[Wirklichkeitsbezug #34 … ]


(26. März 2026): “ … Die Moderatorin und Schauspielerin Collien Fernandes hat in Hamburg an einer Demonstration für mehr Opferschutz teilgenommen und auch eine Rede gehalten. „Ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste, mit Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme“, sagte Fernandes, deren Stimme immer wieder stockte. … “ | Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-03/collien-fernandes-christian-ulmen-demonstration-frauen

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Notborntofollow: “ … Warum tragen die beiden die Angelegenheit nicht vor Gericht aus? … „
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ThomasH.: “ … Das fragen sich alle. …“
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Tom -_- S: “ … Antwort auf @ThomasH.: Nein, dass fragen sich nur Männer, die so tun wollen, als sei digitale Gewalt eine private Angelegenheit. …“
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“ … Die irrsinnige Erfahrung, die Collien Fernandes machen musste; ein Musiker, der mutmaßlich mit Gewalt einer jungen Frau Kokain in den Mund schmierte; der österreichische ORF-Generaldirektor, der zurücktrat, weil er mutmaßlich eine Kollegin auf verschiedenen Kanälen bedrängt haben soll; die Causa Gisele Pelicot; die ganzen Epstein-Enthüllungen; alle paar Tage Femizide in den Nachrichten; dazu fast schon routinemäßige Prozesswellen gegen junge Männer und Jungs, die ihre Schulkolleginnen nötigen, zu Sex erpressen, sie verhöhnen, davon Bilder weiter schicken. Es ist endlos. … Dokumente einer Verwahrlosung. Mal erfährt man von Taten, die wenig verwundern, weil man die Kultur kennt, in denen sie gedeihen, und dann aber auch von Handlungen, die einfach sprachlos machen, im Sinne von: What-the-Fuck? … Man ist mit krasser Scheiße konfrontiert, die man noch nicht einmal versteht. … Ich bin in einer Welt aufgewachsen, in der alles immer allmählich besser wurde. Und dieses erlernte Zeitempfinden nährt bis heute das Restgefühl an Optimismus, das ich mir auch in eher weniger erfreulichen Zeiten bewahrt habe. … Das Empfinden war: Es wird immer Idioten geben, aber sie werden weniger. Es wird auch immer Gestörte geben, die verabscheuungswürdige Dinge tun, aber das wird weniger. Manchmal genügt man seinen eigenen Werten nicht, manchmal tut man vielleicht sogar selbst Dinge, die einem peinlich sind, aber für die schämt man sich wenigstens. In meiner ganzen Schulzeit bin ich keinem Jungen begegnet, der ein neomaskulinisches Weltbild verfochten hätte. Schon deshalb, weil jeder gewusst hätte, dass er sich damit lächerlich macht. Er hätte wie ein bekloppter Kaspar aus einem anderen Jahrhundert gewirkt. Kurzum: Der Fortschritt mag zwar im Krebsgang seinen Weg gehen, aber er schlägt sich den Pfad frei. Aber ich bin plötzlich auch nicht mehr sicher, dass das nicht der Fall ist. Wir erleben schließlich in so vielen Hinsichten politische und gesellschaftliche Regressionen … Wir machen die Erfahrung, dass dieser Aufstieg mit dem Schüren von Aggression verbunden ist, mit der Verbreitung rassistischer Weltbilder, mit einem Kult der Härte, mit Gehirnwäsche, einer Erziehung zur Grausamkeit. … Ich bin mir nicht einmal sicher, ob ich mit all dem total recht habe. Aber es hat mich eine gewisse Unruhe erfasst. Womöglich erleben wir etwas Tiefergehendes als die zufällige Häufung von Skandalen oder die Rest-Misogynie im Rahmen der Fortschrittsgeschichte, nämlich einen Rückschritt. Verbrechen kommt nicht aus dem Nichts. .. “ | Aus einer Kolumne von Robert Misik [*1966] „Sexualisierte Gewalt: Machos auf dem Vormarsch“ (24.3.2026) | Quelle: https://taz.de/Breitet-sich-Frauenverachtung-unter-Maennern-aus-oder-erleben-wir-eine-zufaellige-Haeufung-von-Skandalen/!6165420/ || https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Misik

Peta Parka, 24.03.2026, 21:45 Uhr: “ … Danke für den klugen, nachdenklichen Kommentar, der nicht oberschlau und selbstgerecht daher kommt, sondern Zweifel und Unsicherheit zulässt …“

