[RWF #10… ]

“ … Jean de Baroncelli stellte am 19. Januar 1980 in Le Monde auf die allegorischen Qualitäten des Films ab: der Film präsentiere Maria Braun mit einer „leuchtenden Einfachheit“ als Allegorie für Deutschland, sie sei wie das Land „ein Wesen, das mit auffälligen teuren Kleidern angetan ist, das aber seine Seele verloren hat“. … „Fassbinders Geschichtsschreibung ist eine private“, stellt Pott fest. Indem er Geschichte am persönlichen Schicksal einer Frau festmacht, synchronisiert er deren Schicksal mit dem ihrer Umwelt. Figuren wie Maria werden in Fassbinders Werk somit zu „Inkarnationen ihrer Epoche, parabolisch spiegeln sie in ihrem politisch unbewussten Privatleben die kollektive Mentalität der Zeit“. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Ehe_der_Maria_Braun (10. Oktober 2020)

[Zur Begegnung mit Phantomen #10… ]

“ … Der Kunsthistoriker und Wahrnehmungstheoretiker Ernst Gombrich beschrieb als „phantom percepts“ den Umstand, dass wir nie nur sehen, was wir sehen, sondern stets antizipieren, erinnern, und die Relation der eigenen Position zum Gegenstand mitdenken. … Klassenverhältnisse existieren, [ ] als Phantome, … Getreu der Erhardschen Maxime „Wohlstand für alle“ hatten Millionen von Deutschen einst ein Ziel vor Augen, das sich tatsächlich erreichen ließ: ein Platz in der Mittelschicht. Das bedeutete mehr Wachstum und sozialen Frieden, von dem alle profitierten. Der Begriff der „Klasse“ als Relikt der Klassenkämpfe der 1970er Jahre erscheint heute überholt. Der französische Soziologe und Philosoph Didier Eribon weist aber darauf hin, dass „wenn man ‚Klassen’ und Klassenverhältnisse einfach aus den Kategorien des Denkens und Begreifens und damit aus dem politischen Diskurs entfernt, verhindert man aber noch lange nicht, dass sich all jene kollektiv im Stich gelassen fühlten, die mit den Verhältnissen hinter diesen Wörtern objektiv zu tun haben.“ … “ | Zur Ausstellung: „Klassenverhältnisse – Phantoms of Perception“ (2018-2019) | https://www.kunstverein.de/ausstellungen/rueckblick/class-relations-klassenverhaeltnisse

Kameramann Billy Bitzer bei der Vorbereitung eines Phantom Ride (Publicityfoto), um 1900 … Als Phantom Ride, also ‚scheinbare oder geisterhafte Fahrt‘, wird ein Genre der frühen Filmgeschichte bezeichnet, das um 1900 besonders in Großbritannien und den Vereinigten Staaten populär war. … | https://de.wikipedia.org/wiki/Phantom_Ride

“ … Auf einer Tonbandaufnahme von 1973 erklärt Brinkmann: »Ich bin mit Fritz Mauthner der Ansicht, daß Sprache, Wörter, Sätze zur Welterkenntnis völlig untauglich sind. Es sind immer nur Wörter und Sätze, Formulierungen aber was ist denn da tatsächlich? … In seiner Biographie steht Vechta, die Kleinstadt in der er aufwuchs, für alles, was er hasste: Enge, Bigotterie, Dumpfheit. In Vechta gibt es drei Gefängnisse, und zwei Hochschulen. Für Brinkmann »Ein Schweinelandstrich, viel krüppeliges Grünzeug, katholisch verseucht.« …“ | http://www.glanzundelend.de/auswahl/brinkmann.htm

“ … Schämen Sie sich für Ihre soziale Herkunft? – Wer arm aufwächst, hatte nicht nur weniger Geld. Viele kämpfen auch mit Scham und Vorurteilen. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte. …“ | https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-08/klassismus-soziale-herkunft-armut-bildung-vorurteile-diskriminierung-leser

DAS873 #23 (2020): “ … Möglicherweise könnte man auch mal ZON-Redakteure fragen, ob „Sie“ irgendwie Scham haben, born natural zumindest im oberem Mittelstand aufgewachsen zu seien. Könnte man ja noch nen Artikel draus machen. … “ | https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-08/klassismus-soziale-herkunft-armut-bildung-vorurteile-diskriminierung-leser?cid=53766018#cid-53766018
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(2021): “ … Ein Witz auf Twitter hat im November irritiert: „Wie viele Arbeiterkinder braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln? 15. Einer wechselt die Glühbirne, die anderen 14 kriegen Kolumnen über ‚Klassismus‘ bei Vice“, schrieb Lars Weisbrod, Feuilleton-Redakteur der ZEIT. … Erfolgreiche Veröffentlichungen von Didier Eribon, Annie Ernaux, Christian Baron und anderen haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es ein neues Interesse an der Klassenfrage gibt. … Aber kann diese Art der literarischen, subjektiven Auseinandersetzung etwas verändern? …“ | https://taz.de/Klassenfragen-stellen/!5748764/
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Das Problem ist in unserer Klassengesellschaft eher, dass die Menschen [ ] sich gegenseitig für Phantome haltenIch bin noch nie auf die Idee gekommen, dass meine Putzfrau meinen Dreck wegräumt. Komische Ansicht: „das kann Branka machen“ total außerhalb meiner Vorstellungswelt.Eine Klassengesellschaft? „Der“ Kapitalismus (was sowieso Blödsinn ist) teilt in Gewinner und Verlierer? Zu einer Klassengesellschaft gehört für mich auch ein Klassenbewußtsein. Das kann ich nicht finden.Jeff Bezos hat am Montag innerhalb von 24 Stunden 13 Milliarden Dollar verdient. Für mich ist das kein Grund für irgendeine Debatte, sondern eher Anlass anzuerkennen, dass er sich an dem Tag einfach richtig reingehängt hat. …

