Autor: lemonhorse

[Lino Ventura #4… ]

Un témoin dans la ville est un film policier de production franco-italienne,
réalisé par Édouard Molinaro sorti en 1959.
// https://fr.wikipedia.org/wiki/Un_t%C3%A9moin_dans_la_ville



“ … Ventura, … playing a sad, strange man motivated by fear. As the movie becomes a chase, the streets of Paris become a trap to be escaped, new danger lurking around every corner. …“ | https://cinezinekane.com/2014/11/13/witness-to-the-city-at-roxie-noir-fest-the-french-had-a-name-for-it/

Ostfriese (2. Juni 2021): “ … Eigentlich hat man von der ersten bis letzten Minute mitgefiebert, war angespannt, wie es eben selten ein Thriller schafft. Grandios fand ich aber die nächtlichen Szenen im Zusammenspiel mit Licht und Schatten. ..“

Rudi Würtz (21. Juni 2021): “ … Beleuchtungsfeuerwerk in Schwarzweiß … Ich sehe in dem Film eine äußerst gelungene Mischung aus Nouvelle Vague, etwas Hitchcock und Erinnerungen an „Der dritte Mann“. … Dabei … bietet [der Film] so ganz nebenbei einen interessanten Einblick in die Taxi-Szenerie im Paris der späten 50iger Jahre. Die von anderen Rezensenten schon gelobten, gelungenen Licht- u. Schatteneffekte verdanken sich natürlich (auch) der Tatsache, dass der Großteil der Handlung nachts abläuft – allein jedoch die Szene, in der Verfolger wie Verfolgter im Taxi sitzen, ist ein kleines Beleuchtungs-Meisterwerk für sich. Man fragt sich natürlich, warum dieser außergewöhnliche Kriminalfilm so relativ unbekannt geblieben ist …“



// Barney Wilen ‎– Un Témoin Dans La Ville (Hard Bop, Soundtrack, 1959)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Barney_Wilen
// https://www.discogs.com/Barney-Wilen-Un-T%C3%A9moin-Dans-La-Ville/master/510245

// Témoin Dans La Ville (Soundtrack, 1959)
// https://youtu.be/UD6SBcyAD7g

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #69 ]

Defa-Science-Fiction „Der schweigende Stern“ nach Stanislaw Lem von 1960
// https://de.wikipedia.org/wiki/Der_schweigende_Stern

Fritz Göttler (26. Mai 2021): “ … Es war natürlich eine gekürzte Version von Maetzigs Film, die in den USA lief, das humanistische Pathos und all die Anmerkungen zu Hiroshima sind getilgt. Die Defa akzeptierte, die DDR brauchte sehr dringend Devisen. Und die Effekte des Films sind stark, die Spannung ist intensiv, auch wenn es bei diesem Trip auf den Planeten Venus keinen einzigen galaktischen Kampf gibt. … “ | https://www.sueddeutsche.de/medien/defa-filme-ddr-ard-mediathek-1.5304044

“ … Nekrobien heißt das von Cezary Strzybisz veröffentlichte pornografische Bilderbuch, in dem sexuelle Stellungen und Praktiken mit Röntgenstrahlung aufgenommen und abgelichtet sind. …“ | Wielkość urojona, 1973 (dt. Imaginäre Größe, 1976) – Vorworte zu nichtexistierenden Büchern

Jutta Braun „Die Realität der Fiktion“ (12.09.2021): “ […] Zeit seines Lebens hat sich [Stanislaw] Lem mit Physik ebenso beschäftigt wie mit Metaphysik, mit der biologischen ebenso wie mit der technischen Evolution. Trost in einer religiösen Deutung konnte er angesichts der menschlichen Verheerungen nicht finden. Doch schätzte er die seelisch heilsame Wirkung von Religionen, für deren „schlaueste Erfindung“ er es hielt, dass sie „die reale Welt um einen transzendenten Anbau ergänzen, in dem alles repariert wird“. … Blanke Verachtung hegte Lem indessen für Aberglauben, Scharlatanerie und Verschwörungstheorien. In beißenden Glossen veralberte er die Pseudowissenschaft eines Charles Berlitz oder Erich von Däniken, die millionenfache Auflagen erzielten. Und er war zornig über die „pseudoaufgeklärten Massen“, die „sich heute des Glaubens an den Herrgott schämen, doch sie schämen sich nicht, falsche Surrogate zu suchen und zu gebrauchen. Sie nehmen viel eher die Existenz fliegender Untertassen als Engel und eher das ,Bermuda Dreieck’ als die Hölle zur Kenntnis.“
Lem bedauerte, dass solcher „metaphysischer Trödel“ offenbar sehr gesucht sei, als „ein Gegengift“ zum „wichtigtuerischen apodiktischen Ton der Wissenschaft“. Wichtigtuerisch waren Lems Darlegungen nie, auch nicht in seinem naturwissenschaftlichen Hauptwerk, der „Summa technologiae“, in der er die Erkenntnismöglichkeiten summierte und in die Zukunft extrapolierte. Wie viele seiner Generation wurde Lem von den Hoffnungen in die Kybernetik als gesellschaftliches Steuerungsmodell enttäuscht. Doch nahm er es mit Humor und parodierte im Gegenzug die Technikgläubigkeit. …“ | Aus: „Die Realität der Fiktion“ Jutta Braun (12.09.2021) | Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/zum-100-geburtstag-von-stanislaw-lem-die-realitaet-der-fiktion/27597866.html

// Stanisław Herman Lem (* 12. September 1921 in Lwów, Polen; † 27. März 2006 in Krakau)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Stanis%C5%82aw_Lem

[Ennio Morricone #8… ]

Jean-Paul Belmondo ‚Bébel‚ (* 9. April 1933 in Neuilly-sur-Seine; † 6. September 2021 in Paris)


El Señor Hood (06.09.2021 zu: https://www.derstandard.at/story/2000129444136/schauspieler-jean-paul-belmondo-verstorben): “ … Ruhe in Frieden, Profi! (im Hintergrund zu diesem Posting: Ennio Morricones Titelmusik „chi mai“) –> https://youtu.be/GUyjYC_Pv90 …“

// „Chi Mai“ (Italian: whoever) is a composition by Ennio Morricone written in 1971. It was used in the films Maddalena directed by Jerzy Kawalerowicz (1971) and Le Professionnel directed by Georges Lautner (1981)
// https://en.wikipedia.org/wiki/Chi_Mai



Sophie Marceau (8. September 2021): “ … Jean-Paul Belmondo oben auf dem Kinoplakat – das war mittwochnachmittags die große Sache. Eine Riesenmenge strömte in die Kinos. Ich erinnere mich an sechzigtausend, achtzigtausend Zuschauer in Paris am ersten Tag. Aber man kam auch, um de Broca, Godard, Truffaut, Chabrol, Lautner, Verneuil, Oury, Deray, Melville, Lelouch, Resnais, Malle zu sehen. … Jean-Paul, wir alle haben dich geliebt, Frauen wie Männer, Alte wie Junge, Intellektuelle, Spaßvögel, Yuppies – du hast es letztlich allen recht gemacht, du hast uns zusammengebracht. …“ | https://www.zeit.de/2021/37/jean-paul-belmondo-film-schauspieler-bebel-tod

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #68 ]

“ … Auf einer unwirtlichen Insel im Atlantischen Ozean sind die Einwohner auf Hilfe von außen angewiesen. Regelmäßig kommt ein Schiff zur Insel, um die Bewohner mit Lebensmitteln und Waren des täglichen Bedarfs zu versorgen. Als der Winter naht und die Stürme kommen, bleibt das Schiff plötzlich aus. …“
Leuchtfeuer (R: Wolfgang Staudte, 1954) | https://de.wikipedia.org/wiki/Leuchtfeuer_(1954)

Kirsten Liese (2016): “ … Der Film erzählt von Bewohnern einer kargen Fischerinsel, die in große Hungersnot geraten und darüber ihre Moral verlieren. Auf Strandgut von zerschellten Schiffen hoffend, setzen sie den Leuchtturmwärter unter Druck, die Lichter zu löschen – mit fatalen Folgen. …“ |Aus: „Ein neuer Blick auf das deutsche Nachkriegskino“ | https://www.goethe.de/ins/us/de/kul/mov/20819635.html

