[Kriegsschauplätze #34… ]

n-tv.de, Freitag, 21. September 2018: “ … Berlin (dpa) – Die Bundesregierung hat mehrere Waffenexporte an drei arabische Länder genehmigt, die am Jemen-Krieg beteiligt sind. … Der Krieg hat zu einer der schlimmsten humanitären Katastrophen weltweit geführt. …“ | https://www.n-tv.de/ticker/Waffenexporte-an-Jemen-Kriegsallianz-genehmigt-article20634391.html

Lorenz Hemicker (21.09.2018): “ … Die Bundesregierung sieht laut dem Magazin „Der Spiegel“ derzeit keine Möglichkeit, die Rüstungslieferungen im Falle von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Staaten zu stoppen. In beiden Fällen handele es sich um Komponenten von Rüstungsgütern internationaler Konsortien. Zudem kämen die Lieferungen nicht im Jemen zum Einsatz. …“ | http://www.faz.net/aktuell/politik/jemen-deutschland-liefert-neue-ruestungsgueter-an-saudis-15799549.html

Rückblende & Doppelbild | Kurt Krolop (1971): “ … Es ist keineswegs so, daß der Herausgeber der „Fackel“ […] die gesellschaftlichen Hintergründe und ökonomischen Voraussetzungen des imperialistischen Krieges nicht erfasst hätte. Er hat vielmehr früher und klarer als die meisten seiner Zeitgenossen nicht nur gewußt, sondern auch öffentlich gesagt, daß dieser Krieg eine „Auseinandersetzung moderner Mordindustrien“ sei, Ausdruck einer systemimmanenten ökonomischen Notwendigkeit, „Absatzgebiete in Schlachtfelder zu verwandeln, damit aus diesen wieder Absatzgebiete werden“. Aber seine kulturkritische Diagnose und kultursatierische Demonstration erschöpfte sich weder in der Einsicht, daß der imperialistische Krieg eine ordinäre „Handelsrauferei“ war, noch in der Feststellung, daß er nichts mehr von einem ritterlichen „Raufhandel“ an sich hatte; sie führte ihn vielmehr vor allem auf das Phänomen, daß die bewußte und unbewußte Lüge einer heroischen Phraseologie … Dem Satieriker, dem „Nörgler“, unter diesem Namen tritt Karl Kraus selbst in den „Letzten Tagen der Menschheit“ auf, bleibt die traurige Gewissheit von der Phantasiearmut, Unbelehrbarkeit und Vergesslichkeit einer Welt, die imstande sein wird auch die entsetzlichsten Massenschlächtereien als „Vergangenheit“ zu „bewältigen“, aus dem Kriegszustand zum Status quo der Kriegsbereitschaft zurückzukehren: „Nein, der Seele bleibt keine Narbe zurück. Der Menschheit wird die Kugel bei einem Ohr hinein und beim anderen herausgegangen sein.“ … “ | Aus: Karl Kraus – Vor der Walpurgisnacht – Auswahl 1925-33, Kap. „Dichtung und Satire bei Karl Kraus“ von Kurt Krolop (Seite 676-677) [Ausgabe von 1971]

lemonhorse / 22 September 2018 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Kriegsschauplätze #33… ]

“ … Der Bürgerkrieg in Syrien ist eine seit 2011 andauernde, bewaffnete Auseinandersetzung verschiedener Gruppen, die mit fortschreitender Dauer zunehmend unter Beteiligung internationaler Mächte stattfindet, die dabei auch eigene Interessen verfolgen. …“ | Bürgerkrieg in Syrien seit 2011 —> https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerkrieg_in_Syrien_seit_2011 | Chronik des Bürgerkriegs in Syrien seit 2011 —> https://de.wikipedia.org/wiki/Chronik_des_B%C3%BCrgerkriegs_in_Syrien_seit_2011

Kommentar von Jörg Lau (12. September 2018): “ … „So ziemlich alle Annahmen westlicher Diplomaten, Strategen und Journalisten über diesen Konflikt waren falsch. … Und wie glaubwürdig ist denn eigentlich eine Politik, die den Gebrauch einer besonders perfiden Terrorwaffe – Giftgas – ahndet, während viel mehr Menschen durch die Angriffe des syrischen Regimes mit primitiven Fassbomben umkommen? … “ | https://www.zeit.de/2018/38/syrien-giftgas-deutschland-beteiligung-luftschlaege-baschar-al-assad // Kontext:

August I. #6: “ … „Vier Motive werden zugunsten des Eingreifens genannt, in aufsteigender Reihenfolge: Es gehe um die Glaubwürdigkeit des Westens; um die europäische Einigkeit im wichtigsten Konflikt unserer Nachbarschaft; um die Abschreckung des Regimes; und letztlich um die Verteidigung des Völkerrechts.“ – Keines davon dürfte allerdings den wahren Motiven entsprechen, das ist lediglich der Sand, den man den eigenen Bürgern gerne in die Augen streut. In Syrien geht und ging es wie in jedem Konflikt mit westlicher Beteiligung um wirtschaftliche und strategische Interessen, die wenig bis nichts mit der Heuchelei über westliche Werte zu tun haben. Warum macht man sich als Journalist nicht mal gerade und recherchiert über die wahren Kriegsgründe? …“

Vantablack #6.1: “ … Als ich die Motive las, musste ich daran denken dass von der Mauer behauptet wurde, sie wäre ein antifaschistischer Schutzwall. …“

Peter Peters #6.5: “ … Weil entweder die dt. Presse sich kollektiv den Interessen der Politik untergeordnet hat – oder die verantwortlichen Redakteure einfach keine Ahnung haben – oder, noch schlimmer – sie kein Englisch sprechen. Die Gründe für den Syrien-Konflikt lassen sich – bestens recherchiert – in der New York Times nachlesen. „Westliche Werte“ im Zusammenhang mit Syrien sind zutreffend, wenn man diese gleichsetzt mit den wirtschaftlichen Interessen der USA, Saudi Arabiens, Qatar und der Türkei. …“