PartyChampignons, 07:59 Uhr: “ … Naja heutzutage trauen sich auch (zum Glück) mehr Frauen an die Öffentlichkeit und auch die Berichterstattung zu dem Thema ist eine andere, als das noch vor sagen wir 20 Jahren der Fall war. Damit kommt es natürlich auch zu einer „Häufung“ der Skandale. Das muss aber nicht zwangsläufig heißen, dass es mehr Skandale gibt, nur, dass mehr aufgedeckt werden und an die Öffentlichkeit gelangen als früher. …“
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“ … Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 13.300 Vergewaltigungen, sexuelle Nötigungen und sexuelle Übergriffe im besonders schweren Fall polizeilich erfasst. Damit stieg ihre Zahl das sechste Jahr in Folge und auf einen erneuten Höchststand. …“ | Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/200877/umfrage/vergewaltigung-und-sexuelle-noetigung/ (Abgerufen am 24.03.2026)
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“ … Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 12.600 Frauen und circa 840 Männer Opfer von polizeilich erfasster Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellem Übergriff im besonders schweren Fall. Damit stieg die Opferzahl jeweils gegenüber dem Vorjahr und auf neue Höchststände, wobei der Frauenanteil etwa 94 Prozent und der Männeranteil entsprechend ungefähr 6 Prozent betrug. …“ | Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1563186/umfrage/opfer-von-vergewaltigung-und-sexueller-noetigung-in-deutschland-nach-geschlecht/ (Abgerufen am 24.03.2026)
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“ … Im Jahr 2023 wurden in Deutschland rund 256.000 Opfer von häuslicher Gewalt polizeilich erfasst. Damit stieg ihre Zahl das zweite Jahr in Folge und auf einen erneuten Höchststand. Circa 71 Prozent der Opfer waren Frauen. … Häusliche Gewalt umfasst sowohl Partnerschaftsgewalt (in Ehen oder Paarbeziehungen) als auch innerfamiliäre Gewalt z.B. gegen Kinder, Gewalt von Kindern gegenüber ihren Eltern oder Gewalt zwischen Geschwistern. Neben körperlicher und sexueller Gewalt zählen auch psychische Gewalttaten zur häuslichen Gewalt. …“ | Quelle: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1399533/umfrage/polizeilich-erfasste-opfer-von-haeuslicher-gewalt-nach-geschlecht/ (Abgerufen am 24.03.2026)
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„… Wenke Husmann: Laut deutscher Kriminalstatistik haben im Jahr 2016 knapp 8.000 Frauen eine Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung angezeigt. Das sind mehr als 20 Fälle pro Tag. Zwei Prozent der Frauen, das belegt eine EU-weite Studie, wurden nach eigener Aussage während der vergangenen zwölf Monate Opfer sexueller Gewalt. Auch wenn diese Zahlen unscharf sind: Es sind viel zu viele Frauen. Die Frage ist: Warum tun Männer das? – Ulrich Clement: Hinter der Bosheit steckt Schwäche. Es ist der Versuch, ein unsicheres männliches Selbstbild durch aggressive Handlungen zu kompensieren. Diese Männer fühlen sich durch eine konkrete Frau oder durch angehäufte Erfahrungen gekränkt oder in ihrem Stolz und ihrer Männlichkeit infrage gestellt. Ein selbstbewusster Mann vergewaltigt nicht – der braucht das nicht. … Die Psychologie liefert dazu eine recht plausible Erklärung: Männlichkeit entsteht sekundär. Männer werden, psychologisch betrachtet, erst dadurch zu Männern, dass sie sich von Frauen abgrenzen. Weibliche Gefühle und Verhaltensweisen müssen sie dann für sich ablehnen, weil sie als bedrohlich für die männliche Identität erlebt werden. … Kurz: Männlichkeit basiert auf der Ablehnung von Weiblichkeit. …[Wenke Husmann: Wenn man davon ausgeht, der Aggression gehe eine Kränkung voraus, soll dann das Verhalten der Frau eine Rolle spielen?] Clement: Nein, denn das Gefühl der Kränkung liegt immer im Auge des Betrachters. Vielleicht wollte die Frau beispielsweise einfach ihre Ruhe und hat das gesagt. Nicht um zu kränken, sondern um sich abzugrenzen. Der Mann kann das dennoch als Erniedrigung erleben. … “ | Aus: „Warum tut ein Mann das?“ (7. Juni 2017) | Quelle: https://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2017-06/gewalt-fantasie-vergewaltigung-therapie/komplettansicht

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Quelle: https://x.com/sigi_maurer/status/1001728003402031109



