Kategorie: Kunst.Encoder

[Schatten #28… ]


Miss Arizona“ (Regie Pál Sándor, Ungarn 1988): Budapest, 1919. Der Juwelier Stein wird von Spezialeinheiten zu Tode geprügelt, doch sie finden nicht, wonach sie suchen: Seine Diamanten. Seine unbeschwerte Frau, Mici, und ihr kleiner Sohn werden von dem Musiker Rozsnyai gerettet, und der kleinen Gruppe gelingt schließlich die Flucht nach Italien. Fast zehn Jahre später, nach der Entdeckung der kostbaren Steine, kehren sie nach Budapest zurück, wo sie einen Nachtclub kaufen und ihn unter dem Namen Arizona weltberühmt machen. Mici, alias Miss Arizona, glaubt nun alles regeln und lösen zu können. Doch düstere Zeiten brechen an, in denen weder Beziehungen noch Geld oder Schmuck etwas bedeuten. | Siehe auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Miss_Arizona_(1988_film)

“ … Das Schicksal einer Tingeltangel-Sängerin (Hanna Schygulla) und eines Entertainers (Marcello Mastroianni) in Budapest vor dem politischen Hintergrund der Jahre 1920 bis 1945. Eine ausgefeilt komponierte Tragikomödie, die über die private Geschichte hinaus die Verfallserscheinungen der bürgerlichen Gesellschaft und das Erstarken des Faschismus nachzeichnet. Die verhalten-distanzierte Darstellung kann sich auf gute Darsteller und eine kluge Dramaturgie stützen, die weniger Anteilnahme als Analyse einfordert. …“ | Aus: „Miss Arizona, Tragikomödie | Ungarn/Italien 1987 | 119 Min., Regie: Pál Sándor“ | Quelle: https://www.filmdienst.de/film/details/64195/miss-arizona

“ … Es war eine Enttäuschung für mich. Trotz der hervorragenden Besetzung und Crew. Ich war von Anfang an enttäuscht, als der Herbst 1920 mit dem Herbst 1944 vermischt wurde. Die Effekte und Akzente müssen zwar hervorgehoben werden, aber die Falschdarstellung ist widerlich – Budapest im Jahr 1920 war nicht dasselbe wie im Oktober 1944, die „Stein“-Leute wurden nicht hingerichtet – weder wegen ihrer Diamanten noch wegen ihrer Herkunft. Auch Italien im Jahr 1922 bekam gerade erst einen Vorgeschmack auf die Anfänge des Faschismus, doch auf dem Schiff schreien die Faschisten bereits in Uniform, unter dem Bild Mussolinis. Und so geht es weiter. In einem Film wie diesem wären historische Authentizität und faktische Genauigkeit wichtig. Ich fand ihn auch kitschig, obwohl ich Pál Sándors Filme im Allgemeinen mochte und viel von ihm erwartet hatte. …“ | crash48 2014 dec. 29. – 16:37:33 | „Téma: Miss Arizona“ | Quelle: https://port.hu/forum/miss-arizona/57929

“ … Ungarn näherte sich ab 1933 unter Ministerpräsident Gyula Gömbös aufgrund wirtschaftlicher Krisen und revisionistischer Propaganda politisch immer mehr dem NS-Staat an. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Ungarn

“ … Das Jahr 1920 wies bereits viele Ähnlichkeiten zu 1944 auf. Rechtsextreme Partisanen wüteten damals schon im Land, und kurz darauf wurde der Numerus clausus verhängt, der die Möglichkeiten des Landes stark einschränkte und viele Genies zur Flucht zwang [„Das Gesetz XXV/1920, das so genannte Numerus Clausus-Gesetz, das von der ungarischen Nationalversammlung im September 1920 verabschiedet wurde, hat den zweifelhaften Verdienst, das erste antisemitische Gesetz der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg gewesen zu sein….“ | Quelle: https://www.vwi.ac.at/index.php/forschung/forschungsschwerpunkte/abgeschlossene-projekte/der-numerus-clausus-in-ungarn]. Die Probleme begannen nicht erst im Herbst 1944, sondern waren im Jahr 1920 bereits in vollem Gange. Der Film Miss Arizona (1988) thematisiert ja genau diese Tatsache: Es begann nicht 1944, sondern es war ein Prozess, dessen Gefahren sich die Figuren im Film zu spät bewusst werden. Die Gefahren kamen ja nicht plötzlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel, sondern es war eine sich steigernde Entwicklung, welche viele nicht wahrhaben wollten. …“ | Sindelar (2023 jan. 22. – 03:28:45) „Téma: Miss Arizona“ | Quelle: https://port.hu/forum/miss-arizona/57929

[Zum Wahn der Liebe #108 … ]

Amor und Psyche – Illustriert von P. Thumann (Leipzig, Verlag Adolf Titze, 1882)

“ … Am ehesten lässt sich Amor wohl als Gott des „Sich-Verliebens“ bezeichnen. Bewaffnet mit Pfeil und Bogen sorgt er dafür, dass zwischen zwei Menschen tiefe Gefühle entflammen. … Psyche, die jüngste (und selbstverständlich schönste) von drei Königstöchtern war so bildhübsch, dass sie sogar Venus in ihren Schatten stellte. Aus tiefster Wut und Eifersucht befiehlt sie ihrem Sohn Amor, mit einem seiner Pfeile dafür zu sorgen, dass sich Psyche in einen schlechten (und vorzugsweise hässlichen) Mann verliebt, im besten Fall sogar in ein schreckliches Ungeheuer. Doch wie es der Zufall – und jede gute Liebesgeschichte – will, erwischt sich Amor selbst mit genau diesem Pfeil, weshalb sich die beiden sofort Hals über Kopf ineinander verlieben. Amor und Psyche lassen nichts anbrennen und heiraten sofort – allerdings heimlich, da eine Verbindung zwischen einem Gott und einem Menschen für die Götter inakzeptabel ist. … Daraufhin bringt Amor seine Frau in ein abgelegenes, märchenhaftes Schloss, in dem er fortan mit ihr leben will. Lediglich ein Versprechen nimmt er ihr ab: Dass sie ihn nie zu sehen bekommen und auch nie versuchen würde, zu erfahren, wer er sei. Psyche willigt ein. … Die Geschichte von Amor und Psyche stammt ursprünglich aus dem Jahre 170 n. Chr. aus der Feder des Dichters Apuleius. Sie war seitdem Inspiration für viele Werke der Literatur, Musik und Bildenden Kunst. Auch einzelne Elemente der Erzählung, wie der mysteriöse Bräutigam, die bösen Schwestern oder die lebensbedrohlichen Prüfungen, wurden seitdem in zahlreichen Geschichten aufgegriffen. Dazu zählen Shakespeares Ein Sommernachtstraum sowie die Märchen Aschenputtel und Die Schöne und das Biest. Amor und Psyche werden zuweilen als der Romeo und die Julia der Antike bezeichnet und teilen sich damit wohl mit den beiden den ersten Platz um das Rennen des größten Liebespaares aller Zeiten. …“ | Aus: „Amor und seine Psyche“ Mici (Februar 2022) | Quelle: https://www.unique-online.de/amor-und-seine-psyche/11896/

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“ … Liebe, Begierde, Lust, diese ganz großen Gefühle eint alle, dass sie in der stofflichen Welt nicht überlebensfähig sind. Sie können nur im Moment existieren, ohne Zeit und Raum, oder im eigenen Kopf. Jeder Versuch, sie aus dem Jetzt oder der eigenen Fantasie zu heben, kann nur scheitern, denn alles, was außerhalb ist, beschränkt die Grenzenlosigkeit der Empfindung und verformt sie. Sie kann nur im eigenen Kopf frei sein, wo man im Moment verharren kann, ohne dass Zeit vergeht, ohne dass sich die Frage nach einem Wiedersehen an einem vollen Terminkalender abstößt. …“ | Aus: „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ Meike Stoverock (10.03.2025) | https://steady.page/de/frau-meike-meint/posts/ec74b80f-638a-4778-87bd-a9512aa8ac71 | Zu: „Irgendwann werden wir uns alles erzählen“ (Emily Atef, 2023) [„… Bei der internationalen Kritik stieß der Film auf gemischte bis negative Reaktionen. … Die Zeit listete den Film in einem Jahresrückblick als einen der schlechtesten des Kinojahres 2023. Besonders bemängelt wurden dabei die Sexszenen, die von der Rezensentin als „pornografisch“ und „lächerlich“ bezeichnet wurden. Andererseits schreibt der Fluxkompensator: „Die Vorstellung, dass auch weibliche Sexualität dunkle, aggressive und selbstzerstörerische Seiten haben kann, stößt auf einige Ablehnung, bis hin zum bizarren Vorwurf des Male gaze. Dabei sind gerade die Szenen der Zweisamkeit mit großer Feinfühligkeit inszeniert, wir sind ganz nahe an den Figuren, die wenigen Sätze sind genau platziert.“ …] | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Irgendwann_werden_wir_uns_alles_erz%C3%A4hlen