“ … Die von Lakoff und Johnson entwickelte kognitive Metapherntheorie geht davon aus, dass menschliches Denken zu großen Teilen metaphorisch strukturiert ist. Anders als frühere Metapherntheorien behandelt sie Metaphorik nicht als rein sprachliches, auf der Ebene des Textes oder einzelnen Wortes angesiedeltes Phänomen, sondern als Phänomen des Denkens. Dennoch ist zu fragen, in welchem Verhältnis metaphorische Prozesse im Film zur ‘Bildlichkeit’ sprachlicher Metaphern stehen. … Wesentliches Kennzeichen der filmischen Metapher ist [Eric Rohmer] zufolge – in gewisser Nähe zu dessen Überlegungen zu den Korrespondenzen zwischen Kunst und mythischem Denken … Gilles Deleuze definiert die Metapher als „fusion affective“ auf der Grundlage gemeinsamer „Schwingungen“ (harmoniques, wörtl. ‘Obertöne’) zweier Bilder ….“ | Aus: „Schuss und Gegenschuss ist Krieg – Teil I: Überlegungen zu metaphorischen Prozessen im Film Ansgar Thiele, Bonn“ (2006) | https://www.metaphorik.de/sites/www.metaphorik.de/files/journal-pdf/10_2006_thiele.pdf

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #67 ]

): “ … Die Wahrheit liegt in dem, was wir verschweigen. … “
Quelle: https://muetzenfalterin.wordpress.com/2021/08/26/43-3/

Tanja Angela Kunz („Die Windmühle des inneren Käfigs„): “ … Als der deutsche Pathologe Dr. Rudolf Virchow Ende des 19. Jahrhunderts betonte, er habe bei all seinen Sektionen nie eine Seele gefunden, war die stofflose Ichvorstellung längst durch Hume, Locke, Kant und Schopenhauer sukzessive in Zweifel gezogen worden. Die Skepsis gegenüber dem Vorhandensein eines Seelenstoffs hat sich seitdem in Medizin und Philosophie immer weiter fortproduziert. Das die abendländische Geistesgeschichte seit Platon und Aristoteles begleitende Leib-Seele-Problem wird somit auf maximal pragmatische Weise zugunsten des Leibes zu lösen versucht. … Peter Strassers Sachbuch [Diktatur des Gehirns. Für eine Philosophie des Geistes. Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2014] [scheit] das Zeugnis eines inneren Kampfes zu sein, eines Kampfes zwischen der Akzeptanz einer säkularisierten und entmystifizierten Welt und einer Sehnsucht nach Bedeutung verleihender und sinnstiftender Transzendenz. Dieser Kampf, der sich im Schwanken zwischen der Absage an einen göttlichen Geist und der Mutmaßung des möglichen Vorhandenseins eines Gottes zeigt, steht sicherlich vielen heutigen Lesern näher als jeder Naturalismus. Wer möchte einerseits als ungebildet gelten, weil der noch im Urknall ein göttliches Walten vermutet? Und wer ist andererseits bereit, sich selbst als seelenlose physikalische Gegebenheit zu akzeptieren? Dass letztlich kaum etwas so ist, wie es scheint, dass die Illusion unser engster Begleiter und die Unverfügbarkeit unser innerstes Gesetz ist, mag kaum jemand zu bestreiten wagen. Doch die Übermacht der Hirnphysik, so viel sie auch an Wissen bereit zu halten scheint, erweitert sich letztlich in einen Abgrund der Ohnmacht. Dies zumindest dann, wenn man zu glauben beginnt, dass die Aufschlüsselung des zerebralen Systems das Geheimnis des Lebens entzaubern könnte. Doch „draußen“ setzt sich der Solipsismus beharrlich fort. Peter Strasser setzt dagegen den aus naturwissenschaftlicher Perspektive heroisch-tragischen Versuch, das Unmaterialisierte, Unnachweisliche als ein „Mysterium der geisterfüllten Anschauungsrealität“ zu beschreiben. Eine zum Scheitern verurteilte Unternehmung, bei der dem Verfasser letztlich eine ganze Armee von Literaten aller Zeiten den Rücken stärkt; denn sie stellen sich seit je dem Versuch, das Unsagbare sagbar zu machen. Vielleicht liegt der einzige Unterschied darin, dass man es von jenen erwartet oder duldet. Dieser hingegen fällt leicht dem Vorwurf der Unwissenschaftlichkeit anheim, wobei anzumerken bleibt, dass ein solcher Vorwurf höchstens als einer der ‚Trans-Naturwissenschaftlichkeit‘ Gültigkeit beanspruchen kann. Und spricht nicht gerade die Tatsache, dass die Neurowissenschaften bislang kein ‚Ich-Areal‘ im Gehirn lokalisieren konnten und damit auch nichts, was in seine physikalisch-chemischen Elemente zerlegbar wäre, für einen weiter bestehenden Transzendierungsbedarf durch Kunst und Philosophie? Es ist ein Verdienst des Verfassers, in seinem Buch die schwerwiegende, nicht zuletzt auch aus ethischer Perspektive gefährliche Reduktion herausgearbeitet zu haben, die in einer zirkelhaften Anthropologie der Hirnforschung begründet liegt. Und gerade deshalb ist Peter Strassers Stimme aus philosophischer Perspektive bedeutsam im Kampf gegen die Windmühle des inneren Käfigs. …“ | https://literaturkritik.de/id/20124

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #66 ]

// Abbildung aus Geist und Bewusstsein (1619) : Robert Fludd (1574-1637)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Fludd

„[D]as klarste Zeichen der Faktizität eines Faktums ist eben dies hartnäckige Da[-Sein], das letztlich unerklärbar und unabweisbar alle menschliche Wirklichkeit kennzeichnet. Die Propagandafiktionen zeichnen sich dagegen stets dadurch aus, daß in ihnen alle partikularen Daten einleuchtend geordnet sind, daß jedes Faktum voll erklärt ist, und dies gibt ihnen ihre zeitweise Überlegenheit; dafür fehlt ihnen die unabänderbare Stabilität alles dessen, was ist, weil es nun einmal so und nicht anders ist. Konsequentes Lügen ist im wahrsten Sinne des Wortes bodenlos und stürzt Menschen ins Bodenlose, ohne je imstande zu sein, einen anderen Boden, auf dem Menschen stehen könnten, zu errichten.“ – H. Arendt | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Wahrheit_und_Politik (19. Januar 2020)


Vollmer, Jörg Friedrich (2003): “ … Angesichts der zahlreichen Konflikte der Gegenwart und der Verschiebung der Schwerpunkte und Kampfzonen, die mit der neuen Art der Kriegführung, dem Terror, einhergehen, bleibt es auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe der Geistes- und Sozialwissenschaften, zu analysieren, in welchen Formen der Kampf auf den Schlachtfeldern in die Imagination eindringt. …“ | Aus: „Imaginäre Schlachtfelder – Kriegsliteratur in der Weimarer Republik – eine literatursoziologische Untersuchung“ (Dissertation) | https://refubium.fu-berlin.de/handle/fub188/9872



Hamayun Eisa im Gespräch mit Mahsa Ghafari über die Situation seiner Familie in Afghanistan „Afghanistan: Ein Land unter Dauerbesatzung“, den Status von Frauenrechten und Justiz und die Geschichte des Landes zwischen Besatzung und Widerstand. … Hamayun Eisa (3 September 2021):“ … Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Landes kamen nicht bei der Bevölkerung an, stattdessen entstand ein hochgradig korruptes und ungerechtes System. Es gab keine zentrale Regierung, sondern regional unterschiedliche und schwer überschaubare Machtverhältnisse. Viele Gebiete wurden weiterhin von Machthabern beherrscht, die unabhängig von der Regierung in Kabul agierten. Hilfsgelder für den Bau von Schulen und Kliniken landeten in den privaten Taschen. Die Frustration der Bevölkerung wuchs. … Diese angebliche Befreiung war nur Schein. …“ | https://mosaik-blog.at/afghanistan-taliban-besatzung/



