Kategorie: Fraktal.Text

Textfraktale

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #69 ]

Defa-Science-Fiction „Der schweigende Stern“ nach Stanislaw Lem von 1960
// https://de.wikipedia.org/wiki/Der_schweigende_Stern

Fritz Göttler (26. Mai 2021): “ … Es war natürlich eine gekürzte Version von Maetzigs Film, die in den USA lief, das humanistische Pathos und all die Anmerkungen zu Hiroshima sind getilgt. Die Defa akzeptierte, die DDR brauchte sehr dringend Devisen. Und die Effekte des Films sind stark, die Spannung ist intensiv, auch wenn es bei diesem Trip auf den Planeten Venus keinen einzigen galaktischen Kampf gibt. … “ | https://www.sueddeutsche.de/medien/defa-filme-ddr-ard-mediathek-1.5304044

“ … Nekrobien heißt das von Cezary Strzybisz veröffentlichte pornografische Bilderbuch, in dem sexuelle Stellungen und Praktiken mit Röntgenstrahlung aufgenommen und abgelichtet sind. …“ | Wielkość urojona, 1973 (dt. Imaginäre Größe, 1976) – Vorworte zu nichtexistierenden Büchern

Jutta Braun „Die Realität der Fiktion“ (12.09.2021): “ […] Zeit seines Lebens hat sich [Stanislaw] Lem mit Physik ebenso beschäftigt wie mit Metaphysik, mit der biologischen ebenso wie mit der technischen Evolution. Trost in einer religiösen Deutung konnte er angesichts der menschlichen Verheerungen nicht finden. Doch schätzte er die seelisch heilsame Wirkung von Religionen, für deren „schlaueste Erfindung“ er es hielt, dass sie „die reale Welt um einen transzendenten Anbau ergänzen, in dem alles repariert wird“. … Blanke Verachtung hegte Lem indessen für Aberglauben, Scharlatanerie und Verschwörungstheorien. In beißenden Glossen veralberte er die Pseudowissenschaft eines Charles Berlitz oder Erich von Däniken, die millionenfache Auflagen erzielten. Und er war zornig über die „pseudoaufgeklärten Massen“, die „sich heute des Glaubens an den Herrgott schämen, doch sie schämen sich nicht, falsche Surrogate zu suchen und zu gebrauchen. Sie nehmen viel eher die Existenz fliegender Untertassen als Engel und eher das ,Bermuda Dreieck’ als die Hölle zur Kenntnis.“
Lem bedauerte, dass solcher „metaphysischer Trödel“ offenbar sehr gesucht sei, als „ein Gegengift“ zum „wichtigtuerischen apodiktischen Ton der Wissenschaft“. Wichtigtuerisch waren Lems Darlegungen nie, auch nicht in seinem naturwissenschaftlichen Hauptwerk, der „Summa technologiae“, in der er die Erkenntnismöglichkeiten summierte und in die Zukunft extrapolierte. Wie viele seiner Generation wurde Lem von den Hoffnungen in die Kybernetik als gesellschaftliches Steuerungsmodell enttäuscht. Doch nahm er es mit Humor und parodierte im Gegenzug die Technikgläubigkeit. …“ | Aus: „Die Realität der Fiktion“ Jutta Braun (12.09.2021) | Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/zum-100-geburtstag-von-stanislaw-lem-die-realitaet-der-fiktion/27597866.html

// Stanisław Herman Lem (* 12. September 1921 in Lwów, Polen; † 27. März 2006 in Krakau)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Stanis%C5%82aw_Lem

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #68 ]

“ … Auf einer unwirtlichen Insel im Atlantischen Ozean sind die Einwohner auf Hilfe von außen angewiesen. Regelmäßig kommt ein Schiff zur Insel, um die Bewohner mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs zu versorgen. Als der Winter naht und die Stürme kommen, bleibt das Schiff plötzlich aus. …“
Leuchtfeuer (R: Wolfgang Staudte, 1954) | https://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtfeuer_(1954)

Kirsten Liese (2016): “ … Der Film erzählt von Bewohnern einer kargen Fischerinsel, die in große Hungersnot geraten und darüber ihre Moral verlieren. Auf Strandgut von zerschellten Schiffen hoffend, setzen sie den Leuchtturmwärter unter Druck, die Lichter zu löschen – mit fatalen Folgen. …“ |Aus: „Ein neuer Blick auf das deutsche Nachkriegskino“ | https://www.goethe.de/ins/us/de/kul/mov/20819635.html

“ … Die von Lakoff und Johnson entwickelte kognitive Metapherntheorie geht davon aus, dass menschliches Denken zu großen Teilen metaphorisch strukturiert ist. Anders als frühere Metapherntheorien behandelt sie Metaphorik nicht als rein sprachliches, auf der Ebene des Textes oder einzelnen Wortes angesiedeltes Phänomen, sondern als Phänomen des Denkens. Dennoch ist zu fragen, in welchem Verhältnis metaphorische Prozesse im Film zur ‘Bildlichkeit’ sprachlicher Metaphern stehen. … Wesentliches Kennzeichen der filmischen Metapher ist [Eric Rohmer] zufolge – in gewisser Nähe zu dessen Überlegungen zu den Korrespondenzen zwischen Kunst und mythischem Denken … Gilles Deleuze definiert die Metapher als „fusion affective“ auf der Grundlage gemeinsamer „Schwingungen“ (harmoniques, wörtl. ‘Obertöne’) zweier Bilder ….“ | Aus: „Schuss und Gegenschuss ist Krieg – Teil I: Überlegungen zu metaphorischen Prozessen im Film Ansgar Thiele, Bonn“ (2006) | https://www.metaphorik.de/sites/www.metaphorik.de/files/journal-pdf/10_2006_thiele.pdf

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #67 ]

): “ … Die Wahrheit liegt in dem, was wir verschweigen. … “
Quelle: https://muetzenfalterin.wordpress.com/2021/08/26/43-3/

Tanja Angela Kunz („Die Windmühle des inneren Käfigs„): “ … Als der deutsche Pathologe Dr. Rudolf Virchow Ende des 19. Jahrhunderts betonte, er habe bei all seinen Sektionen nie eine Seele gefunden, war die stofflose Ichvorstellung längst durch Hume, Locke, Kant und Schopenhauer sukzessive in Zweifel gezogen worden. Die Skepsis gegenüber dem Vorhandensein eines Seelenstoffs hat sich seitdem in Medizin und Philosophie immer weiter fortproduziert. Das die abendländische Geistesgeschichte seit Platon und Aristoteles begleitende Leib-Seele-Problem wird somit auf maximal pragmatische Weise zugunsten des Leibes zu lösen versucht. … Peter Strassers Sachbuch [Diktatur des Gehirns. Für eine Philosophie des Geistes. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2014] [scheit] das Zeugnis eines inneren Kampfes zu sein, eines Kampfes zwischen der Akzeptanz einer säkularisierten und entmystifizierten Welt und einer Sehnsucht nach Bedeutung verleihender und sinnstiftender Transzendenz. Dieser Kampf, der sich im Schwanken zwischen der Absage an einen göttlichen Geist und der Mutmaßung des möglichen Vorhandenseins eines Gottes zeigt, steht sicherlich vielen heutigen Lesern näher als jeder Naturalismus. Wer möchte einerseits als ungebildet gelten, weil der noch im Urknall ein göttliches Walten vermutet? Und wer ist andererseits bereit, sich selbst als seelenlose physikalische Gegebenheit zu akzeptieren? Dass letztlich kaum etwas so ist, wie es scheint, dass die Illusion unser engster Begleiter und die Unverfügbarkeit unser innerstes Gesetz ist, mag kaum jemand zu bestreiten wagen. Doch die Übermacht der Hirnphysik, so viel sie auch an Wissen bereit zu halten scheint, erweitert sich letztlich in einen Abgrund der Ohnmacht. Dies zumindest dann, wenn man zu glauben beginnt, dass die Aufschlüsselung des zerebralen Systems das Geheimnis des Lebens entzaubern könnte. Doch „draußen“ setzt sich der Solipsismus beharrlich fort. Peter Strasser setzt dagegen den aus naturwissenschaftlicher Perspektive heroisch-tragischen Versuch, das Unmaterialisierte, Unnachweisliche als ein „Mysterium der geisterfüllten Anschauungsrealität“ zu beschreiben. Eine zum Scheitern verurteilte Unternehmung, bei der dem Verfasser letztlich eine ganze Armee von Literaten aller Zeiten den Rücken stärkt; denn sie stellen sich seit je dem Versuch, das Unsagbare sagbar zu machen. Vielleicht liegt der einzige Unterschied darin, dass man es von jenen erwartet oder duldet. Dieser hingegen fällt leicht dem Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit anheim, wobei anzumerken bleibt, dass ein solcher Vorwurf höchstens als einer der ‚Trans-Naturwissenschaftlichkeit‘ Gültigkeit beanspruchen kann. Und spricht nicht gerade die Tatsache, dass die Neurowissenschaften bislang kein ‚Ich-Areal‘ im Gehirn lokalisieren konnten und damit auch nichts, was in seine physikalisch-chemischen Elemente zerlegbar wäre, für einen weiter bestehenden Transzendierungsbedarf durch Kunst und Philosophie? Es ist ein Verdienst des Verfassers, in seinem Buch die schwerwiegende, nicht zuletzt auch aus ethischer Perspektive gefährliche Reduktion herausgearbeitet zu haben, die in einer zirkelhaften Anthropologie der Hirnforschung begründet liegt. Und gerade deshalb ist Peter Strassers Stimme aus philosophischer Perspektive bedeutsam im Kampf gegen die Windmühle des inneren Käfigs. …“ | https://literaturkritik.de/id/20124

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #66 ]

// Abbildung aus Geist und Bewusstsein (1619) : Robert Fludd (1574-1637)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Fludd

„[D]as klarste Zeichen der Faktizität eines Faktums ist eben dies hartnäckige Da[-Sein], das letztlich unerklärbar und unabweisbar alle menschliche Wirklichkeit kennzeichnet. Die Propagandafiktionen zeichnen sich dagegen stets dadurch aus, daß in ihnen alle partikularen Daten einleuchtend geordnet sind, daß jedes Faktum voll erklärt ist, und dies gibt ihnen ihre zeitweise Überlegenheit; dafür fehlt ihnen die unabänderbare Stabilität alles dessen, was ist, weil es nun einmal so und nicht anders ist. Konsequentes Lügen ist im wahrsten Sinne des Wortes bodenlos und stürzt Menschen ins Bodenlose, ohne je imstande zu sein, einen anderen Boden, auf dem Menschen stehen könnten, zu errichten.“ – H. Arendt | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit_und_Politik (19. Januar 2020)


Vollmer, Jörg Friedrich (2003): “ … Angesichts der zahlreichen Konflikte der Gegenwart und der Verschiebung der Schwerpunkte und Kampfzonen, die mit der neuen Art der Kriegführung, dem Terror, einhergehen, bleibt es auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe der Geistes- und Sozialwissenschaften, zu analysieren, in welchen Formen der Kampf auf den Schlachtfeldern in die Imagination eindringt. …“ | Aus: „Imaginäre Schlachtfelder – Kriegsliteratur in der Weimarer Republik – eine literatursoziologische Untersuchung“ (Dissertation) | https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/9872



Hamayun Eisa im Gespräch mit Mahsa Ghafari über die Situation seiner Familie in Afghanistan „Afghanistan: Ein Land unter Dauerbesatzung“, den Status von Frauenrechten und Justiz und die Geschichte des Landes zwischen Besatzung und Widerstand. … Hamayun Eisa (3 September 2021):“ … Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Landes kamen nicht bei der Bevölkerung an, stattdessen entstand ein hochgradig korruptes und ungerechtes System. Es gab keine zentrale Regierung, sondern regional unterschiedliche und schwer überschaubare Machtverhältnisse. Viele Gebiete wurden weiterhin von Machthabern beherrscht, die unabhängig von der Regierung in Kabul agierten. Hilfsgelder für den Bau von Schulen und Kliniken landeten in den privaten Taschen. Die Frustration der Bevölkerung wuchs. … Diese angebliche Befreiung war nur Schein. …“ | https://mosaik-blog.at/afghanistan-taliban-besatzung/