KeKi (12. Juli 2025): “ … Diese Mischung aus Sexyness, Verletzlichkeit und Tiefe … Mich erinnert der Film an meine Sommer ’89 und ’90 im Osten, der Sommer brachte eine Leichtigkeit mit sich und doch war die Unsicherheit, was werden wird, damals an jeder Ecke im Dorf greifbar und auch diese heimlichen Liebeleien gab es – und wir Kinder waren mehrfach ungewollt Geheimnisträger dieser Liaisons und haben uns unseren Teil dabei gedacht. …“

[Frans Masereel… ]

Frans Masereel „Metro aerien“ [Hochbahn] (1926)
// https://www.kuma.art/de/exponat/metro-aerien

Frans Masereel (1889-1972) Grafiker, Zeichner, Maler und Pazifist … Masereels Werke galten den Nationalsozialisten als „entartet“, und 1937 wurde im Rahmen der deutschlandweiten konzertierten Aktion „Entartete Kunst“ eine Vielzahl seiner Arbeiten nachweislich aus dem Städtischen Kunsthaus Bielefeld, dem Herzog Anton Ulrich-Museum Braunschweig, dem Schlesischen Museum der Bildenden Künste Breslau, der Städtischen Kunstsammlung Chemnitz, den Kunstsammlungen der Stadt Düsseldorf, der Städtischen Kunstsammlung Gelsenkirchen, dem Pfälzischen Gewerbemuseum Kaiserslautern, dem Städtischen Kunsthaus Kassel, dem Museum Behnhaus Lübeck, dem Städtischen Museum Mainz, der Städtischen Kunsthalle Mannheim und der Städtischen Bildergalerie Wuppertal-Elberfeld beschlagnahmt. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Frans_Masereel (25. Januar 2026)
–> http://masereel.org/werke/

[Kriegsschauplätze #56…]

Die Komplizenschaft im Gewaltensemble zeigt sich in einer Stummheit … Wenn das vergesellschaftende Wie dunkel bleibt …

„… Uns drängen sich Fragen auf, wenn wir lesen, Freuds Psychoanalyse sei in ihrer „eigentlichen Substanz soziologisch“ (Marcuse, Triebstrukturen und Gesellschaft, 1968), ohne dass durch eine vorabgegebene Klärung der unbewussten Strukturen selbst der Übergang in den Sozialbereich legitimiert worden wäre, wenn, anders ausgedrückt, das vergesellschaftende Wie dunkel bleibt und ungefragt vorausgesetzt wird; uns drängen sich Fragen auf […] wir werden rückfragen müssen, wenn die psychoanalytische Todestriebhypothese kurzerhand als ein Produkt bürgerlicher Ideologie verrechnet wird …“ | Aus: Hermann Lang – Die Sprache und das Unbewusste. Jacques Lacans Grundlegung der Psychoanalyse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973 (erneut 1986, 1993) [Lang studierte unter anderem bei Gadamer, Ricoeur und Lacan. 2019 starb Lang in Würzburg]

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“ … Auf den Bildern soll zu sehen sein, wie ein 25 Jahre alter Mann kurz vor der Kollision an Gleis 2 steht. In einiger Entfernung, ihm den Rücken zugewandt, wartet eine 18-jährige Frau auf die U-Bahn. Dann, so heißt es in Ermittlungskreisen, umklammert er sie und stürzt sich mit ihr auf das Gleisbett, als die U-Bahn einfährt. Beide versterben, bevor die Feuerwehr eintrifft. …“ | Aus: „Er riss sie auf das Bahngleis“ Christoph Heinemann und Tom Kroll, Hamburg (30. Januar 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/hamburg/2026-01/hamburg-wandsbek-u-bahn-mann-frau-mordkommission

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“ … Der Wunsch nach Vernichtung des Lebendigen kann sowohl auf das Subjekt selbst als auch auf andere Personen gerichtet sein. Im ersten Fall nimmt der Todestrieb die Form der Autoaggression oder der Regression an … Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Konzeption des Todestriebs spielte für Freud dabei die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, der ein bis dahin noch nie erlebtes Ausmaß an menschlicher Zerstörungslust offenbarte. Erich Fromm analysierte in seiner Schrift Anatomie der menschlichen Destruktivität (1973) unter anderem Adolf Hitler und Heinrich Himmler als „destruktive“, auf pathologische Weise vom Todestrieb beherrschte Charaktere. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Todestrieb (14. Dezember 2025)
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“ … Die erste Drohne […] explodierte direkt neben dem Zug und brachte ihn zum Stehen. Die zweite Drohne traf eine Oberleitung, die dritte schlug direkt in einen Waggon mit 18 Personen ein. Einige konnten fliehen, andere starben, wieder andere gelten noch als vermisst. …“ | Aus: „In Stücke gerissene Leichen am Bahngleis“ | Von Juri Larin aus Charkiw [Aus dem Russischen Gaby Coldewey] (28.1.2026) | Quelle: https://taz.de/Russischer-Drohnenangriff-auf-Zug/!6149429/

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“ … Es könnte sich bei Putin um einen „inneren Vernichtungsdrang“ handeln, einen „Todestrieb“ – das Konzept hatte der Psychoanalytiker Sigmund Freud bekannt gemacht. … Russland wolle ein mächtiger Pol in der Welt sein, doch es gelinge ihm nicht, ein „erfolgreiches politisches Modell zu schaffen, dem sich andere anschließen würden“. Nun habe es also „nichts anderes zu bieten, als jeden in seine eigenen Tiefen zu ziehen“ – ein Todestrieb eben, schlussfolgert Pomerantsev. … “ | Aus: „Russland-Experte attestiert Putin einen tiefen „Todestrieb““ (13.06.2023) | Quelle: https://www.merkur.de/politik/wladimir-putin-psychologie-persoenlichkeit-motive-analyse-todestrieb-sigmund-freud-peter-pomerantsev-92336320.html
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Nach dem Lesen der obigen Artikel, die den „death drive“ plastisch werden lassen, schaute ich eine Zeitlang in ein geisterhaftes Nirgendwo. Es gibt mittlerweile so viele Artikel dieser Art (die von einer primitiven und absurd anmutender Brutalität erzählen). Einige Präsidenten und Staatsoberhäupter erscheinen mir vor dem inneren Auge in ihrer Gewaltlust fast austauschbar (als müssten sie alle ein dunkles Muster zwanghaft wiederholen). Erleben wir gerade einen globalen Rückfall, eine Vitalisierung des Todestriebs? Wie könnte der Rückfall in Wahn und Elend später in der Rückschau genannt werden? – Die Gegenwart wird durchzogen von seelisch schwarzem Wasser. Ich denke an das schreiende Unglück der Menschen, die der Krieg widerfährt. Warum stocke ich gerade diesmal bei dieser Art von Artikeln, die zeigen wie Absurdität und Gewalt sich steigern? Darf ich überhaupt darüber nachsinnen, während ich mir einen Kaffee aufsetze (es bleibt so vieles am eigenen Leben grotesk und rätselhaft – darum besser schweigen?) – Warum stocke ich, warum stockt etwas in mir, bei den obigen Artikeln? – Weil wieder eine oder mehrere zivilisatorische Schichten durchstochen wurden? – Weil sie von jedem von uns dokumentieren wie entbehrlich und ungeschützt wir sind? – Ist es nicht so, dass ich selber gerne mit dem Zug fahre, atme, lebe? – Ich glaube, ich wollte diesmal nicht in diese Wortlosigkeit fallen. Ich wollte diesmal nicht darüber hinweggehen, ich wollte innehalten. Sagte mir: Nun sieh es Dir an! Lass es wirken auf dein inneres Leben. War das nicht oft das Problem gewesen? – Die Wortlosigkeit zwischen den Generationen, die kalkulierte Kühle zwischen den Menschen (gerade in Deutschland)? Sind wir schweigsam, weil „wir“ (weil ich) für diese extreme Form von absurder Grausamkeit keine sinnvollen Sätze bilden können? (Weil die Absurdität uns übersteigt?) – Wie die eigene Naivität, die eigene Dummheit (Dunkelheit) beenden, die wie Nebelschwaden der Indifferenz an der Seele haften? – Wie könnte ich die Nadel von der Platte der Wortlosigkeit, der Überforderung nehmen, die durch einen Kratzer immer wieder in die gleiche Rille springt? – Ich erinnerte mich an DADA als eine Revolte gegen die falsche Moral und gegen die große Politik, die man mit Verstand nicht mehr fassen konnte [die Werke der Dadaisten sollten eine künstlerische Antwort auf das irrationale Abschlachten des [1. Welt-] Krieges sein.] | Quelle: „Dada – eine Antwort auf den Krieg“ von Sabine Oelze und Benjamin Wirtz (2016) | Quelle: https://www.dw.com/downloads/30109427/nachrichten-mit-vokabeln-20160209-dada-eine-antwort-auf-den-krieg.pdf | … Aber heute (2026) kann DADA nicht mehr eine Antwort auf den Krieg (auf den death drive) sein. Die Karte wurde ausgespielt. Es scheint mir als wäre DADA bereits vergilbt und unleserlich geworden. Die multimediale Öffentlichkeit ist heute eine Andere.