Matthias Gebauer und Christoph Schult „Geheimer Kabelbericht warnte früh vor Kollaps in Kabul“ (06.09.2021): “ … Mehrere Regierungsbeamte bestätigten dem SPIEGEL, dass die deutsche Botschafterin in Washington bereits fast anderthalb Wochen vor dem Fall Kabuls in einem geheimen Kabelbericht vor einem drohenden Kollaps der Kabuler Regierung gewarnt hatte. … Das geheim eingestufte Kabel aus der Botschaft vom 6. August ist für die Bundesregierung ein echtes Problem. Bisher hatte man in Berlin stets behauptet, wie alle anderen Nato-Nationen vom Tempo des Vormarsches der Taliban und der urplötzlichen Implosion der Regierung von Ashraf Ghani sowie der lokalen Sicherheitskräfte vollkommen überrascht worden zu sein. …“ | https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afghanistan-geheimer-kabelbericht-warnte-frueh-vor-kollaps-in-kabul-a-77ffb461-ace7-43e3-9b51-cc5758aae5d5



Michael Pekler (Ausgabe 36/2021): “ … Nehmen wir zum Beispiel eine mit UN-Mandat ausgestattete Gruppe von Waffeninspektoren, die 1997 im Irak nach Massenvernichtungswaffen sucht. In orangefarbenen Overalls durchstöbern sie keuchend mit beschlagenen Schutzbrillen eine Lagerhalle mitten in der Wüste. … Curveball ist eine auf Tatsachen beruhende, aber ins Groteske verzerrte Politsatire über den Bundesnachrichtendienst und dessen Rolle bei der Suche nach Saddam Husseins Massenvernichtungswaffen, die nie gefunden wurden, weil es sie nie gab, deren angebliche Existenz aber den Dritten Golfkrieg legitimierte. …“ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/koalition-der-luegen



“ … Wenn es nur noch „Narrative“ und „Konstrukte“ geben soll und so etwas wie allgemein geltende Kriterien und eine Realität außerhalb des Meinens bestritten werden, dann kann es nur noch darum gehen, die jeweils eigene Konstruktion mit Macht durchzusetzen. … Wenn Erkenntnisse und Wissen allein als soziale Konstrukte gelten, für deren Beurteilung die Frage nach wahr/falsch uninteressant ist, dann könnten diejenigen, die bestimmten Theorien opponieren, nur versuchen, ihnen so etwas wie die Macht für die eigene Deutung entgegen zu stellen. Eine argumentative Auseinandersetzung gebe es dann nicht, sondern allein das powerplay und die „Öffentlichkeitsarbeit“ der verschiedenen pressure groups. … Wenn alles „Konstrukt“ wäre, wie ließen sich dann Trumps Lügen und die von ihm und seinem Team bemühten „alternativen Fakten“ kritisieren? Trump „wiederholt seine Unwahrheiten so lange, bis sie zu einem Eigenleben gediehen sind. Maßstab für die Aussagen ist das kollektive und deshalb auch individuelle Wohlgefühl. Man hört das, was man hören will. Und was man glauben will“ (Prisching 2019, 299). Das ist ein Beispiel für die Durchsetzung von sozialen Konstrukten. Trump ist jemand, der den postmodern verkündeten „Death of Truth“ (Kakutanis 2018) praktisch wahr macht. Wenn aber alles soziales Konstrukt sein soll und über die Wirklichkeit nichts ausgesagt werden kann, wie lassen sich dann Trumps soziale Konstrukte von Aussagen, die keine Lügen sind, unterscheiden? Vom Standpunkt eines „allgemeinen Relativismus“ gilt: „nichts ist wahr, nichts ist objektiv, nichts ist wirklich, alles ist konstruiert. Das ermöglicht es Trump, sich desselben Prinzips zu bedienen […]. Lee McIntyre spricht von der Post-Truth-Epoche“ (Prisching 2019, 300f.). … Das Individuum avanciert zum Subjekt, indem es seine Souveränität durch die Einbildung gewinnt, sich als Freigeist an seinen unendlichen Möglichkeiten zu erfreuen – auch und gerade dann, wenn sie vornehmlich darin bestehen, die gesellschaftliche Wirklichkeit durch deren ganz eigensinnige Uminterpretation anzuerkennen. …“ | Aus: „Zur Kritik des „Radikalen Konstruktivismus“ Meinhard Creydt (2020) | Quelle: https://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Creydt_Radikaler_Konstruktivismus.pdf



Judith Zinsmaier „Hannah Arendt und das „postfaktische Zeitalter““ (Tübingen, 16.08.2021): “ … So schafft Trump mit seinen sich teilweise sogar selbst widersprechenden Lügen nicht eine gänzlich neue Wirklichkeit. Was seine Lügen und Verwirrungstaktiken allerdings bewirken und was sie so gefährlich macht, ist die Zerstörung des Sinns für richtig und falsch überhaupt. Weil sie die Grundbedingung der Fähigkeit zum politischen Handeln und Urteilen ist, ist es letztlich diese selbst, die so vernichtet wird. Die Warnung vor einem naiven Realismus allein reicht also ebenso wenig aus wie der bloße Ruf nach einer Rückkehr zu Fakten und Wahrheiten, um die Krise zu beschreiben, in welcher sich unsere demokratischen Öffentlichkeiten heute befinden. …“ | https://www.praefaktisch.de/postfaktisch/hannah-arendt-und-das-postfaktische-zeitalter/



Hans-Hermann Kotte – „War is coming home“ (05.12.2014 ): “ … „Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit“ – dieser Ausspruch wird verschiedenen Schriftstellern und Politikern zugeschrieben. Worauf er abzielt: In bewaffneten Konflikten wollen unterschiedliche Interessengruppen das Bild bestimmen, das sich die Öffentlichkeit vom Krieg macht. … Der Vietnamkrieg war durch das Aufkommen des Fernsehens der erste „Wohnzimmer-Krieg“. Seither ist die Zahl der Sender und auch deren Bilderhunger enorm gewachsen. Das nutzt das Militär aus: „Seit dem Golfkrieg 1990 werden zunehmend Aufnahmen von Zielkameras zur Verfügung gestellt, wo lasergesteuerte Raketen oder Bomben ins weit entfernte Ziel finden“, sagt Gerhard Paul. „Eine saubere Darstellung ohne Blut, abgetrennte Körperteile oder Leichen.“ Bilder, die im Zeitalter des Drohnenkriegs kaum mehr zu unterscheiden sind von denen aus einem Video- oder Computerspiel. …“ | https://www.fluter.de/war-is-coming-home

yoda 21.08.2021, 13:15 Uhr: “ … Merkel räumt Fehleinschätzungen ein – Merkel räumt ein, was nicht mehr zu übersehen ist. Dass die Fehleinschätzungen bereits vor 20 Jahren begonnen haben und seither durch Lügen der deutschen wie amerikanischen Öffentlichkeit als Erfolge verkauft worden sind, räumt Merkel leider nicht ein, obwohl sie das Potenzial dazu hätte. …“

APFire 26.08.2021, 14:00 Uhr: “ …ich empfinde diese Berichterstattung als verlogen. Warum kümmert sich die Presse denn plötzlich um die Frauen und Kinder und Einzelschicksale? – Allein die westliche Bomben haben […] tausende Frauen und Kinder ermordet. Der Mann, der diese Kriegsverbrechen veröffentlicht hat, sitzt heute noch im Gefängnis. Natürlich ist das eine humanitäre Katastrophe. Das ist leider jeder Krieg und sind leider auch viele Sanktionen (bspw. gegen Iran, Venezuela, Syrien oder Kuba). Ich würde mir eine kritische Presse wünschen, die sich viel stärker mit den fragwürdigen Gründen auseinandersetzen, warum v.a. WIR uns an solchen Kriegen und solchen humanitären Katastrophen beteiligen …“

Kommentare: zu: https://www.tagesspiegel.de/politik/afghanistan-krise-mindestens-85-tote-bei-anschlaegen-von-kabul/27519346.html

