… Die Komplizenschaft im Gewaltensemble zeigt sich in einer Stummheit … Wenn das vergesellschaftende Wie dunkel bleibt …
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„… Uns drängen sich Fragen auf, wenn wir lesen, Freuds Psychoanalyse sei in ihrer „eigentlichen Substanz soziologisch“ (Marcuse, Triebstrukturen und Gesellschaft, 1968), ohne dass durch eine vorabgegebene Klärung der unbewussten Strukturen selbst der Übergang in den Sozialbereich legitimiert worden wäre, wenn, anders ausgedrückt, das vergesellschaftende Wie dunkel bleibt und ungefragt vorausgesetzt wird; uns drängen sich Fragen auf […] wir werden rückfragen müssen, wenn die psychoanalytische Todestriebhypothese kurzerhand als ein Produkt bürgerlicher Ideologie verrechnet wird …“ | Aus: Hermann Lang – Die Sprache und das Unbewusste. Jacques Lacans Grundlegung der Psychoanalyse. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1973 (erneut 1986, 1993) [Lang studierte unter anderem bei Gadamer, Ricoeur und Lacan. 2019 starb Lang in Würzburg]
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“ … Auf den Bildern soll zu sehen sein, wie ein 25 Jahre alter Mann kurz vor der Kollision an Gleis 2 steht. In einiger Entfernung, ihm den Rücken zugewandt, wartet eine 18-jährige Frau auf die U-Bahn. Dann, so heißt es in Ermittlungskreisen, umklammert er sie und stürzt sich mit ihr auf das Gleisbett, als die U-Bahn einfährt. Beide versterben, bevor die Feuerwehr eintrifft. …“ | Aus: „Er riss sie auf das Bahngleis“ Christoph Heinemann und Tom Kroll, Hamburg (30. Januar 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/hamburg/2026-01/hamburg-wandsbek-u-bahn-mann-frau-mordkommission
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“ … Der Wunsch nach Vernichtung des Lebendigen kann sowohl auf das Subjekt selbst als auch auf andere Personen gerichtet sein. Im ersten Fall nimmt der Todestrieb die Form der Autoaggression oder der Regression an … Eine besondere Rolle bei der Entwicklung der Konzeption des Todestriebs spielte für Freud dabei die Erfahrung des Ersten Weltkriegs, der ein bis dahin noch nie erlebtes Ausmaß an menschlicher Zerstörungslust offenbarte. Erich Fromm analysierte in seiner Schrift Anatomie der menschlichen Destruktivität (1973) unter anderem Adolf Hitler und Heinrich Himmler als „destruktive“, auf pathologische Weise vom Todestrieb beherrschte Charaktere. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Todestrieb (14. Dezember 2025) -.- “ … Die erste Drohne […] explodierte direkt neben dem Zug und brachte ihn zum Stehen. Die zweite Drohne traf eine Oberleitung, die dritte schlug direkt in einen Waggon mit 18 Personen ein. Einige konnten fliehen, andere starben, wieder andere gelten noch als vermisst. …“ | Aus: „In Stücke gerissene Leichen am Bahngleis“ | Von Juri Larin aus Charkiw [Aus dem Russischen Gaby Coldewey] (28.1.2026) | Quelle: https://taz.de/Russischer-Drohnenangriff-auf-Zug/!6149429/
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“ … Es könnte sich bei Putin um einen „inneren Vernichtungsdrang“ handeln, einen „Todestrieb“ – das Konzept hatte der Psychoanalytiker Sigmund Freud bekannt gemacht. … Russland wolle ein mächtiger Pol in der Welt sein, doch es gelinge ihm nicht, ein „erfolgreiches politisches Modell zu schaffen, dem sich andere anschließen würden“. Nun habe es also „nichts anderes zu bieten, als jeden in seine eigenen Tiefen zu ziehen“ – ein Todestrieb eben, schlussfolgert Pomerantsev. … “ | Aus: „Russland-Experte attestiert Putin einen tiefen „Todestrieb““ (13.06.2023) | Quelle: https://www.merkur.de/politik/wladimir-putin-psychologie-persoenlichkeit-motive-analyse-todestrieb-sigmund-freud-peter-pomerantsev-92336320.html -.-
Nach dem Lesen der obigen Artikel, die den „death drive“ plastisch werden lassen, schaute ich eine Zeitlang in ein geisterhaftes Nirgendwo. Es gibt mittlerweile so viele Artikel dieser Art (die von einer primitiven und absurd anmutender Brutalität erzählen). Einige Präsidenten und Staatsoberhäupter erscheinen mir vor dem inneren Auge in ihrer Gewaltlust fast austauschbar (als müssten sie alle ein dunkles Muster zwanghaft wiederholen). Erleben wir gerade einen globalen Rückfall, eine Vitalisierung des Todestriebs? Wie könnte der Rückfall in Wahn und Elend später in der Rückschau genannt werden? – Die Gegenwart wird durchzogen von seelisch schwarzem Wasser. Ich denke an das schreiende Unglück der Menschen, die der Krieg widerfährt. Warum stocke ich gerade diesmal bei dieser Art von Artikeln, die zeigen wie Absurdität und Gewalt sich steigern? Darf ich überhaupt darüber nachsinnen, während ich mir einen Kaffee aufsetze (es bleibt so vieles am eigenen Leben grotesk und rätselhaft – darum besser schweigen?) – Warum stocke ich, warum stockt etwas in mir, bei den obigen Artikeln? – Weil wieder eine oder mehrere zivilisatorische Schichten durchstochen wurden? – Weil sie von jedem von uns dokumentieren wie entbehrlich und ungeschützt wir sind? – Ist es nicht so, dass ich selber gerne mit dem Zug fahre, atme, lebe? – Ich glaube, ich wollte diesmal nicht in diese Wortlosigkeit fallen. Ich wollte diesmal nicht darüber hinweggehen, ich wollte innehalten. Sagte mir: Nun sieh es Dir an! Lass es wirken auf dein inneres Leben. War das nicht oft das Problem gewesen? – Die Wortlosigkeit zwischen den Generationen, die kalkulierte Kühle zwischen den Menschen (gerade in Deutschland)? Sind wir schweigsam, weil „wir“ (weil ich) für diese extreme Form von absurder Grausamkeit keine sinnvollen Sätze bilden können? (Weil die Absurdität uns übersteigt?) – Wie die eigene Naivität, die eigene Dummheit (Dunkelheit) beenden, die wie Nebelschwaden der Indifferenz an der Seele haften? – Wie könnte ich die Nadel von der Platte der Wortlosigkeit, der Überforderung nehmen, die durch einen Kratzer immer wieder in die gleiche Rille springt? – Ich erinnerte mich an DADA als eine Revolte gegen die falsche Moral und gegen die große Politik, die man mit Verstand nicht mehr fassen konnte [die Werke der Dadaisten sollten eine künstlerische Antwort auf das irrationale Abschlachten des [1. Welt-] Krieges sein.] | Quelle: „Dada – eine Antwort auf den Krieg“ von Sabine Oelze und Benjamin Wirtz (2016) | Quelle: https://www.dw.com/downloads/30109427/nachrichten-mit-vokabeln-20160209-dada-eine-antwort-auf-den-krieg.pdf | … Aber heute (2026) kann DADA nicht mehr eine Antwort auf den Krieg (auf den death drive) sein. Die Karte wurde ausgespielt. Es scheint mir als wäre DADA bereits vergilbt und unleserlich geworden. Die multimediale Öffentlichkeit ist heute eine Andere.
-.- Ich denke an den Film „Le Train“ mit Jean-Louis Trintignant und Romy Schneider. „Le Train“ stellt präzise und fast universell Fragen zum Krieg (und seiner Absurdität). Konkret werden in „Le Train“die Fragen an den Radiomechaniker Julien Maroyeur („einen ganz gewöhnlichen“ Mann) gestellt – ein Mann, der Zeit braucht, um seine Antwort zu finden – wohl auch in Stellvertretung für die Filmzuschauer: “ … „Le Train – Nur ein Hauch von Glück“ (Frankreich | Italien, 1973) entstand unter der Regie von Pierre Granier-Deferre nach dem Roman des belgischen Schriftstellers Georges Simenon. … [Der Film] entlarvt sich nie als ein Beitrag der falschen Untertöne und erspart sich unangebrachte melodramatische Anflüge, oder gar den Zeigefinger zu erheben. … “ | https://www.italo-cinema.de/item/le-train-nur-ein-hauch-von-glueck | https://de.wikipedia.org/wiki/Le_Train_%E2%80%93_Nur_ein_Hauch_von_Gl%C3%BCck
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– Jean-Louis Trintignant als Radiomechaniker Julien Maroyeur
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Ich denke an einen Text von Christina Thürmer-Rohr: “ … [»Die Stummheit der Gewalt und die Zerstörung des Dialogs«]: … Gewalt verletzt den Anspruch auf eine dialogische Existenz … Diese Möglichkeit [der dialogische Existenz] wird mit jedem Akt der Gewalt verweigert oder verworfen. … Gewalt definiert sich nicht nur über die einzelnen Gewalttaten und -täter, sondern ebenso über ihren Kontext, ihre Unterstützung und Duldung. Die Komplizenschaft im Gewaltensemble bedeutet nicht nur Zugehörigkeit zum Ensemble der Schadensanrichter, sondern zum Ensemble der Dialogzerstörer. Duldung von Gewalt ist gleichbedeutend mit der Stärkung eines monologischen Prinzips … Die Komplizenschaft im Gewaltensemble zeigt sich in einer Stummheit, die sich wie eine Epidemie addierter Monologe ausbreitet. …“ | Quelle: »Die Stummheit der Gewalt und die Zerstörung des Dialogs« (UTOPIE kreativ, S. 773-780, 2002) | Aber auch hier wird etwas ausgesprochen, was längst bekannt ist. Es spricht etwas aus, dass immer wieder übergangen werden kann (und immer wieder übergangen wird) – der Todestrieb verachtet Argumente, Diskussionen, das Miteinander (und gefällt sich in einem Eigenrausch – in der zerstörerischen Raserei).
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Ich frage mich, wie und wo sich die Dinge des Lebens niederschlagen werden. Wie wird später der death drive der jetzigen Welt erzählt werden? – Wie wird erzählt werden, was wir gerade erleben? – Wie wird es erzählt werden in der Rückblende, in der Rückschau? – – – „… An der Auseinandersetzung zwischen den kriegskritischen Positionen um Remarque und den radikalnationalistischen Texten um 1929/30 kann schließlich abgelesen werden, daß die symbolische Neuordnung im literarischen Feld die spätere politische Entwicklung vorweggenommen hat. … [„…Ähnlich wie auch in der zeitgenössischen Malerei, bei George Grosz und Otto Dix, kulminiert die literarische Darstellung während und nach dem Ersten Weltkrieg in der Beschreibung von Kriegskrüppeln oder Wahnsinnigen. …“] …“ | Zu „Imaginäre Schlachtfelder“ – Kriegsliteratur in der Weimarer Republik – Eine literatursoziologische Untersuchung, Jörg Friedrich Vollmer, Erscheinungsjahr 2003 | Quelle: https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/9872 // Notiz / Verweis: Erich Maria Remarque (1898 – 1970) war ein deutscher Schriftsteller. Er wurde mit dem 1928 erstmals erschienenen, zuerst 1930 in Hollywood verfilmten Antikriegsroman Im Westen nichts Neues weltberühmt. … Im NS-Staat wurden seine Bücher verboten und 1933 öffentlich verbrannt. 1938 wurde ihm die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. …–> https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Maria_Remarque
Das wohl bekannteste Werk Füsslis Nachtmahr (Albtraum oder Nachtgespenst, um 1781) – es existiert in verschiedenen Versionen. Johann Heinrich Füssli (1741-1825) war ein schweizerisch-englischer Maler und Publizist, der in England als Henry Fuseli bekannt wurde. … –> https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Heinrich_F%C3%BCssli
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“ … Füssli zeigt uns weder einen Albtraum noch die reale Wirklichkeit eines Schlafzimmers. Stattdessen zeigt er uns das, was auf der Grenze zwischen Traum und Wirklichkeit sitzt und sich unserer Seele bemächtigen will. Es sind jene Wesen, die sich der direkten Wahrnehmung des Menschen entziehen, die aber auf die Befindlichkeit und den menschlichen Körper einwirken. … hämisch grinsend hockt ein nächtlicher Dämon – der Alb oder Incubus – mit seinem ganzen Gewicht in der Magenkuhle der schlafenden Frau. Ergeben hängt sie kopfüber auf der Bettkante, die durchwühlte Decke zeugt von ihrem vergeblichen Kampf gegen das Grauen, welches nun vor ihrem inneren Auge abläuft. Der Alb, der sie „besitzt“, bringt Träume schrecklichster Art. Schrecklich? Eher wirkt es, als genieße sie. … Bei der Präsentation in der Royal Academy im Jahr 1782 gelang Füssli der erwünschte Skandal. Obwohl die Jahresausstellung der Akademie für ihr erotisches Flair bekannt war, sprengte die Mischung aus Gewalt und Sinnlichkeit den üblichen Rahmen. Empfindlichen Gemütern wurde abgeraten, das schaurige Bild zu betrachten. … “ | Aus: „Johann Heinrich Füsslis „Nachtmahr““ Paula Schwerdtfeger (2. Oktober 2012) | Quelle: https://stories.staedelmuseum.de/de/bild-des-monats-johann-heinrich-fusslis-nachtmahr
– The Purple Rose of Cairo (USA, 1985) – “ … Die Filmfigur Baxter durchbricht eines Tages die Leinwand (vierte Wand) und spricht die entsetzte Cecilia direkt an … Beide verlieben sich ineinander. Der Vorfall hat jedoch Folgen: Die restlichen Filmfiguren können den Film nicht zu Ende spielen und sind jetzt auf der Leinwand gefangen, die Zuschauer verlangen beim Kinobetreiber ihr Geld zurück. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/The_Purple_Rose_of_Cairo -.-
“ … Eine wesentliche Vertiefung des Phantasie- und Imaginationskonzeptes wurde im 11. Jahrhundert durch die Schule von Chartres unter dem Einfluss der neu übersetzten griechischen und arabischen Literatur unternommen. … Sie versuchten der Phantasie und den anderen Geistesvermögen des Menschen einen physischen Ort im Gehirn zuzuordnen. … In Baumgartens Aesthetica aus dem Jahre 1750 taucht der Begriff des Phantasmas zum ersten Mal in § 6 auf, in welchem der Verfasser auf mögliche Einwände der Philosophen gegen eine Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis eingeht. Man könnte dieser Wissenschaft Vorhalten, meint er, dass sinnliche Empfindungen (sensitiva), Vorstellungen (phantasmata), Erdichtungen (fabulas) und Perturbationen des Gefühls (perturbationes affectum) eines Philosophen unwürdig seien und unterhalb seines Horizontes lägen. … Vor allem Friedrich von Schiller bringt als einer der ersten in Deutschland den Begriff der Einbildungskraft mit dem Freiheitsbegriff zusammen. … Für Friedrich Schlegel (1772-1829) ist eine erkenntniskritisch radikalisierte Phantasie das einzige Mittel, welches dem menschlichen Geist im Kampf gegen die Instrumentalisierung und Erstarrung des Denkens zur Verfügung steht. Sein Bruder August Wilhelm Schlegel (1767-1845) stellt die spekulative Vernunft und die Phantasie als die eigentlichen kreativen Vermögen dem Verstand und den äußeren Sinnen gegenüber. Die Frühromantiker münzen also die negative Charakterisierung der Phantasie in ein positives Vermögen um. Phantasie ist nun ein Garant der Gesundheit und ein Vermögen, das die verkrustete und erstarrte Alltagswirklichkeit verflüssigen und dynamisieren kann. Durch ein nicht-konformes Denken sollen die reaktionären Strukturen der restaurativen Monarchie aufgebrochen werden. … Gegenüber früheren Jahrhunderten zeichnet sich das 20. Jahrhundert durch eine breite Ausdifferenzierung der Auseinandersetzung mit Phantasie aus. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist es neben der Behandlung der unbewussten Phantasien in der Psychoanalyse durch Sigmund Freud vor allem die Anthroposophie Rudolf Steiners, die das Vermögen der Imagination für den Bildungs – und Erziehungsprozess herausstellt. … Freuds verschiedene Bemühungen um eine Klärung der Rolle der Phantasie in der Psychoanalyse münden in den Versuch, die Stabilität, die Wirksamkeit und den strukturierten Charakter des Phantasielebens des Subjekts zu erklären. … Die große Entdeckung Freuds war das Unbewusste. … Die Systembildungen, von denen Freud [ ] spricht, sind nicht nur im Traum wirksam, sondern auch bei Phobien, Zwangsvorstellungen, Formen des Wahns und Tagträumen. …“
“ … Freud hat mit Blick auf die Kraft des Unbewussten dem Subjekt nicht nur die Herrschaft über sich selbst abgesprochen, sondern forthin den Bereich der menschlichen Psyche stets neu in antagonistischen und der Kriegssprache entlehnten Metaphern geschildert (»psychische Besetzung«, »Fluchtversuch der Liebesregung«, »Gegenbesetzung«, »Ausdehnung der Herrschaft des Unbewussten«, »Abwehrmechanismus«, »Einbruchspforte der verdrängten Triebregung«). Wie auch immer Freud die Kampfzonen des Selbst reformuliert, es bleibt die Einsicht bestehen, dass sich das Subjekt der Psychoanalyse, wenn überhaupt, dann als ein in sich zerrissenes bestimmen lässt. … Die Funktion des Phantasmas geht aus dieser Gespaltenheit des Subjekts hervor. Seine Aufgabe besteht darin, diese Gespaltenheit zu überdecken, den Schein eines Ganzen zu erzeugen. In einem nichtpathologischen Sinn haben wir mit dieser Ganzheit wenig Probleme. Die phantasmatische Suggestion einer Vollständigkeit unseres Selbst ist beinahe die Voraussetzung dafür, dass wir im Alltag dazu befähigt sind, Ich zu sagen. …“ | Aus: „Marc Ziegler: Technik und Phantasma. Das Begehren des Mediums“ (2005) | Quelle: https://doi.org/10.25969/mediarep/694
“ … Nachdem bereits Sigmund Freud der „Phantasie“ eine entscheidende Rolle für die Konstitution der menschlichen Psyche zusprach, führt der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan ab 1957 (mit dem Seminar IV über die Objektbeziehung) das Phantasma als terminologischen Begriff in die psychoanalytische Theorie ein. Lacan bezeichnet damit die psychische Repräsentation eines Objekts oder einer Situation, an die sich das Subjekt bildhaft erinnert. Das Phantasma gehört somit dem Register des Imaginären an. … Hinter dem einzelnen phantasmatischen Bild steht letztlich ein „fundamentales Phantasma“ (in der deutschen Übersetzung von Hans-Dieter Gondek: „grundlegende Phantasievorstellung“, Die Übertragung. Das Seminar, Buch VIII, S. 138), auf dem die Identität des Subjekts und die Formen seines Begehrens beruhen. Dieses Szenario gilt es in der psychoanalytischen Therapie zu „durchqueren“ und aufzuarbeiten. Am Umgang des Subjekts mit seinem fundamentalen Phantasma konstituiert sich die Subjektivität des Individuums selbst; es ist eine Weise, wie das Subjekt sein Genießen, seine Jouissance, reguliert und organisiert. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Phantasma (21. Januar 2025)
“ … Das Begehren, so könnte man mit Louis Buñuel formulieren, hat stets „obskure Objekte“. Und deshalb, so Zizek, täuschen wir uns, wenn wir denken, wir könnten die Frage nach dem Begehren einfach geradeheraus stellen. … Dieser widersprüchliche, ambivalente, paradoxe oder zumindest völlig intransparente Charakter des Begehrens und unseres Wissens davon zeigt sich auch in bezug auf den „Anderen“. … Zizek weist unermüdlich auf Situationen hin, in denen er das, was wir gewöhnlich als Realität betrachten, als Phantasma entlarvt. Genauer gesagt, das was wir idealerweise als „objektive Realität“ annehmen (der symbolische Bereich) ist durch keine Metaebene vom imaginären Bereich der Phantasmen getrennt. Die Phantasmen sorgen für eine Art erträglicher Oberfläche, sie fungieren wie eine Erzählung (narrative Kohärenz) oder wie ein Schirm (gemeint ist der Bildschirm ebenso der beschützende Schirm), der uns vor der „Realität“ schützt. Phantasmen bilden sozusagen das Interface zum Unbewußten, sie sind verwoben mit dem imaginären Bereich des Psychismus und mit den uneindeutigen, zwiespältigen, paradoxen Konstellationen und Bildungen, die dem Unbewußten entstammen. … Was die Aufforderung im Titel „Liebe Dein Symptom wie Dich selbst!“ für die Psychoanalyse auf dem Niveau des Individuums indiziert, gilt bei Zizek auch für den Bereich sozialer Gesellschaften, Politik und Philosophie. … “ | Aus: „Symptome zum Anfassen“ Nina Ort über Slavoj Zizek (literaturkritik.de, Frühere Ausgaben, Nr. 7, Juli 1999 (1. Jahrgang)) | Quelle: https://literaturkritik.de/id/299 – Kontext:
Slavoj Žižek: Liebe Dein Symptom wie Dich selbst! Jacques Lacans Psychoanalyse und die Medien. Merve Verlag, Berlin 1991. 140 Seiten, ISBN-10: 3883960810
Slavoj Žižek: Die Metastasen des Genießens. Sechs erotisch-politische Versuche. Passagen Verlag, Wien 1996. 232 Seiten, ISBN-10: 3851652096
Slavoj Žižek: Die Pest der Phantasmen. Die Effizienz des Phantasmatischen in den neuen Medien. Passagen Verlag, Wien 1997. 216 Seiten, ISBN-10: 3851652819
“ … Das Symbolische ist die Ordnung der Sprache und des Diskurses, jedoch auch die Ordnung der Macht und des „Gesetzes des Vaters“ (Name-des-Vaters), welche wiederum selbst eine sprachliche Ordnung ist. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Symbolische
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“ …. Der große Andere ist ein Begriff der Lacan’schen Psychoanalyse. Der große Andere („A“) ist im Unterschied zum „kleinen anderen“ (Objekt klein a) ein Konzept der Alterität und Andersheit. Der große Andere ist das Andere des Subjekts, das Nicht-Ich, das dieses Subjekt jedoch immer schon strukturiert und ausrichtet. So muss „der Andere als der Ort [verstanden werden], an dem das Ich, das spricht, sich konstituiert.“ (Lacan: Seminar III, S. 322) …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gro%C3%9Fe_Andere
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“ … Mit Objekt klein a wird ein Objekt bezeichnet, das wesenhaft unerreichbar ist. … Das Objekt klein a gehört dem Bereich des Imaginären an (vgl. Seminar XX, S. 77), auch wenn Lacan es ab 1974 in die Mitte seines borromäischen Rings setzt, also an jene Stelle des Psychischen, an dem sich das Imaginäre, das Symbolische und das Reale überschneiden. (Dylan Evans: Wörterbuch der Lacanschen Psychoanalyse, S. 206) … Grundvoraussetzung zum Verständnis des Objekts klein a ist Lacans Konzeption des Subjekts als Träger eines irreduziblen Mangels. … Das Objekt klein a als der „Grund des Begehrens“ fungiert als Antrieb und Auslöser der Handlungen des Subjekts. Aber der Mangel ist letztlich nicht aufhebbar, das Objekt bleibt unerreichbar. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Objekt_klein_a
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Freud & Lacan – Verwerfung | Die Beziehung zwischen Freud und Lacan [ein Bild] des brasilianischen Künstlers Ricardo Koch Kroeff. [Es] enthält einige [ ] portugiesische Wörter wie ESPELHO (Spiegel), Relação (Beziehung), Imaginaria (Vorstellen). | Freud & Lacan – Verwerfung Kaffeebecher | Quelle: https://www.redbubble.com/de/i/tasse/Freud-and-Lacan-Verwerfung-von-RickyKroeff/102414209.9Q0AD
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… das Begehren passt nicht in diese wohlgeordnete Welt. Das Begehren wird verdrängt und erscheint dann als rätselhafter Ausdruck des Unbewussten, das der Neurotiker nicht in sein Bewusstsein integrieren kann …
Torsten Meyer (20. Juli 2020): “ … Die Stimmung des 21. Jahrhunderts ist – um das gleich vorweg zu nehmen – psychotisch. Tendenziell jedenfalls. Das lässt sich an vielerlei Phänomenen beobachten: Im Film, bei Kunst-Ausstellungen, bei Präsidentschafts- und anderen Wahlen, in den Praxen der Psychotherapeuten natürlich, am IS ebenso wie an PEGIDA und AfD und ihren rechtsruckenden Wirkungen auf die sogenannte „gesellschaftliche Mitte“, am Boom von Fundamentalismen im Allgemeinen und an ähnlichen von Kontrollverlust getriebenen Reaktionen auf das Weltweit-Werden der Welt. … … Wenn das Symbolische in seiner Andersheit gegenüber dem Imaginären nicht unterschieden und als Anderes anerkannt wird, wenn das Symbolische dem Imaginären unterworfen wird, wird der Glaube an die Schrift allmächtig. … Es darf für den Neurotiker nichts geben, was keinen Sinn hat. Alles muss an seinem Platz sein. Aber das Begehren passt nicht in diese wohlgeordnete Welt. Das Begehren wird verdrängt und erscheint dann als rätselhafter Ausdruck des Unbewussten, das der Neurotiker nicht in sein Bewusstsein integrieren kann (vgl. Widmer 1997: 161f.). … Der Neurotiker steht am Platz des symbolischen Vaters (und bildet ein vergleichsweise großes, so genanntes „Ich-starkes“ Subjekt). Er identifiziert sich mit ihm – imaginär. Aber er ist ein Hochstapler. Er wird nie wirklich Souverän der Sprache (des Symbolischen) sein. Und das weiß er. Und daran leidet er. … “ | Aus: „Die Stimmung des 21. Jahrhunderts. Methodologische Einführung“ | Quelle: https://zkmb.de/die-stimmung-des-21-jahrhunderts-methodologische-einfuehrung/
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… Den Anstoß zum Ausstieg gibt ein Stein, der eines Nachts durch ihr Fenster in die Wohnung fliegt
“ … Die berühmten feinen Unterschiede seien ihr Lieblingsthema, das Statusgerangel und der Geschlechterstress, die Erwerbswelt und die Populärkultur – der „daily grind in all its splendour“ [„Alltag in all seiner Pracht“]. All diese Aspekte streift die Autorin Katja Kullmann in ihrem neuen Roman „Stars“, aber sie macht noch ein neues, unerwartetes Fach auf: das der Astrologie oder vielmehr der „Astro-Philosophie“ als Formel zur Selbsterrettung aus der Mittelmäßigkeit. … “ | Quelle: https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/radio3_am_morgen/archiv/20250411_0600/literatur_0840.html
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… in diesen Zeiten, in der die Realität mehr und mehr zur Glaubenssache wird
Andreas Rüttenauer (10.5.2025): “ … „XXL-Sonnenbrille, Ohrringe, Halsketten, Kettengürtel, ein flirrendes Gehänge von Kopf bis Fuß, First-Class-Hippie-Style, teuer, aber billig.“ So beschreibt Carla Mittmann ihre Kundin und fühlt sich in der Sommerhitze schnell recht unwohl in ihrem viel zu warmen „Businesswomananzug“. Da muss sie jetzt durch. So ist es eben, das neue Leben, das sie für sich erfunden hat. Das führt sie auch mal in eine Villa, die so aussieht, „wie sich die Set-Dekorateure beim ‚Tatort’ zeitgemäßen Reichtum vorstellen“. … Genauso wie der Taxi-Fahrer, der so gar nicht nach Chauffeur aussieht und den man am liebsten fragen würde, was er denn eigentlich studiert hat. … Und ein Paket mit 10.000 US-Dollar drin, das sie vor ihrer Haustür findet. Woher das kommt, würde sie schon gerne wissen. Es muss ja schließlich etwas zu bedeuten haben. Fügung? Klar, die Sterne. Am Ende ist sich Carla Mittmann da ganz sicher. … Den Anstoß zum Ausstieg gibt ein Stein, der eines Nachts durch ihr Fenster in die Wohnung fliegt. … Eine Romansatire über Astrohokuspokous? Warum denn nicht? Es darf ruhig auch mal Spaß machen, sich mit all den zutiefst verunsicherten Menschen zu befassen, die in diesen Zeiten, in der die Realität mehr und mehr zur Glaubenssache wird, Dinge für möglich halten, die sie selbst lange für unglaublich hielten. Das macht den Roman durchaus politisch, auch wenn Politik nun wahrlich keine Rolle spielt im Leben von Carla Mittmann. …“ | Aus: „Was in den Sternen steht“ (10.5.2025) | Quelle: https://taz.de/Roman-Stars-von-Katja-Kullmann/!6084190/
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… so lässt sich Kullmanns Roman auch als Bestandsaufnahme unserer Gesellschaft lesen
(28.04.2025): “ … Ob Laminatboden oder Bücherwand, reichliche Grünbepflanzung oder leidenschaftliche Kaffeetrinkerin, Carla ordnet sie in Kategorien – gepaart mit den entsprechenden Sternenkonstellationen. … Und so lässt sich Kullmanns Roman auch als Bestandsaufnahme unserer Gesellschaft lesen, in der die Menschen sich nach Orientierung sehnen und sei es mit Hilfe der Sterne. Mit Carla und ihren Deutungen können sie ihre Probleme auslagern, ja die Verantwortung für ihre Leben abschieben, auf eine höhere Instanz, die Sterne. …“ | Quelle: https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Stars-Katja-Kullmanns-Roman-ueber-kosmische-Wendungen,kullmann128.html
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… die Gleichzeitigkeit von völliger Kapitalisierung des Alltags und regressivem Suchen nach Sicherheit und Orientierung in magischem Denken
“ … Katja Kullmann erzählt nüchtern und genau, entsprechend auch eher langsam, aber sehr ausgeklügelt von der verwischten Grenze zwischen Autofiktion und Autosuggestion … [Sie] hat hier vieles genau der Gegenwart abgeschaut … die Gleichzeitigkeit von völliger Kapitalisierung des Alltags und regressivem Suchen nach Sicherheit und Orientierung in magischem Denken – und in eine Erzählung verwoben. Wie hier davon erzählt wird, dass die Geschichten, als die wir unser Leben erzählen, mitunter immer weiter von unserer realen Biografie wegführen als zu ihr hin, bis sie uns ohne Fundament in der Wirklichkeit überformen, ist schon sehr lesenswert. Es ist aber etwas zu befürchten, dass der Roman ob der Genauigkeit, mit der beobachtet und erzählt wird, aber auch aufgrund der kognitiven Dissonanzen der Erzählfigur, die eine Identifikation mit ihr erschweren, nicht für alle Lesenden ganz zugänglich sein wird. Insbesondere Lesende, die ein inniges Verhältnis zur Astrologie haben, sind hier vielleicht falsch. Aber wer sich gerne in einem eher distanzierten-freundlichen, mitunter ironischen Verhältnis zur Protagonistin eines Buchs befindet, ist hier dafür genau richtig. … “ | Aus: „Katja Kullmann – Stars“ (Katharina Herrmann, 01.05.) | Quelle: https://kulturgeschwaetz.wordpress.com/2025/05/01/katja-kullmann-stars/
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Die Sphäre des Imaginären [wird] innerhalb der modernen Gesellschaften symbolisch so angeordnet, dass sie das Reale dieser Gesellschaften verstellen …
Helmut Draxler: “ … In der langen Geschichte der Bezugnahmen zwischen dem Kino und der Psychoanalyse gebührt dem Phantasma ein besonderer Rang. Jacques Lacan übernimmt in den 1950er Jahren den Phantasie-Begriff von Sigmund Freud im Sinne einer kinematografischen „Szene, in der sich ein unbewusstes Begehren zeigt“. Die Erfahrung des Films und der Medien insgesamt schien sich anzubieten, ein gegenüber dem Begründer der Psychoanalyse doch stark verändertes Bild des psychischen Geschehens zu entwerfen. War bei Freud die Phantasie noch strikt als individuelle, unbewusste Wunscherfüllung gedacht, wird das Phantasma zu einem komplexen psycho-sozialen Arrangement, in das die materialen Ausgangsbedingungen jeder Kultur wie Sprache und Bilder immer schon eingeschrieben sind. Die phantasmatischen Bilder und das subjektive Begehren sind hier wechselseitig aufeinander bezogen; als Sphäre des Imaginären werden sie innerhalb der modernen Gesellschaften symbolisch so angeordnet, dass sie das Reale dieser Gesellschaften verstellen. Das „Subjekt des Unbewussten“ setzt sich darin in Szene und deshalb liegt auch der Sinn der Bilder nicht in ihnen selbst, sondern in der Struktur ihrer Anordnungsweise. …“ | Aus: „Die Phantasmen durchqueren“ (2016) | https://www.arsenal-berlin.de/forum-forum-expanded/archiv/programmarchiv/2016/magazin/artikel/die-phantasmen-durchqueren/
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… Als plötzlich ein Stein eines auf der Straße vorbeiziehenden Demonstrationszugs die Fensterscheibe zerschlägt und die Jungen aufwachen
“ … Die Träumer ist ein Spielfilm aus dem Jahr 2003. Das Werk des italienischen Regisseurs Bernardo Bertolucci … Vor dem Hintergrund der Unruhen von 1968 in Paris [–> https://de.wikipedia.org/wiki/Mai_1968_in_Frankreich] schildert er die erotischen Erfahrungen dreier junger Menschen. … Der US-amerikanische Austauschstudent Matthew, der im Paris des Jahres 1968 noch niemanden kennt, begegnet vor der Cinémathèque française den Zwillingen Isabelle und Théo. Als deren Eltern in den Urlaub fahren, verfügen sie über die Wohnung und laden Matthew ein, zu ihnen zu ziehen. Die kinoverrückte Gruppe besucht Vorführungen in der Cinémathèque, bis diese wegen studentischer Unruhen eingestellt werden. … Bei ihrer vorzeitigen Heimkehr entdecken die Eltern eine Wohnung voller Unordnung und geleerte Flaschen aus ihrem teuren Weinvorrat. Sie verzichten jedoch darauf, die nackt im halboffenen Zelt schlafenden Jugendlichen zu wecken, hinterlassen ihnen einen Scheck und entfernen sich. Isabelle wacht nach einer Weile als Erste auf und bemerkt den Scheck. Erschrocken sucht sie die Wohnung nach ihren Eltern ab. Als ihr klar wird, dass sie wieder gegangen sind, will sie ihren gegenüber Matthew angekündigten Selbstmord für den Fall, dass ihre Eltern die Geschwisterliebe bemerken, verwirklichen. Sie schließt einen Schlauch an die Gasleitung in der Küche an und legt sich damit zurück zwischen die schlafenden Jungen im Zelt. Als plötzlich ein Stein eines auf der Straße vorbeiziehenden Demonstrationszugs die Fensterscheibe zerschlägt und die Jungen aufwachen, eilt sie mit dem Schlauch in die Küche zurück und unterbricht die Gaseinleitung. Auf die Frage der Jungen, weshalb es so merkwürdig rieche, antwortet sie, das sei Tränengas. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Tr%C3%A4umer (6. August 2024)
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Rüdiger Suchsland (über „Die Träumer“, 2003): “ … Der Regisseur erzählt den »Mythos 1968« als Geschichte eher privaten, oberflächlich betrachtet unpolitischen Entdeckungsreise. … Fast der ganze Film verharrt kammerspielartig im bürgerlichen Salon, als dem eigentlichen Ausgangspunkt der Revolte. So sympathisch die drei in ihrer Neugier und Entdeckungslust, auch in ihrer Dekadenz sind, so präzis zeigt Bertoluccis trotzdem auch Tristesse: Trauer und Sehnsucht liegt in allen Blicken. Und konsequenterweise endet es fast mit dem letzten bürgerlichen Ausweg: dem Selbstmord. Aber da fliegt gerade noch rechtzeitig ein Pflasterstein durchs Fenster, ein Luftzug weht den Dunst aus dem Salon, und lässt den Lärm der Straße hinein. Die drei ziehen hinaus, und verlieren sich in der Menge. … Am Ende steht der Auszug aus dem Paradies, der auch einer ist aus der Verwechslung von Kino und Leben, die Befreiung von einer Bürgerlichkeit, nach der sich heute viele zurücksehnen. Bertolucci hält ihnen den Spiegel vor, unserer sehr heutigen Weltflucht in die Salons und Kinosäle. Aber er will etwas zeigen, nichts beweisen. … “ | Quelle: https://www.artechock.de/film/text/kritik/t/traeu2.htm
“ … Als Begründung des Irakkriegs von 2003 nannten die kriegführenden Regierungen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens seit Oktober 2001 vor allem eine wachsende akute Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen des Irak und dessen angebliche Verbindung zum Terrornetzwerk Al-Qaida, das die Terroranschläge am 11. September 2001 ausgeführt hatte. Eine große Bevölkerungsmehrheit in den USA glaubte diesen Angaben vor und auch noch Jahre nach der Invasion des Irak. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Begr%C3%BCndung_des_Irakkriegs (22. Dezember 2024)
– “ … Am 15. Oktober 2013 veröffentlichten die University of Washington, die Johns Hopkins University und die Simon Fraser University im PLoS Medicine-Magazin eine Untersuchung zu den Todesopfern in der Zeit zwischen 2003 und Mitte 2011. Durch die Befragung von stichprobenartig 2000 repräsentativ ausgewählte Haushalte schätzten die Forscher, dass in der Zeit 405.000 Iraker direkt oder indirekt durch Kriegshandlungen getötet wurden. Die Organisation und Friedensnobelpreisträger Ärzte gegen den Atomkrieg (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung e. V.) schätzt die Opfer der amerikanischen Besatzungszeit in einer Veröffentlichung von 2015 auf über 1 Million …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Besetzung_des_Irak_2003%E2%80%932011#Opfer (20. April 2025) –
– (faz, 12.03.2009): “ … Weil er mit seinen Schuhen nach dem damaligen amerikanischen Präsidenten Bush geworfen hatte, muss der irakische Journalist Muntassar al Saidi […] ins Gefängnis. Das entschied ein Strafgericht in Bagdad. … Der Journalist hatte in dem Verfahren auf nicht schuldig plädiert. Zu Prozessbeginn vor drei Wochen hatte Saidi ausgesagt, beim Anblick Bushs, des „Verantwortlichen für die im Irak begangenen Verbrechen“, habe er die Kontrolle verloren. … “ | Quelle: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/wegen-angriff-auf-bush-drei-jahre-haft-fuer-schuhwerfer-von-bagdad-1923850.html
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Karim El-Gawhary (5.11.2024): “ … Sein [ ] Wurf sei eine Botschaft gewesen, sagt [Muntassar Al Saidi]. „Die Besatzer haben Milliarden ausgegeben, um damals das Image zu verbreiten, dass die Iraker über die US-Invasion glücklich seien. Glücklich, mit der Freiheit, die sie uns gestiftet haben. Das war eine Lüge“ … Sie sagten, die US-Soldaten seien im Irak zur Begrüßung mit Blumen beworfen worden – also, sagt er, habe er Schuhe geworfen, in seiner Kultur ein Symbol der Entwürdigung. … Innerhalb von Sekunden hatten ihn die irakischen Sicherheitsleute auf der Pressekonferenz niedergerungen. Al-Zaidi wurde verhaftet, gefoltert und verbrachte am Ende weniger als ein Jahr im Gefängnis. … Das Mindeste sei, damit aufzuhören, bei Menschenrechten mit zweierlei Maß zu messen, fordert er – der sich selbst trotz seines Schuhwurfs nicht als antiamerikanisch bezeichnen würde. … Eines ist für al-Zaidi klar: Er bereut auch 16 Jahren nach seiner aufsehenerregenden Tat nichts. Hätte er die Gelegenheit, sagt er, er würde seine Schuhe noch einmal werfen – egal ob auf Harris oder auf Trump. …“ | Quelle: https://taz.de/Wie-der-Nahe-Osten-auf-die-USA-blickt/!6044127/
Raoul Peck (woz.ch, Nr. 18 – 1. Mai 2025): “ … Schauen Sie sich Trump im TV an: Er ist komplett lächerlich. Im selben Raum sitzen dann all die grossartigen Journalist:innen – und niemand lacht! Obschon dieser Idiot und mit ihm die ganze Situation vollkommen lachhaft ist. Der König ist nicht nur nackt, sondern er führt auch noch lächerliche Posen auf. Und er lügt vor der ganzen Welt. … Trump ist ja nicht der Erste, bloss der Rüpelhafteste. Bei George W. Bush war auch allen klar, dass er keinen Schimmer hatte, wovon er sprach. Und doch gab es nur einen einzigen Moment, in dem er angemessen behandelt wurde: von einem irakischen Journalisten, der an einer Pressekonferenz einen Schuh nach ihm warf. … als ob ein kleines Fenster geöffnet wurde, durch das man die Realität sehen konnte. …“ | Aus einem Interview mit Raoul Peck von Dominic Schmid | Quelle: https://www.woz.ch/2518/raoul-peck/ist-der-tag-der-abrechnung-gekommen/!1S5GGF6W2CK6
In Kiel, am Dreiecksplatz, in der Wilhelminenstrasse, im Studio I²ncrease, wo die Wände mit Aluminiumpapier beklebt waren, da war Gerrit ein latentes Phantom. Der Freund aus der Vergangenheit schien ein Orientierungspunkt, ein Fixpunkt zu sein.
