Kategorie: Kunst.Encoder

[RWF #12… ]

Michael Kienzl (11.02.2017) zu Acht Stunden sind kein Tag (1972 bis 1973): “ … Fassbinder … orientierte sich am dramaturgischen Gerüst von zeitgenössischen Familienserien mit ihren zugespitzten zwischenmenschlichen Konflikten. Das Neue an der Serie war jedoch, dass sie mit aktuellen Problemen modernisiert wurde, die in ähnlichen Formaten unberücksichtigt blieben. So geht es unter anderem um den schwierigen Weg, den eine Frau damals gehen musste, wenn sie sich von ihrem Mann trennen wollte, um den alltäglichen Rassismus gegenüber Gastarbeitern oder um überhöhte Mietpreise in einer Zeit, in der noch niemand etwas von dem Wort „Gentrifizierung“ gehört hat. … Schon damals wendeten sich einige seiner Gefährten kurzzeitig von ihm ab, weil ihnen Acht Stunden sind kein Tag, wie Harry Baer es ausdrückte, „zu lasch“ war. Denn um seine Botschaften zu platzieren, drang Fassbinder teilweise sogar bis zur volkstümlichen Nachkriegskomödie vor. Die verniedlichte Familienwelt, die eher harmlosen Witze und auch einige Figuren scheinen direkt Papas Kino entlehnt zu sein. … Die soziale Utopie droht hier manchmal zum naiven Weltverbesserer-Kitsch zu werden. Doch selbst die Leichtigkeit, mit der die Widerstände in Berufs- und Privatleben überwunden werden, wirkt spätestens dann radikal, wenn man sich bewusst macht, wie Fassbinder hier die Wohlfühl-Ästhetik des Fernsehens imitierte, um ein Massenpublikum zu einer sanften Revolution anzustacheln. …“ | https://www.critic.de/film/acht-stunden-sind-kein-tag-4246/

“ … Acht Stunden sind kein Tag gehört zum Genre des sogenannten Arbeiterfilms, das vom WDR Ende der 1960er-Jahre entwickelt wurde und für einen kurzen Zeitraum die Auseinandersetzung mit der sozialen Realität und den ökonomischen Zwängen in der Bundesrepublik ermöglichte. Die Hauptfiguren kommen aus drei Generationen, deren jeweiliges Lebensgefühl zwischen progressiven Ideen und konservativen Werten skizziert wird. In seiner typischen, am Melodram orientierten Tonlage demontiert Fassbinder die Heile-Welt-Stimmung deutscher Nachkriegsproduktionen und nimmt Motive seiner späteren Frauenfilme vorweg. …“ | https://www.berlinale.de/de/archiv/jahresarchive/2017/02_programm_2017/02_filmdatenblatt_2017_201714438.html

“ … Fabrikarbeiter kritisieren die Serie massiv. Sie finden sich darin nicht wieder. „Fassbinder stellt den Arbeiter so dar: Er prügelt, trinkt und bumst, und sonst ist nicht viel. Bewusstsein ist nicht da“, bilanziert ein Fordarbeiter. Es sei unrealistisch, dass Fassbinders Werkzeugmacher ihre Probleme in der Fabrik alle lösen könnten. „Da kommen nie Repressalien von der Geschäftsleitung.“ Gewerkschaften, Betriebsräte und Vertrauenleute beschweren sich, dass sie in der Serie überhaupt nicht vorkommen. Auch im Feuilleton wird Fassbinder Realitätsferne vorgeworfen. Die Zeitschrift Konkret titelt „Geschminkte Proleten“. …“ | https://www1.wdr.de/stichtag7030.html (29.10.2012)

// https://de.wikipedia.org/wiki/Acht_Stunden_sind_kein_Tag

[Der Blick in die Kamera #43… ]

