[RWF #12… ]

Michael Kienzl (11.02.2017) zu Acht Stunden sind kein Tag (1972 bis 1973): “ … Fassbinder … orientierte sich am dramaturgischen Gerüst von zeitgenössischen Familienserien mit ihren zugespitzten zwischenmenschlichen Konflikten. Das Neue an der Serie war jedoch, dass sie mit aktuellen Problemen modernisiert wurde, die in ähnlichen Formaten unberücksichtigt blieben. So geht es unter anderem um den schwierigen Weg, den eine Frau damals gehen musste, wenn sie sich von ihrem Mann trennen wollte, um den alltäglichen Rassismus gegenüber Gastarbeitern oder um überhöhte Mietpreise in einer Zeit, in der noch niemand etwas von dem Wort „Gentrifizierung“ gehört hat. … Schon damals wendeten sich einige seiner Gefährten kurzzeitig von ihm ab, weil ihnen Acht Stunden sind kein Tag, wie Harry Baer es ausdrückte, „zu lasch“ war. Denn um seine Botschaften zu platzieren, drang Fassbinder teilweise sogar bis zur volkstümlichen Nachkriegskomödie vor. Die verniedlichte Familienwelt, die eher harmlosen Witze und auch einige Figuren scheinen direkt Papas Kino entlehnt zu sein. … Die soziale Utopie droht hier manchmal zum naiven Weltverbesserer-Kitsch zu werden. Doch selbst die Leichtigkeit, mit der die Widerstände in Berufs- und Privatleben überwunden werden, wirkt spätestens dann radikal, wenn man sich bewusst macht, wie Fassbinder hier die Wohlfühl-Ästhetik des Fernsehens imitierte, um ein Massenpublikum zu einer sanften Revolution anzustacheln. …“ | https://www.critic.de/film/acht-stunden-sind-kein-tag-4246/

“ … Acht Stunden sind kein Tag gehört zum Genre des sogenannten Arbeiterfilms, das vom WDR Ende der 1960er-Jahre entwickelt wurde und für einen kurzen Zeitraum die Auseinandersetzung mit der sozialen Realität und den ökonomischen Zwängen in der Bundesrepublik ermöglichte. Die Hauptfiguren kommen aus drei Generationen, deren jeweiliges Lebensgefühl zwischen progressiven Ideen und konservativen Werten skizziert wird. In seiner typischen, am Melodram orientierten Tonlage demontiert Fassbinder die Heile-Welt-Stimmung deutscher Nachkriegsproduktionen und nimmt Motive seiner späteren Frauenfilme vorweg. …“ | https://www.berlinale.de/de/archiv/jahresarchive/2017/02_programm_2017/02_filmdatenblatt_2017_201714438.html

“ … Fabrikarbeiter kritisieren die Serie massiv. Sie finden sich darin nicht wieder. „Fassbinder stellt den Arbeiter so dar: Er prügelt, trinkt und bumst, und sonst ist nicht viel. Bewusstsein ist nicht da“, bilanziert ein Fordarbeiter. Es sei unrealistisch, dass Fassbinders Werkzeugmacher ihre Probleme in der Fabrik alle lösen könnten. „Da kommen nie Repressalien von der Geschäftsleitung.“ Gewerkschaften, Betriebsräte und Vertrauenleute beschweren sich, dass sie in der Serie überhaupt nicht vorkommen. Auch im Feuilleton wird Fassbinder Realitätsferne vorgeworfen. Die Zeitschrift Konkret titelt „Geschminkte Proleten“. …“ | https://www1.wdr.de/stichtag7030.html (29.10.2012)

// https://de.wikipedia.org/wiki/Acht_Stunden_sind_kein_Tag

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