Wenn ich gelegentlich bei Wieland Schmidt im Atelier saß, mir der verwegene Maler, mit seinem Schalk im Auge von den Dingen des Lebens erzählte, so ging es dabei auch – immer mal wieder – um Gerrit. Wieland war meistens wütend (Er hätte nicht …, wie konnte er nur … ) – und liebte den Freund doch.
Eines Abends ging es um eine Bootsfahrt, die weit zurück lag. Das LSD hatte zu wirken begonnen. Ohne die Freunde, ohne Gerrit, wäre er in der „Klappse“ gelandet, sagte Wieland. Er lächelte leicht ironisch – und nickte mir dann mit funkelden Augen bedeutsam zu. Die Erinnerung schien für zwei Sekunden in seinem Geiste aufzuglühen. Darauf nahm er einen tiefen Zigarettenzug und zog die Augenbrauen hoch.
“ … Jede Epoche hat ihre spezifischen Nöte, Verstrickungen, Tragödien und Hoffnungen. Aber die Grundmuster der Störung bleiben bestehen. … Die Wiederholung transgenerationaler Konflikte und die Anerkennung persönlicher schuldhafter Verstrickung werden … wie [bei einem] Staffellauf … durch die Generationen weitergereicht. So schlägt der Autor [Micha Hilgers: Mensch Ödipus. Konflikte in Familie und Gesellschaft. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2007, 130 Seiten] einen Bogen von der Antike bis in die Gegenwart, zum Beispiel zu der hysterisch-ödipalen Persönlichkeitsstruktur, die uns in ihrem Mangel an Selbstreflexion und Empathie und in ihrer Überheblichkeit und Selbstüberschätzung täglich begegnet. Ähnlich wie Ödipus erleben wir, wie die scheinbare Sicherheit und Ordnung in unserem privaten und öffentlichen Leben abrupt zerbricht oder wie Menschen die Wahrheit für sich in Anspruch nehmen und mit dem Flammenschwert jede Abweichung bekämpfen. … “ | https://www.aerzteblatt.de/archiv/gesellschaftskonflikte-spiegel-der-gegenwart-032dc284-8183-4415-b7f2-5929c4683d41 -.- Thomas Holtbernd „Die Angst vor der Wahrheit“ (18. August 2007): “ … Die Sage von Ödipus zu interpretieren ist nicht neu. Micha Hilgers nimmt das Stück von Sophokles, stellt es vor und erläutert es. Dabei bringt er en passant Vergleiche mit gesellschaftlichen Themen: demografischer Wandel, der „Fall“ Grass, Kosovo-Einsatz, Patchwork-Familien usw. … Die Frage, die Micha Hilgers insgesamt entwickelt, ist die nach der Wahrheit und den Mechanismen der Verdrängung durch den Einzelnen und die Gesellschaft. …“
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Dirk Knipphals (25.2.2025): “ … [… Die Auseinandersetzungen der Gegenwart gehen eher darum, dass das eigentlich Gewusste bewusst ignoriert und sogar mit Fake News und Ablenkungskampagnen entlang von Triggerpunkten bewusst bekämpft wird.] … Das große Ganze hat der Wahlkampf gar nicht erst berührt [ [https://www.zeit.de/politik/deutschland/2025-02/bundestagswahl-2025-wahlergebnisse-wahlkreise-live]]. … Klima. Krieg. Zerfall der Achse USA-Europa. Hinzu kommt: Hat man es denn überhaupt für möglich gehalten, dass die Maxime, dass Erziehung und Bildung Mündigkeit und Selbstreflexion als Ziel haben müssen, wieder zur Disposition steht? Sie tut es aber. … Der „Besinnungslosigkeit ist entgegenzuarbeiten, die Menschen sind davon abzubringen, ohne Reflexion auf sich selbst nach außen zu schlagen. Erziehung wäre sinnvoll überhaupt nur als eine zu kritischer Selbstreflexion.“ … Das [ ] Zitat dieses Textes stammt von Theodor W. Adorno, der Philosoph schrieb diese Sätze vor bald sechzig Jahren, 1966, in dem Band „Erziehung zur Mündigkeit“. …“ | Quelle: https://taz.de/Politik-und-Philosophie/!6066684/
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“ … Sigmund Freud [(1856 – 1939)] gilt mit seiner Psychoanalyse [https://de.wikipedia.org/wiki/Psychoanalyse] als zentrale Figur der Moderne [https://de.wikipedia.org/wiki/Moderne], deren Theorien und Beobachtungen in vielen wissenschaftlichen wie allgemeingesellschaftlichen Bereichen noch heute von enormer Wirkkraft sind. Die Psychoanalyse Freuds hat mit den bis dahin vorherrschenden Bildern des Menschen und der Psyche in radikalem Maße gebrochen und zur in der Moderne sich vollziehenden „Entzauberung der Welt“ [https://de.wikipedia.org/wiki/Entzauberung_der_Welt] in hohem Maße beigetragen. … Der Mensch wird in der klassischen Psychoanalyse zentral gerade nicht als rationales, selbstbestimmtes Wesen verstanden, sondern als eine Entität, die maßgeblich von ihren Trieben einerseits und den internalisierten moralischen Anforderungen von Eltern und Gesellschaft andererseits bestimmt wird. Diese Charakterisierung, die sich im Strukturmodell der Psyche [https://de.wikipedia.org/wiki/Strukturmodell_der_Psyche], das zwischen Es, Ich und Über-Ich unterscheidet, ausdrückt, wirft die zentrale Frage auf, wo genau der Mensch zu finden ist. …“ | Aus: Lukas Krönert „Der getriebene Mensch? Das Menschenbild der Psychoanalyse“ (25. Juni 2021) | Quelle: https://intrapsychisch.de/der-getriebene-mensch-das-menschenbild-der-psychoanalyse/
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“ … Verblendung ist ein Grundthema der europäischen Geistesgeschichte, von den homerischen Epen über die Theologie bis zur modernen Philosophie. Die Bedeutungsbreite reicht von „Verwirrung der Sinne“ und „Wahnvorstellung“ über „Blindheit des Geistes“ (lateinisch caecitas mentis, caecitas animi oder excaecatio) und „Gottlosigkeit“ bis hin zur modernen Deutung als „Realitätsverweigerung“. … Bei Thomas von Aquin opponieren die Stumpfheit des Sinnes (hebetudo sensus) und die Gabe der Einsicht (donum intellectus) gegeneinander. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Verblendung_(Geistesgeschichte)
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“ … Das verzweifelte Festhalten an der aufklärerischen Erkenntnis, dass der Mensch sich aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit befreien kann, obwohl sie täglich widerlegt zu werden scheint, verlangt nach der Analyse der Umstände, … nach einer gesellschaftskritischen Fokussierung hegemonialer Sozialisations- und Subjektivierungspraktiken. …“ | Zu: Dellmann, S., Loick, D., Deck, J., & Müller, J. (2001). Ich schau dir in die augen, gesellschaftlicher verblendungszusammenhang! Texte zu Subjektkonstitution und Ideologieproduktion. Ventil-Verlag. | https://research-portal.uu.nl/en/publications/ich-schau-dir-in-die-augen-gesellschaftlicher-verblendungszusamme
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“ … Zeitgenossen der Novemberrevolution von 1918 in Berlin notierten verwundert, dass sie das Ende der Monarchie gänzlich alltäglich als Spaziergänger im Grunewald oder zeitungslesend im Café erlebt hätten. Auch der 8. Mai 1945 bedeutete nur für einen kleinen Teil der Deutschen den tatsächlichen Übergang vom Krieg zum Frieden, denn Gefangennahme und Demobilisierung richteten sich nach dem vorrückenden Frontverlauf statt nach den Waffenstillständen von Reims und Berlin-Karlshorst. Die Sorge um das Überleben, der tägliche Kampf um Brennholz und Nahrung, überdeckte vielfach das Bewusstsein der Zeitenwende des Mai 1945, gleichviel ob als Zusammenbruch oder Befreiung verstanden, und in der Erinnerung bildete eher die Währungsreform 1948 als das Kriegsende 1945 „die markante Zäsur, die die gute von der schlechten Zeit schied”. … Wie sehr historische Zäsurerfahrung und lebensgeschichtlicher Kontinuitätsanspruch zueinander in Spannung stehen können, zeigt sich in der autobiografischen Verarbeitung der zeithistorischen Umbrüche von 1914 und 1918, von 1933 und 1945 und schließlich von 1989/90. Allesamt Nahtstellen zwischen „Zeitalter und Menschenalter”, werden sie doch in sehr unterschiedlicher Weise als biografische Einschnitte reflektiert und belegen den Abstand „zwischen erfahrener Geschichte und gewußter Geschichte”. … Zäsuren [ ] erzwingen Neuinterpretationen, stellen Zeitgenossen vor Anpassungsprobleme, die den Gegensatz von biografischer Kontinuität und politischer oder sinnweltlicher Diskontinuität zu bewältigen verlangen. …“ | Quelle: https://docupedia.de/zg/Zaesuren // https://de.wikipedia.org/wiki/Docupedia-Zeitgeschichte
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– “ … Fast genau acht Jahre nach seiner Rede „Von deutscher Republik“ tritt Thomas Mann im Oktober 1930 wieder im Berliner Beethovensaal auf. Besorgt über den großen Wahlerfolg der Nationalsozialisten einen Monat zuvor versucht Mann in der „Deutschen Ansprache [- Ein Appell an die Vernunft]“, die Gründe für den Aufstieg des Faschismus zu analysieren. …“ | Quelle: https://www.thomas-mann-gesellschaft.de/jahrestagung/luebecker-thomas-mann-tage-2022/workshop-deutsche-ansprache.html
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“ … Demokratische Republik oder faschistischer Staat – so lautete ab dem Sommer 1930 die Alternative in Deutschland. Es folgte der Aufstieg radikaler Kräfte, die Pulverisierung der bürgerlichen Milieus, der Aufruhr der Mittelschichten, die Selbstüberschätzung der Konservativen und Nationalisten, die sich einbildeten, Hitler zähmen zu können, Verelendung und Bürgerkriegsfurcht – und all das mündete in die verbrecherischste Diktatur des 20. Jahrhunderts. Jens Bisky erzählt, wie die Weimarer Republik in einem Wirbel aus Not und Erbitterung zerstört wurde. Es kommen Politiker und Journalisten der Zeit zu Wort, erschöpfte Sozialdemokraten, ratlose Liberale, nationalistische Desperados, Literaten, Juristen, Offiziere: Das große Panorama einer extremen Zeit …“ | Quelle: https://literarischer-herbst.com/programm/jens-bisky-die-entscheidung-deutschland-1929-bis-1934/
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Uwe Kalkowski (3. Februar 2025): “ … »Die Agonie der Republik begann in jenem Herbst 1929«. Denn in diesem Jahr trafen mehrere Entwicklungen zusammen: Die Weltwirtschaftskrise warf ihre drohenden Schatten voraus und die Arbeitslosenzahlen stiegen dramatisch. Die bürgerlichen Parteien begannen sich zunehmend von der SPD, der Gründerin der Republik, zu distanzieren und sich weiter nach rechts zu orientieren. Und die reaktionäre Rechte, die den demokratischen Staat beseitigen wollte, formierte sich neu, begann sich zu vernetzen. Dazu kam ein dysfunktionales Parteiensystem; 15 Parteien saßen im Reichstag und behinderten sich gegenseitig. Dazu kam eine konservative Justiz, die oftmals selbst zum Lager der Republikfeinde gehörte. Dazu kam mit Hindenburg ein Reichspräsident, der nicht viel von einem demokratischen Staat hielt und sich einen rechtskonservativen Machtblock wünschte – unter Einbeziehung der NSDAP. Dazu kam eine von Stalin ferngesteuerte KPD, für die die SPD der eigentliche Feind war. Dazu kam eine rechtskonservative Unternehmerschaft, die gerne sämtliche durch die SPD errungenen Arbeitnehmerrechte rückgängig machen würde. Dazu kam ein desaströser Staatshaushalt, gebeutelt durch Krisen, Reparationszahlungen und einbrechender Konjunktur. Dazu kam eine Weltuntergangsstimmung, deren Auswirkung auf die Gesellschaft nicht zu unterschätzen sein dürfte: »Antibürgerliche Überzeugungen, die Erwartung eines Umsturzes und selbst die Verschwisterung von Zerstörung und Befreiung spielten in der Weimarer Kultur eine zentrale Rolle.«
Dazu kam eine Orientierungslosigkeit vieler Menschen, kamen Zukunftssorgen und Ängste. Dazu kamen gesellschaftliche Spaltungen, eine Radikalisierung bis hin zu Straßenkämpfen und politischen Morden. Dazu kam der Terror, den die SA-Schlägertruppen der Nazis auf die Straßen der Städte trugen und damit eine zunehmende Stimmung aus Angst und Unsicherheit schufen. Dazu kam der berüchtigte Paragraph 48 der Verfassung des Deutschen Reiches, der es dem Reichspräsidenten ermöglichte, einen Reichskanzler ohne parlamentarische Mehrheit einzusetzen und mit Notverordnungen zu regieren. … »Im Jahr 1932 hing das Schicksal der Republik von den Entscheidungen einiger weniger ab, denen es an politischer Urteilskraft mangelte. Das lag zum einen an ihrer Überzeugung, qua Herkunft und gesellschaftlicher Position zur Führung des Landes berufen zu sein. Es lag auch an ihrer Weigerung, die Nation, in deren Namen sie handelten, als eine in sich vielfältige, von Interessengegensätzen geprägte zu begreifen.« (Seite 574) – Ja, ich weiß, Weimar ist nicht die Bundesrepublik, die AfD ist nicht die NSDAP. Aber trotzdem: Viele verschiedene Entwicklungen haben zwischen 1929 und 1934 gemeinsam zum Ende der Demokratie beigetragen. Doch ein wichtiger, ein entscheidender Punkt war das Zusammengehen der konservativen Parteien mit den Rechtsradikalen – um die SPD und alles, was in irgendeiner Weise als »links« galt, aus der Regierung zu drängen und davon fernzuhalten. … Und am besten beginnt [man/frau] die Lektüre mit dem letzten Satz: »Wer heute auf das Ende Weimars zurückblickt, weiß: Es ist politisch leichtfertig, nicht mit dem Schlimmsten zu rechnen.« … Zu: Jens Bisky, Die Entscheidung. Deutschland 1929 bis 1934, Rowohlt Berlin (ISBN 978-3-7371-0125-7) …“ | Aus: „Das Buch der Stunde“ | Quelle: https://kaffeehaussitzer.de/jens-bisky-die-entscheidung/
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// Zeitreisen …
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“ … Hildegard Knef im Pelzmantel beim Besuch eines Berliner Schwarzmarkts in den Ruinen des Potsdamer Platzes, damals das „Dreiländereck“ zwischen sowjetischem, britischem und amerikanischem Sektor. Vermutlich … Oktober 1946. …“ | via „Der Fotograf Walter Sanders porträtierte nach dem Krieg Hildegard Knef – Die Models sind unter uns“ (STEFAN PEGATZKY, 09.12.2019) | Quelle: https://www.faz.net/aktuell/stil/mode-design/fotograf-walter-sanders-portraetierte-hildegard-knef-16491239.html // „… In February 1946 he was sent on an assignment in Paris then travelled on to Germany where he was born, in Berlin. …“ –> https://en.wikipedia.org/wiki/Walter_Sanders
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Quo vadis (2013): “ … Für historisch Interessierte sind die Passagen [aus „Der geschenkte Gaul“] über das Leben während des Dritten Reiches in Berlin aus Sicht der Knef lesenswert. …“ -.-