“ … Eine Österreicherin wehrt sich gegen Sexismus und wird nun selbst wegen übler Nachrede verurteilt. … Nun muss Maurer 4.000 Euro an den Lokalbesitzer und 3.000 Euro Geldstrafe an den Staat zahlen. Zudem muss sie sowohl für die Kosten ihrer Anwältin aufkommen als auch für die Gegenseite. Einen Freispruch gab es vom Vorwurf der Kreditschädigung. Maurer geht in Berufung. …“ | Aus: „Ex-Grüne Sigrid Maurer wurde von Mann sexuell belästigt und muss nun 4.000 Euro an ihn bezahlen“ Eva Reisinger (9. Oktober 2018) | Quelle: https://www.zeit.de/zett/politik/2018-10/ex-gruene-sigrid-maurer-wurde-von-mann-sexuell-belaestigt-und-muss-nun-4-000-euro-an-ihn-bezahlen
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„Sigi Maurer: Die Frau, die keine Reue zeigen wollte“ Marie-Theres Egyed (9. Oktober 2018, 13:40): “ … Die frühere Grünen-Politikerin veröffentlichte obszöne Botschaften, die sie auf Facebook erhalten hatte, und outete den vermeintlichen Absender. Maurer machte sich damit der üblen Nachrede schuldig …“ | Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000088988051/sigi-maurer-die-frau-die-keine-reue-zeigen-wollte
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“ …Eine Ex-Abgeordnete in Österreich erhält sexistische Facebook-Nachrichten. Die veröffentlicht sie samt Absender. Nun muss sie sich dafür vor Gericht verantworten. Dabei hat sie alles richtig gemacht. … Ich kenne keine einzige Frau, die in der Öffentlichkeit steht und noch keine beleidigenden oder bedrohenden Nachrichten bekommen hat, inklusive Fantasien darüber, was sexuell mit ihr anzustellen wäre, wenn der Verfasser sie eines Tages treffen würde. Es ist eine Pest, dass diese Nachrichten für viele Frauen zum Alltag gehören. Man kann sie ignorieren, man kann sie beantworten, man kann versuchen, sie zur Anzeige zu bringen, man kann Kunst daraus machen oder öffentlich darüber sprechen, aber loswerden kann man sie kaum. Und manchmal geht der Ärger erst dann richtig los, wenn man sich wehrt. …“ | Aus: „Fall Sigi Maurer: Endlich wehrt sich mal eine“ Eine Kolumne von Margarete Stokowski (17.07.2018) | Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fall-sigi-maurer-in-oesterreich-endlich-wehrt-sich-mal-eine-a-1218827.html
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“ …Marija M. sei von ihrem Mann erschossen worden. Weil dieser vor nicht allzu langer Zeit zweifelhafte Berühmtheit erlangt hat, weiß es bald das ganze Land: Der Mordverdächtige ist derselbe, der im Jahr 2018 die Politikerin Sigrid Maurer geklagt hat. Sie hatte öffentlich gemacht, von seinem Facebook-Account obszöne Nachrichten erhalten zu haben, woraufhin er auf Entschädigung wegen Geschäftseinbußen klagte. Zu diesem Zeitpunkt führte er ein Bierlokal in der Strozzigasse im 8. Wiener Gemeindebezirk, und so nannten ihn die Medien den „Bierwirt“. Die Gerichtshändel des Bierwirts hatten sich über drei Jahre gezogen. Einmal wurde Maurer schuldig gesprochen, weil sie nicht nachweisen konnte, dass tatsächlich der Bierwirt die Chat-Nachrichten geschrieben hatte. Das Urteil wurde revidiert. …“ | Aus: „Lebenslange Haft: Wer ist der Bierwirt?“ Robert Treichler und Christa Zöchling (26.12.2021) | Quelle: https://www.profil.at/oesterreich/wer-ist-der-bierwirt/401849656
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LSmdibK! 22. Dezember 2021, 11:22:11: “ … [“ … Die Geschworenen entschieden am zweiten Tag des Mordprozesses gegen L., der im April seine Ex-Freundin erschossen hatte, einstimmig. Der Bierwirt nahm das Urteil an, es ist damit rechtskräftig …“] …Eine perfekte Feldstudie dafür, dass verbale sexuelle Belästigung eben nicht harmlos ist …“

dasgrünevomEi 24. Dezember 2021, 06:58:33: “ [„Er bekam eine lebenslange Haftstrafe und wird außerdem in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen.„] …Warum sind immer die Beziehungstäter „Geistig abnorm“? Noch dazu wo dieser, in der Hoffnung billiger davonzukommen, auf einmal Einsicht zeigt und gesteht. Der ist meiner Meinung nach ein ganz normales versoffenes sexistisches männliches Exemplar das keinen Widerspruch verträgt, sein Wort und seine Handlungen sind das einzig Wahre. Solche gibt es zu Tausenden und es wird ja behauptet dass die eh harmlos sind. …“

2 Kommentare zu: „Lebenslange Haft und Einweisung für Bierwirt in Mordprozess“ Lara Hagen, Jan Michael Marchart (22. Dezember 2021) | Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000132097334/bierwirt-prozess-doch-volles-gestaendnis-vor-erwartetem-urteil
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Rojas, 23.03.206 07:14 Uhr: “ … Es scheint, dass das berühmte „SCUM-Manifesto“ der US-amerikanischen Psychologin, Schriftstellerin, Politaktivistin Valerie Solanas (1936-1988), die 1968 durch ihr Attentat auf Andy Warhol Schlagzeilen machte, im Moment wieder hochaktuell ist. Ein Auszug aus dem SCUM-Manifesto von Valerie Solanas: „(…) Der Mann ist völlig egozentrisch, in sich selbst eingekerkert und unfähig, sich in andere hineinzuversetzen oder sich mit ihnen zu identifizieren, unfähig zu Liebe, Freundschaft, Zuneigung oder Zärtlichkeit. Er ist ein vollkommen isoliertes Einzelwesen, unfähig zu irgendwelchen Beziehungen mit anderen. Seine Reaktionen kommen aus den Eingeweiden, nicht aus dem Gehirn; seine Intelligenz ist lediglich Werkzeug seiner Triebe und Bedürfnisse; er ist unfähig zu geistiger Leidenschaft, geistigem Kontakt. Für ihn gibt es nichts außer seinen eigenen physischen Sensationen. Er ist ein halbtoter, reaktionsloser Klotz, unfähig, Freude und Glück zu geben oder zu empfangen; so ist er bestenfalls ein altes Ekel, ein harmloser Tropf;(…)“ Quelle: https://frauenmediaturm.de/neue-frauenbewegung/valerie-solanas-auszug-aus-dem-s-c-u-m-manifesto/ (Anmerkung: Ich bin selbst ein Mann.)

