[Jean-Luc Godard (1930-2022) …]

Die Verachtung ist ein Film von Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1963 … An diversen Stellen seines Films bricht Godard mit gängigen Spielfilm-Konventionen. … In Frankreich schauten sich den Film 235.000 Kinobesucher an, was für einen Film von Godard viel war, aber für einen Film mit Bardot wenig. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verachtung
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Stefan Grissemann (13.09.2022): “ … In „Le mépris“ brachte [Godard] es 1964 zuwege, einen Brigitte-Bardot-Film zu einer Studie der Eigenheiten seines Mediums umzubauen, ein schwelgerisch orchestriertes Beziehungsdrama mit filmtheoretischen Exkursen und avancierten Inside-Jokes zu verschmelzen. … “ | https://www.profil.at/kultur/zum-tod-von-jean-luc-godard-im-kosmos-verirrt/402144498
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“ … [Ein] Film über Film: ein kurzer Film über die Liebe und eine Liebeserklärung ans große Kino. Elementarfarben, dunkles blau, knallendes rot und tödliches gelb, dominieren, zitiert werden Hölderlin und Dean Martin, Brecht und Rossellini. Ansonsten redet ein jeder am anderen vorbei: Der Autor spricht nicht englisch, der Produzent kein französisch – einzig Fritz Lang, „das Gewissen des Films, seine Ehrlichkeit“, beherrscht alle Sprachen, die am Set von „Le Mépris“ gesprochen werden. (Michael Omasta) …“ | https://www.falter.at/kino/53789/le-mepris-die-verachtung
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“ … Auf Wunsch von Produzent Jeremy Prokosch (Jack Palance) soll der mittellose Drehbuch-autor Paul Javal (Michel Piccoli) den „zu künstlerisch“ geratenen Odysseus-Film von Fritz Lang (gespielt von Regielegende Fritz Lang) publikumswirksam umfrisieren. Aber mit dem Geldsegen verliert Paul die Achtung seiner Frau Camille (Brigitte Bardot)…“ | https://www.cinema.de/film/die-verachtung,1299437.html // “ … Wikipedia schreibt nüchtern: „Die Verachtung ist ein Film von Jean-Luc Godard aus dem Jahr 1963. Die Hauptdarsteller sind Brigitte Bardot und, in seiner ersten Hauptrolle, Michel Piccoli. Nebenrollen spielen u. a. Fritz Lang als er selbst in der Rolle des Regisseurs und Godard selbst in einem kurzen Auftritt als dessen Assistent.“ … Der Film ist unter anderem Ausdruck von Godards Verachtung für die Filmindustrie Hollywoods (im Film symbolisiert durch einen US-Produzenten, gespielt von Jack Palance) und die Kommerzialisierung des Films. Die Verachtung zeigt aber auch seine Liebe für die Kunst, Filme zu machen und Filme anzusehen. …“ | https://www.igb.info/veranstaltungen/jean-luc-godard-brigitte-bardot-michel-piccoli-in-die-verachtung (2020)

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“ … Le Mépris thematisiert die Schwierigkeit sich über Sprache und Bilder auszudrücken. Was ist Lüge? Was ist Wahrheit? Was ist Fiktion? Was ist Wirklichkeit? Durch den Einsatz der vielschichtigen Musik, die visuelle Heteroginität, die ironisch-tragische Erzählweise, die Mehrsprachigkeit und den Verlauf der Handlung wird die kommunikative Unfähigkeit der Figuren verdeutlicht. …“ | https://www.moviepilot.de/movies/die-verachtung
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„Le Mépris“, „Contempt“ – Jean-Luc Godard (1962) –> https://youtu.be/Dqwv9XkHOpk

