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[Versprengte Notizen zum Krieg... ]

Started by Textaris(txt*bot), July 12, 2006, 01:04:52 PM

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Textaris(txt*bot)

#910
Quote[...] Ein Video zeigt einen Ukrainer, der vor einer Drohne davonzurennen versucht. Gnadenlos geht die Angriffsarmee gerade gegen die Zivilbevölkerung vor.

Das Video lässt einem den Atem stocken: Ein Gemüsehändler in der südukrainischen Stadt Cherson bereitet gerade seinen Stand vor. Wie aus dem Nichts taucht eine Drohne auf, die mehrfach über dem Platz kreist. Dann ist eine Explosion zu sehen. Die gute Nachricht: Der Mann hat überlebt, in einem weiteren Video aus dem Krankenhaus berichtet er, wie er um sein Leben rannte.

Diese Art der Kriegsführung heißt in der Ukraine ,,Drohnen-Safari". Das Phänomen ist nicht neu. Seit über zwei Jahren praktiziert die russische Armee diese zynische Art der Menschenjagd. Berichten aus der Ukraine zufolge würden viele Menschen auch auf ihren Datschen getötet oder verletzt – nicht selten beim Toilettengang.

Das erinnert an einen Ausspruch von Wladimir Putin, damals noch russischer Ministerpräsident, aus dem Jahr 1999. Da kündigte er an, tschetschenische Terroristen würden notfalls auch auf dem Abort zur Strecke gebracht. Diese zweite ,,Antiterroroperation" gegen die Nordkaukasusrepublik sollte zehn Jahre dauern. Auch wenn der Kontext ein gänzlich anderer ist und der Vergleich vielleicht geschmacklos erscheint, die Botschaft ist dieselbe: Wir erwischen euch – überall.

Zwar ist unbestreitbar, dass die Ukraine hinsichtlich der technologischen Entwicklung und Produktion von Drohnen erhebliche Fortschritte zu verzeichnen hat. Nicht von ungefähr interessiert sich mittlerweile auch das Ausland für dieses im Verlauf des Kriegs erlangte Know-how. Kompletter Schutz gegen unbemannte Luftfahrzeuge, die gezielt Zivilist*innen ins Visier nehmen, ist trotzdem kaum möglich.

Die ukrainische Luftabwehr hat aber noch andere Probleme. Infolge russischer Raketenangriffe auf Kyjiw starben in der Nacht zu Mittwoch mindestens 17 Menschen. Keine Rakete konnte unschädlich gemacht werden – aus dem einfachen Grund, dass Kyjiw die Mittel fehlen. Wo die Abwehrsysteme herkommen sollen, weiß niemand. US-Präsident Donald Trump ist und bleibt ein unsicherer Kantonist. Für die Ukraine ist das wahrlich keine gute Nachricht.



Aus: "Krieg in der Ukraine Menschenjagd auf Russisch" Ein Kommentar von Barbara Oertel (5.8.2026)
Quelle: https://taz.de/Krieg-in-der-Ukraine/!6201918/



Barbara Oertel Ressortleiterin Ausland - Geboren 1964, ist seit 1995 Osteuropa-Redakteurin der taz und seit 2011 eine der beiden Chefs der Auslandsredaktion. Sie hat Slawistik und Politikwissenschaft in Hamburg, Paris und St. Petersburg sowie Medien und interkulturelle Kommunikation in Frankfurt/Oder und Sofia studiert. Sie schreibt hin und wieder für das Journal von amnesty international. Bislang meidet sie Facebook und Twitter und weiß auch warum.

QuoteKone, 09:34 Uhr

Hörte gestern Abend von diesem Vorfall. Mich erinnert dies an Szenen die erst kürzlich an die Öffentlichkeit kamen aus dem Bürgerkrieg im ehemaligem Jugoslavien. Da wurden wohl "Scharfschützenplätze" gegen Geld vergeben und der Abschuß von Kindern kostete dann mehr. Mehrere italienische Industrielle stehen deswegen vor Gericht. Diese werden aber wohl nicht die einzigen gewesen sein.



QuoteBarbara Falk, 14:46 Uhr

Laut einem Bericht des UN-Kommissariats für Menschenrechte sind, Stand Oktober 2025, 200 Zivilisten durch Drohnenangriffe in Cherson getötet worden, etwa 1000 wurden verletzt.

Die US-Journalistin Zarina Zabrisky hat über den russischen Terror in Kherson einen beeindruckenden Dokumentarfilm gedreht:

https://www.youtube.com/watch?v=LnrHO_gyKt8

Der Journalist Brendan Kelley dokumentiert, zusammen mit ukrainischen Aktivisten, die Verbrechen auf einer interaktiven Karte:

Tochnyi is a collective project which aims to accurately report, discuss and analyze news and information relating to the Russian Federation's illegal war against Ukraine.
https://maps.tochnyi.info/humansafari/


QuoteSuryo, 08:40 Uhr

,,Zynisch"?

Das ist nicht einfach nur zynisch, das ist sadistisch.


...

Textaris(txt*bot)

#911
Quote[...] Es sind harte Worte, die einer der ehemals ranghöchsten deutschen Soldaten wählt, wenn er über das Ende des Afghanistaneinsatzes vor fünf Jahren spricht. ,,Ich schäme mich heute noch", schreibt Ex-General Andreas Hoppe dieser Tage in einem Gastbeitrag für die Frankfurter Allgemeine Zeitung [https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/rekruten-fahneneid-und-befehlsverweigerung-eine-erwiderung-auf-navid-kermani-accg-201110079.html]. Es geht ihm um das Ausbleiben einer Geste: Als die Soldaten aus dem nordafghanischen Masar-i-Scharif Ende Juni im niedersächsischen Fliegerhorst Wunstorf landen, steht dort außer Bundeswehrangehörigen niemand, um sie in Empfang zu nehmen.

Nicht Bundeskanzlerin Angela Merkel, die den mit Abstand blutigsten und teuersten Auslandseinsatz der Bundeswehr ihre gesamte Amtszeit lang mitverantwortete. Nicht Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die als Verteidigungsministerin für den Truppenabzug zuständig war. Auch ein Beisein von Abgeordneten, die das Afghanistanmandat Jahr für Jahr im Bundestag verlängert hatten, ist nicht überliefert.

Obwohl längst klar war, dass die politischen Ziele mit Waffengewalt nicht zu erreichen waren, flossen immer mehr Gelder in die militärische Absicherung der Afghanistanmission. Von alldem wollte man in Berlin nichts wissen, schließlich standen im Herbst 2021 Wahlen an. Afghanistan war für die Union und die SPD ein Verliererthema, nur mit Abschiebungen und Entwicklungshilfe hoffte man noch auf ein paar Pünktchen. Ansonsten sollten die Ministerien und die Soldat*innen den Einsatz doch bitteschön einfach abwickeln.

Die 20-jährige Intervention der internationalen Koalition unter der Führung der USA, bei der nach Berechnungen der Brown-Universität zwischen 176.000 und 243.000 Menschen getötet und Millionen Menschen zur Flucht getrieben wurden, endete aus deutscher Sicht im niedersächsischen Hinterland. Der fehlende Empfang für die Soldat*innen bei ihrer Rückkehr Ende Juni warf seinen Schatten voraus auf den katastrophalen Epilog, der sich dann wenige Wochen später in Kabul abspielte.