Thomas Knackstedt (2020): „Ich war neun Jahre alt, als „Der geschenkte Gaul“ erschien. Mit Hildegard Knef konnte ich nicht viel anfangen. Meine Mutter schüttelte den Kopf, meine Großmutter wollte von dem „losen Mädchen“ nichts wissen. Später hörte ich ihre Lieder und entdeckte die Achterbahnkarriere der Hildegard Knef in Amerika und Europa. Die Frau war schwer zu fassen und unglaublich interessant. Jetzt, nach fünf Jahrzehnten, habe ich den geschenkten Gaul gelesen … „ -.- Markus Tschiedert (15.02.2025): “ … Wir Berliner lieben unsere Hilde und haben sie auch 23 Jahre nach ihrem Tod nicht vergessen. Dieses Jahr, am 28. Dezember, wäre Hildegard Knef (1925-2002) 100 Jahre alt geworden. …“ -.- Susanne Leinemann (23.06.2013): “ … Hildegard Knef „ [ ] hatte eine innere Kraft, außerdem war sie klug, was man nicht von allen Schauspielerinnen sagen kann“, schreibt Marlene Dietrich über sie … Die Angstfreiheit der jüngeren Hildegard Knef beeindruckte die ältere Marlene Dietrich. „Ich bewunderte das. Ich bewunderte vieles andere an ihr. Nicht nur die Schönheit, denn schön waren wir alle.“ – Und weil das so ist, hat Hildegard Knef ihren Liebhaber, den hohen NS-Funktionär, nie ganz verleugnet. Denn es war eine große, heftige, kurze Liebe. Er fährt sie auf dem Fahrrad morgens durch das zerbombte Berlin, Hildekind auf dem Gepäckträger. Sie weiß, wer er ist. Sie sieht seine goldene Parteinadel, hadert damit, hadert mit seinem Glauben an die Herrenrasse. Und verfällt dem Mann doch. „Ewald von Demandowsky ist kein Gleichgültiger, kein Mitläufer. Er ist ein Ehrgeiziger, ein Fähiger, ein Beweglicher, der Wurzeln braucht, Wurzeln findet.“ So souverän wirkt er auf die 19-Jährige, so belesen, so erfahren, so klug. Und doch ist die junge Knef lebensklüger. „An Niederlage sei nicht zu denken. Der Führer lässt uns nicht im Stich. Sagt er.“ Die Knef glaubt nicht an den Endsieg. Wer tat das denn noch 1945? Nur vollends Verblendete. …“ | Quelle: https://www.morgenpost.de/kolumne/berliner-schaetze/article117378675/Hildegard-Knef-und-ihr-geliebter-Nazi.html
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– Hildegard Knef und W. E. Borchert | in Die Mörder sind unter uns [Ercheinungsjahr 1946]. Der Film ist der erste deutsche Spielfilm der Nachkriegsgeschichte und der erste deutsche Trümmerfilm. Der Film wurde in Schwarzweiß gedreht. Regie und Buch stammen von Wolfgang Staudte. | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_M%C3%B6rder_sind_unter_uns -.-
Peter Zander (21.07.2023): “ … „Die Mörder sind unter uns“ … erschütterte die Nation: weil hier der Rest des Landes erstmals das ganze Ausmaß der Zerstörung der einst stolzen Stadt [Berlin] sehen konnte. Der Film reflektiert ein äußeres Bild und zugleich eine innere Verfassung. Denn die Trümmerhalden entsprechen den Seelenlandschaften. … Kurz nach Kriegsende wagte es ein deutsche Regisseur, gegen viel Widerstand, die Traumata der Deutschen zu thematisieren. Begangene NS-Verbrechen anzuklagen. Aber auch das Leben und Überleben in den Trümmern zu zeigen. … Seine Hauptdarstellerin entdeckte Staudte im Schlossparktheater. Ihren ersten Filmauftritt hatte Hildegard Knef bereits 1944 in Helmut Käutners „Unter den Brücken“, doch der Film kam erst nach dem Krieg ins Kino. „Die Mörder sind unter uns“ machte die damals 20-Jährige zum ersten deutschen Nachkriegsstar. Sie beschrieb die Dreharbeiten später so: „„Wir verbrachten einen Großteil der Arbeitszeit im Lattengefecht gegen interessiert herbeieilende Rattenhorden oder im Kampf gegen verröchelnde Scheinwerfer, zusammenbrechende Kameras, versagende Mikrofone, reißende Filmperforationen.“ … “ | Quelle: https://www.morgenpost.de/kultur/article238997585/Die-Moerder-sind-unter-uns-Zeitbild-aus-Schutt-und-Ruinen.html
Bild: Screenshot [zeit.de, 24.02.2025] -.- onkelfritz: “ … Was ist nur aus diesem Land geworden? Wir wählen einen volksfernen Millionär zum Bundeskanzler und müssen diesem fast schon jeden Erfolg wünschen, weil im anderen Fall noch viel Schlimmeres droht! Die Dummheit des deutschen Wählers erreicht fast schon amerikanisches Niveau! …“ -.- ErrinnertEuch: “ … Bedenklich dass wir seit 1945 nun wieder eine rechtsradikale Partei als zweit stärkste Partei im Bundestag haben. Und das hauptsächlich aufgrund der östlichen Bundesländer mit 35% – fast 40% AfD Wählern. …“ -.- Die Brandmauer: “ … Zwei Drittel (66,8 %) haben in den neuen Ländern rechtsreaktionär/-populistisch bis rechtsextrem gewählt: 36,2 % für die faschistische AfD. 10 % fürs rechtspopulistische BSW. Hinzu kommen 18,9 % für die in den neuen Ländern besonders rechtsreaktionäre CDU nebst 1,4 % für die noch rechts der Union stehenden FW und noch mal 0,3 % fürs zwischen FW und AfD stehende Bündnis Deutschland. 38,6 % für die gesichert rechtsextremistische, faschistische Höcke-AfD in Thüringen. 37,3 % für die gesichert rechtsextremistische AfD in Sachsen. 37,1 % für die gesichert rechtsextremistische AfD in Sachsen-Anhalt. https://www.bundeswahlleiterin.de/bundestagswahlen/2025/ergebnisse.html Es war absehbar: „Die Studie ergab außerdem eine hohe Zustimmung zu rechtsextremen Aussagen in den ostdeutschen Bundesländern. Chauvinistische und ausländerfeindliche Aussagen würden nur von einer Minderheit der Befragten abgelehnt, betonten die Projektleiter. […] Ausgeprägt sei die Zustimmung in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Hier ist damit das Potential für extrem-rechte und neonazistische Parteien, Wähler zu finden, besonders hoch. Jeder zweite wünscht sich eine ‘starke Partei‘, die die ‚Volksgemeinschaft‘ insgesamt verkörpert. Statt pluralistischer Interessensvielfalt wird eine völkische Gemeinschaft gewünscht“, erläuterte Brähler.“ https://efbi.de/details/efbi-policy-paper-2023-2-autoritaere-dynamiken-und-die-unzufriedenheit-mit-der-demokratie-2.html …“ -.- JetztDochKommentieren: “ … Es ist krass, wie viele Menschen vor allem im Osten gegen ihre eigenen Interessen die Reichenpartei AfD wählen: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1551972/umfrage/veraenderung-im-einkommen-nach-steuerplaenen-der-parteien-fuer-die-bundestagswahl/ Als Beispiel auch Marzahhn-Hellersdorf in Berlin, dort sind die vergleichsweise günstigen Plattenbauwohnungen. … Trotzdem [ist die] AfD [dort]mit Abstand stärkste Kraft. …“ -.- Ramses174: “ … In Marzahn Hellersdorf sind mitnichten nur Plattenbauten. In den letzten Jahren wurden hier auch viele mitunter sehr hochpreisige Neubauten errichtet. Zum Teil Eigentumswohnungen. Als Randbezirk mit viel grün, vielen Kitas, Schulen und Spielplätzen ist dieser tatsächlich für Familien sehr attraktiv geworden. Die Menschen wählen nur aus einem Grund AfD: weil die Migrationsfrage alle anderen politischen Fragen für sie meilenweit übersteigt. Ich bin mir sicher, die wenigsten AfD Wähler kennen das Programm abseits der Migrationspolitik. Sie vertrauen den „etablierten“ Parteien immer weniger, die Probleme diesbezüglich zu lösen, nach dem Motto „die CDU hat uns das unter Merkel eingebrockt, SPD und Grüne setzen den Kurs fort“. Da bleibt dann halt nichts weiter übrig. …“ -.- warui ojisan: “ … Komisch, die sehen das ganz anders, schon mal darüber nachgedacht, dass die eigene Bubble täuscht? …“ -.- JetztDochKommentieren: “ … Antwort auf @warui ojisan – Haben Sie den Link angeklickt? [„Veränderung im verfügbaren Einkommen nach Steuerplänen der Parteien für die Bundestagswahl 2025 (in Euro): https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1551972/umfrage/veraenderung-im-einkommen-nach-steuerplaenen-der-parteien-fuer-die-bundestagswahl/ Dies hat nichts mit Meinung zu tun. Die AfD macht laut Wahlprogramm und Steuerplänen Politik für Reiche. …“ -.- KeinHerzFuerSchubladendenken: “ … Ich habe selber Familie und Freunde welche unterdurchschnittlich verdienen und dennoch AfD wählen. Die informieren sich halt nicht, und wenn man sie mit genau diesem Argument konfrontiert ist’s „Fake News“. Da kannste echt nichts mehr machen, ich hab’s aufgegeben. Traurig aber wahr …“ -.- RalphG: “ … In meinem Wahlkreis im Südwesten Baden-Württembergs erzielte die AFD insbesondere da, wo viele Russlanddeutsche leben, sensationelle Quoten (bis zu 59 %). Es sind bei Weitem nicht nur die Ossis das Problem, sondern die generelle Tendenz, Egoismus vor Solidarität zu stellen. …“ -.- mikemitcon: “ … Wenn man zur Kenntnis nimmt, daß es auf der Welt Regierungschefs wie Herrn Trump, Herrn Milei, Herrn Erdogan, Herrn Netanjahu, Herrn Orbán und viele andere skurile Figuren gibt, mildert ein Vergleich mit diesen die Zurkenntnisnahme des Wahlerfolgs eines Herrn Merz ein wenig ab. Ein wenig! …“ -.- Hongstar: “ … Die Wahlkreiskarte sieht aus, wie eine Karte aus dem Diercke Weltatlas von 1980 mit entsprechender innerdeutschen Grenze. …“ -.- Die Fritz Heckert: “ … Die DDR hatte nach dem Krieg den Nationalsozialismus per Postulat hinter dem ‚antifaschistischen Schutzwall‘ verortet und sich um Entnazifizierung nicht gekümmert. Das ist das Ergebnis. …“ -.- Einschub: “ … Rezensionsnotiz zu „Umkämpfte Zone: Mein Bruder, der Osten und der Hass“ Süddeutsche Zeitung, 01.03.2019: – Alex Rühle nennt Ines Geipel eine Entschweigerin. Wie die Autorin in ihrem neuen Buch ihre eigene Familiengeschichte mit dem historischen Makrokosmos der DDR verbindet, scheint ihm gelungen und fern von Privatismus. Beeindruckend findet er Geipels Versuch, das Schweigen über SS- und Stasi-Vergangenheiten in der Familie mit dem Lügensystem DDR kurzzuschließen. Dass sie dabei das Verschweigen von Untersuchungen über Antisemitismus in der DDR offenlegt, die Gewaltentladungen innerhalb ihrer Familie jedoch nur andeutet, kann Rühle verstehen. Die Präsentation des eigenen Schicksals, erkennt er, steht hier nicht im Vordergrund. Kritisch sieht Rühle die allzu knappe Verhandlung psychoanalytischer Theorien im Buch und den ein oder anderen schiefen Vergleich. Inhaltlich aber scheint ihm der Band von großer, aktueller Relevanz. …“ | Quelle: https://www.perlentaucher.de/buch/ines-geipel/umkaempfte-zone.html -.- tommyMore: “ … Immer dieses abfällige Gerede vom Osten. … Wacht endlich auf, das Problem ist ein Gesamtdeutsches! …“ -.- rapace: “ … Laut dieser Studie der Uni Leipzig von 2022 wollen 2 Drittel der Ossis die DDR, also die Diktatur zurück: https://www.berliner-kurier.de/berlin/sehnsucht-nach-honecker-zwei-drittel-im-osten-wollen-die-ddr-zurueck-li.2259513 Sie wählen jedoch die Nazis. …“ -.- thiak: “ … Ich muss sagen, als jemand der auch stolz auf seine Zeit in der DDR ist und durchaus verstehen kann, daß sich viele im Osten vera…t fühlen, über den Tisch gezogen und auf der anderen Seite runtergefallen. … schäme mich dennoch dafür, dass man die ehemalige DDR am blau erkennt. Leute…wenn Ihr wütend seid, wählt doch wenigstens die, welche Eure Interessen vertreten und nicht Eure Schlächter…in Berlin klappt das doch auch. …“ -.- freduardo+: “ … Gelsenkirchen – eine ehemalige SPD-Hochburg – jetzt auch blau…. das ist schon katastrophal. …“ -.- Stella123: “ … Nein, das ist die Folge einer Politik über die Bürger hinweg. …“ -.- IstCoolMan: “ … Antwort auf @Stella123: Das ist eher eine Folge von zuviel Alkohol und Verblödung durch Fake News. …“ -.- Big.Lebowski: “ … Ich bin auf die Zusammenarbeit der Grünen mit der AfD in der Opposition gespannt… …“ -.- gopalvenu: “ … Sie haben sehr seltsame Phantasien. …“ -.- Nicetohave: “ … In diesem Monat hat die FDP zwei Politiker verloren.. einen ihrer größten ..Gerhart Baum … und den schlechtesten .. Christian Lindner …“ -.- Ellen59: “ … Als „Ossi“ schäme ich mich zutiefst für das blaue Wahlergebnis in den neuen Bundesländern. Es ist unfassbar. Jedoch: hier gibt es auch vernünftige Menschen!!! Bitte schaut genau hin und schert uns nicht alle über den blauen Kamm! …“ -.- Liony: “ … Ellen, ich wünsche Ihnen gute Nerven und viel Kraft! …“ -.- C.MN: “ … Es regt sich doch auch im Osten Widerstand, da muss man jetzt zusammenhalten, unbedingt! …“ -.- PeterHarbecke: “ … Mein Beileid gilt den Menschen, die sich zu Recht immer noch Sorgen um die Erderwärmung und die daraus resultierenden Krisen machen. …“ -.- Die freundliche Fichte: “ … Der Klimawandel wird auch jene Menschen treffen, die sich nicht vor ihm fürchten. Die tun mir auch leid. …“ -.- SchlossermeisterBernbacher: “ … Einfach herrlich, wie die rückgratlosen Krisengewinnler vom BSW, die sich durch Abspaltung, Kremlanbiederung und Populismus erhofften ihre Mandate zu retten nun so dermaßen auf die Schnauze fallen. …“ -.- kambyses: “ … Ja, man muss sich halt auch über die kleinen Erfolge freuen, wenn es schon sonst nicht allzu viel zu lachen gibt. …“ -.- Mephi_der_Verneiner: “ … Ich wusste, das Ergebnis wird Rechtsruck. Dass aber sowohl mit der FDP. als auch mit der Einpersonenpartei zwei Unsicherheitsfaktoren ausgeschieden sind, ist doch erfreulich. …“ -.- Frau Hildegard strickt: “ … Was ist mit den Baden-Württembergern los? Ich fasse es einfach nicht, Erststimme schwarz, Zweitstimme blau. …“ -.- Jörn Perske (26.02.25): “ … Der 43-Jährige [Sven Fichtner] lebt in Cornberg und ist auch dort geboren. Auf das AfD-Wahlergebnis angesprochen, sagt er: „Ich kann nicht nachvollziehen, wie man eine rechtspopulistische Partei wählen kann. Das ist gefährlich.“ Er meint: Die wenigsten AfD-Wähler hätten sich ernsthaft mit den Forderungen der Partei befasst. … AfD-Politiker Schenk deutet das Ergebnis so: „In Regionen, die wirtschaftlich durch politische Fehlentscheidungen abgehängt werden und eine überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit aufweisen, wenden sich Bürger zunehmend der AfD zu. …“ | Quelle: https://www.hessenschau.de/politik/bundestagswahl/afd-hochburg-in-hessen-warum-in-cornberg-so-viele-extrem-rechts-waehlen-v1,afd-hessen-hochburg-cornberg-100.html -.- odomos: “ … Ich glaub, ich zieh nach Münster. …“ -.- P.Werner: “ … Ich bin von meinen Mitbürgern enttäuscht, zumindest von 20-25%, genauso wie [es] damals Thomas Mann von seinen war. …“
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Kontext:
Warum · (Tim Fischer – Cabaret Berlin, 2020) … Sei nicht wie die Leute mein Kind … –> https://youtu.be/jy0K8z8U6Oo
– Der Wecker Klingelt. 6:30. Nebel über Kiel. Ich schiebe das Rad aus dem Hinterhof. Der Mann ohne Arme läuft über die Pflastersteine der Medusastrasse. Am Kieler Hauptbahnhof verpasse den Zug um 20 Sekunden. Nach der Arbeit ist es Abend. Es ertönt hirnerweichender Schlager am farbig erleuchteten Riesenrad. Die schwankende Musik rieselt auf den doppelten Seelenboden und ich genieße die Welt.
