[Ordnung, Herrschaft und Interessen #51… ]

// Kontext: https://de.wikipedia.org/wiki/Finanzkrise_ab_2007

(12.09.2018, SPON): “ … Als 2008 die Finanzwelt bebt, ist Jörg Asmussen mittendrin. Am 15. September meldet die US-Investmentbank Lehman Brothers Insolvenz an – nach tagelangen Verhandlungen hat die amerikanische Regierung sie fallengelassen. Jörg Asmussen ist damals Staatssekretär im Finanzministerium – und muss kurz nach der Lehman-Pleite die Rettung deutscher Banken organisieren. Zuerst ist es die Hypo Real Estate, später die Commerzbank, die BayernLB, die WestLB und die Landesbank Baden-Württemberg. Eine Bank nach der anderen droht zu kippen und muss vom Staat gerettet werden. Einen zweiten Fall Lehman will niemand riskieren. … Asmussen: Es gibt immer Pro- und Contra-Argumente, auch damals. Ich war der Auffassung, dass man die HRE retten müsse – nicht wegen der Bank selbst, sondern wegen der Stabilität des Finanzsystems. Spätestens an diesem Wochenende war klar, dass wir eine systemische Krise hatten, die viele Staaten betraf. In Belgien und den Niederlanden wackelten die Finanzkonzerne Fortis und Dexia, in Großbritannien Bradford & Bingley. Es ging nicht mehr um einzelne Banken, sondern um das System. … “ | http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/lehman-brothers-joerg-asmussen-spricht-ueber-die-pleite-der-investmentbank-a-1227344.html

„Finanzkrise: Ein Oligopol der Großbanken“ – In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen. Die Folgen sind gravierend: Wenn es ernst wird, müssen erneut alle einstehen. Ein Essay von Adam Tooze, New York | https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-09/finanzkrise-lehman-brothers-crashed-adam-tooze

sonstwer #57 (10.09.2018): “ … Ich lese immer „wir“. Schon ganz lustig, wenn marxistisches Teufelszeug wie Solidarität wiederentdeckt wird, wenn es um die Haftung für Zockereien und Bankenexzesse geht. Wenns um die Gewinne geht, folgt man dann doch lieber wieder neoliberalen Dogmen. … Übrigens war es eine der ersten Amtshandlungen des „drain the swamp“-POTUS des echten und einfachen Volkes, die Banken wieder von der Leine zu lassen: https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-05/donald-trump-usa-bankenregulierung-kongress-lockerung [Nach dem Senat hat auch das Repräsentantenhaus der USA für die Rücknahme wesentlicher Teile eines Gesetzes zur Bankenregulierung gestimmt: Mit 258 zu 159 Stimmen wurde eine Lockerung des Dodd-Frank-Acts beschlossen. Das Gesetz, das nach der Finanzkrise 2008 unter der Regierung von Donald Trumps Vorgänger Barack Obama initiiert worden war, sollte erneute Bankenpleiten zulasten der Steuerzahler verhindern.]…“

Rollender Stein #41 (10.09.2018): “ … Zitat: „In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen.“ – Nein, das stimmt so nicht. Ich stelle sie immer und immer wieder seit 10 Jahren und werde regelmäßig dafür übergangen, ausgelacht, nicht ernst genommen, als Spinner usw. bezeichnet.
Das geht übrigens allen so, die diese Frage stellen. …“

MowKow #18 (10.09.2018): “ … „In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen. “ – „WIR“? Wen meint denn der Autor mit „wir“? …“

AloisZwackelmann #48 (10.09.2018): “ … In der Finanzkrise haben wir die Chance verpasst, die Systemfrage zu stellen. Die Folgen sind gravierend: Wenn es ernst wird, müssen erneut alle einstehen …“ – … Noch nicht einmal die Finanztransaktionssteuer hat man hinbekommen (wollen). …“

Flavoos #55 (10.09.2018): “ … „Wir werden mit einem dollarbasierten Oligopol von Großbanken leben müssen.“ – Wieso eigentlich? Gottgegeben? Das ganze Finanzsystem ist eine Umverteilungsmaschine von unten nach oben und gehört grundlegend reformiert … nein sogar revolutioniert – das ist die Mutter aller Probleme. …“

Nachtrag #1:

