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REALITY.SERVICES [REALITAETS.DIENSTE] => Erweiterter Machtdiskurs (Politik) => Topic started by: Link on October 08, 2008, 04:05:12 PM

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 08, 2008, 04:05:12 PM
Quote
[...] "Sei interessant für ihn, räum auf, sorge dafür, dass es ruhig ist. Beschwer dich niemals, wenn er zu spät nach Hause kommt, und freu dich, ihn zu sehen. Eine gute Frau kennt immer ihren Platz." Vor ein paar Jahren machte ein Text aus einer US-amerikanischen Benimmfibel für Frauen die Runde und sorgte für einige Kopfschüttler und Lacher.  ...


Aus: "Beziehungsregeln für Frauen: Loben Sie Ihren Liebsten, und lassen Sie sich nicht gehen" Kolumne - Nils Pickert (3. April 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000077027488/Beziehungsregeln-fuer-Frauen-Loben-Sie-ihren-Liebsten-und-lassen-Sie (https://derstandard.at/2000077027488/Beziehungsregeln-fuer-Frauen-Loben-Sie-ihren-Liebsten-und-lassen-Sie)

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Die Forderung nach Emanzipation als Forderung nach Befreiung anderer (z. B. der Sklaven) und der Selbstbefreiung kulminierte bei Karl Marx in dem Satz: „Wir müssen uns selbst emancipieren, ehe wir andere emancipieren können.“, wobei er in jeder Hinsicht die Emanzipation als eine Klassenfrage und keine Frage der Natur − etwa bei der Gleichberechtigung der Frau − herausstellte. Emanzipation erfüllt sich durch das bewusste Wahrnehmen und Gestalten von Freiheitsrechten. ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Emanzipation

Gender Studies
Die Gender Studies, deutsch Geschlechterforschung, sind eine Forschungsrichtung, die sich mit dem Verhältnis von Geschlecht und Kultur, Gesellschaft sowie Wissenschaften beschäftigt. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Studies

Geschlechtersoziologie
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtersoziologie

Männerbewegung
http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4nnerbewegung

Männlichkeit
http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%A4nnlichkeit

Weiblichkeit
http://de.wikipedia.org/wiki/Weiblichkeit

Entlang biographischer Erzählungen von Frauen verschiedener Generationen und mit unterschiedlicher ethnischer, sozialer oder religiöser Zugehörigkeit fragen wir, auf welche Weise Individuen und Kollektive Identitäten verhandeln und welche Rollenbilder innerhalb der Generationen weitergegeben oder revidiert werden. Und wir interessieren uns für die Lernfähigkeit von Mehrheitsgesellschaften im Zusammenleben mit ethnischen Minderheiten, dafür, was und wie wir von und miteinander lernen wollen. ... Über die Vielfalt der einzelnen Lebensgeschichten nähern wir uns einander und werden auf uns selbst zurückgeworfen. Momentweise lassen sich größere Zusammenhänge erahnen. Ein Mosaik aus Erzählungen, das sich nicht herausnimmt, ein Ganzes analysieren zu wollen. Wer vermag auch jemals das Ganze zu verstehen?
http://grenzenerzaehlen.at

girls who like porno
http://girlswholikeporno.com/

Portal:Feminism
https://en.wikipedia.org/wiki/Portal:Feminism


Third-wave feminism
http://en.wikipedia.org/wiki/Third-wave_feminism

LGBT (auch GLBT und LSBTTIQ) ist eine aus dem englischen Sprachraum kommende Abkürzung für Lesbian, Gay, Bisexual und Transgender, also Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender.
https://de.wikipedia.org/wiki/LGBT


Diese Zeitleiste dokumentiert in ihrer zeitlichen Abfolge die historische Entwicklung und bemerkenswerte Ereignisse innerhalb der Geschichte der Homo-, Bi- und Transsexualität, die auch als LGBT-Geschichte bezeichnet wird. Die Liste gibt zudem einen Überblick über die Entwicklung der gesellschaftlichen Akzeptanz, Veränderungen der Begrifflichkeiten und grundlegender Gesetzesänderungen, sowie einzelner Ereignisse, die zu den Gesetzesänderungen in den unterschiedlichen Ländern geführt haben. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_LGBT


Der Begriff Gläserne Decke (engl. glass ceiling) wurde in den 1980er-Jahren in den USA geprägt. Es handelt sich um ein Erklärungsmodell für das Phänomen, dass die meisten hochqualifizierten Frauen beim Aufstieg innerhalb von Unternehmen oder Organisationen spätestens auf der Ebene des mittleren Managements „hängenbleiben“ und nicht bis in die Führungsetage kommen, obwohl sie die gleichen Leistungen erbringen wie bevorzugte männliche Kollegen. Da diese Barriere unsichtbar ist, entstand der Ausdruck glass ceiling, eingedeutscht gläserne Decke. Seit den 1980er-Jahren sind zu diesem Phänomen international zahlreiche wissenschaftliche Studien erschienen, sowohl von Wirtschaftswissenschaftlern als auch von Soziologen. Im erweiterten Sinne spricht man auch von „gläserner Decke“ im Hinblick auf die eingeschränkten Aufstiegschancen von ethnischen Minderheiten oder bekennenden Homosexuellen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Gl%C3%A4serne_Decke

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Hatr.org ist eine Plattform, auf der Trollkommentare gesammelt werden, die sich Tag für Tag auf denjenigen Blogs finden, die sich kritisch mit (den) gesellschaftlichen Verhältnissen auseinandersetzen. Die Trollkommentare sollen durch Hatr sichtbar werden – ohne das Gesprächsklima auf den Blogs zu stören. Indem wir Werbung auf hatr.org schalten drehen wir den Spieß um und machen aus Hass Geld. Entstanden ist die Idee auf dem GenderCamp 2010, inspiriert vom einem US-amerikanischen Projekt. Einige Leute haben beschlossen, die Idee weiterzuverfolgen und arbeiten seitdem an der Plattform hatr.org. Die Blogs im hatr.org Netzwerk entscheiden, welche Kommentare auf hatr.org veröffentlicht werden. In einer zweiten Stufe schauen wir die Einsendungen noch einmal durch.
http://hatr.org/

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Feminismus (abgeleitet aus dem französisch féminisme, vom lat. Wortstamm femina ‚Frau‘) ist das Bekenntnis zur politischen, ökonomischen und sozialen Gleichheit der Geschlechter. Der Begriff bezeichnet heterogene Denkansätze und Theorien, deren gemeinsamer Ausgangspunkt das Aufbegehren gegen die Identifizierung von Frauen als einer Männern nachgeordneten Gruppe ist. Ziel ist die Veränderung der Lebenssituation von Frauen als auch der Strukturen, die eine Nachrangigkeit von Frauen hervorbringen.  ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Feminismus

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Antifeminismus bezeichnet im Allgemeinen eine Gegenbewegung zum Feminismus. Antifeminismus ist von den Begriffen Misogynie (Vorstellung einer ontologischen Minderwertigkeit der Frau) sowie Frauenfeindlichkeit (bewusste Handlung und politische Praxis, um die Diskriminierung von Frauen in die Tat umzusetzen) zu unterscheiden. ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Antifeminismus

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Suffragetten-Bewegung - Bürgerkrieg der Geschlechter
Sie wollten wählen - und wurden ausgelacht: Fast achtzig Jahre lang hatten britische Frauen mit friedlichen Mitteln das Wahlrecht gefordert, ohne Erfolg. Anfang des 20. Jahrhunderts radikalisierten sich Teile der Bewegung und zogen in den bewaffneten Kampf. Auch unter Einsatz ihres Lebens. Von Frank Patalong (1.3.2013)
http://einestages.spiegel.de/s/tb/27741/suffragetten-bewegung-buergerkrieg-der-geschlechter.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Suffragetten

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Audioarchiv kritischer Theorie & Praxis
Emanzipatorische Inhalte zum Hören. ...
http://audioarchiv.blogsport.de/

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Männliche Nacktheit - Das ist übrigens ein Penis (27.07.2012)
http://www.zeit.de/2012/31/Maennliche-Nacktheit/

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"Deutsches Frauenarchiv geht online Über 100 Jahre Frauenbewegung auf einen Klick" Inga Barthels (14.09.2018)
Das neue Digitale Deutsche Frauenarchiv macht rund 500.000 Dokumente zur Frauen- und Lesbengeschichte zugänglich. Darunter Tagebücher und Lesben-Zeitschriften. ...
https://www.tagesspiegel.de/wissen/deutsches-frauenarchiv-geht-online-ueber-100-jahre-frauenbewegung-auf-einen-klick/23065036.html

Das Digitale Deutsche Frauenarchiv (DDF) ist ein Fachportal über die Geschichte der deutschen Frauenbewegungen. Ziel des Projekts ist es, ausgewählte Quellen der Frauenbewegungsgeschichte in digitalisierter Form für eine breite Öffentlichkeit im Internet zugänglich zu machen.
https://www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de/


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"Musliminnen wehren sich gegen Femen-Nacktprotest" Ulf Pape (08.04.2013)
Eine mit Hidschab verhüllte Frau hält ein Schild vor ihrem Gesicht, auf dem zu lesen ist: "Wenn Ihr mir die Freiheit nehmt, mich zu verschleiern, unterdrückt IHR mich." Auf einem anderen Foto blickt eine junge Frau offen in die Kamera und zeigt ein Schild mit den Worten: "Ich kann Frauenrechte auch vertreten, wenn ich bekleidet bin."
Bilder wie diese finden sich seit einigen Tagen zahlreich auf Twitter. Unter dem Hashtag #MuslimahPride reagieren muslimische Frauen unterschiedlichster Länder auf die Demonstrantinnen von Femen. Es ist ein Protest gegen Protest, gegen die Vereinnahmung sämtlicher Musliminnen unter dem Femen-Banner.
Mit ihren Nackt-Aktionen erregen Aktivistinnen weltweit Aufsehen und gewinnen immer mehr Anhängerinnen. Ihren Ausgang nahm die Protestform in der Ukraine, heute aber tauchen die entblößten Demonstrantinnen vielerorts auf. Sie legten sich mit Dominique Strauss-Kahn an, mit Paris Hilton, mit der Fußball-EM und nun vor allem mit dem Islam an sich.  ...
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/musliminnen-gegen-femen-a-893163.html
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 08, 2008, 04:07:32 PM
Ich bin Jahrgang 63, Wissens-und Bildungsjunkie ...
https://eidgenossin.wordpress.com/

Im Frühjahr 2016 habe ich das Institut für kritische Männerforschung gegründet. Mein Ziel ist es, Männlichkeit kritisch zu hinterfragen: in meiner Forschung, in Vorträgen und mit diesem Blog. (Christoph May)
https://mensstudies.eu/

"The mechanics of subtle discrimination: measuring ‘microaggresson’" (tomstaffordPosted on June 17, 2016)
Many people don’t even realise that they are discriminating based on race or gender. And they won’t believe that their unconscious actions have consequences until they see scientific evidence. Here it is. ...
https://mindhacks.com/2016/06/17/the-mechanics-of-subtle-discrimination-measuring-microaggresson/

http://www.bbc.com/future/story/20160608-the-true-impact-of-tiny-microaggressions


Identitätskritik
Feministisches Gedankenchaos. Psychogedöns. Wut.
http://www.identitaetskritik.de/


laufmoos
fuck yeah unbequem
http://laufmoos.de/

Gedanken und Genörgel einer alternden T****e
http://grantel.blogsport.eu/

Institut für separatistischen Ausschlussfeminismus
Ausschlüsse statt Meinungsfreiheit!
http://ausschlussfeminismus.blogsport.de/

COMMUNICATIONS LASER #17 :: [Weiblichkeitskonstruktionen [?]... ]
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,336.0.html

COMMUNICATIONS LASER #17 :: [Männlichkeitskonstruktionen... [?] (Notizen)]
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,271.0.html

COMMUNICATIONS LASER #17 :: [Gefechte zur Sexualität... (Notizen)]
http://www.subfrequenz.net/forum/index.php/topic,282.0.html


