Schlagwort: Romy Schneider

[Le Combat dans l’île (1962) … ]

“ … France, Paris … „Der Kampf auf der Insel“ stellt eine Zeit wieder her, die sowohl weit weg als auch intim ist: Raucher zünden sich gegenseitig höflich von einem Auto zum anderen die Zigarette an, wenn sie an einer roten Ampel die Gelegenheit dazu haben; Der Flüchtling Clément geht in das nicht mehr existierende Kino Cinéac-Montparnasse. …“ | https://www.dvdfr.com/dvd/c167072-combat-dans-lile.html

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Nicki-Nacki-Nanu (27. Februar 2018) zu „Der Kampf auf der Insel“ (Alain Cavalier, 1962): “ … Die Klarheit der von Rappeneau geschriebenen Dialoge, die simple Schönheit der Bilder, die (für damalige Verhältnisse) unkonventionelle Montage (Pierre Gillette) machen »Le combat dans l’île« zu einem unvergesslichen Stück cinéma vérité [Cinéma vérité >> https://de.wikipedia.org/wiki/Cin%C3%A9ma_v%C3%A9rit%C3%A9]. Schlichte Alltäglichkeiten, wie zum Beispiel der Gang Romy Schneiders in eine Apotheke oder die Autofahrt aufs Land, haben [ … ] Magie … Einige Szenen entstanden in Louis Malles Appartement in der Rue Boissière 84, es gab keinen Requisiteur, keine Studiobeleuchtung. Auch dadurch wurde ein faszinierender Realismus erzeugt, den es zu dieser Zeit so nur im französischen und englischen Kino gab und für den es im zeitgenössischen Kino keine Entsprechung mehr gibt. … Cavalier und Malle verknüpfen ihr politisches Anliegen mit einer Liebesgeschichte. Leicht verklausuliert schildert »Le combat…« die Bestrebungen der OAS (Organisation de l’Armée Secrète | Organisation der geheimen Armee >> https://de.wikipedia.org/wiki/Organisation_de_l%E2%80%99arm%C3%A9e_secr%C3%A8te), einer 1961 gegründeten französischen Untergrundbewegung, die für den Verbleib Algeriens bei Frankreich kämpfte. Ihren Anschlägen fielen tausende Algerier zum Opfer. … „

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Le Combat dans l’île est un film français réalisé par Alain Cavalier, sorti en 1962.
// https://fr.wikipedia.org/wiki/Le_Combat_dans_l%27%C3%AEle


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Zedda Zogenau (2021): “ … Da hat Alain Cavalier zu Beginn der 1960er Jahre einen sonderbar eindrücklichen Film gedreht. Anne (Romy Schneider) und Clement (Jean-Louis Trintignant) sind jung verheiratet, sie ehemalige Schauspielerin, er Sohn eines reichen Firmenbesitzers. Doch in Papas Fußstapfen will Clement nicht treten, lieber hat er sich der rechtsextremen Truppe von Serge (Pierre Asso) angeschlossen. Bald soll Clement sein erstes Attentat auf einen allzu linken Gewerkschaftsführer verüben. Der Schuss gelingt auch, doch Serge hat ihn übel hintergangen. Gemeinsam mit Anne kommt Clement bei einem Kumpel aus dem Algerien-Krieg unter. Dieser Paul (Henri Serre) ist in vielem das genaue Gegenteil von Clement: frisch verwitwet, Besitzer einer kleinen Druckerei, die drei Lehrlinge ausbildet. Als Clement dem flüchtigen Serge nach Südamerika hinterherhetzt, um ihn endgültig zu richten, nähern sich Anne und Paul immer mehr an. Als Clement nach vollendeter Hinrichtung Serges zurückkehrt, bleibt nur eine letzte Auseinandersetzung mit dem Nebenbuhler Paul: Der Kampf auf der Insel … Beide Männer sind durch den Einsatz in Algerien mit Waffen vertraut, beide sind im Haushalt auf eine weibliche Hand angewiesen, sind also noch sehr im althergebrachten Leben eines Mannes gefangen. Aber sie haben unterschiedliche Entscheidungen aus dieser Ausgangssituation heraus getroffen. Und das macht diesen Film – trotz einer nervtötenden Erzählerstimme – zu einem immer noch interessanten Zeitdokument. …“ | https://www.moviepilot.de/movies/der-kampf-auf-der-insel

