– „Miss Arizona“ (Regie Pál Sándor, Ungarn 1988): Budapest, 1919. Der Juwelier Stein wird von Spezialeinheiten zu Tode geprügelt, doch sie finden nicht, wonach sie suchen: Seine Diamanten. Seine unbeschwerte Frau, Mici, und ihr kleiner Sohn werden von dem Musiker Rozsnyai gerettet, und der kleinen Gruppe gelingt schließlich die Flucht nach Italien. Fast zehn Jahre später, nach der Entdeckung der kostbaren Steine, kehren sie nach Budapest zurück, wo sie einen Nachtclub kaufen und ihn unter dem Namen Arizona weltberühmt machen. Mici, alias Miss Arizona, glaubt nun alles regeln und lösen zu können. Doch düstere Zeiten brechen an, in denen weder Beziehungen noch Geld oder Schmuck etwas bedeuten. | Siehe auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Miss_Arizona_(1988_film) –
“ … Das Schicksal einer Tingeltangel-Sängerin (Hanna Schygulla) und eines Entertainers (Marcello Mastroianni) in Budapest vor dem politischen Hintergrund der Jahre 1920 bis 1945. Eine ausgefeilt komponierte Tragikomödie, die über die private Geschichte hinaus die Verfallserscheinungen der bürgerlichen Gesellschaft und das Erstarken des Faschismus nachzeichnet. Die verhalten-distanzierte Darstellung kann sich auf gute Darsteller und eine kluge Dramaturgie stützen, die weniger Anteilnahme als Analyse einfordert. …“ | Aus: „Miss Arizona, Tragikomödie | Ungarn/Italien 1987 | 119 Min., Regie: Pál Sándor“ | Quelle: https://www.filmdienst.de/film/details/64195/miss-arizona
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“ … Es war eine Enttäuschung für mich. Trotz der hervorragenden Besetzung und Crew. Ich war von Anfang an enttäuscht, als der Herbst 1920 mit dem Herbst 1944 vermischt wurde. Die Effekte und Akzente müssen zwar hervorgehoben werden, aber die Falschdarstellung ist widerlich – Budapest im Jahr 1920 war nicht dasselbe wie im Oktober 1944, die „Stein“-Leute wurden nicht hingerichtet – weder wegen ihrer Diamanten noch wegen ihrer Herkunft. Auch Italien im Jahr 1922 bekam gerade erst einen Vorgeschmack auf die Anfänge des Faschismus, doch auf dem Schiff schreien die Faschisten bereits in Uniform, unter dem Bild Mussolinis. Und so geht es weiter. In einem Film wie diesem wären historische Authentizität und faktische Genauigkeit wichtig. Ich fand ihn auch kitschig, obwohl ich Pál Sándors Filme im Allgemeinen mochte und viel von ihm erwartet hatte. …“ | crash48 2014 dec. 29. – 16:37:33 | „Téma: Miss Arizona“ | Quelle: https://port.hu/forum/miss-arizona/57929
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“ … Ungarn näherte sich ab 1933 unter Ministerpräsident Gyula Gömbös aufgrund wirtschaftlicher Krisen und revisionistischer Propaganda politisch immer mehr dem NS-Staat an. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ungarn
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“ … Das Jahr 1920 wies bereits viele Ähnlichkeiten zu 1944 auf. Rechtsextreme Partisanen wüteten damals schon im Land, und kurz darauf wurde der Numerus clausus verhängt, der die Möglichkeiten des Landes stark einschränkte und viele Genies zur Flucht zwang [„Das Gesetz XXV/1920, das so genannte Numerus Clausus-Gesetz, das von der ungarischen Nationalversammlung im September 1920 verabschiedet wurde, hat den zweifelhaften Verdienst, das erste antisemitische Gesetz der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gewesen zu sein….“ | Quelle: https://www.vwi.ac.at/index.php/forschung/forschungsschwerpunkte/abgeschlossene-projekte/der-numerus-clausus-in-ungarn]. Die Probleme begannen nicht erst im Herbst 1944, sondern waren im Jahr 1920 bereits in vollem Gange. Der Film Miss Arizona (1988) thematisiert ja genau diese Tatsache: Es begann nicht 1944, sondern es war ein Prozess, dessen Gefahren sich die Figuren im Film zu spät bewusst werden. Die Gefahren kamen ja nicht plötzlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel, sondern es war eine sich steigernde Entwicklung, welche viele nicht wahrhaben wollten. …“ | Sindelar (2023 jan. 22. – 03:28:45) „Téma: Miss Arizona“ | Quelle: https://port.hu/forum/miss-arizona/57929
Amor und Psyche – Illustriert von P. Thumann (Leipzig, Verlag Adolf Titze, 1882)
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“ … Am ehesten lässt sich Amor wohl als Gott des „Sich-Verliebens“ bezeichnen. Bewaffnet mit Pfeil und Bogen sorgt er dafür, dass zwischen zwei Menschen tiefe Gefühle entflammen. … Psyche, die jüngste (und selbstverständlich schönste) von drei Königstöchtern war so bildhübsch, dass sie sogar Venus in ihren Schatten stellte. Aus tiefster Wut und Eifersucht befiehlt sie ihrem Sohn Amor, mit einem seiner Pfeile dafür zu sorgen, dass sich Psyche in einen schlechten (und vorzugsweise hässlichen) Mann verliebt, im besten Fall sogar in ein schreckliches Ungeheuer. Doch wie es der Zufall – und jede gute Liebesgeschichte – will, erwischt sich Amor selbst mit genau diesem Pfeil, weshalb sich die beiden sofort Hals über Kopf ineinander verlieben. Amor und Psyche lassen nichts anbrennen und heiraten sofort – allerdings heimlich, da eine Verbindung zwischen einem Gott und einem Menschen für die Götter inakzeptabel ist. … Daraufhin bringt Amor seine Frau in ein abgelegenes, märchenhaftes Schloss, in dem er fortan mit ihr leben will. Lediglich ein Versprechen nimmt er ihr ab: Dass sie ihn nie zu sehen bekommen und auch nie versuchen würde, zu erfahren, wer er sei. Psyche willigt ein. … Die Geschichte von Amor und Psyche stammt ursprünglich aus dem Jahre 170 n. Chr. aus der Feder des Dichters Apuleius. Sie war seitdem Inspiration für viele Werke der Literatur, Musik und Bildenden Kunst. Auch einzelne Elemente der Erzählung, wie der mysteriöse Bräutigam, die bösen Schwestern oder die lebensbedrohlichen Prüfungen, wurden seitdem in zahlreichen Geschichten aufgegriffen. Dazu zählen Shakespeares Ein Sommernachtstraum sowie die Märchen Aschenputtel und Die Schöne und das Biest. Amor und Psyche werden zuweilen als der Romeo und die Julia der Antike bezeichnet und teilen sich damit wohl mit den beiden den ersten Platz um das Rennen des größten Liebespaares aller Zeiten. …“ | Aus: „Amor und seine Psyche“ Mici (Februar 2022) | Quelle: https://www.unique-online.de/amor-und-seine-psyche/11896/
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“ … Liebe, Begierde, Lust, diese ganz großen Gefühle eint alle, dass sie in der stofflichen Welt nicht überlebensfähig sind. Sie können nur im Moment existieren, ohne Zeit und Raum, oder im eigenen Kopf. Jeder Versuch, sie aus dem Jetzt oder der eigenen Fantasie zu heben, kann nur scheitern, denn alles, was außerhalb ist, beschränkt die Grenzenlosigkeit der Empfindung und verformt sie. Sie kann nur im eigenen Kopf frei sein, wo man im Moment verharren kann, ohne dass Zeit vergeht, ohne dass sich die Frage nach einem Wiedersehen an einem vollen Terminkalender abstößt. …“ | Aus: „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ Meike Stoverock (10.03.2025) | https://steady.page/de/frau-meike-meint/posts/ec74b80f-638a-4778-87bd-a9512aa8ac71 | Zu: „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ (Emily Atef, 2023) [„… Bei der internationalen Kritik stieß der Film auf gemischte bis negative Reaktionen. … Die Zeit listete den Film in einem Jahresrückblick als einen der schlechtesten des Kinojahres 2023. Besonders bemängelt wurden dabei die Sexszenen, die von der Rezensentin als „pornografisch“ und „lächerlich“ bezeichnet wurden. Andererseits schreibt der Fluxkompensator: „Die Vorstellung, dass auch weibliche Sexualität dunkle, aggressive und selbstzerstörerische Seiten haben kann, stößt auf einige Ablehnung, bis hin zum bizarren Vorwurf des Male gaze. Dabei sind gerade die Szenen der Zweisamkeit mit großer Feinfühligkeit inszeniert, wir sind ganz nahe an den Figuren, die wenigen Sätze sind genau platziert.“ …] | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Irgendwann_werden_wir_uns_alles_erz%C3%A4hlen
