[Zum Wahn der Liebe #97 … ]

Thomas Mann mit seinem Schwiegervater Alfred Pringsheim

“ … Seinem Bruder Thomas hatte Heinrich Mann schon um die Jahrhundertwende brieflich gestanden: „Mein Hauptinteresse war die Frau.“ Willi Jaspers Buch beschreibt Heinrich Mann als einen ausgemachten Erotomanen, der Schriftsteller ging bereits als Gymnasiast ins Bordell, und suchte auch als schon berühmter Romancier stets die Nähe zu Frauen aus der Halbwelt. … Von der ersten Passion zur jüngeren Schwester Carla, die später Selbstmord verübte, bis zur letzten leidenschaftlichen Liebe mit der Berliner Animierdame Nelly Kröger, die Heinrich Mann im französischen Exil heiratete und gegen alle Attacken des Mann-Clans verteidigte. Nelly war sinnlich, laut, derb und leider Alkoholikerin, von Thomas Mann als „schreckliche Trulle“ bezeichnet, auch sie ging freiwillig in den Tod, was Heinrich Mann nie verwand. …“ | Aus: „Von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ (13.04.2007) | https://www.deutschlandfunkkultur.de/von-kopf-bis-fuss-auf-liebe-eingestellt-100.html

Heinrich Mann – Die große Liebe, Drama (Buchausgabe)


“ … In der Tat verbirgt sich hinter dem Liebesglück die Unruhe seines Daseins….“ | Aus: „Erotik und Poetik – Thomas Manns Goethe-Rezeption“ (Inaugural-Dissertation in der Philosophischen Fakultät II (Sprach- und Literaturwissenschaften) der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg) E-Jeong HONG (214 Seiten, 2006) | Quelle: https://opus4.kobv.de/opus4-fau/files/594/E_JeongHongDissertation.pdf

“ … Liebe ist laut Mann der ethischen Sphäre der Teilnahme zugehörig, Interesse dagegen gehört einer rein ästhetischen Haltung an. Im Kampf zwischen Interesse und Liebe gibt es bei Thomas Mann nur tödliche Opfer. Denn wird das Interesse von der intellektuellen auf die sinnliche Sphäre gewendet, so wird entweder der Künstler durch die Übergewalt der sinnlichen Erfahrung in seiner Existenz vernichtet, indem das Interesse im Zweikampf mit dem Eros unterliegt, oder es siegt das Interesse über den Eros, – dann bezahlen die, die den Künstler lieben, ihre Niederlage mit dem Leben. Aschenbach, zur ersteren Kategorie zählend, hat folglich verloren, als er am Ende des vierten Kapitels, von Tadzios Lächeln ergriffen, stammelt: »Ich liebe Dich!« …“ | Aus: „Auf schwankendem Grund – Dekadenz und Tod im Venedig der Moderne Sabine Meine, Günter Blamberger, Björn Moll, Klau Sber Gdolt (H r SG.) | Quelle: https://kups.ub.uni-koeln.de/11204/1/Morphomata15_USB.pdf

“ … Als bestimmend erweist sich ein grundlegendes Dilemma: Wer dem Sog der Liebe verfällt, wird vernichtet und geht unter – wer die Liebe aber ängstlich meidet, verfehlt das Leben und beraubt sich der künstlerischen Kreativität. …“ | Über: „Der beschädigte Eros – Liebe, Erotik und Sexualität in den frühen Erzählungen Thomas Manns“ Karl Heinz Götze (2017) – Thomas Mann au tournant du siècle | Quelle: https://journals.openedition.org/germanica/3738?lang=de

Madeleine Chapsal et Georges Bataille, Bibliothèque municipale d’Orléans, février 1961.
| via https://www.pileface.com/sollers/spip.php?article2001