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Ich denke an den Film „Le Train“ mit Jean-Louis Trintignant und Romy Schneider. „Le Train“ stellt präzise und fast universell Fragen zum Krieg (und seiner Absurdität). Konkret werden in „Le Train“ die Fragen an den Radiomechaniker Julien Maroyeur („einen ganz gewöhnlichen“ Mann) gestellt – ein Mann, der Zeit braucht, um seine Antwort zu finden – wohl auch in Stellvertretung für die Filmzuschauer: “ … „Le Train – Nur ein Hauch von Glück“ (Frankreich | Italien, 1973) entstand unter der Regie von Pierre Granier-Deferre nach dem Roman des belgischen Schriftstellers Georges Simenon. … [Der Film] entlarvt sich nie als ein Beitrag der falschen Untertöne und erspart sich unangebrachte melodramatische Anflüge, oder gar den Zeigefinger zu erheben. … “ | https://www.italo-cinema.de/item/le-train-nur-ein-hauch-von-glueck | https://de.wikipedia.org/wiki/Le_Train_%E2%80%93_Nur_ein_Hauch_von_Gl%C3%BCck


Jean-Louis Trintignant als Radiomechaniker Julien Maroyeur

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Ich denke an einen Text von Christina Thürmer-Rohr: “ … [»Die Stummheit der Gewalt und die Zerstörung des Dialogs«]: … Gewalt verletzt den Anspruch auf eine dialogische Existenz … Diese Möglichkeit [der dialogische Existenz] wird mit jedem Akt der Gewalt verweigert oder verworfen. … Gewalt definiert sich nicht nur über die einzelnen Gewalttaten und -täter, sondern ebenso über ihren Kontext, ihre Unterstützung und Duldung. Die Komplizenschaft im Gewaltensemble bedeutet nicht nur Zugehörigkeit zum Ensemble der Schadensanrichter, sondern zum Ensemble der Dialogzerstörer. Duldung von Gewalt ist gleichbedeutend mit der Stärkung eines monologischen Prinzips … Die Komplizenschaft im Gewaltensemble zeigt sich in einer Stummheit, die sich wie eine Epidemie addierter Monologe ausbreitet. …“ | Quelle: »Die Stummheit der Gewalt und die Zerstörung des Dialogs« (UTOPIE kreativ, S. 773-780, 2002) | Aber auch hier wird etwas ausgesprochen, was längst bekannt ist. Es spricht etwas aus, dass immer wieder übergangen werden kann (und immer wieder übergangen wird) – der Todestrieb verachtet Argumente, Diskussionen, das Miteinander (und gefällt sich in einem Eigenrausch – in der zerstörerischen Raserei).

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Ich frage mich, wie und wo sich die Dinge des Lebens niederschlagen werden. Wie wird später der death drive der jetzigen Welt erzählt werden? – Wie wird erzählt werden, was wir gerade erleben? – Wie wird es erzählt werden in der Rückblende, in der Rückschau? – – – „… An der Auseinandersetzung zwischen den kriegskritischen Positionen um Remarque und den radikalnationalistischen Texten um 1929/30 kann schließlich abgelesen werden, daß die symbolische Neuordnung im literarischen Feld die spätere politische Entwicklung vorweggenommen hat. … [„…Ähnlich wie auch in der zeitgenössischen Malerei, bei George Grosz und Otto Dix, kulminiert die literarische Darstellung während und nach dem Ersten Weltkrieg in der Beschreibung von Kriegskrüppeln oder Wahnsinnigen. …“] …“ | Zu „Imaginäre Schlachtfelder“ – Kriegsliteratur in der Weimarer Republik – Eine literatursoziologische Untersuchung, Jörg Friedrich Vollmer, Erscheinungsjahr 2003 | Quelle: https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/9872
// Notiz / Verweis: Erich Maria Remarque (1898 – 1970) war ein deutscher Schriftsteller. Er wurde mit dem 1928 erstmals erschienenen, zuerst 1930 in Hollywood verfilmten Antikriegsroman Im Westen nichts Neues weltberühmt. … Im NS-Staat wurden seine Bücher verboten und 1933 öffentlich verbrannt. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. …–> https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Maria_Remarque

[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #102]

Die Grenze zwischen Filmmythos und echtem Leben war unscharf (Aus „La Vérité“ (1960), Wikipedia) … die Göttin der Sorglosigkeit lebt hier nicht mehr … von der Brigitte-Bardot-Welt zu träumen, war viel schöner, als mit ihr ernsthaft in Berührung zu kommen. … (Georg Seeßlen)
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“ … Der Vatikan nannte sie zwischenzeitlich „Inkarnation der Sünde“ …“ Stefan Brändle aus Paris (28. Dezember 2025) | Quelle: https://www.derstandard.de/story/3000000302192/franzoesischer-filmstar-brigitte-bardot-mit-91-jahren-gestorben
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Peer der Wallone: „… Brigitte Bardot und der Vatikan – [Sie] wurde übrigens am 27. September 1995 im Vatikan von Pabst Johannes Paul dem II empfangen. … [Es sah damals] so aus, als [würden] die beiden gut miteinander klar kommen :-). Ist ja auch viel Wasser seit dem Film „Et Dieu créa la femme“ von 1956 den Tiber runter geflossen. …“
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Franz Klug: “ … Schade, dass Brigitte Bardot bei uns nur auf die sexist Frau alive reduziert wurde. …“ | [ Bardot galt besonders in den 1950er und 1960er Jahren als internationales Sexsymbol. Meistens wurde sie als hedonistische, sexuell freizügige und selbstbewusste Schönheit besetzt und prägte damit im Kino einen neuen Frauentyp in der Anfangszeit der Sexuellen Revolution [https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Revolution]. — Brigitte Bardot Filmografie –> https://de.wikipedia.org/wiki/Brigitte_Bardot#Filmografie]

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“ … „Die Wahrheit“ … Dunkler Moralkrimi mit überlebensgroßer BB … 1960: Brigitte Bardot soll für ihren sündigen Lebenswandel verurteilt werden. Die hübsche Dominique (Brigitte Bardot) steht vor Gericht: Die junge Frau soll ihren Liebhaber, den Musikstudenten Gilbert (Sami Frey) ermordet haben. Schnell wird klar: Der konservative Staatsanwalt will Dominique vor allem für ihren in seinen Augen unmoralischen Lebenswandel verurteilen. Viele Zeugenaussagen lassen das facettenreiche Bild einer lebenshungrigen Frau entstehen, die der Provinz nach Paris entfloh und hier vor allem Männerbekanntschaften suchte… Selten wurde eine Schauspielerin so mit ihrer Rolle identifiziert wie BB in diesem Film. Regisseur Clouzot („Lohn der Angst“) nutzte ihr Luder-Image, um wie ein Prophet der 68er-Revolte die moralischen Konflikte seines Landes auszuleuchten. …“ | Quelle: https://www.cinema.de/film/die-wahrheit,1332370.html


