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[Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Notizen)... ]

Started by lemonhorse, October 08, 2008, 04:05:12 PM

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"Sexuelle Übergriffe auf Frauen und Mädchen: Belästigt, attackiert, vergewaltigt – Chronik eines Gewaltjahres" Daniel Erk Alexander Forsthofer (22.06.2023)
Die MeToo-Debatte thematisiert nur einen Teil des Problems. Die Polizeiberichte zeigen: Täglich verüben Männer sexuelle Attacken. Eine Dokumentation der unablässigen Frauenverachtung. ... Wer die alltäglichen Übergriffe auf Frauen verstehen will, wird in den Großdebatten nicht fündig – aber in den Polizeiberichten. Der Tagesspiegel hat Dutzende Fälle aus ganz Deutschland seit Jahresbeginn zusammengetragen. Sie zeigen einen Bruchteil der sexuellen Gewalt gegen Frauen und Mädchen, die in diesem Land jeden Tag von Männern begangen wird. ...
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/sexuelle-ubergriffe-auf-frauen-und-madchen-belastigt-attackiert-vergewaltigt--chronik-eines-gewaltjahres-10020628.html

QuoteKonfettispaghetti
24.06.23 19:41

Das Ausmaß ist schockierend.

Interessant wäre, wie funktionierende Gewaltprävention bei der Erziehung von Jungen aussieht. Darüber hört man wenig.


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Quote[...] Die in Afghanistan herrschenden Taliban haben einem Bericht des Nachrichtensenders TOLOnews zufolge die landesweite Schließung von Schönheitssalons angeordnet. Eine Begründung für die Schließung liefern die militanten Islamisten nicht. Die Lizenzen werden laut dem von TOLOnews und anderen afghanischen Medien veröffentlichten Dekret im kommenden Monat jedoch ablaufen.

Für viele Frauen sind Schönheitssalons eine der wenigen verbliebenen Verdienstmöglichkeiten, zumal viele Frauen aufgrund der herrschenden Wirtschaftskrise zudem Haupternährerinnen ihrer Familien sind. "Unsere Männer haben keine Arbeit", sagte eine Kosmetikerin TOLOnews. "Ich weiß nicht, was wir tun sollen, wenn sie diesen Ort schließen."

Seit ihrer Machtübernahme im August 2021 haben die Taliban die Rechte und Teilnahme von Frauen am öffentlichen Leben immer weiter eingeschränkt. Mittlerweile sind sie aus einem Großteil der Berufe verdrängt, sie dürfen Universitäten und höhere Schulen nicht mehr besuchen.

Nicht alle Ankündigungen der Taliban werden in der Praxis gleichermaßen streng umgesetzt. So laufen vor allem in der Hauptstadt Kabul viele Frauen entgegen der geltenden Anordnung mit unbedecktem Gesicht durch die Straßen. Auch blieben nach der offiziellen Schließung von höheren Mädchenschulen eine Reihe von Privatschulen für ältere Schülerinnen offen.


Aus: "Taliban ordnen Schließung von Schönheitssalons an" (4. Juli 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2023-07/afghanistan-taliban-frauen-schoenheitssalon-arbeit


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Quote[...] Im Jahr 2022 gab es 157.550 Menschen, die von ihren Partnern angegriffen wurden – ganz überwiegend Frauen. Auch die Zahl der Sexualdelikte stieg stark an.

Es sind alarmierende und schockierende Zahlen: Die Fälle häuslicher Gewalt in Deutschland haben im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Wie die ,,Bild am Sonntag" (,,BamS") berichtet, registrierten die Behörden dem Bundeskriminalamts (BKA) 157.550 zufolge Fälle von Gewalt in Partnerschaften. Das entspricht im Schnitt 432 Fällen pro Tag.

Im Jahr 2021 waren es noch 144.044 Fälle gewesen, der Anstieg beträgt 9,4 Prozent. Rund 80 Prozent der Opfer waren demnach Frauen, 78 Prozent der Tatverdächtigen waren Männer. 40 Prozent der Täter waren Ex-Partner, 60 Prozent aktuelle Partner.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) forderte ein strikteres Vorgehen bei Gewaltfällen in der Partnerschaft. ,,Gewalttäter dürfen nicht schnell wieder vom Radar verschwinden. Sie müssen nach dem ersten gewaltsamen Übergriff aus der Wohnung verwiesen werden", sagte Faeser der ,,BamS".

Dies müsse zudem konsequent kontrolliert werden, damit Täter nicht schnell wieder zurückkehren. ,,Jede Betroffene muss sich sicher fühlen können vor erneuter Gewalt", betonte sie.

Noch krasser sind die Zahlen bei Vergewaltigungen, sexueller Nötigung und bei sexuellen Übergriffen: Hier gab es einen Anstieg um 20 Prozent.

Faeser will deshalb das Bewusstsein in der Gesellschaft ändern: ,,Keine Frau darf sich schämen, Gewalttäter anzuzeigen. Wir müssen helfen, das Schweigen zu brechen. Gewalt an Frauen ist kein Frauenproblem (...) und darf nicht als privates Schicksal abgetan werden", sagte die Bundesinnenministerin.

Faeser, Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) und der Präsident des Bundeskriminalamts (BKA) Holger Münch stellen am Dienstag in Berlin das bundesweite Lagebild zum Thema häusliche Gewalt vor. (lem)


Aus: "Mehr als 430 Opfer pro Tag: Polizei meldet fast zehn Prozent mehr Fälle häuslicher Gewalt" (09.07.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/mehr-als-430-opfer-pro-tag-polizei-meldet-fast-zehn-prozent-mehr-falle-hauslicher-gewalt-10116358.html

QuotecontrolX
09.07.23 11:41

Es sind beängstigende Zahlen, die einen weiterhin sprachlos machen! Was ist nur in der Gesellschaft los in diesem Lande? Gewalt, Nötigung, sexuelle Übergriffe an Frauen und an Kindern, es geht durch alle Schichten der Gesellschaft, vom Sozialhilfeempfänger bis hin zum Bankdirektor und Manager. Gewalt an Frauen und hilflosen Personen ist salonfähig geworden. Es gibt keine Grenzen- und keine moralischen Schranken mehr, alles ist erlaubt. Unterdrückte Aggressionen wie Wut, Hass, Eifersucht usw. die Schleusen der Gewalt sind geöffnet! Corona hat offenbar noch den Rest gegeben, dass die Zahlen weiterhin in die Höhe schnellen und die Gewalt in Partnerschaften zugenommen hat. Frauen haben leider zu viel Angst den eigenen Partner polizeilich anzuzeigen, um nicht die Schraube der Gewalt weiterhin anzuheizen. Die Frauenhäuser in Deutschland sind zudem überfüllt, wohin Frauen mit ihren Kindern aus zerütteten Partnerschaften hin fliehen können.


QuoteAllenamensindvergeben
09.07.23 11:55

Im Prinzip muss ab den Kindergarten in regelmäßigen Abständen verpflichtend entsprechendes Programm geben. Anti Gewalt Training, immer wieder die eigene Männlichkeit und Rollenverständniss reflektieren, Konflikt und Streit Kultur üben, usw.


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https://www.zeit.de/gesellschaft/2023-07/haeusliche-gewalt-bka-statistik-frauen

Quotehappylotti

Würde mich mal interessieren, wie sich patriachale Denkmuster in der Gesellschaft in den letzten 30 Jahren entwickelt haben. Putin, Erdogan und Trump geben schon mal einen Vorgeschmack auf die Verharmlosung von ehelicher Gewalt und Selbstbestimmungsrechten für Frauen vom rechten und autokratischen Rand.


Quotena-also

Erschütterndes Bild unserer "Wohlstandsgesellschaft"; scheint in eine Prügelgesellschaft abzudriften. ...


Quotealemassi
vor 1 Stunde

Aus der kriminalistischen Auswertung des BKA 2021:

"Bei aufsteigender Sortierung der Altersklassen nimmt der prozentuale Anteil männlicher Tatverdächtiger sukzessive zu

21 J.: 67,1 %
21<25 J.: 74,0 %
25<30 J.: 77,9 %
30<40 J.: 79,0 %
40<50 J.: 81,0 %
50<60 J.: 82,3 %
ab 60 J.: 83,7 %"

"Bei 40,4 % der registrierten Tatverdächtigen handelte es sich um den ,,ehemaligen Partner""

Man sieht deutlich, dass das Problem in der Regel Männer sind. Nicht selten eifersüchtige Männer, die sich wohl noch "rächen" wollen. Aber die Probleme, die eine patriarchale Gesellschaft mit sich bringt, werden permanent bagatellisiert und verleugnet.

"Jeden dritten Tag stirbt eine Frau durch Gewalt ihres Partners oder Ex-Partners."


QuoteHe_cate

In 6 von 7 Partner*innenschaften habe ich Gewalt erfahren, in 3en sogar körperliche. Mir ist wichtig zu betonen, dass es sich bei den Gewaltausübenden um weiße, deutsche Cis-Männer handelte, allesamt mit akademischem Abschluss, gut bezahltem Arbeitsverhältnis und aus stabilen Familienverhältnissen kommend. Sie alle waren der Ansicht, dass ich mich als Frau unterzuordnen und weniger Rechte und ganz bestimmte Pflichten habe. Die Gewalt habe ich erfahren, weil ich diese Rolle nicht akzeptiert und versucht habe, daraus auszubrechen oder meine vermeintliche Pflichten nicht zur Zufriedenheit dieser Männer erfüllt habe.

Es reicht also nicht, vielleicht Geld in sog. Schutzräume zu investieren - vor allem müssen sich die traditionellen Rollenbilder ändern und primär das hegemonial Männliche, was die Akzeptanz von Gewaltanwendung durch Männer schon mit sich bringt. Was aus meiner Sicht gar nicht mehr akzeptabel ist, ist von Frauen* zu erwarten, dass sie ihr Verhalten an diese Zustände anpassen. Bringt den Männern bei, sich respektvoll und emphatisch gegenüber allen Menschen zu verhalten. Menschenrechte gelten auch losgelöst vom Geschlecht.

Faesers Idee, btw, ist auch wieder so ein Ding - Betroffene werden von der Polizei oft nicht ernstgenommen, demnach bleibt diese tatenlos, nicht selten, bis es zu spät ist. Gerichte, die über Näherungs- und Kontaktverbote entscheiden sollen, handeln nicht weniger ignorant und passiv.


QuoteGEWALTistDUMMHEIT

An dieser Entwicklung sieht man, dass die Dummheit Deutschlands Bestand hat. Vor allem wäre hier Aggressionsbewältigung für viele Menschen wichtig. Zudem kommt, dass vielen Menschen anscheinend nicht bewusst ist, dass sich durch Gewalt kein positives Ergebnis herleiten lässt, schlechtestenfalls wird Gegengewalt erzeugt


QuoteMartin aus Wien

Der Staat hat hier eine Verantwortung:

,,Doch die Bundesregierung kann den Standard, der (...) vorgeschrieben ist, bei weitem nicht erfüllen. Rund 6.800 Frauenhaus-Plätze gibt es hierzulande, es fehlen - je nach Lesart - mindestens weitere 14.000."

https://amp.zdf.de/nachrichten/panorama/frauenhaus-gewalt-frauen-schutz-100.html


QuotePittigrill

Wundert es jemanden, wir machen weltweit derzeit einen Schritt nach dem anderen zurück in die Vergangenheit.

Die Rechten präferien die Frau als Hausfrau und "Gebärmaschine" verweigern ihnen die Selbstbestimmung über den eigenen Körper, wollen Alleinerziehende von den Sozialleistungen ausgrenzen. ( siehe Parteiprogramm der AFD, Freie Wähler, NPD)

Im Iran werden Frauen, nur weil sie dem Patriachat nicht mehr gehorchen wollen brutal niedergeschlagen oder vergiftet ( Schülerinen), in Afghanistan werden Frauen wieder von Bildung ausgeschlossen, in den USA wird von der GOP alles gemacht um die Frauen in Abhängigkeiten ihrer Männer zuhalten, indem man ihnen das Recht auf ihren Körper verwehrt usw.

Im Internet verbreiten sich die Incels, die mit Vorliebe Frauen beleidigen und beschimpfen

Man bekommt den Eindruck, Frauen zu diskreditieren ist Gesellschaftsfähig geworden, siehe die Shitstorms gegen Politikerinen oder andere Frauen die sich für Klima, Gleichberechtigung usw. einsetzen


QuoteWilliam S. Christ

Viele Männer begründen ihr Handeln damit, dass sie sich Respekt verschaffen wollten.
Ich habe dazu eine glasklare Ansicht: wenn du Frauen schlagen musst, um Respekt zu bekommen, verdienst du keinen Respekt!


Quotelone wolf

Erschreckend. Was für armselige Würstchen sind diese "Männer", die meinen ihre Frauen schlagen zu dürfen?
Immer öfter, schäme ich mich für meine Geschlechtsgenossen.


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Quote[...] Tiflis – Hunderte ultrakonservative Nationalisten haben in der Südkaukasusrepublik Georgien ein Pride-Festival für Toleranz gestürmt und dort schwere Verwüstung angerichtet. Sie verbrannten Regenbogenfahnen, Plakate und andere Gegenstände in der Hauptstadt Tiflis (Tbilissi). Die Organisatoren machten am Sonntag das Innenministerium verantwortlich für den fehlenden Polizeischutz bei der angemeldeten Veranstaltung. Die Vertretungen der EU und der USA verurteilten die Gewalt.

Es gab demnach schwere Schäden an Ständen und einer Veranstaltungsbühne. Die Veranstaltung musste am Samstag abgebrochen werden, nachdem die Angreifer die Bühne zerstört und Regenbogenflaggen verbrannt hatten, wie eine der Organisatorinnen am Samstag vor Journalisten sagte.

Georgische Medien berichteten, dass die Angreifer verschiedener rechter Organisationen schwulenfeindliche Parolen gerufen und die Umzäunung der Festes durchbrochen hätten. Auch Geistliche der georgisch-orthodoxen Kirche beteiligten sich demnach an einem Protestmarsch, der zunächst friedlich begonnen hatte. Das Fest hatte der Abschluss einer Woche mit verschiedenen politischen, kulturellen und wissenschaftlichen Veranstaltungen werden sollen. Verletzt wurde laut Polizei niemand.

In einer Erklärung beschuldigten die Organisatoren der Tifliser Pride-Woche die Regierung der Komplizenschaft mit gewalttätigen Anti-LGBTQ-Gruppen. Der Angriff sei "im Voraus koordiniert und mit dem Innenministerium abgesprochen" gewesen.

Das Innenministerium erklärte dagegen, den rechtsextremen Demonstranten sei es gelungen, Polizeiabsperrungen zu umgehen und den Veranstaltungsort zu erreichen. Mehrere Angreifer seien festgenommen worden, berichtete die Nachrichtenagentur Interpress.

Präsidentin Salome Surabischwili schrieb auf Twitter, die von der Verfassung garantierten Freiheiten auf Versammlung und freie Meinungsäußerung seien verletzt worden. Die Sicherheitskräfte hätten versagt, das Pride-Festival zu schützen. Sie seien auch nicht gegen die Gewalt eingeschritten, kritisierte die prowestliche Staatschefin, die selbst kaum Machtbefugnisse hat. Die Regierung müsse dafür sorgen, dass Veranstaltungen wir das Pride-Festival in Sicherheit stattfinden können. "Rede- und Versammlungsfreiheit sind Grundrechte, deren Verletzung nicht hinnehmbar ist."

Sie wirft der Regierung immer wieder prorussische Tendenzen vor. Offiziell strebt das Land in die EU. Kritiker beschuldigen die Regierung seit langem, homophobe und nationalistische Gruppen stillschweigend zu unterstützen. Im Jahr 2019 verbrannten Hunderte rechtsextreme Aktivisten in Tiflis Regenbogenflaggen, um gegen die Vorführung eines für den Oscar nominierten Films über Homosexuelle zu protestieren.

