins Meilenstein French Connection (1971) bis hin zu Jean-Pierre Melvilles Le Cercle rouge (Vier im roten Kreis, 1970). Im Mittelpunkt vieler Gangsterfilme, und nicht nur bei Melville, steht seit seiner Markteinführung sehr oft der Citroën DS … [Es] gibt [ ] eine ganze Welle von französischen Filmen, French Connection II (John Frankenheimer, 1975) die ohne die DS einen ganz wesentlichen Reiz verloren hätte: Es handelt sich um den „typischen“ Gangsterfilm der Sechziger und Siebziger Jahre, der fast immer eine französisch-italienische Koproduktion (oder umgekehrt) war – „Gebrauchsfilme“ ohne allzu große künstlerische Ambitionen, aber sehr gediegen in Erzählweise und Ausstattung und enorm unterhaltsam. Diese Filme, gedreht von heute vielfach unterschätzten Regisseuren wie Henri Verneuil, Georges Lautner, René Clement, Jacques Deray und anderen und bevölkert von Stars wie Jean Gabin, Jean-Paul Belmondo, Alain Delon und Lino Ventura, sind heute – trotz nachweislich großer Fangemeinde – fast völlig von der Bildfläche verschwunden und in vielen Fällen auch nicht auf DVD erhältlich. … Die eher avantgardistischen designerischen Qualitäten andererseits, die die déesse als kühne, einzigartige Erfindung von Anfang an kennzeichneten, zog aber auch städtische Intellektuelle (siehe Roland Barthes) unweigerlich an. … “ | Aus: „Dossier Gangsterfilm: Die Göttin der Unterwelt“ Andreas Ungerböck (06/2012, Magazin 09/2009) | Quelle: https://ray-magazin.at/dossier-gangsterfilm-die-goettin-der-unterwelt#:~:text=Der%20Citroen%20DS%20ist%20mehr%20als%20blo%C3%9F,Objekt%2C%20Die%20perfekte%20Verschmelzung%20von%20Design%20und

“ … Seit Roland Barthes 1957 in seinen „Mythen des Alltags“ den damals neuen Citroen zur Göttin erhob, als superlativisches Objekt betrachtete und als „Wendepunkt in der Mythologie des Automobils“ bezeichnet hat, ist so viel Zeit vergangen, dass dieses Auto zu etwas wie dem rollenden röhrenden Hirsch bestimmter Kreise geworden ist. … “ | Aus: „Göttin der Stromlinie: eine Hommage an die Citroen DS“ Alexander Porto (15.08.2003) | Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/gottin-der-stromlinie-eine-hommage-an-die-citroen-ds-1034035.html


Bild: Auf Liebe und Tod (Originaltitel: Vivement dimanche!) ist ein französischer Kriminalfilm von François Truffaut mit Fanny Ardant und Jean-Louis Trintignant aus dem Jahr 1983 | https://de.wikipedia.org/wiki/Auf_Liebe_und_Tod



Und da gibt es natürlich noch den Kriminalkommissar Columbo von der Mordkommission Los Angeles. In „Columbo“ Folgen [https://de.wikipedia.org/wiki/Columbo] fährt Peter Falk immer einen von der Zeit gezeichneten Peugeot 403 und der gesuchte Mörder fährt außergewöhnlich häufig einen Mercedes: [„Inspektor Columbo und sein Peugeot 403 sind untrennbar miteinander verbunden. Doch beinahe ebenso sicher fährt der Mörder einen Mercedes-Benz SL der Baureihe 107. … In „Playback“ (1975) steuert Oskar Werner einen ahorngelben 450 SL mit geschmacklich höchst fragwürdigen Drahtspeichenrädern. Eine Folge später sitzt George Hamilton in „Der Schlaf, der nie endet“ ebenfalls in einem 450er, allerdings in Dunkelblau 904 und mit den originalen Blech-Radkappen. In „Mord in eigener Regie“ (1978) bekommt Trish van Devere ihren astralsilbernen 450 SL mit rotem Leder sogar vom späteren Opfer geschenkt. … “ | Aus: „Vergessene Filmautos: Die Mercedes-Benz SL aus „Columbo““ Paul Krüger 29.11.2021 | Quelle: https://www.zwischengas.com/de/blog/2021/11/29/Vergessene-Filmautos-Mercedes-Benz-SL-aus-Columbo-wenn-der-Schein-truegt.html].

“ … Das Erfolgsrezept der Serie: Columbo wirkt etwas begriffsstutzig und wird leicht unterschätzt – am Ende aber überführt der Mann mit dem zerknitterten Gesicht, dem schäbigem Trenchcoat und dem mausgrauen Peugeot Cabrio auch die gerissensten Täter. Schon fast zur Tür hinaus, drehte er sich häufig nochmal um: «Ich hätte da noch eine Frage», «Eine Frage hätte ich noch», «Da wäre noch eine Kleinigkeit». … “ | Aus: „«Ich hätte da noch eine Frage…»: 50 Jahre «Columbo»“ (09.2021) | Quelle: https://www.krimi-couch.de/magazin/genre-news/ich-haette-da-noch-eine-frage-50-jahre-columbo/

Bild via („1:43 Umbau/Nachbau Inspektor Columbos Peugeot 403“) | Quelle: https://www.wettringer-modellbauforum.de/forum/index.php?page=Thread&threadID=48749 | “ … Der Peugeot 403 ist eine Pkw-Reihe, die im April 1955 in Paris erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde und für Peugeot den Schritt zum international erfolgreichen Großserienhersteller bedeutete. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Peugeot_403

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“ … Nach den Unruhen im US-Bundesstaat Virginia ist den Behörden zufolge die Zahl der Toten auf drei gestiegen. Am frühen Nachmittag war während einer Kundgebung von Anhängern des Ku-Klux-Klans und anderer rechtsextremer Gruppen in der Stadt Charlottesville ein Auto in eine Gruppe mit Gegendemonstranten gefahren. Dabei war eine 32-jährige Frau getötet worden. Ein 20-jähriger Mann aus dem US-Staat Ohio hatte laut Polizei am Steuer gesessen. Er wurde später festgenommen. …“ | Aus: „Auto fährt in Demonstranten“ (12. August 2017) | Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2017-08/usa-virginia-charlottesville-nationalisten-kundgebung-proteste-gewalt

yellow rose of texas 13. August 2017 um 08:04 Uhr: “ … „So hatte Charlottesville laut CNN im Februar beschlossen, eine Statue von General Robert E. Lee aus einem Park zu entfernen. Auch der Park selbst war demnach von Lee-Park in Emancipation-Park umbenannt worden. “ … So viel Selbsthass gegenüber der eigenen Geschichte. Lee wird für viele immer ein Held bleiben. …“
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tassentee 13. August 2017 um 02:42 Uhr: “ …Ich merke mir: Wenn das nächste mal ein Jihadist in eine Menschenmenge fährt, ist es angemessen, über die Vorzüge des Propheten Mohammed zu diskutieren – so wie hier nach einem vergleichbaren Anschlag vorrangig über die Heldentaten des Generals Lee diskutiert wird. Wieder was gelernt! …“
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offalla 13. August 2017 um 02:45 Uhr : “ … Bei den Blues Brothers fanden das alle lustig. …“
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r.schewietzek 13. August 2017 um 03:07 Uhr Antwort auf @offalla: “ … Kino ist nicht die Realität. … „

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“ … Jake Blues wird nach mehrjähriger Haft aus dem Staatsgefängnis von Joliet entlassen und von seinem Bruder Elwood in einem ausgemusterten 1974er Dodge Monaco der Mount Prospect Police, dem sogenannten Bluesmobil, abgeholt … Für die Dreharbeiten der Szene, in der das Auto der Nazis (Ford Pinto) vom Himmel fällt, musste eine Sondergenehmigung der Bundesluftfahrtbehörde eingeholt werden. … Die Figuren der Nationalsozialisten und ihre Persiflierung sind eine Anspielung auf ein damaliges Ereignis: 1977 klagte die Nationalsozialistische Partei Amerikas (NSPA, ein regionaler Ableger der American Nazi Party) ein, in Skokie, Illinois, demonstrieren zu dürfen, was ihr vom Supreme Court auch gestattet wurde. Diese Demonstration wird im Film persifliert. … [Der Film ist eine] „Ungewöhnliche Mischung aus Musik- und Actionfilm, die durch überdrehte Ausgelassenheit, eine unbändige Zerstörungswut, zündende Musiknummern und urige Hauptdarsteller gekennzeichnet ist. In Europa zum ‚Kultfilm‘ avanciert, blieb der Film in den USA eher ein mäßiger Erfolg.“ – Lexikon des internationalen Films … In der amtlichen Zeitung des Heiligen Stuhls, L’Osservatore Romano, wurde der Film 2010 als „katholischer Klassiker“ bezeichnet. … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Blues_Brothers | [Dodge Monaco … Die Produktion dieser Monaco- bzw. Royal-Monaco-Generation fiel in eine Zeit gravierender wirtschaftlicher Probleme des Chrysler-Konzerns. Die schweren, unökonomischen Autos gehörten zu den größten Pkw ihrer Zeit und werden in der Literatur rückwirkend als die „brontosaurusartig“ bezeichnet … | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Dodge_Monaco_(1974%E2%80%931976)].
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“ … Rund ein Jahr nach einem illegalen Autorennen in Ludwigsburg, das für zwei unbeteiligte Frauen im Alter von 22 und 23 Jahren tödlich endete, ist nun das Urteil gefallen. Im Fall des Unfallverursachers verhängte das Gericht eine lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mordes. Sein Bruder, der das andere am Rennen beteiligte Auto steuerte, erhielt eine Freiheitsstrafe von 13 Jahren. Beide hätten den Tod anderer Verkehrsteilnehmer billigend in Kauf genommen, befand das Gericht. Die Anwälte der verurteilten Täter haben angekündigt, Revision gegen die Urteile einzulegen. Statistisch betrachtet handelt es sich bei den Rasern überwiegend um junge Männer zwischen 18 und 25 Jahren. Viele von ihnen sind Deutsche, es finden sich aber auch überproportional viele junge Männer, die aus der Türkei und dem arabischen Raum stammen. Interessanterweise wird in den aktuellen Berichten über die Verurteilung über die Nationalität der Täter nichts ausgesagt, ich meine mich aber zu erinnern, dass letztes Jahr davon die Rede war, dass die beiden Haupttäter türkischstämmig sind. Die Nationalität spielt nur insofern eine Rolle, als im türkisch-arabischen Kulturkreis eine bestimmte Vorstellung von Männlichkeit endemisch ist und diese Männlichkeit sich ihrer selbst durch PS-starke Automobile versichert. Diese Autos dienen jungen Männern, die sich ihrer Männlichkeit nicht sicher sind, als Selbstwertprothesen. Sie sind das Viagra des schwächelnden männlichen Stolzes. …“ | Aus: „140 | Vom Juckreiz unterdrückter Gefühle“ Götz Eisenberg (13. April 2026) | Quelle: https://durchhalteprosa.de/2026/04/13/140-vom-juckreiz-unterdrueckter-gefuehle/

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“ … in der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) werden diese Mordrennen nicht erfasst. Dort werden nur „verkehrsfremde Eingriffe“ gezählt, erklärt eine Sprecherin des Bundeskriminalamtes (BKA). Gefährliche Eingriffe in den Straßenverkehr werden von der Polizeistatistik als kriminell erfasst. Fehlverhalten im Straßenverkehr aber ist für die Polizeistatistik nicht kriminell genug – und dazu gehört neben den illegalen Rennen zum Beispiel auch Trunkenheit am Steuer. Das sei 1994 von einer Kommission der Innenministerkonferenz beschlossen worden, schreibt die BKA-Sprecherin. Und die PKS-Kommission sehe auch keinen Anlass, das zu ändern. … Elf Bundesländer konnten der taz die Zahl der Anzeigen wegen illegaler Rennen aus den Jahren 2024 und 2025 nennen: Sie stiegt dort von 6.075 auf 6.800 – ein Zuwachs um rund 12 Prozent. Allein in Nordrhein-Westfalen kamen dabei 19 Menschen ums Leben – so viel wie nie zuvor. … “ | Aus: „Mörderisch, aber nicht kriminell genug für die Statistik“ Gereon Asmuth (14.4.2026) | Quelle: https://taz.de/Illegale-Autorennen-in-Deutschland/!6170576/

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“ … Der Tesla Cybertruck, einst ein Symbol für den Erfolg von Elektro-Pickups in den USA, erlebt einen dramatischen Rückgang der Verkaufszahlen. Im Jahr 2025 sanken die Verkäufe um fast 50 Prozent, was den Cybertruck zum größten Verlierer der Elektroauto-Branche macht. Experten fragen sich, ob dies das Ende des Hypes um das futuristische Fahrzeug bedeutet. … “ | Aus: „Tesla Cybertruck: Ein Symbol des Wandels in der Elektroauto-Branche“ (22. Januar 2026) | Quelle: https://www.it-boltwise.de/tesla-cybertruck-ein-symbol-des-wandels-in-der-elektroauto-branche.html

[Foucault weiß wozu (#5)… ]

„Research: Mass Surveillance – Uncovering Webloc“ (Date Published: April 9, 2026)
Authors: Wolfie Christl, Astrid Perry, Luis Fernando Garcia, Siena Anstis, and Ron Deibert
An Analysis of Penlink’s Ad-based Geolocation Surveillance Tech
–> https://citizenlab.ca/research/analysis-of-penlinks-ad-based-geolocation-surveillance-tech/
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Databroker Files – Recherchen zu Online-Werbung, Datenhandel und ADINT (2024-2026)
Zum unkontrollierten Datenhandel der Online-Werbeindustrie …
–> https://netzpolitik.org/databroker-files/ | https://de.wikipedia.org/wiki/Netzpolitik.org
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„Wie Smartphone-User mittels Werbung ausspioniert werden und Behörden das zur Überwachung nutzen“ Andreas Proschofsky (9. April 2026) | Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000315997/wie-smartphone-user-mittels-werbung-ausspioniert-werden-und-behoerden-das-zur-ueberwachung-nutzen

The Ministry of Silly Talks (9. April 2026): Passend dazu blockiert der Standard meinen Zugang, mit der Unterstellung, ich würde einen Adblocker benutzen. …
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„“Politik der Einschüchterung“: ICE arbeitet an Datenbank von Protestierenden“ (28. Jänner 2026) | Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000305959/politik-der-einschuechterung-ice-arbeitet-an-datenbank-von-protestierenden

Peter G: “ … „… allerdings seien Palantirs Kunden bei ICE „weiterhin bemüht, unrechtmäßige oder unnötige Maßnahmen gegen US-Staatsbürger zu vermeiden.“ Na, wenn das so ist. …“