Denn während die Bundesregierung alle Entwicklungen in Afghanistan im wahrsten Wortsinne als Nebenkriegsschauplatz abtat, brachten die Taliban weite Landesteile wieder unter ihre Kontrolle. Als am 15. August 2021 dann auch Kabul an die Islamisten fiel, waren einige in Berlin tatsächlich überrascht. So musste die Bundeswehr noch mal ran, um Entwicklungshelfer*innen, europäische Staatsbürger und zumindest einige Ortskräfte aus Afghanistan zu retten, die durch die Ignoranz der Regierung den Taliban ausgeliefert wurden.

Heute sitzen Union und SPD wieder in der Regierung. Wenn sie über die Bundeswehr sprechen, wählen sie salbungsvolle Worte. Den gescheiterten Afghanistaneinsatz möchten sie so wie ihre Vorgänger*innen vergessen machen. Der verweigerte Handschlag in Wunstorf darf auch das eigene Selbstbild nicht stören – dafür sind die Erwartungen, die man heute wieder an die Bundeswehr richtet, schlicht zu groß.


Aus: "Lieber nicht mehr dran denken" Kommentar von Cem-Odos Güler (14.8.2026)
Quelle: https://taz.de/Fuenf-Jahre-nach-dem-Afghanistan-Abzug/!6200774/

QuoteIl_Leopardo, 10:07 Uhr

,,Unsere Freiheit wird auch am Hindukusch verteidigt."

Bundesverteidigungsminister Peter Struck (SPD) 2002

20 Jahre und Kosten von mehr als 17,3 Milliarden Euro. Ergebnis: Die heutige Regierung verhandelt mit den Taliban über die Abschiebung von (auch nicht straffällig gewordenen) afghanischen Migranten.


QuoteOkay, 08:10 Uhr

Wenn Ex-General Andreas Hoppe nach einer solchen Pleiteaktion auch noch am liebsten von der Bundeskanzlerin in Empfang genommen werden möchte, wirkt das ziemlich eingebildet und auch peinlich.

Außer fast 250.000 Toten hat diese militärische Operation wenig gebracht. Geschweige denn für die afghanischen Helferinnen und Helfer, denen nach langen Verfahren die Einreise nach Deutschland garantiert worden war – und die nun ebenfalls im Stich gelassen wurden.

Kurz nachdem die Sowjets in Afghanistan gescheitert waren, haben auch die westlichen Länder dort versagt.

Ohnehin ist mir keine militärische Intervention bekannt, die nachhaltig etwas gebracht hätte, außer noch mehr Chaos, Hunger und Flüchtlinge zu erzeugen.

Ähnliche Szenarien erleben wir heute u.a. im Nahen Osten, wo sich der Gaza-Konflikt geografisch immer weiter ausbreitet.

Fazit: Der ,,Globale Süden" ist und bleibt ein Spielball der postkolonialen Mächte.


QuoteStefan Haker, 11:43 Uhr
@Okay:

Es geht nicht darum, ob man den Einsatz per se für richtig hält. Es geht doch darum, das Politiker per Bundestagsbeschluss, Soldaten in den Einsatz schickt und diese bei Rückkehr, nicht mal mehr mit dem Arsch anschaut, wie man so schön sagt.

Man kann wohl sagen, das nicht die Soldaten die Verantwortung für den Fehlschlag des Einsatzes zu tragen haben.


QuoteTodesfister, 21:56 Uhr

Für krieg war immer Geld da.
Nur für die Armen hat's nichts.


QuoteLieselotte Schellong

gestern, 19:35 Uhr

Nur eine Buchempfehlung: Marc Hinzmann "Leben und Sterben lassen"
Die letzten Tage der Bundeswehr in Afghanistan

Eine unmögliche Aufgabe in Afghanistan
Im August 2021 wird der junge Oberleutnant Marc Hinzmann kurzfristig mit einem zusammengewürfelten Team von Feldjägern nach Afghanistan befohlen. An den Flughafen, an dem zu diesem Zeitpunkt bereits Chaos herrscht und der als letzter Zufluchtsort gilt. Während sich tausende Menschen vor den Toren drängen, liegt es plötzlich in seiner Verantwortung zu entscheiden, wer einen Platz im Evakuierungsflieger der Bundeswehr bekommen würde und wer nicht - ohne Dolmetscher, ohne klare Vorgaben und ohne rechtlichen Beistand.


Ein ganz persönlicher Bericht von einem, der plötzlich und unvorbereitet vor einer sehr schwierigen Aufgabe steht.

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QuoteJuliana Görtz
Bewertet in Deutschland am 29. Januar 2026
Formatieren: Paperback

In ,,Leben und Sterben lassen" wird eindrucksvoll die militärische Evakuierung aus Kabul im Jahr 2021 geschildert. Im Mittelpunkt stehen die Tage, in denen er und sein Team unter extremem Druck entscheiden mussten, wer die Voraussetzungen für einen Platz im Flugzeug erfüllte – und wer zurückbleiben musste. Diese Entscheidungen waren nicht nur militärisch, sondern vor allem menschlich kaum zu ertragen.

Das Buch macht deutlich, wie belastend diese Situation für die eingesetzten Soldatinnen und Soldaten war. Hinzmann beschreibt die Angst, Verzweiflung und Hoffnung der Menschen vor Ort ebenso wie die innere Zerrissenheit seiner Männer und Frauen, die zwischen Befehl, Verantwortung und Mitgefühl standen. Gerade diese emotionalen Einblicke machen das Buch besonders eindringlich.

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"Enquete-Kommission zu Afghanistan 300 Seiten voller Misserfolge"
Kommentar von Emran Feroz (21.2.2024)
Die Enquete-Kommission berichtet von 66 Deutschen, die während des Bundeswehreinsatzes zu Tode kamen. Afghanische Opfer finden nicht einmal Erwähnung. ... Besonders deutlich wird das erneut, wenn es um konkrete Opferzahlen geht. Der Bericht listet nur die Anzahl der Deutschen auf, die während des zwanzigjährigen Einsatzes getötet wurden: 59 Soldaten, 3 Polizisten und 4 zivile Helfer, insgesamt 66. Afghanische Opfer? Die scheint es nicht zu geben. Dabei wurden im Laufe des ,,War on Terror" weit über 176.000 Afghanen – darunter rund 50.000 Zivilisten – am Hindukusch getötet. ... Es ist deshalb in diesen Tagen besonders wichtig, zu betonen, dass die Bundeswehr in Afghanistan als Kriegspartei agierte und unschuldige Afghanen tötete (etwa 2009 im heute vollständig verdrängten Kundus), während sie mit korrupten Politikern und Warlords paktierte. Kritiker, die dies immer wieder betonten und von denen viele von der Enquete-Kommission übergangen wurden, wussten deshalb auch, dass der Fall der afghanischen Republik früher oder später kommen wird. In Berlin und anderswo kam man viel zu spät zu dieser Einsicht – auf Kosten afghanischer Menschenleben, die nun erneut unsichtbar gemacht werden. ...
https://taz.de/Enquete-Kommission-zu-Afghanistan/!5990652/

0 Kommentare

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"Afghanische Ortskräfte der Bundeswehr: Die schlimmsten Tage meines Lebens" Von Mehnaz Yosofzai (14.8.2022)
Unsere Autorin war Ortskraft in Kabul. Als vor einem Jahr die Taliban die Stadt eroberten, begann der Horror. Sie schaffte es nach Deutschland. ... Wenn ich an Afghanistan denke, kann ich immer noch nicht verstehen, wie das Land so schnell kollabieren konnte. ...
https://taz.de/Afghanische-Ortskraefte-der-Bundeswehr/!5870801/

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QuoteObscuritas

14.08.2022, 13:04 Uhr

"Wenn ich an Afghanistan denke, kann ich immer noch nicht verstehen, wie das Land so schnell kollabieren konnte."

