[Medusastrasse (2025) #2 … ]

Kiel, der 26.08,2025 (Dienstag)

Morgens (08:03): Zusammengekauert sitzt ein Mädchen mit leicht gewelltem Haar (mag sie 17 oder 19 sein?) im Eingangstunnel der Medusastrasse 16, der auf den Hinterhof zu den Fahrrädern führt.
Sie hat sich dort niedergelassen, wo oft uriniert wird. Ihre Bewegungen sind langsam. Sie hebt den Kopf und ihre Augen versuchen mich einzufangen, nachdem ich versucht habe möglichst beiläufig ‚Hallo‘ zu sagen. Sie nuschelt leise ein unverständliches Wort zurück. Zwei leere Pappespressobecher liegen neben ihr auf den Pflastersteinen.
Ich bin irritiert über die todeserotische Schönheit und entsetzt darüber, wie selbstverständlich für mich das Bild ist – und ich sofort jeglichen Helferimpuls fallenlasse, als ich ein kleines Täschchen mit Drogenkonsumutensilien zu sehen glaube.
Ich laufe in den Hinterhof und schnalle die Jacke und die Tasche mit dem Gummiband auf den Frontgepäckträger, bevor ich schweigend an der zurückgesunkenen vorbeifahre.
Ich habe selbst eine Tochter. Als ich auf die offene Strasse fahre, fühle einen Anflug von Vaterschmerz.

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