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Erstmal geht es hier um nichts anderes, als ein paar andere Filme sehen zu können.
Hintergrundrauschen zur Filmgruppe Laterna // Kiel (16.10.2025): In den letzten 30 Jahren hat sich das Verhältnis des Betrachters zum Bild, vom Zuschauer zum Film extrem verschoben. Technische Neuerungen haben sich wie eine mehrstufige Lawine in die Praxis von Filmerschaffung und Filmbetrachtung eingeschüttet. Unsere Sinne werden im Internet zwangsläufig in einen Medieninhalte-Ozenan getaucht.
Wie ist es möglich sich in einer solchen untergetauchten Situation noch ernsthaft zu verorten? Welcher Wille, welche Lust bestimmt das eigene Treiben? Wie arbeiten? Was tun? Worauf läuft es hinaus? – Die Frage nach der Wirklichkeit der Bilder, die Frage nach der Haltung aus der heraus Videos und Filme entstehen, scheint zweitrangig, scheint wie eingeschlafen zu sein. Es ist als seien diese Fragen irgendwo versunken in den Medientheorien der 1960er Jahre [“Das Medium ist die Botschaft“].
Die Fragen nach dem Urgrund der Bilder sind verklumpt zwischen den Inhalten, die unsere Aufmerksamkeit mit ästhetischem Zuckerguss locken und sie zusätzlich mit lustiger Banalität übersättigen. Manchmal kann es noch gelingen, hier und da kann es noch erahnt werden, welcher Geist in und hinter den gezeigten Bildern steckt. Oft aber bleibt der Urgrund der Entstehung, bleibt das Bild verschleiert, wenn Werbeunterbrechungen, wenn mediale Umramungen, wenn die vorgestanzten Formen der Internetkonzerne den Stoff verwischen und zerhacken.
In einem Strudel von Inhaltskolonnen, in einem Medientaumel der Beliebigkeit auf dem Smartphone-Bildschirmen wirken Schlagworte wie “Freie Kunst”, “Unabhängiger Film”, “Gegenöffentlichkeit”, “Untergrund”, “Experimentalfilm” seltsam verloren – und doch liegt in der Frage nach der Entstehung von Filmen und Stoffen weiterhin das Geheimnis.
Es ist uns, als wäre die Idee der Öffentlichkeit zu einem Spielball von unentwegten Durchbohrungen geworden. Ein endloser Strom von haltlosen wie austauschbaren Bildern, Videos, Klängen und Texten, die keine Konsequenz mehr zu haben scheinen, überfluten uns als indifferente Betrachter (wir hören den kreischenden Sound, die Echos von einem unüberschaubaren niemals endenden Mediaoverdrive-Chor im unwegsamen Lebensweltgebirge).
Und wenn wir auf uns selber blicken? – Unsere eigenen inszenierten oder zufällig entstandenen Augenblicke (Bilder, Töne, Dialoge, Monologe) sind jenseits von typischen Arbeitsweltstrukturen zu einer Wirklichkeit geworden (was nichts Besonderes mehr ist). Wir beharren auf kumpeliges Miteinander, auf eine frei schwebende Ideenlust – auch wenn wir dabei in Absurdität schwimmen.