Ich glaube das lässt sich zum in Teilen beantworten mit einer anderen Passage: "Das war beängstigend, aber ich wusste, dass die Bundeswehr mir beistehen würde, wenn mir etwas passieren würde. Aber dieses Mal, im August 2021, war es anders. Die internationalen Truppen waren dabei, Kabul zu verlassen."

Kein Wort von Afghanischen Sicherheitskräften / Soldaten, die Schutz bieten könnten. Es ist eben kein Land aufgebaut worden mit einer florierenden Wirtschaft, einem funktionierenden Millitär. Statt dessen wurde der Schein einer Stabilität aufrecht erhalte mit massiver militärischer Präsenz.

Kaum zog man sich zurück wurde die Niederlage dieser Strategie offensichtlich.


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Krieg in Afghanistan 2001–2021
https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_2001%E2%80%932021

... Insgesamt tötete der Krieg schätzungsweise 176.000 Menschen, darunter 46.319 Zivilisten ... Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums beliefen sich die Gesamtkosten für die USA zwischen 2001 und Ende Dezember 2019 auf 776,1 Mrd. US$ ... Der deutsche Anteil beträgt etwa ein Hundertstel des amerikanischen Beitrags: ,,Die offiziellen Kosten für die Bundeswehrmission in Afghanistan wurden bei jeder der 13 Mandatierungen durch den Bundestag seit 2001 festgeschrieben. Im ersten Jahr waren es 436 Millionen Euro, inzwischen hat sich diese Summe mehr als verdoppelt: Im Mandatstext von Januar 2011 wurde erstmals etwas mehr als eine Milliarde Euro veranschlagt." ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan_2001%E2%80%932021#Opfer (31. Juli 2026 )

https://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_in_Afghanistan

https://de.wikipedia.org/wiki/Bundeswehreinsatz_in_Afghanistan

https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Krieg_in_Afghanistan_2001%E2%80%932021

https://de.wikipedia.org/wiki/US-amerikanische_Beteiligung_am_Krieg_in_Afghanistan

https://de.wikipedia.org/wiki/Britische_Beteiligung_am_Krieg_in_Afghanistan

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Nachtrag:

Quote[...] Vor fünf Jahren endete der internationale Afghanistan-Einsatz in Rückzug und Chaos. Was bleibt vom Engagement des Westens? Und wie geht Deutschland heute mit der radikalislamischen Taliban-Regierung um? Fragen an den CDU-Außenpolitiker Jürgen Hardt.

Die Bilder aus Kabul gingen vor fünf Jahren um die Welt. 20 Jahre lang hatte eine Koalition unter Führung der USA versucht, Afghanistan zu Stabilität, Demokratie und wirtschaftlicher Entwicklung zu verhelfen. Doch die westlichen Staaten verloren das Interesse an dem komplizierten, teuren und gefährlichen Einsatz. Die von ihnen eingesetzte Zentralregierung blieb schwach. Im Sommer 2021 rückten die radikalislamischen Taliban im Land immer weiter vor. Mitte August des Jahres nahmen sie die Hauptstadt Kabul ein.

Am dortigen Flughafen spielten sich dramatische Szenen ab. Westliche Staaten versuchten, ihre letzten Armee- und Botschaftsangehörigen auszufliegen. Verzweifelte Afghanen versuchten, sich an die startenden Flugzeuge zu klammern, auch aus Angst vor der Taliban-Herrschaft. Der Einsatz endete als Desaster. Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, Jürgen Hardt, ist trotzdem der Meinung: Das Engagement des Westens war nicht umsonst.

Herr Hardt, war der hastige Rückzug aus Afghanistan vor fünf Jahren ein Symbol für das Scheitern des Westens?

Jürgen Hardt: Ich weigere mich, den Einsatz als gescheitert zu betrachten. Das wichtigste Ziel bestand darin, dass von Afghanistan keine terroristische Bedrohung für die Welt mehr ausgehen darf. Anlass waren die Anschläge des Terrornetzwerks al-Qaida vom 11. September 2001 in den USA. Al-Qaida hatte damals unter der Taliban-Regierung in Afghanistan einen sicheren Hafen und konnte unbehelligt den Weltfrieden gefährden. Heute geht diese Bedrohung von Afghanistan nicht mehr aus.

Allerdings sind die Taliban wieder an der Macht.

Ja. Es ist mit den Einsätzen leider nicht gelungen, einen nachhaltigen politischen Wandel und eine positive wirtschaftliche Entwicklung herbeizuführen. Die Gründe dafür hat der Bundestag mit einer Enquête-Kommission untersucht. Die Hauptverantwortung tragen aus meiner Sicht die politisch Verantwortlichen in Afghanistan in den vergangenen 20 Jahren. Wir konnten Hilfe zur Selbsthilfe leisten – aber einen nachhaltigen Wandel muss das Land selbst vorantreiben.

Die internationalen Einsätze dauerten 20 Jahre, es wurde viel Geld investiert. Mehr als 3500 Soldaten der westlichen Koalition starben in Afghanistan, darunter 60 Deutsche. Der Westen hat sich also sehr stark engagiert, man war aber naiv und schlecht informiert. Ist es wirklich angebracht, einer schwachen afghanischen Regierung die Schuld zuzuschieben?

Wir haben in den 20 Jahren für eine ganze Generation junger Menschen neue Chancen eröffnet: Es gab über viele Jahre einen Zugang zu Bildung, auch für Frauen. Eine ganze Generation hat Schulbildung erhalten, auch Millionen von Mädchen. Infrastruktur-Projekte wirken heute fort. Die Verhältnisse im Land waren damals besser als heute und erst recht als in der Zeit davor. Das alles geht nicht verloren. Die Hoffnung auf einen sich selbst tragenden politischen und ökonomischen Aufschwung hat sich aber leider nicht erfüllt. Man kann so einen Wandel nicht von außen erzwingen. Das ist auch eine Lehre aus Afghanistan.

Heute unterhält die Bundesregierung praktisch keine Kontakte zur afghanischen Regierung. Die deutsche Botschaft in Kabul ist seit Jahren geschlossen. Warum?

Die afghanische Regierung ist nicht demokratisch legitimiert und ihr Umgang mit Grund- und Menschenrechten ist nicht mit unseren Vorstellungen vereinbar. Deswegen wird sie von Deutschland nicht anerkannt. Sie ist auch kein Partner für wirtschaftliche Zusammenarbeit. Umgekehrt erkennen wir aber an, dass die gegenwärtige afghanische Regierung der faktische Machthaber im Land ist.

Welche Folgen hat das?

Wo es gemeinsame Sicherheitsinteressen und migrationspolitische Interessen gibt, kann Deutschland auf ein Mindestmaß an Zusammenarbeit nicht verzichten. Deswegen akzeptieren wir, dass die afghanische Regierung Personal nach Berlin entsendet. Sie stellen zum Beispiel Pässe für Personen aus, die wir nach Afghanistan zurückführen möchten. Es ist im deutschen Interesse, solche Möglichkeiten zu nutzen.

Deutschland lehnt Kontakte zur afghanischen Regierung ab – abgesehen vom Nötigsten, um Menschen dorthin abschieben zu können. Ist das nicht zynisch?

