[Schneematsch und Zwischenerkundung… ]

2010 Winter in Kiel. Die Tage sind wieder kurz und kalt. Ich sehe nahe der Straße einen jungen Menschen mit Plastikflaschen voller Mineralwasser durch den Schneematsch laufen. Er hat einen selbstvergessenen – fast verzweifelten Ausdruck im Gesicht. Das wirft mich auf das, was wir auch sind. Etwas ohne die antrainierte Mauer der Unverletzlichkeit. Es flimmert ein kurzes zartes heftiges Gefühl für all die mies-traurigen und schmerzlich-schönen Momente durch das Innenleben.

lemon / 26 November 2010 / Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[On Thinking… ]

A monologue by poet Ted Hughes on the experience and forms of thought. Origin unknown …

…The missing line from the end of the poem is: „Scald it and scour it like a doorstep“
But whether there’s anything to this piece after the end of the poem, I don’t know.
[nathanielvirgo, 2010]

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=> http://de.wikipedia.org/wiki/Ted_Hughes

lemon / 18 November 2010 / Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Der emotional begründete Stadtplan… ]

[…] Es gibt keinen Situationismus […] . Der Begriff des Situationismus wurde eindeutig von Anti-Situationisten aufgebracht. …
Aus: „Situationist International 1957 – 1972“ (Datum ?)
=> http://www.kunstwissen.de/fach/f-kuns/o_mod/dada02.htm

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[…] Die Sprache sahen die Lettristen als in ihrer Kreativität erschöpft an, künstlerische Produktion sollte sich in Zukunft auf ein reineres und tiefgründigeres Element des Poesiemachens verlegen: den Buchstaben. Es sollten statt Bildern Zeichen benutzt werden, Isou nannte seine Theorie Hypergraphologie. Damit sollten Figürlichkeit und Abstraktion in der Malerei durch Buchstaben und Zeichen ersetzt werden. …
=> http://de.wikipedia.org/wiki/Lettrismus (2. Oktober 2010)

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[…] Die Lettristen, die Vorgänger der SI (Situationistischen Internationale), bestanden aus Studenten, Künstlern, Schriftstellern und Filmemachern, die es sich verboten, kommerziell verwertbare Kunst zu produzieren und generell zu arbeiten. Sie trafen sich in Pariser Kneipen, um zu trinken und zu diskutieren.
Um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, betteln sie oder wurden zu Kleinkriminellen und die Anzahl der Anhänger wurde immer wieder durch Festnahmen und Zwangseinweisungen in psychiatrische Anstalten dezimiert. Sie ließen sich in der urbanen Umgebung treiben und versuchten durch dieses Umherschweifen („Dérive“) die Umgebung zu erkunden. Durch eine minutiöse Beobachtung der umgebenden Architektur und der Wechselwirkungen mit den Bewohnern entwarf man einen emotional begründeten Stadtplan, der als Grundlage einer visionären situationistischen Stadt, vgl. die Pläne des „New Babylon“ von Constant Ende der 50er Jahre, dienen sollte. …
Aus: „Wege aus dem Spektakel“
Eine Untersuchung von Methoden von Situationisten und Culture Jammern
von Oliver Schneider (2003, pdf file 53 Seiten)
=> http://www.randomat.org/spektakel/wege_aus_dem_spektakel_72.pdf

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[…] In the relative utopia of the [Unitary urbanism] ideal, the structural and artistic elements of man’s metropolitan surroundings are blended into such grey area that one cannot identify where function ends and play begins. The resulting society, while it caters to fundamental needs, does so in an atmosphere of continual exploration, leisure, and stimulating ambience. ….
=> http://en.wikipedia.org/wiki/Unitary_urbanism (6 August 2010)

lemon / 21 Oktober 2010 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Vermutungen zu Bree & Klute… ]