“ … La Vérité (1960) … Jahrzehnte später erklärte [ ] Bardot, von all ihren Rollen sei ihr die in Die Wahrheit die liebste gewesen. … Clouzot hat darauf hingewiesen, dass ihn reale Gerichtsverhandlungen, die er zum Teil selbst besucht hatte, zur Thematik seines Films angeregt hatten. … Die Grenze zwischen Filmmythos und echtem Leben war unscharf. Während der Dreharbeiten kursierten Gerüchte über Liebesaffären zwischen Bardot und Frey sowie Bardot und Clouzot. Die Presse brachte Bardots launenhaftes Verhalten immer wieder mit ihren Suizidversuchen in Verbindung. Bardot wurde von Paparazzi gejagt und fühlte sich gehetzt. Als Clouzot sie nach den Dreharbeiten wieder traf, erschien sie ihm sehr bedrückt. Einige Tage später, an ihrem Geburtstag am 28. September 1960, schnitt sie sich die Pulsadern auf. Sie schwebte mehrere Tage lang in Lebensgefahr. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wahrheit_(Film) (28. Dezember 2025)
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“ … Film-Ikone Brigitte Bardot … [ihre] Karriere ist untrennbar mit dem Aufstieg des modernen Starkults verbunden. … “ | Aus: „Film-Ikone Brigitte Bardot ist tot – ihr Vermögen soll ihr Lebenswerk sichern“ Moritz Bletzinger (29.12.2025) | https://www.merkur.de/welt/ist-tot-filmstar-brigitte-bardot-zr-94100270.html
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“ … Der französische Präsident würdigte sie [ ] als „eine Legende des Jahrhunderts“ …“ | Quelle: https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_101060294/emmanuel-macron-reagiert-auf-den-tod-von-brigitte-bardot-und-nimmt-abschied.html
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“ … Bardot, das wohl erste globale Sexsymbol [eine Projektionsfläche für männliche Phantasmen], empfindet ihr Leben als nicht besonders glücklich. Der Ruhm, ihre Prominenz hätten sie beinahe zerstört. … Ist es absurd, eine Frau zu bedauern, weil ihr die Welt zu Füßen lag und sie damit nicht fertigwurde? … Der Fall Bardot ist auch interessant in einer Zeit, in der beinahe kein Tag vergeht, ohne dass Frauen und insbesondere Schauspielerinnen auf die Nebenwirkungen hinweisen, die das Frausein mit sich bringen kann. … Für ihr Publikum, vielleicht auch für ihre Regisseure, war sie immer mehr Frau als Schauspielerin, egal ob sie mit Louis Malle drehte oder mit Godard. … Dem Mythos Bardot jedenfalls setzte Brigitte selbst mit 38 Jahren ein Ende; als sie entschied, von nun an kein Star mehr sein zu wollen, keine Filme mehr zu drehen. Diese Welt sei unendlich leer gewesen, sagt sie … Bardot versteigerte die Häuser und Autos, den Schmuck ihres Exmanns Gunter Sachs und das Brautkleid, in dem sie, 18-jährig, Roger Vadim ehelichte. Mit dem Geld gründete sie ihre Stiftung, für die „Rettung der Tiere in aller Welt“, wie es im Statut heißt. Seitdem kämpft sie gegen Robbenjagd und grausame Schlachtmethoden, und sie begann damit zu einer Zeit, in der das als bestenfalls exzentrisch galt. … “ | Aus: „Das Rätsel BB“ Julia Amalia Heyer (11.03.2018) | Quelle: https://www.spiegel.de/spiegel/bigitte-bardot-vom-filmstar-zur-tierschuetzerin-a-1197388.html
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Meinungshaber, 28.12.2025: “ … Sie war eine großartige Frau mit Prinzipien. Schön, klug, eine wahrhaftige Französin. Wie auch France Gall, sah sie gestern in einer herrlichen Schlagerhistoriesendung im Fernsehen, mit ihrem Lied „Drei Apfelsinen im Haar“, sehr süss dieses Video aus den 60er Jahren, wunderbar heimatlich und natürlich. ..“

Fri K.: “ … Diese Frau würde von Muslimen mit der Todesstrafe bedacht werde, allein wegen ihrer Filme, Kleidung und Benehmen: Sie ist genau das Gegenprogramm gegen woke Feministinnen und grünes Gendern: Selbstbewusste Frau, die bei „Komplimenten“ und Avancen weiß, wie sie damit umgeht. Chapeau! …“

Udo D.: “ … „wegen Anstiftung zum Rassenhass belangt!“ Welch ein Abschluss für einen Nachruf. Welch eine Anerkennung sozialer Leistung, eines Lebenswerkes, welch ei Taktgefühl der/des/quer
Verfassers/:in! Geht wohl nicht ohne! Schamlos!! …“

[Kommentare zu: welt.de: „Französischer Filmstar Brigitte Bardot mit 91 Jahren gestorben“ (28.12.2025) | Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/article695100dad28c9b829c8c952e/nach-stiftungsangaben-franzoesischer-filmstar-brigitte-bardot-mit-91-jahren-gestorben.html]

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„Die Ikone selbstbewusster Weiblichkeit“ (28. Dezember 2025) Brigitte Bardot begründete ein neues Frauenbild – und zog sich jung aus der Öffentlichkeit zurück. Nun ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben. Ein Rückblick in Bildern
https://www.zeit.de/kultur/film/2025-12/brigitte-bardot-schauspielerin-saengerin-fotomodell-fs
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Randolf K: Eine ziemlich heftige Rassistin und Sexistin ist von uns gegangen. Dass dies in der gutbürgerlichen ZEIT keine Erwähnung findet überrascht nicht.
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Hatzerim: … Erleichtern Sie sich an der zukünftigen Grabstätte. Es wird Ihnen hoffentlich Genugtuung bringen.
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Leben in Lee @ Randolf K:: Sie könnten bei einer Ausnahmeerscheinung wie Bardot eigentlich zwischen ihrer beispiellosen Karriere und späteren Abschweifungen unterscheiden und im Moment des Todes Respekt vor ihrer Leistung … zeigen. Aber nein, Sie müssen die angekratzte andere Seite der Medaille prominent ins Licht rücken. Enttäuschend.
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Mollmoll: Als Schwarzer stellt sich mir (leider?) nicht die Frage, welchen Aspekt ihres Lebens ich in den Vordergrund stellen möchte.
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Leben in Lee: Antwort auf @Talano068: … Heute Respekt, ab morgen meinetwegen kritisieren. Der Hauptkommentar hält diese Reihenfolge nicht ein.
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One-Republic: Nicht zu vergessen, dass sie unter anderem auch Klassistin war, wo sie gegen Obdachlose hetzte. Die Frau war einfach schlecht gealtert.
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Leben in Lee: Was von Bardot bleibt, ist ihre fast unerreichbare Attraktivität sowie ihr Look und Auftritt, der mit seiner Modernität und Wirkung in ganz Europa Maßstäbe für mindestens 2 Jahrzehnte gesetzt hat.
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gopalvenu: Die Schönheit war vergänglich, die Volksverhetzung ist gerichtsfest.
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One-Republic Antwort auf @gopalvenu: Ihre Schönheit wäre für die Ewigkeit prädestiniert gewesen … Aus einer Göttin wurde später eine verbitterte Frau, die mit Stammtischparolen jonglierte.
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stefanincello: Naja, sie war halt ganz nach dem Geschmack der Medien. Aber sich ganz banal ihrem Sohn widmen brachte sie nicht auf die Reihe. Ein klassisches Kind der 60er eben, in denen die Elfenbeinwelt des absurden Konsums entstand und alle die abgedrehten Konsumenten bewunderten. …
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Wildbader: Ich denke, dass Catherine Deneuve, Jeanne Moreau und Romy Schneider schauspielerisch größere Ikonen des französische Films waren, und sind.
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Michael_DD: Sie war in erster Linie ein Sexsymbol und wurde als solches von der Film- und Entertainment-Industrie ausgebeutet, bis es Jüngere und Schönere gab. Jetzt sind schon zwei oder drei Generationen ohne ihre Filme aufgewachsen (die ja tatsächlich nur selten gezeigt oder besprochen werden), aber sie lebt fort in den sentimentalen Erinnerungen alter weißer Männer an die einstige Traumfrau. Immerhin – Sogar eine tschechische Diesellokomotive trägt ihren Namen wegen des charakteristischen Vorbaus.
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HH-SH: Die letzte Ikone einer Ära…nach Delon und Cardinale nun auch BB. Für mich, weiblich, geb. Ende der 70er Jahren, bis heute ein absolutes Idol! Ihre Filme schaue ich immernoch sehr gerne. So eine wunderschöne Frau, sexy und selbstbewusst, ganz großes Kino! Auch ihr Engagement für den Tierschutz und ihr sehr zurückgezogenes Leben auf La Madrague beeindruckte mich. In punkto metoo teile ich ihren klaren Standpunkt, genau wie die großartige C. Deneuve. Einzig Bardot‘s politische Haltung im Alter verwunderte mich, war sie in jungen Jahren mit Vadim doch eher den Linken zuzuordnen und rebellierte gegen ihr fürchterlich konservatives Elternhaus. Rest in Peace, BB.