"Sexism is making women sick" Jessica Valenti (Monday 26 January 2015)
Sexism is certainly nauseating – the disgusting leers on the street, the discrimination, the violence. But those everyday expressions of misogyny could be seriously impacting our mental health as well. ...
http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/jan/26/sexism-is-making-women-sick

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Femen (Eigenschreibung FEMEN, ukrainisch Фемен) ist eine am 11. April 2008 in Kiew/Ukraine gegründete feministische Gruppe...
http://de.wikipedia.org/wiki/Femen

We unite young women based on the principles of social awareness and activism, intellectual and cultural development.
http://femen.info/

FEMEN – ЭТО ВСЕМИРНОЕ ЖЕНСКОЕ ДВИЖЕНИЕ
http://femen.org/

FEMEN Germany / FEMEN Deutschland
inoffizielle Infoseite und Blog
http://femen.de/

"Alle fürchten sich vor unseren Brüsten"
Stefan Draschan, 28. März 2011, 12:40
Die feministische Protestgruppe Femen demonstriert nackt gegen Sexismus, politische Intoleranz und Hosni Mubarak - ein derStandard.at-Interview ...
http://derstandard.at/1297820114307/Politischer-Aktionismus-in-der-Ukraine-Alle-fuerchten-sich-vor-unseren-Bruesten


"Femen-Anführerin: Am Ende steht das Matriarchat" Steffen Dobbert (12.06.2012)
Alexandra Schewtschenko ist eine der Anführerinnen der Aktivistengruppe Femen. Ein Gespräch über die feministische Revolution, blutende Männer und die EM als PR-Bühne ...
http://www.zeit.de/sport/2012-06/interview-femen-ukraine-protest


"Aktivistin Josephine Witt: "Femen ist Teil meiner Identität""  Simon Kerbusk | Annika Sartor (07.07.2013)
DIE ZEIT, 4.7.2013 Nr. 28
Ende Mai zog Josephine Witt sich in Tunis aus, um für die Freilassung einer Frauenrechtlerin zu demonstrieren. Sie wurde festgenommen und verbrachte 29 Tage im Gefängnis. Jetzt ist sie zurück in Deutschland – und spricht über ihre Haft, den Nacktprotest und die Kritik an Femen. ...
http://www.zeit.de/2013/28/femen-josephine-witt


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"Ukraine: Sicherheitskräfte sollen Femen-Chefin bewusstlos geprügelt haben" (18.08.2013)
Odessa - Die Femen-Chefin in der Ukraine ist nach eigenen Angaben von staatlichen Sicherheitskräften brutal verprügelt worden. Sie sei beim Verlassen eines Wohnhauses in der Schwarzmeerstadt Odessa von Spezialeinheiten geschlagen worden, sagte Anna Huzol der Nachrichtenagentur AFP am Sonntag.
Mit ihr seien bei der Attacke am Samstagabend auch die Aktivistin Alexandra Schewtschenko und der Femen-Berater Wiktor Swischaski verprügelt worden. Offenbar solle die für ihre barbusigen Protestaktionen bekannte Feministengruppe durch derartige Attacken mundtot gemacht werden, sagte Huzol. ...
http://www.spiegel.de/politik/ausland/femen-chefin-anna-huzol-attacke-vor-der-haustuer-a-917224.html


"Reaktion auf Razzia: Femen-Aktivistinnen fliehen aus der Ukraine" (31.08.2013)
In ihrem Hauptquartier in Kiew will die Polizei Waffen gefunden haben - jetzt sind drei Femen-Gründerinnen aus der Ukraine geflohen. Die Repressionswelle gegen die feministische Bürgerrechtsgruppe erreicht einen neuen Höhepunkt. ...
http://www.spiegel.de/politik/ausland/femen-aktivistinnen-fliehen-nach-waffenfund-aus-der-ukraine-a-919694.html
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on November 22, 2009, 11:59:05 AM
"Frau verhaftet, weil sie ins Sportstadion wollte" (09. September 2014)
Im Iran sitzt eine 25-jährige Frau hinter Gittern, weil sie einen Volleyball-Match besuchen wollte. ... Polizisten hatte die 25-jährige Iranerin vor mehreren Wochen festgenommen. Sie wollte gegen ein Gesetz protestieren, das es Frauen verbietet, Sportveranstaltungen gemeinsam mit Männern anzuschauen. Ghavami soll versucht haben, in den Männerbereich des Stadions zu gelangen. ...
http://www.20min.ch/ausland/news/story/Frau-verhaftet--weil-sie-ins-Sportstadion-wollte-26645003


"Männerwelten. Zur kollektiven Konstruktion hegemonialer Männlichkeit" Von Michael Meuser (2001)
Schriften des Essener Kollegs für Geschlechterforschung
hrsg. von: Doris Janshen, Michael Meuser
I. Jg. 2001, Heft II, digitale Publikation
(Druckausgabe: ISSN 1617-0571)
http://www.uni-due.de/imperia/md/content/ekfg/michael_meuser_maennerwelten.pdf

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Quote
[...] Frau El Feki, inwiefern ist der Sex ein Schlüssel zur Demokratie in arabischen Ländern?

Shereen El Feki: Sexuelle Rechte sind ein wichtiger Bestandteil der Menschenrechte. Wenn man die Freiheit und das Menschsein der Anderen respektieren möchte, sind sie keine beliebigen Ansprüche, die man akzeptieren kann oder auch nicht. Praktisch bedeuten sie den freien Zugang zu gynäkologischer Versorgung und die Freiheit, Ideen über Sexualität zu entwickeln und Informationen darüber auszutauschen.

Es ist das Recht, sich seinen Partner auszusuchen und über seine sexuelle Aktivitäten selbst zu bestimmen. Es ist die Freiheit, selbst zu entscheiden, ob und wann man Kinder haben möchte, und das Recht, über den eigenen Körper selbst zu verfügen. Das alles bedeutet die Möglichkeit, ein befriedigendes, sicheres und erfülltes Sex-Leben anstreben zu können.

Die Betätigung des "sexuellen Bürgerrechts" - also die Macht zu haben, hier eigene Entscheidungen zu fällen und von den staatlichen Institutionen fordern zu können, ihre Verantwortung ohne Ansehung von Ethnie, Klassenzugehörigkeit, Herkunft, Geschlecht und sexueller Orientierung auszuüben - stellt mehr dar als nur den Abglanz des demokratischen Systems. Es ist ein Mittel, dafür erst das Fundament zu schaffen, indem man diese Prinzipien im Kern des Menschseins verankert, wo sie sich dann in anderen Bereichen ausbreiten können.  ....

Aus: ""Das Politische und das Sexuelle sind Bettgenossen überall auf der Welt""
Reinhard Jellen, 31.07.2013
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39613/1.html (http://www.heise.de/tp/artikel/39/39613/1.html)

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Quote
Sexuelle Rechte sind wesentliche Menschenrechte. Das ist nicht in allen Ländern anerkannt, und vor allem in den Vereinten Nationen ist es sehr umstritten. Aber das ist absolut meine Meinung. Ich glaube, dass der persönliche Mensch den politischen beeinflusst und umgekehrt. Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie junge Menschen engagierte Bürger sein sollen, wenn sie weder die Freiheit noch die Möglichkeiten haben, auf Informationen über ihre Körper und ihre Sexualität zuzugreifen.

Ich finde es schwer vorstellbar, wie Frauen eine wichtige Rolle im ökonomischen, politischen und sozialen Leben eines Landes spielen sollen, wenn sie auf einer elementaren Basis keine Kontrolle über ihre eigenen Körper haben. Ich finde es schwierig, mir vorzustellen, wie wir bessere Beziehungen zwischen Männern und Frauen herstellen können, etwa in der Schule, in den Parlamenten, wenn sie einander nicht auch im Schlafzimmer respektvoll und gleichberechtigt gegenüberstehen. Es ist schwer vorstellbar, wie man Gerechtigkeit, Freiheit, Würde, Gleichheit und den Schutz der Privatsphäre im Politischen durchsetzen soll, wenn diese Werte im Privaten nicht gelten. Die beiden Sphären sind miteinander verbunden. ...

Aus: "Sexuelle Zufriedenheit als universeller Wert - Im Gespräch: Shereen El Feki" (01.03.2013)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bilder-und-zeiten/im-gespraech-shereen-el-feki-sexuelle-zufriedenheit-als-universeller-wert-12099421.html (http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bilder-und-zeiten/im-gespraech-shereen-el-feki-sexuelle-zufriedenheit-als-universeller-wert-12099421.html)



Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on November 22, 2009, 12:01:21 PM
http://netzfeminismus.org/


Mädchenmannschaft (Blog)
Die Mannschaft liebt den Feminismus und notiert hier Dinge und Nachrichten, die fröhlich machen oder uns die Nackenhaare aufstellen.
http://maedchenmannschaft.net/


Haltung statt Posen
Alltag. Feminismus. Konsum. Arbeitskultur. Selbstgemachtes.
http://haltungstattposen.wordpress.com/

genderbüro blog
der blog von Regina Frey
http://genderbuero.blogspot.com/


fbomb | a young feminist blog
http://thefbomb.org/


Antje Schrupp sammelt hier ihre Notizen rund um die Arbeit der sexuellen Differenz.
Motto: Das Gegenteil ist genauso falsch!
http://antjeschrupp.com/


shifting reality
„Wir sind doch immer für den Dialog gewesen…“...
http://shiftingreality.wordpress.com/

Die Störenfriedas sind ein feministischer Blog. Wir, die Störenfriedas, sind Frauen jeden Alters mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten. Was uns eint, ist der Feminismus, der gemeinsame Kampf gegen Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Sexismus, Rassismus, Klassismus, Speziesismus und Gewalt im Alltag, in Form von Gesetzen, in der Gesellschaft, in den Medien, in den Köpfen. Unser Ziel ist eine freie und gerechte Gesellschaft. ...
http://diestoerenfriedas.de/

(Hetero-)Sexistische, rassistische, ableistische, lookistische, ageistische, homo- und transphobe Diskriminierungen stützen sich auf Konzepte von Körpern, auf (pseudo)-biologistische Zuschreibungen, auf Bilder, die von bestimmten Körpern in unserer Gesellschaft verbreitet und anerkannt sind.
Die Mehrheits_gesellschaft glaubt, aufgrund bestimmter Körpermerkmale Annahmen darüber haben zu dürfen, wie wir sind und wer wir sind und was sie uns antun darf.
http://meinkoerperist.wordpress.com/
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on September 08, 2011, 03:42:46 PM
Within the traditionally male action genre there
have always existed the subgenre of femme fatale
action. In Coffy (1973), Foxy Brown (1974) and
Cleopatra Jones (1973) Pam Grier and Tamara
Dobson kicked serious ass in the black action cinema,
in the Hong Kong action movie the female
warrior has been a frequent protagonist since the
seventies, and in the eighties the white action heroine
finally entered the genre: Cynthia Rothrock,
Brigitte Nielsen and Sigourney Weaver were action
heroines in Above the Law (1986), Red Sonja
(1985) and Aliens (1986).
The heroine of femme fatale action performs the
masquerade of masculinity: She kicks ass better
than the Terminator, shoots straighter than Dirty
Harry and like Rambo she transforms torture into
renewed strength.1 But somehow she seems too
good to be true. ...


