[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #65 ]

via (Niko Goebel)



Ute Brüning (13.08.2019): “ … Gleich zu Beginn heißt es „Alles geht“. Der Song macht Mut, das Leben bunter zu leben. Man sollte seine Träume leben. Ein gelungener Auftakt für ein Album voller Lebensgefühl. Der Albumtitel wurde dem Song „Einfach nur Lust“ entnommen. …“ | https://www.schlager.de/schlagerwelt/album-rezensionen/laura-wilde-hat-lust-am-leben/



Georg Seeßlen (Ausgabe 33/2016): “ … Man kann Pop als Kunst beschreiben, als soziales Schmiermittel, als Ersatzreligion, als industrielle Verblendung, als Ausdruck politischer Ökonomie, als Subversionsmedium, als Waffe im Klassenkampf, als Technik der Persönlichkeitsbildung, als Meer der Banalität mit wunderbaren Inseln der Bedeutung. Aber all das hat eine direkte Beziehung zum wirklichen Leben der Leute, die Radio hören, Youtube-Clips ansehen oder in die Konzerte gehen. Pop ist die Antwort auf das, was mit dem Subjekt unter den jeweiligen Bedingungen passiert. … Wir wissen, dass die Pop-Revolution ein Traum geblieben ist. … “ | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/sampeln-des-subjekts



“ … Der Kulturwissenschaftler Thomas Hecken konnte nur eine Stellungnahme finden, in der sich Adorno direkt zu Popmusik geäußert hat. Vor allem auf sie geht der Ruf Adornos als „Popfeind“ zurück. … Der Grund für die Kritik liege in der reinen Orientierung der Popmusik am Erfolg, an den Charts. In den immer gleichen Songs konnte Adorno nur „ästhetische Grausamkeiten“ erkennen, so Hecken. Die Optimierung auf den nächsten Hit sei heute durch Klickzahlen und Likes auf einer persönlichen Ebene angekommen, die Analyse der Kulturindustrie deshalb weiter aktuell. … In den 90er-Jahren verschwand Adorno jedoch zunehmend aus den Feuilletons. An den Universitäten setzten sich die „Cultural Studies“ durch. Ihre Theoretikerinnen und Theoretiker erkannten in Popmusik und Filmen nicht mehr nur einen „Massenbetrug“, sondern auch Analysegegenstände, die man sich widerständig und subversiv aneignen könne. Adorno hätte das bis heute abgelehnt, so Hecken. …“ | „Adorno über Popmusik: Die ästhetischen Grausamkeiten der Beatles – Thomas Hecken im Gespräch mit Max Oppel“ (06.08.2019) | https://www.deutschlandfunkkultur.de/adorno-ueber-popmusik-die-aesthetischen-grausamkeiten-der.2156.de.html?dram:article_id=455631



Frank Jöricke (18.07.2021): “ … Damals, in den 1960ern, 1970ern und 1980ern, galten Eltern als natürliche Feinde. Sie waren die Despoten eines Zwergstaats, der sich Zuhause nannte und junge Menschen an der Entfaltung ihrer Persönlichkeit hinderte. Ihnen zur Seite standen sadistische Lehrer und bigotte Geistliche. …

Doch auch wir, die Unterdrückten, hatten mächtige Verbündete: die Popstars. Sie zeigten, dass ein anderes Leben möglich war. Sie sangen von Freiheit, vom Ausbrechen aus jener engen Welt, die wir kannten. Dabei machte es keinen Unterschied, ob die frohe Botschaft von schweren Gitarren oder Synthesizern begleitet wurde. „Break on through to the other side“, bestärkten uns The Doors, bei Michael Jackson hieß das: „Don’t stop ’til you get enough.“