Nemo Nolan #14: “ …[Die Bestrafung des Regimes durch eine Allianz der Willigen mag moralisch legitim erscheinen, sie bleibt völkerrechtlich illegal. ] Wenn das Völkerrecht keine pädagogischen Luftschläge zulässt, muss das kein Fehler des Völkerrechts sein. …“ // Kontext (‚Schwarze Pädagogik‘): “ … Unausgesprochen diene die Schwarze Pädagogik der Rationalisierung von Sadismus und der Abwehr eigener Gefühle des Erziehers oder der Bezugsperson. Die Schwarze Pädagogik bediene sich dabei der Mittel des Initiationsritus (z. B. Introjektion einer Todesdrohung), der Zufügung von Schmerz (auch seelischem), der umfassenden Überwachung des Kindes (Körperkontrolle, strenger Verhaltenskodex, Forderung unbedingten Gehorsams), der Tabuisierung von Berührung, der Versagung grundlegender Bedürfnisse und eines übertriebenen Ordnungsdrills. Alice Miller arbeitet in ihrer Auseinandersetzung mit der Schwarzen Pädagogik besonders einen Aspekt heraus, nämlich wie Kinder dazu gebracht würden, nicht zu merken, dass sie unter der Gewalt von Erwachsenen missbraucht wurden …“ >> https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarze_P%C3%A4dagogik (13. Juni 2018)

Das entscheidende Problem #26: “ … „Die Bestrafung des Regimes durch eine Allianz der Willigen mag moralisch legitim erscheinen,…“ – Wem? Mit welchem moralischen Recht erheben sich diese „Willigen“ über eine Regierung in deren Land Terroristen ua. von Auswärts marodieren, finanziert und ausgerüstet von diesen „Willigen“? …“

Sinnkrise #31: “ … Deutschland muss sich entscheiden. Das größte und wirtschaftlich stärkste Land in Europa mit einem Rekordhandelsüberschuss kann sich nicht immer abducken, wenn es um Übernahme von Verantwortung geht. …“

Peter Peters #40: “ … Nach Afghanistan, Irak und Libyen ist Syrien der vierte Versuch des Westens, mittels „Regime Change“ seine Interessen durchzusetzen. Die Resultate sollten bekannt sein. Man möge sich an Herrn Westerwelle erinnern der als damaliger Außenminister sich dem Libyen-Einsatz verweigert hat – mit Recht. …“

Ungerechtigkeit #34: “ … „so ziemlich alle Annahmen westlicher Diplomaten, Strategen und Journalisten über diesen Konflikt waren falsch“ – Das sollte uns in der Tat zu denken geben. …“

IchunddieanderenDoofen #41: “ … Hach diese Menschen. Millionen Jahre und immer noch nichts gelernt. Aliens fliegen vorbei, fassen sich an den Kopf und flitzen schnell weiter, irgendwo anders hin …“

tbc

lemonhorse / 14 September 2018 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Sprechakt, UFO’s und das ungeheure Weltganze #2]

Ist die ganze UFOlogie nicht vielleicht eine technische Religion, die uns das beruhigende Gefühl vermittelt, nicht allein und verlassen im Universum zu leben? fragte der Schüler Freuds und Psychoanalytiker Carl Gustav Jung schon in den 50er Jahren. // [Aus: „Himmelsobjekte der Sehnsucht UFOs üben auch auf den modernen Menschen eine große Anziehung aus“ Autor: Martin Koch (12.08.1995)]

Martin Holland (11.09.2018): „Rätselhafte Radioblitze: KI findet 72 Fast Radio Bursts“ – Noch ist nicht klar, was hinter den mysteriösen Fast Radio Bursts steckt: Eine KI hat Astronomen nun unter die Arme gegriffen und Dutzende Signale gefunden. … Die Blitze könnten etwa bei der Verschmelzung zweier Neutronensterne entstehen oder von massereichen Schwarzen Löchern erzeugt werden. Einer Hypothese zufolge könnten sie aber auch auf einen Antrieb für interstellare Reisen hinweisen. … In den dabei gesammelten 400 Terabyte an Daten fanden die Forscher demnach mit ihren etablierten Methoden 21 neue Ausbrüche. Danach setzten sie nach aber noch einen extra dafür selbstentwickelten Algorithmus auf die Daten an. Der fand demnach 72 weitere Ausbrüche, die die Forscher nicht gefunden hatten, womit nun insgesamt über 300 Radioblitze von FRB 121102 bekannt sind. Dabei wurde keine Regelmäßigkeit gefunden, zumindest keine deren Periodizität auf Mustern beruht, die länger sind als 10 Millisekunden. Unabhängig ob der Ursprung natürlich oder künstlich ist, helfe die Forschung aber bei der rasch fortschreitenden Erkundung des Universums, erklären die Forscher. …“ | https://www.heise.de/newsticker/meldung/Raetselhafte-Radioblitze-KI-findet-72-Fast-Radio-Bursts-4161960.html // —> https://www.heise.de/newsticker/meldung/Astronomie-Mysterioese-Radioblitze-koennten-ausserirdische-Raumschiffe-antreiben-3649246.html