Woman with a Gun does not
Signify Man with a Phallus
Gender and Narrative Change in the Action Movie
RIKKE SCHUBART
http://www.nordicom.gu.se/common/publ_pdf/38_schubart.pdf

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 22, 2012, 04:09:17 PM
Zur Psychodynamik lesbischer Sexualität (München, den 09.10.2006)
Dissertation an der Fakultät 11 für Psychologie und Pädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität von Isabella Manuela Torelli
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/6576/1/Torelli_Isabella_Manuela.pdf


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Counter Erotics
Bodies and languages
http://countererotics.tumblr.com/

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feministische Perspektiven auf Mutterschaft
https://fuckermothers.wordpress.com/

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Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein zentrales Thema in diesem Blog, weil es ein zentrales Thema meines Lebens ist. Ebenso vertrete ich die Anliegen von Alleinerziehenden, die keine starke Lobby haben. Das alles mache ich hier rein privat, es gibt ganz bewusst keine Werbung. Es ist meine Spielwiese.
http://mama-arbeitet.de/

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Teresa Maria Bücker is the Managing Editor of EDITION F, a business platform and online magazine for readers interested in a female perspective on politics, economy and inspiring people.
http://flannelapparel.blogspot.de/


Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on January 01, 2013, 08:33:34 PM
Die Feminist Sex Wars (deutsch: Sex-Krieg der Feministinnen) beschreibt die Phase der intensiven und kontroversen Debatten und Diskussionen zwischen den sexpositiven und anti-pornografischen Feministinnen, die von den späten 1970ern an während der 1980er Jahre andauerte. In den auch als Lesbian Sex Wars, Porn Wars oder Sex wars bekannten, erbitterten Auseinandersetzungen innerhalb der feministischen und lesbischen Bewegung wurde die Einstellung der Bewegung zu Themen wie Sexualität, Pornographie, Sadomasochismus, der Rolle transsexueller Frauen in der lesbischen Gemeinschaft und andere sexuell orientierte Themen diskutiert. Die Debatten führten letztendlich zur Teilung der feministischen Bewegung in den anti-pornographischen und den sex-positiven Feminismus. Die Phase der Feminist Sex Wars wird oft als der Abschluss der zweiten Welle der Frauenbewegung betrachtet. ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Feminist_Sex_Wars


Welcome to Feminist Porn Guide
There's a new wave happening in porn. It's positive, realistic, ethical and female-friendly. It's feminist porn, a different kind of sexual representation that seeks to discard the cliches and negativity of mainstream porn in favour of something better. ...
http://www.feministpornguide.com/

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on January 16, 2013, 04:52:00 PM
Die Raumerweiterungshalle des Vereins Selbstuniversität e.V. ist ein selbstorganisierter Raum für nichtkommerzielle, queer-feministische und emanzipatorisch linke Projekte und Veranstaltungen wie zum Beispiel Ausstellungen, Filmabende, Arbeitstreffen, Diskussionen und Workshops. Es geht darum, gemeinsam einen Raum für emanzipatorische und kritische Projekte zu eröffnen und diese mit einer Infrastruktur zu begleiten. Wichtig ist uns dabei eine mögliche Vielheit von Veranstaltungen und Arbeitsweisen. ...
http://www.jackie-inhalt.net/

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Geek Feminism Wiki
A resource for and about women in geek communities. ...
http://geekfeminism.wikia.com/wiki/Geek_Feminism_Wiki

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"Im Bett mit dem Feminismus"
Kolumne | Nils Pickert, 23. Mai 2013
http://diestandard.at/1363711262098/Im-Bett-mit-dem-Feminismus

Quote
huckleberry*finn
WTF?!?!?!

"Daher noch einmal: Der Feminismus darf, nein er muss ein Problem damit haben, wenn Leute sich ficken ..."
Was bitteschön ist das für ein Unsinn??? Feminismus nicht begriffen. Setzen, nicht genügend.

Und: "Wenn Menschen in einer Beziehung sind und einander lieben, schlafen sie zumeist miteinander, manchmal ficken sie sich oder ganz selten sogar beides zur gleichen Zeit."

Hahahaha, was für ein BS!!!! Also ich bin Feministin, liebe meine Freundin, und wir ficken uns sehr oft :) Und auch meine anderen feministischen Freund*innen und ihre Partner*innen halten das auch so.

Feminismus ist weder Anti-Sex, noch Anti-Porno, noch Anti-"schmutzigem"-Sex. Alles ist erlaubt solang alle Beteiligten ihre ehrliche Freude dran haben.

http://diestandard.at/plink/1363711262098/31699661 (http://diestandard.at/plink/1363711262098/31699661)

Quote
bengemini

"der" Feminismus?

Ja geh bitte. Den "einen" Feminismus (vielleicht noch mit einer Art Papst oder Päpstin, der/die bestimmt, was jetzt Feminismus ist?) gibt es nicht. Einen Artikel zu schreiben, der danach klingt, als gäbe es nur einen und der wäre halt total lustfeindlich, ist wirklich sehr schwach. Kein Feminist und keine Feministin muss sich sein/ihr Lustleben wegen der Meinungen mancher verderben lassen - und es sieht auch keine allmächtige Feminismusgöttin, was sich so einvernehmlich im Schalfzimmer abspielt. Komm wieder 'runter.


http://diestandard.at/plink/1363711262098/31699453 (http://diestandard.at/plink/1363711262098/31699453)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 22, 2013, 05:02:48 PM
Damsel in Distress: Part 1 - Tropes vs Women in Video Games
http://www.youtube.com/watch?v=X6p5AZp7r_Q

This video explores how the Damsel in Distress became one of the most widely used gendered clichés in the history of gaming and why the trope has been core to the popularization and development of the medium itself.

As a trope the Damsel in Distress is a plot device in which a female character is placed in a perilous situation from which she cannot escape on her own and must then be rescued by a male character, usually providing a core incentive or motivation for the protagonist's quest.

ABOUT THE VIDEO SERIES
The Tropes vs Women in Video Games project aims to examine the plot devices and patterns most often associated with female characters in gaming from a systemic, big picture perspective. This series will include critical analysis of many beloved games and characters, but remember that it is both possible (and even necessary) to simultaneously enjoy media while also being critical of it's more problematic or pernicious aspects.

MORE INFO
For more examples of the Damsel in Distress see our Tumblr for this series:
http://tropesversuswomen.tumblr.com

Visit http://www.feministfrequency.com for more information, videos and a full transcript.



ABOUT COMMENTS
A vocal minority of abusive commenters have unfortunately made constructive conversation impossible here on YouTube. However we encourage you to embed this video on your blogs, forums and social networks in order to facilitate discussions on the topic with your own communities.
For more information on cyber mobs and gendered online harassment, you can watch my TEDxWomen talk on the topic:
https://www.youtube.com/watch?v=GZAxw...
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on August 28, 2014, 04:26:14 PM
https://de.wikipedia.org/wiki/Anita_Sarkeesian

https://en.wikipedia.org/wiki/Anita_Sarkeesian

"Feminist pop culture writer leaves home after Twitter threats" (08/2014)
Anna Sarkeesian had critiqued the trope of violence against women in video games. Her criticism of some of the biggest games of the last five years drew her the ire of a portion of Twitter users. ...
http://www.thejournal.ie/fem-1641625-Aug2014/


Feminist Frequency is a video webseries that explores the representations of women in pop culture narratives. The video series was created by Anita Sarkeesian in 2009 and largely serves as an educational resource to encourage critical media literacy and provide resources for media makers to improve their works of fiction.
http://www.feministfrequency.com/

http://www.youtube.com/user/feministfrequency


"Videobloggerin Anita Sarkeesian: Schutzsuche nach Drohungen" (28.08.2014)
Die feministische Videobloggerin Anita Sarkeesian ist am Mittwoch auf Twitter so massiv bedroht worden, dass sie ihre Wohnung verlassen und die Behörden verständigt hat. Das schrieb sie auf Twitter und veröffentlichte Tweets, die sie wohl zu dieser Reaktion veranlasst hatten. Darin wird sie nicht nur sexuell belästigt, sondern der Autor deutet an, dass er private Details über Sarkeesian kennt. Die erklärte später, sie sei in Sicherheit und forderte: "Diese Belästigung von Frauen in der Technikbranche muss aufhören!" ... Massivste Anfeindungen ist Sarkeesian gewohnt, spätestens seit sie im Frühjahr 2012 auf Kickstarter Geld für eine Videoreihe über weibliche Stereotype in Videospielen sammelte. Dabei ging es unter anderem um die "hilflose junge Maid" oder halbnackte Kämpferinnen.
Bereits während dieser Finanzierungsphase und weit vor der Veröffentlichung der fertigen Beiträge wurde sie heftig angegriffen, sexistisch beschimpft, ihr Gewalt angedroht und gegen sie gehetzt. Ein Kanadier programmierte sogar ein Spiel, in dem man sie zusammenschlagen sollte. Das in seinen Ausmaßen sicher beispiellose Geschehen befeuerte gleichzeitig die Diskussion über Sexismus in Videospielen und der IT-Industrie insgesamt.  ...

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Videobloggerin-Anita-Sarkeesian-Schutzsuche-nach-Drohungen-2303791.html

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Bin Kaufhaus, 28. August 2014 13:28
Re: Setzt sich jemand kritisch damit auseinander?

Danny0815 schrieb am 28. August 2014 12:50

> In meinen Augen ist extremistischer Feminismus genau so
> verachtenswert wie der männliche Chauvinismus, den er immer zu
> bekämpfen versucht. Und ich bin mir noch nicht sicher, ob die Frau
> nicht dazu gehört.

Ich kann das nicht als "extremistischen Feminismus" sehen, was die
Frau mit dem armenischen Nachnamen da macht. In gewisser Weise macht
sie das, was die Frauen früher auch gemacht haben, nur jetzt
aufgegeben haben, frei nach dem Motto, Computerspiele sind nicht
unsere Domäne.

Sie provoziert halt, sie polarisiert. Vielleicht, weil sie die
Denkschemata der Männer so ärgerlich offenlegt.
http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Re-Setzt-sich-jemand-kritisch-damit-auseinander/forum-284685/msg-25711023/read/

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"Anita Sarkeesian - Gamer-Feministin erhält massive Morddrohungen" Tobias Ritter (28.08.2014)
http://www.gamestar.de/news/vermischtes/3077713/anita_sarkeesian.html

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ManniCalavera
#79 | 28. Aug 2014, 10:54
Zitat von leafspring:
Also ja, ich sage, dass sie aufgrund der Art und Weise ihrer eigenen Kritik Schuld daran ist, wenn sie im Gegenzug ebenfalls heftige Kritik einstecken muss.

Frauen die Schuld dafür zu geben, dass sie angemacht, bedroht, oder vergewaltigt werden ist ein Kennzeichen für Rape Culture. (http://en.wikipedia.org/wiki/Rape_culture (http://en.wikipedia.org/wiki/Rape_culture)).


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Bodhis
#16 | 28. Aug 2014, 09:56
Sie kämpft für Frauenrechte bzw deren Darstellung in Spielen? VERBRENNT DIE HEXE!

Man muss sich nur einige Kommentare hier durchlesen um zu sehen dass viele Spieler ein krasses Frauenbild haben... .