… Theorien sind … sind Ausdruck einer aneignend-deutenden und konstruktbildenden Tätigkeit endlicher Geister, ‚unseres‘ Geistes. … (Günter Abel) – »Die Gnomenwelt lacht uns eigentlich aus mit unserem würgenden, ringenden Verstande, mit dem wir so dies oder jenes manchmal erfassen, während die Gnomen gar nicht nachzudenken brauchen.« (Rudolf Steiner, 2. November 1923)
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“ … [wir sollten in der Lage sein] … zwischen einer zufälligen und einer notwendigen Unwissenheit eine scharfe und definitive Trennungslinie zu ziehen. …“ | Aus: Rogério Lopes „Naturalismus und Interpretationismus – Einige Bemerkungen zu Abels Interpretationsphilosophie“ (2018) | https://philarchive.org/archive/LOPNUI (pdf)
“ … Astronomen erwarteten für das Jahr 1169 den großen Crash, weil sich damals alle Planeten in einem einzigen Sternbild – der Waage – versammelten. … Ähnliches am 1. Februar 1524: An diesem Datum begegneten sich die Planeten Jupiter, Saturn und Mars im Sternbild der Fische – die Sintflut stehe bevor, hieß es. 20.000 Londoner sollen sicherheitshalber auf die umliegenden Hügel geflohen sein. …“ | Quelle: https://www.evangelisch.de/inhalte/1373/21-12-2012/knapp-daneben-endzeit-visionen-von-nostradamus-co
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“ … Oakland – Der Weltuntergang ist nicht verschoben, er fällt aus. Zu dieser späten Erkenntnis kommt der US-Prediger Harold Camping. Der 90-jährige Apokalyptiker aus Kalifornien hatte jahrzehntelang vor dem Jüngsten Gericht gewarnt – und dieses auch terminiert. Nun ruderte Camping zurück und gab sich prophezeiungsmüde: Er sehe keine neuen Hinweise auf ein baldiges Ende der Erdbevölkerung. Weiterhin würde er auch nicht mehr nach weiteren Zeichen für die Apokalypse Ausschau halten. Laut seiner ursprünglichen Berechnung sollte die Welt bereits 1988 ihren Betrieb einstellen. Als es in dem Jahr nicht zu der erwarteten Katastrophe kam, gab er den 21. Mai 2011 als neue Endzeit an. Da dieses Datum ebenfalls ohne Armageddon verstrich, folgte der 21. Oktober des vergangenen Jahres als Ausweichtermin. Auch dieser Tag ging ohne ernsthaften Weltuntergang über die Bühne. Campings treue Anhänger waren aufgrund der nicht eintreffenden Apokalypse am Boden zerstört. … Camping gestand auf seiner offiziellen Web-Seite ein, durch die Geschehnisse am 21. Mai Demut gelernt zu haben. „Wir müssen offen zugeben, dass wir keine neuen Hinweise auf das Ende der Welt haben“, teilte der 90-Jährige mit. Die von den Mayas für den 21. Dezember 2012 prophezeite Apokalypse ließ er unkommentiert. …“ | Aus: „Das Ende der Welt fällt aus“ (10.03.2012) | Quelle: https://www.spiegel.de/panorama/untergangs-prophet-das-ende-der-welt-faellt-aus-a-820550.html // https://de.wikipedia.org/wiki/Harold_Camping
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“ … Prinzessin Märtha Louise heiratet [“ … Märtha Louise, Prinzessin von Norwegen (* 22. September 1971 in Oslo) ist eine Angehörige des norwegischen Königshauses und Geistheilerin. … Ihre Aktivitäten als Geistheilerin und Verwendung des Titels „Prinzessin“ in ihrer Geschäftstätigkeit wurden in Norwegen immer wieder kontrovers diskutiert. …“ | Quelle: Märtha Louise von Norwegen https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=M%C3%A4rtha_Louise_von_Norwegen&oldid=248260735 | (Datum des Abrufs: 1. Januar 2025, 23:52 UTC)] … Durek Verret ist, falls das jemand hier noch nicht wusste, hauptberuflich Schamane. Er scheint Antworten auf alle gesundheitlichen, spirituellen und sonstige Fragen zu haben. Gwyneth Paltrow soll Kundin bei ihm sein. … Interessierte Beobachter wissen natürlich, dass Märtha Louise bis vor ein paar Jahren eine Schule betrieb, wo man mit seinen eigenen Engeln in Kontakt kommen konnte. Dieses Projekt beendeten sie und ihre Geschäftspartnerin 2019, aber die spirituelle menschliche Reise bleibt Märtha Louises zentrales Thema. „Ich mag sie. Und wenn sie mit Engeln spricht – warum nicht“, sagt meine Freundin M. Dem Bräutigam misstraut sie allerdings eher. „Er behauptet, er könne Krebs und Corona heilen“, erklärt sie ihr Bauchgefühl. … “ | Aus: Anne Diekhoff Nordeuropa-Korrespondentin „Skandälchen um Gin und Esoterik“ (4.8.2024) | Quelle: https://taz.de/Norwegens-Prinzessin-im-Hochzeitsfieber/!6025005&s=Esoterik/
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Elizabeth Teissier: “ … In Krisen sucht der Mensch nach dem Übernatürlichen. … Es gibt gerade eine große Zivilisationskrise, und ich glaube, dieser beengende Rationalismus wird explodieren. … Das Interesse an Astrologie steigt mit der Unsicherheit einer Gesellschaft. … Die Astrologie hat mich wirklich verführt. In meinem Horoskop habe ich alles wiedergefunden: Probleme, die ich mit meinem Vater hatte, und auch bestimmte Dinge, die mir widerfahren sind. Als ich 19 war, lebte ich hier in Genf. Zusammen mit einer Freundin hatte ich einen sehr schlimmen Autounfall. Wir haben uns überschlagen. Anhand meines Horoskops habe ich festgestellt, dass die Jungfrau von Orléans wie ich auch am 6. Januar geboren ist. Und dass sie mit 19 Jahren verbrannt wurde – wie auch ich mit 19 Jahren fast gestorben wäre. Ich war sechs Monate lang eingegipst. Da dachte ich: wie interessant! … Mitterrand hat mich auch um Rat gefragt, wann er andere Staatschefs anrufen oder treffen soll. Zum Beispiel George Bush, den amerikanischen Präsidenten. …“ | Aus: „“Mitterrand wollte immer wissen: ‚Wann sterbe ich?'“ (1. Januar 2025) | Quelle: https://www.zeit.de/zeit-magazin/2025/01/elizabeth-teissier-astrologie-francois-mitterrand-praesidenten-genf // https://de.wikipedia.org/wiki/Elizabeth_Teissier –
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Hanussen (ein Film des ungarischen Filmregisseurs István Szabó aus dem Jahr 1988)… Gegen Ende des Ersten Weltkrieges erholt sich der Frontsoldat Klaus Schneider (Klaus Maria Brandauer) im Lazarett seines Mentors Dr. Bettelheim von einer Kopfverletzung. Er erkennt dabei seine Fähigkeit, den Willen anderer Leute zu beeinflussen und zukünftige Dinge zu erahnen. Unter dem Namen Erik Jan Hanussen tritt er zunächst in Wien und später in Berlin auf. Er bewegt sich fortan unter den „oberen Zehntausend“, ist aber noch vollkommen arglos, als er Adolf Hitler als nächsten Reichskanzler vorhersagt. Der erklärtermaßen unpolitische Hanussen gewinnt mehr und mehr an Berühmtheit, wird sich aber der Gefährlichkeit und der Verantwortung seiner Begabung zu langsam bewusst. So wird ihm seine Voraussage des Reichstagsbrandes zum Verhängnis [Als er den Reichstagsbrand voraussieht, wird er von den Nationalsozialisten zum Verräter erklärt, obwohl viele ihn für einen Nationalsozialisten gehalten haben, und in der Nacht vom 24. auf den 25. März 1933 von der SA ermordet, wozu wohl auch seine jüdische Herkunft beigetragen hat. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Hanussen_(1988) (22. Dezember 2022)] … | Quellen: https://www.cinema.de/film/hanussen,1294469.html | https://www.amazon.de/Hanussen-Blu-ray/dp/B0B3K74BC8
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Bild aus Hanussen (R: István Szabó: „Profeta“, 140 Minuten, Erscheinungsjahr 1988)
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“ … Erik Jan Hanussen, eigentlich Hermann Chajm Steinschneider (1889 – 1933), war ein unter anderem als „Hellseher“ bekannter österreichischer Trickkünstler. … Obwohl er sich in seinem Buch Meine Lebenslinie selbst als Hochstapler enttarnt und sogar seine Tricks veröffentlicht hatte, betätigte er sich später als Hellseher. Er versuchte auch viele Jahre, eine eigene „Schule des Okkultismus“ zu gründen, was ihm letztlich aber nie gelang [Das österreichische Militär bildete er im Wünschelrutengehen aus.]. Er verbesserte das klassische Hellsehkunststück „Zettellesen“ und machte in der Presse spektakuläre Vorhersagen, wobei er Zufallstreffer groß herausstellte. Mit Hilfe okkultistischer Beratungsgespräche erwarb Hanussen auch gesellschaftliche Kontakte. Im Februar 1928 wurde Hanussen vor dem Kreisgericht in Litomerice (Leitmeritz) (Tschechoslowakei) des hundertfachen Betruges angeklagt, weil er den „Schwachsinn“ (gemeint ist: die Dummheit oder Naivität) von Gutgläubigen ausgenutzt habe. Der Prozess dauerte mehr als zwei Jahre und wurde bis in die USA verfolgt. Im Mai 1930 wurde Hanussen schließlich freigesprochen mit der Begründung, ein „nicht schwachsinniger“ Mensch müsse damit rechnen, dass ein Hellseher sich irren kann. [Im Urteil vom 27. Mai 1930 heißt es wörtlich: „Wenn aber ein Mensch, der nicht schwachsinnig ist, zum Hellseher geht, um Erkenntnisse kraft einer geheimnnis- oder rätselvollen Seeleneigenschaft zu erlangen, kann [er] unmöglich mit voller Sicherheit hundertprozentige Wahrheit erwarten und darf sich nicht beklagen, wenn er eine irrige Antwort erhält. Sein Verhältnis zum Hellseher erinnert an gewisse Glücksanträge, bei denen sich auch niemand beschweren darf, wenn er eine Niete zieht“. Zitiert nach Wilfried Kugel: Hanussen – Die wahre Geschichte des Hermann Steinschneider (1998)] … [Am 26. Februar 1933 soll bei der Eröffnungsfeier seines „Palastes des Okkultismus“ die von ihm engagierte Schauspielerin Maria Paudler „Feuer, Flammen, Verbrecher am Werk!“ deklamiert haben. Als dann einen Tag später – in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar – der Reichstag abbrannte wurde diese Aussage als dessen Vorhersage interpretiert.] …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Erik_Jan_Hanussen (10. November 2024)
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Gabriele Bondy (08.06.2011): “ … C. G. Jungs Interesse galt allen Aspekten der Gesellschaft wie des Individuums, von den dunklen Seiten der Persönlichkeit (dem „Schatten“) bis zu religiös-magischen Phänomenen. Von Freud trug ihm das nach einer kurzen Phase der Zusammenarbeit den Vorwurf ein, er bewege sich mit seiner Auffassung des Unbewussten im „schwarzen Schlamm des Okkultismus„. … Jung seinerseits kritisierte Freuds Fixierung auf die Sexualität und formulierte mit den Archetypen als Urbildern in der Seele aller Menschen die Idee des kollektiven Unbewussten. Jungs Differenzierung in extra- und introvertierte „psychologische Typen“, die sich in Denken, Fühlen, Intuition und Empfinden voneinander unterscheiden, sind inzwischen in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Und auch in der therapeutischen Praxis lebt Jungs Werk weiter: die Analytische Psychotherapie wird bis heute zur Behandlung von Neurosen und Psychosen eingesetzt. …“ | Quelle: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/psychologie/carl-gustav-jung-dossier100.html -.-
“ … „Enthüllte Briefe“ (DER SPIEGEL 32/1970, 02.08.1970): “ … Nicht zuletzt um die Psychoanalyse für die (damals überaus schockierte Öffentlichkeit »akzeptabler« zu machen, suchte Jung nach anderen Erfahrungen im Unbewußten. Den Sexual-Trieb drängelte er mit der Theorie eines dominierenden »religiösen Instinkts« beiseite, und statt auf frühkindliche Sexualerlebnisse stieß er im Unbewußten seiner Patienten auf »Archetypen“: Urbilder und Mythen, die sich in allen Menschen, also »kollektiv«, als Erbe vorfinden lassen sollen. Aber auch Geistererscheinungen beschäftigten ihn – das Mißtrauen Freuds, der ohnehin Religion als »Okkultismus« verdammte, wuchs. … “ | https://www.spiegel.de/kultur/enthuellte-briefe-a-d7bb1724-0002-0001-0000-000044418244 // [ “ … „Ich erinnere mich noch lebhaft, wie Freud zu mir sagte“, berichtet C. G. Jung, „,Mein lieber Jung, versprechen Sie mir, nie die Sexualtheorie aufzugeben. Das ist das Allerwesentlichste. Sehen Sie, wir müssen daraus ein Dogma machen, ein unerschütterliches Bollwerk.‘ (…) Etwas erstaunt fragte ich ihn: ,Ein Bollwerk – wogegen?‘ Worauf er antwortete: ,Gegen die schwarze Schlammflut –‘ hier zögerte er einen Moment, um beizufügen: ,des Okkultismus‘. [Sigmund Freud war der Meinung, dass er das, was er für objektive Wissenschaft hielt, gegen Unwissenschaftlichkeit und Okkultismus verteidigen musste. „Build the wall“ also zwischen die aufklärende Wissenschaft und die schmutzige Schlammflut der Spiritualität.]“ …“ | Zu „Schwarze Schlammflut des Okkultismus oder Chance?“ – Rezensent(en): Fabian Chmielewski, DOI: 10.1055/a-0661-3463, Psychiatrische Praxis 2018; 45(06): 329 – 330 | Quelle: https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/a-0661-3463?innerWidth=412&offsetWidth=412&device=desktop&id=&lang=de] -.- “ … Gefühle auf Kollisionskurs … So alt und unentrinnbar das Erlebnis kollidierender Gefühle ist, so erstaunlich neu ist der Begriff selbst. Geprägt hat ihn 1910 der Schweizer Psychologe Eugen Bleuler. … Ambivalenz beschrieb er zugleich drei Erscheinungsformen eines Phänomens, das er als Hauptmerkmal der Schizophrenie definierte. … Zu den ersten, die das analytische Potenzial des neuen Begriffs erkannten, gehörte Sigmund Freud. Für ihn waren ungelöste Gefühlsambivalenzen ein maßgeblicher Auslöser seelischer Erkrankungen. Auch in der Analytischen Psychologie seines Wegbegleiters und Gegenspielers C. G. Jung spielten Ambivalenzerfahrungen eine zentrale Rolle: Jung bezeichnete die Fähigkeit, das Widersprüchliche der eigenen Persönlichkeit zu erkennen, anzunehmen und zu bejahen als wesentliches Ziel des menschlichen Reifungsprozesses. Beide Ansätze gelten noch heute: Ambivalente Regungen und Gedanken prägen unser Dasein. …“ | Quelle: https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/radiowissen/psychologie/ambivalenz-konflikt-gefuehlskollisions-100.html (26.10.2016)
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Mr_Gee (4. August 2006): “ … Es muss viele Interpretationen geben können, wenn es überhaupt eine geben können soll. … Wie ist das jetzt mit dem Fürwahrhalten, der Episteme kantscher Prägung des Meinens, des Glaubens und des Wissens? …“ | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Erkenntnistheorie -.- “ … Sätze und Theorien sind nicht Effekte und nicht passive Spiegelung einer in der Natur herrschenden Wesensstruktur. Sie sind Ausdruck einer aneignend-deutenden und konstruktbildenden Tätigkeit endlicher Geister, unseres Geistes. … “ | Aus: Günter Abel – „Interpretationswelten: Gegenwartsphilosophie jenseits von Essentialismus und Relativismus“ [S.308] (Suhrkamp Verlag, 1995)
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“ … Deutschlands schmerzhafter Eintritt in die Moderne löste viele widersprüchliche Gefühle aus. Aufregung und Angst vor der „Entzauberung der Welt“ überwogen, als die Deutschen erkannten, dass der Triumph der Wissenschaft und der Vernunft die Nation materiell mächtig gemacht, sie aber spirituell verarmt hatte. Viele Deutsche im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, die ihre Welt neu verzaubern wollten, reagierten darauf, indem sie sich einer Vielzahl paranormaler Glaubensvorstellungen und Praktiken zuwandten – darunter Theosophie, Astrologie, parapsychologische Forschung, Graphologie, Wünschelrutengehen und Geistheilung. Die deutsche okkulte Bewegung war kein bloßes Randphänomen, sondern hatte eine wahrhaft nationale Präsenz und umfasste Hunderte von Clubs, Unternehmen, Instituten und Verlagen, die okkulte Waren und Dienstleistungen anboten und konsumierten. In „A Science for the Soul“ untersucht die Historikerin Corinna Treitel die Anziehungskraft und Bedeutung des deutschen Okkultismus in all seinen Spielarten zwischen den 1870er und 1940er Jahren und verortet seine Dynamik im Kampf der Nation mit der Modernisierung und der Unzufriedenheit der Öffentlichkeit mit dem wissenschaftlichen Materialismus. Der Okkultismus, so Treitel, diente als Brücke zwischen traditionellen religiösen Überzeugungen und den Werten einer zunehmend wissenschaftlichen, säkularen und liberalen Gesellschaft. Auf Grundlage einer Fülle von Archivmaterial beschreibt Treitel die Einzelpersonen und Gruppen, die an der okkulten Bewegung teilnahmen, rekonstruiert ihre Organisationsgeschichte und untersucht die wirtschaftlichen und sozialen Faktoren, die für ihren Erfolg verantwortlich waren. Auf dieser Grundlage wendet sich Treitel der Frage zu, wie die Deutschen das Okkulte in drei praktischen Bereichen nutzten: in der Theosophie, wo okkulte Studien zur spirituellen Erleuchtung eingesetzt wurden; in den Künsten, wo okkulte Bewusstseinszustände den kreativen Prozess von avantgardistischen Malern, Schriftstellern und Tänzern befeuerten; und die angewandten Wissenschaften, wo Fachleute aus Psychologie, Strafverfolgung, Ingenieurwesen und Medizin okkulte Techniken anwendeten, um typische Probleme der Moderne zu lösen. Abschließend betrachtet Treitel die widersprüchlichen Bedeutungen, die der Okkultismus für die Zeitgenossen hatte, indem er sich auf die antispiritistischen Kampagnen der nationalen Presse, der protestantischen und katholischen Kirche, der lokalen und nationalen Regierungen und des Nazi-Regimes konzentriert, das die Bewegung nach Jahren des Wechsels zwischen Affinität und Antipathie gegenüber dem Okkultismus 1945 schließlich zerschlug. „A Science for the Soul“ untersucht durchgehend den deutschen Okkultismus in seinem breitesten kulturellen Umfeld als Schlüsselaspekt der deutschen Moderne und bietet neue Einblicke in die Art und Weise, wie die Deutschen die Herausforderung bewältigten, in der Moderne ein sinnvolles Leben zu führen. …“ | Zu: Corinna Treitel „A Science for the Soul: Occultism and the Genesis of the German Modern“ Johns Hopkins University Press; Illustrated Edition (2004), Sprache: Englisch (288 Seiten) | [Professor Treitel (https://artsci.washu.edu/faculty-staff/corinna-treitel)] -.-