“ … Die Figur unseres modernen Selbst, so wie sie Bataille zeichnet, ist armselig. Es ist eine dienende, nützliche, der Arbeit und Produktion untergeordnete Figur, die sich als getrennt von allem anderen, Mensch und Natur, erfährt. Nun ist dies, für sich genommen, noch nicht originell, bildet es doch den Tenor bekannter Modernitätskritik von Nietzsche über Weber bis zu Baudrillard, Lyotard oder Taylor. Was Bataille auszeichnet, ist seine Konzeption einer Sphäre des Heterogenen, die unsere Isolation in Kontinuität auflöst und in der Kommunikation stattfindet — eine Sphäre jedoch, die als unaufhebbare Grenze zu denken ist und die nur um den Preis des Selbstverlustes, des Opfers, zugänglich ist. Das Sich-Einlassen auf die Erfahrung dieser Grenze — nicht, indem die Vernunft eingeschläfert, sondern indem sie bis ans Ende getrieben wird — ist Voraussetzung für die Erfahrung dessen, was Bataille “Souveränität” nennt. …“ | Zu: Neuenhaus-Luciano P. (1999) „Individuum und Transgression bei Georges Bataille“ In: Individualisierung und Transgression. Schnittpunkt * Zivilisationsprozeß. Centaurus Verlag & Media, Herbolzheim | Quelle: https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-86226-415-5_7


Uwe (15. November 2021): “ … ca. 98% der deutschen Liebhaber erotischer Literatur rate ich davon [Georges Bataille – Das obszöne Werk] ab. …“

StevenStone (14. Juli 2016)“ … Dabei werden durchaus Tiefenschichten des menschlichen Sexualtriebes berührt und ihren Geheimnissen Ausdruck gegeben. Das Chtonische, Dionysische der einmal geweckten Lust und ihre Nähe zur Mord- und Vernichtungslust. Soweit so gut oder ungut. Dann streift es bei soviel Wiederhohlungs- und Steigerungszwang und behaupteter Dauererregung auch das Komische. Das Geschmacklose wird nicht gestreift, sondern geschlürft, ausgesoffen, gefressen, gekotzt. Vieles ist – gut französisch – philosophisch veredelt und in intellektuelle Höhen gehoben, die der steifste Schw…. und die saftigste M…. eigentlich nicht hergeben. Ein bemerkenswertes literarisches Zeugnis. …“ [Zu: von Georges Bataille – Das obszöne Werk: Die Geschichte des Auges / Madame Edwarda / Meine Mutter / Der Kleine / Der Tote Taschenbuch – 1. Oktober 1988]



“ … Die beiden Triebkräfte der Erotik: die eine die des Einklangs mit der Natur und die andere die ihrer Infragestellung – wir können keine von beiden aufheben. Der Schrecken und der Anreiz sind vermischt. Die Unschuld und das Schicksal dienen dem Spiel. Im günstigen Augenblick kennt noch die Dümmste die Dialektik … Das irre Gelächter oder die Ekstase versetzen uns an den Rand des gleichen Abgrunds, in die >Infragestellung< alles möglichen. …“ | Aus: „Die Freundschaft: IV – Der Wille“ Georges Bataille [Die Freundschaft. Das Halleluja (Die atheologische Summe II / Gallimard, Paris 1944/1961.‘] |