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“ … Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses ist ein Buch des französischen Philosophen Michel Foucault. Das 1975 unter dem Titel Surveiller et punir veröffentlichte Werk wurde 1976 auf Deutsch publiziert. … Das Buch selbst beschäftigt sich vornehmlich mit der Entwicklung der modernen Strafsysteme im Europa des frühen 18. Jahrhunderts, vornehmlich in Frankreich und England. Letztlich geht es, dank Foucaults subjektkritischer Perspektive, um die Konstituierung des Subjekts Gefangener mittels Macht- und Wahrheitsregimen. … [Regierende] „träumten vom Pestzustand, um die perfekten Disziplinen funktionieren zu lassen“ … Das vollendetere Modell dieser Regierungsform war für Foucault allerdings nicht in der Peststadt, sondern das Panopticon. … [Dabei] handelt [es sich] um den Vorschlag eines perfekten Gefängnisses: In dessen Mitte steht ein Turm, aus dem heraus Wächter die rundherum angeordneten, offenen Gefängniszellen einsehen können. Damit werden die Gefangenen unter die permanente potenzielle Kontrolle eines allumfassenden Blickes gestellt. Jederzeit könnten sie beobachtet und für als falsch gewertete Handlungen bestraft werden. Das führt bei ihnen zu einer neuen Konzeption von Verhalten, die gerade diesen potenziellen Blick der Überwacher einbezieht. … Das Panopticon erscheint als eine Beschreibung der modernen Disziplinargesellschaft, als Sinnbild der heutigen Gesellschaft. … Der französische Soziologe Raymond Boudon hat Überwachen und Strafen als „nicht mehr wissenschaftlich“ bezeichnet; Foucaults Argumentation sei soziologisch „nicht statthaft“. … “ | Aus: „Überwachen und Strafen“ (11. Februar 2026) | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cberwachen_und_Strafen

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Panopticon-Skizze von Jeremy Bentham (1791)


Das Panopticon (von altgriechisch pân, ‚alles‘, und optikós, ‚zum Sehen gehörend‘), latinisiert auch Panoptikum, ist ein von dem britischen Philosophen und Begründer des klassischen Utilitarismus Jeremy Bentham stammendes Konzept zum Bau von Gefängnissen und ähnlichen Anstalten, aber auch von Fabriken, das die gleichzeitige Überwachung vieler Menschen durch einen einzelnen Überwacher ermöglicht. … Der französische Philosoph des späten 20. Jahrhunderts Michel Foucault bezeichnete das Ordnungsprinzip des Panopticons als Modell moderner Überwachungsgesellschaften und als wesentlich für westlich-liberale Gesellschaften, die er auch Disziplinargesellschaften nennt. … | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Panopticon

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Panoptismus (vom griech. panoptes „das alles Sehende“) ist ein vom französischen Philosophen Michel Foucault eingeführter Begriff, der die zunehmenden Überwachungs- und Kontrollmechanismen und daraus resultierende soziale Konformität des Individuums in der Entwicklung der westlichen Gesellschaft seit dem 18. Jahrhundert beschreibt. | https://de.wikipedia.org/wiki/Panoptismus

[Alexander Kluge (1932 – 2026)… ]

Man hat ihn einen Ein-Mann-Nachrichtendienst genannt: Alexander Kluge in einer Aufnahme aus dem Jahr 1982 | via
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“ … „Das Herz hat einen Verstand, den der Verstand selbst nicht versteht, sagt Pascal.“ Eben deshalb konzentriert sich Kluges Nachdenken und Erzählen nicht auf die große Geschichte. Genauso wichtig, vielleicht wichtiger ist die Sphäre des Alltags, des scheinbar nur Privaten, des Kuriosen und des Übersehenen. …“ | Aus: „Der Chronist der Gefühle“ Rolf-Bernhard Essig (Frühere Ausgaben Nr. 2, Februar 2007) | Quelle: https://literaturkritik.de/id/10458
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“ … „Denn die Wünsche und das Mögliche gehören zur Realität. Und der Antirealismus des Gefühls: Dass ich mich weigere, eine Realität, die nicht auf mich eingeht, zu akzeptieren, sondern sage, ich setze meine eigene Realität dagegen, dieser Eigensinn ist etwas, was für Menschen zum Realismus gehört. Realismus ist nicht Abbildung von Tatsachen.“ …“ (Alexander Kluge im Interview mit der Süddeutschen Zeitung vom 14./15. Januar 2012) …| Aus: „140 | Vom Juckreiz unterdrückter Gefühle“ Götz Eisenberg (13. April 2026) | Quelle: https://durchhalteprosa.de/2026/04/13/140-vom-juckreiz-unterdrueckter-gefuehle/
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„… Subversiv ist Kluge [auch] in seinem Begriff von Öffentlichkeit, einer der kostbaren und unverzichtbaren Ressourcen eines Gemeinwesens. Interessanter, als die Auslieferung der Bild-Zeitung zu verhindern, ist es, eigene Zeitungen zu gründen, Filme zu drehen und Bücher zu schreiben: Gegen schlechte Filme, Zeitungen, Fernsehsendungen helfen nur gute Filme und Zeitungen. Das ist Kluges Projekt der Gegenöffentlichkeit. … Zu Kluges Begriff der Öffentlichkeit gehört, dass ihre Teilnehmer und Nutzer erwachsene Menschen sind, nicht Reiz-Reflex-Kunden einer Bewusstseinsindustrie, deren Daseinszweck die Monetarisierung von Aufmerksamkeit ist, etwa als Einfallstor für Werbung. Dass Kluge in der Frühzeit des Privatfernsehens dieses Geschäftsmodell eine „subtile Form des Menschenhandels“ genannt hat, trifft erst recht für die heutige Aufmerksamkeits-Verwertungs-Industrie der Internetkonzerne zu, neben deren Raffinesse das Trash-Fernsehen der Privatsender rührend altmodisch wirkt. … Kluges Fernsehen sei „Zirkus mit 12-Ton-Musik“ stöhnte der damalige RTL-Chef Thoma seinerzeit. Das ist nicht die schlechteste Charakterisierung des Werks dieses erstaunlichen Künstlers. …“ | Aus: „Der Landvermesser“ Peter Laudenbach (14.2.2022) | Quelle: https://taz.de/Alexander-Kluge-wird-90/!5831147/
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„… Alexander Ernst Kluge (* 14. Februar 1932 in Halberstadt; † 25. März 2026 in München) …“ https://de.wikipedia.org/wiki/Alexander_Kluge // “ … Deutschland im Herbst ist ein Episodenfilm, der sich mit der bundesdeutschen Gesellschaft zur Zeit des RAF-Terrorismus unmittelbar nach dem „Deutschen Herbst“ 1977 auseinandersetzt – wobei diese Zeit erst nachträglich gemäß dem Filmtitel benannt wurde. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland_im_Herbst

[Bilder und Angewandtes Misstrauen #1 … ]

Wann sind wir bereit das, was uns als Realität vermittelt wird, herauszufordern?
– fini (02.03.2026)


How do portraits help us honor the dead? A painted portrait can display our dearly departed in a most flattering way, but is this the most accurate? A still image of a loved one captures only a small fraction of their life. At best, it allows us to remember them in a positive light, but at worst, it permits us to project distorted memories onto them. // [“ … Wie helfen uns Porträts, die Toten zu ehren? Ein gemaltes Porträt kann unsere geliebten Verstorbenen auf äußerst schmeichelhafte Weise darstellen, aber ist dies auch die treffendste Darstellung? Ein Standbild eines geliebten Menschen fängt nur einen Bruchteil seines Lebens ein. Im besten Fall erlaubt es uns, ihn in positiver Erinnerung zu behalten, im schlimmsten Fall aber, verzerrte Erinnerungen auf ihn zu projizieren. …“]

From: „“Laura” is a haunting portrait that looms over cinema to this day“ C. Nelson-Lifson (July 11, 2024) | Source: https://tonemadison.com/articles/laura-is-a-haunting-portrait-that-looms-over-cinema-to-this-day/ | Laura ist ein US-amerikanischer Film noir des österreichischen Regisseurs Otto Preminger aus dem Jahr 1944 | https://de.wikipedia.org/wiki/Laura_(1944)
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gelöschtes Profil 9. Juli 2017, 10:19:27: Angewandtes Misstrauen ist gelebte Lebenserfahrung.
Nakamura 9. Juli 2017, 12:18:22: gelebte Lebenserfahrung ist, zu wissen, wem man Vertrauen schenken kann und wem nicht. Das ist das Wichtigste Fähigkeit im Leben ohnehin.
strangerinastrangeland Iwan Iwanowitsch Iwanow 9. Juli 2017, 11:44:52: Die Kunst dabei ist, nicht in heillosen Zynismus oder Misanthropie zu verfallen. // via

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“ … Was lässt uns weinen, lachen oder erschaudern? .. Die Untersuchung spannt dabei einen Bogen vom Theater der Empfindsamkeit des 18. Jahrhunderts bis zum zeitgenössischen Hollywoodfilm. … Was dabei als übergreifendes Prinzip in den Blick kommt, ist die Modulierung der Zuschauergefühle mittels der Gestaltung der Zeit ihres konkreten Erlebens. … Jenseits von Repräsentation und räumlicher Figuration geht es vor allem um die Bewegung, die den Film als Ganzes durchzieht: das Entrollen, Entfalten, Enthüllen der je besonderen Wahrnehmungswelt des einzelnen Films in der Gegenwart einer leibhaften Wahrnehmung des Zuschauers. Als wahrnehmendes, denkendes und empfindendes Subjekt realisiert der Zuschauer so Film als Intensitätsverkettung. Der Film, als Wahrnehmungsdispositiv gefasst [Das Wahrnehmungsdispositiv bezeichnet das Zusammenwirken technischer, räumlicher und diskursiver Rahmenbedingungen, die steuern, wie wir Welt wahrnehmen], wird zu einer verkörperten Wirklichkeit, einer leibhaft-psychischen Realität – die nicht die des Zuschauers ist. [und bildet das Zuschauergefühl und [die] Affektpoetiken.] Die titelgebende vierte Dimension bezeichnet die Zeit, in der sich der Film in der Wahrnehmung des Zuschauers als eine Welt enthüllt, die ihren eigenen Gesetzen folgt. Eine Welt, deren Sinnlichkeit und deren Empfindungsweisen sich grundsätzlich von denen unserer alltäglichen Weltwahrnehmung unterscheiden. …“ | Aus: „Zuschauergefühl und Affektpoetiken“ Prof. Dr. Hermann Kappelhoff: Kolleg-Forschungsgruppe Cinepoetics – Poetologien audiovisueller Bilder (Abgerufen: 26. März 2026) | Quelle: https://www.cinepoetics.fu-berlin.de/kappelhoff/Forschung/Text01_Zuschauergefuehl/index.html
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“ … Es gehört zu den Risiken des digitalen Zeitalters, als Gast in einem Airbnb heimlich von versteckten Minikameras gefilmt zu werden. Ein Fall am Bezirksgericht Dielsdorf zeigt nun aber, dass man nicht einmal in seinem eigenen Zuhause vor Familienangehörigen sicher ist. Sogar der Verteidiger bezeichnet die Handlungen des Beschuldigten im Gerichtssaal «als tiefen Eingriff in die Lebensverhältnisse», der bei den Betroffenen eine grosse Erschütterung ausgelöst habe. «Das Urvertrauen ist weg.» [Der 61-jährige Schweizer Geschäftsführer hat heimlich nicht weniger als 1398 Videoaufnahmen erstellt – und diese im Internet verbreitet. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten.]…“ | Aus: „«Das Urvertrauen ist weg» – ein Mann versteckt Minikameras im Haus und filmt Familie und Gäste in intimen Situationen“ Tom Felber (23.10.2025) | Quelle: https://www.nzz.ch/zuerich/das-urvertrauen-ist-weg-ein-mann-versteckt-minikameras-im-haus-und-filmt-familie-und-gaeste-in-intimen-situationen-ld.1908235
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Kontext / Gedankensprung: “ … Augen der Angst (Originaltitel: „Peeping Tom“) ist ein Spielfilm-Thriller von Michael Powell, der 1959 in Großbritannien gedreht wurde. … Peeping Tom hat ein unangenehmes Thema… „Doppelbödiger Thriller, der zu seiner Entstehungszeit einen Skandal auslöste und die Karrieren von Karlheinz Böhm und Regisseur Powell schlagartig beendete. Rückblickend gesehen ein erstaunlich moderner Film über den Zusammenhang von Schaulust, Todessehnsucht und sexueller Neurose.“ … „Krankhaft, abwegig und peinlich geschmacklos“, so urteilte der katholische Filmdienst bei der deutschen Erstaufführung. Das deutsche Kinopublikum wurde zum ersten Mal mit der Lust an Gewalt konfrontiert und protestierte heftig. Auch im Ausland waren die Kritiken vernichtend. … Heute zählt der Film zu Powells Meisterwerken. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Augen_der_Angst ( 25. März 2026)
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“ … In ihrem Einführungsvortrag »Emotionsvermittlung und Emotionalisierung in Literatur und Film« stellte Poppe zu Beginn der Tagung einige zentrale Erkenntnisse sowie noch ungelöste Probleme der mit filmischen und literarischen Kunstwerken befassten Emotionsforschung heraus: Sie verwies auf die Diskussion über mögliche Unterschiede zwischen Emotionen, die sich auf reale bzw. auf fiktionale Gehalte richten, auf das in der literatur- und medienwissenschaftlichen Forschungsliteratur unterschiedlich weit gefasste Spektrum der auf Kunstwerke bezogenen Typen von Emotionen (fiktionale, Artefakt- und Meta-Emotionen) sowie auf die Annahme verschiedener Rezeptionsmodi (Empathie, Sympathie, Identifikation, Beobachtung) und deren Bedeutung für die Erklärung verschiedener Arten emotionaler Wirkungen von Kunst. Poppe hob hervor, es sei zum einen noch unklar, wie das Verhältnis von Betrachter und Kunstwerk genauer bestimmt werden könne, und zum anderen, welchen Einfluss die Form der medialen Vermittlung in diesem Zusammenhang ausübe. … Burkhard Meyer-Sickendiek (Berlin) verfolgte in seinem Beitrag zum Thema »›Lyrisches Gespür‹, oder: Stimmungen als Gegenstand der Poesie« einen phänomenologischen Ansatz: Hermann Schmitz’ ›Neue Phänomenologie des Fühlens‹ stelle eine integrative Grundlage für die aus seiner Sicht nötige Aktualisierung des Stimmungsbegriffs dar. Meyer-Sickendiek bediente sich vor allem des Begriffs des »Gespürs«, verstanden als Fähigkeit, auch Stimmungen oder einen ähnlichen verborgenen, nicht sichtbaren Sachverhalt als Atmosphäre wahrzunehmen. … Das Spektrum geht dabei jedoch über das Atmosphärische der Neuen Ästhetik und das Leiblichkeits-Prinzip … hinaus, wo sich nicht nur zum Beispiel durch entsprechendes Bildinventar dargestellte »großstädtische« und »kleinstädtische« Atmosphären finden, sondern etwa das Erspüren von Räumlichem oder ein temporales Gespür, also eine spürende Präsenz der Vergangenheit in der Gegenwart …“ | Aus: „Anna Fenner und Claudia Hillebrandt, Mediale Emotionen. Filmische und literarische Emotionalisierung im Vergleich“ (Emotionsvermittlung und Emotionalisierung in Literatur und Film. Interdisziplinäre Tagung am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) in Bielefeld. 18.-20.11.2010, pdf (06.01.2011) | Quelle: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0222-001445 | Quelle: #2 https://d-nb.info/1009399446/34&ved=2ahUKEwj_5fvX0L2TAxUvSPEDHc71KbAQFnoECDoQAQ&usg=AOvVaw1m1aQlc1xlcoESKt5N-pAr
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“ …Das, was als die Seele oder das Innere eines Menschen angesprochen wird, ist erst durch [ein] Sprachspiel konstituiert worden und unabhängig davon gar nicht erfassbar [http://de.wikipedia.org/wiki/Sprachspiel] … Nun dürfen aber Wittgensteins Aussagen über die physische und die logische Unmöglichkeit eines Blickes ins Innere des Menschen nicht als Beitrag zur Metaphysik der Seele missverstanden werden. Er spricht nicht von Eigenschaften der Seele, sondern von Eigenschaften des Sprachspiels über die Seele; er behauptet nicht, die Seele sei letztlich unerforschlich, sondern dass „unser Sprachspiel (…) auf unwägbarer Evidenz beruht“. … Damit ist die Frage, was es mit diesem Innenleben, mit dem Inneren des „Ausdrucks“ nun auf sich hat, noch nicht beantwortet. Wir wissen nur, dass es weder offensichtlich noch unerkennbar ist: Was ist es aber wirklich? Oder, anders formuliert: Was ist die Seele? – Wittgenstein gibt darauf eine überraschende Antwort: Die Seele ist nur ein Bild. Sie ist ein Bild, das wir uns vom Menschen machen, weil das menschliche Benehmen nicht […] vorhergesagt werden kann. Für diese Unsicherheit über das Verhalten der anderen haben wir unzählige Redeweisen, neben den schon genannten, von Wittgenstein angeführten („Wir können uns immer irren; wir können nie sicher sein; was wir beobachten, kann immer noch Verstellung sein.“), [dazu] fallen mir noch ein: „Ich kann in ihn nicht hineinschauen“, „Sie macht sowieso immer, was sie will“ oder „Ich habe ihn nie verstanden“. … “ | Aus: „FREIHEIT DES AUSDRUCKS – Zwei sprachphilosophische Annäherungen an ein Menschenrecht“ Florian Oppitz (Wien 2002) | Quelle: (sammelpunkt.philo.at)
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“ … Das „Trust-Aesthetics Paradox“ bezeichnet den kategorialen Konflikt zwischen der visuellen Anziehungskraft KI-generierter Inhalte und dem transaktionalen Misstrauen europäischer Konsumenten gegenüber autonomen algorithmischen Systemen im digitalen Handel. Generative künstliche Intelligenz (generative KI) produziert ästhetisch ansprechende Bilder, deren Bewertungswerte menschliche Fotografien in kontrollierten Messungen konsistent übertreffen (Neyra et al., 2025). Agentenbasierte künstliche Intelligenz (agentische KI), die eigenständig kaufmännische Entscheidungen trifft, erzeugt bei denselben Konsumenten ein tiefgreifendes transaktionales Unbehagen, obwohl diese die ästhetische Qualität synthetischer Bilder positiv bewerten. [Psychologische Situations-Ästhetik] Das Trust-Aesthetics Paradox weist einen inneren logischen Widerspruch auf, der die zugrundeliegenden Theorien an eine erkennbare Grenze führt. Je präziser ein KI-System ästhetische Präferenzen optimiert, desto erkennbarer wird seine algorithmische Natur, da hyperperfekte Bildparameter als nicht-menschlich gedeutet werden. Gleichzeitig gilt. Je autonomer ein KI-System agiert, desto stärker wird das Misstrauen gegenüber seinen Entscheidungen. … “ | Aus: „Das Trust-Aesthetics Paradox: Ästhetische Überlegenheit generativer KI und transaktionales Misstrauen im E-Commerce (Werbepsychologie LXII, Lexikon der Werbe- und Konsumentenpsychologie)“ Andreas Wellner University of Applied Sciences BFI Vienna (March 2026) | Quelle: https://www.researchgate.net/publication/401693354_Das_Trust-Aesthetics_Paradox_Asthetische_Uberlegenheit_generativer_KI_und_transaktionales_Misstrauen_im_E-Commerce_Werbepsychologie_LXII