Ulriko (11.09.2018 19:02): “ … könnten sie auf einen Antrieb für interstellare Reisen hinweisen … Bei dem Antrieb könnte es sich um den von Prof. Douglas Adams postulierten Unwahrscheinlichkeitsantrieb handeln. Einer anderen Hypothese zufolge könnten die Blitze auch von Zeitreiseereignissen, Sonnentransmittern, künstlichen Wurmlöchern oder interstellaren Kriegen verursacht sein. Große Aufmerksamkeit hat jüngst aber eine weitere Theorie erhalten, welche die Blitze auf große Schmiedeereignisse in Münzwerkstätten zurückführt, in denen Triganische Pu hergestellt werden. …“ | https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Raetselhafte-Radioblitze-KI-findet-72-Fast-Radio-Bursts/koennten-sie-auf-einen-Antrieb-fuer-interstellare-Reisen-hinweisen/posting-33058537/show/

stephen-falken (11.09.2018 19:21): “ … Re: Der Antrieb ist der unendliche Unwahrscheinlichkeitsantrieb. Endliche Unwahrscheinlichkeit wird doch nur dazu benutzt um Unterwäsche auf Partys zu verschieben. Wer es nicht glaubt der kann es nachlesen. Kein Panik, in den Büchern von Douglas Adams. Wenn es aber der Antrieb wäre, dann durchfliegen die Ausserirdischen ja jeden Punkt des Universums gleichzeitig. Könnten also mal wirklich so nett sein und mal kurz aussteigen und den armen doofen Menschen von der Erde das mit den FRBs zu erklären [https://de.wikipedia.org/wiki/Fast_Radio_Burst]. Alles Assis, diese Außerirdischen. Musste mal gesagt werden. …“

Ulriko (11.09.2018 21:20): “ … Re: … könnten sie auf einen Antrieb für interstellare Reisen hinweisen
bgks schrieb am 11.09.2018 21:11: Prof. Douglas Adams *räusper* Douglas Adams, B.A.
In einem Paralleluniversum ist er Professor. Ich schwör! Dort hat er allerdings nicht seinen berühmten Roman geschrieben, sondern den Unwahrscheinlichkeitsantrieb erfunden. In echt. Daher hatte er dort zum Schreiben keine Zeit. …“

gbkom (12.09.2018 07:36): “ … Re: … könnten sie auf einen Antrieb für interstellare Reisen hinweisen
Ich glaube nicht, dass Douglas Adams dahinter steckt. Das ist Dr. Zefram Cochrane [Doktor Zefram Cochrane ist ein Wissenschaftler aus dem 21. Jahrhundert. Er ist ein Erfinder des Warpantriebs.], der sich beim ersten Test mit der Phönix in Zeit und Raum völlig verflogen hat und nun in dieser Zwerggalaxie festhängt. Ursache war vermutlich der Kater vom Abschiedsfest. Seine Versuche, wieder zur Erde zu kommen, deuten wir als FRB 121102. Auf Vulkan wird man diese Bursts auch wahrgenommen haben, doch die Entfernung ist einfach zu groß, um ein Forschungsschiff dort hin zu schicken. Wir sollten am Startplatz in Bozeman (Montana) eine Edelstahlplatte mit einer eingravierten Warnung an Cochrane aufstellen, damit er 2063 den Fehler nicht wiederholt. …“

Lochkarte (12.09.2018 10:54): “ … Triganische Pu? – Könnte sein. Wahrscheinlicher erscheint mir aber, dass sie dort ihre Kryptowährungen minen. Irgendwann steigt eben der Energieverbrauch dafür so stark, dass nur noch ein schwarzes Loch als Energiequelle ausreicht. ..“

tbc

lemonhorse / 12 September 2018 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #51… ]

// Kontext: https://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_ab_2007

(12.09.2018, SPON): “ … Als 2008 die Finanzwelt bebt, ist Jörg Asmussen mittendrin. Am 15. September meldet die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an – nach tagelangen Verhandlungen hat die amerikanische Regierung sie fallengelassen. Jörg Asmussen ist damals Staatssekretär im Finanzministerium – und muss kurz nach der Lehman-Pleite die Rettung deutscher Banken organisieren. Zuerst ist es die Hypo Real Estate, später die Commerzbank, die BayernLB, die WestLB und die Landesbank Baden-Württemberg. Eine Bank nach der anderen droht zu kippen und muss vom Staat gerettet werden. Einen zweiten Fall Lehman will niemand riskieren. … Asmussen: Es gibt immer Pro- und Contra-Argumente, auch damals. Ich war der Auffassung, dass man die HRE retten müsse – nicht wegen der Bank selbst, sondern wegen der Stabilität des Finanzsystems. Spätestens an diesem Wochenende war klar, dass wir eine systemische Krise hatten, die viele Staaten betraf. In Belgien und den Niederlanden wackelten die Finanzkonzerne Fortis und Dexia, in Großbritannien Bradford & Bingley. Es ging nicht mehr um einzelne Banken, sondern um das System. … “ | http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/lehman-brothers-joerg-asmussen-spricht-ueber-die-pleite-der-investmentbank-a-1227344.html

„Finanzkrise: Ein Oligopol der Großbanken“ – In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen. Die Folgen sind gravierend: Wenn es ernst wird, müssen erneut alle einstehen. Ein Essay von Adam Tooze, New York | https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-09/finanzkrise-lehman-brothers-crashed-adam-tooze

sonstwer #57 (10.09.2018): “ … Ich lese immer „wir“. Schon ganz lustig, wenn marxistisches Teufelszeug wie Solidarität wiederentdeckt wird, wenn es um die Haftung für Zockereien und Bankenexzesse geht. Wenns um die Gewinne geht, folgt man dann doch lieber wieder neoliberalen Dogmen. … Übrigens war es eine der ersten Amtshandlungen des „drain the swamp“-POTUS des echten und einfachen Volkes, die Banken wieder von der Leine zu lassen: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-05/donald-trump-usa-bankenregulierung-kongress-lockerung [Nach dem Senat hat auch das Repräsentantenhaus der USA für die Rücknahme wesentlicher Teile eines Gesetzes zur Bankenregulierung gestimmt: Mit 258 zu 159 Stimmen wurde eine Lockerung des Dodd-Frank-Acts beschlossen. Das Gesetz, das nach der Finanzkrise 2008 unter der Regierung von Donald Trumps Vorgänger Barack Obama initiiert worden war, sollte erneute Bankenpleiten zulasten der Steuerzahler verhindern.]…“

Rollender Stein #41 (10.09.2018): “ … Zitat: „In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen.“ – Nein, das stimmt so nicht. Ich stelle sie immer und immer wieder seit 10 Jahren und werde regelmäßig dafür übergangen, ausgelacht, nicht ernst genommen, als Spinner usw. bezeichnet.
Das geht übrigens allen so, die diese Frage stellen. …“

