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[Zeit im Bild #48 … ]

Fotos vom Dreh – Jan Kadlec: „Das Spinnennetz“ (1989)
https://jankadlecproducer.com/work/das-spinnennetz

“ … Das Spinnennetz ist ein deutscher Spielfilm aus dem Jahre 1989 von Bernhard Wicki. Es ist die Filmadaption des Fortsetzungsromans Das Spinnennetz von Joseph Roth. … Vor dem Hintergrund des Inflationsjahres 1923 zeigt der Film in ausführlicher und detailgenauer Weise die unterschiedlichen Lebenswelten in Berlin: das großbürgerliche Milieu im Hause des Bankiers Efrussi, das kleinbürgerliche Milieu der Familie Lohse, das linke Künstler- und Intellektuellenmilieu, das jüdische Scheunenviertel und das adelige ostelbische Großgrundbesitzermilieu. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Spinnennetz_(1989) (11. März 2021)

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“ … Das Spinnennetz ist ein nicht zu Ende geführter Fortsetzungsroman von Joseph Roth, der vom 7. Oktober bis zum 6. November 1923 in der Wiener Arbeiter-Zeitung vorabgedruckt wurde. Die erste Buchausgabe erfolgte posthum 1967 in Köln und Berlin. … Der Protagonist des Romans, [der aus dem Ersten Weltkrieg heimkehrende] Leutnant Theodor Lohse, hasst Sozialisten und Juden. Er beginnt nach dem Ersten Weltkrieg als Student der Rechte in Berlin und verdingt sich als Hauslehrer bei dem jüdischen Juwelier Efrussi. Das Sich-Einfügen ins ungewohnte zivile Leben fällt ihm schwer. Er kündigt beim Juwelier und wird Mitglied der Münchner „Organisation S II“. … Helmuth Nürnberger lobt den „Scharfblick des Autors“. Der Roman bleibe „Zeugnis einer hellseherisch anmutenden politischen Intelligenz“. … Kiesel macht unter der Überschrift Politischer Mord in Erzählwerken der Jahre 1923 bis 1930 als Tatmotive Leutnant Theodor Lohses brutales Karrierestreben und Antisemitismus fest. Joseph Roth habe zudem die „gesellschaftliche Akzeptanz“ des Täters Lohse im Nachkriegsdeutschland dem Leser vor Augen geführt.“ …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Spinnennetz (25. Januar 2021)

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“ … Rezensionsnotiz … 08.11.2011 „Joseph Roth, Stefan Zweig – Jede Freundschaft mit mir ist verderblich – Briefwechsel 1927 – 1939 Wallstein Verlag, Göttingen 2011, ISBN 9783835308428 … “ … Bewegt berichtet Rezensent Wilhelm von Sternburg von [dem] Briefwechsel zwischen Joseph Roth und Stefan Zweig, der ihm zwei Schriftsteller zeigte, die mit Entsetzen den Niedergang Deutschlands und Österreichs beobachteten und darüber in den eigenen Untergang getrieben wurden. Roth trank sich im Pariser Exil zu Tode, Stefan Zweig nahm sich zusammen mit seiner Frau in Brasilien das Leben. Der Briefwechsel, der die Jahre 1927 bis 1939 umfasst, ist ein ungleicher, berichtet Sternburg, die meisten Briefe stammen von Roth und sind zum Teil unter gehörigem Alkoholeinfluss geschrieben, wie der Rezensent vermutet: Roth schimpft und klagt über all seine Gläubiger, immer wieder bittet er den besser situierten Zweig um Geld. Sternburg liest dies berührt, bemerkt aber auch, dass Roth offenbar Zweig als Schriftsteller nicht ebenso geschätzt hat, wie er von diesem geachtet wurde. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/joseph-roth-stefan-zweig/jede-freundschaft-mit-mir-ist-verderblich.html

[Zu den Spielregeln der Zensur #4… ]

„Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“
// „The Cook, the Thief, His Wife & Her Lover“ (Peter Greenaway: 1989)
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Koch,_der_Dieb,_seine_Frau_und_ihr_Liebhaber