“ … Der Streit um die Wehrmachtsausstellung vor wenigen Jahren machte deutlich, welche Brisanz Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute haben [https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_die_Wehrmachtsausstellung]. Die falschen Beschriftungen von Abbildungen berührten eines der Grundprobleme der Fotografie, die Frage nach der Objektivität und Authentizität des Lichtbildes […“So zeigten manche Fotos eine Reihe nackter Juden, nicht aber ihre Ermordung, wie die Bildunterschrift behauptete. … fehlende oder unpräzise Herkunftsangaben für manche Fotografien. Ohne diese sei aber keine Zuordnung der verantwortlichen Täter möglich. Fotos ohne solche Angaben könnten zu einer falschen Einordnung der Verbrechen führen. … fehlende didaktische Hilfestellung zum Verständnis der gezeigten Bilder. Sie erzeugen Schock und Entsetzen, aber ließen die Betrachter mit Fragen über die Hintergründe allein. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmachtsausstellung (13 Januar 2026)] . War wirklich das abgebildet, was man auf den Bildern zu sehen glaubte? Welche Beweiskraft hatte das Dargestellte? Fragen der politischen Instrumentalisierung und Wirkung betreffen nicht nur Bilder von Verbrechen der Wehrmacht, sondern Fotografie in einer Diktatur generell. Fotos haben Quellenstatus für die Beschäftigung mit dem Dritten Reich, der Fotohistoriker Rolf Sachsse bezeichnet im vorliegenden Buch die Fotografie als „die Basis der historischen Erinnerung an diesen Staat“. Unter dem beziehungsreichen Titel „Die Erziehung zum Wegsehen“ hat sich Rolf Sachsse den unterschiedlichen Aspekten der Fotografie im NS-Staat gewidmet. … “ | Aus: „Aus: Frank Schmitz: [Rezension zu:] Sachsse, Rolf: Die Erziehung zum Wegsehen. Fotografie im NS-Staat, [Dresden] 2003. In: ArtHist.net, 29.03.2004. Letzter Zugriff 26.03.2026. | Quelle: https://arthist.net/reviews/58

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“ … In der Tat ist Design – inklusive Selbstdesign – vor allem ein Mechanismus zur Erzeugung von Verdacht. Die gegenwärtige Welt des totalen Designs wird oft als eine Welt der totalen Verführung beschrieben, aus der die Unerfreulichkeit der Realität verschwunden ist. Dem möchte ich widersprechen mit der Behauptung, dass die Welt des totalen Designs vielmehr eine Welt des totalen Verdachts ist, eine Welt der latenten, hinter den designten Oberflächen lauernden Gefahr. Das primäre Ziel des Selbstdesigns besteht darin, den Verdacht eines potentiellen Betrachters zu neutralisieren, einen Effekt der Aufrichtigkeit zu produzieren, der in der Seele des Betrachters Vertrauen erweckt. In der heutigen Welt sind alle mit der Produktion von Aufrichtigkeit und Vertrauen beschäftigt – und doch war dies, und ist dies immer noch, die Hauptbeschäftigung der Kunst in der gesamten Zeit der Moderne: Der moderne Künstler hat sich immer schon als die einzige aufrichtige Person in einer Welt der Heuchelei und der Korruption positioniert. …Doch der rousseauistische Glaube an die Entsprechung von Aufrichtigkeit und Null-Design ist in unserer Zeit geschwunden [Null-Design versucht, für den Betrachter auf künstliche Weise einen solchen Riss zu erzeugen und ihm damit zu ermöglichen, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind.]. … Die Säkularisierung der Kunst hingegen bringt ihre radikale Entwertung mit sich. Aus diesem Grund behauptet Hegel am Anfang seiner „Vorlesungen über die Ästhetik“, dass die Kunst eine Sache der Vergangenheit sei. Kein moderner Künstler kann erwarten, dass jemand vor seinem Kunstwerk kniet und betet, dass er praktische Hilfe von ihm erbittet oder es benutzt, um Gefahr abzuwenden. Heute ist man höchstens bereit, ein Kunstwerk interessant zu finden und natürlich zu fragen, was es koste. Der Preis immunisiert das Kunstwerk bis zu einem gewissen Grad gegen den Geschmack des Publikums – würden ökonomische Erwägungen nicht den unmittelbaren Ausdruck des Publikumsgeschmacks begrenzen, wäre ein grosser Teil der Kunst, die heute im Museum steht, längst schon im Müll gelandet. …“ | Aus: „Selbstdesign und Ästhetische Verantwortung. Oder von der Produktion der Aufrichtigkeit“ Boris Groys *1947 | Quelle: https://whtsnxt.net/060
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“ … Amnesty International: Die Menschenrechtsorganisation illustrierte Polizeigewalt in Südamerika mit KI-Bildern. Kennzeichnung? Fehlanzeige. Das kam nicht gut an. „Bislang war es immer so, dass ein fotografisches Abbild ein Vorwegvertrauen genossen hat. Menschen haben Bildern einen bestimmten Wahrheitsgehalt zugebilligt“, erklärt Pawlowski. …“ | Aus: „Künstliche Intelligenz als ethische Herausforderung“ Felix Klein (30. September 2024) | Quelle: https://www.haw-kiel.de/news/kuenstliche-intelligenz-als-ethische-herausforderung/
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“ … Ich fühle mich seit einiger Zeit immer abgestoßener von bebilderten Medien. Ganz pauschal jede Art von visuellem Medium widert mich an. Sie sind voller Bilder und Sprache, denen man nicht trauen kann. Stumpfer Journalismus, der in Abhängigkeit von Meta dahin pauschalisiert. Dopaminabhängigkeiten als Lock-In-Methode für die verschiedenen Anbieter soziale Medien. Scheinbare, dürre Sozialität mit der gesamten Welt. Die seltsame Gleichzeitigkeit der Dinge, die uns immer mehr abstumpft gegenüber dem, was wir als Einzelwesen ganz direkt erleben könnten. Und überall Unterhaltung, vor der wir uns kaum noch retten können. … Wann führen wir phantastische Diskussionen, die unsere Köpfe zum rauchen bringen? Wann sind wir bereit das, was uns als Realität vermittelt wird, herauszufordern? …“ | Aus: „Willkommen im bunten Faschismus – 15.Brief: Warum wir lieber scrollen als denken – über Bilderwelten und die Lust am Wegsehen.“ fini (02.03.2026) | Quelle: https://blogs.taz.de/finiskleinerlieferservice/2026/03/02/willkommen-im-bunten-faschismus/

[Wirklichkeitsbezug #34 … ]


(26. März 2026): “ … Die Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes hat in Hamburg an einer Demonstration für mehr Opferschutz teilgenommen und auch eine Rede gehalten. „Ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste, mit Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme“, sagte Fernandes, deren Stimme immer wieder stockte. … “ | Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-03/collien-fernandes-christian-ulmen-demonstration-frauen

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Notborntofollow: “ … Warum tragen die beiden die Angelegenheit nicht vor Gericht aus? … „
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ThomasH.: “ … Das fragen sich alle. …“
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Tom -_- S: “ … Antwort auf @ThomasH.: Nein, dass fragen sich nur Männer, die so tun wollen, als sei digitale Gewalt eine private Angelegenheit. …“
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“ … Die irrsinnige Erfahrung, die Collien Fernandes machen musste; ein Musiker, der mutmaßlich mit Gewalt einer jungen Frau Kokain in den Mund schmierte; der österreichische ORF-Generaldirektor, der zurücktrat, weil er mutmaßlich eine Kollegin auf verschiedenen Kanälen bedrängt haben soll; die Causa Gisele Pelicot; die ganzen Epstein-Enthüllungen; alle paar Tage Femizide in den Nachrichten; dazu fast schon routinemäßige Prozesswellen gegen junge Männer und Jungs, die ihre Schulkolleginnen nötigen, zu Sex erpressen, sie verhöhnen, davon Bilder weiter schicken. Es ist endlos. … Dokumente einer Verwahrlosung. Mal erfährt man von Taten, die wenig verwundern, weil man die Kultur kennt, in denen sie gedeihen, und dann aber auch von Handlungen, die einfach sprachlos machen, im Sinne von: What-the-Fuck? … Man ist mit krasser Scheiße konfrontiert, die man noch nicht einmal versteht. … Ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der alles immer allmählich besser wurde. Und dieses erlernte Zeitempfinden nährt bis heute das Restgefühl an Optimismus, das ich mir auch in eher weniger erfreulichen Zeiten bewahrt habe. … Das Empfinden war: Es wird immer Idioten geben, aber sie werden weniger. Es wird auch immer Gestörte geben, die verabscheuungswürdige Dinge tun, aber das wird weniger. Manchmal genügt man seinen eigenen Werten nicht, manchmal tut man vielleicht sogar selbst Dinge, die einem peinlich sind, aber für die schämt man sich wenigstens. In meiner ganzen Schulzeit bin ich keinem Jungen begegnet, der ein neomaskulinisches Weltbild verfochten hätte. Schon deshalb, weil jeder gewusst hätte, dass er sich damit lächerlich macht. Er hätte wie ein bekloppter Kaspar aus einem anderen Jahrhundert gewirkt. Kurzum: Der Fortschritt mag zwar im Krebsgang seinen Weg gehen, aber er schlägt sich den Pfad frei. Aber ich bin plötzlich auch nicht mehr sicher, dass das nicht der Fall ist. Wir erleben schließlich in so vielen Hinsichten politische und gesellschaftliche Regressionen … Wir machen die Erfahrung, dass dieser Aufstieg mit dem Schüren von Aggression verbunden ist, mit der Verbreitung rassistischer Weltbilder, mit einem Kult der Härte, mit Gehirnwäsche, einer Erziehung zur Grausamkeit. … Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich mit all dem total recht habe. Aber es hat mich eine gewisse Unruhe erfasst. Womöglich erleben wir etwas Tiefergehendes als die zufällige Häufung von Skandalen oder die Rest-Misogynie im Rahmen der Fortschrittsgeschichte, nämlich einen Rückschritt. Verbrechen kommt nicht aus dem Nichts. .. “ | Aus einer Kolumne von Robert Misik [*1966] „Sexualisierte Gewalt: Machos auf dem Vormarsch“ (24.3.2026) | Quelle: https://taz.de/Breitet-sich-Frauenverachtung-unter-Maennern-aus-oder-erleben-wir-eine-zufaellige-Haeufung-von-Skandalen/!6165420/ || https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Misik

Peta Parka, 24.03.2026, 21:45 Uhr: “ … Danke für den klugen, nachdenklichen Kommentar, der nicht oberschlau und selbstgerecht daher kommt, sondern Zweifel und Unsicherheit zulässt …“

