[Von des Tanzes Wahnsinnwogen #5… ]

The Third Man (1949)


Harry Lime und die Katze (15.06.2003): “ … Carol Reed: «Mir hat einfach die Idee gefallen, ‹Katze liebt das Böse›», sagte der Regisseur. … Im Dunkel eines leeren Hauseingangs schmust sie um ein Paar feine englische Massschuhe, spielt mit den Schnürsenkeln und schaut hinauf so, wie nur Katzen schauen. Im Licht erscheint plötzlich und überwältigend zart das Gesicht von Harry Lime. Der Mann ist ein zynischer Verbrecher, verantwortlich für den Tod von vielen, weil er verwässertes Penicillin verschiebt. Auch seine Freundin ist ihm egal. Er wird gejagt, die Katze liebt ihn … Ihre verräterische Liebe zu Harry Lime und seinen Schuhen war (vermutlich abwechselnd) erkauft mit: Sardinenöl, Garnelenpaste, Honig und Baldrian (in Überdosis). Ein spezielles Kamerateam war für die Schlüsselszene verantwortlich. Film ist Fälschung und Knochenarbeit. Die Bilder im Gedächtnis selber bleiben unantastbar. … (Brigitte Timmermann/Frederick Baker: Der dritte Mann. Auf den Spuren eines Filmklassikers. Czernin- Verlag, Wien 2002, 287 Seiten)“ | https://www.nzz.ch/article8WVI7-1.264984

“ … Musil selbst macht im Mann ohne Eigenschaften eine „konstruktive Ironie“ zum Programm: „Ironie ist: einen Klerikalen so darzustellen, daß neben ihm auch ein Bolschewik getroffen ist. Einen Trottel so darstellen, daß der Autor plötzlich fühlt: das bin ich ja zum Teil selbst. Diese Art Ironie – die konstruktive Ironie – ist im heutigen Deutschland ziemlich unbekannt. Es ist der Zusammenhang der Dinge, aus dem sie nackt hervorgeht.“ …“ | Aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Mann_ohne_Eigenschaften (Juli 2020)

life_is_short #8 (2020): “ … „50 Prozent der Erwachsenen in Deutschland besitzen rund 1,4 Prozent des Gesamtvermögens“ — Immer noch 1,4 Prozent zuviel…“

MadMarvin #8.1 (2020): “ … „Immer noch 1,4 Prozent zuviel…“ Genau, was bilden die Sklaven sich ein? …“

Miss Morality #33: “ … „Die Vermögen sind ungleicher verteilt als gedacht.“ Das Unvermögen auch. …“

Pavlos Mavlos #31.1: “ … Sobald man Erfolg hat, wird man schlecht angesehen. Echt krank … „

Aus Kommentaren zu: https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-07/vermoegensverteilung-deutschland-diw-studie-ungleichheit

chinamen (16. Jul, 11:52): “ … Das ist in der Tat ein merkwürdiges Phänomen, dass in Deutschland die Wähler diejenigen belohnen die sie regelmaessig in den Hintern treten. Dieses masochistische Volks-verhalten ist aber Teil der deutschen Tradition. Auch schon gut zu beobachten nach 1871, als das neu geschaffene Deutsche Reich sich mit so einer Wollust dem uniformierten, militarisierten und schikanösen Vertretern des Kaiserreiches unterwarf. Es brauchte schon eines Weltkrieges um diese Kaiserhoerigkeit zu beenden. Nun ja, wir wissen alle dass es dann ab 1933 weiterging und es wieder eines Weltkrieges bedurfte um die nächste Obrigkeit zu beenden.
Also verglichen damit, läuft es an für sich doch sehr gut. Es geht doch nur um Geld und der Arme wird sowieso im Himmelreich belohnt wie unsere christlichen Parteien es versprechen. …“ | Kommentar zu: https://taz.de/Ungleichheit-bei-Vermoegen-in-Deutschland/!5695967/

“ … Was Elton und seine Kollegen ihrem ehemaligen Chef und dem Besitzer der Mine, Samir Mane, vorwerfen: Statt in Sicherheitsstandards zu investieren, würde er den Profit maximieren. Laut der neuen Gewerkschaft Sindikata e Minatorëve të Bashkuar të Bulqizës, die Elton mitgegründet hat, kam es in den vergangenen sieben Jahren zu unzähligen Unfällen. Acht Arbeiter seien gestorben, weil sie unter einem instabilen Stollen verschüttet worden seien. … Samir Mane gehört nicht nur die größte Mine des Landes, er besitzt auch Einkaufszentren, Banken, Luxusresorts, private Universitäten. Für ihn arbeiten mehr als 5000 Menschen. Sein geschätztes Vermögen liegt bei 1,2 Milliarden Euro. … “ | https://www.zeit.de/campus/2020/04/arbeitnehmerrecht-albanien-unterbezahlung-studierende-mindestlohn-ausbeutung/komplettansicht

gerliman #4 : “ … Der Mindestlohn in Albanien liegt bei 210 Euro. Es wird also wohl nichts Unrechtes gemacht dort. …“

Pinkman (03.08.2020) “ … wer noch nie 1,2 Mille kurz vor Mitternacht überwiesen hat, werfe den ersten Stein. …“ | zu: https://www.derstandard.at/story/2000119123591/land-burgenland-dementiert-geldabhebung-bei-commerzialbank-vor-schliessung

Dieter Thomä (Juli 2020): “ … 1,9 Milliarden Euro sind irgendwie verschwunden oder waren nie da. … Die Figuren, die in dieser Geschichte auftreten, sind Typen, die an Klischees entlangschrammen. Ein Chief Executive Officer, der als „Mann wie ein Algorithmus“ (Spiegel) wirkt und nebenbei Martin Heidegger oder Hannah Arendt zitiert. Ein Chief Operating Officer, den seine Mutter einen „präpotenten Zampano“ nennt und der sich angeblich gern Sushi auf nackten Frauenkörpern servieren lässt. Ein Unternehmensberater, der von seinem Amt als Bundesminister wegen eines erschlichenen Doktortitels zurücktreten musste. Ein Staatssekretär, der vor seinem Amtsantritt eine Führungsposition in einer großen Investmentbank innehatte. Eine leitende Mitarbeiterin der Wertpapieraufsicht, die zuvor an Cum-Ex-Geschäften einer Bank mitwirkte. Ein Chef einer Aufsichtsbehörde, dessen Hauptbeschäftigung darin zu bestehen scheint, sich für nicht zuständig zu erklären. … Derzeit gilt in diesem Bereich immer noch das „Prinzip der Arbeitsteilung“, das Robert Musil in seinem Roman Der Mann ohne Eigenschaften auf unübertreffliche Weise beschrieben hat. Unser „ganzes Zeitalter“, so heißt es dort, „betet den Geist des Geldes an“ und „beklagt das zugleich“. In dieser gespaltenen Gesellschaft gibt es dann auf der einen Seite diejenigen, die ihre wirtschaftliche Tätigkeit „über Kontinente“ ausbreiten und für ein „großes Geschäft“ auch die „gerissensten“ ihrer Konkurrenten reinlegen. Auf der anderen Seite stehen Politiker, „welche das ihnen wesensfremde, aber wichtige Gebiet der Wirtschaft mit der Vorsicht von Männern behandeln, die einen nicht ganz verlässlichen Elefanten zu pflegen haben“. … Diejenigen, die – wie Musil dies nannte – vom „Geist des Geldes“ besessen und von der „Ichsucht“ ergriffen sind, müssen eine Art Entziehungskur machen. Das klingt mühsam und schmerzhaft, ist es aber gar nicht. Denn die Gier nach Geld ist eine selten einfallslose und öde Angelegenheit. „Die Freude am Geldbesitz“, so meinte Georg Simmel, „gleicht der Freude am Siege, die bei manchen Naturen so stark ist, dass sie gar nicht danach fragen, was sie denn eigentlich durch den Sieg gewinnen.“ Die Gier nach Geld basiert also auf einer Verwechslung, bei der man ein Mittel für den Zweck selbst hält und am Ende ziellos durchs Leben irrt. Bei Arthur Schopenhauer heißt es: „Das Geld ist die menschliche Glückseligkeit in abstracto; daher, wer nicht mehr fähig ist, sie in concreto zu genießen, sein ganzes Herz an dieselbe hängt.“ … “ | https://www.zeit.de/2020/32/wirecard-betrug-bilanzskandal-finanzbranche-geld/komplettansicht

sonstwer #24: “ … Bevor man das Problem wieder bis zu Unkenntlichkeit banalisiert und auf „die Gier“ als allgemeine, menschliche Schwäche verweist, gegen die man leider, leider nix tun kann: Es gibt durchaus Menschen, die ihre Prioritäten anders setzen, die ihre Gier im Griff haben und sich auch mit weniger Zufriedenheit geben. Nur bewegen sie sich nicht in diesem Umfeld und werden nicht als „Alpha-Tiere“ ideologisch verklärt. …“

R4mbo #40: “ … Jedenfalls kann es den Problemkindern ganz recht sein wenn wir uns in philosophischen Gedanken verlieren. …“

