[Zeit im Bild #33 … ]

The CBS Tribute to Duke Ellington, 1974
Broadcast on the day that the Duke died, featuring concert footage and interview with colleagues and band members such as Ella Fitgerald, Sony Greer, Russell Procope, Billy Taylor and Stanley Dance, this is a newly digitised tape.

Forgive the silly John Wayne clip and the sillier ads popping up which are good reminders of the crude world in which Ellington was creating his sophisticated and inimitable art.

via https://ehsankhoshbakht.blogspot.com/2019/03/the-cbs-tribute-to-duke-ellington-1974.html

lemon / 1 Oktober 2019 / Found.Stuff, Fraktal.Text, Gespaltene.Deutung, Global.Politix:Micro / 0 Comments

[Schlendern (2)… ]

Mein Fieber macht mich Froh.
Die Bäume, der Himmel, die Wolken fluchten.
Fensterscheibenkino in der Linie 41.
Warum das spontane in-der-Welt-zu-sein-Glück mich
kurzzeitig fast erschlägt – an anderen Tagen sich aber
erst nach einem kräftigem Espresso Stück für Stück entfacht
(wenn überhaupt) – bleibt mir ein Rätsel aus Hirntiefen.

Nebensächliche Beobachtungen sind kaum zu bremsen:
eine wasserstoffblonde Frau mit der irregulären Anziehungskraft
einer Außerirdischen zieht sich den Pullover aus
und versprüht, ohne einen wahrnehmbaren Funken von
Zweifel, ihr Deo unter ihren Achseln und nebenbei im Linienbus.
Eine Sache von Sekunden. Aber dennoch lautmalerisch.
Ffffft (rechts), ffffftt (links).

Da wäre das Schlendern durch Kiel Gaarden.
Man läuft hier und da noch auf Kopfsteinpflaster.
Naturstein mit Ritzen. Dort sammelt sich Unrat
und wildes Kraut neben dem Straßenablauf.
Unwirsche Zustände liegen hier immerhin offen.
Das ist mir manchmal lieber als die gepflegte Verschlagenheit der Aufgeräumten.
Schnell ist es dunkel geworden. Herbst 2010.

Der Werftpark ist fast Menschenleer.
Vor Ismails Einzelhandelladen sehe ich durch das Schaufenster
und entdecke einen großen Gartenzwerg vor der Kassenwage.
Daneben einem hochgewachsenen Kaktus.
Die Verkaufslichter sind bereits aus.
Ein Stück weiter trinken ein paar Herren ihren Tee.
Auf einem Schild über den Eingang leuchtet neon-matt Arkadas.
Das heißt womöglich Freund (oder Freundschaft?), erinnert mich an das Wort Arkadien.
Beim Vorrübergehen höre ich gedämpft Stimmengewirr, Musik und Lachen.
Für einen Bruchteil einer Sekunde erblicke ich dort durch die Tür
John Wayne auf einer Bilderkollage an der Wand.

Ich frage mich für einen Moment, ob sich dieses Bild von
John Wayne (welches ich eben erst wie beschrieben im türkischen
Pub Arkadas erblickte) in gleicher weise interpretieren könnte, wie ein scheinbar lieblos
gebasteltes DIN A4 schwarzweiß Plakat für eine tönende Abendveranstaltung.
Das Plakat klebte übrigens an einer Häuserwand in der Elisabethstrasse.
Auf der Plakatkollage warb Sylvester Stallone in seiner Rolle als Rambo,
für eine lokale Punkband. Er war wie John Wayne kurzerhand zu einem
Masup Element geworden [*] .
Der Gartenzwerg, John Wayne und Rambo als Elemente der Aufeinanderschichtung von Weltbezügen. Als ironische Klischee-Kollagen. Aus Zufall und Montage.

lemon / 28 September 2010 / Fraktal.Text, Gedanken.Memo, Kiel.Gaarden, Visual.Notes, Wortbrocken.Cafe / 0 Comments