“ … Das Symbolische ist die Ordnung der Sprache und des Diskurses, jedoch auch die Ordnung der Macht und des „Gesetzes des Vaters“ (Name-des-Vaters), welche wiederum selbst eine sprachliche Ordnung ist. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Symbolische
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“ …. Der große Andere ist ein Begriff der Lacan’schen Psychoanalyse. Der große Andere („A“) ist im Unterschied zum „kleinen anderen“ (Objekt klein a) ein Konzept der Alterität und Andersheit. Der große Andere ist das Andere des Subjekts, das Nicht-Ich, das dieses Subjekt jedoch immer schon strukturiert und ausrichtet. So muss „der Andere als der Ort [verstanden werden], an dem das Ich, das spricht, sich konstituiert.“ (Lacan: Seminar III, S. 322) …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_gro%C3%9Fe_Andere
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“ … Mit Objekt klein a wird ein Objekt bezeichnet, das wesenhaft unerreichbar ist. … Das Objekt klein a gehört dem Bereich des Imaginären an (vgl. Seminar XX, S. 77), auch wenn Lacan es ab 1974 in die Mitte seines borromäischen Rings setzt, also an jene Stelle des Psychischen, an dem sich das Imaginäre, das Symbolische und das Reale überschneiden. (Dylan Evans: Wörterbuch der Lacanschen Psychoanalyse, S. 206) … Grundvoraussetzung zum Verständnis des Objekts klein a ist Lacans Konzeption des Subjekts als Träger eines irreduziblen Mangels. … Das Objekt klein a als der „Grund des Begehrens“ fungiert als Antrieb und Auslöser der Handlungen des Subjekts. Aber der Mangel ist letztlich nicht aufhebbar, das Objekt bleibt unerreichbar. …“ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Objekt_klein_a
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Freud & Lacan – Verwerfung | Die Beziehung zwischen Freud und Lacan [ein Bild] des brasilianischen Künstlers Ricardo Koch Kroeff. [Es] enthält einige [ ] portugiesische Wörter wie ESPELHO (Spiegel), Relação (Beziehung), Imaginaria (Vorstellen). | Freud & Lacan – Verwerfung Kaffeebecher | Quelle: https://www.redbubble.com/de/i/tasse/Freud-and-Lacan-Verwerfung-von-RickyKroeff/102414209.9Q0AD
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… das Begehren passt nicht in diese wohlgeordnete Welt. Das Begehren wird verdrängt und erscheint dann als rätselhafter Ausdruck des Unbewussten, das der Neurotiker nicht in sein Bewusstsein integrieren kann …
Torsten Meyer (20. Juli 2020): “ … Die Stimmung des 21. Jahrhunderts ist – um das gleich vorweg zu nehmen – psychotisch. Tendenziell jedenfalls. Das lässt sich an vielerlei Phänomenen beobachten: Im Film, bei Kunst-Ausstellungen, bei Präsidentschafts- und anderen Wahlen, in den Praxen der Psychotherapeuten natürlich, am IS ebenso wie an PEGIDA und AfD und ihren rechtsruckenden Wirkungen auf die sogenannte „gesellschaftliche Mitte“, am Boom von Fundamentalismen im Allgemeinen und an ähnlichen von Kontrollverlust getriebenen Reaktionen auf das Weltweit-Werden der Welt. … … Wenn das Symbolische in seiner Andersheit gegenüber dem Imaginären nicht unterschieden und als Anderes anerkannt wird, wenn das Symbolische dem Imaginären unterworfen wird, wird der Glaube an die Schrift allmächtig. … Es darf für den Neurotiker nichts geben, was keinen Sinn hat. Alles muss an seinem Platz sein. Aber das Begehren passt nicht in diese wohlgeordnete Welt. Das Begehren wird verdrängt und erscheint dann