Wolfgang Michal (03.08.2020): “ … Hinweise gab es viele. Bereits 2008 hatte Markus Straub, der Vizevorsitzende der „Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger“, behauptet, die Firma frisiere ihre Bilanzen. Wirecard schlug zurück und verklagte ihn. 2015 erschien in der Financial Times (FT) die Enthüllungsserie des Investigativreporters Dan McCrum unter dem Titel „House of Wirecard“. McCrum wurde dafür angefeindet. 2016 stellte der Finanzanalyst Matthew Earl seinen 100 Seiten umfassenden „Zatarra-Report“ ins Netz, anonym, weil er Wirecards Rache fürchtete. 2018 präsentierte der Ex-Fortune-Journalist Roderick Boyd seine Recherchen, und 2019 gelangte der interne Bericht der Singapurer Kanzlei Rajah & Tann über die allzu krummen Asien-Geschäfte zur Financial Times. Doch getreu dem Motto „Haltet den Dieb!“ überzog Wirecard sämtliche Kritiker mit dem Vorwurf der „Marktmanipulation“ und forderte Schadenersatz. Die „Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht“ (BaFin) glaubte der Firma und stellte Strafanzeige. Journalisten, so die gemeinsame Lesart, hätten sich mit Hedgefonds verschworen, um auf Wirecards Absturz zu wetten. Auch deutsche Wirtschaftsjournalisten glaubten das. Der tapfere Wirecard-Chef, schrieben sie, befinde sich „im Auge des Orkans“ (Der Spiegel) oder „im Zentrum des Sturms“ (Wirtschaftswoche). Nun gelte es, „mit stahlharten Nerven“ gegen die „haltlosen Vorwürfe“ und „aggressiven Attacken“ von „Bloggern“ und „Spekulanten“ vorzugehen. …“ | https://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/keingroschenoper

lemon / 3 August 2020 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Seelenleben #1… ]

“ … Because of their interest in dreams and the unconscious, it may have seemed obvious that Dali and Freud would have made natural friends, but Freud’s taste in art was strictly traditional and he was wary of the Surrealists after a run-in with André Breton in 1921. …“ | via https://dangerousminds.net/comments/that_time_salvador_dali_met_sigmund_freud (15.01.2020)

Jens Heise (23.09.2019): “ … Der Traum ist wie eine Psychose, aus der wir morgens gesund aufwachen; die Psychose ist wie ein Traum, aus dem es kein Erwachen gibt. … Freud hat die Psychoanalyse nicht philosophisch begründet. Philosophisch wirksam ist sie durch ihre Kritik an der Autonomie des Ichs oder des Subjekts, wie es sich im Selbstportrait des animal rationale kristallisiert hatte. Dieser Anspruch, ein anderes Bild vom Menschen zu vertreten, macht den philosophischen Kern der Psychoanalyse aus und verbindet sie mit nachidealistischen Positionen unter der Parole, das Ich zu dezentrieren. Für Freud liegt in der Dezentrierung des Ichs die Bedingung seiner Psychologie des Unbewussten. Was aus der Zentralperspektive des Ichs als Unsinn erscheint wie der Traum oder die Neurose, wird sinnvoll auf dem Schauplatz des Unbewussten. … In der Psychoanalyse erscheint die Kondition des Menschen prekär: Das Ich ist abhängig von der Außenwelt, über die Innenwelt seelischer Vorgänge ist es nur unzureichend informiert, es ist den Trieben ausgesetzt und unterliegt der Zensur durch das Über-Ich; die Vernunft erscheint als Werkzeug der Triebe und ist ohne eigenständige Kraft. Zusammengefasst: „Der Mensch ist ein Wesen von schwacher Intelligenz, das von seinen Trieben beherrscht wird“, schreibt Freud laut „Studienausgabe“. … Es ist offensichtlich, dass die Wende vom Bewussten zum Unbewussten in der Geschichte der Naturwissenschaften nicht aufgeht. Die psychologische Dezentrierung betrifft das Ich selbst und konfrontiert uns mit der Einsicht, dass wir zu einem Teil unserer Innenwelt keinen Zugang haben. In der Entdeckung des Unbewussten liegt die eigentlich philosophische Frage der Psychoanalyse … In seiner Rede zum 80. Geburtstag Freuds stellt Thomas Mann 1936 fest, dass die Wirkung der Psychoanalyse die Grenzen der Medizin weit überschritten und das Selbstverständnis des Menschen entscheidend geprägt hat: „die analytische Einsicht ist weltverändernd“ … “ | https://www.forschung-und-lehre.de/zeitfragen/deuter-unserer-traeume-2145/

Thomas Anz (‚Psychoanalyse und literarische Moderne – Zu den Anfängen einer dramatischen Beziehung‘, 21.11.2016): “ … Umstritten war die Psychoanalyse indes damals so sehr wie heute. Auch die gegenwärtig häufiger und aggressiver werdenden Stimmen gegen Freud haben eine literarische Vorgeschichte. Hofmannsthal schrieb 1908 in einem Brief: „Freud, dessen Schriften ich sämtlich kenne, halte ich […] für eine absolute Mediocrität voll bornierten, provinzmäßigen Eigendünkels.“ Die polemischen Bemerkungen von Karl Kraus gegen die Psychoanalyse sind bekannt, vor allem sein Bonmont, die Psychoanalyse sei jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich halte. … Am Kampf gegen die „entarteten“, „kranken“ Kunstwerke und Künstler der Moderne, wie er um und nach 1900 mit Argumenten sozialdarwinistischer und psychiatrischer, sozialistischer, deutschnationaler und rassistischer, heimatkunstbewegter und neoklassizistischer Provenienz geführt wurde, hat sich Freud allerdings nie beteiligt. … Die Bewunderung, die ihm später die Surrealisten entgegenbrachten, registrierte er, mochte diesen indes seinerseits wenig Verständnis entgegenbringen. … Gleichsam als Einmischung in innere Angelegenheiten wies Freud das Interesse der literarischen Moderne an psychopathologischen Stoffen zurück. Umgekehrt reagierten Autoren der Moderne hochempfindlich, wenn Psychoanalytiker in ihrem Interesse an der Kunst und an Künstlerpersönlichkeiten gegenüber dem Autor und seinem Werk von vornherein einen vaterähnlichen Überlegenheitsanspruch behaupteten, während dem Autor die Rolle eines quasi neurotischen, bewusstseinsmäßig unterlegenen Patienten zugeschrieben wird. Gewiss, es gibt im Umkreis der literarischen Moderne zahllose Beispiele dafür, dass sich Autoren freiwillig als Patienten einer therapeutischen Analyse unterzogen haben. Für viele war dies der Weg, auf dem ihre Rezeption der Psychoanalyse erfolgte. Das Beispiel Rilke, der im Winter 1911/12 eine psychoanalytische Behandlung erwog, doch dann davon Abstand nahm, weil er fürchtete, mit seiner Neurose auch seine Kreativität zu verlieren, ist nicht ganz so typisch, wie oft gesagt wird. Den produktiven Anstößen der Psychoanalyse steht indes die Bedrohung gegenüber, die von ihren dem „Therapiemodell“ folgenden Kunstinterpretationen dadurch ausging, dass jeder Autor durch sie, und zwar unfreiwillig und sogar öffentlich, mit seinen Werken zum pathologischen Fall und Untersuchungsobjekt werden konnte. „Ich bin […] unvermögend mich gegen Interpretationen der vagsten Art zu wehren […], wenn morgen ein Freudianer meine sämtlichen Arbeiten bis aufs I-Tüpferl als infantil-erotische Halluzinationen ‚erkennt'“, schrieb Hofmannsthal in einem Brief. Karl Kraus wettert: „Nervenärzten, die uns das Genie verpathologisieren, soll man mit dessen gesammelten Werken die Schädeldecke einschlagen.“ Döblin sprach in diesem Zusammenhang von „Tölpeleien“. … Den Antagonismus von Sexualität und Moral, Unbewusstem und Bewusstem, Körper und Geist wird in Literatur und Psychoanalyse gleichermaßen immer wieder mit Metaphern des Kampfes dramatisiert. Zusammen mit „Unterdrückung“, „Widerstand“ oder „Abwehr“ gehört auch „Kampf“ zum festen Inventar des psychoanalytischen Vokabulars. Vom „Kampf mit dem mächtigen Triebe“ oder „Kampf gegen die Sinnlichkeit“ spricht Freud etwa in seiner 1908 erschienenen Schrift „Die ‚kulturelle‘ Sexualmoral und die moderne Nervosität“. Und Lou Andreas-Salomé, die 1911 Freud persönlich kennen lernte und bald zu seinem engsten Kreis gehörte, schrieb 1915, wohl nicht zufällig also während der Kriegszeit, in einem ihrer zahlreichen Beiträge zur Psychoanalyse: „Gewiß gibt es auch ohne alles spezifische ‚Schuldgefühl‘ im Menschen genug Krieg und Widerstreit der Triebe gegeneinander“. …“ | https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=5803

Anna und Sigmund Freud im Jahr 1920

(4. Juni 2020): “ … Ganz im Gegensatz zu Sigmund Freud, der in einem Brief an die Prinzessin und Psychoanalytikerin Marie Bonaparte schreibt: „Im Moment, in dem man nach Sinn und Wert des Lebens fragt, ist man krank, denn man hat nur eingestanden, das man einen Vorrat von unbefriedigter Libido hat,“ sieht Frankl in der Frage nach dem Sinn des Lebens eine Manifestation der „geistigen Mündigkeit und intellektuellen Redlichkeit des Menschen“. … Mit verschiedenen Methoden, wie Hypnose, der sogenannten „freien Assoziation“ oder der Traumdeutung erforschte [Sigmund Freud] das Unbewusste. Auch er entschloss sich 1938 zur Emigration. Nach Bezahlung der „Reichs-fluchtsteuer“, gelang es Freud, das Land zu verlassen. Seine erzwungene Unterschrift unter der „Erklärung“, von der Geheimen Staatspolizei korrekt behandelt worden zu sein, ergänzte er mit den Worten „Ich kann die Gestapo jedermann auf das Beste empfehlen“. …“ | https://www.derstandard.at/story/2000117844831/ein-historischer-blick-auf-die-sinnsuche-die-oesterreichische-seele-und