“ … Peter Greenaways Film Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber ist eine „farbenprächtige Friß-und-stirb-Groteske“ … Greenaways wohl bekanntester Film zeichnet sich durch äußerst vulgäre Sprache aus, behandelt schonungslos und direkt Themen wie Sex, Macht, Unterdrückung, Gewalt, Kannibalismus etc. Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber basiert auf dem Model der Jakobinischen „Revenge Tragedy“, die sich durch ihre Besessenheit von „human corporeality – eating, drinking, defecating, copulating, belching, vomiting, nakedness and blood“ auszeichnet. Es verwundert nicht sonderlich, dass der Film in den USA von der Zensur als X-Rated eingestuft und damit wie ein Pornofilm behandelt wurde. Greenaway erläutert, auf die amerikanische Zensur angesprochen, seine Intension folgendermaßen: „Ich glaube, dass man über den Film so erschrak, weil er Tabus auslotete. Er stellte präzise und seriöse Fragen zu den Extremen der menschlichen Erfahrung. Das nicht, um sie zu zelebrieren. Mein Film sollte den Zuschauern helfen, das Normale zu verstehen.“ … Außerdem beeinflußte den Regisseur die „vulgäre, phantasielose, anti-intellektuelle Thatcher- Regierung und ihr soziales Pendant, die neue Yuppie-Mittelklasse, die sich mit Kunstwerken und Kulturereignissen schmückt.“ Somit ist Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber auch als politische Allegorie Thatcher-Englands zu lesen. … Die Arbeitskleidung von Greenaways Alterego bleibt durchgehend weiß. „Der Koch, das bin selbstverständlich ich …“ … Der Koch, so Willem van Reijen, zeige „gottähnliche Züge“ und stelle den Antipoden zum Dieb dar, „zum nahezu metaphysisch Bösen, zu jener Gestalt, die sich als ‚Fürst dieser Welt’ präsentiert.“ …“ | Aus: „Farbe im Film: „Drei Farben: Blau“ (Krzysztof Kieslowski), „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ (Peter Greenaway), „Die fabelhafte Welt der Amélie“ (Jean-Pierre Jeunet) Verfasser: Mark Bachmann “ (Diplomarbeit, Wien 2010) | Quelle: http://othes.univie.ac.at/8412/1/2010-02-04_0404374.pdf
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“ … Neben Regisseuren wie David Lynch (Blue Velvet), Lars von Trier („Europa“) oder Peter Greenaway (Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber) zählen auch Joel und Ethan Coen zu den zentralen Regisseuren des postmodernen Kinos der Achtzigerjahre. …“ | Aus: „O Brother, Where Art Thou?“ Christian Horn (Datum?) | https://www.filmstarts.de/kritiken/29785/kritik.html
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“ … Gewaltexzesse werden zum täglichen Spektakel und auch Chefkoch Richard Boars (Richard Bohringer), Kellner und Gäste zu Opfern des herrschsüchtigen Kleingeistes. Verständlicherweise entscheidet Georgina eines Tages, sich Zuneigung und Leidenschaft an anderer Stelle zu besorgen. Auf der Toilette der zentralen Filmlokalität verführt sie ausgerechnet den schüchternen Buchhändler und Stammgast Michael (Alan Howard). Aus puristischem Sex wird einfühlsame Liebe, und gedeckt durch Koch und Personal treibt es das heimliche Paar in jedem denkbaren Versteck des „Hollandaise“. Doch der eifersüchtige Albert – wie sollte es anders sein – wittert die Affäre. Eine brutale Hetzjagd beginnt. … Vor dem geschulten Auge entlarvt sich ein breiter Diskurs, der über eine politische Interpretation weit hinausgeht und zwischen dem tragischen Kunstkonzept der Groteske, der mythologischen Todessymbolik, der niederländischen Stilllebenmalerei, der jüdisch-kabbalistischen Farbenlehre und der abendländischen Religionslehre pendelt. … Greenaway war nie ein Hollywoodregisseur, der die breite Masse ins Kino holen wollte. Wie er immer wieder betont, ist das konventionelle Kino für ihn längst Vergangenheit. Mit „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ hat er ein opulentes, schwarzes und groteskes Drama geschaffen, das als einmalig innerhalb der Filmgeschichte angesehen werden kann. Kameraführung, Szenenaufbau und die von Michael Nyman komponierte Filmmusik sind dabei exakt auf die filmische Handlung abgestimmt, ganz im Sinne des pedantischen Schöpfers. … Im Rahmen eines intellektuellen Autorenfilms und bei all denjenigen, die sich auf die Ansprüche und Wahrnehmungen des Künstlers einlassen können und wollen, verdient der Film [ …] das Prädikat „Meisterwerk“. …“ | aus: „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ Anna Lisa Senftleben (Datum?) | Quelle: https://www.filmstarts.de/kritiken/5093/kritik.html
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“ … »Man verläßt den Film mit einer Verstörung«, schrieb der Evangelische Pressedienst, »von der man nicht weiß, ob sie eher im Gehirn oder in den Eingeweiden sitzt.« … „Das große Fressen“ Schon vor Greenaway hatte Marco Ferreri in seinem Film (Frankreich/Italien 1973) entdeckt, wie schnell einen die Lust am Essen in den Tod treiben kann.“ …“ (DER SPIEGEL 26/1992) | https://www.spiegel.de/politik/montag-a-229354ae-0002-0001-0000-000013685399


[Arbeit am Mythos #9 … ]

Leo Putz „Vanitas“ 1896 (Öl auf Leinwand, 220 × 115cm)
https://de.wikipedia.org/wiki/Leo_Putz
// “ … Das Vanitas-Stillleben (lateinisch vanitas „Eitelkeit“, „Nichtigkeit“) ist ein Bildtypus der Stillleben-Malerei, insbesondere im Barock. Darin wird die Darstellung lebloser Gegenstände durch Sinnbilder der Vergänglichkeit ergänzt. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Vanitas-Stillleben