// “ … Syphilis wurde als Folge eines sündigen Lebenswandels aufgefasst. 1826 wird der Gebrauch von Kondomen von Papst Leo XII. verboten: „…der Sünder solle an dem Körperteil bestraft werden, mit dem er sündige.“ Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ermöglichten die Forschungsergebnisse des Pariser Mediziners Alfred Fournier (1832–1914) eine sachlichere Diskussion um Geschlechtskrankheiten. … Bataille wurde lebenslang von Erinnerungen an den erschreckenden körperlichen Zustand seines Vaters und dessen Leiden gequält. Sein Leben begann mit dem Tod, schrieb sein Biograph Michel Surya. Dazu gesellten sich Erinnerungen an Kindheitserlebnisse in Verbindung mit heterogenen, d. h. gesellschaftlich verfemten Auffassungen von Sexualität, die er in Das obszöne Werk thematisiert, ohne zu sagen, so war es. Ich bin ein Kind des Schreckens. kommentierte er seine Erinnerungen und ich hatte vor allem Sexuellen Angst. … Bataille wollte anregen, über traditionelle Einstellungen zur Lust nachzudenken. Ihm gehe es um eine völlige Umkehr unserer Vorstellungen und er empfahl seine obszönen Texte anderen: Wer Angst hat, sich fürchtet, allein ist und friert, der sollte Madame Edwarda lesen. … Die Frage, ob seine obszönen Schriften als „surrealistische Experimente“ oder als „pornographische Literatur“ gelten können, sei unentscheidbar. … Schon Jean-Paul Sartre – dessen Existentialismus Bataille als ‚überholte Philosophie‘ ablehnte … bezeichnete Bataille als Mystiker. In seinen Texten, so Sartre, finden sich „glitschige Sätze … von denen wir plötzlich ins Unaussprechliche stürzen.“ … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Bataille (September 2021)

[Gestalt #2 … ]

via https://www.flickr.com/photos/12633168@N08/26344596174/in/dateposted/

“ … Our Lily / Arum Lily ~ Dancer / Calla Lily. The left photo of this set was taken by Dr. Krohn (Prague). The photo on the right was taken by Felix Man. The juxtaposed images appeared in Lilliput Pocket Omnibus (aka Lilliput: The Pocket Magazine for Everyone) (1937-1938) which was a pocket-sized monthly magazine produced by Stefan Lorant, Hungarian photojournalist, author, and filmmaker who had served time in a Nazi prison. The magazine was known for Lorant’s juxtapositions of images for political or aesthetic effects. …“ | via https://hauntedbystorytelling.tumblr.com/post/158348211107/hi-res-bottom-or-here-our-lily-arum-lily

// Hans Felix Sigismund Baumann (* 1893 in Freiburg im Breisgau; † 1985 in London)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Felix_H._Man

// Stefan Lorant (* 1901 in Budapest, Österreich-Ungarn; † 1997 in Rochester, Minnesota, USA)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_Lorant

[Zum Wahn der Liebe #96 … ]

„Va Savoir“ (Jacques Rivette, 2001) | https://de.wikipedia.org/wiki/Va_Savoir

Ekkehard Knörer (über ‚Va Savoir‘, F 2001): „… Rivettes Filme sind immer Experimente der Möglichkeitsform. Dies eine mal wird fast alles durchgespielt, wenigstens, könnte man sagen, eine Runde lang, und, muss man wohl dazusagen, ohne die radikale Lust daran, das Spiel zu weit zu treiben. … [E]mblematisch der Showdown mit Wodka und Heidegger: über dem Abgrund, der keiner ist, schreiend komisch, kein Film der Fallhöhe, sondern der reinen, vollendeten Lust am Spiel. …“ | https://www.jump-cut.de/filmkritik-vasavoir.html

Brian Walker, London Oct 30, 2002 “ … It’s possible to walk away with either a warm glow or thinking, so what? To which I’d reply by quoting the translation of the title: who knows? …“

[Gemäßigte Entrissenheit #3… ]

In der frühen Dunkelheit des Novembers, ist mir so, als hätte sich die Welt zusammengezogen. Als sei da draußen alles klein wie ein verkommenes Dorf. Ein bisschen Holz, Dachpappe, Regenrinnen, roter Klinker, Putz an den Wänden, der an manchen stellen abfällt, Glas, Stahl, Unrat, Zivilisation und Infrastruktur legen sich um das das eigene Leben, wie ein Fuchsfell um den Hals einer Frau. Der Blick geht aus dem Fenster. Daran denkend, wie die Haare von G. leicht im Wind wehten, nachdem wir die zwei Kerzen an den zwei Gräbern in den Laternen angezündet hatten – und wir etwas später an der Eckernförder Straße darüber sprachen, wie wir die Welt vor 20 Jahren wahrgenommen haben.