Georges Roth (4. Juni 2020, 18:31:25): “ … [Es] ist vielleicht wirklich nur für neurotische Charaktere von Bedeutung, aber die falsche Angabe des Gestapo-Zitates vermurkst die eigentliche Pointe. Freud sagte nicht, er könne die Gestapo auf das Beste, sondern „auf das Wärmste“ empfehlen. Und das ist ja sexualtheoretisch ein kleiner Unterschied. …“

lemon / 16 Juli 2020 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung / 0 Comments

[Der psychische Apparat #2… ]

“ … Das Imaginäre ist ein Sammelbegriff für alles „Bildhafte“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Imagin%C3%A4re (Dezember 2018) // “ … Für Lacan bezeichnet das Imaginäre zwar einen Kern des Ichs, aber zugleich »das Element einer notwendigen Verkennung, einer ursprünglichen, nie wieder einholbaren Entfremdung des Ich ins Bild (seiner selbst)«. Das Ich ist Lacan zufolge wesentlich durch eine »Verkennungsfunktion« charakterisiert: Es ist das Ergebnis der Identifikation des Säuglings mit seinem idealisierten Spiegelbild, mit dem es gerade nicht identisch ist. … Susanne Lüdemann beschreibt das »kollektive Imaginäre« in Anlehnung an Castoriadis – aber zugleich auch in Umschreibung von dessen Theorie – als Ort einer kulturellen Manifestation des Unbewussten einer ganzen Gesellschaft: »Von der ›absoluten Egozentrik‹ (Freud) des Traums, den singulären Produktionen des individuierten Unbewußten, bis hin zum kollektiven Imaginären, wie es sich etwa in Mythen, Legenden, politischen Ideologien, aber natürlich auch in der alltäglichen Produktion der Massenmedien niederschlägt und konstituiert, reicht die Spannweite der primären und sekundären Bearbeitungen unbewußten Materials.« … Die Mechanismen der Verdichtung, Verschiebung und Darstellung bilden die primäre Bearbeitung des Traummaterials; die sekundäre Bearbeitung nimmt dem Traum seine »Absurdität und Zusammenhangslosigkeit« und nähert ihn »dem Vorbilde eines verständlichen Erlebnisses« …“ | Aus: „Die imaginäre Dimension der Politik“ von Wilhelm Fink (2014) | Quelle: https://orbilu.uni.lu/bitstream/10993/13194/1/Imag_Dim_Koh.pdf

Sabine am Orde und Tom Vesterhold (13.6.2020): “ … Es ist ja nicht das erste Mal, dass Margarete Vesterhold ihrem Sohn Nachrichten zukommen lässt, die direkt von der AfD stammen könnten. Seit mindestens drei Jahren geht das so. Mal ist es ein Post über libanesische Familienclans, mal ein Video über den angeblichen „Selbstmord Europas“ durch zu viele Einwanderer oder eine Meldung von einer „Gruppe der informierten Bürger“: „Ungarischer Geheimdienst: Tausende Migranten bereiten Bürgerkrieg in Deutschland vor.“ Dazwischen schickt Margarete Vesterhold ihrem Sohn, Fotos der Enkel oder Tierbilder, um sie den Kindern zu zeigen. Dann kommt wieder ein Fake-Zitat von Aydan Özoguz (SPD), der ehemaligen Migrationsbeauftragten der Bundesregierung: „Dass Asylbewerber kriminell werden, das ist einzig und allein die Schuld der Deutschen, weil deren Spendenbereitschaft sehr zu wünschen übrig lässt.“ Oder ein angeblicher Spruch von Sieglinde Frieß, einer grünen Bundestagsabgeordneten: „Ich wollte, dass Frankreich bis zur Elbe reicht und Polen direkt an Frankreich grenzt.“ … Was weiß ich, was Aydan Özoguz wirklich gesagt hat? Und was Sieglinde Frieß? Ich habe anderes zu tun, als diese absurden Pöbeleien zu widerlegen. Und ich habe Mama schon so oft gesagt, dass sie mich mit dem rechten Murks nicht behelligen soll. Wir haben uns schon so oft über Ausländer oder Flüchtlinge gezofft. Über ihr Menschenbild. Ihre sinnlose Angst vor dem Fremden. Knallharte Streite – und total sinnlose dazu. Die Frau ist unbelehrbar. … „Wir merkten: Wir brauchen eine Kommunikation, die nicht an der Oberfläche bleibt, die uns tiefer trägt. Sonst bleibt es bei Schlagabtauschen, die nichts ändern.“ … | https://taz.de/Rechtsruck-und-Familie/!5689436/

“ … Während im Realismus der Beobachter die Welt gleichsam von einem neutralen Standpunkt aus betrachtet, sich beobachtend nicht als Teil der Welt versteht, den Einfluss des Beobachters ausschließen will, weist der radikale Konstruktivismus darauf hin, dass dieser Standpunkt nicht eingenommen werden kann: Der Beobachter ist immer Teil der Welt und hat immer einen subjektiven Standpunkt und beeinflusst so immer auch die Beobachtung selbst. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Radikaler_Konstruktivismus (Mai 2020)

“ … Als Gegenbegriff zu einem naiven Realismus [Ihr zufolge sind die Dinge im Wesentlichen so, wie sie uns erscheinen] gewann nun der Konstruktivismus die Überhand, worunter ich die Positionen subsumiere, die uns weismachen wollen, dass wir keinen direkten Zugang zur Wirklichkeit haben, da wir zunächst Begriffe oder Systeme hervorbringen müssen, die „die Wirklichkeit“ oder „die Welt“ dann bestenfalls verzerrt erfassen. … Neuerdings sind es Gehirne oder vielmehr bestimmte Gehirnareale, die sowohl das Bewusstsein als auch seine bunten Umgebungsbilder erzeugen. Was bleibt, ist die Idee eines kognitiven Gefängnisses: „als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben keine Welt“ (Rilke). Dies gefiel schon Schopenhauer, der einer der Ersten war, die dem Gehirn die Funktion zuschrieben, die „Welt als Vorstellung“ hervorzuzaubern, an die sich die überlebenshungrigen Menschentiere dann in einer dauernden Lebensgeilheit verlieren. … Der Neue Realismus ist [ ] alles andere als naiv. Die Grundidee lautet [ ], dass wir die Wirklichkeiten, auf die wir Bezug nehmen, tatsächlich begrifflich und perspektivisch vermittelt erfahren. Diese Begriffe und Perspektiven sind selbst Wirklichkeiten und deswegen ihrerseits erkennbar. … Die Illusion, von welcher der Neue Realismus befreien will, ist die Illusion, dass wir in einem riesigen Täuschungszusammenhang gefangen sind. Denn dies ist nur eine Ausrede, die den Fatalismus der Freiheit vorzieht. Früher wurden Gott und Schicksal beschworen, um uns von unserer Freiheit zu entlasten, heute sind es die Natur, das Universum, das Gehirn, das egoistische Gen oder die Evolution. Darin sehe ich einen Täuschungszusammenhang, die Ideologie unserer Zeit. … “ | Aus: „Texte zum NEUEN REALISMUS: Markus Gabriel: Wir Verblendeten“ (Die ZEIT, 5. 06. 2014) | http://www.fachverband-ethik.de/fileadmin/daten_bawue/dateien/unterrichtsmaterialien/Reader-Neuer_Realismus.pdf

Markus Gabriel (2020): “ … Die [ ] These, die jetzt in Fiktionen [erschien 2020] ausbuchstabiert wird, lautet, dass unser geistiges Innenleben genauso zur Wirklichkeit gehört wie die uns umgebende Natur. Es gibt also keinen Wirklichkeitsabstand zwischen einem Juckreiz, der Erinnerung an einen schönen Sommerabend in Neapel und dem Vesuv. Das heißt, der Geist ist kein zweitrangiger Bewohner der Wirklichkeit, und umgekehrt hängt die Wirklichkeit auch nicht vom Geist ab. Weiteres Beispiel: Man hat Durst und erinnert sich an das kühlende Kölsch vom letzten Jahr. Dann geht man in den Kiosk und kauft genau deswegen ein Bier, weil man sich selbst in einer Erzählsituation betrachtet: „Ach, weißt du noch, das kühlende Kölsch …“ Das ist die Wirklichkeit des Geistes. Da steckt nicht anderes dahinter, weder Neuronenfeuer noch Klassenkampf. Das nenne ich die Unhintergehbarkeit des Geistes. Aus dem Geist kommt keiner raus. … Deswegen bin ich ja auch Neo-Existenzialist, wie ich das nenne: Wir Menschen sind als geistige Lebewesen das, was wir nicht sind, und wir sind nicht das, was wir sind. Kurzum: Wir können uns in keine Identität mit uns begeben. Auf der Basis kritisiere ich ja dann auch die sogenannte Identitätspolitik. Identitäten wie die Gesellschaft, die Rasse, das Geschlecht, die Religion, die gibt es alle gar nicht. Das sind schlechte Fiktionen, die von Leuten produziert werden, die inkompetent im Erzählen sind. …“ | Aus: „„Wir täuschen uns““ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wir-taeuschen-uns

