Schlagwort: Affekte

[The Redewendung #1 … ]

Zur Archäologie der Seele – Oder: When we say we’re fine …

“ … When we say we’re fine, what we often mean is: this isn’t the time or the place. … It is, in many ways, the perfect linguistic technology for a world uncomfortable with emotional mess. … Anything too raw, too unresolved, too unfixable, is quietly unwelcome. And so we moderate our disclosures. We wrap them in the cotton wool of disclaimers. We call them “rants” or “venting” or “oversharing” as if to apologize in advance. Or, more often, we simply don’t speak at all. We say “fine.” … “ | From: „Just Fine, Thanks“ Posted on Thursday, Sep 4, 2025 5:00AM by Priya Malhotra | Source: https://3quarksdaily.com/3quarksdaily/2025/09/just-fine-thanks.html

// [[Die englische Wendung „fine“ wird im Deutschen je nach Kontext mit „gut“, „in Ordnung“, „okay“ oder auch „schön“ übersetzt, um Zufriedenheit, Gesundheit oder eine akzeptable Situation auszudrücken. Beliebte Redewendungen sind „That’s fine“ für Zustimmung, etwa „Das geht schon“ oder „Das soll mir recht sein“, und „I’m fine“ als Antwort auf „Wie geht es dir?“ mit „Mir geht es gut]] [„…Wenn wir sagen, es geht uns gut [fine], meinen wir oft: Das ist weder der richtige Zeitpunkt noch der richtige Ort. … Es ist in vielerlei Hinsicht die perfekte Sprachtechnologie für eine Welt, in der emotionales Chaos zu viel Unwohlsein verursacht. … Alles, was zu roh, zu ungelöst, zu unheilbar ist, ist insgeheim unwillkommen. Und deshalb mäßigen wir unsere Enthüllungen. Wir verpacken sie in die Watte von Haftungsausschlüssen. Wir nennen sie „Schimpftiraden“, „Dampf ablassen“ oder „zu viel preisgeben“ [oversharing], als wollten wir uns im Voraus entschuldigen. Oder, häufiger, wir reden einfach gar nicht. Wir sagen „es geht uns gut“. …“] // [“ … Eine häufig verwendete Alternative zu „Ich bin fein damit“ ist „Das passt für mich“. Diese Formulierung drückt ebenfalls aus, dass man mit einer Situation oder Entscheidung zufrieden ist. Sie ist besonders dann geeignet, wenn man zusätzlich signalisieren möchte, dass die getroffene Wahl den eigenen Anforderungen entspricht. Ein weiteres gängiges Synonym ist „Ich habe nichts dagegen“. Dieser Ausdruck ist etwas neutraler und zurückhaltender als „Ich bin fein damit“. Er eignet sich besonders in formelleren Gesprächen oder Situationen, in denen Zurückhaltung gewünscht ist, ohne jedoch Missfallen auszudrücken. Auch „Das ist okay für mich“ wird oft als Alternative genutzt. Diese Phrase ist vielseitig einsetzbar und vermittelt eine ähnliche Botschaft wie „Ich bin fein damit“, allerdings mit einem leicht distanzierten Ton. Sie kann in verschiedenen sozialen und beruflichen Kontexten angewendet werden, um Zustimmung zu signalisieren. Für den schriftlichen Gebrauch oder in gehobener Sprache bietet sich „Ich stimme dem zu“ als Alternative an. Diese Formulierung ist förmlicher und präziser und eignet sich gut für offizielle Dokumente oder Korrespondenzen, in denen eine klare Bestätigung erforderlich ist. …“ | Quelle: https://praxistipps.chip.de/ich-bin-fein-damit-oder-ich-bin-fine-damit-so-heisst-die-redewendung-richtig_185949]

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Zu … Verschüttung psychischer Inhalte durch Verdrängung und deren Wiederentdeckung …


“ … Freud wendet hier vor allem die in der ›Traumdeutung‹ dargelegten Erkenntnisse über die Gesetze der Traumbildung sowie seine neurosentheoretischen Auffassungen auf eine Novelle an, die in der Seele ihres Helden ein eigentümliches Changieren zwischen Traum, Phantasie und Wahn beschreibt. Angezogen fühlte Freud sich offensichtlich besonders von der pompejanischen Landschaft, in der Jensen die Handlung spielen läßt; er war fasziniert von der Analogie zwischen dem historischen Schicksal Pompejis, seiner Verschüttung und späteren Ausgrabung, und den Phänomenen, mit denen er sich befaßte, der Verschüttung psychischer Inhalte durch Verdrängung und deren Wiederentdeckung im Vollzug psychoanalytischer Arbeit: Psychoanalyse als Archäologie der Seele. …“ | Quelle: https://www.fischerverlage.de/buch/sigmund-freud-der-wahn-und-die-traeume-9783596104550 // https://de.wikipedia.org/wiki/Gradiva

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Kontext #1 („Ungeschriebene Gesetze“)

Alles, was zu roh, zu ungelöst, zu unheilbar ist, ist insgeheim unwillkommen.

