Kategorie: Found.Stuff

Found.Stuff

[Bilder und Angewandtes Misstrauen #1 … ]

Wann sind wir bereit das, was uns als Realität vermittelt wird, herauszufordern?
– fini (02.03.2026)


How do portraits help us honor the dead? A painted portrait can display our dearly departed in a most flattering way, but is this the most accurate? A still image of a loved one captures only a small fraction of their life. At best, it allows us to remember them in a positive light, but at worst, it permits us to project distorted memories onto them. // [“ … Wie helfen uns Porträts, die Toten zu ehren? Ein gemaltes Porträt kann unsere geliebten Verstorbenen auf äußerst schmeichelhafte Weise darstellen, aber ist dies auch die treffendste Darstellung? Ein Standbild eines geliebten Menschen fängt nur einen Bruchteil seines Lebens ein. Im besten Fall erlaubt es uns, ihn in positiver Erinnerung zu behalten, im schlimmsten Fall aber, verzerrte Erinnerungen auf ihn zu projizieren. …“]

From: „“Laura” is a haunting portrait that looms over cinema to this day“ C. Nelson-Lifson (July 11, 2024) | Source: https://tonemadison.com/articles/laura-is-a-haunting-portrait-that-looms-over-cinema-to-this-day/ | Laura ist ein US-amerikanischer Film noir des österreichischen Regisseurs Otto Preminger aus dem Jahr 1944 | https://de.wikipedia.org/wiki/Laura_(1944)
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gelöschtes Profil 9. Juli 2017, 10:19:27: Angewandtes Misstrauen ist gelebte Lebenserfahrung.
Nakamura 9. Juli 2017, 12:18:22: gelebte Lebenserfahrung ist, zu wissen, wem man Vertrauen schenken kann und wem nicht. Das ist das Wichtigste Fähigkeit im Leben ohnehin.
strangerinastrangeland Iwan Iwanowitsch Iwanow 9. Juli 2017, 11:44:52: Die Kunst dabei ist, nicht in heillosen Zynismus oder Misanthropie zu verfallen. // via

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“ … Was lässt uns weinen, lachen oder erschaudern? .. Die Untersuchung spannt dabei einen Bogen vom Theater der Empfindsamkeit des 18. Jahrhunderts bis zum zeitgenössischen Hollywoodfilm. … Was dabei als übergreifendes Prinzip in den Blick kommt, ist die Modulierung der Zuschauergefühle mittels der Gestaltung der Zeit ihres konkreten Erlebens. … Jenseits von Repräsentation und räumlicher Figuration geht es vor allem um die Bewegung, die den Film als Ganzes durchzieht: das Entrollen, Entfalten, Enthüllen der je besonderen Wahrnehmungswelt des einzelnen Films in der Gegenwart einer leibhaften Wahrnehmung des Zuschauers. Als wahrnehmendes, denkendes und empfindendes Subjekt realisiert der Zuschauer so Film als Intensitätsverkettung. Der Film, als Wahrnehmungsdispositiv gefasst [Das Wahrnehmungsdispositiv bezeichnet das Zusammenwirken technischer, räumlicher und diskursiver Rahmenbedingungen, die steuern, wie wir Welt wahrnehmen], wird zu einer verkörperten Wirklichkeit, einer leibhaft-psychischen Realität – die nicht die des Zuschauers ist. [und bildet das Zuschauergefühl und [die] Affektpoetiken.] Die titelgebende vierte Dimension bezeichnet die Zeit, in der sich der Film in der Wahrnehmung des Zuschauers als eine Welt enthüllt, die ihren eigenen Gesetzen folgt. Eine Welt, deren Sinnlichkeit und deren Empfindungsweisen sich grundsätzlich von denen unserer alltäglichen Weltwahrnehmung unterscheiden. …“ | Aus: „Zuschauergefühl und Affektpoetiken“ Prof. Dr. Hermann Kappelhoff: Kolleg-Forschungsgruppe Cinepoetics – Poetologien audiovisueller Bilder (Abgerufen: 26. März 2026) | Quelle: https://www.cinepoetics.fu-berlin.de/kappelhoff/Forschung/Text01_Zuschauergefuehl/index.html
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“ … Es gehört zu den Risiken des digitalen Zeitalters, als Gast in einem Airbnb heimlich von versteckten Minikameras gefilmt zu werden. Ein Fall am Bezirksgericht Dielsdorf zeigt nun aber, dass man nicht einmal in seinem eigenen Zuhause vor Familienangehörigen sicher ist. Sogar der Verteidiger bezeichnet die Handlungen des Beschuldigten im Gerichtssaal «als tiefen Eingriff in die Lebensverhältnisse», der bei den Betroffenen eine grosse Erschütterung ausgelöst habe. «Das Urvertrauen ist weg.» [Der 61-jährige Schweizer Geschäftsführer hat heimlich nicht weniger als 1398 Videoaufnahmen erstellt – und diese im Internet verbreitet. Dafür musste er sich nun vor Gericht verantworten.]…“ | Aus: „«Das Urvertrauen ist weg» – ein Mann versteckt Minikameras im Haus und filmt Familie und Gäste in intimen Situationen“ Tom Felber (23.10.2025) | Quelle: https://www.nzz.ch/zuerich/das-urvertrauen-ist-weg-ein-mann-versteckt-minikameras-im-haus-und-filmt-familie-und-gaeste-in-intimen-situationen-ld.1908235
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Kontext / Gedankensprung: “ … Augen der Angst (Originaltitel: „Peeping Tom“) ist ein Spielfilm-Thriller von Michael Powell, der 1959 in Großbritannien gedreht wurde. … Peeping Tom hat ein unangenehmes Thema… „Doppelbödiger Thriller, der zu seiner Entstehungszeit einen Skandal auslöste und die Karrieren von Karlheinz Böhm und Regisseur Powell schlagartig beendete. Rückblickend gesehen ein erstaunlich moderner Film über den Zusammenhang von Schaulust, Todessehnsucht und sexueller Neurose.“ … „Krankhaft, abwegig und peinlich geschmacklos“, so urteilte der katholische Filmdienst bei der deutschen Erstaufführung. Das deutsche Kinopublikum wurde zum ersten Mal mit der Lust an Gewalt konfrontiert und protestierte heftig. Auch im Ausland waren die Kritiken vernichtend. … Heute zählt der Film zu Powells Meisterwerken. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Augen_der_Angst ( 25. März 2026)
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“ … In ihrem Einführungsvortrag »Emotionsvermittlung und Emotionalisierung in Literatur und Film« stellte Poppe zu Beginn der Tagung einige zentrale Erkenntnisse sowie noch ungelöste Probleme der mit filmischen und literarischen Kunstwerken befassten Emotionsforschung heraus: Sie verwies auf die Diskussion über mögliche Unterschiede zwischen Emotionen, die sich auf reale bzw. auf fiktionale Gehalte richten, auf das in der literatur- und medienwissenschaftlichen Forschungsliteratur unterschiedlich weit gefasste Spektrum der auf Kunstwerke bezogenen Typen von Emotionen (fiktionale, Artefakt- und Meta-Emotionen) sowie auf die Annahme verschiedener Rezeptionsmodi (Empathie, Sympathie, Identifikation, Beobachtung) und deren Bedeutung für die Erklärung verschiedener Arten emotionaler Wirkungen von Kunst. Poppe hob hervor, es sei zum einen noch unklar, wie das Verhältnis von Betrachter und Kunstwerk genauer bestimmt werden könne, und zum anderen, welchen Einfluss die Form der medialen Vermittlung in diesem Zusammenhang ausübe. … Burkhard Meyer-Sickendiek (Berlin) verfolgte in seinem Beitrag zum Thema »›Lyrisches Gespür‹, oder: Stimmungen als Gegenstand der Poesie« einen phänomenologischen Ansatz: Hermann Schmitz’ ›Neue Phänomenologie des Fühlens‹ stelle eine integrative Grundlage für die aus seiner Sicht nötige Aktualisierung des Stimmungsbegriffs dar. Meyer-Sickendiek bediente sich vor allem des Begriffs des »Gespürs«, verstanden als Fähigkeit, auch Stimmungen oder einen ähnlichen verborgenen, nicht sichtbaren Sachverhalt als Atmosphäre wahrzunehmen. … Das Spektrum geht dabei jedoch über das Atmosphärische der Neuen Ästhetik und das Leiblichkeits-Prinzip … hinaus, wo sich nicht nur zum Beispiel durch entsprechendes Bildinventar dargestellte »großstädtische« und »kleinstädtische« Atmosphären finden, sondern etwa das Erspüren von Räumlichem oder ein temporales Gespür, also eine spürende Präsenz der Vergangenheit in der Gegenwart …“ | Aus: „Anna Fenner und Claudia Hillebrandt, Mediale Emotionen. Filmische und literarische Emotionalisierung im Vergleich“ (Emotionsvermittlung und Emotionalisierung in Literatur und Film. Interdisziplinäre Tagung am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) in Bielefeld. 18.-20.11.2010, pdf (06.01.2011) | Quelle: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:0222-001445 | Quelle: #2 https://d-nb.info/1009399446/34&ved=2ahUKEwj_5fvX0L2TAxUvSPEDHc71KbAQFnoECDoQAQ&usg=AOvVaw1m1aQlc1xlcoESKt5N-pAr
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“ …Das, was als die Seele oder das Innere eines Menschen angesprochen wird, ist erst durch [ein] Sprachspiel konstituiert worden und unabhängig davon gar nicht erfassbar [http://de.wikipedia.org/wiki/Sprachspiel] … Nun dürfen aber Wittgensteins Aussagen über die physische und die logische Unmöglichkeit eines Blickes ins Innere des Menschen nicht als Beitrag zur Metaphysik der Seele missverstanden werden. Er spricht nicht von Eigenschaften der Seele, sondern von Eigenschaften des Sprachspiels über die Seele; er behauptet nicht, die Seele sei letztlich unerforschlich, sondern dass „unser Sprachspiel (…) auf unwägbarer Evidenz beruht“. … Damit ist die Frage, was es mit diesem Innenleben, mit dem Inneren des „Ausdrucks“ nun auf sich hat, noch nicht beantwortet. Wir wissen nur, dass es weder offensichtlich noch unerkennbar ist: Was ist es aber wirklich? Oder, anders formuliert: Was ist die Seele? – Wittgenstein gibt darauf eine überraschende Antwort: Die Seele ist nur ein Bild. Sie ist ein Bild, das wir uns vom Menschen machen, weil das menschliche Benehmen nicht […] vorhergesagt werden kann. Für diese Unsicherheit über das Verhalten der anderen haben wir unzählige Redeweisen, neben den schon genannten, von Wittgenstein angeführten („Wir können uns immer irren; wir können nie sicher sein; was wir beobachten, kann immer noch Verstellung sein.“), [dazu] fallen mir noch ein: „Ich kann in ihn nicht hineinschauen“, „Sie macht sowieso immer, was sie will“ oder „Ich habe ihn nie verstanden“. … “ | Aus: „FREIHEIT DES AUSDRUCKS – Zwei sprachphilosophische Annäherungen an ein Menschenrecht“ Florian Oppitz (Wien 2002) | Quelle: (sammelpunkt.philo.at)
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“ … Das „Trust-Aesthetics Paradox“ bezeichnet den kategorialen Konflikt zwischen der visuellen Anziehungskraft KI-generierter Inhalte und dem transaktionalen Misstrauen europäischer Konsumenten gegenüber autonomen algorithmischen Systemen im digitalen Handel. Generative künstliche Intelligenz (generative KI) produziert ästhetisch ansprechende Bilder, deren Bewertungswerte menschliche Fotografien in kontrollierten Messungen konsistent übertreffen (Neyra et al., 2025). Agentenbasierte künstliche Intelligenz (agentische KI), die eigenständig kaufmännische Entscheidungen trifft, erzeugt bei denselben Konsumenten ein tiefgreifendes transaktionales Unbehagen, obwohl diese die ästhetische Qualität synthetischer Bilder positiv bewerten. [Psychologische Situations-Ästhetik] Das Trust-Aesthetics Paradox weist einen inneren logischen Widerspruch auf, der die zugrundeliegenden Theorien an eine erkennbare Grenze führt. Je präziser ein KI-System ästhetische Präferenzen optimiert, desto erkennbarer wird seine algorithmische Natur, da hyperperfekte Bildparameter als nicht-menschlich gedeutet werden. Gleichzeitig gilt. Je autonomer ein KI-System agiert, desto stärker wird das Misstrauen gegenüber seinen Entscheidungen. … “ | Aus: „Das Trust-Aesthetics Paradox: Ästhetische Überlegenheit generativer KI und transaktionales Misstrauen im E-Commerce (Werbepsychologie LXII, Lexikon der Werbe- und Konsumentenpsychologie)“ Andreas Wellner University of Applied Sciences BFI Vienna (March 2026) | Quelle: https://www.researchgate.net/publication/401693354_Das_Trust-Aesthetics_Paradox_Asthetische_Uberlegenheit_generativer_KI_und_transaktionales_Misstrauen_im_E-Commerce_Werbepsychologie_LXII

