[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #47… ]

Bild via https://intuitiveencyclopedia.wordpress.com/2015/11/22/part-xlviii-phantasmagoria-walter-benjamin-passagenwerk/


“ … Wenn man davon ausgeht, daß »jede Wahrheit ihr Haus, ihren angestammten Palast, in der Sprache hat« (GB II, 409), dann kommt der Terminologie eine entscheidende Bedeutung zu. Der terminus (lat. für ›Grenzstein‹) markiert eine Grenze, die dem Denken einen Spielraum erschließt, es dadurch ermöglicht. …“ | Aus: „WALTER BENJAMINS KONZEPT DES EINGEDENKENS“ – Über Genese, Stellung und Bedeutung eines ungebräuchlichen Begriffs in Benjamins Schriften – vorgelegt von STEFANO MARCHESONI geb. in Rovereto (Italien) – Fakultät I: Geisteswissenschaften der Technischen Universität Berlin (Berlin, 2015) | https://d-nb.info/1076082211/34

“ … Der Fetisch drückt in nahezu exemplarischer Weise eine Sehnsucht nach Unmittelbarkeit aus. Indem ein Subjekt einem Objekt Kräfte zuschreibt, verkörpert das Objekt Glauben, Normen und Werte des Subjekts und bringt es in die Position des Fetischisten. Plötzlich scheinen Dinge auch etwas mit Menschen zu tun zu haben und nicht nur Menschen mit ihnen. … Die Phantasmagorie gilt heute als romantische Leitmetapher, um das neue Lebensgefühl des 19. Jahrhunderts anschaulich zu machen. Der Terminus tauchte gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Paris auf und ging auf eine damals neue Technologie zurück: Mit ihm wurden die neuartigen Darbietungen der ›Laterna magica‹ benannt. Die technische Apparatur wurde nun vor dem Publikum versteckt, und mit Hilfe von Spiegeln, Musik, Rauch, Elektrizität, Stimmenprojektion und anderen theatralischen Mitteln stellte man spukartige Effekte her. Die so produzierten Trugbilder erlangten schnell große Popularität, und die Zauberlaterne avancierte zum Massenmedium des 19. Jahrhunderts. … Das Phänomen der Phantasmagorie eröffnet eine Perspektive, die es erlaubt, sich mit den sozialen und affektiven, historischen und materiellen, ästhetischen und technischen Aspekten der Wirklichkeit auseinanderzusetzen, ohne auf den Fetisch zurückzugreifen. … Die Dinge üben einen Zauber auf die menschliche Wahrnehmung aus. … Die Phantasmagorie kann auch als kritisches Werkzeug dienen. Sie enthält sowohl ein verzauberndes wie ein entmystifizierendes und aufklärendes Element. Es ist gerade dieser doppelte Charakter, der die Phantasmagorie nicht nur zu einem modernen und profanen, sondern auch zu einem kritischen Begriff macht. In der Moderne kann sie eine Alternative zum magischen Fetisch bieten. …“ | Aus: „Christine Blättler, »Phantasmagorie statt Fetisch: Zur modernen Signatur der Dinge«, in Phantasmata: Techniken des Unheimlichen, hg.v. Martin Doll, Rupert Gaderer, Fabio Camilletti und Jan Niklas Howe, Cultural Inquiry, 3 (Wien: Turia + Kant, 2011), S. 259–74 | https://www.ici-berlin.org/oa/ci-03/blaettler_phantasmagorie-statt-fetisch.pdf

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