als rätselhafter Ausdruck des Unbewussten, das der Neurotiker nicht in sein Bewusstsein integrieren kann (vgl. Widmer 1997: 161f.). … Der Neurotiker steht am Platz des symbolischen Vaters (und bildet ein vergleichsweise großes, so genanntes „Ich-starkes“ Subjekt). Er identifiziert sich mit ihm – imaginär. Aber er ist ein Hochstapler. Er wird nie wirklich Souverän der Sprache (des Symbolischen) sein. Und das weiß er. Und daran leidet er. … “ | Aus: „Die Stimmung des 21. Jahrhunderts. Methodologische Einführung“ | Quelle: https://zkmb.de/die-stimmung-des-21-jahrhunderts-methodologische-einfuehrung/
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… Den Anstoß zum Ausstieg gibt ein Stein, der eines Nachts durch ihr Fenster in die Wohnung fliegt
“ … Die berühmten feinen Unterschiede seien ihr Lieblingsthema, das Statusgerangel und der Geschlechterstress, die Erwerbswelt und die Populärkultur – der „daily grind in all its splendour“ [„Alltag in all seiner Pracht“]. All diese Aspekte streift die Autorin Katja Kullmann in ihrem neuen Roman „Stars“, aber sie macht noch ein neues, unerwartetes Fach auf: das der Astrologie oder vielmehr der „Astro-Philosophie“ als Formel zur Selbsterrettung aus der Mittelmäßigkeit. … “ | Quelle: https://www.radiodrei.de/programm/schema/sendungen/radio3_am_morgen/archiv/20250411_0600/literatur_0840.html
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… in diesen Zeiten, in der die Realität mehr und mehr zur Glaubenssache wird
Andreas Rüttenauer (10.5.2025): “ … „XXL-Sonnenbrille, Ohrringe, Halsketten, Kettengürtel, ein flirrendes Gehänge von Kopf bis Fuß, First-Class-Hippie-Style, teuer, aber billig.“ So beschreibt Carla Mittmann ihre Kundin und fühlt sich in der Sommerhitze schnell recht unwohl in ihrem viel zu warmen „Businesswomananzug“. Da muss sie jetzt durch. So ist es eben, das neue Leben, das sie für sich erfunden hat. Das führt sie auch mal in eine Villa, die so aussieht, „wie sich die Set-Dekorateure beim ‚Tatort’ zeitgemäßen Reichtum vorstellen“. … Genauso wie der Taxi-Fahrer, der so gar nicht nach Chauffeur aussieht und den man am liebsten fragen würde, was er denn eigentlich studiert hat. … Und ein Paket mit 10.000 US-Dollar drin, das sie vor ihrer Haustür findet. Woher das kommt, würde sie schon gerne wissen. Es muss ja schließlich etwas zu bedeuten haben. Fügung? Klar, die Sterne. Am Ende ist sich Carla Mittmann da ganz sicher. … Den Anstoß zum Ausstieg gibt ein Stein, der eines Nachts durch ihr Fenster in die Wohnung fliegt. … Eine Romansatire über Astrohokuspokous? Warum denn nicht? Es darf ruhig auch mal Spaß machen, sich mit all den zutiefst verunsicherten Menschen zu befassen, die in diesen Zeiten, in der die Realität mehr und mehr zur Glaubenssache wird, Dinge für möglich halten, die sie selbst lange für unglaublich hielten. Das macht den Roman durchaus politisch, auch wenn Politik nun wahrlich keine Rolle spielt im Leben von Carla Mittmann. …“ | Aus: „Was in den Sternen steht“ (10.5.2025) | Quelle: https://taz.de/Roman-Stars-von-Katja-Kullmann/!6084190/
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… so lässt sich Kullmanns Roman auch als Bestandsaufnahme unserer Gesellschaft lesen