“ … Der Streit um die Wehrmachtsausstellung vor wenigen Jahren machte deutlich, welche Brisanz Fotos aus dem Zweiten Weltkrieg bis heute haben [https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_auf_die_Wehrmachtsausstellung]. Die falschen Beschriftungen von Abbildungen berührten eines der Grundprobleme der Fotografie, die Frage nach der Objektivität und Authentizität des Lichtbildes […“So zeigten manche Fotos eine Reihe nackter Juden, nicht aber ihre Ermordung, wie die Bildunterschrift behauptete. … fehlende oder unpräzise Herkunftsangaben für manche Fotografien. Ohne diese sei aber keine Zuordnung der verantwortlichen Täter möglich. Fotos ohne solche Angaben könnten zu einer falschen Einordnung der Verbrechen führen. … fehlende didaktische Hilfestellung zum Verständnis der gezeigten Bilder. Sie erzeugen Schock und Entsetzen, aber ließen die Betrachter mit Fragen über die Hintergründe allein. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Wehrmachtsausstellung (13 Januar 2026)] . War wirklich das abgebildet, was man auf den Bildern zu sehen glaubte? Welche Beweiskraft hatte das Dargestellte? Fragen der politischen Instrumentalisierung und Wirkung betreffen nicht nur Bilder von Verbrechen der Wehrmacht, sondern Fotografie in einer Diktatur generell. Fotos haben Quellenstatus für die Beschäftigung mit dem Dritten Reich, der Fotohistoriker Rolf Sachsse bezeichnet im vorliegenden Buch die Fotografie als „die Basis der historischen Erinnerung an diesen Staat“. Unter dem beziehungsreichen Titel „Die Erziehung zum Wegsehen“ hat sich Rolf Sachsse den unterschiedlichen Aspekten der Fotografie im NS-Staat gewidmet. … “ | Aus: „Aus: Frank Schmitz: [Rezension zu:] Sachsse, Rolf: Die Erziehung zum Wegsehen. Fotografie im NS-Staat, [Dresden] 2003. In: ArtHist.net, 29.03.2004. Letzter Zugriff 26.03.2026. | Quelle: https://arthist.net/reviews/58

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“ … In der Tat ist Design – inklusive Selbstdesign – vor allem ein Mechanismus zur Erzeugung von Verdacht. Die gegenwärtige Welt des totalen Designs wird oft als eine Welt der totalen Verführung beschrieben, aus der die Unerfreulichkeit der Realität verschwunden ist. Dem möchte ich widersprechen mit der Behauptung, dass die Welt des totalen Designs vielmehr eine Welt des totalen Verdachts ist, eine Welt der latenten, hinter den designten Oberflächen lauernden Gefahr. Das primäre Ziel des Selbstdesigns besteht darin, den Verdacht eines potentiellen Betrachters zu neutralisieren, einen Effekt der Aufrichtigkeit zu produzieren, der in der Seele des Betrachters Vertrauen erweckt. In der heutigen Welt sind alle mit der Produktion von Aufrichtigkeit und Vertrauen beschäftigt – und doch war dies, und ist dies immer noch, die Hauptbeschäftigung der Kunst in der gesamten Zeit der Moderne: Der moderne Künstler hat sich immer schon als die einzige aufrichtige Person in einer Welt der Heuchelei und der Korruption positioniert. …Doch der rousseauistische Glaube an die Entsprechung von Aufrichtigkeit und Null-Design ist in unserer Zeit geschwunden [Null-Design versucht, für den Betrachter auf künstliche Weise einen solchen Riss zu erzeugen und ihm damit zu ermöglichen, die Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind.]. … Die Säkularisierung der Kunst hingegen bringt ihre radikale Entwertung mit sich. Aus diesem Grund behauptet Hegel am Anfang seiner „Vorlesungen über die Ästhetik“, dass die Kunst eine Sache der Vergangenheit sei. Kein moderner Künstler kann erwarten, dass jemand vor seinem Kunstwerk kniet und betet, dass er praktische Hilfe von ihm erbittet oder es benutzt, um Gefahr abzuwenden. Heute ist man höchstens bereit, ein Kunstwerk interessant zu finden und natürlich zu fragen, was es koste. Der Preis immunisiert das Kunstwerk bis zu einem gewissen Grad gegen den Geschmack des Publikums – würden ökonomische Erwägungen nicht den unmittelbaren Ausdruck des Publikumsgeschmacks begrenzen, wäre ein grosser Teil der Kunst, die heute im Museum steht, längst schon im Müll gelandet. …“ | Aus: „Selbstdesign und Ästhetische Verantwortung. Oder von der Produktion der Aufrichtigkeit“ Boris Groys *1947 | Quelle: https://whtsnxt.net/060
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“ … Amnesty International: Die Menschenrechtsorganisation illustrierte Polizeigewalt in Südamerika mit KI-Bildern. Kennzeichnung? Fehlanzeige. Das kam nicht gut an. „Bislang war es immer so, dass ein fotografisches Abbild ein Vorwegvertrauen genossen hat. Menschen haben Bildern einen bestimmten Wahrheitsgehalt zugebilligt“, erklärt Pawlowski. …“ | Aus: „Künstliche Intelligenz als ethische Herausforderung“ Felix Klein (30. September 2024) | Quelle: https://www.haw-kiel.de/news/kuenstliche-intelligenz-als-ethische-herausforderung/
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“ … Ich fühle mich seit einiger Zeit immer abgestoßener von bebilderten Medien. Ganz pauschal jede Art von visuellem Medium widert mich an. Sie sind voller Bilder und Sprache, denen man nicht trauen kann. Stumpfer Journalismus, der in Abhängigkeit von Meta dahin pauschalisiert. Dopaminabhängigkeiten als Lock-In-Methode für die verschiedenen Anbieter soziale Medien. Scheinbare, dürre Sozialität mit der gesamten Welt. Die seltsame Gleichzeitigkeit der Dinge, die uns immer mehr abstumpft gegenüber dem, was wir als Einzelwesen ganz direkt erleben könnten. Und überall Unterhaltung, vor der wir uns kaum noch retten können. … Wann führen wir phantastische Diskussionen, die unsere Köpfe zum rauchen bringen? Wann sind wir bereit das, was uns als Realität vermittelt wird, herauszufordern? …“ | Aus: „Willkommen im bunten Faschismus – 15.Brief: Warum wir lieber scrollen als denken – über Bilderwelten und die Lust am Wegsehen.“ fini (02.03.2026) | Quelle: https://blogs.taz.de/finiskleinerlieferservice/2026/03/02/willkommen-im-bunten-faschismus/

[Kulturelles Unterbewusstsein #12 … ]


“ … Wie kein anderer stand Chuck Norris in seinen Rollen als Cordell Walker (der „Texas Ranger“), als J. J. McQuade (ebenfalls ein Veteran und Ranger) oder auch als Special-Forces-Anführer Scott McCoy für ein Männlichkeitsideal aus Stahl: unzerstörbar, mit moralingesättigtem Maschinenöl als Blut, am Bauch sechs kugelsichere Zylinder statt des klassischen Sixpacks. Alles das natürlich im Dienste der Rechtschaffenheit – ehrenhaft, stoisch, überlegen. Auch ultrakonservativ und moralisch unangreifbar, wie Norris selbst. … Er bewies Selbstironie und wurde so zu einer wichtigen Stimme im Kanon des Abgesangs auf ein rostig gewordenes Männerbild. Und das, obwohl Norris bekanntlich alles andere als progressiv dachte, was nicht zuletzt in seiner Trump-Unterstützung, seinem unbedingten Einsatz für das Waffenrecht oder gegen die Ehe für alle offenbar wurde. … Dennoch fand Chuck Norris sich niemals inmitten eines Skandals wieder – angeblich, weil Skandale ihn schlicht aus Angst mieden. … “ | Aus: „Zum Tod von Chuck Norris: Die letzte Drehtür ist zugeschlagen“ Thomas Wochnik (20.03.2026) | Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/zum-tod-von-chuck-norris-die-letzte-drehtur-ist-zugeschlagen-15383873.html


“ … Wenn ein Schauspieler für Memes und Internet-Sprüche besser bekannt ist als für seine Filme, dann ist das durchaus eine Leistung. Aber bei Chuck Norris gelten eh keine normalen Regeln. Denn die Welt dreht sich nicht um Chuck Norris – Chuck Norris dreht die Welt um sich. …“ | Aus: „Chuck Norris kann die Zeit wirklich totschlagen“ (20. März 2017) | Quelle: https://www.20min.ch/story/chuck-norris-kann-die-zeit-wirklich-totschlagen-721791266261 | Chuck Norris (1940 – 2026) | https://de.wikipedia.org/wiki/Chuck_Norris

