Schlagwort: 2025

[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #102]

Die Grenze zwischen Filmmythos und echtem Leben war unscharf (Aus „La Vérité“ (1960), Wikipedia) … die Göttin der Sorglosigkeit lebt hier nicht mehr … von der Brigitte-Bardot-Welt zu träumen, war viel schöner, als mit ihr ernsthaft in Berührung zu kommen. … (Georg Seeßlen)
-.-

-.-
“ … Der Vatikan nannte sie zwischenzeitlich „Inkarnation der Sünde“ …“ Stefan Brändle aus Paris (28. Dezember 2025) | Quelle: https://www.derstandard.de/story/3000000302192/franzoesischer-filmstar-brigitte-bardot-mit-91-jahren-gestorben
-.-
Peer der Wallone: „… Brigitte Bardot und der Vatikan – [Sie] wurde übrigens am 27. September 1995 im Vatikan von Pabst Johannes Paul dem II empfangen. … [Es sah damals] so aus, als [würden] die beiden gut miteinander klar kommen :-). Ist ja auch viel Wasser seit dem Film „Et Dieu créa la femme“ von 1956 den Tiber runter geflossen. …“
-.-
Franz Klug: “ … Schade, dass Brigitte Bardot bei uns nur auf die sexist Frau alive reduziert wurde. …“ | [ Bardot galt besonders in den 1950er und 1960er Jahren als internationales Sexsymbol. Meistens wurde sie als hedonistische, sexuell freizügige und selbstbewusste Schönheit besetzt und prägte damit im Kino einen neuen Frauentyp in der Anfangszeit der Sexuellen Revolution [https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_Revolution]. — Brigitte Bardot Filmografie –> https://de.wikipedia.org/wiki/Brigitte_Bardot#Filmografie]

-.-

“ … „Die Wahrheit“ … Dunkler Moralkrimi mit überlebensgroßer BB … 1960: Brigitte Bardot soll für ihren sündigen Lebenswandel verurteilt werden. Die hübsche Dominique (Brigitte Bardot) steht vor Gericht: Die junge Frau soll ihren Liebhaber, den Musikstudenten Gilbert (Sami Frey) ermordet haben. Schnell wird klar: Der konservative Staatsanwalt will Dominique vor allem für ihren in seinen Augen unmoralischen Lebenswandel verurteilen. Viele Zeugenaussagen lassen das facettenreiche Bild einer lebenshungrigen Frau entstehen, die der Provinz nach Paris entfloh und hier vor allem Männerbekanntschaften suchte… Selten wurde eine Schauspielerin so mit ihrer Rolle identifiziert wie BB in diesem Film. Regisseur Clouzot („Lohn der Angst“) nutzte ihr Luder-Image, um wie ein Prophet der 68er-Revolte die moralischen Konflikte seines Landes auszuleuchten. …“ | Quelle: https://www.cinema.de/film/die-wahrheit,1332370.html


“ … La Vérité (1960) … Jahrzehnte später erklärte [ ] Bardot, von all ihren Rollen sei ihr die in Die Wahrheit die liebste gewesen. … Clouzot hat darauf hingewiesen, dass ihn reale Gerichtsverhandlungen, die er zum Teil selbst besucht hatte, zur Thematik seines Films angeregt hatten. … Die Grenze zwischen Filmmythos und echtem Leben war unscharf. Während der Dreharbeiten kursierten Gerüchte über Liebesaffären zwischen Bardot und Frey sowie Bardot und Clouzot. Die Presse brachte Bardots launenhaftes Verhalten immer wieder mit ihren Suizidversuchen in Verbindung. Bardot wurde von Paparazzi gejagt und fühlte sich gehetzt. Als Clouzot sie nach den Dreharbeiten wieder traf, erschien sie ihm sehr bedrückt. Einige Tage später, an ihrem Geburtstag am 28. September 1960, schnitt sie sich die Pulsadern auf. Sie schwebte mehrere Tage lang in Lebensgefahr. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Wahrheit_(Film) (28. Dezember 2025)
-.-
“ … Film-Ikone Brigitte Bardot … [ihre] Karriere ist untrennbar mit dem Aufstieg des modernen Starkults verbunden. … “ | Aus: „Film-Ikone Brigitte Bardot ist tot – ihr Vermögen soll ihr Lebenswerk sichern“ Moritz Bletzinger (29.12.2025) | https://www.merkur.de/welt/ist-tot-filmstar-brigitte-bardot-zr-94100270.html
-.-
“ … Der französische Präsident würdigte sie [ ] als „eine Legende des Jahrhunderts“ …“ | Quelle: https://www.t-online.de/unterhaltung/stars/id_101060294/emmanuel-macron-reagiert-auf-den-tod-von-brigitte-bardot-und-nimmt-abschied.html
-.-
“ … Bardot, das wohl erste globale Sexsymbol [eine Projektionsfläche für männliche Phantasmen], empfindet ihr Leben als nicht besonders glücklich. Der Ruhm, ihre Prominenz hätten sie beinahe zerstört. … Ist es absurd, eine Frau zu bedauern, weil ihr die Welt zu Füßen lag und sie damit nicht fertigwurde? … Der Fall Bardot ist auch interessant in einer Zeit, in der beinahe kein Tag vergeht, ohne dass Frauen und insbesondere Schauspielerinnen auf die Nebenwirkungen hinweisen, die das Frausein mit sich bringen kann. … Für ihr Publikum, vielleicht auch für ihre Regisseure, war sie immer mehr Frau als Schauspielerin, egal ob sie mit Louis Malle drehte oder mit Godard. … Dem Mythos Bardot jedenfalls setzte Brigitte selbst mit 38 Jahren ein Ende; als sie entschied, von nun an kein Star mehr sein zu wollen, keine Filme mehr zu drehen. Diese Welt sei unendlich leer gewesen, sagt sie … Bardot versteigerte die Häuser und Autos, den Schmuck ihres Exmanns Gunter Sachs und das Brautkleid, in dem sie, 18-jährig, Roger Vadim ehelichte. Mit dem Geld gründete sie ihre Stiftung, für die „Rettung der Tiere in aller Welt“, wie es im Statut heißt. Seitdem kämpft sie gegen Robbenjagd und grausame Schlachtmethoden, und sie begann damit zu einer Zeit, in der das als bestenfalls exzentrisch galt. … “ | Aus: „Das Rätsel BB“ Julia Amalia Heyer (11.03.2018) | Quelle: https://www.spiegel.de/spiegel/bigitte-bardot-vom-filmstar-zur-tierschuetzerin-a-1197388.html
-.-
Meinungshaber, 28.12.2025: “ … Sie war eine großartige Frau mit Prinzipien. Schön, klug, eine wahrhaftige Französin. Wie auch France Gall, sah sie gestern in einer herrlichen Schlagerhistoriesendung im Fernsehen, mit ihrem Lied „Drei Apfelsinen im Haar“, sehr süss dieses Video aus den 60er Jahren, wunderbar heimatlich und natürlich. ..“

Fri K.: “ … Diese Frau würde von Muslimen mit der Todesstrafe bedacht werde, allein wegen ihrer Filme, Kleidung und Benehmen: Sie ist genau das Gegenprogramm gegen woke Feministinnen und grünes Gendern: Selbstbewusste Frau, die bei „Komplimenten“ und Avancen weiß, wie sie damit umgeht. Chapeau! …“

Udo D.: “ … „wegen Anstiftung zum Rassenhass belangt!“ Welch ein Abschluss für einen Nachruf. Welch eine Anerkennung sozialer Leistung, eines Lebenswerkes, welch ei Taktgefühl der/des/quer
Verfassers/:in! Geht wohl nicht ohne! Schamlos!! …“

[Kommentare zu: welt.de: „Französischer Filmstar Brigitte Bardot mit 91 Jahren gestorben“ (28.12.2025) | Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/article695100dad28c9b829c8c952e/nach-stiftungsangaben-franzoesischer-filmstar-brigitte-bardot-mit-91-jahren-gestorben.html]

-.-

„Die Ikone selbstbewusster Weiblichkeit“ (28. Dezember 2025) Brigitte Bardot begründete ein neues Frauenbild – und zog sich jung aus der Öffentlichkeit zurück. Nun ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben. Ein Rückblick in Bildern
https://www.zeit.de/kultur/film/2025-12/brigitte-bardot-schauspielerin-saengerin-fotomodell-fs
-.-
Randolf K: Eine ziemlich heftige Rassistin und Sexistin ist von uns gegangen. Dass dies in der gutbürgerlichen ZEIT keine Erwähnung findet überrascht nicht.
-.-
Hatzerim: … Erleichtern Sie sich an der zukünftigen Grabstätte. Es wird Ihnen hoffentlich Genugtuung bringen.
-.-
Leben in Lee @ Randolf K:: Sie könnten bei einer Ausnahmeerscheinung wie Bardot eigentlich zwischen ihrer beispiellosen Karriere und späteren Abschweifungen unterscheiden und im Moment des Todes Respekt vor ihrer Leistung … zeigen. Aber nein, Sie müssen die angekratzte andere Seite der Medaille prominent ins Licht rücken. Enttäuschend.
-.-
Mollmoll: Als Schwarzer stellt sich mir (leider?) nicht die Frage, welchen Aspekt ihres Lebens ich in den Vordergrund stellen möchte.
-.-
Leben in Lee: Antwort auf @Talano068: … Heute Respekt, ab morgen meinetwegen kritisieren. Der Hauptkommentar hält diese Reihenfolge nicht ein.
-.-
One-Republic: Nicht zu vergessen, dass sie unter anderem auch Klassistin war, wo sie gegen Obdachlose hetzte. Die Frau war einfach schlecht gealtert.
-.-
Leben in Lee: Was von Bardot bleibt, ist ihre fast unerreichbare Attraktivität sowie ihr Look und Auftritt, der mit seiner Modernität und Wirkung in ganz Europa Maßstäbe für mindestens 2 Jahrzehnte gesetzt hat.
-.-
gopalvenu: Die Schönheit war vergänglich, die Volksverhetzung ist gerichtsfest.
-.-
One-Republic Antwort auf @gopalvenu: Ihre Schönheit wäre für die Ewigkeit prädestiniert gewesen … Aus einer Göttin wurde später eine verbitterte Frau, die mit Stammtischparolen jonglierte.
-.-
stefanincello: Naja, sie war halt ganz nach dem Geschmack der Medien. Aber sich ganz banal ihrem Sohn widmen brachte sie nicht auf die Reihe. Ein klassisches Kind der 60er eben, in denen die Elfenbeinwelt des absurden Konsums entstand und alle die abgedrehten Konsumenten bewunderten. …
-.-
Wildbader: Ich denke, dass Catherine Deneuve, Jeanne Moreau und Romy Schneider schauspielerisch größere Ikonen des französische Films waren, und sind.
-.-
Michael_DD: Sie war in erster Linie ein Sexsymbol und wurde als solches von der Film- und Entertainment-Industrie ausgebeutet, bis es Jüngere und Schönere gab. Jetzt sind schon zwei oder drei Generationen ohne ihre Filme aufgewachsen (die ja tatsächlich nur selten gezeigt oder besprochen werden), aber sie lebt fort in den sentimentalen Erinnerungen alter weißer Männer an die einstige Traumfrau. Immerhin – Sogar eine tschechische Diesellokomotive trägt ihren Namen wegen des charakteristischen Vorbaus.
-.-
HH-SH: Die letzte Ikone einer Ära…nach Delon und Cardinale nun auch BB. Für mich, weiblich, geb. Ende der 70er Jahren, bis heute ein absolutes Idol! Ihre Filme schaue ich immernoch sehr gerne. So eine wunderschöne Frau, sexy und selbstbewusst, ganz großes Kino! Auch ihr Engagement für den Tierschutz und ihr sehr zurückgezogenes Leben auf La Madrague beeindruckte mich. In punkto metoo teile ich ihren klaren Standpunkt, genau wie die großartige C. Deneuve. Einzig Bardot‘s politische Haltung im Alter verwunderte mich, war sie in jungen Jahren mit Vadim doch eher den Linken zuzuordnen und rebellierte gegen ihr fürchterlich konservatives Elternhaus. Rest in Peace, BB.