Alessandro Aniballi (01/19/2020): “ … Federico Fellini argumentiert metaphorisch und entdeckt dabei die Suggestion des Ozeandampfers wieder: Nur anstatt seine Figuren auf das fahrende Boot schauen zu lassen (wie in Amarcord), lässt er sie diesmal an Bord gehen, und er setzt sie in einem Gleichnis fort … Die Reflexion des Übergangs von der Realität zum Set, begleitet von einem meta-kinematografischen Diskurs, war zwar schon zu Beginn von E la nave va [Fellinis Schiff der Träume, 1983] vorbereitet worden … als wäre man Zeuge von Dokumentarfilmen …“ | https://quinlan.it/2020/01/19/e-la-nave-va/ | // Fellinis Schiff der Träume (1983) –> https://de.wikipedia.org/wiki/Fellinis_Schiff_der_Tr%C3%A4ume

[Paris #32 … ]

„Monsieur Klein“ (Monsieur Klein), Regie: Joseph Losey (1976)

“ … Robert Klein (Alain Delon) sieht gut aus. Aber das ist nicht sein Kapital. Monsieur Klein kauft und verkauft, Import-Export sozusagen, allerdings würde Monsieur diese Begriffe nicht gerne hören. Denn Monsieur handelt mit Kunstgegenständen und Antiquitäten aller Art. Monsieur Klein betreibt ein vornehmes Geschäft. Er ist freundlich, aber bestimmt, in Geschäftsdingen klar, deutlich und hat seinen Vorteil im Auge. Was auch sonst? Wozu betreibt sonst jemand Geschäfte? Aus lauter Menschenfreude? Sicherlich nicht. Monsieur Klein ist immer gut angezogen. … Hier, im von den Deutschen besetzten Paris treffen wir ihn … Ein beeindruckendes und bedrückendes Porträt über einen „Unpolitischen”, dem seine eigene Mentalität zum Verhängnis wird – mit einem Alain Delon in der Titelrolle, wie ich ihn besser kaum gesehen habe. …“ | Ulrich Behrens (Zu „Monsieur Klein“ USA 1976, 123 Minuten, Regie: Joseph Losey) | http://www.filmzentrale.com/rezis/monsieurkleinub.htm

“ … Joseph Losey drehte mit „Monsieur Klein“ 1977 eine kafkaeske Parabel über Identitätsverlust, Mitläufertum und die Schuld des Einzelnen an den politischen Verbrechen seiner Zeit. Das [ ] Werk … wurde sehr kontrovers diskutiert, konservative Kreise stellten Hauptdarsteller Alain Delon, der den Film auch mitproduzierte, als Nestbeschmutzer hin. …“ | https://www.prisma.de/filme/Monsieur-Klein,257242

[Lino Ventura #4… ]

Un témoin dans la ville est un film policier de production franco-italienne,
réalisé par Édouard Molinaro sorti en 1959.
// https://fr.wikipedia.org/wiki/Un_t%C3%A9moin_dans_la_ville



“ … Ventura, … playing a sad, strange man motivated by fear. As the movie becomes a chase, the streets of Paris become a trap to be escaped, new danger lurking around every corner. …“ | https://cinezinekane.com/2014/11/13/witness-to-the-city-at-roxie-noir-fest-the-french-had-a-name-for-it/

Ostfriese (2. Juni 2021): “ … Eigentlich hat man von der ersten bis letzten Minute mitgefiebert, war angespannt, wie es eben selten ein Thriller schafft. Grandios fand ich aber die nächtlichen Szenen im Zusammenspiel mit Licht und Schatten. ..“

Rudi Würtz (21. Juni 2021): “ … Beleuchtungsfeuerwerk in Schwarzweiß … Ich sehe in dem Film eine äußerst gelungene Mischung aus Nouvelle Vague, etwas Hitchcock und Erinnerungen an „Der dritte Mann“. … Dabei … bietet [der Film] so ganz nebenbei einen interessanten Einblick in die Taxi-Szenerie im Paris der späten 50iger Jahre. Die von anderen Rezensenten schon gelobten, gelungenen Licht- u. Schatteneffekte verdanken sich natürlich (auch) der Tatsache, dass der Großteil der Handlung nachts abläuft – allein jedoch die Szene, in der Verfolger wie Verfolgter im Taxi sitzen, ist ein kleines Beleuchtungs-Meisterwerk für sich. Man fragt sich natürlich, warum dieser außergewöhnliche Kriminalfilm so relativ unbekannt geblieben ist …“