“ … Die Philosophie der Postmoderne hat uns gezeigt, dass die Wirklichkeit nicht einfach nur real, sondern sozial und sprachlich vorgeprägt ist. …“ | Boris Schumatsky, 25.04.2016 (Aus: „Die Krise der Wahrheit“)

R.N. Kallok (19.08.2021): “ … Diese „Analyse“ [https://www.derstandard.at/story/2000128983908/afghanistan-warum-joe-biden-recht-hat] geht völlig an der Realität vorbei Tatsächlich war Biden überzeugt, dass die Vasallen-Armee in Afghanistan die Taliban zumindest aufhalten, wenn nicht besiegen kann. Seine Erklärung vom 8.7. ist noch heute auf der Website des Weissen Hauses zu lesen: „Gemeinsam mit unseren Nato-Alliierten haben wir….hunderttausende afghanische Sicherheitskräfte trainiert. …Wir haben unseren afghanischen Partnern modernstes Militärmaterial geliefert,….was wir auch fortsetzen werden. ..Und wir werden die Kapazität ihrer Luftwaffe sicherstellen“. Fazit: Im Weissen Haus regiert ein Mensch, der offenbar wenig von der Welt weiss. Die Frage ist, wer hat ihm in wessen Interesse solche Trugbilder vermittelt. …“

H.A.Hellyer: (31.08.2021): „… Viele hatten offenbar geglaubt, dass sich die politischen Führungen der USA, Deutschlands oder Großbritanniens aufrichtig um die Menschen kümmern würden, die nach dem Abzug ihrer Truppen in Afghanistan zurückbleiben würden. Aber diese Annahme war fragwürdig. Präsident Emmanuel Macron hat das sehr klar gemacht: Als der Abzug der US-Truppen begann, sagte er, man müsse verhindern, dass Flüchtlinge aus Afghanistan nach Europa kämen. Das hätte er sicher nicht gesagt, wenn diese Menschen weiße Christen wären. Der ungarische Präsident Viktor Orbán war noch schlimmer. Es ist nicht so, dass alle westlichen Politiker Monster sind. Aber ungeachtet ihrer Rhetorik war das Schicksal der Menschen in Afghanistan nie ihr Hauptanliegen. … [ Andrea Backhaus, Beirut : … Auch trafen britische und amerikanische Drohnen im Irak und in Afghanistan immer wieder Unschuldige. Wurden diese Verbrechen genug aufgearbeitet? [https://www.amnesty.de/allgemein/pressemitteilung/vereinigte-staaten-von-amerika-voelkerrechtswidrige-us-drohnenangriffe] ] … Es ist schwierig, Gerichtsverfahren in Gang zu setzen, wenn hochrangige Staatsführer in kriminelle Handlungen verwickelt sind. George W. Bush hat sich für seine Taten nicht verantworten müssen, auch der damalige britische Premier Tony Blair nicht, der Bushs Kriege im Irak und Afghanistan unterstützt hat. … Viele Regime nutzen das Narrativ des War on Terror, um ihre Macht zu stärken und Kritiker zum Schweigen zu bringen, nicht nur in der arabischen Welt. Die chinesische Staatsführung etwa geht mit aller Härte gegen die Uiguren vor, weil sie angeblich Terroristen sind. Dieses drastische Vorgehen gegen Dissidenten gibt es nicht erst seit den Anschlägen vom 11. September. Aber seit die USA, die mächtigste Nation der Welt, diese Begriffe benutzt, fühlen sich Autokraten bestärkt. Nach dem Motto: Seht her, selbst der Westen spricht vom „Krieg gegen den Terror“ und wir können diese Erzählung nutzen, um alle Formen von Widerstand zu bekämpfen. …“ | https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-08/krieg-gegen-terror-politologe-hisham-hellyer-interview/komplettansicht

Stefan Krempl (28.07.2021): “ … Ein Bundesgericht für den Bezirk Alexandria in Virginia hat den US-Whistleblower Daniel Hale am Dienstag zu 45 Monaten Haft verurteilt. Der einstige Aufklärungsexperte der Air Force hatte sich zuvor schuldig bekannt, eine Reihe von Regierungsdokumenten weitergegeben zu haben. Diese belegten die Funktionsweise und die hohen zivilen Kosten des nicht sonderlich präzisen US-Drohnenprogramms. … Er habe sich verpflichtet gefühlt, „die Lüge zu zerstreuen, dass Drohnenkriege unsere Sicherheit gewährleisten und dass unser Leben mehr wert ist als das der anderen“, erklärte der 33-Jährige vor Gericht. … Es sei klar geworden, „dass die Tötung von Zivilisten weitaus stärker verbreitet war als bisher zugegeben“. Die Haftstrafe von fast vier Jahren sei „ein weiteres tragisches Beispiel dafür, wie die Regierung das Spionagegesetz missbraucht, um angebliche journalistische Quellen als Spione zu bestrafen“. Diese Praxis schade „den Menschenrechten, der Pressefreiheit und der Demokratie“. …“ | https://www.heise.de/news/US-Drohnenkrieg-Whistleblower-Daniel-Hale-muss-45-Monate-ins-Gefaengnis-6150055.html

Sparkypaul (23.08.2021): “ … [„Imbecilic, tragic, dangerous and unnecessary are the words used by Tony Blair to describe the US withdrawal from Afghanistan – and Britain’s as well.„] … The whole escapade in Afghanistan and Iraq is truly unbelievable. Lies about WMD, mass killings of civilians ( we have all seen the cockpit videos, how many have we not seen?), torture of prisoners (again recorded) , persecution of people who told the truth, (Assange etc al), blatant corruption and not least the killing of 100,000 to 400,000 (does it really matter what is the correct figure?) civilians, this „adventure“ will go down in history as a disgrace. I feel for the UK families of soldiers who were sacrificed , and I’m not afraid to say that it was truly for nothing. And finally the hypocracy. Shameful. …“ | https://www.theguardian.com/commentisfree/2021/aug/23/tony-blair-afghan-withdrawal-remorse-west-gains-2001-invasion

George Monbiot: „Who’s to blame for the Afghanistan chaos? Remember the war’s cheerleaders“ (Wed 25 Aug 2021 07.00 BST): “ … Cheerleading for the war in Afghanistan was almost universal, and dissent was treated as intolerable. After the Northern Alliance stormed into Kabul, torturing and castrating its prisoners, raping women and children, the Telegraph urged us to “just rejoice, rejoice”, while the Sun ran a two-page editorial entitled “Shame of the traitors: wrong, wrong, wrong … the fools who said Allies faced disaster”. In the Guardian, Christopher Hitchens, a convert to US hegemony and war, marked the solemnity of the occasion with the words: “Well, ha ha ha, and yah, boo. It was … obvious that defeat was impossible. The Taliban will soon be history.” The few journalists and public figures who dissented were added to the Telegraph’s daily list of “Osama bin Laden’s useful idiots”, accused of being “anti-American” and “pro-terrorism”, mocked, vilified and de-platformed almost everywhere. In the Independent, David Aaronovitch claimed that if you opposed the ongoing war, you were “indulging yourself in a cosmic whinge”. …“ | https://www.theguardian.com/commentisfree/2021/aug/25/blame-afghanistan-war-media-intervention
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SixtusRomp (25.08.2021): “ … Our sense of exceptionalism is nothing short of bizarre. Blair fought a brutal war on the ground and a toxic semantic war at home. Invasion was called liberation and every single evasive answer to clear questions he was faced with was preceded by ‚to be absolutely clear‘, when he was anything but. That semantic war engulfed so called moderates and liberals who bought the fantasy hook, line and sinker and who on the pages this very paper, amongst others, endorsed the remote incineration of Afghan civilians and the moral twisted standpoint of a government that was in cahoots with true extremists from north America. George Monbiot does very well to remind us that Johnson’s and Biden’s incompetence is not the root of the matter. Blair’s bizarre intervention last week adds further insult and animosity to an already festered wound. The protection of Afghans and Iraqis has never been on the agenda and at the centre of that moral fiasco is Tony Blair and a gullible and blood thirsty press supposedly representing Britain. It is healthy to read an eloquent dissenting voice and credit to the Guardian for that. But that is of no consequence or solace to those who will keep on suffering in Afghanistan and to those whose loved ones lost their lives under the pretence that were there to do good. We weren’t. The whitewash might have some effect at home, surely aided by the same voices that endorsed the killing in Afghanistan and Iraq. As for Global Britain, that is just is the brand name of our morally twisted decline. …“
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SpottedRichard (25.08.2021): “ … Living in the US during the beginning of both conflicts, and seeing how differently the press there and the UK responded, I have to agree wholeheartedly that the British press were extremely puzzling in their jingoistic nonsense. (Same in the Falklands War too.) I remember yelling down the phone to my mother that every night the Weapons Inspectors in Iraq were telling us that there were NO weapons of mass destruction in Iraq, while Tony Blair and the British press were telling citizens of the UK that there were. In retrospect, the Weapons Inspectors were, as you would expect, 100 percent correct. …“


