[Ordnung, Herrschaft und Interessen #61… ]

Der Maler blickt vom Gaisberg auf Salzburg (Jacques Sternfeld, 1923)

“ … Investoren lassen Wohnungen oft leer stehen, da die hohen Renditen eine Vermietung gar nicht mehr notwendig machen. Allein die Wertsteigerung deckt die Kosten. …“ | Aus: „Leerstand, Betongold und Festspielabsteigen verschärfen Salzburgs Wohnungsnot“ Stefanie Ruep (16. Juni 2022) | https://www.derstandard.at/story/2000136566994/leerstand-betongold-und-festspielabsteigen-verschaerfen-salzburgs-wohnungsnot

Heerke Hummel (29. März 2010): “ … Brodbecks Kernthese laute: „Das Geld ist kein Ding, das Geld ist eine universalisierte Denkform… Die Welt denkt in einer Form, von der sie beherrscht wird und die eben deshalb ihre Macht entfalten kann, weil sie unerkannt ist.“ Dahinter stehe die Erkenntnis, daß mit dem Eintritt des Geldes in die Geschichte der Menschheit (im Zusammenhang mit der Entwicklung der Arbeitsteilung) sich nicht nur die Strukturen des Wirtschaftens, sondern auch die Seelen der Menschen verändert haben. Mit dem Geld begännen die Menschen, sich nicht nur durch Sprache zu verständigen, sondern durch Rechnen. Und zwar berechneten sie nicht nur Dinge, sondern sich selbst gegenseitig. …“ | https://das-blaettchen.de/2010/03/zwanzig-jahre-zu-spaet-1232.html

“ … Zu keiner Zeit des Jahres wird der erzwungene Konformismus durch den Kapitalismus spürbarer als zu Weihnachten. Verzweifelt, gestresst und missmutig schlittern wir durch die Straßen […] “Ich muss noch was für Papa finden” … Obwohl Papa doch schon alles hat, was man sich wünschen kann und wenn etwas Neues auf den Markt käme, könnte er es sich im Handumdrehen selbst kaufen. “Aber ich MUSS…” …“ | Aus: „Konformität – Wem gehört mein Leben?“ (2012) | Autor? | Quelle nicht mehr abrufbar: http://www.weeyoo.de/konformitaet-wem-gehoert-mein-leben/

“ … Auch das Eingehen emotionaler Beziehungen wird zunehmend nach dem Vorbild von Marktverhältnissen organisiert. Das Verfahren basiert darauf, dass die Leute sich selbst zur Ware machen: Für die Partnersuche im Internet und über Vermittlungsagenturen präsentieren sie sich als Ware, indem sie ihre Vorzüge auflisten und Fotos ins Netz stellen. Hier fehlt das, was Freud den „einzigen Zug“ genannt hat, der einzigartige Impuls, der sofort entscheidet, ob ich jemanden sympathisch finde oder nicht. Liebe ist eine Wahl, die als Unumgänglichkeit erfahren wird. An einem bestimmten Punkt ist man überwältigt von dem Gefühl, zu lieben und gar nicht anders zu können. Die Vorzüge von Kandidaten zu vergleichen und sich dann zu entscheiden, in wen man sich verlieben will, kann also per definitionem nicht Liebe sein. Deshalb sind Partneragenturen Liebestöter par excellence. …“ | Aus: „Zeit der Monster – Ein Aufruf zur Radikalität“ Slavoj Zizek (monde-diplomatique.de, Ausgabe vom 12.11.2010)

Peter Kern [zu: Jürgen Leibiger: Eigentum im 21. Jahrhundert Metamorphosen, Transformationen, Revolutionen Verlag Westfälisches Dampfboot, 381 Seiten] (24.05.2022): “ … und ließe sich die Luft privatisieren, gäbe es längst die für diesen Naturstoff passenden Investmentfonds. Für Wasser gibt es solche; Trinkwasser ist ja in großen Teilen der Erde ein knappes Gut. Was liegt also näher, als mit dem Grenznutzen dieses Guts zum eigenen Nutzen und Frommen zu spekulieren? Den Geschäftsleuten und ihren höheren Angestellten wird solche Spekulation auf den Billboards der großen Flughäfen nahegebracht. Jürgen Leibiger stellt ganz kindlich klingende Fragen: Was ist Eigentum; warum gehört jemandem etwas; könnte es eine Welt ohne Privateigentum geben; ist Eigentum am Häuschen mit Garten identisch mit Eigentum eines Konzerns, dem die ganze Welt als Hinterhof gilt; setzt individuelle Freiheit Privateigentum voraus und wenn ja, reicht es nicht, wenn ein Ich der Eigentümer seiner Arbeitskraft ist; geht als okay durch, wenn 40 Leute so viel an Vermögen angehäuft haben wie bald vier Milliarden Menschen? Die kindlichen Fragen sind natürlich hintersinnig gestellt, es ist gleichsam ein sokratisches Fragen, womit der Schreiber des Buchs seinen Leser behelligt. Warum solche Hebammenkunst außer Gebrauch gekommen ist, versteht man sofort. Wer so vorgeht, will den Zusammenhang von Eigentum, Macht und Herrschaft beleuchten. In den Spiegel schaut eine Gesellschaft aber nicht gerne, die ziemlich alt aussieht, wenn sie ihre propagierten politischen Ideale (die sogenannten Werte) mit der schmutzigen ökonomischen Realität abgleicht. … Die Aktionärsversammlung ist nicht der Ort, wo der zum Angestellten geadelte Arbeiter seinen demokratisch-politischen noch ökonomische Mitspracherechte hinzufügen könnte. Dort findet kein Plebiszit statt. Der Kleinaktionär bleibt zu Hause, und die institutionellen Anleger bestimmen die Musik der Versammlung. Er firmiert formal unter Eigentümer, aber von der wirklichen Verfügung über das Kapital ist er ausgeschlossen. Aktien können verliehen und beliehen werden; neue Eigentumsobjekte sind entstanden und die ihnen entsprechenden Eigentumsdelikte, zu deren bevorzugten Opfern die Aktien-Amateure gehören. Die Demokratisierung des Kapitaleigentums ist ein Schein … Solidarität ist eine knappe Ressource, an deren Verknappung die Kulturindustrie verlässlich arbeitet. Dieser Industriezweig lebt von der Wirklichkeit gewordenen Idee, die Individuen seien, wie die Objekte der äußeren Natur, bloße Singularität, der nichts Wesenhaftes eigne. Der Gedanke der Solidarität lebt aber vom Gedanken an dieses Übergreifende. Den vereinzelten Individuen fällt es unsagbar schwer, den Gedanken der Solidarität zu fassen; Karl Heinz Haag hat diesen Zusammenhang analysiert. Was bleibt, sind Theoretiker und politisch Handelnde, die diesem Gedanken die Treue halten, auch wenn solche Intransigenz [Politische Starrheit; Unversöhnlichkeit, Unnachgiebigkeit] als schiere Donquijoterie erscheint. Leibigers Buch endet mit keinem Hurra auf ein unüberwindliches Proletariat, sondern mit dem Melancholiker Hamlet: „Dass wir die Übel, die wir haben, lieber ertragen, als zu uns unbekannten fliehen. So macht Bewusstsein Feige aus uns Allen.“ … “ | https://www.glanzundelend.de/Red22/J-L/juergen_leibiger_%20eigentum_im_21_jahrhundert.htm

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