-.-

virales: Ich bin wirklich traurig. Ich dachte Brigit B wuerde fuer immer dasein. Brigit Bardot in „Und Gott schuf die Frau“ ein französischer Liebesfilm aus dem Jahr 1956. Fuer mich wurde sie nie älter als in diesem Film.

-.-


Popstars, zerschnitten zum Sammeln und AufhängenHistorische «Starschnitte» aus der Jugendzeitschrift «Bravo» hängen an einer Wand in der Ausstellung «Bravo»-Starschnitte. Quelle –> „Den Anfang machten die Füße von Brigitte Bardot“ Alexander Diehl (12.10.2025) | https://taz.de/Museumsdorf-zeigt-Bravo-Starschnitte/!6115492/

“ … Man nannte sie die schönste Frau der Welt, auch weil sie dem Ideal des neuen Kleinbürgertums entsprach. … Brigitte Bardot war 1959 der erste Bravo-Starschnitt. Netzstrümpfe, umgürtete „Wespentaille“, das lange blonde Haar. Der ikonische „Schmollmund“. Das Bild war mit 156 Zentimetern nachgerade lebensgroß. Und eine Göttinnengestalt, die vielleicht zum ersten Mal danach verlangte, dass das Teenager-Zimmer ein vom Rest der Familie abgesonderter Raum war. … Von der Brigitte-Bardot-Welt zu träumen, war viel schöner, als mit ihr ernsthaft in Berührung zu kommen. Dort hätte man ihren Selbstmordversuch erlebt, ihre Einsamkeit, ihr Gefangensein. Jemand wie Brigitte Bardot war für Charakter- und gar „Altersrollen“ nicht geschaffen. 1973 erklärte sie ihren Rücktritt sowohl vom Film als auch von der Musik – und wurde nie rückfällig. Ihr Bild zu bewahren, fiel der schon wieder nächsten Generation denkbar schwer: Wie konnte sie, eine einstige Vorkämpferin der Befreiung, nun mit den muffigsten Rechten gemeinsame Sache machen, Rassismus und Nationalismus verbreiten, das lobenswerte Ziel des Tierschutzes mit solchem Fanatismus verfolgen, dass noch die letzten Reste der einstigen Sorglosigkeit verschwinden mussten, die einmal ihr Charakteristikum gewesen waren? Die Göttin der Sorglosigkeit, die möglicherweise, wie eine Zeitung damals schrieb, den Sex für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts neu erfunden hat, ist uns lange schon fremd geworden. … Den Bravo-Starschnitt von Brigitte Bardot kann man sich heute digital zusammengesetzt aus dem Internet für den Heimdrucker bestellen und das kleine Vermögen dafür per PayPal abdrücken. Aber die Göttin der Sorglosigkeit lebt hier nicht mehr. Und nun ist auch ihre menschliche Gestalt verstorben. …“ | Aus einem Essay von Georg Seeßlen: „Zum Tod von Brigitte Bardot: Die Göttin der Sorglosigkeit“ (28.12.2025) | https://taz.de/Zum-Tod-von-Brigitte-Bardot/!6141456/

-.-

Georg Seeßlen (* 1948 in München) ist ein deutscher Autor, Feuilletonist und Cineast …
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_See%C3%9Flen#Schriften_(Auswahl)

-.-

[Wirklichkeitsbezug #31 … ]

MISSVERSTEHEN SIE MICH RICHTIG:
Max Uthoff zu Gast bei Maja Göpel (04.12.2025)
0:00 In dieser Folge…
1:57 Backstage
4:06 Tod des Internets durch KI, verfrühter Kulturpessimismus
9:13 Werdegang als Kabarettist und Jurist bis zur Anstalt
17:43 Journalische Eitelkeit, ironisierte Beleidigungen, Grimme-Preis bis Lüdenscheider Lüsternklemme
25:20 Maja muss sich zügeln, Positionen der Anstalt
36:49 Kabarettistische Opfersuche, reaktionäre Spießer aus dem Sauerland
46:06 Was ist links? Pokerfaces, Anstand und Mehrheiten
55:49 Grifting Away, abmontierte Demokratie der USA
1:01:51 Vaterfiguren von Autokraten, Bildung der Zukunft
1:23:28 Verteidigung der Wirklichkeit, Satire für die Gesellschaft, Bürgerräte
1:37:33 Boykott der Giganten
1:42:58 Kulturgut Humor, Scham
1:53:12 Intrinsisch motiviertes Lernen
1:59:38 3 Botschaften
2:02:24 Outro
–> https://youtu.be/cVpcYyb9UX8

-.-

@sascharambeaud … angenehm und selten in der heutigen Zeit, einfach mal zwei intelligente Menschen mit echten Themen in Ruhe sprechen zu sehen.
-.-
@scantrain5007 … Besonders die Betrachtungen über Schule und Bildung treffen den berühmten Nagel auf den Kopf. 160 Jahre probiert, was mehr schlecht als recht funktioniert. Mein Fazit daraus: Von der ‚Obrigkeit‘ kann man keine Veränderungen erwarten …
-.-
@stefan_P_62 wir haben offensichtlich sehr kluge Menschen in diesem Land. Warum, zur Hölle, kommen in unserem System immer die an die Spitze (der Macht) die am rücksichtslosesten, schamlosesten und hemmungslosesten sind. Egal ob in der Politik oder in der Wirtschaft.

[Der Blick in die Kamera #90… ]


“ … Can Sürücü war fünf Jahre alt, er stand kurz vor seinem 6. Geburtstag als er seine Mutter verlor. …“ | Aus: „Der verlorene Sohn meldet sich bei Youtube“ Uta Schleiermacher (1.12.2025) | Quelle: https://taz.de/Femizid-an-Hatun-Sueruecue/!6133777/

// Hatun „Aynur“ Sürücü (* 17. Januar 1982 in West-Berlin; † 7. Februar 2005 in Berlin)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Hatun_S%C3%BCr%C3%BCc%C3%BC

[Vor unseren Augen (Politik) #2 …]

„What normalization does is transform the morally extraordinary into the ordinary. It makes us able to tolerate what was once intolerable by making it seem as if this is the way things have always been. … Stanley identifies the pillars of fascist politics that deepen the divide between „us“ and „them“ — denying equality, using a culture of victimhood, and feeding the sexual anxiety of men. Strategies include undermining journalists and reporters, promoting anti-intellectualism, the use of propaganda, spreading conspiracy theories, letting fear and anger overtake „reasoned debate“, and then calling on „law and order“ solutions.“ — Stanley. How Fascism Works | https://en.wikipedia.org/wiki/How_Fascism_Works

-.-

Foto: Gareth Joswig (Gießen, 2025)
via https://taz.de/-AfD-Jugend-und-Gegenprotest-/!6133377/
Kontext: https://de.wikipedia.org/wiki/Generation_Deutschland

-.-

Kontexte – // –

Aus Gießen Gareth Joswig „Gründung „Generation Deutschland“: Rechtsextreme AfD-Jugendorganisation hat jetzt neuen Namen“ (29.11.2025): “ … Die Gründung der AfD-Jugend war ein extrem rechter Offenbarungseid. Und zwar auch der Mutterpartei. … Adrian Maxhuni aus Niedersachsen [stellt] sich vor: Auch er ist langjähriger Kader der JA und gehört zu den völkischen Netzwerken innerhalb der Partei, die spätestens seit 2021 der bestimmende Mainstream der AfD sind und in der Jugendorganisation sogar deutlich länger. Der Landesverband Niedersachsen hatte 2022 die von ihm geführte JA als Jugendorganisation aberkannt, weil sie zu radikal aufgetreten ist. Damals stand in Chats von JA-Gruppen „Wir sollten Tierversuche stoppen und Flüchtlinge dafür nehmen“ oder die „Endlösung für die Musels in Deutschland“. Maxhuni führte die JA Niedersachsen trotzdem weiter. Darüber hinaus soll er auch Kontakte zu einem alten NPD-Ideologen haben, der Schulungen durchführt. Zur Belohnung gibt es 81,09 Prozent. … Die Frage ist nur: Ist der Bogen irgendwann überspannt? Und wie viele Verbotspunkte will die AfD noch sammeln. Kevin Dorow aus Schleswig-Holstein, ein Burschenschaftler mit mehreren Schmissen im Gesicht, testete die Grenzen aus. Er hielt für den ersten Beisitzer im Vorstand die bis dahin radikalste Rede: „Wir distanzieren uns nicht“, ruft er in den Saal, lobt das aktivistisch-außerparlamentarische Vorfeld und leitet dann zum Motto der Hitlerjugend über: „Jugend muss durch Jugend geführt werden“, forderte er. Das HJ-Motto hatte Rechtsextremist Björn Höcke vor einigen Wochen in Social Media gepostet und verschämt wieder gelöscht, nachdem herauskam, dass er mal wieder wissentlich NS-Parolen verbreitet hatte. Dorow bezieht sich auf Höcke und ruft das Motto hier von der Bühne. Dafür gibt es Szenenapplaus. …“ | Quelle: https://taz.de/Gruendung-Generation-Deutschland/!6133527/]https://taz.de/Gruendung-Generation-Deutschland/!6133527/