Matthias Gebauer und Christoph Schult „Geheimer Kabelbericht warnte früh vor Kollaps in Kabul“ (06.09.2021): “ … Mehrere Regierungsbeamte bestätigten dem SPIEGEL, dass die deutsche Botschafterin in Washington bereits fast anderthalb Wochen vor dem Fall Kabuls in einem geheimen Kabelbericht vor einem drohenden Kollaps der Kabuler Regierung gewarnt hatte. … Das geheim eingestufte Kabel aus der Botschaft vom 6. August ist für die Bundesregierung ein echtes Problem. Bisher hatte man in Berlin stets behauptet, wie alle anderen Nato-Nationen vom Tempo des Vormarsches der Taliban und der urplötzlichen Implosion der Regierung von Ashraf Ghani sowie der lokalen Sicherheitskräfte vollkommen überrascht worden zu sein. …“ | https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afghanistan-geheimer-kabelbericht-warnte-frueh-vor-kollaps-in-kabul-a-77ffb461-ace7-43e3-9b51-cc5758aae5d5



Michael Pekler (Ausgabe 36/2021): “ … Nehmen wir zum Beispiel eine mit UN-Mandat ausgestattete Gruppe von Waffeninspektoren, die 1997 im Irak nach Massenvernichtungswaffen sucht. In orangefarbenen Overalls durchstöbern sie keuchend mit beschlagenen Schutzbrillen eine Lagerhalle mitten in der Wüste. … Curveball ist eine auf Tatsachen beruhende, aber ins Groteske verzerrte Politsatire über den Bundesnachrichtendienst und dessen Rolle bei der Suche nach Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen, die nie gefunden wurden, weil es sie nie gab, deren angebliche Existenz aber den Dritten Golfkrieg legitimierte. …“ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/koalition-der-luegen



“ … Wenn es nur noch „Narrative“ und „Konstrukte“ geben soll und so etwas wie allgemein geltende Kriterien und eine Realität außerhalb des Meinens bestritten werden, dann kann es nur noch darum gehen, die jeweils eigene Konstruktion mit Macht durchzusetzen. … Wenn Erkenntnisse und Wissen allein als soziale Konstrukte gelten, für deren Beurteilung die Frage nach wahr/falsch uninteressant ist, dann könnten diejenigen, die bestimmten Theorien opponieren, nur versuchen, ihnen so etwas wie die Macht für die eigene Deutung entgegen zu stellen. Eine argumentative Auseinandersetzung gebe es dann nicht, sondern allein das powerplay und die „Öffentlichkeitsarbeit“ der verschiedenen pressure groups. … Wenn alles „Konstrukt“ wäre, wie ließen sich dann Trumps Lügen und die von ihm und seinem Team bemühten „alternativen Fakten“ kritisieren? Trump „wiederholt seine Unwahrheiten so lange, bis sie zu einem Eigenleben gediehen sind. Maßstab für die Aussagen ist das kollektive und deshalb auch individuelle Wohlgefühl. Man hört das, was man hören will. Und was man glauben will“ (Prisching 2019, 299). Das ist ein Beispiel für die Durchsetzung von sozialen Konstrukten. Trump ist jemand, der den postmodern verkündeten „Death of Truth“ (Kakutanis 2018) praktisch wahr macht. Wenn aber alles soziales Konstrukt sein soll und über die Wirklichkeit nichts ausgesagt werden kann, wie lassen sich dann Trumps soziale Konstrukte von Aussagen, die keine Lügen sind, unterscheiden? Vom Standpunkt eines „allgemeinen Relativismus“ gilt: „nichts ist wahr, nichts ist objektiv, nichts ist wirklich, alles ist konstruiert. Das ermöglicht es Trump, sich desselben Prinzips zu bedienen […]. Lee McIntyre spricht von der Post-Truth-Epoche“ (Prisching 2019, 300f.). … Das Individuum avanciert zum Subjekt, indem es seine Souveränität durch die Einbildung gewinnt, sich als Freigeist an seinen unendlichen Möglichkeiten zu erfreuen – auch und gerade dann, wenn sie vornehmlich darin bestehen, die gesellschaftliche Wirklichkeit durch deren ganz eigensinnige Uminterpretation anzuerkennen. …“ | Aus: „Zur Kritik des „Radikalen Konstruktivismus“ Meinhard Creydt (2020) | Quelle: https://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Creydt_Radikaler_Konstruktivismus.pdf



Judith Zinsmaier „Hannah Arendt und das „postfaktische Zeitalter““ (Tübingen, 16.08.2021): “ … So schafft Trump mit seinen sich teilweise sogar selbst widersprechenden Lügen nicht eine gänzlich neue Wirklichkeit. Was seine Lügen und Verwirrungstaktiken allerdings bewirken und was sie so gefährlich macht, ist die Zerstörung des Sinns für richtig und falsch überhaupt. Weil sie die Grundbedingung der Fähigkeit zum politischen Handeln und Urteilen ist, ist es letztlich diese selbst, die so vernichtet wird. Die Warnung vor einem naiven Realismus allein reicht also ebenso wenig aus wie der bloße Ruf nach einer Rückkehr zu Fakten und Wahrheiten, um die Krise zu beschreiben, in welcher sich unsere demokratischen Öffentlichkeiten heute befinden. …“ | https://www.praefaktisch.de/postfaktisch/hannah-arendt-und-das-postfaktische-zeitalter/



Hans-Hermann Kotte – „War is coming home“ (05.12.2014 ): “ … „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“ – dieser Ausspruch wird verschiedenen Schriftstellern und Politikern zugeschrieben. Worauf er abzielt: In bewaffneten Konflikten wollen unterschiedliche Interessengruppen das Bild bestimmen, das sich die Öffentlichkeit vom Krieg macht. … Der Vietnamkrieg war durch das Aufkommen des Fernsehens der erste „Wohnzimmer-Krieg“. Seither ist die Zahl der Sender und auch deren Bilderhunger enorm gewachsen. Das nutzt das Militär aus: „Seit dem Golfkrieg 1990 werden zunehmend Aufnahmen von Zielkameras zur Verfügung gestellt, wo lasergesteuerte Raketen oder Bomben ins weit entfernte Ziel finden“, sagt Gerhard Paul. „Eine saubere Darstellung ohne Blut, abgetrennte Körperteile oder Leichen.“ Bilder, die im Zeitalter des Drohnenkriegs kaum mehr zu unterscheiden sind von denen aus einem Video- oder Computerspiel. …“ | https://www.fluter.de/war-is-coming-home

yoda 21.08.2021, 13:15 Uhr: “ … Merkel räumt Fehleinschätzungen ein – Merkel räumt ein, was nicht mehr zu übersehen ist. Dass die Fehleinschätzungen bereits vor 20 Jahren begonnen haben und seither durch Lügen der deutschen wie amerikanischen Öffentlichkeit als Erfolge verkauft worden sind, räumt Merkel leider nicht ein, obwohl sie das Potenzial dazu hätte. …“

APFire 26.08.2021, 14:00 Uhr: “ …ich empfinde diese Berichterstattung als verlogen. Warum kümmert sich die Presse denn plötzlich um die Frauen und Kinder und Einzelschicksale? – Allein die westliche Bomben haben […] tausende Frauen und Kinder ermordet. Der Mann, der diese Kriegsverbrechen veröffentlicht hat, sitzt heute noch im Gefängnis. Natürlich ist das eine humanitäre Katastrophe. Das ist leider jeder Krieg und sind leider auch viele Sanktionen (bspw. gegen Iran, Venezuela, Syrien oder Kuba). Ich würde mir eine kritische Presse wünschen, die sich viel stärker mit den fragwürdigen Gründen auseinandersetzen, warum v.a. WIR uns an solchen Kriegen und solchen humanitären Katastrophen beteiligen …“

Kommentare: zu: https://www.tagesspiegel.de/politik/afghanistan-krise-mindestens-85-tote-bei-anschlaegen-von-kabul/27519346.html

“ … Die Philosophie der Postmoderne hat uns gezeigt, dass die Wirklichkeit nicht einfach nur real, sondern sozial und sprachlich vorgeprägt ist. …“ | Boris Schumatsky, 25.04.2016 (Aus: „Die Krise der Wahrheit“)

R.N. Kallok (19.08.2021): “ … Diese „Analyse“ [https://www.derstandard.at/story/2000128983908/afghanistan-warum-joe-biden-recht-hat] geht völlig an der Realität vorbei Tatsächlich war Biden überzeugt, dass die Vasallen-Armee in Afghanistan die Taliban zumindest aufhalten, wenn nicht besiegen kann. Seine Erklärung vom 8.7. ist noch heute auf der Website des Weissen Hauses zu lesen: „Gemeinsam mit unseren Nato-Alliierten haben wir….hunderttausende afghanische Sicherheitskräfte trainiert. …Wir haben unseren afghanischen Partnern modernstes Militärmaterial geliefert,….was wir auch fortsetzen werden. ..Und wir werden die Kapazität ihrer Luftwaffe sicherstellen“. Fazit: Im Weissen Haus regiert ein Mensch, der offenbar wenig von der Welt weiss. Die Frage ist, wer hat ihm in wessen Interesse solche Trugbilder vermittelt. …“

H.A.Hellyer: (31.08.2021): „… Viele hatten offenbar geglaubt, dass sich die politischen Führungen der USA, Deutschlands oder Großbritanniens aufrichtig um die Menschen kümmern würden, die nach dem Abzug ihrer Truppen in Afghanistan zurückbleiben würden. Aber diese Annahme war fragwürdig. Präsident Emmanuel Macron hat das sehr klar gemacht: Als der Abzug der US-Truppen begann, sagte er, man müsse verhindern, dass Flüchtlinge aus Afghanistan nach Europa kämen. Das hätte er sicher nicht gesagt, wenn diese Menschen weiße Christen wären. Der ungarische Präsident Viktor Orbán war noch schlimmer. Es ist nicht so, dass alle westlichen Politiker Monster sind. Aber ungeachtet ihrer Rhetorik war das Schicksal der Menschen in Afghanistan nie ihr Hauptanliegen. … [ Andrea Backhaus, Beirut : … Auch trafen britische und amerikanische Drohnen im Irak und in Afghanistan immer wieder Unschuldige. Wurden diese Verbrechen genug aufgearbeitet? [https://www.amnesty.de/allgemein/pressemitteilung/vereinigte-staaten-von-amerika-voelkerrechtswidrige-us-drohnenangriffe] ] … Es ist schwierig, Gerichtsverfahren in Gang zu setzen, wenn hochrangige Staatsführer in kriminelle Handlungen verwickelt sind. George W. Bush hat sich für seine Taten nicht verantworten müssen, auch der damalige britische Premier Tony Blair nicht, der Bushs Kriege im Irak und Afghanistan unterstützt hat. … Viele Regime nutzen das Narrativ des War on Terror, um ihre Macht zu stärken und Kritiker zum Schweigen zu bringen, nicht nur in der arabischen Welt. Die chinesische Staatsführung etwa geht mit aller Härte gegen die Uiguren vor, weil sie angeblich Terroristen sind. Dieses drastische Vorgehen gegen Dissidenten gibt es nicht erst seit den Anschlägen vom 11. September. Aber seit die USA, die mächtigste Nation der Welt, diese Begriffe benutzt, fühlen sich Autokraten bestärkt. Nach dem Motto: Seht her, selbst der Westen spricht vom „Krieg gegen den Terror“ und wir können diese Erzählung nutzen, um alle Formen von Widerstand zu bekämpfen. …“ | https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-08/krieg-gegen-terror-politologe-hisham-hellyer-interview/komplettansicht