MowKow #18 (10.09.2018): “ … „In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen. “ – „WIR“? Wen meint denn der Autor mit „wir“? …“

AloisZwackelmann #48 (10.09.2018): “ … In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen. Die Folgen sind gravierend: Wenn es ernst wird, müssen erneut alle einstehen …“ – … Noch nicht einmal die Finanztransaktionssteuer hat man hinbekommen (wollen). …“

Flavoos #55 (10.09.2018): “ … „Wir werden mit einem dollarbasierten Oligopol von Großbanken leben müssen.“ – Wieso eigentlich? Gottgegeben? Das ganze Finanzsystem ist eine Umverteilungsmaschine von unten nach oben und gehört grundlegend reformiert … nein sogar revolutioniert – das ist die Mutter aller Probleme. …“

Nachtrag #1:

“ … Die Aktivitäten zur Neuordnung der Finanzmärkte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Politiker, Berater und die marktfundamentalistische Wirtschaftswissenschaft die Triebkräfte dieser Krise nicht begriffen haben. Lehman Brothers war kein einzelwirtschaftlicher Zufall. Mit dieser Pleite hat sich ein seit Mitte der 1980er Jahre aufgebautes Krisenpotenzial entladen. Es ist die erste Krise des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus. Nicht das Realkapital, sondern das Finanzkapital dominiert mittlerweile die Gesamtwirtschaft. … Um die von der Realwirtschaft entkoppelten Geschäftsfelder entfalten zu können, mussten jedoch erst noch die institutionellen Barrieren der streng geordneten und kontrollierten Finanzmärkte eingerissen werden. Deshalb ist das entscheidende Datum für den Start entfesselter Finanzmärkte nicht 2008, sondern 1986. Damals hat die britische Premierministerin Maggy Thatcher mit dem „Big Bang“ den Finanzplatz London komplett dereguliert. Einer neuen Internationale vergleichbar folgten die meisten Länder, auch Deutschland, bei der Durchsetzung dieses Kasinokapitalismus. Die übermächtige Illusion, durch Spekulationen ließen sich ökonomische Werte schaffen, terrorisierte die Welt. Vor allem aber die Flucht aus dem regulierten Bankensektor in das Reich der Schattenbanken entwickelt sich zum Megarisiko. Diese sind mit den kontrollierten Banken stark verbandelt. Schließlich werden nicht nur in den USA wichtige Gesetze zur Bankenregulierung wieder demontiert. Die Kerngefahr eines erneuten Absturzes der Finanzmärkte ist noch nicht gebannt. Durch die Suche nach rentablen Finanzanlagen wird der Druck auf den Finanzmärktekessel erzeugt. Und wer steckt dahinter? Es sind die Vermögenden und Unternehmen, die anstatt ihre Gewinne für Sachinvestitionen einzusetzen, der Illusion der Geldvermehrung auf den Finanzmärkten verfallen sind. Die wichtigste Lehre zur Bändigung der Finanzmärkte ist: Das Übersparen muss durch eine gerechte Umverteilung abgebaut und Investitionen in Unternehmen der Realwirtschaft sowie staatliche Infrastrukturausgaben gelenkt werden. …“ | Aus: „Bankensystem: Die Lehman-Pleite war kein Zufall“ Rudolf Hickel (10.09.2018) | http://www.fr.de/politik/meinung/gastbeitraege/bankensystem-die-lehman-pleite-war-kein-zufall-a-1579300,0

Fritz Grimm —> MalteSehr (10.09.2018): “ … Es ist Geld, das in Wirklichkeit gar nicht existiert. Des Kaisers neue Kleider (Andersen) könnten kaum treffender dargestellt werden. …“

MalteSehr (10.09.2018): “ … Die „Werte“ im Finanzkapitalismus sind in Wirklichkeit so fiktiv wie der Wert der Blauen Mauritius. Dass die Blase äußerst fragil ist, versteht sich von selbst. Das Schlimme dabei ist nur, dass 1.) das Geld, was bei den Spekulationen „verdient“ wird, in der Realwirtschaft erarbeitet wurde, also durch die Arbeit unserer Hände und unserer Gehirne und 2.) die Politik es nicht schafft, wenigstens den Auswüchsen Einhalt zu gebieten. … [Die Bankenrettung hat mehrere Milliarden gekostet. Ich befürchte, dass dieses Geld ziemlich real war. Das gilt auch für das Geld, das „clevere“ Investment-Banker für Immobilien, Konsumgüter usw. ausgeben.] … “

Nachtrag #2:

Marcus Gatzke und Heike Buchter und Thorsten Schröder, New York (15. September 2018): “ … Zehn Jahre sind seit der Pleite der Investmentbank Lehman vergangen. In den USA wächst der Druck, die Finanzmarktregeln wieder zu lockern. Zeit für eine Rekapitulation. … Hausbesitzer, Konsumenten, Kleinanleger, Pensionäre – sie alle waren in die Diskussionen nicht einbezogen. Als die Politiker, die die Interessen der Allgemeinheit hätten vertreten sollen, mit der Lage konfrontiert wurden, willigten sie schnell in die Vorschläge der Experten ein. Zu komplex schienen die Probleme für Laien. Allein die US-Bürger kostete die Krise 20 Billionen Dollar, hat der Rechnungshof des US-Kongress errechnet. Durch die Krise wurden in den USA neun Millionen Jobs vernichtet. Rund zehn Millionen Amerikaner verloren ihr Eigenheim durch Zwangsversteigerung. Und das hat Auswirkungen bis heute: Die Armen sind heute ärmer und die Reichen reicher. … Den Banken geht es unterdessen wieder blendend: In den ersten drei Monaten des Jahres 2018 haben sie mit 56 Milliarden Dollar den höchsten Gewinn in ihrer Geschichte verbucht. Die Boni sind höher als vor zehn Jahren, die Konzentration in der Branche ist größer. „Die Stabilisierung ist gelungen, die Wirtschaft hat sich von der Krise erholt und wächst wieder“, lautet das Fazit des Wirtschaftshistorikers Adam Tooze zehn Jahre nach der Lehman-Pleite. … Tooze ist überzeugt: Im Krisenfall müssten die Banken wieder vom Staat gerettet werden. …“ | https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-09/lehman-finanzkrise-henry-paulson-usa