“ … Die Aktivitäten zur Neuordnung der Finanzmärkte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Politiker, Berater und die marktfundamentalistische Wirtschaftswissenschaft die Triebkräfte dieser Krise nicht begriffen haben. Lehman Brothers war kein einzelwirtschaftlicher Zufall. Mit dieser Pleite hat sich ein seit Mitte der 1980er Jahre aufgebautes Krisenpotenzial entladen. Es ist die erste Krise des finanzmarktgetriebenen Kapitalismus. Nicht das Realkapital, sondern das Finanzkapital dominiert mittlerweile die Gesamtwirtschaft. … Um die von der Realwirtschaft entkoppelten Geschäftsfelder entfalten zu können, mussten jedoch erst noch die institutionellen Barrieren der streng geordneten und kontrollierten Finanzmärkte eingerissen werden. Deshalb ist das entscheidende Datum für den Start entfesselter Finanzmärkte nicht 2008, sondern 1986. Damals hat die britische Premierministerin Maggy Thatcher mit dem „Big Bang“ den Finanzplatz London komplett dereguliert. Einer neuen Internationale vergleichbar folgten die meisten Länder, auch Deutschland, bei der Durchsetzung dieses Kasinokapitalismus. Die übermächtige Illusion, durch Spekulationen ließen sich ökonomische Werte schaffen, terrorisierte die Welt. Vor allem aber die Flucht aus dem regulierten Bankensektor in das Reich der Schattenbanken entwickelt sich zum Megarisiko. Diese sind mit den kontrollierten Banken stark verbandelt. Schließlich werden nicht nur in den USA wichtige Gesetze zur Bankenregulierung wieder demontiert. Die Kerngefahr eines erneuten Absturzes der Finanzmärkte ist noch nicht gebannt. Durch die Suche nach rentablen Finanzanlagen wird der Druck auf den Finanzmärktekessel erzeugt. Und wer steckt dahinter? Es sind die Vermögenden und Unternehmen, die anstatt ihre Gewinne für Sachinvestitionen einzusetzen, der Illusion der Geldvermehrung auf den Finanzmärkten verfallen sind. Die wichtigste Lehre zur Bändigung der Finanzmärkte ist: Das Übersparen muss durch eine gerechte Umverteilung abgebaut und Investitionen in Unternehmen der Realwirtschaft sowie staatliche Infrastrukturausgaben gelenkt werden. …“ | Aus: „Bankensystem: Die Lehman-Pleite war kein Zufall“ Rudolf Hickel (10.09.2018) | http://www.fr.de/politik/meinung/gastbeitraege/bankensystem-die-lehman-pleite-war-kein-zufall-a-1579300,0

Fritz Grimm —> MalteSehr (10.09.2018): “ … Es ist Geld, das in Wirklichkeit gar nicht existiert. Des Kaisers neue Kleider (Andersen) könnten kaum treffender dargestellt werden. …“

MalteSehr (10.09.2018): “ … Die „Werte“ im Finanzkapitalismus sind in Wirklichkeit so fiktiv wie der Wert der Blauen Mauritius. Dass die Blase äußerst fragil ist, versteht sich von selbst. Das Schlimme dabei ist nur, dass 1.) das Geld, was bei den Spekulationen „verdient“ wird, in der Realwirtschaft erarbeitet wurde, also durch die Arbeit unserer Hände und unserer Gehirne und 2.) die Politik es nicht schafft, wenigstens den Auswüchsen Einhalt zu gebieten. … [Die Bankenrettung hat mehrere Milliarden gekostet. Ich befürchte, dass dieses Geld ziemlich real war. Das gilt auch für das Geld, das „clevere“ Investment-Banker für Immobilien, Konsumgüter usw. ausgeben.] … “

Nachtrag #2:

Marcus Gatzke und Heike Buchter und Thorsten Schröder, New York (15. September 2018): “ … Zehn Jahre sind seit der Pleite der Investmentbank Lehman vergangen. In den USA wächst der Druck, die Finanzmarktregeln wieder zu lockern. Zeit für eine Rekapitulation. … Hausbesitzer, Konsumenten, Kleinanleger, Pensionäre – sie alle waren in die Diskussionen nicht einbezogen. Als die Politiker, die die Interessen der Allgemeinheit hätten vertreten sollen, mit der Lage konfrontiert wurden, willigten sie schnell in die Vorschläge der Experten ein. Zu komplex schienen die Probleme für Laien. Allein die US-Bürger kostete die Krise 20 Billionen Dollar, hat der Rechnungshof des US-Kongress errechnet. Durch die Krise wurden in den USA neun Millionen Jobs vernichtet. Rund zehn Millionen Amerikaner verloren ihr Eigenheim durch Zwangsversteigerung. Und das hat Auswirkungen bis heute: Die Armen sind heute ärmer und die Reichen reicher. … Den Banken geht es unterdessen wieder blendend: In den ersten drei Monaten des Jahres 2018 haben sie mit 56 Milliarden Dollar den höchsten Gewinn in ihrer Geschichte verbucht. Die Boni sind höher als vor zehn Jahren, die Konzentration in der Branche ist größer. „Die Stabilisierung ist gelungen, die Wirtschaft hat sich von der Krise erholt und wächst wieder“, lautet das Fazit des Wirtschaftshistorikers Adam Tooze zehn Jahre nach der Lehman-Pleite. … Tooze ist überzeugt: Im Krisenfall müssten die Banken wieder vom Staat gerettet werden. …“ | https://www.zeit.de/wirtschaft/2018-09/lehman-finanzkrise-henry-paulson-usa

Zeitenhieb #11: “ … Die Menschen haben nicht verstanden warum eine solche Krise überhaupt möglich war, weil man den Führungsfiguren in Politik und Wirtschaft größtenteils bis dahin vertraut hatte? Warum Systeme wichtiger wurden als Menschen? Warum es den Tätern und Mitarbeitern durch die und nach der Krise besser ging, während es ihnen schlechter ging und geht? Warum es nicht mehr Bemühungen gab, von dem verlorenen Vertrauen zumindest etwas wieder herzustellen. Die Furche, die die Krise, ihre Folgen und die das Handeln der Verantwortlichen in die Gesellschaften gezogen hat ist so tief, dass sie nicht mehr zu schließen sein wird. Zuviele Menschen fühlen sich betrogen und belogen und es ist weit und breit keine Besserung in Sicht. Eher das Gegenteil. Wir erleben den Tanz um das goldene Kalb, besser: Um den goldenen Stier und Den goldenen Bären. …“

Horatio Caine #23: “ … und endlich kein Beitrag mehr zur Legendenbildung dass das alles höhere Gewalt gewesen sei […]: „Anders als oft behauptet war es nicht allein der überhitzte US-Immobilienmarkt, der die Krise verursachte. Die Preise für Eigenheime stiegen zwar in den Nullerjahren kräftig an. Doch es waren Banker auf der Suche nach neuen Einnahmequellen, die eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang setzten. Schon 2001 begannen sie, Hypotheken an US-Bürger zu vergeben, die nach klassischen Bonitätsstandards keine bekommen hätten. Das Risiko war den Bankern egal. Statt wie früher das Darlehen selbst in ihre Bücher zu nehmen, bündelten sie die Hypotheken und verkauften Zertifikate darauf an Investoren – die später berüchtigten Subprime Mortgage Backed Securities. Nicht mehr die Bank, sondern die Investoren hielten nun das Ausfallrisiko. …“

tbc.

lemonhorse / 10 September 2018 / Daten.PolitixMicro, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

lemonhorse / 27 August 2018 / Found.Stuff, Visual.Notes / 0 Comments

[Kiel #54… ]

Dreiecksplatz (8/2018)
PORST C-TL (Kleinbildfilm, 400 ASA)

lemonhorse / 26 August 2018 / Kiel.Refugium, Visual.Notes / 0 Comments

[La Lune #19… ]

Vince macht ein Photo vom Mond.
Teleskopaufnahme [Skywatcher Explorer 150 PDS] (25.08.2018, Kiel)
Kamera: Nikon D70S

lemonhorse / 26 August 2018 / Kiel.Refugium, Visual.Notes / 0 Comments

lemonhorse / 24 August 2018 / Found.Stuff, Visual.Notes / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #19… ]