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»Entweder denkt man, dass dies ein Werk von unverfälschter Genialität ist, oder man tut es als das Schwärmen einer verrückten Psycho-Schlampe ab, ohne zu verstehen, dass es genau deshalb so überzeugend und so voller Einsichten ist.« Suzanne Moore, New Statesman
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“ … 1967 traf Solanas den Verleger Maurice Girodias, der zu diesem Zeitpunkt vor allem Underground-Literatur sowie Pornografie veröffentlichte. Er war von ihrem „Wortwitz“ begeistert und bezeichnete sie als „Bilderstürmerin“. Er kaufte ihr die Rechte am S.C.U.M. Manifesto ab. Noch im selben Jahr spielte Solanas eine Rolle in Warhols Film I, A Man. Sie fühlte sich von Warhol und der künstlerischen Hierarchie seiner Factory ausgenutzt und verlangte eine Gagenerhöhung. Nachdem sie ihn deshalb telefonisch bedrängt hatte, wurde sie von der Factory ausgeschlossen. Im Herbst 1967 wurde ihr ihre Unterkunft im Chelsea Hotel gekündigt, und sie begann, an eine Konspiration von Warhol und Girodias zu glauben. Außer sich vor Zorn und Verzweiflung, beschimpfte sie Warhol am Telefon.

Am 3. Juni 1968 passte Valerie Solanas Warhol vor den neuen Räumen seiner Factory ab und schoss dreimal auf ihn. Warhol wurde durch einen Schuss schwer an Milz, Bauch, Leber und Speiseröhre verletzt. Außerdem schoss sie den Kunstkritiker Mario Amaya in die Hüfte und versuchte, Warhols Manager Fred Hughes in den Kopf zu schießen. Dabei blockierte ihre Pistole. Hughes forderte sie auf zu gehen, und Solanas verließ die Factory, wobei sie allerdings eine Papiertüte mit ihrem Adressbuch auf einem Tisch zurückließ. Warhol wurde ins Columbus-Mother Cabrini Hospital gebracht und musste sich einer fünfstündigen Operation unterziehen, die erfolgreich verlief. Girodias nutzte die durch den Skandal ausgelöste öffentliche Aufmerksamkeit, um Solanas’ S.C.U.M. Manifesto zu veröffentlichen. Solanas wurde zu drei Jahren Haft verurteilt, die sie im Matteawan State Hospital für kriminelle Geisteskranke absaß. Nach ihrer Entlassung 1971 war sie meist obdachlos, in den 1980er-Jahren lebte sie in Kalifornien. Am 25. April 1988 wurde sie vom Hausmeister eines Obdachlosenheims im Tenderloin-Viertel von San Francisco tot aufgefunden. Sie war mit 52 Jahren an einem Lungenemphysem erstickt. Solanas’ Leben und die Hintergründe ihrer Schüsse auf Warhol wurden 1996 von Mary Harron unter dem Titel I Shot Andy Warhol verfilmt. Die Hauptrolle spielte Lili Taylor. … “ | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Valerie_Solanas
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“ …Und – Überraschung – nicht nur Faschos schlagen Frauen. Auch scheinbar aufgeklärte Männer belästigen und missbrauchen: Der Comedian Louis CK hat fünf Frauen sexuell belästigt. Der Starfotograf Terry Richardson soll Models unter anderem dazu aufgefordert haben, seinen Penis anzufassen, sie bedrängt haben. Die Liste könnte ich endlos fortführen. Gewalt gegen Frauen hat einen gemeinsamen Nenner: das Geschlecht. 137 Frauen werden jeden Tag weltweit durch den eigenen Partner oder Familienmitglieder getötet. Die UNO-Daten zeigen auch, dass es in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg der Femizide in Österreich gab. Vergangenes Jahr wurden in Österreich 70 Menschen zwischen Januar und November ermordet. Davon waren 41 Frauen. Männer, ganz egal ob links oder rechts, profitieren von den gesellschaftlichen Strukturen. Ich weiß, liebe linke Männer. Ihr denkt, ihr seid die besseren Männer, weil ihr auf der richtigen Seite steht. … “ | Aus: „Stanic – Die Kolumne: Linke Männer, ihr seid auch Sexisten“ Alexandra Stanic (25 Oktober 2019) | Quelle: https://www.vice.com/de/article/59n4qn/linke-manner-auch-sexisten
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m13 22.03.2026, 13:44 Uhr: “ … ich glaube dass die grenze nicht zwischen männern und frauen, rechts und links, usw. verläuft sondern eine unsichtbare ist: zwischen menschen mit empathie und menschen ohne empathie. …“ | Kommentar zu „Fall Fernandes und UlmenIch will mit Männern leben“ Kommentar von Carolina Schwarz (22.3.2026): | Quelle: https://taz.de/Fall-Fernandes-und-Ulmen/!6164768/
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KurtKristDave: “ …Keine Ahnung, wie es anderen geht, aber ich wurde völlig umgehauen von den Anschuldigungen von Frau Fernandez gegen ihren Ex, den netten Herrn Ulmen, den man immer mit Comedy verbindet, völlig entspannt und lustig, dazu noch seriöser Tatort-Kommissar. Also dachte ich erst, das ist eine Ente. …“ | Kommentar zu: „“Collien Fernandes bezeichnet Deutschland als „Täterparadies““ (20. März 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-03/collien-fernandes-christian-ulmen-vorwuerfe-gesetze
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“ … Und ich verstehe auch nicht, warum mancher in der Causa Ulmen nun so derart erstaunt ist. Oder was glaubt ihr, daß der nette, adrette Vater bei diesen Einheiten mit dem zwei Runen am Revers, wenn er 1942 zum Ostfronturlaub nach Hause zurück für ein paar Tage ins traute deutsche Heim kam, Kindern und Frau voller Freude erzählt: Daß er erst einmal in der Schlucht von Babyn Jar ein paar hundert ukrainische Juden erschossen habe? Und vorher auch schon Häuser mit Frauen und Kindern angezündet habe, weil das nun nunmal Partisanen seien … Ich glaube eher nicht. Er trug ein nettes Gesicht, er spielt Klavier für die Kinder. Er plaudert mit der Frau und wird ihr in diesem Urlaub noch ein drittes Kind machen. Und wenn er aus diesem Krieg zurückkehren sollte, wird er ein harmloses Familien- und Gesellschaftsleben führen, wie es auch der Literaturwissenschaftler Hans Robert Jauß nach seiner Zeit in Jugoslawien tat, um eine Reihe kluger Bücher zu schreiben, ohne weiter von diesen anderen Dingen groß zu sprechen. Seinem Gesicht sah man nichts an. [Das] Internet gab es noch nicht. Das einzige Deepfake von Hans Robert Jauß war seine Vita. Poetik des Schweigens und Hermeneutik der Behaglichkeit [Hans Robert Jauß (1921-1997) … Die NS-Belastung von Jauss als Offizier in der Waffen-SS, seine von ihm bestrittene Verstrickung in Kriegsverbrechen sowie sein Verhalten nach deren Bekanntwerden, waren Anlass für eine international geführte Diskussion. [**]| https://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Robert_Jau%C3%9F (Datum / Stand: 12. März 2026)]. …“ | Aus: „Von den Menschen oder unter Ulmen“ Bersarin (Veröffentlicht am 20. März 2026) | Quelle: https://bersarin.wordpress.com/2026/03/20/von-den-menschen-oder-unter-ulmen/