-.-
Nachtrag #1: “ … Es gibt Momente, in denen die politische Bühne für einen Augenblick aus der Zeit fällt. Ein junger Mann tritt ans Pult, richtet sich auf, holt tief Luft – und spricht, als sei er aus einer anderen Epoche herübergestolpert. Alexander Eichwald hat auf dem AfD-Gründungskongress der „Generation Deutschland“ nicht einfach eine Rede gehalten; er hat ein Rätsel produziert, das nun wie ein Splitter im kollektiven Auge steckt. Man reibt sich und fragt: Was genau habe ich da gesehen? … Vielleicht ist gerade dies das eigentliche Kunststück dieser unfreiwilligen Inszenierung: Sie legt offen, wie dünn die Membran zwischen Vergangenheit und Gegenwart geworden ist. Wie schnell eine politische Bewegung, die sich gern „bürgerlich“ nennt, in ästhetische Abgründe kippt. Und wie irritiert die Öffentlichkeit reagiert, wenn Extremismus nicht mehr als grimmiges Drohgebäude erscheint, sondern als unfreiwillige Groteske. …“ | Aus: „Das Rätsel Alexander Eichwald: Ein politischer Spiegelmoment“ Frank Beutner (15. Dezember 2025) | Quelle: https://www.l-iz.de/leben/gesellschaft/2025/12/das-ratsel-alexander-eichwald-politischer-spiegelmoment-641250

-.-
Juergen Kasek (27. November 2025): “ … eine Partei ist nicht automatisch demokratisch, nur weil sie an Wahlen teilnimmt. Wenn das so wäre, wäre selbst die NSDAP eine demokratische Partei gewesen. … Zu den unverzichtbaren Grundpfeilern unserer Demokratie gehören Gleichheit und Minderheitenschutz. Gleichheit bedeutet: Jeder Mensch zählt – unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe oder Lebensweise. Minderheitenschutz bedeutet: Auch die Schwächeren haben Rechte, die nicht vom Stimmungsbarometer einer Mehrheit abhängen. Genau diese Prinzipien stellt die AfD offen infrage. Sie will den Minderheitenschutz faktisch abschaffen und ersetzt das Ideal des Kompromisses durch das Diktat einer angeblich homogenen Mehrheit. Ihr Denken speist sich aus einem völkischen Nationalismus, dessen Kern ein hierarchisierendes, rassistisches Menschenbild ist. Es ist kein Zufall, dass dieses Weltbild nahtlos anschlussfähig ist an die Logik des Nationalsozialismus. … Die größte Gefahr für Deutschland sind nicht allein die Rechtsextremen. Die größte Gefahr ist eine gesellschaftliche Mitte, die im Angesicht des Drucks Begriffe, Forderungen und Feindbilder der Rechten übernimmt – und damit die Normalisierung von Menschenfeindlichkeit vorantreibt. … “ | Quelle: https://juergenkasek.wordpress.com/2025/11/27/wie-demokratien-sterben-und-warum-die-afd-nicht-demokratisch-ist/

[Ordnung, Herrschaft und Interessen #73]

Photo: Jenny Kane (2025) [„Every journalist hit with a stinger grenade or pepper ball by law enforcement while covering a protest is a message from the government“ (18. Nov. 2025, 23:25) | Source: https://social.freedom.press/@freedomofpress/115573045228240088]

Caitlin Vogus (Nov. 18, 2025): “ … A Department of Homeland Security officer sprays a protester outside an Immigration and Customs Enforcement facility on Oct. 2 in Portland, Oregon. Federal agents have attacked journalists working to capture images like these. [“ … You’ve probably seen the inflatable frogs, the dance parties, the naked bike ride. Maybe you’ve also seen the darker images: a federal officer aiming a weapon at protesters, or federal agents hurling tear gas and flash bangs into peaceful demonstrations at a Portland, Oregon, immigration facility. Local journalists have been attacked for bringing images like these to the world. … “If you cover protests, you’re going to have discomfort and hazard. Period. That’s just the way it is,” [Photojournalist John] Rudoff [from Portland, Oregon] told us. “They shoot 20-year-old girls, and they shoot 70-year-old men, and they shoot people in wheelchairs, and they shoot blind people,” he added, referring to federal agents using crowd-control munitions. “The word impunity seems to be coined for them.” Despite the danger, Rudoff refuses to stop documenting. “The entire media ecosystem has been covered with the administration’s rantings about the war-ravaged hellscape of Portland, and the city is burning down, and ICE officers are being attacked, and on and on and on,” he said. “I feel some obligation to try and counter this frankly preposterous narrative that the city’s burning down. It isn’t.” … „] | Source: https://freedom.press/issues/journalists-cameras-become-targets-at-oregon-protests/

-.-

Kontext #1:

Bedrettin Bölükbasi (29.09.2025): “ … Den Einsatz von Militär und Nationalgarde innerhalb des eigenen Landes begründete Trump bislang mit angeblich ausufernder Kriminalität in den Demokraten-Hochburgen. Tatsächlich hat Portland mit einer im nationalen Vergleich hohen Kriminalitätsrate zu kämpfen. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2025 fiel die Rate der Gewaltverbrechen aber um 17 Prozent. Die höchste Kriminalität herrscht laut den Zahlen der Organisation Major Cities Chiefs Association vor allem in Staaten wie Louisiana, Mississippi und Tennessee. Alle drei Bundesstaaten werden von Gouverneuren der Republikaner regiert. …“ | Quelle: https://www.fr.de/politik/portland-trump-schickt-soldaten-zum-krieg-gegen-die-antifa-nach-zr-93958148.html

-.-

“ … Jona Spreter, Portland (16. Oktober 2025): Vergangene Woche war Heimatschutzministerin Kristi Noem in Portland. Mit ihr reisten mehrere rechtsextreme Influencer an. Sie durften die ICE-Zentrale in Portland betreten, was bislang selbst Ihrem Stadtrat verwehrt bleibt. Sie standen auf dem Dach der Polizeiwache und nahmen Instagram-Content auf. | Bürgermeister Keith Wilson: Es ist beispiellos. Aber das sagen wir ständig über diese Regierung. Hier geht es um mehr als verschobene Normen: Wir haben Bundesbeamte, die mit Scharfschützengewehren auf dem Dach der ICE-Zentrale sitzen, unsere Leute verschrecken und mit Pfefferspraygeschossen schießen. In welcher Demokratie hat es das jemals gegeben? …“ | Aus: „“Die Leute werden von ICE aus ihren Autos gezerrt““ (16. Oktober 2025) | Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-10/portland-usa-keith-wilson-nationalgarde-ice-gxe/komplettansicht
-.-
nepomuf: Die Kostüme sind ein brillianter Move. Der Kontrast zu den Tacticool-Kriegslarpern von ICE zieht das Alles in eine lächerliche Ebene, die Bilder der Festnahme friedlicher Frösche und Tiger haben einen eher schlechten Effekt. Und es erinnert alle Protestierenden daran: friedlich! Alle müssen zu jeder Zeit verstehen, dass das Regime nur diesen einen Moment der Eskalation sucht, um sein Notstandsgesetz durchzubringen. Das Schlimmste, was passieren kann, sind Bilder wie in Hamburg vor ein paar Jahren, oder bei den George Floyd Protesten. Genau das wollen Vance, Miller & Co … Wenn in jedem Bild stattdessen lustig Frösche rumhüpfen, wird das schwer. Ich hoffe, es gelingt.

Kontext #2:

„How inflatable frog suits became the protest fashion statement of the year“ Costumes have been worn as political symbols for decades, but animal outfits have become especially popular at anti-ICE demonstrations in Portland (October 14, 2025) | Quelle: https://www.washingtonpost.com/style/fashion/2025/10/14/portland-costumes-protesters-ice-immigration/

-.-

Andersmal: [Auch] In Deutschland wird man beim Besuch der Ausländerbehörde abgeholt in Abschiebegewahrsam genommen, obwohl man einen Ausbildungsplatz hat und von der Airline „Freebird“ hinfort geflogen.
-.-
Aufpassen-971: Es war schon im Mai 2025 in der ZEIT zu lesen, dass Trump und die rechtskonservative Denkfabrik “Heritage Foundation” für das „Projekt 2025“ Soldaten in die liberale Metropolen schicken will. Was im Moment in Portland, Chicago und anderen Städten passiert ist nur die Durchsetzung eines schon lange ausgefeilten Plans, und schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe. Seit über zwei Jahrzehnten fahre ich täglich mit meinem Fahrrad sicher durch Portlands Straßen. Ja, wir haben viele Obdachlose und Drogen hier, doch die werden mit Trumps Politik keineswegs weniger.
-.-
Nihi Liana: Ich habe gerade Besuch aus den USA. Zwei engagierte Akademiker aus dem Bildungsbereich, die sich nächste Woche in Griechenland niederlassen werden, weil sie eine zweite Trump Amtszeit und den MAGA Kult nicht ertragen. Gestern sprachen sie mit einer Kollegin der vor einer Demo geraten wurde ihr Smartphone nicht mitzunehmen, weil Teilnehmer inzwischen geortet und verfolgt werden.
-.-
Wuya: Für Menschenjäger hat das Regime Geld übrig, die werden mit Kopfprämie neu eingestellt, statt entlassen (wie diejenigen, die ab und zu etwas für ihre Mitmenschen tun). Das Gewissen hat in den USA derzeit einen Kurs von 50.000 Dollar.