sisyphos (19.08.2021): “ … „Wir haben an eine Illusion geglaubt, dass wir dort ein System aufbauen konnten, was unserem ähnelt“ Nun ja, erinnert mich irgendwie an Missionierung mit dem Schwert, Kolonialzeit und „the white man’s burden“ …“ | Zu: https://www.fr.de/kultur/tv-kino/maischberger-ard-talkshow-afghanistan-versagen-westen-taliban-machtuebernahme-tv-kritik-90929500.html // „The White Man’s Burden (engl. „Die Bürde des Weißen Mannes“) ist ein Gedicht von Rudyard Kipling. Er verfasste es unter dem Eindruck der US-amerikanischen Eroberung der Philippinen und anderer ehemaliger spanischer Kolonien. Das Gedicht gilt als eines der wesentlichen Zeugnisse des Imperialismus; sein Titel wurde sprichwörtlich. …“ –> https://de.wikipedia.org/wiki/The_White_Man%E2%80%99s_Burden

Paul Starzmann (21.08.2021): “ … die Kolonialzeit. Denn vieles, was bis heute die deutsche Außenpolitik prägt, stammt aus jenen Tagen, als sich das Kaiserreich als Weltmacht „einen Platz an der Sonne“ sichern wollte. Zwar kann man der Bundesregierung keine Großmachtfantasien unterstellen, wie sie einst Wilhelm II. verfolgte. Doch die Muster ihrer Außenpolitik sind die gleichen: eine Mischung aus Selbstbetrug, strategischen Fehlern und nackter Ignoranz. Ganz gleich, ob Afghanistan oder Mali – schaut man sich die Bundestagsdebatten der vergangenen Jahre zu diesen Auslandseinsätzen an, so vermittelte die große Koalition stets das gleiche Bild: Man komme militärisch voran, müsse nur hier und da noch eine Frühlingsoffensive der Islamisten in den Griff kriegen, sei aber auf dem richtigen Weg. Es erinnert an die Reiseberichte deutscher Kolonialisten aus dem 19. Jahrhundert, die stets schön gefärbte Nachrichten in die Heimat schickten – während sie in Wirklichkeit fieberkrank und völlig orientierungslos im Dschungel feststeckten. Geleitet waren die Kolonialisten von der Idee, ihre „Werte“ in die Welt hinauszutragen. Afrika etwa galt ihnen als „geschichtsloser Kontinent“, dessen Menschen angeblich nur darauf warteten, von Europa „zivilisiert“ zu werden. Dieser Blick herrscht bis heute in der deutschen Außenpolitik. … wer nur durch die koloniale Brille auf das Ausland blickt, für den wird der größte Teil der Welt stets ein Rätsel bleiben. …“ | https://www.tagesspiegel.de/politik/lehren-aus-dem-afghanistan-debakel-warum-wir-eine-postkoloniale-aussenpolitik-brauchen/27536680.html


rumbati #16 (08/2021):
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/rg
rumbati #16.1 (18.08.2021):
Entfernt. Rückmeldungen zu unserer Moderation nehmen wir gerne unter [email] entgegen. Danke, die Redaktion/rg
Der böse Mensch von Sezuan #21 (18.08.2021):
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/rg
Siegfried Kamberger #31 (18.08.2021):
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/rg
Bruder Tomas #32.1 (18.08.2021):
Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.
Veganes Hack #1.12 (18.08.2021):
“ … „Ich würde übrigens lieber ohne freie Presse leben als dass dauernd Mitglieder meiner Familie und meine Freunde von Drohnen weggebombt werden.“ Den Zusammenhang werden Sie nie aufloesen koennen. …“ (// Quelle: Kommentare zu: https://www.zeit.de/politik/ausland/2021-08/afghanistan-usa-scheitern-militaer-kabul-china-russland //)

marille (17. August 2021): “ … In den letzten Wochen haben die Taliban sämtliche Expertenmeinungen eindrucksvoll widerlegt …“
mortui vivimus Not Amused : “ … „Es braucht dringend eine Frauenquote bei den Taliban!“ …“
germane1 “ … Bei dem unsäglichen Leid, das den afghanischen Frauen durch die Taliban zugefügt wird, sind Scherze unangebracht. …“
bixente uhudla: “ … Oft ist Galgenhumor ehrlicher und hilfreicher als Betroffenheit…“
coys123: “ … Wem hilft unsere Diskussion im Forum. Keinem. …“ (// Kommentare zu: https://www.derstandard.at/story/2000128980497/frauenrechte-amnestie-wie-sind-die-versprechen-der-taliban-zu-bewerten //)

Georg Ismar (18.08.2021): “ … Im Krisenstab der Bundesregierung trägt eine hochrangige Vertreterin des Bundesnachrichtendienstes (BND) am Freitag, 13. August vor, dass die „Taliban-Führung derzeit kein Interesse an der militärischen Einnahme Kabuls“ habe. Das geht aus einem Protokollauszug hervor, der dem Tagesspiegel aus der Sitzung vorliegt. …“ | https://www.tagesspiegel.de/politik/fehleinschaetzung-des-geheimdienstes-taliban-in-kabul-fuer-den-bnd-noch-zwei-tage-zuvor-eher-unwahrscheinlich/27527432.html

Frank Lübberding (19.08.2021): “ … In diesen Tagen kollabieren Weltbilder … Der ZDF-Journalist Theo Koll brachte das gut zum Ausdruck, als er den Zusammenbruch des Staat genannten afghanischen Kartenhauses eine Zäsur nannte. Die westliche Welt habe „nicht überall die Attraktivität, von der wir alle dachten, das sei so“. … Diese Sendung war kennzeichnend für unseren politischen Umgang mit dem Thema. Es ging in Wirklichkeit nicht um Afghanistan, sondern um uns selbst. … Zwar hatte etwa Anna Schneider von der Zeitung Welt darauf hingewiesen, dass wir kaum ermessen könnten, was „das geopolitisch bedeutet.“ … Aber solche Hinweise, auch von Gregor Gysi (Linke) oder Norbert Röttgen (CDU), blieben folgenlos. Das wichtigste Thema bei uns ist das, was Koll so schön euphemistisch einen „Managementfehler“ nannte, also der Umgang mit unseren früheren afghanischen Mitarbeitern. …“ | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/tv-kritik-zu-maischberger-politischer-umgang-mit-afghanistan-17491532.html

Michael Lüders ( „Besatzer, nicht Befreier“ freitag.de, Ausgabe 33/2021):“ … Als hätte es jemals eine Militärintervention aus humanitären Erwägungen gegeben! Der Anschlag auf das World Trade Center und das Pentagon war für die damalige US-Regierung unter George W. Bush der Auftakt für ein lange geplantes Projekt, unliebsame Regime in Nah- und Mittelost zu beseitigen. Am liebsten hätte die Bush-Entourage als erstes den Irak angegriffen. Es war Außenminister Colin Powell, der aus Gründen der Dramaturgie empfahl, zunächst die Taliban zu stürzen, danach erst Saddam Hussein. So geschah es, obwohl 15 der 19 Attentäter vom 11. September aus Saudi-Arabien stammten. Den engen Verbündeten zu bombardieren erschien aber abwegig. Also nahm man die Taliban ins Visier, die Osama bin Laden Unterkunft gewährt hatten. Mit Freiheit, Demokratie und Menschenrechten, die stets zur Begründung für US-geführte Kriege in der islamischen Welt herangezogen werden, hatte das nichts zu tun. … Für die meisten Afghanen waren die NATO-Truppen ebenso Besatzer wie vor ihnen die Sowjets. Dies einzugestehen dürfte im politischen Berlin als blasphemisch gelten. Deutsche Außenpolitik jenseits der EU beschränkt sich in fast allen Parteien darauf, im Windschatten der USA zu fahren. Die fehlende strategische und geopolitische Eigeninitiative wird kompensiert durch den Verweis auf westliche Tugenden und Werte. … In Afghanistan diente Berlin den USA zwei Jahrzehnte lang als Hilfssheriff. Eigenständig zu denken und zu handeln überforderte die maßgeblichen deutschen Akteure. …“ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/besatzer-nicht-befreier