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„US-Actionstar Chuck Norris ist tot“ Im Alter von 86 Jahren ist der Schauspieler Chuck Norris gestorben. Als US-Soldat in Südkorea lernte er Kampfkunst, es folgten Karrieren als Sportler und Filmstar.
(20. März 2026) | https://www.zeit.de/feuilleton/film/2026-03/us-actionstar-chuck-norris-gestorben
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Yaka: Jetzt übertreibt er aber wirklich.
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helmut.sperber: Chuck Norris hat den Tod zu einem Date gezwungen.
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östlich von Hamburg: Damit hatte der Tod nicht gerechnet.
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Herr Grümpel: … Roundhouse Kick in Peace!
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Jahresendzeit: Es wird wirklich immer schlimmer mit den Mainstream-Medien. Jetzt wollen sie uns schon erzählen, Chuck Norris sei tot. Die belügen uns sowas von dreist.
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blubbdibumm: Chuck Norris ist nicht gestorben. Er ist aufgebrochen, um Gott mal die Meinung zu sagen.
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Propaganda-Konter: … Wir verneigen uns vor einem Mann, der nicht nur die Drehtür zuschlagen konnte, sondern uns lehrte, dass man keine Angst vor der Dunkelheit haben muss, die Dunkelheit hat schließlich Angst vor ihm. …
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Manuel Zissou: Chuck Norris hat dem Leben erlaubt ohne ihn weiter zu machen.
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All ist lost: Chuck Norris ist nicht tot, er hat nur kurz seine Augen geschlossen, um sich auszuruhen, bis der Tod sich bei ihm entschuldigt.
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ThatsLife943: Schlechte Nachrichten für den Tod.
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hühnergott: Der Tod traut sich was.
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Harmlos01: Wenn Jesus bald wiederkehrt, dann weil Chuck ihm den Platz an Gottes Seite weggenommen hat.
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AFHavoc: Chuck Norris ist gestorben, aber es geht ihm schon wieder besser.
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Mr. Mxyzptlk: Der einzige Mann, der eine Tennispartie gegen eine Ziegelwand gewonnen hat.
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Zauberoma: Ich denke er wird da oben Türsteher!
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AlexR.: Chuck Norris stirbt nicht, er übernimmt den Himmel.
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Feistus Raclettus: Möge Chuck Norris dem Tod gnädig sein.
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Jahresendzeit: … Bedenkt das Chuck Norris jeden Kommentar über ihn liest. Weltweit.

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Peter Weissenburger „Ein Mann, ein Meme“ (10.3.2020): “ … Chuck Norris ist eigentlich nicht weiter bedeutend, gäbe es die Witze über ihn nicht, würde man ihn kaum als Promi bezeichnen. Kampfkünstler, rechter Evangelikaler und zweitklassiger Schauspieler aus drittklassigen TV-Serien: nicht gerade ein Typ, von dem man annimmt, dass er Geschichte schreibt. Aber vielleicht ist genau das der Grund, warum Chuck-Norris-Witze funktionieren. …“ | Quelle: https://taz.de/Schauspieler-Chuck-Norris-wird-80/!5667202/
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05158: 10.03.2020: Zwiespalt erfüllt mich. …“Chuck Norris gehört der evangelikal geprägten christlichen Rechten in den USA an. Er ist Anhänger des Kreationismus und hält die Evolutionstheorie für falsch. Norris ist überzeugter Unterstützer der Republikanischen Partei und erstellte 2008 mit dem republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee einen Wahlwerbespot, in dem auf die Chuck Norris Facts angespielt wird. 2012 warnten er und seine Frau Gena in einem Wahlkampfvideo vor einer Wiederwahl von Barack Obama, da diese ihrer Meinung nach die USA in den Untergang führen würde. …
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Jan: 10.03.2020, 20:33 Uhr: Chuck Norris war ein Action-Held des B-Movie-Genres. Seine Filme sind schlecht bis allenfalls solider Durchschnitt. Streifen wie „Missing In Action“, „Invasion U.S.A.“, „Delta Force II“ oder „McQuade, der Wolf“ haben einen gewissen rechtskonservativen 80er-Charme der Reagan-Ära, der aus heutiger Sicht ganz unterhaltsam sein kann, aber es sind einfach keine guten Filme. Man kann sie trotzdem durchaus gucken. …

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Kontext: Ästhetische Ironie (romantische Ironie)

“ … Die postmoderne Ironie führt das Konzept der romantischen Ironie fort. Diese romantische Ironie ist von der traditionellen bzw. rhetorischen Ironie zu unterscheiden, in der stets das Gegenteil vom Gesagten gemeint ist. Romantische Ironie meint demgegenüber das konsequente Auf-Abstand-Gehen zu allen Äußerungen oder Handlungen/Darstellungen, um deren Konstruiertheit offensichtlich zu machen …“ | Zu: Vorlesung: Philosophie und Poesie der Postmoderne (WS 2014/15) Professor Dr. Albert Meier, Romantische vs. Postmoderne Ironie | Quelle: https://www.litwiss-online.uni-kiel.de/thematische-vorlesungen/philosophie-und-poesie-der-postmoderne/postmoderne-vs-romantische-ironie/
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“ … Die romantische Ironie … beschreibt ein ästhetisches Verfahren, das darin besteht, die Produktionsbedingungen von Kunst im Kunstwerk selbst zu reflektieren, (oder mit den Worten Friedrich Schlegels) das Produzierende mit dem Produkt darzustellen. Das Kunstwerk soll dabei in der Schwebe aus einem steten Wechsel aus Selbstschöpfung und Selbstvernichtung gehalten werden, und im Bezug sowohl auf inhaltliche als auch auf formale Elemente. … Die dritte Auffassung von Ironie bei Schlegel ist eine mehr symbolhaft-philosophische. In Ironie ist demnach alles nur Zeichen, Mittel zur Anschauung des Ganzen, Ironie ist ein symbolisches Verständnis alles einzelnen und notwendig begrenzten Seins als Teil der unendlichen Lebensfülle, das Bewusstsein um die ewige Agilität, um das unendlich volle Chaos. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Romantische_Ironie (22 März 2022)

[Rudi Meisel (Photographie)…]

Schönhauser Allee / Dimitroffstraße, Prenzlauer Berg, Berlin, 1984 – heute U-Bahnhof Eberswalder Straße) via „Vor meinem Auge“: Rudi Meisel zeigt die „kleinen Leute“ in Ost und West (14.03.2026) | Quelle: https://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/panorama/Vor-meinem-Auge-Rudi-Meisel-zeigt-die-kleinen-Leute-in-Ost-und-West-id30408245.html
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“ … Meisels Thema ist der Alltag. Er bereiste die DDR mit der Journalistin Marlies Menge, die für die „Zeit“ akkreditiert war, während für Meisel jeweils Genehmigungen unter Angabe des Themas und der vorgesehenen Orte besorgt werden mussten. So entstanden Fotografien auf dem Berliner Alexanderplatz, aber auch in Vororten und in der Provinz, in abgelegenen Orten wie Zittau oder Bösleben. Einige der Reportagen sind damals auch als Buch erschienen: „Städte, die keiner mehr kennt“ ist heute nur noch antiquarisch erhältlich und für sich ein Stück Zeitgeschichte. …“ | Aus: „Das Ballett auf der Strasse: Eine Foto-Ausstellung von Rudi Meisel im ZZF Potsdam“ (2017) | Quelle: https://visual-history.de/2017/02/13/das-ballett-auf-der-strasse/

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… Auch wenn sich Rudi Meisel selbst nicht in der Tradition der Straßenfotografie sieht, so ist sein Interesse am Leben, wie es sich seiner Kamera im öffentlichen Raum – den Straßen, Plätzen, U-Bahnstationen, Lokalen und Geschäften – darbietet, doch augenscheinlich.
https://de.wikipedia.org/wiki/Rudi_Meisel

[Wirklichkeitsbezug #33 … ]


// Bild via https://medieninitiative.wordpress.com/2013/01/08/adorno-on-tv/
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// Kontext:
// Kulturindustrie – Aufklärung als Massenbetrug ist ein Kapitel aus der Dialektik der Aufklärung,
// einer Sammlung von Essays von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1944.
// Mit Kulturindustrie meinen die Autoren die gesellschaftliche Implikation von kulturellen
// Ereignissen und Erzeugnissen. … | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturindustrie_%E2%80%93_Aufkl%C3%A4rung_als_Massenbetrug

Dialektik der Aufklärung (im Untertitel Philosophische Fragmente) ist eine Sammlung von Essays von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1944 und gilt als das grundlegendste und eines der meistrezipierten Werke der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule. …
https://de.wikipedia.org/wiki/Dialektik_der_Aufkl%C3%A4rung

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“ … Theodor W. Adorno beklagte noch offen resigniert das Unterhaltungsbedürfnis der Massen, 80 Jahre und eine digitale Revolution später fordert ein Massenpublikum mit Bewertungsstürmen auf Amazon die professionelle Kritik heraus. Geschmacksfragen können Machtfragen sein, folgerichtig verhandelt Johannes Franzen auch die wiederkehrende Diskussion über den Kunstkanon und das heikle Verhältnis von Kunst und Moral, Kunst und Politik. … Fragen ästhetischer Vorlieben bergen eine […] existenzielle Selbsterzählung in sich. Genau deshalb ist der Streit darüber alles andere als unschuldig, sagt Franzen: „Weil jeder Angriff auf unseren Geschmack, auf das, was wir lieben, eigentlich ein Angriff auf unsere Identität ist.“ … Den Konflikt betrachtet [Das Buch „Wut und Wertung“ (2024)] als Motor der Kulturgeschichte, und es führt … die Lust am Streit [vor]. Geschmacksdebatten, sagt Johannes Franzen, seien nun einmal „Messerstechereien“, ein „ästhetischer Nahkampf, der im Alltag passiert“. Oft unsauber und hart, aber gerade deshalb auch sehr vital. … “ | Aus: „“Wut und Wertung“: Warum streiten wir so hart über Geschmack?“ Beate Meierfrankenfeld (14.10.2024) | Quelle: https://www.br.de/nachrichten/kultur/wut-und-wertung-warum-streiten-wir-so-hart-ueber-geschmack,UQanlIE // https://www.perlentaucher.de/buch/johannes-franzen/wut-und-wertung.html