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José Arroyo (2013): “ … „Le Combat dans l’île“ (Alain Cavalier, France, 1962) … ist eine politische Allegorie, die wie eine melodramatische Liebesgeschichte – und zugleich als Film Noir inszeniert wird … „Le Combat dans l’îsle“ verdient es, gesehen zu werden, und zwar wegen der Schönheit seiner Bilder, der Intensität der erzeugten Stimmung, der Sparsamkeit, mit der die beiden Attentate dargestellt werden, ebenso wegen der außergewöhnlichen Leistungen von Schneider und Trintingant – ihrer komplexen und aufregenden Darstellung sexueller Anziehung. … Clément und Paul sind seit ihrer Kindheit Blutsbrüder. Der Film verwendet sie als strukturelle Gegensätze in der Erzählung; Clément ist klein, Paul groß; der eine lebt in der Stadt, der andere in einer alten Mühle auf dem Land; der eine ist verheiratet, der andere verwitwet; der eine ist rechts, der andere immerhin ein Demokrat. Der eine verliert Anne, der andere gewinnt sie; der eine verbietet ihr die Schauspielerei, der andere bietet ihr die Plattform, auf der sie glänzen kann. … “ | https://notesonfilm1.com/2013/12/13/le-combat-dans-lile-fire-and-ice-alain-cavalier-france-1962/

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Rolf Schüler „Variationen über Romy Schneider“ (22.1.1993): „… Clément (Jean-Louis Trintignant) hat seine Schwierigkeiten, Anne (Romy Schneider) nach Hause zu bringen. Sie ist leicht beschwipst, fahrig und geistreich, das Gegenteil seiner gefaßten Gewalt. Er haßt diese Verspieltheit, auch ihr offenes Begehren, das der Alkohol seinem strangulierenden Zugriff entzieht. … Die außerordentliche elliptische und diskontinuierliche Montage ist wie ein Kommentar zur unheilvollen Beziehung zweier Menschen, die in verschiedenen Bahnen leben. …“ | https://taz.de/!1634001/

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Jacko Kunze (Stand 03.12.2024): “ … Vordergründig steht das Schicksal von Anne, die ihre Träume und die eigene Identität einer unglücklichen Beziehung mit ihrem eifersüchtigen, gewalttätigen und ihr – wie sich herausstellt – letztlich völlig fremden Ehemann Clement (Jean-Louis Trintignant) untergeordnet hat. Als er seine Maske fallen lässt, bietet sich ihr unverhofft eine neue Chance mit dem komplett gegensätzlichen Paul (Henri Serre). Während Clement ihr einen unfreiwilligen Ausflug aus dem beengten, nicht gerade goldenen Käfig gewähren muss, findet sie im Schoß des verständnisvollen, sensiblen und friedfertigen Paul ein Stück weit zu sich selbst zurück. Ein Glück auf Zeit, denn – das nimmt der Titel des Films (auch im französischen Original, wortwörtlich übersetzt) bereits vorweg – am Ende wird es auf die Konfrontation hinauslaufen. Auf das männliche Duell um eine Frau. Ganz klassisch-primitiv. Doch hinter dieser Geschichte schlummert noch ein ganz anderer Kampf. … Freunde, im weitesten Sinne sogar Brüder [„Blutsbrüder“], dividierten sich während des Algerieneinsatzes moralisch wie von der allgemeinen Weltanschauung auseinander. Stellvertretend für die Gesellschaft, in der die einen die Unabhängigkeit der ehemaligen Kolonien als schwere Niederlage betrachteten, während die anderen es als Schritt in eine neue, freiere Welt befürworteten. Diese beiden Ideologien duellieren sich am Ende ebenso wie „einfach“ nur zwei Männer, die dieselbe Frau lieben. Die politische Tragweite von Der Kampf auf der Insel scheint nur der austauschbare Auslöser für die Entwicklung des Plots zu sein, ist dabei jedoch der subversiv verschleierte Kern der Handlung, mit dem sich der Film auf eine hochinteressante, andere Ebene hievt, die mehr zu erzählen hat als eine reine Dreiecksgeschichte mit dem unvermeidlichen Zweikampf der Alpha-Tiere. …“ | https://www.moviebreak.de/film/der-kampf-auf-der-insel

[Das Reale, Symbolische und Imaginäre #62]




Fantasma d’amore“ (Dino Risi, 1981)
Mit Romy Schneider and Marcello Mastroianni
// https://de.wikipedia.org/wiki/Die_zwei_Gesichter_einer_Frau