Ich finde das überhaupt nicht zynisch. Die afghanischen Machthaber sind keine Partner für eine enge Zusammenarbeit, insbesondere angesichts der Frauenpolitik in Afghanistan. Gleichzeitig wollen wir aus Deutschland afghanische Straftäter ins Land zurückführen. Dafür sind wir auf die Unterstützung der Herrschenden angewiesen und deswegen nutzen wir die entsprechenden Kanäle.

Die Taliban haben Frauen aus dem öffentlichen Leben verdrängt, 2,4 Millionen Mädchen von Bildung ausgeschlossen. Können wir in Deutschland wirklich die Augen davor verschließen?

Ich sehe leider nicht, welche Einflussmöglichkeiten wir unter den aktuellen Umständen hätten, um die Situation der Frauen in Afghanistan zu verbessern. Die afghanische Regierung müsste einsehen, dass sie den falschen Weg eingeschlagen hat. Wenn sie einen Kurswechsel vornimmt, müssten Deutschland und Europa das sicherlich unterstützen. Diese Regierung ist aber selbst dafür verantwortlich, die Probleme im Land zu lösen, die sie verursacht hat.


Über den Gesprächspartner: Jürgen Hardt wurde 1963 in Hofheim am Taunus geboren. Der Diplom-Volkswirt arbeitete unter anderem in der CDU-Bundesgeschäftsstelle, für die Unions-Bundestagsfraktion sowie für die Unternehmensgruppe Vorwerk. Seit 2009 ist er Mitglied des Deutschen Bundestags und seit 2015 außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion.


Aus: "CDU-Politiker Hardt: "Weigere mich, den Einsatz als gescheitert zu betrachten"" (14.08.2026)
Quelle: https://web.de/magazine/politik/afghanistan/cdu-politiker-hardt-weigere-einsatz-gescheitert-betrachten-42608144

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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Iwan ist mit 23 Jahren an der Front gefallen. Er hinterlässt seine Frau und die zweijährige Tochter. Nun wird er in der Bukowina beigesetzt.

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über leben - Für die Menschen in der Ukraine ist der Krieg zum Alltag geworden. Trotz der Todesangst vor Luftangriffen und Kämpfen geht das Leben weiter: Die Menschen gehen zur Arbeit, zur Schule und zur Uni. Sie lieben, lachen, heiraten, bekommen Kinder, machen Urlaub. Sie trauern, sorgen sich – und hoffen auf Frieden. Juri Konkewitsch berichtet als freier Journalist aus der Ukraine. Er lebt im westukrainischen Luzk ...

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[...] Die meisten Toten im Krieg mit Russland bestatten wir in geschlossenen Särgen. Der Krieg mit Drohnen und Raketen zerstört die Körper oft bis zur Unkenntlichkeit. Oft dauert es auch lange, Gefallene von der Front zu bergen. Darum können Angehören ihre Toten kein letztes Mal ansehen, ihre kalten und doch so vertrauten Hände noch einmal berühren.

So war es bislang auch in diesem Dorf in der Bukowina, im Südwesten der Ukraine. Doch die Verwandten des 23-jährigen Freiwilligen Iwan hatten Glück: Sein Leichnam konnte bereits drei Tage nach seinem Tod vom Schlachtfeld geborgen werden. Auch ein zusätzlicher DNA-Abgleich war nicht nötig, da Mutter und Ehefrau Iwan anhand seines Tattoos und eines Armbandes identifizieren konnten.

Wir treffen die Mutter des Gefallenen in Tscherniwzi an der Leichenhalle. Es ist ein ruhiger Morgen in der Stadt, die 1.000 Kilometer von der Front entfernt liegt. Vögel zwitschern, Passanten eilen mit Coffee-to-go-Bechern vorbei.

Auf einer Bank im Hof wartet die Mutter auf die Leiche ihres Sohnes. Als alle Papiere unterschrieben sind, tragen die Kämpfer der Nationalgarde den Sarg zum Leichenwagen. Gerade, als der Fahrer die Tür schließen will, beugt sie sich herunter und umarmt den Sarg. Sie möchte in diesem Auto neben der Leiche ihres Sohnes zum Friedhof fahren.

Dann geht es los: Ein Polizeifahrzeug, der Leichenwagen, unser Auto mit den Flaggen der Brigade, in der Iwan gedient hat – und hinter uns ein Bus mit dem Orchester sowie die Autos der Angehörigen.

In der Stadt ist viel los, die Straßen sind voller Autos. Als sie unseren Autokonvoi näherkommen hören, treten die Menschen an die Ränder der Gehwege, Fahrer steigen aus ihren Autos aus. Manche beten oder sinken auf ein Knie, andere legen eine Hand aufs Herz. Ich bemerke, wie eine Frau ihren beiden Söhnen zeigt, wie man einem Soldaten den letzten Gruß erweist: die rechte Hand am Ellbogen angewinkelt und die Faust nahe am Herzen.

Auf den Straßen sehe ich viele Männer. Bei ihrem Anblick denke ich, dass der 23-jährige Iwan sein Leben auch für sie geopfert hat. An einer Kreuzung versucht ein Radfahrer mit Kopfhörern, vor der Fahrzeugkolonne einzuscheren. Passanten packen ihn am T-Shirt und reden lautstark auf ihn ein.

Wir fahren fast 30 Kilometer aus der Stadt Tscherniwzi heraus nach Süden in ein Dorf, das schon fast an der rumänischen Grenze liegt. Unterwegs werfen Menschen Blumen auf die Autos und knien neben brennenden Grabkerzen nieder.

Im Dorf angekommen wartet schon die Witwe des Verstorbenen am Hoftor. Die junge Frau mit den verweinten Augen hat keine Kraft zum Sprechen. Seit Iwan von der Front zurückgebracht wurde, hat sie schon mehrfach das Bewusstsein verloren, weshalb immer jemand seiner Kameraden aus dem Bataillon bei ihr bleibt. Ihre zweijährige Tochter hat sie für die Zeit der Beerdigung bei ihren Eltern untergebracht.

Auf dem Hof hört man jetzt ein Gebet in rumänischer Sprache. Hunderte Menschen sind zusammengekommen. Vom Elternhaus des Gefallenen bringen wir den Sarg zur einige Kilometer entfernten Kirche. Zu Fuß gehen wir hinter dem Leichenwagen her. Der Weg führt durch ein Tal, von den Bergen hallen die Klänge des Orchesters wider. Nach der Totenmesse in der Kirche zieht die Prozession den Berg hinauf zum Friedhof. Die Sonne steht jetzt im Zenit, wir sind von grünen Hügeln umgeben. In einem der Kränze, den ein Freund Iwans mitgebracht hat, summt eine Biene. Es ist ein strahlender Sommertag.

[...]

Aus dem Ukrainischen Gaby Coldewey


Aus: "1.642 Tage Krieg in der Ukraine: Ein ukrainisches Kriegsbegräbnis"  Kolumne über leben von Juri Konkewitsch (23.8.2026)
Quelle: https://taz.de/1642-Tage-Krieg-in-der-Ukraine/!6199598/


Textaris(txt*bot)

Quote[...] Vor 34 Jahren zerbombten serbische Belagerer die alte Bibliothek von Sarajevo. Nun fordern bosnische Aktivisten die Rückkehr geretteter Bücher.

Wer einmal das leise Knacken und Knistern inmitten einer unwirklichen Ruhe gehört hat, weiß, was da kommt. Brände breiten sich nach einer Ruhephase explosionsartig aus, sie werden plötzlich zu einem Inferno. Was am 25. und 26. August 1992 in der Vijećnica, der Nationalbibliothek in Sarajevo, geschah, ist jedoch einmalig.