“ … Ihr Gesicht sieht man nicht. Nur die langen roten Haare, wie sie übers weiße Laken wallen. Die nackte junge Frau auf dem zerwühlten Bett krallt verzweifelt ihre Finger in die Pracht. Wie es aussieht, ist ihr Liebhaber gerade den zerknautschten Kissen entstiegen. Nun quält sie wohl das schlechte Gewissen. Und damit das auch jeder erkennt, lässt der Maler im finsteren Grund über der Sünderin ein paar Frauenakte – Geistern gleich – um ein Gorgonenhaupt tanzen. Als Münchens braves Bürgertum das provokante Großformat 1896 zu Gesicht bekam, brach ein Skandal los: Noch immer hing man an den unverfänglichen Motiven des Biedermeiers. Da musste ein derart erotisches, trotz aller Symbolhaftigkeit doch auch explizites Bild, als Zumutung empfunden werden. … Die Themen und gelegentlichen Tabubrüche der Symbolisten erzürnten zuweilen. Doch währte der Aufruhr nicht lange. Sehr bald hatten auch ihre Werke einen festen Platz in heimischen Wohnzimmern. Denn sie trafen sehr wohl den nachdenklichen Zeitgeist, der sich einer als oberflächlich empfundenen Gesellschaft gegenüber sah. In jener Epoche tiefgreifender Veränderungen durch Industrialisierung, Technisierung, rasantes Wachstum der Städte boten die Bilder der Symbolisten eine Zuflucht in alte Mythen und Märchen, in eine ideale, oft unberührte Natur, die nur ihren eigenen Gesetzen gehorcht, einem eigenen, vom Menschen unabhängigen Rhythmus folgt. Wenn der Schnee im Frühling schmilzt, wenn Herbststürme toben, ein Blitz in die Eiche schlägt, sich Gewitterwolken über dem Meer auftürmen.
Meist sind solche Stimmungslandschaften menschenleer. Und dort, wo ausnahmsweise Architektur auftaucht, unterstreicht sie den Grundton der Szene. Verweist etwa wie die alte italische Kultstätte in Max Klingers »Nemi« auf eine mythisch ferne Zeit. Neben den kleinen Fluchten in die Natur zählen Frauen zu den liebsten Sujets der Symbolisten. Topaktuell dabei das teuflische oder lasterhafte Weib – wie es in Franz von Stucks »Sünde« verführerisch daliegt, von einer dicken Schlange mehrfach umwunden. Trotz ihres schlechten Gewissens ist wohl auch die Skandalfrau von Putz der Kategorie »Femme Fatale« zuzurechnen.
Gleich nebenan ist in Bielefeld ein ganzes Ausstellungskapitel den »Guten Frauen« vom mütterlich-züchtigen Schlag gewidmet. Allen voran das sorgende »Sonnenkind« mit Baby auf dem Arm, gemalt von Dora Hitz. Nicht bedrängt durch gespenstische Tänzerinnen, sondern umschmeichelt von einem Meer weißer Lilien zeigt es sich. Das Haupt umstrahlt ein heller Schein – da ist die Madonna nicht fern. …“ | Aus: „Was den Mythos modern macht“ Stefanie Stadel (01. Apr. 2013) | https://www.kulturwest.de/inhalt/was-den-mythos-modern-macht/

// „… Als Spielweise des Symbolismus wird oft die Décadence gesehen, die versuchte, Verfall und Untergang einer Epoche künstlerisch zu begleiten und ihr Heil in überspitzter Sinneslust zu finden. Andere Symbolisten betonen dagegen gerade das Unverbraucht-Natürliche (so die frühen primitivistischen Werke von Paul Gauguin) oder die Tatsache, dass die Welt der von Menschen geschaffenen Objekte über deren individuelles Leben hinausweist. Allgemein dominiert die Vorstellung bzw. der Gedanke im Bild gegenüber der sinnlichen Wahrnehmung. Richard Hamann und Jost Hermand sehen ein Merkmal des Symbolismus darin, dass er sich über die bloß „dinglichen Gegebenheiten“ hinaushebt und auf ein idealistisch-„überindividuelles Sollen“ bezieht, wobei die Symbole in ihrer Vieldeutigkeit oft verschwommen bleiben. … Schon lange vor Sigmund Freud und C. G. Jung beschäftigte sich der englische Symbolismus (ca. 1860–1910), der die Arbeiten von William Blake wiederentdeckte, mit dem Zugang zu unbewussten Prozessen und hinterfragte die erfahrbare Realität. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Symbolismus_(bildende_Kunst) (02.12.2020)