PartyChampignons, 07:59 Uhr: “ … Naja heutzutage trauen sich auch (zum Glück) mehr Frauen an die Öffentlichkeit und auch die Berichterstattung zu dem Thema ist eine andere, als das noch vor sagen wir 20 Jahren der Fall war. Damit kommt es natürlich auch zu einer „Häufung“ der Skandale. Das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass es mehr Skandale gibt, nur, dass mehr aufgedeckt werden und an die Öffentlichkeit gelangen als früher. …“
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“ … Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 13.300 Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und sexuelle Übergriffe im besonders schweren Fall polizeilich erfasst. Damit stieg ihre Zahl das sechste Jahr in Folge und auf einen erneuten Höchststand. …“ | Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/200877/umfrage/vergewaltigung-und-sexuelle-noetigung/ (Abgerufen am 24.03.2026)
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“ … Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 12.600 Frauen und circa 840 Männer Opfer von polizeilich erfasster Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff im besonders schweren Fall. Damit stieg die Opferzahl jeweils gegenüber dem Vorjahr und auf neue Höchststände, wobei der Frauenanteil etwa 94 Prozent und der Männeranteil entsprechend ungefähr 6 Prozent betrug. …“ | Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1563186/umfrage/opfer-von-vergewaltigung-und-sexueller-noetigung-in-deutschland-nach-geschlecht/ (Abgerufen am 24.03.2026)
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“ … Im Jahr 2023 wurden in Deutschland rund 256.000 Opfer von häuslicher Gewalt polizeilich erfasst. Damit stieg ihre Zahl das zweite Jahr in Folge und auf einen erneuten Höchststand. Circa 71 Prozent der Opfer waren Frauen. … Häusliche Gewalt umfasst sowohl Partnerschaftsgewalt (in Ehen oder Paarbeziehungen) als auch innerfamiliäre Gewalt z.B. gegen Kinder, Gewalt von Kindern gegenüber ihren Eltern oder Gewalt zwischen Geschwistern. Neben körperlicher und sexueller Gewalt zählen auch psychische Gewalttaten zur häuslichen Gewalt. …“ | Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1399533/umfrage/polizeilich-erfasste-opfer-von-haeuslicher-gewalt-nach-geschlecht/ (Abgerufen am 24.03.2026)
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„… Wenke Husmann: Laut deutscher Kriminalstatistik haben im Jahr 2016 knapp 8.000 Frauen eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung angezeigt. Das sind mehr als 20 Fälle pro Tag. Zwei Prozent der Frauen, das belegt eine EU-weite Studie, wurden nach eigener Aussage während der vergangenen zwölf Monate Opfer sexueller Gewalt. Auch wenn diese Zahlen unscharf sind: Es sind viel zu viele Frauen. Die Frage ist: Warum tun Männer das? – Ulrich Clement: Hinter der Bosheit steckt Schwäche. Es ist der Versuch, ein unsicheres männliches Selbstbild durch aggressive Handlungen zu kompensieren. Diese Männer fühlen sich durch eine konkrete Frau oder durch angehäufte Erfahrungen gekränkt oder in ihrem Stolz und ihrer Männlichkeit infrage gestellt. Ein selbstbewusster Mann vergewaltigt nicht – der braucht das nicht. … Die Psychologie liefert dazu eine recht plausible Erklärung: Männlichkeit entsteht sekundär. Männer werden, psychologisch betrachtet, erst dadurch zu Männern, dass sie sich von Frauen abgrenzen. Weibliche Gefühle und Verhaltensweisen müssen sie dann für sich ablehnen, weil sie als bedrohlich für die männliche Identität erlebt werden. … Kurz: Männlichkeit basiert auf der Ablehnung von Weiblichkeit. …[Wenke Husmann: Wenn man davon ausgeht, der Aggression gehe eine Kränkung voraus, soll dann das Verhalten der Frau eine Rolle spielen?] Clement: Nein, denn das Gefühl der Kränkung liegt immer im Auge des Betrachters. Vielleicht wollte die Frau beispielsweise einfach ihre Ruhe und hat das gesagt. Nicht um zu kränken, sondern um sich abzugrenzen. Der Mann kann das dennoch als Erniedrigung erleben. … “ | Aus: „Warum tut ein Mann das?“ (7. Juni 2017) | Quelle: https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2017-06/gewalt-fantasie-vergewaltigung-therapie/komplettansicht

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Quelle: https://x.com/sigi_maurer/status/1001728003402031109



“ … Eine Österreicherin wehrt sich gegen Sexismus und wird nun selbst wegen übler Nachrede verurteilt. … Nun muss Maurer 4.000 Euro an den Lokalbesitzer und 3.000 Euro Geldstrafe an den Staat zahlen. Zudem muss sie sowohl für die Kosten ihrer Anwältin aufkommen als auch für die Gegenseite. Einen Freispruch gab es vom Vorwurf der Kreditschädigung. Maurer geht in Berufung. …“ | Aus: „Ex-Grüne Sigrid Maurer wurde von Mann sexuell belästigt und muss nun 4.000 Euro an ihn bezahlen“ Eva Reisinger (9. Oktober 2018) | Quelle: https://www.zeit.de/zett/politik/2018-10/ex-gruene-sigrid-maurer-wurde-von-mann-sexuell-belaestigt-und-muss-nun-4-000-euro-an-ihn-bezahlen
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„Sigi Maurer: Die Frau, die keine Reue zeigen wollte“ Marie-Theres Egyed (9. Oktober 2018, 13:40): “ … Die frühere Grünen-Politikerin veröffentlichte obszöne Botschaften, die sie auf Facebook erhalten hatte, und outete den vermeintlichen Absender. Maurer machte sich damit der üblen Nachrede schuldig …“ | Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000088988051/sigi-maurer-die-frau-die-keine-reue-zeigen-wollte
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“ …Eine Ex-Abgeordnete in Österreich erhält sexistische Facebook-Nachrichten. Die veröffentlicht sie samt Absender. Nun muss sie sich dafür vor Gericht verantworten. Dabei hat sie alles richtig gemacht. … Ich kenne keine einzige Frau, die in der Öffentlichkeit steht und noch keine beleidigenden oder bedrohenden Nachrichten bekommen hat, inklusive Fantasien darüber, was sexuell mit ihr anzustellen wäre, wenn der Verfasser sie eines Tages treffen würde. Es ist eine Pest, dass diese Nachrichten für viele Frauen zum Alltag gehören. Man kann sie ignorieren, man kann sie beantworten, man kann versuchen, sie zur Anzeige zu bringen, man kann Kunst daraus machen oder öffentlich darüber sprechen, aber loswerden kann man sie kaum. Und manchmal geht der Ärger erst dann richtig los, wenn man sich wehrt. …“ | Aus: „Fall Sigi Maurer: Endlich wehrt sich mal eine“ Eine Kolumne von Margarete Stokowski (17.07.2018) | Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fall-sigi-maurer-in-oesterreich-endlich-wehrt-sich-mal-eine-a-1218827.html
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“ …Marija M. sei von ihrem Mann erschossen worden. Weil dieser vor nicht allzu langer Zeit zweifelhafte Berühmtheit erlangt hat, weiß es bald das ganze Land: Der Mordverdächtige ist derselbe, der im Jahr 2018 die Politikerin Sigrid Maurer geklagt hat. Sie hatte öffentlich gemacht, von seinem Facebook-Account obszöne Nachrichten erhalten zu haben, woraufhin er auf Entschädigung wegen Geschäftseinbußen klagte. Zu diesem Zeitpunkt führte er ein Bierlokal in der Strozzigasse im 8. Wiener Gemeindebezirk, und so nannten ihn die Medien den „Bierwirt“. Die Gerichtshändel des Bierwirts hatten sich über drei Jahre gezogen. Einmal wurde Maurer schuldig gesprochen, weil sie nicht nachweisen konnte, dass tatsächlich der Bierwirt die Chat-Nachrichten geschrieben hatte. Das Urteil wurde revidiert. …“ | Aus: „Lebenslange Haft: Wer ist der Bierwirt?“ Robert Treichler und Christa Zöchling (26.12.2021) | Quelle: https://www.profil.at/oesterreich/wer-ist-der-bierwirt/401849656
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LSmdibK! 22. Dezember 2021, 11:22:11: “ … [“ … Die Geschworenen entschieden am zweiten Tag des Mordprozesses gegen L., der im April seine Ex-Freundin erschossen hatte, einstimmig. Der Bierwirt nahm das Urteil an, es ist damit rechtskräftig …“] …Eine perfekte Feldstudie dafür, dass verbale sexuelle Belästigung eben nicht harmlos ist …“

dasgrünevomEi 24. Dezember 2021, 06:58:33: “ [„Er bekam eine lebenslange Haftstrafe und wird außerdem in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.„] …Warum sind immer die Beziehungstäter „Geistig abnorm“? Noch dazu wo dieser, in der Hoffnung billiger davonzukommen, auf einmal Einsicht zeigt und gesteht. Der ist meiner Meinung nach ein ganz normales versoffenes sexistisches männliches Exemplar das keinen Widerspruch verträgt, sein Wort und seine Handlungen sind das einzig Wahre. Solche gibt es zu Tausenden und es wird ja behauptet dass die eh harmlos sind. …“

2 Kommentare zu: „Lebenslange Haft und Einweisung für Bierwirt in Mordprozess“ Lara Hagen, Jan Michael Marchart (22. Dezember 2021) | Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000132097334/bierwirt-prozess-doch-volles-gestaendnis-vor-erwartetem-urteil
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Rojas, 23.03.206 07:14 Uhr: “ … Es scheint, dass das berühmte „SCUM-Manifesto“ der US-amerikanischen Psychologin, Schriftstellerin, Politaktivistin Valerie Solanas (1936-1988), die 1968 durch ihr Attentat auf Andy Warhol Schlagzeilen machte, im Moment wieder hochaktuell ist. Ein Auszug aus dem SCUM-Manifesto von Valerie Solanas: „(…) Der Mann ist völlig egozentrisch, in sich selbst eingekerkert und unfähig, sich in andere hineinzuversetzen oder sich mit ihnen zu identifizieren, unfähig zu Liebe, Freundschaft, Zuneigung oder Zärtlichkeit. Er ist ein vollkommen isoliertes Einzelwesen, unfähig zu irgendwelchen Beziehungen mit anderen. Seine Reaktionen kommen aus den Eingeweiden, nicht aus dem Gehirn; seine Intelligenz ist lediglich Werkzeug seiner Triebe und Bedürfnisse; er ist unfähig zu geistiger Leidenschaft, geistigem Kontakt. Für ihn gibt es nichts außer seinen eigenen physischen Sensationen. Er ist ein halbtoter, reaktionsloser Klotz, unfähig, Freude und Glück zu geben oder zu empfangen; so ist er bestenfalls ein altes Ekel, ein harmloser Tropf;(…)“ Quelle: https://frauenmediaturm.de/neue-frauenbewegung/valerie-solanas-auszug-aus-dem-s-c-u-m-manifesto/ (Anmerkung: Ich bin selbst ein Mann.)

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»Entweder denkt man, dass dies ein Werk von unverfälschter Genialität ist, oder man tut es als das Schwärmen einer verrückten Psycho-Schlampe ab, ohne zu verstehen, dass es genau deshalb so überzeugend und so voller Einsichten ist.« Suzanne Moore, New Statesman
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“ … 1967 traf Solanas den Verleger Maurice Girodias, der zu diesem Zeitpunkt vor allem Underground-Literatur sowie Pornografie veröffentlichte. Er war von ihrem „Wortwitz“ begeistert und bezeichnete sie als „Bilderstürmerin“. Er kaufte ihr die Rechte am S.C.U.M. Manifesto ab. Noch im selben Jahr spielte Solanas eine Rolle in Warhols Film I, A Man. Sie fühlte sich von Warhol und der künstlerischen Hierarchie seiner Factory ausgenutzt und verlangte eine Gagenerhöhung. Nachdem sie ihn deshalb telefonisch bedrängt hatte, wurde sie von der Factory ausgeschlossen. Im Herbst 1967 wurde ihr ihre Unterkunft im Chelsea Hotel gekündigt, und sie begann, an eine Konspiration von Warhol und Girodias zu glauben. Außer sich vor Zorn und Verzweiflung, beschimpfte sie Warhol am Telefon.

