[Journalismus (Drama, Story, Meinung) #22 … ]

“ … Die bürgerliche Mentalität, so die zentrale These Morettis, manifestiert sich weniger in „klaren und eindeutigen Ideen“ als vielmehr in „unbewussten grammatischen Mustern und semantischen Assoziationen“. … Adjektive als „unauffällige Vehikel viktorianischer Werte“ entpuppen sich als machtvolle Strategien der Verleugnung von Herrschaft. „Hatte sich die europäische Bourgeoisie zunächst hinter uniformierte Bataillone geflüchtet, verbarg sie sich nun hinter einem politischen Mythos, der von ihr verlangte, sich als Klasse unkenntlich zu machen; ein Akt der Selbstverschleierung, der durch das unablässige Reden von der ‚Mittelklasse‘ noch erleichtert wurde.“ So sind auch die zahlreichen Einschübe in der Literatur des 19. Jahrhunderts zu verstehen. Figuren, die miteinander spazieren gehen, Ausführungen über das Muster einer Tischdecke, detaillierte Schilderungen der Wetterlage, Plaudereien – Einschübe, die weder für den Fortgang der Erzählung sorgen, noch Hinweise auf Wendepunkte oder Figurenentwicklungen enthalten. … „Der gute Bürger wird nie die Entschlossenheit aufbringen, sich dem schöpferischen Zerstörer entgegenzustellen und ihn aufzuhalten.“ Anhand von Ibsen führt uns Moretti „die Impotenz des bürgerlichen Realismus gegen die Megalomanie des Kapitalismus“ vor Augen. Das ist der Geist der Bourgeoisie, der bis in die Gegenwart weht. … “ | „Die Diskretion der Bourgeoisie“ – Franco Morettis Mentalitätsgeschichte des 19. Jahrhunderts, Friederike Schruhl über Über: „Franco Moretti: Der Bourgeois. Eine Schlüsselfigur der Moderne.“ (Besprochene Bücher / Literaturhinweise, 21.11.2016) | http://literaturkritik.de/id/20358

“ … Uwe Krüger (* 15. Mai 1978 in Leipzig) ist ein deutscher promovierter Diplom-Journalist und Medienwissenschaftler. Schwerpunkt seiner Forschung ist die Unabhängigkeit der Medien. … Zu der Frage, welche Art der Beeinflussung der Journalisten durch die Eliten vorliege, vermutet Krüger, dass „Journalisten mit Eliten-kompatiblen Werten und Meinungen höhere Chancen (haben), Zugang zu den höchsten Kreisen zu bekommen, und die Einbindung in das Elitenmilieu verstärkt dann über die Zeit hinweg die Konformität. Das heißt auch: Journalisten mit Eliten-kompatiblen Meinungen haben bessere Chancen, Karriere zu machen, denn sie können im eigenen Haus und in der Branche mit exklusiven Informationen und hochrangigen Interviewpartnern punkten. Krüger argumentiert mit dem Konzept des sozialen Kapitals Pierre Bourdieus. … Peter Zudeick von der SZ bestätigt, dass Medien zur „Selbstgleichschaltung“ neigen, interpretiert dies aber nicht als Beeinflussung, sondern als selbständige Entscheidung der Journalisten. … Praschl sieht die Ursache für die Angepasstheit der Medien [ ] im Konsumverhalten des Lesers, bei dem die Medienkrise daher gar nicht ankomme. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Uwe_Kr%C3%BCger (26. Februar 2018)

Michael Meyen (01. März 2018): “ … Über Politik und Wirtschaft wird nicht nur weniger berichtet, sondern auch ganz anders als vor 30 Jahren. Negativer, emotionaler, stärker an Prominenten und Experten aufgehängt und vor allem an Konflikten. Wenn sich zwei streiten, die mächtig sind, dann wird das ein Medienthema. Man konnte das schön sehen, als die Gespräche zwischen SPD und CDU beendet waren. Schulz gegen Gabriel gegen Nahles. Persönliche Befindlichkeiten, Küchenpsychologie. Was sich die beiden Parteien vorgenommen haben, ging dabei völlig unter. … Der Souverän braucht Aufklärung und Wissen und bekommt stattdessen Aufregung und Ablenkung. Die Frankfurter Schule würde sagen: Die Kulturindustrie sorgt dafür, dass wir uns über unsere wahre Lage täuschen, und produziert so Zustimmung. … Gut aussehen und gut rüberkommen. Das ist [ ] nicht das, worum es zum Beispiel in der Schule eigentlich gehen sollte oder in der Politik. … Medien reden von Objektivität und Neutralität, von Ausgewogenheit und Vollständigkeit, produzieren aber genau das Gegenteil: Drama, Story, Meinung. Mein Vorschlag ist: Werft die alten Qualitätskriterien über Bord und konzentriert euch auf Transparenz. Woher ist das Material, wem hilft es möglicherweise, wie steht ihr selbst dazu. … [Marcus Klöckner: Welche Schwachstellen sehen Sie?] … die Nähe zu den Mächtigen und ein Selbstverständnis, das eher auf Mitgestaltung zielt als auf Beobachtung. Uwe Krüger hat das ja in seinen Büchern gut analysiert. Wir sollten aber nicht den Fehler machen, nur auf die Journalisten zu schimpfen. Die Strukturen machen es ihnen nicht leicht. Allein das Bundespresseamt beschäftigt mehr als 400 gut bezahlte Menschen, die nichts anderes machen, als die Welt darüber zu informieren, was Angela Merkel und ihre Minister so tun. Mehr als 400 Menschen, die Nachrichten produzieren, Dossiers, zitierfähige Sätze und die sich auch sonst in jeder Hinsicht darum kümmern, dass Politik und Politiker gut dastehen da draußen. Die Presseleute der Ministerien, der Parteien und der Abgeordneten sind da noch gar nicht mitgerechnet. Auch deshalb tut der politische Journalismus gut daran, sich neu zu erfinden und darüber zu reden, wie man die öffentliche Aufgabe erfüllen kann in einer Welt, die vom Imperativ der Aufmerksamkeit beherrscht wird. …“ | Aus: „“Medien reden von Objektivität und Neutralität, produzieren aber genau das Gegenteil“ Marcus Klöckner (01. März 2018), https://www.heise.de/tp/features/Medien-reden-von-Objektivitaet-und-Neutralitaet-produzieren-aber-genau-das-Gegenteil-3978378.html

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