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“ … [es] scheint die Unterscheidung zwischen Ästhetischem und Nichtästhetischem heute problematisch geworden zu sein: der kunsttheoretischen von der „Entgrenzung der Kunst und der Künste“ einerseits und der kulturkritischen von der „Ästhetisierung der Lebenswelt“ andererseits. …Welche Rolle spielen technologische und ökonomische Faktoren für die diagnostizierten Entwicklungen? …“ | Aus: „Dimensionen des Ästhetischen“ (-) | Quelle: https://fzhg.org/forschung/dimensionen-des-aesthetischen


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“ … Lange Zeit war das auch eine praktikable Strategie der Kritik, zu sagen: Da, wo das Blöde wächst, wächst auch das Subversive. Der Schlüsselbegriff dazu ist seit einem halben Jahrhundert die Ironie. Man kann die Bild-Zeitung wie ein dadaistisches Gesamtkunstwerk lesen oder, wie Enzensberger meinte, das Fernsehen als buddhistisches Nullmedium begreifen. Wenn man sich aber die Leute vor dem Fernsehen ansieht, muss man feststellen: Das stimmt leider nicht. Die Verblödung des Intellektuellen ist die Ironie. …“ | Aus: „“Blödheit ist ein sozialer Drogencocktail““ Thomas Edlinger, Fritz Ostermayer (1.6.2011) | Quelle: https://www.falter.at/zeitung/20110601/bloedheit-ist-ein-sozialer-drogencocktail
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“ … Den eigenen Informationskonsum selbstbestimmt zu organisieren. Die Perspektive, in einem sozialen Netzwerk keine Inhalte empfohlen zu bekommen – so habe ich es schon mehrmals in persönlichen Gesprächen erlebt – löst bei vielen Social-Media-Afficionados (Enthusiasten oder Kenner), auch solchen, die unter den Schattenseiten etablierter Plattformen leiden, ungläubiges Staunen oder gar Entsetzen aus. Nach Jahren individuell passgenau dargereichter Spotify-Playlists, Youtube-Videos und Facebook-Posts scheint es undenkbar, Zeit und Aufwand zu investieren, den eigenen digitalen Konsum komplett auf sich allein gestellt zu kuratieren. Wer jedoch dazu nicht bereit ist, kommt nicht umhin, Trolle, KI-Slop, Fake News und Propaganda in Kauf zu nehmen. Denn eine proprietäre Social-Media-Plattform, die nicht irgendwann „enshittified“ wird [„Die Zeit“ übersetzte das Wort „Enshittification“ als „Verschlimmscheißerung“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Enshittification], sei es durch Nachlässigkeit oder Absicht der Betreiber, hat es noch nie gegeben. Die Zeichen für eine breite Durchsetzung dieser Vision von dezentraler sozialer Vernetzung stehen denkbar schlecht – heute mehr als noch vor einigen Jahren. …“ | Aus: „Selbstbestimmt und dezentral: Zur alternativen Geschichte und Gegenwart von Social Media“ Gleb Albert (15. März 2026) | Quelle: https://geschichtedergegenwart.ch/selbstbestimmt-und-dezentral-zur-alternativen-geschichte-und-gegenwart-von-social-media/


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“ … In ihrem Gespräch hatte McConaughey […] die Kritik aufgegriffen, dass die Aufmerksamkeitsspanne der Zuschauerinnen inzwischen so zerschossen sei, dass die langsamen ersten Akte früherer Filme oft gestrichen würden. Man müsse die Menschen schnell unterhalten oder man verliere sie direkt an ihre Telefone. Es handelt sich um eine Kritik, die gerade den ästhetischen Diskurs bestimmt. … Vor kurzem hat Matt Damon diese Beobachtung noch einmal bestätigt: Im Zeitalter des Streamings folgt das Erzählen einer Ästhetik der Zerstreuung [https://www.theguardian.com/film/2026/jan/19/matt-damon-netflix-plot-explained-phones]. …Der ästhetische Populismus ersetzt die Expertenmeinung … durch den Demokratismus der massenhaften Hingerissenheit [https://de.wikipedia.org/wiki/Obsession]. … Im Januar 2026 [ ] erschien im Atlantic ein alarmistischer Artikel mit dem Titel: „The Film Students Who Can No Longer Sit Through Films“. Beklagt wurde, dass selbst Filmstudierende nicht mehr in der Lage seien, ohne Unterbrechung konzentriert einen Film zu schauen. Der Artikel folgt auf einen vielbeachteten Text von 2024 (ebenfalls im Atlantic), in dem es um „The Elite College Student who can’t read Books“ ging. In der Niedergangsgeschichte der Kultur ist der Film also nur noch ein Jahr von der schon lange darbenden Literatur entfernt. … “ | Aus: „Timothée Chalamet vs. Oper und Ballett“ Johannes Franzen (Mar 09, 2026) | Quelle: https://kulturundkontroverse859.substack.com/p/timothee-chalamet-vs-oper-und-ballett

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“ [Alyssa Loh:] … Aufmerksamkeit ist viel mehr als eine Zeitspanne. Es ist eine Art, in der Welt präsent zu sein, mit dem Geist und den Sinnen. Sie beeinflusst, wie wir unser Leben erfahren, wie es sich anfühlt, mit unseren Kindern, Eltern, Freunden zu sein. Für vieles Gute im Leben ist die Aufmerksamkeit zentral. Auch für die Demokratie. … Für einen produktiven politischen Diskurs müssen Menschen sich einander zuwenden, zuhören – sich also Aufmerksamkeit schenken, gerade wenn sie unterschiedlicher Meinung sind. Das klappt am besten, wenn sie sich im echten Leben begegnen. Die digitalen Räume, in denen heute viele politische Debatten ausgetragen werden, sind zunehmend monetarisiert und so gestaltet, dass sie produktive Gespräche verunmöglichen. … Techkonzerne verdienen viel Geld an unserer Wut und daran, uns zu spalten. Isoliert vor unseren Geräten geraten wir zudem leichter in ideologische Silos. Es ist schwer vorstellbar, dass die Polarisierung in den USA den heutigen Krisenpunkt ohne die zunehmende Kommerzialisierung der Aufmerksamkeit erreicht hätte. … Zwischen uns Menschen und der Techbranche gibt es eine immense Asymmetrie. Viele beginnen erst jetzt, über die Rolle der Aufmerksamkeit in unserem Leben nachzudenken. …“ | Aus: „„Immer mehr Menschen merken, dass etwas nicht stimmt““ Interview mit Alyssa Loh von Tobias Bachmann (16.3.2026) | Quelle: https://taz.de/Aufmerksamkeitspolitik/!6157040/


amigo (17.03.2026 09:24 Uhr): “ … Wir starren auf leuchtende Kacheln, während die Welt um uns herum verblasst. Die psychische Abhängigkeit vom Smartphone hat uns in eine digitale Isolation getrieben, die wir fälschlicherweise „Vernetzung“ nennen. Während wir im Sekundentakt Dopamin-Schübe durch belanglose Likes ernten, stirbt die echte, zwischenmenschliche Resonanz. Wir sind physisch anwesend, aber geistig in den Echokammern von Algorithmen gefangen, die darauf programmiert sind, unsere Aufmerksamkeit zu stehlen und unsere Wut zu bewirtschaften. Diese Dauerberieselung führt zu einer schleichenden Entsolidarisierung. [Wir verlieren] … den Blick für das Gegenüber, für die Nuancen des Gesprächs und die Not des Nachbarn. Wir verlernen das Zuhören und die Geduld. Das Handy ist zum Schild geworden, hinter dem wir uns vor echter Begegnung verstecken. Es ist Zeit, den Blick zu heben! Wahre Solidarität braucht Augenkontakt, kein Emoji. …“

[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #104]

“ … Ding, Begriff und Ausdruck sollen beim Sprechen eindeutig zusammengehören. Das gelingt nicht immer, vielmehr muss man immerzu aufpassen, ob der eben verwendete Begriff das betrachtete Ding richtig erfasst, ob der eben verwendete Ausdruck den gemeinten Begriff trifft, und sogar ob das eben betrachtete Ding überhaupt eins ist und nicht etwa einige oder gar keins. Passen die drei Ecken nicht zueinander, „So entstehen leicht die fundamentalsten Verwechslungen (deren die ganze Philosophie voll ist).“ – Wittgenstein: Tractatus 3.324 …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Semiotisches_Dreieck

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“ … [Bei Aristoteles ist ein Zeichen (semeion, damit meint er ein Wort) ein Symptom für eine Seelenregung, d. h. für etwas, das der Sprecher sich vorstellt. Diese Vorstellung des Sprechers ist dann ein Ikon für ein Ding. … Seit Aristoteles wird vertreten, dass Zeichen Dinge der Welt nicht unvermittelt, sondern vermittelt über einen „Begriff“, „Vorstellung“ etc. bezeichnen. Dies bedeutet eine Differenzierung gegenüber der einfachen aliquid-stat-pro-aliquo-Konzeption [also gegenüber der einfachen „etwas steht für etwas (anderes)“ Konzeption] und ist „für die ganze Geschichte der Semiotik entscheidend“. (Trabant: Semiotik. 1996, S. 25)] … Das semiotische Dreieck ist ein in der Sprachwissenschaft und Semiotik verwendetes Modell. Es soll veranschaulichen, dass ein Zeichenträger (Graphem, Syntagma, Symbol) sich nicht direkt und unmittelbar auf einen außersprachlichen Gegenstand bezieht, sondern dieser Bezug nur mittelbar durch eine Vorstellung/einen Begriff erfolgt. Das semiotische Dreieck publizierten erstmals Charles Kay Ogden und Ivor Armstrong Richards in dem Werk The Meaning of Meaning (1923). … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Semiotisches_Dreieck (30. Dezember 2024)

“ … Der Begriff des Signifikanten spielt auch in der vom Strukturalismus beeinflussten Psychoanalyse Jacques Lacans eine tragende Rolle als Element des Symbolischen innerhalb der Psyche. … Als Signifikanten können für Lacan nicht nur Wörter, sondern auch Dinge wie Objekte, Beziehungen und Symptom­handlungen fungieren (vgl. Seminar IV. Die Objektbeziehung). …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Signifikant