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[**] “ … In Deutschland kam es erst ab Mitte der 1990er Jahre zu einer breiteren öffentlichen Diskussion. [Jens Westemeier: Hans Robert Jauß. Jugend, Krieg und Internierung. Wissenschaftliche Dokumentation. Konstanz 2015, S. 4, siehe: (PDF: https://www.uni-konstanz.de/shared/Dokumentation_Jauss_UniKN_20052015.pdf)] Sie wurde von dem US-Wissenschaftler Earl Jeffrey Richards mit einem Aufsatz in einer französischen Publikation ausgelöst, der konstatierte, dass in akademischen Kreisen eigentlich „alle, die es haben wissen wollen“, auch Bescheid gewusst hätten. … // … [Die Theorie der Rezeption – Rückschau auf ihre unerkannte Vorgeschichte. In seiner Abschiedsvorlesung, die er am 11. Februar 1987 aus Anlass seiner Emeritierung gehalten hat, weist Jauß darauf hin, wie sich seit 1967 mit dem Konzept der Rezeptions- und Wirkungsästhetik eine Umorientierung in den Philologien vollzogen habe. Die Instanzen Autor, Werk und Empfänger seien an dem Prozess der ästhetischen Kommunikation, als der die Geschichte der Literatur und der Künste begriffen werde, gleichermaßen beteiligt. Der Rezipient, der in den bisherigen Darstellungsformen keine große Bedeutung gehabt habe, sei in der von der so genannten Konstanzer Schule entwickelten Rezeptionstheorie in sein historisches Recht eingesetzt worden. Jauß stellt dann die Geschichte des Begriffes Rezeption dar und bemerkt vorher, „dass die Vorgeschichte erst aus der Nachgeschichte einer eingetretenen Wende voll erkennbar werden“ könne.]“



Abschweifungen …



„Das schwierige Erbe des Hans Robert Jauß“ Thomas Wagner (21.05.2015)
https://www.deutschlandfunk.de/uni-konstanz-das-schwierige-erbe-des-hans-robert-jauss-100.html


“ … Der bundesrepublikanische Professor Jauß war ein herausragender Wissenschaftler und zumindest in seinen Schriften ein eingefleischter Demokrat, so wie der SS-Mann Jauß ein herausragender Hauptsturmführer und ein eingefleischter Nazi gewesen war. … Das Verstörende am Wissenschaftler Jauß besteht nicht darin, dass seine Texte elementar vom NS infiziert wären. Das Verstörende besteht darin, dass sie das nicht sind. … “ | Aus: „Claude Haas: Verstörungen. Neue Publikationen zum Fall Hans Robert Jauß (ZfL BLOG, 30.1.2017) | Quelle: https://www.zflprojekte.de/zfl-blog/2017/01/30/claude-haas-verstoerungen-neue-publikationen-zum-fall-hans-robert-jauss/