2013 hatten Tausende ultrakonservativer Anhänger der orthodoxen Kirche eine Kundgebung in Tiflis anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie gestört. Die Aktivisten mussten in von der Polizei bereitgestellte Busse steigen, um der wütenden Menge zu entkommen. Georgien gilt als sehr konservatives Land, die orthodoxe Kirche ist äußerst mächtig. Homosexualität wurde im Jahr 2000 entkriminalisiert.

Die EU-Botschaft in Tiflis zeigte sich "enttäuscht". "Diejenigen, die zu Gewalt aufrufen und Gewalt ausüben, müssen vor Gericht gestellt werden", teilte die Vertretung bei Twitter mit. Die US-Botschaft appellierte an die georgische Regierung, die grundlegenden Menschenrechte aller Georgier zu schützen. Es sei undemokratisch, Gewalt und Einschüchterung einzusetzen, um andere Ansichten zum Schweigen zu bringen. "Das läuft Georgiens Geschichte von Toleranz, Mitgefühl und Pluralismus zuwider." (APA, 9.7.2023)


Aus: "Rechtsextreme verwüsteten Pride-Veranstaltungsort in Georgien" (9. Juli 2023)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000178110/demonstranten-verw252steten-pride-veranstaltungsort-in-georgien

Quoter.b.diff

Einwirkung von Religion ist schlimmer als harte Drogen ....


Quoteninjagulbi

Niemand kann sich aussuchen queer zu sein, aber man kann jeden Tag die aktive Entscheidung treffen kein Arschloch zu sein.


QuoteKBBerger

Da haben es die georgischen Normalen den Extremisten aber wieder einmal so richtig gezeigt.


QuoteSchwupp di Wupp

'Gesundes' Volksempfinden?


QuoteHerbyDerby

Wenn jemand das "gesunde Volksempfinden" und die "Normalität" beschwört, sollten bei einigermaßen kritischen Zeitgenossen die Alarmglocken schrillen.
Soll doch jede/r so leben, wie er/sie es will, solange niemand dadurch zu Schaden kommt.
Auch in Österreich gibt es Politiker/Politikerin, die vom "gesunden Hausverstand" und "nornal" und "nicht normal" daherschwurbeln.


Quoteyoghurtinator

Na, Rechtsextreme sind jetzt nicht gerade für ihre Toleranz gegenüber Homosexuellen bekannt. Dass einige von denen selber (insgeheim) schwul ist, ist eine ganz andere Geschichte.


QuoteToerk Hvijed

Nationalistischer Chauvinismus, gepaart mit radikaler Auslegung irgendeiner Religion, war schon immer Garant für Hass, Wut, Gewalt und Schlechtmenschentum.


QuoteSelfmadedilettant

Homosexualität wurde im Jahr 2000 entkriminalisiert.
D. h. Anno 2000 hat dieses Land pro forma das Mittelalter hinter sich gelassen.


Quotemond / möndin

Kultivierter, demokratischer Austausch auf Augenhöhe


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Quote[...] Auf Mallorca müssen sich Polizei und Justiz erneut mit einer mutmaßlichen Gruppenvergewaltigung beschäftigen: Nur einen Monat nach der Einweisung von fünf Urlaubern aus Deutschland in Untersuchungshaft hat eine Ermittlungsrichterin wieder sechs Touristen wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung einer jungen Frau ins Gefängnis geschickt. Betroffen seien fünf Franzosen und ein Schweizer, die alle Anfang 20 seien, teilte ein Polizeisprecher in der Insel-Hauptstadt Palma mit. Nach einem Bericht der Regionalzeitung ,,Última Hora" wurde die Untersuchungshaft bereits am Dienstagabend angeordnet.

Die Beschuldigten sollen das Opfer bei einer Party in der britischen Urlauberhochburg Magaluf südwestlich von Palma kennengelernt haben. Die 18-jährige Britin sei den bisherigen Erkenntnissen zufolge am frühen Montagmorgen zunächst freiwillig ins Hotelzimmer der Gruppe gegangen, hieß es. Dort soll sie allerdings gegen ihren Willen zum Sex gezwungen worden sein. Wenig später seien die mutmaßlichen Täter festgenommen worden. Die Tat sei von den mutmaßlichen Tätern gefilmt worden.

Unterdessen laufen in Palma die Ermittlungen gegen die fünf jungen Männer aus Nordrhein-Westfalen weiter, die wegen des Vorwurfs der Gruppenvergewaltigung Mitte Juli in U-Haft genommen worden waren. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur kommen sie aus dem Märkischen Kreis im Sauerland. Die Touristen im Alter zwischen 21 und 23 Jahren werden beschuldigt, eine noch jüngere Urlauberin aus Deutschland im Hotel zum Sex gezwungen oder tatenlos zugeschaut zu haben. Ein sechster Angehöriger der deutschen Freundesgruppe war freigekommen. (dpa)


Aus: "Nach Party in Magaluf: Erneut mutmaßliche Gruppenvergewaltigung auf Mallorca" (17.08.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/polizei-justiz/nach-party-in-magaluf-erneut-mutmassliche-gruppenvergewaltigung-auf-mallorca-10322749.html

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Quote[...] Die Youtuberin SheraSeven verspricht ein Leben in Luxus, ohne arbeiten zu müssen. ... [Sie] verspricht ein Leben in Luxus, ohne arbeiten zu müssen. Die Methode: Such dir einen reichen Mann, sorge dafür, dass er dir zu Füßen liegt. Dann nimm ihn aus, lass ihn alles zahlen. Du selber tust: nichts. Zahlt er nicht mehr, suchst du dir einen neuen. Dazu gibt es noch eine Anleitung darüber, wo du so einen Mann findest, wie du ihn emotional manipulierst und wie du anschließend das ,,soft life", mit den Hauptbestandteilen Freizeit und Spa, genießen kannst.

Die Idee ist so toxisch, dass Accounts wie der von Shera auch als ,,weiblicher Andrew Tate" bezeichnet werden. Wer ihn nicht kennt: Tate ist ein frauenfeindlicher, chauvinistischer Influencer. Beide propagieren eine Beziehung, in der ein ,,Alpha-Mann" das Geld ranschafft, während die Frau zu Hause sitzt und nur dafür da ist, schön auszusehen. Mit dem feinen Unterschied, dass Shera noch nicht empfohlen hat, einem Mann, der sich weigert zu zahlen, ein paar Ohrfeigen zu verpassen, um ihn an seinen Platz zurückzuverweisen.

Bei Tate geht es um Macht, bei SheraSeven ums Geschäft, denn nichts anderes ist für sie und ihre Followerinnen eine Beziehung. Deshalb ist sie Finanzberaterin, nicht Dating-Coach.

Ihre Inhalte produziert sie bereits seit etwa acht Jahren. Den plötzlichen Erfolg auf Tiktok feiert sie, weil ihre Videos inhaltlich an Dating-Ratschläge für junge heterosexuelle Frauen anknüpfen. Gerade beim Dating zeigt sich, dass es eine Diskrepanz zwischen den Erwartungen von Männern und Frauen an eine Partnerschaft gibt. Während sich Frauen finanziell unabhängig gemacht haben, gleichberechtigte Partnerschaften nicht nur wollen, sondern diese auch einfordern, weigern sich viele Männer, ihren Anteil zu einer Beziehung beizusteuern. Das frustriert ungemein, aber glücklicherweise müssen Frauen sich damit nicht mehr zufriedengeben, sondern können einfach gehen. ,,Heute ist ein guter Tag, ihn sitzen zu lassen", ist ein beliebter Ratschlag auf Tiktok, oder: ,,Männer enttäuschen dich sowieso, also sieh zu, dass du wenigstens etwas davon hast". Wer ,,etwas davon haben" durch ,,Geld dafür bekommen" ersetzt, landet schnell bei Sheras toxischen Beziehungsmustern.

Einen entscheidenden Punkt lässt die Finanzberaterin aber aus: Nie macht sie klar, wie prekär die Situation von Frauen ist, die sich finanziell von einem Mann abhängig machen. Kein Wort darüber, was es bedeutet, falls der Mann sich trennt, weil er unter einer Beziehung etwas anderes versteht, als ein Portemonnaie auf zwei Beinen zu sein. Denn die Macht in dieser Beziehung hat am Ende immer noch derjenige, der das Geld in der Hand hat.

Natürlich hat es kein Mann verdient, nur danach bewertet zu werden, was er verdient. Aber schuld an dieser Bewertung ist nicht SheraSeven, sondern das Patriarchat. Euch darüber beschweren, liebe Männer, dürft ihr also nur, wenn ihr euren Teil der Care-Arbeit leistet.


Aus: "Toxisches Tiktok: So nimmt man Männer aus" Alina Saha (Ausgabe 35/2023)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/alina-saha/toxisches-tiktok-so-nimmt-man-maenner-aus

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Eva Marburg @eva_marburg
Wichtige Doku auf @ARTEde  über Sexismus im Kino. Stellt die Frage, was die Bilder und Konstruktionen des Male Gaze eigentlich schon ein Leben lang mit einem machten. ...
11:08 vorm. · 21. Sep. 2023
https://twitter.com/eva_marburg/status/1704784743487701130

"Brainwashed - Sexismus im Kino"
Die Frau im Film: stets schön und sexy - für den "männlichen Blick" geschaffen und zum sexuellen Objekt degradiert. Wie sehr war und ist die Darstellung von Frauen im Film durch den "Male Gaze" geprägt? Der Dokumentarfilm führt vor Augen, wie die Bildsprache des Kinos die Frau zum sexuellen Objekt macht und wie dies die gesellschaftliche Wahrnehmung von Frauen manipuliert.
Regie: Nina Menkes Land: USA (Jahr: 2022)
https://www.arte.tv/de/videos/110260-000-A/brainwashed-sexismus-im-kino/


"Brainwashed – Sexismus im Kino": Die Kamera schaut auf Frauen herab
Der Schwenk über nackte Frauenkörper, Übergriffe, die als positiv verkauft werden: In ihrem Film "Brainwashed" dokumentiert Nina Menkes 100 Jahre Sexismus im Film.
Eine Rezension von Carolin Ströbele
4. September 2023
https://www.zeit.de/kultur/film/2023-09/brainwashed-sexismus-im-kino-dokumentarfilm

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Quote[...] Im Iran sind zahlreiche Schauspielerinnen mit einem Arbeitsverbot belegt worden. Hintergrund sind Verstöße gegen die ,,islamischen Kleidungsregeln", wie die Zeitung ,,Hamshahri" am späten Dienstagabend berichtete.

Mehr als zehn Frauen sei es nun untersagt, in neuen Filmen zu spielen. Unter den Betroffenen sind die iranischen Filmstars Tareneh Alidoosti, Afsaneh Bajegan oder Katajun Riahi.

Irans Minister für Kultur und islamische Führung verteidigte das Arbeitsverbot. Das Tragen eines Kopftuchs sei eine gesetzliche Pflicht, sagte Mohammed-Mehdi Esmaeili laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Tasnim am Mittwoch. Das Ministerium kontrolliert auch die Filmszene, erteilt Erlaubnisse oder spricht Verbote aus.

Im Zuge der Protestwelle im Herbst 2022 im Iran waren mehrere Schauspielerinnen ins Fadenkreuz der Justiz geraten, die sie sich mit der Bewegung solidarisiert hatten. Alidoosti und Riahi etwa wurden zwischenzeitlich inhaftiert.

Auch gegen andere Filmschaffende laufen Verfahren. Auslöser der Proteste war der Tod der jungen iranischen Kurdin Jina Mahsa Amini. Sie starb im Polizeigewahrsam, nachdem sie wegen des Verstoßes gegen den Kopftuchzwang festgenommen worden war. (dpa)


Aus: "Arbeitsverbot wegen ,,Kopftuchverstößen": Filmstars im Iran abgestraft" (25.10.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/internationales/arbeitsverbot-wegen-kopftuchverstossen-filmstars-im-iran-abgestraft-10681075.html

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Quote[...] Die Zahl der weltweit ermordeten Frauen und Mädchen ist den Vereinten Nationen zufolge 2022 auf den höchsten Stand seit 20 Jahren gestiegen. Rund 89.000 Frauen und Mädchen seien im vergangenen Jahr absichtlich getötet worden, teilten die für Frauen zuständige UN-Organisation UN Women und die für Drogen und Kriminalität zuständige UN-Organisation UNODC mit.

Mehr als die Hälfte dieser Morde, etwa 55 Prozent, seien von Familienmitgliedern oder Partnern begangen worden, hieß es in dem Bericht weiter. Die meisten Morde an Frauen und Mädchen habe es mit rund 20.000 in Afrika gegeben, gefolgt von Asien.

"Die alarmierende Zahl von Femiziden ist ein Warnsignal, dass die Menschheit immer noch mit struktureller Ungleichheit und Gewalt gegen Frauen und Mädchen zu kämpfen hat", sagte Ghada Waly, Direktorin von UNOCD. "Jedes verlorene Leben ist ein Aufruf zum Handeln." Sie fordert Regierungen auf, die Straflosigkeit zu beenden und mehr zur Prävention von Femiziden zu tun. 


Aus: "2022 weltweit so viele Frauen ermordet wie seit 20 Jahren nicht" (23. November 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2023-11/vereinte-nationen-frauen-mord-partner-gewalt

Quotetschicks.freundin

Vorab. Meine Erfahrungen, Deutschland, sind rein anekdotischer Natur.

Ich arbeite nun seit bald 20ig Jahren im Bereich der sozialen Bildung, inklusive Integrationsmaßnahmen, versuche Menschen in Arbeit und Ausbildung zu bringen.

Gerade in den letzten Jahren habe ich es in "meinen" Fällen mit zu ca. 80ig Prozent an Gewaltdelikten gegen Frauen zu tun (sex. Missbrauch, Bedrohung/Stalking, psychische/physische Gewalt).

Einer meiner ehemaligen Schüler wurde zu Totschlag verurteilt (8 Jahre), er tötete seine Frau mit zig Messerstichen, weil sie zurück in ihr Heimatland wollte und er - häufig der Fall - einen Liebhaber wähnte, den es aber nicht gab.

Die Gewalt gegen Frauen hat oft ihre "Gründe" in "Besitztumdenken", "Ehre", Sozialisation/Tradition, Motive dazu sind häufig Eifersucht, dass Frauen frei(er) leben wollen, die Motive gibt es in deutschen Täterkreisen ebenso.

Es sind nicht "nur" die Täter selbst, die agieren, sondern häufig auch ein ganzes (Familien)umfeld, das sich hinter die Täter stellt, die Frauen dann unter Druck zu versuchen setzt, geht es vor Gericht.

Was ich besonders schlimm finde sind Behörden, die Frauen bei Anzeigenstellung nicht unterstützen, Prozesse finden oftmals (sehr) zeitverzögert statt, die Täter sind weiterhin in Freiheit in dieser Zeit.

Was ich erlebte, mit diesen Frauen, glaubt man kaum, v.a.D. nicht, dass es in Deutschland passiert; man muss die Faust in der Tasche machen, um diese Frauen wirklich zu unterstützen und ihnen Gehör zu verschaffen.

...


QuoteTheagrün

Mich würde zu diesem Thema interessieren ob dies vielleicht auch etwas mit Religionen zu tun hat?


QuoteGonzo der Mittlere

Ja, mit der Religion der Männlichkeit.


QuoteVonKindernFernhalten

Vor allem in Südamerika hat es mit ausgeprägtem Machismo zu tun. Und soweit ich weiß, ist Südamerika überwiegend ,,katholisch".


QuoteShisuChan

Frauen werden getötet, weil sie nicht das machen, was der Täter will. Religion ist nur ein Vorwand für diese Gewalt.