Eskapismus wird als eine Fluchthaltung oder Ausbruchshaltung, als bewusste oder unbewusste Verweigerung gesellschaftlicher Zielsetzungen und Handlungsvorstellungen verstanden. Eine Flucht vor der Realität bzw. vor der Wirklichkeit kann durch geistiges und soziales Abschirmen, durch eine Hinwendung zum Irrationalen, einen übermäßigen Gebrauch von Medien aller Art oder auch durch Substanzdrogen vollzogen werden. … Gelegentlich wurde der Kunst im Allgemeinen sowie der Dichtung im Besonderen vorgeworfen, Mittel zur Realitätsflucht zu sein.
( * )

Ein berliner Lockenkopf machte mal wieder vulgäre Gesten hinter den Kulissen. Diesmal behielt ich die Contenance und zog nur die Augenbrauen hoch. Eigentlich fehlten zu seiner Darbietung noch laute Orang-Utan Geräusche – aber es musste ja still sein hinter der Bühne. Er war bereits in seinem Kostüm als Edelmann. Ich hatte Pomade im Haar, steckte in einer schwarzen Kellnerhose und mir war ein Vorderzahn schwarz eingefärbt worden. Ich dachte: wir werden fast nur von Widersprüchen zusammengehalten. Das Theater selbst, das Theater hinter der Bühne – oder das Theater im „echten“ Leben. Weltflucht an allen Ecken – auch durch Musik. Es ist mittlerweile möglich eine Musiksequenz stundenlang in einer Endlosschlaufe zu hören. Dies ging beim Plattenspieler noch nicht, beim Tonbandgerät auch nicht – dies war für mich erst seit dem CD-Player Realität geworden. Auf dem Display stand dann „Repeat1“ für einen Song – oder „Repeat“ für die ganze CD. Es war ein eigentümliches Gefühl – morgens aufzuwachen – und das Lied, bei dem man in die Traumwelt entschwand beim allmählichen Erwachen noch immer zu vernehmen.
Als wir beide vor dem Spiegel sitzen, fragt der berliner Lockenkopf, welche Musik ich denn „beim Vögeln“ hören würde. Ich sagte nichts. Endlich hatte er mich in Verlegenheit gebracht. Sein lautes Lachen war schon lustig aber auch etwas hinterhältig – es klang so, als wolle er auch gar keine Antwort. Wir sahen in die Spiegel vor uns, wurden weiter geschminkt – und ich begann gedanklich abzudriften und darüber nachzudenken, wie es wohl weiter gegangen wäre – mit Klute und Bree nachdem der Film bereits aufgehört hatte [ ** | *** ] nachdem sie in ein stinknormales Kaff gezogen wären. Ich vermutete nach ca. 2 Jahren voller guten Absichten wären die beiden wieder auseinander gezogen. Klute hätte ganz still und fatalistisch auf dem Bett gesessen – im Bademantel die Wand angestarrt. Bree hätte Klute eine lange Zeit mit den Augen fixiert und dann gesagt „So geht es einfach nicht!…“. Die ganze Enge der Situation wäre für sie unerträglich geworden. Bree hätte die Augen verdreht, da Klute wie immer in solchen Konfliktsituationen einfach nur wie versteinert da saß und nichts tat – sie hatte auch keine Lust mehr mit ihrer Psychologin über solche Probleme zu reden – und Klute hätte schon längst aufbrechen müssen, um nicht zu spät bei seinem Job aufkreuzen. Oder es hätte sich auf das Kind-Thema fokussiert. Die Psychologin: „Warum wehren sie sich Bree?“ Bree: „Ich wehre mich nicht – ich kann mir nur nicht vorstellen ein Kind zu bekommen.“ Psychologin: „Warum nicht Bree?“ Bree: „Ich weiß es nicht – ich will es einfach nicht, ist daran etwas verkehrt?!“ Psychologin: „Nein Bree, ich frage mich nur warum sie unglücklich sind…“ Bree: „Ich bin nicht unglücklich!“ Psychologin: „Nein?“. Bree: „Nein ganz sicher nicht…“ – Schnitt – Klute tobt mit seinem kleinen Sohn durch die Wohung. Klute: „Komm her du kleiner Gauner!…“ – Bree steht in der Küche und kocht. Klute: „Das schmeckt aber lecker!“ Bree lächelt in die Kamera und sagt: „Glück gehabt, dass es diesen Film nicht gibt verehrter Zuschauer!“

lemon / 13 Oktober 2010 / Cinema.Exposure, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Schlendern (3)… ]