Bildquelle https://postsecret.com/

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“ … der Signifikant [ist] als äußerlich fassbare Form die Ausdrucksseite eines Zeichens, etwa ein Lautbild, eine Zeichenkette von Buchstaben einer Schrift oder auch eine verabredete Gebärde. In einer Sprache ist einem bezeichnenden Ausdruck ein bezeichneter Inhalt zugeordnet, als das innerlich auffassbare Signifikat. So kann ein sprachlicher Ausdruck wie Apfel mit der mentalen Vorstellung eines Apfels verknüpft werden [Roland Harweg: Studien zum Verbum und seinem Umfeld. Aufsätze. Sprache-Kommunikation-Wirklichkeit, Linguistische Studien zur Semantik und Pragmatik, Bd. 7, LIT, Berlin 2014, ISBN 978-3-643-12597-2, S. 19]. Diese Verknüpfung von Bezeichnendem und Bezeichnetem ist – so Ferdinand de Saussure, der die Begriffe von Signifikant und Signifikat entscheidend geprägt hat – willkürlich und wird durch Konvention festgelegt. Das Signifikat des Wortes Augapfel gleicht beispielsweise dem von Bulbus oculi [Der Augapfel (lateinisch = Bulbus oculi) ist ein fast kugelförmiger Körper, der sich innerhalb bestimmter Grenzen ähnlich dem Prinzip einer kardanischen Aufhängung um beliebig viele Achsen drehen kann, dabei seine Position innerhalb der Augenhöhle jedoch nicht oder nur unwesentlich verändert.]. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Signifikat

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“ … «Ich verstehe nur zu gut, was in dir jetzt vorgeht.» – Die Aussage setzt nicht voraus, dass man ins «Innere» der anderen Person treten kann; man teilt mit ihr einfach einen Erfahrungsraum, zu dem auch ein gemeinsamer Sprachgebrauch gehört. Diese Verbundenheit begründet das Medium, in dem wir uns immer schon sprechend «drinnen» befinden. Der Geist ist etwas Soziales, er ist nicht in uns, sondern wir sind vielmehr, miteinander kommunizierend, immer schon «im» Geist.
Philosophische Probleme entstehen oft, weil sie uns mit einer bestimmten Betrachtungsweise in Bann halten, uns verzaubern, ohne dass wir es bemerken. Gelingt es uns, die Probleme zu entzaubern, verschwinden sie wie ein Spuk. Und wir fühlen festen Boden unter uns. Philosophen erinnern gelegentlich an die Comicfigur Wile. E. Coyote, der über eine Klippe rennt, und weiter rennt. Er fällt erst dann in den Abgrund, wenn er merkt, dass unter ihm nur Luft ist. … “ | Aus: „Philosophie als Taschenspielerei“ Eduard Kaeser (Dezember 2022) | Quelle: https://www.journal21.ch/artikel/philosophie-als-taschenspielerei

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Wile E. Coyote (in Deutschland auch als Karl der Coyote und Willi/Willy Kojote bekannt) – ein immer hungriger und vom Pech verfolgter Kojote. Der Name ist ein Wortspiel von wily (deutsch gerissen, schlau). … Die Schwerkraft ist der schlimmste Feind des Kojoten. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Road_Runner_und_Wile_E._Coyote
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“ … // [„… Er fällt erst dann in den Abgrund, wenn er merkt, dass unter ihm nur Luft ist. …“] … // Veränderungsblindheit (englisch change blindness) bezeichnet ein Phänomen der visuellen Wahrnehmung, bei dem teilweise große Änderungen in einer visuellen Szenerie vom Betrachter nicht wahrgenommen werden. Blickt der Betrachter beispielsweise auf eine Abbildung und wird die Aufmerksamkeit für kurze Zeit, etwa durch eine vorbeigehende Person, abgelenkt, so erkennt der Betrachter in dieser Zwischenzeit vorgenommene Veränderungen des Bildes nicht, auch wenn diese erheblich sind. Dieses Phänomen wird u. a. in der Bewusstseinsforschung untersucht bei der Frage, wie sich die Wirklichkeit bzw. Realität in unserem Bewusstsein abbildet. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ver%C3%A4nderungsblindheit

[Wirklichkeitsbezug #32 … ]

Golden Shop (Bremen) | https://thegoldenshop.org/

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Lotta Drügemöller „Von Bremen geliebt, vom Kulturstaatsminister gecancelt“ (4.3.2026) | “ … Der ,,Golden Shop“ in Bremen ist eine Institution. Den Buchhandlungspreis bekommt er wegen Extremismusgefahr nicht. … ,,Wo das freie Wort zu Hause ist“, so hat der Kulturstaatsminister im August 2025 die aktuelle Runde des Deutschen Buchhandlungspreises übertitelt. Der Titel ist schlecht gewählt. Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung (SZ) hat Wolfram Weimer, der Beauftragte für Kultur und Medien der Bundesregierung, selbst in die Arbeit der Jury eingegriffen: Drei von eigentlich 118 ausgezeichneten Buchhandlungen wurden ausgeschlossen. Hingewiesen wurde darauf ursprünglich nicht: Es wurden von der Jury einfach nur 115 Preisträger*innen an die Medien gemeldet. Gleich zwei der drei missliebigen Buchhandlungen kommen aus Norddeutschland. Neben dem Berliner ,,Zur schwankenden Weltkugel“ waren das laut SZ der linke Göttinger Buchladen ,,Rote Straße“ und der linke Bremer ,,Golden Shop“. Das Kulturministerium will die drei Namen nicht bestätigen. …“ | Quelle: https://taz.de/Buchlaeden-von-Buchpreis-ausgeschlossen/!6159819/
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Kabeljau (04.03.2026): “ … Da träumt man nur ein bisschen vom Sozialismus und schon wird man von der Gesellschaft, die man verachtet, nicht mehr ausgezeichnet. Was für eine Welt. …“
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elfotografo (04.03.2026): „…“ … wird man von der Gesellschaft, die man verachtet, nicht mehr ausgezeichnet.“ Herr Weimer ist „die Gesellschaft“? …“

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Hansen85 (04.03.2026): “ … Wann werden endlich die unerträglich linken Kampfschriften wie Das Tagebuch der Anne Frank verboten, Herr Weimer? Kommen sie, das bekommen sie auch noch hin. Nur über den großen Teich blicken. …“

Kontext: “ …Mehr als 4000 Bücher wurden laut dem US-amerikanischen Autorenverband Pen allein 2023 in US-Schulbibliotheken verboten – ein Höchststand. Betroffen sind Werke, in denen es um Rassismus oder queere Menschen geht. Es trifft aber auch Bücher wie das «Tagebuch der Anne Frank» oder einen Comic über den Holocaust. …“ (Aus: „Bücherverbote in den USA – «Die Bücher bekommen durch die Verbote einen besonderen Reiz»“, 18.08.2024)
Quelle:
–> https://www.srf.ch/news/international/buecherverbote-in-den-usa-die-buecher-bekommen-durch-die-verbote-einen-besonderen-reiz
–> https://www.spiegel.de/kultur/literatur/schule-in-florida-entfernt-anne-frank-graphic-novel-a-7b769f76-93b3-47e9-9dbe-33b537e990be
–> https://www.welt.de/vermischtes/article6049286/Verbot-an-US-Schulen-Amerikaner-finden-Anne-Franks-Tagebuch-obszoen.html
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elfotografo (04.03.2026): “ … Es ist nicht immer ganz leicht zu beurteilen wer der größere, betonköpfigere, reaktionäre Spießer ist, Merz oder Weimer. Mit dieser Aktion übernimmt letzterer ganz klar die Tabellenführung. …“
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Harry_Tuttle (04.03.3026): “ … „Die drei für die Auszeichnung vorgesehenen Einrichtungen seien wegen ‚verfassungsschutzrelevanten Erkenntnissen‘ von der Liste entfernt worden“ – An anderer Stelle lese ich dazu: „…um welche Art von Erkenntnissen es sich handele, sei auch dem Ministerium nicht bekannt…“ – Wir werden hier also mal wieder komplett für unmündig verkauft. …“
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INTJonas (04.03.2026) “ … Von Weimer ausgeschlossen zu werden, kann ja auch auszeichnend sein…“
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Uwek07 (04.03.2026): “ … Ist nicht ganz Das Level wie von Trump als Freund bezeichnet zu werden, aber immerhin. …“
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Glorreiche Moorleiche (04.03.2026) “ … Quasi unbezahlte Werbung. …“

Kommentar zu: https://www.zeit.de/feuilleton/ausland/2026-03/deutscher-buchhandlungspreis-wolfram-weimer-verfassungsschutz-linksextremismus-kunstfreiheit

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Kontexte #1:


[Und wir, die wir diesem Trugschluss nach wie vor erliegen (Debatten)… ]
Der Deutsche Buchhandlungspreis wird nicht auf der Leipziger Buchmesse verliehen. Hintergrund ist die Debatte um den Ausschluss mehrerer Buchhandlungen.
https://www.subf.net/forum/index.php?msg=14829

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Nachtrag #1:


„Chronik eines Desasters“ Dirk Knipphals (13.3.2026)
„… Zu guter Letzt kam noch heraus, dass das Kulturstaatsministerium auch noch die Unwahrheit verbreitet hat. In den Absagemails an die drei Buchhandlung behauptete es, sie seien von der Jury des Preises „leider“ nicht berücksichtigt worden. Das ist schlicht eine Lüge. Die Buchhandlungen wurden nachträglich aussortiert. … [Es] stellt sich die Frage … [s]oll Wolfram Weimer die Kulturszene fördern? Oder soll er sie unter Kontrolle bringen? Eine weitere Recherche der SZ legt letzteres nahe. Ihr zufolge rät das Bundesinnenministerium unter dem Minister Alexander Dobrindt, das umstrittene Haber-Verfahren, das bei staatlichen Geldern eine Anfrage beim Verfassungsschutz vorsieht, obligatorisch zu nutzen. Und nicht nur das. Das Ganze soll auch heimlich ablaufen. … „
https://taz.de/Wolfram-Weimer-und-die-Buchbranche/!6157097/


Haber-Verfahren (auch Haber-Erlass) ist ein während der Amtszeit von Bundesinnenminister Thomas de Maizière von der damaligen Staatssekretärin im Bundesministerium des Innern (BMI) Emily Haber aktualisiertes und den Bundesministerien nahegelegtes Vorgehen zur Überprüfung öffentlich geförderter Projekte und Projektträger durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV). Das Verfahren wurde bereits seit der Amtszeit von Otto Schily im Jahr 2004 praktiziert. … Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien Wolfram Weimer verweigerte im März 2026 drei Buchhandlungen die Verleihung des Deutschen Buchhandlungspreises, für den jährlich insgesamt eine Million Euro aus dem Bundeskulturhaushalt zur Verfügung stehen. Er berief sich dabei auf das Haber-Verfahren. Der Verfassungsrechtler Christoph Möllers kam in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung zu dem Ergebnis, dass das Vorgehen verfassungsrechtlich nicht gerechtfertigte Grundrechtseingriffe bei den benachteiligten Buchhandlungen seien, die Klagen angekündigt haben. Unterstützt werden die Buchhandlungen dabei vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels [Jörg Häntzschel: „Wir halten diese Art der Gesinnungsprüfung für vollkommen inakzeptabel“ In: Süddeutsche Zeitung, 9. März 2026, S. 9 (Interview mit dem Börsenvereins-Vorsteher Sebastian Guggolz).]. …
https://de.wikipedia.org/wiki/Haber-Verfahren (14 März 2026)

[Khruangbin (The Universe Smiles Upon You ii)…]

Khruangbin (Live on KEXP, 2025) | https://de.wikipedia.org/wiki/Khruangbin

Two Fish and an Elephant ii
–> https://youtu.be/ldogSWDVOwY

White Gloves ii
–> https://youtu.be/fUxgI4npSRY

@Indygoflow1: Ladies and Gentleman, sit back, relax and enjoy the flight.