QuoteScribble-a-note

Hinter Femiziden stehen natürlich patriarchale Strukturen, der Hintergrund kann ideologisch, kulturell oder religiös sein. Das spielt aber keine entscheidende Rolle, denn bei Femiziden geht es mehrheitlich um Trennungstötungen, d.h. Mord aus niedrigen Beweggründen. Männer sehen Frauen als ihren Besitz, eine Trennung kommt nicht infrage, überhaupt eine Entscheidung zu treffen, ist dann schon kränkend. Es geht ausschließlich um Macht.


QuoteHenkel89

Es hat nichts mit Religion zu tun. Asien führt die Liste wegen Indien an, wo bereits weibliche Föten massenhaft abgetrieben werden.

Im Rest der Welt liegt es ... an strukturellen Problemen: Armut, Gewalt, Straflosigkeit bei Verbrechen.


QuoteVoyager1977

Folgt man der Quelle, stellt sich heraus, dass bei 80% aller Morde die Opfer männlich sind.

Wie im Zitat die Anzahl der "Femizide" als Zeichen für "strukturelle Ungleichheit" zu nehmen und sich voll auf "Gewalt gegen Frauen und Mädchen" zu konzentrieren, erscheint unter diesem Hintergrund unhaltbar, nachgerade zynisch. Ich hätte mir von der ZEIT hier mehr Einordnung gewünscht.


Quote2tgf22
vor 8 Monaten

Das ist zwar korrekt, aber es wundert mich doch sehr, dass dieser Kommentar durchgekommen ist.

Wer es nicht glauben will, hier die Quelle:
http://unodc.org/unodc/en/data-and-analysis/global-study-on-homicide.html

Es stellt sich schon die Frage, warum alle unsere Medien diesen Kontext weglassen.


QuoteMadyMyDay

Frauen werden meist von Männern ermordet. Männer werden meist von Männern ermordet. merken Sie was?

Ein Mann bringt jedoch einen anderen Mann eher selten aus archaischem Besitzdenken oder Eifersucht um oder weil er von ihr einen Korb bekommen hat.


QuoteLostaufmDorf

Die Frage ist eher wie ist die Verteilung der Täter bzw. der Motive. Wie viele der Morde an Männern passieren auf "wirtschaftlicher" Basis (z.B. Drogengewalt) und ist auch über die Hälfte der Täter aus dem familiären Umfeld der Männer bzw. wird von deren Partner*in begangen.
Ich gehe davon aus, dass diese Tätergruppe bei den männlichen Opfern prozentual wesentlich kleiner ist. Wenn dies der Fall ist lässt sich daraus schließen, dass es ein Strukturelles Problem gibt, durch das Frauen vermehrt von denen, die Ihnen Nahe stehen ermordet werden. Unter Einbezug der Motive bzw. Umstände (z.B. Streit mit dem Partner, Eifersucht, "Ehrenmorde") sollte dies wahrscheinlich noch mehr zu erkennen sein.


QuoteAF1

Liebes ZEIT-Team, unter Artikeln zum Thema Femizid zeigt sich deutlich, dass Leser den Unterschied zwischen Mord und Femizid nicht kennen. Das wäre doch eine tolle Gelegenheit für eine eurer Infoboxen!

An alle anderen: Bis die Infobox auftaucht schnell eine Kurzversion von mir. Das kann das ZEIT-Team natürlich besser.

Femizid: Die Tötung von Frauen wegen ihres Geschlechts oder wegen bestimmter Vorstellungen von Weiblichkeit.
Männer werden selten aufgrund ihres Geschlechts getötet/ermordet, Frauen leider schon.


QuoteScribble-a-note

Femizide sind das Erbe des globalen Patriarchts. Männer töten, um die Macht zu behalten, um die Frau zu behalten – so absurd das auch klingt. Wenn er sie schon nicht bekommt, dann soll sie auch niemand anderer, bekommen. Selbst Deutschland tut sich schwer: Noch 2019 entschied der BGH, dass der Umstand, dass das Tatopfer sich vor der Tat vom Mann getrennt hat, so beurteilt werden darf, dass er gegen die Niedrigkeit des Beweggrundes spricht. Das heißt, wenn ein Mann seine Ex-Partnerin tötet, weil sie sich von ihm getrennt hat, so gilt das als strafmildernd – ein Widerspruch zur Istanbul-Konvention, die seit 2018 auch in Deutschland völkerrechtlich bindend ist.


Quotedestination

Und der Femizid ist mancherorts ein Mittel der Kriegsführung, auch im Moment.Viele Zivilisten starben am 7.Oktober, aber Frauen wurden nicht auf die gleiche Weise getötet wie andere. Die gegen diese Frauen verübte Gewalt entspricht in jeder Hinsicht der Definition von Femizid, also der Ermordung von Frauen oder jungen Mädchen aufgrund ihres Geschlechts. Frauen wurden nackt ausgestellt. Frauen wurden so vergewaltigt, dass sie sich das Becken brachen. Auch ihre Leichen wurden vergewaltigt. Ihre Genitalien wurden beschädigt. Männer urinierten und spuckten auf ihre Überreste.

[ ... Erica Zingher wies in der TAZ darauf hin, dass der terroristische Überfall der Hamas nicht nur antisemitisch, sondern auch frauenfeindlich war. Bei dieser Aktion und den Folterungen sollten Frauen ,,explizit geschändet und entmenschlicht werden". Dafür seien sie ,,vergewaltigt, missbraucht, verbrannt, enthauptet, ermordet [worden] – zum Teil vor ihren Kindern". Internationale Frauenrechtsorganisationen wie die UN Women, so Zingher, scheine das jedoch kaum zu interessieren. Wer es jedoch nicht schaffe, ,,diesen geschlechtsspezifischen Terror zu skandalisieren", mache sich unglaubwürdig. [Erica Zingher: Und was ist mit den Israelinnen? taz.de, 24. November 2023] ...

https://de.wikipedia.org/wiki/Terrorangriff_der_Hamas_auf_Israel_2023

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1417316/umfrage/opferzahlen-im-terrorkrieg-der-hamas-gegen-israel/

...]


QuoteMadyMyDay

Das alles findet auch heute noch statt. Man kann eine Kultur oder eine Gesellschaft nachhaltig vernichten, indem man die Frauen dieser Gesellschaft systematisch brutal entmenschlicht und somit für die Männer wertlos macht" Vergewaltigte Frauen gelten auch in Deutschland als "ruiniert", als kaputt.
Ich empfehle das Buch "Unsere Körper sind euer Schlachtfeld".


Quotecr 43

Warum sind das eigentlich angeblich alles Femizide bei den 89.000 ermordeten Frauen?

Femizide sind Morde an Frauen, weil sie eben Frauen sind. Also somit nur eine Teilgruppe der ermordeten Frauen. Wieviele dies sind (absolut oder prozentual) sagt der Artikel leider nicht aus. Lediglich der Anteil der Frauen, die durch Familienmitglieder oder Partner getötet worden sind, ist angegeben.

Stehende Erkenntnis in der Kriminologie ist aber, dass Morde im Regelfall Beziehungstaten sind, sprich der Täter im sozialen Umfeld der getöteten Person zu suchen ist. Nur bei 34% ist dies nicht der Fall (https://de.statista.com/statistik/daten/studie/152753/umfrage/verteilung-der-opfer-tatverdaechtigen-beziehung-bei-mord-und-totschlag/).


Quoteabot

Beziehungstat, Ernsthaft diese regelrecht verniedlichende Schönrednerei muss aufhören! Wenn ein Mann eine Frau ermordet insbesondere wenn es seine Freundin, Frau, Ex-Freund, Ex-Frau ist, dann ist das Femizid. Genauer Mord aus niederen Beweggründen, denn das Motiv ist i.d.R. eine Frau die den KErl verlässt, verlassen möchte oder sonst nichts mit ihm zu tun haben möchte. Männer die einen Femizid an Frauen im eigenen Umwelt begehen tun dies zumeist weil sie die Frauen als ihr Eigentum sehen und sich mächtig herabgesetzt fühlen, wenn das vermeintliche " Eigentum" sich im widersetzt oder ihn gar verlässt......Frauen die Kerlen eine Abfuhr erteilen leben sehr gefährlich, auch in diesem Land und das zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten. Wenn das einer immer noch verniedlichend als "Beziehungstat" bezeichnen möchte dann hat er etwas noch nicht kapiert.


QuoteJörg2
Antwort auf @abot

An "Beziehungstat" ist überhaupt nichts verniedlichend.


QuoteMadyMyDay

Ein Mord ist ein Mord ist ein Mord. Keine Beziehungstat. jeden Tag versucht in Deutschland ein Mann, seine (Ex)Partnerin zu ermorden. Alle drei Tage gelingt es ihm.


QuoteBarbara123

Ich denke manches Mal darüber nach, was Männer Frauen antun auf dieser Welt, was Männer dem Planeten antun, was rechtsextreme Männer weltweit der anderen Hälfte der Menschheit antun...


QuoteHarrald mit doppel r

Und jetzt bitte die zahlen der grwaltsam zu Tode gekommenen männlich gelesenen Personen. Nicht um zu relativieren, sondern um überhaupt eine Relation zu haben.


QuoteMadyMyDay

Es überrascht mich nicht, dass unter einem Artikel, der sich mit gewalt gegen Frauen beschäftigt, hauptsächlich Kommentare von männlichen Foristen aufploppen, in denen zu lesen steht: "Aber wir Männer werden auch ...!"
Mit der Tätergruppe will sich niemand identifizieren. Denn dann müsste man sich die Frage stellen, warum die Mörder und Gewalttäter fast immer männlich sind. Warum so viel unfassbare Gräueltaten auf das Konto der einen Hälfte der Menschheit gehen.


Quotemichel II

Klimawandel, Angriffskriege Russlands, Pandemien wie Corona, Krisen fördern Extremismus.

Leidtragende sind Minderheiten, Frauen, Menschen mit wenig Selbstvertrauen und Durchsetzungsvermögen oder Kinder.

In vielen Ländern sitzen frauenfeindliche Parteien in den Regierungen oder haben große Stimmenzuwächse wie die rechtsextreme und frauenfeindliche afd.

In Russland wurde vor kurzem per Gesetz häusliche Gewalt quasi erlaubt.

In Polen bestimmt Kirche und Pis darüber ob Frauen eine Schwangerschaft überleben dürfen.


Quotehappylotti

Auch in Deutschland gibt es zu viele Menschen, die ihr verletztes Ego über das Recht ihrer (Ex)Partnerin stellen, sich gegen eine Beziehung mit ihnen zu entscheiden.


Quotecr 43

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Relativierungen. Danke, die Redaktion/CF


QuoteAristippos von Kyrene

Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Relativierungen. Danke, die Redaktion/CF


...

Link

Quote[...] Manon Garcia: ,,Das Gespräch der Geschlechter. Eine Philosophie der Zustimmung". Aus dem Französischen von Andrea Hemminger. Suhrkamp Verlag, Berlin 2023, 332 ­Seiten

... Ist automatisch gut, was juristisch nicht beweisbar oder vielleicht gar nicht justiziabel ist? Mit diesen Fragen im Kopf kann man direkt in Manon Garcias Buch ,,Das Gespräch der Geschlechter" einsteigen. ...

Die Varianten einer Nacht reichen von klarer Vergewaltigung bis zu schlechtem Sex – eine Person denkt, dass sie nicht wirklich Lust hat, willigt aber verbal ein, weil der Partner so nett war, sie nach Hause zu bringen, und das Folgende irgendwie zu erwarten war. Letzteres ist nicht justiziabel, eine klare Täterschaft ist hier nicht erkennbar. Vielmehr führt eine patriarchale Prägung dazu, dass die Frau mitmacht – und der Mann ihre Lust gar nicht erst wirklich auf dem Schirm hat.

Wir leben in einer Kultur, die über Jahrtausende das Bild des handelnden Mannes und der empfangenden Frau etabliert hat und worin Frauen als tugendhaft gelten, wenn sie sich zieren. Sex findet nicht in einem hierarchiefreien Raum statt, sondern mitten in pa­tri­ar­cha­len Strukturen, die uns von Jean-­Jacques Rousseau bis zur heutigen Pornoindustrie einreden, dass Frauen Ja meinen, wenn sie Nein sagen.

Wie Manon Garcia in ihrem Buch zeigt, ist Nein zu sagen in anderen Lebenslagen keine akzeptierte direkte Umgangsform: ,,Schweigen, Komplimente, schwache Akzeptanz (,hmmm... warum nicht?') werden bevorzugt, anstatt einfach ,nein' zu sagen, und ,nein' zu sagen birgt die Gefahr, als sehr schroffe oder sogar verletzende Antwort wahrgenommen zu werden."

Besonders von Frauen wird erwartet, dass sie ihre Nichtzustimmung höflich äußern. Beobachten Sie sich einmal selbst oder etwa Ihre Kol­le­g*in­nen, wann Sie oder die anderen ein Nein als Stärke empfinden und wann als unhöflich, zu autoritär, zu ruppig. Beim Sex schließlich, in einer Situation, worin man vielleicht am verletzlichsten ist, sollen Frauen dann glasklar sagen: Nein, das will ich nicht.

Häufig steckt hinter der Erwartung, eine Person habe Nein sagen sollen, das Bild des fremden Vergewaltigers. Dabei wissen wir, dass die Täter häufig im Freundes- und Bekanntenkreis sind. Und es sind nach deutscher Kriminalstatistik zu 98 Prozent Männer. Eine Umfrage vom Institut national des ­études ­démographiques ergab 2016 in Frankreich, dass in 91 Prozent der Fälle das Opfer den Täter kannte und in 47 Prozent der Fälle der Täter der Ex- oder Ehepartner war. Wer sich das vor Augen führt, versteht, weshalb es schwerfallen kann, eine klare Ablehnung zu formulieren.

Wenn ein Nein nun keine ausreichend belastbare Abgrenzung ist – was genau bedeutet das? Reicht ein Ja am Anfang des Geschlechtsverkehrs? Oder ist das Ja nicht sogar im Eheversprechen enthalten? Schließlich war in Deutschland noch bis 1997 Vergewaltigung in der Ehe nicht illegal. Ursprünglich sollte, so stellt Garcia es dar, die rechtliche Sanktionierung einer Vergewaltigung auch nicht unbedingt Frauen schützen, sondern Ehemännern das sexuelle Vorrecht auf ihre Frauen sichern.

Es ist dieser präzise Blick auf diverse Begriffe und ihre Geschichte rund um die sexuelle Selbstbestimmung der Frau, der ,,Das Gespräch der Geschlechter" so bereichernd macht. Für ihr Buch wurde Garcia letztes Jahr mit dem Prix des ­Rencontres Philosophiques de ­Monaco ausgezeichnet. Manche theoretische Umdrehung ist für die Alltagslektüre etwas mühsam, aber in der Summe wirft Garcia genügend Anker, um immer wieder ins Thema zu finden.

Einem Exkurs ins Privatrecht folgt etwa eine Analyse von Verträgen im BDSM (kurz für Bondage und Disziplin, Dominanz und Submission, Sadismus und Masochismus). Während hier der Vertrag schon Teil des Spiels ist, wird eine vertragsähnliche Situation von den Gegnern einer Strafrechtsänderung in Richtung ,,Ja heißt Ja" immer als Horrorszenario angeführt: Sex nur noch mit Vertrag. Was eben irreführend wäre, denn Zustimmung kann nicht einfach einmalig gegeben werden, wenn noch gar nicht abzuschätzen ist, wozu alles. Manon Garcia plädiert für ein erotisches Gespräch der Geschlechter. Nur, wie kommt man dahin?

Bereits vorgedacht hat es mal wieder Simone de ­Beauvoir: ,,Die erotische Erfahrung gehört zu denen, die dem Menschen die Ambiguität des Menschseins am eindringlichsten enthüllen. Er empfindet sich als Körper und als Geist, als der andere und als das Subjekt." Wer diese Ambiguität, Subjekt und Objekt zu sein, anerkennt, ist nach Simone de Beau­voir authentisch – und habe guten Sex, sagt über 70 Jahre später Manon Garcia.