“ … Freud hatte in seinem Konzept des „Unbewussten“ auf eine teils jahrhundertealte, teils erst in der deutschen Romantik des frühen 19. Jahrhunderts entfaltete Ideenwelt zurückgegriffen, in der man sich etwa das „Unheimliche“, also die seelischen Triebkräfte außerhalb des bewussten Zugriffs der Reflexion, bereits zu erklären versucht hatte. … Seit den 1970er-Jahren wird die Vokabel „Unterbewusstsein“ allem Anschein nach seltener in juristischen Entscheidungen oder Verteidigungsstrategien genutzt. Möglicherweise beruht der Rückgang darauf, dass die scharfe Kritik wirksam wurde, wie sie etwa der große Journalist Dieter E. Zimmer (1934–2020) am „Tiefenschwindel“ der Psychoanalyse einem breiten Publikum zugänglich machte. … Und wenn zu viele Menschen ihre seelischen Innereien als „Unterbewusstsein“ in die Öffentlichkeit tragen, verbietet natürlich schon das juristische wie medizinische Renommee, die Vokabel weiter zu gebrauchen. …“ | Aus: „Das „Unter­be­wusst­sein“ vor Gericht“ Martin Rath (18.02.2024) | Quelle: https://www.lto.de/recht/feuilleton/f/psychoanalyse-freud-justiz-gerichte-unterbewusstsein

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“ … In der Gesellschaft und ihren Institutionen existiert eine Vielzahl ungeschriebener Regeln, die festlegen, welche Gefühle man im jeweiligen Kontext in welcher Weise ausdrücken darf. So wird ein und dieselbe Person im Parlament ihre Emotionen anders zum Ausdruck bringen als in der Familie und wiederum anders bei einem Besuch im Seniorenheim. Diese Normen sind zudem immer wieder im Wandel. …“ | Aus: „Wohldosierte Emotionen“ Mechthild Zimmermann (10. Januar 2022) | Quelle: https://www.mpg.de/18101870/regieren-mit-gefuehl

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“ … Anders ausgedrückt, dienen kritisch-psychologische Kategorien dazu, sogenannte „Vorbegriffe“, die dem Alltagsdenken, aber auch wissenschaftlichen Diskursen entstammen können, daraufhin zu untersuchen, in welcher Hinsicht sie „zu weit, zu eng, ‚schief‘, in falschem Kontext gefasst sind, welche wesentlichen Zusammenhänge in ihnen wegisoliert, welche zentralen Spezifizierungen und Präzisierungen in ihnen ausgeklammert sind etc.“ …“ | Aus: „Kritische Psychologie“ (28. Juni 2025) | Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kritische_Psychologie

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Kontext #2 („Als-ob“-Wirklichkeit, Gefühle, Liebesfähigkeit und Affekte)