-.-

Kontext #3: “ … Um das Ziel von einer Million Abschiebungen, also keine freiwilligen Ausreisen, zu erreichen, muss die Regierung noch mehr Razzien durchführen lassen, benötigt mehr ICE-Mitarbeiter. Und das kostet. Im Juli verabschiedete der Kongress mit Mehrheit der Republikaner ein großes Steuer- und Ausgabenpaket. Darin enthalten: rund 170 Milliarden Dollar für Grenzsicherheit und Einwanderungskontrolle für die kommenden vier Jahre. 75 Milliarden Dollar sind für ICE eingeplant. Das Jahresbudget der Behörde wird von etwa acht Milliarden Dollar auf rund 28 Milliarden Dollar mehr als verdreifacht. ICE hat damit einen Etat, der fast dreimal so hoch ist wie das des FBI. … ICE lockt mit Prämien von bis zu 50.000 Dollar und weiteren Leistungen wie der Erstattung von Studienkrediten in Höhe von bis zu 60.000 Dollar. Die Altersgrenzen für Neueinstellungen werden aufgehoben, auch Personen über 40 und unter 18 können sich jetzt bewerben. … “ | Aus: „“Das Heimatland verteidigen“ – wie Trump ICE ausbaut“ Nina Barth, Washington (21.10.2025) | Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/amerika/usa-ice-100.html

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #12]

… Was wir in der Schule gelernt haben, als Aufklärung zu sehen, ist einerseits der Kampf gegen den schlimmsten religiösen Obskurantismus und die absolutistische Willkür, andererseits ein gewisser Kult der Vernunft. (Philipp Blom)

„Wikipedia-Gründer Jimmy Wales: Warum Vertrauen Wissen schafft“ (SRF, 2025)
Video –> https://www.srf.ch/play/tv/sternstunde-philosophie/video/wikipedia-gruender-jimmy-wales-warum-vertrauen-wissen-schafft?urn=urn:srf:video:3544c466-b1b3-4a26-81f3-112ef57aebab (1:00:41)

-.-

Kontext #1:

Götz Hamann: “ … Diderots Encyclopédie schien den Kontinent zu erleuchten. Sie war ein Angriff auf das christliche Weltbild, das Primat der Kirche und die von Gott abgeleitete Macht der Könige. Denn sie stellte Vernunft, wissenschaftliche Methoden und die Empirie über den Glauben und gilt als das wichtigste Werk der Aufklärung. Das blieb nicht ohne Kritik. Da Diderot seine Haltung auch in diversen Essays kundgetan hatte, war er noch vor Erscheinen der ersten Bände verhaftet worden und mehrere Monate lang inhaftiert gewesen. Danach wurde er vorsichtiger … Denis Diderot und sein Freund und Kollege Jean Baptiste le Rond d’Alembert schrieben ihr Lexikon gemeinsam mit 142 sogenannten Enzyklopädisten. Wissenschaftler aus ganz Europa trugen dazu genauso bei wie die Intellektuellen der französischen Aufklärung und Revolution: der Staatstheoretiker und Philosoph Montesquieu; der Schriftsteller und politische Autor Voltaire; und nicht zuletzt Jean Jacques Rousseau. Doch außer ihnen lud Diderot auch Handwerker ein, machte sie zu Autoren, stellte ihre Kenntnisse gleichberechtigt neben die von Künstlern und Philosophen. Ein Uhrmacher beschrieb die Mechanik eines Uhrwerks, ein Kartograph teilte sein Wissen über die Vermessung der Erde. … Diderot arbeitete fast zwanzig Jahre an dem Lexikon, ein Lebenswerk. Fertig wurde er nicht. Nach 17 Textbänden und einigen zugehörigen mit Tafeln und Bildern übergab er seinen Nachfolgern die Aufgabe, es zu beenden. Sie taten es mit Bravour … 1780 erschien der letzte Band, Nummer 35. … “ | Aus: „Das gesammelte Wissen der Welt“ (17. Januar 2011) | Quelle: https://www.zeit.de/wissen/geschichte/2011-01/wikipedia-diederot

„Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers“ („Enzyklopädie oder ein durchdachtes Wörterbuch der Wissenschaften, Künste und Handwerke“) … | –> https://de.wikipedia.org/wiki/Encyclop%C3%A9die_ou_Dictionnaire_raisonn%C3%A9_des_sciences,_des_arts_et_des_m%C3%A9tiers


“ […] Lukas Luger: … [Paris, wenige Jahre vor Ausbruch der Französischen Revolution: Im Salon des Barons d’Holbach treffen sich die größten Denker Europas, um ihre radikalen Ideen zu diskutieren. Der Historiker Philipp Blom hat in seinem Buch „Böse Philosophen“ ihre Geschichte niedergeschrieben.] In Ihrem Buch [Böse Philosophen. Ein Salon in Paris und das vergessene Erbe der Aufklärung. Carl Hanser Verlag, München 2011., 400 Seiten, ISBN-13: 9783446236486] setzen Sie sich für eine Wiederentdeckung der radikalen Strömung der Aufklärung ein. Warum verdient ein Philosoph wie Denis Diderot im 21. Jahrhundert eine Rehabilitierung? [Wo stecken die Denis Diderots von heute? … ]
Philipp Blom: … Was wir in der Schule gelernt haben, als Aufklärung zu sehen, ist einerseits der Kampf gegen den schlimmsten religiösen Obskurantismus und die absolutistische Willkür, andererseits ein gewisser Kult der Vernunft. … Der Austausch des Wissens ist heute global und sehr von kommerziellen Gesichtspunkten geprägt. Grundlegende Debatten sind kaum noch möglich, das System ist heute viel diffuser. Es gibt viel mehr kleine Stimmen, die sich in bestimmten Gebieten zu Einzelfragen unterhalten. Aber eine große revolutionäre Stimme, die unser aller Leben verändert, gibt es nicht mehr. … Diderot zum Beispiel hätte gerne an Gott geglaubt. Er war in seiner Jugend sehr fromm, wollte Jesuit werden. Irgendwann hat er aber begriffen, dass sein Bedürfnis zu glauben etwas ist, dem er nicht nachgeben darf, weil es rational falsch ist. In jeder Philosophiestunde lernt man, wie wichtig es ist, die richtigen Fragen zu stellen. Aber niemand sagt einem, wie schwierig es ist, mit den Antworten, die man sich erarbeitet, zu leben. Vielleicht kommen sie auf Ergebnisse, die ihren ureigensten Instinkten, ihren Lebenseinstellungen gar nicht entsprechen. Den Mut zu finden, gegen sein Bauchgefühl anzudenken – das habe ich von Diderot mitgenommen. …“ | Aus: „Buch über radikale Denker – Interview mit dem Autor Philipp Blom“ Lukas Luger (14. Oktober 2011) | Quelle: https://www.nachrichten.at/kultur/Buch-ueber-radikale-Denker-Interview-mit-dem-Autor-Philipp-Blom;art16,736236

Zeichnerische Darstellung einer Camera obscura aus der Encyclopédie

-.-
Denis Diderot (* 5. Oktober 1713 in Langres; † 31. Juli 1784 in Paris)
https://de.wikipedia.org/wiki/Denis_Diderot

Als Enzyklopädisten werden die 144 namentlich bekannten Beiträger der Encyclopédie ou Dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers bezeichnet.
https://de.wikipedia.org/wiki/Enzyklop%C3%A4dist_(Encyclop%C3%A9die)

Obskurität (von lateinisch obscuritas „Dunkelheit, Unverständlichkeit“) … Obskurantismus bezeichnet keine feststehende Weltanschauung. Obskurantismus und die Bezeichnung für dessen Anhänger, Obskurant, wurden als kritische Bezeichnungen etabliert. Diejenigen, die sich als Vertreter einer der Aufklärung verpflichteten Denkweise sahen, benutzten das Wort als rhetorisches Mittel. Die anderen, deren Positionen ihnen als „anti-aufklärerisch“, „metaphysisch“ oder „religiös“ galten, wurden mit der Zuschreibung, Anhänger eines Obskurantismus zu sein, belegt. … Meyers Konversationslexikon in der Ausgabe von 1888 erklärt die Obskuranten schließlich zu „Finsterlingen“: „Obskurantismus (lat.), Gegensatz zu Aufklärung (–> Aufklärung: https://de.wikipedia.org/wiki/Aufkl%C3%A4rung), sowohl die Hinneigung zur geistigen Dämmerung als das System, alle Aufklärung von andern abzuhalten. Die Anhänger des Obskurantismus heißen Obskuranten (Finsterlinge).“ … | Quelle https://de.wikipedia.org/wiki/Obskurit%C3%A4t (31. Mai 2025)

[Aufklärung und Wirklichkeitsbezug #11]

“ … Die Informationsethik beschäftigt sich … mit den Fragen, ob und in welcher Form Eigentumsrechte an Informationen geltend gemacht werden können, mit den Aspekten der Informationsfreiheit, der Überwindung einer digitalen Kluft zwischen Personen mit und ohne Zugang zu Informationen, der informationellen Selbstbestimmung und der Wahrung der Privatsphäre angesichts wachsender Möglichkeiten der Überwachung (Datenschutz) sowie mit den Beschränkungen der Verbreitung von Informationen aufgrund von Persönlichkeits- und Jugendschutz und ebenso mit Zensur. Verwandte Forschungsgebiete sind die Medienethik, Computerethik, Technikethik, Zukunftsethik, Technikfolgenabschätzung und Wirtschaftsethik. Die wichtigsten Funktionen der Informationsethik sind nach dem Philosophen und Informationswissenschaftler Rafael Capurro, der diesen Begriff auch geprägt hat, „nach der Entstehung der Strukturen und Machtverhältnisse fragen, die das Informationsverhalten bestimmen“, „Informationsmythen aufdecken und kritisieren“, „verdeckte Widersprüche der herrschenden Sprachnormierung offenlegen“ und „die Entwicklung informationsethischer Fragestellungen beobachten“ … [Rafael Capurro: Ethik im Netz. Franz Steiner, Stuttgart 2003, ISBN 3-515-08173-9 (Medienethik 2).] … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Informationsethik („Informationsethik“, Datum der letzten Bearbeitung: 19. Juni 2024, 20:40 UTC, Versions-ID der Seite: 246052542, Permanentlink: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Informationsethik&oldid=246052542, Datum des Abrufs: 9. Oktober 2025, 14:06 UTC)

-.-

-.-

“ … Meine Vision basierte auf Teilen, nicht auf Ausbeutung … Ich war 34 Jahre alt, als mir die Idee für das World Wide Web kam. … Ich glaubte, dass eine so einfache Möglichkeit, im Internet zu navigieren, Kreativität und Zusammenarbeit auf globaler Ebene ermöglichen würde…. [Jetzt sehen] Wir [ ] eine Handvoll großer Plattformen, die private Daten ihrer Nutzer sammeln, um sie an kommerzielle Vermittler oder sogar repressive Regierungen weiterzugeben. Wir sehen allgegenwärtige Algorithmen, die von Natur aus süchtig machen und die psychische Gesundheit unserer Teenager schädigen. Der Handel mit persönlichen Daten gegen Nutzung passt ganz sicher nicht zu meiner Vision eines freien Webs. … Regulierung und globale Governance sind technisch machbar, aber abhängig von politischem Willen. Wenn wir ihn aufbringen, haben wir die Chance, das Web als Werkzeug für Zusammenarbeit, Kreativität und Mitgefühl über kulturelle Grenzen hinweg wiederherzustellen. … Es ist noch nicht zu spät. … “ | From: „Why I gave the world wide web away for free“ Tim Berners-Lee (Sun 28 Sep 2025) | Source: https://www.theguardian.com/technology/2025/sep/28/why-i-gave-the-world-wide-web-away-for-free | https://www.theguardian.com/technology/2025/sep/28/why-i-gave-the-world-wide-web-away-for-free#comments –// — https://de.wikipedia.org/wiki/Tim_Berners-Lee