Guter Sex entstehe aus der Tatsache, ,,dass man gibt, dass man sich selbst gibt und dass man empfängt". Man muss sich also erst einmal als handelnde und empfangende Person sehen, sich selbst in Beziehung zueinander sehen, zumindest für den sexuellen Akt. Darin enthalten ist die Frage, was der anderen Person wohl Lust bereitet – und was einem selbst.

Um zu verstehen, wie ein erotisches ,,Gespräch der Geschlechter" funktionieren kann, kann man sich auch ein verbales Gespräch einmal vorstellen: Ein Mann sitzt an einer Bar und textet eine Frau zu. Wie kann der Mann denken, dass sein Gegenüber Spaß hat? Bemerkt er überhaupt seinen Penis-Monolog?

Bei Manon Garcia lernen wir den Begriff der epistemischen Faulheit kennen, den sie von José Medinas ,,aktiver Ignoranz" ableitet. Man(n) entscheidet sich, die Lust der Frauen zu ignorieren. Sonst würde er sich, im Gespräch, vielleicht fragen: Will diese Frau wirklich so ausführlich über das Römische Reich informiert werden? Wann habe ich ihr eigentlich zuletzt eine Frage gestellt? Gleichzeitig: Warum sagt sie ihm nicht endlich, dass sie seine Ausführungen langweilen? Worüber möchte sie sprechen? Wie beim Sex kann die verbale Kommunikation nicht als ,,Einer gibt und eine nimmt" gedacht werden.

Wenn die Anwälte von Till Lindemann also behaupten, dass alle öffentlich bekannten sexuellen Handlungen einvernehmlich waren, würde man schon gerne – fernab des Gerichtssaals – genauer wissen, wie Lindemann diese Einvernehmlichkeit festgestellt haben will. Wer sich als Fan hinter der fehlenden strafrechtlichen Beurteilung des Bekannten versteckt, offenbart eine Sexualmoral, die die Erniedrigung von Frauen in Kauf nimmt. Die ausverkauften Konzerte sprechen für sich.


Aus: "Wider die Penis-Monologe" Katrin Gottschalk (18.10.2023)
Quelle: https://taz.de/Neues-Buch-von-Manon-Garcia/!5964066/

QuoteChris McZott
19. Okt, 08:11

Ich habe den Eindruck dass der Text (bereits gewonnene) Kämpfe der 60/70er Jahre nachspielt.


Quotesàmi2
    19. Okt, 10:18

    @Chris McZott Leider nein. Bereits gekämpft, ja, aber nicht gewonnen.


QuoteStreberin
19. Okt, 10:51

Ich habe das Buch " On ne naît pas soumise, on le devient" ("Wir werden nicht unterwürfig geboren") von Manon Garcia gekauft und nach einem ersten Anlesen liegt es nun wie Blei unten in meinem Bücherstapel. "On ne naît pas femme, on le devient ("Man ist nicht als Frau geboren, man wird es") von Simone de Beauvoir hat das alles schon geschrieben. Das Buch von Garcia kann sich also allenfalls in die Fülle der Lebensratgeber einreihen.

Und der Grund, warum Till Lindemann kein verurteilter Straftäter ist, glaubt man der Presse, ist das seine Opfer mehr öffentlichkeitswirksam mit den Medien und weniger als Zeuginnen mit der Staatsanwaltschaft gesprochen haben.


...

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Quote[...] Der Autor Sebastian Leber ist Tagesspiegel-Reporter und verbringt zu viel Zeit im Internet. In seiner Kolumne ,,Auf dem Schirm" beleuchtet er alle vier Wochen die wunderbaren und die verstörenden Seiten des Digitalen.

Im Netz tauschen sich Männer darüber aus, wo sie mit Prostituierten für möglichst wenig Geld möglichst viel anstellen können – auch gegen den Willen der Frauen.

Der Nutzer, der sich ,,DerBlankeHans" nennt, hat einen heißen Tipp, wie man diese eine Prostituierte vom Berliner Straßenstrich zum Geschlechtsverkehr ohne Kondom bekommt, und zwar ohne Aufpreis. Die Frau habe nämlich Sehprobleme, verrät er im Forum. Deshalb: ,,Einfach die Brille abnehmen, dann sieht sie nicht, dass du das montierte Gummi wieder abstreifst, blank rein damit und 50 Euro gespart."

Dieser Ratschlag ist ernst gemeint. So, wie auch die übrigen Tipps und Erfahrungsberichte, die Männer in sogenannten ,,Freierforen" im Internet austauschen. Beliebte Fragenkomplexe: In welchem Bordell oder an welcher Häuserecke kann ich für möglichst wenig Geld meinen Willen durchsetzen? Welche Frau lässt sich zu Praktiken überreden, die sie zunächst kategorisch ausschließt? Wo finde ich ,,Frischfleisch" zum ,,Teenie-Fick"?

Es ist wie bei gutefrage.net, nur halt in menschenverachtend.

Verteidiger der Prostitution, vor allem die von Bordellbetreibern durchsetzten Lobbyverbände, verbreiten gern die Erzählung, bei Freiern handle es sich überwiegend um höfliche, respektvolle Männer, die Prostituierte als Menschen wertschätzten, oftmals im Grunde gar keinen Sex suchten, sondern Geborgenheit und ein Gegenüber zum Reden. Ein Blick in die ,,Freierforen" kuriert einen von diesem Irrglauben.

Da werden – bei Nennung von Namen und Adressen – drogensüchtige Prostituierte empfohlen, die so dringend Geld benötigen, dass sie schon für 15 Euro zum Geschlechtsverkehr bereit sind. Und die es sich hinterher auch gefallen lassen, wenn man dann doch bloß zehn Euro zahlt.

Freier tauschen sich darüber aus, wie sie Prostituierte, die sie aus Versehen geschwängert haben, am besten zur Abtreibung überreden. Sie höhnen darüber, wenn eine Prostituierte offensichtlich von einem Zuhälter abhängig ist (,,Also sie muss noch eine Weile die Beine breit machen, damit die S-Klasse weiterrollen kann hehe"). Sie höhnen auch darüber, wenn eine Prostituierte auf dem Straßenstrich psychisch erkrankt ist und man dies sofort erkennt.

Sie bewerten die Körper der Frauen (,,Muschi hatte Grip") und deren Herkunft (,,Die Vietnutten lassen sich immer schwer abschätzen, wie alt die sind"). Eine typische Beschreibung lautet etwa: ,,Ich denke, sie ist so zwischen 30 und 40, aber supereng, richtig große, kaum hängende Glocken."

Der Tonfall ist vulgär, meist erniedrigend, oft bösartig. Niemals wird ein Nutzer von anderen darauf hingewiesen, dass das, was er schreibt, respektlos sei. Im Gegenteil: Wer damit prahlt, er habe ,,sofort einen Arschfick für einen unmoralisch niedrigen Preis rausgehandelt", erhält Komplimente.

Die Namen der Webseiten möchte ich an dieser Stelle nicht nennen, denn zusätzliche Reichweite ist das Letzte, was sie verdienen. Doch sie sind zahlreich und gut besucht. Ihre Betreiber geben sich nicht mal die Mühe, sie im Darknet zu verstecken.

Prostituierte werden in der Regel als geldgierig und faul beschrieben oder als entgegenkommend. Letzteres bedeutet, dass man sie ausnutzen kann. Ansonsten beschweren sich Nutzer darüber, dass diese oder jene Frau zu viel rede, zu dick oder ,,verbraucht" sei, insgesamt ein ,,nerviges Wesen" habe. Ein Nutzer beschreibt, wie ihm eine gebuchte Prostituierte nach dem Entblößen dann doch zu unattraktiv war: ,,Hab ihr in den Mund gespritzt und dann nischt wie weg."

Im populärsten dieser Foren gibt es einen eigenen Thread zum Thema ,,Sex mit Obdachlosen". Dort tauschen sich Männer darüber aus, wie sie bettelnde Frauen zum Sex überreden und wo eigene Toleranzgrenzen liegen (,,Dass sie nach tagelang in denselben Klamotten roch, störte mich nicht"). Einer berichtet von einer ,,Junkiebraut", die für zehn Euro zum Oralverkehr in einer Parkanlage bereit war. Der Nutzer schreibt: ,,War nur etwas drollig, weil ich hatte dann nur 5 Euro dabei. Aber war mir auch egal, habe ihr das Geld hingeworfen..."

Vertreter der Lobbyverbände behaupten, diese Foren seien nicht repräsentativ. Die große Mehrheit der Freier denke und handle vollkommen anders. Wer soll das glauben? Freierforen, in denen sich die Männer über respektvollen Umgang mit Prostituierten austauschen, über Verbesserung der Arbeitsbedingungen, Gesundheitsschutz und gerechte Entlohnung diskutieren, finden sich seltsamerweise keine.

Update: Nach Veröffentlichung dieser Kolumne erreichten mich heute einige Nachrichten auf Social Media von Menschen, die mir unterschiedliche hanebüchene Gründe vortrugen, weshalb die zitierten Kommentare der Freier angeblich gar nicht so menschenverachtend seien und das Problem insgesamt nicht so schlimm sei.

Zum Beispiel dürfe man die Ausführungen der Freier nicht allzu ernst nehmen, da sich die Server dieser deutschsprachigen Foren nun einmal im Ausland befänden und die deutsche Justiz deshalb nicht gegen die Beiträge vorgehen könnte.

Weil diese Freier also keine Zensur fürchten müssen und deshalb einfach ungefiltert schreiben können, was sie wirklich denken, sind diese Beiträge weniger ernstzunehmen? Das ist im Grunde so, als fände man das Agieren von Bankräubern nicht so schlimm, wenn keine Polizei in der Nähe ist. Ich kann mir kaum ein absurderes Argument vorstellen.

Update 2: Auch in einem der hier beschriebenen Foren wird der Artikel jetzt diskutiert. Der Nutzer mit dem Pseudonym ,,Teenieknacker" bedauert es, dass er im Text nicht erwähnt wird. Ein anderer schreibt, Journalisten sollten doch mal lieber darüber berichten, dass die Prostituierten die eigentlichen Täter sind und die Freier die Opfer. Auch dieser Beitrag wirkt, soweit ich es beurteilen kann, ernst gemeint.


Aus: "Betrügen, erniedrigen, missbrauchen: Die menschenverachtende Welt der Freierforen" (10.12.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/betrugen-erniedrigen-missbrauchen-die-menschenverachtende-welt-der-freierforen-10897729.html

QuoteStefanW
10.12.23 19:21

Vielen Dank an Herrn Leber für die oft stets wichtigen Beiträge/Reportagen. Allein die Recherche zu dieser Kolumne mit Zitaten wie aus einem Horrorfilm war sicher nicht einfach.

Das Hauptproblem scheint mir in der materiellen Wehrlosigkeit der Frauen - sei es körperliche Gewalt, sei es Existenzangst, sei es Abhängigkeit, sei es der fehlende Aufenthaltstitel - zu bestehen.

Den Pychopathen mit Penis macht es der Straßenstrich leicht. Die Nachfrage ist da.

Meines Wissens nach prostituieren sich vermögende Frauen recht selten.

Hier(!) sollte es mehr Regeln zur Transparenz und mehr Angebote zum Schutz geben, die am Ende nicht (auch) die Opfer bestrafen.

Verbote klingen einfach, lösen aber leider nichts.

Und die 'professionelle' Sexarbeit ist nur ein kleiner Ausschnitt der sexuellen Gewalt in unserem Land.

Den hier zitierten Männern geht es nicht um Sexualität, die per se friedfertig ist.
Es geht um Macht, Manipulation und Gewalt - also das Gegenteil von Sex.
Mangels eigener positiver Erfahrung oder ehrlicher Aufklärung in Elternhaus/Schule oft nur durch die Pornoindustrie erlernt.

Und vergessen wir nicht, welcher Möchtegern Kanzlerkandidat der Union 1993 die Vergewaltigung in der Ehe als nicht strafbare 'eheliche Pflicht' verteidigte.


Quotese2022
10.12.23 18:48

Psychische und physische Gewalt. Diese Typen gehören zusammen mit den entsprechenden Zuhältern und Menschenhändlern in den Bau.


QuoteGlasblume
10.12.23 17:04

Starke Männer müssen Frauen nicht klein halten, um sich mächtig zu fühlen.

- Michelle Obama


QuoteSchartinMulz
14.12.23 11:26
Ja, hat denn irgendjemand daran gezweifelt, dass es Ar***löcher auf dieser Welt gibt?
Gerade unter den armen Würstchen dieser Welt sind sie weit verbreitet. Wie weit muss man gesunken sein, um in einem Forum damit anzugeben, dass man 40 € gezahlt hat, um mit einer Minderjährigen Sex zu haben?
Das Internet bringt solche Idioten an die Oberfläche. Man sollte aber nicht den Fehler begehen, sie für repräsentativ zu halten.
Und da ist m.E. der Fehler des Artikels. Neben der berechtigten Empörung bringt er leider auch eine Pauschalisierung. Ich glaube nicht, dass jeder, der ins Bordell geht, so ein Ar*** ist.


Quoteashamon
13.12.23 14:23

Ich habe die Seiten im Internet gelesen. Die Beispiele sind alle aus einem einzigen speziellen Forum, wo es darum geht, wie man zu einer illegalen Form der Prostitution kommt, nämlich ungeschütztem Verkehr. Das ist eine üble, aber auch kleine Community. Zu suggerieren, das würde den normalen Freier beschreiben, ist journalistisch unsauber, da müssten die Foren breiter recherchiert werden.


QuoteBluecher
11.12.23 18:17
Ich darf mich hier mal ganz kurz einmischen. Ich besuche seit ca 30 Jahren mal mehr und mal weniger regelmäßig Prostituierte.
Leider stimmt es, daß es einen Straßenstrich gibt, auf dem - dezent formuliert - wenig angenehme Verhältnisse herrschen und ebenso stimmt es, daß es Foren im Netz gibt, in denen eine ziemlich menschenverachtende Sprache herrscht.
Das ist genau das gleiche Problem,. das Hilfsarbeiter ohne Ausbildung mit Alkoholproblemen in gleicher Weise bei der Jobsuche regelmäßig erleben! Wenn die Not groß genug ist, dann nimmt man jede Arbeit an. Ich finde es erschreckend, daß Mädchen von 15 Jahren auf der Straße leben müssen, wie ich beim Engagement für eine Obdachlosenhilfe erfahren habe.
Ich kann aber auch versichern, daß es Sex-Clubs gibt, in denen ein gepflegter Umgangston herrscht und wo man als Gast/Kunde nach dem Treff im Sexclub noch einen Trinken geht. Da kommt dann ein Mädel zum Kunden und erzählt freudig, daß sie jetzt genug Geld habe, um für sich und ihre Eltern ein Haus in Rumänien zu kaufen odfer eine Nebenerwerbsprostituierte erklärt, daß sie sich jetzt endlich die ETW leisten kann.
Jeder bilde sich selbst ein Urteil, was denn die vorherrschenden Verhältnisse im Sex-Bizz sind? Der Straßenstrich oder der gepflegte Club?
Und der Tagesspiegel täte gut daran, seine Behauptung, daß die Prostituierten-Verbände mit Zuhältern durchsetzt seien, durch nachvollziehbare Fakten zu beweisen! Ohne Beweis ist diese Behauptung eine Frechheit.


QuoteStefanW
12.12.23 20:21
@Bluecher am 11.12.23 18:17

    Da kommt dann ein Mädel zum Kunden und erzählt freudig, daß sie jetzt genug Geld habe, um für sich und ihre Eltern ein Haus in Rumänien zu kaufen odfer eine Nebenerwerbsprostituierte erklärt, daß sie sich jetzt endlich die ETW leisten kann.

Sie reden sich tagtäglich ihre Welt aber schön.

In der Sie nach eigenen Angaben seit 30 Jahren Intimität für Geld kaufen (müssen).

Allein das Wort "Mädel" ...