“ … Der Philosoph Wilhelm Dilthey (Dilthey 1924/1894) löste mit seiner Akademieschrift 1894 eine öffentliche Kontroverse aus, als er den empirischen Forschungsstrategien der Psychologie (und der hierunter subsumierten Psychiatrie) vorwarf, den Strukturzusammenhang des Seelenlebens nicht zu erfassen. … Zur Reihe der Programme einer philosophisch orientierten Erforschung von Bewusstseinsstrukturen dieser Epoche gehören auch Husserls Phänomenologie der „logischen Erlebnisse“ (Husserl 1984/1901) und Natorps Forderungen nach einem „Logos der Psyche“, in dem die Funktionen des Geistes, Denkoperationen und Denkstrukturen ermittelt werden sollten (Natorp 1965/1912). Arthur Kronfeld war der erste Psychiater, der sich solches Denken zu eigen machte und 1920 auch für die klinische Praxis forderte, seelisches Geschehen auf ontologisch irreduzible Eigencharaktere zurückzuführen, um Logik und Theorie der Psychiatrie zu sichern. Ernst Cassirers Projekt einer Analyse „der verschiedenen Grundformen des ‚Verstehens‘ der Welt“ oder einer „Formenlehre des Geistes“ griff allgemeine Zielsetzungen dieser vorgenannten Programme auf (Plümacher 2003), erweiterte sie jedoch um die Hypothese, dass der nur dem Menschen mögliche freie Perspektivenwechsel – seine gedankliche Beweglichkeit wie seine Einzigartigkeit, Zukunft und Möglichkeitsräume zu denken – einem Wissen um relationale Ordnungen geschuldet ist, das in der Fähigkeit besteht, ihre Begrifflichkeiten auf den nicht-sprachlichen Teil der Kognition auszudehnen und die ‚Setzung von Invarianten‘ somit zu einem Grundzug der Kognition erklärt (Sandkühler 2003). … Die Matrix mentaler Funktionsräume ist deshalb eine ständige Baustelle, auf der allenfalls die unteren Stockwerke fertig sind oder eine genügende Stabilität aufweisen. Darüber hinaus ist sie ein Zerfallsobjekt, das im Alltagsleben der ständigen Neuinszenierung und Renovierung bedarf, um sich nicht aufzulösen. Und dessen als ‚Bewusstsein‘ gespeicherte innere Repräsentanz eine noch kürzere Halbwertszeit hat, die, wenn nicht ständig in Sprache und Arbeit wiederbelebt, sehr schnell durch kulturelle Konserven, präformierte Schablonen und angelernte Muster ersetzt wird, welche eigene Spontanität und Kreativität wieder verdrängen. Die Matrix mentaler Funktionsräume zeigt keine Regel, wie menschliche Aktivität und Bewusstheit funktionieren. …“ | Aus: „SYMBOLISCHE FORM UND GESTALT – EIN KREATIVES SPANNUNGSVERHÄLTNIS“ Philosophie der Psychologie – Ernst Cassirers Beitrag zu einem „Modell mentaler Funktionsräume“ von Norbert Andersch (London) [e-Journal Philosophie der Psychologie, Erstpublikation in: Gestalt Theory 4/2007, S. 279-293.]| http://www.jp.philo.at/texte/AnderschN1.pdf

“ … Ernst Cassirer: Philosophie der symbolischen Formen 3 Bde. 1. Auflage: Bruno Cassirer, Berlin, 1923–1929.

Teil 1. Die Sprache, Berlin: Cassirer 1923, XII+293 S. 
Teil 2. Das mythische Denken, Berlin: Cassirer 1925, XVI+320 S.
Teil 3. Phänomenologie der Erkenntnis, Berlin: Cassirer 1929, XII+559 S. 

… Kernaussage seiner Arbeit ist, dass wir die Welt stets in der Vermittlung durch bestimmte Systeme der Zeichen- und Bedeutungsbildung wie Kunst, Wissenschaft oder Religion erfahren, die er symbolische Formen nennt. … Trotz allem kommt bei Cassirer dem Mythos eine besondere Stellung zu, da er ihn als Urform des menschlichen Denkens auffasst. Im Mythos werde eine erste Gliederung der Welt vorgenommen, es würden Strukturen geschaffen (wenn auch noch keine abstrakten Strukturen), Prägnanz ausgebildet und die mannigfaltigen Eindrücke symbolisch dargestellt. Aus dem mythischen Denken gehen für Cassirer in einem Prozess dialektischer Entwicklung die anderen symbolischen Formen wie Kunst, Geschichte, Wissenschaft usw. hervor. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_symbolischen_Formen (28. Februar 2021)

“ … So erschien Cassirer der kulturelle Organismus aIs ‚eine Welt, in der man nur leben muß, um in ihr zu leben‘, also als stabiler Rekursgrund humanen Daseins. Daß seine kulturelle Lebenswelt sich aber als sehr fragil erwies, mußte für ihn eine ‚Krisis der europäischen Kultur‘ erscheinen. So ist denn der späte Versuch seiner Mythenkritik im ,,Mythus des Staates“ ein ausgesprochen zwiespältiges Dokument von Cassirers emphatischer Auseinandersetzung mit valenten Mythen und mit seinem blanken Erstaunen über die Faktizität und Valenz [((die Eigenschaft eines Wortes … andere Wörter oder Satzglieder „an sich zu binden“))] des Mythos in der Moderne. […] „In der Politik leben wir immer auf vulkanischem Boden. Wir müssen auf abrupte Konvulsionen und Ausbrüche vorbereitet sein … denn der Mythos ist nicht wirklich besiegt und unterdrückt worden. Er ist immer da, versteckt im Dunkel und auf seine Stunde und Gelegenheit wartend. Diese Stunde kommt, sobald die anderen bindenden Kräfte im sozialen Leben des Menschen aus dem einen oder anderen Grunde ihre Kraft verlieren und nicht länger imstande sind, die dämonischen mythischen Kräfte zu bekämpfen“ (MS 364) … “ | Aus: „“Die Gegensätze schließen einander nicht aus, sondern verweisen aufeinander“ Ernst Cassirers Symboltheorie und die Frage nach Pluralismus und Differenz“ Loccumer Protokolle 30/98, Herausgeber Wolfgang Vögele | https://www.uni-heidelberg.de/md/theo/einrichtungen/ts/faecher/st/13_von_cassirer_zu_blumenberg.pdf