// Barney Wilen ‎– Un Témoin Dans La Ville (Hard Bop, Soundtrack, 1959)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Barney_Wilen
// https://www.discogs.com/Barney-Wilen-Un-T%C3%A9moin-Dans-La-Ville/master/510245

// Témoin Dans La Ville (Soundtrack, 1959)
// https://youtu.be/UD6SBcyAD7g

[Ennio Morricone #8… ]

Jean-Paul Belmondo ‚Bébel‚ (* 9. April 1933 in Neuilly-sur-Seine; † 6. September 2021 in Paris)


El Señor Hood (06.09.2021 zu: https://www.derstandard.at/story/2000129444136/schauspieler-jean-paul-belmondo-verstorben): “ … Ruhe in Frieden, Profi! (im Hintergrund zu diesem Posting: Ennio Morricones Titelmusik „chi mai“) –> https://youtu.be/GUyjYC_Pv90 …“

// „Chi Mai“ (Italian: whoever) is a composition by Ennio Morricone written in 1971. It was used in the films Maddalena directed by Jerzy Kawalerowicz (1971) and Le Professionnel directed by Georges Lautner (1981)
// https://en.wikipedia.org/wiki/Chi_Mai



Sophie Marceau (8. September 2021): “ … Jean-Paul Belmondo oben auf dem Kinoplakat – das war mittwochnachmittags die große Sache. Eine Riesenmenge strömte in die Kinos. Ich erinnere mich an sechzigtausend, achtzigtausend Zuschauer in Paris am ersten Tag. Aber man kam auch, um de Broca, Godard, Truffaut, Chabrol, Lautner, Verneuil, Oury, Deray, Melville, Lelouch, Resnais, Malle zu sehen. … Jean-Paul, wir alle haben dich geliebt, Frauen wie Männer, Alte wie Junge, Intellektuelle, Spaßvögel, Yuppies – du hast es letztlich allen recht gemacht, du hast uns zusammengebracht. …“ | https://www.zeit.de/2021/37/jean-paul-belmondo-film-schauspieler-bebel-tod

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #68 ]

“ … Auf einer unwirtlichen Insel im Atlantischen Ozean sind die Einwohner auf Hilfe von außen angewiesen. Regelmäßig kommt ein Schiff zur Insel, um die Bewohner mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs zu versorgen. Als der Winter naht und die Stürme kommen, bleibt das Schiff plötzlich aus. …“
Leuchtfeuer (R: Wolfgang Staudte, 1954) | https://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtfeuer_(1954)

Kirsten Liese (2016): “ … Der Film erzählt von Bewohnern einer kargen Fischerinsel, die in große Hungersnot geraten und darüber ihre Moral verlieren. Auf Strandgut von zerschellten Schiffen hoffend, setzen sie den Leuchtturmwärter unter Druck, die Lichter zu löschen – mit fatalen Folgen. …“ |Aus: „Ein neuer Blick auf das deutsche Nachkriegskino“ | https://www.goethe.de/ins/us/de/kul/mov/20819635.html