Zeitenhieb #11: “ … Die Menschen haben nicht verstanden warum eine solche Krise überhaupt möglich war, weil man den Führungsfiguren in Politik und Wirtschaft größtenteils bis dahin vertraut hatte? Warum Systeme wichtiger wurden als Menschen? Warum es den Tätern und Mitarbeitern durch die und nach der Krise besser ging, während es ihnen schlechter ging und geht? Warum es nicht mehr Bemühungen gab, von dem verlorenen Vertrauen zumindest etwas wieder herzustellen. Die Furche, die die Krise, ihre Folgen und die das Handeln der Verantwortlichen in die Gesellschaften gezogen hat ist so tief, dass sie nicht mehr zu schließen sein wird. Zuviele Menschen fühlen sich betrogen und belogen und es ist weit und breit keine Besserung in Sicht. Eher das Gegenteil. Wir erleben den Tanz um das goldene Kalb, besser: Um den goldenen Stier und Den goldenen Bären. …“

Horatio Caine #23: “ … und endlich kein Beitrag mehr zur Legendenbildung dass das alles höhere Gewalt gewesen sei […]: „Anders als oft behauptet war es nicht allein der überhitzte US-Immobilienmarkt, der die Krise verursachte. Die Preise für Eigenheime stiegen zwar in den Nullerjahren kräftig an. Doch es waren Banker auf der Suche nach neuen Einnahmequellen, die eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang setzten. Schon 2001 begannen sie, Hypotheken an US-Bürger zu vergeben, die nach klassischen Bonitätsstandards keine bekommen hätten. Das Risiko war den Bankern egal. Statt wie früher das Darlehen selbst in ihre Bücher zu nehmen, bündelten sie die Hypotheken und verkauften Zertifikate darauf an Investoren – die später berüchtigten Subprime Mortgage Backed Securities. Nicht mehr die Bank, sondern die Investoren hielten nun das Ausfallrisiko. …“

tbc.

lemonhorse / 10 September 2018 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #18… ]

Rudolf Stumberger (22. August 2018): “ … Manchmal erschreckt man allerdings selbst, wenn sich die Welt des Trivialen plötzlich auflöst und hinter den Nebelbänken des Happy End plötzlich das normale, mitunter grausame Leben auftaucht. Etwa in der Welt des Schlagers, des musikalischen Verwandten des Groschenromans. Obwohl man es ja wusste, bestürzt einen die tiefe Diskrepanz zwischen heiler und wirklicher Welt. Etwa bei dem Schlagersänger Roy Black, bürgerlich Gerhard Höllerich („Du bist nicht allein“), der 1991 nach Alkoholexzessen allein in einer Fischerhütte starb. Oder bei Rex Gildo, bürgerlich Ludwig Franz Hirtreiter („Fiesta Mexicana“), der 1999 aus dem Fenster sprang. …“ | https://heise.de/-4141333

lemonhorse / 22 August 2018 / Fraktal.Text, Realitaets.Tunnel, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #17… ]

Joseph Joubert „Es steckt oft mehr Geist und Scharfsinn in einem Irrtum als in einer Entdeckung.“ – Gedanken, Versuche und Maximen // Roman Bucheli (5.7.2018): “ … Erst 1838, vierzehn Jahre nach Jouberts Tod, erlaubte dessen Witwe Chateaubriand, eine Auswahl der Fragmente für einen kleinen Kreis von Freunden herauszubringen. Weitere hundert Jahre dauerte es, bis 1938 erstmals Jouberts sämtliche Journale in einer Ausgabe erschienen, welche die Hinterlassenschaft authentisch abbildete und nicht nur eine thematisch sortierte Blütenlese präsentierte. Nun erst entdeckte man die Ausmasse dieser über Jahrzehnte geführten intimen Chronik. Rund 1300 eng bedruckte Seiten dokumentieren den Tumult des Denkens. … Das Journal ist ihm nicht Rückzugsort, es bietet ihm den Resonanzraum, den er braucht für sein Abenteuer des Denkens: «Diese Gedanken, die uns plötzlich kommen und die noch nicht uns gehören.» … Natürlich kann die Ausgabe diesem überwältigend disparaten Werk in keiner Weise gerecht werden. Und natürlich erscheint Joubert hier als Aphoristiker, der er nicht war. Trotzdem vermittelt die Auswahl eine Vorstellung von der unerschöpflichen, unerschrockenen Sprunghaftigkeit dieses Denkens, dem nichts fremd und nichts zu trivial ist, das sich an allem ausprobiert, was sich ihm entgegenstellt. Joubert glättet das Durcheinander nicht, weil das unordentliche Denken doch stets die Regel und die Ordnung nicht die Ausnahme, vielmehr meist nur schöner Schein ist. Die eine oder andere Sottise [Unsinn, Dummheit, Quatsch, Albernheit, Affront, Grobheit] blitzt dann auch in diesem somnambulen Chaos auf: «Voltaire hat Schlittschuhe. Er gleitet elegant über die Oberflächen. – Er sieht den Grund, stösst aber nicht zu ihm durch.» ….“ Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/die-grosse-kunst-kein-buch-zu-schreiben-aus-joseph-jouberts-notizen-ld.1400533