Stefan Krempl (28.07.2021): “ … Ein Bundesgericht für den Bezirk Alexandria in Virginia hat den US-Whistleblower Daniel Hale am Dienstag zu 45 Monaten Haft verurteilt. Der einstige Aufklärungsexperte der Air Force hatte sich zuvor schuldig bekannt, eine Reihe von Regierungsdokumenten weitergegeben zu haben. Diese belegten die Funktionsweise und die hohen zivilen Kosten des nicht sonderlich präzisen US-Drohnenprogramms. … Er habe sich verpflichtet gefühlt, „die Lüge zu zerstreuen, dass Drohnenkriege unsere Sicherheit gewährleisten und dass unser Leben mehr wert ist als das der anderen“, erklärte der 33-Jährige vor Gericht. … Es sei klar geworden, „dass die Tötung von Zivilisten weitaus stärker verbreitet war als bisher zugegeben“. Die Haftstrafe von fast vier Jahren sei „ein weiteres tragisches Beispiel dafür, wie die Regierung das Spionagegesetz missbraucht, um angebliche journalistische Quellen als Spione zu bestrafen“. Diese Praxis schade „den Menschenrechten, der Pressefreiheit und der Demokratie“. …“ | https://www.heise.de/news/US-Drohnenkrieg-Whistleblower-Daniel-Hale-muss-45-Monate-ins-Gefaengnis-6150055.html

Sparkypaul (23.08.2021): “ … [„Imbecilic, tragic, dangerous and unnecessary are the words used by Tony Blair to describe the US withdrawal from Afghanistan – and Britain’s as well.„] … The whole escapade in Afghanistan and Iraq is truly unbelievable. Lies about WMD, mass killings of civilians ( we have all seen the cockpit videos, how many have we not seen?), torture of prisoners (again recorded) , persecution of people who told the truth, (Assange etc al), blatant corruption and not least the killing of 100,000 to 400,000 (does it really matter what is the correct figure?) civilians, this „adventure“ will go down in history as a disgrace. I feel for the UK families of soldiers who were sacrificed , and I’m not afraid to say that it was truly for nothing. And finally the hypocracy. Shameful. …“ | https://www.theguardian.com/commentisfree/2021/aug/23/tony-blair-afghan-withdrawal-remorse-west-gains-2001-invasion

George Monbiot: „Who’s to blame for the Afghanistan chaos? Remember the war’s cheerleaders“ (Wed 25 Aug 2021 07.00 BST): “ … Cheerleading for the war in Afghanistan was almost universal, and dissent was treated as intolerable. After the Northern Alliance stormed into Kabul, torturing and castrating its prisoners, raping women and children, the Telegraph urged us to “just rejoice, rejoice”, while the Sun ran a two-page editorial entitled “Shame of the traitors: wrong, wrong, wrong … the fools who said Allies faced disaster”. In the Guardian, Christopher Hitchens, a convert to US hegemony and war, marked the solemnity of the occasion with the words: “Well, ha ha ha, and yah, boo. It was … obvious that defeat was impossible. The Taliban will soon be history.” The few journalists and public figures who dissented were added to the Telegraph’s daily list of “Osama bin Laden’s useful idiots”, accused of being “anti-American” and “pro-terrorism”, mocked, vilified and de-platformed almost everywhere. In the Independent, David Aaronovitch claimed that if you opposed the ongoing war, you were “indulging yourself in a cosmic whinge”. …“ | https://www.theguardian.com/commentisfree/2021/aug/25/blame-afghanistan-war-media-intervention
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SixtusRomp (25.08.2021): “ … Our sense of exceptionalism is nothing short of bizarre. Blair fought a brutal war on the ground and a toxic semantic war at home. Invasion was called liberation and every single evasive answer to clear questions he was faced with was preceded by ‚to be absolutely clear‘, when he was anything but. That semantic war engulfed so called moderates and liberals who bought the fantasy hook, line and sinker and who on the pages this very paper, amongst others, endorsed the remote incineration of Afghan civilians and the moral twisted standpoint of a government that was in cahoots with true extremists from north America. George Monbiot does very well to remind us that Johnson’s and Biden’s incompetence is not the root of the matter. Blair’s bizarre intervention last week adds further insult and animosity to an already festered wound. The protection of Afghans and Iraqis has never been on the agenda and at the centre of that moral fiasco is Tony Blair and a gullible and blood thirsty press supposedly representing Britain. It is healthy to read an eloquent dissenting voice and credit to the Guardian for that. But that is of no consequence or solace to those who will keep on suffering in Afghanistan and to those whose loved ones lost their lives under the pretence that were there to do good. We weren’t. The whitewash might have some effect at home, surely aided by the same voices that endorsed the killing in Afghanistan and Iraq. As for Global Britain, that is just is the brand name of our morally twisted decline. …“
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SpottedRichard (25.08.2021): “ … Living in the US during the beginning of both conflicts, and seeing how differently the press there and the UK responded, I have to agree wholeheartedly that the British press were extremely puzzling in their jingoistic nonsense. (Same in the Falklands War too.) I remember yelling down the phone to my mother that every night the Weapons Inspectors in Iraq were telling us that there were NO weapons of mass destruction in Iraq, while Tony Blair and the British press were telling citizens of the UK that there were. In retrospect, the Weapons Inspectors were, as you would expect, 100 percent correct. …“


sisyphos (19.08.2021): “ … „Wir haben an eine Illusion geglaubt, dass wir dort ein System aufbauen konnten, was unserem ähnelt“ Nun ja, erinnert mich irgendwie an Missionierung mit dem Schwert, Kolonialzeit und „the white man’s burden“ …“ | Zu: https://www.fr.de/kultur/tv-kino/maischberger-ard-talkshow-afghanistan-versagen-westen-taliban-machtuebernahme-tv-kritik-90929500.html // „The White Man’s Burden (engl. „Die Bürde des Weißen Mannes“) ist ein Gedicht von Rudyard Kipling. Er verfasste es unter dem Eindruck der US-amerikanischen Eroberung der Philippinen und anderer ehemaliger spanischer Kolonien. Das Gedicht gilt als eines der wesentlichen Zeugnisse des Imperialismus; sein Titel wurde sprichwörtlich. …“ –> https://de.wikipedia.org/wiki/The_White_Man%E2%80%99s_Burden

Paul Starzmann (21.08.2021): “ … die Kolonialzeit. Denn vieles, was bis heute die deutsche Außenpolitik prägt, stammt aus jenen Tagen, als sich das Kaiserreich als Weltmacht „einen Platz an der Sonne“ sichern wollte. Zwar kann man der Bundesregierung keine Großmachtfantasien unterstellen, wie sie einst Wilhelm II. verfolgte. Doch die Muster ihrer Außenpolitik sind die gleichen: eine Mischung aus Selbstbetrug, strategischen Fehlern und nackter Ignoranz. Ganz gleich, ob Afghanistan oder Mali – schaut man sich die Bundestagsdebatten der vergangenen Jahre zu diesen Auslandseinsätzen an, so vermittelte die große Koalition stets das gleiche Bild: Man komme militärisch voran, müsse nur hier und da noch eine Frühlingsoffensive der Islamisten in den Griff kriegen, sei aber auf dem richtigen Weg. Es erinnert an die Reiseberichte deutscher Kolonialisten aus dem 19. Jahrhundert, die stets schön gefärbte Nachrichten in die Heimat schickten – während sie in Wirklichkeit fieberkrank und völlig orientierungslos im Dschungel feststeckten. Geleitet waren die Kolonialisten von der Idee, ihre „Werte“ in die Welt hinauszutragen. Afrika etwa galt ihnen als „geschichtsloser Kontinent“, dessen Menschen angeblich nur darauf warteten, von Europa „zivilisiert“ zu werden. Dieser Blick herrscht bis heute in der deutschen Außenpolitik. … wer nur durch die koloniale Brille auf das Ausland blickt, für den wird der größte Teil der Welt stets ein Rätsel bleiben. …“ | https://www.tagesspiegel.de/politik/lehren-aus-dem-afghanistan-debakel-warum-wir-eine-postkoloniale-aussenpolitik-brauchen/27536680.html


rumbati #16 (08/2021):
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/rg
rumbati #16.1 (18.08.2021):
Entfernt. Rückmeldungen zu unserer Moderation nehmen wir gerne unter [email] entgegen. Danke, die Redaktion/rg
Der böse Mensch von Sezuan #21 (18.08.2021):
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/rg
Siegfried Kamberger #31 (18.08.2021):
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/rg
Bruder Tomas #32.1 (18.08.2021):
Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.
Veganes Hack #1.12 (18.08.2021):
“ … „Ich würde übrigens lieber ohne freie Presse leben als dass dauernd Mitglieder meiner Familie und meine Freunde von Drohnen weggebombt werden.“ Den Zusammenhang werden Sie nie aufloesen koennen. …“ (// Quelle: Kommentare zu: https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-08/afghanistan-usa-scheitern-militaer-kabul-china-russland //)

marille (17. August 2021): “ … In den letzten Wochen haben die Taliban sämtliche Expertenmeinungen eindrucksvoll widerlegt …“
mortui vivimus Not Amused : “ … „Es braucht dringend eine Frauenquote bei den Taliban!“ …“
germane1 “ … Bei dem unsäglichen Leid, das den afghanischen Frauen durch die Taliban zugefügt wird, sind Scherze unangebracht. …“
bixente uhudla: “ … Oft ist Galgenhumor ehrlicher und hilfreicher als Betroffenheit…“
coys123: “ … Wem hilft unsere Diskussion im Forum. Keinem. …“ (// Kommentare zu: https://www.derstandard.at/story/2000128980497/frauenrechte-amnestie-wie-sind-die-versprechen-der-taliban-zu-bewerten //)

Georg Ismar (18.08.2021): “ … Im Krisenstab der Bundesregierung trägt eine hochrangige Vertreterin des Bundesnachrichtendienstes (BND) am Freitag, 13. August vor, dass die „Taliban-Führung derzeit kein Interesse an der militärischen Einnahme Kabuls“ habe. Das geht aus einem Protokollauszug hervor, der dem Tagesspiegel aus der Sitzung vorliegt. …“ | https://www.tagesspiegel.de/politik/fehleinschaetzung-des-geheimdienstes-taliban-in-kabul-fuer-den-bnd-noch-zwei-tage-zuvor-eher-unwahrscheinlich/27527432.html

Frank Lübberding (19.08.2021): “ … In diesen Tagen kollabieren Weltbilder … Der ZDF-Journalist Theo Koll brachte das gut zum Ausdruck, als er den Zusammenbruch des Staat genannten afghanischen Kartenhauses eine Zäsur nannte. Die westliche Welt habe „nicht überall die Attraktivität, von der wir alle dachten, das sei so“. … Diese Sendung war kennzeichnend für unseren politischen Umgang mit dem Thema. Es ging in Wirklichkeit nicht um Afghanistan, sondern um uns selbst. … Zwar hatte etwa Anna Schneider von der Zeitung Welt darauf hingewiesen, dass wir kaum ermessen könnten, was „das geopolitisch bedeutet.“ … Aber solche Hinweise, auch von Gregor Gysi (Linke) oder Norbert Röttgen (CDU), blieben folgenlos. Das wichtigste Thema bei uns ist das, was Koll so schön euphemistisch einen „Managementfehler“ nannte, also der Umgang mit unseren früheren afghanischen Mitarbeitern. …“ | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik-zu-maischberger-politischer-umgang-mit-afghanistan-17491532.html