-.-


"This Woman Was Threatened With Rape After Calling Out Sexist Video Games—and Then Something Inspiring Happened" - "We are witnessing a very slow and painful cultural shift," explains Anita Sarkeesian, the brains behind "Feminist Frequency." —By Nina Liss-Schultz
| Fri May 30, 2014 6:00 AM EDT
http://www.motherjones.com/media/2014/05/pop-culture-anita-sarkeesian-video-games-sexism-tropes-online-harassement-feminist


"Videospiel-Debatte: Wer Sexismus anprangert, wird mit Vergewaltigung bedroht"
Von Katrin Gottschalk (01.09.2014)
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/anita-sarkeesian-feministische-videospielkritik-und-morddrohungen-a-988906.html


"Sexismus in Videospielen Wo Feminismus als "Terrorismus" gilt" Pascal Paukner ( 23. Juni 2012)
Die Videospielbranche wäre gerne eine der modernsten Industrien der Welt. In ihren Spielen konserviert sie aber ein Frauenbild aus vergangenen Jahrhunderten. Wer daran etwas ändern will, stößt auf den erbitterten Widerstand organisierter Gamer. Manche drohen sogar mit Vergewaltigung und Mord.
http://www.sueddeutsche.de/digital/sexismus-in-videospielen-wo-feminismus-als-terrorismus-gilt-1.1389210

The Big Picture
Tropes vs. MovieBob
Bob "MovieBob" Chipman | 19 June 2012 6:00 pm
http://www.escapistmagazine.com/videos/view/the-big-picture/5950-Tropes-vs-MovieBob

The "The Sarkeesian Effect" Effect
August 28, 2014 by Jipazidi
http://www.ign.com/blogs/jipazidi/2014/08/28/the-the-sarkeesian-effect-effect/

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on September 18, 2014, 03:08:58 PM
"Debatte Männerpartei AfD - „Natürliche Geschlechterordnung“" (17.09.2014)
Mit der AfD zieht der Antifeminismus in die Parlamente ein. Und die Konservativen und Reaktionäre aller Parteien wittern Morgenluft. Zuerst sollte es witzig sein. 2013 ließ die Jugendorgansiation der AfD, die „Junge Alternative“, auf Facebook Testimonials posten: „Ich brauche keinen Feminismus, weil“ – „eine Mutter genauso wertvoll ist wie eine Vorstandschefin“ oder „ich auch mal schwach sein möchte“. So banal wie uninteressant. Aber nun sitzt diese Partei im EU-Parlament und in drei Landtagen. Und ihr Feminismus-Bashing ist mittlerweile endemisch geworden. ...
https://www.taz.de/Debatte-Maennerpartei-AfD/!146090/

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Gender-Mainstreaming, auch Gender Mainstreaming geschrieben, bedeutet, die unterschiedlichen Lebenssituationen und Interessen von Frauen und Männern bei allen Entscheidungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen zu berücksichtigen, um so die Gleichstellung der Geschlechter durchzusetzen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Gender-Mainstreaming

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"Tschechische Abgeordnete wirbt in Unterwäsche" (22. September 2014)
Prag - Um ins tschechische Parlament zu kommen, hat eine Prager Politikerin fast alle Hüllen fallen lassen. Unter dem Slogan "Liebe, Sex und Politik" zeigt sich Laura Janackova (48) auf ihren Wahlplakaten nur mit einem kurzen Nachthemd bekleidet. Sie kämpft bei den Senatswahlen am 10. und 11. Oktober als Kandidatin der liberalen Partei ANO von Vize-Regierungschef Andrej Babis um den Sieg im ersten Prager Stadtbezirk. "Die Straßen sind voll von langweiligen Plakaten, ich wollte etwas anderes machen", erklärte Janackova am Montag dem Internetportal Idnes. In ihrem Zivilberuf als Psychologin habe sie außerdem mehrere Bücher über Sexualität verfasst. (APA, 22.9.2014)
http://derstandard.at/2000005899073/Tschechische-Abgeordnete-wirbt-in-Unterwaesche

https://1.bp.blogspot.com/-UuRtJVbkoiI/UeiR4e4a6iI/AAAAAAAAAa8/QMj2Kud4v68/s1600/bus.jpg

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Lubricator
vor 14 Stunden
gemäß werberat geschlechterdiskriminiert sich diese frau selbst. darf sie das?

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Feuerstein-Kaumorphium
vor 1 Stunde
Eine offenbar emanzipierte, intelligente Frau, die sich (TROTZDEM) auszieht!!! Wie kann sie nur!!! ...


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[...] Sie ist jung und hübsch, er ist alt und hat Geld: Das Phänomen Sugardaddy feiert ein ungeahntes Comeback. Nicht nur im Internet ...

... Die Motive für eine Sugardaddy-Beziehung erscheinen so offensichtlich: Das ist, ganz klar, der Rückzug in uralte Geschlechterrollen! Mysugardaddy.eu macht es den Kritikern einfach. Die Seite zeigt Bilder vom klischeehaften Inbegriff männlicher Potenz: Ein ergrauter Charismatiker umarmt eine Frau, die seine Tochter sein könnte. Neben ihnen steht eine Flasche Champagner, im Hintergrund erahnt man eine (seine?) Jacht. Reichtum, der so offen ausgestellt wird, hat für viele schon grundsätzlich etwas Anstößiges, die Filmkritikerin Linda Williams bezeichnete Geld einmal als die „ultimative Obszönität“.

... Ohne Zweifel verstoßen die weiblichen Sugarbabes gegen das Prinzip der Gleichstellung der Geschlechter, für die Generationen vor ihnen gekämpft haben. In der Babe- und Daddy-Welt herrscht die Heteronormativität in Reinform: Sein Geldbeutel bestimmt, wo es langgeht, sie wird aufs Dekorative reduziert – selbst wenn sie immerhin das Restaurant und die Schuhe aussuchen darf. Die umgekehrte Besetzung – wohlhabende Sugarmamas, die konsumfreudige junge Männer aushalten – ist auf mysugardaddy.eu nicht vertreten. Geschäftsführer Thorsten Engelmann sagt, das gebe „der Markt“ nicht her. Gleiches gilt wohl für nichtheterosexuelle Menschen.

Auffällig ist auch die Verteilungsfrage. Ein Sugardaddy kann unter vielen, sehr vielen Frauen wählen. Laut Engelmann seien von den 90.000 Nutzern aus Österreich, der Schweiz und Deutschland rund 80 Prozent weiblichen Geschlechts. „Ich bin froh, dass ich überhaupt einen abbekommen habe“, sagt Kerstin Wagner. Gleich beim zweiten Datingversuch traf sie Ralf*, der ihr seitdem 500 Euro im Monat überweist und dafür verlangt, dass sie zur Verfügung steht, wenn er für einen Geschäftstermin mal wieder nach Berlin kommt. Eine andere Frau, die sich auf dem Portal Jazz_88 nennt, sieht die Sache ebenfalls pragmatisch: „So viele Millionäre gibt es einfach nicht.“ Die meisten Männer auf der Seite seien verheiratet und keineswegs superreich, manche würden gar ihr letztes Geld für eine Geliebte ausgeben.

... Dass die Frauen, die sich anmelden, selbst ein üppiges Einkommen haben, sieht die Webseite eindeutig nicht vor: Wer als weibliches Mitglied ein Profil erstellt, hat bei der Angabe zum Beruf im Dropdown-Menü lediglich bescheiden bis prekär bezahlte Berufe zur Auswahl: Rechtsanwaltsgehilfin, Krankenschwester, Erzieherin. Generell ist der Anteil an Studentinnen recht hoch, und nicht wenige kommen aus gut betuchtem Hause. Auch Kerstin Wagners Freundin ist mit viel Geld aufgewachsen und sucht unter den Sugardaddys nun einen Partner, der ihr Luxus auch in Zukunft ermöglicht. So mancher Mann, bei dem in dieser Hinsicht Zweifel bestehen, wird von ihr einfach aussortiert. Dazu bietet die Webseite einen „Gehalts-Check“ an.

Die Menschen, die auf diesem Weg einen Partner suchen, allesamt als reaktionär oder gierig abzustempeln, wäre vermutlich zu einfach. Eine Frau nur „fürs Bett“ zu finden, das könne man auf jeden Fall günstiger haben, sagen jedenfalls der Webseitenbetreiber und auch Kerstin Wagner. Worum geht es dann aber? Um den psychologischen Reiz der Unterwürfigkeit? Und: Wäre diese Ergebenheit authentisch oder doch nur gespielt?

Wagner zumindest passt nur bedingt in das Bild von der jugendlichen Konsumdiva. Sie ist 35 Jahre alt und trägt gern geblümte Kleider, „aber nicht von Chanel, ich bin ja eher ein Hippie“. Sie arbeitet in Berlin als Erzieherin, deshalb möchte sie auch nicht, dass andere ihren richtigen Namen in der Zeitung lesen. Männer, die Geld für gutes Essen und schöne Hotels haben, fand sie „leider immer schon attraktiv“ – sie wisse gar nicht, woher sie das habe. Es klingt amüsiert, wie sie das sagt, so, als verstünde sie sich selbst nicht richtig.

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Aus: "Komm zu Papa" Sarah Schaschek (02.09.2014)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/komm-zu-papa (https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/komm-zu-papa)

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Rupert Rauch 03.09.2014 | 17:05
@Daniela Waldmann
"Plattformen wie Sugardaddys machen Frauen wieder einmal mehr zur Ware."
Fehlwahrnehmung: die Frauen machen sich selbst zu Ware. Gezwungen sind sie dazu kaum. ... Es geht um Luxus, den sie sich sonst nicht leisten können (und den sich eine Mehrheit der Männer auch nicht leisten kann).

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Daniela Waldmann 04.09.2014 | 06:06
Lieber Rupert Rauch, anscheinend ist für Sie die Regelung von Beziehungen in der Gesellschaft (Arbeit, Beruf usw.) durch Geld so normal, dass Sie sich überhaupt nichts anderes vorstellen können und das mit Freiheit gleichsetzen.

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Marlen Hobrack 04.09.2014 | 11:08
@Daniela Waldmann

Entschuldigung, aber ich glaube, es gibt gar keine patriarchale Kultur mehr. Und die "armen Mädels" müssten ja nicht hungern. Sie könnten, anstatt ihre Sexualität zu handeln, sich ihres eigenen Verstandes bedienen, arbeiten, Geld verdienen, den Luxus, den sie wünschen, erarbeiten. Tun sie aber nicht. Das den Männern/ Kapitalismus/ Patriarchat anzulasten, ist zu einfach. Da müssten wir schon nach dem "Entitlement" der Frauen fragen. Warum glauben Frauen, es stehe ihnen zu, ausgehalten und versorgt zu werden? Ist das Ergebnis der patriarchalen Kultur, oder vielmehr Ergebnis von Bequemlichkeit (die Hausfrauenehe ist ja letztlich nichts anderes als das Sugar Daddy-Prinzip)? Die Frauen oben sind keine Opfer einer männlichen / patriarchalen Kultur, sondern Nutznießer überholter Denkmuster.


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THX1138 02.09.2014 | 12:27
... Die Realität fliegt dem Geschlechterdiskurs schon lange um die Ohren - nur merken dass die mehrheitlich weissen, gut bis sehr gut gebildeten und verdienenden Frauen aus dem gehobenen Mittelstand, die diesen abgehobenen Diskurs dominieren, gar nicht mehr - vor allem wenn sie ein gewisses Alter überschritten haben. Dass in Österreich jede zweite junge Frau gerne Hausfrau wäre, wenn der Mann genug verdient, erstaunt in diesem Zusammenhang eigentlich wenig: http://derstandard.at/1304552595944/Jugendstudie-Jede-zweite-junge-Frau-waere-gerne-Hausfrau-wenn-der-Mann-genug-verdient (http://derstandard.at/1304552595944/Jugendstudie-Jede-zweite-junge-Frau-waere-gerne-Hausfrau-wenn-der-Mann-genug-verdient)


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Rupert Rauch 03.09.2014 | 16:32
"Geschlechterverhältnis noch irgendwie diskutiert wird, wenn die Realität jeglichem Diskurs davonläuft."
Weil es anderen Menschen offenbar ein Bedürfnis ist. Die mediale "Realität" bildet ja immer nur Ausschnitte der wirklichen Realität ab. Ich wette die Mehrheit der Frauen fände einen finanziell potenten Mann überdurchschnittlich anziehend, aber die wenigsten würden das sich oder anderen eingestehen und noch weniger würden derart billig nach einem suchen. Und neben alldem gäbe es wohl auch welche, die solche Männer eher meiden.


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Daniela Waldmann 05.09.2014 | 09:44

Liebe Marlen Hobrack,
lieben Dank für Ihren Kommentar.

Zitat - Ihre Worte: „Entschuldigung, aber ich glaube, es gibt gar keine patriarchale Kultur mehr. Und die "armen Mädels" müssten ja nicht hungern. Sie könnten, anstatt ihre Sexualität zu handeln, sich ihres eigenen Verstandes bedienen, arbeiten, Geld verdienen, den Luxus, den sie wünschen, erarbeiten. Tun sie aber nicht. Das den Männern/ Kapitalismus/ Patriarchat anzulasten, ist zu einfach. Da müssten wir schon nach dem "Entitlement" der Frauen fragen. Warum glauben Frauen, es stehe ihnen zu, ausgehalten und versorgt zu werden? Ist das Ergebnis der patriarchalen Kultur, oder vielmehr Ergebnis von Bequemlichkeit (die Hausfrauenehe ist ja letztlich nichts anderes als das Sugar Daddy-Prinzip)? Die Frauen oben sind keine Opfer einer männlichen/ patriarchalen Kultur, sondern Nutznießer überholter Denkmuster.“ Marlen Hobrack


So dichtgedrängt so viel Chauvinismus und Vorurteile - und das von einer Frau. ... Sie haben weder verstanden, was ich mit meinen Kommentaren oben aussagen wollte, noch anscheinend Ihren Verstand über Luxusfragen und kapitalistische Verwertungsinteressen hinaus bemüht – um ihren Blick zu weiten, wozu Verstand noch gut sein könnte.

