[Der Blick in die Kamera #92… ]


Glenda Jackson (1936 – 2023) photo by Lord Snowden (1970)

https://de.wikipedia.org/wiki/Glenda_Jackson

via Transatlantic. https://davidhudson.tumblr.com/

“ … Sie musste in politischen Fragen nie etwas beweisen: Sie war dafür bekannt, eher von Sorgen als von Ideen geleitet zu sein – Sorgen, die tief in ihrer Herkunft aus der Armut der Arbeiterklasse sowie in ihrer Überzeugung verwurzelt waren, dass die Kunst sowohl einem höheren Zweck diene als auch die Verantwortung trage, zu bilden und aufzuklären. Es ist bemerkenswert, dass sie auf dem Höhepunkt ihres Ruhms in den 1980er Jahren in Londoner Bühneninszenierungen anspruchsvoller, schwieriger Stücke von Botho Strauß, Eugene O’Neill, Jean Racine, Bertolt Brecht, Federico García Lorca und Howard Barker auftrat. Dabei strahlte sie eine kompromisslose Intelligenz und eine schlichte, reine Schönheit aus, die weder mit Make-up noch mit Eitelkeit etwas zu tun hatte. .. “ | From: „Glenda Jackson obituary“ Michael Coveney and Julia Langdon (Thu 15 Jun 2023) | Source: https://www.theguardian.com/stage/2023/jun/15/glenda-jackson-obituary

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„… Glenda Jackson schien auf eine ganz wesentliche Weise unsterblich zu sein. Es war nicht allein jene einzigartige Stimme, die sich mit ungezügelter Majestät aus einer tiefen Tiefe ihres zierlichen Körpers zu erheben schien. … Ende 1991 trafen wir uns in einem Londoner Hotel auf einen Kaffee – anlässlich eines Beitrags über ihren Wechsel von der Schauspielerei hin zu jener gänzlich anderen Art von Autorität und Durchsetzungsvermögen, die für das politische Überleben unerlässlich ist. Ihr Einzug ins Parlament als Abgeordnete für Hampstead und Highgate führte sie ausgerechnet in jenen Nordlondoner Stadtbezirk, in dem ich tatsächlich noch heute lebe. Und wenngleich Jackson als Interviewpartnerin mitunter gnadenlos sein konnte, empfand ich ihre schnörkellose Offenheit in einer Zeit der politischen Schönfärberei und Verlogenheit als erfrischend; sie blieb stets ganz und gar – und auf unvergessliche Weise – sie selbst. Sie war ein echtes Original, das keinerlei Bedenken hatte, eine parlamentarische Würdigung der verstorbenen Margaret Thatcher dazu zu nutzen – ein mittlerweile legendärer Vorfall –, um die Kollegen an ein politisches Erbe zu erinnern, das vielleicht gar nicht so rühmlich war. Ihr verbaler Rundumschlag bei jener Gelegenheit bleibt ein Meisterstück darin, eine auf einem ganzen Leben auf der Bühne geschmiedete rhetorische Bravour ins politische Parkett zu übertragen. Und man kann nur darüber spekulieren, welche Bemerkungen wohl im Laufe der Jahre am Frühstückstisch fielen – zwischen der überzeugten Linken Jackson und ihrem Sohn, dem Journalisten Dan Hodges, einem Kolumnisten der rechtskonservativen britischen *Mail on Sunday*. … “ | From: „A mighty force in both drama and politics, Glenda Jackson rarely played it safe“ Matt Wolf (20 June, 2023) | Source: https://www.londontheatre.co.uk/theatre-news/news/glenda-jackson-obituary