foto: joanna pianka

Roman Gerold (23. August 2018): “ … Falls Sie kommende Woche Menschen erblicken, die aus einer riesigen weiblichen Brust trinken, die hinten aus einem Lkw herausragt – dann steckt dahinter der Künstler Milan Mijalkovic. … Zu jenen Phänomenen, die es in einer besseren Welt wohl nicht gäbe, zählt der „Arbeiterstrich“. Tagtäglich bieten dort Männer, vor allem aus Osteuropa, Dienste als Schwarzarbeiter an. Privatpersonen holen die Pfuscher ab und verbringen sie zu Baustellen in der Umgebung. Wiewohl die Männer nicht selten ausgebildet sind – sei es als Maurer oder als Elektriker -, müssen sie mangels Arbeitserlaubnis unter ausbeuterischen Bedingungen arbeiten. In Wien ist zum Beispiel die Triester Straße ein Hotspot solcher Schattenwirtschaft. Ebendort, unweit eines großen Baumarkts, könnte man in der kommenden Woche Zeuge einer seltsamen Begebenheit werden. Einer jener Lkws, die den Männern wohlbekannt sind, fährt vor, öffnet die Ladeluke – und zum Vorschein kommt eine riesige weibliche Brust. Keine Milch verspritzt diese allerdings, sondern Wasser, an dem sich die Arbeiter laben können. … Ja, ganz profan könnte man diese Intervention des Künstlers Milan Mijalkovic einen mobilen Brunnen nennen. Eigentlich heißt die Aktion, die außerdem an der Brünner Straße und der Herbststraße stattfindet, jedoch Die Wiener Maria. Sie fügt sich in eine ganze Reihe von sozial engagierten Kunstprojekten ein, die Mijalkovic verwirklicht hat, seit er im Jahr 2000 aus Mazedonien nach Wien kam. Gemeinsam sind diesen Interventionen der Fokus auf gesellschaftliche Schieflagen und der Hang zu einer fast überrumpelnden Direktheit. 2013 ironisierte Mijalkovic den Begriff „Verantwortung“, indem er in einem Happening die Verantwortung für diverse Naturkatastrophen der letzten Jahrtausende versteigerte. Später hielt er eine „Rede zur Demokratie“, die ausschließlich aus kalmierenden Pscht-Lauten bestand. Beruhigen und zugleich ruhig halten: Auf eine ähnliche Doppeldeutigkeit möchte Mijalkovic auch mit der Wiener Maria hinaus. Als „Brust des Kapitalismus“ sieht er das Objekt, eine Brust, die zugleich nähre und abhängig mache. … “ | https://derstandard.at/2000085852159/Weibliche-Brust-als-Wasserspender-fuer-den-Wiener-Arbeiterstrich

Mag. Bitterer, Ernst (Penthousebewohner, August 2018) “ … Das wird den Frauen der Arbeiter zuhause gefallen, wenn die im Ausland an fremden Brüsten nuckeln … Ob das nicht mehr Eigenwerbung für den „Künstler“ ist, als auf ein Problem hinzuweisen? Und wie „ausbeuterisch“ sind denn die Auftraggeber wirklich? Die zahlen doch sicher mehr als die Konzerne in Osteuropa – wer ist da der Ausbeuter? Die Arbeiter kommen meines Wissens auch aus freien Stücken nach Wien. Durch die Arbeitskraftverknappung im Osten steigt dort das Lohnniveau – alles nicht so einfach. …“
sistiana (August 2018): “ … Eklig und unnötig …“
Crom (August 2018): “ .. Genau wegen solcher verbitterten Leute sage ich: Coole Aktion :) …“
QueenBandBabyDuck (August 2018): “ … Igitt, Brüste! ;) …“
zeon (August 2018): „Bin ich der einzige, der nicht wusste, dass sowas wie ein Arbeiterstrich existiert? …“
Miesepete (August 2018): “ … Vermutlich. Sind Sie von der SPÖ Wien? …“
Markus D. Hartbauer (August 2018): „Was macht der Künstler eigentlich beruflich?“
Mafi (August 2018): „Kunst?“
yieldmush (August 2018): “ … [Du darfst] diesen Vergleich von Woody Alan ansehen: https://youtu.be/mr7ZWJJdPV8 …“
Der Waehlerwille (August 2018): “ … Wirklich mutig wär ja ein Penis gewesen .. der Milch gibt. …“
Der unbestechliche Akupunkteur (August 2018): “ … Eher Joghurt… “
Elektronik (August 2018): “ … Hatte ich heute Nacht schon. Danke, …“
Thorin (August 2018): “ … Ja, das hätte mir besser gefallen. Zumal den Kapitalismus weitgehend die Männer repräsentieren, nicht die Frauen. Aber gestandene Arbeiter, die an einem Penis nuckeln. Schwer vorstellbar. Das hält das männliche Ego nicht aus. …“