Gerald Heidegger (12.11.2015): “ … Alles fällt bei Barthes schließlich in Lacans Konzept vom Imaginären zusammen – also jenem System, in dem Selbstbild, Selbstidentifikation, aber auch Verkennung und Täuschung liegen sowie Phantasma und Begehren. Die Art, wie Barthes seine Zeichentheorie immer in Bereichen von halluzinatorischer Subjektivität stranden lässt, wird ihn nie ganz im wissenschaftlichen Feld heimisch machen … Barthes richtet den Blick auf Begehren und Phantasma auf der einen Seite und auf Bedeutungszusammenhänge von Alltäglichkeit auf der anderen. „Barthes“, so schreibt seine Biografin Tiphaine Samoyault, […] kombiniere das „Phantasma mit einer ethnografischen Absicht: Auch bei ihm überschwemmt die Beschreibung des Alltäglichen das formale Projekt. Sie entspringt einer Vorliebe für das Nahe, für das banale Ereignis (…) und wird verstärkt durch sein Interesse (…), wie Menschen ihre Umgebung erobern, indem sie ihr Sinn geben.“ Barthes schaut etwa auf Details der Kleidung und liest diese als spezielles Zeichensystem: Alltäglichkeit unterminiere das Verhältnis zwischen bedeutend und unbedeutend … In seinen Analysen zur Sprache der Mode oder der Werbung erscheint Barthes zeitweilig wie ein europäischer Weggefährte eines Herbert Marshall McLuhan und seinen Aufschlüsselungen zu den Ordnungen des elektrischen Zeitalters, wie es etwa in der „Mechanischen Braut“ unternommen wird. … Barthes, der beharrliche Arbeiter und kultivierte Müßiggänger, hatte es nach dem Essen mit Jack Lang und Mitterand an dem späten März-Mittag eilige. Für seine nächste Lehrveranstaltung über Proust und die Fotografie wollte er einen Projektor organisieren. Möglicherweise ließ sich Barthes von seinen Ideen und Sätzen wegtragen, als er beim Überqueren der Rue des Ecoles von einem Lieferwagen niedergefahren wurde. Ein Monat nach dem Unfall starb Barthes an den Folgen innerer Verletzungen, die er bei diesem Unfall erlitten hatte. …“ | https://orf.at/stories/2308564/2308590/

Ulrich Rüdenauer (13.04.2005): “ … Brinkmann … „Keiner weiß mehr“ erscheint 1968 und gewährt einen geradezu obszön offenen Blick aufs eigene Ich, eine akribische, besessene Bestandsaufnahme eines falschen Lebens im falschen. … Am 23. April 1975, gerade 35 Jahre alt, wird er beim Überqueren einer Straße in London von einem Auto überfahren. Er stirbt noch an der Unfallstelle. … „…die Plakate, Bauzäune und Verbote machen weiter, die Fahrstühle machen weiter, die Häuserwände machen weiter, die Innenstadt macht weiter, die Vorstädte machen weiter.“ …“ | https://www.deutschlandfunk.de/der-grosse-aussenseiter.700.de.html?dram:article_id=82244

lemonhorse / 16 August 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #16… ]

“ … Aus internen Mails, Verträgen und Excel-Tabellen wurde ersichtlich, dass das Unternehmen im Zuge der Mautausweitung auf zweistreifige Bundesstraßen bei jährlichen Betriebskosten von etwa zwei Millionen Euro dem Bund Betriebskosten von fünf Millionen Euro in Rechnung gestellt hatte. Die Staatsanwaltschaft Berlin stellte 2018 die Ermittlungen ein. … “ | https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Toll_Collect&oldid=179855901 (9. August 2018)

Ein Kartell gegen die Steuerzahler“ – DIE ZEIT Nr. 33/2018, 9. August 2018: “ … Bei Toll Collect gibt es sogar einen Begriff für die Methode, möglichst viele und hohe Kosten beim Bund abzurechnen: „Storytelling“. Es geht darum, Geschichten zu erzählen, die der Bund glauben kann. … Enrique S. bezeichnet seine Methode […] als „kreativ“, so erinnert Wedler sich. Enrique S. streitet das später gegenüber der Staatsanwaltschaft nicht ab. …“ | https://www.zeit.de/2018/33/toll-collect-lkw-maut-staat

ssandra.ka #7 “ … Daß jetzt Kosten im Hundertmillionenbereich skandalisiert werden, finde ich übertrieben. Da sollte sich die Presse zuerst um die Löcher im Hundert-Milliarden Bereich kümmern (Euro Nullzinsen, Target 2, Migrationskrise). …“

NoG #7.1: “ … Hat ja nicht lange gedauert. Im Malunterricht haben sie damals auch die Turnhose angezogen weil Sport wichtiger ist? …“ [Kontext: https://de.wikipedia.org/wiki/Whataboutism]

lemonhorse / 9 August 2018 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #15… ]

Philipp Blom (2018): “ … Wir bewegen uns zwischen den Kulissen der Aufklärung wie Schauspieler mit dem falschen Text im Bühnenbild eines längst abgespielten Stücks. … Weil es immer mehr Menschen mit der Angst zu tun bekommen. Immer mehr Menschen fürchten den Verlust von Besitz und Status, den Verlust einer vertrauten Welt, den Verlust der Hoffnung. Immer mehr Menschen sehen eine wachsende Kluft zwischen der offiziellen, liberal geprägten Wirklichkeit und dem, was sie selbst erleben.
Die globale Wirtschaftsordnung ist zu einer bitteren Parodie der aufgeklärten Gedanken mutiert, auf die sie sich beruft. Sie ersetzt die Rationalität durch die Rationalisierung, den Universalismus durch den globalen Markt, die Freiheit des Menschen durch die Wahl der Konsumenten zwischen Produkten und die Gleichheit durch statistische Normierung. … Diese Parodie erklärt einen Teil der Angst, die in unsere Gesellschaften sickert. … Zur Veränderung kommt die Verlogenheit. Politiker und Ökonominnen sprechen von Wirtschaftswachstum, von Innovation und Produktivität, von Vollbeschäftigung und Wohlstand, aber gleichzeitig verdienen immer weniger Menschen immer mehr, während immer mehr Menschen begreifen, dass es für sie keine bessere Zukunft gibt, dass sie zwar für das System funktionieren müssen, das System aber nicht für sie.
Immer mehr Menschen spüren, dass die künstliche politische Idylle der Nachkriegszeit vorbei ist, dass die Geschichte zurückgekehrt ist nach Europa, mit all ihren längst überwunden geglaubten Schattenseiten, und mit ihr auch ihr Lebensabschnittsgefährte, der alles beherrschende Markt. … “ | https://www.zeit.de/2018/32/philipp-blom-salzburger-festspiele-aufklaerung-rede-warnung (1. August 2018)