-.-
JBHaynes, 28. September 2025, 16:08 Uhr: „… Ich denke auch oft darüber nach – und spreche mit anderen über die Ursprünge des Webs, die Vorteile und den zunehmenden Missbrauch, hauptsächlich, aber nicht nur, durch die amerikanischen „Tech-Bro“-Unternehmen und -Plattformen. … [Ich] sehe [ ] ehrlich gesagt nicht, wie … [dieser] Geist wieder in die Flasche gesteckt oder zumindest zurückgedrängt werden kann …“
-.-
OlliEcological 28.09.2025 16.54: „ … ich vermisse Douglas Adams wirklich. Was hätte er aus dieser Shitshow gemacht? …“
-.-

SustainabilityBrown, 28. Sep. 2025, 20:10 Uhr: “ … Oh, Tim, ich erinnere mich noch an die ehrenvollen und optimistischen Zeiten, als das Internet Menschen zusammenbringen sollte, ermöglicht durch selbstlose Softwarehersteller. Leider hat es sich zum genauen Gegenteil entwickelt: Es ist heute ein Vehikel für Kriminalität, Ausbeutung, Anwerbung und Radikalisierung. Die Frage ist nun: Wie geht es weiter? …“

-.-

Msomerville, 28. Sep. 2025, 18:13 Uhr: “ … mein Fazit ist meist das gleiche: Ich denke, es ist wie jede andere Technologie, die wir jemals entwickeln. Sie kann zum Guten wie zum Schlechten eingesetzt werden. Das Problem sind die Menschen. [… ]
Das gedruckte Wort war eines der einflussreichsten Instrumente der protestantischen Reformation. Mithilfe des Buchdrucks konnten „Reformer“ und „Verteidiger“ im Europa des 16. Jahrhunderts ein breites Publikum erreichen und sowohl religiöse als auch soziale Unruhen auslösen.
– Website „Reformationsflugblätter“ der Loyola Marymount University

Wir sind es. Nicht die Technologie. …“

-.-

stupowerlord, 28. Sep. 2025, 20:21 Uhr: “ … Anfang 1994 begann ich bei British Telecommunications zu arbeiten – in den Forschungslabors in Suffolk. Als Absolventen trafen wir uns alle in London und wählten einige von uns aus, die im Rahmen einer großen, im Fernsehen übertragenen Veranstaltung kurze Vorträge vor den damaligen British Telecommunications-Direktoren halten sollten. Ich wurde ausgewählt, mein Thema vorzustellen: Ich sagte im Wesentlichen, British Telecommunications sollte sicherstellen, dass jeder Mitarbeiter an seinem Schreibtisch Internetzugang hat. Nur so könne das Unternehmen wirklich innovativ sein und die Zukunft gestalten. Die damaligen Chefs lächelten höflich und sagten mir dann, ich sei naiv und die Idee sei dumm. …“

-.-

MarcoPoloMint (28. Sep. 2025 20:33): “ … [ich] experimentierte [ ] mit verschiedenen Technologien aus der Zeit vor dem WWW, wie Usenet und später Gopher, konfigurierte WinSock auf einer Windows 3.1-Maschine, wählte mich mit einem 28800-Baud-Modem ein und genoss die Begeisterung, mit anderen Menschen auf der ganzen Welt in Kontakt zu treten und Ideen auszutauschen. Das Potenzial, das sich für uns alle bot, war für einen angehenden jungen Wissenschaftler geradezu überwältigend. Ich war damals kein Informatiker oder Ingenieur, sondern Geisteswissenschaftler und brachte mir die Technologien selbst bei.

Es ist schwer zu beschreiben, was für ein Fortschritt das WWW in diesen aufregenden Anfangstagen war. Eine radikale Demokratisierung, bei der jeder eine Website erstellen konnte, indem er HTML lernte, und die Forschungsergebnisse von Menschen aus aller Welt lesen konnte, die dasselbe getan hatten.

Netscape Navigator war der Open-Source-Browser, der dieses Königreich erschloss. Aber jeder weiß, was daraus geworden ist: Technologieunternehmen wie Microsoft haben ihre Browser mit dem Betriebssystem (Windows 95 und später) gebündelt und dann die bisherigen Standards und Codes geändert, wodurch das „offene“ Web zu etwas proprietärerem umgestaltet wurde. Und von da an ging der Schaden weiter. Alle verweisen auf Web 2.0 und den Aufstieg der sozialen Medien, aber der Verfall setzte schon vorher ein.

Und jetzt muss alles zu einer App werden. Alles Banking, soziale Medien, sogar das Parken. Ladet euch noch eine verdammte App herunter. Das ist wieder die falsche Richtung vom „offenen“ Web. Ich versuche, mich so gut es geht dagegen zu wehren.

Tim Berners-Lee: Danke, dass Sie uns eine kraftvolle Vision einer kooperativen Zukunft voller Potenzial geboten haben, zumindest für ein paar schwindelerregende Jahre. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg mit Ihren Initiativen, die ebenfalls vielversprechend sind und sich um offene Standards und Datenschutz drehen. Aber wenn ich mit meinen Studierenden spreche, ist es unmöglich, ihnen das radikale Versprechen des WWW zu erklären und warum es jetzt so herzzerreißend ist. …“

— //–

[MarcoPoloMint, 28 Sep 2025 20.33: Like some others here, I was playing around with various pre-WWW technologies such as Usenet and then Gopher, configuring WinSock on a Windows 3.1 installation, dialling up with a 28800 Baud modem, and feeling the thrill of connecting with other people around the world and sharing ideas. The potential for us all was nothing short of stunning for a budding young scholar. I wasn’t a computer scientist or engineer, but a humanities scholar at the time who taught himself the technologies. It’s difficult to express just what a step forward the WWW was in those heady, early days. A radical democratization in which anyone could put up a website by learning HTML, and read the research of people from around the world who had done the same. Netscape Navigator was the open source browser that opened up this kingdom. But everyone knows what happened to that: tech companies like Microsoft bundled their browser with the operating system (Windows 95 and thereafter) and then changed the previous standards and codes, reshaping the ‚open‘ web to become something more proprietary. And the damage continued from there. Everyone points to Web 2.0 and the rise of social media, but the rot set in before then.
And now everything has to become an app. All banking, social media, even for parking your car. Download another bloody app. This, again, is the wrong direction from the ‚open‘ web. I try to refuse as much as possible.
Tim BL: thank you for offering us a powerful vision of a cooperative future full of potential, for a few giddy years at least. I wish you good luck with your initiatives which are also promising and revolve around open standards and privacy. But when I talk to my students, it’s impossible to explain to them the radical promise of the WWW and why it is so heartbreaking now.“] …“

-.-

Kontexte #1

“ … Denken Sie an Twitter, eine einst nützliche und oft unterhaltsame Microblogging-Seite, die von einem Tech-Bro in X, einen Post-Truth-Sumpf, verwandelt wurde. Oder Facebook, wo man heute eher mit gehäkelten, arschlosen Chaps von Shein als mit dem bescheidenen Prahlen eines guten Freundes konfrontiert wird. Oder Instagram, wo einst süße Hundevideos regierten. Jetzt serviert ein weiterer undurchschaubarer Algorithmus eine Kostprobe aus Tradwives, Gym-Bros und Uwu-Girls. Das Wörterbuchkomitee beschrieb Enshittification als „einen sehr einfachen angelsächsischen Begriff, verpackt in Affixe [https://de.wikipedia.org/wiki/Affix_(Linguistik)], die ihn fast formell, fast respektabel machen“. … Doctorow schrieb, dieser Verfall sei ein dreistufiger Prozess. „Zuerst sind Plattformen gut zu ihren Nutzern; dann missbrauchen sie ihre Nutzer, um die Dinge für ihre Geschäftskunden zu verbessern; und schließlich missbrauchen sie diese Geschäftskunden, um den gesamten Wert für sich selbst zurückzugewinnen“ … „Es ist frustrierend. Es ist demoralisierend. Es ist sogar erschreckend.“ … Wettbewerbsmaßnahmen zur Verhinderung marktbeherrschender Stellung, um Marktdominanz zu verhindern, Regulierungen in Bereichen wie dem digitalen Datenschutz, mehr Entscheidungsfreiheit für Nutzer bei der Nutzung von Plattformen und die Bekämpfung der Ausbeutung von Arbeitnehmern könnten den Prozess umkehren, schrieb er, denn „jeder hat ein Interesse an der Entschottung“. Big Tech könne nicht repariert werden, argumentiert er, aber vielleicht könne es zerstört werden. Er fügt der skatologischen Reise der Tech-Plattformen eine vierte Phase hinzu: Von der Gutmütigkeit gegenüber den Nutzern über deren Missbrauch zugunsten ihrer Kunden bis hin zum Missbrauch ihrer Kunden, um sich selbst zu dienen. „Dann sterben sie“, schrieb er. … “ | Aus: „‘What many of us feel’: why ‘enshittification’ is Macquarie Dictionary’s word of the year“ Tory Shepherd (26. Nov 2024) | Source: https://www.theguardian.com/science/2024/nov/26/enshittification-macquarie-dictionary-word-of-the-year-explained

-.-

Der Begriff Enshittification (englisch, wörtlich etwa Verscheißigung), auch bekannt als Crapification oder Platform decay (deutsch Plattformverfall), beschreibt ein Muster, bei dem digitale Angebote, d. h. Onlinedienste und -plattformen, oft mit der Zeit an Qualität verlieren. Verursacht wird dies durch dort dann jeweils zunehmend wachsende Interessensgegensätze zwischen Betreibern und Nutzern: Anbieter versuchen dabei in der Regel die Monetarisierung ihrer Dienste bzw. ihrer Angebote deutlich zu verstärken bei gleichzeitigen Einsparungen bei den eigenen Kosten und gegebenenfalls auch mittels Verzichts bei der Produkt-Qualität bzw. der Produkt-Nutzerfreundlichkeit. Geraten diese teilweise gegensätzlichen Interessen zu sehr ins Ungleichgewicht zu Ungunsten der Nutzer bzw. der Kunden, dann tritt oft als eines der dann zu bemängelnden Ergebnisse die Enshittification als eine Flut belangloser, austauschbarer Texte, die das Vertrauen der Nutzer untergraben, auf. Ein weiteres jüngeres Problem wird in diesem Kontext mittlerweile auch gesehen: Verursacht durch sogenannten KI-Slop werden mit Hilfe von künstlicher Intelligenz massenhaft Texte und Bilder generiert, die das Internet „vermüllen“. | https://de.wikipedia.org/wiki/Enshittification

