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Hafen im Nebel (Le Quai des brumes) R: Marcel Carné, 1938 | https://de.wikipedia.org/wiki/Hafen_im_Nebel // Alexandre Trauner (1906 – 1993) Szenenbildner | https://de.wikipedia.org/wiki/Alexandre_Trauner
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Lieteratur: Ben McCann: French Film Design, 1930–1939: Images of States. Manchester University Press / Tim Bergfelder, Sue Harris, Sarah Street: Film Architecture and the Transnational Imagination: Set Design in 1930s European Cinema. Amsterdam University Press
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Obwohl Le Quai des brumes in Le Havre spielen soll, wurde nichts vor Ort gedreht. Um den Eindruck von großer Weite zu erzeugen, nutzte Alexandre Trauner die sogenannte erzwungene Perspektive. Die Kräne und Gebäude im Hintergrund wurden absichtlich viel kleiner gebaut, als sie in der Realität gewesen wären. Zusammen mit dem künstlichen Nebel, glaubte das Publikum, auf einen ausgedehnten nebligen Seehafen zu blicken. Aber die Szenenbildner der Hafenstadt entstanden in Wirklichkeit in den Studios von Joinville. Da der Raum künstlich ist, verliert er seine dokumentarische Realität. Die verhangenen Straßen und die einsame Hafenspelunke am Rande der Stadt erzeugen seelische Enge und das Gefühl, in einer Zwischenwelt festzustecken. Ich sehe eine Ästhetik der stilistisch verstärkten Verzweiflung. Ich sehe eine traurige Schönheit. Nach einer glanzvollen Ära wurde der Studiobetrieb des „Kleinen Hollywoods“ Frankreichs 1987 offiziell eingestellt. Im Jahr 1991 wurden die historischen Studiogebäude abgerissen, um Platz für eine moderne Wohnanlage zu machen.
Aufgrund der politischen Spannungen zwischen Frankreich und dem nationalsozialistischen Deutschland sowie der düsteren, pessimistischen Grundstimmung des Films, die der NS-Ideologie von „heldenhafter“ und optimistischer Kunst widersprach, erhielt der Film keine Freigabe für die deutschen Kinos. Filme des französischen Poetischen Realismus, die oft von Deserteuren, Kriminellen und gesellschaftlicher Ausweglosigkeit handelten, galten den Nationalsozialisten als „dekadent“. Die offizielle deutsche Erstaufführung im Kino fand erst viele Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Der Film startete unter dem deutschen Titel Hafen im Nebel am 7. Januar 1955 in den Kinos der Bundesrepublik. Als der Film mit 17 Jahren Verspätung in die westdeutschen Kinos kam, wurde er dort im französischen Original mit deutschen Untertiteln gezeigt. Seine deutsche Fernsehpremiere feierte der Klassiker schließlich am 28. September 1970 im ZDF. Die bis heute bekannte und genutzte deutsche Synchronfassung entstand erst 1970. Als Le Quai des brumes 1938 in Frankreich erschien, war er ein riesiger kommerzieller Erfolg und gewann den Prix Louis-Delluc. Doch mit dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs im September 1939 und der darauffolgenden Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht im Sommer 1940 änderte sich alles radikal. Die französische Militärzensur und die spätere Kollaborationsregierung in Vichy verboten den Film. Le Quai des brumes wurde als „demoralisierend“, „antimilitärisch“ und „dekadent“ gebrandmarkt. Konservative und rechte Kräfte behaupteten, der lähmende Pessimismus von Filmen wie Hafen im Nebel habe den Kampfgeist der französischen Soldaten geschwächt und sei somit mitverantwortlich für die militärische Niederlage Frankreichs gegen Deutschland gewesen [siehe: The Guardian „The legacy of Le Quai des Brumes and The Life and Death of Colonel Blimp“ by Ryan Gilbey