“ … Die von Lakoff und Johnson entwickelte kognitive Metapherntheorie geht davon aus, dass menschliches Denken zu großen Teilen metaphorisch strukturiert ist. Anders als frühere Metapherntheorien behandelt sie Metaphorik nicht als rein sprachliches, auf der Ebene des Textes oder einzelnen Wortes angesiedeltes Phänomen, sondern als Phänomen des Denkens. Dennoch ist zu fragen, in welchem Verhältnis metaphorische Prozesse im Film zur ‘Bildlichkeit’ sprachlicher Metaphern stehen. … Wesentliches Kennzeichen der filmischen Metapher ist [Eric Rohmer] zufolge – in gewisser Nähe zu dessen Überlegungen zu den Korrespondenzen zwischen Kunst und mythischem Denken … Gilles Deleuze definiert die Metapher als „fusion affective“ auf der Grundlage gemeinsamer „Schwingungen“ (harmoniques, wörtl. ‘Obertöne’) zweier Bilder ….“ | Aus: „Schuss und Gegenschuss ist Krieg – Teil I: Überlegungen zu metaphorischen Prozessen im Film Ansgar Thiele, Bonn“ (2006) | https://www.metaphorik.de/sites/www.metaphorik.de/files/journal-pdf/10_2006_thiele.pdf

[RWF #11… ]

Berlin Alexanderplatz ist eine 14-teilige deutsche Miniserie von Rainer Werner Fassbinder, die vom 12. Oktober bis zum 29. Dezember 1980 im WDR ausgestrahlt wurde.
// https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin_Alexanderplatz_(Fernsehverfilmung)
// https://en.wikipedia.org/wiki/Berlin_Alexanderplatz_(miniseries)

Jason Adams – NYC (Monday, May 02, 2011): “ … watching Rainer Werner Fassbinder’s 15 1/2 hour 1980 German television film Berlin Alexanderplatz. It’s been on my gotta-do list for years and I finally just decided fuck it,  I’ll lock myself in my apartment, camp out with some pizza and make it happen. … You’re deep in the belly of his madness here, flailing from melodrama to sad-clown comedy to flat-out sadism, sometimes (usually!) in a single scene. There’s narration over dialogue over written text over scenes shot through the ass-end of a fog machine. There are passages that feel so long and pointedly tedious that you think you can actually feel your fingernails growing. And it’s glorious. You’d think after sixteen hours I’d want a break from Rainer and his thing for a bit but I only want more, more, more. …“ | http://www.mynewplaidpants.com/2011/05/my-lost-weekend-with-rainer-werner.html

Jon – Kalamazoo, MI (Wednesday, April 3, 2013): “ … Fassbinder’s filmmaking. His stuff is often difficult to watch. His approach is often very raw, awkward, and nakedly emotional, leaving one feeling uncomfortable and troubled. At times the film is all of these things: glorious, breathtaking, inspirational, but also annoying, disturbing and exasperating. One cannot sit and watch this film passively. This is a film that will slap you in the face and shake you up repeatedly. …“ | http://filmsworthwatching.blogspot.com/2013/04/berlin-alexanderplatz-1980-directed-by.html