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(13.09.2022): “ … Er prägte die zeitgenössische Leinwand-Kunst, indem er ihre Regeln immer wieder in Frage stellte und nach neuen Formen suchte. …“ | https://www1.wdr.de/kultur/kulturnachrichten/jean-luc-godard-gestorben-100.html
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von mir aus #1: “ … Epochenende, wo man auch hinblickt. Godard steht für mich für eine offene, bildstark-eindrückliche, künstlerisch-poetische Erzählweise. Gerade das Nicht-Selbstverständliche, Ungewöhnliche evoziert die heute immer schwächer werdende und doch so notwendige menschliche Eigentätigkeit. …“
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Coronel Buendia #4: “ … Erst mit „Pierrot Le Fou“ und der „Verachtung“ habe ich entdeckt, wozu das Medium Film neben all den Mainstream-Produktionen noch in der Lage ist. Mit Godard geht jemand, dem man mit jeder Szene angesehen hat, wie sehr er das Kino liebte. …“
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Zu: https://www.zeit.de/kultur/film/2022-09/frankreich-regisseur-jean-luc-godard-tot
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“ … [Godard] bezog die Experimentalanordnung seiner Filme mit in die Bewertung des Ergebnisses ein („Ich ziehe es vor, etwas zu suchen, was ich nicht kenne, statt etwas, was ich kenne, besser zu machen.“) Ähnlich wie für Friedrich Schlegel („Nur das Unvollendete kann begriffen werden.“) waren für Godard neue Ziele wichtiger als der zurückgelegte Weg. Immer wieder stellte er sich die Frage, wie das Wissen über die Technik des Filmes zu erlangen sei und in welcher Weise diese Technik die Realität darstellen könne. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Luc_Godard
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„Passion oder die Einbildungen des Jean-Luc Godard“ (Monographie – Joachim Paech, 1989): “ … Die Collagen in Godards Filmen machen keinen Unterschied mehr zwischen Bildern als Kunstwerken oder der Ikonographie des Alltags in Werbeplakaten, Illustriertenfotos, Postkarten etc. Es wird immer schwerer, überhaupt noch zwischen den Bildern hindurch auf eine Realität zu sehen, die hinter den Bildern mehr von ihnen verborgen als abgebildet wird. Ergänzend zu dem Enthusiasmus Aragons, der in Godards Filmen, wenn sie vollständig aus Collagen bestehen, die wesentliche moderne Kunstform sieht, muß man in den Collage-Filmen auch die kritische Demonstration einer durch Bilder verklebten Welt sehen … „So wie die Maler heute die Staffelei aufgeben und hinaus in die Welt der alltäglichen Objekte als Gegenstände für ihre Malerei gehen, so geht Godard los und malt und filmt die Wände, Reklametafeln, Poster, Tankstellensäulen und Comic-Books, die uns heute umgeben , um daraus in seinen Filmen eine Reihe von halb-abstrakten Collagen zu machen, die vielleicht mehr als irgend eine andere moderne Kunstform Zeichen unseres Zeitalters sind.“ Einen anderen, bemerkenswerten Weg der ‚Analyse des Collagierens und Zitierens ‚ in Godards Filmen ist Tom Conley gegangen, der die Integration von Bildern und Texten im psychoanalytischen Sinne als ‚Übertragungen‘ beschrieben hat. … Die Übertragung der Spuren dieser und anderer Vorbilder der Avantgarde des 19. Jahrhunderts sieht Conley im wesentlichen unter dem Aspekt ihrer Entlarvung im Pastiche, vergleichbar ihrer ständigen Entwertung als Postkarten-Motiv und Buchillustrationen. Mag das auch ein Effekt der allgegenwärtigen – mittelbaren oder unmittelbaren – Anwesenheit von Werken der Kunstgeschichte in Godards Filmen sein, daß sie zum wiederholten Male zum Cliche, zum Substitut werden, Godard selbst jedenfalls sieht diese ‚Übertragung‘ unter dem positiven Aspekt der sinnvollen Einschreibung des Films in die Kulturgeschichte der Bilder, deren Vor-Bilder die Produktion von Filmen anleiten können. … Es muß nicht entschieden werden, ob derartige unterschwellige Übertragungen auch Zitate genannt werden können; ein eindeutiges Zitat zu Beginn des „Pierrot le fou“ führt jeden falls zu Elie Faure, Godards kunsthistorischem Mentor. Durch ihn, hat Godard gesagt, habe er Rembrandt kennengelernt, seine Einleitung in Velasquez gibt das kunstgeschichtliche Motto für den „Pierrot le fou“, seine „Einführung in die Mystik des Films“ hat Godards Vorstellungen vom Film wesentlich mitgeprägt. So hat Elie Faure 1937 gemeint, daß der „Film nur wieder er selbst werden und seine suggestive Kraft wiederfinden (wird), wenn er die Erzählung, den Dialog, das Selbstgespräch dem Bild unterordnet … “ … Ein Buch über die Bilder und Töne (die ‚Ein-Bild-ungen‘) Godards kann man nicht zuende schreiben … “ | http://kops.uni-konstanz.de/handle/123456789/31716 | https://kops.uni-konstanz.de/bitstream/123456789/31716/1/Paech_0-300097.pdf
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Bauchladendetektiv: “ … Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich irgendwann in den späten Neunzigern im Nachtprogramm über „Weekend“ gestolpert bin [–> https://de.wikipedia.org/wiki/Weekend_(1967)]. Ich wusste nicht, wer Godard ist, hatte noch nie was über die nouvelle vague gehört oder irgendein cineastisches Vorwissen – aber ich habe mich mit staunendem Mund vom Fleck weg in dieses Meisterwerk verliebt. Es ist eine der wenigen Lieben meines Lebens, die von Bestand sind. …“ | Zu: https://www.derstandard.de/story/2000139042737/regisseur-und-drehbuchautor-jean-luc-godard-ist-tot (13. September 2022)

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Nachtrag / Memo #1:

Barbara Basting (Die Wochenzeitung – Nr. 37 – 15. September 2022): “ … Die «Histoire(s) du cinéma» als Synthese verbinden all das, was Godards Biografie als Regisseur geprägt hat und was er zugleich als Bausteine des Kinos wie auch seiner eigenen Filme vorführt: die grossen realistischen Romane des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Balzac, Zola vor allem, Hugo, Flaubert, Proust, Céline, Gide; aber auch die Lyrik, Baudelaires «Voyage», Celans «Todesfuge», beides Jahrhundertgedichte. Die «Histoire(s)» sind voller grossartiger Musik vom Mittelalter über Beethoven bis zu Ton Steine Scherben mit ihrer für Godard sehr passenden Parole «Macht kaputt, was euch kaputt macht». Nicht umsonst ist der Soundtrack separat vermarktet worden: Musik macht Bilder. Godard montierte Stills und Sequenzen aus der Filmgeschichte, die ihm wichtig waren, und das, kurz vor dem Durchbruch des Digitalen, als hätte er dessen umwälzende Kraft geahnt, mit den analogen Möglichkeiten des Videos: Experimente mit Tempo und Schnitt, das ganze Arsenal der akustischen und optischen Schnitt- und Überblendungstechniken. Vor allem aber sind die «Histoire(s)» eine Geschichte der Malerei, die für Godards Blick auf die Welt so wichtig war. Von Giotto über Rembrandt und Caravaggio bis zu Goya, Manet, Turner, schliesslich ­Picasso: Es sind die Meister des Lichts und die Dramatiker der menschlichen Existenz, die für ihn zur Ahnenreihe des Verführungs­apparats Kinos gehören, ebenso wie die Foto­pioniere Joseph Nicéphore ­Niépce und ­Nadar. Godard zeigt, wie bereits in der Kunst seit Jahrhunderten jene Wirklichkeiten produziert werden, von denen wir immer noch allzu gerne denken, sie seien die Aufzeichnung einer Realität – und wie sich diese in unser Weltbild einschleichen. Und so geschieht das Wunder: Godard, beargwöhnt als spröd und kantig, Godard, der Verweigerer und ätzende Zeitkritiker, schafft ein soghaftes, sinnliches Werk, das um die Sehnsucht des Blicks weiss, auch um die Sehnsucht nach dem Körper, weitab der Klischees der Pornoindustrie. Die Geschichte(n) des Kinos mögen zu Ende sein, plattgewalzt, banalisiert, ausverkauft von den Medienkonzernen. Doch die Geschichte der «Zeichen, die unter uns sind», wie das letzte Kapitel heisst, ist es noch längst nicht. Heute, 25 Jahre nach ihrem Erscheinen, wird immer deutlicher, was die «Histoire(s) du cinéma» sind: ein Schlüsselwerk, um über die Produktion und Wahrnehmung von Bildern, ihre Geschichte, ihre Bedingungen sowie ihre Verwendungsweisen in unserer Gesellschaft nachzudenken. Sie sind die Essenz des Godard-Films, sie sind Jean-Luc Godards Vermächtnis. Und im Bilddelirium der Gegenwart stellen sie Fragen nach der unheimlichen Macht der Bilder, wie sie aktueller nicht sein könnten. …“ | https://www.woz.ch/2237/jean-luc-godard-1930-2022/jean-luc-godard-1930-2022-das-vermaechtnis-des-jlg/ | // „Histoire(s) du cinéma“ is an 8-part video project begun by Jean-Luc Godard in the late 1980s and completed in 1998. The longest, at 266 minutes, and one of the most complex of Godard’s films, Histoire(s) du cinéma is an examination of the history of the concept of cinema and how it relates to the 20th century; in this sense, it can also be considered a critique of the 20th century and how it perceives itself.—> https://en.wikipedia.org/wiki/Histoire(s)_du_cin%C3%A9ma
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(dw.com, 07.12.2009): “ … Der Altmeister des französischen Films beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Medium. Nun liegt sein unkonventioneller Blick auf die Geschichte des Kinos auf DVD vor. … Nach 110 der insgesamt 264 Minuten der „Geschichte(n) des Kinos“ sagt Godard einen Satz, den man als ironisch gebrochenen Kommentar zum eigenen Werk interpretieren könnte: „Warum einfach, wenn es kompliziert geht“. Jean-Luc Godard wollte es noch nie einfach. … Im Artikel, den Klaus Theweleit zum Booklet der DVD-Ausgabe der „Histoire(s) du cinéma“ beigesteuert hat, ist sehr treffend von einer Godardschen „Ästhetik der Überforderung“, die der Franzose pflege, die Rede. Das kann man nun als grandiose philosophische Leistung interpretieren oder aber auch als doch sehr subjektivistische Assoziationshuberei ablehnen. Jean-Luc Godard wird auch mit diesem „Alters“-Werk seine Jünger begeistern, andere eher abschrecken. Tragisch ist auf jeden Fall, dass man seines „Histoire(s)“ eigentlich nur in dem Medium sehen kann, das der Meister doch so sehr hasst: auf DVD, also auf dem kleinen Fernsehbildschirm. …“ | https://www.dw.com/de/geschichten-des-kinos/a-4920487

HISTOIRE(S) DU CINÉMA (Geschichte(n) des Kinos. Histoire(s) du cinéma)

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