Joseph Hirsch (July 9, 2018): “ … Fast jeder interessiert sich für Okkultismus. Dieses Interesse kann von Skeptizismus und dem Wunsch, verschiedene Formen der Hellsichtigkeit und psychischer Phänomene zu entlarven, über staatlich finanzierte Forschungen im Bereich angewandten Okkultismus (hauptsächlich für Krieg und Spionage) bis hin zu denen am anderen Ende des Spektrums reichen, die ihr Leben der Suche nach einem Stein der Weisen/dem ultimativen Wissen widmen, das sie durch die Analyse esoterischer Dinge von Sternzeichen bis hin zur Kabbala zu erlangen hoffen. Die Rolle des Okkultismus in der deutschen Geschichte ist aus mehreren Gründen besonders komplex und heikel. Erstens gibt es Deutschlands viel diskutierten Sonderweg, mit dem (im Gegensatz zu anderen westeuropäischen Nationen) die deutsche Gesellschaft, Zivilisation und Psyche sich der Aufklärung widersetzten und tiefer in ihre Bedeutung (und Konsequenzen) eintauchten. Die Grenzen zwischen Wissenschaft und Religion, dem Materiellen und dem Metaphysischen, die vermutlich bis zu Goethe zurückreichen, haben deutsche Denker, Künstler, Gelehrte und Wissenschaftler über mehrere Generationen hinweg gequält, manchmal bis zum Wahnsinn (und wohl bis zum Völkermord). Die Art und Weise, wie der deutsche Okkultismus angeblich mit dem Nationalsozialismus zusammenhing, macht das Thema auch zu einem Minenfeld, durch das Corrinna Treitel, das muss man sagen, ihr Bestes tut, um zu navigieren. Man kann also sehen, warum Dr. Corrina Treitel mit „Eine Wissenschaft für die Seele“ eine Menge Arbeit vor sich hat. Sie geht mit vollem Einsatz an die Sache heran, und obwohl das Buch zeitweise brillant ist (insbesondere im letzten Drittel), ist das Werk als Ganzes nicht ganz stimmig. Einige Abschnitte würden sich gut als wissenschaftliche Artikel eignen; andere wären gute Themen für Seminare und Konferenzen. Im Großen und Ganzen ist „Eine Wissenschaft für die Seele“ jedoch unkonzentriert, manchmal ermüdend, langatmig und ja, langweilig. Wie schafft man es, die Niederlage aus dem Rachen eines eigentlich spannenden und faszinierenden Wunderschlunds zu reißen? Ein Teil des Problems besteht meiner Meinung nach darin, dass Akademiker und Gelehrte so große Angst vor dem Stigma haben, das mit der Beschäftigung mit Okkultismus einhergeht, dass sie das Bedürfnis verspüren, ihre eigene Faszination (und ihr Staunen) für das Thema herunterzuspielen, um nicht wie einer der hilflosen Hinterwäldler zu wirken, die dieses Zeug ernst nehmen. Der Philosoph Colin Wilson zum Beispiel ist ein Musterbeispiel dafür, wie schnell man bei den schönen Menschen der Intelligenzia in Ungnade fallen kann, wenn man von etwas Ernstem (in Wilsons Fall dem Existenzialismus) zu etwas nicht ganz so Ernstem (in Wilsons Fall dem Okkultismus) übergeht. Ich mache Treitlel keinen Vorwurf für ihr umsichtiges Vorgehen, aber in den Passagen, in denen ich spürte, dass sie dem Ruf einer stärkeren Anziehungskraft folgte, kann man die Schmetterlingspuppe für ein viel spannenderes Buch zu diesem Thema erkennen. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich protestiere nicht aus Skepsis (ich bin selbst Skeptiker); es geht mir nur um die Trockenheit des für uns alle, Laien und Fachleute, vielleicht spannendsten Themas. Trotzdem ein Lob dafür, dass Sie versucht haben, einen verdammt großen Berg zu erklimmen und dort oben in der seltsamen Stratosphäre ihr Gleichgewicht zu halten. … // Almost everyone is interested in the occult. This interest can range from skepticism and a desire to debunk various forms of clairvoyance and psychic phenomena, to government-funded research into applied occultism (mostly for war and espionage), all the way down to those at the other end of the spectrum who devote their lives to the search for some philosopher’s stone/ultimate knowledge they hope to acquire by parsing esoterica ranging from astrological signs to the Kabbalah. The place of the occult in German History is especially complex and thorny for a couple of reasons. Firstly, there is Germany’s much-discussed Sonderweg („Special Path“) by which (contra other Western European nations) the German society, civilization, and psyche both resisted the Enlightenment and plunged deeper into its meaning (and consequences). Probably going all the way back to Goethe, the borders between science and religion, the material and the metaphysical, vexed German thinkers, artists, scholars, and scientists for several generations, sometimes to the point of madness (and arguably to the point of genocide). The way the German occult supposedly dovetailed with Nazism also makes the subject a minefield, which, it must be said, Corrinna Treitel does her best to navigate. You can see then, why Dr. Corrina Treitel has her work cut out for herself in „A Science for the Soul.“ She makes a concerted go of it, and while the book is intermittently brilliant (particularly in the final third) the work doesn’t quite cohere as a whole. Some sections would make good scholarly articles; others would be good subjects for seminars and conferences. Taken in Toto, though, „A Science for the Soul“ is unfocused, sometimes tedious, long-winded, and yes, boring. How does one manage to snatch defeat from the jaws of what should be an inherently-exciting and fascinating maw of wonder? Part of the problem, I think, is that academics and scholars have so much fear of the stigma that comes with treating the occult, that they feel the need to underplay their own fascination (and wonder) with the subject, in order not to seem like one of the hapless rubes who takes this stuff seriously. The philosopher Colin Wilson, for example, is an object lesson in how quickly one can fall from grace with the beautiful people in intelligentsia when they go from something deemed serious (Existentialism in Wilson’s case) to something not-quite-serious (the occult, in Wilson’s case). I don’t blame Treitlel for her circumspect treading, but in those passages where I sensed her heeding the call of some stronger pull, one can see the chrysalis for a much more exciting book on the subject. Understand, it isn’t skepticism that I protest (I’m a skeptic myself); it’s just the dryness of what is perhaps the juiciest of all subjects for all of us, lay or professional. Still, kudos for trying to scale a heck of a mountain and maintaining her equipoise high up there in the strange stratosphere. … // “ | Source: https://www.goodreads.com/book/show/1727201.A_Science_for_the_Soul
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“ … Okkultismus (von lateinisch occultus ‚verborgen‘, ‚verdeckt‘, ‚geheim‘) ist eine unscharfe Sammelbezeichnung für verschiedenste Phänomenbereiche, Praktiken und weltanschauliche Systeme, wobei okkult etwa gleichbedeutend mit esoterisch, paranormal, mystisch oder übersinnlich sein kann. … In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts konnte sich der Okkultismus in fast allen seinen Spielarten in Deutschland recht frei entfalten und erfreute sich wachsender Beliebtheit. Es gab zwar Gegner wie die Katholische Kirche, und speziell in Bayern gab es einen „Gaukelei“-Paragraphen im Strafgesetzbuch, der eine Handhabe bot, etwa Handleser und Astrologen strafrechtlich zu verfolgen, aber insgesamt entwickelte sich Toleranz für „das Okkulte“. Auch einige führende Nationalsozialisten waren an okkulten Themen interessiert. So nahm Rudolf Heß [https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_He%C3%9F] regelmäßig die Dienste von Astrologen, Magnetheilern und Hellsehern in Anspruch. Heinrich Himmler förderte den Ariosophen Karl Maria Wiligut als seinen „privaten Magier“ [https://de.wikipedia.org/wiki/Ariosophie] und Hellseher. Dieser hatte eine eigene Variante eines Geschichtsmythos von übermenschlichen arischen Vorfahren entwickelt. Wiligut wurde Leiter der Abteilung Vor- und Frühgeschichte der SS und trug zum Ausbau der Wewelsburg als SS-Zeremonienstätte bei. 1939 wurde er jedoch – unter anderem wegen des Bekanntwerdens einer früheren Schizophrenie – aus der SS ausgeschlossen. Für Adolf Hitler waren dagegen Okkultisten bereits in Mein Kampf (1925/26) ein Haufen von Wirrköpfen. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurden okkultistische Vereinigungen als „staatsfeindliche Sekten“ eingestuft. Die wichtigsten Anklagepunkte waren, dass Okkultisten den für den Nationalsozialismus zentral bedeutenden Rassismus ablehnten und speziell die Theosophen sogar eine „allumfassende Bruderschaft der Menschheit“ propagierten und dass sie, ähnlich wie die Freimaurer, angeblich eine „gefährliche“ Beeinflussung der Volksmassen betrieben. Ab 1935 ist eine strafrechtliche Verfolgung okkultistischer Aktivitäten dokumentiert, und 1937 wurden durch einen Erlass des Innenministeriums alle Freimaurerlogen, theosophischen Vereine und verwandten Gruppierungen verboten. Die Situation verschärfte sich weiter, nachdem im Mai 1941 Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß auf eigene Faust nach Großbritannien geflogen war, um Friedensverhandlungen anzuregen. In einer umgehend durch den Propagandaminister Joseph Goebbels gestarteten Kampagne wurde Heß als Geisteskranker bezeichnet, der aufgrund des Einflusses von Astrologen, Mesmeristen und anderen Okkultisten unter Halluzinationen leide. Es folgten umfassende Polizeiaktionen gegen Astrologen, Spiritisten, Anthroposophen und alle Anhänger ähnlicher Richtungen einschließlich der völkischen Ariosophen mit der Anordnung, diese Personen zur Zwangsarbeit zu verurteilen oder in Konzentrationslager einzuliefern und ihre Publikationen und sonstige Materialien zu beschlagnahmen. …“ | Aus: „Okkultismus“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 5. Oktober 2024, 05:02 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Okkultismus&oldid=249141614 (Abgerufen: 22. Dezember 2024, 17:42 UTC) | // https://de.wikipedia.org/wiki/Okkultismus
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“ … In Deutschland sind Rudolf Steiner und die Anthroposophie [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthroposophie] vielen Menschen ein Begriff, nicht zuletzt wegen Waldorfschulen, Demeter oder Weleda. Doch nur den wenigsten dürfte die Geschichte dieser Bewegung bekannt sein. … Obwohl sich die Anthroposophie trotz einiger Konflikte wie dem Verbot der Anthroposophischen Gesellschaft 1935 lange mit dem nationalsozialistischen Regime arrangieren konnte, gewannen ihre Kritiker letztlich Überhand. Nachdem Rudolf Heß 1941 nach England geflogen war, nutzten Gestapo und SD die Gunst der Stunde, um gegen ihre seit langem verhassten Feinde, Okkultismus und Esoterik, vorzugehen. Da Heß angeblich von anthroposophischen Lehren verführt worden sei, richtete sich die Kampagne maßgeblich gegen die Anthroposophie: zahlreiche Institutionen wurden verboten, Schriftgut beschlagnahmt und manche Anhänger/innen verhaftet. Damit war die anthroposophische Bewegung im Nationalsozialismus nahezu zerschlagen. Überzeugend führt Staudenmaier aus, dass dieser Konflikt eine solche Zuspitzung erfuhr, gerade weil eine ideelle Nähe zwischen anthroposophischem und nationalsozialistischem Gedankengut bestand, nicht etwa Distanz. Im Nationalsozialismus wurde die Anthroposophie als eine Konkurrentin empfunden, die es zu beseitigen galt – ähnlich wie bei der „Nacht der langen Messer“ 1934. Dennoch, so Staudenmaiers Fazit, sei es der Anthroposophie bis 1941 erstaunlich gut gelungen, sich an das „Dritte Reich“ anzupassen. Auch dafür macht er Affinitäten zwischen beiden Weltanschauungen verantwortlich. … Luzide arbeitet Staudenmaier den spirituellen bzw. spiritualistischen Rassismus („spiritual racism“) der anthroposophischen Bewegung heraus, wie er bereits von ihrem Gründungsvater, Rudolf Steiner (1861–1925), vertreten wurde. Er zeigt, dass dieser spirituelle oder esoterische Rassismus nur im Kontext der deutsch-österreichischen Kulturkritik der Jahrhundertwende zu verstehen ist. Rudolfs Steiners intellektueller Werdegang und damit auch zentrale Positionen der Anthroposophie, so Staudenmaiers These, waren stark von rassistisch-nationalistischen Ansichten des Fin de Siècle geprägt [Fin de Siècle: https://de.wikipedia.org/wiki/Fin_de_Si%C3%A8cle]. … So waren [ ] Anthroposophen von der welthistorischen Sendung der Deutschen überzeugt und predigten eine unerlässliche Erneuerung bzw. Wiedergeburt des deutschen Volks. In diesen Zusammenhang ist auch Staudenmaiers These zu verorten, dass esoterische Weltanschauungen wie die Anthroposophie keine absonderlichen Randphänomene der Moderne seien, sondern ebenso wie der Nationalsozialismus integrale Bestandteile ihrer zeitgenössischen Kultur. … [Das] Buch [Peter Staudenmaier. Between Occultism and Nazism: Anthroposophy and the Politics of Race in the Fascist Era. London: Brill Academic Publishers, 2014. 430 S., ISBN 978-90-04-26407-6. ] … stellt eine Mahnung dar, stärker zwischen biologistischen, kulturalistischen und spiritualistischen Rassenkonzeptionen zu differenzieren, als es bisweilen in der Forschung der Fall ist. Außerdem widersprechen die Befunde jüngeren Bemühungen vor allem im angloamerikanischen Raum, esoterische und okkultistische Strömungen seit 1900 einseitig zu progressiven und emanzipatorischen Alternativen zur hegemonialen Moderne zu verklären. …“ | Aus: “ Peter Staudenmaier Between Occultism and Nazism: Anthroposophy and the Politics of Race in the Fascist Era. London: Brill Academic Publishers, 2014. 430 S., ISBN 978-90-04-26407-6. Reviewed by Michael Seelig, Published on H-Soz-u-Kult (January, 2016) | Quelle: https://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=45992 // https://www.h-net.org/reviews/showpdf.php?id=45992 // –> https://www.marquette.edu/history/directory/peter-staudenmaier.php
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Siehe auch –> Peter Staudenmaier „Der Deutsche Geist am Scheideweg: Anthroposophen in Auseinandersetzung mit Volkischer Bewegung und Nationalsozialismus“ (2012). History Faculty Research and Publications –> https://epublications.marquette.edu/hist_fac/90 // –> https://www.researchgate.net/publication/326464292_Der_deutsche_Geist_am_Scheideweg_Anthroposophen_in_Auseinandersetzung_mit_volkischer_Bewegung_und_Nationalsozialismus // –> “ … [Mit beispielloser Klarheit offenbarten sowohl die globale Krise der Covid-19-Pandemie als auch die ideologische Legitimierung der russischen Invasion in der Ukraine das Nebeneinander und den Gegensatz von szientistisch-rationalistischen und nicht-wissenschaftlich-esoterischen Welterklärungen im 21. Jahrhundert. Vermeintlich marginale alternative Deutungsmuster erwiesen sich plötzlich als massentauglich, und Weltanschauungen, die aus rationalistischer Sicht zutiefst widersprüchlich erschienen, wurden plötzlich akzeptabel. Die dadurch ausgelösten Kontroversen lehren uns, inwieweit Menschen gesellschaftlichen und politischen Einfluss gewinnen können, die behaupten, Einsichten in verborgene Kausalzusammenhänge zu haben. Solche Verschwörungstheoretiker und andere intellektuelle Brandstifter können als die politischen Propheten unserer Zeit gelten. Doch wäre es zu kurzsichtig, sie mit den selbsternannten Propheten und Prognostikern in einen Topf zu werfen, die im Laufe der Geschichte aufgetaucht sind. Die Beiträge dieses Bandes widmen sich daher den Zusammenhängen zwischen den Sphären des Politischen und des Prophetischen von der Antike bis in die Neuzeit und veranschaulichen anhand von Beispielen eine immense Heterogenität geistiger Haltungen.] // … With unprecedented clarity, both the global crisis of the Covid 19 pandemic and the ideological legitimization of the Russian invasion of Ukraine revealed the juxtaposition and opposition of scientistic-rationalistic and non-scientific-esoteric explanations of the world in the 21st century. Supposedly marginal alternative patterns of interpretation suddenly revealed themselves to be suitable for the masses, and world views that seemed deeply contradictory from a rationalist point of view suddenly became acceptable. The controversies this triggered teach us to what extent social and political influence can be gained by people who claim to have insights into hidden causal connections. Such conspiracy theorists and other intellectual arsonists can be regarded as the political prophets of our time. But it would be too short-sighted to lump them together with the self-declared prophets and forecasters who have emerged throughout history. The contributions in this volume are therefore devoted to the connections between the spheres of the political and the prophetic from antiquity to modern times, using examples illustrating an immense heterogeneity of intellectual attitudes. … // “ See: „Rudolf Steiner and the Great War: Karma, Clairvoyance, and the German Spiritual Mission“, [Peter Staudenmaier in Christian Hoffarth, ed., Prophecy, Prognosis, and Politics from Antiquity to the Modern Age (Frankfurt: Klostermann, 2022), 239-54], November 2022, DOI:10.5771/9783465135166-239 In book: Prophetie, Prognose und Politik / Prophecy, Prognosis and Politics | https://www.researchgate.net/publication/365801874_Rudolf_Steiner_and_the_Great_War_Karma_Clairvoyance_and_the_German_Spiritual_Mission
“ … Aufgrund der rassentheoretischen Passagen in seinem Werk wird Steiner teilweise der Völkischen Bewegung zugerechnet. So schreibt etwa der Historiker Helmut Zander, Steiner habe eine Reihe seiner Begriffe dem völkischen Diskurs entnommen. Zwar relativiert Zander die Zugehörigkeit zum völkischen Diskurs selbst wieder, sieht bei Steiner aber eine unaufgelöste Ambivalenz. Der Historiker resümiert: „Neben und in den humanistischen Vorstellungen unter Anthroposophen findet sich weiterhin die völkische Tradition.“ Der Journalist Wolfgang Purtscheller bezeichnet Steiner als „Nationalisten völkischer Prägung mit verschwörungstheoretischem Hintergrund“. Der Historiker Clemens Esser dagegen bestreitet, dass Steiner überzeugter Rassentheoretiker und Antisemit gewesen sei. Zwar gebe es namentlich aus den Jahren bis 1918 verschiedene entsprechende Äußerungen von ihm, doch habe der Eklektiker Steiner immer Anleihen bei anderen Publizisten gemacht, etwa bei Ernst Haeckel, der Darwins Abstammungslehre in Deutschland popularisierte. Wenn man ihm diese Übernahmen nicht anrechne, verliere „auch der oft traktierte Antisemitismusvorwurf an die Adresse Steiners einiges von seiner Dramatik“. Der Theologe Matthias Pöhlmann weist darauf hin, dass diese relativierende Erklärung von Steiners rassentheoretischen Aussagen als bloße Anleihen an die zeitgenössische Publizistik im Widerspruch steht zu seinem Anspruch, seine Aussagen würden auf Erkenntnissen basieren, zu denen er auf übersinnlichem Weg gekommen sei und die daher überzeitliche Gültigkeit beanspruchen könnten. Pöhlmann sieht in der Praxis an Waldorfschulen auffällige Allianzen mit Reichsbürgern und Rechtsextremen; im anthroposophischen Milieu seien bis in die Gegenwart rassetheoretische Implikationen der steinerschen Aussagen und insbesondere Verschwörungstheorien verbreitet. … Als Reaktion auf die Kritik verabschiedete die Mitgliederversammlung des Bundes der Freien Waldorfschulen am 28. Oktober 2007 in Stuttgart die sogenannte Stuttgarter Erklärung [… In der Erklärung heißt es unter anderem, die Freien Waldorfschulen seien sich bewusst, „dass vereinzelte Formulierungen im Gesamtwerk Rudolf Steiners nach dem heutigen Verständnis nicht dieser Grundrichtung entsprechen und diskriminierend wirken.“ Der Bund der Freien Waldorfschulen hat sich in der Vergangenheit häufig mit „Gerichtsverfahren, Gegendarstellungsbegehren und Unterlassungsansprüchen“ gegen kritische Berichterstattungen – teils schon im Vorfeld – gewehrt. Waldorfkritische Journalisten und Autoren berichteten unter anderem von Protestaufrufen, Beschimpfungen und Diffamierungen. Helmut Zander folgend, stellten sich die Waldorfschulen „vielfach nolens volens“ [„gewollt oder ungewollt“, „unfreiwillig“, „wohl oder übel“, „notgedrungen“, „zwangsläufig“] den Debatten; der häufige Schritt, Streitigkeiten vor das Gericht zu bringen sei „hinsichtlich einzelner Polemiken nachvollziehbar, [hinterlasse aber] insgesamt den Eindruck, dass sich Waldorfpädagogen mit Kritik weiterhin oft schwertun.“ …]. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Anthroposophie#Rassismus_und_Antisemitismus (Aus: „Anthroposophie“. In: Wikipedia – Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 4. November 2024, 15:39 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Anthroposophie&oldid=250039263 (Abgerufen: 25. Dezember 2024, 12:56 UTC))