“ … « … Es ist Herbst in Norditalien, in Pavia. Und Herbst im Leben des Rechtsanwalts Nino Monti. Die hundert Lire, die er einer alternden Frau bei einer zufälligen Busfahrt leiht, werden die geordnete Sicherheit seines bürgerlichen Lebens für immer aus den Fugen geraten lassen; ihn der „Wirklichkeit“ entfremden und das „Phantastische“ real werden lassen. Diese Frau ist Anna Brigatti, seine grosse Jugendliebe; von der seine Freunde sagen, sie sei vor drei Jahren gestorben; und die er wiedersieht: verhärmt, aber auch in strahlender Jugendschönheit. Fantasma d’amore ist ein Film über Gefühle und Erinnerungen, über Alter und Tod. Ein metaphysisches Melodram von der Absolutheit der Liebe, die über Raum und Zeit hinausreicht, das aber auch immer wieder die Melancholie einer mediterranen Midlife Crisis mit verhaltener Subversivität ironisiert.» Helmut W. Banz, Die Zeit, 7.5.1982


… «Über die Dreharbeiten erzählt der Regisseur Dino Risi: Marilyn Monroe, Jean Seberg, Romy Schneider. Drei Frauen, drei Schauspielerinnen, drei beinahe identische Geschichten. Eines Tages sagte mir Romy Schneider: Die Schönheit und die Jugend sind Geschenke, die wir zurückerstatten müssen. Ich habe einen Film mit ihr gemacht, einen der letzten, Fantasma d’amore. Es ist die Geschichte einer toten Frau, die um der Liebe willen zu einem Mann ins Leben zurückkehrt. Eines Tages wollte ich von ihr wissen: Hast du keine Angst vor dem Tod? – Aber ich bin doch schon tot, antwortete sie mir lachend.» Filmarchiv Austria … “ | https://www.stadtkinobasel.ch/film/fantasma_damore/2828/349

[Zwischen Lust und Melancholie #7… ]

Mado (R. Claude Sautet, FR 1976)

(SPON, 23.05.2007): “ … Tatsächlich hat sich Romy Schneider in ihren Filmen oft aus eigenem Antrieb und freien Stücken zur öffentlichen Frau gemacht, sich seelisch und körperlich entblößt. So bedrängte sie den Regisseur Claude Sautet, ihr 1976 in dem Film „Mado“ die kleine Nebenrolle einer depressiven Alkoholikerin zu geben. … Wie ihre Figur lag auch Romy Schneider damals oft tagelang im Bett, betäubt von Rotwein und Tabletten. … Sautets Kamera kann sich nicht lösen von ihrem betörenden Anblick … Wunderbar, dieses Lächeln, wenn sie zu seiner hohen Stirn blickt und leicht belustigt sagt: „Du verlierst deine Haare.“ Wenn sie den Kopf ganz tief senkt, um Piccoli von unten in die Augen zu blicken und sanft fragt: „Hast du großen Kummer?“ Allein Romy Schneider konnte Kraft und Verzweifelung, Ironie und Zärtlichkeit zu einem Ausdruck verbinden. Sie war eine Virtuosin der Gefühlsakkorde. …“ | https://www.spiegel.de/kultur/kino/romy-schneider-die-beruehrbare-a-484146.html

“ … „Mado“ beleuchtet einerseits die Auswirkungen der Wirtschaftskrise der 1970er Jahre auf die Arbeiter und Angestellten. Genauso wirft der Film ein Licht auf die dubiosen Machenschaften von Unternehmern im Zusammenhang mit Staatsbeamten. Es zeigt sich ein Geflecht aus Korruption und den daraus folgenden Insolvenzen. …“ | https://www.romy-schneider.de/romy-schneider-filme/mado

Andre Schneider (2. Februar 2018): “ … Die Idee zu diesem Film hatte Sautet vor allem einem kurzen Erlebnis, das sich während der Dreharbeiten zu einem seiner früheren Filme ereignete, zu verdanken: Auf dem Nachhauseweg von einem Außendreh wollte er mit einem Assistenten eine Abkürzung nehmen und wäre dabei um ein Haar in einen Fluss gefahren. In »Mado« wird dieser Episode reichlich Platz eingeräumt; sie übernimmt gleichsam die Schlüsselfunktion. Bei einer abendlichen Autofahrt bleibt eine ganze Gesellschaft über Nacht auf einem schlammigen Feldweg hängen. Michel Piccoli spielt in diesem Film eine seiner dankbarsten und großartigsten Rollen: Er verkörpert den Industriemakler Simon, der über sein bisheriges Leben und seine Karriere reflektiert. …“

Carl-heinrich Bock (8. Juni 2004): “ … Beeindruckend bei Sautet sind die tragischen Personen, ja häufig ein wahres Labyrinth von Personen, die er in verschiedenen Alltagsszenarien auftreten lässt. Er mischt dazu eine Portion von zärtlicher, tiefer Leidenschaft und emotionaler Intelligenz. Er lässt Figuren in seinen Filmen auftreten, die einem bekannt vorkommen … Und häufig fallen seine Filme wie auch bei „Mado“ in eine „schmeichelnde, samtene Dunkelheit“. …“