@jaivkoltun4948: Forget the seat belts. . . this is a smooth ride all the way. . .

Khruangbin play music from ‚The Universe Smiles Upon You ii‘ at The Current
(MINNESOTA PUBLIC RADIO, 17.02.2026)
Ten years ago, the Houston-based band Khruangbin gathered in a barn in rural Texas to record what became their debut album, „The Universe Smiles Upon You.“ A decade later, the band members reconvened in that same barn to revisit that music — sessions that resulted in a 10th-anniversary “revisited” edition of the album, which Khruangbin have dubbed „The Universe Smiles Upon You ii.“
Songs Performed:
00:00:00 Two Fish and an Elephant ii
00:08:10 Little Joe and Mary ii
00:14:22 White Gloves ii
Musicians:
Laura Lee – bass, vocals
Mark Speer – guitar, vocals
Donald DJ Johnson – drums, keys, vocals
Will Van Horn – pedal steel, synthesizer, auxiliary percussion
–> https://youtu.be/3Yo4mRsxXgo

[Journalismus #29 … ]

… Was können wir wissen? Was müssen wir wissen? Was sollten wir unseren Kindern von all dem Geschehen(en) erzählen? … Einordnen muss ich das wie immer selbst. …

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[21. Februar 1946:] “ … „Die Jahre, die hinter uns liegen, haben den deutschen Leser von der Welt abgeschlossen, ihn in den Nebel der Propaganda gehüllt und der harten Sprache der Tatsachen entwöhnt. Es gilt heute, Trümmer nicht nur in den Straßen der zerbombten Städte wegzuräumen, sondern auch geistige Belastungen einer untergegangenen Epoche, und das kann nur geschehen, wenn wir den Mut haben, ungeschminkt die Wahrheit zu sagen. Nur in der Atmosphäre unbestechlicher Wahrheit kann Vertrauen erwachsen. …“ – Mit diesen Worten beschreibt die Redaktion der „Zeit“ in ihrer Erstausgabe vom 21. Februar 1946, wie sie ihre Aufgabe im vom Zweiten Weltkrieg zerstörten Deutschland sieht. …“ | Aus: „Vor 80 Jahren beginnt in Hamburg die neue „Zeit““ Irene Altenmüller (21.02.2026) | Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/chronologie/vor-80-jahren-beginnt-in-hamburg-die-neue-zeit,zeit274.html — // https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Zeit

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Kommentare zu: https://www.zeit.de/fragen-der-zeit/2026/02/die-zeit-wird-80

Pluto16 (21.02.2026): “ … Vor 45 Jahren hat mich ein Verwandter auf einer Berghütte zur ZEIT bekehrt. Ich war vorher SPIEGEL-Abonnent. Er hat sich übrigens 20 Jahre später aus unserem Universum entfernt und wählt heute AFD. Seitdem ärgere, freue, wundere ich mich jede Woche wieder neu, wie es der ZEIT gelingt, nicht gelingt oder gar völlig daneben geht, mir eine Meinung über diese, unsere verrückte schöne Welt fundiert zu bilden. Was können wir wissen? Was müssen wir wissen? Was sollten wir unseren Kindern von all dem Geschehen(en) erzählen? … Einordnen muss ich das wie immer selbst. …“
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Klimarevoluzzer: “ … Was denke ich? Die Geschichte formt uns. Die Generationen ändern sich, doch der Mensch an sich bleibt. So waren die revolutionären 68er dominierende Fraktion in den Redaktionen- Jetzt sind sie und ihre Kinder längst Teil des neoliberalen Establishments. …“
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Dr. Norbert Rosenwick: “ … Ich habe schon 1959 als Oberschüler auf einem Gymnasium in einer kleinen Stadt in einer urkatholischen Gegend, der Eifel, die Zeit im Abo bezogen. Das habe ich einige Jahre getan, sie aber abgestellt, weil sie mir zu „tantenhaft“ erschien, immer diese sowohl-als auch-Artikel. Das muß in den 1970er Jahren gewesen sein. Seither habe ich mir die Zeit immer wieder gekauft, aber ein wirkliches Interesse an ihr erst im Alter gefunden. Jetzt finde ich sie nicht mehr tantenhaft, aber möglicherweise deswegen, weil ich selber wahrscheinlich onkelhaft geworden bin. …“
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Tutenchnaund: “ … Obwohl ich mit der Blatthaltung in vielem überkreuz liege: Gratulation! …“
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Einschub / Gedankensprung / Kontext (1): [“ … Josef Joffe, Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit, hat versucht, einen Bericht über die Verwicklung der Hamburger Warburg-Bank in den Cum-Ex-Steuerskandal zu verzögern. In dem Brief an den Bankier Max Warburg, aus dem das hervorgeht, äußert er sich zudem schockiert über „Verräter“ aus dem Bankhaus, die die Fahnder erst auf bestimmte Informationen aufmerksam gemacht hätten. …“ | Quelle: https://taz.de/Zeit-Herausgeber-Josef-Joffe/!5854057/ (Gernot Knödler (11.5.2022))| “ … Das Mandat von Josef Joffe ruht seit Mitte Mai 2022, weil er seinen Freund und Banker Max Warburg vor den CumEx-Recherchen der eigenen Zeitung warnte. … , Quelle Meedia Redaktion: „Zeit“-Herausgeber Josef Joffe lässt sein Mandat ruhen | MEEDIA. 16. Mai 2022, abgerufen am 5. Juni 2022.] [“ … Der Journalist [Überall] vergleicht die Herausgeberrolle Joffes mit der eines Staatsanwalts, der eben immer dann, wenn er in einer persönlichen oder beruflichen engeren Beziehung zu möglichen Beschuldigten oder Betroffenen stehe, sich bei Ermittlungen zurücknehmen müsse. …“ | Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/josef-joffe-brief-cumex-100.html (10.05.2022)] … „
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Einschub / Gedankensprung / Kontext (2): [ „… Die ZDF-«Anstalt» hatte Mitgliedschaften in Nato-nahen Organisationen aufgedeckt. Klagen der Betroffenen scheiterten vor Gericht. Der Herausgeber der Wochenzeitung «Die Zeit», Josef Joffe, sowie der «Zeit»-Journalist Jochen Bittner sind vor dem deutschen Bundesgerichtshof BGH endgültig abgeblitzt. Mit einer Unterlassungsklage gegen die ZDF-Satiresendung «Die Anstalt» wollten sie verhindern, dass weiter verbreitet wird, die beiden Redaktoren hätten Verbindungen zu Organisationen, welche der Nato nahestehen. Der BGH hat ein Urteil des Landgerichts Hamburg am 10. Januar 2017 bestätigt. …“ | Quelle: https://www.infosperber.ch/politik/welt/nato-verbindungen-von-zeit-redaktoren-bestaetigt/

Einschub / Gedankensprung / Kontext (3): [ … DIE ZEIT, Jochen Bittner | Andrea Böhm (30.10.2011): “ … Dieser Krieg war gerecht – Eine Bilanz der Intervention in Libyen … Die erste Militäraktion gegen ein Regime im Namen der Schutzverantwortung ist zu Ende. Unterm Strich war sie erfolgreich. …“ | Quelle: http://www.zeit.de/2011/44/Libyen-Intervention –> Kommentar von ikonaut 30.10.2011 um 19:37 Uhr: … diese Überschrift [Dieser Krieg war gerecht] manifestiert die menschenverachtende Überheblichkeit des „Westens“ […] niemals können anonymisierte Tötungen zahlloser unschuldiger aus fliegenden Hightechmaschinen gerecht sein. … Gekürzt. Bitte verzichten Sie bei Kritik am Autor auf Beleidigungen und Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz
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eleesch: “ … Jahrgang 1948, nach dem Freitod Versuch meiner Zwillingsschwester 1964 (sie wurde im Alter von 12 Jahren brutal vergewaltigt) begann ich an der katholischen Kirche und deren Glaubenssätzen zu zweifeln. Mein (liberaler und toleranter) Pfarrer empfahl mir, mich mit dem Thema Evolution zu befassen (Taillard de Chardin). Dann fand ich Zugang zu „Die Zeit“, die sich scheinbar als einzige Zeitschrift kritisch mit dem Christentum auseinandersetze. So wurde sie zu meiner Standardlektüre und wird es wohl bleiben. …“
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Es ist so wie es ist: “ … Ich lese die Zeit sehr gerne, wenn es um gesellschaftliche Themen geht. Wenn es um Geld geht, dann doch lieber die FAZ. Und wenn ich neutral informiert werden möchte, auch. …“
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Affinity “ … Wie kommen Sie auf die Idee, es gäbe ein Medium, das neutral informieren würde? …“
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Ickewarsauch: “ … Bin erst während Corona so richtig auf den Zeit-Geschmack gekommen. Ich sag mal so: Die Zeit ist mit großem Abstand das kleinste Übel in der deutschen Presselandschaft. …“
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“ … Okay, in den gut 900 Seiten Tagebüchern der Jahre 1982 bis 2001, die Fritz J. Raddatz vorgelegt hat, ist einiges los. Und das nicht nur, weil er als Leiter des Kulturressorts der Zeit von 1976 bis 1985 ein schillernder Feuilleton-Fürst jener Jahre war. Den Tagebüchern vertraut die Kulturbetriebsnudel jede Menge lustigen und bösen Tratsch aus dem Inneren des Kultur- und Medienzirkus an: Der dauerbetrunkene Rudolf Augstein taucht als busengrapschender Millionär auf. … Die ewigen Klagen darüber, dass der Sekt bei einem Empfang nicht gut und das Essen bei Gräfin Dönhoff eine Beleidigung seines feinen Gaumens war, das unaufhörliche Geprotze mit seinen Stilmöbeln und seiner „Picasso-Vase“, der Stolz, mit dem er festhält, dass der Zeit-Chefredakteur ihn bittet, den Wein zu bestellen, weil er davon mehr verstehe – das ist komische Angeberei vor sich selbst. Das Distinktionsgewinnlertum hat etwas Parvenühaftes: Wer sich selbst so ausgiebig auf die Schulter klopfen muss, ist sich des eigenen Status trotz aller äußeren Erfolge dann doch nicht so sicher, und das nicht nur, weil er als mehr oder weniger offen Schwuler bei den steifen Hanseaten der Zeit-Chefetage Außenseiterstatus hat, den er seinerseits mit Dandy-Getue und Paradiesvogel-Gespreiztheiten schmückt. Ganz so lustig ist die Kulturbetriebsdauerparty dann auch nicht. Zentrum der 900 Seiten ist Raddatz Rauswurf als Zeit-Kulturchef wegen eines läppischen Fehlers – der bunteste Windmacher der Branche hatte es etwas zu bunt getrieben. In den Tagebüchern kann man schön beobachten, wie Raddatz kein Problem damit hat, seine spießigen Chefs ausgiebig zu verachten und gleichzeitig als gut trainierter Profi mit robustem Erwerbstrieb bei ihnen zu baggern, um als Starschreiber beim „Blättchen“ bleiben zu dürfen. … Von heute aus, wo in den Redaktionen eher gearbeitet als gefeiert wird und Windmacher vom Typ Raddatz etwas peinlich wirken und das Champagnergeschlürfe nicht notwendig zur Stellenbeschreibung gehört, schon weil alle vor allem damit beschäftigt sind, irgendwie zu überleben, liest man die traurig-aufgekratzten Berichte aus dem Innenleben des Betriebs von damals wie Zeugnisse einer völlig zu Recht untergegangenen Welt: umgekippter Kulturbetriebsnudelsalat. Angesichts dieser bunt-trostlosen Milieubeschreibungen, der Mischung aus Wichtigtuerei, Anerkennungsdefiziten aller Beteiligten, die sich ständig zu wenig beachtet fühlen, stets wachem Neid- und Konkurrenzbewusstsein und gut geöltem Karrierismus, ist man ganz froh, dass aus diesem aufgeblasenen Zirkusluftballon inzwischen die Luft raus ist. … Bei der Lektüre erinnert man sich in Wirklichkeit auch unwillkürlich daran, wie unsereins das vor sich hin dünkelnde Zeit-Feuilleton samt Grass, Christa Wolf und immer vorneweg Raddatz in den 80ern einfach öde fand (einzige, sehr verehrte Ausnahme: Benjamin Henrichs [https://de.wikipedia.org/wiki/Benjamin_Henrichs_(Kritiker)]), und lieber die Spex, Rainald Goetz oder Gabriele Goettle gelesen hat. Raddatz und die Zeit, das war eine alte, übersättigte und für jüngere Köpfe komplett irrelevante Welt. … “ | Aus: „Peinlich sind immer die anderen“ Peter Laudenbach [(geboren 1964)] (1.11.2010) | Quelle: https://taz.de/Tagebuecher-von-Fritz-Raddatz/!5133059/