– KeKi (12. Juli 2025): “ … Diese Mischung aus Sexyness, Verletzlichkeit und Tiefe … Mich erinnert der Film an meine Sommer ’89 und ’90 im Osten, der Sommer brachte eine Leichtigkeit mit sich und doch war die Unsicherheit, was werden wird, damals an jeder Ecke im Dorf greifbar und auch diese heimlichen Liebeleien gab es – und wir Kinder waren mehrfach ungewollt Geheimnisträger dieser Liaisons und haben uns unseren Teil dabei gedacht. …“
Frans Masereel (1889-1972) Grafiker, Zeichner, Maler und Pazifist … Masereels Werke galten den Nationalsozialisten als „entartet“, und 1937 wurde im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ eine Vielzahl seiner Arbeiten nachweislich aus dem Städtischen Kunsthaus Bielefeld, dem Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, dem Schlesischen Museum der Bildenden Künste Breslau, der Städtischen Kunstsammlung Chemnitz, den Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf, der Städtischen Kunstsammlung Gelsenkirchen, dem Pfälzischen Gewerbemuseum Kaiserslautern, dem Städtischen Kunsthaus Kassel, dem Museum Behnhaus Lübeck, dem Städtischen Museum Mainz, der Städtischen Kunsthalle Mannheim und der Städtischen Bildergalerie Wuppertal-Elberfeld beschlagnahmt. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_Masereel (25. Januar 2026) –> http://masereel.org/werke/
… Die Komplizenschaft im Gewaltensemble zeigt sich in einer Stummheit … Wenn das vergesellschaftende Wie dunkel bleibt …
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„… Uns drängen sich Fragen auf, wenn wir lesen, Freuds Psychoanalyse sei in ihrer „eigentlichen Substanz soziologisch“ (Marcuse, Triebstrukturen und Gesellschaft, 1968), ohne dass durch eine vorabgegebene Klärung der unbewussten Strukturen selbst der Übergang in den Sozialbereich legitimiert worden wäre, wenn, anders ausgedrückt, das vergesellschaftende Wie dunkel bleibt und ungefragt vorausgesetzt wird; uns drängen sich Fragen auf […] wir werden rückfragen müssen, wenn die psychoanalytische Todestriebhypothese kurzerhand als ein Produkt bürgerlicher Ideologie verrechnet wird …“ | Aus: Hermann Lang – Die Sprache und das Unbewusste. Jacques Lacans Grundlegung der Psychoanalyse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973 (erneut 1986, 1993) [Lang studierte unter anderem bei Gadamer, Ricoeur und Lacan. 2019 starb Lang in Würzburg]
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“ … Auf den Bildern soll zu sehen sein, wie ein 25 Jahre alter Mann kurz vor der Kollision an Gleis 2 steht. In einiger Entfernung, ihm den Rücken zugewandt, wartet eine 18-jährige Frau auf die U-Bahn. Dann, so heißt es in Ermittlungskreisen, umklammert er sie und stürzt sich mit ihr auf das Gleisbett, als die U-Bahn einfährt. Beide versterben, bevor die Feuerwehr eintrifft. …“ | Aus: „Er riss sie auf das Bahngleis“ Christoph Heinemann und Tom Kroll, Hamburg (30. Januar 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/hamburg/2026-01/hamburg-wandsbek-u-bahn-mann-frau-mordkommission
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“ … Der Wunsch nach Vernichtung des Lebendigen kann sowohl auf das Subjekt selbst als auch auf andere Personen gerichtet sein. Im ersten Fall nimmt der Todestrieb die Form der Autoaggression oder der Regression an … Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Konzeption des Todestriebs spielte für Freud dabei die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, der ein bis dahin noch nie erlebtes Ausmaß an menschlicher Zerstörungslust offenbarte. Erich Fromm analysierte in seiner Schrift Anatomie der menschlichen Destruktivität (1973) unter anderem Adolf Hitler und Heinrich Himmler als „destruktive“, auf pathologische Weise vom Todestrieb beherrschte Charaktere. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Todestrieb (14. Dezember 2025) -.- “ … Die erste Drohne […] explodierte direkt neben dem Zug und brachte ihn zum Stehen. Die zweite Drohne traf eine Oberleitung, die dritte schlug direkt in einen Waggon mit 18 Personen ein. Einige konnten fliehen, andere starben, wieder andere gelten noch als vermisst. …“ | Aus: „In Stücke gerissene Leichen am Bahngleis“ | Von Juri Larin aus Charkiw [Aus dem Russischen Gaby Coldewey] (28.1.2026) | Quelle: https://taz.de/Russischer-Drohnenangriff-auf-Zug/!6149429/
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“ … Es könnte sich bei Putin um einen „inneren Vernichtungsdrang“ handeln, einen „Todestrieb“ – das Konzept hatte der Psychoanalytiker Sigmund Freud bekannt gemacht. … Russland wolle ein mächtiger Pol in der Welt sein, doch es gelinge ihm nicht, ein „erfolgreiches politisches Modell zu schaffen, dem sich andere anschließen würden“. Nun habe es also „nichts anderes zu bieten, als jeden in seine eigenen Tiefen zu ziehen“ – ein Todestrieb eben, schlussfolgert Pomerantsev. … “ | Aus: „Russland-Experte attestiert Putin einen tiefen „Todestrieb““ (13.06.2023) | Quelle: https://www.merkur.de/politik/wladimir-putin-psychologie-persoenlichkeit-motive-analyse-todestrieb-sigmund-freud-peter-pomerantsev-92336320.html -.-
Nach dem Lesen der obigen Artikel, die den „death drive“ plastisch werden lassen, schaute ich eine Zeitlang in ein geisterhaftes Nirgendwo. Es gibt mittlerweile so viele Artikel dieser Art (die von einer primitiven und absurd anmutender Brutalität erzählen). Einige Präsidenten und Staatsoberhäupter erscheinen mir vor dem inneren Auge in ihrer Gewaltlust fast austauschbar (als müssten sie alle ein dunkles Muster zwanghaft wiederholen). Erleben wir gerade einen globalen Rückfall, eine Vitalisierung des Todestriebs? Wie könnte der Rückfall in Wahn und Elend später in der Rückschau genannt werden? – Die Gegenwart wird durchzogen von seelisch schwarzem Wasser. Ich denke an das schreiende Unglück der Menschen, die der Krieg widerfährt. Warum stocke ich gerade diesmal bei dieser Art von Artikeln, die zeigen wie Absurdität und Gewalt sich steigern? Darf ich überhaupt darüber nachsinnen, während ich mir einen Kaffee aufsetze (es bleibt so vieles am eigenen Leben grotesk und rätselhaft – darum besser schweigen?) – Warum stocke ich, warum stockt etwas in mir, bei den obigen Artikeln? – Weil wieder eine oder mehrere zivilisatorische Schichten durchstochen wurden? – Weil sie von jedem von uns dokumentieren wie entbehrlich und ungeschützt wir sind? – Ist es nicht so, dass ich selber gerne mit dem Zug fahre, atme, lebe? – Ich glaube, ich wollte diesmal nicht in diese Wortlosigkeit fallen. Ich wollte diesmal nicht darüber hinweggehen, ich wollte innehalten. Sagte mir: Nun sieh es Dir an! Lass es wirken auf dein inneres Leben. War das nicht oft das Problem gewesen? – Die Wortlosigkeit zwischen den Generationen, die kalkulierte Kühle zwischen den Menschen (gerade in Deutschland)? Sind wir schweigsam, weil „wir“ (weil ich) für diese extreme Form von absurder Grausamkeit keine sinnvollen Sätze bilden können? (Weil die Absurdität uns übersteigt?) – Wie die eigene Naivität, die eigene Dummheit (Dunkelheit) beenden, die wie Nebelschwaden der Indifferenz an der Seele haften? – Wie könnte ich die Nadel von der Platte der Wortlosigkeit, der Überforderung nehmen, die durch einen Kratzer immer wieder in die gleiche Rille springt? – Ich erinnerte mich an DADA als eine Revolte gegen die falsche Moral und gegen die große Politik, die man mit Verstand nicht mehr fassen konnte [die Werke der Dadaisten sollten eine künstlerische Antwort auf das irrationale Abschlachten des [1. Welt-] Krieges sein.] | Quelle: „Dada – eine Antwort auf den Krieg“ von Sabine Oelze und Benjamin Wirtz (2016) | Quelle: https://www.dw.com/downloads/30109427/nachrichten-mit-vokabeln-20160209-dada-eine-antwort-auf-den-krieg.pdf | … Aber heute (2026) kann DADA nicht mehr eine Antwort auf den Krieg (auf den death drive) sein. Die Karte wurde ausgespielt. Es scheint mir als wäre DADA bereits vergilbt und unleserlich geworden. Die multimediale Öffentlichkeit ist heute eine Andere.