Dafür liebten wir unsere Stars. Sie zeigten uns Wege aus der spießbürgerlichen Welt: den Highway to Hell (AC/DC), den Trip zum Pleasuredome (Frankie Goes To Hollywood). Hautfarbe, sexuelle Orientierung und Religion waren dabei unwichtig. Oder nicht eindeutig. Ein David Bowie lebte vor, wie man sich neu erfand. Immer wieder legte er sich andere Identitäten zu, war Ziggy Stardust, Aladdin Sane und The Thin White Duke. … Für uns Musikhörer hatte es ohnehin nie eine Rolle gespielt. Dass Jimi Hendrix schwarz, Boy George schwul und die Beastie Boys jüdisch waren, interessierte nicht groß. Es ging um „geile Mucke“ … “ | Aus: „Wir waren mal weiter“ (Ausgabe 22/2021) | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wir-waren-mal-weiter

Flegel | Community (2021): “ … Die Protagonisten, über die wir und hier unterhalten, hatten für mich als damals rund 24-jährigem jedenfalls etwas Animalisch/Verführerisches. Mick Jagger ist in diesem Sinne für mich der Größte, wagte er doch, all das auszuleben, was sich mir als überangepasstem Messdiener seiner Zeit verbot. Sein damals androgynes Image übte eine hohe Anziehungskraft auf mich aus, wie mir die permissive amerikanische Mentalität während meines Praktikums dort Experimentiermöglichkeiten eröffnete – was zusammengenommen schließlich auch meine Emanzipation von der einengenden Moral der katholischen Kirche einleitete. Ja: »die Popstars. Sie zeigten, dass ein anderes Leben möglich war. Sie sangen von Freiheit, vom Ausbrechen aus jener engen Welt, die wir kannten.«

Doch eigentlich muss es heißen, „die Popstars. Sie zeigten, dass den Popstars ein anderes Leben möglich war. Sie sangen von Freiheit, vom Ausbrechen aus jener engen Welt, die wir kannten“.

Und eigentlich stimmt auch das nicht: Jim Morrison etwa starb 27-jährig. Der frühere Manager eines Pariser Nachtclubs behauptet, dass er Morrison in der Nacht vom 2. auf den 3. Juli 1971 selbst auf der Toilette gefunden habe. „Der hübsche Boy aus Kalifornien lag wie ein bewegungsloser Brocken zusammengekrümmt auf dem Klo“, schreibt Bernett in seinem Buch über Morrisons letzte Tage.

Auch Janis Joplin starb 27-jährig infolge von Drogen-Abusus. Zwei Wochen zuvor war Jimi Hendrix verstorben – 27-jährig.

Und eine Reihe von Protagonisten selbst wurden domestiziert und mit bürgerlichen und systempflegenden Ehrentiteln versehen: Bob Dylan mit dem Friedensnobelpreis, aus Paul McCartney wurde Sir James Paul McCartney, CH, CBE, aus Mick Jagger wurde Sir Michael Philip Jagger, CH, CBE, aus Ringo wurde Sir Ringo Starr, MBE. So war‘s zu erwarten. Unterhalb eines Sirs tut es auch Sir Elton Hercules John, CH, CBE nicht.

Schlussfolgerung: Das, was Sie hier so sehr laudatierten, ist in Wirklichkeit bereits damals eine Illusion gewesen. … Jim Morrison, Janis Joplin und Jimi Hendrix war keine wirkliche Alternative. Sie bedienten die Sehnsüchte der Adoleszenten und mehr nicht. Ihr „Break on through to the other side“ blieb ein frommer Wunsch. …“



Johannes Kreidler (Ausgabe: 4/2005 – 54. Jahrgang): “ … Pop war seit jeher auf Breitenwirkung angelegt und kommerziell manifestiert; die immer peinlicheren Shows sind nur das Oberflächenphänomen dieses (Madonna weiß es im Übrigen schon lange) weithin ausgelaugten Keyboard- & Gitarrenband-Sounds. Es ist verständlich, dass der Kapitalismus aus dem mürben Lappen so noch einige Rubel wringen will. Doch wenn das hierbei optierende Publikum überhaupt relevant sein sollte, ist es sein Auswahlspektrum längst nicht mehr. „Erlösung“ im Geiste Adornos …“ | https://www.nmz.de/artikel/die-popmusik-ist-schon-laengst-tot