Natasha Kelly im Gespräch mit Alexander Moritz (06.06.2020)“ … Warum weiß als deutsch imaginiert wird, geht ja damit einher oder führt ja dazu, dass Schwarze Menschen hier als Fremde gelesen werden, obwohl viele Familien seit vielen Generationen schon in Deutschland leben. Das reicht bis zur Kolonialzeit zurück, einige Familiengeschichten. Also, da sind wir jenseits zweiter oder dritter Generation. Und wenn wir nicht anfangen zu verstehen, dass dann im Prinzip die Kontinuität dieser Vorstellung sich in Gesellschaft einschreibt – das ist ja, was die Strukturen schafft – können wir ja gar keine Debatte auf einer strukturellen Ebene führen. … Das heißt, dass wir Rassismus auch als Struktur, das heißt, als historisch gewachsene Kontinuität einer lange andauernden rassistischen Ideologie lernen müssen zu verstehen. … Wenn weiße Menschen ihre Abwehrstrategien niederlegen … „Ja, aber ich will nicht als weißer Mann markiert werden.“ Oder: „Ich sehe keine Farbe. Für mich sind alle Menschen gleich.“ – Also, da sind schon ganze Bücher mit gefüllt worden, alleine mit den Abwehrstrategien. … Ich brauche keinen weißen Mann, der mir erzählt, was es bedeutet, eine Schwarze Frau in Deutschland zu sein. … Wenn wir [ ] uns [] die Geschichte des Rassismus ansehen: Die Geschichte des Widerstandes war auch immer kontinuierlich. Die ist ja nie abgebrochen, nur haben Weiße das Privileg gehabt, sich nicht daran zu beteiligen. … “ | Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/soziologin-zur-deutschen-debatte-ueber-rassismus-die.990.de.html?dram:article_id=478142

lemon / 15 Juni 2020 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #45… ]

BRAVO 11 (1961)

“ … Edgar-Wallace-Filme sind Spielfilme, die auf Werken des britischen Schriftstellers Edgar Wallace (1875–1932) basieren. … Obwohl es international zahlreiche Verfilmungen von Stoffen dieses Autors gibt, werden heute vor allem die zwischen 1959 und 1972 entstandenen Wallace-Adaptionen der Rialto Film als Edgar-Wallace-Filme bezeichnet, auch wenn sie teilweise gar nicht nach Originalstoffen von Wallace gedreht wurden. … So drehte sich das Geschehen vordergründig um einen meist fantasievoll maskierten Hauptverbrecher. Im Gegensatz zum Psychothriller war hierbei das Entlarven des bis zum Finale unbekannten Verbrechers entscheidend (Whodunit). Die Motive der Verbrecherfiguren waren meist Habgier, Rache, Erbschleicherei sowie Mädchen- und Drogenhandel. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Edgar-Wallace-Filme (April 2020)

Jochen König “ …. Der rückwärst gewandte Blick, der sich nicht um Tagesaktualität scherte, erlaubte den Machern hemmungslos in der Vergangenheit zu plündern. Gotischer Horror mit Nebelschwaden bis in die Baumwipfel, schreiende Käuzchen, Mönchskutten und andere mehr oder minder gruseliger Verkleidungen (Der Frosch mit der Maske, Der grüne Bogenschütze) wurden aufgefahren und lieferten sich ein Stelldichein mit einer naiven Komik, die Slapstick mit dem Vorschlaghammer reproduzierte und sich verbal gern in grobmotorischer Selbstreflexion versuchte. … Gewalt und Horror blieben angedeutet und wohlig, es starben zwar mächtig viele Menschen im Nebel, auf regennassen, nächtlichen Straßen oder exotischen Orten, aber richtig blutig wurde es erst, als die Serie bereits in den letzten Zügen lag, und der Einfluss der ungleich brutaleren italienischen Psycho-Thriller hinzukam. Das verpasste den Filmen zwar nicht den Todesstoß, doch rette es Edgar Wallace auch nicht. Die apolitische Harmlosigkeit und das rückwärtsgewandte Gesellschafts- und Menschenbild, trotz deutlicher ironischer Brechung, ließen die Filme angesichts der herrschenden Auf- und Umbruchsstimmung, der Konkurrenz durch junge Autorenfilmer, New Hollywood und ein Kommerzkino, das einerseits immer kostspieliger und andererseits wesentlich wilder wurde (Italo-Western, Horrorfilme mit mehr als angedeutetem Goregehalt, Krimis, die nicht nur politisch brisanter waren und ganz anders geartete, wesentlich alertere, modernere und reflektiertere Protagonist*innen aufwiesen) ließen die Filme nach Edgar-Wallace Werken und Motiven zu Auslaufmodellen werden. … für einen gepflegt eskapistischen Nostalgietrip gibt es unbehaglichere Zufluchtsorte. …“ | Quelle: https://www.krimi-couch.de/magazin/film-kino/edgar-wallace/

“ … In den weiblichen Hauptrollen drängen attraktive, junge Schauspielerinnen wie Karin Dor (fünf Filme), Brigitte Grothum (drei), Karin Baal (drei) oder Uschi Glas vor die Kamera. Meist geben sie das Opfer, das es vor Intrigen und den finsteren Machenschaften zu schützen gilt. Nicht selten enden männlicher Ermittler und weibliches Opfer als glückliches Liebespaar. …“ | Aus: „Kinogeschichte Im Bann des Killer-Froschs“ Ralf Klee und Broder-Jürgen Trede (04.09.2009) | Quelle: https://www.spiegel.de/geschichte/kinogeschichte-a-948483.html

Philipp Stiasny, Berlin (02.06.2010): “ … Mit dem deutschen Kino der 1950er-Jahre ist es so eine Sache. Einerseits erreichte die Film- und Kinobranche in der Bundesrepublik um 1955 mit 800 Millionen Kino-Besuchen die höchste Nachfrage beim Publikum (im Vergleich dazu wurden im ungewöhnlich erfolgreichen Jahr 2009 im gesamten Bundesgebiet 146 Millionen Kino-Besuche gezählt). Auch heute noch werden Spielfilme aus den 1950er-Jahren vergleichsweise häufig im Vor- und Nachmittagsprogramm der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten gesendet. Zudem folgen viele aktuelle Fernsehfilme und Serien – darunter Arztfilme, Urlaubskomödien und Liebesdramen vor Bergpanorama – damals erprobten Formen und Konventionen. … Das Kino der 1950er-Jahre hat deutliche Spuren in der populären Kultur hinterlassen. Andererseits hat die akademische Forschung von wenigen Ausnahmen abgesehen um diese wichtige Epoche der deutschen Filmgeschichte bis in die 1990er-Jahre hinein einen großen Bogen gemacht. Viele Filmhistoriker ebenso wie Kritiker und Cineasten betrachteten die Filme als Dutzendware, als ideologisch rückwärtsgewandt und künstlerisch belanglos. …“ | Aus: „Das deutsche Kino der 1950er-Jahre“ | Quelle: https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-10617


Joachim Horvath (1999): “ … Den wissenschaftlichen Grundkonsens zur Filmkritik der 50er Jahre faßt Schmid wie folgt zusammen: „Augenfälligstes Merkmal der Kritik dieser Jahre ist die Vermeidung gesellschaftspolitischer Implikationen. Bedingt durch die besonderen Umstände der Nachkriegszeit entstand so die Form der erzählenden Filmkritik, welche als Text den Leser zu unterhalten vermochte, ohne ihn mit Hinweisen auf filmische Finessen zu belasten.” … Eine wichtige Sonderrolle in der filmkritischen Landschaft der 50er Jahre (und auch später noch) spielten die Organe der kirchlichen Kritik, der katholische „Film-Dienst“ zum einen, der sich bis heute gehalten hat, und der „Evangelische Film-Beobachter“ zum anderen, der schließlich im heutigen „epd Film“ aufging. Ihr Hauptanliegen war natürlich vor allem die Einstufung und Bewertung der aktuellen Filmproduktion nach den Maßstäben der kirchlichen Morallehre. Hierzu ein Zitat aus den Wertungskriterien der Katholischen Filmkommission von 1959: „Bei der Beurteilung des moralischen Gehalts sind Inhalt und äußere Erscheinungsform des Films an den Normen der katholischen Morallehre zu messen. Bei der Beurteilung der Wahrhaftigkeit ist insbesondere zu berücksichtigen, wieweit der Film geeignet ist, im Betrachter falsche Vorstellungen über die Lehre der Kirche sowie über den Menschen und seine Umwelt zu wecken.”
Um die Gläubigen davor zu bewahren, an ihrer Seele ernstlich Schaden zu nehmen, wurden die aktuellen Kritiken in Schaukästen öffentlich ausgehängt. Der Filmkritiker Peter Nau erinnert sich an seine eigene Jugend: „An einer Häuserwand auf dem Weg zu diesem Kino (einem verrufenen, in dem es vor allem amerikanische Gangster- und Kriminalfilme gab) hing der Schaukasten mit den Kritiken vom Katholischen Filmdienst. Ich liebte auch diese Kritiken. […] Im Lob und Tadel, in der Befürwortung und Ablehnung spiegelte sich der moralische Rigorismus der Filme wider, der in ihnen waltende Kampf zwischen dem Guten und dem Bösen”
Weitere Merkmale der deutschen Filmkritik der 50er Jahre sind laut Prinzler, daß es ihr, wie bereits angedeutet, zumeist an den fachlichen Voraussetzungen mangelte, daß kaum Austausch der Kritiker untereinander stattfand, daß es keine Filmwissenschaft und keine Filmliteratur und somit auch keine kontinuierliche Wahrnehmung der internationalen Filmgeschichte gab. Dies führte vor allem zu einem gänzlich hilflosen Umgang mit Genrefilmen, die von der damaligen Kritik entweder überhaupt nicht oder nur verzerrt wahrgenommen wurden. Hierzu noch einmal Prinzler: „Das Melodram, in dem Gefühle ernstgenommen werden müssen, war ihr [der Filmkritik, J.H.] fremd. Auf Kriminalfilme reagierte sie mit moralischen Begriffen. Und den Western [damals etwas abschätzig „Wildwestfilm“ genannt, J.H.] konnte sie mit ihrem traditionellen Kulturbegriff schon gar nicht begreifen.” …“ | Aus: „Zur gegenwärtigen Situation der Filmkritik in Deutschland – Eine Analyse anhand ausgewählter Beispiele – Diplomarbeit im Fach Medienwissenschaft – Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen (Stuttgart, November 1999) | Quelle: https://hdms.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/274/file/Joachim_Horvarth.pdf