Paul Max #31 “ … Übrigens, nett gesungen Herr Blom, aber es stellt sich doch die Frage, waren wir je Kinder der Aufklärung. … Wir haben uns in einem Phrasenwald dermaßen verirrt, und jeder glaubt seine Phrase, Aufklärung, Säkularität, Glaube (welcher auch immer … der Glaube an sich selbst, als einzigen Maßstab), Liberalität, etc. … Ich denke Huxley (Brave New World) hatte völlig recht, für 99,9% der Bevölkerung dieses Planeten wäre Soma [Allen Kasten gemeinsam ist die Konditionierung auf eine permanente Befriedigung durch Konsum, Sex und die Droge Soma, die den Mitgliedern dieser Gesellschaft das Bedürfnis zum kritischen Denken und Hinterfragen ihrer Weltordnung nimmt. Die Regierung jener Welt bilden Kontrolleure, Alpha-Plus-Menschen, die von der Bevölkerung wie Idole verehrt werden. … ], das einzige, was sie tatsächlich glücklich machen würde. Alles andere ist (schöne) Illusion. …“

“ … Blom attestierte in seiner Rede, dass es in westlichen Ländern seit dem Ende des Totalitarismus keinen so weitreichenden und mächtigen Angriff auf die Aufklärung gegeben habe wie heute: „Die Aufklärung ist der Versuch, das kritische Denken und den Respekt vor Fakten höher zu achten als Meinungen, Vorurteile, Gefühle, Traditionen oder Dogmen. Dieses Prinzip ist plötzlich in die Defensive geraten“, erklärte Blom. …“ | Quelle: https://hpd.de/artikel/philipp-blom-bekenntnis-zur-aufklaerung-inzwischen-zur-phrase-verkommen-15826 (1. Aug 2018)

A.S. am 2. August 2018 – 14:22: “ … Das gilt nicht nur für die Ängste, auch für die Hoffnungen. Allgemein: Wer die Fantasien der Menschen steuern kann, kontrolliert die Menschen. Als da sind: Die Fantasie „Goldrausch“; die Fantasie: „Vom Tellerwäscher zum Millionär“; die Fantasie „ewiges Leben“; die Fantasie vom „Herrenvolk“; die Fantasie „Friede auf Erden durch Weltherrschaft Gottes“; die Fantasie vom „auserwählten Volk“; die Fantasie von „sozialer Gleichheit“; die Fantasie vom „besseren Leben in Europa“; … “ Quelle: https://hpd.de/comment/36133#comment-36133

lemonhorse / 7 August 2018 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #14… ]

Medusa (Franz von Stuck um 1892)

// Franz von Stuck (1863 – 1928)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Stuck

“ …[Medusa tötet. Wer es wagt, ihr ins Gesicht zu schauen und ihrem Blick zu begegnen, erstarrt zu Stein.] … Als Gorgoneion bezeichnet man das von Perseus der Gorgone Medusa abgeschlagene Haupt, daher auch Gorgonenhaupt oder Medusenhaupt genannt … Als Unheil abwehrendes magisches Schutz- und Schreckmittel (Apotropaion / Schreckbild) schmückt es mannigfach Waffen aller Art, Wagen, Schiffe, Pferdeschmuck, Städtemauern, Amulette, Gewänder, Möbel, Sarkophage usw. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Gorgoneion (4. Januar 2018)

— // “ … In „Der Saal“ behauptete der grichiche Autor Lukian von Samosata aus dem 2. Jahrhundert, es sei nicht der Blick der Gorgo oder irgendein Zauber gewesen, der den Betrachter in Stein verwandelt hätte, sondern ihre Schönheit […] Es gibt [in der Psychoanalyse den Ansatz, demzufolge] der schreckenerregende und destruktive Blick der Medusa die Sinnlosigkeit des Lebens offenbart. Um dieser Sinnlosigkeit – der „Medusa Wahrheit“ – zu entgehen, geben wir uns der lüge hin. Eine Figur in Jack Londons Roman „The Mutiny of Elsinore“ (1914) formuliert es so:

Der elementarste Instinkt des Menschen ist der Kampf gegen die Wahrheit; das heißt gegen die Realität. Von Kindesbeinen an weicht er den Tatsachen aus. Sein leben ist eine ständige Ausflucht. Was ihn am Leben hält, sind Wunder, Chimären, das Morgen. Er nährt sich von Fiktion und Mythos. [..] Der Mensch […] sieht sich zu ständiger Ausflucht genötigt und sucht sie in der Hoffnung, im Glauben, im Märchen, in der Kunst, in Gott, im Sozialismus, in der Unsterblichkeit, im Alkohol, in der Liebe. Von der Medusa-Wahrheit appelliert er an die Maya-Lüge [Illusion]