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Heinrich Zille: Müllsammler, Handzeichnung von 1895 (Stadtmuseum Berlin)

“ … Philipp Daum: Warum schämt man sich in Ihrem Milieu dafür, eine Putzfrau zu beschäftigen? – Anke Stelling: Da kollidieren Bequemlichkeit und Bewusstheit. …“ | Aus: „Anke Stelling: „“Klasse durchdringt alles““ – Interview: Philipp Daum (15. Februar 2021) | https://www.zeit.de/kultur/literatur/2021-02/mittelschicht-anke-stelling-schaefchen-im-trockenen/komplettansicht | https://de.wikipedia.org/wiki/Anke_Stelling
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Dyra #91: “ … Ich bin noch nie auf die Idee gekommen, dass meine Putzfrau meinen Dreck wegräumt. Sie hat einen Beruf, in dem sie die Arbeit viel besser und schneller macht, als ich es könnte. Sie gehört zu meinen „Betrieb“ Haushalt, ich vertraue ihr und das hat nichts mit Freundschaft zu tun. Aber mit gegenseitigem Respekt. Komische Ansicht: „das kann Branka machen“ total außerhalb meiner Vorstellungswelt. …“ | https://www.zeit.de/kultur/literatur/2021-02/mittelschicht-anke-stelling-schaefchen-im-trockenen?cid=55997623#cid-55997623
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Doktor hahacece #86: “ … Endlich mal ein Interview [https://www.zeit.de/kultur/literatur/2021-02/mittelschicht-anke-stelling-schaefchen-im-trockenen/komplettansicht] in dem die bundesdeutsche Wirklichkeit in all ihrer Pracht realistisch dargestellt wird. … Und endlich kann man das Wort Klassengesellschaft wieder lesen und benutzen. In dieser Klassengesellschaft leben wir schon seit Beginn der Industrialisierung … „
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zadong #77: “ … Ohne das Buch gelesen zu haben, aber die Autorin lebt in einer anderen Welt als ich. Das geht mir häufig so bei solchen eher klassisch-Linken Sichtweisen. Eine Klassengesellschaft? „Der“ Kapitalismus (was sowieso Blödsinn ist) teilt in Gewinner und Verlierer? Zu einer Klassengesellschaft gehört für mich auch ein Klassenbewußtsein. Das kann ich nicht finden. Meine Oma hatte das noch, die konnte noch Sagen „Wir sind Arbeiterklasse!“. Aber Heute wäre das Lächerlich. Das ist doch, böse ausgedrückt, heute mehr Selbstetikettierung von Menschen mit Abitur. …“
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Nightrider #77.2: “ … “ …Klassenbewußtsein. Das kann ich nicht finden“ – – – Genau darum geht’s. …“
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U. Hermes #77.1: “ … Wer liefert Ihre Pakete? Wer putzt Ihr Büro? Man spricht nicht umsonst vom modernen Dienstleistungsprekariat. Ich frage mich, wie man auf die Idee kommt, dass es die Klassengesellschaft nicht mehr gibt. Vielleicht haben Sie ein zu eingefahrenes Bild des Proletariats als Industriearbeiterschaft. Die ist bei uns wohlsituiert und verdient manchmal so viel wie gehobene Akademiker:innen. …“
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[ … „Menschenunwürdig“ seien die derzeitigen Arbeitsbedingungen, sagt er. Die Forderungen der Protestierenden fasst er so zusammen: Lieferdienste wie Wolt und Lieferando müssten eine richtige Winterausrüstung zur Verfügung stellen. Jede FahrerIn müsse selbst entscheiden können, ob er oder sie bei diesen Bedingungen zur Arbeit erscheine. Auch einen Kältebonus müsse es geben. Von der Politik erwartet Schülke, dass „den Lieferdienstfirmen klare Vorschriften gemacht werden, die zum Beispiel die Arbeitszeiten bei diesen Witterungsbedingungen beschränken“. … Manche seiner KollegInnen würden trotz Minusgraden „bis zu zehn Stunden am Tag“ fahren, erzählt Schülke. Viele könnten aus ihren regulären Jobs derzeit keine Einkünfte erzielen. Dazu komme, dass viele FahrerInnen kein Deutsch sprächen. „Da ist die Gefahr groß, nur aus der Angst heraus zu funktionieren.“ Am Mittwoch hatte der Lieferdienst Delivery Hero verkündet, dass sich der Umsatz im Pandemiejahr 2020 auf Basis vorläufiger Zahlen mit rund 2,8 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppeln könnte. Nun wollen die Fah­re­rIn­nen einen Teil vom Kuchen abhaben. Noch besäße man aber nicht die nötigen Strukturen, um selbst ausreichend Druck zu erzeugen, erzählt Schülke. …“ ] | Aus: „Berliner Radkuriere protestieren: „Hört auf, Essen zu bestellen!““ Timm Kühn (11. 2. 2021) | Quelle: https://taz.de/Berliner-Radkuriere-protestieren/!5746305/
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Beutelpinguin #85.1: “ … Das Problem ist in unserer Klassengesellschaft eher, dass die Menschen, die sich gegenseitig für Phantome halten, keinen Kontakt mehr zueinander haben und nicht mal mehr die gleichen Medien nutzen. …“