Claudius Seidl (04.05.2020): “ … Der französische Historiker Paul Veyne hat in seiner Geschichte des frühen Christentums den Sieg der neuen Religion über die alte unter anderem damit begründet, dass für ein Bauernmädchen zum Beispiel in der Provence die Jungfrau Maria einfach eine sympathischere und viel verständlichere Figur gewesen sei, als es Juno oder Diana jemals waren. Und wenn man sich die deutschen Filme der fünfziger Jahre anschaut mit ihren verklemmten und verspannten Helden, die schon deshalb keine Tiefe haben durften, weil über die Vergangenheit geschwiegen werden musste: Dann versteht man heute erst recht, warum sich die deutsche Jugend geistig und kulturell unbedingt von Robert Mitchum oder Rita Hayworth, von John Wayne oder Maureen O’Hara adoptieren lassen wollte. So hätten die deutschen Vorgeschichten in der amerikanischen Imagination und nicht mehr in der verdammten deutschen Wirklichkeit gespielt. …“ | Aus: „How deutsch are we?“ | Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/wie-die-amerikanische-kultur-westdeutschland-beeinflusst-16751191.html

Gottfried Lobeck (golo7) 04.05.2020 – 16:21: “ … Auch Kitsch hat durchaus gewinnende Seiten! Und die verkrampfte Auseinandersetzung mit deutscher Vergangenheit 1968, die wenig Klarheit bewirkte, kann auch so gelesen werden, dass american way of life das Sein in merkwürdiger wie auch zuweilen gern gesuchter Weise verkrüppeln kann. …“

Wendy Corinna Fhields (WendyC) 04.05.2020 – 11:38: “ … Nochmal zu amerikanischen, pardon „us-amerikanischen“ Einflüssen: Wer mit BONANZA, KOJAK, CANNON, COLUMBO, FLIPPER und den STRASSEN VON SAN FRANZISKO aufgewachsen ist und die ersten McDonalds-Restaurants erlebt hat und sich dazu noch an das ewige kulturkritische Untergangsgeraune erinnert, das diese Sozialisation von konservativer wie linker Seite begleitete, der wird den Amerikanern ewig dankbar sein! MIAMI VICE statt Martin Heidegger! …“

usw.

lemon / 3 Juni 2020 / Cinema.Exposure, Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Kunst.Encoder, Realitaets.Tunnel, Visual.Notes / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe #86 … ]

A Room with a View“ (1985)

“ … Phantasma (altgriechisch φἀντασμα ‚Erscheinung, Bild, Vorstellung, Gesicht‘ bzw. ein von der Gottheit gesandtes Vorzeichen, Wunder, Traumbild mit und ohne Traum, Gespenst, Geist) … Lacan bezeichnet damit die psychische Repräsentation eines Objekts oder einer Situation, an die sich das Subjekt bildhaft erinnert. Das Phantasma gehört somit dem Register des Imaginären an. Diese zunächst allgemeine Bestimmung spezifiziert Lacan, wenn er vom Phantasma als einer Form der Abwehr spricht. Oft liegen der Entwicklung eines Phantasmas traumatische Erlebnisse zugrunde, die jedoch im vorgestellten Bild abgewehrt und umgedeutet werden. Ein Beispiel dafür ist eine Pornografie, in welcher der Konsument sich ein Szenario entwirft (bzw. ein solches konsumiert), in dem reale Unterlegenheit und subjektiv empfundene Minderwertigkeit in sexuelle Unterwerfung der Frau und uneingeschränkte phallische Macht des Mannes umgedeutet wird. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Phantasma (Januar 2020)

Ela Angerer (2. Juni 2020): “ … Man verliebt sich nicht in eine reale Person, sondern in das Traumbild … Experten auf dem Gebiet der emotionalen Verwicklungen nennen diese Fixierung auch: Phantasma. Was ist dieses Phantasma? Jene notorische Fantasie, über die sich Aristoteles, Schopenhauer und Lacan den Kopf zerbrachen? Spielverderber sprechen von einem Hirngespinst und warnen: ein liebestechnischer Selbstbetrug, bei dem es weniger um das Gegenüber als um das Bild geht, in das der andere passt. Alle anderen ahnen: Es macht erst dann „klick“, wenn die neue Eroberung wie eine Blaupause über unsere innere Vorstellung von romantischer Liebe passt.
Ich weiß von Männern, die – halb bewusst, halb unbewusst – in jeder neuen Frau ihre vollbusige Kindergartentante suchen. Oder den charismatischen Polizisten, den sie vom Rücksitz des elterlichen Wagens aus beobachteten. Andere klopfen jede neue Bekanntschaft nach der sommersprossigen Mitschülerin ab, die sie einst so schmerzhaft ignorierte. Ein beliebtes Genre ist auch die Deutschlehrerin mit ihrem im Gegenlicht durchscheinenden Rock. … Ja, eine kleine Liebe mag auf dem Boden von Vertrauen und Realitätssinn gedeihen. Die große, leidenschaftliche Liebe hingegen, die kommt nicht ohne den künstlichen Lichtstrahl unserer Fantasie aus. …“ | Aus: „Lustprinzip – Gespenster der Leidenschaft: Vom Verlieben in ein Traumbild“ (02.06.2020) | https://www.derstandard.at/story/2000117580583/gespenster-der-leidenschaft-vom-verlieben-in-ein-traumbild

Wachstumsschmerz (2020): “ … Ich glaube ja, dass jedes Verlieben über eine gewisse Projektion läuft. … Für mich sind es eher Bedürfnisse, die auf die Person projiziert werden, die stammen natürlich aus der Jugend, wenn nicht aus der Kindheit. Das Problem ist, dass somit die andere Person für viel zu viele Projektionen herhalten muss, erstens hat die Person gar keine Ahnung, dass (und was) ich projiziere, und zweitens kann sie all diesen Projektionen gar nicht gerecht werden, und sollte das auch nicht. Der, der projiziert sollte das erkennen, passiert aber viel zu selten. …“

“ … [Es gibt] … das imaginale Phantasma, das etwas als real gegeben ansieht (a priori Korrelation zwischen Wahrnehmung, Wahrgenommenen und Sein) und zweitens um das imaginäre, das eine Korrelation verneint. Für gewöhnlich werden beide Phantasmen streng auseinander gehalten: Wir grenzen uns von falschen Auffassungen und Illusionen ab. Wir analysieren z.B. einen Traum oder eine Phantasie und bezeichnen diese Phänomene dann auch als solche. Wir tun dies jedoch immer vor dem Hintergrund einer vorausgesetzten Wahrheit und eigentlichen Realität. Das, was wir dabei als Realität bezeichnen, wird selbst nicht für eine Imagination gehalten. Es könnte sich jedoch herausstellen, dass genau das selbst ein Phantasma ist. Dass sich derartige Abgrenzungen nicht so einfach halten lassen, zeigt sich z.B. schon daran, dass ein bloß eingebildetes Angstobjekt, ein Horror-oder ein Liebesfilm ebenso intensive Gefühle und Reaktionen hervorrufen können wie eine reale Schlange vor uns oder die Anwesenheit einer geliebten oder verhassten Person. … Der psychotische Mensch, der von einem imaginalen Phantasma beherrscht wird, … irrt paradoxerweise genau dadurch, dass er glaubt sich nicht zu irren. In seiner absoluten Täuschung ist keine Täuschung möglich. Die Möglichkeit der Korrektur ist jedoch fundamental. Das verdeutlicht auch das bekannte Beispiel von Tschuang-Tse, der träumt, er sei ein Schmetterling. Als er aufwacht, kann er sich fragen, ob nun der Schmetterling träumt, Tschuang-Tse zu sein. Genau dies beweist aber, so Lacan [(J. LACAN: Die vier Grundbegriffe der Psychoanalyse. Das Seminar Buch XI,Weinheim, Berlin 1987)], dass er nicht verrückt ist, denn er hält sich nicht für absolut mit sich selbst identisch. Es ist dieser Abstand von der eigenen Identität, die eigene Selbst-Differenz, der den nicht verrückten Menschen auszeichnet. …“ | Aus: „Gerhard Burda: Phantasma – Wirklichkeit –– Psyche : Grundzüge einer Theorie der Imagination“ (2016)

lemon / 3 Juni 2020 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[You can never tell a book by its cover #13… ]