Am 3. Juni 1968 passte Valerie Solanas Warhol vor den neuen Räumen seiner Factory ab und schoss dreimal auf ihn. Warhol wurde durch einen Schuss schwer an Milz, Bauch, Leber und Speiseröhre verletzt. Außerdem schoss sie den Kunstkritiker Mario Amaya in die Hüfte und versuchte, Warhols Manager Fred Hughes in den Kopf zu schießen. Dabei blockierte ihre Pistole. Hughes forderte sie auf zu gehen, und Solanas verließ die Factory, wobei sie allerdings eine Papiertüte mit ihrem Adressbuch auf einem Tisch zurückließ. Warhol wurde ins Columbus-Mother Cabrini Hospital gebracht und musste sich einer fünfstündigen Operation unterziehen, die erfolgreich verlief. Girodias nutzte die durch den Skandal ausgelöste öffentliche Aufmerksamkeit, um Solanas’ S.C.U.M. Manifesto zu veröffentlichen. Solanas wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, die sie im Matteawan State Hospital für kriminelle Geisteskranke absaß. Nach ihrer Entlassung 1971 war sie meist obdachlos, in den 1980er-Jahren lebte sie in Kalifornien. Am 25. April 1988 wurde sie vom Hausmeister eines Obdachlosenheims im Tenderloin-Viertel von San Francisco tot aufgefunden. Sie war mit 52 Jahren an einem Lungenemphysem erstickt. Solanas’ Leben und die Hintergründe ihrer Schüsse auf Warhol wurden 1996 von Mary Harron unter dem Titel I Shot Andy Warhol verfilmt. Die Hauptrolle spielte Lili Taylor. … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Valerie_Solanas
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“ …Und – Überraschung – nicht nur Faschos schlagen Frauen. Auch scheinbar aufgeklärte Männer belästigen und missbrauchen: Der Comedian Louis CK hat fünf Frauen sexuell belästigt. Der Starfotograf Terry Richardson soll Models unter anderem dazu aufgefordert haben, seinen Penis anzufassen, sie bedrängt haben. Die Liste könnte ich endlos fortführen. Gewalt gegen Frauen hat einen gemeinsamen Nenner: das Geschlecht. 137 Frauen werden jeden Tag weltweit durch den eigenen Partner oder Familienmitglieder getötet. Die UNO-Daten zeigen auch, dass es in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg der Femizide in Österreich gab. Vergangenes Jahr wurden in Österreich 70 Menschen zwischen Januar und November ermordet. Davon waren 41 Frauen. Männer, ganz egal ob links oder rechts, profitieren von den gesellschaftlichen Strukturen. Ich weiß, liebe linke Männer. Ihr denkt, ihr seid die besseren Männer, weil ihr auf der richtigen Seite steht. … “ | Aus: „Stanic – Die Kolumne: Linke Männer, ihr seid auch Sexisten“ Alexandra Stanic (25 Oktober 2019) | Quelle: https://www.vice.com/de/article/59n4qn/linke-manner-auch-sexisten
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m13 22.03.2026, 13:44 Uhr: “ … ich glaube dass die grenze nicht zwischen männern und frauen, rechts und links, usw. verläuft sondern eine unsichtbare ist: zwischen menschen mit empathie und menschen ohne empathie. …“ | Kommentar zu „Fall Fernandes und UlmenIch will mit Männern leben“ Kommentar von Carolina Schwarz (22.3.2026): | Quelle: https://taz.de/Fall-Fernandes-und-Ulmen/!6164768/
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KurtKristDave: “ …Keine Ahnung, wie es anderen geht, aber ich wurde völlig umgehauen von den Anschuldigungen von Frau Fernandez gegen ihren Ex, den netten Herrn Ulmen, den man immer mit Comedy verbindet, völlig entspannt und lustig, dazu noch seriöser Tatort-Kommissar. Also dachte ich erst, das ist eine Ente. …“ | Kommentar zu: „“Collien Fernandes bezeichnet Deutschland als „Täterparadies““ (20. März 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-03/collien-fernandes-christian-ulmen-vorwuerfe-gesetze
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“ … Und ich verstehe auch nicht, warum mancher in der Causa Ulmen nun so derart erstaunt ist. Oder was glaubt ihr, daß der nette, adrette Vater bei diesen Einheiten mit dem zwei Runen am Revers, wenn er 1942 zum Ostfronturlaub nach Hause zurück für ein paar Tage ins traute deutsche Heim kam, Kindern und Frau voller Freude erzählt: Daß er erst einmal in der Schlucht von Babyn Jar ein paar hundert ukrainische Juden erschossen habe? Und vorher auch schon Häuser mit Frauen und Kindern angezündet habe, weil das nun nunmal Partisanen seien … Ich glaube eher nicht. Er trug ein nettes Gesicht, er spielt Klavier für die Kinder. Er plaudert mit der Frau und wird ihr in diesem Urlaub noch ein drittes Kind machen. Und wenn er aus diesem Krieg zurückkehren sollte, wird er ein harmloses Familien- und Gesellschaftsleben führen, wie es auch der Literaturwissenschaftler Hans Robert Jauß nach seiner Zeit in Jugoslawien tat, um eine Reihe kluger Bücher zu schreiben, ohne weiter von diesen anderen Dingen groß zu sprechen. Seinem Gesicht sah man nichts an. [Das] Internet gab es noch nicht. Das einzige Deepfake von Hans Robert Jauß war seine Vita. Poetik des Schweigens und Hermeneutik der Behaglichkeit [Hans Robert Jauß (1921-1997) … Die NS-Belastung von Jauss als Offizier in der Waffen-SS, seine von ihm bestrittene Verstrickung in Kriegsverbrechen sowie sein Verhalten nach deren Bekanntwerden, waren Anlass für eine international geführte Diskussion. [**]| https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Robert_Jau%C3%9F (Datum / Stand: 12. März 2026)]. …“ | Aus: „Von den Menschen oder unter Ulmen“ Bersarin (Veröffentlicht am 20. März 2026) | Quelle: https://bersarin.wordpress.com/2026/03/20/von-den-menschen-oder-unter-ulmen/

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[**] “ … In Deutschland kam es erst ab Mitte der 1990er Jahre zu einer breiteren öffentlichen Diskussion. [Jens Westemeier: Hans Robert Jauß. Jugend, Krieg und Internierung. Wissenschaftliche Dokumentation. Konstanz 2015, S. 4, siehe: (PDF: https://www.uni-konstanz.de/shared/Dokumentation_Jauss_UniKN_20052015.pdf)] Sie wurde von dem US-Wissenschaftler Earl Jeffrey Richards mit einem Aufsatz in einer französischen Publikation ausgelöst, der konstatierte, dass in akademischen Kreisen eigentlich „alle, die es haben wissen wollen“, auch Bescheid gewusst hätten. … // … [Die Theorie der Rezeption – Rückschau auf ihre unerkannte Vorgeschichte. In seiner Abschiedsvorlesung, die er am 11. Februar 1987 aus Anlass seiner Emeritierung gehalten hat, weist Jauß darauf hin, wie sich seit 1967 mit dem Konzept der Rezeptions- und Wirkungsästhetik eine Umorientierung in den Philologien vollzogen habe. Die Instanzen Autor, Werk und Empfänger seien an dem Prozess der ästhetischen Kommunikation, als der die Geschichte der Literatur und der Künste begriffen werde, gleichermaßen beteiligt. Der Rezipient, der in den bisherigen Darstellungsformen keine große Bedeutung gehabt habe, sei in der von der so genannten Konstanzer Schule entwickelten Rezeptionstheorie in sein historisches Recht eingesetzt worden. Jauß stellt dann die Geschichte des Begriffes Rezeption dar und bemerkt vorher, „dass die Vorgeschichte erst aus der Nachgeschichte einer eingetretenen Wende voll erkennbar werden“ könne.]“



Abschweifungen …



„Das schwierige Erbe des Hans Robert Jauß“ Thomas Wagner (21.05.2015)
https://www.deutschlandfunk.de/uni-konstanz-das-schwierige-erbe-des-hans-robert-jauss-100.html


“ … Der bundesrepublikanische Professor Jauß war ein herausragender Wissenschaftler und zumindest in seinen Schriften ein eingefleischter Demokrat, so wie der SS-Mann Jauß ein herausragender Hauptsturmführer und ein eingefleischter Nazi gewesen war. … Das Verstörende am Wissenschaftler Jauß besteht nicht darin, dass seine Texte elementar vom NS infiziert wären. Das Verstörende besteht darin, dass sie das nicht sind. … “ | Aus: „Claude Haas: Verstörungen. Neue Publikationen zum Fall Hans Robert Jauß (ZfL BLOG, 30.1.2017) | Quelle: https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2017/01/30/claude-haas-verstoerungen-neue-publikationen-zum-fall-hans-robert-jauss/

“ … Für den Entschluss der Aufarbeitung, die vom Rektor Ulrich Rüdiger getragen und gegen lokale Widerstände verteidigt wurde, hatten sich die Konstanzer allerdings viel Zeit gelassen. Die Gerüchte über Jauß‘ Verfehlungen kursierten immerhin schon seit den Siebzigerjahren. Konkreter wurden die Vorwürfe Mitte der Neunziger, Jauß selbst orakelte stets ausweichend, während die nähere Umgebung die Sache nach gewohnten Mustern bagatellisierte, sie zur Jugendsünde eines Siebzehnjährigen erklärte, welcher er bei Kriegsende – im Rang eines SS-Hauptsturmbannführers – schon lange nicht mehr war. … Eine handgreifliche Mitwirkung an Kriegsverbrechen ist Hans Robert Jauß nicht nachzuweisen, auch nicht nach Rekonstruktion seiner Laufbahn als eines seit Kriegsbeginn freiwilligen SS-Kämpfers und beinahe lückenloser Rekonstruktion seiner Einsatzorte an der West- und vor allem an der Ostfront vor Leningrad 1942, bei Narwa 1944 und in Kroatien 1943. Aber: Dieser Hans Robert Jauß, der bereits aus einem stark von NS-Ideologien infizierten familiären und schulischen Milieu stammte, war als SS-Mann von der ersten bis zur letzten Stunde ein überzeugter Weltanschauungskrieger. Von seiner und von Hitlers Sendung, Europa und die Welt vom „Bolschewismus“ – synonym für das „internationale Judentum“ – zu befreien, war er felsenfest überzeugt. Er lehrte dies selbst auf Junkerschulen im sogenannten Weltanschauungsunterricht. … In Kroatien befehligte Jauß Einsatztrupps und eine ganze Kompanie im Zuge der sogenannten „Banden-“ und „Partisanenbekämpfung“. Dabei kam es zu Grausamkeiten gegenüber der Zivilbevölkerung durch das Bataillon, zu dem die von Jauß befehligte Kompanie gehörte. Das Ausmaß der Grausamkeiten wurde sogar von den verbündeten Ustascha-Milizen und von höheren Wehrmachtsoffizieren beklagt. Für diese Kriegsverbrechen war Jauß mitverantwortlich. Über alles, was er selbst über seine Karriere bei der Waffen-SS und seine Kriegseinsätze verlauten ließ, einschließlich der Entlastungslegende von den „Soldaten wie anderen auch“, kommt Westemeier zu einem Fazit, das dem Literaturwissenschaftler auf seinem ureigenen Feld widerspricht: „Der von Jauß tradierte Narrativ stimmt mit der Forschungslage nicht überein.“ …“ | Aus: „Überzeugter Weltanschauungskrieger“ Volker Breidecker (22. Mai 2015) | Quelle: https://www.sueddeutsche.de/bildung/studie-die-zwei-leben-des-hans-robert-jauss-1.2488583


Jens Westemeier: Hans Robert Jauß. Jugend, Krieg und Internierung – Perlentaucher (2016)
https://www.perlentaucher.de/buch/jens-westemeier/hans-robert-jauss.html

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Gedankensprünge:

Im Zusammenhang mit der Finanzkrise schreibt Christian Ankowitsch am 02. März 2009 in der FAZ: “ … Manager … sind role models … Es war der 13. Februar 2008 … Damals erschien einer jener Artikel, in denen Konzernchefs gerne schreiben, Führungskräfte seien „Vorbilder“ und ihr Führungsstil der „wahre Schlüssel zum Erfolg“. Die Leitlinien des idealen Führungsstils entwickelte der Autor, wenig überraschend, entlang klassischer Männertugenden wie Durchsetzungsfähigkeit, Mut und Leistungsbereitschaft. Das gelte besonders in Krisenzeiten. Zum vielbeachteten Dokument männlicher Hybris wurde der Text erst, als exakt einen Tag nach dessen Erscheinen das Privathaus und das Büro des Autors durchsucht wurden – und zwar wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung von mehr als einer Million Euro. … Ein allererster Schritt müsste also darin bestehen … Männer zum Sprechen zu bringen, sie einigermaßen präzise Auskunft geben zu lassen. Über ihre Allmachtsphantasien, ihre Angst vor dem Versagen, ihr klägliches und/oder mondänes Leben, ihre Traurigkeit, ihre Ohnmachtsgefühle, ihre Gier, ihr Verständnis von Verantwortung, Mut, Pflichtbewusstsein, Anstand, Emanzipation und Selbstkritik. Mit einem Wort: Sie müssen endlich die Klappe aufmachen und Auskunft geben über den Kern ihres Mannseins. …“ | Aus: „Männerbilder in der Krise: Stellt euch, ihr Memmen!“ Christian Ankowitsch (02. März 2009) | Quelle: FAZ

“ … Respekt, Ehre und Männlichkeit sind für die meisten Gefängnisinsassen wichtige Kategorien, ihre Identität kreist um diese Werte. Sie sind von klein auf von Frauen umgeben, die ihnen sagen: „Seid nicht so laut und grob!“ Aber die Jungs denken: Das ist Frauengerede. Der Psychiater Hans-Ludwig Kröber hat in seinem Essay Töten ist menschlich darauf hingewiesen, dass man der Gesellschaft einen Bärendienst erweist, wenn man die traditionellen Männlichkeitskonzepte ignoriert oder als bloß defizitär stigmatisiert und pathologisiert. Die moderne und von Frauen dominierte weiche Pädagogik versucht, Kindern Aggression auszureden und abzugewöhnen. Gewalt sei böse und müsse vermieden werden. In jener Lebensphase aber, in der männliche Jugendliche ein Selbstkonzept entwickeln, sind sie von den Rollen des Kämpfers, Kriegers oder Banditen fasziniert. Am nächsten kommt diesem Konzept der Sportler. In beiden Fällen geht es um den Einsatz des Körpers, um das Risiko. Die Anziehungskraft, die bestimmte Subkulturen auf Jugendliche ausüben, liegt weniger in deren Ideologie als in ihrer Gewaltbereitschaft und der Möglichkeit, Aggressionen auszuleben und sich auszuprobieren. Kröber sagt sinngemäß: Ein männlicher Umgang mit jugendlichen Straftätern ist absolut notwendig. Sie müssen spüren, dass man sie nicht zu Mädchen umerziehen möchte, sondern zu selbstdisziplinierten Männern. Sie müssen nach Regeln kämpfen lernen. Sie brauchen Männer als Vorbilder und männliche Paten. Gewalt darf nicht tabuisiert werden, sondern muss in Power umgewandelt werden.
… Es wimmelt in der Halb- und Unterwelt von Hitzköpfen, die nach Bestätigung und Anerkennung dürsten. Der ständige und scheinbar anlasslose Einsatz von Gewalt dient ihnen dazu, in einer Art fortwährendem Turnier Hierarchien zu etablieren. … “ | Aus: „Der Fremde“ Götz Eisenberg (05.06.2014) | Quelle: http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-fremde-1

“ … Schland 14:23 Uhr: Eine reaktionäre Politik hat negative Folgen für alle. Die Verblödung geschieht absichtlich seit den 90er Jahren im Zusammenhang mit der neoliberalen Politik. Dieter Bohlen und Bushido sind keine guten Vorbilder, und doch wurden sie als Stars an wichtiger Stelle ins Fernsehen gesetzt. Promis sind Vorbilder. Ob das idiotische Machos sind oder Fußballer: Es ging um einen neuen Macho-Kult. Zum Macho, der eher mit Muskeln und ordinärem Verhalten glänzt, gehört das weibliche Dummchen. Überall wird die Frau als immer verfügbares Sexobjekt dargestellt, als dauergeile Huren. Dies wirkt natürlich auf Männer aus streng patriarchalischen Kulturen fatal. Pornografie hat stark zugenommen, die Beziehungen dagegen nehmen ab. Wenn „schwul“ und „Weichei“ ein Schimpfwort ist für verständnisvolle eher weiche Männer, ist das schlecht für sensible Jungs. …“ | Kommentar zu: „Nach Amoklauf in München: Die Einzeltäter sind Teil einer „Jungenkrise““ Walter Hollstein (25.07.2016) | Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/nach-amoklauf-in-muenchen-die-einzeltaeter-sind-teil-einer-jungenkrise/13919532.html

“ … Feridun Zaimoglu, geboren 1964 im türkischen Bolu, kam 1965 nach Deutschland. Er veröffentlichte zahlreiche Romane und Theaterstücke. Zuletzt den Roman „Isabel“ bei Kiepenheuer & Witsch. Er lebt in Kiel und hat kein Internet. Hier schreibt er regelmäßig über Merkwürdigkeiten, die ihm in seinem Alltag begegnen. Die Texte schickt er natürlich per Fax.Männer, die einen Kodex haben. Frömmler, die Frauen strafen. Unser Kolumnist sagt: Ein Leben ohne Ehre und Eide ist das bessere Leben.