-.- Ich denke an den Film „Le Train“ mit Jean-Louis Trintignant und Romy Schneider. „Le Train“ stellt präzise und fast universell Fragen zum Krieg (und seiner Absurdität). Konkret werden in „Le Train“die Fragen an den Radiomechaniker Julien Maroyeur („einen ganz gewöhnlichen“ Mann) gestellt – ein Mann, der Zeit braucht, um seine Antwort zu finden – wohl auch in Stellvertretung für die Filmzuschauer: “ … „Le Train – Nur ein Hauch von Glück“ (Frankreich | Italien, 1973) entstand unter der Regie von Pierre Granier-Deferre nach dem Roman des belgischen Schriftstellers Georges Simenon. … [Der Film] entlarvt sich nie als ein Beitrag der falschen Untertöne und erspart sich unangebrachte melodramatische Anflüge, oder gar den Zeigefinger zu erheben. … “ | https://www.italo-cinema.de/item/le-train-nur-ein-hauch-von-glueck | https://de.wikipedia.org/wiki/Le_Train_%E2%80%93_Nur_ein_Hauch_von_Gl%C3%BCck
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– Jean-Louis Trintignant als Radiomechaniker Julien Maroyeur
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Ich denke an einen Text von Christina Thürmer-Rohr: “ … [»Die Stummheit der Gewalt und die Zerstörung des Dialogs«]: … Gewalt verletzt den Anspruch auf eine dialogische Existenz … Diese Möglichkeit [der dialogische Existenz] wird mit jedem Akt der Gewalt verweigert oder verworfen. … Gewalt definiert sich nicht nur über die einzelnen Gewalttaten und -täter, sondern ebenso über ihren Kontext, ihre Unterstützung und Duldung. Die Komplizenschaft im Gewaltensemble bedeutet nicht nur Zugehörigkeit zum Ensemble der Schadensanrichter, sondern zum Ensemble der Dialogzerstörer. Duldung von Gewalt ist gleichbedeutend mit der Stärkung eines monologischen Prinzips … Die Komplizenschaft im Gewaltensemble zeigt sich in einer Stummheit, die sich wie eine Epidemie addierter Monologe ausbreitet. …“ | Quelle: »Die Stummheit der Gewalt und die Zerstörung des Dialogs« (UTOPIE kreativ, S. 773-780, 2002) | Aber auch hier wird etwas ausgesprochen, was längst bekannt ist. Es spricht etwas aus, dass immer wieder übergangen werden kann (und immer wieder übergangen wird) – der Todestrieb verachtet Argumente, Diskussionen, das Miteinander (und gefällt sich in einem Eigenrausch – in der zerstörerischen Raserei).
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Ich frage mich, wie und wo sich die Dinge des Lebens niederschlagen werden. Wie wird später der death drive der jetzigen Welt erzählt werden? – Wie wird erzählt werden, was wir gerade erleben? – Wie wird es erzählt werden in der Rückblende, in der Rückschau? – – – „… An der Auseinandersetzung zwischen den kriegskritischen Positionen um Remarque und den radikalnationalistischen Texten um 1929/30 kann schließlich abgelesen werden, daß die symbolische Neuordnung im literarischen Feld die spätere politische Entwicklung vorweggenommen hat. … [„…Ähnlich wie auch in der zeitgenössischen Malerei, bei George Grosz und Otto Dix, kulminiert die literarische Darstellung während und nach dem Ersten Weltkrieg in der Beschreibung von Kriegskrüppeln oder Wahnsinnigen. …“] …“ | Zu „Imaginäre Schlachtfelder“ – Kriegsliteratur in der Weimarer Republik – Eine literatursoziologische Untersuchung, Jörg Friedrich Vollmer, Erscheinungsjahr 2003 | Quelle: https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/9872 // Notiz / Verweis: Erich Maria Remarque (1898 – 1970) war ein deutscher Schriftsteller. Er wurde mit dem 1928 erstmals erschienenen, zuerst 1930 in Hollywood verfilmten Antikriegsroman Im Westen nichts Neues weltberühmt. … Im NS-Staat wurden seine Bücher verboten und 1933 öffentlich verbrannt. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. …–> https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Maria_Remarque
“ … [Von] mehreren US-Medien analysierten und verifizierten Handyvideos zeigen Pretti mit einem Mobiltelefon in der Hand, während er den Einsatz filmte und eine Frau vor den Einsatzkräften der Border Patrol schützte. In keiner der Aufnahmen ist eine Waffe in seiner Hand zu erkennen. Der Polizeichef von Minneapolis bestätigte, dass Pretti eine legale Waffenerlaubnis besaß und keine Vorstrafen hatte. Nach Angaben von NPR gibt es bislang keine unabhängig verifizierten Hinweise darauf, dass Pretti seine Waffe zu irgendeinem Zeitpunkt gezogen oder auf jemanden gerichtet hätte. Im Widerspruch zu diesen Videoaufnahmen behaupten die US-Behörden, Pretti habe sich den Einsatzkräften mit einer Waffe genähert. Die Schüsse seien in Notwehr gefallen. Stephen Miller, Vizestabschef des Weißen Hauses, bezeichnete Pretti bereits wenige Stunden nach dessen Tötung als „Terroristen“. …“ | Aus: „Schwester von Alex Pretti wehrt sich gegen Falschdarstellungen“ (27. Januar 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-01/usa-minneapolis-grenzschutz-alex-pretti-schwester | [Tötung von Alex Pretti | -> https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%B6tung_von_Alex_Pretti // https://de.wikipedia.org/wiki/Victim_blaming]
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“ … Ohne Videomaterial wäre George Floyds Tötung vermutlich nicht als solche verfolgt worden. Ohne Videomaterial wäre nicht sichtbar, dass die von einem ICE-Agenten in ihrem Auto erschossene Renée Good keinen seiner Kollegen zuvor angefahren hatte und er [nicht] aus Selbstverteidigung schoss. [Durch …] Videomaterial [… wurde klar …], dass Alex Pretti … kaltblütig hingerichtet wurde. … [Die ICE-Agenten nahmen ihm die Waffe ab, und schossen danach. Ohne Videomaterial hätte ICE das vertuschen können] … Wie wichtig es ist, dass Menschen filmen, wenn sie von staatlichen Stellen ausgeübte Gewalt sehen, wird derzeit während der brutalen ICE-Einsätze und der Proteste in Minneapolis klar. …“ | Aus: „Die Kamera als Waffe“ Valérie Catil (27.1.2026) | Quelle: https://taz.de/Ermordung-von-Alex-Pretti-in-Minneapolis/!6148632/
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– 18. Jan. 2026, 10:32: “ … Ein Bild für die Geschichtsbücher: Der Fotograf John Abernathy dokumentierte in Minnesota einen Protest, als er plötzlich von ICE-Beamten angegriffen wurde. Um die Aufnahmen vor der Beschlagnahmung zu retten, warf er seine Kamera geistesgegenwärtig einem Kollegen zu. …“ | Quelle: https://mastodon.social/@afisch/115915409045197767
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“ … Abernathy was shot with crowd-control munitions, subjected to intense tear gas and deliberately pepper-sprayed as federal officers detained and ultimately arrested him while he documented protests in the Minneapolis suburb of Fort Snelling, Minnesota, on Jan. 15, 2026. …“ | From: „Photographer arrested, pepper-sprayed and tear-gassed by federal officers …“ Date of incident (January 15, 2026) | Source: https://pressfreedomtracker.us/all-incidents/photographer-arrested-pepper-sprayed-and-tear-gassed-by-federal-officers/
John Abernathy – Documentary Photographer: I am a documentary photographer based in Minneapolis. My work focuses on public space and power, photographing from inside moments as they unfold. This work is made from within unfolding events. | https://www.abernathyphoto.com/
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Kontext #1
Hummus (26.01.2025): “ … [Sie werden morgens auf dem Weg zur Arbeit festgenommen, von maskierten Männern nachts aus dem Bett gerissen oder plötzlich beim Einkaufen in große Autos mit schwarz getönten Scheiben gezerrt: Seit dem zweiten Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump geht die US-Einwanderungsbehörde ICE immer brutaler gegen Migranten vor. Die Tötung der US-Staatsbürger Renee Good und Alex Pretti durch Bundesbeamte in Minneapolis war deren jüngste Eskalation. Mit den 75 Milliarden US-Dollar, die ICE bis 2029 zur Verfügung hat, stellt die Behörde Tausende neue Mitarbeiter ein (und zahlt ihnen Boni von bis zu 50.000 Dollar), lässt neue Haftanstalten bauen oder alte wiedereröffnen. 65.000 Menschen sollen sich derzeit in Abschiebehaft befinden, ein Anstieg von fast 70 Prozent seit Januar vergangenen Jahres. … Die US-Einwanderungsbehörde ICE hält so viele Menschen fest wie noch nie. Die brutale Migrationspolitik ist zu einem guten Geschäft geworden.] …