// Kontext: Stefan Hunglinger: „Demeter und der NS-Staat – Braune Stellen am Gemüse“ Der Demeter-Verband feiert 100 Jahre biodynamische Landwirtschaft. Über NS-Verbindungen führender Funktionäre spricht man da nicht gern (23.6.2024) –> https://taz.de/Demeter-und-der-NS-Staat/!6015895&s=Esoterik/ -.- Manzdi: 25.06.2024, 10:11 Uhr: “ … Ein Ausflug in die Geschichte. Soll hier [„Demeter und der NS-Staat – Braune Stellen am Gemüse“] ein ökologischer Verband denunziert werden? Mir fehlt hier ein Bezug zur heutigen Zeit. Denn wenn man weit genug in die Zeit des NS-Regimes zurückblickt, so erkennt man überall braune Stellen. Auch aktive Vertreter des Reichsnährstands mit tiefbrauner Gesinnung sind nach 1945 aktive Gestalter des Deutschen Bauernverbands geworden. Der Reichsnährstand spielte über seine Kreisbauernschaften vielerorts eine signifikante Rolle bei der Umsetzung der nationalsozialistischen Arisierungspolitik. So waren er bzw. seine Mitglieder verantwortlich für die Erfassung, Organisation und Durchsetzung der Enteignung und des Verkaufs jüdischen Eigentums. Insofern gibt es auch braune Stellen an den Mastschweinen. …“ -.-
roneu: 25.06.2024, 10:58 Uhr @Manzdi: “ … … oder, um es noch etwas pointierter zu sagen, WO gab es in Deutschland in der Nachkriegszeit keine braunen Stellen? Erwähnenswert wäre das Ganze ja nur, wenn es vergleichbare Verbände gäbe, die da anders durchgegangen wären. Insofern scheint mal wieder das Anthro-bashing im Vordergrund zu stehen, schade eigentlich. …“ -.- hakf34: 25.06.2024, 21:34 Uhr @roneu: “ … Nur zur Einordnung. Roneu ist Teil der anthroprosphischen Bewegung. Und natürlich ist es etwas anderes, wenn es um eine Weltanschauung, die mit den Wurzelrassen als elementare Grundgerüst, mit Rassismus tief verwurzelt ist. Ein Verband kann natürlich immer von unterschiedlichen Strömungen beeinflusst sein. Aber bei einem, auf hellserische Erkenntnisse basierenden Weltanschauung, kann nicht einfach mal der Kern der Ideologie geändert werden. …“ // Kontext: –> [“ … Wurzelrasse (englisch root race) ist ein Konzept aus der esoterischen Kosmogonie der modernen Theosophie. Bekannt wurde es vor allem durch Helena Petrovna Blavatsky (1831–1891) und ihr 1888 erschienenes Werk The Secret Doctrine (deutsch: Die Geheimlehre). Darin entfaltet sie die Vorstellung einer in die kosmische Evolution eingebundenen Entwicklung von insgesamt sieben „Menschenrassen“, die nacheinander auf verschiedenen Kontinenten entstanden wären oder noch entstehen würden. Jede Wurzelrasse unterteilte Blavatsky in sieben „Unterrassen“. Die germanische Unterrasse der arischen (fünften) Wurzelrasse definierte sie als die gegenwärtig höchste Stufe dieser Entwicklung, die von einer kommenden Unterrasse amerikanischer Herkunft abgelöst werden würde. Blavatskys Rassenlehre bot verschiedenen, auch obskurantistischen und rassistischen Strömungen Anknüpfungspunkte und einen reichen Schatz an Mythen und Symbolen. … Im Zuge seiner Lösung von der Theosophie ab 1907 verwendete Rudolf Steiner die Begriffe „Wurzelrasse“ und „Unterrasse“ nicht mehr. Stattdessen schrieb er von „Epochen“, „Hauptzeiträumen“ und „Zeitaltern“ bzw. „Kulturepochen“, „Kulturperioden“ und „Kulturzeitalter“ … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Wurzelrasse ] –
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“ … Gnome, Sylphen, Undinen, Salamander und andere Elementarwesen wurden von Menschen früherer Zeiten konkret erlebt. Ein Ausdruck davon findet sich in vielen Volksmärchen. Heute wird der Zugang zum Wesenhaften in der Natur wieder gesucht. Rudolf Steiner weist auf Wege hin, wie dieser Zugang gefunden werden kann und welche Bedeutung er für die Zukunft hat. »Die Gnomenwelt lacht uns eigentlich aus mit unserem würgenden, ringenden Verstande, mit dem wir so dies oder jenes manchmal erfassen, während die Gnomen gar nicht nachzudenken brauchen.« Rudolf Steiner, 2. November 1923 …“ | Quelle: https://www.geistesleben.de/Wissenschaft-und-Lebenskunst/Anthroposophie/Geistige-Wesen-in-der-Natur.html (Stand 01/2025)
-.- “ … Rudolf Steiner (1861 – 1925) war ein österreichischer Schriftsteller, Theosoph und Begründer der Anthroposophie. … Der Historiker Clemens Escher sieht in Steiners Äußerungen bis 1918 einen für den Wilhelminismus typischen Hang zur Abgrenzung von Deutschlands angeblichen „Reichs- und Erbfeinden“, zu denen für Steiner neben Franzosen, Jesuiten und Sozialisten eben auch Schwarzafrikaner und Juden gezählt hätten. Gleichwohl sei er weder überzeugter Rassentheoretiker noch Antisemit gewesen, sondern ein Eklektiker, der sich aus den diskursiven Angeboten seiner Zeit und seiner Umwelt bedient habe. Zur Frage, ob es einen Rassismus bei Steiner gibt, kam Helmut Zander 2007 zu dem Schluss: „Wenn Rassismus die Bindung wichtiger Elemente der Anthropologie an augenblicklich existierende Rassen bedeutet, seien diese biologisch oder spirituell definiert, dann kann man Steiner als Rassisten bezeichnen.“ Er differenzierte aber auch: „Mit manchen Äußerungen wird der Rassismus manifest, mit anderen hat Steiner sich explizit vom Rassismus seiner Umwelt distanziert.“ Inzwischen haben Vertreter der anthroposophischen Bewegung mehrmals Stellung zu den Vorwürfen genommen. Eine differenzierte Zusammenfassung der Problematik, vom anthroposophischen Standpunkt aus, gaben Ramon Brüll und Jens Heisterkamp im sogenannten Frankfurter Memorandum. Die neueste Stellungnahme von anthroposophischer Seite erfolgte im Juni 2021. Der Religionswissenschaftler Julian Strube resümiert, dass Steiner in seiner Lehre (die sich über die Jahre durchaus wandelte) ein seinem Verständnis nach „spirituelles“ Rassenkonzept mit einem „nationalistischen deutschen Sendungsbewusstsein“ verbunden habe. Zwar sei dies vergleichsweise universalistisch und wenig aggressiv gewesen, doch nennt er es „auch weitaus weniger unschuldig als dies manche Anhänger der Anthroposophie in der Retrospektive darzustellen versuchen“. …“ | Aus: „Rudolf Steiner“ Bearbeitungsstand: 29. November 2024, 06:21 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Rudolf_Steiner&oldid=250786779 (Abgerufen: 28. Dezember 2024, 15:05 UTC) // –> https://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Steiner
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“ … Die Frage ist letztendlich, als wie stabil unser Begriffsschema betrachtet werden soll. … Allein durch den Skeptizismus werden wir in die Lage versetzt, die These der Exklusivität bzw. der prinzipiellen Nichthintergehbarkeit unseres Begriffsschemas teilweise zu relativieren. … Es geht dem Interpretationisten hauptsächlich darum, für seine Position einen begrifflichen Rahmen zu schaffen, in dem man sich weder rein aprioristisch noch bloß konventionalistisch orientieren muss. … Abel [:] „Zwar können wir aus einzelnen Interpretationen heraus- und damit in andere eintreten. Nicht aber können wir die Interpretativität als solche noch einmal skeptisch hintergehen. Ein solcher Zweifel würde sich selbst den Boden der Sinnhaftigkeit entziehen. Denn zwar besteht die Antwort auf die Zweifel an bestimmten Interpretationen in anderen Interpretationen. Der Zweifel aber an der Interpretativität als solcher hätte immer wieder nur die Interpretativität selbst zur Antwort. Doch der interne Skeptizismus möchte ja, wie betont, gar nicht ‚hinter‘, sondern möglichst tief in den Interpretationscharakter des Welt-, Fremd- und Selbstverständnisses hineingelangen. Der philosophische Skeptizismus kommt in der Interpretationsphilosophie, in die er führt, zugleich auch zu sich selbst.“ … Kant … hatte versucht zu zeigen, dass es für die Skeptiker, welche er mit einer „Art Nomaden, die allen beständigen Anbau des Bodens verabscheuen“ gleichsetzt, keine Heimat des Denkens gibt und dass die „Befriedigung der mit sich selbst veruneinigten reinen Vernunft“ nur dann möglich wird, wenn man von der skeptischen Zensur der Vernunft in die eigentliche Kritik übergeht. Dieser Übergang setzt jedoch voraus, dass wir prinzipiell in der Lage sind, zwischen einer zufälligen und einer notwendigen Unwissenheit eine scharfe und definitive Trennungslinie zu ziehen. …“ | Aus: Rogério Lopes „Naturalismus und Interpretationismus – Einige Bemerkungen zu Abels Interpretationsphilosophie“ (2018) | https://philarchive.org/archive/LOPNUI (pdf)
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Der Essentialismus (auch Essenzialismus, von lat. essentia „Wesen“) ist in der Philosophie die Auffassung, dass Entitäten notwendige Eigenschaften besitzen. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Essentialismus
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Der Naturalismus ist die Auffassung, dass die Welt als ein rein von der Natur gegebenes Geschehen zu begreifen ist. Er geht davon aus, dass alles natürliche Ursachen hat und dass es nichts Übernatürliches gibt. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Naturalismus_(Philosophie)
Subjektive Kamera. Wir reisen zurück. Wir bewege uns in kreisenden Bewegungen zum Jahr 1978. Wir befinden uns auf dem Dorf (genauer in Revensdorf, Schleswig Holstein). Wir sehen die Erinnerungen eines 5 jährigen. Der noch nicht ausgewachsene „Pontus“, ein kleiner Bernhardiner, hechelt und liegt dösend an der Haustürschwelle. Es ist Frühling. Das Sonnenlicht tänzelt durch die Blättern einer Linde. Gegenüber wurde eben erst der Holzzaun des Raiffeisengeländes mit dunkelbrauner (giftiger) Xyladecor Holzschutzfarbe gestrichen. Die Mutter hat Kindbettfieber. Der Arzt ist gerade weggefahren. Es ist ganz still im Haus. Der kleine Bruder liegt mit geballten Fäusten schlafend in einem kleinen Bett mit Blümchenmusterbettbezug. Hier vermischen sich die Bilder: Die Nachbarn schlachten im Hinterhof ein panisch schreiendes (fiependes) Schwein. Es bekommt (wie sie sagen) „eins auf den Deckel“ – vor meinen ungewarnten Augen. Der Dackel der Nachbarn kläfft. Schon werden ihm die Augen hingeworfen, die er augenblicklich kaut und schluckt. Ich laufe um die Ecke. Ich bin hin – und hergerissen. Will ich die Schlachtung weiter beobachten? Jetzt fließt, nach einem Schnitt am Hals, das Blut vom toten Tier, das hier und da noch zuckt, in einem Plastikeimer. Ich möchte lieber Radfahren. Ich habe ein Klapprad. Es passt zusammengeklappt gut in den großen Kofferraum. Man kann einfach die Sitze umklappen. Die Sitze von „unserem“ weißen Peugeot 504 Familiale. Wenn wir mit dem Fünftürer irgendwo hinfahren, sind wir meisten „spät dran“. Die längliche Gestalt, die Innenatmosphäre, die Sitze, die Anzeigen, die Armaturen, die Geräumigkeit, das alles fasziniert mich. In der Erinnerung steht er immer in der sandigen Hauseinfahrt – und wartet auf uns. Im Rückblick, wird der Peugeot zu einer Zeitmarke der eigenen Familiengeschichte. Ein Objekt aus der Lebenswelt einer Familie, die es nicht mehr gibt. Der Wagen wurde – trotz meines vehementen (aber eben nur kindlichen) Protestes – bald verkauft. Er würde zu schnell rosten. Die Holme wären bereits betroffen, sagte mein Vater. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir ihn retten müssen. Aber nun ist der Wagen immerhin ein Exponat in meinem Lebensmuseum. Ich stelle mir vor, wir alle könnten jeweils nach unserem Tod, durch ein solche Museum laufen, wo jedes bedeutungsaufgeladene Ding seinen Platz hat.
“ … Friedrich Nietzsche schreibt im Text „Die Obskuranten“ (1879) … : „Das Wesentliche an der schwarzen Kunst des Obskurantismus ist nicht, daß er die Köpfe verdunkeln will, sondern daß er das Bild der Welt anschwärzen, unsere Vorstellung vom Dasein verdunkeln will. […] Spitzfindige Metaphysiker, welche die Skepsis vorbereiten und durch ihren übermäßigen Scharfsinn zum Mißtrauen gegen den Scharfsinn auffordern, sind gute Werkzeuge eines feineren Obskurantismus. …“ | „Obskurität“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Obskurit%C3%A4t -.- “ … Im Lauf des 18. Jahrhunderts etablierten die Naturwissenschaften Erkenntnisse im Gegensatz zur Bibel. Obskurantismus und Szientismus standen sich nun als Pole polemischer Kritik gegenüber. … Die Geschichtsschreibung wurde der neue Ort gesellschaftsweiter Kontroversen um die historische Selbstverortung. …“ | Aus: „Aufklärung“ (29. Juli 2024) | https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung
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– Januar 2021: Unterstützer von US-Präsident Trump im Kapitol. -> https://www.wz.de/politik/tuebinger-professor-michael-butter-zu-verschwoerungstheorien_aid-77282401 – -.- “ … In der Antike war es üblich, sich Völker und Gruppen aus der Sagenwelt als Ahnen zu wählen, um sich auf eine ältere Vergangenheit zu berufen, als es der Wirklichkeit entsprach …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Herkunftssage -.- “ … Totem ist ein Begriff aus der Ethnologie für Symbole oder Gruppenabzeichen, die eine mythisch-verwandtschaftliche Verbindung zwischen einem Menschen bzw. einer Gruppe und einer bestimmten Naturerscheinung darstellen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Totem -.- “ … Kritik des reaktionären Denkens (08.05.2024 – 18:15 Uhr: Prof. Dr. Robert Hugo Ziegler) -… [Unter reaktionären Denken] ist … eine bestimmte weltanschauliche und atmosphärische Prägung [zu verstehen], die leicht zum Faschismus hin anschlussfähig ist. Reaktionäres Denken beruht (wie sich z.B. anhand von Carl Schmitt und Martin Heidegger zeigen lässt) auf einem Misstrauen gegenüber der Wirklichkeit, mit der etwas ganz grundsätzlich nicht zu stimmen scheint, und es sucht sein Glück dagegen in Geschichten und Bildern, die einen starken Affekt auslösen können. Die Darstellung dieser Denkform ist zwar auch schon ihre Kritik: Von einem solchen Ausweichen vor dem Realen ist nicht viel zu erwarten. Leider ist sie aber dadurch noch nicht erledigt. … “ | Aus: Veranstaltungen 2024: 12. Juni 2024 – Dr. Tomoki Sakata: „Die Spannung zwischen Wissenschaft und Mythos“ | https://fgph-bamberg.de/ (Fränkische Gesellschaft für Philosophie, Stand 06.08.2024) -.- “ … Den Begriff ‚Ursprungsmythos‚ hat der Theologe Paul Tillich 1933 in einer kämpferischen Schrift gegen die politische Romantik vor allem der Nationalsozialisten eingeführt. Er kritisiert damit ideologische Vorstellungen von einem mächtigen Ursprung politischer Verhältnisse im Boden, Blut oder der Natur einer sozialen Gruppe. Tillich versteht dabei „das ursprungsmythische Bewusstsein […als] die Wurzel alles konservativen und romantischen Denkens in der Politik“ (Tillich, 1933: 18). Zwar spricht Tillich den Ursprüngen eine tatsächliche Macht über die verschiedenen Formen politischer und menschlicher Existenz zu, aber die menschliche Freiheit, die ihm eine bewusste Veränderung des Bestehenden ermöglicht, könne die Macht des Ursprungs aufheben. „Wo dieses Bewusstsein sich durchsetzt, ist die Ursprungsbindung grundsätzlich gelöst, der Ursprungsmythos grundsätzlich gebrochen“ (Tillich, 1933: 19). Das Denken in mächtigen Ursprüngen ist Tillich zu Folge jedoch nicht nur ein Merkmal der politischen Romantik, sondern zugleich eine zentrale Eigenschaft mythischer Weltauffassungen: „Aller Mythos ist Ursprungsmythos, Antwort auf die Frage nach dem Woher und Ausdruck des Stehens im Ursprung und in der Gebundenheit an seine Macht“ (Tillich, 1933: 18). Die Macht des Ursprungs beruht, wie Mircea Eliade hervorhebt, im mythisch-religiösen Denken auf seiner Heiligkeit. Denn ein Mythos erzählt nicht nur, „wie eine Realität entstand, sei es nun die totale Realität, der Kosmos, oder nur ein Teil davon, eine Insel, eine Pflanzenart, eine menschliche Einrichtung“ (Eliade, 1957: 57), sondern er gibt einen „Bericht über das, was die Götter und Heroen am Anfang getan haben“ (Eliade, 1957: 56). Somit ist ein Ursrprungsmythos immer auch Offenbarung über die Schöpfertätigkeit der Götter und die durch ihre Tat geheiligten Schöpfungen. Das Zentrum einer ursprungsmythischen Geisteshaltung besteht in der These, dass die Herleitung eines Gegenstandes aus seiner heiligen Entstehung diesen Gegenstand zugleich erklärt und legitimiert. Ursprungsmythen dienen so der Identitätskonstruktion von Kollektiven. Indem ein Ursprungsmythos über die Entstehung und Geschichte sozialer oder natürlicher Phänomene Auskunft gibt, erklärt er sie nicht nur genetisch, sondern er rechtfertigt sie auch in ihrem Sound-nicht-anders-sein. Daher ist der Mythos beschreibend, erklärend und vorschreibend zugleich. Er behauptet das aktuelle Selbstverständnis einer Gruppe als historische und letztlich natürliche Notwendigkeit. Daraus ergibt sich die legitimatorisch-konservative Funktion von Ursprungsmythen. …“ | Aus: „Der Ursprungsmythos der Vernunft“ – Zur Genealogie der griechischen Philosophie als Abgrenzung vom Mythos (2006) – Von M.A. Helmut Heit (geboren 1970), Fakultät für Geistes und Sozialwissenschaften der Universität Hannover| https://www.repo.uni-hannover.de/bitstream/handle/123456789/6756/522002889.pdf
-.- “ … Wo die Vernunft in Schockstarre gerät, kann mythisches Denken an ihre Stelle treten. … „In allen kritischen Augenblicken des sozialen Lebens des Menschen sind die rationalen Kräfte, die dem Wiedererwachen der alten mythischen Vorstellungen Widerstand leisten, ihrer selbst nicht mehr sicher. In diesen Momenten ist die Zeit für den Mythus wieder gekommen.“ So schrieb der Philosoph Ernst Cassirer in seinem Buch „Vom Mythus des Staates“, das 1946, ein Jahr nach seinem Tod, in den USA erschien. … Cassirer [sah] im „mythischen Denken“, [etwas] auf das die Menschen in Krisenzeiten leichter zurückfielen: Das mythische Bewusstsein sei „durch die Intuition unmittelbarer Beziehungen zwischen Mensch und Dingen charakterisiert“, so Recki, „und damit gibt es auch keine Abstraktions- und keine Reflexionsdistanz. … Mythisches Bewusstsein ist besessen von der Macht der Bilder, der Macht der Namen und von der Macht der von ihren Eindrücken ausgelösten Emotionen.“ Im [Führerkult, im] Ahnenkult und der Rassenideologie des Nationalsozialismus aktualisiere sich für Cassirer dieses „archaische Denken“. … Für Recki ist Cassirers Ansatz auch heute noch aufschlussreich, nicht zuletzt im Hinblick auf die Mythenbildung in zahlreichen Verschwörungserzählungen … Ebenso erkennt sie Spuren mythischen Denkens aber auch im „Erstarken identitärer Diskursstrategien“, so zum Beispiel „in der Vorstellung, wer sich auf sein Gefühl beruft – das Gefühl, benachteiligt, beleidigt, nicht genügend beachtet zu sein – hätte diesseits aller Argumentation schon per se recht.“ …“ | Aus: „Mythisches Denken in Zeiten der Krise“ zu Birgit Recki (10.10.2021) | https://www.deutschlandfunkkultur.de/philosophische-flaschenpost-ernst-cassirer-mythisches-100.html