Gustlik | Community (19.08.2021): “ … Man sollte es in einen neuen Lehrplan in Deutschland aufnehmen. Wer, wann und wo, was und wen unterstützt hat, kann gut analysiert werden. Und der Westen mit seiner ganzen Scheinheiligkeit … dort, wo die Rambo-Filme immer noch im Programm laufen. Am Ende … lässt Moskau seine Botschaft offen, der Westen zieht ab, fluchtartig. Was halten denn die einfachen Menschen vor Ort von jenen, den sogenannten Ortskräften, die ausgeflogen werden? …“

Marcus Müller (18.08.2021): “ … Ja, die Politik hat versagt. Aber auch andere Instanzen, z.B. die Medien, die jetzt die Schuldfrage diskutieren als hätten sie seit Monaten vor solch einer Situation gewarnt. Tatsächlich kann ich mich an keinen Kommentar oder Artikel erinnern, der das Szenario so vorausgesagt hat. Insofern sind die Medien mit im Boot der Deppen und sollten vielleicht auch über ihr Versagen reflektieren. …“

Robert Nitschke >> Marcus Müller (18.08.2021): “ … Man sucht und findet den Fehler ja immer bei den anderen, niemals in der eigenen Gruppe/Blase. Soweit so normal. …“ (// Kommentare zu: https://www.fr.de/meinung/kommentare/afghanistan-evakuierung-ortskraefte-helfer-cdu-csu-spd-menschen-leben-kommentar-90928489.html //)

Marielle Frank | Community @ Chuwawa: “ … man projeziert selbstvergessen die eigene Lebenswirklichkeit auf andere. Und zwar ohne sich klar zu machen, was es bedurfte, damit die eigene Lebenswirklichkeit überhaupt zustande kam und tritt anschließend unwissend, aber mit großem Selbstvertrauen anderen gegenüber und versucht diese, nach seinem Bild zu formen. Und zwar ohne sich selbst und den anderen und dessen Lebenswirklichkeit, deren Zustandekommen und deren Funktionsweise verstanden zu haben, noch diese verstehen zu wollen. …“ | Zu: https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/wie-das-messer-durch-die-butter

Achtermann | Community @ Marielle Frank “ …

Es ist immer die gleiche Falle, man projeziert selbstvergessen die eigene Lebenswirklichkeit auf andere.

Das trifft selbstverständlich auch auf dich zu. Der Konstruktivismus schließt die Möglichkeit einer objektiven Wirklichkeit aus. Denn jede Sichtweise kann nur in Verbindung mit ihrer Beobachterin entstehen und ist deshalb subjektiv. Sollen wir deshalb aufhören zu diskutieren? …“ | Zu: https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/wie-das-messer-durch-die-butter

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Kontext #1

“ … Konstruktivismus ist eine Position der Erkenntnistheorie, entwickelt hauptsächlich in der Philosophie des 20. Jahrhunderts. Mehrere Strömungen werden aufgrund des gemeinsamen Namens manchmal irrtümlich für übereinstimmend gehalten. Die meisten Varianten des Konstruktivismus gehen davon aus, dass ein erkannter Gegenstand vom Betrachter selbst durch den Vorgang des Erkennens konstruiert wird. In der Fachsprache der Philosophie ausgedrückt, nehmen sie damit eine nominalistische Position zum Universalienproblem ein.
Während im Radikalen Konstruktivismus die menschliche Fähigkeit, objektive Realität zu erkennen, mit der Begründung bestritten wird, dass jeder Einzelne sich seine Wirklichkeit im eigenen Kopf „konstruiert“, glauben Anhänger des Erlanger Konstruktivismus an eine gemeinsame Konstruktionsweise, das heißt, dass es mit Hilfe einer besonderen Sprach- und Wissenschaftsmethodik möglich sei, „das naive Vorfinden der Welt“ zu überwinden und durch „methodische Erkenntnis- und Wissenschaftskonstruktion“ zu ersetzen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Konstruktivismus_(Philosophie) [7. Juli 2021]



Kontext #2

“ … Das Universalienproblem (auch Universalienstreit, Universalienfrage, Nominalismusstreit, selten auch Realienstreit) ist eines der zentralen Themen der Philosophie und betrifft die Frage, ob es ein Allgemeines wirklich gibt oder ob Allgemeinbegriffe menschliche Konstruktionen sind. Als Universalien werden Allgemeinbegriffe wie beispielsweise „Mensch“ und „Menschheit“ oder mathematische Entitäten wie „Zahl“, „Relation“ und „Klasse“ bezeichnet. Ein Allgemeinbegriff bezieht sich auf Merkmale, die mehrere Gegenstände gemeinsam haben, etwa deren rote Farbe, oder erfasst eine gemeinsame Gattung von Individuen, wie etwa „Lebewesen“. […] Theodor W. Adorno wollte das Universalienproblem nicht von der Rechtsphilosophie trennen und setzte es aus der Perspektive einer „gescheiterten Aufklärung“ in der Zeit des Nationalsozialismus in einen sozialgeschichtlichen Zusammenhang: Der Nominalismus sei der „Prototyp bürgerlichen Denkens“, bei dem äußerliche Formen die Oberhand über Inhalte bekämen und das Unrecht geschehen könne, wenn es nur formaljuristisch korrekt sei. Die „selbsterhaltende List“ der Beamten sei es, die „zwischen Wort und Sache“ unterscheiden wolle. … Vilém Flusser sah das Universalienproblem kulturkritisch im Zusammenhang mit der Entwicklung der Informationstechnologie. Der Buchdruck habe den Universalienstreit zu Gunsten der Realisten entschieden, denn er habe bewusst gemacht, dass Schrift aus Typen bestehe und diese Typen greifbar gemacht. Das spekulative Denken sei in der Folge zu einem handfesten Manipulieren von Zeichen geworden, und die modernen Universalien hätten sich von der Ebene des Begrifflichen auf diejenige der praktisch geformten Typen verlagert, weil man an „Atompartikel“, „Gene“, „Völkertypen“ oder „Gesellschaftsklassen“ glaube. Positivisten und Phänomenologen seien dagegen die modernen Nominalisten. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Universalienproblem

Systemisch-konstruktivistisch betrachtet, sind Wahrnehmen und Erkennen aktive, selektierende und strukturierende, kreative Tätigkeiten: „Alle konkreten und begrifflichen Unterscheidungen, mit denen wir umgehen, sind von uns als Beobachter getroffen worden“ (Maturana 1982, 139). Es sind Tätigkeiten eines operational geschlossenen Gehirns. Spitzer (2000, 146) weist darauf hin, dass 99,9% aller Neuronen ihren Input von anderen Neuronen erhalten, Gehirntätigkeit also ganz überwiegend selbstbezüglich läuft.“ via https://www.db-thueringen.de/servlets/MCRFileNodeServlet/dbt_derivate_00014746/html/chapter4.html

[RWF #11… ]

Berlin Alexanderplatz ist eine 14-teilige deutsche Miniserie von Rainer Werner Fassbinder, die vom 12. Oktober bis zum 29. Dezember 1980 im WDR ausgestrahlt wurde.
// https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin_Alexanderplatz_(Fernsehverfilmung)
// https://en.wikipedia.org/wiki/Berlin_Alexanderplatz_(miniseries)