Denn die serbischen Belagerer schossen von den Bergen mit Artillerie, Maschinengewehren und allen möglichen anderen Geschossen nicht auf einen bewaffneten Feind. Es gab keine Waffen hier. Und auch keine Soldaten. Sie schossen auf Millionen von Schriften und Büchern, auf alte Folianten, auf Skripte in vielen unterschiedlichen Schriften und Sprachen. Hier in diesem in neomaurischem Stil von den Habsburgern errichteten Gebäude lagerten Dokumente in lateinischer, in kyrillischer, arabischer, hebräischer, altbosnischer Glagoliza-Schrift.

,,Manuskripte schon aus dem 11. Jahrhundert, während des bosnischen Königtums, während der ottomanischen Zeit ab 1462, die dann fortlaufend über die Jahrhunderte anwuchsen und mit dem Bau des Gebäudes in der Habsburger Zeit 1896 eine einzigartige Ansammlung von Wissen darstellten", betont Professor Esad Duraković, der gute Geist der Bibliothek. Selbst den Zweiten Weltkrieg hätten die Schätze hier in der Hauptstadt von Bosnien und Herzegowina unbeschadet überdauert.

Die ,,Barbaren" im August 1992 warteten ab, bis Feuerwehrleute versuchten, den Brand zu löschen, bis Hunderte von Nachbarn und Freiwillige kamen, um einige der Schätze dem Feuer zu entreißen. Als sie alle da waren, begannen sie wieder zu schießen. Der bosnische Autor Haris Imamović beschreibt in einem Buch das Inferno und den Kampf der Menschen, die mit bloßen Händen dem Feuer und den Kugeln trotzten und die geretteten Bücher hinter dem Gebäude sicherten. Sein Buch ist ein dokumentarischer Roman über den Mut der Feuerwehrleute und der Nachbarn, der einfachen Leute, es dokumentiert die Zerstörung der Vijećnica und den berühmten Cellisten Vedran Smailović, der in den Trümmern saß und spielte.

Welch ein Hass drückte sich hier aus, welche Energie, das historische Erbe, das Gedächtnis Bosniens und damit ,,unsere Kultur und Identität" zu zerstören, fragen sich nicht nur der Schriftsteller Semezdin Mehmedinović, sondern auch mehrere Dutzend Journalisten, die zur Pressekonferenz von Duraković ins Gebäude der Universität von Sarajevo gekommen sind. Hier in der ehemaligen Kaserne lagern in den Kellerräumen einige der damals aus der Bibliothek geretteten Schätze. Und sie sind erneut in Gefahr, zerstört zu werden.

Denn 2029 läuft die Erlaubnis ab, die Manuskripte hier in den ohnehin nicht geeigneten Räumen der Universität zu lagern. Auch deshalb drängt die Initiative, der sich 1.200 Menschen aus dem Kulturbereich angeschlossen haben, auf eine Rückkehr der Bibliothek in das angestammte Haus, die Vijećnica.

Ganz aussichtslos ist das nicht. Der Wiederaufbau begann bereits 1996, ermöglicht vor allem durch ausländische Geldgeber. Zuerst spendete Österreich 750.000 Euro für die erste Phase der Sanierung: eine statische Notfallreparatur, Schutz der erhaltenen Struktur, Dachsanierung, Sanierung der Stahlkuppel und Maßnahmen gegen weiteren Verfall. Es folgten die Mittel der Europäischen Kommission, Spenden für den Wiederaufbau der Hauptfassade; Privatleute spendeten Geld, auch Städte wie Budapest und Tirana engagierten sich.

Eine grobe Berechnung zeigt, dass die Gesamtkosten für die Sanierung des Gebäudes etwa 13 Millionen Euro betrugen. Es haben viele Menschen dazu beigetragen, das alte Rathaus oder die Bibliothek in neuem Glanz erstehen zu lassen.

Das ist gelungen. Aber die geretteten Bücher kamen nicht zurück. Die Stadtverwaltung sperrt sich. Sie nutzt die Vjjećnica heute als repräsentatives Gebäude für Veranstaltungen, und das soll so bleiben. Sie vermietet die Räume auch an Privatleute für Feiern aller Art, Events, Hochzeiten und Galaempfänge.

Dass die Neureichen und ihre Gäste sich in dem Gebäude tummeln können, dass die Dämonen des Profits der Bibliothek die Rückkehr verhindern, stößt auf Unverständnis und Widerstand. Das alles symbolisiere eine Apathie gegenüber der eigenen Geschichte, erklärt der Schriftsteller Semezdin Mehmedinović. Für diese Kritiker besteht die jetzige Stadtverwaltung aus Leuten ohne Antrieb, ohne Willen, für die bosnische Identität einzustehen, also aus unverantwortlichen Politikern.

Es herrscht eine Art Kulturkampf in Sarajevo. Vor vier Jahren hatte der Zusammenschluss der nicht nationalistischen Parteien – Sozialdemokraten, die konservative Partei Volk und Gerechtigkeit und die liberale Unsere Partei – zur sogenannten Troika große Hoffnungen bei den Linksliberalen und Antifaschisten in Bosnien geweckt. Doch ist in den letzten Jahren der bosnische Staat wegen der Kompromisse mit den kroatischen und serbischen Nationalisten immer mehr ausgehöhlt worden.

Gelder für Kulturprojekte wurden zugunsten Projekten mit kroatischem Nationalkitsch gekürzt. Die bislang unterstützte eigenständige bosnische Filmindustrie liegt am Boden. Die serbische Entität hat sich längst verabschiedet, auch aus den gemeinsamen Kulturinitiativen und dem gemeinsamen Fernsehprogramm. Nicht einmal die Einsicht, dass es ja serbische Granaten waren, die auf Sarajevo fielen, wird im serbisch dominierten Teil des Landes kritisch bewertet.

Semezdih Mehmedianovic wird weiterhin für die Rückkehr der Bücher in die Bibliothek und damit für die Identität des Landes eintreten. Es wird sehr schwierig werden, den Kulturkampf gegen die herrschende Geschichtslosigkeit zu führen oder sogar zu gewinnen. Aber für die Rückkehr der Bücher stehen die Chancen eigentlich nicht ganz so schlecht. Denn eine Stimme haben sie jetzt.


Aus: "Kulturkampf um ein Mahnmal des Bosnienkriegs" Aus Sarajevo Erich Rathfelder (27.8.2026)
Quelle: https://taz.de/Die-historische-Bibliothek-von-Sarajevo/!6207318/

Die Vijećnica (serbokroatisch-kyrillisch Вијећница) in Sarajevo ist als ehemaliges Rathaus sowie Sitz der Nationalbibliothek von Bosnien und Herzegowina eines der bekanntesten Gebäude der Stadt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Vije%C4%87nica

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Textaris(txt*bot)

Quote[...] Eine russische Drohne in Form eines Modellflugzeuges fliegt auf eine Tankstelle in der ukrainischen Stadt Saporischschja zu. Doch sie verfehlt ihr Ziel knapp und schlägt in einer Mauer ein. Der fünf Kilo schwere Sprengkopf explodiert und tötet drei Menschen.