Rathausplatz. I, I wish you could swim Like the dolphins, like dolphins can swim… in den oberen Stockwerken ist ein Fenster auf und Musik weht auf die Straße. Ein paar Hausecken weiter höre ich noch ein Motorrad durch die Nacht rattern. Ein wohlwollender Moment. Die Gefühle und Gedanken verlangsamen sich zur Zeitlupe. Ich bin ein blinder Passagier der Straße – die Nacht voller Gaukelbilder.

lemon / 12 Oktober 2010 / Gedanken.Memo, Kiel.Refugium, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

[Zum Wahn der Liebe (4) ]

Ein bekannter Vertreter des Universalienrealismus in der Gegenwartsphilosophie ist David Armstrong. Wie bei Aristoteles gibt es Universalien nur in Verbindung mit den Einzeldingen. „Das Allgemeine ist im Einzelnen.“ …
=> http://de.wikipedia.org/wiki/Universalienproblem

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Ich war extra um 5:00 aufgestanden um vor der Arbeit ein Zusammentreffen zu ermöglichen.
Warten auf dem Exerzierplatz. Wochenmarkt. Um 6:30 hatte ich die Niederlage eingestanden.

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Im Kindergarten wussten wir bereits, dass wir heiraten würden. Wir würden 2 zwei Kinder bekommen. Die Sache war klar: ein Junge und ein Mädchen. Das gemeinsame Haus (welches wir mit eigenen Händen bauen würden) würde eine hölzerne Wendeltreppe haben – die Wendeltreppe war besonders wichtig.

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Umzug. Schulwechsel. 6te Klasse.
Warum fällt der Blick auf jemanden?
Alles ist neu. Eine Klasse über mir hatte jemand
einen schräg geschnittenen Pony – so das ein Auge
durch den Pony fast immer verdeckt war.
Und als jene dann der Neugierde durch
meine Blicke gewahr wurde dachte ich:
was macht sie jetzt damit?
Zu Beginn einer großen Pause (15Min.)
kommt sie auf mich zu, schubste mich um.
Sie drückte ihre Hand gegen
meine Schulter und sagt: du bist blöd!
Ich war einverstanden mit dem Urteil (sie sagte es lachend).
Wie schnellt die Liebe in die Höhe bei solch übermächtigen
aber auch doch zart vorgebrachten Klarstellungen.
Das Unnahbare, Unbekannte der Schönen
mit ihrem schiefen Pony eröffnete mir
gefühlsreich-thematisch den Wahn der Liebe.
Ich konnte dann nur noch sehr selten mal
in ihr von Haaren unverdecktes Auge sehen.
Denn die Vernunft gemahnte mich
meinem Blick nun etwas der Freiheit zu nehmen.
Ich zwang mich, was ihr Erkennungszeichen
den Pony anging, nicht mehr blöd in diese Richtung zu starren.

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Wir liefen nachts durch einen Park.
Es ging über Gras etwas abseits der Wege.
Wir kamen an einer Skulptur vorbei.
Sie sagte: „Die Skulptur sieh aus wie eine riesige Vagina“
Ich sagte zwar: „ja stimmt“ – dachte aber darüber nach,
warum ihr der Franz Kafka so wichtig ist.

lemon / 7 Oktober 2010 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel / 0 Comments

lemon / 6 Oktober 2010 / Cinema.Exposure, Gedanken.Memo / 0 Comments

[Bei aller Lebenslust und Euphorie… ]