Quotelieber_feminismus_de
10.12.23 20:11
Üppige Zitatsammlungen mit teils noch schlimmeren Kommentaren sind im Internet leicht zu finden. Es bedarf ihrer Lektüre nicht, um zu erkennen, dass Prostitution auf den Müllhaufen der Geschichte gehört. Wenn's aber hilft, Menschen zu dieser Erkenntnis zu verhelfen, go for it!

Zu suggerieren, nur "Lobbyisten" seien gegen gesetzliche Maßnahmen zur Eindämmung oder Abschaffung der Prostitution, halte ich indes für wenig hilfreich. Diese Behauptung ist leicht zu widerlegen und lenkt von Aspekten ab, deren Hervorhebung viel nützlicher wäre, etwa die häufigen psychischen Folgen der Prostitution. Die sind viel krasser, als es zum Beispiel meiner Wenigkeit bewusst war, bis ich vor wenigen Jahren erstmals darüber las. Darüber aufzuklären, wäre vielleicht nützlicher, als so zu tun, als seien er Deutsche Frauenrat, die Deutsche Aidshilfe, der Deutsche Juristinnenbund, die Diakonie Deutschland und die Fachstelle gegen Frauenhandel contra e. V. Kiel "Lobbyisten" der Zuhälter. Das schreibe ich wohlgemerkt als jemand, der das Nordische Modell sehr gern ausprobieren würde.


Quotes_leber
11.12.23 10:19
@lieber_feminismus_de am 10.12.23 20:11

>Diese Behauptung ist leicht zu widerlegen

Diese Behauptung wird im Artikel gar nicht aufgestellt.


QuoteTuniFynn
10.12.23 19:54

Weiter unten erwähnt ein Forist die männliche Prostitution. Und ohne nun von dieser zutiefst menschenunwürdigen Form des Freierverhaltens und primitiv-brutalen Freier-Austauschs ablenken zu wollen, stelle ich mir vor, dass es männlichen Prostituierten letztlich nicht wesentlich besser ergeht (damit sind nicht die Parks gemeint, in denen sich Homosexuelle abends oder nachts sozusagen freiwillig zum Sex treffen).


QuoteJulina
10.12.23 19:42

Prostitution ist zutiefst ... sexistisch. Das zeigt der in Freierforen geschilderte Blick auf Frauen.
Es sind Kollegen, Partner, Brüder, Väter, die Prostituierte ausnutzen - und verachten, wie sich in diesen Foren zeigt. Dabei ist das Verhalten dieser Männer zu verachten.


QuotePolizeiphilosoph
10.12.23 19:40
Also ich glaube schon, dass die meisten Leute, die Prostituierte aufsuchen, gar nicht groß darüber reden und sich entsprechend auch nicht in Internetforen austauschen.

Wenn man schon liest, dass die es gut finden, mit einer Prostituierten auf dem Straßenstrich ohne Kondom Sex zu haben, dann weiß man doch, dass das keine "normalen" Menschen sein können. Wer so wenig um die eigene Gesundheit besorgt ist, dem ist auch alles andere scheißegal.


QuoteZarquon
10.12.23 19:30

In einer Gesellschaft gibt es respektvolle und weniger respektvolle Menschen. Gerade in der Pandemie war das für mich so offensichtlich wie noch nie zuvor. Das lässt sich vermutlich nicht ändern.


QuoteStefanW
10.12.23 20:05
@Zarquon am 10.12.23 19:30

Es lässt sich aber mittels Rechtsstaat ändern, ob Psychopathen oder Opfer gewinnen.


QuoteMartin_Kniffke
10.12.23 19:06

    (...) diese Foren seien nicht repräsentativ. (...)

Selbstverständlich sind diese Foren repräsentativ. Und zwar für genau den Schnitt durch die Gesellschaft, der sich an anderer Stelle über die billigste Art austauscht, irgendjemandem ein Schrottinvestment anzudrehen. Wie man mit Immobilien die meiste Rendite macht. Oder dem Saisonarbeiter möglichst gar nichts bezahlt und ihm dafür aber noch in der Schrottunterkunft Miete abnimmt.

Ich kann nur jedem Menschen wünschen, dass sie, er seinen Körper nicht in der Prostitution verkaufen muss. Und dabei natürlich auch mit solchen widerlichen Verbrechern konfrontiert ist.
Und sei es nur solche, die in solchen Foren behaupten all das bekommen zu haben. Um als der härteste Stecher dazustehen. Aber es in Wahrheit gar nicht bekommen. Auch das macht Stimmung und stellt ein hohes Risiko für die Betroffenen dar.

Aber zu behaupten, die Prostitution stelle eine Ausnahme in unserer internationalen Weltwirtschaftsordnung dar, sollte man schon hinterfragen. Und das nicht mit dem Ziel irgendetwas hier wie da beschönigen oder in den Wettbewerb schicken zu wollen.

Prostitution ist auch hier in hübsch dekorierter Metropole und Prosperität, einer der augenfälligeren Wirtschaftsbereiche, in denen der ungeregelte, schmutzige Kapitalismus noch so ist wie tagesaktuell in den meisten Teilen der Welt - eben wie 19.Jahrhundert.

Einschliesslich der besonderen Aufgeladenheit in der Frage, welchem Erwachsenen eigentlich wie sein Körper gehört. Und was davon zum Verkauf stehen darf. Aus der Sicht der anderen. Der Wohlmeinenden. Die ständig und alltäglich Körper, Arbeitszeit, Zuwendung, Dienstleistung einkaufen, verkaufen und handeln.

Wollte man der Empörung, denen aus solcher Aufgeladenheit formulierten Forderungen folgen, müssten eigentlich schon unsere Schlachthöfe, die Zerteilereien, die Wurstfabriken geschlossen sein.

Aller Voraussicht [nach] wird zu organisieren sein: Wie Prostituierte sicher ihrem Beruf nachgehen können.

...

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Quote[...] Paul Hildebrandt: Inwiefern unterscheidet sich eine Psychotherapie bei Männern und Frauen?

Björn Süfke: Das Grundproblem von vielen Männern: Aufgrund ihrer eher männlichen Sozialisation wurde ihnen der Zugang zu Gefühlen stark aberzogen. Trauer, Angst, Scham, Schuld: Wir lernen schon in der Kindheit, das unbewusst abzuspalten. Ich habe selbst unter dieser traditionellen Vorstellung von Männlichkeit gelitten. Als Kind habe ich beispielsweise regelmäßig gehört, dass ein Junge nicht weinen soll. Und ich dachte damals: Aber ich bin doch jetzt traurig und weine. Mich hat das irritiert, dieses Sich-darstellen-Müssen, die Unnahbarkeit. Das konnte und wollte ich nicht leisten. Als Männer haben wir in der Regel gelernt, diesen Zugang zu Gefühlen abzuwerten. Aber genau den benötigten wir in der Psychotherapie. Eine wichtige Frage in der Therapie lautet zum Beispiel: "Wie geht es Ihnen?" Männer antworten dann oft: "Das weiß ich jetzt nicht." Sie wechseln das Thema oder wehren ab. Ein klassisches Beispiel: Ein Mann kommt nach Hause und wird gefragt: "Wie geht es dir?" Der Mann antwortet mit einer Floskel: "Muss ja." Das erschwert psychotherapeutisches Arbeiten extrem und das muss ich in der Therapie mit Männern berücksichtigen.

... Wenn jemand im Gespräch eine Abwehrhaltung einnimmt, dann spreche ich das an. Ich sage zum Beispiel: "Jetzt frage ich Sie wieder nach Ihren Gefühlen, Herr Meier. Das werden Sie im Leben ja nicht sehr oft gefragt, oder? Wie war das bei Ihnen?"

... Manche sind berührt davon, dass sich überhaupt jemand für ihre Gefühle interessiert. Viele reagieren auch betroffen, wenn sie realisieren: Sie haben eigentlich keine Antwort auf die Frage, wie es ihnen geht. Die merken dann: Ich beschäftige mich damit, Leistung zu bringen, aber nicht mit meinen Gefühlen. Damit kann ich als Therapeut dann weiterarbeiten und anbieten: "Ich kann Ihnen helfen, das herauszufinden." Das funktioniert natürlich nicht immer, manchmal dauert es einige Sitzungen, um auf diese Ebene zu kommen.

...  In unsere Beratungsstelle kommen Männer, die wegen Magenbeschwerden und anderen Stresssymptomen von der Ärztin oder vom Arzt geschickt wurden, solche, deren Partnerinnen sagen: "Wenn sich nichts ändert, müssen wir uns trennen." Manche Männer schickt das Jugendamt, andere das Gericht, oft wegen Gewaltdelikten. Wir haben Väter, die sich einfach in ihrer Rolle als Vater reflektieren wollen, und Sexualstraftäter, die schlimmste Grenzverletzungen begangen haben. ... Viele Männer erkennen am Anfang nicht, was ihnen eine Therapie bringen könnte. Ich betrachte es mittlerweile als meine Aufgabe, genau das deutlich zu machen. Ich begreife das als Herausforderung, wenn jemand mit verschränkten Armen vor mir sitzt und sagt: "Das Gericht hat mich geschickt. Ich halte von euch Psychoheinis nichts."

... Bei uns kommt jeder Zweite nach dem Erstgespräch nicht wieder. In manchen Männerberatungsstellen sind es sogar 90 Prozent. Ich bin mir sicher, bei Frauen sind es deutlich weniger. Oft kommen Männer mit einem akuten Problem, zum Beispiel nach einer Gewalttat in der Partnerschaft. Doch sobald sich die Situation etwas beruhigt hat, haben sie das Gefühl, dass das Problem gelöst ist.

... Gefühle sind Informationsquellen, die man zum Überleben braucht. Angst zeigt Gefahr an, Ärger zeigt Grenzüberschreitungen an und Hilflosigkeit zeigt: Ich kann das Problem nicht allein lösen. Wenn Sie diese Gefühle nicht lesen können, sind Sie nicht in der Lage, darauf angemessen zu reagieren. Manche Männer können zum Beispiel nicht mit Streit in der Beziehung umgehen, mit der Trauer über die Demütigung. Sie schlagen dann einfach zu. Es kann also gefährlich sein, keinen richtigen Zugang zu seinen Gefühlen zu haben. Es kann uns auch krank machen, denn viele Krankheiten brechen erst durch unterdrückte und abgespaltene Gefühle aus. Und es kann sogar schlimmere Folgen haben. Depressionen werden bei Männern oft nicht diagnostiziert, weil sie sich anders äußern als bei Frauen: Männer mit Depression neigen eher zu Gewalt, zu Straftaten oder zu irrem Leistungsdruck. Drei Viertel der Suizide werden von Männern begangen, das hängt sicher auch mit unbehandelten Depressionen zusammen.

... Männer dürfen heute auch emotional zugewandt sein und zum Beispiel die Kinderbetreuung übernehmen. Aber selbst wenn Sie ein aufgeklärter Mann sind und feministische Bücher lesen: Sie können in dieser Gesellschaft nicht leben, ohne ständig mit traditionellen Männlichkeitsforderungen konfrontiert zu werden. Schauen Sie sich politisch um: Erdoğan, Putin, Trump. Oder die AfD mit Björn Höcke, der arbeitet explizit mit solchen traditionellen Männlichkeitsbildern. Die erleben immer wieder ein Revival. Es braucht unheimlich viel Zeit, Geschlechterrollen zu ändern, weil sie unbewusst funktionieren.

... Es gibt jetzt eine Generation von Männern, die ist mit den Errungenschaften der Frauenbewegung aufgewachsen, mit geteilter Elternschaft und Mädchen, die auf dem Schulhof gleichberechtigt Forderungen stellen. Es gibt einen wahrnehmbaren Wandel, aber grundlegende Aspekte traditioneller Männlichkeit sind weiterhin akut, vor allem eben die Gefühlsabwehr und die Leistungsorientierung. Man könnte auch sagen: Der Marlboro-Mann als männliches Role-Model verändert sich vielleicht, aber er wird uns noch lange begleiten.


Aus: "Psychotherapie für Männer: "Männer haben oft keine Antwort auf die Frage, wie es ihnen geht"" (13. Februar 2022)
Quelle: https://www.zeit.de/campus/2022-02/psychotherapie-maenner-mentale-gesundheit-bjoern-suefke


Link

Quote[...] Der 18-Jährige, der eine gleichaltrige Schülerin in St. Leon-Rot bei Heidelberg getötet haben soll, sollte seinem Opfer nach einer Intervention der Schule eigentlich nicht mehr über den Weg laufen. Die Schule habe sich nach einer Anzeige der Schülerin wegen Körperverletzung im vergangenen Jahr mit der Polizei abgestimmt, teilte der Kommunikationsexperte Dirk Metz am Freitag im Rathaus der Gemeinde mit. Metz war von der Schule in der Sache beauftragt worden.

Es seien nach sorgfältiger Abwägung Vereinbarungen getroffen worden, dass die beiden Personen sich ,,möglichst nicht begegnen", sagte Metz. ,,Das war das Hauptziel." Zuletzt hätten alle Beteiligten den Eindruck gehabt, dass sich die Dinge beruhigt hätten. ,,Hundertprozentige Sicherheit gibt es halt nicht."

Der 18-Jährige war nicht nur der Schule, sondern auch der Polizei bekannt. Im November 2023 hatte die Schülerin Anzeige wegen Körperverletzung gegen den 18-Jährigen erstattet. Das geht aus Informationen von Polizei und Staatsanwaltschaft hervor. Wenige Tage nach dem Vorfall sowie Mitte Dezember 2023 hätten die Beamten zudem sogenannte Gefährderansprachen gehalten.

Ein gerichtlich angeordnetes Kontaktverbot gab es nicht. Nach bisherigen Erkenntnissen waren das Opfer und der mutmaßliche Täter im Jahr 2023 zeitweilig liiert. Zum Zeitpunkt der Tat sei die Beziehung jedoch bereits beendet gewesen, so die Staatsanwaltschaft.

Inzwischen sitzt der mutmaßliche Täter in Haft. Er sei der Haftrichterin vorgeführt worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Sie habe einen Haftbefehl erlassen, woraufhin der 18-Jährige in eine Justizvollzugseinrichtung gebracht worden sei.

Der 18 Jahre alte Deutsche desselben Gymnasiums in St. Leon-Rot steht unter Verdacht, das gleichaltrige Opfer am Donnerstag mit einem Messer in der Schule umgebracht zu haben. Der Beschuldigte sei daraufhin ,,zeitweise mit sehr hoher Geschwindigkeit" vor den Polizeikräften geflohen und habe schließlich einen Unfall mit einem unbeteiligten Fahrzeug gebaut.

Sowohl der 18-Jährige als auch der Fahrer des anderen Fahrzeugs seien verletzt worden. Beide seien zunächst in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Die Ermittler hatten bereits am Donnerstag wiederholt davon gesprochen, dass sie von einer Beziehungstat ausgehen.

Dirk Lutschewitz sagte am Freitag, dass die Tat alle sehr erschüttert habe. ,,Seit gestern ist nichts mehr so wie vorher." An Normalität sei derzeit in der Schulgemeinschaft nicht zu denken. Irgendwann werde man versuchen, den Weg zurückzufinden zur Normalität – aber nun brauche es Zeit, um zu trauern und zu verarbeiten.

Der schulpsychologische Dienst sei im Einsatz, die Aufarbeitung habe begonnen. Die Schule plane, den Schülerinnen und Schülern gruppenweise die Gelegenheit zu geben, über die Geschehnisse zu sprechen und sich auszutauschen. Auch eine Trauerfeier sei geplant. Der Termin sei noch unklar.

Es ist nicht der einzige derartige Fall in jüngster Vergangenheit: Im November hatte ein 15-jähriger Deutscher in einer sonderpädagogischen Schule in Offenburg einen gleichaltrigen Mitschüler erschossen. (dpa)


Aus: "Mord am Gymnasium St. Leon-Rot: Schule wollte Kontakt zwischen 18-Jährigem und Opfer unterbinden" (26.01.2024)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/mord-am-gymnasium-st-leon-rot-schule-wollte-kontakt-zwischen-18-jahrigem-und-opfer-unterbinden-11118826.html

QuoteKoenigDickbauch
26.01.24 19:53

    Die Ermittler hatten bereits am Donnerstag wiederholt davon gesprochen, dass sie von einer Beziehungstat ausgehen.