“ … The Jungle is a 1906 novel by the American journalist and novelist Upton Sinclair (1878–1968). Sinclair wrote the novel to portray the harsh conditions and exploited lives of immigrants in the United States in Chicago and similar industrialized cities. His primary purpose in describing the meat industry and its working conditions … In 1933, the book became a target of the Nazi book burnings due to Sinclair’s endorsement of socialism. … President Theodore Roosevelt had described Sinclair as a „crackpot“ because of the writer’s socialist positions. … the Bureau of Animal Industry issued a report rejecting Sinclair’s most severe allegations, characterizing them as „intentionally misleading and false“, „willful and deliberate misrepresentations of fact“, and „utter absurdity“. …“ | https://en.wikipedia.org/wiki/The_Jungle (10 May 2020) | https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Dschungel // [ “ … Aufgrund seiner politischen Position musste Sinclair allerdings seine Dramen, Romane, Kinderbücher und politisch-soziologischen Untersuchungen in den Vereinigten Staaten teilweise selbst verlegen, weil kein Verleger bereit war, seine Bücher zu drucken und zu vermarkten. Die von ihm verlegten Werke wurden in der Presse seiner Zeit nicht besprochen. Dazu gehörte etwa The Brass Check (1919) (deutsche Übersetzung: Der Sündenlohn. Eine Studie über den Journalismus, 1921), eine Studie, in der Sinclair die Beschränkungen der Presse darstellte, dabei ging er auf die Manipulationstechniken der Regenbogenpresse [von] William Randolph Hearsts ein. Sinclair nannte dieses Werk „das wichtigste und gefährlichste Buch, das ich je geschrieben habe“. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Upton_Sinclair (3. Mai 2020)]


socialkairos 18.05.2020, 21:34 Uhr: “ … Was für ein Albtraum. Und was hat sich seit über einem Jahrhundert geändert ??? “ | zu: Fleischindustrie … Alkoholsucht, Druck und Gewalt. Sebastian Leber (19.05.2020) | –> https://www.tagesspiegel.de/themen/reportage/das-schweinesystem-was-insider-ueber-die-ausbeutung-in-der-fleischindustrie-verraten/25840872.html

lemon / 19 Mai 2020 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Visual.Notes / 0 Comments

lemon / 28 April 2020 / Daten.PolitixMicro, Found.Stuff, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Visual.Notes / 0 Comments

[Aus dem Katalog #6… ]

// Bild via Matthias Eberling | Bilderwelten, Weltbilder 20 (Matthias Eberling, 1966 in Ingelheim am Rhein geboren, ist promovierter Politikwissenschaftler und war lange in Forschung und Beratung tätig. Von 1991 bis 2013 lebte er in Berlin, drei Jahre arbeitete er als Kiezschreiber im Wedding. Inzwischen lebt er in Schweppenhausen und genießt einfach das Leben. )

lemon / 14 April 2020 / Found.Stuff, Gespaltene.Deutung, Visual.Notes / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #43… ]

“ … „Unter einer „symbolischen ‚Form‘“ soll jene Energie des Geistes verstanden werden, durch welche ein geistiger Bedeutungsgehalt an ein konkretes sinnliches Zeichen geknüpft und diesem innerlich zugeeignet wird.“ – Ernst Cassirer …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Cassirer (06.03.2020)

Christiane Peitz (12.04.2020): “ … Der Auferstandene, das Coronavirus oder andere Geistererscheinungen … Bei genauerer Betrachtung entpuppt sich das Unsichtbare als immens politische Angelegenheit, von der Spionage über Feinstaubverschmutzung und den Krieg mit Biowaffen bis zum Opium Religion. Wer sich rar macht, hat die Macht. Wer es vermag, sich den Blicken der anderen nach Belieben zu entziehen (und über entsprechende Waffen verfügt), kann Weltherrscher werden. Davon künden schon die alten Griechen. Die Tarnkappe hilft Athene im Trojanischen Krieg; die Zyklopen statten den Unterweltgott Hades im Kampf gegen die Titanen mit einem Helm aus; Perseus kann Medusa gut getarnt den Kopf abschlagen.
Auch bei den Nibelungen kommt die Tarnkappe zum Einsatz. Siegfried luchst sie Alberich ab – eigentlich ist eine Cappa gemeint, ein Umhang. Josef K. und der Landvermesser sind undurchschaubaren Bürokratien ausgesetzt: Franz Kafka, der Meister des Obskuren, hat mit „Der Prozess“ und „Das Schloss“ zwei der berühmtesten Parabeln auf die Ohnmacht vor dem Thron des Unsichtbaren verfasst. …“ | https://www.tagesspiegel.de/kultur/die-macht-des-unsichtbaren-was-sich-unseren-blicken-entzieht-ist-heilig-oder-teuflisch/25734800.html

J.G.M. 12.04.2020, 10:38 Uhr: “ … Auch das Virus kann man nicht sehen, nicht riechen, nicht anfassen. – – – Aber man kann herrliche Elektronenmikroskop-Bilder von ihnen veröffentlichen. Setzen wir unsere Hoffnungen in die Wissenschaft, nicht in jahrhunderte alte Versprechungen ohne Evidenz und Plausibilität. …“

“ … Magisches Denken bezeichnet in der Psychologie eine Erscheinungsform der kindlichen Entwicklung, bei der eine Person annimmt, dass ihre Gedanken, Worte oder Handlungen Einfluss auf ursächlich nicht verbundene Ereignisse nehmen, solche hervorrufen oder verhindern können. Herkömmliche Regeln von Ursache und Wirkung werden ignoriert. … Ein Teil der Entwicklungspsychologen sieht in Anlehnung an Jean Piaget („Egozentrismus“) magisches Denken als eine archaische Denkform der animistisch-magischen Entwicklungsphase des zwei- bis fünfjährigen Kindes. Piaget spricht auch vom präoperationalen Denken des Kleinkindes. Magisches Denken als Vorstufe des rationalen Denkens, etwa in Form des Glaubens an Wirkungen von Zauberei, Beschwörungen oder Wunschdenken, …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Magisches_Denken (März 2020)

“ … der amerikanische Ethnologe Alan Dundes betrachtet den Mythos aus tiefenpsychologischer Sicht als Wunschsystem. Dundes arbeitete die vielen unbewussten Wünsche und Utopien heraus, die sich in Mythen und Märchen konzentrieren, ließ allerdings offen, welche Rolle der Mythos bei der gesellschaftlichen Kanalisierung dieser Wünsche spielt. In der Tradition Mircea Eliades stehend, maß er dem Mythos im Unterschied zu Märchen (folktales) jedoch eine sakrale Bedeutung bei. In ihnen manifestiere sich das Übernatürliche. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Mythos#Mythos_in_der_Psychologie (4. April 2020)

(13. April 2020) “ … Der Ursprungsmythos von QAnon geht [ ] auf den Oktober 2017 zurück, wie Felix Huesmann für das Redaktionsnetzwerk Deutschland in einem aktuellen Artikel schreibt. Damals meldet sich im Onlineforum 4chan ein anonymer Nutzer zu Wort, der nach eigenen Angaben dem direkten Umfeld von US-Präsident Donald Trump angehört. Dieser nährte die Behauptung, dass Trump in Wirklichkeit ein heldenhafter, und genial agierender Kämpfer gegen den „tiefen Staat“ sei – einer verschwörerischen Gemeinschaft, die die USA fest in ihrem Griff habe. Die Behauptung des „Q“ genannten Informanten ließen sich dabei an Absurdität nur wenig überbieten. So erzählte er von einem Netzwerk von pädophilen Politikern bis zu Hollywoodstars, die angeblich Kinder entführen und ermorden würden, um dann aus ihnen eine Lebenselixier namens „Adrenochrom“ zu gewinnen – und sich damit verjüngen. Dass sich die Ankündigungen von „Q“ zumeist als falsch erwiesen – so sprach er schon 2017 von einer bevorstehenden Festnahme von Hillary Clinton – schreckte seine Anhänger, die sich bald „QAnon“ nannten, nicht ab. Das „Q“ als Symbol ist mittlerweile tief in der rechten Politik der USA verankert und immer wieder im Publikum bei Ansprachen von Donald Trump zu sehen. Die Verunsicherung rund um Covid-19 nutzt QAnon nun für eine neue Erzählung. In Wirklichkeit handle es sich dabei nämlich um ein raffiniertes Ablenkungsmanöver von Donald Trump, damit dieser endlich in Ruhe mit dem „tiefen Staat“ und pädophilen Weltverschwörung aufräumen können. Das mag für viele zunächst absurd klingen, der Zulauf zu QAnon ist aber so stark wie noch nie. … “ | https://www.derstandard.at/story/2000116789442/qanon-verschwoerungstheoretiker-erhalten-dank-xavier-naidoo-und-covid-19-neuen

ComandanteO5: “ … Erinnert mich an die frühe Judenverfolgung … Schon vor der Zeit der Nationalsozialismus wurde Opferung und Kannibalismus von Kinder den Juden unterstellt hat um sie zu verfolgen. z.b. Anderl von Rinn [https://de.wikipedia.org/wiki/Anderl_von_Rinn] …“

zwölfelf “ … Ein Großteil der Menschen sind leider fetzendeppert. …“

MaxPower2468: “ … Das zensierte David Icke Interview finden man auf londonreal.tv sowie auf banned.video !!! …“

Winston Smith: “ … Wie oft wollen Sie das noch posten? Niemand, der noch bei Verstand ist, kann David Icke irgendetwas glauben. …“