Im Telefonverkehr […] setzte sich das von Erfinder Alexander Graham Bell vorgeschlagene ahoy nicht gegen Thomas Alva Edisons hello durch. … [ * ]

Ahoi!
Durchdachte Sätze und ausgefeilte Analysen verwehen bei der Windstärke. Meist sind wir durchschnitten von verschlungenen Widersprüchen und segeln durch die Zeit. Die Dinge die uns passieren hinterlassen Schürfungen und Brüche. Bei manchen ist es offensichtlich. Bei manchen kaum zu erahnen. Dort braucht es selbst bei liebendem Interesse Jahre der Entschlüsselung. Manchmal gelingt es nie. Manchmal dauert es auch nur 15 Sekunden: „Meine Mutter ist verrückt“ sagt der junge Mann mit der Bratkelle in der Hand. Seine lustige Freundin fragt dazwischen: „Sind die Kartoffelpuffer schon fertig?“

Ein anderer junger Mann steht am Grab seines Vaters und flucht. Eine Tochter hat ihren Vater nie kennenlernen dürfen. Dazwischen die Angelegenheiten des Herzens. Die moralische Integrität ist leicht verspielt. Vielleicht sogar als erstes bei denjenigen Menschen, die der eigenen Moral noch trauen.
Lust, Verbot, Gier, Selbstvergessenheit und Überschwang sind die Katz. Die Wahrheit eine Maus.
Ist die Maus verspeist hilft es nicht, wenn sie als Zeuge in den Gerichtssaal gerufen wird. Und wer die Wunde hat, hat die Tränen, wer die Tränen hat – hat Recht – und wie schnell wird aus einem Lamm zu einer anderen Stunde ein Wolf.

Bei aller Lebenslust und Euphorie in meinem inneren Parlament, beobachtet das Kontrollgremium seit Jahren den psychischen Apparat mit nachdenklicher Miene. Dort ist ein Schauplatz, ein Echo-Ort für brenzlige Situation, für jeglich denkbares. Dort entlädt sich die Verarbeitung von Fehlleistungen und von untrinkbaren Interpretationen. Schon kommt ein herbei phantasiertes Messer, eine stumpfe Eisenstange, ein Dolch oder eine Bohrmaschine mit einem 12mm Bohrer und rast ganz unverschuldet – durch meine imaginative Bauchdecke. Es scheint mir als sei dies ein notwendiger Vorgang der eigenen Vorstellungswelt, um das gerade zu bearbeitende Elend zu bebildern und zurück zu spiegeln. Das gerade erdachte Elend ist je nach betrachtetem Moment auswechselbar. Es liegt dieser autoaggressiven Phantasterei ein verspieltes Lächeln bei. Die Funktion dieses Lächelns ist ein Beruhigungsmechanismus und inner-neuronale Selbstverteidigung. Ein Automatismus auch. Ich imaginiere nicht. Eine Vorstellung kommt eher über mich. Ohne Rücksicht auf das, was gerade um mich herum passiert. Es ist eine Parallelität von Erlebnis – während der Imaginationsautomat in den Schleudergang schaltet und man gleichzeitig durch eine herbstlich verträumte Einkaufstraße läuft.

Dauernd treffen wir Menschen. Es geht ja nicht ohne Zusammentreffen. Ich wäre ja kaum ein Menschen, würden ich nicht dauernd mit jemanden zusammentreffen. Ohne Zusammentreffen hätten wir keine Sprache, vielleicht nicht einmal einen Faustkeil. Mir ist in letzter Zeit bei manchen Zusammentreffen – auch wenn sie nur Sekunden dauern – so als ob sie für ein ganzes Buch reichen würden. Gerade dadurch, das sich noch so vieles erraten und ausmalen lässt, da man sich nicht wortreich gezeigt hat.

Und ist es möglich, das es einen Mechanismus gibt, der uns Menschen, gerade wenn uns etwas aus dem Leben überrumpelt – also von hinten überfährt – das gerade dann ja vor lauter Verwunderung und Schrecken, Freude oder Überraschung die Worte (die es doch so dringend bedurft hätte) fehlen. Warum wird die Strategie sich selbst um Kopf und Kragen zu reden nicht als erstrebenswert erachtet?