Kontext #1

Karosh Taha, geboren 1987 in der kurdischen Stadt Zaxo, lebt und schreibt im Ruhrgebiet. (28. April 2020): “ … In Deutschland wird der Begriff der ‚Armut‘ in politischen Kontexten seit Jahrzehnten vermieden; wenn er unvermeidlich wird, dann wird er umschrieben: Von ’sozialer Ungerechtigkeit‘ ist die Rede, von ‚Chancenungleichheit‘ und ‚Perspektivlosigkeit‘ – diese chamäleonartigen Wörter eignen sich gut für Wahlplakate, weil sie verschiedene Probleme ansprechen können, ohne das Kernproblem ‚Armut‘ ausgesprochen zu haben. … Die Verleugnung der Armut bedeutet auch: Es gibt keine ‚Armen‘. Es gibt nur Menschen, die glauben, arm zu sein, aber eigentlich sind sie: ‚Geringverdienerinnen‘, ‚Hartz-IV-Empfängerinnen‘, ‚Sozialschmarotzer*innen‘, ‚Arbeitsunwillige‘. 1962 wurde ‚Armenfürsorge‘ in ‚Sozialhilfe‘ umbenannt, dann Anfang der 2000er-Jahre in ‚Arbeitslosengeld I‘ und ‚Arbeitslosengeld II‘, schließlich in ‚Hartz-IV-Leistungen‘ – die Begriffe sind nicht nur technokratischer geworden, sie lenken die Aufmerksamkeit in eine andere Richtung: Es geht nicht mehr um Arme, sondern um Arbeitskräfte. … Während man früher glaubte, dass Armut ein gottgegebenes Schicksal sei, glaubt man heute, Armut sei selbst verschuldet – und wenn etwas selbst verschuldet ist, dann kann, nein, dann muss man sich selbst aus dieser Armut befreien, und das kann nur, wer hart genug arbeitet. … So loben wir Arbeiterkinder als Aufsteigerinnen, wenn sie ihr soziales Milieu verlassen. Wir ermutigen sie sogar, es zu verlassen, wir sprechen von einer sozialen Leiter, wenn doch eigentlich von einer finanziellen Leiter gesprochen werden müsste – wir drängen die Aufsteigerinnen dazu, Verrat an ihrem Milieu zu begehen, ihre Normen, Werte und Verhaltensweisen aufzugeben – und sich dafür zu schämen. Zugleich sollen nicht alle aufsteigen, nur einzelne, damit man weiterhin daran glaubt, hart arbeiten zu müssen, dass es genügt, nur ehrlich sein zu müssen, um der Misere der Armut zu entkommen. Armut ist nämlich nützlich: Je geringer die Hilfeleistung oder der Lohn, desto abhängiger ist der Arme vom Wohlwollen des Reichen, je abhängiger vom Staat, desto williger ist der Mensch …“ | https://www.zeit.de/kultur/2020-04/armut-chancenungleichheit-arbeitslosigkeit-hartz-iv-10nach8/komplettansicht
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Computer sagt NEIN #7.1: “ … Und manche, wie zu lesen, stolpern in die Falle und über ihre Eitelkeit. Aber Hauptsache mal loswerden, dass die Welt schon ok so ist (arm = faul und doof). Diese Sicht ist noch kein Verbrechen. Aber die Auswirkungen dieser Denkweise erleben wir jeden Tag. …“
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Shibboleth #17: “ … Was mich immer stört, das ist der Begriff „sozialschwach“, wenn es um arme Menschen geht. Eigentlich ist der Cum-Ex Betrüger und Steuerhinterzieher sozialschwach, egal wieviel er auf dem Konto hat, während der arme Mensch, der bei der Tafel mithilft, die syrische Flüchtlingsfamilie, die 500 Masken am Tag ehrenamtlich für die Bevölkerung näht, und der CEO oder Firmenbesitzer, der für soziale Zwecke spendet, „sozialstark“ [ist] …“

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Kontext #2

Peter Kossen kämpft seit Jahren gegen die schlechten Arbeitsbedingungen in Schlachthöfen. Dass sich viele Leiharbeiter nun infiziert haben, überrascht ihn nicht. (10. Mai 2020): “ … Im Konkreten geht es um die Arbeitsbedingungen, weil diese Menschen in der Regel nicht im Unternehmen, also beispielsweise von den Schlachtereien, angestellt sind, sondern über Personaldienstleister. Sie werden also nicht nur beschäftigt, um Produktionsspitzen abzufedern, sondern sie stellen bis zu 80 Prozent der Arbeiterschaft. Faktisch arbeiten sie 60 Stunden die Woche, sind total erschöpft – und dadurch auch besonders anfällig für Krankheiten. … Der Wohnungsmarkt ist in Deutschland sehr eng. Arbeitsmigranten, die keine sozialen Kontakte hier haben und oft die Sprache nicht können, müssen nehmen, was sie bekommen – und das ist oft das, was die Firma, die einen verleiht, anbietet. Das sind dann Sammelunterkünfte, Schrottimmobilien, Bruchbuden, die vollgestopft werden. … In meiner Nachbarschaft in Lengerich gibt es ein ehemaliges Hotel, an dessen Postkasten 55 Namen stehen. So viele Zimmer hat das Gebäude aber bestimmt nicht – die Räume müssen mehrfach belegt sein. Sicherheitsabstände kann da niemand einhalten. Zudem ist es ein altes Haus. Hygienische Fragen stellen sich also bestimmt auch. Das ist im ganzen Bundesland so. …“ | https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-05/coronavirus-schlachthoefe-arbeitsschutzgesetz-fleischwirtschaft-abstand-hygiene

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Kontext 3

Studierendenvertretender #5: “ … „Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt.“ Gerhard Schröder, Davos 2005 …“ Zu: „Eine Million Menschen müssen ihren Lohn „aufstocken““ (12. Juli 2020) | Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-07/mindestlohn-hartz-iv-aufstocker

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Kontext 4

Nico Semsrott @nicosemsrott (3:42 nachm. · 22. Juli 2020)
Jeff Bezos hat am Montag innerhalb von 24 Stunden 13 Milliarden Dollar verdient.
Für mich ist das kein Grund für irgendeine Debatte, sondern eher Anlass anzuerkennen, dass er sich an dem Tag einfach richtig reingehängt hat.
https://twitter.com/nicosemsrott/status/1285933308799586307

Schlag Sahne @NeuImNeuland Replying to @nicosemsrott
Die eigentliche Frage ist doch, weshalb Elon Musk so eine faule Socke ist.