“ … David Vaughan Icke (* 29. April 1952 in Leicester, England) ist ein britischer Publizist und ehemaliger Fußball-Profi. Seit Mitte der 1990er Jahre vertritt er als Buchautor und Redner rechtsesoterische Verschwörungstheorien. … Icke verbindet die Thesen vieler verschiedener Autoren aus Esoterik, Ufologie und Verschwörungsliteratur zu einer „Superverschwörungstheorie“. In seinem Buch Die Rebellion der Roboter, das im englischen Original 1994 erschien, verknüpft Icke ein antielitäres, ökologisches und spirituelles Weltbild mit einer breiten Palette rechtsextremer Verschwörungstheorien, Glaubenssätzen und paranoider Klischees der Verschwörungskulte und Ängste der amerikanischen Milizbewegung. Er vertritt die Ansicht, dass ein großer Teil der Zivilisation von einer geheimen und pyramidenartigen Organisationsstruktur namens „The Brotherhood“ kontrolliert wird, die er mit den Illuminaten identifiziert, einer in Wahrheit radikalaufklärerischen Geheimgesellschaft, die nach ihrem Verbot 1785 ihre Tätigkeit einstellte. Icke glaubt, der Orden bestehe bis heute, sein Ziel sei die Errichtung einer „neuen Weltordnung“, in der die ganze Welt versklavt würde. … Die amerikanischen Philosophen Tyson Lewis und Richard Kahn halten es für möglich, dass Icke nicht an seine eigenen Verschwörungstheorien glaube. Sie könnten daher gelesen werden als Satire im Sinne Jonathan Swifts, als postmoderne Meta-Erzählung, die einen narrativen Rahmen zur Kritik des Bestehenden zur Verfügung stelle. Dieser „utopische Impuls“ müsse allerdings erst ausgegraben werden unter all dem reaktionären Bodensatz seiner Phantasien über formwandelnde Reptiloide, denn tatsächlich müsse George W. Bush etwa für seinen Militarismus kritisiert werden, nicht dafür, dass er angeblich gar kein Mensch wäre. … Der amerikanische Politikwissenschaftler Michael Barkun verweist auf Ickes Herkunft aus der politischen Linken und auf die Inkompatibilität seiner New-Age-Spekulationen über transdimensionale Reisen mit den Überzeugungen des amerikanischen Rechtsextremismus; zudem bestreite Icke, Antisemit zu sein. Die Vorwürfe der Anti-Defamation League werte er aber als Bestätigung, auf dem richtigen Weg zu sein, da er sie als Werkzeug der Verschwörer ansehe, mit dem zum Schweigen gebracht werden solle, wer der Wahrheit zu nahe komme. Auch habe er sich immer auch auf rechtsextreme Quellen gestützt wie Milton William Cooper und andere Quellen aus der amerikanischen Milizbewegung oder auf die Zeitschrift The Spotlight. Zudem scheue er sich nicht, mit Vertretern der amerikanischen Waffenlobby und Antisemiten auf einer Tagung aufzutreten, wie 1996 in Reno (Nevada). Zusammenfassend ordnet Barkun Icke in den „improvisationalen Millenarismus“ ein. Dieser zeichne sich durch Endzeitszenarios, eklektizistische Quellenauswahl aus religiösen, säkularen und sogar fiktionalen Texten sowie eine Neigung zu „stigmatisiertem Wissen“ aus: Die bloße Tatsache, dass eine Information allgemein als abwegig angesehen werde, wird dabei als Argument dafür genommen, dass sie wahr sein müsse – warum würden sich die Verschwörer sonst solche Mühe geben, sie als abwegig hinzustellen? Die Politikwissenschaftlerin Ulrike Heß-Meining argumentiert, dass Icke klar in den Rechtsextremismus eingeordnet werden müsse. Dabei verweist sie neben seiner Verwendung der Protokolle der Weisen von Zion auf seine Argumentation, wonach das Bankhaus Rothschild (das nach Icke gar nicht jüdisch sei, sondern außerirdisch-reptiloid: „eine der berüchtigtsten schwarz-okkulten Blutlinien des mittelalterlichen Deutschland“) Adolf Hitler an die Macht gebracht hätte und somit für den Holocaust verantwortlich sei. Zwar glaube niemand, was Icke behaupte, doch bestehe die Gefahr, dass er durch das Internet rechtsextreme Ideologeme popularisiere. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/David_Icke (3. Dezember 2019)

Timagoras: “ … und was ist mit den millionen Europäern, die die an obskure Verschwörungstheorien glauben, Putin oder Erdogan anhimmeln oder George Soros für den Teufel halten? …“

cn42: “ … Wer nach Dutroux, Saville und Epstein pädophile Netzwerke bestreitet, ist allerdings auch nicht ernst zu nehmen. …“

Timagoras: “ … dass pädophile Netzwerke existieren, ist eine allgemein bekannte und unbestrittene Tatsache. aber was hat das mit den Wahnideen der irren QAnonisten zu tun? …“

“ … Eine überwertige Idee (auch: fixe Idee) ist ein dauerhaft lebensbestimmender Leitgedanke, der Motivation, Antrieb und Volition (Willensbildung) beeinflusst und mit intensiver Emotionalität besetzt ist. Personen mit einer überwertigen Idee sind subjektiv von diesem Leitgedanken überzeugt und ihr Handeln ist davon getragen. Das Denken kann dabei perseverierend um die damit verbundenen Vorstellungen kreisen und andere Gedanken verdrängen. … Im Gegensatz zum Wahn oder Wahneinfall kann sich eine Person mit einer überwertigen Idee noch mit der Möglichkeit auseinandersetzen, eventuell eine fehlerhafte Vorstellung zu haben, wobei der Verlauf zum Wahn fließend ist. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Denkst%C3%B6rung (Februar 2020)

“ … Wahn ist der Name für einen seelischen Zustand, der von starker Ichbezogenheit und falschen Urteilen über die Realität geprägt ist und so zu unkorrigierbaren Überzeugungen führt. Wenn eine solche Privat-Wirklichkeit das Leben der betroffenen Person vollständig bestimmt, kann der Wahn als Krankheit aufgefasst werden. In der Medizin wird der Wahn als Symptom von dem Vorkommen eines paranoiden Syndroms unterschieden, das bei verschiedenen Krankheiten auftreten kann und auch als „Wahn“ bezeichnet wird. Darüber hinaus kennt man eine spezifische Krankheit, die ebenfalls mit dem Begriff benannt wird. Wahnsyndrome sind nicht selten, sie treten am häufigsten im Rahmen einer Schizophrenie auf und werden entsprechend den Richtlinien für die Therapie dieser Störung behandelt. Die Wahninhalte sind vielfältig, kulturell geprägt und historisch kontingent. In Kunst und Literatur findet der Wahn nicht selten Erwähnung und ist manchmal das zentrale Thema eines Kunstwerkes. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Wahn (Februar 2020)

“ … Philosophie der symbolischen Formen ist der Titel des Hauptwerks des Philosophen Ernst Cassirer. Die Erstausgabe erschien in Berlin in den Jahren 1923–1929. Sie umfasst drei Bände:

1. Band: Die Sprache, 1923
2. Band: Das mythische Denken, 1925
3. Band: Phänomenologie der Erkenntnis, 1929

… Kernaussage seiner Arbeit ist, dass wir die Welt stets in der Vermittlung durch bestimmte Systeme der Zeichen- und Bedeutungsbildung wie Kunst, Wissenschaft oder Religion erfahren, die er symbolische Formen nennt. Als Grundformen der Weltauffassung sind sie untereinander in spezifischer Weise „gleichwertig“. Die Gleichwertigkeit rührt jedoch nicht daher, dass z. B. der Erklärung von Blitz und Donner mittels Donnergott oder aber mittels Elektrodynamik ein ähnlicher Grad an Wahrheit zukomme. Vielmehr meint Cassirer, dass sich die unterschiedlichen symbolischen Formen nicht aufeinander reduzieren lassen: Die Stellung eines Kunstwerks in der Welt und seine Rezeption lässt sich nicht durch die Physik erklären, die Rolle der Sprache nicht durch die Kunst, Kunst lässt sich nicht durch allein historisches Denken erfassen. Trotz allem kommt bei Cassirer dem Mythos eine besondere Stellung zu, da er ihn als Urform des menschlichen Denkens auffasst. Im Mythos werde eine erste Gliederung der Welt vorgenommen, es würden Strukturen geschaffen (wenn auch noch keine abstrakten Strukturen), Prägnanz ausgebildet und die mannigfaltigen Eindrücke symbolisch dargestellt. Aus dem mythischen Denken gehen für Cassirer in einem Prozess dialektischer Entwicklung die anderen symbolischen Formen wie Kunst, Geschichte, Wissenschaft usw. hervor. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophie_der_symbolischen_Formen (11. Dezember 2019)

„… Menschliche Bewusstseinsentwicklung bewegt sich Cassirer zufolge weder stetig stufenlos, noch chaotisch, sondern entlang symbolisch geformter Ebenen zeitweiliger Sinnstiftung und Wirklichkeitserzeugung. …“ | Aus: „SYMBOLISCHE FORM UND GESTALT – EIN KREATIVES SPANNUNGSVERHÄLTNIS – Ernst Cassirers Beitrag zu einem „Modell mentaler Funktionsräume““ von Norbert Andersch (London, 2009?), e-Journal Philosophie der Psychologie |http://www.jp.philo.at/texte/AnderschN1.pdf