Wolfram Schütte (‚Franz, Mieze, Reinhold, Tod & Teufel – Rainer Werner Fassbinders „Berlin Alexanderplatz„‚ – Frankfurter Rundschau, 11.10.1980): “ … Franz & Reinhold: „die Geschichte zweier Männer, deren bißchen Leben auf dieser Erde daran kaputtgeht, daß sie nicht die Möglichkeit haben, den Mut aufzubringen, auch nur zu erkennen, geschweige denn sich zugeben zu können, daß sie sich auf eine sonderbare Weise mögen“ (Fassbinder). Unaufgeklärtes, unterdrücktes Gefühl uneingestandene Liebe, Verdrängung, Aggression, Gewalt, Tod. Zugleich wird Fassbinders pubertäre Ahnung von einem latenten homosexuellen Grundstrom in der merkwürdigen Beziehung von Franz zu Reinhold – gerade weil beide „keineswegs homosexuell sind“ – transzendiert in die Utopie einer „reinen, von nichts Gesellschaftlichem gefährdeten Liebe“: also keine Geldbeziehungen, keine sadistischen Abhängigkeiten, keine Ehekriege; statt dessen: “ Absolutheit des Gefühls“ (Kleist) … was dem Fassbinder an Döblins „Berlin Alexanderplatz“ besonders wichtig wurde, das war; „daß gerade den scheinbar unscheinbaren, unwichtigen, unbedeutenden Individuen, den sogenannt ‚Kleinen‘ die gleiche Größe zugebilligt wird, wie sie in der Kunst gemeinhin nur den sogenannt ‚Großen‘ zugebilligt wird“. Dem Transportarbeiter, Zuhälter, Totschläger und Dieb Franz Biberkopf werde ein „derartig differenziertes Unterbewußtsein zugestanden, gepaart mit einer kaum glaublichen Phantasie und Leidensfähigkeit, wie sie den meisten Figuren der Weltliteratur… so weitgehend nicht gegönnt wird.“ Das ist eine eigenwillige, subjektive, um nicht zu sagen: narzisstische Lektüre des komplexen Romans; eine Aneignung, welche die eigenen Sehnsüchte, Wünsche, Ängste, Utopien sowohl in ihn hineinprojeziert, als auch deren Spurenelemente darin entdeckt, hervorhebt, akzentuiert und einander interpretierend zuordnet. Um es gleich zu sagen: durchaus legitim. … Heute ist der außerordentliche Rang des Romans unumstritten, er ist eines der Hauptwerke Döblins, der bedeutendste Großstadt-Roman der deutschen Literatur, das umfassendste, reichste Kompendium moderner literarischer Montage – und Collage-Techniken, die alle nur denkbaren aktuellen, historischen, mythischen, religiösen Zeugnisse der Schrift und Sprache – von Werbetexten über den Dialekt und den Jargon bis zur Bibel, von der Moritat über den Schlager bis zur naturwissenschaftlichen Fachsprache – in sich aufnimmt, aufsaugt und „lyrisch, dramatisch, reflexiv“ (Döblin) die Epik Homers, Dantes, Cervantes erneuert. Ein Meer von einem Roman, darin der kleine Fisch Biberkopf schwimmt. …“ | https://www.filmportal.de/sites/default/files/05C3521DAC5E4EBCBF2858380A3DCB9C_berlin_alexanderplatz.pdf

Sebastian Höger [Datum: vor 2006] (‚Fassbinders gescheiterte Therapie. Zur Literaturverfilmung ‚Berlin Alexanderplatz‘ nach Döblins gleichnamigem Roman.‚): “ … Am 10. Juni 1982 beendete eine kombinierte Einnahme von Schlaftabletten und Kokain eine der ungewöhnlichsten, umstrittensten und spannendsten Therapien der Filmgeschichte: Rainer Werner Fassbinder wurde von seiner damaligen Lebensgefährtin Juliane Lorenz bei Nacht in seiner Münchner Wohnung tot aufgefunden. … Von der eigenen Therapie hatte Fassbinder klare Vorstellungen: Die Selbstanalyse sollte die Psychoanalyse ersetzen, der Film den Analytiker. Das zu erzielende Ergebnis formulierte er in einem Interview: „Wenn man sich seine Probleme bewusst macht, anstatt sie zu verdrängen, werden sie gleichzeitig analysierbar, und damit sind sie zu überwinden.“ … ‚Berlin Alexanderplatz‘ war Fassbinder 1980 mit der Diagnose immer noch nicht über eine Arbeitshypothese hinaus: Geisteskrank, Art der psychischen Krankheit noch unbekannt. Seine Mitarbeiter und Teile der Presse waren da schon weiter: Ausgeprägter Narzißmus, mangelndes Selbstwertgefühl, Grandiosität bis hin zu sadistischen Tendenzen verbunden mit einem Opferkomplex. Das Fernsehpublikum gesellte sich nach der Erstausstrahlung von Fassbinders ‚Berlin Alexanderplatz‘ auch zum Kreis der Analytiker, hatten Fassbinder doch die beiden Protagonisten Franz Biberkopf und Reinhold als Projektionsflächen für seine Neurosen gedient. Den Grund für deren und seine psychische Krankheit sah Fassbinder in Freuds Kern aller Neurosen, dem Ödipuskomplex, weshalb im Epilog (der letzten Folge der Serie) ein toter alter von einem Speer durchbohrter Mann vor einem sich liebenden Paar liegt: Der Sohn hat den Vater getötet um mit der Mutter den Inzest zu begehen. Mit dieser Anspielung musste sich Fassbinder begnügen, da der WDR die geplante explizite Darstellung verhinderte. Jedoch nicht, weil Fassbinder in Döblins Roman, diesem Epos der Moderne, im Widerspruch zum Autor und dem Roman, den ersten Versuch gesehen hatte „Freudsche Erkenntnisse in Kunst umzusetzten“, sondern auf Grund der Sendezeit: Die Verfilmung sollte als Montagabendserie im Familienprogramm laufen. …“ | https://www.jump-cut.de/filmkritik-berlinalexanderplatz.html