Tesla-Chef Elon Musk darf eine etwa 2,1 Milliarden US-Dollar hohe Vergütung beziehen, weil der Börsenkurs seines Unternehmens eine vorher vereinbarte Zielmarke über längere Zeit gehalten hat. Im Mittel von sechs Monaten belief sich die Marktkapitalisierung des Automobilbauers auf mehr als 150 Milliarden US-Dollar …„| https://www.golem.de/news/zielvereinbarung-elon-musk-bekommt-2-1-milliarden-us-dollar-2007-149801.html
https://twitter.com/NeuImNeuland/status/1285942604035653632

Toxo77 @Toxo77 Replying to @NeuImNeuland and @nicosemsrott
Der is halt kiffer
https://twitter.com/Toxo77/status/1286175947130052609

usw.


[Aber Wissen ist hier Ohnmacht #3 …]

La Grande Bouffe (französisch-italienischer Spielfilm, 1973)

“ … Aus seiner unbändigen Triebhaftigkeit heraus bestellt Marcello drei Prostituierte, selbstverständlich mit dem Einverständnis der anderen. Zu der bereits gewachsenen Gesellschaft stößt eher zufällig die Lehrerin Andrea. Die Frau aus einfachen bürgerlichen Verhältnissen fühlt sich in der Gesellschaft der einfluss- und erfolgreichen Herren sehr wohl. Philippe und Andrea geben ihre Verlobung bekannt, trotzdem schläft sie auch mit den anderen. Anfänglich fühlen sich die drei Prostituierten in dieser dekadenten Gesellschaft noch wohl, aber nach kurzer Zeit befällt sie der Ekel über das unmäßige Essen, und sie verlassen nach und nach das Anwesen. Zwischendurch explodiert die verstopfte Toilettenanlage des Anwesens und überflutet das Haus mit Exkrementen. Marcello ist inzwischen wieder sexuell unausgeglichen und gibt wutentbrannt bekannt, dass er abreisen werde. Er startet den von ihm mit Begeisterung instandgesetzten Bugatti Type 37 A aus den 20er Jahren, stirbt jedoch auf der versuchten „Flucht“ an Unterkühlung, und sein Leichnam wird in die hauseigene Kühlkammer gebracht. … Der Film wurde in den 1970er Jahren als sehr schockierend aufgenommen. Neben der skandalösen Handlung waren es auch die derben Sexszenen, die explizit dargestellten „Fressszenen“ und die überdeutlich hörbaren Verdauungsgeräusche und Blähungen der Protagonisten, die den bisherigen Seh- und Hörgewohnheiten der 1960er Jahre komplett zuwiderliefen. …“ | http://www.cine-kult.de/kult-filme-von-a-bis-z/die-herausragenden-kult-filme/123-das-grosse-fressen.html

“ … Roger Ebert schrieb 1973 in der Chicago Sun-Times, der Film besitze keine philosophische Tiefe (philosophical depth). Er bezeichnete den Film als „dekadent“, „voller Selbstüberdruss“ (self-loathing), „zynisch“ und „häufig obszön“ (frequently obscene). „Das große Fressen“ (Originaltitel: La Grande Bouffe) wurde von einem anderen Kritiker wegen „grandios durchdachter Bildaufbauten“ gelobt und „in höchstem Grade interessant“ beschrieben. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Das_gro%C3%9Fe_Fressen

DoomPet – Das große Fressen – Rezension aus Deutschland vom 17. Januar 2020 “ … Der Film hat mir ausgezeichnet gefallen! Leben wir nicht in einer Zeit der -Brot und Spiele- …“

Senja – Das große Fressen – grenzdebil bis abartig Rezension aus Deutschland vom 23. Januar 2020: “ … Häßliche alte Hauptdarsteller, französischer „Humor“ der nicht zum Lachen ist, unerotische „Sexzenen“… einfach nur krank. …“

Dieter Wunderlich: “ … Während der Inhalt des Films Ekel hervorruft, scheuten die Filmemacher bei der Ausstattung keine Mühe, und sowohl die Bildkompositionen als auch die Ausleuchtung und Kameraführung sind ausgesprochen ästhetisch. …“ | Quelle: https://www.dieterwunderlich.de/Ferreri_grosse_fressen.htm