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virales: Ich bin wirklich traurig. Ich dachte Brigit B wuerde fuer immer dasein. Brigit Bardot in „Und Gott schuf die Frau“ ein französischer Liebesfilm aus dem Jahr 1956. Fuer mich wurde sie nie älter als in diesem Film.

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Popstars, zerschnitten zum Sammeln und AufhängenHistorische «Starschnitte» aus der Jugendzeitschrift «Bravo» hängen an einer Wand in der Ausstellung «Bravo»-Starschnitte. Quelle –> „Den Anfang machten die Füße von Brigitte Bardot“ Alexander Diehl (12.10.2025) | https://taz.de/Museumsdorf-zeigt-Bravo-Starschnitte/!6115492/

“ … Man nannte sie die schönste Frau der Welt, auch weil sie dem Ideal des neuen Kleinbürgertums entsprach. … Brigitte Bardot war 1959 der erste Bravo-Starschnitt. Netzstrümpfe, umgürtete „Wespentaille“, das lange blonde Haar. Der ikonische „Schmollmund“. Das Bild war mit 156 Zentimetern nachgerade lebensgroß. Und eine Göttinnengestalt, die vielleicht zum ersten Mal danach verlangte, dass das Teenager-Zimmer ein vom Rest der Familie abgesonderter Raum war. … Von der Brigitte-Bardot-Welt zu träumen, war viel schöner, als mit ihr ernsthaft in Berührung zu kommen. Dort hätte man ihren Selbstmordversuch erlebt, ihre Einsamkeit, ihr Gefangensein. Jemand wie Brigitte Bardot war für Charakter- und gar „Altersrollen“ nicht geschaffen. 1973 erklärte sie ihren Rücktritt sowohl vom Film als auch von der Musik – und wurde nie rückfällig. Ihr Bild zu bewahren, fiel der schon wieder nächsten Generation denkbar schwer: Wie konnte sie, eine einstige Vorkämpferin der Befreiung, nun mit den muffigsten Rechten gemeinsame Sache machen, Rassismus und Nationalismus verbreiten, das lobenswerte Ziel des Tierschutzes mit solchem Fanatismus verfolgen, dass noch die letzten Reste der einstigen Sorglosigkeit verschwinden mussten, die einmal ihr Charakteristikum gewesen waren? Die Göttin der Sorglosigkeit, die möglicherweise, wie eine Zeitung damals schrieb, den Sex für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts neu erfunden hat, ist uns lange schon fremd geworden. … Den Bravo-Starschnitt von Brigitte Bardot kann man sich heute digital zusammengesetzt aus dem Internet für den Heimdrucker bestellen und das kleine Vermögen dafür per PayPal abdrücken. Aber die Göttin der Sorglosigkeit lebt hier nicht mehr. Und nun ist auch ihre menschliche Gestalt verstorben. …“ | Aus einem Essay von Georg Seeßlen: „Zum Tod von Brigitte Bardot: Die Göttin der Sorglosigkeit“ (28.12.2025) | https://taz.de/Zum-Tod-von-Brigitte-Bardot/!6141456/

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Georg Seeßlen (* 1948 in München) ist ein deutscher Autor, Feuilletonist und Cineast …
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_See%C3%9Flen#Schriften_(Auswahl)

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[Wirklichkeitsbezug #31 … ]

MISSVERSTEHEN SIE MICH RICHTIG:
Max Uthoff zu Gast bei Maja Göpel (04.12.2025)
0:00 In dieser Folge…
1:57 Backstage
4:06 Tod des Internets durch KI, verfrühter Kulturpessimismus
9:13 Werdegang als Kabarettist und Jurist bis zur Anstalt
17:43 Journalische Eitelkeit, ironisierte Beleidigungen, Grimme-Preis bis Lüdenscheider Lüsternklemme
25:20 Maja muss sich zügeln, Positionen der Anstalt
36:49 Kabarettistische Opfersuche, reaktionäre Spießer aus dem Sauerland
46:06 Was ist links? Pokerfaces, Anstand und Mehrheiten
55:49 Grifting Away, abmontierte Demokratie der USA
1:01:51 Vaterfiguren von Autokraten, Bildung der Zukunft
1:23:28 Verteidigung der Wirklichkeit, Satire für die Gesellschaft, Bürgerräte
1:37:33 Boykott der Giganten
1:42:58 Kulturgut Humor, Scham
1:53:12 Intrinsisch motiviertes Lernen
1:59:38 3 Botschaften
2:02:24 Outro
–> https://youtu.be/cVpcYyb9UX8

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@sascharambeaud … angenehm und selten in der heutigen Zeit, einfach mal zwei intelligente Menschen mit echten Themen in Ruhe sprechen zu sehen.
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@scantrain5007 … Besonders die Betrachtungen über Schule und Bildung treffen den berühmten Nagel auf den Kopf. 160 Jahre probiert, was mehr schlecht als recht funktioniert. Mein Fazit daraus: Von der ‚Obrigkeit‘ kann man keine Veränderungen erwarten …
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@stefan_P_62 wir haben offensichtlich sehr kluge Menschen in diesem Land. Warum, zur Hölle, kommen in unserem System immer die an die Spitze (der Macht) die am rücksichtslosesten, schamlosesten und hemmungslosesten sind. Egal ob in der Politik oder in der Wirtschaft.

[Zur Nicht-Realität der wahrgenommenen Objekte #3]

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Film technicians at Pinewood Studios set up a miniature air crash sequence for the Jack Gold film The Medusa Touch, using scale models of a Boeing 747 and a skyscraper. The film was released in 1978. | via
// https://en.wikipedia.org/wiki/The_Medusa_Touch_(film)

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“ … DER SCHRECKEN DER MEDUSA durchstreift viele Genres und scheitert nicht in seinem Unterfangen diese absolut schlüssig zusammenzuführen. Viel mehr wird die Geschichte derart geschickt erzählt, dass es völlig logisch ist, dass in diesen 105 Minuten der Whodunit-Krimi, der Horror- und der Katastrophenfilm zusammen mit der Apokalypse in einem Boot sitzen. …“ | Quelle: https://www.filmtipps.at/kritiken/Der_Schrecken_der_Medusa/

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[Documenting the ‘then’ and ‘now’ of movie locations worldwide.]: „The Medusa Touch“ (Director: Jack Gold, 1978) | https://www.reelstreets.com/films/medusa-touch-the/

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“ … „fantastisch“ [ist] alles, was unglaublich, versponnen, wunderbar oder großartig ist. Der Ursprung des Begriffs „phantastische Literatur“ ist ein Übersetzungsfehler: E. T. A. Hoffmanns Fantasiestücke in Callots Manier wurden 1814 als Contes „fantastiques“ ins Französische übersetzt, statt richtigerweise als Contes „de fantaisie“. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Phantastik

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #13 … ]

… in einer geteilten Wirklichkeit … Als personalisierte „Wahrheiten im Plural“, die angereichert von Affekten und Emotionen den Status subjektiver Wahrheiten innehaben, entziehen [ ] sich [soziale Medien] einer Nachprüfbarkeit, sind in ihrer Quantität schlicht überschaubar und erweisen sich aus sich selbst heraus als Beleg für die Unmöglichkeit der medialen Wahrheitskonstruktion. …