[Bürgerliche Illusion und Wirklichkeit #1 …]

“ … In seinem Aufsatz „Subjekt und Macht“ erläuterte Michel Foucault … Er versteht das Subjekt als das empirische Ich, das kulturell und historisch bestimmt ist. „Das Wort Subjekt hat zwei Bedeutungen: es bezeichnet das Subjekt, das der Herrschaft eines anderen unterworfen ist und in seiner Abhängigkeit steht; und es bezeichnet das Subjekt, das durch Bewusstsein und Selbsterkenntnis an seine eigene Identität gebunden ist.“ Foucault wandte sich gegen die Vorstellung eines autonomen Subjekts und betonte die Geschichtlichkeit des Menschen und seine Eingebundenheit in gesellschaftliche Lebensverhältnisse. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Subjekt_(Philosophie) (4. Januar 2021)

Zwei Freundinnen (Originaltitel: Les Biches, wörtlich: „Die Hirschkühe“) ist ein 1968 erschienener Film von Claude Chabrol | https://de.wikipedia.org/wiki/Zwei_Freundinnen

Ines Walk (13.09.2010): “ … [Claude Chabrol … Der “Chronist des französischen Bürgertums” legte Ende der 1960er einige Meisterwerke vor] … Viele damalige Kritiker warfen ihm Zynismus und Verachtung vor, weil er ungeschönt auf das bürgerliche Leben schaute, und es scheinbar distanziert und kalt beobachtete. … Er selbst sagte zu seiner Arbeit: “Filme mit einer Botschaft bringen mich entweder zum Kotzen oder zum Lachen. Ich finde es unmoralisch, dem Zuschauer eine Moral aufzudrücken, ihn beeinflussen zu wollen, ihm sozusagen ein Hirn-Klistier einzupflanzen. Ein Film sollte das Publikum vielmehr zum eigenständigen Nachdenken anregen. Darum versuche ich nur, die Menschen präzise so zu zeigen, wie sie sind. Es wäre doch heuchlerisch, sie zu verurteilen – schließlich hat jeder von uns Dreck am Stecken.” …“ | https://www.moviepilot.de/news/claude-chabrols-abrechnungen-mit-der-bourgeoisie-108045

[RWF #10… ]

“ … Jean de Baroncelli stellte am 19. Januar 1980 in Le Monde auf die allegorischen Qualitäten des Films ab: der Film präsentiere Maria Braun mit einer „leuchtenden Einfachheit“ als Allegorie für Deutschland, sie sei wie das Land „ein Wesen, das mit auffälligen teuren Kleidern angetan ist, das aber seine Seele verloren hat“. … „Fassbinders Geschichtsschreibung ist eine private“, stellt Pott fest. Indem er Geschichte am persönlichen Schicksal einer Frau festmacht, synchronisiert er deren Schicksal mit dem ihrer Umwelt. Figuren wie Maria werden in Fassbinders Werk somit zu „Inkarnationen ihrer Epoche, parabolisch spiegeln sie in ihrem politisch unbewussten Privatleben die kollektive Mentalität der Zeit“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Ehe_der_Maria_Braun (10. Oktober 2020)

[Aber Wissen ist hier Ohnmacht #3 …]

La Grande Bouffe (französisch-italienischer Spielfilm, 1973)

“ … Aus seiner unbändigen Triebhaftigkeit heraus bestellt Marcello drei Prostituierte, selbstverständlich mit dem Einverständnis der anderen. Zu der bereits gewachsenen Gesellschaft stößt eher zufällig die Lehrerin Andrea. Die Frau aus einfachen bürgerlichen Verhältnissen fühlt sich in der Gesellschaft der einfluss- und erfolgreichen Herren sehr wohl. Philippe und Andrea geben ihre Verlobung bekannt, trotzdem schläft sie auch mit den anderen. Anfänglich fühlen sich die drei Prostituierten in dieser dekadenten Gesellschaft noch wohl, aber nach kurzer Zeit befällt sie der Ekel über das unmäßige Essen, und sie verlassen nach und nach das Anwesen. Zwischendurch explodiert die verstopfte Toilettenanlage des Anwesens und überflutet das Haus mit Exkrementen. Marcello ist inzwischen wieder sexuell unausgeglichen und gibt wutentbrannt bekannt, dass er abreisen werde. Er startet den von ihm mit Begeisterung instandgesetzten Bugatti Type 37 A aus den 20er Jahren, stirbt jedoch auf der versuchten „Flucht“ an Unterkühlung, und sein Leichnam wird in die hauseigene Kühlkammer gebracht. … Der Film wurde in den 1970er Jahren als sehr schockierend aufgenommen. Neben der skandalösen Handlung waren es auch die derben Sexszenen, die explizit dargestellten „Fressszenen“ und die überdeutlich hörbaren Verdauungsgeräusche und Blähungen der Protagonisten, die den bisherigen Seh- und Hörgewohnheiten der 1960er Jahre komplett zuwiderliefen. …“ | http://www.cine-kult.de/kult-filme-von-a-bis-z/die-herausragenden-kult-filme/123-das-grosse-fressen.html