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #70 ]

Foreign Intrigue (US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1956)

“ … Die österreichischen Figuren in Foreign Intrigue sind hilfsbereit, zuverlässig und spiegeln so das Bild einer österreichischen Gesellschaft wieder: von der Putzfrau und der Haushälterin, über den Beamten und die Polizei bis zu einem Notar – alle Mitglieder einer friedlichen Gesellschaft, die ihrem Arbeitgeber oder dem Staat dienen und gegenüber US-Amerikanern jederzeit zu einer Auskunft bereit sind. Sie bleiben passive Figuren, die erst auf ein Ereignis reagieren: der Notar reagiert auf den Tod von Danemore, die Putzfrau reagiert auf den Tod von Mannheim. Und trotz ihrer Präsenz bleiben sie Randfiguren in der Handlung von Foreign Intrigue. Vom alltäglichen Leben in Wien ist nichts zu erkennen. Die Handlung spielt sich nur nachts in verlassenen Gassen ab. … Für Foreign Intrigue [USA, 1956] wurden die Gassen in Wien nachgestellt … Die Ästhetik von Wien, [wurde] in The Third Man filmisch eingeführt und von Foreign Intrigue kopiert … Wien ist Schauplatz eines fiktiven Konfliktes an der Grenze zwischen Ost und West, mitten im Kalten Krieg. Wien bleibt trotz der düsteren Atmosphäre und den filmischen Zitaten aus The Third Man ein neutraler Handlungsort. … [ Franz Grafl veröffentlichte anlässlich der Filmschau Projiziertes Land. Österreichbilder im Internationalen Kino, die im Dezember 2002 und Januar 2003 im Wiener Metro Kino stattfand, den nachfolgenden Text auf der Seite des Institutes Pitanga … “ … Als Wegweiser für den Besuch dieser Filmpräsentationen gilt, dass sich innerhalb eines inszenierten Spielraumes, des Kinofilms, behutsam ein Bild von einem Land und seinen Menschen konstituiert, wie es von anderen – sozusagen aus der Fremde – gesehen wird. … Wien und das heutige Österreich werden, analog zu den allgemeinen theoretischen Überlegungen Gilbert Durands zu einer Ideen- und Mythengeschichte, als Teil eines semantischen Bassins gesehen, in dem sich bestimmte Gemeinsamkeiten und Traditionen, aber auch Brüche und Verwerfungen sammeln und widerspiegeln, die Geschichte, Mentalitäten, politische und kulturelle Bewegungen umfassen. Dieses Flussbett der Ideen, der Gefühle und Mythen wurde schon weit vor 1918 gebildet, aber heute gewinnt es durch die erneute Annäherung dieser Regionen und Länder mehr und mehr an Aktualität. Bei Österreich oder Wien denkt man nicht nur an eine Zeit nach 1945, sondern auch an den sozialen und gesellschaftlichen Umbruch, der bis heute in der persönlichen Geschichte der Einzelnen bzw. des Einzelnen und im kollektiven Gedächtnis der Gesellschaft prägend bleibt …] … “ | Aus: „Image Austria – Die Darstellung Österreichs in US-amerikanischen Filmproduktionen nach 1945“ Alf-Tobias Zahn (Wien, DIPLOMARBEIT, 2009) | https://core.ac.uk/download/pdf/11586015.pdf

Die fünfte Kolonne (Originaltitel: Foreign Intrigue) ist ein US-amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 1956 unter der Regie von Sheldon Reynolds. Der Film beschreibt die Ursachenforschung in Bezug auf den außergewöhnlichen Wohlstand eines zuvor Verstorbenen in der unmittelbaren Nachkriegszeit an der Riviera. … Das Geschehen wird über weite Strecken untermalt von einem dezenten rhythmusbetonten Soundtrack, der der Atmosphäre eine gespannt-melancholische Einzigartigkeit verleiht. …
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_f%C3%BCnfte_Kolonne_(Film)