and Philip Oltermann (Thu 3 May 2012) | Quelle: https://www.theguardian.com/film/2012/may/03/quai-brumes-life-death-colonel-blimp), offizielle Stellen erklärten: „Wenn der Krieg verloren wurde, kann man ‚Le Quai des Brumes‘ die Schuld geben“ [“ … The Vichy government denounced it as „immoral, depressing and detrimental to young people“, and declared that if the war was lost, Le Quai des Brumes could be blamed. …“]]. Das Filmverbot und die darauffolgende Verleumdung von Le Quai des brumes durch das Vichy-Regime und die deutsche Besatzungsmacht werden in der heutigen französischen Filmwissenschaft und im kollektiven Gedächtnis als Paradebeispiel für die Instrumentalisierung und die Absurdität ideologischer Zensur reflektiert. Heute bewertet man das Werk nicht als „demoralisierend“, sondern als soziologisches Barometer. Filmhistoriker betonen, dass Carné und Prévert keine Anti-Kriegs-Propaganda betrieben. Stattdessen fingen sie den kollektiven psychologischen Zustand der „Grande Désillusion“ (der großen Ernüchterung) ein, der nach dem Scheitern der linken Volksfront-Regierung (Front Populaire) und angesichts der drohenden Nazi-Gefahr ohnehin in der Luft lag. Spannend für die heutige Forschung ist, dass der Film vor dem Vichy-Verbot von beiden politischen Rändern attackiert wurde. Die Kritik der Vichy Regierung an dem Filmstoff, an der Figuren – besonders an dem desolaten Jean (Jean Gabin), dem Deserteur – und auch an den den anderen korrupten Figurenen war, dass hier ein moralischen Verfall Frankreichs abzulesen wäre, der im krassen Widerspruch zur Vichy-Ideologie von „Travail, Famille, Patrie“ (Arbeit, Familie, Vaterland) stand. Die politische Linke wiederum kritisierte den Film bei Erscheinen 1938 paradoxerweise als „konterrevolutionär“, weil er keinen kämpferischen Optimismus der Arbeiterklasse zeige, sondern resignierten Eskapismus. In Retrospektiven wird das Zensurverbot heute fast als eine Art ästhetischer Ritterschlag besprochen. Indem das Vichy-Regime und Josef Goebbels (der den Film für die UFA-Studios in Deutschland wegen „Amoralität“ sperrte) den Film verboten, zementierten sie ungewollt dessen Status als visionäres Meisterwerk. Die visuelle unterkühlte Traurigkeit, die dunkle Verzweiflung, die die Zensoren unterdrücken wollten, wurde zum direkten Fundament für das wichtigste Filmgenre der 1940er-Jahre (dem „Film Noir“). Nach dem Krieg (Mai 1946) wurde das Totalverbot in Frankreich zwar aufgehoben, der Film wurde jedoch mit einem Jugendverbot ab 16 Jahren belegt. In filmrechtlichen Debatten wird oft kopfschüttelnd erwähnt, dass es bis zum Mai 2011 dauerte – also 73 Jahre nach der Premiere –, bis das französische Kulturministerium die Einstufung offiziell auf „Tous publics“ (Freigegeben für alle Altersklassen) änderte. Dies zeigt, wie lange die Aura des „Gefährlichen“ und „Subversiven“ formell an dem Film haftete. Le Quai des brumes wird als Paradebeispiel herangezogen, wenn es darum geht, wie Diktaturen Kunst als Sündenbock für militärisches und politisches Versagen missbrauchen. Carnés Barometer-Zitat ist mittlerweile fester Bestandteil des französischen Bildungskanons, wenn es um das Verhältnis von Kunstfreiheit und staatlicher Zensur geht: „On ne donne pas la faute au baromètre quand vient la tempête.“ – Auf Deutsch: „Man gibt ja auch nicht dem Barometer die Schuld an dem darauffolgenden Sturm.“
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„Joinville, le cinéma: Le temps des studios“ Christian Brieu (1985) | https://www.livres-cinema.info/livre/2541/joinville-le-cinema
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