Michael Lüders ( „Besatzer, nicht Befreier“ freitag.de, Ausgabe 33/2021):“ … Als hätte es jemals eine Militärintervention aus humanitären Erwägungen gegeben! Der Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon war für die damalige US-Regierung unter George W. Bush der Auftakt für ein lange geplantes Projekt, unliebsame Regime in Nah- und Mittelost zu beseitigen. Am liebsten hätte die Bush-Entourage als erstes den Irak angegriffen. Es war Außenminister Colin Powell, der aus Gründen der Dramaturgie empfahl, zunächst die Taliban zu stürzen, danach erst Saddam Hussein. So geschah es, obwohl 15 der 19 Attentäter vom 11. September aus Saudi-Arabien stammten. Den engen Verbündeten zu bombardieren erschien aber abwegig. Also nahm man die Taliban ins Visier, die Osama bin Laden Unterkunft gewährt hatten. Mit Freiheit, Demokratie und Menschenrechten, die stets zur Begründung für US-geführte Kriege in der islamischen Welt herangezogen werden, hatte das nichts zu tun. … Für die meisten Afghanen waren die NATO-Truppen ebenso Besatzer wie vor ihnen die Sowjets. Dies einzugestehen dürfte im politischen Berlin als blasphemisch gelten. Deutsche Außenpolitik jenseits der EU beschränkt sich in fast allen Parteien darauf, im Windschatten der USA zu fahren. Die fehlende strategische und geopolitische Eigeninitiative wird kompensiert durch den Verweis auf westliche Tugenden und Werte. … In Afghanistan diente Berlin den USA zwei Jahrzehnte lang als Hilfssheriff. Eigenständig zu denken und zu handeln überforderte die maßgeblichen deutschen Akteure. …“ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/besatzer-nicht-befreier

Gustlik | Community (19.08.2021): “ … Man sollte es in einen neuen Lehrplan in Deutschland aufnehmen. Wer, wann und wo, was und wen unterstützt hat, kann gut analysiert werden. Und der Westen mit seiner ganzen Scheinheiligkeit … dort, wo die Rambo-Filme immer noch im Programm laufen. Am Ende … lässt Moskau seine Botschaft offen, der Westen zieht ab, fluchtartig. Was halten denn die einfachen Menschen vor Ort von jenen, den sogenannten Ortskräften, die ausgeflogen werden? …“

Marcus Müller (18.08.2021): “ … Ja, die Politik hat versagt. Aber auch andere Instanzen, z.B. die Medien, die jetzt die Schuldfrage diskutieren als hätten sie seit Monaten vor solch einer Situation gewarnt. Tatsächlich kann ich mich an keinen Kommentar oder Artikel erinnern, der das Szenario so vorausgesagt hat. Insofern sind die Medien mit im Boot der Deppen und sollten vielleicht auch über ihr Versagen reflektieren. …“

Robert Nitschke >> Marcus Müller (18.08.2021): “ … Man sucht und findet den Fehler ja immer bei den anderen, niemals in der eigenen Gruppe/Blase. Soweit so normal. …“ (// Kommentare zu: https://www.fr.de/meinung/kommentare/afghanistan-evakuierung-ortskraefte-helfer-cdu-csu-spd-menschen-leben-kommentar-90928489.html //)

Marielle Frank | Community @ Chuwawa: “ … man projeziert selbstvergessen die eigene Lebenswirklichkeit auf andere. Und zwar ohne sich klar zu machen, was es bedurfte, damit die eigene Lebenswirklichkeit überhaupt zustande kam und tritt anschließend unwissend, aber mit großem Selbstvertrauen anderen gegenüber und versucht diese, nach seinem Bild zu formen. Und zwar ohne sich selbst und den anderen und dessen Lebenswirklichkeit, deren Zustandekommen und deren Funktionsweise verstanden zu haben, noch diese verstehen zu wollen. …“ | Zu: https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/wie-das-messer-durch-die-butter

Achtermann | Community @ Marielle Frank “ …

Es ist immer die gleiche Falle, man projeziert selbstvergessen die eigene Lebenswirklichkeit auf andere.

Das trifft selbstverständlich auch auf dich zu. Der Konstruktivismus schließt die Möglichkeit einer objektiven Wirklichkeit aus. Denn jede Sichtweise kann nur in Verbindung mit ihrer Beobachterin entstehen und ist deshalb subjektiv. Sollen wir deshalb aufhören zu diskutieren? …“ | Zu: https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/wie-das-messer-durch-die-butter

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Kontext #1

“ … Konstruktivismus ist eine Position der Erkenntnistheorie, entwickelt hauptsächlich in der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Mehrere Strömungen werden aufgrund des gemeinsamen Namens manchmal irrtümlich für übereinstimmend gehalten. Die meisten Varianten des Konstruktivismus gehen davon aus, dass ein erkannter Gegenstand vom Betrachter selbst durch den Vorgang des Erkennens konstruiert wird. In der Fachsprache der Philosophie ausgedrückt, nehmen sie damit eine nominalistische Position zum Universalienproblem ein.
Während im Radikalen Konstruktivismus die menschliche Fähigkeit, objektive Realität zu erkennen, mit der Begründung bestritten wird, dass jeder Einzelne sich seine Wirklichkeit im eigenen Kopf „konstruiert“, glauben Anhänger des Erlanger Konstruktivismus an eine gemeinsame Konstruktionsweise, das heißt, dass es mit Hilfe einer besonderen Sprach- und Wissenschaftsmethodik möglich sei, „das naive Vorfinden der Welt“ zu überwinden und durch „methodische Erkenntnis- und Wissenschaftskonstruktion“ zu ersetzen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_(Philosophie) [7. Juli 2021]



Kontext #2

“ … Das Universalienproblem (auch Universalienstreit, Universalienfrage, Nominalismusstreit, selten auch Realienstreit) ist eines der zentralen Themen der Philosophie und betrifft die Frage, ob es ein Allgemeines wirklich gibt oder ob Allgemeinbegriffe menschliche Konstruktionen sind. Als Universalien werden Allgemeinbegriffe wie beispielsweise „Mensch“ und „Menschheit“ oder mathematische Entitäten wie „Zahl“, „Relation“ und „Klasse“ bezeichnet. Ein Allgemeinbegriff bezieht sich auf Merkmale, die mehrere Gegenstände gemeinsam haben, etwa deren rote Farbe, oder erfasst eine gemeinsame Gattung von Individuen, wie etwa „Lebewesen“. […] Theodor W. Adorno wollte das Universalienproblem nicht von der Rechtsphilosophie trennen und setzte es aus der Perspektive einer „gescheiterten Aufklärung“ in der Zeit des Nationalsozialismus in einen sozialgeschichtlichen Zusammenhang: Der Nominalismus sei der „Prototyp bürgerlichen Denkens“, bei dem äußerliche Formen die Oberhand über Inhalte bekämen und das Unrecht geschehen könne, wenn es nur formaljuristisch korrekt sei. Die „selbsterhaltende List“ der Beamten sei es, die „zwischen Wort und Sache“ unterscheiden wolle. … Vilém Flusser sah das Universalienproblem kulturkritisch im Zusammenhang mit der Entwicklung der Informationstechnologie. Der Buchdruck habe den Universalienstreit zu Gunsten der Realisten entschieden, denn er habe bewusst gemacht, dass Schrift aus Typen bestehe und diese Typen greifbar gemacht. Das spekulative Denken sei in der Folge zu einem handfesten Manipulieren von Zeichen geworden, und die modernen Universalien hätten sich von der Ebene des Begrifflichen auf diejenige der praktisch geformten Typen verlagert, weil man an „Atompartikel“, „Gene“, „Völkertypen“ oder „Gesellschaftsklassen“ glaube. Positivisten und Phänomenologen seien dagegen die modernen Nominalisten. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Universalienproblem

Systemisch-konstruktivistisch betrachtet, sind Wahrnehmen und Erkennen aktive, selektierende und strukturierende, kreative Tätigkeiten: „Alle konkreten und begrifflichen Unterscheidungen, mit denen wir umgehen, sind von uns als Beobachter getroffen worden“ (Maturana 1982, 139). Es sind Tätigkeiten eines operational geschlossenen Gehirns. Spitzer (2000, 146) weist darauf hin, dass 99,9% aller Neuronen ihren Input von anderen Neuronen erhalten, Gehirntätigkeit also ganz überwiegend selbstbezüglich läuft.“ via https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00014746/html/chapter4.html

[RWF #11… ]

Berlin Alexanderplatz ist eine 14-teilige deutsche Miniserie von Rainer Werner Fassbinder, die vom 12. Oktober bis zum 29. Dezember 1980 im WDR ausgestrahlt wurde.
// https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin_Alexanderplatz_(Fernsehverfilmung)
// https://en.wikipedia.org/wiki/Berlin_Alexanderplatz_(miniseries)

Jason Adams – NYC (Monday, May 02, 2011): “ … watching Rainer Werner Fassbinder’s 15 1/2 hour 1980 German television film Berlin Alexanderplatz. It’s been on my gotta-do list for years and I finally just decided fuck it,  I’ll lock myself in my apartment, camp out with some pizza and make it happen. … You’re deep in the belly of his madness here, flailing from melodrama to sad-clown comedy to flat-out sadism, sometimes (usually!) in a single scene. There’s narration over dialogue over written text over scenes shot through the ass-end of a fog machine. There are passages that feel so long and pointedly tedious that you think you can actually feel your fingernails growing. And it’s glorious. You’d think after sixteen hours I’d want a break from Rainer and his thing for a bit but I only want more, more, more. …“ | http://www.mynewplaidpants.com/2011/05/my-lost-weekend-with-rainer-werner.html

Jon – Kalamazoo, MI (Wednesday, April 3, 2013): “ … Fassbinder’s filmmaking. His stuff is often difficult to watch. His approach is often very raw, awkward, and nakedly emotional, leaving one feeling uncomfortable and troubled. At times the film is all of these things: glorious, breathtaking, inspirational, but also annoying, disturbing and exasperating. One cannot sit and watch this film passively. This is a film that will slap you in the face and shake you up repeatedly. …“ | http://filmsworthwatching.blogspot.com/2013/04/berlin-alexanderplatz-1980-directed-by.html

Wolfram Schütte (‚Franz, Mieze, Reinhold, Tod & Teufel – Rainer Werner Fassbinders „Berlin Alexanderplatz„‚ – Frankfurter Rundschau, 11.10.1980): “ … Franz & Reinhold: „die Geschichte zweier Männer, deren bißchen Leben auf dieser Erde daran kaputtgeht, daß sie nicht die Möglichkeit haben, den Mut aufzubringen, auch nur zu erkennen, geschweige denn sich zugeben zu können, daß sie sich auf eine sonderbare Weise mögen“ (Fassbinder). Unaufgeklärtes, unterdrücktes Gefühl uneingestandene Liebe, Verdrängung, Aggression, Gewalt, Tod. Zugleich wird Fassbinders pubertäre Ahnung von einem latenten homosexuellen Grundstrom in der merkwürdigen Beziehung von Franz zu Reinhold – gerade weil beide „keineswegs homosexuell sind“ – transzendiert in die Utopie einer „reinen, von nichts Gesellschaftlichem gefährdeten Liebe“: also keine Geldbeziehungen, keine sadistischen Abhängigkeiten, keine Ehekriege; statt dessen: “ Absolutheit des Gefühls“ (Kleist) … was dem Fassbinder an Döblins „Berlin Alexanderplatz“ besonders wichtig wurde, das war; „daß gerade den scheinbar unscheinbaren, unwichtigen, unbedeutenden Individuen, den sogenannt ‚Kleinen‘ die gleiche Größe zugebilligt wird, wie sie in der Kunst gemeinhin nur den sogenannt ‚Großen‘ zugebilligt wird“. Dem Transportarbeiter, Zuhälter, Totschläger und Dieb Franz Biberkopf werde ein „derartig differenziertes Unterbewußtsein zugestanden, gepaart mit einer kaum glaublichen Phantasie und Leidensfähigkeit, wie sie den meisten Figuren der Weltliteratur… so weitgehend nicht gegönnt wird.“ Das ist eine eigenwillige, subjektive, um nicht zu sagen: narzisstische Lektüre des komplexen Romans; eine Aneignung, welche die eigenen Sehnsüchte, Wünsche, Ängste, Utopien sowohl in ihn hineinprojeziert, als auch deren Spurenelemente darin entdeckt, hervorhebt, akzentuiert und einander interpretierend zuordnet. Um es gleich zu sagen: durchaus legitim. … Heute ist der außerordentliche Rang des Romans unumstritten, er ist eines der Hauptwerke Döblins, der bedeutendste Großstadt-Roman der deutschen Literatur, das umfassendste, reichste Kompendium moderner literarischer Montage – und Collage-Techniken, die alle nur denkbaren aktuellen, historischen, mythischen, religiösen Zeugnisse der Schrift und Sprache – von Werbetexten über den Dialekt und den Jargon bis zur Bibel, von der Moritat über den Schlager bis zur naturwissenschaftlichen Fachsprache – in sich aufnimmt, aufsaugt und „lyrisch, dramatisch, reflexiv“ (Döblin) die Epik Homers, Dantes, Cervantes erneuert. Ein Meer von einem Roman, darin der kleine Fisch Biberkopf schwimmt. …“ | https://www.filmportal.de/sites/default/files/05C3521DAC5E4EBCBF2858380A3DCB9C_berlin_alexanderplatz.pdf