Der dritte Mann (Originaltitel: The Third Man) ist ein in Schwarzweiß gedrehter britischer Film noir von Carol Reed aus dem Jahr 1949. Der Film entstand nach einem Drehbuch von Graham Greene. Hauptfigur ist der amerikanische Autor Holly Martins (Joseph Cotten). Er reist wegen eines Jobangebotes seines Freundes Harry Lime (Orson Welles) in das Wien der Nachkriegszeit und wird dort in kriminelle Machenschaften hineingezogen. …
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_dritte_Mann

[Memento Mori #13… ]

Vladimir Jankélévitch | via

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005 – “ … Ein „Jahrhundertbuch“ hat Thomas Meyer hier anzuzeigen. Vladimir Jankelevitchs Buch über den Tod verfällt nicht der „Todestrunkenheit“ seiner europäischen Kollegen, auch wenn der Rezensent von der Lektüre ein wenig benommen zurückbleibt, noch setzt es irgendwelche Hoffnungen auf die ausgleichende Kraft der Geburt. Jankelevitch untersuche den „Skandal“ des Todes, der trotz aller Anstrengungen unbegreiflich bleibt. Dazu überschreitet er die Grenzen der eigenen Disziplin und nimmt auch Literatur und Musik zu Hilfe, um sich dem Tod in „genau kreisenden Bewegungen“ anzunähern. Der Tod ist bei Jankelevitch eine „Ordnungsmacht“, die Vergangenheit und Zukunft des Menschen strukturiert. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/vladimir-jankelevitch/der-tod.html

“ … Mit dem Begriff Presque-Rien, Beinahe-Nichts, bezeichnet Jankélévitch einen Zeitpunkt, dessen Dauer so gering ist, dass Auftauchen und Verschwinden fast gleichzeitig stattfinden. Ähnlich wie der Blitz wird das Beinahe-Nichts erst dann wahrgenommen, wenn es fast schon wieder vorüber ist. In seinem Auftreten als intuitiver Einfall oder mystisches Erlebnis handelt es sich um keinen beliebig herausgestellten Zeitpunkt innerhalb einer Ereigniskette, der notwendigerweise aus dem Geschehen der Vergangenheit folgt. Vielmehr ist das Beinahe-Nichts als ein einzelner isolierter Augenblick, dem keine Zukunft vergönnt ist, ein Abbruch einer Entwicklung. Das Beinahe-Nichts ist die äußerste Annäherung des Seins an das Nichts, des Diesseits an das Jenseits. Allein auf intuitivem Weg ist eine Kenntnis des Metaphysischen möglich. Jankélévitch schreibt: „Dieser so seltene und so unzureichende Erfolgs-Blitz ist dennoch der einzige metaphysische Erfolg, dem ein Mensch nachstreben kann.“ … Kann man sich eine Vorstellung vom Nichts der Existenz und des Bewusstseins machen? Kann man den Tod denken? Gleich zu Beginn von „La mort“, einem seiner Hauptwerke, stellt Jankélévitch klar, dass es über den Tod fast nichts zu sagen gibt: Wir wissen nur, dass er eintreten wird, und bemühen uns im Übrigen, den Skandal des Todes zu verdrängen, zu beschönigen oder uns jenseitigen Hoffnungen hinzugeben. Jankélévitch erteilt diesen Ausflüchten eine Absage. Für ihn ist der Tod Organon-Obstaculum, Werkzeug und Hindernis, denn einerseits setzt er allen Aktivitäten ein Ende, andererseits führt das Bewusstsein von der Begrenztheit des Lebens zur Aufwertung der einzelnen Momente. …“ | Aus: „Vladimir Jankélévitch“ (2. Oktober 202) | https://de.wikipedia.org/wiki/Vladimir_Jank%C3%A9l%C3%A9vitch