Nachtrag #1

Michael Blume (18. Apr 2020): „Verschwörungsfragen Teil 8: Das Coronavirus zwischen Wissenschaft und Ärzteverschwörung“ — “ … Schon seit Januar wurde auch auf deutschsprachigen, antisemitischen Digitalkanälen verkündet, das Coronavirus Covid19 sei eine “Biowaffe”, die im Auftrag des jüdischen Holocaust-Überlebenden George Soros in einem Biolabor in Wuhan, China, entwickelt worden war. Die wissenschaftliche Mehrheitsmeinung geht dagegen von einer natürlichen Mutation aus, wie sie auch schon bei vielen Viren zuvor beobachtet worden war. Aber auch die These einer unfreiwilligen Freisetzung des Virus in Wuhan wird inzwischen seriös diskutiert. … Schnell wurde ein antisemitischer Verschwörungsmythos zusammengebaut, den dann vor allem digitale Medien wie „klagemauer.tv“ des Schweizer Sektengründers Ivo Sasek propagierten. Demnach sei das Virus von dem jüdischen Holocaust-Überlebenden George Soros in Auftrag gegeben worden, um gemeinsam mit Hillary Clinton, Melinda und Bill Gates und anderen, demokratischen Mitverschwörern die Welt zu erobern, die Menschheit zu dezimieren oder einfach noch reicher zu werden. Eine bisher vor allem in Großbritannien und den Niederlanden verbreitete Variante dieses Vernichtungs-Verschwörungsmythos behauptet, die Todesfälle gingen nicht auf das Virus, sondern auf die Strahlung durch 5G-Sendemasten zurück. Auch hier diene die vorgebliche Pandemie also einer brutalen Machtübernahme unter Inkaufnahme der Ermordung vieler Menschen.
In diesen Verschwörungserzählungen steht also gerade nicht der Zweifel im Hintergrund, sondern die sofortige und gezielte Suche nach den „üblichen Verdächtigen“.
Eine Gruppe von sogenannten „Reichsbürgern“, die die Existenz der Bundesrepublik bestreiten, hat entsprechend zum 1. Mai einen Tag des „koordinierten Widerstandes“ gegen den vermeintlichen „Vernichtungskrieg gegen die europäischen Völker und besonders gegen uns Deutsche“ angekündigt. Sie fordert, Zitat: „Alle führenden Vertreter des Robert-Koch-Instituts, der Virologie- und Impfstoff-Lobbies sind für immer hinter Gitter zu bringen!“ – Zitat Ende
Das klingt bereits bizarr? Es geht noch weiter. Eine noch radikalere Variante des Verschwörungsmythos geht davon aus, dass das Covid19-Virus Teil eines Planes von Donald Trump sei, um seinerseits eine teuflische Weltverschwörung aufzudecken und die Verbrecher zu verhaften. Nach einem anonymen Internet-Account wird diese auch in Deutschland schnell wachsende Digitalbewegung QAnon genannt. Die Verschwörungsmythologie reichert die Vorwürfe an George Soros, Hillary Clinton & weitere noch mit weiteren Aspekten an: So würden die Weltverschwörer unter anderem Kinder foltern, um aus ihrem Blut das Adrenalin-Stoffwechselprodukt Adrenochrom zu gewinnen. Wissenschaftlich macht auch das gar keinen Sinn – Adrenochrom hat nicht die beschriebenen Wirkungen und kann längst synthetisch hergestellt werden.
Doch Widerlegungen fechten die Verschwörungsgläubigen nicht an: In digitalen Flugblättern, die unter anderem psiram veröffentlicht hat, wird eine weltweite „Befreiungsaktion“ der entführten Kinder durch Donald Trump bis zum 20. April – Hitlers Geburtstag und in diesem Jahr auch der Holocaust-Gedenktag Yom Haschoah – angekündigt. Demnach wären wir nur noch wenige Tage von der großen Enthüllung der Endzeit, der Apokalypse, entfernt. […]
… Ein schöner Merksatz der Kognitions- und Evolutionspsychologie [ ] lautet: „Es ist erfolgreicher, zwanzig Mal einen Busch für einen Bären zu halten als ein einziges Mal einen Bären für einen Busch.“ Der Fachbegriff für diese Wahrnehmungstendenz lautet Hyper-Agency-Detection (HAD), auf Deutsch: Überwahrnehmung von Wesenhaftigkeit.
Im Rahmen dieser Kognition ist es also durchaus möglich, in der ersten Schrecksekunde den Busch als belebt anzunehmen, um dies bei genauerer Betrachtung zu revidieren. Was jedoch tatsächlich unangenehm, ja bedrohlich erschiene wäre bleibende Unklarheit.
Wie stark diese unbewusste Prägung ist, merken wir keineswegs nur bei religiösen Fundamentalisten. So wird auch die eingangs erwähnte Virologin Shi Zhengli im wissenschaftlichen Spektrum-Artikel mit der Aussage zitiert: „Der Ausbruch von Wuhan ist ein Weckruf.“
Aber selbstverständlich rufen und erwecken Viren niemanden. Hier handelt es sich um eine Metapher, eine mythologische Verdichtung. Wenn wir sagen, dass der Zufall zu- oder die Realität zurückschlägt, dass die Wissenschaft beweist und die Medien berichten, dass die Natur uns etwas sagen will oder die Erde fiebert, dann personalisieren wir Prozesse, um sie begreifbar und relevant zu machen. Und das ist auch produktiv und gar nicht vermeidbar.
Oder wie es der Kognitionswissenschaftler Robert McCauley zuspitzte: „Religion ist natürlich, Wissenschaft muss kulturell gelernt werden.“ …
[…] Die Verschwörungsgläubigen gehen [ ] schon bei der Betrachtung der Situation von einer dualistischen Welt aus: Jemand absolut Böses bedrohe sie, die Guten. Entsprechend ist auch die dargebotene Realität Teil der Täuschung, hinter der sich die eigentliche, bedrohliche Hinterwelt verberge.
Forschung und Überprüfung sind nach diesem Verständnis nur dann anzuerkennen, wenn sie die behauptete Verschwörung bereits voraussetzen. Ansonsten sind sie Teil der Verschwörung und also Teil der Lüge. Damit ist auch der Weg für immer weitere Eskalationen und Varianten des ursprünglichen Verschwörungsmythen frei. … “ | https://scilogs.spektrum.de/natur-des-glaubens/verschwoerungsfragen-8-das-coronavirus-zwischen-wissenschaft-und-aerzteverschwoerung/

Nachtrag #2

Liste von kognitiven Verzerrungen (englisch cognitive biases oder cognitive illusions). … Diese Liste ist eine Auswahl bekannter kognitiver Verzerrungen und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. –> https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_kognitiven_Verzerrungen

lemon / 13 April 2020 / Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #54… ]

Friedrich Merz (11. Juni 2019): “ … Deutschland geht es gut. Wir leben in einem der schönsten und wohlhabendsten Länder der Welt. … “ | Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-04/wirtschaftspolitik-deutschland-wohlstand-soziale-gerechtigkeit-demokratie-kapitalismuskritik/komplettansicht
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Grafik via Matthias Schnetzer (Ökonom in der Abteilung Wirtschaftswissenschaften und Statistik der Arbeiterkammer Wien) https://twitter.com/matschnetzer/status/1248203924894613504
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Georg Diez (10. April 2020): “ … Die Corona-Krise legt gnadenlos die Schwächen unseres kapitalistischen Systems offen. … Schon werden die ersten Forderungen laut, Steuersenkungen, Abschwächung der Klimaziele, und in den Parteizentralen, Lobbyorganisationen und Industrieverbänden laufen die Beratungen. Das Ziel ist es, ein System zu stabilisieren, das wesentlich auf den klimazerstörenden Kohlekapitalismus setzt und auf Wachstum als Antwort auf die sozialen Fragen – was in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten allerdings zu immer größerer Ungleichheit in den westlichen Gesellschaften geführt hat. Auch das zeigt sich nun in der Krise, die diejenigen, die eh schon prekär leben, härter trifft als andere. … In einem Text in Wired nannte Laurie Penny den späten Kapitalismus, dessen offensichtlichste Krise wir gerade erleben, einen „Todeskult“. … “ |https://www.zeit.de/kultur/2020-04/neoliberalismus-krisen-kapitalismus-coronavirus-politik/komplettansicht

nano846a (10.04.2020): “ … „Es muss also ein systemisches Umdenken geben.“ – Ein frommer Wunsch. Was wird nach der Krise passieren, nachdem die Wirtschaft am Boden, die Staaten hoch verschuldet sind?
Gnadenloser Kampf um Marktanteile, Staaten werden erstmal massive Sparprogramme einfahren und ein paar Krisenvorsorgeprogramme für die Zukunft. Business as usual, nur ein Stück härter. Und die Gesellschaft: Erstmal aufatmen nach den massiven Beschränkungen der Krise, Konsum, Events, Mobilität. …“

Arthur Philipp Dent #99 (11.04.2020): “ … Das wesentliche Problem, welches Corona aufdeckt, ist die Plünderung der Reichtümer durch eine Kaste von Investoren, Finanzindustrie, Großkonzernen, deren Lobby und die Politik dazu. Dabei hat die Umverteilung von unten nach oben System. Menschen, die mit mehreren Jobs in prekären Verhältnissen leben, um zum Beispiel die Miete der von Finanzinvestoren übernommen Wohnung bezahlen zu können, die durch gentrifizierung weltweit systematisch den Wohnungsmarkt in unglaubliche Höhen schrauben. Ebenso Bauern, die Subventionen erhalten um zu überleben, weil für Milch nicht genug bezahlt wird, die Gewinnspanne im Supermarkt stimmt und die Lebensmittelindustrie verdient prächtig. Die Gewinne gehen an die Investoren. Geht es irgendwo auf der Welt 3 Cent billiger zieht die Produktion dort hin. … [Es] gibt es eine gewaltige Akkumulation von Kapital bei einigen wenigen, die es weltweit verschieben, wo es gerade günstiger ist. Jetzt zeigt sich allerdings, dass die Systemrelevanz auf der unteren Ebene liegt, dort wo die Gesellschaft am laufen gehalten wird. … Dass sich nach Corona etwas ändert, ist zu bezweifeln, man wird schnell vergessen. … „

lemon / 11 April 2020 / Daten.PolitixMicro, Gedanken.Memo, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro, Visual.Notes / 0 Comments

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