Durch den Herren XYZ wurde ich aufgeklärt, das in den Mittagspausen in den Aborten nahe den Montagehallen lauthals gestöhnt und gemeinsam ausufernd gefurzt wird. In Diesem Stöhnen entfährt dann die ganze Verficktheit der köperlichen Entkräftung, der zwischenmenschlichen Entbehrung – und die nur noch dumpf bewußte Wut ob der Situation in der man steckt. Kein Ort für Zartgefühl, Empfindsamkeit und Sentimentalität wenn der Körper und die Seele zwischen der Zeitübertaktung, den Arbeitsgeräten und dem Akkord zerschunden werden.
Morgens um 5:13 auf der Anfahrt holt ein Kollege A den Kollegen B ab – um dann in einem Fiat Punto den geistverätzenden Kindertechno noch lauter zu drehen. Jede noch nicht zertretene Gedankenkraft wird anschließend vom Werkshallenstaub überrieselt. Für XYZ ist das nun schon längst vorbei. Nun werden Botschaften von Haustür zu Haustür überbracht. Treppen hinauf – Treppen hinunter. Bei Regen, Sonne und Wind.

Es war vor Jahren, da springt eine Junge Frau aus Verzweiflung aus dem Fenster. Der Fuß ist verletzt nach dem Sprung. Eine Freundin besucht die Freundin in der Klinik. Sie war auch echt seltsam sagte jemand. Aber was war seltsam? (Echo: seltsam, seltsam, seltsam… )

Eine Mutter lebt – damit, das sich 2 ihrer Kinder selbst das Leben beendeten. Ich dachte sofort: niemand maße sich an auch nur irgendetwas schlaues darüber zu denken (ein Widerspruch in sich, denn ich hatte durch eben diesen Gedanken spontan etwas dazu gedacht). Hilflos fühle ich mich zur Dummheit verdonnert. Und zurück zucken und schreien wird der Körper wenn jemand hilflos und nett versuchen sollte zu trösten. Keiner kann da trösten.

Die andere Frau erzählt von ihren Vergewaltigungen. Am Telefon – und wie sie sich derer schämte – letztendlich schämte sie sich ihrer selbst wegen (!) – anstatt vor Wut auf die Männer juristisch zurück zu schlagen. All das ist schon lange her. In der Psychiatrie sind kaum noch Betten frei.

Wir leben zusammen in einem Irrenhaus voller komischer, voller kosmischer Zufälle, abgrundtiefen Verletzungen und ausufernd enthobenen Entzücken. Jeder hat einen ganz anderen Startpunkt im Leben. Begleitumstände. Das alles passt oft nicht zusammen.

Affekte bleiben. Die Abgründe bleiben. Das hilflose Lächeln wird müde. Aber ich könnte meinen simulierten seelischen Doppelgängerkörper vor dem virtuellen Dolch verschonen – ihn dieses mal zur Abwechslung in die Hand nehmen und gegen eine beliebige Betonmauer der Innenstadt schmeißen. Ihn wachrütteln. Mich wachrütteln. Mal sehen ob es hilft. Und dann innehalten – über mich selbst lachen.

Oder wir lauschen dem Flüsterton des So-ist-die-Welt-Geplapper. Aus den Werbeplakaten kommt der Schwachsinn herausgeschnottert: im Sommer wird gegrillt und es gibt Bier zum Fußball. Es brüllt aus den Fenstern in den Hinterhof wenn jemand ein Tor schießt. Ein alter Mann geht mit seiner Gehilfe auf dem Bürgersteig. Schweigen wir uns zusammen die Normalität herbei. Und wurde etwas gestern gesagt, so kann ich schon heute auf diesen Worten ausrutschen. Ein jeder Satz lädt mit einer Kadaver-Interpretation zum Schmaus.

lemon / 5 Oktober 2010 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

[Schlendern (2)… ]

Mein Fieber macht mich Froh.
Die Bäume, der Himmel, die Wolken fluchten.
Fensterscheibenkino in der Linie 41.
Warum das spontane in-der-Welt-zu-sein-Glück mich
kurzzeitig fast erschlägt – an anderen Tagen sich aber
erst nach einem kräftigem Espresso Stück für Stück entfacht
(wenn überhaupt) – bleibt mir ein Rätsel aus Hirntiefen.