[…] Wer schaut, kontrolliert die Welt der spezifischen Szene. Wenn jedoch der Schauende beim Schauen von einem anderen angeschaut wird, dann wird er nicht nur zu einem Wesen An – und Für-sich, sondern zu einem verdinglichten Selbst für den anderen. In diesem Fall unterscheidet sich das Selbst, das dem Empfänger des Blicks gehört, von dem Selbst, das von dem anderen gesehen wird, und wie Hazel Barnes in „The Look of the Gorgon“ (1974) erklärt: „Der Blick des anderen offenbart mir, dass ich nicht allein in der Welt bin.“ Das mag in sich stimmig sein, bis mir klar wird, dass jetzt „die Welt nicht mehr meine Welt ist.“ – Kurz gesagt, der Blick des anderen kann „meine eigene, frei organisierte Welt“ verneinen und mich daher „permanent auf ein hartes, steinartiges Objekt reduzieren“. Die einzige Lösung für dieses Problem besteht darin, die eigene Existenz zu behaupten, indem man die sich selbst definierende Entscheidung trifft, den Anderen anzuschauen und damit [all] das zu neutralisieren, was vom lebensverneinenden Blick der Gorgo symbolisiert wird. Dies ist aus Sicht der Existenzialisten die einzig mögliche Rolle des entfremdeten Individuums der Post-Romantik. … Marx, Nietzsche, Freud, Jung, Satre – entkleideten den Medusa-Mythos seiner Magie, seines Aberglaubens … Für Nietzsche war der Kampf zwischen dem apollinischen und dem dionysischen Prinzip Realität. Für Freud und Jung waren die Macht des Unbewussten und der inneren Dämonen genauso real wie die Patienten auf ihrer Couch. …“ | Aus: Medusa – Die schreckliche Schöne“ David Leeming (Wagenbach, 2016) // —

Perseus and Phineas (Carracci and Domenichino – 1597 / 1604-1606), Rome | via

lemonhorse / 14 Juli 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Irrationalismus und das Romantische Erbe #3 … ]

“ … Alles Lebendige aber braucht eine schützende Atmosphäre, einen geheimnisvollen Dunstkreis und umhüllenden Wahn. Ein durch Wissenschaft beherrschtes Leben ist viel weniger Leben als eines, das nicht durch Wissen, sondern durch Instinkte und kräftige Wahnbilder beherrscht wird … So weit ich sehe, sind es zwei Irrtümer, die das denken Nietzsches verstören und ihm verhängnisvoll werden. Der erste ist eine völlige, man muss annehmen: geflissentliche Verkennung des Machtverhältnisses zwischen Instinkt und Intellekt auf erden, so, als sei dieser das gefährlich Dominierende, und höchste Notzeit sei es, den Instinkt von ihm zu retten. Wenn man bedenkt, wie völlig bei der großen Mehrzahl der Menschen der Wille, der Trieb, das Interesse den Intellekt, die Vernunft, das Rechtsgefühl beherrschen und niederhalten, so gewinnt die Meinung etwas Absurdes, man müsse den Intellekt überwinden durch den Instinkt. Nur historisch, aus einer philosophischen Augenblickssituation, als Korrektur rationalistischer Saturiertheit, ist diese Meinung zu erklären, und sofort bedarf sie der Gegenkorrektur. Als ob es nötig wäre, das Leben gegen den Geist zu verteidigen! Als ob die geringste Gefahr bestünde, dass es je zu geistig zugehen könnte auf Erden! Die einfachste Generosität sollte dazu anhalten, das schwache Flämmchen der Vernunft, des Geistes, der Gerechtigkeit zu hüten und zu schützen, statt sich auf die Seite der Macht und des instinkthaften Lebens zu schlagen und sich in einer korybantischen [ausgelassen, wild, zügellos] Überschätzung seiner „verneinten “ Seiten, des Verbrechens zu gefallen, – dessen Schwachsinn wir heutigen [1948] erlebt haben. … Der zweite von Nietzsches Irrtümern ist das ganz und gar falsche Verhältnis, in das er Leben und Moral zueinander bringt, wenn er sie als Gegensätze behandelt. Die Wahrheit ist, dass sie zusammengehören. … Nietzsche, fern allem Rassen-Antisemitismus, sieht allerdings im Judentum die Wiege des Christentums und in diesem mit Recht, aber mit Abscheu, dem Keim der Demokratie, der Französischen Revolution und der verhassten „modernen Ideen“, die sein schmetterndes Wort als Herdentier-Moral brandmarkt. „Krämer, Christen, Kühe, Weiber, Engländer und andere Demokraten“, sagt er, denn den Ursprung der „modernen Ideen“ sieht er in England (die Franzosen, meint er, wären nur Soldaten), und was er an diesen Ideen verachtet und verflucht, ist ihr Utilitarismus und Eudämonismus [ein Begriff der antiken Philosophie, der auf ein ausgeglichenes Gemüt durch Befolgung philosophischer Prinzipien der Ethik zielt], ihre Erhebung von Frieden und Erdenglück zu höchsten Wünschbarkeiten,- während auf solche gemeinen weichlichen werte der vornehme, der tragische, der heroische Mensch doch mit Füßen tritt. Dieser ist notwendig ein Krieger, hart gegen sich und andere, bereit zur Opferung seiner selbst und anderer. Was er dem Christentum vor allem zum Vorwurf macht, ist, dass er das Individuum zu solcher Wichtigkeit erhob, dass man es nicht mehr opfern konnte. Aber, sagt er, die Gattung bestehe nur durch Menschenopfer, und Christentum sei das Gegenprinzip gegen die Selektion. Es hat tatsächlich die Kraft, die Verantwortlichkeit, die hohe Pflicht, Menschen zu opfern, heruntergebracht und abgeschwächt und für Jahrtausende, bis zu Nietzsche hin, die Entstehung jener Energie der Größe verhindert, welche „durch Züchtung und andererseits durch Vernichtung von Millionen Missratener den zukünftigen Menschen gestaltet und nicht zugrunde geht an dem nie dagewesenen Leid, das er schafft.“ – Wer hat jüngst die Kraft zu dieser Verantwortung besessen, diese Größe frech sich zugemutet und die hohe Pflicht, Menschen hekatombenweise [Als Hekatombe bezeichnete man im antiken Griechenland ursprünglich ein Opfer von 100 Rindern.] zu opfern, ohne wanken erfüllt? Eine Crapule größenwahnsinniger Kleinbürger, bei deren Anblick Nietzsche sofort von schweren Migräne mit allen ihren Begleiterscheinungen befallen worden wäre. Er hat es nicht erlebt. …“ — Aus: „Thomas Mann / Vortrag – Nietzsches Philosophie im Lichte unserer Erfahrung“ (1948), Suhrkamp Verlag (Seite 23 u.ff.)

lemonhorse / 6 Juli 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

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