Sebastian Höger [Datum: vor 2006] (‚Fassbinders gescheiterte Therapie. Zur Literaturverfilmung ‚Berlin Alexanderplatz‘ nach Döblins gleichnamigem Roman.‚): “ … Am 10. Juni 1982 beendete eine kombinierte Einnahme von Schlaftabletten und Kokain eine der ungewöhnlichsten, umstrittensten und spannendsten Therapien der Filmgeschichte: Rainer Werner Fassbinder wurde von seiner damaligen Lebensgefährtin Juliane Lorenz bei Nacht in seiner Münchner Wohnung tot aufgefunden. … Von der eigenen Therapie hatte Fassbinder klare Vorstellungen: Die Selbstanalyse sollte die Psychoanalyse ersetzen, der Film den Analytiker. Das zu erzielende Ergebnis formulierte er in einem Interview: „Wenn man sich seine Probleme bewusst macht, anstatt sie zu verdrängen, werden sie gleichzeitig analysierbar, und damit sind sie zu überwinden.“ … ‚Berlin Alexanderplatz‘ war Fassbinder 1980 mit der Diagnose immer noch nicht über eine Arbeitshypothese hinaus: Geisteskrank, Art der psychischen Krankheit noch unbekannt. Seine Mitarbeiter und Teile der Presse waren da schon weiter: Ausgeprägter Narzißmus, mangelndes Selbstwertgefühl, Grandiosität bis hin zu sadistischen Tendenzen verbunden mit einem Opferkomplex. Das Fernsehpublikum gesellte sich nach der Erstausstrahlung von Fassbinders ‚Berlin Alexanderplatz‘ auch zum Kreis der Analytiker, hatten Fassbinder doch die beiden Protagonisten Franz Biberkopf und Reinhold als Projektionsflächen für seine Neurosen gedient. Den Grund für deren und seine psychische Krankheit sah Fassbinder in Freuds Kern aller Neurosen, dem Ödipuskomplex, weshalb im Epilog (der letzten Folge der Serie) ein toter alter von einem Speer durchbohrter Mann vor einem sich liebenden Paar liegt: Der Sohn hat den Vater getötet um mit der Mutter den Inzest zu begehen. Mit dieser Anspielung musste sich Fassbinder begnügen, da der WDR die geplante explizite Darstellung verhinderte. Jedoch nicht, weil Fassbinder in Döblins Roman, diesem Epos der Moderne, im Widerspruch zum Autor und dem Roman, den ersten Versuch gesehen hatte „Freudsche Erkenntnisse in Kunst umzusetzten“, sondern auf Grund der Sendezeit: Die Verfilmung sollte als Montagabendserie im Familienprogramm laufen. …“ | https://www.jump-cut.de/filmkritik-berlinalexanderplatz.html

[Zum Wahn der Liebe #95 … ]

“ … „Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen“ [Claude Chabrol, 1975], ein Psychothriller, der [ ] die moralischen Abgründe der Bourgeoisie aufdeckt, ist ein Prototyp von einem Chabrol. Der Altmeister hat sein Lieblingsthema dementsprechend auch oft wiederholt, aber hier ist alles ganz … unverbraucht. …“ | https://www.karlstorkino.de/programm/les-innocents-aux-mains-sales/ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Unschuldigen_mit_den_schmutzigen_H%C3%A4nden

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“ … Lieben ist in [Sarah] Kanes Entwurf nicht mit der Aufrechterhaltung und Autonomie des Individuums zu vereinen. Von Seiten des Liebenden ist Liebe immer mit Verlust verbunden, von Seiten des Geliebten mit Bedrohung. Diese Formen der eigenen Verletzlichkeit entsprechen der Gewaltsamkeit der Liebeserfahrung in [Georges] Batailles Sinn, die trotz der damit verbundenen Gefahren auch erwünscht sind. … [Roland] Barthes stellt wiederholt heraus, daß gerade die Psychoanalyse eine eher negative Auffassung der Liebe entwirft und sie mit einem Zustand des Wahnsinns vergleicht … Grundsätzlich bestätigt er zwar die Gleichsetzung von Liebe und Wahnzustand, dessen Abwertung teilt er jedoch nicht. Zur angeblichen Dummheit des Liebeswahns sagt er: „Die Dummheit besteht darin, überrascht zu werden. Der Liebende wird es unaufhörlich […]. Vielleicht kennt er seine Dummheit, aber er verpönt sie nicht“ (FSL183). … Als reparative Phantasie, der sich das postmoderne Subjekt hingeben kann, bietet die Liebe letztlich eine Möglichkeit der Verankerung. Sie erscheint dabei als eine Ermächtigungsstrategie, die es dem Liebenden erlaubt, sich über die Unübersichtlichkeit seiner komplexen Umwelt hinwegzusetzen und sich über seine Positionierung in Bezug auf den Anderen seiner selbst zu versichern. … Einerseits wird viel in die Liebe investiert, die Erfahrung wird romantisiert und mit geradezu religiösem Potential aufgeladen. Andererseits ist eine eher nüchterne, von taktischen Überlegungen dominierte Annäherung an das Phänomen Liebe auszumachen, die die Erfahrung als solche in ihrer Wichtigkeit allerdings nicht herabsetzt …“

Aus: „Postmodern Love? – Auseinandersetzungen mit der Liebe in der britischen Literatur der 1990er Jahre“ Tina Schäfer (Dissertation, 5 Philosophische Fakultät, 2007) | https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/46292 | https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/46292/pdf/Diss_Schaefer.pdf

// Georges Bataille (1897 – 1962)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Bataille


// Roland Barthes (1915 – 1980)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Barthes


// Sarah Kane (1971 – 1999)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Sarah_Kane

[Zeit im Bild #52 … ]

Riff-Raff (1991) | https://de.wikipedia.org/wiki/Riff-Raff_(1991)

Roger Ebert (March 19, 1993): “ … Ken Loach’s „Riff-Raff“ shows laborers who are alienated from the very idea of management and see themselves as proletarian outsiders. Partly that’s a function of the more rigid class system in Britain and the relative freedom of social movement in this country. … „Riff-Raff“ was written by Bill Jesse, a construction worker, who died as the film was being completed. It reflects his unromantic, irreverent view of the world. … „Riff-Raff“ centers on a construction job in London, where 19th century housing, recently renting for very little, is being renovated into town homes for the rich. The workers on the job are nomadic and homeless; many come from outside London and live in „squats,“ or empty flats, that they open with a crowbar. Their boss is a loud, aggressive site manager whose threats mostly involve his cheerful willingness to fire them. We meet several of the workers and get to know them. …“ | https://www.rogerebert.com/reviews/riff-raff-1993
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“ … Growing up, I spent the majority of my school holidays on building sites at work with my father. Rising at the break of dawn, we’d rustle up a carb-heavy lunch before climbing into his pick-up, dust pluming from the seats as we sank into them, filling the van with a grainy haze that would settle on our skin and stay there for the remainder of the day. All the men on my dad’s side of the family work in construction. I was never really cut out for it, but by the time I saw Ken Loach’s Riff-Raff I had spent many years surrounded by the world it depicted. I could see my dad, his colleagues and friends in the characters Loach and screenwriter Bill Jesse brought to the screen, their place of work, their humour and their spirit. … The film is a product of its time, dated in its aesthetic but many of its then contemporary reference points still ring true …“ | From „Riff-Raff (1991)“ Ryan Hewitt (27 October 2016) | https://www.curzonblog.com/all-posts/2016/10/27/the-films-that-made-us-riff-raff
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Bernie: Riff Raff – Rezension aus dem Vereinigten Königreich vom 4. Mai 2013: “ … I thoroughly enjoyed this film. It was a good down to earth film and captured the feel of what it was like in those times. …“
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“ … Und ich dachte, es wäre gut, etwas von den Folgen der frühen achtziger Jahre und des Thatcherismus zu zeigen, ohne einen politischen Vortrag zu halten, eher mit etwas Wärme und Humor. Der Film ist bewusst wie ein Mosaik oder eine Collage strukturiert – wenn es nicht zu prätentiös ist, das zu sagen -, wo man eine kleine Geschichte hat und eine kleine Geschichte am Rande, und das Ganze fügt sich zu einem Gesamtbild. (Ken Loach) …“ | https://www.viennale.at/de/film/riff-raff
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// Thatcherismus ist die Bezeichnung für die Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik von
// Margaret Thatcher, der britischen Premierministerin von 1979 bis 1990. …
// https://de.wikipedia.org/wiki/Thatcherismus

[Der Blick in die Kamera #42… ]

Richard Arthur Wollheim (1923-2003) // https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Wollheim

“ … Gefühle sind eine Art von geistiger Disposition [(In der Psychologie die Anlage zu einer immer wieder auftretenden Eigenschaft, Verhaltensbereitschaft (Persönlichkeitseigenschaft))]. Ihre Entstehung hängt mit bestimmten Wünschen zusammen. Emotionen sind nichts weniger als seelische Veranlagungen oder grundlegende psychische Kräfte, die ähnlich wie Begierden oder Überzeugungen plötzlich bewusst werden.
Der Philosoph Richard Wollheim beschreibt in seinem Buch moralische Emotionen: Die Gefühle von Scham, Schuld, Gewissen und Bedauern. Diese unterscheiden sich seiner Ansicht nach von gewöhnlichen Emotionen. …“ Aus: Edith Bachkönig „Die Philosophie der Gefühle“ (01.01.2010) | https://sciencev1.orf.at/news/28842.html

“ … Emotionen kann man [Richard Arthur Wollheims] Ansicht nach nur verstehen und identifizieren, wenn man zweierlei kennt: die Rolle, die sie im menschlichen Geist spielen, und ihre Entstehungsgeschichte. Die Rollen der mentalen Phänomene sind in Wollheims wohlaufgeräumter Geistesstube schnell behandelt: Die Überzeugungen liefern dem Menschen eine Karte seiner Welt. Seine Wünsche sagen ihm, wohin die Reise gehen soll. …“ | Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2001, Nr. 258 | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezension-sachbuch-wuensch-dir-was-dann-fuehlst-du-was-11281371.html

// „On the Emotions“ (2000)
// By RICHARD WOLLHEIM
// https://archive.nytimes.com/www.nytimes.com/books/first/w/wollheim-emotions.html

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #4 ]