Nebensächliche Beobachtungen sind kaum zu bremsen:
eine wasserstoffblonde Frau mit der irregulären Anziehungskraft
einer Außerirdischen zieht sich den Pullover aus
und versprüht, ohne einen wahrnehmbaren Funken von
Zweifel, ihr Deo unter ihren Achseln und nebenbei im Linienbus.
Eine Sache von Sekunden. Aber dennoch lautmalerisch.
Ffffft (rechts), ffffftt (links).

Da wäre das Schlendern durch Kiel Gaarden.
Man läuft hier und da noch auf Kopfsteinpflaster.
Naturstein mit Ritzen. Dort sammelt sich Unrat
und wildes Kraut neben dem Straßenablauf.
Unwirsche Zustände liegen hier immerhin offen.
Das ist mir manchmal lieber als die gepflegte Verschlagenheit der Aufgeräumten.
Schnell ist es dunkel geworden. Herbst 2010.

Der Werftpark ist fast Menschenleer.
Vor Ismails Einzelhandelladen sehe ich durch das Schaufenster
und entdecke einen großen Gartenzwerg vor der Kassenwage.
Daneben einem hochgewachsenen Kaktus.
Die Verkaufslichter sind bereits aus.
Ein Stück weiter trinken ein paar Herren ihren Tee.
Auf einem Schild über den Eingang leuchtet neon-matt Arkadas.
Das heißt womöglich Freund (oder Freundschaft?), erinnert mich an das Wort Arkadien.
Beim Vorrübergehen höre ich gedämpft Stimmengewirr, Musik und Lachen.
Für einen Bruchteil einer Sekunde erblicke ich dort durch die Tür
John Wayne auf einer Bilderkollage an der Wand.

Ich frage mich für einen Moment, ob sich dieses Bild von
John Wayne (welches ich eben erst wie beschrieben im türkischen
Pub Arkadas erblickte) in gleicher weise interpretieren könnte, wie ein scheinbar lieblos
gebasteltes DIN A4 schwarzweiß Plakat für eine tönende Abendveranstaltung.
Das Plakat klebte übrigens an einer Häuserwand in der Elisabethstrasse.
Auf der Plakatkollage warb Sylvester Stallone in seiner Rolle als Rambo,
für eine lokale Punkband. Er war wie John Wayne kurzerhand zu einem
Masup Element geworden [*] .
Der Gartenzwerg, John Wayne und Rambo als Elemente der Aufeinanderschichtung von Weltbezügen. Als ironische Klischee-Kollagen. Aus Zufall und Montage.

lemon / 28 September 2010 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kiel.Gaarden, Visual.Notes, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

[Hallucination & Mental Landscape… ]

[…] „Many people believe that reality is one thing and your thoughts are something else. Reality is on the outside; the mental landscape created by your thoughts is inside your head, within your mind. (Assuming that you’re sane.)

Yet we each hallucinate every day, when we fall asleep and dream. And when you hallucinate, your own mind redefines reality for you; „real“ reality, outside reality, disappears. No computer will be able to think like a man unless it can hallucinate. …“

DREAM-LOGIC, THE INTERNET AND ARTIFICIAL THOUGHT
By David Gelernter (2010)
=> http://www.edge.org/3rd_culture/gelernter10.1/gelernter10.1_index.html

lemon / 19 Juli 2010 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Realitaets.Tunnel, Traum.Log / 0 Comments