[Zum Wahn der Liebe #95 … ]

“ … „Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen“ [Claude Chabrol, 1975], ein Psychothriller, der [ ] die moralischen Abgründe der Bourgeoisie aufdeckt, ist ein Prototyp von einem Chabrol. Der Altmeister hat sein Lieblingsthema dementsprechend auch oft wiederholt, aber hier ist alles ganz … unverbraucht. …“ | https://www.karlstorkino.de/programm/les-innocents-aux-mains-sales/ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Unschuldigen_mit_den_schmutzigen_H%C3%A4nden

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“ … Lieben ist in [Sarah] Kanes Entwurf nicht mit der Aufrechterhaltung und Autonomie des Individuums zu vereinen. Von Seiten des Liebenden ist Liebe immer mit Verlust verbunden, von Seiten des Geliebten mit Bedrohung. Diese Formen der eigenen Verletzlichkeit entsprechen der Gewaltsamkeit der Liebeserfahrung in [Georges] Batailles Sinn, die trotz der damit verbundenen Gefahren auch erwünscht sind. … [Roland] Barthes stellt wiederholt heraus, daß gerade die Psychoanalyse eine eher negative Auffassung der Liebe entwirft und sie mit einem Zustand des Wahnsinns vergleicht … Grundsätzlich bestätigt er zwar die Gleichsetzung von Liebe und Wahnzustand, dessen Abwertung teilt er jedoch nicht. Zur angeblichen Dummheit des Liebeswahns sagt er: „Die Dummheit besteht darin, überrascht zu werden. Der Liebende wird es unaufhörlich […]. Vielleicht kennt er seine Dummheit, aber er verpönt sie nicht“ (FSL183). … Als reparative Phantasie, der sich das postmoderne Subjekt hingeben kann, bietet die Liebe letztlich eine Möglichkeit der Verankerung. Sie erscheint dabei als eine Ermächtigungsstrategie, die es dem Liebenden erlaubt, sich über die Unübersichtlichkeit seiner komplexen Umwelt hinwegzusetzen und sich über seine Positionierung in Bezug auf den Anderen seiner selbst zu versichern. … Einerseits wird viel in die Liebe investiert, die Erfahrung wird romantisiert und mit geradezu religiösem Potential aufgeladen. Andererseits ist eine eher nüchterne, von taktischen Überlegungen dominierte Annäherung an das Phänomen Liebe auszumachen, die die Erfahrung als solche in ihrer Wichtigkeit allerdings nicht herabsetzt …“

Aus: „Postmodern Love? – Auseinandersetzungen mit der Liebe in der britischen Literatur der 1990er Jahre“ Tina Schäfer (Dissertation, 5 Philosophische Fakultät, 2007) | https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/46292 | https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/46292/pdf/Diss_Schaefer.pdf

// Georges Bataille (1897 – 1962)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Bataille


// Roland Barthes (1915 – 1980)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Barthes


// Sarah Kane (1971 – 1999)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Sarah_Kane

[Zeit im Bild #52 … ]

Riff-Raff (1991) | https://de.wikipedia.org/wiki/Riff-Raff_(1991)