Tausende Ukrainer sterben in russischen Angriffen auf Wohnhäuser, Spitäler und zivile Einrichtungen. Doch der Angriff vom 6. Juli auf die Tankstelle sticht hervor. In den Trümmern der Drohne wird westliche Technologie gefunden. Antennen oder eine Funkeinrichtung hatte die Drohne nicht. Das lässt laut ukrainischen Forensikern nur einen Schluss zu: Die tödliche Fracht wurde autonom mit Hilfe Künstlicher Intelligenz ins Ziel gebracht. Die Software wurde so konfiguriert, dass die Drohne gezielt Tankstellen angreift, wie der ukrainische Geheimdienst GUR herausfand.

Laut einer Recherche der New York Times wurde die Drohne so eingestellt, dass sie die Tankstelle ohne menschliches Zutun anfliegt. Über dem Zielgebiet wählte sie auch ihren Einschlagpunkt selbst – und zielte wohl auf Gastanks. Der oft beschworene "Human in the Loop", also der menschliche Entscheider, fehlt.

"Das ist eine Gefahr für die ganze Welt", sagte Oberst Serhiy Minaiev, der Kommandeur der Luftabwehr in Saporischschja. "In ein paar Jahren werden wir in einem 'Terminator'-Film leben. Das ist kein Scherz. Maschinen treffen Entscheidungen über Angriffe."

Möglich macht das westliche Technologie. In den Trümmern wurde ein Jetson Orin Nano gefunden, ein von Nvidia hergestelltes System-on-Module – also ein ultrakompakter Prozessor. Dieser wird hauptsächlich in Robotern und smarten Kameras eingebaut. Aber auch Drohnen nennt Nvidia explizit als Anwendungsbereich. Der Prozessor erkennt die Bilder einer Kamera und kann darauf selbstständig Objekte erkennen.

Diese Technologie macht zum Beispiel die Follow-Me-Funktion ziviler Drohnen möglich, bei der das Fluggerät dem Besitzer folgt. Diese Form der KI-gestützten Bilderkennung lässt sich genau so auch militärisch nutzen – oder für Angriffe auf zivile Infrastruktur.

Russland hat keine Möglichkeiten ähnliche Chips selbst herzustellen.

Der Einsatz einer KI zur Zielerfassung bei dem Angriff auf die Tankstelle ist der erste dokumentierte Fall, in dem zivile Todesopfer durch eine mit einem solchen System ausgestattete russische Drohne gefordert wurden. Laut Kateryna Bondar, Center for Strategic and International Studies in Washington, sei das gefundene Nvidia-Modul der beste Beweis, dass Russland mit autonomer KI experimentiere.

Ähnliche Module wurden bereits in russischen Marschflugkörpern des Typs S-71M "Monochrom" gefunden, wie aus der öffentlichen Datenbank des ukrainischen Geheimdienstes über westliche Bauteile in russischen Waffen hervorgeht. Diese Waffe kann selbstständig nach sich bewegenden Zielen suchen, diese erkennen und angreifen. Auch hier ist keine menschliche Aufsicht nötig. Laut dem militärischen Nachrichtendienst wurden Nvidia-Chips auch in V2U-Drohnen gefunden.

Sowohl Russland als auch die Ukraine setzten bereits zuvor Künstliche Intelligenz in verschiedenen Drohnenmodellen ein. Bei diesen früheren Modellen wurde autonome Technologie nur für die letzte Phase des Angriffs eingesetzt, wo Störmaßnahmen oft die Verbindung zum menschlichen Drohnenpiloten unterbrechen. Vollautonome Künstliche Intelligenz entzieht dem Menschen die endgültige Zielauswahl, heißt es im Bericht der NYT.

Der gefundene Chip war nicht verschlüsselt. Ukrainische Experten fanden darauf Bilder des Geländes, anhand derer die Drohne Orientierungspunkte fand und auf Kurs bleiben konnte.

So viel Hightech in dem Chip steckt, die eingesetzte Molniya-Drohne (dt. Blitz) ist das genaue Gegenteil. Sie zeichnet sich durch die simpelst mögliche Bauweise aus. Sie besteht fast ausschließlich aus Sperrholz und Aluminiumstangen. In frühen Varianten waren Akkus, Motor und der Gefechtskopf noch mit Klebeband fixiert. Ihre Konstruktion ist so einfach, dass sie von Schulkindern zusammengebaut werden kann – was auch nachweislich passiert [https://www.derstandard.de/story/3000000282635/wie-russland-kinder-fuer-den-krieg-missbraucht-mit-einem-videospiel].

Nvidia bestätigte nach der Analyse von Fotos, dass es sich bei den in den russischen Waffen verbauten Komponenten um Minicomputer des Typs "Jetson Orin" handelt. Diese Module kosten nur ein paar hundert US-Dollar, was sie für den Einsatz in Einwegwaffen attraktiv macht.

Nvidia betonte den zivilen Ursprung und Zweck der Technologie. Der Konzern deklarierte den Minicomputer als klassisches Endverbraucherprodukt. Der Einsatz als Steuerungseinheit für tödliche KI-Drohnen sei eine massive Zweckentfremdung.

Auf die entscheidende Frage, wie diese Chips trotz westlicher Sanktionen den Weg in russische Waffenschmieden finden, wies Nvidia jede direkte Verantwortung zurück. Das Unternehmen stellte klar, dass es den Computer zwar weltweit in viele Länder verkaufe, direkte Geschäftskontakte oder Lieferungen nach Russland jedoch strikt ausgeschlossen seien.

Die Stellungnahme hält fest, dass die Minicomputer über ein globales Netzwerk von unabhängigen Wiederverkäufern "weithin" verfügbar sei. Gemeint sind Graumärkte und verschlungene Lieferketten, die es Russland möglich machen trotz Sanktionen westliche Hochtechnologie zu kaufen.

Die russische KI sei gut, aber noch nicht perfekt, sagt Oberst Minaiev. Schließlich hat ein Fehler dazu geführt, dass die Drohne in einer Mauer einschlug und nicht im eigentlichen Ziel. Aber: "Sie suchen nach Fehlern und werden diese beheben."



Aus: "Zielauswahl durch KI: Russland tötet Zivilisten mit autonomen Drohnen" Peter Zellinger (29.8.2026)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/3000000337391/zielauswahl-durch-ki-russland-toetet-zivilisten-mit-autonomen-drohnen

QuoteGrundmanns Joanna

Beim Lesen dieses Textes höre ich noch im Hintergrund wunderschöne Musik.
Die Worte aber, sie prallen an den einzelnen Tönen ab. Es ist bizarr.
Der Text lässt jede Musik verstummen.
Ich stehe auf und drehe die Musik ab.
Jetzt den Text nochmal gelesen.
In den kommenden Stunden möchte ich Stille.
Ich muss nachdenken.
Gehts nur mir so?


QuoteVienna Arch Ultra

KI sollte dem Menschen helfen, kreativ, schöpferisch, klug, weise, menschlich zu sein. Nicht zu töten. ...


QuotePlumbumran

Immer wenn jemand das Adjektiv ,,menschlich" im Sinne von ,,nur gut" verwendet, muss ich den Kopf schütteln. Der Mensch ist zu allem fähig. Zu herausragenden Leistungen zum Wohle der Menschheit. Zu Altruismus bis hin zur Selbstaufgabe. Aber auch zu abgrundtiefer Bestialität. Das muss man mal begreifen und verdauen. Und sich dann vor einen Spiegel stellen. Was wird man sehen? Einen Menschen.


QuoteennstalerIn

Schreckliche Vorstellung, was auf die kommenden Generationen zukommt.