-.-

„KI: Der Tod des Internets“ (arte) [11.10.2025]: “ … Eine Dokumentation darüber, wie die Flut KI-generierter Inhalte das Internet förmlich zu ersticken droht … Kann es sein, dass das Internet tot ist und wir es nur noch nicht gemerkt haben? Mit dieser Frage beginnt diese Dokumentation von Mario Sixtus. Und die Antwort, die im Lauf des Films gegeben wird, stimmt nicht optimistisch: Wenn das World Wide Web noch nicht tot ist, dann doch im Sterben begriffen; das attestieren ihm die Expertinnen und Experten, die der Filmemacher befragt – unter anderem die amerikanische Computerwissenschaftlerin Melanie Mitchel, Internet-Aktivist und Autor Cory Doctorow oder Soziologin und Informatikerin Milagros Miceli. Grund für die Malaise ist das, was in der Szene „slob“ genannt wird: minderwertige Bot-Postings und KI-generierte Bilder und Videos, die das Netz und die sozialen Netzwerke fluten und dafür sorgen, dass seriöse Inhalte in der Masse synthetischen Dünnpfiffs heillos untergehen. …“ | https://www.filmdienst.de/artikel/75723/ki-der-tod-des-internets-doku-tv-programm

-.-

Als Slop (auch KI-Slop, englisch AI slop; von englisch slop, Fraß, Mansch, Schlicker, Schlempe) werden Medieninhalte – einschließlich Text und Bilder – von niedriger inhaltlicher Qualität bezeichnet, die mit Hilfe von generativer künstlicher Intelligenz erzeugt werden. Der um 2022 geprägte Ausdruck ist, ähnlich wie Spam, abwertend konnotiert. … Die Verbreitung von Slop in Social Media wird dadurch gefördert, dass sich so auf einfache Weise monetäre Einnahmen etwa auf Facebook und TikTok generieren lassen. Zum Teil wirken Slop-Bildinhalte bizarr … | https://de.wikipedia.org/wiki/Slop

-.-

Shitposting (englisch für „Scheiße posten“) ist ein aus der Internetkultur stammender Begriff. Er bezeichnet einen „nutzlosen, sinnlosen oder absurden Beitrag auf einer Social-Media-Plattform“. Solche von Nutzern erstellte Online-Inhalte sind häufig von „aggressiver, ironischer und trollig schlechter Qualität“. Shitposts sind in der Regel absichtlich so gestaltet, dass sie Diskussionen entgleisen lassen oder mit möglichst wenig Aufwand die größtmögliche Aufmerksamkeit hervorrufen sollen. Typische Eigenschaften von Shitposting sind die „Absurdität“ oder „Sinnlosigkeit“ der Inhalte, die Absicht zu kritisieren oder zu stören, eine eigene „hässliche“ Internetästhetik sowie die Benutzung von Metasprache. Shitposting ist multimedial und kann in Form von Text, Videos, Tonaufnahmen oder bearbeiteten Bildern wie Memes erfolgen. Häufig verfügen Shitposts absichtlich über Eigenschaften wie Rechtschreibfehler, schlechte Bildbearbeitung, grobe Fotomanipulation oder andere offensichtliche Schwächen. Auch „ironischer“ Spam oder Falschinformationen können unter den Begriff fallen. Der Term Shitposting soll erstmals von einem Nutzer des Internetforums Something Awful benutzt worden sein und begann ab ca. 2007 im Internet populär zu werden. Er war 2010 als Begriff für schlechte Onlineinhalte fest etabliert. | https://de.wikipedia.org/wiki/Shitposting

[Kiel #97… ]

Grobi (Stand 25.09.2025): “ … Im Jahr 2019 wurde beschlossen: Die Häuser in der Lornsenstraße 52–60 sollen saniert werden, behutsam, wie es bei Genossenschaftswohnungen üblich ist. Das war die Zusage. Die Mieter glaubten daran. Viele machten sich auf bauliche Veränderungen gefasst. Doch dann kippte alles. Ein angebliches Gutachten, das keiner sehen darf. Plötzlich hieß es: Die Häuser seien „nicht mehr wirtschaftlich sanierbar“. Angeblich bestätigt durch ein Gutachten. Ein Papier, das bis heute niemand kennt. Weder die Mieter. Noch der Mieterverein. Noch die Presse. Noch die Politik. Wie kann man so eine drastische Entscheidung treffen, ohne Offenlegung, ohne Transparenz? … Inzwischen wohnen nur noch 16 langjährige Mietparteien von ursprünglich 40 in den Häusern. Sie haben durchgehalten, trotz Unsicherheit, Angst, Intransparenz. 24 Einheiten sind bereits nur noch befristet vermietet. Jetzt sollen alle raus. Stück für Stück. Spätestens Ende 2027 soll das letzte Licht ausgehen. … Ein echtes, lebendiges, durchmischtes Quartier, wie es politisch oft beschworen, aber immer seltener realisiert wird. Häuser in bestem Zustand und trotzdem zum Abriss freigegeben? … “ | Aus: „Worum geht es? Hier wohnt Kieler Geschichte – Lornsenstraße 52–60 Unser Zuhause steht auf dem Spiel“ | Quelle: https://erlebnisreicher.de/lornsenstrasse-52-60/

Bild: Straßenfest in der Kieler Lornsenstraße am 7. September 2025

Online-Petition: “ … Die Wohnblöcke in der Lornsenstraße 52–60 in Kiel stehen vor dem Abriss, obwohl sie in hervorragendem baulichem Zustand sind. Kein Schimmel. Kein Asbest. Keine strukturellen Mängel. Alle Wohnungen sind … Teil einer gewachsenen Hausgemeinschaft, in der viele Menschen seit Jahrzehnten leben. Die geplanten Maßnahmen gefährden bezahlbaren Wohnraum, gewachsene Nachbarschaften und sie setzen ein klimapolitisch verheerendes Signal. Die Mieten des geplanten Neubaus sind für die jetzigen Mieter und sehr viele andere Wohnungssuchende nicht bezahlbar, das steht fest!Wer hier raus muss, findet nichts Vergleichbares mehr! Viele der aktuellen Mieter leben hier seit 40, 50 oder mehr Jahren. Für Seniorinnen und Senioren bedeutet ein Umzug häufig den Verlust sozialer Sicherheit und im schlimmsten Fall der Schritt in die Pflegeeinrichtung. Andere Mieter mit Migrationsgeschichte hätten kaum Chancen auf dem freien Wohnungsmarkt und sind auf diese stabile Wohnsituation dringend angewiesen. Die geplanten Neubauten sind deutlich teurer und damit für die Meisten nicht mehr bezahlbar. …“ | https://www.openpetition.de/petition/online/erhalt-statt-abriss-fuer-soziale-gerechtigkeit-und-ressourcenschonung-lornsenstrasse-in-kiel

-.-

[Internetaugenblicke #3 … ]



Miniaturen der Kulturtechnik: „Verträge“ beim „Treiber Download“
und die Ich bin kein Robotter Frage.


„…
Die Überprüfung ist abgelaufen.
Klicken sie das Kästchen erneut an.
Ich bin kein Robotter
.
…“

[Monty Python’s Flying Circus… ]

„Britische Post widmet Monty Python Briefmarkenserie“ – Der Kultfilm „Ritter der Kokosnuss“ der Comedy-Gruppe wird in diesem Jahr 50 Jahre alt. Die britische Post feiert das Jubiläum mit einer Sonderedition (Aktualisiert am 8. August 2025) | Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2025-08/monty-python-briefmarken-roayl-mail-post-sammlerstueck-jubilaeum

// Monty Python’s Flying Circus
// https://de.wikipedia.org/wiki/Monty_Python%E2%80%99s_Flying_Circus

Harmlos01 (08.08.2025): “ … Britische Post widmet Monty Python Briefmarkenserie – Wo die Abstrusität des Lebens locker mit dem Flying Circus mithalten kann ist das eine nachvollziehbare Entscheidung. …“

Kontext:


The Bicycle Repair Man | >> https://youtu.be/A23WiU-TdLI
The bicycle scenes were filmed in Petersham on July 8th 1969


„Ex-Superman Dean Cain will Trump bei Massenabschiebungen helfen“
Nana Siebert (7. August 2025) | Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000282600/ex-superman-dean-cain-will-trump-bei-massenabschiebungen-helfen

Naridulu (7. August 2025): “ … bizzaro world … „

[Aus dem Bilderbuch des Wahnsinns #4 …]

Photograph: Mohammed Saber/EPA –> “ … A report by Francesca Albanese to the UN Human Rights Council on Thursday points to the deep involvement of companies from around the world in supporting Israel during its 21-month onslaught in Gaza. “While life in Gaza is being obliterated and the West Bank is under escalating assault, this report shows why Israel’s genocide continues: because it is lucrative for many,” the report says. … According to the Gaza health ministry, more than 56,000 Palestinians have been killed by Israel’s campaign in Gaza, which was triggered in October 2023 when a Hamas attack killed 1,200 Israelis. Many experts have said the real death toll in Gaza could be much higher as many Palestinians are missing and believed to be buried under the rubble. … “ | „Global firms ‘profiting from genocide’ in Gaza, says UN rapporteur“ Julian Borger in Amman (Thu 3 Jul 2025) | Source: https://www.theguardian.com/world/2025/jul/03/global-firms-profiting-israel-genocide-gaza-united-nations-rapporteur // https://www.ohchr.org/en/documents/country-reports/ahrc5923-economy-occupation-economy-genocide-report-special-rapporteur

-.-

“ … Die Nachrichten und Bilder aus Gaza sind schier unerträglich. Was geschieht mit uns, wenn wir sie uns jeden Tag anschauen und nichts dagegen unternehmen. Die Flut an Schreckensnachrichten – und Schreckensbildern, die täglich über uns hereinbricht, hat eine „Normalisierung des Grauens“ zur Folge, wie Herbert Marcuse das schon zu Zeiten des Vietnam-Kriegs genannt hat. Wir verschlingen unentwegt eine derart hohe Dosis an Dramatik und Elend, dass wir jede Fähigkeit zur Verarbeitung und Wahrnehmung einzubüßen drohen. Je deutlicher eine Barbarei zu sehen ist, je mehr Wiederholungen uns präsentiert werden, desto schneller vergessen wir sie. Wir konsumieren Horror wie andere Leute Alkohol und Canabis. Alles zeigen, alles ausbreiten, alles präsentieren: Dies ist das beste Mittel, um uns gegen das Unglück, von dem die Medien berichten und von dem sie vampiristisch zehren, immun zu machen. Die Fülle der Nachrichten wird zum Widersacher der Wahrheit, unsere Aufnahmefähigkeit und Verarbeitungskapazität kollabiert unter dem Ansturm schrecklicher Bilder. Die Metastasen des Zynismus breiten sich aus und drohen unsere Fähigkeit zu Widerstand und Revolte zu zerstören. Abgesehen davon, dass wir, ob wir es wollen oder nicht, zu Komplizen des Unrechts werden, das wir geschehen lassen und dem wir zusehen. …“ | Aus: „121 | In der kulturellen Wüste“ Götz Eisenberg (5. Juni 2025) | Quelle: https://durchhalteprosa.de/2025/06/05/121-in-der-kulturellen-wueste/