“ … „Der gesellschaftliche Wandel der vergangenen Jahrhunderte, sowohl in sozialer Hinsicht, aber auch in technologischer und linguistischer, lässt sich in Liebesbriefen sehr gut lesen“, erklärt Eva Lia Wyss. Dass sich gesellschaftliche Entwicklungen in Liebesbriefen widerspiegeln, zeigt sich beispielsweise beim Thema Sexualität. Ende des 19. Jahrhunderts deuteten Autoren Sex in Liebesbriefen nur durch vage Formulierungen an, wie: „Ich sehne mich nach Deinen Küssen“ oder „ich bin verrückt nach Dir“. Später folgen explizitere Formulierungen. In dem Brief eines Mannes aus der Sammlung Frauennachlässe des Instituts für Geschichte der Universität Wien heißt es 1945: „Was soll ich Dir noch schreiben? Dass ich mich freue, ganz schrecklich auf dich freue, Sehnsucht nach Dir habe und heute besonders aufgelegt wäre für eine unserer schönen Stunden.“ – Im Zuge der sexuellen Revolution 1968 wird das Schreiben über Sexualität freier. Viele junge Menschen verabschieden sich von gesellschaftlichen Konventionen. Unverheiratete Paare ziehen zusammen und Frauen emanzipieren sich. Ein Mann schreibt 1980, ebenfalls in einem Brief der Universitäts-Sammlung in Wien: „Die Sonne kommt durchs Fenster, ich träume Tränen, Gefühle wechseln blitzschnell. Auf einmal durcheinander, deine Muschel, möchte aus ihr trinken. (…) Ruhe, an deiner Brust saugen, albern, Pläne schmieden, Kopf anrennen – lachen. (…) Kaum berühren. Nur ansehen – und wissen: Liebe.“ … Eine weitere Veränderung zeigt sich über die Jahrhunderte in der Sprache der Liebe, sagt die Sprachwissenschaftlerin. Sie werde sachlicher und direkter. Briefe würden immer mehr aus einem spontanen Akt der Leidenschaft heraus geschrieben. Eva Lia Wyss erklärt sich diesen Wandel unter anderem mit den immer größeren Möglichkeiten, sich persönlich zu treffen, sich zu unterhalten und somit direkte Intimität zu schaffen. Mit der Erfindung des Telefons, des Internets, der Handys und Social Media werden Liebesbriefe auf Papier seltener. SMS, Kurznachrichten, Smileys, E-Mails oder schlicht Nachrichten erreichen den Flirt, den Partner immer und überall – innerhalb weniger Sekunden. „Die Funktion von Liebesbriefen hat sich verändert. Das bedeutet aber nicht, dass sie heute schlechter sind als damals. Sie sind schlicht anders“, sagt Wyss. …“ | Aus: „“Ich bin verrückt nach Dir“: Ein Archiv sammelt Liebesbriefe“ Nina Witwicki (So, 10. Januar 2021) | Quelle: https://www.badische-zeitung.de/ich-bin-verrueckt-nach-dir-ein-archiv-sammelt-liebesbriefe–199384648.html

“ … In dem romantischen Schauermärchen „Der Sandmann“ von E. T. A. Hoffmann verliebt sich der schwärmerische Student Nathanael in den Automaten „Olimpia“. Das künstliche Wesen erscheint ihm als die ideale Partnerin, und gerade ihr Mangel an Ausdrucksfähigkeit und ihre auf ein simples „Ach“ reduzierten Antworten schrecken ihn nicht etwa ab, sondern befördern und bestätigen seine Liebe zu ihr. Abgesehen von der ironischen Beschreibung des männlichen Begehrens, das gerade kein ebenbürtiges Subjekt als Gegenüber erstrebe, gibt Hoffmann in seiner Novelle eine überzeugende Beschreibung des Mechanismus der Liebe, die sich immer auch einer Projektion subjektiver Vorstellungen auf das Liebesobjekt verdankt. Dies führt zur Idealisierung des geliebten Objekts, weshalb Freud den Vorgang der Liebe mit Wahnsinn vergleicht. … Der Romantiker Hoffmann erzählt davon, dass unserer Begegnung mit menschenähnlichen Automaten etwas Unheimliches anhaftet. Je mehr die Gestalt des künstlichen Wesens einem Menschen ähnelt, umso stärker reagieren wir mit Irritation und Verunsicherung. Die Psychoanalyse zieht hier eine Parallele zum romantischen Motiv des Doppelgängers, das uns in der digitalen Gegenwart in Form von Robotern in seiner technologischen Gestalt begegnet. … “ | Aus: „Wir Cyborgs! – Ein Theaterstück über Menschen und Maschinen“ Bernd Liepold-Mosser (31. Jänner 2021) | Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000123713038/cyborgs-wie-wirmenschliche-evolution-durch-technologie

“ … Der Romantitel „Allegro Pastell“ geht auf die Allegro-Grundschule in Berlin-Tiergarten zurück, in der das Training der Badminton-Abteilung des TSV GutsMuths Berlin stattfindet. Sowohl die weibliche Hauptfigur Tanja Arnheim als auch Randt selbst trainieren dort. Das Wort „Pastell“ bezieht sich unter anderem auf die Pastelltöne der Website, die Jerome Daimler seiner Freundin zum Geburtstag schenken möchte. Jeromes Vater Jürgen Casper Daimler lernt im Roman seine neue Lebensgefährtin Beate über ein Online-Datingportal kennen. …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Leif_Randt (31. Januar 2021)

(10. Februar 2021): “ … Liebe und Begehren ändern sich im Kern nicht, die Zeiten allerdings schon – und so muss immer wieder neu darüber erzählt werden. … Wer nachlesen will, wie hyperreflektiert Dreißigjährige der Gegenwart mit Gefühlen umgehen, sollte zu Leif Randts „Allegro Pastell“ Germany’s next Lovestory greifen. Die Liebenden haben darin unglaublich viele Ansprüche an sich und das Leben – und spüren, kurz vor der Pandemie übrigens, bereits „vorauseilende Wehmut“. Antje Weber …“ | Quelle: https://www.sueddeutsche.de/bayern/valentinstag-liebe-geschenke-kultur-1.5198304

“ … Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.03.2020: Rezensent Jens-Christian Rabe war es schon fast unheimlich, wie gut Leif Randt in diesem „posttherapeutischen Liebesroman“ unsere „post-pragmatische“ Gegenwart eingefangen hat. Der freie Webdesigner Jerome und die junge Autorin Tanja erleben darin eine Liebe, die dem Kritiker zufolge genauso lauwarm ist wie ihre höchsten Begeisterungsausdrücke „cute“ und „nice“. Aber nicht nur der Plot strotzt vor sublimierender Abmilderung, auch die Sprache ist vollkommen beherrscht, so Rabe – besser kann man die reflektierte Starrheit der zufriedenen deutschen Mehrheitsgesellschaft gar nicht beschreiben, lobt der faszinierte Rezensent. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

“ … Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 07.03.2020: Doris Akrap liest Leif Randts neuen Roman als genaue Abbildung der Lebensverhältnisse derer, die diesen Roman lesen. Das hippe, aufgeklärte Paar im Text, das ständig auf der Suche nach Wohlfühlmomenten ist, begegnet Akrap in der U-Bahn und im Club, am Flughafen oder im Spar – also dauernd. Wie Randt dieses sehr gewöhnliche Dasein der deutschen Mittelschicht sprachlich fasst, findet Akrap stark. Mehr als eine treffende Milieustudie, meint sie, ein Sittengemälde der Berliner Republik im freien Fall. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

“ … Rezensionsnotiz zu Die Welt, 07.03.2020: Rezensent Jan Küveler hat Leif Randt in Berlin getroffen, um mit ihm über seinen für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Roman zu sprechen. Zunächst fand der Kritiker, dass die Geschichte über das Paar Jerome und Tanja etwas spröde klingt, dann aber bemerkte er, dass dahinter eine Methode steckt: Mit jedem Satz dachte der Rezensent klarer, so wie die Figuren ihm zufolge selbst mit klarem Blick ihr Erleben beobachten und kommentieren. Der Autor erzählt laut Küveler also vom „durchkuratierten Leben“, in dem man Emotionen wie Second-Hand-Klamotten anprobiert und nur anlässt, wenn sie angenehm sitzen, so Küveler. Damit spielt Randt seiner Meinung nach „das Pop-Spiel“ zu Ende, das Lottmann, Goetz und Kracht begonnen haben – nur um ein Vielfaches fluffiger, schließt der Rezensent und lehnt sich entspannt zurück. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 05.03.2020: Rezensentin Judith von Sternburg fasziniert die unkatastrophische Anlage von Leif Randts neuem Roman. Ganz gegenwärtig, ganz an einer weitgehend ruhigen Oberfläche spielt diese Fernbeziehungsgeschichte zwischen Berlin und Frankfurt laut Sternburg. Die liberalen Zeitzeugen im Text scheinen Sternburg so wenig verkrampft wie der Text selbst. Es handelt sich einfach um einen Roman, der den Ball sehr flach hält, auch stilistisch meint Sternburg. …“ | https://www.perlentaucher.de/buch/leif-randt/allegro-pastell.html

von_Beust, Rezension aus Deutschland vom 21. März 2020: “ … Schon lange habe ich keinen Roman mehr gelesen, der mir so auf die Nerven ging, obwohl ich nicht wusste, ob er so gut oder so schlecht war. „Allegro Pastell“ ist so eine durchdesignte Beziehungskiste zwischen Tanja und Jerome, wahnsinnig hip, modern, kontrolliert und seicht. Sind die heute 30-Jährigen so, dass für sie alles gleich wichtig oder unwichtig ist, dass Drogen oder Sex nur eine von vielen Kommunikationsformen oder Zeitvertreiben sind, denen man nachgehen kann, wenn das Wetter verregnet ist? Kann einem eine Textnachricht „gefallen“, weil ihr „Tonfall souverän“ ist? (S. 37) Die Sprache mit ihren Anglizismen und aus der mündlichen Sphäre entnommenen Ungenauigkeiten nervt gewaltig – spricht man heute so, wenn man in einer Berliner Werbagentur arbeitet? Oder schlimmer: Schreibt man so? Gleichzeitig hat Leif Randt freilich seine Sprache gut im Griff und erlaubt sich keine Ausrutscher. Einige Sätze entlarven durch Konstruktion und Inhalt das Geschehen als leer und seicht: „Marlene besaß eine optimalere Pfanne als Tanja.“ (S. 267) …“

Swann Rezension aus Deutschland vom 7. April 2020: “ … Schwer zu sagen, ob das alles ernst gemeint ist oder ein unendlicher Spaß sein soll, über den man allerdings nicht lachen kann. Wenn es etwa auf Seite 212 heißt, Jerome habe von Tanja in Erinnerung, dass Peter Handke „ihr liebster Autor aus der Schweiz“ (sic!) sei. …“

“ … Ironie führt nicht zur Sicherheit eines positiven Wissens; ihr entspricht allenfalls ein negatives Wissen über die Grenzen des im Medium Sprache Erkennbaren und Sagbaren. Der Ironiker ist folglich nicht jemand, der Ironie als sprachliches Mittel einsetzt, sondern allenfalls derjenige, der weiß, dass er keine Macht über seine eigene Sprache hat. Um diese Erkenntnis haben zu können, muss sich der Sprechende von sich selbst distanzieren und seine Sprache betrachten, als wäre es die eines Fremden. Insofern der Sprechende von seinen eigenen Äußerungen notwendigerweise immer wieder überrascht wird, treibt die Machtlosigkeit über die eigene Sprache diese Distanzierung zugleich an. In seiner späten Vorlesung über die Philosophie der Sprache und des Wortes bemerkt Schlegel, Ironie sei „nichts andres, als dieses Erstaunen des denkenden Geistes über sich selbst“ (Schlegel 1958-1995, Bd. 12,S. 353). …“ | Aus: „Romantische Ironie und die Möglichkeit von Metaliteratur“ von Oliver Kohns (2007)