... Werfen Sie mal einen Blick in die Welt und einen Blick in sozialwissenschaftliche Fachliteratur. Gehen Sie mal von Latte-Macchiato-Shopping-Center-Café in die Melting Pots und zu Mädchen - und Frauenberatungsstellen. Dann wissen Sie, dass es nicht um ein bisschen Luxusfragen geht, und das Patriarchat voll wirksam ist.

... Befassen Sie sich mit der Geschichte bis hin zur Gegenwart, mit Josephine Butler, der Abolitionistenbewegung, mit Gillaume-Schack und mit all den Frauen die damals und all den Frauen die heute verzweifelt für die Durchsetzung von Frauen-, Menschen- und Bürgerinnenrechte der Prostituierten kämpfen. Befassen Sie sich mit den offenen und verdeckten Formen der Benachteiligung und Diskriminierung und Gewalt. Mit dem Thema Macht und Erniedrigung (Kate Millet).

Befassen Sie sich mit der feministischen „Hurenbewgung“ (der Name wurde von den Prosituierten selbst für die Bewegung gewählt) und selbst innerhalb der Frauenbewegung konnten und können Prostituierte nicht selbstverständlich mit Rückhalt rechnen.

Bürgerliche Frauen tragen darüber hinaus oft ganz allgemein bei zur Diskriminierung anderer Frauen. Aus dem Grund trennte sich die bürgerliche und sozialistische Frauenbewegung. Weil die Bürgerlichen zu einem großen Teil nur auf ihre Privilegien bedacht waren, und teilweise selbst zur Unterdrückung anderer Frauen beitrugen und beitragen, indem sie andere Frauen unterbezahlt putzen ließen und lassen, als Kindermädchen für ein besseres Taschengeld oder billige Pflegekräfte anstellten und anstellen.

Es ist geradezu zynisch wenn manche bürgerliche Patriarchen/innen ihre Kirchplatzsprüche loslassen, dass die Frauen, die sie tagsüber mit ausbeuten und für sich arbeiten lassen, wer packt denn die hübschen Luxusartikelchen in den Versandkarton, wer näht die Kleider, bindet die Blumensträuße (wissen Sie wie viel Floristen/innen verdienen, wie viel manche Altenpflegerinnen, Hebammen, Friseurinnen?) ...

... Statt diesen oberflächlichen Boulevard-Müll zu verfassen, sollte sich Freitag hinter die feministische Prostituiertenbewegung stellen! Sich für die Rechte der Prostituierten einsetzen, für gute Arbeitsbedingungen, für gesellschaftliche Anerkennung von Prostituieren und ihrer Arbeit schreiben. ...


Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on September 24, 2014, 10:33:05 AM
Emma Watson UN speech
Emma Watson's moving speech about gender equality and the he for she campaign  (2014)
https://www.youtube.com/watch?v=p-iFl4qhBsE#t=179


"Wie auf dem Schulhof" (23. September 2014) Ein Kommentar von Marie Schmidt
Emma Watson hat vor der Uno über Gleichberechtigung gesprochen. Die Aggression im Netz gegen die Schauspielerin zeigt auch, wie nötig ihre Rede immer noch ist. ... Am Montag sah sie sich dann allerdings mit der zurzeit häufigsten chauvinistischen Drohgebärde im Internet konfrontiert. Anonyme Nutzer behaupten, intime Fotos von Watson zu besitzen, die sie in den nächsten Tagen veröffentlichen wollen. In den letzten Wochen sind solche Bilder von mehreren weiblichen Filmstars aufgetaucht, die man aus deren Cloud-Accounts gestohlen hat.
Dass das eine Ereignis so unmittelbar auf das andere folgt, lässt an jene miesen Dynamiken denken, die man sonst von Pausenhöfen kennt: Jemand, der Schwäche zeigt, wird sofort zum Opfer grober Machtgesten. Noch kann man nicht sagen, ob es wirklich Bilder von Watson gibt, und ob ein Zusammenhang mit ihrer Rede besteht. Aber selbst wenn nicht, könnte man den Vorfall als ein Symptom dessen betrachten, was Emma Watson da beschrieben hat.
Männer seien, meinte sie, genau wie Frauen in ihren stereotypen Rollenbildern gefangen, ihren Vorstellungen von erfolgreicher Männlichkeit. Wenn sie sich daraus befreiten, könne sich endlich auch für Frauen alles ändern: "Wenn Männer nicht aggressiv sein müssten, um anerkannt zu werden, würden sich Frauen nicht gezwungen sehen, unterwürfig zu sein. Wenn Männer nicht die Kontrolle behalten müssen, müssen Frauen sich nicht kontrollieren lassen."...

http://www.zeit.de/kultur/2014-09/emma-watson-gleichberechtigung-kommentar

Quote
    Paul von Arnheim
    gestern 21:53 Uhr

242. Unter Sexismus müssen Alle leiden

" Aber dies beides parallel zu setzen mit einem (vollkommen fiktiven) Leiden an tradierten Geschlechterrollen, also an der gesunden, gelebten Normalität, offenbart ein spektakuläres Ausmaß an ideologischer Verblendung."

Misogynie sorgt dafür, dass sogar die meisten Schriftkundigen nur noch über einen Bruchteil von Informationen über die Voreltern verfügen. Wer kennt die Geburtsnachnamen seiner vier Urgroßmütter oder auch nur die der beiden Großmütter? Bereits nach zehn Generationen hat man weniger als ein Tausendstel der Erkenntnis, die man haben könnte, dokumentierte man auch die weibliche Linie.

Ein weit größeres Problem ist die Überbevölkerung, die es ohne Misogynie nicht gäbe. Da viele Frauen höchstens als Mütter möglichst vieler Söhne respektiert werden und Jungen für wichtiger als Mädchen gehalten werden ("Stammhalter"), bleibt es nicht aus, dass es immer mehr Jungen und immer weniger Mädchen gibt. In China und Indien herrscht ein Männerüberschuss in dreistelliger Millionenhöhe. Das ist eine Bedrohung für die ganze Welt, geboren aus Frauenverachtung.

Sexismus ist wie Diskriminierung wegen Hautfarbe (ein Phänomen, das sachlich unrichtig als Rassismus beschrieben wird, denn es gibt nur eine einzige Menschenrasse) eine Beleidigung der Intelligenz. Tradierte Geschlechterrollen sind tatsächlich eine Zumutung. Für intelligente Menschen.

http://www.zeit.de/kultur/2014-09/emma-watson-gleichberechtigung-kommentar?commentstart=241#cid-3945084

Quote
    Tom Orrow
    gestern 23:38 Uhr

Gewalterfahrungen @osna ... Ich habe 10 Jahre psychische und physische Gewalt von meiner Frau erfahren. Ich habe sie ertragen, weil ich sonst mein Kind verloren hätte in einem Land, welches noch immer die Mutter als einzig kompetentes Elternteil ansieht. Ich habe Erpressungen ertragen und Selbstmordrohungen.Und ich wusste, wenn ich mich körperlich wehre, und ihr nur eine einzige Schramme zufüge, dass sie genug hat Beweise hat, um mich umgehend durch die Polizei, die ebenfalls bei häuslicher Gewalt ausschließlich den Mann für schuldig hält, aus der Wohnung entfernen lässt.

So, und für mich gab's weder Männerhaus, noch Hotline noch Anlaufstellen, die mir diese ganze Scheiße geglaubt hätten. Meine einzige Wahl war das Kind aufzugeben und jetzt brav zu zahlen, weil man mich sonst in den Knast steckt, wenn ich meinen Verpflichtungen nicht nachkomme, während mir mein Kind entfremdet wird.

Und wenn ich dank Internet mitbekomme, dass es vielen, sehr vielen Männern ähnlich geht, dann hoffe ich sehr, dass Sie verstehen, dass eine Gewalthotline explizit für Frauen für mich der blanke Hohn darstellt. Dann hoffe ich sehr, dass Sie verstehen, dass ich das vom Feminismus gezeichnete Täter-Opfer-Prinzip aus gutem Grunde nicht anerkennen möchte, will, und werde.

Ich erkenne eine Frauenlobby grundsätzlich an. Aber ich stelle fest, dass Männer eben keine haben. Und dass sie deshalb keine Lobby haben, weil sie immer noch ausschliesslich als Täter dargestellt werden.

...

http://www.zeit.de/kultur/2014-09/emma-watson-gleichberechtigung-kommentar?commentstart=313#cid-3945320

"Häusliche Gewalt: Herr Maier, das Opfer" Philip Siegel (16.04.2014)
Männer, die von ihrer Frau misshandelt werden, sind eine Minderheit. Für die Betroffenen ist das ein Problem: Sie fallen durch jedes gesellschaftliche Raster. ...
>> http://taz.de/Haeusliche-Gewalt/!136866/ (http://taz.de/Haeusliche-Gewalt/!136866/)

Quote
    Oh Falada
    vor 9 Stunden 51 Minuten

Das Problem mit den Männerrechtlern ist genau das,
was Kommentar Nr. 334 beschreibt, Tom Orrow. Sie haben keine Hilfe bekommen, weil Männer nicht mit "schwachen" Männern solidarisch sind. Ich habe noch keinen einzigen Männerrechtler kennengelernt, der gleichzeitig Feminist wäre. Aber Feministinnen, die sich sehr wohl Gedanken um eine steigende weibliche Gewaltbereitschaft Gedanken machen. Die sich Gedanken darüber machen, dass und warum Männer in den Krieg ziehen. ... Ihnen hätte es geholfen, wenn wir alle ein moderneres Menschenbild hätten. Und wenn Sie auf Männer getroffen wären, die Sie verstanden und unterstützt hätten, so wie ich auf Frauen traf, die mich verstanden und unterstützt haben. ...

http://www.zeit.de/kultur/2014-09/emma-watson-gleichberechtigung-kommentar?commentstart=337#cid-3945418

Quote
    Oh Falada
    vor 10 Stunden 11 Minuten

Frauen haben Vergewaltigungsnotrufe für Frauen eingerichtet, Frauenhäuser gegründet (die nicht von Anfang an staatlich finanziert waren!), ehrenamtliche Arbeit geleistet, geforscht - warum beginnen Männer nicht damit, das für Männer zu tun? Wie viel Mitgefühl haben Männer für Männer, denen Gewalt angetan wurde oder wird? Wie solidarisch sind sie mit männlichen Opfern häuslicher Gewalt über das Kommentieren hinaus?

Was sagen sie dazu, dass es in der Regel Männer waren, die andere Männer dazu gezwungen haben, in den Krieg zu ziehen?

Was sagen sie andererseits dazu, dass fast die Hälfte der in Deutschland ermordeten Frauen von ihren (Ex-)Partnern getötet werden, während umgekehrt nicht einmal 7% der männlichen Opfer von ihren (Ex-)Partnerinnen getötet werden (BKA-Statistik 2011)? Was sagen sie dazu, dass, statistisch betrachtet, zwar die Häufigkeit weiblicher Gewalt gegenüber Männern zugenommen hat, unter Berücksichtigung von Schweregrad, Bedrohlichkeit und Häufigkeit immer noch Frauen häufiger von schwerer und in hoher Frequenz vorkommender häuslicher Gewalt betroffen sind (Quelle: BMFSFJ)?

