[Vor unseren Augen (Politik) #2 …]

„What normalization does is transform the morally extraordinary into the ordinary. It makes us able to tolerate what was once intolerable by making it seem as if this is the way things have always been. … Stanley identifies the pillars of fascist politics that deepen the divide between „us“ and „them“ — denying equality, using a culture of victimhood, and feeding the sexual anxiety of men. Strategies include undermining journalists and reporters, promoting anti-intellectualism, the use of propaganda, spreading conspiracy theories, letting fear and anger overtake „reasoned debate“, and then calling on „law and order“ solutions.“ — Stanley. How Fascism Works | https://en.wikipedia.org/wiki/How_Fascism_Works

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Foto: Gareth Joswig (Gießen, 2025)
via https://taz.de/-AfD-Jugend-und-Gegenprotest-/!6133377/
Kontext: https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Deutschland

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Kontexte – // –

Aus Gießen Gareth Joswig „Gründung „Generation Deutschland“: Rechtsextreme AfD-Jugendorganisation hat jetzt neuen Namen“ (29.11.2025): “ … Die Gründung der AfD-Jugend war ein extrem rechter Offenbarungseid. Und zwar auch der Mutterpartei. … Adrian Maxhuni aus Niedersachsen [stellt] sich vor: Auch er ist langjähriger Kader der JA und gehört zu den völkischen Netzwerken innerhalb der Partei, die spätestens seit 2021 der bestimmende Mainstream der AfD sind und in der Jugendorganisation sogar deutlich länger. Der Landesverband Niedersachsen hatte 2022 die von ihm geführte JA als Jugendorganisation aberkannt, weil sie zu radikal aufgetreten ist. Damals stand in Chats von JA-Gruppen „Wir sollten Tierversuche stoppen und Flüchtlinge dafür nehmen“ oder die „Endlösung für die Musels in Deutschland“. Maxhuni führte die JA Niedersachsen trotzdem weiter. Darüber hinaus soll er auch Kontakte zu einem alten NPD-Ideologen haben, der Schulungen durchführt. Zur Belohnung gibt es 81,09 Prozent. … Die Frage ist nur: Ist der Bogen irgendwann überspannt? Und wie viele Verbotspunkte will die AfD noch sammeln. Kevin Dorow aus Schleswig-Holstein, ein Burschenschaftler mit mehreren Schmissen im Gesicht, testete die Grenzen aus. Er hielt für den ersten Beisitzer im Vorstand die bis dahin radikalste Rede: „Wir distanzieren uns nicht“, ruft er in den Saal, lobt das aktivistisch-außerparlamentarische Vorfeld und leitet dann zum Motto der Hitlerjugend über: „Jugend muss durch Jugend geführt werden“, forderte er. Das HJ-Motto hatte Rechtsextremist Björn Höcke vor einigen Wochen in Social Media gepostet und verschämt wieder gelöscht, nachdem herauskam, dass er mal wieder wissentlich NS-Parolen verbreitet hatte. Dorow bezieht sich auf Höcke und ruft das Motto hier von der Bühne. Dafür gibt es Szenenapplaus. …“ | Quelle: https://taz.de/Gruendung-Generation-Deutschland/!6133527/]https://taz.de/Gruendung-Generation-Deutschland/!6133527/

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Nachtrag #1: “ … Es gibt Momente, in denen die politische Bühne für einen Augenblick aus der Zeit fällt. Ein junger Mann tritt ans Pult, richtet sich auf, holt tief Luft – und spricht, als sei er aus einer anderen Epoche herübergestolpert. Alexander Eichwald hat auf dem AfD-Gründungskongress der „Generation Deutschland“ nicht einfach eine Rede gehalten; er hat ein Rätsel produziert, das nun wie ein Splitter im kollektiven Auge steckt. Man reibt sich und fragt: Was genau habe ich da gesehen? … Vielleicht ist gerade dies das eigentliche Kunststück dieser unfreiwilligen Inszenierung: Sie legt offen, wie dünn die Membran zwischen Vergangenheit und Gegenwart geworden ist. Wie schnell eine politische Bewegung, die sich gern „bürgerlich“ nennt, in ästhetische Abgründe kippt. Und wie irritiert die Öffentlichkeit reagiert, wenn Extremismus nicht mehr als grimmiges Drohgebäude erscheint, sondern als unfreiwillige Groteske. …“ | Aus: „Das Rätsel Alexander Eichwald: Ein politischer Spiegelmoment“ Frank Beutner (15. Dezember 2025) | Quelle: https://www.l-iz.de/leben/gesellschaft/2025/12/das-ratsel-alexander-eichwald-politischer-spiegelmoment-641250

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Juergen Kasek (27. November 2025): “ … eine Partei ist nicht automatisch demokratisch, nur weil sie an Wahlen teilnimmt. Wenn das so wäre, wäre selbst die NSDAP eine demokratische Partei gewesen. … Zu den unverzichtbaren Grundpfeilern unserer Demokratie gehören Gleichheit und Minderheitenschutz. Gleichheit bedeutet: Jeder Mensch zählt – unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Lebensweise. Minderheitenschutz bedeutet: Auch die Schwächeren haben Rechte, die nicht vom Stimmungsbarometer einer Mehrheit abhängen. Genau diese Prinzipien stellt die AfD offen infrage. Sie will den Minderheitenschutz faktisch abschaffen und ersetzt das Ideal des Kompromisses durch das Diktat einer angeblich homogenen Mehrheit. Ihr Denken speist sich aus einem völkischen Nationalismus, dessen Kern ein hierarchisierendes, rassistisches Menschenbild ist. Es ist kein Zufall, dass dieses Weltbild nahtlos anschlussfähig ist an die Logik des Nationalsozialismus. … Die größte Gefahr für Deutschland sind nicht allein die Rechtsextremen. Die größte Gefahr ist eine gesellschaftliche Mitte, die im Angesicht des Drucks Begriffe, Forderungen und Feindbilder der Rechten übernimmt – und damit die Normalisierung von Menschenfeindlichkeit vorantreibt. … “ | Quelle: https://juergenkasek.wordpress.com/2025/11/27/wie-demokratien-sterben-und-warum-die-afd-nicht-demokratisch-ist/