"Beziehungstat" ist ein schrecklicher Euphemismus für Femizid. Als ob der Grund für diesen Mord in der Beziehung zu suchen wäre und dadurch das Opfer irgendwie auch ursächlich daran beteiligt gewesen wäre. Wie der Begriff "häusliche Gewalt" der ein gesellschaftliches und strukturelles Problem auf eine innerhäusliche, also private Ebene reduzieren möchte.

Es sind in der absoluten Mehrheit Männer, junge oder ältere, die unfähig sind, ein gewaltfreies Beziehungsleben zu führen, und nicht mit vermeintlichen Enttäuschungen oder Zurückweisungen umgehen können. Das Problem ist ein grundlegendes, nämlich Gewalt von Männern gegen Frauen, in leider so vielen Bereichen der Gesellschaft. Es sollte auch so benannt werden.


QuotePat7
26.01.24 20:40

@BR am 26.01.24 19:01
Jeden 3.ten Tag ein vollendetes Tötungsdelikt an einer Frau oder einem Mädchen aus diesem Grund.

Mindestens jeden Tag ein solcher Versuch und die Gesellschaft nimmt es hin, eben auch wegen dieser Wortwahl mit der die Polizei diese Verbrechen bagatellisiert und dem Opfer eine Mitschuld zuweist.


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Quote[...] For almost a whole day last week, deepfake pornographic images of Taylor Swift rapidly spread through X. The social media platform, formerly Twitter, was so slow to react that one image racked up 47m views before it was taken down. It was largely Swift's fans who mobilised and mass-reported the images, and there was a sense of public anger, with even the White House calling it "alarming". X eventually removed the images and blocked searches to the pop star's name on Sunday evening.

For women who have been victims of the creation and sharing of nonconsensual deepfake pornography, the events of the past week will have been a horrible reminder of their own abuse, even if they may also hope that the spotlight will force legislators into action. But because the pictures were removed, Swift's experience is far from the norm. Most victims, even those who are famous, are less fortunate.

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From: "Inside the Taylor Swift deepfake scandal: 'It's men telling a powerful woman to get back in her box'" Emine Saner (Wed 31 Jan 2024)
Source: https://www.theguardian.com/technology/2024/jan/31/inside-the-taylor-swift-deepfake-scandal-its-men-telling-a-powerful-woman-to-get-back-in-her-box

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Quote[...] Maximilian Krah, neben Grausamkeits-Höcke das Sprachrohr des schamlos rechtsextremen Flügels der AfD, sorgt nicht selten für unfreiwillige Satire. Krah, der die Parole ausgab, dass die ,,Zeit der Mäßigung" vorbei sei, schwadroniert regelmäßig über ,,Männlichkeit" und ,,Weiblichkeit". ,,Echte Männer sind rechts", erzählt er, aber es ,,sind auch echte Frauen rechts." Ganz ergriffen ist er von der ,,Komplementarität" der Geschlechter. Männer sind stark, haben eine Führernatur, und sie handeln immer rational. Frauen dagegen reagieren ,,intuitiv", haben ,,Gefühl". Er gesteht: ,,Ich mag ja echte Frauen." Und bei allem Männlichkeitskult findet er doch, dass Frauen ,,eine Bereicherung" seien, also Existenzberechtigung haben. Natürlich primär wegen der ,,Mutterschaft".

Aber weil das nicht mehr alle so sehen wie er, meint Herr Krah, ,,sterben wir Stück für Stück aus". Bisschen obsessiv ist Krah, fixiert auf das Thema. Sigmund Freud hat dazu bestimmt eine Theorie.

Wäre interessant zu wissen, was Frau Alice Weidel von all dem denkt: Sieht sie sich auch mehr ,,intuitiv" als ,,rational"? Und wie, wiederum, kann Herr Krah Frau Weidel oder überhaupt irgendeine Frau als Anführerin akzeptieren, wenn selbstständige Emanzen genau das sind, wovor Herrn Krah am meisten graut?

Lachen Sie nicht. In den Kreisen überspannter Paranoiker, die in ihre völlig durchgeknallte Parallelwelt abgedriftet sind, denkt man wirklich so. Norbert Bolz, einstmals linker, heute ultrarechter ,,Medienphilosoph", hat schon 2006 eine Gagatheorie vorgelegt. Titel: ,,Der Held der Familie". Sexuelle Freizügigkeit, antiautoritäre Erziehung, arbeitende Frauen, Homosexuelle in Hollywood, der Wohlfahrtsstaat, die Pille, all das habe der guten alten Familie und damit auch den gesunden Geschlechterverhältnissen den Garaus gemacht.

Deswegen seien Frauen heute leider ,,maskulinisierte Emanzen", denen auf der anderen Seite wie spiegelbildlich der ,,feminisierte Mann" gegenübersteht. Der Sündenfall habe damit begonnen, dass man Frauen gestattete, zu arbeiten, was wiederum durch die Pille begünstigt wurde. Besonders fatal sei das Einsickern der Frauen in das Bildungssystem. Dort würden sie bereits kleinen Buben das Mannsein austreiben, weil ab der Kita ,,weibliches Verhalten belohnt" werde.

Es ist ein derartiger klebriger, miefiger, verstunkener Kleinstbürger-Konservatismus, ein Hass auf die Welt, wie sie geworden ist, ein buchstäbliches Verrücktwerden an jeder Modernität. Ein Rumgeheule bei gleichzeitiger präpotenter Aufgeblasenheit. Dieser Unfug war ja schon um 1870 rückwärtsgewandt. Selbst die verbiestertsten Reaktionäre hätten damals gezögert, so einen haarsträubenden Unsinn zu Papier zu bringen. Sie wussten, dass es Wandel nun einmal gebe und man sich der Erneuerung der Welt nicht einfach in den Weg stellen könne.

Wo immer die radikalen Neurechten etwas zu sagen haben, wird die Uhr für Frauen zurückgedreht. Abtreibungen werden erst erschwert, dann verboten. Um die natürliche Geschlechterordnung wiederherzustellen, werden die Frauen aus den Arbeitsmärkten herausgedrängt. Nachdem die rechtsextreme FPÖ in Salzburg vergangenes Jahr in eine Koalitionsregierung mit den Konservativen eingezogen ist, war das Erste, was sie verwirklichten: eine Prämie für Frauen, die ihre Kinder selbst daheim betreuen.

Verständlich, dass Studien regelmäßig ergeben, dass junge Frauen heute markant linker wählen als junge Männer. Für diesen Trend gibt es ja schon seit Jahren starke empirische Daten. Und mag der Trend bei den jungen Kohorten besonders markant sein, zieht sich dieser Frauen-Männer-Gap beim Wahlverhalten doch über die verschiedensten Generationen. Also nicht nur die Enkelinnen, auch die Omas wählen signifikant progressiver als die Männer.

Das ist eine lustige historische Pointe. Es waren ja die Linken, die vor etwas mehr als 100 Jahren das Frauenwahlrecht durchgesetzt hatten, obwohl sie wussten, dass die Frauen zu diesem Zeitpunkt konservativer als ihre Männer tickten. Frauen waren damals etwa gläubiger und christlich-konservativ und haben daher seltener Sozialisten oder Kommunisten gewählt als die Männer. Die Linken waren dennoch für das Frauenwahlrecht. 100 Jahre später gibt es so etwas wie eine amüsante historische Gerechtigkeit: Wenn Linke noch irgendwo gewinnen, dann verdanken sie das den Frauen.

Eine häufige Erklärung ist: (Junge) Männer sind in ihrer Männeridentität verunsichert, als Gegenreaktion werden manche dann reaktionäre Ultra-Machos. Na ja, mag sein. Aber deswegen wählt man keine rechtsextremen Verrückten wie Krah und Co.

Es gibt eine gewisse gutmenschliche Verständnishuberei, die man nicht übertreiben soll: dass die Wähler der Rechtsextremisten irgendwelche Opfer seien. Sie leiden am Wandel, was sie quasi zwinge, rechtsextrem zu wählen. Gerne wird auch darauf hingewiesen, dass der Aufstieg der Ultrarechten eine Art von Symptom für das Versagen der Linken sei. Wäre die SPD besser, wäre die AfD kleiner. Auch das mag stimmen oder zumindest nicht ganz falsch sein. Aber es ist eine Verharmlosung. Wer wissentlich eine rechtsextreme Partei wählt, ist ein Rechtsextremist. Punkt. Aus. Wähler und Wählerinnen sind volljährig und geschäftsfähig und keine entmündigten Depperln, die nicht wissen, was sie tun.

Man sollte die streichelpädagogische Attitüde gegenüber diesen Leuten aufgeben. Wer Krah wählt, ist kein Opfer, sondern ein Täter.

Bei der Berliner Nachwahl hat die AfD im Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf 5,3 Prozent der Erststimmen erhalten. Und das, obwohl dort Birgit Malsack-Winkemann auf dem Wahlzettel stand, die seit mehr als einem Jahr als mutmaßliche Rechtsterroristin und Putschistin in U-Haft sitzt. Wer so wählt, wird schwer resozialisierbar sein.


Aus: "Verletzte Männlichkeit und AfD: Klebrige Kleinstbürgerei" Kolumne von Robert Misik (21.2.2024)
Quelle: https://taz.de/Verletzte-Maennlichkeit-und-AfD/!5990445/

QuoteSuryo

Danke!

Menschen ernstzuehmen, bedeutet auch, ihnen ihre frei getroffenen Entscheidungen zuzurechnen.
Jeder Wähler ist erwachsen. Jede Wahl einer Partei in Deutschland ist frei und bewusst.


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Quote[...] Die Bilder der Präsidentin der Nationalversammlung im wehenden blauen Rock, wie sie durch die Reihen der republikanischen Garden im Versailler Schloss schreitet, haben sich eingeprägt. Yaël Braun-Pivet verkündete sichtlich bewegt das Abstimmungsergebnis zum Abtreibungsrecht, das fortan in der Verfassung verankert ist. Sie bezeichnete die Verfassungsänderung als Meilenstein für den Schutz der Frauenrechte.

Sie ist die erste Frau, die den Kongress, die Versammlung der beiden Parlamentskammern im früheren Königsschloss, leitete. Die 53 Jahre alte Mutter von fünf Kindern hatte noch 2018 gegen den Antrag der Linken gestimmt, das Abtreibungsrecht in die Verfassung aufzunehmen. Sie habe ihre Meinung nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofes in Amerika grundlegend geändert.

Ihre Großmutter floh wegen der Judenverfolgung aus München,,Frauenrechte sind überall in der Welt fragil", sagte sie im Radiosender France Inter. In Versailles saßen ihre Töchter im Publikum.

Zum Weltfrauentag hat Braun-Pivet am Mittwoch und Donnerstag ein erstes internationales Gipfeltreffen von 30 Parlamentspräsidentinnen in Paris organisiert. Aus Deutschland reiste Bärbel Bas an. Die ehemalige Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, schickte ein Grußwort.

Die diplomatischen Initiativen der politischen Quereinsteigerin stoßen nicht immer auf Gefallen im Élysée-Palast. Nach den Terroranschlägen der Hamas reiste Braun-Pivet noch vor dem Präsidenten mit einer Delegation nach Israel, um ihre Solidarität auszudrücken.

Der Großdemonstration gegen den Antisemitismus in Paris, die sie gemeinsam mit dem Senatspräsidenten organisierte, blieb Macron fern. Er hatte sich nicht für ihre Kandidatur in der Nationalversammlung starkgemacht.

Braun-Pivet verbindet mit Deutschland ein Stück Familiengeschichte. Ihre Großmutter sprach immer deutsch mit ihr. Sie war in München aufgewachsen und musste vor der Judenverfolgung fliehen. Braun-Pivets aus Polen stammender Großvater flüchtete bereits in den Dreißigerjahren nach Frankreich. Seit sie der Nationalversammlung vorsteht, erhält Braun-Pivet regelmäßig antisemitische Drohungen.

Ihre Kindheit verbrachte sie in Nancy. Später studierte sie Jura und arbeitete mehrere Jahre als Strafrechtsanwältin in Paris. Ihren Ehemann, einen Manager beim Kosmetikkonzern L'Oréal, begleitete sie zwischen 2003 und 2012 nach Taiwan, Japan und Portugal.

Nach ihrer Rückkehr nach Frankreich engagierte sie sich in der Hilfsorganisation Restaurants du Coeur und schloss sich 2016 begeistert Macrons Bewegung En marche an. 2017 wurde sie in die Nationalversammlung gewählt und übernahm die Leitung des Rechtsausschusses. Die Novizin bekam in der Presse viel Spott ab, machte sich aber schnell einen Namen unter den Abgeordneten.


Aus: "Frankreichs Kämpferin für Frauenrechte" Michaela Wiegel, Paris (07.03.2024)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/yael-braun-pivet-frankreichs-kaempferin-fuer-frauenrechte-19569977.html

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Quote[...] BERLIN taz | Die britischen Suffragetten haben vor mehr als 100 Jahren an Protestformen und Widerstand so ziemlich alles durchdekliniert, was man sich vorstellen kann. Vom zivilen Ungehorsam bis zu Militanz und Hungerstreik. Um Wirkmacht zu entfalten, braucht Protest die Inszenierung im öffentlichen Raum. Wer politisch etwas ändern will, muss Aufmerksamkeit generieren.

Ein Meer aus Tausenden von Frauen in Grün, Weiß, Violett – den Farben der Bewegung –, die im Londoner Hyde Park gleichzeitig den Protestslogan ,,Votes for Women" skandierten, mit dem ,,March of the Women" gibt es eine eigens für die Suffragetten komponierte Protesthymne.

Die Klaviatur der Aufmerksamkeitsökonomie spielten die Aktivistinnen virtuos, mit spontanen Demos und choreografierten Paraden, dem Anketten an öffentlichen Gebäuden oder beim Museumsbesuch, mit Fleischerbeil-Attacken auf Gemälde wie ,,Die Venus vor dem Spiegel" von Velázquez.

Damit gewannen die radikalen Suffragetten Mitstreiter:innen, aber auch Gegner:innen, und das, lange bevor sie unter der Losung ,,Taten statt Worte" Fensterscheiben einwarfen und Brandanschläge verübten.

,,Mannsweiber", ,,Rabenmütter", ,,verhärmt", aber auch ,,unersättlich", oder, ,,zu hässlich, um einen Mann abzubekommen" – damals kursierten entsprechende misogyne Karikaturen, bei Straßenschlachten prügelten Polizei und auch Passanten auf die Demonstrantinnen ein. ,,Emanzen" war das Schimpfwort für Aktivistinnen der 1970er Jahre, Hate Speech und Gewalt gehörten schon immer zum Repertoire von Antifeminismus und Queerfeindlichkeit.

Angesichts des globalen Trends zum Autoritarismus sorgen sich immer mehr Menschen um die Demokratie, den liberalen Rechtsstaat. Das Interesse für feministische Proteste ist entsprechend groß, denn die Selbstbestimmungsrechte von Frauen sind regelmäßig die ersten, die in autokratischen Regimen beschnitten werden.

Tatsächlich sind es seit einigen Jahren oft Frauen, die Massenproteste initiiert haben – nicht nur für Pro-Choice und gegen Femizide, sondern auch bei Black Lives Matter oder der Klimabewegung. Wenn immer öfter Fotos von Frauen zu Protestikonen werden, sagt das etwas über den Stand der gesellschaftlichen Rezeption aus.

Für das Foto von Ieshia Evans, die bei einer Demonstration 2016 gegen Polizeigewalt und Rassismus im US-Bundesstaat Louisiana aufrecht und ruhig schwer bewaffneten Polizisten gegenübersteht, bekam der Fotograf den World Press Foto Award.