Also ein wilder Mix aus Faschismus und Wilder-Westen mit Bountyhunter privaten Gefängnissen und Oligarchen. Voll der Fiebertraum. Und eine Prise Blade Runner. …“ -.- Joe Shmoe (26.01.2026): “ … Das Schweigen Deutschland wird unerträglich laut. … Deutschland hat selbst Erfahrungen mit SA Truppen gemacht, das ist noch keine 100 Jahre her, und schweigt. Gerade unsere Vergangenheit sollte uns Verpflichtung sein … Das sind wir nicht nur den Amerikanern schuldig, sondern der Geschichte und damit letztendlich uns selbst. …“ -.- Eichelhäher: “ … Die Gemeinsamkeiten deutscher und amerikanischer Prioritäten in der Politik kann jeder, der es will, sehen: Abschiebungen. …“ -.- Gevau (26.01.2026): “ … Die feuchten Träume der AfD-Extremisten gehen in Erfüllung. Ausgerechnet im ,Land of the free‘. .. [„Die AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag verschärft ihren Kurs: Zum Abschluss ihrer Klausurtagung in Oberbayern forderte sie eine Sonderpolizei zur schnelleren Aufgreifung und Abschiebung von ausreisepflichtigen Zuwanderern – nach dem Vorbild der USA.“ | Quelle: „AfD-Fraktion will Abschiebe-Polizei nach Trumps Vorbild ICE“ Christoph Dicke (BR24 Radio am, 23.01.2026) | Quelle: https://www.br.de/nachrichten/bayern/afd-fraktion-will-abschiebe-polizei-nach-trumps-vorbild-ice,V995hdW] …“ -.- Matthias Koch (26.01.2026): “ … Faschismus ist kein Betriebsunfall der Geschichte, er ist ihr Geschäftsmodell – immer dann, wenn Demokratie die Profite stört. Ohne das große Kapital gibt es keinen Faschismus. … Was in der US-Migrationspolitik geschieht, ist keine „harte Linie“, sondern eine industrialisierte Menschenjagd mit Bilanzkennzahlen. Verhaftungen werden zu Umsatztreibern, Abschiebungen zu Wachstumsstrategien, Haftplätze zu Renditeobjekten. Der Staat stellt die Gewalt, Konzerne liefern Software, Gefängnisse, Flugzeuge und Propaganda – und alle nennen es „Effizienz“. Das ist kein Ausrutscher, das ist Systemlogik. Autoritäre Politik schafft den Ausnahmezustand, das Kapital monetarisiert ihn. Menschenrechte werden zur lästigen Variable, die man aus der Excel-Tabelle streicht. Wer heute einsperrt, überwacht und deportiert, tut es nicht trotz, sondern wegen der Profitaussichten. Die immer gleiche Lüge lautet: Das habe nichts mit Faschismus zu tun, das sei Pragmatismus. In Wahrheit ist es Klassenpolitik mit Schlagstock und Algorithmus. Wenn Freiheit Kosten verursacht, wird sie abgeschafft. Wenn Angst Gewinne bringt, wird sie produziert. Faschismus trägt heute keinen Stahlhelm mehr. Er trägt Anzug, spricht von „Sicherheit“ und „Ordnung“ – und unterschreibt Verträge. Und solange sich Entrechtung rechnet, wird er nicht bekämpft, sondern finanziert. …“ -.- Mit Verlaub1 (26.01.2026): “ … Um den Profit zu steigern könnte man ja vielleich noch Formate a la Running Man ins Programm aufnehmen. … [Einschub: Menschenjagd ist ein Roman des US-amerikanischen Autors Stephen King, der als vierter Roman unter Kings Pseudonym „Richard Bachman“ herausgegeben wurde. Veröffentlicht wurde er durch den NAL-Verlag im Jahre 1982. … Der Roman spielt in einer nahen Zukunft – dem Jahre 2025 – und handelt von dem arbeitslosen Familienvater Benjamin Stuart Richards, der mit seiner Frau Sheila Catherine und seiner schwerkranken Tochter Catherine Sarah in der sogenannten Co-op-City, einer Slum-ähnlichen Wohnsiedlung, wohnt. Die Regierung und die öffentlichen Fernsehanstalten haben sich zu großen Allianzen zusammengefunden, Demokratie findet faktisch nicht mehr statt, und die Großstädte sind infolge der jahrelangen Misswirtschaft total verseucht. Im Fernsehen des Jahres 2025 finden makabere Gameshows statt. Mit Spielen wie „Tretmühle zum Reichtum“, an denen nur chronisch Herz-, Leber- oder Lungenkranke teilnehmen können, werden die Zuschauer unterhalten. Populärste Show des Jahres 2025 ist die Spielshow „Menschenjagd“ („Running Man“), in der Zuschauer und zu der Fernsehanstalt gehörige Jäger einen jeweiligen Kandidaten jagen und möglichst medienwirksam zu töten versuchen. Hierbei kommen oft nichtbeteiligte Personen zu Schaden. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Menschenjagd_(Roman) || Running Man ist ein US-amerikanischer Spielfilm frei nach Stephen Kings Roman Menschenjagd. Der Film hatte am 13. November 1987 Premiere in den USA und lief am 30. Juni 1988 in den westdeutschen Kinos an. … „Running Man ist nette Action-Unterhaltung […] Zweifelsohne hätte das Szenario allerdings mehr hergegeben. Diese Science-Fiction-Action mit mehr Gesellschaftskritik anzureichern, hätte dem Film gut getan. Jedoch kommt diese nur ganz am Rande vor und tritt im gesamten Mittelteil praktisch gar nicht auf. … Der Ausgang der Jagd ist gleichsam vorhersehbar, wie ausgezeichnet inszeniert.“ – Stefan Ludwig … Trivia: … Dweezil Zappas Charakter Stevie trägt im Film ein rotes Barett der Bundeswehr mit dem Abzeichen der Heeresflieger.| https://de.wikipedia.org/wiki/Running_Man | “ … The contestants are called “runners” and they are hunted by the “stalkers”, professional athletes who are beloved by the public for killing people who have been labeled criminals by their tyrannical government. …“ | https://bloody-disgusting.com/editorials/3471051/rerun-30-years-running-man/] …“ | [ … „Das Millionenspiel ist ein deutscher Fernsehfilm aus dem Jahre 1970 von Tom Toelle und wurde erstmals am 18. Oktober 1970 von der ARD ausgestrahlt. Das Drehbuch dazu verfasste Wolfgang Menge, der dafür die Kurzgeschichte The Prize of Peril des US-amerikanischen Schriftstellers Robert Sheckley adaptierte. In der Mockumentary geht es um eine Fernsehshow, in der ein Kandidat eine Woche lang vor Auftragskillern flüchten muss. Die Bevölkerung ist dabei ausdrücklich dazu aufgerufen, ihm entweder zu helfen oder ihn auffliegen zu lassen. … Der Film nahm inhaltlich viele in Deutschland erst später erfolgte Medien-Entwicklungen vorweg, z. B. Privatfernsehen, Quotenjagd, Reality-TV, Werbeunterbrechung … Ihren Höhepunkt findet diese Entwicklung vor allem in der „Berichterstattung“ des Thilo Uhlenhorst und seines Außenreporterteams (ebenfalls dargestellt von bekannten Fernseh- und Sportreportern), in der die Menschenjagd wie eine Sportveranstaltung kommentiert wird. … In dem Mockumentary-Thriller Strafpark von Regisseur Peter Watkins von 1971 werden Strafgefangene dazu verurteilt, in einer verlassenen Wüste innerhalb von drei Tagen eine Wegstrecke von 80 Kilometern zu Fuß zurückzulegen, um eine in der Einöde aufgestellte amerikanische Flagge zu erreichen und somit ihre Freiheit zu erlangen. Während des Fußmarschs werden die Verurteilten von bewaffneten Polizisten und Soldaten gejagt. … Die US-Filmreihe Die Tribute von Panem (2012–2015), auch als „Die Hungerspiele“ bekannt, hat ebenso ein Spiel um Leben und Tod mit zugeschalteten Zuschauern zum Thema. … Die südkoreanische Serie Squid Game von 2021, in der verschuldete Kandidaten gegeneinander um ihr Leben und ein hohes Preisgeld spielen müssen, war sozialkritisch angelegt, aber wegen der Brutalität der Darstellungen umstritten.“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Millionenspiel | “ … Wer die Frage stellen möchte, ob die von „Das Millionenspiel“ (D 1970) geäußerte Medienkritik nun subtil sei, der sollte sich vielleicht im zweiten Schritt selbst die Frage stellen, wie weit das fiktive Szenario des Films von unserer reellen privatwirtschaftlich organisierten Unterhaltungsindustrie noch entfernt ist? Die Antwort darauf fällt zwangsläufig schockierend aus. Und das quotenorientierte Denken eines politischen Systems, das kaltschnäuzig dazu bereit ist, allein für den Profit über Menschenleben zu gehen, klopft in seiner ganzen Bestialität doch schon längst an unsere medialen Pforten. … Herzstück der abartigen Samstagabendzeremonie ist Thilo Uhlenhorst (Dieter Thomas Heck), der seinen Beruf, wie alle Beteiligten, bar jeder Moral ansiedelt und all das gestelzte Showmastertum als Klebstoff der Geschichte fungieren lässt. … „Das Millionenspiel“ ist seiner Zeit offensichtlich weit voraus gewesen und hat inhaltlich nichts an seiner besorgniserregenden Aktualität eingebüßt – Ganz im Gegenteil. Hoch lebe der Voyeurismus. …“ | Quelle: https://www.moviebreak.de/film/das-millionenspiel-1] -.- Kontexte & Kommentare zu: „US-Migrationspolitik: Diese Unternehmen profitieren von Donald Trumps Abschiebepolitik“ David Rech und Jona Spreter, Portland (26. Januar 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-01/us-migrationspolitik-ice-donald-trump-unternehmen
…
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Kontext #2
“ … Die USA waren nach 1945 das Über-Ich der Bundesrepublik. … Die deutsche Kultur, Politik und Gesellschaft sind stärker als die anderer europäischer Länder in den vergangenen 80 Jahren von den USA geprägt worden. Die US-Popkultur erschien vielen nach 1945 Geborenen als Ersatz für die im NS-Terror zugrunde gegangen nationale Identität. …“ | Aus: „Deutschland und die USA: Der lange Abschied von Amerika“ Essay von Stefan Reinecke (25.1.2026) | https://taz.de/Deutschland-und-die-USA/!6144361 | Kontext #2A –> [Kulturelles Unterbewusstsein #10 … ] –> https://www.subf.net/fraktallog/?p=24387
Kontext #2B –> [“ … Zum Über-Ich gehören die Funktionen der kritischen Selbstbeobachtung, des Gewissens und der Ideale. Es ist Träger des Ich-Ideals und versucht dessen Ansprüche nach Vollkommenheit zu erfüllen. Große Teile des Über-Ichs sind dauerhaft unbewusst. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturmodell_der_Psyche#%C3%9Cber-Ich]
Wenn ich die Ringstraße entlangfahre und die jetzige Club 68 Hausfassade auf mich wirken lasse, erinnert mich das Gesehene (das Haus) an einen bereits toten Zahn, der noch nicht ausgefallen ist.