[RWF #12… ]

Michael Kienzl (11.02.2017) zu Acht Stunden sind kein Tag (1972 bis 1973): “ … Fassbinder … orientierte sich am dramaturgischen Gerüst von zeitgenössischen Familienserien mit ihren zugespitzten zwischenmenschlichen Konflikten. Das Neue an der Serie war jedoch, dass sie mit aktuellen Problemen modernisiert wurde, die in ähnlichen Formaten unberücksichtigt blieben. So geht es unter anderem um den schwierigen Weg, den eine Frau damals gehen musste, wenn sie sich von ihrem Mann trennen wollte, um den alltäglichen Rassismus gegenüber Gastarbeitern oder um überhöhte Mietpreise in einer Zeit, in der noch niemand etwas von dem Wort „Gentrifizierung“ gehört hat. … Schon damals wendeten sich einige seiner Gefährten kurzzeitig von ihm ab, weil ihnen Acht Stunden sind kein Tag, wie Harry Baer es ausdrückte, „zu lasch“ war. Denn um seine Botschaften zu platzieren, drang Fassbinder teilweise sogar bis zur volkstümlichen Nachkriegskomödie vor. Die verniedlichte Familienwelt, die eher harmlosen Witze und auch einige Figuren scheinen direkt Papas Kino entlehnt zu sein. … Die soziale Utopie droht hier manchmal zum naiven Weltverbesserer-Kitsch zu werden. Doch selbst die Leichtigkeit, mit der die Widerstände in Berufs- und Privatleben überwunden werden, wirkt spätestens dann radikal, wenn man sich bewusst macht, wie Fassbinder hier die Wohlfühl-Ästhetik des Fernsehens imitierte, um ein Massenpublikum zu einer sanften Revolution anzustacheln. …“ | https://www.critic.de/film/acht-stunden-sind-kein-tag-4246/

“ … Acht Stunden sind kein Tag gehört zum Genre des sogenannten Arbeiterfilms, das vom WDR Ende der 1960er-Jahre entwickelt wurde und für einen kurzen Zeitraum die Auseinandersetzung mit der sozialen Realität und den ökonomischen Zwängen in der Bundesrepublik ermöglichte. Die Hauptfiguren kommen aus drei Generationen, deren jeweiliges Lebensgefühl zwischen progressiven Ideen und konservativen Werten skizziert wird. In seiner typischen, am Melodram orientierten Tonlage demontiert Fassbinder die Heile-Welt-Stimmung deutscher Nachkriegsproduktionen und nimmt Motive seiner späteren Frauenfilme vorweg. …“ | https://www.berlinale.de/de/archiv/jahresarchive/2017/02_programm_2017/02_filmdatenblatt_2017_201714438.html

“ … Fabrikarbeiter kritisieren die Serie massiv. Sie finden sich darin nicht wieder. „Fassbinder stellt den Arbeiter so dar: Er prügelt, trinkt und bumst, und sonst ist nicht viel. Bewusstsein ist nicht da“, bilanziert ein Fordarbeiter. Es sei unrealistisch, dass Fassbinders Werkzeugmacher ihre Probleme in der Fabrik alle lösen könnten. „Da kommen nie Repressalien von der Geschäftsleitung.“ Gewerkschaften, Betriebsräte und Vertrauenleute beschweren sich, dass sie in der Serie überhaupt nicht vorkommen. Auch im Feuilleton wird Fassbinder Realitätsferne vorgeworfen. Die Zeitschrift Konkret titelt „Geschminkte Proleten“. …“ | https://www1.wdr.de/stichtag7030.html (29.10.2012)

// https://de.wikipedia.org/wiki/Acht_Stunden_sind_kein_Tag

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