… Späte Nacht, bin abgekämpft, an den Nebentischen sitzen Abgekämpfte meines Schlages … Es tritt aus dem Dunkeln heraus eine Frau, sie kennt mich aus der Zeitung. Sie fragt, ob sie sich setzen darf, ob sie stört. Ich sage blöd: Bitte ja, wieso nicht? Wir sprechen, wir sprechen über die Ehre. Was ist das? Etwas, was mit dem echten Leben nichts zu tun hat: Ehre ist das Kostüm aus Rattenhäuten, in das ein Mann schlüpft. Ein Wahn, für den die Frauen mit ihrem Blut bezahlen. Die Zeit der Ehrenduelle ist vorbei. Es ist jetzt die Zeit der aufgepumpten Ehrenproleten. Sie spricht: Männer, die beim Schwur die Hand aus Herz legen. Männer, die die Himmelsmacht beschwören. Onkel, Cousins, Vettern haben sich mir unsittlich genähert. Ich war ein keimendes Mädchen. Und ich dachte: Wofür bestrafen sie mich? Habe ich gesündigt? Ist mein Schweiß der Sündenseim, der mir die Haut glänzen macht? Sie gingen ins Gotteshaus, sie legten das Strickkäppchen aufs Haar, sie lauschten den Worten des Predigers. Nachts, wenn sich auf alles ein Schleier legte, wenn ich im Dunkeln lag, kamen sie über mich und ich lag danach im verschmutzten Bett. Das Laken und die Bettdecke brannten. Und ich brannte, weil ich schlecht war. Die Männer brachten mir Schlechtigkeit bei. … Schrott am Hamburger Himmel, ich schlüpfe in den Mantel, bestelle eine Karaffe Wasser. Ehre. Eine Kultur der Männer mit Ehre, die von der Keuschheit der Kindsfrauen reden, die sie heiraten – was ist das? Eine Perversion. Die Männer sagen: Das Ahnengesetz bindet uns. Scham und Schicklichkeit, darauf legen wir uns fest. Durch die Schande wird eine Frau ruchlos … Was steckt hinter dem Geschwätz? Die Ehrenmänner stricken an der Lüge, die sie sich über die Schultern werfen wie einen alten geerbten Überwurf. Ich denke über die Männer nach, die in Scharen nach Deutschland kommen. Deutsche Frauen helfen ihnen unentgeltlich und doch müssten sie ein Unbehagen spüren. Werden die vertriebenen Kurden und Araber am Brauchtum ihrer Herkunftsländer festhalten, weil es Rettung verspricht in einer unverständlichen Welt? Kippt die Stimmung, wenn die ersten Ehrenrächer die Frauen ihrer Sippe strafen? Albaner, Türken, Kurden und Araber – was haben sie gemeinsam? Den Ehrenkodex, den viele fiese Frömmler heiligen. Treueschwur und Eidbruch, das sind für sie keine hohlen Worte. Großherzig sind die Deutschen, da sie die Flüchtlinge willkommen heißen. Fremde Männer fremder Sitten: Sie sind dankbar für das Bleiberecht, das ihnen gewährt wird. Leben sie sich ein, erkennen sie die Verkommenheit der Ordnungen denen sie entflohen sind? In den kleinen Parallelwelten, die man Türkenviertel nennt, gibt es uneinsehbare Abseiten, dunkle Katakomben, Hinterzimmer in Häusern auf Hinterhöfen. Sektenjünger und Splittergruppenmarxisten lehren hier die Regeln der Frechheit: Erkennt das Andere, das Fremde, nicht in euch. Erkennt es an den Deutschen, beben die Eiferer vor Glück, weil sie auf Anhang unter den neuen Einwanderern hoffen? Ich denke an die Kinder, an die Mädchen. Man erlaubt es ihnen nicht, dass sie heraustreten aus der Gemeinschaft der wahnverstrickten Männer. Ich hoffe, dass sie es schafften. Ein Leben ohne Ehre und Eide ist das bessere Leben. …“ | Aus: „Die Zeit der Ehrenproleten“ (21. September 2015 um 8:00 Uhr) | Quelle: http://www.zeit.de/freitext/2015/09/21/feridun-zaimoglu-ehre-maenner/

“ … Straw Dogs – Wer Gewalt sät, Originaltitel: Straw Dogs, Produktion USA 1971, Laufzeit: 113 Minuten, Kinostart: 30.03.1972, Regie: Sam Peckinpah – Straw Dogs, Sam Peckinpahs nihilistisches Meisterwerk um instabile Geschlechterverhältnisse … Die beiden Fronten, die in dem zaghaften David und den rohen Cornwallern aufeinander treffen, entsprechen letztlich zweierlei Entwürfen von Maskulinität. … Nach dieser Logik müsste er im gnadenlosen Finale des Films als Held hervorgehen. Dass dies nicht der Fall ist, liegt an der Durchlässigkeit und Ambivalenz der in Straw Dogs dargestellten Geschlechterbilder und Wertvorstellungen, die den Film unmissverständlich zu einem Dokument seiner Zeit machen. Davids Überschreitung der eigenen Grenzen ist absolut und unumkehrlich. Wie es am Ende in der Bejahung einer moralischen Bankrotterklärung heißt: „I don’t know my way home“. …“ | Quelle: Aus: „Straw Dogs – Wer Gewalt sät“ Katharina Stumm (16.07.2007) | Quelle: http://www.critic.de/film/straw-dogs-wer-gewalt-saet-930/ || Straw Dogs (1971 film) ->> https://en.wikipedia.org/wiki/Straw_Dogs_(1971_film)

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“ … In der neuen Netflix-Doku Inside the Manosphere [„His genius is he turns up, no judgement, and asks apparently naive questions and then just waits.“, https://www.imdb.com/de/title/tt39792948/] besucht der Reporter Louis Theroux die TikTok-Stars der Maskulinistenszene in ihrer menschenverachtenden Parallelwelt. Er befragt sie zu ihrem Geschäftsmodell (Provokation), ihrem Frauenbild (alles Huren!), ihren Geschirrspülern (Frauen), ihrer Moral (Geld) und fördert nicht viel Neues zutage. Noch dazu lässt er einige Ungeheuerlichkeiten unkorrigiert stehen. Für besorgte Erziehungspersonen ist der Film dennoch ein guter Einstieg ins Thema. … Alles, was einer echten Emanzipation der Geschlechter im Weg stand, war schon vor einem halben Jahrhundert bekannt. Aber dass Männer je bereit sein könnten, ihre Gefühle und Ängste zu verstehen, war damals noch undenkbar. … Die Sprachlosigkeit der älteren Generationen auslöschen – [ ] wäre [ ] eine hervorragende Investition in die Zukunft …“ | Aus: „Der gute Mann als Bro“ Rabea Weihser (28. März 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/feuilleton/2026-03/bro-kultur-manosphere-jungenkrise-buch

[Rudi Meisel (Photographie)…]

Schönhauser Allee / Dimitroffstraße, Prenzlauer Berg, Berlin, 1984 – heute U-Bahnhof Eberswalder Straße) via „Vor meinem Auge“: Rudi Meisel zeigt die „kleinen Leute“ in Ost und West (14.03.2026) | Quelle: https://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/panorama/Vor-meinem-Auge-Rudi-Meisel-zeigt-die-kleinen-Leute-in-Ost-und-West-id30408245.html
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“ … Meisels Thema ist der Alltag. Er bereiste die DDR mit der Journalistin Marlies Menge, die für die „Zeit“ akkreditiert war, während für Meisel jeweils Genehmigungen unter Angabe des Themas und der vorgesehenen Orte besorgt werden mussten. So entstanden Fotografien auf dem Berliner Alexanderplatz, aber auch in Vororten und in der Provinz, in abgelegenen Orten wie Zittau oder Bösleben. Einige der Reportagen sind damals auch als Buch erschienen: „Städte, die keiner mehr kennt“ ist heute nur noch antiquarisch erhältlich und für sich ein Stück Zeitgeschichte. …“ | Aus: „Das Ballett auf der Strasse: Eine Foto-Ausstellung von Rudi Meisel im ZZF Potsdam“ (2017) | Quelle: https://visual-history.de/2017/02/13/das-ballett-auf-der-strasse/

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… Auch wenn sich Rudi Meisel selbst nicht in der Tradition der Straßenfotografie sieht, so ist sein Interesse am Leben, wie es sich seiner Kamera im öffentlichen Raum – den Straßen, Plätzen, U-Bahnstationen, Lokalen und Geschäften – darbietet, doch augenscheinlich.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rudi_Meisel

[Wirklichkeitsbezug #33 … ]


// Bild via https://medieninitiative.wordpress.com/2013/01/08/adorno-on-tv/
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// Kontext:
// Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug ist ein Kapitel aus der Dialektik der Aufklärung,
// einer Sammlung von Essays von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1944.
// Mit Kulturindustrie meinen die Autoren die gesellschaftliche Implikation von kulturellen
// Ereignissen und Erzeugnissen. … | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturindustrie_%E2%80%93_Aufkl%C3%A4rung_als_Massenbetrug

Dialektik der Aufklärung (im Untertitel Philosophische Fragmente) ist eine Sammlung von Essays von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1944 und gilt als das grundlegendste und eines der meistrezipierten Werke der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule. …
https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik_der_Aufkl%C3%A4rung

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“ … Theodor W. Adorno beklagte noch offen resigniert das Unterhaltungsbedürfnis der Massen, 80 Jahre und eine digitale Revolution später fordert ein Massenpublikum mit Bewertungsstürmen auf Amazon die professionelle Kritik heraus. Geschmacksfragen können Machtfragen sein, folgerichtig verhandelt Johannes Franzen auch die wiederkehrende Diskussion über den Kunstkanon und das heikle Verhältnis von Kunst und Moral, Kunst und Politik. … Fragen ästhetischer Vorlieben bergen eine […] existenzielle Selbsterzählung in sich. Genau deshalb ist der Streit darüber alles andere als unschuldig, sagt Franzen: „Weil jeder Angriff auf unseren Geschmack, auf das, was wir lieben, eigentlich ein Angriff auf unsere Identität ist.“ … Den Konflikt betrachtet [Das Buch „Wut und Wertung“ (2024)] als Motor der Kulturgeschichte, und es führt … die Lust am Streit [vor]. Geschmacksdebatten, sagt Johannes Franzen, seien nun einmal „Messerstechereien“, ein „ästhetischer Nahkampf, der im Alltag passiert“. Oft unsauber und hart, aber gerade deshalb auch sehr vital. … “ | Aus: „“Wut und Wertung“: Warum streiten wir so hart über Geschmack?“ Beate Meierfrankenfeld (14.10.2024) | Quelle: https://www.br.de/nachrichten/kultur/wut-und-wertung-warum-streiten-wir-so-hart-ueber-geschmack,UQanlIE // https://www.perlentaucher.de/buch/johannes-franzen/wut-und-wertung.html


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“ … [es] scheint die Unterscheidung zwischen Ästhetischem und Nichtästhetischem heute problematisch geworden zu sein: der kunsttheoretischen von der „Entgrenzung der Kunst und der Künste“ einerseits und der kulturkritischen von der „Ästhetisierung der Lebenswelt“ andererseits. …Welche Rolle spielen technologische und ökonomische Faktoren für die diagnostizierten Entwicklungen? …“ | Aus: „Dimensionen des Ästhetischen“ (-) | Quelle: https://fzhg.org/forschung/dimensionen-des-aesthetischen


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“ … Lange Zeit war das auch eine praktikable Strategie der Kritik, zu sagen: Da, wo das Blöde wächst, wächst auch das Subversive. Der Schlüsselbegriff dazu ist seit einem halben Jahrhundert die Ironie. Man kann die Bild-Zeitung wie ein dadaistisches Gesamtkunstwerk lesen oder, wie Enzensberger meinte, das Fernsehen als buddhistisches Nullmedium begreifen. Wenn man sich aber die Leute vor dem Fernsehen ansieht, muss man feststellen: Das stimmt leider nicht. Die Verblödung des Intellektuellen ist die Ironie. …“ | Aus: „“Blödheit ist ein sozialer Drogencocktail““ Thomas Edlinger, Fritz Ostermayer (1.6.2011) | Quelle: https://www.falter.at/zeitung/20110601/bloedheit-ist-ein-sozialer-drogencocktail
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“ … Den eigenen Informationskonsum selbstbestimmt zu organisieren. Die Perspektive, in einem sozialen Netzwerk keine Inhalte empfohlen zu bekommen – so habe ich es schon mehrmals in persönlichen Gesprächen erlebt – löst bei vielen Social-Media-Afficionados (Enthusiasten oder Kenner), auch solchen, die unter den Schattenseiten etablierter Plattformen leiden, ungläubiges Staunen oder gar Entsetzen aus. Nach Jahren individuell passgenau dargereichter Spotify-Playlists, Youtube-Videos und Facebook-Posts scheint es undenkbar, Zeit und Aufwand zu investieren, den eigenen digitalen Konsum komplett auf sich allein gestellt zu kuratieren. Wer jedoch dazu nicht bereit ist, kommt nicht umhin, Trolle, KI-Slop, Fake News und Propaganda in Kauf zu nehmen. Denn eine proprietäre Social-Media-Plattform, die nicht irgendwann „enshittified“ wird [„Die Zeit“ übersetzte das Wort „Enshittification“ als „Verschlimmscheißerung“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Enshittification], sei es durch Nachlässigkeit oder Absicht der Betreiber, hat es noch nie gegeben. Die Zeichen für eine breite Durchsetzung dieser Vision von dezentraler sozialer Vernetzung stehen denkbar schlecht – heute mehr als noch vor einigen Jahren. …“ | Aus: „Selbstbestimmt und dezentral: Zur alternativen Geschichte und Gegenwart von Social Media“ Gleb Albert (15. März 2026) | Quelle: https://geschichtedergegenwart.ch/selbstbestimmt-und-dezentral-zur-alternativen-geschichte-und-gegenwart-von-social-media/


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“ … In ihrem Gespräch hatte McConaughey […] die Kritik aufgegriffen, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauerinnen inzwischen so zerschossen sei, dass die langsamen ersten Akte früherer Filme oft gestrichen würden. Man müsse die Menschen schnell unterhalten oder man verliere sie direkt an ihre Telefone. Es handelt sich um eine Kritik, die gerade den ästhetischen Diskurs bestimmt. … Vor kurzem hat Matt Damon diese Beobachtung noch einmal bestätigt: Im Zeitalter des Streamings folgt das Erzählen einer Ästhetik der Zerstreuung [https://www.theguardian.com/film/2026/jan/19/matt-damon-netflix-plot-explained-phones]. …Der ästhetische Populismus ersetzt die Expertenmeinung … durch den Demokratismus der massenhaften Hingerissenheit [https://de.wikipedia.org/wiki/Obsession]. … Im Januar 2026 [ ] erschien im Atlantic ein alarmistischer Artikel mit dem Titel: „The Film Students Who Can No Longer Sit Through Films“. Beklagt wurde, dass selbst Filmstudierende nicht mehr in der Lage seien, ohne Unterbrechung konzentriert einen Film zu schauen. Der Artikel folgt auf einen vielbeachteten Text von 2024 (ebenfalls im Atlantic), in dem es um „The Elite College Student who can’t read Books“ ging. In der Niedergangsgeschichte der Kultur ist der Film also nur noch ein Jahr von der schon lange darbenden Literatur entfernt. … “ | Aus: „Timothée Chalamet vs. Oper und Ballett“ Johannes Franzen (Mar 09, 2026) | Quelle: https://kulturundkontroverse859.substack.com/p/timothee-chalamet-vs-oper-und-ballett