“ … Roger Ebert schrieb 1973 in der Chicago Sun-Times, der Film besitze keine philosophische Tiefe (philosophical depth). Er bezeichnete den Film als „dekadent“, „voller Selbstüberdruss“ (self-loathing), „zynisch“ und „häufig obszön“ (frequently obscene). „Das große Fressen“ (Originaltitel: La Grande Bouffe) wurde von einem anderen Kritiker wegen „grandios durchdachter Bildaufbauten“ gelobt und „in höchstem Grade interessant“ beschrieben. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_gro%C3%9Fe_Fressen

DoomPet – Das große Fressen – Rezension aus Deutschland vom 17. Januar 2020 “ … Der Film hat mir ausgezeichnet gefallen! Leben wir nicht in einer Zeit der -Brot und Spiele- …“

Senja – Das große Fressen – grenzdebil bis abartig Rezension aus Deutschland vom 23. Januar 2020: “ … Häßliche alte Hauptdarsteller, französischer „Humor“ der nicht zum Lachen ist, unerotische „Sexzenen“… einfach nur krank. …“

Dieter Wunderlich: “ … Während der Inhalt des Films Ekel hervorruft, scheuten die Filmemacher bei der Ausstattung keine Mühe, und sowohl die Bildkompositionen als auch die Ausleuchtung und Kameraführung sind ausgesprochen ästhetisch. …“ | Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Ferreri_grosse_fressen.htm

“ … „Der gesellschaftliche Wandel der vergangenen Jahrhunderte, sowohl in sozialer Hinsicht, aber auch in technologischer und linguistischer, lässt sich in Liebesbriefen sehr gut lesen“, erklärt Eva Lia Wyss. Dass sich gesellschaftliche Entwicklungen in Liebesbriefen widerspiegeln, zeigt sich beispielsweise beim Thema Sexualität. Ende des 19. Jahrhunderts deuteten Autoren Sex in Liebesbriefen nur durch vage Formulierungen an, wie: „Ich sehne mich nach Deinen Küssen“ oder „ich bin verrückt nach Dir“. Später folgen explizitere Formulierungen. In dem Brief eines Mannes aus der Sammlung Frauennachlässe des Instituts für Geschichte der Universität Wien heißt es 1945: „Was soll ich Dir noch schreiben? Dass ich mich freue, ganz schrecklich auf dich freue, Sehnsucht nach Dir habe und heute besonders aufgelegt wäre für eine unserer schönen Stunden.“ – Im Zuge der sexuellen Revolution 1968 wird das Schreiben über Sexualität freier. Viele junge Menschen verabschieden sich von gesellschaftlichen Konventionen. Unverheiratete Paare ziehen zusammen und Frauen emanzipieren sich. Ein Mann schreibt 1980, ebenfalls in einem Brief der Universitäts-Sammlung in Wien: „Die Sonne kommt durchs Fenster, ich träume Tränen, Gefühle wechseln blitzschnell. Auf einmal durcheinander, deine Muschel, möchte aus ihr trinken. (…) Ruhe, an deiner Brust saugen, albern, Pläne schmieden, Kopf anrennen – lachen. (…) Kaum berühren. Nur ansehen – und wissen: Liebe.“ … Eine weitere Veränderung zeigt sich über die Jahrhunderte in der Sprache der Liebe, sagt die Sprachwissenschaftlerin. Sie werde sachlicher und direkter. Briefe würden immer mehr aus einem spontanen Akt der Leidenschaft heraus geschrieben. Eva Lia Wyss erklärt sich diesen Wandel unter anderem mit den immer größeren Möglichkeiten, sich persönlich zu treffen, sich zu unterhalten und somit direkte Intimität zu schaffen. Mit der Erfindung des Telefons, des Internets, der Handys und Social Media werden Liebesbriefe auf Papier seltener. SMS, Kurznachrichten, Smileys, E-Mails oder schlicht Nachrichten erreichen den Flirt, den Partner immer und überall – innerhalb weniger Sekunden. „Die Funktion von Liebesbriefen hat sich verändert. Das bedeutet aber nicht, dass sie heute schlechter sind als damals. Sie sind schlicht anders“, sagt Wyss. …“ | Aus: „“Ich bin verrückt nach Dir“: Ein Archiv sammelt Liebesbriefe“ Nina Witwicki (So, 10. Januar 2021) | Quelle: https://www.badische-zeitung.de/ich-bin-verrueckt-nach-dir-ein-archiv-sammelt-liebesbriefe–199384648.html