[Sunbirds (1971)… ]

Klaus Weisse – drums
Fritz Pauer – keyboards
Philip Catherine – guitar
Ferdinand Povel – flute
Jimmy Woode – bass
Juan Romero – percussion

Sunbirds – Sunbirds (1971) | https://youtu.be/xEetxbk5DgM

APPS79: “ … Jazz/Fusion ensemble from Munich led by German drummer Klaus Weiss and Austrian pianist Fritz Pauer and found in 1971. When Pauer presented Weiss some new songs, the two of them gathered Belgian guitarist Philip Catherine, Dutch flutist Ferdinand Povel and American drummer Jimmy Woode and formed Sunbirds. The recordings of their debut took place at the Union Studios in Munich on 24th August 1971. … The style of Sunbirds was a cross between Electric Jazz and Psychedelic Kraut-Fusion with changing atmospheres and plenty of enjoyable rhythms and solos. …“ | http://www.progarchives.com/artist.asp?id=6088

Herbert Braun vor 4 Jahren “ … Reminds of Soft Machine with a touch of Krautrock.“

[RWF #9… ]

“ … „Götter der Pest … [Rainer Werner Fassbinder (1969), Kamera: Dietrich Lohmann] handelt von Menschen, die nicht miteinander reden wollen oder können und deshalb unfähig sind, Beziehungen länger aufrechtzuerhalten. Wieder einmal veranschaulicht Rainer Werner Fassbinder seine These, dass es eine von Zwängen freie Liebe nicht gebe. Die Männer wirken emotionslos; Gefühle bleiben den Frauen vorbehalten, die wegen ihrer Empfindungen in das Geschehen eingreifen. Götter der Pest ist eine artifizielle, minimalistische, das Genre des amerikanischen Gangsterfilms parodierende Tragödie, …“
– Dieter Wunderlich, 2004 | https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tter_der_Pest

[Zappa #7… ]

Black Napkins (Deluxe Bonus Version/Live, 1977)
https://youtu.be/bvczPfJ3VIQ

Bikewithlove: “ … The older I get the more I understand Frank’s playing. When I was 11 what I liked about him was that he was very funny, but I didn’t get his guitar work at all. After a lifetime of tragedies and struggles, most of the pop music I used to listen to is intolerable now, but when I hear Frank play guitar I feel right at home. …“



Zugabe: Frank Zappa – We Don’t Mess Around
Circus Krone München 1978
https://youtu.be/dG4J9N_tzu0

[Aber Wissen ist hier Ohnmacht #2 …]

“ … „Unter einer „symbolischen ‚Form‘“ soll jene Energie des Geistes verstanden werden, durch welche ein geistiger Bedeutungsgehalt an ein konkretes sinnliches Zeichen geknüpft und diesem innerlich zugeeignet wird.“ – Ernst Cassirer …“ | https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_Cassirer (06.03.2020)

“ … Zulawski erzählt [ ] eine Geschichte, in der sich zwei Prinzipien nicht nur diametral gegenüberstehen, sondern miteinander verschränkt sind: das Prinzip Geld und das Prinzip Liebe. .. [Er] zeigt in „Nachtblende“ auch, wie die Beziehungen der Figuren mit Geld und Macht zusammenhängen. Nicht zuletzt kann man „Nachtblende“ als Reflexion über die Frage … verstehen … was die Kommerzialisierung für Künstler bedeutet. … [„Wir sind alle Marionetten mit einem Scheißleben, die noch keine Karriere gemacht haben.“ (Klaus Kinski als Karl Zimmer zur Schauspielerin Nadine Chevalier). … Zulawskis [ ] Drama wirft den Betrachter in die Welt der erfolglosen Schauspieler, Fotografen und Filmfreaks. Mit Großaufnahmen und Nacktszenen verhandelt der Film in schäbigen Wohnungen und Cafés den Wert des Lebens und der Liebe. … | https://www.choices.de/film/nachtblende] … “ | https://de.wikipedia.org/wiki/Nachtblende_(1975) (4. Mai 2020)

Wenke Husmann (20.01.2021): “ … Sicher, wir hatten das romantische Bild vom Genie oder gar dieses biedermeierliche Spitzweggemälde vom inspirierten Hungerleider längst abgehängt. Existenzsorgen machen nicht erfinderisch. Manchmal müssen sich auch Künstler schlicht um das Bezahlen der Miete oder die Kinderbetreuung kümmern, manchmal vermutlich auch ums Ausfüllen eines Novembergeldantrags … auch Filmschaffende, Musiker, Theatermacher haben versucht, möglichst so weiterzumachen wie bislang, also mit Musizieren, Filmen, Schauspielern. Eine bunte Feier der Gemeinschaft, ein mal lustiger, mal ernsthafter Tanz um die immergleiche Leerstelle. …“ | https://www.zeit.de/kultur/2021-01/kultur-kunst-enttaeunschung-innovation