Somit ist die Gefühlsentwicklung Dreh- und Angelpunkt

“ … die „inszenierte Wirklichkeit“ ist nichts Neues: Der Neukantianer Hans Vaihinger hatte in seiner Philosophie des Als-Ob (1911) den Begriff der „Fiktion“ („Als-ob“-Wirklichkeit [https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Philosophie_des_Als_Ob]) eingeführt, um die Annahmen und Konstruktionen damit zu bezeichnen, die den Menschen als Leitbilder im komplizierten, chaotischen und ängstigenden Leben dienen. Sie werden normalerweise im Alltag wieder fallengelassen, wenn man sie nicht mehr benötigt. … „Generation Golf“ … Mit diesem Buchtitel beschreibt Florian Illies die Jugendlichen, die zwischen 1965 und 1975 geboren sind (Illies selbst ist Jahrgang 1971). Die Bezeichnung „Generation Golf“ als auch die Zwischenüberschriften des Buches stammen aus den Werbeslogans von VW für diese Automarke und drücken nach Ansicht des Autors präzise das Lebensgefühl, die Ziele und Einstellungen seiner Altersgenossen aus. Illies schildert mit ironisch-lächelnder Distanz eine Kindheit, die von Verwöhnung, Überbesorgtheit, Bemutterung und supermoralischen Ansichten geradezu überquoll. Das Leben richtete sich auf Wärme, Süße, Bequemlichkeit, Mode, Konsum, Technik und Luxus genau so ein, wie es die gekonnt und perfekt wiedergegebenen Werbespots verkündeten. Solche Verwöhnung hatte natürlich Folgen … Narziß ist zum Idol [geworden] … Narziß ist der größte Gott der Generation Golf. Man huldigt ihm am besten vor dem Spiegel. Das Outfit beherrschte das Leben … [[Erich Fromm (1900 – 1980) war ein deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe. Bereits seit Ende der 1920er Jahre vertrat er einen humanistischen, demokratischen Sozialismus. Seine Beiträge zur Psychoanalyse, zur Religionspsychologie und zur Gesellschaftskritik haben ihn als einflussreichen Denker des 20. Jahrhunderts etabliert, auch wenn er in der akademischen Welt oft gering geschätzt wurde. | https://de.wikipedia.org/wiki/Erich_Fromm]] … Fromm spricht [ ] von den „Bedürfnissen“, welche von der Gesellschaft geweckt, dirigiert, manipuliert und partiell befriedigt werden —, aber es fehlt dabei der individuelle und schöpferische Beitrag des Einzelnen. … Die Existenzphilosophie (Martin Heidegger, Karl Löwith) betont, daß der Mensch von Geburt an in einer „Mitwelt“ bzw. in einem „Miteinandersein“ lebt. Phänomenologisch gesehen gibt es keine Trennung von Ich und Welt: Das Ich ist stets durch ein Du in Form von Mutter, Vater, Geschwister, Lehrer, Geschlechtspartner und Gemeinschaft bestimmt und konstituiert. „Welt“ ist somit soziale „Mitwelt“, in der man nach Meinung der Wertphilosophen Max Schele und Nicolai Hartmann eine Welt der Tatsachen von der Welt der Werte unterscheiden kann. Tatsachen wie Güter- und Geldwerte sind „real“, während Werte „ideal“ existieren, d.h. die Mitarbeit des Menschen benötigen, um ihr „Sein-Sollen“ zu verwirklichen. Auch Fromm setzte sich zeitlebens für das Sein-Sollende — was dem Ethischen entspricht — ein, indem er [die] Neurose als ethisches Defizit definierte und deren Heilung durch Selbstverwirklichung, Reifung der Person und „Produktivität“ beschrieb sowie den Aufbau eines kommunitären Sozialismus vorschlug. Es fällt jedoch auf, daß er diesen Vorgang zum Teil nicht wirklichkeitsnah genug beschreiben konnte: Zahlreiche Kritiker monierten seinen abgehobenen Moralismus und Utopismus. … [Philipp Lersch und Felix Krueger haben] herausgefunden [ ], daß der Mensch „Organe“ besitzt, welche Werte erkennen können, nämlich die Gefühle, und daß nur der zur Person herangereifte Mensch umfassend und weltoffen fühlen kann. Zwischen Wertverwirklichung, Gefühlen und Entwicklung des Menschen besteht ein dialektisches Verhältnis: Wer … zum Gelingen von Beziehungen nichts beiträgt und sich geistig nicht bemüht, erwirbt keine Gefühle, bleibt schwach und neurotisch. … Somit ist die Gefühlsentwicklung Dreh- und Angelpunkt der individuellen wie der sozialen Vervollkommnung. Die moderne Tiefenpsychologie hat von Max Scheler die Erkenntnis übernommen, daß die Liebe den Kern der Gefühle ausmacht. Obwohl Liebe gewiß nicht einfach zu definieren ist, kann von ihr doch zumindest ausgesagt werden, daß sie das ideale Baumaterial einer besseren, vollkommeneren und schöneren (Mit-)Welt, d.h. des Sozialen, darstellt. Fromm hat zwar in „Kunst des Liebens“ (1956) zahlreiche Strukturen des liebenden Charakters herausgearbeitet und mit Recht betont, daß Selbstliebe zur Menschenliebe und letztere zur höchsten menschlichen Tugend zählt. In dieses wahrhaft humanistische Gedankengut schmuggelte er jedoch einige Mystizismen ein, die der Realisierung durchaus hinderlich sind. … Die tiefenpsychologische Emotionslehre besagt [ ], daß Aggression, Haß, Wut, Eifersucht, Neid ebenso wie Angst und Depression keine Gefühle, sondern Affekte sind, welche soziale Bindungen (und damit Liebesgefühle) hemmen, sabotieren und zerstören. Affekte sind die maßgeblichen Verursacher von Neurose, Psychose und Psychosomatose. Dagegen verbinden Gefühle wie Sympathie, Wohlwollen, Freude, Hoffnung und Liebe mit der Wertwelt und bringen den Menschen dazu, sich tatkräftig für deren Verwirklichung einzusetzen. … Religionspsychologische Studien, soziologische und historische Untersuchungen des Mittelalters, der Renaissance und vor allem des Protestantismus von Luther und Calvin führten zu (teilweise berühmten) kulturkritischen Arbeiten Fromms, die den Kapitalismus, Kommunismus und die technisierte moderne Gesellschaft betreffen. Darin bewährte sich seine eigentliche Entdeckung, der „Gesellschaftscharakter“, der unter anderem Begriffe wie „Konsum“- und „Marketing“-Charakter umfaßt. Mit Hilfe dieses Konzeptes untersuchte Fromm auch die Ursachen des Nationalsozialismus und der menschlichen Destruktivität (Aggressivität). Die Psychoanalyse Hitlers und seiner „Nekrophilie“ zählen ebenfalls zu den Höhepunkten des Frommschen Schaffens. …“ | Ungeordnete Bruchstücke aus: „Traditionen und Perspektiven im Werk von Erich Fromm“ (Humboldt-Universität zu Berlin, DISSERTATION, 18. Oktober 2000) von Dr. med. Alfred Lévy (29.6.1945, geb. in Herisau/Schweiz) [Fachbereich Philosophie / Humanontogenetik] | Quelle: https://edoc.hu-berlin.de/server/api/core/bitstreams/a9bca96d-34e1-4f7d-81c2-3a193ac38c9d/content