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“ … [[ … Die bikamerale Psyche ist in der Psychologie eine hypothetische Vorstufe des menschlichen Bewusstseins, die 1976 von Julian Jaynes in seinem Werk The Origin of Consciousness in the Breakdown of the Bicameral Mind postuliert wird. … … Die Hauptthese von Julian Jaynes, die er selbst preposterous („absonderlich“) nennt, besagt: Bewusstsein hat sich in historisch nachweisbarem Ausmaß erst in dem Jahrtausend vor der klassisch-griechischen Hochkultur entwickelt, etwa zwischen 1300 und 700 v. Chr. Die Menschen vor dieser Zeit hatten kein Bewusstsein, das heißt im Sinne Jaynes’ kein autonomes, exekutives Selbst. | https://de.wikipedia.org/wiki/Bikamerale_Psyche]] … Im Interview zeichnet McLuhan ein Bild der Rückkehr: „Wir kehren zurück in den Zustand des bicameral mind, kollektiv, tribal, ohne individuelles Bewusstsein.“ … Der Begriff des „bicameral mind“ stammt ursprünglich vom Psychologen Julian Jaynes, der damit einen präliteralen, vorbewussten Zustand des Menschen beschreibt: ein Denken, das nicht im Sinne innerer Reflexion funktioniert, sondern in dem die rechte Hirnhälfte – bildhaft, akustisch, mythisch – die linke dominierte. Entscheidungen, Intuitionen, Handlungen wurden nicht als inneres Selbstgespräch erlebt, sondern als „Stimmen der Götter“, als Befehle einer externen Autorität. Es war ein Leben in totaler Präsenz, ohne Distanz zwischen Impuls und Reaktion, zwischen Wahrnehmung und Interpretation. … [ Gerade deshalb sollten wir McLuhan nicht auf seine Aphorismen reduzieren. Seine Theorie ist keine Maschinenkritik, sondern eine Form der Selbstbeschreibung moderner Gesellschaft, die den Menschen nicht überschätzt, sondern funktional einordnet. Widerständigkeit? Möglich. Aber selten. Wahrscheinlicher ist, dass das System uns längst mitdenkt – auch wenn wir glauben, ihm zu widersprechen. Juni 2025 um 10:55 ] …“ | Aus: „Das globale Dorf als Brennglas der Gewalt – Ein systemtheoretischer Exkurs mit Marshall McLuhan“ gsohn (3. Juni 2025) | Quelle: https://ichsagmal.com/das-globale-dorf-als-brennglas-der-gewalt-ein-systemtheoretischer-exkurs-mit-marshall-mcluhan/
// https://de.wikipedia.org/wiki/Medientheorie

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Bild: Wechselseitige Irritationen: Social Media, Massenmedien, ‚Öffentlichkeit‘
January 2017, In book: Geschlossene Gesellschaften.
Verhandlungen des 38. Kongresses der DGS.
Publisher: DGSEditors: Stephan Lessenich
Authors: Jan-Felix Schrape, University of Stuttgart

“ … ‚Die Öffentlichkeit‘ bleibt [ ] bis zu einem gewissen Grad stets eine Fiktion (Schmidt 2001). … Die Existenz einer ontologischen Realität als Beobachtungshorizont wird auch aus dieser Perspektive nicht bestritten – diese kann aber keinesfalls beobachterunabhängig erfasst werden – weshalb übergreifende Bezugsgrundlagen wie ein geteiltes Zeit- und Zahlenverständnis, unsere Sprache sowie weitere sozial kristallisierte Symbolstrukturen notwendig werden, um Kompatibilität zwischen den mannigfaltigen Realitätssichten zu schaffen. …“ | Aus: „Wechselseitige Irritationen: Social Media, Massenmedien, ‚Öffentlichkeit‘“ Jan-Felix Schrape (2017) | Quelle: https://www.researchgate.net/publication/320146511_Wechselseitige_Irritationen_Social_Media_Massenmedien_Offentlichkeit‘

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“ … Das Bewusstsein in der Alltagswelt funktioniert subjektiv sinnhaft, intentional und objektbezogen. Damit ist es abgegrenzt von Bewusstseinsformen in anderen Welten: Traum, theoretische Physik, Spiel und im weiteren Sinne auch Kunst und Religion. Eine bestimmte Wirklichkeitsordnung strukturiert die Alltagswelt. Aspekte dieser Ordnung sind Sprache, Technik, soziale Beziehungen, das Hier und Jetzt als Zentrum, die Differenzierung in Nah- und Fernzonen, die Spezifika der Arbeitswelt, Intersubjektivität, verschiedene mögliche Perspektiven, Selbstverständlichkeit, Ausbildung von Routine- und Problembereichen, die Ausbildung eines Erfahrungsrahmens und eine Zeitstruktur, die sowohl das Konzept permanenten Zeitflusses als auch zeitliche Einzelabschnitte denkbar macht. … Das Wissen über Institutionen strukturiert bereits per Sozialisation die Alltagswelt. Sedimente von Wissen und Sinn bilden dazu Traditionen. Rollen werden von den Menschen internalisiert und repräsentieren die gesellschaftliche Ordnung. Diese Institutionalisierung kann verschieden stark durchgesetzt sein. Legitimationskrisen können zu historischer Veränderung führen oder neue Subsinnwelten produzieren. Dabei spielt der Grad der Verdinglichung eine große Rolle: Wie stark werden Gesellschaft oder Rolle als natur- oder gottgegeben wahrgenommen? … Menschen internalisieren subjektive Wirklichkeit über Sozialisation. … Bei einfachen Formen gesellschaftlicher Arbeitsteilung (Bauer, Ritter, …) ist auch die Sozialisation ein einfacher Prozess, resultiert jedoch in starker Identität. … „Wahrscheinlich sind alle Menschen, wenn sie erst sozialisiert sind, latente ‚Verräter an sich selbst‘. Die psychische Schwierigkeit dieses Verrates wird jedoch größer, wenn entschieden werden muß welches ‚Selbst‘ von Fall zu Fall verraten werden soll.“ (S. 181) … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_gesellschaftliche_Konstruktion_der_Wirklichkeit (4. Dezember 2024) – Zu: “ … Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit – ein Werk von Peter L. Berger und Thomas Luckmann. Es erschien 1966 in den USA unter dem Titel „The Social Construction of Reality“. Die deutsche Übersetzung von Monika Plessner wurde 1969 veröffentlicht. Es ist eines der Schlüsselwerke des Sozialkonstruktivismus. …“ | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialkonstruktivismus

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„…Anhand konkreter Beispiele von Begegnungen zwischen Frankreich, der BRD, der DDR und Polen, sowohl in Kunstdiskursen als auch in der Kunst der 1960er bis 1980er Jahre, untersucht Mathilde Arnoux die jeweils unterschiedlichen Auslegungen der Konzepte der Wirklichkeit und des Wirklichen und beleuchtet gleichzeitig, inwiefern diese Wahrnehmungen geteilt, un- oder missverstanden werden. Zeitschriften, Kataloge, Kongresse, Museen, Galerien und andere alternative künstlerische Räume erscheinen hier als Foren, in denen die Facetten der jeweiligen Interpretationen durch die verschiedenen Autoren und Akteure der Kunstgeschichte – Künstler, Kunsthistoriker und Kunstkritiker – Gestalt annehmen. Ausgehend von den herausgearbeiteten Abweichungen wie Überschneidungen werden frühere Analysen kritisch zur Diskussion gestellt, um eine neue Perspektive auf die künstlerischen Beziehungen im Europa des Kalten Krieges anzubieten. …“ | Aus: „Geteilte Wirklichkeit – Für eine Geschichte der künstlerischen Beziehungen zwischen Ost und West im Europa des Kalten Krieges“ (2021) | Quelle: https://www.dfk-paris.org/de/publication/geteilte-wirklichkeit-2897.html | https://gab.hypotheses.org/6241

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“ … Wann immer Neuliberale den Sozialstaat attackieren, operieren sie mit dem Begriff der „Wirklichkeit“. … Kurzum: Die „Wirklichkeit“ ist ein außerordentlich legitimitätsheischender Begriff für straffe Marktreformer. Denn wer sich auf die „Wirklichkeit“ beruft, reklamiert für sich die unleugbaren Fakten, die unstrittige Empirie, ja die absolute Wahrheit. Selbst ist man nüchterner Realist, der andere aber – der die „Wirklichkeit“ partout nicht sehen will – lebt demgegenüber in einer Welt von Illusionen und Verdrängungen. Die „Wirklichkeit“ hat etwas Gebieterisches; sie verlangt folgsame Anerkennung, nicht Diskussion oder Erörterung. Der „Wirklichkeit“ hat man sich zu fügen, ihrer inneren Logik ist kompromisslos zu folgen. Sie setzt die Gegebenheiten, sie ist alternativlos und dadurch vernünftig, ja: Sie ist zwingend. Die „Wirklichkeit“ war und ist – kurzum – die stärkste diskursive Waffe neuliberaler Reformer in dieser Welt, um eine Realität zu desavouieren, die ihnen nicht gefällt und um eine „Zukunft“ zu formen, die sodann als einzig wirklich und damit herrisch absolut gesetzt wird. … “ | Aus: „Geteilte deutsche Wirklichkeit“ FRANZ WALTER (27.9.2005) | Quelle: https://taz.de/Geteilte-deutsche-Wirklichkeit/!539748/