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Philippe Schulte, 25.03.2012, 09:50 Uhr: “ … Was dieses Buch [Tagebücher von Fritz Raddatz | https://www.rowohlt.de/buch/reihe/raddatz-tagebuecher] in meinen Augen wirklich lesenswert macht, ist die Ehrlichkeit, die den Kulturbetrieb wie auch den in diesem Betrieb stehenden Autor offenlegt. Fuer mich war es eine Bereicherung. …“
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„Wir sind heute mit all diesen Medien dümmer, als wir ohne sie waren. Wir leben in einer Zeit des pseudo-informierten Analphabetentums. Was ich in den Medien lese oder höre, ist fast nur noch Schrott.“ ( Frankfurter Rundschau, 31. Januar 2015) | Aus: „Zitate von Fritz J. Raddatz“ – Manchmal war ich mir selber ziemlich peinlich““ (27. Februar 2015) | Quelle: https://www.sueddeutsche.de/kultur/zitate-von-fritz-j-raddatz-manchmal-war-ich-mir-selber-ziemlich-peinlich-1.2369969 // https://www.perlentaucher.de/autor/fritz-j-raddatz.html

[Screenshot #1 … ]

“ … Social-Media-Verbote werden auch auf dem anstehenden CDU-Parteitag ein Thema sein: Ein Antrag aus Schleswig-Holstein fordert, das gesetzliches Mindestalter „für die Nutzung offener sozialer Netzwerke, wie Instagram, TikTok und Facebook“ auf 16 festzusetzen – nach dem Vorbild Australiens. Die selbsternannte Anti-Verbots-Partei diskutiert nun darüber, Kindern und Jugendlichen die Nutzung von Instagram, TikTok und Co. zu verbieten. …“ | Aus: „Social-Media-Verbot für junge Menschen – mehr Aktionismus als sinnvolle Strategie“ (Michael Kolain · Markus Beckedahl – Berlin – 2026-02-18) | Quelle: https://digitalrechte.de/news/social-media-verbot-fuer-junge-menschen-mehr-aktionismus-als-sinnvolle-strategie?ref=digitalpolitik.de // https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-02/social-media-verbot-cdu-parteitag-spd-gxe

Screenshot –> https://www.der-postillon.com/2026/02/social-media-verbot-ue-40.html
// https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Postillon

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Levi Penell (20.2.2026): “ … Allerdings beobachte ich, dass ältere Menschen sich oft sehr schlecht eingestehen können, wenn sie von etwas keine Ahnung haben. …“ | Quelle: https://taz.de/Debatte-um-Social-Media-Verbot/!6155970/

Die Beobachtung spricht mir aus dem Herzen.

[Zur Ontologie des nicht seienden #35]


Seitennotiz zur Erzähltechnik (Twin Peaks, aus den Jahren 1990, 1991): Die Konstruktion einer Imagination. Dale Cooper spricht mit Diane, die nie tatsächlich erscheint. [ … Diane is mentioned throughout the original series … but does not physically appear in any of them | Source].

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Kontext #1

Zur Konstruktion einer Imagination: “ … Wie Träume eröffnen Imaginationen Fenster zum Unbewussten. Im Unterschied zu Träumen geht es bei Imaginationen aber um mehr oder weniger bewusst kontrollierte bildhafte Vorstellungen …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Imagination

[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #103]

“ … Von einer Tötung oder gar Ermordung des Autors vonseiten der Theorie ist übrigens weder bei Barthes noch bei Foucault (noch bei Blanchot) die Rede… Für Barthes und Foucault stellte sich eher die Frage, wie mit dem schreibend ohnehin stattfindenden Tod – im Sinne der Preisgabe einer entsprechenden subjektiven Verfügungsgewalt im Produktionsakt und in seinen Folgen – umzugehen ist. … “ | Aus: „Gespensterbelebung. Autorschaft und Autorität“ (24. November 2019) | Quelle: https://geschichtedergegenwart.ch/gespensterbelebung-autorschaft-und-autoritaet/

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Jochen Schimmang (12.11.2015): “ … Barthes hat 1968 über den „Tod des Autors“ geschrieben und später auf die vielfachen Kontingenzen verwiesen, durch die ein „Werk“ zustande kommt. Seine eigene Arbeit, darunter eine Vielzahl davon Gelegenheitsarbeiten, die auf Anfrage geschrieben wurden, bezeugt die Fragwürdigkeit der Vorstellung vom „Werk“ am besten. ..“ | Quelle: https://taz.de/Zum-100-Geburtstag-von-Roland-Barthes/!5250832/ | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Barthes

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“ … Für Barthes ist Schreiben der Raum, wo das Subjekt verschwindet, das fotografische Negativ, wo jede Identität verloren ist, und das beginnt mit der Identität desjenigen, der schreibt. Barthes entwickelt dabei eine kurze historische Skizze des Schreibens und der Autorschaft, um diese Transformation darzustellen. In den ursprünglichen Gesellschaften war Schreiben für das bekannt, was es ist. In der Moderne entwickelte sich die tyrannische Figur des Autors, und erst langsam begann eine Rückkehr zum ursprünglichen Schreiben durch die Dekonstruktion des Autors.
… Bereits Mallarmé schrieb, dass nicht der Autor, sondern die Sprache spricht. Valéry nannte den Rückgriff auf das Innere des Autors Aberglaube. Proust verwischte die Autor-Figuren-Relationen und nannte den Erzähler denjenigen, der schreiben wird. … Nach dieser Dekonstruktion nennt Barthes den modernen Autor einen Schreiber (scripteur), der im selben Moment entsteht wie sein Text, und zwar immer im Hier und Jetzt. War der Autor vor allem das Buch, ist das, was dem Schreiber vorausgeht, der Text. [Adrian Wilson: Foucault on the “Question of the Author”: A Critical Exegesis. In: The Modern Language Review, Band 99, Nr. 2, April 2004, S. 339–363. S. 341] Ein Text wiederum ist für Barthes ein multidimensionaler Raum: ein Gewebe aus Zitaten, also nicht originell. Der Schreiber hat in sich keine Leidenschaften, Gefühle oder Eindrücke, sondern das große Wörterbuch, aus dem er schöpft. Das Leben imitiert das Buch, das Buch ist verlorene Imitation. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tod_des_Autors_(Roland_Barthes) (14. Januar 2025)

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Bawafafa: Der Tod des Autors ist manchmal eine nützliche Idee. … Aber das Konzept des Todes des Autors bewirkt einiges, was ich nicht für hilfreich halte. … Wenn Menschen nicht als Autoren ihrer Worte gesehen werden, wenn sie nur als Kanäle betrachtet werden, durch die sich der Diskurs bewegt, wie können sie dann für die Dinge, die sie sagen, zur Rechenschaft gezogen werden? …

Nyorliest: „Warum sollte Verantwortung für Worte von großer Bedeutung sein?“ … Ich bin alt und ein großer Teil meiner literarischen Erziehung in der Kindheit war ‚der Autor meint dies‘ und ‚der Autor meint das‘, und das war total fehlgeleitet.
Ich weiß, dass Dickens sich mit der Reform des Gefängnisses beschäftigt hat und daran interessiert war. Ich weiß, dass sein Vater im Gefängnis war. Das sind nicht-textuelle Informationen, die mir helfen, Pips Beziehung zu Magwitch zu kontextualisieren. Aber jedes Mal, wenn ich sage ‚Dickens meinte hier X‘, ist das Wahnsinn. Anstatt zu versuchen, „Große Erwartungen“ als Séance zu behandeln, kann ich einfach darüber sprechen, wie es mich fühlen lässt, da mein Vater ein Verbrecher war (Reader Response), und es in den Kontext von Dickens‘ Leben und anderen zeitgenössischen Erzählungen und politischen Themen stellen.
Vielleicht ist eine einfachere Art, das zu sagen – ich tippe schnell, während ich frühstücke – dass es fast immer eine schlechte Nutzung von Zeit und Gedanken ist, sich auf den Geist des Autors und den Autor selbst zu konzentrieren. Es gibt viele lohnenswerte und interessante Dinge zu sagen, ohne jemals zu versuchen, eine tote Person zu psychoanalysieren.