Roger Ebert (March 19, 1993): “ … Ken Loach’s „Riff-Raff“ shows laborers who are alienated from the very idea of management and see themselves as proletarian outsiders. Partly that’s a function of the more rigid class system in Britain and the relative freedom of social movement in this country. … „Riff-Raff“ was written by Bill Jesse, a construction worker, who died as the film was being completed. It reflects his unromantic, irreverent view of the world. … „Riff-Raff“ centers on a construction job in London, where 19th century housing, recently renting for very little, is being renovated into town homes for the rich. The workers on the job are nomadic and homeless; many come from outside London and live in „squats,“ or empty flats, that they open with a crowbar. Their boss is a loud, aggressive site manager whose threats mostly involve his cheerful willingness to fire them. We meet several of the workers and get to know them. …“ | https://www.rogerebert.com/reviews/riff-raff-1993
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“ … Growing up, I spent the majority of my school holidays on building sites at work with my father. Rising at the break of dawn, we’d rustle up a carb-heavy lunch before climbing into his pick-up, dust pluming from the seats as we sank into them, filling the van with a grainy haze that would settle on our skin and stay there for the remainder of the day. All the men on my dad’s side of the family work in construction. I was never really cut out for it, but by the time I saw Ken Loach’s Riff-Raff I had spent many years surrounded by the world it depicted. I could see my dad, his colleagues and friends in the characters Loach and screenwriter Bill Jesse brought to the screen, their place of work, their humour and their spirit. … The film is a product of its time, dated in its aesthetic but many of its then contemporary reference points still ring true …“ | From „Riff-Raff (1991)“ Ryan Hewitt (27 October 2016) | https://www.curzonblog.com/all-posts/2016/10/27/the-films-that-made-us-riff-raff
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Bernie: Riff Raff – Rezension aus dem Vereinigten Königreich vom 4. Mai 2013: “ … I thoroughly enjoyed this film. It was a good down to earth film and captured the feel of what it was like in those times. …“
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“ … Und ich dachte, es wäre gut, etwas von den Folgen der frühen achtziger Jahre und des Thatcherismus zu zeigen, ohne einen politischen Vortrag zu halten, eher mit etwas Wärme und Humor. Der Film ist bewusst wie ein Mosaik oder eine Collage strukturiert – wenn es nicht zu prätentiös ist, das zu sagen -, wo man eine kleine Geschichte hat und eine kleine Geschichte am Rande, und das Ganze fügt sich zu einem Gesamtbild. (Ken Loach) …“ | https://www.viennale.at/de/film/riff-raff
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// Thatcherismus ist die Bezeichnung für die Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik von
// Margaret Thatcher, der britischen Premierministerin von 1979 bis 1990. …
// https://de.wikipedia.org/wiki/Thatcherismus

[La Lune #45 … ]

Detail aus: „Die Flucht nach Ägypten“ (1609)

via

“ … Adam Elsheimer war der erste Maler, der den Sternenhimmel fast naturgetreu dargestellt hat. Zwar sind die Sternbilder keineswegs mit der Genauigkeit eines Himmelsatlas wiedergegeben, doch malte Elsheimer als erster Künstler die Milchstraße als eine Ansammlung unzähliger einzelner Sterne (eine damals revolutionäre Vorstellung). Daneben stellte er den Mond in einem seiner Bilder „auf den Kopf“ (ein Indiz für ein Instrument) und verzeichnete Details, die mit bloßem Auge unsichtbar sind. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat er im Sommer 1609 den Himmel über Rom mit einem Fernrohr oder einem Hohlspiegel betrachtet. Seine Beobachtungen fanden ihren Niederschlag auf dem Bild Die Flucht nach Ägypten. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Elsheimer | https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Elsheimer#/media/Datei:Adam_Elsheimer_-Die_Flucht_nach%C3%84gypten_(Alte_Pinakothek).jpg // https://en.wikipedia.org/wiki/The_Flight_into_Egypt_(Elsheimer)

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