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“ … Der Spiegel-Kolumnist Jan Fleischhauer, der sich als Enthüllungsjournalist für linke Lebenslügen einen Namen gemacht hat, führte im März 2017 vor, warum es so nahe liegt, von den 68ern auf die Neuen Rechten zu kommen. Über ein Interview mit Rudi Dutschke aus dem Jahr 1967 schrieb er: „Wer beim Zuhören die Augen schließt, erkennt viele Parolen wieder, die heute die rechten Provokateure im Munde führen. Da ist die Schmähung der Regierungskabinette als „institutionalisierte Lügeninstrumente“, die Ablehnung des parlamentarischen Systems als manipulativ und unbrauchbar, die Verherrlichung der neuen Bewegung als eine, die „die wirklichen Interessen der Bevölkerung“ ausdrückt.“ … Zum Glück war Fleischhauer nicht im Archiv der taz. Die erste Ausgabe erschien im April 1979 mit Gedanken von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Rede ist dort von einem Staat, der „jeden Widerstand zu ersticken“ versuche. … Oskar Negt und Alexander Kluge [ ] argumentierten, dass es Gegenöffentlichkeit […] geben müsse, weil in der Öffentlichkeit einer Klassengesellschaft nur theoretisch all das verhandelt werde, was für wirklich alle wichtig ist. In der Praxis würden die Alltagserfahrungen vieler Menschen keine Rolle spielen … Es gibt heute Menschen, die sich in einer Art Diktatur wähnen – in jenem Sinn, in dem bei Oskar Negt und Alexander Kluge 1972 von einer „Diktatur der Bourgeoisie“ die Rede war. Sie wähnen sich in einer Diktatur des Liberalen, die sich nur noch für die Emanzipation immer neuer Minderheiten interessiert: Transgendertoiletten gelten als wichtig, Traditionen nicht. Das ist die Unterstellung. Männer sollen Männer heiraten dürfen, Frauen führen Unternehmen, Kopftücher gehören zu Deutschland, Flüchtlinge dürfen auch einfach rein – es ist nicht mehr so, wie es mal war. Als die 68er den Vertrieb der Bild-Zeitung blockierten oder Zeitungen aus dem Axel-Springer-Verlag verbrannten, da ging es immer auch um die Gefahr von Meinungsmonopolen. Springer kontrollierte damals mehr als 70 Prozent der Tageszeitungen in Westberlin. Die kommentierten die „Polit-Gammler“ und „rote SA“ in Grund und Boden und riefen dazu auf, die „Drecksarbeit“ gegen den „Terror der Jung-Roten“ nicht allein der Polizei zu überlassen. Kurz danach wurde Rudi Dutschke niedergeschossen. …“ | Aus: „Die taz und die Neuen Rechten: Die Lügenpresse, das sind wir“ Klaus Raab (15.4.2017) | Quelle: https://taz.de/Die-taz-und-die-Neuen-Rechten/!5396695/

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“ … Peter Trawny reflektiert leichtfüßig und tiefschürfend zugleich die „Krise der Wahrheit“ demokratischer Gesellschaften – und weist das Beunruhigende als gesellschaftlich produktiv aus … Spannend werden seine Ausführungen auch da, wo sich der Philosoph an der Differenzierung von „Wahrheit“ und „Tatsache“ abarbeitet und damit auch ein wichtiges Schlaglicht auf gegenwärtige Diskussionen um das „(Post-)Faktische“ [ „Als Postfaktizität oder postfaktische Politik wird ein politisches Denken und Handeln bezeichnet, für das Fakten irrelevant sind. “ –> https://de.wikipedia.org/wiki/Postfaktizit%C3%A4t] wirft, bei denen diese Differenzierung oftmals ausbleibt: Im Rekurs auf die Tatsache als historische nachprüfbare Wahrheit (zurückgehend auf die alte Unterscheidung von Tatsachen- und Vernunftwahrheiten [https://de.wikipedia.org/wiki/Vernunftwahrheiten_und_Tatsachenwahrheiten]) eröffnen sich die Möglichkeiten der Diskussion, die vor dem moralisch aufgeladenen Hintergrund einer „Wahrheitsfindung“ versperrt blieben. … Instruktiv ist auch Trawnys Einbettung der Funktionslogik sozialer Medien innerhalb des Wahrheitsdiskurses: Als personalisierte „Wahrheiten im Plural“, die angereichert von Affekten und Emotionen den Status subjektiver Wahrheiten innehaben, entziehen sie sich einer Nachprüfbarkeit, sind in ihrer Quantität schlicht überschaubar und erweisen sich aus sich selbst heraus als Beleg für die Unmöglichkeit der medialen Wahrheitskonstruktion. Gefahren sieht der Philosoph insbesondere in der Relativität eines dehierarchisierten Diskurses von Meinungen ohne Gatekeeper, zumal dieser suggeriert, dass alle diese Meinungen gleichrangig, gleich gültig sind. …“ | Aus: „Freischwebend in der Dauer-Krise“ (Nr. 2, Februar 2022, Kultur- und Medienwissenschaft) Zu: „Peter Trawny: Krise der Wahrheit. S. Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 2021“ | Quelle: https://literaturkritik.de/trawny-krise-der-wahrheit,28611.html

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“ … Da ein wachsendes Misstrauen in die Unterscheidung von Realität und Fiktion unsere Gegenwart prägt, begab sich das Duo (Andrea Orejarena & Caleb Stein) seit 2020 auf Social Media und fotografisch auf Erkundungstour. Entstanden ist ein erstes Archiv mit über 2.000 Fotografien und aktuellen Bildformen, das den Einfluss von Verschwörungsnarrativen auf die amerikanische Gesellschaft und die individuelle Wahrnehmung manifestiert. Diese Auseinandersetzung mit Bildern, die teils mit Augenzwinkern, teils mit paranoidem Blick, unser Verhältnis zur Wirklichkeit hinterfragen, haben Orejarena und Stein in ein eigenes fotografisches Konzept weiterentwickelt, das lose einem Atlas verschwörungstheoretischer Schauplätze in den USA folgt. Ihre Serie American Glitch dokumentiert die Landschaften der USA ausgehend von viralen Bildwelten als Simulation. … TACTICS AND MYTHOLOGIES ist die erste Ausstellung der neuen Ausstellungs- und Veranstaltungsreihe »Viral Hallucinations«, die von 2024 bis 2026 die Rolle fotografischer und KI-generierter Bilder für den wachsenden gesellschaftlichen Einfluss von Verschwörungstheorien adressiert. …“ | Aus: „TACTICS AND MYTHOLOGIES“ (2024) | Quelle: https://deichtorhallen-onlineshop.de/products/american-glitch-a-orejarena-c-stein-signed

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“ … Arendt beschreibt im Zusammenhang mit Angriffen der Politik auf Tatsachenwahrheiten die Manipulation der Geschichtsschreibung durch die Politik. Als Beispiel nennt sie Leo Trotzkis Rolle in der Russischen Revolution, die in keinem sowjetischen Geschichtsbuch erwähnt werde. … Zwischen der politischen Vision sowie den eigenen Interessen einerseits und der Lüge andererseits gebe es enge Verbindungen. Eine Konsequenz daraus sei, dass Politiker es mit den Tatsachen nicht so genau nähmen. Anders verhalte es sich mit der Wahrheit, denn sie sei „das, was der Mensch nicht ändern kann; metaphorisch gesprochen ist sie der Grund, auf dem wir stehen, und der Himmel, der sich über uns erstreckt.“ Wahrheiten stehen also im Gegensatz zu Meinungen und Urteilen, die veränderbar sind. „Die Schwierigkeit liegt darin, daß Tatsachenwahrheit wie alle Wahrheit einen Gültigkeitsanspruch stellt, der jede Debatte ausschließt, und die Diskussion, der Austausch und Streit der Meinungen, macht das eigentliche Wesen allen politische Lebens aus.“ Jedoch bleiben die Tatsachen wesentlich für die Beurteilung von Meinungen und beschränken die Möglichkeit der Meinungsbildung: „Tatsachen sind der Gegenstand von Meinungen, und Meinungen können sehr verschiedenen Interessen und Leidenschaften entstammen, weit voneinander abweichen und doch alle noch legitim sein, solange sie die Integrität der Tatbestände, auf die sie sich beziehen, respektieren.“ – Hannah Arendt (Wahrheit und Politik. Berlin 2006, S. 23.) …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit_und_Politik (21. Oktober 2024)