Könnte da nicht doch etwas faul sein im Patriarchat (nicht mit den Männern! mit der "Männlichkeit"!)?

http://www.zeit.de/kultur/2014-09/emma-watson-gleichberechtigung-kommentar?commentstart=329#cid-3945387

Quote
    kaktusbauer
    vor 10 Stunden 11 Minuten

Achtung voreinander

Frau Watson ist eine ehrbare und tapfere junge Frau, die für eine gerechte Sache eintritt. Das, was sie anspricht, ist so viel wichtiger als die teilweise verschwurbelte und abgehobene Gender-Debatte, die ohnehin immer nur in gewissen Kreisen stattfindet. Es geht um viel grundlegendere Dinge als die Erfindun eines geschlechtsneutralen Personalpronomens oder den Herrn Professorin. Im Grunde geht es um Achtung voreinander, die man selbstverständlich leben muss. Die Bemerkungen im Netz zeigen, wo das Defizit liegt.

http://www.zeit.de/kultur/2014-09/emma-watson-gleichberechtigung-kommentar?commentstart=321#cid-3945381

...

Quote
   Denk Panzer
    vor 35 Minuten

[Kommentar Nummer] 403. Feminismus

Wenn ich manche Kommentare hier lese [http://www.zeit.de/kultur/2014-09/emma-watson-gleichberechtigung-kommentar?commentstart=#comments (http://www.zeit.de/kultur/2014-09/emma-watson-gleichberechtigung-kommentar?commentstart=#comments)] wird mir bewußt das Feminismus immer noch bitter nötig ist. Eine Gleichberechtigung der Frau ist noch lange nicht erreicht.

http://www.zeit.de/kultur/2014-09/emma-watson-gleichberechtigung-kommentar?commentstart=401#cid-3945851

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"Men need to stand together with Emma Watson against misogyny"
But Watson’s speech has prompted a determined push back by men against sexism and misogyny. Already, tens of thousands of men and boys have signed up in support, with celebrities such as Joseph Gordon-Levitt tweeting in solidarity. ...
Owen Jones (Wednesday 24 September 2014 12.20 BST)
http://www.theguardian.com/commentisfree/2014/sep/24/men-stand-together-emma-watson-misogyny

Quote
Richard Vaughan

24 September 2014 12:40pm
We only care when celebrities are involved, that's the more sinister thing at play here.

Girls naked pictures are shared without permission all the time, but no one is bothered until someone famous gets their privacy violated.


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"Emma Watson, Feminismus und der Mainstream" von Nadine (Dienstag, 23. September 2014)
Ein Dauerbrenner: Das Funktionalisieren und Quantifizieren von Privilegierung/Diskriminierung mittels Zahlen oder Mengenbegriffen, um irgendeine Kackscheiße zu rechtfertigen. Neben Mehrheit/Minderheit-Geschwurbel oder dem netten Begriff “alle” (wer ist das überhaupt?), taucht auch “Mainstream” immer mal wieder auf im Zusammenhang mit feministischem Aktivismus. ...
http://maedchenmannschaft.net/emma-watson-feminismus-und-der-mainstream/

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"Männer und Feminismus" (22. September 2014)
Das Internet war heute voll von Emma Watsons Rede, in der sie darüber spricht, wie wichtig es sei, auch Männer von den Vorzügen des Feminismus zu überzeugen.
Meine Timeline ist gespalten darüber, was sie von dieser Rede halten soll. Die einen jubeln: Toll, eine nette Feministin, die nicht über die Männer schimpft, sondern sie ins Boot holen will. Die anderen sind genervt: Feminismus ist schließlich nicht dafür da, von Männern toll gefunden zu werden, denn um deren Urteil geht es hier doch ausnahmsweise mal gerade nicht. ... Aber Politik ist doch die Suche nach einem guten Zusammenleben aller Menschen und nicht einfach Lobbyismus für die eigenen Interessen. Menschen mit einem politischen Bewusstsein, mit Liebe zur Welt also und mit einem Gespür für Gerechtigkeit, geben sich nicht damit zufrieden, auf dieser Welt nur ihre eigenen Vorteile zu verfolgen. Sondern sie suchen nach einem Sinn in dem Ganzen, der über ihre eigene kleine Nasenspitze hinausreicht.
Und in diesem Sinne können Männer von feministischen Analysen profitieren, weil diese ihnen Aspekte und Sichtweisen eröffnen und zugänglich machen, die sich aus sich selbst heraus nicht haben können. Ich kenne nicht gerade massenweise, aber durchaus zahlreiche Männer, die aus diesem Grund gerne mit Feministinnen diskutieren, die feministische Texte lesen, die sich für die Sichtweisen und Analysen von Frauen interessieren, die an einem Austausch wirklich interessiert sind. ...

http://antjeschrupp.com/2014/09/22/manner-und-feminismus/

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"Emma Watson: Nacktbilder-Drohung war PR-Aktion" (24.09.14)
Nachdem die Schauspielerin Emma Watson am Dienstag eine Rede vor der UN zum Thema Gleichberechtigung gehalten hat, bekam sie nicht nur positive Reaktionen. So wurde auch eine Drohung laut, gestohlene Nacktbilder der 24-Jährigen online zu stellen. Auf der Webseite EmmaYouAreNext.com wurde ein Countdown gestartet, der die Zeit bis zur Veröffentlichung herunterzählt. Als der Countdown am Mittwoch abgelaufen ist, wurden jedoch keine Fotos veröffentlicht.
Stattdessen wurden Besucher der Seite zu Marketing-Unternehmen Rantic weitergeleitet, die den Stunt inszeniert haben. Mit der Aktion wollten sie laut eigenen Angaben Aufmerksamkeit erregen, um zu erreichen, dass 4chan geschlossen wird. In diesem Zusammenhang wurde auch ein offener Brief an US-Präsident Barack Obama veröffentlicht. Laut Rantic "muss das Internet zensiert" werden und die Besucher der Webseite sollen per Facebook-Like oder Twitter-Mention die Sache unterstützen. Via Twitter bezeichnete Rantic 4chan sogar als „terroristische Gruppe“. ...

http://futurezone.at/digital-life/emma-watson-nacktbilder-drohung-war-pr-aktion/87.517.067
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on September 24, 2014, 12:42:34 PM
Das Frauenbild während der Zeit des Nationalsozialismus war von einer völkisch-nationalistischen Ideologie geprägt und betonte die Rolle der Frau in der Gesellschaft als Mutter. Beeinflusst wurde das Idealbild durch andere Grundzüge nationalsozialistischer Ideologien wie die Lebensraumpolitik.
Die ideale Frau sollte sich neben ihrer arischen Abstammung durch Charaktereigenschaften wie Treue, Pflichterfüllung, Opferbereitschaft, Leidensfähigkeit und Selbstlosigkeit auszeichnen. Sie sollte zum Wohle der „Volksgemeinschaft“ vor allem als Mutter ihre Pflicht erfüllen. In allen anderen Fragen wurde ihr nur ein sehr begrenztes Mitspracherecht eingeräumt. Entscheidungen zu treffen sollte den Männern vorbehalten bleiben. ...

„Die Welt der Frau [sei] die Familie, ihr Mann, ihre Kinder, ihr Heim“ (Hitler, München 1936)
https://de.wikipedia.org/wiki/Frauen_im_Nationalsozialismus

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"Festanstellung und Heiratspläne" Thomas Pany (30.09.2014)
Dass gegenwärtig weit weniger Amerikaner verheiratet sind oder es waren als 1960, wird niemanden überraschen. Die werten Leser sollen hier nicht mit Zahlen, die längst Bekanntes dokumentieren, gelangweilt werden. Aber die Pew-Umfrage zur Einstellung der US-Bürger zur Ehe legt ein bemerkenswertes Phänomen unserer Zeit offen: den Zusammenhang zwischen "flexiblen Arbeitsverträgen" und der klassischen Beziehungsform, die auf der Dauer angelegt ist, der Ehe. Sie vertragen sich schlecht.  ... Befragt danach, was für sie bei der Wahl des Partners "sehr wichtig" ist, gaben 78 Prozent der unverheirateten Frauen an, dass er einen festen Job haben soll. Bei den Männern stufen immerhin auch 46 Prozent eine Festanstellung ihrer künftigen Partnerin als "sehr wichtig" ein. Der Unterschied ist dennoch beachtlich. ... Unter der schwarzen Bevölkerung der USA fällt der Quotient übrigens noch weitaus schlechter aus, dort errechnet man pro 100 Frauen nur 51 angestellte Männer. Demgegenüber ist der Anteil der Frauen, die auf einen Ehemann mit einem festen Arbeitsplatz Wert legen, in dieser Bevölkerungsgruppe am höchsten.  ...
http://www.heise.de/tp/artikel/42/42917/1.html

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""Gamergate": Spieleentwicklerin flüchtet vor Online-Drohungen" (13.10.2014)
In der "Gamergate"-Debatte musste nach heftigen Drohungen erneut eine Frau aus ihrer Wohnung flüchten. Sie hatte gelästert, dass sich die Diskussion angeblich um Korruption drehe, aber mehr aus sexistischen Ausfällen besteht. ...
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Gamergate-Spieleentwicklerin-fluechtet-vor-Online-Drohungen-2416580.html

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"Anita Sarkeesian sagt Auftritt nach Androhung eines Massakers ab" (15.10.2014)
Einer US-Universität wurde vor einem Auftritt von Anita Sarkeesian das "größte Massaker der USA" angedroht, woraufhin diese ihr Kommen absagte. Zwar hatten Sicherheitsbehörden keine Gefahr erkannt, sie mussten aber versteckt getragene Waffen erlauben. ...
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Anita-Sarkeesian-sagt-Auftritt-nach-Androhung-eines-Massakers-ab-2424299.html

"Feminist cancels speech at USU after terror threat"
Tuesday , October 14, 2014 - 11:39 PM By CIMARON NEUGEBAUER and BEN LOCKHART
http://www.standard.net/Police/2014/10/14/Feminist-speaker-cancels-appearance-at-USU-after-terror-threat.html

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"Test mit versteckter Kamera 100 Mal angemacht in zehn Stunden" (29. Oktober 2014)
Eine versteckte Kamera begleitet eine Schauspielerin beim Spaziergang durch New York - sie wird von zahlreichen Männern angesprochen, belästigt, verfolgt. Das Video zeigt, wie alltäglich solche Szenen auf der Straße sind. ...
http://www.sueddeutsche.de/panorama/test-mit-versteckter-kamera-mal-angemacht-in-zehn-stunden-1.2196377

"Watch: This Woman Get Harassed 108 Times While Walking in New York City" Charlotte Alter (Oct. 28, 2014)
She's just walking, wearing jeans and a crew-neck T-shirt ...
http://time.com/3543632/street-harassment-hollaback-video/

http://www.washingtonpost.com/blogs/she-the-people/wp/2014/10/29/the-story-behind-that-10-hours-of-walking-in-nyc-viral-street-harassment-video/

"Reaktionen auf YouTube-Video: Anti-Sexismus-Aktivistin erhält Morddrohungen" (30.10.2014)
Es hat nur wenige Stunden gedauert, da bekam Shoshana Roberts Morddrohungen. Die amerikanische Schauspielerin hatte am Dienstag ein Video bei YouTube veröffentlicht, in dem sie dokumentiert, wie oft sie innerhalb eines Tages auf den Straßen von New York von Männern belästigt worden ist. Innerhalb von knapp zwei Tagen wurde der Clip mehr als 14 Millionen Mal angeklickt. ... Allein unter Roberts YouTube-Video haben Nutzer mehr als 65.000 Kommentare hinterlassen. Ein kurzer Blick darauf zeigt, wie wenig Verständnis viele der Kommentatoren für das geschilderte Problem haben. So lästert ein YouTube-Nutzer, "die Tussi" sei wohl zu hässlich, wenn sie es binnen zehn Stunden nur auf so wenige Anmachen gebracht habe. Ein anderer wundert sich, dass Bemerkungen wie "Hallo meine Hübsche" als Belästigung dargestellt werden und verweist darauf, dass man doch in einem freien Land lebe, in dem ein Mann das Recht habe, solche Bemerkungen zu machen. ...
http://www.spiegel.de/netzwelt/web/shoshana-roberts-morddrohungen-wegen-belaestigungsvideo-a-1000099.html

