[Memento Mori #13… ]

Vladimir Jankélévitch | via

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.11.2005 – “ … Ein „Jahrhundertbuch“ hat Thomas Meyer hier anzuzeigen. Vladimir Jankelevitchs Buch über den Tod verfällt nicht der „Todestrunkenheit“ seiner europäischen Kollegen, auch wenn der Rezensent von der Lektüre ein wenig benommen zurückbleibt, noch setzt es irgendwelche Hoffnungen auf die ausgleichende Kraft der Geburt. Jankelevitch untersuche den „Skandal“ des Todes, der trotz aller Anstrengungen unbegreiflich bleibt. Dazu überschreitet er die Grenzen der eigenen Disziplin und nimmt auch Literatur und Musik zu Hilfe, um sich dem Tod in „genau kreisenden Bewegungen“ anzunähern. Der Tod ist bei Jankelevitch eine „Ordnungsmacht“, die Vergangenheit und Zukunft des Menschen strukturiert. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/vladimir-jankelevitch/der-tod.html

“ … Mit dem Begriff Presque-Rien, Beinahe-Nichts, bezeichnet Jankélévitch einen Zeitpunkt, dessen Dauer so gering ist, dass Auftauchen und Verschwinden fast gleichzeitig stattfinden. Ähnlich wie der Blitz wird das Beinahe-Nichts erst dann wahrgenommen, wenn es fast schon wieder vorüber ist. In seinem Auftreten als intuitiver Einfall oder mystisches Erlebnis handelt es sich um keinen beliebig herausgestellten Zeitpunkt innerhalb einer Ereigniskette, der notwendigerweise aus dem Geschehen der Vergangenheit folgt. Vielmehr ist das Beinahe-Nichts als ein einzelner isolierter Augenblick, dem keine Zukunft vergönnt ist, ein Abbruch einer Entwicklung. Das Beinahe-Nichts ist die äußerste Annäherung des Seins an das Nichts, des Diesseits an das Jenseits. Allein auf intuitivem Weg ist eine Kenntnis des Metaphysischen möglich. Jankélévitch schreibt: „Dieser so seltene und so unzureichende Erfolgs-Blitz ist dennoch der einzige metaphysische Erfolg, dem ein Mensch nachstreben kann.“ … Kann man sich eine Vorstellung vom Nichts der Existenz und des Bewusstseins machen? Kann man den Tod denken? Gleich zu Beginn von „La mort“, einem seiner Hauptwerke, stellt Jankélévitch klar, dass es über den Tod fast nichts zu sagen gibt: Wir wissen nur, dass er eintreten wird, und bemühen uns im Übrigen, den Skandal des Todes zu verdrängen, zu beschönigen oder uns jenseitigen Hoffnungen hinzugeben. Jankélévitch erteilt diesen Ausflüchten eine Absage. Für ihn ist der Tod Organon-Obstaculum, Werkzeug und Hindernis, denn einerseits setzt er allen Aktivitäten ein Ende, andererseits führt das Bewusstsein von der Begrenztheit des Lebens zur Aufwertung der einzelnen Momente. …“ | Aus: „Vladimir Jankélévitch“ (2. Oktober 202) | https://de.wikipedia.org/wiki/Vladimir_Jank%C3%A9l%C3%A9vitch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.