Die damals 28 Jahre alte Krankenschwester Ieshia Evans, als 2016 in den USA gegen rassistische Polizeigewalt demonstriert wird

https://taz.de/picture/6871100/948/19458200-1-6-2.jpeg

Betrachtet man das Bild, kommen einem historische Bilder in den Sinn: Rosa Parks, die Ikone der Bürgerrechtsbewegung, die erhobene Faust der Black-Power-Bewegung oder der ,,Tank Man", der sich während des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens mit zwei Einkaufstüten in der Hand vor die Panzer stellte. Intuitiv begreift man, was mit Hannah Arendts Diktum vom Recht, Rechte zu haben, gemeint ist.

Der Slogan von Irans feministischer Bewegung bringt es auf den Punkt: Frau, Leben, Freiheit. Unter solchen Machtverhältnissen ist jede noch so kleine öffentlich gezeigte Protestgeste lebensgefährlich.


Aus: "Feministischer Protest in der Geschichte: Ästhetik des Widerstands" Martina Mescher (7.3.2024)
Quelle: https://taz.de/Feministischer-Protest-in-der-Geschichte/!5990896/

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Quote[...] Junge Frauen sollten ältere Männer kennenlernen, wohlhabende Männer. Das stärkere Geschlecht müsse Geld haben, sonst seien sie zu vernachlässigende "Staubkörner", mit denen man nicht seine Zeit verschwenden solle.

Auf Social Media macht sich gerade eine starke Bewegung breit: Jungen Frauen werden Ratschläge geben, wie man heute als Frau am besten leben könne. Als "Tradwife", also "traditionell wife", solle man es sich zu Hause gutgehen lassen. DIe "Housewife" der 1950er-Jahre sei "aus der Mode", wie es beispielsweise die Influencerin und selbsternannte "Finanzberaterin" SheraSeven beschreibt. Küche putzen und andere Haushaltstätigkeiten – dafür sei Personal anzustellen. Wenn es der Mann ernst meine, dann würde er dafür zahlen.

... Immer wieder betont die Influencerin, dass es ihr nicht um Tipps für "echte Beziehungen, die nicht auf Geld basieren", gehe. Jede Beziehung würde auf Macht beruhen. Man müsse sich aussuchen, auf welcher Seite dieser Macht man als Frau stehen möchte.

... Eine der bekanntesten im deutschsprachigen Bereich ist Malischka. Die Deutsch-Ukrainerin lebt mit ihrem Mann auf Mallorca und lässt regelmäßig in ihren Alltag blicken. Mit Blick aufs Meer bereitet sie ihm meist das Frühstück vor, bevor sie sich dem Haushalt widmet. Dann ist "meist schon Mittagszeit". Nach dem Kochen trinkt sie selbst einen Kaffee, während sie auf das Meer blickt und überlegt, ob sie nicht noch etwas "backen soll". Eine Million Likes hat Malischka mit solchen Videos bereits sammeln können. (red, 14.8.2023)

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Aus: "Männer ohne Geld sind vernachlässigbare "Staubkörner"" (14. August 2023)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/3000000182864/maenner-ohne-geld-sind-staubkoerner

QuoteFrau Bärt

Diese Frauen finde ich genauso verachtenswert wie die Männer, für die eine Frau eine Trophäe sein muss. Damit tun sie jungen Frauen, die erst ihren Platz im Leben suchen, keinen Gefallen.


QuoteAdrian -S

Tja, ich frag mich nur, was diese geldgeilen jungen Ladies machen, wenn sie selbst mal in die Jahre kommen und mit der jüngeren Konkurrenz nimmer mithalten können und keinen Sugar-Daddy mehr abbekommen. Aber bis dahin haben sie finanziell wohl eh schon ausgesorgt und können sich dann einen jungen Toy-Boy leisten, der sie für Geld bumst! ;-)


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Quote[...] Die inoffizielle Anführerin [des ...] neuen [Sugar-Daddy] Kults heißt Leticia Padua. Die sogenannte sprinkle sprinkle lady beendet ihre Ratschläge stets mit ebendiesem Ausspruch. Unter dem Künstlernamen Shera Seven veröffentlicht die 45-jährige ehemalige Bestatterin seit rund zehn Jahren auf YouTube Videos zur "Finanzberatung" junger Frauen. Sie bewirbt das Konzept des Mannes als Versorger, aus dem Frauen herausholen sollten, was sie können, um sich selbst voranzubringen. Zulässige Mittel, um seine "finanzielle Großzügigkeit" zu steigern, seien das Vortäuschen von Zuneigung, umgekehrte Psychologie und Manipulation. Männer, die nicht zu zahlen bereit sind oder Frauen anderweitig schlecht behandeln, nennt Padua "Dusty", also "Staubiger". Sie seien aus Gründen des Selbstwertes unverzüglich zu verlassen.

Das alles hätte ebenso gut und genau wie die Jahre zuvor unbeachtetes Gerede im Internet bleiben können, wären da nicht Ausschnitte der stundenlangen Livestreams von der sprinkle sprinkle lady zuletzt auf TikTok geteilt worden. Seither gilt Padua als weibliches Pendant zu Andrew Tate, dem Online-Guru, der mit Frauenverachtung bekannt wurde. Paduas Gefolgschaft wäre dann die Antwort auf die mit Tate assoziierte Manosphere, eine lose Online-Gemeinschaft, die den Feminismus verachtet und hegemoniale Männlichkeit predigt.

Die von Padua angeleitete Gegenbewegung fügt sich in eine größere, vom Pop-Feminismus seit einiger Zeit bemühte Erzählung ein, die es als anerkannten und erstrebenswerten Lebensentwurf zelebriert, sich von einem Mann aushalten zu lassen. Genau so soll der vom Kapitalismus gleichermaßen erschöpfte und verblendete Traum dieser Frauen aussehen: ein schönes kleines Spiel, das mittlerweile, weil Einflusshaben zum Berufsbild des Influencers gehört, auch in die Gegenwartskultur eingesickert ist. Insbesondere Künstlerinnen erzählten zuletzt die Geschichten junger Frauen, die sich mit einem reichen Mann auch einen luxuriösen Lebensstil besorgten: Emma Seligman in ihrem Film Shiva Baby oder Coco Mellors und Emma Cline in ihren Romanen Cleopatra und Frankenstein und Die Einladung. Sie alle wurden von der jungen, weiblichen Internetgeneration gefeiert.

[...] Bei [ ] Frauen hat sich [ ] ein anderes Selbstverständnis entwickelt: Sie verharren nicht mehr aus Angst vor sozialem Abstieg in unglücklichen Partnerschaften, sondern sie empowern sich, jeden Mann, der ihrer persönlichen Entwicklung nicht dienlich ist, "wegzuwerfen". Dieser sogenannte Dump-him-Feminismus (namensgebend waren die Paparazzi-Bilder von Britney Spears, die 2002 nach ihrer Trennung von Justin Timberlake ein T-Shirt mit der Aufschrift "Dump him" trug) fordert Frauen auf, ihre Standards zu heben, ihre sexuelle Macht zum eigenen Vorteil zu nutzen und sich für ihr Leiden im Patriarchat finanziell entschädigen zu lassen.

Das ist die Abkehr vom neoliberalen Feminismus, der die Glasdecken durch immer härtere Arbeit durchbrechen wollte, um bei den Männern "mitzuspielen", und der auf diese Weise patriarchale Herrschaftsstrukturen anerkannte. Solche Phantasmen der Gleichberechtigung wurden in den vergangenen Jahrzehnten hinlänglich erprobt. Nun haben die sprinkle sprinkle-Frauen die für sie darin vorgesehene Vielfachbelastung als Zumutung erkannt und verweigern sich ihr. Was regressiv anmutet, ist die Emanzipation von einem männlichen Ideal: Bislang richteten sich alle Bemühungen der "Frauenbefreiung" auf die bestehenden Lebensrealitäten und auf die Rechte der Männer. Doch nun wird die Tatsache, dass Frauen sich männliche Pflichten auferlegten – Lohnarbeit im Spätkapitalismus –, hinterfragt und abgelehnt. Und so wird der Umstand, dass Männer bereit sind, für den Zugang zu weiblichen Körpern oder auch nur für die Illusion ihrer Gesellschaft zu bezahlen, mit zynischer Geringschätzung und in anarchokapitalistischer Manier ausgebeutet. Zwischenmenschliche Beziehungen existieren dabei nur noch als Verfallsform. In einem unfreien System ist die einzig wahre Freiheit der freiwillige Ausstieg. Und die einzig wahre Liebe ist die Selbstliebe.


Aus: "Himmel, was ist Sugardating?" Berit Dießelkämper (23. März 2024)
Quelle: https://www.zeit.de/2024/13/dating-geld-sugardating-feminismus-kapitalismus-liebe

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"Update: ,,Mein Verhalten ist unverzeihlich" : Video zeigt, wie Rapper Sean ,,Diddy" Combs seine Ex-Freundin schlägt" Birgit Rieger (19.05.2024)
Der US-Sender CNN veröffentlichte am Freitag ein Überwachungsvideo, das 2016 in einem Hotelflur in Los Angeles aufgenommen wurde. Nun hat sich der Rapper via Instagram entschuldigt. ... Gegen Combs wurden in letzter Zeit diverse Zivilklagen angestrengt. Die Vorwürfe kommen von unterschiedlichen Personen, unter anderem von Frauen, die er sexuell belästigt haben soll und von dem Produzenten und Ex-Mitarbeiter Rodney ,,Lil Rod" Jones.
Die Anklagen sind vielfältig: Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, Waffenbesitz, Drogenschmuggel, Prostitution und sogar Menschenhandel werden dem Star vorgeworfen. Im Rahmen dieser Klagen untersuchten US-Ermittler der Behörde Homeland Security Investigations im April die Häuser von Combs in Miami, New York und Los Angeles.
Warum das Video erst jetzt aufgetaucht ist, ist eine weitere Frage, die sich stellt. CNN berichtet, Diddy habe dem Hotel möglicherweise 50.000 Dollar dafür bezahlt, das Video verschwinden zu lassen. Eine offizielle Stellungnahme des Hotels steht noch aus. ...
https://www.tagesspiegel.de/kultur/brutale-szenen-video-zeigt-wie-rapper-sean-diddy-combs-seine-ex-freundin-schlagt-11683136.html

QuoteBerlinaleser
18.05.24 17:03

Leugnen bis zum Gegenbeweis.


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"Leben als Sexarbeiterin: ,,Wir kreieren eine ehrliche Illusion"" Markus Lücker Esther Kogelboom (16.05.2024)
Lenia Soley und Luisa sind Escorts. Im Gynäkologie-Podcast Gyncast geben sie Einblicke in ihren Berufsalltag und erklären, warum ihnen Gesetze, die sie schützen sollen, eher schaden. ...
https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/leben-als-sexarbeiterin-wir-kreieren-eine-ehrliche-illusion-11664122.html

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Quote[...] Ein Mann steht am Griller und brutzelt das Fleisch. Er steigt in sein dickes Auto, einen SUV, groß natürlich und PS-stark, und beim Wegfahren erzeugt er einen ohrenbetäubenden Lärm. Bilder wie diese kennt man von Los Angeles bis Langenzersdorf.

Dass das Auto für viele immer noch ein Zeichen von Männlichkeit ist, ist hinreichend bekannt. Folgt man neuen Theorien, könnte dahinter aber ein noch größerer Zusammenhang stecken. Denn nicht nur dem Autofahren oder Grillen sind überwiegend Männer zugeneigt – sie sitzen auch an den Schalthebeln der Macht großer Öl- und Gaskonzerne. Oder an der Spitze jener Parteien, die sich gegen die Energiewende stellen und fossile Brennstoffe weiter hochhalten. Wie etwa der ehemalige US-Präsident Donald Trump, der traditionelle Bilder von Männlichkeit mit fossiler Energiegewinnung wie dem Kohleabbau verbindet. Auf einem signalhaften Foto aus dem Jahr 2016 hält er ein Schild in der Hand mit der Aufschrift: "Trump Digs Coal" – "Trump gräbt nach Kohle".

"Männer profitieren unverhältnismäßig stark vom Erfolg der fossilen Brennstoffe", sagt der Journalist und Psychologe Christian Stöcker. Ein Beispiel sei der russische Präsident Wladimir Putin, "dessen gigantischer Reichtum und komplette Macht auf Öl und Gas basieren". Oder Mohammed bin Salman, der Kronprinz von Saudi-Arabien. In seinem neuen Buch geht Stöcker mit ebenjenen Akteuren ins Gericht, die in seinen Augen die Hauptverantwortung für die Klimakrise tragen. Es trägt den Titel Männer, die die Welt verbrennen und ist kürzlich im Ullstein-Verlag erschienen.

Die Lust am Verbrennen finde sich allerdings nicht nur ganz oben in der Politik und Wirtschaft, betont Stöcker gegenüber dem STANDARD: "Diese Haltung findet man auch bei Männern, die nicht reich geworden sind mit Öl und Gas. Sie findet sich auch bei denen, die einfach nur ihr Auto lieben." Er sagt: Der Verbrenner sei ein wichtiges Identitätsmerkmal für viele vor allem konservative Männer mittleren Alters.

Dieser Zusammenhang hat einen Namen: Petromaskulinität. Es handelt sich dabei um eine Wortschöpfung aus "Petroleum" (Erdöl) und "Maskulinität" (Männlichkeit). Die US-amerikanische Politikwissenschafterin Cara Daggett hat den Begriff 2018 geprägt. Sie meint damit meist männlich geprägte, autoritäre Gegenbewegungen zum Klimaschutz.

Tatsächlich gebe es einen "ganz klaren Geschlechterunterschied", so Stöcker: Männer wählen eher rechte Parteien, die häufiger den menschengemachten Klimawandel in Zweifel ziehen. Studien aus den USA und Schweden zeigen, dass Männer eher klimawandelskeptischer sind als Frauen.

Petromaskulinität, erklärt der Autor, hänge außerdem häufig mit Frauenhass zusammen. Ein Prototyp für das Phänomen ist für ihn der Influencer und ehemalige Kickboxer Andrew Tate. Vor rund zwei Jahren richtete er auf X, vormals Twitter, eine spöttische Botschaft an die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg. "Ich habe 33 Autos", prahlt der Influencer darin und berichtet von einem Bugatti und zwei Ferraris. Doch das sei erst der Anfang, heißt es weiter: "Bitte schicke mir deine E-Mail-Adresse, damit ich dir eine vollständige Liste meiner Sammlung an Autos und ihrer jeweiligen enormen Emissionen zusenden kann." Thunberg konterte cool: "Ja, bitte kläre mich auf. Schreib mir an smalldickenergy@getalife.com".

Frauen und andere, die sich für Klimaschutz oder Feminismus einsetzten, seien die typischen Feindbilder petromaskuliner Männer, erklärt Stöcker. Sie würden in einen regelrechten Kulturkampf gegen all das ziehen, was sie als "woke" ablehnen. Die Fossilindustrie in den USA verunglimpfe auch auf diese Art und Weise die Windkraft. "Und Donald Trump hetzt jetzt gegen Elektroautos. Im Endeffekt sind das Marketinginstrumente, um weiterhin fossile Brennstoffe verbrennen zu können."

Für Christoph May meint das Phänomen aber längst nicht nur Rechte. May betreibt in Rheinland-Pfalz gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Stephanie May das Institut für Kritische Männlichkeitsforschung. Er sagt: "Petromaskulinität ist überall." May ortet sie auch bei dem Nachbarn, der am Wochenende Holz durch den Häcksler jagt, das gepimpte Motorrad aus der Garage holt oder den großen Grillmeister spielt. "Besonders auffällig ist, wie laut das eigentlich alles ist. Man muss wirklich von einem Männlichkeitslärm sprechen. Und alle anderen müssen ihn aushalten, dieser Lebensstil wird ihnen rücksichtslos aufdiktiert."