Als Kleinkind bin ich „im Club“ die Holztreppe auf allen vieren hoch – und runter geklettert. Als Student habe ich ein paar Monate die „Kellnerschicht oben“ übernommen (als Nils und Norbert noch lebten) – es war in der Zeit, als „die Küche noch lange auf“ hatte – und ich auf der Karte das „Zitronenhuhn“ bevorzugte (mir das Gericht aber im Grunde nicht leisten konnte – und so meistens am Ende der Schicht, der Vernunft folgend, den überbackenen Spinat mit Baguette nahm).
Im Jahr 2013 zeigten wir „im Club“ den Film „Neila“ (Kiel, Super8, 2009). Im Film gibt es eine Szene, eine Kameraeinstellung, die einen Mann zeigt, der im Club 68 sitzt, und noch etwas trinkt, bevor er an die Kieler Förde fährt. Dort soll ihn – dem Plan nach – ein Ufo abholen.
… Die Grenze zwischen Filmmythos und echtem Leben war unscharf (Aus „La Vérité“ (1960), Wikipedia) … die Göttin der Sorglosigkeit lebt hier nicht mehr … von der Brigitte-Bardot-Welt zu träumen, war viel schöner, als mit ihr ernsthaft in Berührung zu kommen. … (Georg Seeßlen) -.-
-.- “ … Der Vatikan nannte sie zwischenzeitlich „Inkarnation der Sünde“ …“ Stefan Brändle aus Paris (28. Dezember 2025) | Quelle: https://www.derstandard.de/story/3000000302192/franzoesischer-filmstar-brigitte-bardot-mit-91-jahren-gestorben -.- Peer der Wallone: „… Brigitte Bardot und der Vatikan – [Sie] wurde übrigens am 27. September 1995 im Vatikan von Pabst Johannes Paul dem II empfangen. … [Es sah damals] so aus, als [würden] die beiden gut miteinander klar kommen :-). Ist ja auch viel Wasser seit dem Film „Et Dieu créa la femme“ von 1956 den Tiber runter geflossen. …“ -.- Franz Klug: “ … Schade, dass Brigitte Bardot bei uns nur auf die sexist Frau alive reduziert wurde. …“ | [ Bardot galt besonders in den 1950er und 1960er Jahren als internationales Sexsymbol. Meistens wurde sie als hedonistische, sexuell freizügige und selbstbewusste Schönheit besetzt und prägte damit im Kino einen neuen Frauentyp in der Anfangszeit der Sexuellen Revolution [https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Revolution]. — Brigitte Bardot Filmografie –> https://de.wikipedia.org/wiki/Brigitte_Bardot#Filmografie]
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“ … „Die Wahrheit“ … Dunkler Moralkrimi mit überlebensgroßer BB … 1960: Brigitte Bardot soll für ihren sündigen Lebenswandel verurteilt werden. Die hübsche Dominique (Brigitte Bardot) steht vor Gericht: Die junge Frau soll ihren Liebhaber, den Musikstudenten Gilbert (Sami Frey) ermordet haben. Schnell wird klar: Der konservative Staatsanwalt will Dominique vor allem für ihren in seinen Augen unmoralischen Lebenswandel verurteilen. Viele Zeugenaussagen lassen das facettenreiche Bild einer lebenshungrigen Frau entstehen, die der Provinz nach Paris entfloh und hier vor allem Männerbekanntschaften suchte… Selten wurde eine Schauspielerin so mit ihrer Rolle identifiziert wie BB in diesem Film. Regisseur Clouzot („Lohn der Angst“) nutzte ihr Luder-Image, um wie ein Prophet der 68er-Revolte die moralischen Konflikte seines Landes auszuleuchten. …“ | Quelle: https://www.cinema.de/film/die-wahrheit,1332370.html
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– “ … La Vérité (1960) … Jahrzehnte später erklärte [ ] Bardot, von all ihren Rollen sei ihr die in Die Wahrheit die liebste gewesen. … Clouzot hat darauf hingewiesen, dass ihn reale Gerichtsverhandlungen, die er zum Teil selbst besucht hatte, zur Thematik seines Films angeregt hatten. … Die Grenze zwischen Filmmythos und echtem Leben war unscharf. Während der Dreharbeiten kursierten Gerüchte über Liebesaffären zwischen Bardot und Frey sowie Bardot und Clouzot. Die Presse brachte Bardots launenhaftes Verhalten immer wieder mit ihren Suizidversuchen in Verbindung. Bardot wurde von Paparazzi gejagt und fühlte sich gehetzt. Als Clouzot sie nach den Dreharbeiten wieder traf, erschien sie ihm sehr bedrückt. Einige Tage später, an ihrem Geburtstag am 28. September 1960, schnitt sie sich die Pulsadern auf. Sie schwebte mehrere Tage lang in Lebensgefahr. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wahrheit_(Film) (28. Dezember 2025) -.- “ … Film-Ikone Brigitte Bardot … [ihre] Karriere ist untrennbar mit dem Aufstieg des modernen Starkults verbunden. … “ | Aus: „Film-Ikone Brigitte Bardot ist tot – ihr Vermögen soll ihr Lebenswerk sichern“ Moritz Bletzinger (29.12.2025) | https://www.merkur.de/welt/ist-tot-filmstar-brigitte-bardot-zr-94100270.html -.- “ … Der französische Präsident würdigte sie [ ] als „eine Legende des Jahrhunderts“ …“ | Quelle: https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_101060294/emmanuel-macron-reagiert-auf-den-tod-von-brigitte-bardot-und-nimmt-abschied.html -.- “ … Bardot, das wohl erste globale Sexsymbol [eine Projektionsfläche für männliche Phantasmen], empfindet ihr Leben als nicht besonders glücklich. Der Ruhm, ihre Prominenz hätten sie beinahe zerstört. … Ist es absurd, eine Frau zu bedauern, weil ihr die Welt zu Füßen lag und sie damit nicht fertigwurde? … Der Fall Bardot ist auch interessant in einer Zeit, in der beinahe kein Tag vergeht, ohne dass Frauen und insbesondere Schauspielerinnen auf die Nebenwirkungen hinweisen, die das Frausein mit sich bringen kann. … Für ihr Publikum, vielleicht auch für ihre Regisseure, war sie immer mehr Frau als Schauspielerin, egal ob sie mit Louis Malle drehte oder mit Godard. … Dem Mythos Bardot jedenfalls setzte Brigitte selbst mit 38 Jahren ein Ende; als sie entschied, von nun an kein Star mehr sein zu wollen, keine Filme mehr zu drehen. Diese Welt sei unendlich leer gewesen, sagt sie … Bardot versteigerte die Häuser und Autos, den Schmuck ihres Exmanns Gunter Sachs und das Brautkleid, in dem sie, 18-jährig, Roger Vadim ehelichte. Mit dem Geld gründete sie ihre Stiftung, für die „Rettung der Tiere in aller Welt“, wie es im Statut heißt. Seitdem kämpft sie gegen Robbenjagd und grausame Schlachtmethoden, und sie begann damit zu einer Zeit, in der das als bestenfalls exzentrisch galt. … “ | Aus: „Das Rätsel BB“ Julia Amalia Heyer (11.03.2018) | Quelle: https://www.spiegel.de/spiegel/bigitte-bardot-vom-filmstar-zur-tierschuetzerin-a-1197388.html -.- Meinungshaber, 28.12.2025: “ … Sie war eine großartige Frau mit Prinzipien. Schön, klug, eine wahrhaftige Französin. Wie auch France Gall, sah sie gestern in einer herrlichen Schlagerhistoriesendung im Fernsehen, mit ihrem Lied „Drei Apfelsinen im Haar“, sehr süss dieses Video aus den 60er Jahren, wunderbar heimatlich und natürlich. ..“ – Fri K.: “ … Diese Frau würde von Muslimen mit der Todesstrafe bedacht werde, allein wegen ihrer Filme, Kleidung und Benehmen: Sie ist genau das Gegenprogramm gegen woke Feministinnen und grünes Gendern: Selbstbewusste Frau, die bei „Komplimenten“ und Avancen weiß, wie sie damit umgeht. Chapeau! …“ – Udo D.: “ … „wegen Anstiftung zum Rassenhass belangt!“ Welch ein Abschluss für einen Nachruf. Welch eine Anerkennung sozialer Leistung, eines Lebenswerkes, welch ei Taktgefühl der/des/quer Verfassers/:in! Geht wohl nicht ohne! Schamlos!! …“