Jason Adams – NYC (Monday, May 02, 2011): “ … watching Rainer Werner Fassbinder’s 15 1/2 hour 1980 German television film Berlin Alexanderplatz. It’s been on my gotta-do list for years and I finally just decided fuck it,  I’ll lock myself in my apartment, camp out with some pizza and make it happen. … You’re deep in the belly of his madness here, flailing from melodrama to sad-clown comedy to flat-out sadism, sometimes (usually!) in a single scene. There’s narration over dialogue over written text over scenes shot through the ass-end of a fog machine. There are passages that feel so long and pointedly tedious that you think you can actually feel your fingernails growing. And it’s glorious. You’d think after sixteen hours I’d want a break from Rainer and his thing for a bit but I only want more, more, more. …“ | http://www.mynewplaidpants.com/2011/05/my-lost-weekend-with-rainer-werner.html

Jon – Kalamazoo, MI (Wednesday, April 3, 2013): “ … Fassbinder’s filmmaking. His stuff is often difficult to watch. His approach is often very raw, awkward, and nakedly emotional, leaving one feeling uncomfortable and troubled. At times the film is all of these things: glorious, breathtaking, inspirational, but also annoying, disturbing and exasperating. One cannot sit and watch this film passively. This is a film that will slap you in the face and shake you up repeatedly. …“ | http://filmsworthwatching.blogspot.com/2013/04/berlin-alexanderplatz-1980-directed-by.html

Wolfram Schütte (‚Franz, Mieze, Reinhold, Tod & Teufel – Rainer Werner Fassbinders „Berlin Alexanderplatz„‚ – Frankfurter Rundschau, 11.10.1980): “ … Franz & Reinhold: „die Geschichte zweier Männer, deren bißchen Leben auf dieser Erde daran kaputtgeht, daß sie nicht die Möglichkeit haben, den Mut aufzubringen, auch nur zu erkennen, geschweige denn sich zugeben zu können, daß sie sich auf eine sonderbare Weise mögen“ (Fassbinder). Unaufgeklärtes, unterdrücktes Gefühl uneingestandene Liebe, Verdrängung, Aggression, Gewalt, Tod. Zugleich wird Fassbinders pubertäre Ahnung von einem latenten homosexuellen Grundstrom in der merkwürdigen Beziehung von Franz zu Reinhold – gerade weil beide „keineswegs homosexuell sind“ – transzendiert in die Utopie einer „reinen, von nichts Gesellschaftlichem gefährdeten Liebe“: also keine Geldbeziehungen, keine sadistischen Abhängigkeiten, keine Ehekriege; statt dessen: “ Absolutheit des Gefühls“ (Kleist) … was dem Fassbinder an Döblins „Berlin Alexanderplatz“ besonders wichtig wurde, das war; „daß gerade den scheinbar unscheinbaren, unwichtigen, unbedeutenden Individuen, den sogenannt ‚Kleinen‘ die gleiche Größe zugebilligt wird, wie sie in der Kunst gemeinhin nur den sogenannt ‚Großen‘ zugebilligt wird“. Dem Transportarbeiter, Zuhälter, Totschläger und Dieb Franz Biberkopf werde ein „derartig differenziertes Unterbewußtsein zugestanden, gepaart mit einer kaum glaublichen Phantasie und Leidensfähigkeit, wie sie den meisten Figuren der Weltliteratur… so weitgehend nicht gegönnt wird.“ Das ist eine eigenwillige, subjektive, um nicht zu sagen: narzisstische Lektüre des komplexen Romans; eine Aneignung, welche die eigenen Sehnsüchte, Wünsche, Ängste, Utopien sowohl in ihn hineinprojeziert, als auch deren Spurenelemente darin entdeckt, hervorhebt, akzentuiert und einander interpretierend zuordnet. Um es gleich zu sagen: durchaus legitim. … Heute ist der außerordentliche Rang des Romans unumstritten, er ist eines der Hauptwerke Döblins, der bedeutendste Großstadt-Roman der deutschen Literatur, das umfassendste, reichste Kompendium moderner literarischer Montage – und Collage-Techniken, die alle nur denkbaren aktuellen, historischen, mythischen, religiösen Zeugnisse der Schrift und Sprache – von Werbetexten über den Dialekt und den Jargon bis zur Bibel, von der Moritat über den Schlager bis zur naturwissenschaftlichen Fachsprache – in sich aufnimmt, aufsaugt und „lyrisch, dramatisch, reflexiv“ (Döblin) die Epik Homers, Dantes, Cervantes erneuert. Ein Meer von einem Roman, darin der kleine Fisch Biberkopf schwimmt. …“ | https://www.filmportal.de/sites/default/files/05C3521DAC5E4EBCBF2858380A3DCB9C_berlin_alexanderplatz.pdf

Sebastian Höger [Datum: vor 2006] (‚Fassbinders gescheiterte Therapie. Zur Literaturverfilmung ‚Berlin Alexanderplatz‘ nach Döblins gleichnamigem Roman.‚): “ … Am 10. Juni 1982 beendete eine kombinierte Einnahme von Schlaftabletten und Kokain eine der ungewöhnlichsten, umstrittensten und spannendsten Therapien der Filmgeschichte: Rainer Werner Fassbinder wurde von seiner damaligen Lebensgefährtin Juliane Lorenz bei Nacht in seiner Münchner Wohnung tot aufgefunden. … Von der eigenen Therapie hatte Fassbinder klare Vorstellungen: Die Selbstanalyse sollte die Psychoanalyse ersetzen, der Film den Analytiker. Das zu erzielende Ergebnis formulierte er in einem Interview: „Wenn man sich seine Probleme bewusst macht, anstatt sie zu verdrängen, werden sie gleichzeitig analysierbar, und damit sind sie zu überwinden.“ … ‚Berlin Alexanderplatz‘ war Fassbinder 1980 mit der Diagnose immer noch nicht über eine Arbeitshypothese hinaus: Geisteskrank, Art der psychischen Krankheit noch unbekannt. Seine Mitarbeiter und Teile der Presse waren da schon weiter: Ausgeprägter Narzißmus, mangelndes Selbstwertgefühl, Grandiosität bis hin zu sadistischen Tendenzen verbunden mit einem Opferkomplex. Das Fernsehpublikum gesellte sich nach der Erstausstrahlung von Fassbinders ‚Berlin Alexanderplatz‘ auch zum Kreis der Analytiker, hatten Fassbinder doch die beiden Protagonisten Franz Biberkopf und Reinhold als Projektionsflächen für seine Neurosen gedient. Den Grund für deren und seine psychische Krankheit sah Fassbinder in Freuds Kern aller Neurosen, dem Ödipuskomplex, weshalb im Epilog (der letzten Folge der Serie) ein toter alter von einem Speer durchbohrter Mann vor einem sich liebenden Paar liegt: Der Sohn hat den Vater getötet um mit der Mutter den Inzest zu begehen. Mit dieser Anspielung musste sich Fassbinder begnügen, da der WDR die geplante explizite Darstellung verhinderte. Jedoch nicht, weil Fassbinder in Döblins Roman, diesem Epos der Moderne, im Widerspruch zum Autor und dem Roman, den ersten Versuch gesehen hatte „Freudsche Erkenntnisse in Kunst umzusetzten“, sondern auf Grund der Sendezeit: Die Verfilmung sollte als Montagabendserie im Familienprogramm laufen. …“ | https://www.jump-cut.de/filmkritik-berlinalexanderplatz.html

[Zum Wahn der Liebe #95 … ]

“ … „Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen“ [Claude Chabrol, 1975], ein Psychothriller, der [ ] die moralischen Abgründe der Bourgeoisie aufdeckt, ist ein Prototyp von einem Chabrol. Der Altmeister hat sein Lieblingsthema dementsprechend auch oft wiederholt, aber hier ist alles ganz … unverbraucht. …“ | https://www.karlstorkino.de/programm/les-innocents-aux-mains-sales/ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Unschuldigen_mit_den_schmutzigen_H%C3%A4nden