“ … Nicht nur die öffentlichen Diskurse, sondern auch die Seelen der Menschen sind eine Kampfstädte … Allerdings gab es für den einzelnen durchaus noch Orte, wo [ ] verworfene Sprechakte zugelassen wurden: Die Artikulationsstätte des verbotenen bösen Wortes war die Beichte, der Wahnsinn fand seine delirösen Freiräume in den Irrenanstalten, die dunklen Augenblicke des >>Unwahren<< gehören zu der abendlichen Praxis, da sich Menschen Märchen, Sagen, Legenden erzählen.
Diese alte Ordnung ist im 18. und 19. Jahrhundert durch eine andere Instanz und durch neue Diskurstypen gesprengt worden: Die Instanz war der Autor, der sich an den Platz Gottes und an die Stelle der Kommentatoren seiner Offenbarung, der Priester und Pfarrer, begeben hat. Der Autor ist der Bezugspunkt der Veränderung: Das Tagebuch, die Autobiographie verdrängen die Beichte, und die poetische Erfindung, der Roman, hat die alten Ausschließungen des Bösen, des Wahnhaften und des unwahren wirkungslos werden lassen. Die Psychoanalyse, die in mancher Hinsicht das Erbe der Romantik angetreten hat, lässt nun tendenziell jeden Menschen unter dem Zeichen des Leidens zum Autor werden. …“ | Buchstück aus: „Mythos und Moderne“ (S. 212): Manfred Schneider: Über den Grund des Vergnügens an neurotischen Gegenständen – Freud, C.G. Jung und die Mythologie des Unbewussten | [Herausgeber: Karl Heinz Bohrer, geboren 1932 in Köln, ‎ Suhrkamp 1. Edition (1983)] // –> https://d-nb.info/947091548/04 // Manfred Schneider: https://www.ruhr-uni-bochum.de/neugermanistik2/SchneiderBiblio.html

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #65 ]

via (Niko Goebel)



Ute Brüning (13.08.2019): “ … Gleich zu Beginn heißt es „Alles geht“. Der Song macht Mut, das Leben bunter zu leben. Man sollte seine Träume leben. Ein gelungener Auftakt für ein Album voller Lebensgefühl. Der Albumtitel wurde dem Song „Einfach nur Lust“ entnommen. …“ | https://www.schlager.de/schlagerwelt/album-rezensionen/laura-wilde-hat-lust-am-leben/



Georg Seeßlen (Ausgabe 33/2016): “ … Man kann Pop als Kunst beschreiben, als soziales Schmiermittel, als Ersatzreligion, als industrielle Verblendung, als Ausdruck politischer Ökonomie, als Subversionsmedium, als Waffe im Klassenkampf, als Technik der Persönlichkeitsbildung, als Meer der Banalität mit wunderbaren Inseln der Bedeutung. Aber all das hat eine direkte Beziehung zum wirklichen Leben der Leute, die Radio hören, Youtube-Clips ansehen oder in die Konzerte gehen. Pop ist die Antwort auf das, was mit dem Subjekt unter den jeweiligen Bedingungen passiert. … Wir wissen, dass die Pop-Revolution ein Traum geblieben ist. … “ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/sampeln-des-subjekts



“ … Der Kulturwissenschaftler Thomas Hecken konnte nur eine Stellungnahme finden, in der sich Adorno direkt zu Popmusik geäußert hat. Vor allem auf sie geht der Ruf Adornos als „Popfeind“ zurück. … Der Grund für die Kritik liege in der reinen Orientierung der Popmusik am Erfolg, an den Charts. In den immer gleichen Songs konnte Adorno nur „ästhetische Grausamkeiten“ erkennen, so Hecken. Die Optimierung auf den nächsten Hit sei heute durch Klickzahlen und Likes auf einer persönlichen Ebene angekommen, die Analyse der Kulturindustrie deshalb weiter aktuell. … In den 90er-Jahren verschwand Adorno jedoch zunehmend aus den Feuilletons. An den Universitäten setzten sich die „Cultural Studies“ durch. Ihre Theoretikerinnen und Theoretiker erkannten in Popmusik und Filmen nicht mehr nur einen „Massenbetrug“, sondern auch Analysegegenstände, die man sich widerständig und subversiv aneignen könne. Adorno hätte das bis heute abgelehnt, so Hecken. …“ | „Adorno über Popmusik: Die ästhetischen Grausamkeiten der Beatles – Thomas Hecken im Gespräch mit Max Oppel“ (06.08.2019) | https://www.deutschlandfunkkultur.de/adorno-ueber-popmusik-die-aesthetischen-grausamkeiten-der.2156.de.html?dram:article_id=455631



Frank Jöricke (18.07.2021): “ … Damals, in den 1960ern, 1970ern und 1980ern, galten Eltern als natürliche Feinde. Sie waren die Despoten eines Zwergstaats, der sich Zuhause nannte und junge Menschen an der Entfaltung ihrer Persönlichkeit hinderte. Ihnen zur Seite standen sadistische Lehrer und bigotte Geistliche. …

Doch auch wir, die Unterdrückten, hatten mächtige Verbündete: die Popstars. Sie zeigten, dass ein anderes Leben möglich war. Sie sangen von Freiheit, vom Ausbrechen aus jener engen Welt, die wir kannten. Dabei machte es keinen Unterschied, ob die frohe Botschaft von schweren Gitarren oder Synthesizern begleitet wurde. „Break on through to the other side“, bestärkten uns The Doors, bei Michael Jackson hieß das: „Don’t stop ’til you get enough.“

Dafür liebten wir unsere Stars. Sie zeigten uns Wege aus der spießbürgerlichen Welt: den Highway to Hell (AC/DC), den Trip zum Pleasuredome (Frankie Goes To Hollywood). Hautfarbe, sexuelle Orientierung und Religion waren dabei unwichtig. Oder nicht eindeutig. Ein David Bowie lebte vor, wie man sich neu erfand. Immer wieder legte er sich andere Identitäten zu, war Ziggy Stardust, Aladdin Sane und The Thin White Duke. … Für uns Musikhörer hatte es ohnehin nie eine Rolle gespielt. Dass Jimi Hendrix schwarz, Boy George schwul und die Beastie Boys jüdisch waren, interessierte nicht groß. Es ging um „geile Mucke“ … “ | Aus: „Wir waren mal weiter“ (Ausgabe 22/2021) | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wir-waren-mal-weiter

Flegel | Community (2021): “ … Die Protagonisten, über die wir und hier unterhalten, hatten für mich als damals rund 24-jährigem jedenfalls etwas Animalisch/Verführerisches. Mick Jagger ist in diesem Sinne für mich der Größte, wagte er doch, all das auszuleben, was sich mir als überangepasstem Messdiener seiner Zeit verbot. Sein damals androgynes Image übte eine hohe Anziehungskraft auf mich aus, wie mir die permissive amerikanische Mentalität während meines Praktikums dort Experimentiermöglichkeiten eröffnete – was zusammengenommen schließlich auch meine Emanzipation von der einengenden Moral der katholischen Kirche einleitete. Ja: »die Popstars. Sie zeigten, dass ein anderes Leben möglich war. Sie sangen von Freiheit, vom Ausbrechen aus jener engen Welt, die wir kannten.«

Doch eigentlich muss es heißen, „die Popstars. Sie zeigten, dass den Popstars ein anderes Leben möglich war. Sie sangen von Freiheit, vom Ausbrechen aus jener engen Welt, die wir kannten“.

Und eigentlich stimmt auch das nicht: Jim Morrison etwa starb 27-jährig. Der frühere Manager eines Pariser Nachtclubs behauptet, dass er Morrison in der Nacht vom 2. auf den 3. Juli 1971 selbst auf der Toilette gefunden habe. „Der hübsche Boy aus Kalifornien lag wie ein bewegungsloser Brocken zusammengekrümmt auf dem Klo“, schreibt Bernett in seinem Buch über Morrisons letzte Tage.

Auch Janis Joplin starb 27-jährig infolge von Drogen-Abusus. Zwei Wochen zuvor war Jimi Hendrix verstorben – 27-jährig.

Und eine Reihe von Protagonisten selbst wurden domestiziert und mit bürgerlichen und systempflegenden Ehrentiteln versehen: Bob Dylan mit dem Friedensnobelpreis, aus Paul McCartney wurde Sir James Paul McCartney, CH, CBE, aus Mick Jagger wurde Sir Michael Philip Jagger, CH, CBE, aus Ringo wurde Sir Ringo Starr, MBE. So war‘s zu erwarten. Unterhalb eines Sirs tut es auch Sir Elton Hercules John, CH, CBE nicht.

Schlussfolgerung: Das, was Sie hier so sehr laudatierten, ist in Wirklichkeit bereits damals eine Illusion gewesen. … Jim Morrison, Janis Joplin und Jimi Hendrix war keine wirkliche Alternative. Sie bedienten die Sehnsüchte der Adoleszenten und mehr nicht. Ihr „Break on through to the other side“ blieb ein frommer Wunsch. …“



Johannes Kreidler (Ausgabe: 4/2005 – 54. Jahrgang): “ … Pop war seit jeher auf Breitenwirkung angelegt und kommerziell manifestiert; die immer peinlicheren Shows sind nur das Oberflächenphänomen dieses (Madonna weiß es im Übrigen schon lange) weithin ausgelaugten Keyboard- & Gitarrenband-Sounds. Es ist verständlich, dass der Kapitalismus aus dem mürben Lappen so noch einige Rubel wringen will. Doch wenn das hierbei optierende Publikum überhaupt relevant sein sollte, ist es sein Auswahlspektrum längst nicht mehr. „Erlösung“ im Geiste Adornos …“ | https://www.nmz.de/artikel/die-popmusik-ist-schon-laengst-tot



markrenton (2018): “ … Schlager- und Popmusik lebt von einer hohen Verbreitung und guten Verkaufszahlen (daher MusikINDUSTRIE) dadurch kann sie auch zu einem identifikationsstiftenden Mittel werden: Die Musik der 60er, 70er, 80er und 90er war hedonistischer und freiheitssuchender, da die Leute einen Kontrast zu den noch vorherrschenden bürgerlichen Konventionen und den Schrecken des Kalten Krieges gesucht haben. Parallel dazu kann man sich auch die erfolgreichen Filme aus diesen Jahren ansehen, die sich analog entwickelten. Seit dem 11. September ist die Stimmung im Westen umgeschlagen und zusammen mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, hat sich eine art Neo-Biedermeier entwickelt, wo sich ein Großteil der Bevölkerung nur noch Stabilität und Sicherheit wünscht. Siehe dazu die Renaissance der sogenannten preussischen Werte und Nostalgie nach den 80ern und 90ern. Hinzukommt, dass die Gesellschaft so wie die Eltern – die alten Rebellern der 60er, 70er und 80er Jahre, nur wenig Potential liefern, um sich dagegen aufzulehnen. Zu verständnisvoll. … Musik spiegelt die Gesellschaft und liefert wie der Tamborine Man nur das, was wir wollen:) Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, Auf jeden Winter folgt auch wieder ein Mai. Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, Erst geht der Hitler und dann auch die Partei. …“

ericstrip 12:29 Uhr: “ … Subkulturen entstanden vor allem, um einen Halt in einer gleichgesinnten Gruppe zu finden und sich von den Eltern abzugrenzen. Es geht bei Musik um das persönliche Gefühlsmanagement, nicht um die Revolution. …“

Aus kommentaren zu: „Eine Art Endkampf“ von Benjamin Moldenhauer (21.05.2018) | http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/is-this-the-end-von-georg-seesslen-eine-art-endkampf-a-1205222.html