QuoteCenotaph

Stimmt früher wurde man wenigstens nur durch Giftgas, Flächenbombardements, Brandbomben oder als Kollateralschaden bei "gezielten" Tötungen mit chirurgischer Präzision ausradiert!
/s


QuoteJulian A

Laut einem Podcast der ARD, ,,Inside Palantir", erfolgt auch für die Ukraine und Israel die Zielauswahl per KI.


Quoteinv8

Ah

Ja und im Artikel steht das auch, Sherlock.


QuoteBertram Pez

Die wesentlich langweiligere Fassung von Terminator: Die autonomen Systeme greifen Länder an und töten immer mehr Meschen, irgendwann greift eine Nation mit Atombomben an, es kommt zum nuklearen Austausch und der fast vollständigen Vernichtung, danach machen die Maschinen einfach weiter, weil es halt ihrer Programmierung entspricht.


Quotetomatensugo

Beide Seiten nutzen solche Technik.
Die Ukraine für Angriffe auf gepanzerte Fahrzeuge, Bomber und Militärlaster, die Russen für automatisierte Kriegsverbrechen.


Quotegruppo anti"schnell"

Es gibt eine Star Trek Next Generation (mit Captain Picard) Folge, wo sie auf einen völlig entvölkerten Planeten gekommen sind. Es hat sich herausgestellt, dass die Bewohner die Entwicklung von autonomen Waffensystemen so perfektioniert haben, sodass diese die Einwohner eliminiert haben.


Quotej oe

Wir hatten schon mal sowas mit der Erfindung der Antipersonenminen. Billig, weltweit millionenfach vergraben, nicht mehr sinnvoll beherrschbar und sie terrorisieren die Zivilbevölkerung. Man sieht ganz einfach immer wieder, dass es noch nicht lange her ist, als der Mensch vom Baum geklettert ist.


QuoteLeider Links

Warum wird Israel in diesem Artikel nicht erwähnt ?
Da werden diese Technologien praktisch angewendet.


QuoteKlemens Orsolics

Weil sich Israel gegen Terror verteidigt.


QuoteMoul

Das was der Bibi inzwischen aufführt, nennen sie "verteidigen"?
Dann tun wohl auch die ZZn die UA "entnazifizieten" richtig?


...

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Die USA und der Iran haben sich erneut gegenseitig angegriffen. Die US-Streitkräfte griffen nach Angaben des zuständigen US-Militärkommandos Centcom mehrere Ziele der iranischen Revolutionsgarde an, darunter Luftabwehrstellungen und Radarsysteme. Der erneute Beschuss sei eine Antwort auf versuchte iranische Angriffe auf Handelsschiffe und US-Ziele in der Region, teilte Centcom mit. Der Iran warf den USA vor, auch zivile Gebiete angegriffen zu haben.

Iranische Staatsmedien berichteten über Explosionen in mehreren Regionen des Landes. Davon betroffen sein sollen die Insel Gheschm und die Großstadt Bandar Abbas an der Straße von Hormus sowie weiter im Osten der Raum Konarak und die Hafenstadt Tschahbahar. Darüber hinaus wurden Explosionen von der im Persischen Golf liegenden Insel Lavan gemeldet. Medienberichten zufolge wurden auf einer Hochzeitsfeier im Raum Sirik vier Menschen getötet. Mehr als 50 Menschen seien verletzt worden.

Die iranische Revolutionsgarde flog nach den US-Angriffen mehrere Angriffe in der Golfregion. Wie die Streitkräfte in Kuwait und Bahrain mitteilten, wehrten beide Golfstaaten mehrere Drohnenangriffe aus dem Iran ab. Dabei seien Explosionen zu hören gewesen. Auch Jordanien ist in der Nacht unter iranischen Beschuss geraten. Dort wurden laut der staatlichen Nachrichtenagentur Petra mehrere ballistische Raketen abgefangen. Nach iranischen Angaben wurden auch US-Ziele im Irak angegriffen.

Die Ölpreise legten angesichts der Zuspitzung der Lage im Nahen Osten deutlich zu. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Referenzsorte Brent aus der Nordsee kletterte zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit rund zweieinhalb Monaten (95,44 Dollar). Auch der Gaspreis stieg nach der jüngsten Eskalation an. In der Nacht zum Montag hatte es erstmals seit Ende Juli wieder gegenseitige Angriffe zwischen dem Iran und den USA gegeben.

US-Präsident Donald Trump drohte dem Iran zudem für den Fall einer Vergeltungsaktion mit einer Ausweitung der Angriffe. »Sollte die gescheiterte Nation Iran auf diesen völlig gerechtfertigten Angriff reagieren, wird sie erneut noch viel härter und in größerem Umfang getroffen werden«, sagte er. Später in der Nacht äußerte er sich gleichgültig über mögliche Verhandlungen mit dem Iran. »Es könnte mir nicht egaler sein, ob sie ein für sie wertloses Abkommen unterzeichnen«, schrieb er in sozialen Medien.


Aus: "USA und Iran greifen sich gegenseitig an" (2. September 2026)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2026-09/usa-iran-angriffe-strasse-von-hormus-revolutionsgarden-donald-trump

QuotePrivatier_Casimir

"Sie sind militärisch völlig besiegt, ..." Donald Trump

Es mutet ein wenig seltsam an, das ein völlig besiegtes Land weiterhin andere Länder beschießt und die Straße von Hormus de facto schließt.


Quotezu_wenig_schlaf

Liebe Zeit-Redaktion, sollte die Überschrift nicht lauten "USA greifen erneut den Iran an. Dieser reagiert"?


QuoteSevro au Barca
vor 4 Stunden

"Krieg im Iran" statt Angriffskrieg gegen den Iran

"Gegenseitige Angriffe" statt Angriffe durch USA, und Reaktion von Iran

Die Formulierungen sind und bleiben ... aussagekräftig.


QuoteR.Eress

"Der Iran beschiesst die Golfstaaten"

Oder beschießt er die amerikanischen Stützpunkte im Nahen Osten.
Will der Iran dem arabischen Volk schaden? Stehen diese Menschen überhaupt hinter dem Krieg gegen den Iran?
Ich würde gerne etwas über die Stimmung der Menschen im Nahen Osten erfahren.


QuoteAlbert Rand

"Ich würde gerne etwas über die Stimmung der Menschen im Nahen Osten erfahren."

Dann googeln Sie mal "Sunniten und Schiiten".


Quoteranzbanz

Der Iran ist nicht arabisch [Der Iran ist ein persischer Staat]


QuoteDer Maikäfer

Trump ist so ein Friedensengel und Gewinnertyp, dass er jede zweite Woche abwechselnd Frieden schließt und dann wieder den Krieg gewinnt.


QuoteDie weissen Tauben sind müde

Ja, das treibt seine interne Statistik hoch über die Anzahl der Kriege, die er vermeintlich beendet hat.
Irankrieg ist auf Nr. 1 mit aktuell 7 Beendigungen. Können auch 9 sein, je nach Zählweise. Kommen laufend welche hinzu.
Also wenn das die Mitglieder des Friedensnobelpreiskomitees nicht beeindruckt, weiß ich auch nicht...


QuoteHandarbeit

Ich hege absolut null Sympathien für den Iran, würde aber für eine einheitliche Nomenklatur plädieren (die haben wir ja lange genug mit Russland-Ukraine geübt):

,,USA und Iran greifen sich gegenseitig an" heißt leider korrekt ,,Iran verteidigt sich gegen den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA"

Sry


QuoteCafé Wichtig Ecke 103

    USA und Iran greifen sich gegenseitig an

    Das US-Militär hat den Iran angegriffen, die Führung in Teheran antwortet mit Beschuss auf Golfstaaten.