JoyBus147: Es gibt ein kleines Detail, das die Dinge vielleicht klarer macht: Im ursprünglichen Französisch lautet der Titel „La Mort de l’auteur“. … Anhand … des kulturellen Kontexts können wir schließen, dass der „Tod“ des Autors eher eine rhetorische Ausschmückung als striktes Dogma ist.
„Tod des Autors“ bedeutet nicht, dass der Autor bedeutungslos ist. … [Die]-„Tod des Autors“-Perspektive … sagt nur, dass der Autor nicht die Autorität ist – als Schöpfer des Textes könnte man ihn als einen „Ersten unter Gleichen“-Kritiker betrachten. …

Bruchstücke aus: „Der Tod des Autors?“ (09.11.2026) | Quelle: https://www.reddit.com/r/CriticalTheory/comments/1phwez0/the_death_of_the_author/?tl=de

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Gedankensprung: Die Stimme aus dem Off (1)


“ … Das gesprochene Wort des Off-Textes nimmt vielmehr auch immer eine bestimmte Haltung gegenüber dem bildlich Dargestellten ein. Die Frage lautet also: In welcher Funktion steht der Text bzw. inwieweit beeinflusst er das Bild in seiner Bedeutungsaussage? Welche Kategorien lassen sich für diese Text-Bild-Verbindung finden? … Das gesprochene Wort ist aber nicht nur durch seinen Text bestimmt, sondern wird auch durch den Charakter von Stimme und Sprechweise beeinflusst, welche zusätzliche Informationen vermitteln und Deutungen anbieten können. Eine bestimmte Sprechweise kann einem Text eine emotionale Färbung geben, ihn dramatisieren oder auch Ironie ausdrücken (vgl. Hickethier 1991), wodurch die Bildaussage gesteigert bzw. eingeschränkt werden kann. In diesem Sinne (be)wertet der Off-Text die filmische Darstellung. Dies ist auch in Form eines auktorialen Voice-overs möglich …“ | Aus: „Die Stimme aus dem Off“ Lysann Windisch (2012)

Waldo Lydecker, ein bekannter New Yorker Radiokolumnist, berichtet in seiner großen und prunkvoll ausgestatteten Wohnung, wie tief bewegt er von dem Tod einer sehr guten Freundin sei. Laura habe ihm alles bedeutet. Sein Leben sei – ohne sie – bedeutungslos geworden.

Die Stimme des Kolumnisten ist das Erste, was wir hören in „Laura“ von Otto Preminger aus dem Jahr 1944. Wir hören die Stimme aus dem Off bevor wir den Autor selbst sehen können, wie er nackt in der Badewanne sitzend seine Geschichte in die Schreibmaschine tippt.

Er, Waldo Lydecker wolle, da nun entsetzlicherweise seine Freundin Laura ermordet worden sei, die tragische Geschichte ihres Todes für alle Welt niederschreiben.

Durch Rückblenden, durch den Verlauf der Filmhandlung wird deutlich, dass dieser distinguierte Kolumnist seine Texte als Waffe zu gebrauchen weiß, um männliche Konkurrenten, die Laura zu nahekommen, auszuschalten. In dem Moment aber, als diese Waffe aus Buchstaben nicht mehr greift, nimmt er eben eine Schrotflinte zur Hand, um Laura zu erschießen. Wenn Laura nicht bei ihm bleiben will, so soll sie tot immerhin nicht zu jemanden anderen gehören können.

Dem jungen Polizisten Mark McPherson, der als Ermittler in Lauras Tagebücher gelsen hat, der sich in das Bild, in das Gemälde der vermeintlich Toten verliebt hat, gelingt es das Versteck der Schrotflinte in einer alten Standuhr aufzuspüren. Er kann nun den tatsächlichen Tathergang rekonstruieren.

Waldo wird durch die Entdeckung von Mark die Gewalt über seine Erzählung verlieren. Waldos Version der Geschehnisse, sein Bericht an die Welt, seine Erzählung von Lauras Tod ist ihm nun unmöglich geworden. Die Stimme aus dem Off, der Erzähler, der Autor selbst war der Mörder.

Gedankensprung: Die Stimme aus dem Off (2)

Joe Gillis liegt in „Boulevard der Dämmerung“ (Billy Wilder, 1950) tot in einem Swimmingpool. Die Polizei, die Presse und das Fernsehen sind unterwegs zum Ort des Geschehens. Gillis erzählt als bereits gestorbener Mann, als Stimme aus dem Jenseits, als Stimme aus dem Off wie sich alles ereignete.

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Der Tod des Autors ist ein in der Literaturtheorie vertretenes Konzept, das die klassische Idee der völligen Kontrolle des Schriftstellers über seine eigene Schöpfung in Zweifel zieht. Für die Textinterpretation bedeutet dieser Ansatz vor allem, dass die mutmaßliche Absicht des Autors unerheblich ist und Texte auch durchaus Bedeutungen entwickeln können, die der Absicht des Autors widersprechen.] | https://de.wikipedia.org/wiki/Tod_des_Autors

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Die These von der Rückkehr des Autors kam in den 1990er Jahren in der Literaturwissenschaft auf. Sie rückt die Person des Autors wieder stärker in den Mittelpunkt ihrer Betrachtung. … In der deutschen Forschung kam der Begriff durch einen 1999 von Fotis Jannidis, Gerhard Lauer, Matías Martínez und Simone Winko herausgegebenen gleichnamigen Sammelband wieder auf [Gregor Thuswaldner: Derrida und danach? Literaturtheoretische Diskurse der Gegenwart. DUV, 2008, ISBN 3-8350-6036-8, S. 21.]. Darin sollte der Autor wieder zum legitimen Untersuchungsgegenstand der Literaturwissenschaft gemacht werden, allein um die „unaufgeklärte Schizophrenie“ zwischen Literaturtheorie und Praxis der Literaturwissenschaft zu vermeiden. | Aus: „Rückkehr des Autors“ (4. Juni 2023) | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckkehr_des_Autors

[Zum Wahn der Liebe #108 … ]

Amor und Psyche – Illustriert von P. Thumann (Leipzig, Verlag Adolf Titze, 1882)

“ … Am ehesten lässt sich Amor wohl als Gott des „Sich-Verliebens“ bezeichnen. Bewaffnet mit Pfeil und Bogen sorgt er dafür, dass zwischen zwei Menschen tiefe Gefühle entflammen. … Psyche, die jüngste (und selbstverständlich schönste) von drei Königstöchtern war so bildhübsch, dass sie sogar Venus in ihren Schatten stellte. Aus tiefster Wut und Eifersucht befiehlt sie ihrem Sohn Amor, mit einem seiner Pfeile dafür zu sorgen, dass sich Psyche in einen schlechten (und vorzugsweise hässlichen) Mann verliebt, im besten Fall sogar in ein schreckliches Ungeheuer. Doch wie es der Zufall – und jede gute Liebesgeschichte – will, erwischt sich Amor selbst mit genau diesem Pfeil, weshalb sich die beiden sofort Hals über Kopf ineinander verlieben. Amor und Psyche lassen nichts anbrennen und heiraten sofort – allerdings heimlich, da eine Verbindung zwischen einem Gott und einem Menschen für die Götter inakzeptabel ist. … Daraufhin bringt Amor seine Frau in ein abgelegenes, märchenhaftes Schloss, in dem er fortan mit ihr leben will. Lediglich ein Versprechen nimmt er ihr ab: Dass sie ihn nie zu sehen bekommen und auch nie versuchen würde, zu erfahren, wer er sei. Psyche willigt ein. … Die Geschichte von Amor und Psyche stammt ursprünglich aus dem Jahre 170 n. Chr. aus der Feder des Dichters Apuleius. Sie war seitdem Inspiration für viele Werke der Literatur, Musik und Bildenden Kunst. Auch einzelne Elemente der Erzählung, wie der mysteriöse Bräutigam, die bösen Schwestern oder die lebensbedrohlichen Prüfungen, wurden seitdem in zahlreichen Geschichten aufgegriffen. Dazu zählen Shakespeares Ein Sommernachtstraum sowie die Märchen Aschenputtel und Die Schöne und das Biest. Amor und Psyche werden zuweilen als der Romeo und die Julia der Antike bezeichnet und teilen sich damit wohl mit den beiden den ersten Platz um das Rennen des größten Liebespaares aller Zeiten. …“ | Aus: „Amor und seine Psyche“ Mici (Februar 2022) | Quelle: https://www.unique-online.de/amor-und-seine-psyche/11896/

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“ … Liebe, Begierde, Lust, diese ganz großen Gefühle eint alle, dass sie in der stofflichen Welt nicht überlebensfähig sind. Sie können nur im Moment existieren, ohne Zeit und Raum, oder im eigenen Kopf. Jeder Versuch, sie aus dem Jetzt oder der eigenen Fantasie zu heben, kann nur scheitern, denn alles, was außerhalb ist, beschränkt die Grenzenlosigkeit der Empfindung und verformt sie. Sie kann nur im eigenen Kopf frei sein, wo man im Moment verharren kann, ohne dass Zeit vergeht, ohne dass sich die Frage nach einem Wiedersehen an einem vollen Terminkalender abstößt. …“ | Aus: „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ Meike Stoverock (10.03.2025) | https://steady.page/de/frau-meike-meint/posts/ec74b80f-638a-4778-87bd-a9512aa8ac71 | Zu: „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ (Emily Atef, 2023) [„… Bei der internationalen Kritik stieß der Film auf gemischte bis negative Reaktionen. … Die Zeit listete den Film in einem Jahresrückblick als einen der schlechtesten des Kinojahres 2023. Besonders bemängelt wurden dabei die Sexszenen, die von der Rezensentin als „pornografisch“ und „lächerlich“ bezeichnet wurden. Andererseits schreibt der Fluxkompensator: „Die Vorstellung, dass auch weibliche Sexualität dunkle, aggressive und selbstzerstörerische Seiten haben kann, stößt auf einige Ablehnung, bis hin zum bizarren Vorwurf des Male gaze. Dabei sind gerade die Szenen der Zweisamkeit mit großer Feinfühligkeit inszeniert, wir sind ganz nahe an den Figuren, die wenigen Sätze sind genau platziert.“ …] | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Irgendwann_werden_wir_uns_alles_erz%C3%A4hlen


KeKi (12. Juli 2025): “ … Diese Mischung aus Sexyness, Verletzlichkeit und Tiefe … Mich erinnert der Film an meine Sommer ’89 und ’90 im Osten, der Sommer brachte eine Leichtigkeit mit sich und doch war die Unsicherheit, was werden wird, damals an jeder Ecke im Dorf greifbar und auch diese heimlichen Liebeleien gab es – und wir Kinder waren mehrfach ungewollt Geheimnisträger dieser Liaisons und haben uns unseren Teil dabei gedacht. …“

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