(28.04.2025): “ … Ob Laminatboden oder Bücherwand, reichliche Grünbepflanzung oder leidenschaftliche Kaffeetrinkerin, Carla ordnet sie in Kategorien – gepaart mit den entsprechenden Sternenkonstellationen. … Und so lässt sich Kullmanns Roman auch als Bestandsaufnahme unserer Gesellschaft lesen, in der die Menschen sich nach Orientierung sehnen und sei es mit Hilfe der Sterne. Mit Carla und ihren Deutungen können sie ihre Probleme auslagern, ja die Verantwortung für ihre Leben abschieben, auf eine höhere Instanz, die Sterne. …“ | Quelle: https://www.ndr.de/kultur/buch/tipps/Stars-Katja-Kullmanns-Roman-ueber-kosmische-Wendungen,kullmann128.html
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… die Gleichzeitigkeit von völliger Kapitalisierung des Alltags und regressivem Suchen nach Sicherheit und Orientierung in magischem Denken
“ … Katja Kullmann erzählt nüchtern und genau, entsprechend auch eher langsam, aber sehr ausgeklügelt von der verwischten Grenze zwischen Autofiktion und Autosuggestion … [Sie] hat hier vieles genau der Gegenwart abgeschaut … die Gleichzeitigkeit von völliger Kapitalisierung des Alltags und regressivem Suchen nach Sicherheit und Orientierung in magischem Denken – und in eine Erzählung verwoben. Wie hier davon erzählt wird, dass die Geschichten, als die wir unser Leben erzählen, mitunter immer weiter von unserer realen Biografie wegführen als zu ihr hin, bis sie uns ohne Fundament in der Wirklichkeit überformen, ist schon sehr lesenswert. Es ist aber etwas zu befürchten, dass der Roman ob der Genauigkeit, mit der beobachtet und erzählt wird, aber auch aufgrund der kognitiven Dissonanzen der Erzählfigur, die eine Identifikation mit ihr erschweren, nicht für alle Lesenden ganz zugänglich sein wird. Insbesondere Lesende, die ein inniges Verhältnis zur Astrologie haben, sind hier vielleicht falsch. Aber wer sich gerne in einem eher distanzierten-freundlichen, mitunter ironischen Verhältnis zur Protagonistin eines Buchs befindet, ist hier dafür genau richtig. … “ | Aus: „Katja Kullmann – Stars“ (Katharina Herrmann, 01.05.) | Quelle: https://kulturgeschwaetz.wordpress.com/2025/05/01/katja-kullmann-stars/
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Die Sphäre des Imaginären [wird] innerhalb der modernen Gesellschaften symbolisch so angeordnet, dass sie das Reale dieser Gesellschaften verstellen …
Helmut Draxler: “ … In der langen Geschichte der Bezugnahmen zwischen dem Kino und der Psychoanalyse gebührt dem Phantasma ein besonderer Rang. Jacques Lacan übernimmt in den 1950er Jahren den Phantasie-Begriff von Sigmund Freud im Sinne einer kinematografischen „Szene, in der sich ein unbewusstes Begehren zeigt“. Die Erfahrung des Films und der Medien insgesamt schien sich anzubieten, ein gegenüber dem Begründer der Psychoanalyse doch stark verändertes Bild des psychischen Geschehens zu entwerfen. War bei Freud die Phantasie noch strikt als individuelle, unbewusste Wunscherfüllung gedacht, wird das Phantasma zu einem komplexen psycho-sozialen Arrangement, in das die materialen Ausgangsbedingungen jeder Kultur wie Sprache und Bilder immer schon eingeschrieben sind. Die phantasmatischen Bilder und das subjektive Begehren sind hier wechselseitig aufeinander bezogen; als Sphäre des Imaginären werden sie innerhalb der modernen Gesellschaften symbolisch so angeordnet, dass sie das Reale dieser Gesellschaften verstellen. Das „Subjekt des Unbewussten“ setzt sich darin in Szene und deshalb liegt auch der Sinn der Bilder nicht in ihnen selbst, sondern in der Struktur ihrer Anordnungsweise. …“ | Aus: „Die Phantasmen durchqueren“ (2016) | https://www.arsenal-berlin.de/forum-forum-expanded/archiv/programmarchiv/2016/magazin/artikel/die-phantasmen-durchqueren/