Dietmar Dath „Wie lesen wir heute Georg Lukács?“ (04.06.2021)“ … Die Theorie der Verdinglichung wirft dem Kapitalismus vor, dass er etwas mit den Menschen macht, das sie entmenschlicht. Was bedeutet das für die Kunst im Digitalzeitalter? … Ist die Kunst ein Gut, um dessen Bestand man sich […] Sorgen machen muss? Auch über sie hat Lukács nachgedacht, unterm Kriterium, dass sie die Hervorbringung einer besonderen Sorte Ding sei, des Kunstwerks. Nach Kant ist das ästhetische Urteil das Wesen des Ästhetischen, aber Lukács fand, „dass das ästhetische Urteil keine Priorität besitze, sondern die Priorität komme dem Sein zu. ‚Es existieren Kunstwerke. Wie sind sie möglich?‘“ … Hier spricht eine medienhistorische Vergangenheit, die noch kaum ahnte, dass sie vergehen konnte. Ein Film mag als DVD eine Ware und damit ein Ding sein, aber was ist er als Stream, als Video-on-Demand? … Wenn das Kunstwerk nun [ ] zur Dienstleistung per Klick umgewidmet wird und wenn diejenigen, die es konsumieren, mit dem Anklicken den Kulturindustriekonzernen die profitnotwendige Ausforschungsarbeit über ihre Präferenzen abnehmen, also zu Datensätzen werden, einer besonders handlichen, berechenbaren Sorte Ding – ist das nicht, fünfzig Jahre nach dem Tod von Georg Lukács, die böseste denkbare Pointe seiner Theorie?… “ | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/georg-lukacs-wider-die-digitale-dekadenz-17367202.html | // Georg Bernard Lukács (1885 – 1971) —> https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Luk%C3%A1cs

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #63 ]


Pierre Brice und Gojko Mitic im Film „Unter Geiern“ (1964) [‚Weiße Siedler werden im Llano Estacado im Grenzgebiet von Neu-Mexiko und Texas von der berüchtigten „Geierbande“ überfallen und ermordet, die Schuld an dem Überfall schiebt man den Indianern vom Stamme der Schoschonen zu. Der erfahrene Trapper Old Surehand und Apachen-Häuptling Winnetou nehmen den Kampf auf und legen den Verbrechern trotz zahlreicher Intrigen das Handwerk. …‘] | http://www.rialtofilm.de/index3.htm?ugeiern.htm

“ … Die Ausstellung „Ost/Western“ in Rostock will zeigen, wie DDR und BRD sich für das Genre des Indianerfilms begeisterten. … Olaf Reis, der an der Universität Rostock zur Kinder- und Jugendpsychiatrie forscht, spannt im Katalog einen ganz großen Bogen. Er vergleicht die Filme über verdrängte Indianer durch übermächtige Kolonisatoren mit dem Untergang der DDR und fasst alle Bewohner des Ostens zu einem eigenen Stamm zusammen. Die „InDDianerR“ als besiegte Ethnie, deren Kultur untergegangen ist und musealisiert wird. In einem Audiobeitrag sieht sich eine Ostfrau als Indianerin im Reservat: „Nur niedergemetzelt haben sie uns nicht.“ Doch Tokei-Ihto, Osceola, Tecumseh, Weitspähender Falke oder Ulzana, all die DEFA-Helden, sie hatten sich nie in eine Opferrolle hineingesteigert. Die Ausstellung „Ost/Western“ bleibt offen für Assoziationen …“ | https://www.berliner-zeitung.de/wochenende/warum-karl-may-in-der-ddr-keine-chance-hatte-li.167619


Regie: Josef Mach, 92 Min., Farbe, Spielfilm – Deutsche Demokratische Republik (DDR)
DEFA-Studio für Spielfilme, 1965
| https://www.defa-stiftung.de/filme/filme-suchen/die-soehne-der-grossen-baerin/


“ … 1966 flimmerte mit „Die Söhne der großen Bärin“ der erste DEFA-Indianerfilm über die Leinwände der Kinos in der DDR. Nachdem vier Jahre zuvor die westdeutschen Karl-May-Verfilmungen um den Apachen-Häuptling Winnetou gestartet waren, wollte man bei der DEFA eigene Filme produzieren. Das Interesse an Indianerstoffen war vor allem beim jungen Publikum immens, Tausende sahen in den tschechischen Kinos die in der DDR nicht gezeigten Winnetou-Filme. Bei der DEFA näherte man sich dem Western-Genre auf eine ganz eigene Weise: Bräuche und Lebensweisen der amerikanischen Urbevölkerung sowie wahren historischen Begebenheiten erhielten deutlich mehr Raum. Neben dem Unterhaltungsanspruch hatten die Filme auch einen ideologischen Auftrag zu erfüllen: die Ausbeutung und Unterdrückung der Indianer durch die US-amerikanischen Imperialisten darzustellen. …“ | https://artsandculture.google.com/exhibit/defa-indianerfilme/ZQLyVBhH2vfFIA |



Sasha Salzmann (16.06.2021): “ … Man versuche, eine „authentische“ Atmosphäre herzustellen, ein „authentisches Bild“ zu liefern, was wiederum das Interesse steigere und in der Folge den Verkauf befördere. Wenn, mit Michel Foucault gesprochen, authentisch sein imperfekt sein bedeutet, dann heißt der Ruf nach Authentizität: „Hab Fehler, sei eine Abweichung.“ Und wenn man sich die Inszenierung von rassifizierten Körpern anschaut, könnte man weiter schlussfolgern: „Und ich bestimme, wie diese Abweichung aussieht.“ Die Kunst- und Kulturindustrie bedient sich kollektiver Phantasmen, um das Produkt, das sie produziert und präsentiert, anzupreisen. … Phantasma bedeutet im Altgriechischen die Vorstellung, die man sich von Dingen macht. In der Psychoanalyse, so könnte man verkürzt sagen, ist das Phantasma konstitutiv für die menschliche Psyche, es hat die Funktion eines Abwehrmechanismus – im Phantasma werden Erfahrungen bildhaft umgedeutet. Judith Butler spricht von „komplexen unbewussten Objektbeziehungen“, von „unbewussten Neigungen, die Bildform annehmen und uns in ein Spannungsverhältnis zu uns selbst versetzen oder uns in verschiedene Richtungen gleichzeitig treiben und gegen die eine narzisstische Verteidigung aufgebaut wird“. Ein Phantasma ist ein Filter zwischen dem gereizten Subjekt und seiner Außenwelt. Oft genug haben wir es mit kollektiven Phantasmen zu tun. „Unbewusste Neigungen“ und „narzisstische Verteidigung“ können identitätsstiftend wirken. Schwört sich eine Gruppe auf eine bestimmte Version der Gegebenheiten (oder der Geschichte) ein, und sei sie noch so abwegig und auch nicht belegbar, kreiert sie eine emotionale Gemeinschaft. … In der Literatur bewegt man sich in einem Koordinatenfeld von Phantasmen. Ein mehrheitstauglicher Text spielt mit seinen Themen auf der emotionalen Klaviatur einer kollektiven Psyche. Den dramaturgischen Bogen, nach dem Menschen verlangen, wenn sie auf eine fiktionale emotionale Reise gehen, kann man sich von der entsprechenden Fachliteratur erläutern lassen. … Kitsch bedient sich hemmungslos am Phantasma. Kitsch ist ein Spiel mit den Erwartungen, die einer kollektiven Psyche eingeschrieben sind. Er referiert stets auf eine bereitwillig und breit geteilte Annahme und trägt somit den Mief der Nostalgie mit sich, reproduziert abgenutzte Bilder … Kitsch drückt jene Knöpfe, die längst eingebaut sind, darum ist er so vorhersehbar und funktioniert so gut. … Humor zielt [ ] aufs Gefühl, Ironie dagegen auf den Intellekt. Sie signalisiert kritische Distanz. Wenn Kitsch klug sein will, wird er ironisch. Er stilisiert und ikonisiert Gegebenes, im Wissen um die Abgeschmacktheit des Details, das er zum Markenzeichen erhebt. In der queeren Modesprache des Camp [Camp: https://de.wikipedia.org/wiki/Camp_(Kunst)] sind weiße Tennissocken zu einem Code geworden. Synthetische Stoffe und Plüsch bezeugen Zugehörigkeit zu oder Solidarität mit einer Klasse, die sich die Accessoires der Haute Couture nicht leisten kann oder will und für die sie nicht bestimmt sind. … Phantasmen sind Schutzmechanismen. …“ | https://www.deutschlandfunk.de/themenreihe-muss-literatur-politisch-sein-die-bestehende.700.de.html?dram:article_id=498818

// Sasha Marianna Salzmann (geboren 21. August 1985 in Wolgograd, Sowjetunion)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Marianna_Salzmann

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #62… ]

Fantasma d’amore (1981) // https://de.wikipedia.org/wiki/Die_zwei_Gesichter_einer_Frau

“ … « … Es ist Herbst in Norditalien, in Pavia. Und Herbst im Leben des Rechtsanwalts Nino Monti. Die hundert Lire, die er einer alternden Frau bei einer zufälligen Busfahrt leiht, werden die geordnete Sicherheit seines bürgerlichen Lebens für immer aus den Fugen geraten lassen; ihn der ‹Wirklichkeit› entfremden und das ‹Phantastische› real werden lassen. Diese Frau ist Anna Brigatti, seine grosse Jugendliebe; von der seine Freunde sagen, sie sei vor drei Jahren gestorben; und die er wiedersieht: verhärmt, aber auch in strahlender Jugendschönheit. Fantasma d’amore ist ein Film über Gefühle und Erinnerungen, über Alter und Tod. Ein metaphysisches Melodram von der Absolutheit der Liebe, die über Raum und Zeit hinausreicht, das aber auch immer wieder die Melancholie einer mediterranen Midlife Crisis mit verhaltener Subversivität ironisiert.» Helmut W. Banz, Die Zeit, 7.5.1982


… «Über die Dreharbeiten erzählt der Regisseur Dino Risi: ‹Marilyn Monroe, Jean Seberg, Romy Schneider. Drei Frauen, drei Schauspielerinnen, drei beinahe identische Geschichten. Eines Tages sagte mir Romy Schneider: ‹Die Schönheit und die Jugend sind Geschenke, die wir zurückerstatten müssen.› Ich habe einen Film mit ihr gemacht, einen der letzten, Fantasma d’amore. Es ist die Geschichte einer toten Frau, die um der Liebe willen zu einem Mann ins Leben zurückkehrt. Eines Tages wollte ich von ihr wissen: ‹Hast du keine Angst vor dem Tod?› – ‹Aber ich bin doch schon tot›, antwortete sie mir lachend.» Filmarchiv Austria … “ | https://www.stadtkinobasel.ch/film/fantasma_damore/2828/349

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #3 ]


Marcel (Dezember 2010): “ … Fast 50 Jahre nach der Gründung der [Situationistische Internationale (SI)] hat sich die Ausgangssituation maßgeblich verändert. Während in den 50/60er Jahren der 2. Weltkrieg für die meisten Menschen aktive Erinnerung war und eine neue Zeit der Warenwelt angebrochen schien, ist heute der flexible Kapitalismus zum Normalzustand geworden. Was der SI damals so neu und fremd erschien, hat sich heute noch viel stärker im Alltag manifestiert. Die Wirtschaft hat längst die Kraft der Bilderwelten erkannt und setzt sie bewusst ein. Marken sind nichts anderes als ‚appetitanregende Gedankenbilder/-filme’, die den Konsumenten verführen sollen. Sie wirken als lustvolles Versprechen für die individuelle Zukunft der Konsumenten. …“ | https://www.nachhaltigkeits-guerilla.de/theorie-2-situationistische-internationale/ | — | https://de.wikipedia.org/wiki/Situationistische_Internationale | … | https://de.wikipedia.org/wiki/Guy_Debord

“ … die Methode des „dérive“ („Umherschweifen“ …) … : Dies war ein räumliches und konzeptionelles Erforschen der Stadt — oft der Vorstädte -, indem man/frau sie, manchmal auch im Morgengrauen nach durchzechter Nacht, durchstreift. Durch das „dérive“ entwickelten die Situationisten … „ein kritisches Bewußtsein des spielerischen Potentials urbaner Räume und ihrer Möglichkeiten, neue Wünsche zu erwecken“ … . Für Guy Debord war „dérive“ auch die Entwicklung einer neuen, „anderen“ und erweiterten Wissenschaft, der „Psychogeographie“ [Erforschung der genauen unmittelbaren Wirkungen, seien sie bewußt gestaltet oder nicht, des geographischen Milieus auf das emotionale Verhalten der Individuen.] …“ | Aus: „Dieter Schrage: Widerstand im Spektakel“ (Zeitschriften » Context XXI » Print » Jahrgang 2000 » Heft 3-4/2000) | http://forvm.contextxxi.org/widerstand-im-spektakel.html | … | https://de.wikipedia.org/wiki/Psychogeographie