(Wien, 30. Juli 2018) „Kann alles Arbeit“ ist ein Satz, der in der illegalen Subkultur der Wiener Baubranche typischerweise die Verhandlungen eröffnet und dabei ein Dilemma ausdrückt. Wer seine Chancen auf Arbeit und damit Lohn nicht verwirken will, muss sich verkaufen können – und zwar unter Wert. Acht Euro ist der Stundenlohn, den sich die Männer aus Bulgarien, Rumänien, Polen, Ungarn, der Ukraine und dem Kosovo, viele von ihnen Meister ihres Fachs, erhoffen, wenn sie an der Triester Straße täglich zu Dutzenden darauf warten, abgeholt und zu einer Baustelle im Umland gefahren zu werden. …
https://milanmijalkovic.com/ | https://milanmijalkovic.com/Die-Wiener-Maria

lemonhorse / 23 August 2018 / Daten.PolitixMicro, Kunst.Encoder, Visual.Notes / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #18… ]

Rudolf Stumberger (22. August 2018): “ … Manchmal erschreckt man allerdings selbst, wenn sich die Welt des Trivialen plötzlich auflöst und hinter den Nebelbänken des Happy End plötzlich das normale, mitunter grausame Leben auftaucht. Etwa in der Welt des Schlagers, des musikalischen Verwandten des Groschenromans. Obwohl man es ja wusste, bestürzt einen die tiefe Diskrepanz zwischen heiler und wirklicher Welt. Etwa bei dem Schlagersänger Roy Black, bürgerlich Gerhard Höllerich („Du bist nicht allein“), der 1991 nach Alkoholexzessen allein in einer Fischerhütte starb. Oder bei Rex Gildo, bürgerlich Ludwig Franz Hirtreiter („Fiesta Mexicana“), der 1999 aus dem Fenster sprang. …“ | https://heise.de/-4141333

lemonhorse / 22 August 2018 / Fraktal.Text, Realitaets.Tunnel, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments

lemonhorse / 17 August 2018 / Visual.Notes / 0 Comments

[Das Reale, das Symbolische und das Imaginäre #17… ]

Joseph Joubert „Es steckt oft mehr Geist und Scharfsinn in einem Irrtum als in einer Entdeckung.“ – Gedanken, Versuche und Maximen // Roman Bucheli (5.7.2018): “ … Erst 1838, vierzehn Jahre nach Jouberts Tod, erlaubte dessen Witwe Chateaubriand, eine Auswahl der Fragmente für einen kleinen Kreis von Freunden herauszubringen. Weitere hundert Jahre dauerte es, bis 1938 erstmals Jouberts sämtliche Journale in einer Ausgabe erschienen, welche die Hinterlassenschaft authentisch abbildete und nicht nur eine thematisch sortierte Blütenlese präsentierte. Nun erst entdeckte man die Ausmasse dieser über Jahrzehnte geführten intimen Chronik. Rund 1300 eng bedruckte Seiten dokumentieren den Tumult des Denkens. … Das Journal ist ihm nicht Rückzugsort, es bietet ihm den Resonanzraum, den er braucht für sein Abenteuer des Denkens: «Diese Gedanken, die uns plötzlich kommen und die noch nicht uns gehören.» … Natürlich kann die Ausgabe diesem überwältigend disparaten Werk in keiner Weise gerecht werden. Und natürlich erscheint Joubert hier als Aphoristiker, der er nicht war. Trotzdem vermittelt die Auswahl eine Vorstellung von der unerschöpflichen, unerschrockenen Sprunghaftigkeit dieses Denkens, dem nichts fremd und nichts zu trivial ist, das sich an allem ausprobiert, was sich ihm entgegenstellt. Joubert glättet das Durcheinander nicht, weil das unordentliche Denken doch stets die Regel und die Ordnung nicht die Ausnahme, vielmehr meist nur schöner Schein ist. Die eine oder andere Sottise [Unsinn, Dummheit, Quatsch, Albernheit, Affront, Grobheit] blitzt dann auch in diesem somnambulen Chaos auf: «Voltaire hat Schlittschuhe. Er gleitet elegant über die Oberflächen. – Er sieht den Grund, stösst aber nicht zu ihm durch.» ….“ Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/die-grosse-kunst-kein-buch-zu-schreiben-aus-joseph-jouberts-notizen-ld.1400533