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"Shoshana Roberts: Hass, Hass, Hass" Frida Thurm (1. November 2014)
Gleiche Rechte für Männer und Frauen sollten das Normalste der Welt sein. Warum erhält eine Schauspielerin dann Morddrohungen, wenn sie gegen sexuelle Belästigung kämpft? ... Frauen fordern, dass sie in Ruhe gelassen werden, und es antworten ihnen Männer, die ihnen die schlimmsten Gewalttaten androhen – und gleichzeitig behaupten, Frauen würden nicht belästigt und dächten sich das alles nur aus. Auf Aktivistinnen, Journalistinnen und Schauspielerinnen, die sich dazu äußern, prasselt der blanke Hass ein. ... Wie viel Energie dieser Hass in manchen freisetzt, erfuhr die Spielekritikerin Anita Sarkeesian. ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2014-10/shoshana-roberts-10-hours-walking-new-york

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"Alanah Pearce löst das Gamergate-Problem" (29. November 2014)
Alanah macht Videogame (und -Hardware) Reviews für australische TV- und Radiosender. Auf Youtube. Ja, natürlich. Ein Riesenproblem. Hübsche Mädchen, die öffentlich ihre Ansichten zu Gaming verbreiten. Da können Vergewaltigungs- und Morddrohungen gar nicht ausbleiben. Wie auch. Es gibt immer genug unreife Vollidioten, die eine solche Kombination nicht verkraften. Und, wie Alanah feststellte, nicht auf sachliche Argumente reagieren. Weil sie keine erwachsenen Männer sind, sondern pubertierende Jungs. Also? Alanah kontaktet deren Mütter, und fragt diese, warum ihre Söhne Facebooknachrichten wie “i’ll rape you if i ever see you cunt” versenden. Mit den zu erwartenden Ergebnissen. ...
http://11k2.wordpress.com/2014/11/29/alanah-pearce-lost-das-gamergate-problem/#more-35968

Video Game Reviewer Is Contacting the Mothers of Her Online Harassers
http://jezebel.com/video-game-reviewer-is-contacting-the-mothers-of-her-on-1664381934

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"Spielverbot wegen Vergewaltigungs-Tweet" (25. November 2014)
http://11k2.wordpress.com/2014/11/25/spielverbot-wegen-vergewaltigungs-tweet/

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on December 07, 2014, 09:53:51 PM
"Kommentar: GTA V ist nur ein Gewaltporno unter vielen" (06.12.2014)
Die Aufregung um GTA V zeigt, dass Spiele immer noch nicht wie Filme und Bücher diskutiert werden. Lieber wird das Killerspiel-Fass aufgemacht. Es wird Zeit, dass Spiele ernst genommen werden, meint Jan-Keno Janssen. ... Kunst bricht seit jeher Tabus, Kunst beschreibt seit Jahrtausenden das Schlechte im Menschen. In der aufgeklärten Welt darf Kunst fast alles und deshalb läuft im staatlich geförderten Programmkunstkino Pasolinis 120 Tage von Sodom, im Multiplex Saw und im Fernsehen Game of Thrones.
Computerspiele dürfen dagegen nicht alles, denn sie gelten in der öffentlichen Wahrnehmung nicht als Kunst – trotz Minecraft, Portal oder Bioshock. Was vermutlich daran liegt, dass die Debatte vor allem von Menschen geführt wird, die selbst noch nie ein Computerspiel gespielt haben. ...

http://www.heise.de/newsticker/meldung/Kommentar-GTA-V-ist-nur-ein-Gewaltporno-unter-vielen-2481962.html


http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Kommentar-GTA-V-ist-nur-ein-Gewaltporno-unter-vielen/forum-289279/list/


Quote
6. Dezember 2014 21:00
Kunst....
MAKFreddy (mehr als 1000 Beiträge seit 30.10.00)

... Es tut mir leid Herr Janssen, aber der Kommentar ist mir etwas zu
oberflächlich. Sicherlich gibt es viele Computerspiele, die man als
Kunst betrachten kann, aber GTA zählt nicht dazu - es sei denn man
betrachtet Programmierung an sich als Kunst, aber das wäre hier wenig
hilfreich. Hinzu kommt, dass auch Kunst sich weiterentwickelt d.h.
was einmal als Kunst-Projekt begann wird irgendwann zum Allgemeingut
oder Massenprodukt und unterliegt damit anderen Maßstäben.
Unter anderem versäumen sie es bei ihrem Kommentar, bewusst oder
unbewusst, auf den Punkt "Interaktivität" einzugehen. Meines
Erachtens macht es einen erheblichen Unterschied, ob etwas passiv
konsumiert wird z.B. ein Film oder ob man aktiv das Geschehen
beeinflusst, wie im Fall von GTA.
Ein weiterer Punkt, den ich für sehr wichtig halte, ist der immer
größere Realismus, der in Spiele Einzug hält. Es ist etwas anderes
100 farbige Pixel zu überfahren, als einen menschenähnlichen Avatar,
dessen Gesichtszüge bis ins Detail moderiert wurden.
Ich bin kein Freund von einer m.E. oftmals völlig fehlgeleiteten
Killerspiel-Propaganda, die nur dem Zweck der medialen Aufmerksamkeit
dient und von Personen geführt wird, die keinerlei Erfahrung mit
diesen Medien haben. Ich selbst habe früher mit großer Freude CS
gespielt - dabei ging es mir nie um den "Spass am Töten", sondern um
den Spass und die Taktik in der Gruppe - das Gruppenerlebnis hat das
Spiel so reizvoll und unterhaltsam gemacht - der "brutale" Inhalt,
den Außenstehende gerne in den Vordergrund rücken, war für mich nie
im Fokus.
Aber dennoch sehe ich aktuelle Spieleinhalte wie diesen in GTA sehr
kritisch, da hier Spieler in Rollen schlüpfen, die das aktive
Ausleben von vielfältigen Gewaltfantasien ermöglichen. Ich frage mich
ernsthaft, ob wir solche Spielinhalte benötigen, um "Spass" an einem
Spiel zu haben ? Die Realität ist schlimm genug, da bedarf es nicht
noch solcher "Übungsszenerien" in der virtuellen Welt. Ganz ehrlich,
ich finde so etwas einfach nur geschmacklos.
Nebenbei bemerkt ist es in meinen Augen der Sache nicht dienlich in
diesem Zusammenhang eine Diskussion zum Thema
Sexismus/Gleichberechtigung zu führen.

btw. auch wenn es nicht unmittelbar mit dem Thema zu tun hat, so kann
ich jedem folgende aktuelle Doku auf ARTE empfehlen:

Kill Zone USA
Spurensuche in einer waffenverrückten Nation
Dienstag, 02. Dezember um 20:15 Uhr (84 Min.)
http://www.arte.tv/guide/de/050776-000/kill-zone-usa

Ich wünsche allen ein schönes Wochenende.

http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Kunst/forum-289279/msg-26188376/read/


Quote
7. Dezember 2014 10:22
Ähm...
bombjack

Wander schrieb am 7. Dezember 2014 09:43

>
> Die Frage ist doch: Wollen wir (die Gesellschaft) uns in dieser
> Hinsicht einschränken weil ein paar wenige Individuen nicht imstande
> sind mit derartigen Medien umzugehen? Bei Büchern, Filmen und anderen
> Kunstformen haben wir uns dagegen entschieden. Oder willst du
> bestreiten, dass diese Medien auch imstande sind manche Menschen zu
> verwerflichen Taten zu verleiten? Und ich finde auch, dass Zensur bei
> Spielen nicht angebracht ist, im Hinblick darauf, dass die Mehrheit
> der Menschen damit ohne Probleme zurecht kommt.
>

sorry Dich berichtigen zu müssen....

a) §131 StgB
> http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__131.html

b) § 130a Anleitung zu Straftaten
http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__130a.html

c) § 184a Verbreitung gewalt- oder tierpornographischer Schriften
http://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__184a.html

Zum persönlichen Gebrauch okay...aber Verbreitung verboten....und ja
diverse Filme kassierten einen Beschlagnahmebeschluss nach §131 z.B.
"Tanz der Teufel"
vgl. die Story dahinter
> http://www.schnittberichte.com/artikel.php?ID=54#II

bombjack


http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Aehm/forum-289279/msg-26189400/read/

Quote
7. Dezember 2014 18:11
Na klar ist das menschenverachtende Scheiße ...
KKinski

aber wir findens geil. Sonst würden wir das nicht spielen.
Alles andere sind vorgeschobene Begründung. Das Spiel ermöglicht
einem halt den dicken Zuhälter und oder Freier zu spielen, der die
Nutten nach getaner Arbeit anzündet. Der Spieler kann das böse
Arschloch sein. Das ist nicht das Problem. Zum Problem wird es erst,
wenn jemand nicht mehr die Kurve kriegt und das auch in der Realität
auslebt. Was mit zunehmendem Realismus der Darstellung
wahrscheinlicher wird.

Quote
7. Dezember 2014 20:33
Re: Na klar ist das menschenverachtende Scheiße ...
atrida02

KKinski schrieb am 7. Dezember 2014 18:11

> Zum Problem wird es erst,
> wenn jemand nicht mehr die Kurve kriegt und das auch in der Realität
> auslebt. Was mit zunehmendem Realismus der Darstellung
> wahrscheinlicher wird.

So wie bei den Filmen oder wie?


http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Na-klar-ist-das-menschenverachtende-Scheisse/forum-289279/msg-26190977/read/

Quote
7. Dezember 2014 14:30
Gewaltporno?
Sledge_Dog (mehr als 1000 Beiträge seit 18.12.08)

Also in dem Filmchen sieht man nichts. Man kann sich die sexuellen
Handlungen nur vorstellen. Richtige Gewaltpornos, bei denen mal alles
sieht, finden sich hingegen haufenweise im Web.

Man kann sie auch in jedem Sex-Shop kaufen. Auf den Schulhöfen werden
sie munter getauscht. Das war allerdings schon immer so und ist keine
Erfindung des Informationszeitalters.


http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Gewaltporno/forum-289279/msg-26190203/read/

Quote
6. Dezember 2014 14:40
Ist doch nur schlimm, wenn es "Frauen" passiert
Pro¡ektor (mehr als 1000 Beiträge seit 15.01.00)

Anita Sarkeesian klagt bei Hitman und weiteren Spielen an, dass der
Spieler Frauen, oder sogar Angestellte eines Stripclubs, umbringen
kann. Dass man in den selben Spielen auch jede männliche Figur nicht
nur umbringt und "entsorgen", sondern sie sogar bis auf die
Unterwäsche ausziehen kann, wird gar nicht erst erwähnt. Und über
COD, Battlefield, Mortal Kombat und wie sie alle heißen redet
überhaupt keiner mehr, spätestens seit Jack Thompson mit seinem
Kreuzzug gegen "Killerspiele" gegen die Wand gelaufen ist.
> http://de.wikipedia.org/wiki/Jack_Thompson_%28Anwalt%29

Auch er hatte schon GTA IV in der Hand, ist damit aber nicht
sonderlich weit gekommen, aus dem Handel wurde das Spiel nicht
genommen - vielleicht weil er kein Youtube-Video vorzuzeigen hatte,
in dem ein pubertierender Halbstarker eine Prostituierte umbringt?
Hätte in der heutigen "Emotiocratie" vielleicht geholfen... Sein
Versuch, GTA III für einen Amoklauf verantwortlich zu machen, hat
jedenfalls nicht gefruchtet und zuletzt war sogar die Justiz so
genervt von ihm, dass sie ihm seine Anwaltlizenz entzogen.