“ … Der Zuschauer  habe die  ihm vorgesetzte Scheinrealität längst als Realität verinnerlicht. … Das gesamte Spektakel hat das Ziel, die Bevölkerung zu integrieren. Es tritt sowohl als Städteeinrichtung als auch als  permanentes  Informationsnetz in Erscheinung und bildet einen festen Rahmen für die Sicherung der bestehenden Lebensbedingungen. Unsere erste Arbeit ist es, dass wir den Leuten erlauben, die Identifikation mit der Umgebung und dem Modellverhalten zu beenden. … [Das situationistische] Programm, …, [war] mit hoher Wahrscheinlichkeit von Anfang an zum Scheitern an der … verbreiteten Akzeptanz gesellschaftlicher Verkrustungen verurteilt. … Statt im herkömmlichen Sinne Kunst zu schaffen, modellierte sich Debord zum verfemten Darsteller eines epochalen Romans, den die Umstände schrieben …“ | Aus: „Die dialektische Lebenskunst von Guy Debord, Verworfener & Kulturschatz“ Mark Reichmann (Dissertation – Im Fach: Kunst-und Bildgeschichte (IKB), Humboldt-Universität zu Berlin, 546 Seiten, 6. Juni 2020) | https://edoc.hu-berlin.de/bitstream/handle/18452/23246/dissertation_reichmann_mark.pdf

[Der Blick in die Kamera #40… ]

In this July 28, 1971 file photo, Daniel Ellsberg, former Defense Department researcher who leaked top-secret Pentagon papers to the press, speaks to an unofficial House panel investigating the significance of the war documents in Washington. | via

AMY GOODMAN: „Dan Ellsberg we want to thank you so much for spending this time with us, the legendary Pentagon Papers whistleblower. And a belated Happy 90th Birthday, Dan. …“ | Source: „Daniel Ellsberg on Whistleblowers Julian Assange, Daniel Hale, Reality Winner, Ed Snowden & Others“ (June 14, 2021) | https://www.democracynow.org/2021/6/14/daniel_ellsberg_on_whistleblowers_julian_assange // —> https://de.wikipedia.org/wiki/Daniel_Ellsberg

// “ … Die Pentagon-Papiere (United States-Vietnam Relations, 1945–1967: A Study Prepared by the Department of Defense, kurz Pentagon Papers) sind ein ehemals geheimes Dokument des US-Verteidigungsministeriums. Die Teil-Veröffentlichung der Papiere 1971 durch die New York Times und die Washington Post deckte auf, dass die US-Regierung unter Johnson sowohl Öffentlichkeit als auch den Kongress über den Vietnamkrieg jahrelang systematisch belogen hatte. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Pentagon-Papiere (14. Juni 2021) | // Siehe auch: Hannah Arendt: Die Lüge in der Politik. Überlegungen zu den Pentagon-Papieren. In: Wahrheit und Lüge in der Politik. Zwei Essays. (englisches Original 1971) Piper, München 2013, ISBN 978-3-492-30328-6 | … // “ … Unter Weltlosigkeit versteht Arendt den Verlust einer gemeinsamen Welt – im Sinne eines gemeinsamen Bezugssystems –, über deren Interpretation und Herausforderungen man (politisch) streiten kann, deren Faktizität aber nicht infrage gestellt wird. Für Arendt manifestiert sich die Weltlosigkeit der USA der späten sechziger und frühen siebziger Jahre darin, dass eine «Alice-in-Wonderland-Atmosphäre» vernünftige politische Entscheidungsprozesse untergräbt und Lüge und ganze Täuschungskampagnen den politischen Alltag bestimmen. … Weltlosigkeit und die Erosion der Institutionen resultieren nach Arendt demnach aus der inneren Dynamik des politischen Systems. Heute gewinnt man den Eindruck, dass es eher gezielte Strategien politischer Cliquen sind, die diese Prozesse vorantreiben. Und noch eine Sache fällt auf: In Arendts Analyse gibt es keine Gewinner – denn jeder scheint vom Verlust der demokratischen Qualität gleichermassen betroffen zu sein. Trotzdem bleibt Arendts Begriff der Weltlosigkeit aufschlussreich für die Deutung jener Herausforderungen, denen sich moderne Demokratien gegenwärtig gegenübersehen. Der Verlust eines gemeinsamen Bezugssystems manifestiert sich heute in der Rede von den alternativen Fakten, von politisch eingesetzten Falschnachrichten, von Echokammern, Filterblasen und dergleichen sowie in dem Wörtchen «Lügenpresse», mit dem zum Ausdruck gebracht wird, dass man nur dem gedenkt Glauben zu schenken, der die eigene Weltanschauung auch bestätigt. … Auch Arendt war von der «Wahrheitssehnsucht» des modernen Menschen alles andere als überzeugt. Denn der moderne Mensch wird ihrer Ansicht nach gerade aus dem Rückzug in die Subjektivität, ins Intime, geboren und glaubt Wirklichkeit einzig aus sich selbst heraus zu erfahren. …“ Aus: „Eine Politik der Lüge kann in den USA nicht verfangen – das glaubte Hannah Arendt. Heute sind wir weniger sicher“ von Christian Volk (10.11.2019) | https://www.nzz.ch/feuilleton/hannah-arendts-begriff-der-weltlosigkeit-erhellt-die-gegenwart-ld.1516987

// It was Henry Kissinger who called Ellsberg “the most dangerous man in America.” (Nixon, never one to mince words, said he was “a son of a bitch.”) Others would call Ellsberg a national hero. | https://nypost.com/1999/11/30/vietnam-era-misdeeds-back-in-spotlight/

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #60… ]

W.R. – Misterije organizma – – – Makavejevs 1971 gedrehter Film WR – Mysterien des Organismus über die Theorien von Wilhelm Reich wurde in Jugoslawien zunächst verboten, in den 1980er Jahren aber wieder zugelassen. | https://de.wikipedia.org/wiki/Du%C5%A1an_Makavejev

amazon Kunden, die W.R. – Misterije organizma angesehen haben: HAN XIAO 5,0 von 5 Sternen – Rezension aus den Vereinigten Staaten vom (13. Dezember 2012): “ …I REALLY CAN’T SEE THE POINT OF THIS FILM, MAYBE BECAUSE I’M NOT YUGOSLAVIAN, WELL, IT’S STILL VISUALLY STUNNING, AND I SUGGEST IF YOU WANT A PORN MOVIE, AND YOU DON’T HAVE PLAYBOY OR BELAMI AROUND YOU, TRY THIS. EVEN CHANDLER WON’T CALL IT „THE WORST PORN EVER“, TRUST ME. …“

“ … Zweifellos ein spannendes Zeitdokument: Die Filme des Serben Dušan Makevejev („Coca-Cola Kid“) waren im eigenen Land (damals Jugoslawien) fast alle verboten. Hier strukturierte er den Film wie eine surrealistische Collage, zeigt scheinbar dokumentarische Fragmente, vermischt diese mit viel sagenden Spielszenen und offenbart so (ähnlich wie Buñuel das spießige Bürgertum) die Pervertierung der sozialistischen Utopie durch Stalin und dessen Totalitarismus. Dabei verteufelt er die gesellschaftliche Unterdrückung durch sexuelle Disziplinierung. Heute erschließt sich dieser Kontext nur schwer, wirkt das Ganze eher wie ein bizarrer Sex-Streifen aus den Anfängen der Pornographie, dessen Botschaft sich recht plakativ darauf beschränkt, sich via Kopulation auch politisch frei zu kämpfen. Schön wär’s ja! …“ | https://www.prisma.de/filme/WR-Mysterien-des-Organismus,245217



Matthias Meindl (30. Mai 2021): [‚Matthias Meindl ist Slavist und habilitiert sich an der Universität Zürich mit einer Arbeit zur sexuellen Revolution in Jugoslawien um 1968. …‚] “ … Dušan Makavejevs Kultfilm „WR – Mysterien des Organismus“ ist ein Dokument der sexuellen Revolution. Am 5. Juni jährt sich zum fünfzigsten Mal die öffentliche Vorführung des Films in Novi Sad. Danach wurde er in Jugoslawien aus den Kinos verbannt. … Mit seinem Verfahren der assoziativen Montage (Dina Iordanova) arrangierte er dieses Material mit einer Fülle von visuellem und akustischem foundfootage (Archivaufnahmen von Reich bis Musik von The Fugs) sowie einer Spielfilmhandlung. In diesem Plot verliebt sich die Revolutionärin Milena – gespielt von der legendären Milena Dravić (1940-2018) – in einen sexuell verklemmten russischen Eiskunstläufer, der wie der russische Revolutionsführer Lenin heißt: Vladimir Il’ič. Der gastierende Künstler wird zum Mörder, er enthauptet die Reich-Anhängerin Milena, nachdem sie ihn verführte, mit einem Schlittschuh. … Auch der provokanteste Schnitt des Films ist eine politische Provokation: ein Match Cut ‚von Dildo auf Stalin‘. Er war in den Diskussionen um den Film immer präsent – und dies zu Recht, denn er ist entscheidend für sein Verständnis. Makavejev baute eine Gelegenheitsaufnahme ein, in der die Künstlerin Nancy Godfrey einen Gipsabdruck des erigierten Glieds von Jim Buckley abnahm, dem Chefredakteur der kontrakulturellen Zeitschrift Screw. … Die Verteidiger des Films – Intellektuelle und Filmschaffende – führten den internationalen Erfolg Makavejevs und sein befreiendes filmisches Denken ins Feld. Die Kritiker hingegen, die durch und aus dem Verband der Veteranen des Volksbefreiungskriegs (SUBNOR) rekrutiert wurden, empörten sich über Unsittlichkeit und Antikommunismus. Zwar hatte Tito schon 1948 mit dem sowjetischen Stalinismus gebrochen, dennoch erschien der Film vielen Zuschauern als zu aggressiv ‚gegen das sozialistische Brudervolk‘. Ihnen missfiel auch die von Makavejev lustig und lustvoll inszenierte Rekodierung des sozialistischen Sonderwegs Jugoslawiens als sexuellem Befreiungsprojekt. Als die salbungsvolle Hymne an die Kommunistische Partei durch die Aufnahme eines zärtlichen Geschlechtsverkehrs begleitet wurde, interpretierten die Gegner die Szene als Missbrauch patriotischer Emblematik. …“ | https://geschichtedergegenwart.ch/vom-ende-der-world-revolution-vor-50-jahren/

// „Schwarze Welle. Kinorebellion in der Tito-Ära“ Ab 1966 tauchten die Macher der Schwarzen Welle tief ins gesellschaftliche Leben ein und spülten bei ihren filmischen Erkundungen und Analysen der Conditio humana erhebliche Defizite in Titos Reich ins Licht der Kinoleinwände, worauf staatliche Behörden ab 1971 zunehmend empfindlich reagierten. // https://kultur-online.net/inhalt/schwarze-welle-kinorebellion-der-tito-%C3%A4ra (Filmarchiv Austria 2. Mai 2019 — 23. Juni 2019)

“ … Novi Film (serbokroatisch für: Neuer Film; später auch Crni talas = Schwarze Welle genannt) war eine Bewegung im jugoslawischen Spielfilm in den 1960er Jahren, die sich vom bis dahin üblichen, am italienischen Neorealismus orientierenden Stil, abgrenzt, ohne selbst als einheitlicher Stil aufzutreten. …“
https://de.wikipedia.org/wiki/Novi_Film

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