“ … Für den Entschluss der Aufarbeitung, die vom Rektor Ulrich Rüdiger getragen und gegen lokale Widerstände verteidigt wurde, hatten sich die Konstanzer allerdings viel Zeit gelassen. Die Gerüchte über Jauß‘ Verfehlungen kursierten immerhin schon seit den Siebzigerjahren. Konkreter wurden die Vorwürfe Mitte der Neunziger, Jauß selbst orakelte stets ausweichend, während die nähere Umgebung die Sache nach gewohnten Mustern bagatellisierte, sie zur Jugendsünde eines Siebzehnjährigen erklärte, welcher er bei Kriegsende – im Rang eines SS-Hauptsturmbannführers – schon lange nicht mehr war. … Eine handgreifliche Mitwirkung an Kriegsverbrechen ist Hans Robert Jauß nicht nachzuweisen, auch nicht nach Rekonstruktion seiner Laufbahn als eines seit Kriegsbeginn freiwilligen SS-Kämpfers und beinahe lückenloser Rekonstruktion seiner Einsatzorte an der West- und vor allem an der Ostfront vor Leningrad 1942, bei Narwa 1944 und in Kroatien 1943. Aber: Dieser Hans Robert Jauß, der bereits aus einem stark von NS-Ideologien infizierten familiären und schulischen Milieu stammte, war als SS-Mann von der ersten bis zur letzten Stunde ein überzeugter Weltanschauungskrieger. Von seiner und von Hitlers Sendung, Europa und die Welt vom „Bolschewismus“ – synonym für das „internationale Judentum“ – zu befreien, war er felsenfest überzeugt. Er lehrte dies selbst auf Junkerschulen im sogenannten Weltanschauungsunterricht. … In Kroatien befehligte Jauß Einsatztrupps und eine ganze Kompanie im Zuge der sogenannten „Banden-“ und „Partisanenbekämpfung“. Dabei kam es zu Grausamkeiten gegenüber der Zivilbevölkerung durch das Bataillon, zu dem die von Jauß befehligte Kompanie gehörte. Das Ausmaß der Grausamkeiten wurde sogar von den verbündeten Ustascha-Milizen und von höheren Wehrmachtsoffizieren beklagt. Für diese Kriegsverbrechen war Jauß mitverantwortlich. Über alles, was er selbst über seine Karriere bei der Waffen-SS und seine Kriegseinsätze verlauten ließ, einschließlich der Entlastungslegende von den „Soldaten wie anderen auch“, kommt Westemeier zu einem Fazit, das dem Literaturwissenschaftler auf seinem ureigenen Feld widerspricht: „Der von Jauß tradierte Narrativ stimmt mit der Forschungslage nicht überein.“ …“ | Aus: „Überzeugter Weltanschauungskrieger“ Volker Breidecker (22. Mai 2015) | Quelle: https://www.sueddeutsche.de/bildung/studie-die-zwei-leben-des-hans-robert-jauss-1.2488583


Jens Westemeier: Hans Robert Jauß. Jugend, Krieg und Internierung – Perlentaucher (2016)
https://www.perlentaucher.de/buch/jens-westemeier/hans-robert-jauss.html

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Gedankensprünge:

Im Zusammenhang mit der Finanzkrise schreibt Christian Ankowitsch am 02. März 2009 in der FAZ: “ … Manager … sind role models … Es war der 13. Februar 2008 … Damals erschien einer jener Artikel, in denen Konzernchefs gerne schreiben, Führungskräfte seien „Vorbilder“ und ihr Führungsstil der „wahre Schlüssel zum Erfolg“. Die Leitlinien des idealen Führungsstils entwickelte der Autor, wenig überraschend, entlang klassischer Männertugenden wie Durchsetzungsfähigkeit, Mut und Leistungsbereitschaft. Das gelte besonders in Krisenzeiten. Zum vielbeachteten Dokument männlicher Hybris wurde der Text erst, als exakt einen Tag nach dessen Erscheinen das Privathaus und das Büro des Autors durchsucht wurden – und zwar wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung von mehr als einer Million Euro. … Ein allererster Schritt müsste also darin bestehen … Männer zum Sprechen zu bringen, sie einigermaßen präzise Auskunft geben zu lassen. Über ihre Allmachtsphantasien, ihre Angst vor dem Versagen, ihr klägliches und/oder mondänes Leben, ihre Traurigkeit, ihre Ohnmachtsgefühle, ihre Gier, ihr Verständnis von Verantwortung, Mut, Pflichtbewusstsein, Anstand, Emanzipation und Selbstkritik. Mit einem Wort: Sie müssen endlich die Klappe aufmachen und Auskunft geben über den Kern ihres Mannseins. …“ | Aus: „Männerbilder in der Krise: Stellt euch, ihr Memmen!“ Christian Ankowitsch (02. März 2009) | Quelle: FAZ