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“ [Alyssa Loh:] … Aufmerksamkeit ist viel mehr als eine Zeitspanne. Es ist eine Art, in der Welt präsent zu sein, mit dem Geist und den Sinnen. Sie beeinflusst, wie wir unser Leben erfahren, wie es sich anfühlt, mit unseren Kindern, Eltern, Freunden zu sein. Für vieles Gute im Leben ist die Aufmerksamkeit zentral. Auch für die Demokratie. … Für einen produktiven politischen Diskurs müssen Menschen sich einander zuwenden, zuhören – sich also Aufmerksamkeit schenken, gerade wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. Das klappt am besten, wenn sie sich im echten Leben begegnen. Die digitalen Räume, in denen heute viele politische Debatten ausgetragen werden, sind zunehmend monetarisiert und so gestaltet, dass sie produktive Gespräche verunmöglichen. … Techkonzerne verdienen viel Geld an unserer Wut und daran, uns zu spalten. Isoliert vor unseren Geräten geraten wir zudem leichter in ideologische Silos. Es ist schwer vorstellbar, dass die Polarisierung in den USA den heutigen Krisenpunkt ohne die zunehmende Kommerzialisierung der Aufmerksamkeit erreicht hätte. … Zwischen uns Menschen und der Techbranche gibt es eine immense Asymmetrie. Viele beginnen erst jetzt, über die Rolle der Aufmerksamkeit in unserem Leben nachzudenken. …“ | Aus: „„Immer mehr Menschen merken, dass etwas nicht stimmt““ Interview mit Alyssa Loh von Tobias Bachmann (16.3.2026) | Quelle: https://taz.de/Aufmerksamkeitspolitik/!6157040/


amigo (17.03.2026 09:24 Uhr): “ … Wir starren auf leuchtende Kacheln, während die Welt um uns herum verblasst. Die psychische Abhängigkeit vom Smartphone hat uns in eine digitale Isolation getrieben, die wir fälschlicherweise „Vernetzung“ nennen. Während wir im Sekundentakt Dopamin-Schübe durch belanglose Likes ernten, stirbt die echte, zwischenmenschliche Resonanz. Wir sind physisch anwesend, aber geistig in den Echokammern von Algorithmen gefangen, die darauf programmiert sind, unsere Aufmerksamkeit zu stehlen und unsere Wut zu bewirtschaften. Diese Dauerberieselung führt zu einer schleichenden Entsolidarisierung. [Wir verlieren] … den Blick für das Gegenüber, für die Nuancen des Gesprächs und die Not des Nachbarn. Wir verlernen das Zuhören und die Geduld. Das Handy ist zum Schild geworden, hinter dem wir uns vor echter Begegnung verstecken. Es ist Zeit, den Blick zu heben! Wahre Solidarität braucht Augenkontakt, kein Emoji. …“

[Der Blick in die Kamera #91… ]

Yanar Mohammed (1960-2026)

„Nachruf auf Yanar Mohammed: Feministische Ikone im Irak ermordet“ (4.3.2026)
https://taz.de/Nachruf-auf-Yanar-Mohammed/!6159588/

Yanar Mohammed (geboren 1960 in Bagdad; gestorben 2. März 2026 ebenda) war eine irakisch-kanadische Architektin, Menschenrechtsaktivistin und Frauenrechtlerin. Sie war Gründerin der Organization of Women’s Freedom in Iraq (OWFI), die sich im Irak für Demokratie, Frauen- und Menschenrechte einsetzt und praktische Hilfe leistet. …
https://de.wikipedia.org/wiki/Yanar_Mohammed

[Kriegsschauplätze #57…]

… Das Weltgeschehen wird von Schurken bestimmt. Wie weit sind wir von einer solidarischen, egalitären Gesellschaft mit Freundlichkeit als vorherrschendem Kommunikationsstil entfernt, der wir uns mal so nahe oder doch auf der Spur wähnten? … // Götz Eisenberg (4. März 2026)

Screenshot ntv (04.03.2026, 20:08)
https://www.n-tv.de/politik/Hegseth-relativiert-Angriff-auf-Maedchenschule-im-Iran-id30431760.html
https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Wir-schlagen-auf-sie-ein-waehrend-sie-am-Boden-liegen-id30431176.html

Opfer des Russisch-Ukrainischen Krieges
„… Der Russisch-Ukrainische Krieg hat eine hohe Anzahl Opfer gefordert; dazu gehören einige wenige Tote durch die relativ unblutige Annexion der Krim durch die Russische Föderation im Jahr 2014, gefolgt von Tausenden von Toten unter der Zivilbevölkerung und den verschiedenen Streitkräften während des folgenden von Russland angeschobenen Krieges im Donbas. Mit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 vervielfachte sich die Zahl der Todesopfer. …“
https://de.wikipedia.org/wiki/Opfer_des_Russisch-Ukrainischen_Krieges

Chronologie des russischen Überfalls auf die Ukraine
https://de.wikipedia.org/wiki/Chronologie_des_russischen_%C3%9Cberfalls_auf_die_Ukraine

Chronik des russischen Überfalls auf die Ukraine ab 2026
https://de.wikipedia.org/wiki/Chronik_des_russischen_%C3%9Cberfalls_auf_die_Ukraine_ab_2026

“ … Seit vier Jahren erleidet die ukrainische Bevölkerung unsagbares Leid. Die allabendlichen Bilder in den Nachrichten sind für jeden, der sich ein Gewissen bewahrt hat, unerträglich. … Wir sollten uns … an die Orwellsche Maxime halten, dass Grundrechte und Menschenwürde überall und bedingungslos zu verteidigen sind. Das Weltgeschehen wird von Schurken bestimmt. Wie weit sind wir von einer solidarischen, egalitären Gesellschaft mit Freundlichkeit als vorherrschendem Kommunikationsstil entfernt, der wir uns mal so nahe oder doch auf der Spur wähnten? … Wohin hat sich die Vernunft zurückgezogen? … Donald Trump hat schon wieder eine seiner monomanischen Selbstbeweihräucherungen in Szene gesetzt. Vor beiden Kammern des Parlaments hielt er eine fast zweistündige „Rede zur Lage der Nation“. Wie immer machte er eine Vielzahl falscher und irreführender Aussagen. … Seine Claqueure sprangen von ihren Sitzen und applaudierten begeistert. … Der Kongress verwandelte sich in eine einzige Gymnastikgruppe, die Kniebeugen absolvierte. Nach jedem Trump-Kalauer sprangen die Republikaner von ihren Sitzen auf, applaudierten frenetisch und setzten sich dann wieder. … “ | Aus: „138 | Die Streu des Alltags“ Götz Eisenberg (4. März 2026) | Quelle: https://durchhalteprosa.de/2026/03/04/138-die-streu-des-alltags/

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“ … Im Jargon der Pariser hießen die Ausübenden der Tätigkeit „Chevaliers de lustre“, Ritter des Kronleuchters. … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Claqueur

[Wirklichkeitsbezug #32 … ]

Golden Shop (Bremen) | https://thegoldenshop.org/

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Lotta Drügemöller „Von Bremen geliebt, vom Kulturstaatsminister gecancelt“ (4.3.2026) | “ … Der ,,Golden Shop“ in Bremen ist eine Institution. Den Buchhandlungspreis bekommt er wegen Extremismusgefahr nicht. … ,,Wo das freie Wort zu Hause ist“, so hat der Kulturstaatsminister im August 2025 die aktuelle Runde des Deutschen Buchhandlungspreises übertitelt. Der Titel ist schlecht gewählt. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung (SZ) hat Wolfram Weimer, der Beauftragte für Kultur und Medien der Bundesregierung, selbst in die Arbeit der Jury eingegriffen: Drei von eigentlich 118 ausgezeichneten Buchhandlungen wurden ausgeschlossen. Hingewiesen wurde darauf ursprünglich nicht: Es wurden von der Jury einfach nur 115 Preisträger*innen an die Medien gemeldet. Gleich zwei der drei missliebigen Buchhandlungen kommen aus Norddeutschland. Neben dem Berliner ,,Zur schwankenden Weltkugel“ waren das laut SZ der linke Göttinger Buchladen ,,Rote Straße“ und der linke Bremer ,,Golden Shop“. Das Kulturministerium will die drei Namen nicht bestätigen. …“ | Quelle: https://taz.de/Buchlaeden-von-Buchpreis-ausgeschlossen/!6159819/
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Kabeljau (04.03.2026): “ … Da träumt man nur ein bisschen vom Sozialismus und schon wird man von der Gesellschaft, die man verachtet, nicht mehr ausgezeichnet. Was für eine Welt. …“
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elfotografo (04.03.2026): „…“ … wird man von der Gesellschaft, die man verachtet, nicht mehr ausgezeichnet.“ Herr Weimer ist „die Gesellschaft“? …“

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Hansen85 (04.03.2026): “ … Wann werden endlich die unerträglich linken Kampfschriften wie Das Tagebuch der Anne Frank verboten, Herr Weimer? Kommen sie, das bekommen sie auch noch hin. Nur über den großen Teich blicken. …“

Kontext: “ …Mehr als 4000 Bücher wurden laut dem US-amerikanischen Autorenverband Pen allein 2023 in US-Schulbibliotheken verboten – ein Höchststand. Betroffen sind Werke, in denen es um Rassismus oder queere Menschen geht. Es trifft aber auch Bücher wie das «Tagebuch der Anne Frank» oder einen Comic über den Holocaust. …“ (Aus: „Bücherverbote in den USA – «Die Bücher bekommen durch die Verbote einen besonderen Reiz»“, 18.08.2024)
Quelle:
–> https://www.srf.ch/news/international/buecherverbote-in-den-usa-die-buecher-bekommen-durch-die-verbote-einen-besonderen-reiz
–> https://www.spiegel.de/kultur/literatur/schule-in-florida-entfernt-anne-frank-graphic-novel-a-7b769f76-93b3-47e9-9dbe-33b537e990be
–> https://www.welt.de/vermischtes/article6049286/Verbot-an-US-Schulen-Amerikaner-finden-Anne-Franks-Tagebuch-obszoen.html
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elfotografo (04.03.2026): “ … Es ist nicht immer ganz leicht zu beurteilen wer der größere, betonköpfigere, reaktionäre Spießer ist, Merz oder Weimer. Mit dieser Aktion übernimmt letzterer ganz klar die Tabellenführung. …“
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Harry_Tuttle (04.03.3026): “ … „Die drei für die Auszeichnung vorgesehenen Einrichtungen seien wegen ‚verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen‘ von der Liste entfernt worden“ – An anderer Stelle lese ich dazu: „…um welche Art von Erkenntnissen es sich handele, sei auch dem Ministerium nicht bekannt…“ – Wir werden hier also mal wieder komplett für unmündig verkauft. …“
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INTJonas (04.03.2026) “ … Von Weimer ausgeschlossen zu werden, kann ja auch auszeichnend sein…“
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Uwek07 (04.03.2026): “ … Ist nicht ganz Das Level wie von Trump als Freund bezeichnet zu werden, aber immerhin. …“
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Glorreiche Moorleiche (04.03.2026) “ … Quasi unbezahlte Werbung. …“

Kommentar zu: https://www.zeit.de/feuilleton/ausland/2026-03/deutscher-buchhandlungspreis-wolfram-weimer-verfassungsschutz-linksextremismus-kunstfreiheit

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Kontexte #1:


[Und wir, die wir diesem Trugschluss nach wie vor erliegen (Debatten)… ]
Der Deutsche Buchhandlungspreis wird nicht auf der Leipziger Buchmesse verliehen. Hintergrund ist die Debatte um den Ausschluss mehrerer Buchhandlungen.
https://www.subf.net/forum/index.php?msg=14829

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Nachtrag #1:


„Chronik eines Desasters“ Dirk Knipphals (13.3.2026)
„… Zu guter Letzt kam noch heraus, dass das Kulturstaatsministerium auch noch die Unwahrheit verbreitet hat. In den Absagemails an die drei Buchhandlung behauptete es, sie seien von der Jury des Preises „leider“ nicht berücksichtigt worden. Das ist schlicht eine Lüge. Die Buchhandlungen wurden nachträglich aussortiert. … [Es] stellt sich die Frage … [s]oll Wolfram Weimer die Kulturszene fördern? Oder soll er sie unter Kontrolle bringen? Eine weitere Recherche der SZ legt letzteres nahe. Ihr zufolge rät das Bundesinnenministerium unter dem Minister Alexander Dobrindt, das umstrittene Haber-Verfahren, das bei staatlichen Geldern eine Anfrage beim Verfassungsschutz vorsieht, obligatorisch zu nutzen. Und nicht nur das. Das Ganze soll auch heimlich ablaufen. … „
https://taz.de/Wolfram-Weimer-und-die-Buchbranche/!6157097/


Haber-Verfahren (auch Haber-Erlass) ist ein während der Amtszeit von Bundesinnenminister Thomas de Maizière von der damaligen Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern (BMI) Emily Haber aktualisiertes und den Bundesministerien nahegelegtes Vorgehen zur Überprüfung öffentlich geförderter Projekte und Projektträger durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Das Verfahren wurde bereits seit der Amtszeit von Otto Schily im Jahr 2004 praktiziert. … Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Wolfram Weimer verweigerte im März 2026 drei Buchhandlungen die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises, für den jährlich insgesamt eine Million Euro aus dem Bundeskulturhaushalt zur Verfügung stehen. Er berief sich dabei auf das Haber-Verfahren. Der Verfassungsrechtler Christoph Möllers kam in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung zu dem Ergebnis, dass das Vorgehen verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigte Grundrechtseingriffe bei den benachteiligten Buchhandlungen seien, die Klagen angekündigt haben. Unterstützt werden die Buchhandlungen dabei vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels [Jörg Häntzschel: „Wir halten diese Art der Gesinnungsprüfung für vollkommen inakzeptabel“ In: Süddeutsche Zeitung, 9. März 2026, S. 9 (Interview mit dem Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz).]. …
https://de.wikipedia.org/wiki/Haber-Verfahren (14 März 2026)

[Journalismus #29 … ]

… Was können wir wissen? Was müssen wir wissen? Was sollten wir unseren Kindern von all dem Geschehen(en) erzählen? … Einordnen muss ich das wie immer selbst. …