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… Als plötzlich ein Stein eines auf der Straße vorbeiziehenden Demonstrationszugs die Fensterscheibe zerschlägt und die Jungen aufwachen
“ … Die Träumer ist ein Spielfilm aus dem Jahr 2003. Das Werk des italienischen Regisseurs Bernardo Bertolucci … Vor dem Hintergrund der Unruhen von 1968 in Paris [–> https://de.wikipedia.org/wiki/Mai_1968_in_Frankreich] schildert er die erotischen Erfahrungen dreier junger Menschen. … Der US-amerikanische Austauschstudent Matthew, der im Paris des Jahres 1968 noch niemanden kennt, begegnet vor der Cinémathèque française den Zwillingen Isabelle und Théo. Als deren Eltern in den Urlaub fahren, verfügen sie über die Wohnung und laden Matthew ein, zu ihnen zu ziehen. Die kinoverrückte Gruppe besucht Vorführungen in der Cinémathèque, bis diese wegen studentischer Unruhen eingestellt werden. … Bei ihrer vorzeitigen Heimkehr entdecken die Eltern eine Wohnung voller Unordnung und geleerte Flaschen aus ihrem teuren Weinvorrat. Sie verzichten jedoch darauf, die nackt im halboffenen Zelt schlafenden Jugendlichen zu wecken, hinterlassen ihnen einen Scheck und entfernen sich. Isabelle wacht nach einer Weile als Erste auf und bemerkt den Scheck. Erschrocken sucht sie die Wohnung nach ihren Eltern ab. Als ihr klar wird, dass sie wieder gegangen sind, will sie ihren gegenüber Matthew angekündigten Selbstmord für den Fall, dass ihre Eltern die Geschwisterliebe bemerken, verwirklichen. Sie schließt einen Schlauch an die Gasleitung in der Küche an und legt sich damit zurück zwischen die schlafenden Jungen im Zelt. Als plötzlich ein Stein eines auf der Straße vorbeiziehenden Demonstrationszugs die Fensterscheibe zerschlägt und die Jungen aufwachen, eilt sie mit dem Schlauch in die Küche zurück und unterbricht die Gaseinleitung. Auf die Frage der Jungen, weshalb es so merkwürdig rieche, antwortet sie, das sei Tränengas. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Tr%C3%A4umer (6. August 2024)
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Rüdiger Suchsland (über „Die Träumer“, 2003): “ … Der Regisseur erzählt den »Mythos 1968« als Geschichte eher privaten, oberflächlich betrachtet unpolitischen Entdeckungsreise. … Fast der ganze Film verharrt kammerspielartig im bürgerlichen Salon, als dem eigentlichen Ausgangspunkt der Revolte. So sympathisch die drei in ihrer Neugier und Entdeckungslust, auch in ihrer Dekadenz sind, so präzis zeigt Bertoluccis trotzdem auch Tristesse: Trauer und Sehnsucht liegt in allen Blicken. Und konsequenterweise endet es fast mit dem letzten bürgerlichen Ausweg: dem Selbstmord. Aber da fliegt gerade noch rechtzeitig ein Pflasterstein durchs Fenster, ein Luftzug weht den Dunst aus dem Salon, und lässt den Lärm der Straße hinein. Die drei ziehen hinaus, und verlieren sich in der Menge. … Am Ende steht der Auszug aus dem Paradies, der auch einer ist aus der Verwechslung von Kino und Leben, die Befreiung von einer Bürgerlichkeit, nach der sich heute viele zurücksehnen. Bertolucci hält ihnen den Spiegel vor, unserer sehr heutigen Weltflucht in die Salons und Kinosäle. Aber er will etwas zeigen, nichts beweisen. … “ | Quelle: https://www.artechock.de/film/text/kritik/t/traeu2.htm
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