-.- “ … Wir Menschen müssen allmählich erkennen, dass unsere Lebenswirklichkeit das Produkt unserer Formgebung durch Sprache, Phantasie, Rechtsgefühl, Erkenntnis (u.a.) ist. Wenn wir das verstehen, dann müssen wir uns in einem nächsten Schritt als Formgeber (homo symbolicus) verstehen und damit auch die Verantwortung für die mediale Gestaltung unserer Lebenswirklichkeit übernehmen. Cassirer betont immer wieder, dass diese nicht eine Gegebenheit ist, die wir vorfinden und der wir uns anpassen müssen (wie dies andere Lebensformen in ihren jeweiligen Umwelten tun), sondern dass unsere Lebenswirklichkeit ein symbolisches Universum ist, das von uns gestaltet wird und für dessen Gestaltung wir verantwortlich zeichnen müssen. Cassirer hat trotz der widrigen Lebensumstände der 1930er und 1940er Jahre zu keinem Zeitpunkt die Hoffnung aufgegeben, dass wir Menschen durch Erkenntnis der symbolischen Struktur unserer Lebenswirklichkeit und in der Konsequenz der Selbsterkenntnis als Schöpfer unserer Symbolwelten prinzipiell befähigt sind, die Humanisierung unserer Kultur(en) zu leisten. Unter Kulturphilosophie versteht Cassirer die Arbeit an dieser Option trotz des permanenten Einspruchs der sozialen Wirklichkeit, die von Widersprüchen, Konflikten, Hass und Gewalt sowie anderen Üblichkeiten geprägt ist. … er unternimmt den Versuch, das allmähliche Aufbrechen eines im mythischen Erzählen befangenen Zustandes durch das Erwachen der Erkenntnis von der eigenen Gestaltungsmacht und Verantwortlichkeit nachzuzeichnen. Diese Geschichte wird über hunderte von Seiten entfaltet und ist nicht in jedem Detail fesselnd. Eindrücklich ist die Konsequenz mit der Cassirer sein Programm der Idealisierung der menschlichen Lebenswirklichkeit durch die Entfaltung der menschlichen Kräfte verfolgt. Dabei liegt die Pointe darin, dass Mythos und Logos nicht entgegengesetzte Mächte sind. Vielmehr steht die Fähigkeit zur Selbstdistanzierung des Menschen damit zusammen, dass er seiner bloßen Wirklichkeit Optionen einer möglichen Welt entgegenstellt. Dem wirklichen, aktualen Menschen tritt das Bild vom möglichen, zukünftigen Menschen entgegen. Der erste Schritt der Selbstdistanzierung geschieht bildhaft, es ist die Fähigkeit zur emotionalen, bildhaften Wirklichkeitsgestaltung, die den Menschen schon auf einer frühen Stufe seiner Kulturentwicklung Abstand nehmen lässt von seiner bloß faktischen Existenz. … Cassirer gibt uns als Person einen Hinweis darauf, dass die Erbschaft der Aufklärungszeit, die Ideale der Französischen Revolution und des Humboltschen Humanismus auch in dunklen Zeiten nicht aufzugeben ist. …“ | Prof. Dr. Gerald Hartung / Interview Uwe Blass (28.09.2020) | https://www.uni-wuppertal.de/de/transfer/wissenschaftskommunikation/jahr100wissen/2020/ernst-cassirer-ein-aussergewoehnlicher-philosoph/ -.- “ … Cassirers Symbolbegriff hat den grundlegenden Sinn, uns klarzumachen, daß für uns aufgrund der geistigen Produktivität, die unsere Gattung auszeichnet, im Prinzip alles zum Träger von Bedeutung werden kann: Ein Symbol liegt in jeder Art von »Sinnerfüllung des Sinnlichen«, und die regelmäßigen und typischen Arten dieser Sinnerfüllung nennt Cassirer symbolische Formen. Im Kontext der Philosophie der symbolischen Formen, die in drei Bänden 1923, 1925 und 1929 erschienen ist, behandelt Cassirer als solche typischen Formen menschlicher Kulturerzeugung ausdrücklich die Sprache, den Mythos und die Religion, die Wissenschaft und die Kunst, schließlich die Geschichte, die Technik und die Wirtschaft. Und es gehört zu den spannenden Fragen der Forschung, inwiefern es ihm gelungen ist, auch die Moral und das Recht, diese kulturellen Systeme der normativen Orientierung, im Ganzen der symbolischen Formen angemessen zu repräsentieren. …“ | Ernst-Cassirer-Arbeitsstelle – Prof. Birgit Recki – Philosophisches Seminar, Universität Hamburg: „Ernst Cassirer, Goethe, Hamburg – und was wir an einer »Hamburger Ausgabe« haben“ (Datum?) | https://www.warburg-haus.de/alt/eca/recki.html
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Symbol, Myth, and Culture : Essays and Lectures of Ernst Cassirer, 1935-1945 by: Cassirer, Ernst, 1874-1945. Publication date: 1979
“ … Bereits magische Praktiken, die auch im Christentum weiter wirken, setzen ihrem Selbstverständnis nach auf Beeinflussung von Naturgeistern, Göttern oder Heiligen, um sie den Menschen gewogen zu stimmen und zu einem bestimmten Verhalten zu veranlassen, das den Menschen nützt oder ihren Ansprüchen entgegenkommt. Dem Selbstverständnis in der Antike war der Gedanke der Naturbeherrschung weitgehend fremd. So sieht etwa der einflussreiche Aristoteles den Menschen eher in der Rolle des Nachahmers, allenfalls in der des Vollenders der Natur. Analog dazu sah man in der Mechanik eine Überlistung, nicht etwa eine Anwendung oder Nutzung von Naturgesetzen. … Max Weber hat darauf hingewiesen, dass die mit der modernen Rationalisierung steigende Möglichkeit der Naturbeherrschung mit einer Entzauberung der Welt verbunden sei. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Naturbeherrschung (29. November 2023) -.- Jonas Schwarz (31. Oktober 2022): “ … Das Individuum verliert in der Alltagserfahrung den Bezug zu der Singularität einzelner Augenblicke. Die eigene Lebenszeit erscheint konträr zum gesellschaftlichen Zeitgeist nicht als eine lineare Progression. Diese individuell erfahrene Spannung wird schließlich in der neu aufkommenden empirischen Psychologie durch Autoren wie Carl Phillip Moritz [ ] aufgegriffen. Durch eine Praxis kleinteiliger Introspektion und Dokumentation innerer Augenblicke versuchten die Anhänger der empirischen Psychologie, die amorphe Alltagszeit mit dem vorherrschenden Zeitverständnis in Einklang zu bringen. In diesem Bemühen einer Überwindung der Alltäglichkeit, so Cantarellas originelle These, ist das Phänomen als solches überhaupt erst entstanden. … ganz wie Maurice Blanchot sagt: „Le quotidien échappe. C’est sa définition“ [„Der Alltag entweicht. Das ist seine Definition“] … “ | Aus: „Die Flüchtigkeit des Alltags – Ein Tagungsbericht“ | Quelle: https://literaturwissenschaft-berlin.de/die-fluechtigkeit-des-alltags/ -.- “ … Der Ausgangspunkt von Blumenbergs Philosophie ist die Situation des Menschen, der angesichts der Unendlichkeit des Weltalls mit seiner Nichtigkeit konfrontiert wird. Ein stummes Universum umgibt ihn, seine existenziellen Fragen verhallen. Dazu kommt die Diskrepanz von „Lebenszeit“ und „Weltzeit“. Das Mängelwesen Mensch muss zur Kenntnis nehmen, dass es neben seiner Nichtigkeit im kosmischen Raum nur als eine winzige Episode in der „Weltzeit“ besteht. … Er bedarf dringend einer Distanzierung, einer Entlastung von seiner trostlosen Befindlichkeit, die er im Mythos findet. Der Mythos relativiert die Übermächtigkeit des Universums und die Unendlichkeit der „Weltzeit“. Er wirkt als Beruhigungsmittel und verarbeitet die Schrecken, die beide auslösen, zu Geschichten. … Blumenberg bejahte die Technik. Für ist ihn die Geistesgeschichte der Technik zu Beginn der Neuzeit keine Verfallsgeschichte, sondern der Akt einer berechtigten und erfolgreichen Notwehr. Dem entsprach auch, dass er privat technischen Innovationen positiv gegenüberstand, von der Saftpresse bis zum Auto. Blumenbergs Wertschätzung der Technik war in der philosophischen Landschaft der 1950er und 1960er Jahre eine Ausnahme. Die Technik galt als Synonym für einen Antihumanismus, der die Entmündigung des Menschen vorbereitete. Die Kritik an der Technik kam von konservativer Seite, von Heidegger, Jünger und vonseiten neomarxistischer Positionen (Anders, Adorno, Horkheimer). … Der Philosoph stimmte mit Thomas Bernhard überein: „Angesichts des Todes ist alles lächerlich“. In diesem Sinn antwortete er auf eine Frage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, wie er sterben möchte: „Aus Lust, mich davon zu machen“. … “ | Aus: „Der Denker in Bewegung“ Nikolaus Halmer (12 Juli 2020) | Quelle: https://science.orf.at/stories/3201136/ -.- “ … Hans Blumenbergs in dem Band „Geistesgeschichte der Technik“ versammelte Aufsätze stammen zwar aus den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. An ihrer Aktualität besteht für den Rezensenten Bernhard Dotzler jedoch kein Zweifel. Denn ihr Thema, das Dotzler als die „historische Analyse der Schnittstellen zwischen ‚geistigen Faktoren‘ und ‚materiellen Zuständen'“ umreißt, steht nach wie vor auf der Tagesordnung. …“ | Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.10.2009 | Quelle: https://www.perlentaucher.de/buch/hans-blumenberg/geistesgeschichte-der-technik.html -.- Radiovortrag (12.12.1967): „Hans Blumenberg – Die Maschinen und der Fortschritt“ Radiovortrag von Hans Blumenberg Produziert vom Hessischen Rundfunk Gesendet am 12.12.1967 Erschienen in: Hans Blumenberg – Geistesgeschichte der Technik, 2009 –> https://youtu.be/yR6dHfwYMEU
Harald Zaun (30. Juli 2012) „Dyson-Sphären und Superzivilisationen im Fadenkreuz“: “ … Auch wenn Freeman Dyson selbst [https://de.wikipedia.org/wiki/Freeman_J._Dyson] über seine fiktive Konstruktion nicht allzu viele Worte verlor und seinen Artikel im „Nature“ später fast schon entschuldigend als „Witz“ zu relativieren versuchte … , durchlebte seine Sphäre selbst eine Evolution. … So mag daher nur konsequent gewesen sein, dass einige Wissenschaftlerteam von 1975 bis zum Jahr 2000 den Himmel immerhin acht Mal nach Dysons Fantasiegebilden durchforstet haben. Zwar nur sporadisch und in zeitlicher Hinsicht bestenfalls flüchtig, dafür aber immerfort mit unerschütterlichem Optimismus. … erst in einigen Jahren, wenn bessere Infrarot-Weltraumteleskope auf Mission gehen, wie etwa das James-Webb-Teleskop 2018, könnte die SETA-Wahrheit ans Licht kommen, sofern es wirklich so etwas wie extraterrestrische Dyson-Sphären gibt, die vorerst nur ein Konstrukt menschlicher Fantasie sind, die gleichwohl Artefakte sein könnten, die die Zeiten überdauern. … “ | https://www.telepolis.de/features/Dyson-Sphaeren-und-Superzivilisationen-im-Fadenkreuz-3503452.html?seite=all -.- Dirk Lorenzen (27.06.2020): “ … Der Physiker meinte, die Bewohner eines Planeten könnten sich mit ihrem Stern vollständig mit einer Kugelschale umgeben. So könnten sie praktisch die gesamte Energie des Sterns nutzen – denn es geht kein Licht verloren. Doch auf Dauer heizt sich die Dyson-Sphäre mehr und mehr auf. Sie müsste schließlich Wärmestrahlung nach außen abgeben. Die Astronomen, so meinte Freeman Dyson, müssten nur nach Sternen suchen, die im Infrarotlicht besonders hell sind, ansonsten aber unsichtbar. …“ | https://www.deutschlandfunk.de/dyson-sphaeren-hochtechnologie-bei-ausserirdischen-100.html -.- Roberta Duarte (13.05.2024): “ … Eine Zivilisation vom Typ I wäre in der Lage, die gesamte auf ihrem Heimatplaneten verfügbare Energie zu nutzen: Wind, geothermische und seismische Energie. Eine Zivilisation des Typs II wäre in der Lage, 100 % der Energie des ursprünglichen Sterns, im Falle der Erde der Sonne, zu nutzen. Eine Zivilisation des Typs III wäre in der Lage, Energie aus der Galaxie und interstellaren Regionen zu nutzen. … Die Schaffung einer Dyson-Sphäre ist nicht einfach und wäre mit der heutigen Technik und Technologie unmöglich. … “ | https://www.daswetter.com/nachrichten/wissenschaft/astronomen-suchen-nach-beweisen-fuer-von-ausserirdischen-zivilisationen-geschaffene-dyson-sphaeren.html -.- Reinhard Kleindl (14. Mai 202): “ … Während das Webb-Teleskop die Atmosphären von Planeten analysieren kann und so in der Lage ist, etwaige Biosignaturen von einfachen Organismen zu messen, würde eine Dyson-Sphäre auf Leben hindeuten, das weit höher entwickelt ist als der Mensch. Gerade der hohe Entwicklungsgrad würde also das Auffinden begünstigen. …“ | https://www.derstandard.de/story/3000000219799/sieben-sterne-zeigen-anzeichen-fuer-ausserirdische-megastrukturen -.- Inhixa: “ … The Truth ist out there. …“ -.- Der Esel: “ … „Faszinierend!“ …“ -.- Ritter Trenk: “ … Würden wir noch in der Zeit der ersten Industriellen Revolution leben dann gingen die Astronomen wohl davon aus, dass ferne hochentwickelte Zivilisationen daran zu erkennen sind, dass sie massiv Russ und Abgase produzieren – genauso wie eben aus den damals „modernen“ Fabriken und Dampfmaschinen – nur eben viel, viel größer! Ich persönlich glaub, dass es unsere Vorstellungskraft schlichtweg übersteigt, wie zukünftiger Technik (und Energiegewinnung) aussehen wird! …“ -.- “ … Hmm… Wenn eine Zivilisation intelligent genug ist, um Dyson-Sphären zu bauen, sollte man dann nicht annehmen dürfen, dass sie auch intelligent genug ist, um diese vor neugierigen Blicken anderer zu verstecken? – Abgesehen davon: Gibt es solche Zivilisationen wirklich, werden wir vermutlich von denen schon seit Jahrtausenden observiert… interessanter Gedanke. …“ -.- face_the_truth: “ … „Gerade der hohe Entwicklungsgrad würde also das Auffinden begünstigen“ – na ob man ausgerechnet die zivilisationen auffinden will, die technisch derart überlegen sind? ein hoher entwicklungsgrad heißt ja nicht unbedingt, dass man friedlich gesinnt ist. merkt man am mensch ja selbst immer wieder. …“ -.- Sarkasmus ist (k)eine Lösung: “ … Sie wollen damit aber nicht sagen, wir Menschen wären hoch entwickelt? …“ -.- Budgetbegleitgesetz: “ … „Unregelmäßige Verdunkelungen des Sterns KIC 8462852 nährten vor einigen Jahren Hoffnungen, es könnte sich um Hinweise auf eine Dyson-Sphäre handeln.“ – Be careful what you hope for. Zerst sind alle ganz aufgeregt aber dann regens sich auf, dass sich die Außerirdischen nicht integrieren und die österreichische Leitkultur annehmen wollen. …“ -.- Marcus Trullus: “ … wenn sie in ihrer Hyperintelligenz wirklich etwas über uns erfahren wollen, dann kommen sie getarnt in Lederhose und Trachtenjanker. Wetten? …“ …
Kurt Nilsson: HELGOLÄNDER FISCHER MIT PFEIFE UND BART Herkunftsregion: Norddeutschland Herstellungszeitraum: 1950-1985 Besonderheiten: Von der Rückseite her mit Styropor verstärkt Stil: Realismus
via -.- Marker Italiens: “ … die Semantik von ‚Klischee‘ ähnlich wie jene von ‚Stereotyp‘ [umfasst] das Moment des Visuellen: Zunächst handelt es sich um eine Bezeichnung für einen „vorgefertigte[n] Druckstock für Abbildungen“, die im landläufig verbreiteten, übertragenen und pejorativen [abwertenden] Sinn benutzt wird für „vorgeprägte Wendungen, abgegriffene, durch allzu häufigen Gebrauch verschlissene Bilder, Ausdrucksweisen, Rede- und Denkschemata, die ohne individuelle Überzeugung einfach unbedacht übernommen werden“. … Wir alle sind sofort „im Bilde“, wenn wir eine Gondel und eine Karnevalsmaske oder das Kolosseum und eine rote Vespa sehen. …“ | Marita Liebermann – Ikonen und Klischees (Veröffentlicht von De Gruyter 14. November 2023) | https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/qufiab-2023-0005/html -.- „Josephine Baker – Klischee und Ikone“ (Sa 20.01.2024): “ … Jean-Ulrick Désert, Künstler: „Es ist Josephine Baker – und gleichzeitig es ist nicht Josefine Baker. Man könnte sagen, es ist eine Göttin – eben eine schwarze Madonna“ – Josefine Baker kämpft im französischen Widerstand. Dafür wird sie von Charles de Gaulle geehrt. Als Zeichen des Friedens adoptiert sie 12 Kinder. Sie wird zu einer Ikone der Menschlichkeit – darauf bezieht sich Jean Ulrick Désert. …“ | https://www.rbb-online.de/rbbkultur-magazin/archiv/20240120_1830/baker-josephine-ausstellung-berlin-kuenstlerin-taenzerin-ikone-neue-nationalgalerie.html
-.- “ … In den Cypress Studios, so heißt die Filmsociété, floppt der aktuelle, mit einer rothaarigen schwarzen Schauspielerin besetzte Meerjungfrauenfilm. Die Hauptdarstellerin Sal O’Myé vulgo Salome (Safira Robens) soll die Twitter-Massen mit einer Gegenkampagne beschwichtigen: schnell für Instagram posen mit einem rothaarigen, aber weißen Typen. Dieser heißt, frei nach Nestroy, Titus Fox (Moses Leo) und ist gar nicht weiß, sondern „whitefaced“ und der Neffe des Produzenten CC (anspielend auf das Theaterimperium des Nestroy-Zeitgenossen Carl Carl), gespielt von Ernest Allan Hausmann. … Titus wiederum will einen Film über Rassismus drehen, aber nur mit Weißen (deshalb Whitefacing), was der exaltierten Managerin Ignatia von Cypressenburg (Zeynep Buyraç) nicht gewinnbringend erscheint. Im Hintergrund agiert das Cypressenburger Filmorchester in Gestalt einer Pianistin (Ming), die sich immer wieder aus dem Kostümfundus für „Asian Characters“ bedient. Die Inszenierung stellt diverse rassistische Muster aus und übersteigert sie ins Absurde. …“ | Aus: „Uraufführung: Kulturelle Aneignung in Nestroys Filmstudios“ In „Cypressenburg“ im Burgtheater-Kasino macht Isabelle Redfern aus der Posse „Talisman“ eine didaktische Diskriminierungsgroteske | Margarete Affenzeller (14. April 2024) | https://www.derstandard.at/story/3000000215787/kulturelle-aneignung-in-nestroys-filmstudios -.- “ … 1979 trug Bo Derek im Film 10 Zöpfe (Cornrows) mit eingeflochtenen Muscheln. Die Frisur wurde als modern wahrgenommen und dadurch populär. Noch Jahre später bezeichnete Kim Kardashian ihre geflochtenen Haare als Bo-Derek-Braids, da sie durch die blonde weiße Schauspielerin berühmt gemacht worden seien. Tatsächlich wurden sie so schon seit Jahrhunderten vom Volk der Fulbe in der Sahelzone Afrikas getragen. … [Elemente der ägyptischen Kultur wurden von der hellenistischen Kultur angeeignet. Griechen ahmten im Athen der Perikleszeit den persischen Lebensstil nach.] … Die Literaturwissenschaftlerin Anja Hertz erkennt in der kulturellen Aneignung die Gefahr, Kultur zu sehr als etwas Einheitliches und klar Begrenztes zu sehen. Kultur sollte aber eher als etwas Dynamisches wahrgenommen werden. Die Vorstellung, Kultur als klar trennbar oder statisch zu sehen, würde der Argumentation rechter Bewegungen gleichen. Dort dürften verschiedene Kulturen koexistieren, sich aber nicht durchmischen. … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturelle_Aneignung -.- „… Und wer will bestreiten, dass Menschen Kulturwesen seien, die in ihre Kultur ,verstrickt‘ sind, welche sie prägt und sie in vielfältiger Weise „unterschiedlich“ macht? Daran ist nichts auszusetzen, die Frage ist nur: Welche Geschichte, und welche Kultur? Historisches Denken und historische Forschung sind in dem Masse Produkte der Aufklärung, wie sie versuchen, Legenden von angeblichen „Ursprüngen“ und behauptete „Traditionen“ durch historisches Wissen zu ersetzen. Auf dieses kann man sich zweifellos beziehen – aber es bietet nicht mehr die tröstliche Gewissheit von Ursprungsmythen. Dasselbe gilt für die Kultur: Dass diese immer „ethnisch“ sei, kann mit guten Gründen bestritten werden. Denn Kultur entsteht, wie Generationen von Geisteswissenschaftlern gezeigt haben, durch Kontakt, Austausch und Überlagerung mit anderen „Kulturen“ (die ihrerseits nichts Stabiles sind) und verändert sich dabei ständig. …“ | Aus: „Der alte Hass auf die Aufklärung. Die Neue Rechte von Arnold Gehlen bis Botho Strauß“ Philipp Sarasin (2019) | Quelle: https://geschichtedergegenwart.ch/der-alte-hass-auf-die-aufklaerung-die-neue-rechte-von-arnold-gehlen-bis-botho-strauss/ -.- “ … „Narzissmus der kleinen Differenzen“ nannte Sigmund Freud in seiner Abhandlung Das Unbehagen in der Kultur (1930) „eine bequeme und relativ harmlose Befriedigung der Aggressionsneigung“. In allen menschlichen Gemeinschaften sei feindliche Missgunst unter ansonsten gleichgestellten Menschen nicht aufzuheben. Es erleichtere aber den gemeinschaftlichen Zusammenhalt, wenn die Aggression, statt nach innen, auf benachbarte, nahestehende Gemeinschaften gerichtet werde. In harmloser Form äußert sich der Narzissmus der kleinen Differenzen in Rivalitäten zwischen benachbarten Völkern (Portugiesen gegen Spanier), Regionen (Bayern gegen Preußen) oder Städten (Köln gegen Düsseldorf). …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Narzissmus_der_kleinen_Differenzen -.- Wolfgang Schmidbauer (25. März 2024): “ … In der Studentenrevolte um 1968 haben die kommunistischen Gruppen – Maoisten, Leninisten, Stalinisten, Trotzkisten – einander weit mehr gehasst, als sie die Unpolitischen oder die Reaktionären gehasst haben. Das hängt mit Erwartungshaltungen zusammen. Menschen, die uns ähnlich sind, enttäuschen Erwartungen viel radikaler als Personen, die uns fernstehen und von denen wir „nichts Besonderes erwarten“. … „Es ist immer möglich, eine größere Menge von Menschen in Liebe aneinander zu binden, wenn nur andere für die Äußerung der Aggression übrigbleiben“, schreibt Sigmund Freud in seinem Essay „Das Unbehagen in der Kultur“. …“ | https://www.zeit.de/zeit-wissen/2024/02/narzissmus-unterschiede-sigmund-freud-aehnlichkeit-rivalitaet
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