“ … In dem romantischen Schauermärchen „Der Sandmann“ von E. T. A. Hoffmann verliebt sich der schwärmerische Student Nathanael in den Automaten „Olimpia“. Das künstliche Wesen erscheint ihm als die ideale Partnerin, und gerade ihr Mangel an Ausdrucksfähigkeit und ihre auf ein simples „Ach“ reduzierten Antworten schrecken ihn nicht etwa ab, sondern befördern und bestätigen seine Liebe zu ihr. Abgesehen von der ironischen Beschreibung des männlichen Begehrens, das gerade kein ebenbürtiges Subjekt als Gegenüber erstrebe, gibt Hoffmann in seiner Novelle eine überzeugende Beschreibung des Mechanismus der Liebe, die sich immer auch einer Projektion subjektiver Vorstellungen auf das Liebesobjekt verdankt. Dies führt zur Idealisierung des geliebten Objekts, weshalb Freud den Vorgang der Liebe mit Wahnsinn vergleicht. … Der Romantiker Hoffmann erzählt davon, dass unserer Begegnung mit menschenähnlichen Automaten etwas Unheimliches anhaftet. Je mehr die Gestalt des künstlichen Wesens einem Menschen ähnelt, umso stärker reagieren wir mit Irritation und Verunsicherung. Die Psychoanalyse zieht hier eine Parallele zum romantischen Motiv des Doppelgängers, das uns in der digitalen Gegenwart in Form von Robotern in seiner technologischen Gestalt begegnet. … “ | Aus: „Wir Cyborgs! – Ein Theaterstück über Menschen und Maschinen“ Bernd Liepold-Mosser (31. Jänner 2021) | Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000123713038/cyborgs-wie-wirmenschliche-evolution-durch-technologie

“ … Der Romantitel „Allegro Pastell“ geht auf die Allegro-Grundschule in Berlin-Tiergarten zurück, in der das Training der Badminton-Abteilung des TSV GutsMuths Berlin stattfindet. Sowohl die weibliche Hauptfigur Tanja Arnheim als auch Randt selbst trainieren dort. Das Wort „Pastell“ bezieht sich unter anderem auf die Pastelltöne der Website, die Jerome Daimler seiner Freundin zum Geburtstag schenken möchte. Jeromes Vater Jürgen Casper Daimler lernt im Roman seine neue Lebensgefährtin Beate über ein Online-Datingportal kennen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Leif_Randt (31. Januar 2021)

(10. Februar 2021): “ … Liebe und Begehren ändern sich im Kern nicht, die Zeiten allerdings schon – und so muss immer wieder neu darüber erzählt werden. … Wer nachlesen will, wie hyperreflektiert Dreißigjährige der Gegenwart mit Gefühlen umgehen, sollte zu Leif Randts „Allegro Pastell“ Germany’s next Lovestory greifen. Die Liebenden haben darin unglaublich viele Ansprüche an sich und das Leben – und spüren, kurz vor der Pandemie übrigens, bereits „vorauseilende Wehmut“. Antje Weber …“ | Quelle: https://www.sueddeutsche.de/bayern/valentinstag-liebe-geschenke-kultur-1.5198304

“ … Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.03.2020: Rezensent Jens-Christian Rabe war es schon fast unheimlich, wie gut Leif Randt in diesem „posttherapeutischen Liebesroman“ unsere „post-pragmatische“ Gegenwart eingefangen hat. Der freie Webdesigner Jerome und die junge Autorin Tanja erleben darin eine Liebe, die dem Kritiker zufolge genauso lauwarm ist wie ihre höchsten Begeisterungsausdrücke „cute“ und „nice“. Aber nicht nur der Plot strotzt vor sublimierender Abmilderung, auch die Sprache ist vollkommen beherrscht, so Rabe – besser kann man die reflektierte Starrheit der zufriedenen deutschen Mehrheitsgesellschaft gar nicht beschreiben, lobt der faszinierte Rezensent. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

“ … Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.03.2020: Doris Akrap liest Leif Randts neuen Roman als genaue Abbildung der Lebensverhältnisse derer, die diesen Roman lesen. Das hippe, aufgeklärte Paar im Text, das ständig auf der Suche nach Wohlfühlmomenten ist, begegnet Akrap in der U-Bahn und im Club, am Flughafen oder im Spar – also dauernd. Wie Randt dieses sehr gewöhnliche Dasein der deutschen Mittelschicht sprachlich fasst, findet Akrap stark. Mehr als eine treffende Milieustudie, meint sie, ein Sittengemälde der Berliner Republik im freien Fall. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

“ … Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2020: Rezensent Jan Küveler hat Leif Randt in Berlin getroffen, um mit ihm über seinen für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Roman zu sprechen. Zunächst fand der Kritiker, dass die Geschichte über das Paar Jerome und Tanja etwas spröde klingt, dann aber bemerkte er, dass dahinter eine Methode steckt: Mit jedem Satz dachte der Rezensent klarer, so wie die Figuren ihm zufolge selbst mit klarem Blick ihr Erleben beobachten und kommentieren. Der Autor erzählt laut Küveler also vom „durchkuratierten Leben“, in dem man Emotionen wie Second-Hand-Klamotten anprobiert und nur anlässt, wenn sie angenehm sitzen, so Küveler. Damit spielt Randt seiner Meinung nach „das Pop-Spiel“ zu Ende, das Lottmann, Goetz und Kracht begonnen haben – nur um ein Vielfaches fluffiger, schließt der Rezensent und lehnt sich entspannt zurück. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.03.2020: Rezensentin Judith von Sternburg fasziniert die unkatastrophische Anlage von Leif Randts neuem Roman. Ganz gegenwärtig, ganz an einer weitgehend ruhigen Oberfläche spielt diese Fernbeziehungsgeschichte zwischen Berlin und Frankfurt laut Sternburg. Die liberalen Zeitzeugen im Text scheinen Sternburg so wenig verkrampft wie der Text selbst. Es handelt sich einfach um einen Roman, der den Ball sehr flach hält, auch stilistisch meint Sternburg. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

von_Beust, Rezension aus Deutschland vom 21. März 2020: “ … Schon lange habe ich keinen Roman mehr gelesen, der mir so auf die Nerven ging, obwohl ich nicht wusste, ob er so gut oder so schlecht war. „Allegro Pastell“ ist so eine durchdesignte Beziehungskiste zwischen Tanja und Jerome, wahnsinnig hip, modern, kontrolliert und seicht. Sind die heute 30-Jährigen so, dass für sie alles gleich wichtig oder unwichtig ist, dass Drogen oder Sex nur eine von vielen Kommunikationsformen oder Zeitvertreiben sind, denen man nachgehen kann, wenn das Wetter verregnet ist? Kann einem eine Textnachricht „gefallen“, weil ihr „Tonfall souverän“ ist? (S. 37) Die Sprache mit ihren Anglizismen und aus der mündlichen Sphäre entnommenen Ungenauigkeiten nervt gewaltig – spricht man heute so, wenn man in einer Berliner Werbagentur arbeitet? Oder schlimmer: Schreibt man so? Gleichzeitig hat Leif Randt freilich seine Sprache gut im Griff und erlaubt sich keine Ausrutscher. Einige Sätze entlarven durch Konstruktion und Inhalt das Geschehen als leer und seicht: „Marlene besaß eine optimalere Pfanne als Tanja.“ (S. 267) …“

Swann Rezension aus Deutschland vom 7. April 2020: “ … Schwer zu sagen, ob das alles ernst gemeint ist oder ein unendlicher Spaß sein soll, über den man allerdings nicht lachen kann. Wenn es etwa auf Seite 212 heißt, Jerome habe von Tanja in Erinnerung, dass Peter Handke „ihr liebster Autor aus der Schweiz“ (sic!) sei. …“

“ … Ironie führt nicht zur Sicherheit eines positiven Wissens; ihr entspricht allenfalls ein negatives Wissen über die Grenzen des im Medium Sprache Erkennbaren und Sagbaren. Der Ironiker ist folglich nicht jemand, der Ironie als sprachliches Mittel einsetzt, sondern allenfalls derjenige, der weiß, dass er keine Macht über seine eigene Sprache hat. Um diese Erkenntnis haben zu können, muss sich der Sprechende von sich selbst distanzieren und seine Sprache betrachten, als wäre es die eines Fremden. Insofern der Sprechende von seinen eigenen Äußerungen notwendigerweise immer wieder überrascht wird, treibt die Machtlosigkeit über die eigene Sprache diese Distanzierung zugleich an. In seiner späten Vorlesung über die Philosophie der Sprache und des Wortes bemerkt Schlegel, Ironie sei „nichts andres, als dieses Erstaunen des denkenden Geistes über sich selbst“ (Schlegel 1958-1995, Bd. 12,S. 353). …“ | Aus: „Romantische Ironie und die Möglichkeit von Metaliteratur“ von Oliver Kohns (2007)

[Sunbirds (1971)… ]

Klaus Weisse – drums
Fritz Pauer – keyboards
Philip Catherine – guitar
Ferdinand Povel – flute
Jimmy Woode – bass
Juan Romero – percussion

Sunbirds – Sunbirds (1971) | https://youtu.be/xEetxbk5DgM

APPS79: “ … Jazz/Fusion ensemble from Munich led by German drummer Klaus Weiss and Austrian pianist Fritz Pauer and found in 1971. When Pauer presented Weiss some new songs, the two of them gathered Belgian guitarist Philip Catherine, Dutch flutist Ferdinand Povel and American drummer Jimmy Woode and formed Sunbirds. The recordings of their debut took place at the Union Studios in Munich on 24th August 1971. … The style of Sunbirds was a cross between Electric Jazz and Psychedelic Kraut-Fusion with changing atmospheres and plenty of enjoyable rhythms and solos. …“ | http://www.progarchives.com/artist.asp?id=6088

Herbert Braun vor 4 Jahren “ … Reminds of Soft Machine with a touch of Krautrock.“

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