[Zum Wahn der Liebe #98 … ]

Die untreue Frau (‚La femme infidèle‘, Claude Chabrol – 1969) | “ … Charles und Hélène Desvallées führen eine scheinbar harmonische Ehe. Doch während Charles in Paris als Anwalt arbeitet, langweilt sich Hélène in ihrem luxuriösen Haus. Allein der Sohn des Paares steht noch im Mittelpunkt des gemeinsamen Interesses. Misstrauisch, ob Hélène ihm noch treu ist, engagiert Charles einen Privatdetektiv, der seine Frau beschatten soll. Der Detektiv überreicht Charles nach wenigen Tagen ein Foto mit der Adresse des Liebhabers seiner Frau … Laut Lexikon des internationalen Films ein „melodramatischer Thriller aus dem Milieu des französischen Bürgertums“, der „psychologisch eindringlich mit kühlem analytischem Blick und formaler Strenge inszeniert“ sei. Dabei stehe „weniger die kriminalistische Handlung im Zentrum des Interesses“, vielmehr verwiesen „die an Hitchcock geschulten Spannungselemente auf die deformierte Psyche der Protagonisten hinter der kultivierten Fassade“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_untreue_Frau // https://de.wikipedia.org/wiki/Claude_Chabrol

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„… Der Familienprunk offenbart die Persönlichkeit [von Hélène Desvallées], er wird jedoch durch einen sozialen, familiären und physischen Rahmen verdoppelt … Claude Chabrol schrieb 2003: „Was für mich die Bourgeoisie charakterisiert, ist neben dem Besitzgeschmack die Verdrängung der Bestialität unter einem polierten Äußeren.“ … Hélène Desvallées nimmt ihren Geliebten nie mit zu sich nach Hause … Freiheit kann nicht im privaten Raum sein … Für die untreue Ehefrau resultiert die Unterdrückung (die Konformität) aus der familiären Verpflichtung …“ | La fidélité est un vilain défaut par Ariane Beauvillard | https://www.critikat.com/actualite-cine/critique/la-femme-infidele/

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(10. Dezember 2007): “ … Es ist die Sexualität, eigentlich eher: die Lust am Leben, auf das Leben und im Leben als solche, die hinter der Fassade, man könnte fast sagen: einer Konvenienzehe [eine Ehe, die mit Rücksicht auf die zusammenpassende soziale Herkunft der Ehepartner geschlossen wird] keinen Platz gefunden hat und findet. Hélène liebt die Annehmlichkeiten dieses Lebens, aber ihre Lust hat hier keinen Platz. Der Mord an Pegala [ihrem Liebhaber] wird für Charles [ihren Mann] zu einer inneren Notwendigkeit, weil die traditionellen Mittel zur „Lösung” solcher Probleme ein für allemal der Vergangenheit angehören. Auch wenn Hélènes Akt des Fremdgehens nicht unbedingt Ausdruck von Emanzipation ist, so ist er doch nur möglich, weil es Emanzipation in der Gesellschaft gibt. Das zweite wesentliche Moment der Geschichte ist der Widerspruch zwischen der privaten Gewalt und der öffentlichen Gewalt, d.h. die Unterwerfung des Privaten unter die Regeln des Öffentlichen. Mord bleibt Mord – da helfen keine Pillen. [Die Aufdeckung des Mordes] … glückt nur durch Zufall. Hätte Charles das Notizbuch von Pegala verschwinden lassen, hätte er besser Spuren beseitigt, hätte er … usw. [wäre der Mord nicht aufgeflogen]. Beide Momente – die Erfüllung der Lust Hélènes außerhalb der Ehe wie die vermutliche Festnahme von Charles und dessen absehbare Verurteilung – weisen auf die Brüchigkeit der Konvenienzehe in einem historischen Moment [hin], in dem von allen Seiten Angriffe auf dieses Relikt der bourgeoisen Ehe gefahren werden … Chabrol zeigt aber eben auch die Beschränktheit im Verhalten seiner beiden Akteure, die lieber weiterhin, trotz allem, in einer fadenscheinigen, wenn auch materiell reizvollen Struktur gelebt hätten, als sich zu trennen und Klarheit zu schaffen. …“ | https://www.follow-me-now.de/html/die_untreue_frau.html

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“ … Chabrolesk sind Sujets wie Gier, Lüge, Heuchelei, Eifersucht, Ehebruch und Korruption – die „Chabrol’schen Todsünden als Phantome des Banalen“, wie Helmut Merker im Tagesspiegel schrieb. Chabrolesk sind die Familienclans, die die kleinen Perversionen und großen Schweinereien im Kreise der Lieben hinter der Maske der Wohlanständigkeit kaschieren. … Den betrogenen Betrügerinnen galt Chabrols Zuneigung, bei aller Koketterie mit dem monströsen Charme der Bourgeoisie. Für die bezwingend Unbezwinglichen, die Unverstandenen, die sich am Ende von einer Männergesellschaft verraten sehen, entwickelte er Solidarität, ja eine spröde Zärtlichkeit. …“ | Christiane Peitz: „Das unbestechliche Auge“ (12.09.2010)| https://www.tagesspiegel.de/kultur/das-unbestechliche-auge/1932146.html

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