„Die Ikone selbstbewusster Weiblichkeit“ (28. Dezember 2025) Brigitte Bardot begründete ein neues Frauenbild – und zog sich jung aus der Öffentlichkeit zurück. Nun ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben. Ein Rückblick in Bildern… https://www.zeit.de/kultur/film/2025-12/brigitte-bardot-schauspielerin-saengerin-fotomodell-fs -.- Randolf K: Eine ziemlich heftige Rassistin und Sexistin ist von uns gegangen. Dass dies in der gutbürgerlichen ZEIT keine Erwähnung findet überrascht nicht. -.- Hatzerim: … Erleichtern Sie sich an der zukünftigen Grabstätte. Es wird Ihnen hoffentlich Genugtuung bringen. -.- Leben in Lee @ Randolf K:: Sie könnten bei einer Ausnahmeerscheinung wie Bardot eigentlich zwischen ihrer beispiellosen Karriere und späteren Abschweifungen unterscheiden und im Moment des Todes Respekt vor ihrer Leistung … zeigen. Aber nein, Sie müssen die angekratzte andere Seite der Medaille prominent ins Licht rücken. Enttäuschend. -.- Mollmoll: Als Schwarzer stellt sich mir (leider?) nicht die Frage, welchen Aspekt ihres Lebens ich in den Vordergrund stellen möchte. -.- Leben in Lee: Antwort auf @Talano068: … Heute Respekt, ab morgen meinetwegen kritisieren. Der Hauptkommentar hält diese Reihenfolge nicht ein. -.- One-Republic: Nicht zu vergessen, dass sie unter anderem auch Klassistin war, wo sie gegen Obdachlose hetzte. Die Frau war einfach schlecht gealtert. -.- Leben in Lee: Was von Bardot bleibt, ist ihre fast unerreichbare Attraktivität sowie ihr Look und Auftritt, der mit seiner Modernität und Wirkung in ganz Europa Maßstäbe für mindestens 2 Jahrzehnte gesetzt hat. -.- gopalvenu: Die Schönheit war vergänglich, die Volksverhetzung ist gerichtsfest. -.- One-Republic Antwort auf @gopalvenu: Ihre Schönheit wäre für die Ewigkeit prädestiniert gewesen … Aus einer Göttin wurde später eine verbitterte Frau, die mit Stammtischparolen jonglierte. -.- stefanincello: Naja, sie war halt ganz nach dem Geschmack der Medien. Aber sich ganz banal ihrem Sohn widmen brachte sie nicht auf die Reihe. Ein klassisches Kind der 60er eben, in denen die Elfenbeinwelt des absurden Konsums entstand und alle die abgedrehten Konsumenten bewunderten. … -.- Wildbader: Ich denke, dass Catherine Deneuve, Jeanne Moreau und Romy Schneider schauspielerisch größere Ikonen des französische Films waren, und sind. -.- Michael_DD: Sie war in erster Linie ein Sexsymbol und wurde als solches von der Film- und Entertainment-Industrie ausgebeutet, bis es Jüngere und Schönere gab. Jetzt sind schon zwei oder drei Generationen ohne ihre Filme aufgewachsen (die ja tatsächlich nur selten gezeigt oder besprochen werden), aber sie lebt fort in den sentimentalen Erinnerungen alter weißer Männer an die einstige Traumfrau. Immerhin – Sogar eine tschechische Diesellokomotive trägt ihren Namen wegen des charakteristischen Vorbaus. -.- HH-SH: Die letzte Ikone einer Ära…nach Delon und Cardinale nun auch BB. Für mich, weiblich, geb. Ende der 70er Jahren, bis heute ein absolutes Idol! Ihre Filme schaue ich immernoch sehr gerne. So eine wunderschöne Frau, sexy und selbstbewusst, ganz großes Kino! Auch ihr Engagement für den Tierschutz und ihr sehr zurückgezogenes Leben auf La Madrague beeindruckte mich. In punkto metoo teile ich ihren klaren Standpunkt, genau wie die großartige C. Deneuve. Einzig Bardot‘s politische Haltung im Alter verwunderte mich, war sie in jungen Jahren mit Vadim doch eher den Linken zuzuordnen und rebellierte gegen ihr fürchterlich konservatives Elternhaus. Rest in Peace, BB.
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virales: Ich bin wirklich traurig. Ich dachte Brigit B wuerde fuer immer dasein. Brigit Bardot in „Und Gott schuf die Frau“ ein französischer Liebesfilm aus dem Jahr 1956. Fuer mich wurde sie nie älter als in diesem Film.
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– Popstars, zerschnitten zum Sammeln und Aufhängen … Historische «Starschnitte» aus der Jugendzeitschrift «Bravo» hängen an einer Wand in der Ausstellung «Bravo»-Starschnitte. Quelle –> „Den Anfang machten die Füße von Brigitte Bardot“ Alexander Diehl (12.10.2025) | https://taz.de/Museumsdorf-zeigt-Bravo-Starschnitte/!6115492/
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“ … Man nannte sie die schönste Frau der Welt, auch weil sie dem Ideal des neuen Kleinbürgertums entsprach. … Brigitte Bardot war 1959 der erste Bravo-Starschnitt. Netzstrümpfe, umgürtete „Wespentaille“, das lange blonde Haar. Der ikonische „Schmollmund“. Das Bild war mit 156 Zentimetern nachgerade lebensgroß. Und eine Göttinnengestalt, die vielleicht zum ersten Mal danach verlangte, dass das Teenager-Zimmer ein vom Rest der Familie abgesonderter Raum war. … Von der Brigitte-Bardot-Welt zu träumen, war viel schöner, als mit ihr ernsthaft in Berührung zu kommen. Dort hätte man ihren Selbstmordversuch erlebt, ihre Einsamkeit, ihr Gefangensein. Jemand wie Brigitte Bardot war für Charakter- und gar „Altersrollen“ nicht geschaffen. 1973 erklärte sie ihren Rücktritt sowohl vom Film als auch von der Musik – und wurde nie rückfällig. Ihr Bild zu bewahren, fiel der schon wieder nächsten Generation denkbar schwer: Wie konnte sie, eine einstige Vorkämpferin der Befreiung, nun mit den muffigsten Rechten gemeinsame Sache machen, Rassismus und Nationalismus verbreiten, das lobenswerte Ziel des Tierschutzes mit solchem Fanatismus verfolgen, dass noch die letzten Reste der einstigen Sorglosigkeit verschwinden mussten, die einmal ihr Charakteristikum gewesen waren? Die Göttin der Sorglosigkeit, die möglicherweise, wie eine Zeitung damals schrieb, den Sex für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts neu erfunden hat, ist uns lange schon fremd geworden. … Den Bravo-Starschnitt von Brigitte Bardot kann man sich heute digital zusammengesetzt aus dem Internet für den Heimdrucker bestellen und das kleine Vermögen dafür per PayPal abdrücken. Aber die Göttin der Sorglosigkeit lebt hier nicht mehr. Und nun ist auch ihre menschliche Gestalt verstorben. …“ | Aus einem Essay von Georg Seeßlen: „Zum Tod von Brigitte Bardot: Die Göttin der Sorglosigkeit“ (28.12.2025) | https://taz.de/Zum-Tod-von-Brigitte-Bardot/!6141456/
… Wenn Sie Ihr Vaterland und Ihr Volk lieben, wird die Geschichte, die Sie schreiben, immer positiv sein … Medien sind nicht zuletzt als Wohlfühl- und Bestätigungsräume gegründet worden. … (Ambros Waibel, 27.12.2025). … Unsere politischen Überzeugungen und unser Verhalten [wird] maßgeblich von unseren sozialen Identitäten motiviert und beeinflusst (Samuel Bagg – November 12, 2025) … | Oder … Notizen zur Aufrechterhaltung von Unwissen … -.-
-.- “ … Wer einmal die wissenschaftliche Definition von Propaganda kennt, merkt schnell, dass einfach alle Staaten, alle Parteien, alle Unternehmen und Lobbygruppen Propaganda betreiben. … Oder wie der Publizistik-Forscher Michael Kunczik es auf den Punkt bringt: „Unterscheidungen zwischen Werbung, PR und Propaganda“ sind nichts weiter als „semantische Spielereien“. …“ | Aus: „Propaganda, auf die wir alle hereingefallen sind“ Pauline Jäckels (10.6.2025) | Quelle: https://taz.de/Internettrend/!6090082/ -.- Gedankensprung // “ … Es ist eine Geschichte, die sich immer wiederholt: Eine (zumeist) religiöse Gruppe verkündet ein konkretes Datum für den Weltuntergang. Die Anhängerinnen und Anhänger bereiten sich vor, geben Jobs auf, verkaufen Häuser, verabschieden sich von Freunden. Und dann … passiert nichts. … Leon Festinger hat [den Begriff „kognitiven Dissonanz“] 1956 geprägt, nachdem er eine kleine UFO-Sekte beobachtet hatte. Die Gruppe um Dorothy Martin erwartete eine verheerende Flut für den 21. Dezember 1954, vor der sie durch Raumschiffe gerettet werden sollten. Als weder Flut noch UFOs kamen, löste sich die Gruppe aber nicht auf. Martin empfing stattdessen eine überraschende neue Botschaft: Die Gebete der Gruppe hätten so viel Licht verbreitet, dass Gott die Katastrophe abgewendet habe. Festingers Erkenntnis: Wenn Menschen viel in einen Glauben investiert haben – egal ob emotional, sozial oder finanziell – ist es psychologisch oft einfacher, die Realität umzudeuten, als den Glauben aufzugeben. … Die Fähigkeit von Menschen, nach dem offensichtlichen Scheitern einer Prophezeiung weiterzumachen, ist also kein Zeichen von Dummheit. Es ist ein Zeichen dafür, wie gut Menschen darin sind, Hoffnung und Sinn zu konstruieren – selbst angesichts dessen, wie offensichtlich die Realität dem widerspricht. … “ | Aus: „Wenn die Welt einfach nicht untergeht“ Fabian Maysenhölder (27.12.2025) | Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Wenn-die-Welt-einfach-nicht-untergeht-id30108307.html