-.-

“ … das sah bereits Kurt Tucholsky in der Weltbühne so, dass der Krieg ein Geschäft ist – woraus etwa der aktuelle US-Präsident auch gar keinen Hehl macht. Es geht um »Deals«. Was zerbombt wird, muss wieder aufgebaut, verschossene Munition und zerstörtes Kriegsgerät müssen ersetzt und die von der Wirtschaft dringend benötigten Rohstoffe (Öl in Nahost, seltene Erden in der Ukraine) »gesichert« werden. Die sattsam bekannte Folge: Die Armen sterben, und die Reichen werden reicher. So war es wohl immer. Solche Zusammenhänge transparent zu machen, um den tödlichen Kreislauf zu durchbrechen, das wäre, das ist die Arbeit eines politischen Journalismus‘, der seinen Aufklärungsauftrag ernst nimmt. Dieser Auftrag wird jedoch nur noch sehr unzulänglich erfüllt, er ist ja auch denkbar unbequem. Sich all denen, die sich im Besitz der Wahrheit wähnen – und diese, ihre Wahrheit zur »offiziellen« machen wollen – fragend entgegenzustellen, ist anstrengend – und steht seinerseits unter Irrtumsvorbehalt. Denn auch solches Fragen kann sich »verirren« und gehörte dann seinerseits aufgeklärt. Das ist ein letztlich unabschließbarer, unvermeidbar mühsamer Prozess, der nur im Streit – und in Freiheit! – bewältigt werden kann. Wird solcher Streit unterdrückt, steht die – wie erwähnt unabschließbare – Wahrheitssuche auf verlorenem Posten, werden alle Meinungsunterschiede zu reinen Propagandaschlachten. Und das ist zurzeit zu besichtigen. Der Drang, auf der »richtigen« Seite zu stehen, hat einen Konformitätsdruck erzeugt, der jedem kritischen, politischen Journalismus, jeder freien Entwicklung von Wissenschaft und Kultur zuwiderläuft. …“ | Aus: „Vom Niedergang der Öffentlichkeit“ Rüdiger Dammann (14/2025) [Rüdiger Dammann: https://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCdiger_Dammann] | Quelle: https://www.ossietzky.net/artikel/vom-niedergang-der-oeffentlichkeit/

-.-

“ … Sophie von der Tann solle doch den Job wechseln, wenn sie lieber Aktivistin wäre, schrieb der israelische Botschafter Ron Prosor vor Kurzem auf der Plattform X – und warf ihr „Anti-Israel“-Aktivismus vor. Von der Tann, muss man wissen, ist Korrespondentin der ARD in Israel. Der Grund für Prosors Kritik: Die Journalistin hatte auf Instagram einen Artikel der New York Times gepostet, den der Historiker Omer Bartov verfasst hat. Der Titel des Textes: „Never again. I am a Genocide Scholar. I know it when I see it.“ Es war wohl dieses eine Wort, das den Botschafter veranlasste, die Journalistin zu kritisieren: Genocide. Genozid. Völkermord. Das Aussprechen oder Nichtaussprechen dieses einen Wortes wird in der deutschen Debatte genutzt, um Menschen in „Seiten“ aufzuteilen – in „propalästinensisch“ (ergo antiisraelisch) und in „proisraelisch“ (ergo antipalästinensisch). Es gibt in dieser Erzählung genau zwei Seiten: Gut und Böse. … In autoritären Staaten oder bei Terrorgruppen ist der behauptete Kampf gegen „das Böse“ systemimmanent, weil Polarisierung zentraler Teil autoritärer Systeme ist. Wladimir Putin kämpft gegen „Nazis“ in der Ukraine (stellvertretend für das ultimative Böse). Die Hamas kämpft gegen Israel und Jüdinnen und Juden (stellvertretend für das ultimative Böse). Polarisierung soll gewaltvolles und grausames Vorgehen rechtfertigen und eine heldenhafte Erzählung generieren. Es soll vor allem eines: Macht sichern. Denn wer gegen das Böse kämpft, steht selbst auf der guten, der moralischen Seite. Jede Opposition, jedes Widerwort ist damit von vornherein delegitimiert – es wird automatisch zu einem Teil des „Bösen“ erklärt. … Polarisierung zerstört Empathie. Wer sich auf der moralisch „richtigen“ Seite sieht, hat viel Empathie für die eigene „Seite“ – aber keine für die andere. Man hält Gewalt sogar dann für gerechtfertigt, wenn sie sich gegen Kinder richtet. Denn Polarisierung im Krieg soll die „urmenschliche Abneigung“ gegen Gewalt, wie der Historiker Rutger Bregman es beschreibt, ausschalten. Es funktioniert. Diese emotionale Radikalisierung führt dazu, dass manche Menschen Bilder von ausgehungerten Babys in Gaza sehen können und kein Mitgefühl haben. Diese emotionale Radikalisierung führt dazu, dass manche Menschen Bilder von getöteten Kleinkindern in Israel sehen können und kein Mitgefühl haben. Bei kleinen Kindern ist diese emotionale Radikalisierung besonders spürbar. Sie tragen für nichts Schlechtes auf dieser Welt Verantwortung. Wer an Seiten glaubt, wer an die Gut-gegen-Böse-Erzählung glaubt, wird Mitgefühl verlieren. Und Mächtige haben es leicht, Gewalt und Krieg fortzuführen. Wenn Menschen angegriffen werden, weil sie vom Genozid sprechen (oder nicht), geht es nicht um die Menschen, die unter Krieg und Gewalt leiden. Ginge es um die von Gewalt betroffenen Menschen, dann würden alle darauf verzichten, recht haben und auf der „guten“ Seite stehen zu wollen. Dann würde nicht darüber gestritten, wer „böse“ ist und wer „gut“. Dann würde gemeinsam demonstriert. Gegen Mächtige, die Menschen töten und töten lassen. Denn die meisten Menschen wollen nur eines: dass Menschen aufhören, andere Menschen umzubringen. …“ | Aus: „Gut-und-Böse-Erzählungen – Kampf um Worte“ Aus einer Kolumne von Gilda Sahebi (30.7.2025) | Quelle: https://taz.de/Gut-und-boese-Erzaehlungen/!6099493/

-.-

Nachtrag #1

“ … Just yesterday, an independent commission of experts appointed by the United Nations echoed this finding. These experts concluded that: “It is clear that there is an intent to destroy the Palestinians in Gaza through acts that meet the criteria set forth in the Genocide Convention.” I agree.
Out of a population of 2.2 million Palestinians in Gaza, Israel has now killed some 65,000 people and wounded roughly 164,000. The full toll is likely much higher, with many thousands of bodies buried under the rubble. A leaked classified Israeli military database indicates that 83% of those killed have been civilians. More than 18,000 children have been killed, including 12,000 aged 12 or younger.
For almost two years, the extremist Netanyahu government has severely limited the amount of humanitarian aid allowed into Gaza and thrown up every possible hurdle to the United Nations and other aid groups trying to provide lifesaving supplies. This includes an 11-week total blockade in which Israel did not permit any food, water, fuel or medical supplies to enter Gaza. As a direct result of these Israeli policies, Gaza is now gripped by manmade famine, with hundreds of thousands of people facing starvation. More than 400 people, including 145 children, have already starved to death. Each day brings new deaths from hunger. … Now, with the Trump administration’s full support, the extremist Netanyahu government is openly pursuing a policy of ethnic cleansing in Gaza and the West Bank. Having made life unlivable through bombing and starvation, they are pushing for “voluntary” migration of Palestinians to neighboring countries to make way for US President Donald Trump’s twisted vision of a “Riviera of the Middle East.”
Genocide is defined as actions taken with the “intent to destroy, in whole or in part, a national, ethnical, racial, or religious group.” The actions include killing members of the group or “deliberately inflicting on the group conditions of life calculated to bring about its physical destruction in whole or in part.” The legal question hinges on intent. Israeli leaders have made their intent clear. Early in the conflict, the defense minister said, “We are fighting human animals and we are acting accordingly.” The finance minister vowed that “Gaza will be entirely destroyed.” Another minister declared: “All Gaza will be Jewish… we are wiping out this evil.” Israeli President Isaac Herzog said, “It is an entire nation out there that is responsible.”
Another minister called for, “Erasing all of Gaza from the face of the Earth.” Another Israeli lawmaker said, “The Gaza Strip should be flattened, and there should be one sentence for everyone there—death. We have to wipe the Gaza Strip off the map. There are no innocents there.” Yet another Knesset member called for “erasing all of Gaza from the face of the Earth.” And, just recently, a minister in Israel’s high-level security cabinet said: “Gaza City itself should be exactly like Rafah, which we turned into a city of ruins.” The intent is clear. The conclusion is inescapable: Israel is committing genocide in Gaza. …“ | From: „The Conclusion Is Inescapable: Israel Is Committing Genocide in Gaza“ Bernie Sanders (17.09.2025) | Source: https://www.commondreams.org/opinion/israel-genocide-gaza-2674004548

-.-

Nachtrag #2

Aus dem Redebeitrag von medico-Nahostreferent Riad Othman auf der Kundgebung „All Eyes on Gaza“ am 27. September im Wortlaut (29.09.2025): “ … Mittlerweile scheinen wir einen solchen Grad der Entmenschlichung erreicht zu haben, dass es nicht einmal ein größeres Debattenthema ist, wenn die Armee eines unserer engsten Verbündeten einen Algorithmus über Leben und Tod von tausenden Zivilist:innen entscheiden lässt, ja, wenn diese Armee der angeblich einzigen Demokratie im Nahen Osten sich dieser Errungenschaft der künstlichen Intelligenz sogar noch rühmt, als sei sie ein zivilisatorischer Fortschritt und weniger grausam als das Morden von Menschen von Angesicht zu Angesicht. Die Dehumanisierung bleibt nicht in Gaza – oder in Israel. Die offensichtliche Tatenlosigkeit unserer Regierungen, ja, sogar die aktive Unterstützung des Mordens werden nie auf Palästina beschränkt bleiben, sind es schon jetzt nicht und waren es nie. Und trotzdem ist Gaza ein untrügliches Zeichen für unsere Ankunft in einer dystopischen Gegenwart, nicht für eine ferne, drohende Zukunft. Zeitenwende. … Wer wollen wir sein? In wessen Augen wollen wir morgens im Spiegel blicken? Für welche Rechte, für wessen Rechte wollen wir kämpfen? Für Rechte? Oder für Privilegien? …“ | Aus: „Wer wollen wir sein?“ | Quelle: https://www.medico.de/wer-wollen-wir-sein-20232