Filme wie auch Serien würden diese Form der Maskulinität befördern. Sie zeigen Superhelden und Geheimagenten, die mit schnellen Fahrzeugen durch die Gegend rasen, um die Welt zu retten. Damit solle die männliche Überlegenheit durch Autos, Flugzeuge und Motorräder demonstriert werden, sagt May. Ebenso eine Rolle würden "Narrative" spielen, beispielsweise jenes, dass Männer besser Auto fahren könnten als Frauen. Mit diesen Erzählungen würden wir alle aufwachsen, sie seien allgegenwärtig, sagt May.

Für den Männlichkeitsforscher hängt die Petromaskulinität auch mit einer fragilen Männlichkeit zusammen: Je weniger sich jemand seiner Männlichkeit sicher ist, desto dominanter und aggressiver gebe er sich. Demnach sei Petromaskulinität ein Ergebnis verloren geglaubter Männlichkeit – das sagt auch die Schöpferin des Begriffs, Politikwissenschafterin Cara Daggett. Je mehr sich Frauen ihren Platz in der Gesellschaft erkämpfen und für das Klima eintreten, umso mehr Widerstand entsteht. "Umso mehr werden Männer wieder die Auspuffe ihrer Autos aufheulen lassen und einen Scheiß auf Umweltschutz geben", sagt May. Für ihn passt das Phänomen zu dem Befund, dass junge Männer immer konservativer werden, während das bei jungen Frauen umgekehrt ist.

Für Politikwissenschafterin Daggett ist Petromaskulinität historisch gewachsen. Einerseits schuf die Produktion dieser fossilen Energieträger Jobs für Männer. Diese konnten damit einen Familienlohn generieren und somit dem gesellschaftlichen Leitbild des Familienernährers entsprechen. Andererseits sei der Lebensstil, auf dem der American Dream baue, stark auf den Verbrauch fossiler Energien angewiesen.

Bleibt die Frage, ob neue Männlichkeitsbilder Abhilfe schaffen könnten. "Ich würde davon abraten, zu sagen: Wir müssen nur die Männlichkeitskonstruktion verändern, dann lösen wir auch die Klimakrise", sagt Buchautor Stöcker. "Wir haben einfach keine Zeit – und an dem Thema Männlichkeit wird ja auch nicht erst seit gestern gearbeitet." Es bewege sich zwar etwas, aber es gehe zu langsam. Vielmehr müsse das Energiesystem umgestellt und dadurch die Verantwortlichen entmachtet werden. Es gelte auch, ihre Methoden der Desinformation offenzulegen.

Es gibt jedoch auch männliche Identitäten abseits der Petromaskulinität. Gotelind Alber, die seit 15 Jahren an der Schnittstelle von Gender und Klima forscht, spricht etwa von der "ecomodern masculinity". Der Begriff wurde von dem Schweden Martin Hultman geschaffen. Der ecomoderne Mann baue auf erneuerbare Energien, "fühlt sich innerlich aber nach wie vor Wachstum und Technologie verpflichtet", erklärt Alber. Ein Beispiel sei der Politiker Arnold Schwarzenegger, der als Gouverneur in Kalifornien viel vorangebracht habe in Sachen Klimaschutz, dessen Ansätze jedoch sehr technikzentriert seien. Als weiteres Beispiel nennt die Expertin den Unternehmer Elon Musk: "Einerseits hat er Tesla und E-Autos großgemacht, andererseits fliegt er mit dem Privatjet durch die Gegend und schießt seine Raketen in den Himmel." Dahinter stecke weiterhin eine "Eroberungsmentalität".

Männlichkeitsforscher May sagt, dass es auch ganz anders gehe. Schließlich gebe es sie bereits, die Männer, die überallhin mit dem Fahrrad führen, die sich in der Umweltbewegung engagierten oder bei grünen Parteien. Für ihn liegt der Schlüssel darin, Männlichkeit mit anderen Eigenschaften zu verbinden als mit Macht, Aggression und Gewalt. Sein Wunsch: eine Welt, in der Männer Rücksicht nehmen, selbstkritisch und patriarchatskritisch sind. In der Anteilnahme und feministisches Engagement wichtiger sind als ein lauter, stinkender Auspuff.


Aus: "Petromaskulinität: Die männliche Lust am Verbrennen hat jetzt einen Namen" Lisa Breit (30.5.2024)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/3000000221221/die-maennliche-lust-am-verbrennen-hat-jetzt-einen-namen

Quotephoenixdrache

arbeite im speckgürtel mit jugendlichen u jungen erwachsenen...an dem begriff is was dran...
das auto der heilige gral; ghackelt wird nur dafür...tschick, böller, feuer, verbrennen...frauen sind großteils "weiber"  "bitches"...null umwelt-bewußtsein, müll grundsätzlich am boden...alles "schwul", was nicht hort u aggro is...



Quotemostly harmless

Kenne die Klientel.

Das Blöde ist, dass die Mädels aus der selben Schicht genau mit diesen Jungs abhängen, voll auf das Status-Symbol Auto abfahren, genauso viel rauchen und das Wort "bitches" untereinander fast noch häufiger nutzen.
Also genau dieses Verhalten bei den jungen Männern noch "befeuern" (pun intendet)


QuoteAloe_Vera

Es ist alles Evolution... Wenn dieses Verhalten von Frauen entsprechend "belohnt" wird, dann wird es so bleiben.
Gerade in den Innenbezirken ist die Dichte an SUVs etc hoch...


QuoteÖkonomix

Mir ist der Artikel zu sexistisch.


Quotemostly harmless

Und wenn der Artikel so beginnen würde: (achtung satirische Überspitzung)

Eine Frau parkt ihr SUV am Parkplatz des Einkaufszentrums (nachdem sie damit die Kinder die 500 Meter zur Schule gefahren hat), um dann in Plastiktaschen "fast Fashion" -natürlich fast alles aus Kunstfaser und "made in Asia" - für den einmaligen Gebrauch zu shoppen und heimzuschleppen. Dort wird dann die (Gas?)Therme um 3° höher gedreht (Wohlfühltemperatur für kurze Kleidung) und das Warmwasser für ein ausgiebiges Bad ewig laufen gelassen, um sich danach die Erdöl-basierten Kosmetika in dicken Schichten aufzutragen ...
Ist das dann Petro-Feminität oder ganz einfach nur eine Aufzählung von ganz blöden Klischees?


QuoteToploaderTele

Ich vermisse das Wort ,,toxisch" vor ,,Petromaskulinität"


Quotebrookfield

Petromaskulinität...

... geht leider oft Hand in Hand mit dem röhrenden Hirsch Syndrom. Der lauteste ist der Beste. Im Tierreich ja OK, aber bei Erwachsenen schon ein sehr fragwürdiges Phänomen.


QuoteHumanGarbage

Ich finds immer toll wenn frauen männern erklären wie männer drauf sind und denken....


QuoteAMC2THEMOON

Das muss dann wohl Womansplaining sein. Die ganze weibliche Toxizität muss man(n) halt aushalten können.


QuoteDas Krokodil und sein Nilpferd

Wer kennt das von uns Männern nicht wenn man nach einem toxischen Grillabend versucht mit einem Panzer die Weltherrschaft an sich zu reissen.


QuoteWebhoschi

Komisch, bei uns ist es meine Partnerin, die unbedingt einen fetten Verbrenner haben möchte


QuoteDie Unterhose von Chuck Norris

Bei mir in der Familie auch. Ich wollte ein kleineres e auto kaufen. Meine Frau war wehement dagegen und hat sich eine fette karre gekauft. Vernunft basierte Argumente meinerseits völlig nutzlos.
Bei meiner Mutter genauso. Je größer desto besser. Sie hat eine zeit lang mit einem Hummer geliebäugelt was aber dann am preis gescheitert ist.


QuoteWhothefuckiam

Ich bin stolz auf meine Petromaskulinität! ...


QuoteDr. Eisenbarth

Petromaskulin und silikofeminin.

TikTok


QuoteRogy

Identität, Täter:innen und Opfer

Es ist ein gewisser Schlag von Männern, der diese lauten übermotorisierten Autos fährt, und ein gewisser Schlag von Frauen, der auf solche Männer steht, und genau diese Karren sehr geil finden.
Auch da ist was sehr, sehr Wahres dran.
Man kann aber noch ein Identitätsmerkmal aufziehen. Egal ob in Wien oder am Land: Die tiefergelegten Supermonster BMW und Mercedes werden in erster Linie in der Schicht der 2 und 3. Generation von meist türkisch- balkan- und arabischstämmigen Zuwanderern gefahren, die größtenteils Muslime sind.
Was ich mit diesem Hinweis zum Ausdruck bringen will, ist, wie absurd solche Zuordnungen wie ,,Petromaskulin" sind. Es käme (hoffentlich) auch niemand auf die Idee ,,Petroislam" zu sagen??


QuoteRN22

Hm, nachdem gut 1/3 vom global geförderten Erdöl aus islamischen Ländern kommt, ...


Quotethealexinator

Nein, das wäre diskriminierend ;)


QuoteBabsi M.

Diese Art von Männlichkeit fällt mir vermehrt wieder auf, seitdem es Social Media gibt. Da gibt es generell einen Trend zu mehr Konsum und Egoismus, auch bei Frauen.
Männer werden zudem seltener zu Bescheidenheit und Verantwortungsbewusstsein für andere erzogen als Frauen. Das mag ein "Vorteil" sein in der kapitalistischen Welt, aber diese stößt eben gerade voll an ihre Grenzen (Klimawandel, Ressourcenverbrauch, Überbevölkerung).


QuoteJenesaisquoi

Glauben Sie mir, diese Art ,,Männlichkeit" gab's auch schon lange vor Social Media.


Quotealright

Interessant, hätt ich nicht gedacht. Bei mir im Grün regierten 18. Bezirk seh ich fast nur Frauen hinter den gigantischen Range Rovers und Cayennes.


QuoteKupetzki

"Komm Schatz, jetzt machen wir dir einen Dutt, warten bis dein E-Auto geladen ist und fahren dann in den Bio Laden"


QuoteCAaVie

Hahaha... why not?

Ich als Frau hätte da nix dagegen ;)


QuoteKaesekrainer

Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen!
So sind wir Männer halt ...


Quotewie meinst krise, spatzl?

Als Frau kann ich diesem Artikel nichts abgewinnen.
Aber einer über private Laubbläser-Benutzer und Pyro-Zündler in Fussballstadien würde ich mich freuen.
Ah ja, und über nervtötende Lauttelefonierer, egal welchen Geschlechts, auch.


Quoteparko tyr

ich bin so petromaskulin dass ich sogar den akkuschrauber auf benzin umgerüstet habe! und die waschmaschine


QuoteUrei

Petromaskulinität, so skurril, so interessant. Ich kenne auch Männer, die darunter fallen würden.

Googled man den Begriff jedoch oder sucht auf google scholar, so findet man einige Schriften hierzu.
Liest man ein paar der Schriften, so müsste man den Titel dieses Artikels so abändern:

"Die Lust am Verbrennen, die von Männern, die konservativ sind, mittelalt und amerikanisch, republikanisch wählen, geringe Bildung und geringes Einkommen haben, also max. 5 bis 10 % aller Männer in den USA, verspürt wird, hat jetzt einen Namen".

Dann doch lieber die reißerische Headline, nicht?

Standard, ich hoffe du weißt, dass du in deiner Bubble Erfüllungsgehilfe der Lagerbildung bist, du Gauner.


Quote[Apropos]

Fassen wir zusammen

Petromaskuline Männer Grillen, Häckseln, fahren Autos mit Verbrennungsmotor und nehmen sich Trump, Putin oder Musk als Vorbild.

;-)


QuoteElimGarak!

Bei typisch weiblich gibt es oft eine entsetzten Aufschrei, das wäre ja sooo sexistisch, im
aber mal abgesehen davon ist Petromaskulin einfach nur ein genialer es auf den Nagel treffender Begriff!


Quotec_ozwei

Kulturelle Prägung

Das größte Problem bei der Sache sind mMn nicht die Chromosomen sondern die kulturelle Prägung. Es gibt tausende Spielfilme und Serien, in denen entweder Autos mit heulenden Motoren oder Privatjets oder das ,,Traumschiff" positiv dargestellt werden. Dazu werden noch C-Promis mit dem Flieger in den Dschungel geflogen oder Selbstdarsteller:innen auf eine Insel. Spielfilme, die sich kritisch mit der fossilen Branche auseinandersetzen, kann man an einer Hand abzählen. ,,How to blow up a pipeline" und ,,Deep water horizon" sind zwei davon. ...


QuoteTom220023

Welchen Namen hat dann zB die weibliche zwanghafte Lust am schminken?


QuoteUrei

das ist der Schminkofeminismus.

An diesem hängt unwiderkennbar die Bereitschaft zur Unterwürfigkeit dem Petromaskulinen gegenüber, woraus sich schlussfolgern lässt, dass die Beautybranche, bei all dem glücklichen Gegrinse der Werbesujets, in Wahrheit der in den Tiefen der Erzberge und Ölbohrlöchern, in Aufbringung von Schweiß, Blut und Muskulatur, abgebauten, phallusähnlichen Brocken, gemäß dem patriarchalen Äquivalent, huldigt.


QuoteGünther Hase

Die Hälfte der Postings hier...

"... a-a-aber die Frauen!"
Ist das ein Forum für Pubertierende?


QuoteAres the Rottweiler

Was erwarten Sie wenn in einem Artikel die Männer als hirnlose Pubertierende dargestellt werden?


QuoteEsstbakterienjoghurt Damitdanonewasverdient

Bin keine Netzfeministin, aber mir gehen diese lärmenden und stinkenden Dumpfbacken sagenhaft auf den Allerwertesren. Deshalb finde ich "petromaskulin" ein absolut treffendes Wort, das eine echte Lücke schließt.
Das ist ein 100% ironiefreies Posting.


QuoteSchaudoliggaleichimRinnsoi

Ein Mann steht am Griller und brutzelt das Fleisch. Er steigt in sein dickes Auto, einen SUV, groß natürlich und PS-stark, und beim Wegfahren erzeugt er einen ohrenbetäubenden Lärm.

So weit, so zutreffend.
Und so langweilig, dieser Lebensstil.

Ebenso gehören dazu die Horden von krachmachenden Motorradfahrern, die jeden Sommer die Strassen unsicher machen und sich mit ihren lächerlichen Rockerkutten als Inbegriff der Freiheit fühlen.

Ebenso bestätigt sich bei mir der Eindruck, dass junge Männer heutzutage wesentlich konservativer und biederer sind als in meiner Jugendzeit Anfang der Siebziger.
Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel.


QuoteAnders Sjögren

Ich habe kürzlich irgendwo gelesen, dass (schnelles) Autofahren für viele Männer deswegen emotional hoch besetzt sei, weil sie es ihnen ein Gefühl der Selbstwirksamkeit vermittle. Im Beruf müssten sie sich Vorgesetzten fügen, während ,,die Macht" hinterm Steuer bei ihnen liege und das Auto unmittelbar auf ihre Befehle reagiere. Langsamere Verkehrsteilnehmende könnten sie dabei zudem buchstäblich hinter sich lassen.


QuotePostingname2014

Also wie Männer auf Rennfahrrädern :-)


Quotewie meinst krise, spatzl?

Darf man jetzt auch einen Artikel über die ungebrochene weibliche Lust an immer neuen Polyesterklamotten von H&M, Zara etc. und neuerdings Shein oder TEMU erwarten?


QuoteWexxler

Frage: Wer schadet dem Klima wohl mehr: Der böse Mann, der im Sommer sein Fleisch vom Fleischer im Garten auf dem Webergrill brät, oder die linke Lifestyle Lena, die jeden Tag ihre Soja Produkte und Avocados aus Südamerika konsumiert? ...


QuoteOy Da

Polyesterfeminität ist ein Tabu und sollte auch eines bleiben.


QuoteGründen Sie doch was Eigenes!

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