-.- “ … Die jüngst enttarnten MAGA-Fake-Accounts bei X werfen ein Schlaglicht auf eine globale Schattenbranche … Manche der Fake-Accounts aus afrikanischen Ländern, Osteuropa oder Süd- und Südostasien, die X diese Woche womöglich versehentlich enttarnte, sind mittlerweile gelöscht. »@America_First0« zum Beispiel, betrieben von Bangladesch aus, und am Montag dieser Woche noch eifrig damit beschäftigt, mit Pro-Trump-Content »das Gute voranzutreiben und dem Bösen zu widerstehen«. Der Account hatte über 60.000 Follower. …“ | Aus: „Demokratie-Zersetzung als Billiglohn-Job“ (Aus einer Kolumne von Christian Stöcker [Jahrgang 1973, ist Kognitionspsychologe und Professor an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW).], 30.11.2025) | Quelle: https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/social-media-propaganda-demokratiezersetzung-als-billiglohn-job-kolumne-a-33964199-ac0f-4206-bf30-c134cb45e200 -.- “ … Agnotologie („ohne Erkenntnis“) untersucht als Forschungsrichtung die kulturelle Erschaffung und Aufrechterhaltung von Unwissen. … Der Begriff [Agnotologie] wurde im Umfeld der US-amerikanischen Stanford University eingeführt. Dort fand im Oktober 2005 ein Workshop unter dem Titel Agnotology: The Cultural Production of Ignorance statt, der von den Wissenschaftshistorikern Londa Schiebinger und Robert N. Proctor organisiert wurde. In einer wissenschaftlichen Arbeit Schiebingers von 2004 nennt diese Robert N. Proctor als Wortschöpfer und beschreibt Agnotologie als Gegengewicht (englisch counterweight) zur Epistemologie [Epistemologie –> https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89pist%C3%A9mologie]. Unwissen sei oft nicht das Fehlen von Wissen, sondern das Resultat politischer, kultureller und kommerzieller Kämpfe. … Die Wissenschaftshistoriker Christophe Bonneuil (CNRS & EHESS, Paris), Pierre-Louis Choquet (Sciences Po, Paris) und Benjamin Franta (Stanford University) definieren Agnotologie 2021 als „[…] the study of culturally induced ignorance or doubt.“ … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Agnotologie -.-
“ … Für die Soldaten gab es neue Panzer, Flugzeuge und U-Boote. Für die Menschen an der Heimatfront die Wochenschau im Kino, den Volksempfänger zu Hause und Plakate an jeder Straßenecke. Der Bedeutung des Plakats ist jetzt die Kunsthistorikerin Sylke Wunderlich in ihrem mit über 200 Motiven bebilderten Buch „Propaganda des Terrors“ auf den Grund gegangen. Durchaus ein Wagnis, weil es um zwei sehr unterschiedliche Sphären geht: Ideologie und Kunst. …“ | Aus: „NS-Plakate: Kunstvolle Propaganda“ Marcel Fürstenau (29.11.2020) | Quelle: https://www.dw.com/de/ns-plakate-kunstvolle-propaganda/a-55742602 – “ … ich [habe] Propaganda vor allem als Kuriosum betrachtet. Doch ihre Mechanismen erwiesen sich als perfide wie wirkungsvoll. … Wladimir Medinski [https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Rostislawowitsch_Medinski] … [„Medinski gilt als ultrakonservativ, sein besonderes Augenmerk gilt der Verklärung der russischen Geschichte. … So ist er Autor mehrerer historischer Sachbücher, die russische Propaganda verbreiten. Unter anderem war er auch an einem Geschichtsbuch beteiligt, das in allen elften Klassen Unterrichtsstoff ist. Diktator Stalin [–> https://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Stalin], dessen Schreckensherrschaft Millionen Menschen zum Opfer fielen, wird darin als weise und effektiv beschrieben, seine Verbrechen werden entschuldigt. Für den Untergang der Sowjetunion wird nahezu komplett Michail Gorbatschow verantwortlich gemacht. … “ | Quelle: https://www.stern.de/politik/ausland/wladimir-medinski–wer-ist-der-mann–der-putin-in-istanbul-vertritt–35725470.html (Aus: „Putins Verhandlungsführer in Istanbul nimmt kaum jemand ernst“ Eugen Epp (15. Mai 2025))] … [Wladimir Medinski] Duma-Abgeordneter, dann Kulturminister und heute wichtiger Putin-Berater […] schrieb die Geschichte buchstäblich um … „Fakten an sich“ bedeuten ihm „nicht viel“, wie es in einem seiner Werke heißt: „Alles beginnt nicht mit Fakten, sondern mit Interpretationen. Wenn Sie Ihr Vaterland und Ihr Volk lieben, wird die Geschichte, die Sie schreiben, immer positiv sein.“ … “ | Aus: „Perfide Narrative“ Kolumne „Eastsplaining“ von Yelizaveta Landenberger (26.12.2025) | https://taz.de/Wie-Putin-die-Russen-indoktriniert/!6137248/ -.- “ … Steve Bannon, der rechtspopulistische ehemalige Berater von Donald Trump, äußerte [ ] – in Bezug auf die US-amerikanische Politik: „The Democrats don’t matter. The real opposition is the media. And the way to deal with them is to flood the zone with shit“ („Die Demokraten spielen keine Rolle. Die echte Opposition sind die Medien. Um mit ihnen fertig zu werden, muss man das Gelände mit Scheiße überfluten.“) […] Große Sprachmodelle (LLMs) wie ChatGPT sind aufgrund ihrer Funktionsweise klassische Bullshitter. Sie verstehen die Inhalte und Bedeutung der Texte nicht, die sie verarbeiten, sondern gewinnen ihre Ergebnisse aufgrund statistischer Zusammenhänge wie beim Wörter-Würfeln. Damit können sie nicht zwischen wahr und falsch unterscheiden. Ihr Output ist von fortgesetzten Ungenauigkeiten durchzogen, die oft irreführenderweise als Halluzinieren der KI bezeichnet werden. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Bullshitting (16. September 2025)
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– Philipp Hübl in der Video-Vorlesung: „Bullshit-Resistenz. Einführung ins kritische Denken“ Universität der Künste Berlin (UDK), Sommersemester 2023. –> https://youtu.be/azp3g8vpBJE (1 Stunde 19 Minuten)
Vorlesung 1: „Einführung: Lügner, Bullshitter und Trottel“ Literatur: Ariely, Dan (2012) The Honest Truth About Dishonesty: How We Lie to Everyone – Especially Ourselves. New York: Harper Frankfurt, Harry G. (2006) Bullshit. Frankfurt am Main: Suhrkamp Gilovich, Thomas (1991) How We Know What Isn’t So. The Fallibility of Human Reason in Everyday Life. New York: Free Press Hübl, Philipp (2018) Bullshit-Resistenz. Berlin: Nicolai Verlag Kant, Immanuel (1784) „Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ Berlinische Monatsschrift, Heft 12: 481–494 Rogers, Todd et al. (2017) „Artful Paltering: The Risks and Rewards of Using Truthful Statements to Mislead Others“ Journal of Personality and Social Psychology 112, 3: 456–473 Trivers, Robert (2011) The Folly of Fools. The Logic of Deceit and Self-Deception in Human Life. New York: Basic Books
@George1966ism (2023): Am liebsten täuscht man doch sich selbst. …