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“ … Lieben ist in [Sarah] Kanes Entwurf nicht mit der Aufrechterhaltung und Autonomie des Individuums zu vereinen. Von Seiten des Liebenden ist Liebe immer mit Verlust verbunden, von Seiten des Geliebten mit Bedrohung. Diese Formen der eigenen Verletzlichkeit entsprechen der Gewaltsamkeit der Liebeserfahrung in [Georges] Batailles Sinn, die trotz der damit verbundenen Gefahren auch erwünscht sind. … [Roland] Barthes stellt wiederholt heraus, daß gerade die Psychoanalyse eine eher negative Auffassung der Liebe entwirft und sie mit einem Zustand des Wahnsinns vergleicht … Grundsätzlich bestätigt er zwar die Gleichsetzung von Liebe und Wahnzustand, dessen Abwertung teilt er jedoch nicht. Zur angeblichen Dummheit des Liebeswahns sagt er: „Die Dummheit besteht darin, überrascht zu werden. Der Liebende wird es unaufhörlich […]. Vielleicht kennt er seine Dummheit, aber er verpönt sie nicht“ (FSL183). … Als reparative Phantasie, der sich das postmoderne Subjekt hingeben kann, bietet die Liebe letztlich eine Möglichkeit der Verankerung. Sie erscheint dabei als eine Ermächtigungsstrategie, die es dem Liebenden erlaubt, sich über die Unübersichtlichkeit seiner komplexen Umwelt hinwegzusetzen und sich über seine Positionierung in Bezug auf den Anderen seiner selbst zu versichern. … Einerseits wird viel in die Liebe investiert, die Erfahrung wird romantisiert und mit geradezu religiösem Potential aufgeladen. Andererseits ist eine eher nüchterne, von taktischen Überlegungen dominierte Annäherung an das Phänomen Liebe auszumachen, die die Erfahrung als solche in ihrer Wichtigkeit allerdings nicht herabsetzt …“

Aus: „Postmodern Love? – Auseinandersetzungen mit der Liebe in der britischen Literatur der 1990er Jahre“ Tina Schäfer (Dissertation, 5 Philosophische Fakultät, 2007) | https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/46292 | https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/bitstream/handle/10900/46292/pdf/Diss_Schaefer.pdf

// Georges Bataille (1897 – 1962)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Georges_Bataille


// Roland Barthes (1915 – 1980)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Roland_Barthes


// Sarah Kane (1971 – 1999)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Sarah_Kane

[Zeit im Bild #52 … ]

Riff-Raff (1991) | https://de.wikipedia.org/wiki/Riff-Raff_(1991)

Roger Ebert (March 19, 1993): “ … Ken Loach’s „Riff-Raff“ shows laborers who are alienated from the very idea of management and see themselves as proletarian outsiders. Partly that’s a function of the more rigid class system in Britain and the relative freedom of social movement in this country. … „Riff-Raff“ was written by Bill Jesse, a construction worker, who died as the film was being completed. It reflects his unromantic, irreverent view of the world. … „Riff-Raff“ centers on a construction job in London, where 19th century housing, recently renting for very little, is being renovated into town homes for the rich. The workers on the job are nomadic and homeless; many come from outside London and live in „squats,“ or empty flats, that they open with a crowbar. Their boss is a loud, aggressive site manager whose threats mostly involve his cheerful willingness to fire them. We meet several of the workers and get to know them. …“ | https://www.rogerebert.com/reviews/riff-raff-1993
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“ … Growing up, I spent the majority of my school holidays on building sites at work with my father. Rising at the break of dawn, we’d rustle up a carb-heavy lunch before climbing into his pick-up, dust pluming from the seats as we sank into them, filling the van with a grainy haze that would settle on our skin and stay there for the remainder of the day. All the men on my dad’s side of the family work in construction. I was never really cut out for it, but by the time I saw Ken Loach’s Riff-Raff I had spent many years surrounded by the world it depicted. I could see my dad, his colleagues and friends in the characters Loach and screenwriter Bill Jesse brought to the screen, their place of work, their humour and their spirit. … The film is a product of its time, dated in its aesthetic but many of its then contemporary reference points still ring true …“ | From „Riff-Raff (1991)“ Ryan Hewitt (27 October 2016) | https://www.curzonblog.com/all-posts/2016/10/27/the-films-that-made-us-riff-raff
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Bernie: Riff Raff – Rezension aus dem Vereinigten Königreich vom 4. Mai 2013: “ … I thoroughly enjoyed this film. It was a good down to earth film and captured the feel of what it was like in those times. …“
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“ … Und ich dachte, es wäre gut, etwas von den Folgen der frühen achtziger Jahre und des Thatcherismus zu zeigen, ohne einen politischen Vortrag zu halten, eher mit etwas Wärme und Humor. Der Film ist bewusst wie ein Mosaik oder eine Collage strukturiert – wenn es nicht zu prätentiös ist, das zu sagen -, wo man eine kleine Geschichte hat und eine kleine Geschichte am Rande, und das Ganze fügt sich zu einem Gesamtbild. (Ken Loach) …“ | https://www.viennale.at/de/film/riff-raff
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// Thatcherismus ist die Bezeichnung für die Gesellschafts- und Wirtschaftspolitik von
// Margaret Thatcher, der britischen Premierministerin von 1979 bis 1990. …
// https://de.wikipedia.org/wiki/Thatcherismus

[Der Blick in die Kamera #42… ]

Richard Arthur Wollheim (1923-2003) // https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Wollheim

“ … Gefühle sind eine Art von geistiger Disposition [(In der Psychologie die Anlage zu einer immer wieder auftretenden Eigenschaft, Verhaltensbereitschaft (Persönlichkeitseigenschaft))]. Ihre Entstehung hängt mit bestimmten Wünschen zusammen. Emotionen sind nichts weniger als seelische Veranlagungen oder grundlegende psychische Kräfte, die ähnlich wie Begierden oder Überzeugungen plötzlich bewusst werden.
Der Philosoph Richard Wollheim beschreibt in seinem Buch moralische Emotionen: Die Gefühle von Scham, Schuld, Gewissen und Bedauern. Diese unterscheiden sich seiner Ansicht nach von gewöhnlichen Emotionen. …“ Aus: Edith Bachkönig „Die Philosophie der Gefühle“ (01.01.2010) | https://sciencev1.orf.at/news/28842.html

“ … Emotionen kann man [Richard Arthur Wollheims] Ansicht nach nur verstehen und identifizieren, wenn man zweierlei kennt: die Rolle, die sie im menschlichen Geist spielen, und ihre Entstehungsgeschichte. Die Rollen der mentalen Phänomene sind in Wollheims wohlaufgeräumter Geistesstube schnell behandelt: Die Überzeugungen liefern dem Menschen eine Karte seiner Welt. Seine Wünsche sagen ihm, wohin die Reise gehen soll. …“ | Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.11.2001, Nr. 258 | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezension-sachbuch-wuensch-dir-was-dann-fuehlst-du-was-11281371.html

// „On the Emotions“ (2000)
// By RICHARD WOLLHEIM
// https://archive.nytimes.com/www.nytimes.com/books/first/w/wollheim-emotions.html

[La Lune #45 … ]

Detail aus: „Die Flucht nach Ägypten“ (1609)

via

“ … Adam Elsheimer war der erste Maler, der den Sternenhimmel fast naturgetreu dargestellt hat. Zwar sind die Sternbilder keineswegs mit der Genauigkeit eines Himmelsatlas wiedergegeben, doch malte Elsheimer als erster Künstler die Milchstraße als eine Ansammlung unzähliger einzelner Sterne (eine damals revolutionäre Vorstellung). Daneben stellte er den Mond in einem seiner Bilder „auf den Kopf“ (ein Indiz für ein Instrument) und verzeichnete Details, die mit bloßem Auge unsichtbar sind. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat er im Sommer 1609 den Himmel über Rom mit einem Fernrohr oder einem Hohlspiegel betrachtet. Seine Beobachtungen fanden ihren Niederschlag auf dem Bild Die Flucht nach Ägypten. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Elsheimer | https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Elsheimer#/media/Datei:Adam_Elsheimer_-Die_Flucht_nach%C3%84gypten_(Alte_Pinakothek).jpg // https://en.wikipedia.org/wiki/The_Flight_into_Egypt_(Elsheimer)

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