[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #14… ]

Medusa (Franz von Stuck um 1892)

// Franz von Stuck (1863 – 1928)
// https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_von_Stuck

“ …[Medusa tötet. Wer es wagt, ihr ins Gesicht zu schauen und ihrem Blick zu begegnen, erstarrt zu Stein.] … Als Gorgoneion bezeichnet man das von Perseus der Gorgone Medusa abgeschlagene Haupt, daher auch Gorgonenhaupt oder Medusenhaupt genannt … Als Unheil abwehrendes magisches Schutz- und Schreckmittel (Apotropaion / Schreckbild) schmückt es mannigfach Waffen aller Art, Wagen, Schiffe, Pferdeschmuck, Städtemauern, Amulette, Gewänder, Möbel, Sarkophage usw. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Gorgoneion (4. Januar 2018)

— // “ … In „Der Saal“ behauptete der grichiche Autor Lukian von Samosata aus dem 2. Jahrhundert, es sei nicht der Blick der Gorgo oder irgendein Zauber gewesen, der den Betrachter in Stein verwandelt hätte, sondern ihre Schönheit […] Es gibt [in der Psychoanalyse den Ansatz, demzufolge] der schreckenerregende und destruktive Blick der Medusa die Sinnlosigkeit des Lebens offenbart. Um dieser Sinnlosigkeit – der „Medusa Wahrheit“ – zu entgehen, geben wir uns der lüge hin. Eine Figur in Jack Londons Roman „The Mutiny of Elsinore“ (1914) formuliert es so:

Der elementarste Instinkt des Menschen ist der Kampf gegen die Wahrheit; das heißt gegen die Realität. Von Kindesbeinen an weicht er den Tatsachen aus. Sein leben ist eine ständige Ausflucht. Was ihn am Leben hält, sind Wunder, Chimären, das Morgen. Er nährt sich von Fiktion und Mythos. [..] Der Mensch […] sieht sich zu ständiger Ausflucht genötigt und sucht sie in der Hoffnung, im Glauben, im Märchen, in der Kunst, in Gott, im Sozialismus, in der Unsterblichkeit, im Alkohol, in der Liebe. Von der Medusa-Wahrheit appelliert er an die Maya-Lüge [Illusion]

[…] Wer schaut, kontrolliert die Welt der spezifischen Szene. Wenn jedoch der Schauende beim Schauen von einem anderen angeschaut wird, dann wird er nicht nur zu einem Wesen An – und Für-sich, sondern zu einem verdinglichten Selbst für den anderen. In diesem Fall unterscheidet sich das Selbst, das dem Empfänger des Blicks gehört, von dem Selbst, das von dem anderen gesehen wird, und wie Hazel Barnes in „The Look of the Gorgon“ (1974) erklärt: „Der Blick des anderen offenbart mir, dass ich nicht allein in der Welt bin.“ Das mag in sich stimmig sein, bis mir klar wird, dass jetzt „die Welt nicht mehr meine Welt ist.“ – Kurz gesagt, der Blick des anderen kann „meine eigene, frei organisierte Welt“ verneinen und mich daher „permanent auf ein hartes, steinartiges Objekt reduzieren“. Die einzige Lösung für dieses Problem besteht darin, die eigene Existenz zu behaupten, indem man die sich selbst definierende Entscheidung trifft, den Anderen anzuschauen und damit [all] das zu neutralisieren, was vom lebensverneinenden Blick der Gorgo symbolisiert wird. Dies ist aus Sicht der Existenzialisten die einzig mögliche Rolle des entfremdeten Individuums der Post-Romantik. … Marx, Nietzsche, Freud, Jung, Satre – entkleideten den Medusa-Mythos seiner Magie, seines Aberglaubens … Für Nietzsche war der Kampf zwischen dem apollinischen und dem dionysischen Prinzip Realität. Für Freud und Jung waren die Macht des Unbewussten und der inneren Dämonen genauso real wie die Patienten auf ihrer Couch. …“ | Aus: Medusa – Die schreckliche Schöne“ David Leeming (Wagenbach, 2016) // —

Perseus and Phineas (Carracci and Domenichino – 1597 / 1604-1606), Rome | via

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