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“ … Gesellschaft und Medien erleben polarisierte Zeiten. Viele Menschen und sicher auch die meisten Redaktionen wollen aus dem Teufelskreis ausbrechen. Aber, wie gelingt Kommunikation in der Krise? … Die gesellschaftlichen Debatten verlaufen in Teilen unerbittlich. … In manchen politischen Fragen stehen sich die Lager inzwischen so weit entfernt gegenüber, dass sie nicht mehr miteinander ins Gespräch kommen. Die jeweiligen Seiten beharren auf „ihren“ Tatsachen, sie kennen neben Schwarz und Weiß kaum mehr Grautöne. Was sich für Deutschland sagen lässt, das gilt auch weltweit. Der Wahlkampf in den USA überbietet noch einmal, was wir hierzulande erleben. Ein Beispiel anderer Art ist die internationale Diskussion über den Terroranschlag der Hamas und den folgenden israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen. Die Auseinandersetzungen werden in den sogenannten Sozialen Medien ausgetragen, längst aber auch an anderen Orten: Politikerinnen, Journalisten und Menschen, die sich in anderen Bereichen engagieren, sind Anfeindungen und Bedrohungen ausgesetzt – manchmal sogar körperlicher Gewalt. …“ | Aus: „Verständnis und Verständigung: Medien in polarisierten Zeiten“ Marco Bertolaso (08.04.2024) | Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/forum-journalismuskritik-2024-100.html -.-
“ … In Europa verbreiteten [ ] russische Fake-News-Schleudern im vergangenen Herbst beispielsweise maßgeblich das Gerücht, in Paris hätten Geflüchtete aus der Ukraine eine Bettwanzenplage ausgelöst. Und in Deutschland tauchten schon 2022 Dutzende Websites auf, die das Layout großer Medienmarken wie Welt, und Spiegel imitierten und russische Propaganda verbreiteten. Wie viel Schaden solche Websites anrichten, ist bisher kaum zu messen. Klar aber ist: Je regelmäßiger öffentliche Debatten mit den Begriffen und entlang der Fronten eingespielter Kultur- und Identitätskämpfe geführt werden, desto eher sind Menschen bereit, alles zu glauben, was ihre Meinung stärkt – egal, wie unseriös die Quelle ist. …“ | Aus: „Pink-Slime-Journalismus: Der große Schleimangriff“ Lenz Jacobsen (6.4.2024) | Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2024-04/pink-slime-journalismus-online-desinformation-demokratie-usa
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Ambros Waibel (27.12.2025): “ … Eine hektische, links- wie rechtspopulistische, ost- wie westsentimentale Kampf- und Gesinnungspresse feiert Wiederauferstehung – mal wieder: Denn Medien sind nicht zuletzt als Wohlfühl- und Bestätigungsräume gegründet worden. Möglicherweise nimmt dieser Trend zur meckernden Muffigkeit in einer Epoche, in der der Wahrheit auch immer etwas Katastrophisches anhaftet, sogar zu. … Wer sich weiter der wirklichen Welt aussetzen will, wer […] auf exakte Informationen zum Selbstschutz gar nicht verzichten kann – der muss in der gegenwärtigen Medienwelt einiges an Dumpfheit und Gemeinheit beiseiteschieben, um zum Ziel zu gelangen: „Flood the Zone with Shit“ ist die Parole der Pöbelportale. Wer die Masche einmal durchschaut hat, wird darauf nicht auf Dauer reinfallen. Und Trost nicht im Ressentiment suchen, sondern in der Zuversicht darauf, was Menschen bewegen können, solange sie sich ihre Menschlichkeit als zentralen Wert bewahren. …“ | Quelle: https://taz.de/Journalismus-in-der-Krise/!6137280/ -.- shitstormcowboy, 27.12.2025, 11:56 Uhr: “ … Gut informiert zu sein ist ein hohes Gut, das aber viele gar nicht anstreben, letztendlich, weil es ihnen inzwischen auch zu teuer geworden ist. Gut informiert zu sein heißt auch: Man liest gerne die TAZ, aber auch die FAZ, die FR und Die Süddeutsche und Die Zeit sowieso. Und um die „dunkle Seite“ des Journalismus zu kennen, auch Die Welt. Den Spiegel sowieso. Pflichtlektüre. So. Wer kann sich das leisten? Heute? … Gerade für die, die ohnehin schon kaum über die Runden kommen. Aber gerade die bräuchten Information. Z.B. darüber, warum sie eventuell in der Misere stecken. Online sind heute viele … Dabei werden sie nebenbei geflutet, [mit] Shit. …“
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“ … Wir bewegen uns zwischen den Kulissen der Aufklärung wie Schauspieler mit dem falschen Text im Bühnenbild eines längst abgespielten Stücks. … Aufklärung ist riskantes Denken. Wir, die Erben, wollen dieses Risiko nicht mehr eingehen. Wir wollen eigentlich keine Zukunft, wir wollen nur, dass unsere privilegierte Gegenwart nie aufhört, obwohl sie zusehends um uns herum bröckelt und gespalten wird. …“ | Aus: „Sind wir noch die Kinder der Aufklärung?“ Philipp Blom (1. August 2018), Quelle: https://www.zeit.de/2018/32/philipp-blom-salzburger-festspiele-aufklaerung-rede-warnung/komplettansicht -.- Blues Man #32: “ … Aus dem Blickwinkel eines privilegierten Bourgeois lässt sich gut Reden schwingen. Wenngleich mir der Text eigentlich gut gefallen hat, aber ich kenne auch die andere Seite, das proletarische Sein und, ohne pathetisch wirken zu wollen, den Kampf ums tägliche Brot. Und aus dem Blickwinkel stellt sich die Welt ganz anders dar. Aber das wird der Eröffnungsredner der Salzburger Festspiele und das elitäre Publikum niemals nachvollziehen können. …“ -.- kannnichtsein #32.1: “ … das proletarische sein kenn ich auch, [aber] der text ist auch aus diesem blickwinkel richtig. …“
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Nachtrag / Kontext #1: „Aus dem Blickwinkel eines privilegierten Bourgeois / das proletarische sein“
“ … Die epistemische Logik, auch Wissenslogik, befasst sich mit Glauben und Wissen bei Individuen sowie Gruppen. Ziel von Untersuchungen mittels epistemischer Logik ist oft ein dynamisches oder flexibles Modell von Meinungs- und Wissenszuständen. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Epistemische_Logik (2026)
-.- [„… Kurz gesagt, jahrzehntelange Forschung hat gezeigt, dass unsere politischen Überzeugungen und unser Verhalten maßgeblich von unseren sozialen Identitäten motiviert und beeinflusst werden: also von den vielen sich überschneidenden sozialen Gruppen, mit denen wir uns verbunden fühlen. Solange wir diese tiefgreifende und allgegenwärtige Abhängigkeit nicht berücksichtigen, werden unsere Versuche, die epistemischen Mängel zu beheben, die die heutigen Demokratien bedrohen, zwangsläufig scheitern. …“ (Samuel Bagg – November 12, 2025) ] | „… In short, decades of research have demonstrated that our political beliefs and behavior are thoroughly motivated and mediated by our social identities: i.e., the many cross-cutting social groupings we feel affinity with. And as long as we do not account for this profound and pervasive dependence, our attempts to address the epistemic failures threatening contemporary democracies will inevitably fall short. …“ | From: „The Problem is Epistemic. The Solution is Not.“, Samuel Bagg – November 12, 2025 | Source: https://blog.apaonline.org/2025/11/12/the-problem-is-epistemic-the-solution-is-not/?amp=1
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Nachtrag / Kontext #2: „Aus dem Blickwinkel eines privilegierten Bourgeois / das proletarische sein“
Epistemische Ungerechtigkeit legt strukturelle Verwobenheit von Wissen, Macht und gesellschaftlicher Anerkennung offen: “ … Epistemische Ungerechtigkeit bezeichnet eine Form sozialen Unrechts, bei der Menschen in ihrer Fähigkeit, Wissen zu äußern, weiterzugeben oder zu verstehen, systematisch benachteiligt werden. Sie tritt beispielsweise auf, wenn einer Person aufgrund von Vorurteilen weniger Glaubwürdigkeit zugesprochen wird oder wenn bestimmten Gruppen die sprachlichen und begrifflichen Mittel fehlen, um ihre Erfahrungen verständlich zu machen. Das Konzept wurde maßgeblich von Miranda Fricker entwickelt und legt die strukturelle Verwobenheit von Wissen, Macht und gesellschaftlicher Anerkennung offen. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Epistemische_Ungerechtigkeit (2026)
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