Gerald Heidegger (12.11.2015): “ … Alles fällt bei Barthes schließlich in Lacans Konzept vom Imaginären zusammen – also jenem System, in dem Selbstbild, Selbstidentifikation, aber auch Verkennung und Täuschung liegen sowie Phantasma und Begehren. Die Art, wie Barthes seine Zeichentheorie immer in Bereichen von halluzinatorischer Subjektivität stranden lässt, wird ihn nie ganz im wissenschaftlichen Feld heimisch machen … Barthes richtet den Blick auf Begehren und Phantasma auf der einen Seite und auf Bedeutungszusammenhänge von Alltäglichkeit auf der anderen. „Barthes“, so schreibt seine Biografin Tiphaine Samoyault, […] kombiniere das „Phantasma mit einer ethnografischen Absicht: Auch bei ihm überschwemmt die Beschreibung des Alltäglichen das formale Projekt. Sie entspringt einer Vorliebe für das Nahe, für das banale Ereignis (…) und wird verstärkt durch sein Interesse (…), wie Menschen ihre Umgebung erobern, indem sie ihr Sinn geben.“ Barthes schaut etwa auf Details der Kleidung und liest diese als spezielles Zeichensystem: Alltäglichkeit unterminiere das Verhältnis zwischen bedeutend und unbedeutend … In seinen Analysen zur Sprache der Mode oder der Werbung erscheint Barthes zeitweilig wie ein europäischer Weggefährte eines Herbert Marshall McLuhan und seinen Aufschlüsselungen zu den Ordnungen des elektrischen Zeitalters, wie es etwa in der „Mechanischen Braut“ unternommen wird. … Barthes, der beharrliche Arbeiter und kultivierte Müßiggänger, hatte es nach dem Essen mit Jack Lang und Mitterand an dem späten März-Mittag eilige. Für seine nächste Lehrveranstaltung über Proust und die Fotografie wollte er einen Projektor organisieren. Möglicherweise ließ sich Barthes von seinen Ideen und Sätzen wegtragen, als er beim Überqueren der Rue des Ecoles von einem Lieferwagen niedergefahren wurde. Ein Monat nach dem Unfall starb Barthes an den Folgen innerer Verletzungen, die er bei diesem Unfall erlitten hatte. …“ | https://orf.at/stories/2308564/2308590/

Ulrich Rüdenauer (13.04.2005): “ … Brinkmann … „Keiner weiß mehr“ erscheint 1968 und gewährt einen geradezu obszön offenen Blick aufs eigene Ich, eine akribische, besessene Bestandsaufnahme eines falschen Lebens im falschen. … Am 23. April 1975, gerade 35 Jahre alt, wird er beim Überqueren einer Straße in London von einem Auto überfahren. Er stirbt noch an der Unfallstelle. … „…die Plakate, Bauzäune und Verbote machen weiter, die Fahrstühle machen weiter, die Häuserwände machen weiter, die Innenstadt macht weiter, die Vorstädte machen weiter.“ …“ | https://www.deutschlandfunk.de/der-grosse-aussenseiter.700.de.html?dram:article_id=82244

lemonhorse / 16 August 2018 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo / 0 Comments

[La Lune #18… ]


Eine Zeichnung von Pierre Puget, auf der die Lune abgebildet sein soll.

“ … Die letzte Reise 1664 … Die La Lune segelte in der Nacht vom 30. auf den 31. Oktober mit wahrscheinlich rund 1.200 Mann an Bord, darunter neben 350 Mann Besatzung viele Verwundete und Kranke und zehn Kompanien des Regiments de Picardie (zusätzlich rund 800 Soldaten). Trotz dringlicher Bitten des Kapitäns, der auf die Überladung und den schlechten Zustand des Schiffs hinwies (auf der Rückreise mussten 100 Mann ständig die Pumpen bedienen), ließ man sie aber nicht in Toulon an Land, da man den Ausbruch der Pest befürchtete und das Schiff in Quarantäne setzte. … Am Morgen des 6. November sank das Schiff sehr schnell nach Augenzeugenberichten wie ein Stein (Beaufort: „comme un bloc de marbre“). Es gab weniger als 100 Überlebende, darunter den 80 Jahre alten Kapitän de Verdille, einen Malteserritter, der auf einer Planke an Land gespült wurde. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/La_Lune_(Schiff)

lemonhorse / 14 August 2018 / Found.Stuff / 0 Comments