“ … Respekt, Ehre und Männlichkeit sind für die meisten Gefängnisinsassen wichtige Kategorien, ihre Identität kreist um diese Werte. Sie sind von klein auf von Frauen umgeben, die ihnen sagen: „Seid nicht so laut und grob!“ Aber die Jungs denken: Das ist Frauengerede. Der Psychiater Hans-Ludwig Kröber hat in seinem Essay Töten ist menschlich darauf hingewiesen, dass man der Gesellschaft einen Bärendienst erweist, wenn man die traditionellen Männlichkeitskonzepte ignoriert oder als bloß defizitär stigmatisiert und pathologisiert. Die moderne und von Frauen dominierte weiche Pädagogik versucht, Kindern Aggression auszureden und abzugewöhnen. Gewalt sei böse und müsse vermieden werden. In jener Lebensphase aber, in der männliche Jugendliche ein Selbstkonzept entwickeln, sind sie von den Rollen des Kämpfers, Kriegers oder Banditen fasziniert. Am nächsten kommt diesem Konzept der Sportler. In beiden Fällen geht es um den Einsatz des Körpers, um das Risiko. Die Anziehungskraft, die bestimmte Subkulturen auf Jugendliche ausüben, liegt weniger in deren Ideologie als in ihrer Gewaltbereitschaft und der Möglichkeit, Aggressionen auszuleben und sich auszuprobieren. Kröber sagt sinngemäß: Ein männlicher Umgang mit jugendlichen Straftätern ist absolut notwendig. Sie müssen spüren, dass man sie nicht zu Mädchen umerziehen möchte, sondern zu selbstdisziplinierten Männern. Sie müssen nach Regeln kämpfen lernen. Sie brauchen Männer als Vorbilder und männliche Paten. Gewalt darf nicht tabuisiert werden, sondern muss in Power umgewandelt werden.
… Es wimmelt in der Halb- und Unterwelt von Hitzköpfen, die nach Bestätigung und Anerkennung dürsten. Der ständige und scheinbar anlasslose Einsatz von Gewalt dient ihnen dazu, in einer Art fortwährendem Turnier Hierarchien zu etablieren. … “ | Aus: „Der Fremde“ Götz Eisenberg (05.06.2014) | Quelle: http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/der-fremde-1

“ … Schland 14:23 Uhr: Eine reaktionäre Politik hat negative Folgen für alle. Die Verblödung geschieht absichtlich seit den 90er Jahren im Zusammenhang mit der neoliberalen Politik. Dieter Bohlen und Bushido sind keine guten Vorbilder, und doch wurden sie als Stars an wichtiger Stelle ins Fernsehen gesetzt. Promis sind Vorbilder. Ob das idiotische Machos sind oder Fußballer: Es ging um einen neuen Macho-Kult. Zum Macho, der eher mit Muskeln und ordinärem Verhalten glänzt, gehört das weibliche Dummchen. Überall wird die Frau als immer verfügbares Sexobjekt dargestellt, als dauergeile Huren. Dies wirkt natürlich auf Männer aus streng patriarchalischen Kulturen fatal. Pornografie hat stark zugenommen, die Beziehungen dagegen nehmen ab. Wenn „schwul“ und „Weichei“ ein Schimpfwort ist für verständnisvolle eher weiche Männer, ist das schlecht für sensible Jungs. …“ | Kommentar zu: „Nach Amoklauf in München: Die Einzeltäter sind Teil einer „Jungenkrise““ Walter Hollstein (25.07.2016) | Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/nach-amoklauf-in-muenchen-die-einzeltaeter-sind-teil-einer-jungenkrise/13919532.html

“ … Feridun Zaimoglu, geboren 1964 im türkischen Bolu, kam 1965 nach Deutschland. Er veröffentlichte zahlreiche Romane und Theaterstücke. Zuletzt den Roman „Isabel“ bei Kiepenheuer & Witsch. Er lebt in Kiel und hat kein Internet. Hier schreibt er regelmäßig über Merkwürdigkeiten, die ihm in seinem Alltag begegnen. Die Texte schickt er natürlich per Fax.Männer, die einen Kodex haben. Frömmler, die Frauen strafen. Unser Kolumnist sagt: Ein Leben ohne Ehre und Eide ist das bessere Leben.