-.-

Nachtrag #3

Wed 8 Oct 2025 09.34 CEST: “ … The children’s names below appear on a list of victims of Israel’s offensive in Gaza, maintained by health authorities in the territory. As of the end of July it ran to 60,199 names, of whom 18,457 were under 18s. Far from comprehensive, the list does not include the thousands still buried under the rubble of destroyed buildings, as well as the war’s many indirect victims …“ | https://www.theguardian.com/world/ng-interactive/2025/oct/08/young-lives-cut-short-on-an-unimaginable-scale-the-18457-children-on-gazas-list-of-war-dead

[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #99]


The Purple Rose of Cairo (USA, 1985)

“ … Die Filmfigur Baxter durchbricht eines Tages die Leinwand (vierte Wand) und spricht die entsetzte Cecilia direkt an … Beide verlieben sich ineinander. Der Vorfall hat jedoch Folgen: Die restlichen Filmfiguren können den Film nicht zu Ende spielen und sind jetzt auf der Leinwand gefangen, die Zuschauer verlangen beim Kinobetreiber ihr Geld zurück. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/The_Purple_Rose_of_Cairo
-.-

“ … Eine wesentliche Vertiefung des Phantasie- und Imaginationskonzeptes wurde im 11. Jahrhundert durch die Schule von Chartres unter dem Einfluss der neu übersetzten griechischen und arabischen Literatur unternommen. … Sie versuchten der Phantasie und den anderen Geistesvermögen des Menschen einen physischen Ort im Gehirn zuzuordnen. … In Baumgartens Aesthetica aus dem Jahre 1750 taucht der Begriff des Phantasmas zum ersten Mal in § 6 auf, in welchem der Verfasser auf mögliche Einwände der Philosophen gegen eine Wissenschaft der sinnlichen Erkenntnis eingeht. Man könnte dieser Wissenschaft Vorhalten, meint er, dass sinnliche Empfindungen (sensitiva), Vorstellungen (phantasmata), Erdichtungen (fabulas) und Perturbationen des Gefühls (perturbationes affectum) eines Philosophen unwürdig seien und unterhalb seines Horizontes lägen. … Vor allem Friedrich von Schiller bringt als einer der ersten in Deutschland den Begriff der Einbildungskraft mit dem Freiheitsbegriff zusammen. … Für Friedrich Schlegel (1772-1829) ist eine erkenntniskritisch radikalisierte Phantasie das einzige Mittel, welches dem menschlichen Geist im Kampf gegen die Instrumentalisierung und Erstarrung des Denkens zur Verfügung steht. Sein Bruder August Wilhelm Schlegel (1767-1845) stellt die spekulative Vernunft und die Phantasie als die eigentlichen kreativen Vermögen dem Verstand und den äußeren Sinnen gegenüber. Die Frühromantiker münzen also die negative Charakterisierung der Phantasie in ein positives Vermögen um. Phantasie ist nun ein Garant der Gesundheit und ein Vermögen, das die verkrustete und erstarrte Alltagswirklichkeit verflüssigen und dynamisieren kann. Durch ein nicht-konformes Denken sollen die reaktionären Strukturen der restaurativen Monarchie aufgebrochen werden. … Gegenüber früheren Jahrhunderten zeichnet sich das 20. Jahrhundert durch eine breite Ausdifferenzierung der Auseinandersetzung mit Phantasie aus. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist es neben der Behandlung der unbewussten Phantasien in der Psychoanalyse durch Sigmund Freud vor allem die Anthroposophie Rudolf Steiners, die das Vermögen der Imagination für den Bildungs – und Erziehungsprozess herausstellt. … Freuds verschiedene Bemühungen um eine Klärung der Rolle der Phantasie in der Psychoanalyse münden in den Versuch, die Stabilität, die Wirksamkeit und den strukturierten Charakter des Phantasielebens des Subjekts zu erklären. … Die große Entdeckung Freuds war das Unbewusste. … Die Systembildungen, von denen Freud [ ] spricht, sind nicht nur im Traum wirksam, sondern auch bei Phobien, Zwangsvorstellungen, Formen des Wahns und Tagträumen. …“

Aus: „Hans Dieter Huber: Bildhafte Vorstellungen. Eine Begriffskartografie der Phantasie. In: Hans Dieter Huber, Bettina Lockemann, Michael Scheibel: Visuelle Netze. Wissensräume in der Kunst. Ostfildern-Ruit: HatjeCantz Verlag 2004) | Quelle: https://www.hdhuber.net/publications/articles/ | https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/5686/ | https://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/5686/1/Huber_Bildhafte_Vorstellungen_2004.pdf


-.-

“ … Freud hat mit Blick auf die Kraft des Unbewussten dem Subjekt nicht nur die Herrschaft über sich selbst abgesprochen, sondern forthin den Bereich der menschlichen Psyche stets neu in antagonistischen und der Kriegssprache entlehnten Metaphern geschildert (»psychische Besetzung«, »Fluchtversuch der Liebesregung«, »Gegenbesetzung«, »Ausdehnung der Herrschaft des Unbewussten«, »Abwehrmechanismus«, »Einbruchspforte der verdrängten Triebregung«). Wie auch immer Freud die Kampfzonen des Selbst reformuliert, es bleibt die Einsicht bestehen, dass sich das Subjekt der Psychoanalyse, wenn überhaupt, dann als ein in sich zerrissenes bestimmen lässt. … Die Funktion des Phantasmas geht aus dieser Gespaltenheit des Subjekts hervor. Seine Aufgabe besteht darin, diese Gespaltenheit zu überdecken, den Schein eines Ganzen zu erzeugen. In einem nichtpathologischen Sinn haben wir mit dieser Ganzheit wenig Probleme. Die phantasmatische Suggestion einer Vollständigkeit unseres Selbst ist beinahe die Voraussetzung dafür, dass wir im Alltag dazu befähigt sind, Ich zu sagen. …“ | Aus: „Marc Ziegler: Technik und Phantasma. Das Begehren des Mediums“ (2005) | Quelle: https://doi.org/10.25969/mediarep/694

-.-

“ … Das Imaginäre ist kein eindeutiger Ort. Es folgt nicht den Gesetzen von Raum und Zeit, es hadert bei Geschwindigkeiten und ist ein Grenzgänger. … Begehren – und das ist für Lacan zentral – ist gegenüber dem Symbolischen, der Ordnung der Dinge und der Welt, die wir uns zurechtlegen, subversiv. Das Imaginäre, in dem solches Begehren stets haust, holt uns, in anderen Worten, mit seinen Grenzgängen immer wieder ein, es untergräbt die konstruierten Ordnungen. …“ | Aus: „Kersten Reich: Die Ordnung der Blicke, Bd.1, Beobachtung und die Unschärfen der Erkenntnis“ (1998) | https://www.uni-koeln.de/hf/konstrukt/reich_works/buecher/ordnung/band1.html | https://www.uni-koeln.de/hf/konstrukt/reich_works/buecher/ordnung/ | https://www.uni-koeln.de/hf/konstrukt/reich_works/buecher/ordnung/band1/reich_ordnung_band_1.pdf

-.-

“ … Nachdem bereits Sigmund Freud der „Phantasie“ eine entscheidende Rolle für die Konstitution der menschlichen Psyche zusprach, führt der französische Psychoanalytiker Jacques Lacan ab 1957 (mit dem Seminar IV über die Objektbeziehung) das Phantasma als terminologischen Begriff in die psychoanalytische Theorie ein. Lacan bezeichnet damit die psychische Repräsentation eines Objekts oder einer Situation, an die sich das Subjekt bildhaft erinnert. Das Phantasma gehört somit dem Register des Imaginären an. … Hinter dem einzelnen phantasmatischen Bild steht letztlich ein „fundamentales Phantasma“ (in der deutschen Übersetzung von Hans-Dieter Gondek: „grundlegende Phantasievorstellung“, Die Übertragung. Das Seminar, Buch VIII, S. 138), auf dem die Identität des Subjekts und die Formen seines Begehrens beruhen. Dieses Szenario gilt es in der psychoanalytischen Therapie zu „durchqueren“ und aufzuarbeiten. Am Umgang des Subjekts mit seinem fundamentalen Phantasma konstituiert sich die Subjektivität des Individuums selbst; es ist eine Weise, wie das Subjekt sein Genießen, seine Jouissance, reguliert und organisiert. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Phantasma (21. Januar 2025)

-.-


via https://postsecret.com/ | https://postsecret.com/2025/06/22/sunday-secrets-560/

-.-

“ … Das Begehren, so könnte man mit Louis Buñuel formulieren, hat stets „obskure Objekte“. Und deshalb, so Zizek, täuschen wir uns, wenn wir denken, wir könnten die Frage nach dem Begehren einfach geradeheraus stellen. … Dieser widersprüchliche, ambivalente, paradoxe oder zumindest völlig intransparente Charakter des Begehrens und unseres Wissens davon zeigt sich auch in bezug auf den „Anderen“. … Zizek weist unermüdlich auf Situationen hin, in denen er das, was wir gewöhnlich als Realität betrachten, als Phantasma entlarvt. Genauer gesagt, das was wir idealerweise als „objektive Realität“ annehmen (der symbolische Bereich) ist durch keine Metaebene vom imaginären Bereich der Phantasmen getrennt. Die Phantasmen sorgen für eine Art erträglicher Oberfläche, sie fungieren wie eine Erzählung (narrative Kohärenz) oder wie ein Schirm (gemeint ist der Bildschirm ebenso der beschützende Schirm), der uns vor der „Realität“ schützt. Phantasmen bilden sozusagen das Interface zum Unbewußten, sie sind verwoben mit dem imaginären Bereich des Psychismus und mit den uneindeutigen, zwiespältigen, paradoxen Konstellationen und Bildungen, die dem Unbewußten entstammen. … Was die Aufforderung im Titel „Liebe Dein Symptom wie Dich selbst!“ für die Psychoanalyse auf dem Niveau des Individuums indiziert, gilt bei Zizek auch für den Bereich sozialer Gesellschaften, Politik und Philosophie. … “ | Aus: „Symptome zum Anfassen“ Nina Ort über Slavoj Zizek (literaturkritik.de, Frühere Ausgaben, Nr. 7, Juli 1999 (1. Jahrgang)) | Quelle: https://literaturkritik.de/id/299

Kontext:

Slavoj Žižek: Liebe Dein Symptom wie Dich selbst! Jacques Lacans Psychoanalyse und die Medien. Merve Verlag, Berlin 1991. 140 Seiten, ISBN-10: 3883960810

Slavoj Žižek: Die Metastasen des Genießens. Sechs erotisch-politische Versuche. Passagen Verlag, Wien 1996. 232 Seiten, ISBN-10: 3851652096

Slavoj Žižek: Die Pest der Phantasmen. Die Effizienz des Phantasmatischen in den neuen Medien. Passagen Verlag, Wien 1997. 216 Seiten, ISBN-10: 3851652819

Nächste Seite »