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[21. Februar 1946:] “ … „Die Jahre, die hinter uns liegen, haben den deutschen Leser von der Welt abgeschlossen, ihn in den Nebel der Propaganda gehüllt und der harten Sprache der Tatsachen entwöhnt. Es gilt heute, Trümmer nicht nur in den Straßen der zerbombten Städte wegzuräumen, sondern auch geistige Belastungen einer untergegangenen Epoche, und das kann nur geschehen, wenn wir den Mut haben, ungeschminkt die Wahrheit zu sagen. Nur in der Atmosphäre unbestechlicher Wahrheit kann Vertrauen erwachsen. …“ – Mit diesen Worten beschreibt die Redaktion der „Zeit“ in ihrer Erstausgabe vom 21. Februar 1946, wie sie ihre Aufgabe im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Deutschland sieht. …“ | Aus: „Vor 80 Jahren beginnt in Hamburg die neue „Zeit““ Irene Altenmüller (21.02.2026) | Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/vor-80-jahren-beginnt-in-hamburg-die-neue-zeit,zeit274.html — // https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zeit

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Kommentare zu: https://www.zeit.de/fragen-der-zeit/2026/02/die-zeit-wird-80

Pluto16 (21.02.2026): “ … Vor 45 Jahren hat mich ein Verwandter auf einer Berghütte zur ZEIT bekehrt. Ich war vorher SPIEGEL-Abonnent. Er hat sich übrigens 20 Jahre später aus unserem Universum entfernt und wählt heute AFD. Seitdem ärgere, freue, wundere ich mich jede Woche wieder neu, wie es der ZEIT gelingt, nicht gelingt oder gar völlig daneben geht, mir eine Meinung über diese, unsere verrückte schöne Welt fundiert zu bilden. Was können wir wissen? Was müssen wir wissen? Was sollten wir unseren Kindern von all dem Geschehen(en) erzählen? … Einordnen muss ich das wie immer selbst. …“
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Klimarevoluzzer: “ … Was denke ich? Die Geschichte formt uns. Die Generationen ändern sich, doch der Mensch an sich bleibt. So waren die revolutionären 68er dominierende Fraktion in den Redaktionen- Jetzt sind sie und ihre Kinder längst Teil des neoliberalen Establishments. …“
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Dr. Norbert Rosenwick: “ … Ich habe schon 1959 als Oberschüler auf einem Gymnasium in einer kleinen Stadt in einer urkatholischen Gegend, der Eifel, die Zeit im Abo bezogen. Das habe ich einige Jahre getan, sie aber abgestellt, weil sie mir zu „tantenhaft“ erschien, immer diese sowohl-als auch-Artikel. Das muß in den 1970er Jahren gewesen sein. Seither habe ich mir die Zeit immer wieder gekauft, aber ein wirkliches Interesse an ihr erst im Alter gefunden. Jetzt finde ich sie nicht mehr tantenhaft, aber möglicherweise deswegen, weil ich selber wahrscheinlich onkelhaft geworden bin. …“
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Tutenchnaund: “ … Obwohl ich mit der Blatthaltung in vielem überkreuz liege: Gratulation! …“
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Einschub / Gedankensprung / Kontext (1): [“ … Josef Joffe, Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit, hat versucht, einen Bericht über die Verwicklung der Hamburger Warburg-Bank in den Cum-Ex-Steuerskandal zu verzögern. In dem Brief an den Bankier Max Warburg, aus dem das hervorgeht, äußert er sich zudem schockiert über „Verräter“ aus dem Bankhaus, die die Fahnder erst auf bestimmte Informationen aufmerksam gemacht hätten. …“ | Quelle: https://taz.de/Zeit-Herausgeber-Josef-Joffe/!5854057/ (Gernot Knödler (11.5.2022))| “ … Das Mandat von Josef Joffe ruht seit Mitte Mai 2022, weil er seinen Freund und Banker Max Warburg vor den CumEx-Recherchen der eigenen Zeitung warnte. … , Quelle Meedia Redaktion: „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe lässt sein Mandat ruhen | MEEDIA. 16. Mai 2022, abgerufen am 5. Juni 2022.] [“ … Der Journalist [Überall] vergleicht die Herausgeberrolle Joffes mit der eines Staatsanwalts, der eben immer dann, wenn er in einer persönlichen oder beruflichen engeren Beziehung zu möglichen Beschuldigten oder Betroffenen stehe, sich bei Ermittlungen zurücknehmen müsse. …“ | Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/josef-joffe-brief-cumex-100.html (10.05.2022)] … „
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Einschub / Gedankensprung / Kontext (2): [ „… Die ZDF-«Anstalt» hatte Mitgliedschaften in Nato-nahen Organisationen aufgedeckt. Klagen der Betroffenen scheiterten vor Gericht. Der Herausgeber der Wochenzeitung «Die Zeit», Josef Joffe, sowie der «Zeit»-Journalist Jochen Bittner sind vor dem deutschen Bundesgerichtshof BGH endgültig abgeblitzt. Mit einer Unterlassungsklage gegen die ZDF-Satiresendung «Die Anstalt» wollten sie verhindern, dass weiter verbreitet wird, die beiden Redaktoren hätten Verbindungen zu Organisationen, welche der Nato nahestehen. Der BGH hat ein Urteil des Landgerichts Hamburg am 10. Januar 2017 bestätigt. …“ | Quelle: https://www.infosperber.ch/politik/welt/nato-verbindungen-von-zeit-redaktoren-bestaetigt/

Einschub / Gedankensprung / Kontext (3): [ … DIE ZEIT, Jochen Bittner | Andrea Böhm (30.10.2011): “ … Dieser Krieg war gerecht – Eine Bilanz der Intervention in Libyen … Die erste Militäraktion gegen ein Regime im Namen der Schutzverantwortung ist zu Ende. Unterm Strich war sie erfolgreich. …“ | Quelle: http://www.zeit.de/2011/44/Libyen-Intervention –> Kommentar von ikonaut 30.10.2011 um 19:37 Uhr: … diese Überschrift [Dieser Krieg war gerecht] manifestiert die menschenverachtende Überheblichkeit des „Westens“ […] niemals können anonymisierte Tötungen zahlloser unschuldiger aus fliegenden Hightechmaschinen gerecht sein. … Gekürzt. Bitte verzichten Sie bei Kritik am Autor auf Beleidigungen und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz
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eleesch: “ … Jahrgang 1948, nach dem Freitod Versuch meiner Zwillingsschwester 1964 (sie wurde im Alter von 12 Jahren brutal vergewaltigt) begann ich an der katholischen Kirche und deren Glaubenssätzen zu zweifeln. Mein (liberaler und toleranter) Pfarrer empfahl mir, mich mit dem Thema Evolution zu befassen (Taillard de Chardin). Dann fand ich Zugang zu „Die Zeit“, die sich scheinbar als einzige Zeitschrift kritisch mit dem Christentum auseinandersetze. So wurde sie zu meiner Standardlektüre und wird es wohl bleiben. …“
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Es ist so wie es ist: “ … Ich lese die Zeit sehr gerne, wenn es um gesellschaftliche Themen geht. Wenn es um Geld geht, dann doch lieber die FAZ. Und wenn ich neutral informiert werden möchte, auch. …“
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Affinity “ … Wie kommen Sie auf die Idee, es gäbe ein Medium, das neutral informieren würde? …“
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Ickewarsauch: “ … Bin erst während Corona so richtig auf den Zeit-Geschmack gekommen. Ich sag mal so: Die Zeit ist mit großem Abstand das kleinste Übel in der deutschen Presselandschaft. …“
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“ … Okay, in den gut 900 Seiten Tagebüchern der Jahre 1982 bis 2001, die Fritz J. Raddatz vorgelegt hat, ist einiges los. Und das nicht nur, weil er als Leiter des Kulturressorts der Zeit von 1976 bis 1985 ein schillernder Feuilleton-Fürst jener Jahre war. Den Tagebüchern vertraut die Kulturbetriebsnudel jede Menge lustigen und bösen Tratsch aus dem Inneren des Kultur- und Medienzirkus an: Der dauerbetrunkene Rudolf Augstein taucht als busengrapschender Millionär auf. … Die ewigen Klagen darüber, dass der Sekt bei einem Empfang nicht gut und das Essen bei Gräfin Dönhoff eine Beleidigung seines feinen Gaumens war, das unaufhörliche Geprotze mit seinen Stilmöbeln und seiner „Picasso-Vase“, der Stolz, mit dem er festhält, dass der Zeit-Chefredakteur ihn bittet, den Wein zu bestellen, weil er davon mehr verstehe – das ist komische Angeberei vor sich selbst. Das Distinktionsgewinnlertum hat etwas Parvenühaftes: Wer sich selbst so ausgiebig auf die Schulter klopfen muss, ist sich des eigenen Status trotz aller äußeren Erfolge dann doch nicht so sicher, und das nicht nur, weil er als mehr oder weniger offen Schwuler bei den steifen Hanseaten der Zeit-Chefetage Außenseiterstatus hat, den er seinerseits mit Dandy-Getue und Paradiesvogel-Gespreiztheiten schmückt. Ganz so lustig ist die Kulturbetriebsdauerparty dann auch nicht. Zentrum der 900 Seiten ist Raddatz Rauswurf als Zeit-Kulturchef wegen eines läppischen Fehlers – der bunteste Windmacher der Branche hatte es etwas zu bunt getrieben. In den Tagebüchern kann man schön beobachten, wie Raddatz kein Problem damit hat, seine spießigen Chefs ausgiebig zu verachten und gleichzeitig als gut trainierter Profi mit robustem Erwerbstrieb bei ihnen zu baggern, um als Starschreiber beim „Blättchen“ bleiben zu dürfen. … Von heute aus, wo in den Redaktionen eher gearbeitet als gefeiert wird und Windmacher vom Typ Raddatz etwas peinlich wirken und das Champagnergeschlürfe nicht notwendig zur Stellenbeschreibung gehört, schon weil alle vor allem damit beschäftigt sind, irgendwie zu überleben, liest man die traurig-aufgekratzten Berichte aus dem Innenleben des Betriebs von damals wie Zeugnisse einer völlig zu Recht untergegangenen Welt: umgekippter Kulturbetriebsnudelsalat. Angesichts dieser bunt-trostlosen Milieubeschreibungen, der Mischung aus Wichtigtuerei, Anerkennungsdefiziten aller Beteiligten, die sich ständig zu wenig beachtet fühlen, stets wachem Neid- und Konkurrenzbewusstsein und gut geöltem Karrierismus, ist man ganz froh, dass aus diesem aufgeblasenen Zirkusluftballon inzwischen die Luft raus ist. … Bei der Lektüre erinnert man sich in Wirklichkeit auch unwillkürlich daran, wie unsereins das vor sich hin dünkelnde Zeit-Feuilleton samt Grass, Christa Wolf und immer vorneweg Raddatz in den 80ern einfach öde fand (einzige, sehr verehrte Ausnahme: Benjamin Henrichs [https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Henrichs_(Kritiker)]), und lieber die Spex, Rainald Goetz oder Gabriele Goettle gelesen hat. Raddatz und die Zeit, das war eine alte, übersättigte und für jüngere Köpfe komplett irrelevante Welt. … “ | Aus: „Peinlich sind immer die anderen“ Peter Laudenbach [(geboren 1964)] (1.11.2010) | Quelle: https://taz.de/Tagebuecher-von-Fritz-Raddatz/!5133059/

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Philippe Schulte, 25.03.2012, 09:50 Uhr: “ … Was dieses Buch [Tagebücher von Fritz Raddatz | https://www.rowohlt.de/buch/reihe/raddatz-tagebuecher] in meinen Augen wirklich lesenswert macht, ist die Ehrlichkeit, die den Kulturbetrieb wie auch den in diesem Betrieb stehenden Autor offenlegt. Fuer mich war es eine Bereicherung. …“
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„Wir sind heute mit all diesen Medien dümmer, als wir ohne sie waren. Wir leben in einer Zeit des pseudo-informierten Analphabetentums. Was ich in den Medien lese oder höre, ist fast nur noch Schrott.“ ( Frankfurter Rundschau, 31. Januar 2015) | Aus: „Zitate von Fritz J. Raddatz“ – Manchmal war ich mir selber ziemlich peinlich““ (27. Februar 2015) | Quelle: https://www.sueddeutsche.de/kultur/zitate-von-fritz-j-raddatz-manchmal-war-ich-mir-selber-ziemlich-peinlich-1.2369969 // https://www.perlentaucher.de/autor/fritz-j-raddatz.html

[Screenshot #1 … ]

“ … Social-Media-Verbote werden auch auf dem anstehenden CDU-Parteitag ein Thema sein: Ein Antrag aus Schleswig-Holstein fordert, das gesetzliches Mindestalter „für die Nutzung offener sozialer Netzwerke, wie Instagram, TikTok und Facebook“ auf 16 festzusetzen – nach dem Vorbild Australiens. Die selbsternannte Anti-Verbots-Partei diskutiert nun darüber, Kindern und Jugendlichen die Nutzung von Instagram, TikTok und Co. zu verbieten. …“ | Aus: „Social-Media-Verbot für junge Menschen – mehr Aktionismus als sinnvolle Strategie“ (Michael Kolain · Markus Beckedahl – Berlin – 2026-02-18) | Quelle: https://digitalrechte.de/news/social-media-verbot-fuer-junge-menschen-mehr-aktionismus-als-sinnvolle-strategie?ref=digitalpolitik.de // https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-02/social-media-verbot-cdu-parteitag-spd-gxe

Screenshot –> https://www.der-postillon.com/2026/02/social-media-verbot-ue-40.html
// https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Postillon

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Levi Penell (20.2.2026): “ … Allerdings beobachte ich, dass ältere Menschen sich oft sehr schlecht eingestehen können, wenn sie von etwas keine Ahnung haben. …“ | Quelle: https://taz.de/Debatte-um-Social-Media-Verbot/!6155970/

Die Beobachtung spricht mir aus dem Herzen.

[Frans Masereel… ]

Frans Masereel „Metro aerien“ [Hochbahn] (1926)
// https://www.kuma.art/de/exponat/metro-aerien

Frans Masereel (1889-1972) Grafiker, Zeichner, Maler und Pazifist … Masereels Werke galten den Nationalsozialisten als „entartet“, und 1937 wurde im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ eine Vielzahl seiner Arbeiten nachweislich aus dem Städtischen Kunsthaus Bielefeld, dem Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, dem Schlesischen Museum der Bildenden Künste Breslau, der Städtischen Kunstsammlung Chemnitz, den Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf, der Städtischen Kunstsammlung Gelsenkirchen, dem Pfälzischen Gewerbemuseum Kaiserslautern, dem Städtischen Kunsthaus Kassel, dem Museum Behnhaus Lübeck, dem Städtischen Museum Mainz, der Städtischen Kunsthalle Mannheim und der Städtischen Bildergalerie Wuppertal-Elberfeld beschlagnahmt. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_Masereel (25. Januar 2026)
–> http://masereel.org/werke/

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