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Gestellte Szenen: Mord und Totschlag mutete der Fotograf Eugène Appert den Betrachtern seiner Bildserie „Verbrechen der Commune“ zu. Allerdings sind die Szenen von Schauspielern nachgestellt und von Appert anschließend zusammengesetzt worden. Die Gesichter der Statisten ersetzte er durch die von Anhängern der Kommune. Das von Regierungstruppen an Kommunarden 1871 verübte Massaker setzte er dagegen nicht in Szene. Foto: Joyce F. Menschel Photography Library Fund
via „Aus den Anfängen der Bildbearbeitung Lincolns Kopf und Calhouns Körper“ [… schon kurz nach Erfindung der Fotografie wurde kräftig manipuliert – indem man Köpfe und Körper austauschte oder sogar Hinrichtungsszenen mit Schauspielern nachstellte. 13.10.2014] | Quelle: https://www.spiegel.de/fotostrecke/fruehe-bildmanipulationen-fotostrecke-119928.html

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„… Es ist wie ein sozialer Schock, wenn auf solche Weise plötzlich der Vorhang fällt, wenn sich alles Politische in der virtuellen Welt auf einmal wie in einem Theater darstellt, wenn offenkundig wird, dass der radikale Verteidiger der Internetzensur ebenso einen freien Zugang zum Internet hat wie jener bekannte Journalist, der bis dato so engagiert gegen den Filtermechanismus des Internets geschrieben hat, als sei er selbst ein Opfer der Zensur. Plötzlich registriert die Internetgemeinde, dass es keine Fronten mehr gibt, dass alle, Feinde wie Freunde, Insassen eines Boots auf einer sehr rauen See sind, die nur unterschiedliche Rollen spielen. … «Die Legitimität einer Herrschaft hängt von vielem ab, dazu gehört zweifellos die Gleichberechtigung in der Kommunikation», schrieb am vergangenen Dienstag die reformernahe Tageszeitung «Ham Mihan» und fügte hinzu, wenn in den sozialen Netzwerken eines Landes der häufigste Verweis dem Buch «Farm der Tiere» von George Orwell gehöre, dann müsse die Herrschaft dieses Landes über ihre Legitimität lang nachdenken. …“ | Aus: „Musk demaskiert. Das Internet als Herrschaftsinstrument“ Ali Sadrzadeh (5. Dezember 2025) | Quelle: https://www.journal21.ch/artikel/musk-demaskiert-das-internet-als-herrschaftsinstrument

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“ … Was als Maßnahme zur Erhöhung der Glaubwürdigkeit konzipiert war, entwickelte sich binnen Stunden zu einem PR-Desaster für diverse politische Influencer. Zahlreiche Accounts, die sich als US-amerikanische Patrioten oder Anhänger der „America First“-Bewegung inszenierten, wurden durch die Anzeige in Ländern wie Nigeria, Russland oder Bangladesch verortet, also klassischen Ländern, in denen sogenannte Trollfarmen betrieben werden. …“ | Aus: „Auslandstrolle: Neues X-Feature entlarvt massenweise Trump-„Fans““ Witold Pryjda (24.11.2025) | Quelle: https://winfuture.de/news,155146.html

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EffEll am 24.11.25 um 13:46 Uhr
wer hätte das gedacht?!

logo00 am 25.11.25 um 18:58 Uhr
… Ich behaupte jetzt aber mal ganz frech, dass das so gut wie jedes digitale Medium betrifft. Leider …

Günther H.
Natürlich sind es die VPN-Adressen. Das Internet ist unfassbar blöd und fehlgeleitet, mir japanische oder rumänische Werbung einzublenden, wenn ich über einen dortigen Server eingeloggt bin, obwohl klar sein sollte, daß ich das wahrscheinlich gar nicht lesen kann.

Tom N.
Warum sollte jemand der in den USA lebt einen weit entfernten VPN in Nigeria oder Pakistan auswählen? …

[Kulturelles Unterbewusstsein #11 … ]

Jenseits der UFA – Zum Scheitern des deutschen Nachkriegsfilm
von Alexander Bohr u. Peter H. Schröder (2002)
–> https://youtu.be/V84fhWEROIc

Die Dokumentation begleitet den deutschen Nachkriegsfilmen der Produktionsjahre 1946 bis 1948. Mit Hilfe von Filmausschnitten, Wochenschauen und Interviews werden die ersten Gehversuche des deutschen Films nachgezeichnet. … “ … harte Zeiten verlangten nach Ablenkung, und so trägt die Dokumentation ,,Jenseits der Ufa“ … nicht umsonst den Untertitel ,,Zum Scheitern des deutschen Nachkriegsfilms“. Denn schon bald hieß es: Keine filmischen Experimente mehr! Zwar mochte die Ufa als Staatskonzern zerschlagen worden sein, doch ihr charakteristischer Stil lebte in der restaurativen Adenauer-Ära fort. Das westdeutsche Publikum wandte sich bald schon lieber den ,,Schwarzwaldmädeln“ und ,,Försterchristeln“ jener Jahre zu. Nachdenken? Unerwünscht! Heimatfilme, Militärklamotten und Schlagerseligkeiten bestimmten nun das Kinoprogramm. Und im Osten? Da beschnitt die Staatszensur künstlerische Freiheiten. …“ | Aus: „Düstere Zeit des deutschen Films“ (20.07.2002) | Quelle: https://www.noz.de/deutschland-welt/panorama/artikel/vermischtes-duestere-zeit-des-deutschen-films-23970264

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Kontexte:

“ … Die deutsche „Traumfabrik“ scheint durch idyllische Bilderreihen einen ganz bestimmten Zweck zu verfolgen und dabei einer Ideologie gewahr zu sein. Der Heimatfilm bewahrte diese Ideologie durch seinen Inhalt und seine spezifische Bildersprache. Daher war es erforderlich, die Trümmerwirklichkeit auszublenden, um diese Illusion des Vollkommenen zu erzeugen, aber auch um den Anschein zu erwecken, dass die deutsche Realität nicht so problematisch war, wie man allgemein annehmen könnte. Anstelle dessen wurden unberührte Wälder und Berge präsentiert, Halbwahrheiten, die von sentimentalem Kitsch erfüllt waren. Die Harmonie und heile Welt erfüllte den Wunsch nach „einem unkomplizierten und unbelasteten Vaterland“. Die deutsche Filmindustrie bediente diese Sehnsüchte und lieferte dem Publikum entsprechende Bilder bis weit in die 1960er Jahre. …“ | Aus: „„Fiktion als widerständiges Element in Alexander Kluges ABSCHIED VON GESTERN (1966/67)“ von Hüseyin Kocintar (Diplomarbeit – Wien, 2015), pdf (89 Seiten) | Quelle: https://services.phaidra.univie.ac.at/api/object/o:1313997/get


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„Medien der 1950er Jahre (BRD und DDR)“
Marburger Hefte zur Medienwissenschaft: 54 / 55
Es geht um eine Neubestimmung einer Zeit und um die Einordnung einer Zeit in die vorhandenen mediengeschichtlichen Rahmen. … (pdf 192 Seiten, 2012)
–> https://mediarep.org/server/api/core/bitstreams/b62c9297-6319-4242-ba54-79eecf5efdad/content

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LINK ACCUMULATOR :: [Filmgeschichte (Notizen)… ]
–> https://www.subf.net/linklist/index.php/topic,206.0.html

[Illustration #8 … ]

Arthur Heming, Postmen of the Wilderness, 1921

via https://publicdomainreview.org/blog/2025/11/last-order-dates-for-christmas-2025/
// Arthur Henry Howard Heming (January 17, 1870 – October 30, 1940) was a Canadian painter and novelist known as the „chronicler of the North“ for his paintings, sketches, essays and books about Canada’s North. .. | Heming was diagnosed as colour blind and as a result worked mostly in black and white for almost all of his life … | https://en.wikipedia.org/wiki/Arthur_Heming

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