Die zwei Schlagzeilen passen nicht zusammen. Jordanien, Bahrain und Kuweit sind nicht die USA.


...

Textaris(txt*bot)

Quote[...] Die Bundesregierung beschuldigt Russland, Drahtzieher des Vorfalls auf dem Flughafen zu sein. Nach Strafmaßnahmen aus Berlin will auch Brüssel reagieren. Der Kreml droht Deutschland mit ,,einem direkten Schlag".

Die schweren Spannungen zwischen Berlin und Moskau haben sich infolge des gescheiterten Angriffs mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle nochmals deutlich verschärft. Die Regierung von Machthaber Wladimir Putin in Moskau muss zudem mit einem umfassenden neuen Sanktionspaket der Europäischen Union rechnen. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas und mehrere Mitgliedstaaten bestellten ferner russische Diplomaten ein.

Kallas sagte bei Beratungen der EU-Außenminister in Irland, es liefen bereits Vorbereitungen, um 1600 weitere Personen und Unternehmen mit Verbindungen zum militärisch-industriellen Komplex Russlands mit Strafmaßnahmen zu belegen. Möglicherweise würden noch weitere hinzukommen.

Die Arbeiten an dem Sanktionspaket hatte Kallas bereits im August angekündigt, also bevor Deutschland Russland öffentlich verantwortlich machte. Es soll auch die russische Kriegsführung gegen die Ukraine weiter erschweren.

Zum Drohnen-Vorfall in Leipzig und dem Vorwurf der Bundesregierung gegen Russland sagte Kallas, alle Mitgliedstaaten stünden hinter Deutschland. ,,Ich denke, genau diese geschlossene Reaktion brauchen wir", sagte sie. Was in Leipzig vorgefallen sei, weise alle Merkmale von staatlich unterstütztem Terrorismus auf.

Die Sprengstoff-Drohne war am Abend des 4. August im Sicherheitsbereich des Flughafens zwischen ukrainischen Antonov-Frachtmaschinen entdeckt worden. Eine weitere Drohne sowie Sprengstoff wurden später auf einem Feld in Kabelsketal (Saalekreis) in Sachsen-Anhalt entdeckt.

Außenminister Johann Wadephul wies Vorwürfe von Putin zurück, Deutschland habe aus wahltaktischen Gründen Beweise gefälscht. ,,Das Gegenteil ist richtig", sagte der CDU-Politiker in Irland. ,,Wenn man wahltaktisch gedacht hätte, hätte man das vielleicht vermieden, weil es natürlich gerade in den Wahlkämpfen in Ostdeutschland zu vielen Diskussionen führt", ergänzte er.

,,Wir haben uns fundiert eine Meinung und ein Urteil gebildet und haben daraus die Konsequenzen gezogen." Moskau habe eskaliert und den hybriden Angriff gestartet. ,,Und Russland muss jetzt mit diesen Konsequenzen leben", sagte Wadephul.

Putin bezeichnete die deutschen Strafmaßnahmen gegen sein Land als ,,schweren Fehler". Die Reaktion der Bundesregierung um Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sei vor allem innenpolitisch motiviert.

,,Merz hat das Vertrauen der Bürger verloren, da er die nationalen Interessen Deutschlands nicht schützt", sagte Putin nach dem Gipfeltreffen der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO). Die Zukunft der derzeitigen politischen Spitze Deutschlands stehe bei den kommenden Wahlen aufgrund der wirtschaftlichen Probleme auf dem Spiel.

Das Außenministerium in Moskau kündigte Gegenmaßnahmen an. Der Vizechef des russischen nationalen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, drohte Deutschland: ,,Sie verdienen einen direkten Schlag gegen alle deutschen Produktionsstätten für Militärtechnik", schrieb der für seine scharfen Äußerungen bekannte Kremlpolitiker bei Telegram. Gemeint seien Rüstungsbetriebe, die für die Ukraine arbeiten – und ,,durchaus auch einige andere Orte in Berlin".

Auch Medwedew warf den deutschen Behörden vor, den Angriff auf dem Flughafen erfunden zu haben. Beweise gebe es nicht, betonte der russische Ex-Präsident. Medwedew beschimpfte die ,,derzeitige deutsche Führung" als ,,neonazistisch" und ,,extrem russophob". Russland sehe den Fall als eine ,,Provokation", die den Interessen der Ukraine diene.

Am späten Dienstagnachmittag hatten Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) und Wadephul Russland für den Drohnen-Vorfall verantwortlich gemacht und Strafmaßnahmen angekündigt.

Dazu zählen die Schließung des Russischen Hauses in Berlin – das Kulturinstitut steht im Verdacht, als Tarnung für Spionagezwecke zu dienen – und des Generalkonsulats in Bonn sowie die damit verbundene Ausweisung zahlreicher Diplomaten. Zudem soll es verschärfte Einreisekontrollen für Russen sowie ein härteres Vorgehen gegen die russische Schattenflotte geben.

Tatmittel wie Drohnenkonfigurationen und Sprengstoff seien aus anderen Angriffen Russlands bekannt, sagten die Minister zur Begründung. Die Ausführung sei sogenannten Low-Level-Agenten, auch ,,Wegwerf-Agenten" genannt, zuzuordnen. Dobrindt verwies auf polizeiliche Ermittlungen und nachrichtendienstliche Erkenntnisse.

Die Bundesanwaltschaft sprach nach dem Vorfall in Leipzig von einem ,,schwerwiegenden Angriff auf die Transport- und Logistikinfrastruktur in Deutschland". Ermittelt wird wegen des Verdachts des versuchten Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion und des gefährlichen Eingriffs in den Luftverkehr.

Informationen der ,,Zeit" zufolge ermittelt der Generalbundesanwalt seit Mitte August gegen zwei Beschuldigte. DNA-Spuren führten nach Litauen, Finnland und Polen.

In Brüssel wird sich der Nato-Rat auf deutsche Initiative mit dem gescheiterten Anschlag befassen. Bei einer Tagung auf Botschafterebene werde es eine Aussprache über die wachsende hybride Bedrohung durch Russland geben, heißt es aus deutschen Regierungskreisen. Artikel 4 des Nato-Vertrags will die Bundesregierung aber nicht ziehen. Er sieht Beratungen der Verbündeten vor, wenn sich ein Nato-Staat für von außen gefährdet erklärt.

Der Artikel wurde seit Gründung des Bündnisses 1949 nur neunmal in Anspruch genommen, dreimal seit dem von Russland begonnenen Angriffskrieg gegen die Ukraine – aber bislang nie von Deutschland.

Beim EU-Treffen in Irland wird auch die weitere Unterstützung der Ukraine im Abwehrkampf gegen Russland eine zentrale Rolle spielen.

Neben der Luftverteidigung geht es um die Vorbereitung auf den kommenden Winter und den Schutz der Energieversorgung, um ukrainische Getreideexporte sowie um die Finanzierung weiterer Hilfen und die mögliche Nutzung eingefrorener russischer Vermögenswerte. (mit Agenturen)


Aus: "Drohnenangriff auf Leipziger Flughafen: Putin bezeichnet deutsche Reaktion als ,,schweren Fehler" und geht Merz an"
Sven Lemkemeyer, Daniel Dörffler, Benjamin Reuter (02.09.2026)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/drohnenangriff-auf-leipziger-flughafen-putin-bezeichnet-deutsche-reaktion-als-schweren-fehler-und-geht-merz-an-16005949.html