markrenton (2018): “ … Schlager- und Popmusik lebt von einer hohen Verbreitung und guten Verkaufszahlen (daher MusikINDUSTRIE) dadurch kann sie auch zu einem identifikationsstiftenden Mittel werden: Die Musik der 60er, 70er, 80er und 90er war hedonistischer und freiheitssuchender, da die Leute einen Kontrast zu den noch vorherrschenden bürgerlichen Konventionen und den Schrecken des Kalten Krieges gesucht haben. Parallel dazu kann man sich auch die erfolgreichen Filme aus diesen Jahren ansehen, die sich analog entwickelten. Seit dem 11. September ist die Stimmung im Westen umgeschlagen und zusammen mit der Finanz- und Wirtschaftskrise, hat sich eine art Neo-Biedermeier entwickelt, wo sich ein Großteil der Bevölkerung nur noch Stabilität und Sicherheit wünscht. Siehe dazu die Renaissance der sogenannten preussischen Werte und Nostalgie nach den 80ern und 90ern. Hinzukommt, dass die Gesellschaft so wie die Eltern – die alten Rebellern der 60er, 70er und 80er Jahre, nur wenig Potential liefern, um sich dagegen aufzulehnen. Zu verständnisvoll. … Musik spiegelt die Gesellschaft und liefert wie der Tamborine Man nur das, was wir wollen:) Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, Auf jeden Winter folgt auch wieder ein Mai. Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei, Erst geht der Hitler und dann auch die Partei. …“

ericstrip 12:29 Uhr: “ … Subkulturen entstanden vor allem, um einen Halt in einer gleichgesinnten Gruppe zu finden und sich von den Eltern abzugrenzen. Es geht bei Musik um das persönliche Gefühlsmanagement, nicht um die Revolution. …“

Aus kommentaren zu: „Eine Art Endkampf“ von Benjamin Moldenhauer (21.05.2018) | http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/is-this-the-end-von-georg-seesslen-eine-art-endkampf-a-1205222.html



Dietmar Dath „Wie lesen wir heute Georg Lukács?“ (04.06.2021)“ … Die Theorie der Verdinglichung wirft dem Kapitalismus vor, dass er etwas mit den Menschen macht, das sie entmenschlicht. Was bedeutet das für die Kunst im Digitalzeitalter? … Ist die Kunst ein Gut, um dessen Bestand man sich […] Sorgen machen muss? Auch über sie hat Lukács nachgedacht, unterm Kriterium, dass sie die Hervorbringung einer besonderen Sorte Ding sei, des Kunstwerks. Nach Kant ist das ästhetische Urteil das Wesen des Ästhetischen, aber Lukács fand, „dass das ästhetische Urteil keine Priorität besitze, sondern die Priorität komme dem Sein zu. ‚Es existieren Kunstwerke. Wie sind sie möglich?‘“ … Hier spricht eine medienhistorische Vergangenheit, die noch kaum ahnte, dass sie vergehen konnte. Ein Film mag als DVD eine Ware und damit ein Ding sein, aber was ist er als Stream, als Video-on-Demand? … Wenn das Kunstwerk nun [ ] zur Dienstleistung per Klick umgewidmet wird und wenn diejenigen, die es konsumieren, mit dem Anklicken den Kulturindustriekonzernen die profitnotwendige Ausforschungsarbeit über ihre Präferenzen abnehmen, also zu Datensätzen werden, einer besonders handlichen, berechenbaren Sorte Ding – ist das nicht, fünfzig Jahre nach dem Tod von Georg Lukács, die böseste denkbare Pointe seiner Theorie?… “ | https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/georg-lukacs-wider-die-digitale-dekadenz-17367202.html | // Georg Bernard Lukács (1885 – 1971) —> https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Luk%C3%A1cs

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