… Späte Nacht, bin abgekämpft, an den Nebentischen sitzen Abgekämpfte meines Schlages … Es tritt aus dem Dunkeln heraus eine Frau, sie kennt mich aus der Zeitung. Sie fragt, ob sie sich setzen darf, ob sie stört. Ich sage blöd: Bitte ja, wieso nicht? Wir sprechen, wir sprechen über die Ehre. Was ist das? Etwas, was mit dem echten Leben nichts zu tun hat: Ehre ist das Kostüm aus Rattenhäuten, in das ein Mann schlüpft. Ein Wahn, für den die Frauen mit ihrem Blut bezahlen. Die Zeit der Ehrenduelle ist vorbei. Es ist jetzt die Zeit der aufgepumpten Ehrenproleten. Sie spricht: Männer, die beim Schwur die Hand aus Herz legen. Männer, die die Himmelsmacht beschwören. Onkel, Cousins, Vettern haben sich mir unsittlich genähert. Ich war ein keimendes Mädchen. Und ich dachte: Wofür bestrafen sie mich? Habe ich gesündigt? Ist mein Schweiß der Sündenseim, der mir die Haut glänzen macht? Sie gingen ins Gotteshaus, sie legten das Strickkäppchen aufs Haar, sie lauschten den Worten des Predigers. Nachts, wenn sich auf alles ein Schleier legte, wenn ich im Dunkeln lag, kamen sie über mich und ich lag danach im verschmutzten Bett. Das Laken und die Bettdecke brannten. Und ich brannte, weil ich schlecht war. Die Männer brachten mir Schlechtigkeit bei. … Schrott am Hamburger Himmel, ich schlüpfe in den Mantel, bestelle eine Karaffe Wasser. Ehre. Eine Kultur der Männer mit Ehre, die von der Keuschheit der Kindsfrauen reden, die sie heiraten – was ist das? Eine Perversion. Die Männer sagen: Das Ahnengesetz bindet uns. Scham und Schicklichkeit, darauf legen wir uns fest. Durch die Schande wird eine Frau ruchlos … Was steckt hinter dem Geschwätz? Die Ehrenmänner stricken an der Lüge, die sie sich über die Schultern werfen wie einen alten geerbten Überwurf. Ich denke über die Männer nach, die in Scharen nach Deutschland kommen. Deutsche Frauen helfen ihnen unentgeltlich und doch müssten sie ein Unbehagen spüren. Werden die vertriebenen Kurden und Araber am Brauchtum ihrer Herkunftsländer festhalten, weil es Rettung verspricht in einer unverständlichen Welt? Kippt die Stimmung, wenn die ersten Ehrenrächer die Frauen ihrer Sippe strafen? Albaner, Türken, Kurden und Araber – was haben sie gemeinsam? Den Ehrenkodex, den viele fiese Frömmler heiligen. Treueschwur und Eidbruch, das sind für sie keine hohlen Worte. Großherzig sind die Deutschen, da sie die Flüchtlinge willkommen heißen. Fremde Männer fremder Sitten: Sie sind dankbar für das Bleiberecht, das ihnen gewährt wird. Leben sie sich ein, erkennen sie die Verkommenheit der Ordnungen denen sie entflohen sind? In den kleinen Parallelwelten, die man Türkenviertel nennt, gibt es uneinsehbare Abseiten, dunkle Katakomben, Hinterzimmer in Häusern auf Hinterhöfen. Sektenjünger und Splittergruppenmarxisten lehren hier die Regeln der Frechheit: Erkennt das Andere, das Fremde, nicht in euch. Erkennt es an den Deutschen, beben die Eiferer vor Glück, weil sie auf Anhang unter den neuen Einwanderern hoffen? Ich denke an die Kinder, an die Mädchen. Man erlaubt es ihnen nicht, dass sie heraustreten aus der Gemeinschaft der wahnverstrickten Männer. Ich hoffe, dass sie es schafften. Ein Leben ohne Ehre und Eide ist das bessere Leben. …“ | Aus: „Die Zeit der Ehrenproleten“ (21. September 2015 um 8:00 Uhr) | Quelle: http://www.zeit.de/freitext/2015/09/21/feridun-zaimoglu-ehre-maenner/

“ … Straw Dogs – Wer Gewalt sät, Originaltitel: Straw Dogs, Produktion USA 1971, Laufzeit: 113 Minuten, Kinostart: 30.03.1972, Regie: Sam Peckinpah – Straw Dogs, Sam Peckinpahs nihilistisches Meisterwerk um instabile Geschlechterverhältnisse … Die beiden Fronten, die in dem zaghaften David und den rohen Cornwallern aufeinander treffen, entsprechen letztlich zweierlei Entwürfen von Maskulinität. … Nach dieser Logik müsste er im gnadenlosen Finale des Films als Held hervorgehen. Dass dies nicht der Fall ist, liegt an der Durchlässigkeit und Ambivalenz der in Straw Dogs dargestellten Geschlechterbilder und Wertvorstellungen, die den Film unmissverständlich zu einem Dokument seiner Zeit machen. Davids Überschreitung der eigenen Grenzen ist absolut und unumkehrlich. Wie es am Ende in der Bejahung einer moralischen Bankrotterklärung heißt: „I don’t know my way home“. …“ | Quelle: Aus: „Straw Dogs – Wer Gewalt sät“ Katharina Stumm (16.07.2007) | Quelle: http://www.critic.de/film/straw-dogs-wer-gewalt-saet-930/ || Straw Dogs (1971 film) ->> https://en.wikipedia.org/wiki/Straw_Dogs_(1971_film)

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“ … In der neuen Netflix-Doku Inside the Manosphere [„His genius is he turns up, no judgement, and asks apparently naive questions and then just waits.“, https://www.imdb.com/de/title/tt39792948/] besucht der Reporter Louis Theroux die TikTok-Stars der Maskulinistenszene in ihrer menschenverachtenden Parallelwelt. Er befragt sie zu ihrem Geschäftsmodell (Provokation), ihrem Frauenbild (alles Huren!), ihren Geschirrspülern (Frauen), ihrer Moral (Geld) und fördert nicht viel Neues zutage. Noch dazu lässt er einige Ungeheuerlichkeiten unkorrigiert stehen. Für besorgte Erziehungspersonen ist der Film dennoch ein guter Einstieg ins Thema. … Alles, was einer echten Emanzipation der Geschlechter im Weg stand, war schon vor einem halben Jahrhundert bekannt. Aber dass Männer je bereit sein könnten, ihre Gefühle und Ängste zu verstehen, war damals noch undenkbar. … Die Sprachlosigkeit der älteren Generationen auslöschen – [ ] wäre [ ] eine hervorragende Investition in die Zukunft …“ | Aus: „Der gute Mann als Bro“ Rabea Weihser (28. März 2026) | Quelle: https://www.zeit.de/feuilleton/2026-03/bro-kultur-manosphere-jungenkrise-buch