“ … Wolfgang Fritz Haug hebt in seinem Konzept der Warenästhetik hervor, welch wichtige Rolle die Vorstellung, die Imagination des Konsumenten, spielt, über die dem Produkt ein Gebrauchswert als Erlebnisfolge zugeschrieben wird. In diesem Modus des ‚Andichtens‘ seitens der Vorstellungskraft des Rezipienten/Konsumenten kommt dem (ästhetischen) Produkt das Potenzial einer erweiterten Erfahrungsdimension zu; mit Deleuze gesprochen: In der aktuellen ästhetischen Erscheinungsform ist für den Konsumenten immer das Potenzial eines über das Aktuelle hinausgehenden Erlebnisses enthalten; das Potenzial des ständigen ‚Mehr‘. Dies wird im Folgenden als Prozess der Fetischisierung gefasst, der als spezifischer Wahrnehmungsmodus und als bestimmende Rezeptionshaltung anzusehen ist. …“ | Aus: „Film- und Mediengeschichte im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit – Kapitel 4 Fetischisierung des Filmerlebnisses und der Kinogeschichte“ (Franziska Heller, March 2020) | https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/186941/1/[9783770564606_-_Update!]_Update!(1).pdf

“ … Die vierte Folge ist ohne Zweifel der bisherige Höhepunkt der siebten Staffel, voller starker Charaktermomente, Spannung – und Drachen. …“ | Aus: ‚Field of Fire – GAME OF THRONES: THE SPOILS OF WAR‘ Simon Born (8 Aug 2017) | http://www.negativ-film.de/field-of-fire-game-of-thrones-the-spoils-of-war-s07e04/



Zeitleser Heidelberg (21.01.2021): “ … Immerwährend betrügt die Kulturindustrie ihre Konsumenten um das, was sie immerwährend verspricht. Die Talente gehören dem Betrieb, längst ehe er sie präsentiert: sonst würden sie nicht so eifrig sich einfügen. Was widersteht, darf überleben nur, indem es sich eingliedert. Einmal in seiner Differenz von der Kulturindustrie registriert, gehört es schon dazu … Zugleich aber hat die Mechanisierung solche Macht über den Freizeitler und sein Glück, sie bestimmt so gründlich die Fabrikation der Amüsierwaren, dass er nichts anderes mehr erfahren kann als die Nachbilder des Arbeitsvorgangs selbst. Kultur heute schlägt alles mit Ähnlichkeit. … Das Existieren im Spätkapitalismus ist ein dauernder Initiationsritus. Jeder muss zeigen, dass er sich ohne Rest mit der Macht identifiziert, von der er geschlagen wird. Was früher nur prekäre Künstlerexistenzen am Rande der Gesellschaft auszeichnete, wird verallgemeinert und die prosaische Selbstdressur des kapitalisierten Subjekts nimmt Bestimmungen der Kunst in sich auf, die wiederum den ordinären Zwangshandlungen unverdienten Glanz verleihen: Auf diese Weise avanciert der fröhliche Vollzug des ungelebten Lebens wahlweise zur „Lebenskunst“ oder zum „Event“, also selber zu einem künstlerischen Akt. Dies ist der harte ökonomische Kern jener allgegenwärtigen und institutionell abgesicherten Kulturalisierung aller Lebensäußerungen und Lebensbereiche. Umgekehrt regrediert die künstlerische Produktion vielerorts entweder auf schnödes Kunstgewerbe oder gleicht sich, soweit sie sich als „engagiert“ begreift, den politischen Ersatzhandlungen an und macht sich auf diese Weise vom ökonomisch-gesellschaftlichen Alltag umso schwerer unterscheidbar, je lauter sie mit infantilen Aktionen gegen ihn mobilisiert. Die sogenannte Kunst ist dann auch entsprechend: streng organisierte Phantasielosigkeit, die ewiggleichen „performativen Akte“, in denen der schon vergessen geglaubte Aktions-, Phrasen- und Kunstgewerbemüll aus 40 Jahren Bewegung postmodern recycelt wird, ödeste, weil gegenstandslose Selbstbespiegelung, ein großes, gähnendes, zum Existential aufgeblähtes Nichts. Kunst will das, was noch nicht war, aber alles, was sie ist, war schon. Kunst ist tatsächlich die Welt noch einmal, dieser so gleich wie ungleich. …“ | https://www.zeit.de/kultur/2021-01/kultur-kunst-enttaeunschung-innovation?cid=55678767#cid-55678767 | —> Kontext: Klaus Kreimeier – Die Unbesiegbarkeit des Endverbrauchers, Dialektik der Aufklärung (24.12.1999) “ … Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritik der »Kulturindustrie« prägte wie kein anderer Text hierzulande die Kultur- und Medienkritik der vergangenen Jahrzehnte. Am Ende dieses Jahrhunderts wieder gelesen, erscheint ihr Text wie die Blaupause des heutigen fit-for-fun-Universums….“ | http://www.icantrelaxin.de/texte/text-kreimeier-dieunbesiegbarkeitdesendverbrauchers.html | https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-unbesiegbarkeit-des-endverbrauchers

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[Mythen meiner Kindheit #12… ]

[ Joachim Biemann – Eisenbahn im Film: “ … Während einer Bahnfahrt beobachtet Miss Jane Marple (Margaret Rutherford) den Mord an einer jungen Frau, welcher im Abteil eines parallel fahrenden Zuges verübt wird. Sie meldet den Vorfall zwar sofort dem Schaffner, doch wird in der Folge nirgends eine Leiche gefunden, weshalb die Behörden die Untersuchung des angeblichen Mordfalls rasch einstellen. Die schrullige, aber ebenso resolute alte Dame lässt jedoch nicht locker und stellt mit Hilfe des Bibliothekars Mr. Stringer (Stringer Davies) – und entgegen dem ausdrücklichen Ratschlag von Inspector Craddock (Charles Tingwell) – eigene Nachforschungen an, welche sich schon bald auf den Landsitz „Ackenthorpe Hall“ konzentrieren. …] | http://www.eisenbahn-im-film.de/info/murder.htm | Bild via // https://de.wikipedia.org/wiki/16_Uhr_50_ab_Paddington_(Film)

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