Btw, interessiert es eigentlich jemanden, dass das auch Frauen
spielen?
> https://www.youtube.com/watch?v=TNoWPtj_Zcw

Ich erkläre das ja mit "Damsel in Distress". Gewalt gegen eine Frau
aktiviert immer noch eher unsere Schutzreflexe, als wenn das Gleiche
einem Mann passiert. Bei ihm ist es maximal lustig.
> https://www.youtube.com/watch?v=Jy5vRGtKPY0

http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Ist-doch-nur-schlimm-wenn-es-Frauen-passiert/forum-289279/msg-26187183/read/

Quote
6. Dezember 2014 15:09
Knapp daneben
Dominius (mehr als 1000 Beiträge seit 15.05.03)

Pro¡ektor schrieb am 6. Dezember 2014 14:40

> Anita Sarkeesian klagt bei Hitman und weiteren Spielen an, dass der
> Spieler Frauen, oder sogar Angestellte eines Stripclubs, umbringen
> kann. Dass man in den selben Spielen auch jede männliche Figur nicht
> nur umbringt und "entsorgen", sondern sie sogar bis auf die
> Unterwäsche ausziehen kann, wird gar nicht erst erwähnt. Und über
> COD, Battlefield, Mortal Kombat und wie sie alle heißen redet
> überhaupt keiner mehr, spätestens seit Jack Thompson mit seinem
> Kreuzzug gegen "Killerspiele" gegen die Wand gelaufen ist.
>
Anita beschäftigt sich halt mit "Tropes vs Women", kannst ja ne
eigene Reihe starten, wenn dir das nicht passt.

Und ja, ich halte es für falsch, nicht über CoD, Mortal Combat etc.
zu sprechen. Auch da sollten die Gewaltdarstellungen diskutiert
werden.

> Auch er hatte schon GTA IV in der Hand, ist damit aber nicht
> sonderlich weit gekommen, aus dem Handel wurde das Spiel nicht
> genommen - vielleicht weil er kein Youtube-Video vorzuzeigen hatte,
> in dem ein pubertierender Halbstarker eine Prostituierte umbringt?
> Hätte in der heutigen "Emotiocratie" vielleicht geholfen... Sein
> Versuch, GTA III für einen Amoklauf verantwortlich zu machen, hat
> jedenfalls nicht gefruchtet und zuletzt war sogar die Justiz so
> genervt von ihm, dass sie ihm seine Anwaltlizenz entzogen.
>
Jack Thompson wollte Spiele verbieten. In der aktuellen Diskussion
geht es nicht um Verbote. Und nein, wenn irgendein Hypermarkt ein
Spiel nicht mehr verkauft, ist das total egal. Wenn sie es nicht
angekündigt hätten und aus dem Programm genommen hätten, hätte sich
kein Mensch aufgeregt.

Und Sexarbeiter*innen haben schon 2006 gegen GTA protestiert und die
darin enthaltene Darstellung von Sexarbeit bzw. Gewalt gegen
Sexarbeiter*innen.

> Ich erkläre das ja mit "Damsel in Distress". Gewalt gegen eine Frau
> aktiviert immer noch eher unsere Schutzreflexe, als wenn das Gleiche
> einem Mann passiert. Bei ihm ist es maximal lustig.
>
Erklär es, wie du willst.
Ich halte eine Diskussion über Gewaltdarstellungen in Computerspielen
inzwischen für längst überfällig.


http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Knapp-daneben/forum-289279/msg-26187293/read/

Quote
6. Dezember 2014 16:12
Re: Ist doch nur schlimm, wenn es "Frauen" passiert
Sid Burn (mehr als 1000 Beiträge seit 13.05.04)

> Anita Sarkeesian klagt bei Hitman und weiteren Spielen an, dass der
> Spieler Frauen, oder sogar Angestellte eines Stripclubs, umbringen
> kann.

Nein das klagt sie nicht an. Sie beschreibt wie Frauen als
Hintergrunddekoration genutzt werden. Vielleicht einfach mal das
Video auch anschauen über das du redest?

https://www.youtube.com/watch?v=4ZPSrwedvsg

> Dass man in den selben Spielen auch jede männliche Figur nicht
> nur umbringt und "entsorgen", sondern sie sogar bis auf die
> Unterwäsche ausziehen kann, wird gar nicht erst erwähnt.

Weil es für das was sie sagt ja auch keine Bedeutung hat. Es dreht
sich ja eben nichts um umbringen oder entsorgen und darüber regt sie
sich auf. Den Männer werden ja nicht als Hintergrunddekoration
genutzt.

> Ich erkläre das ja mit "Damsel in Distress". Gewalt gegen eine Frau
> aktiviert immer noch eher unsere Schutzreflexe, als wenn das Gleiche
> einem Mann passiert. Bei ihm ist es maximal lustig.
> > https://www.youtube.com/watch?v=Jy5vRGtKPY0

Was so ziemlich genau die Sachen sind worauf Sarkeesian eingeht.
Warum wirkt es bei einem Mann lustig? Weil Männer als
dominierend/stark eingestuft werden. Während Frauen als schwach und
hilfsbedürftig eingestuft werden.

http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Re-Ist-doch-nur-schlimm-wenn-es-Frauen-passiert/forum-289279/msg-26187519/read/

Quote
6. Dezember 2014 23:35
Irgendwie scheint es männliche und weibliche...
fr.osch (mehr als 1000 Beiträge seit 25.01.00)

... Pixel zu geben. Oder auch Bits. Das ist natürlich zutiefst
subjektiv und keineswegs so ohne weitere rauszukriegen, welches
Gender die Pixel nun haben... und überhaupt ist das gendermäßig nicht
zuende gedacht.

Denn auch, wenn manches auf dem Monitor so aussehen mag wie eine Frau
(oder wie eine Barbie-Puppe), so ist doch gar nicht klar, ob das
nicht vielleicht ein Mann ist, gefangen im Körper einer Frau.
Geschlecht ist und soll ja gerade nicht der äußere Anschein sein, die
Biologie oder die gesellschaftliche Zuschreibung, sondern... von
jedem selbst definiert werden, also ausschließlich in der
individuellen Verantwortung liegen. Wie kommen die also dazu zu
behaupten, da wäre eine "Frau" ermordet worden? Sind die sich da
wirklich sicher?

Es mag vielleicht so aussehen wie eine (idealisierte) Frau, aber ist
es das auch? Fühlt es sich selbst auch so? Wie definiert es sich
selbst? Das sind die Fragen, die man zuerst mal klären müsste. Und
dann natürlich die Frage, warum weibliche Pixel mehr wert sein
sollten als männliche. Und warum Gewaltanwendung geschlechtlich zu
werten ist, also je nach vermeintlichem Geschlecht des Zielobjektes
eine völlig andere Wertung erhält, eben inakzeptable oder akzeptable
Gewalt ist. Ich dachte immer, Frauen und Männer wollen und sollen
gleich behandelt werden... jetzt aber ist es viel schlimmer,
weibliche Pixel zu zerstäuben als männliche. Wie will man das denn
begründen? Es ist ja nicht so, als gäbe es in solchen Spielen nicht
auch Gewalt gegen männliche Pixel - die aber ist offenbar keineswegs
zu beanstanden, vielleicht gar zu begrüßen? Die männlichen Pixel
scheinen nicht so schützenswert zu sein wie die weiblichen. Ob das an
der Gebärfähigkeit letzterer liegt? Oder worin liegt der Unterschied?

    fr.osch

http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Irgendwie-scheint-es-maennliche-und-weibliche/forum-289279/msg-26188749/read/

Quote
7. Dezember 2014 01:44
Re: Irgendwie scheint es männliche und weibliche...
fr.osch (mehr als 1000 Beiträge seit 25.01.00)

> Könnte es vielleicht sein, dass es einen Grund hat, warum ich
> "Frauen" in Anführungzeichen geschrieben habe?

Und du hast zwar "Frau" in Anführungszeichen geschrieben, ich
übrigens auch, aber du hast dich mit keinem Wort über das
weiterführende Hinterfragen von Geschlechterzuschreibungen aufgrund
rein äußerlicher Kriterien ausgelassen. Das aber würzt die Debatte ja
erst richtig.

Glaubst du wirklich, dass jeder, der dir antwortet, anderer Meinung
als du sein muss, oder zumindest irgendwie doof finden muss, was du
schreibst? Lass doch andere auch ihren Senf dazugeben, ohne dich
gleich verteidigen zu müssen. Betrachte es doch eher als Ergänzung
und weniger als Angriff?

    fr.osch

http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Re-Irgendwie-scheint-es-maennliche-und-weibliche/forum-289279/msg-26189001/read/

Quote
7. Dezember 2014 11:36
"Kunst"
Gehirnwindung (7 Beiträge seit 04.06.13)

"Kunst" ist ja alles irgendwie. "Nazis" hatten ihre Kunst, die realen
Sozialisten hatten ihre "Kunst", und auch wenn die kleine Susi ihre
Blümchen malt, ist das "Kunst". Aber in ein Wirtschaftsgut, mit dem
einfach nur Gewinn realisiert werden soll, "Kunst" hinein zu
interpretieren, ist schon ein bisserl weit hergeholt.
Erstens ist "Kunst" ein viel zu allgemeiner Begriff, den jeder nach
Gutdünken auslegen kann, und zweitens würde es doch einfach reichen,
zu sagen:
"Ja, das Ganze ist geschmacklos, aber in der Konsumwelt ist vieles
geschmacklos und die Leute kaufen jeden Müll, wenn er trendy ist, und
das ist ihr gutes Recht, solange niemand zu Schaden kommt". Wer will
dem Nachbarn seinen schlechten Geschmack verbieten? Soll er doch
seine Scheiße in Gold gießen, ich muß sie nicht ansehen

"Bis wir Spiele selbstverständlich genauso differenziert kritisieren
wie andere Kulturerzeugnisse, dauert es vermutlich noch Jahrzehnte.
Was wirklich schade ist – denn erst dann werden die Verweigerer
merken, wie viel Kunst in Spielen stecken kann."


http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Kunst/forum-289279/msg-26189568/read/

Quote
7. Dezember 2014 08:16
Ein Aspekt wird bei der Diskussion unterschlagen ...
hmilz (813 Beiträge seit 28.03.03)

Ein Aspekt wird bei der Diskussion unterschlagen: Ob ich mir eine
Gewaltszene nur (passiv) anschaue, oder ob ich sie aktiv spiele,
gestalte, das ist schon ein Unterschied. Jeder, der sich schon einmal
mit den Grundlagen menschlichen Lernens beschäftigt hat, weiß das.

http://www.heise.de/newsticker/foren/S-Ein-Aspekt-wird-bei-der-Diskussion-unterschlagen/forum-289279/msg-26189232/read/

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on January 25, 2015, 09:07:29 PM
"Emma Holten: Wie eine Dänin mit Nacktfotos gegen Rachepornos kämpft" (23. Januar 2015)
Was tun, wenn plötzlich die privatesten Bilder öffentlich sind? Die Journalistin Emma Holten geht in die Offensive. ... Irgendwann wurde aus der Scham Wut. „Mir wurde klar: Es geht gar nicht um mich. Es geht um Frauenhass“, sagt sie. Es mache einen Unterschied, ob eine Frau der Veröffentlichung zustimme - und der sei so klar wie der zwischen Vergewaltigung und Sex. Darum entschloss sie sich, nicht mehr zu schweigen, zeigte sich selbst - sie wollte vom Objekt zum Subjekt werden, wieder die Kontrolle darüber gewinnen, was über sie im Internet zu sehen ist.
Emma Holten hat nie herausgefunden, wer sie gehackt hat. Jahre nach der Veröffentlichung der Bilder wird sie immer noch belästigt. ...

http://www.shz.de/nachrichten/deutschland-welt/netzwelt/wie-eine-daenin-mit-nacktfotos-gegen-rachepornos-kaempft-id8764756.html

"Activist Emma Holten Fights Back Against Revenge Porn by Reclaiming Her Body In a Powerful Photo Series" Lucia Peters (2015)
http://www.bustle.com/articles/55892-activist-emma-holten-fights-back-against-revenge-porn-by-reclaiming-her-body-in-a-powerful-photo

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Quote
[...] Zahlen einer Dunkelfeldstudie des Landeskriminalamtes Niedersachsen: 40.000 zufällig ausgewählte Menschen nahmen 2013 an der Befragung in Niedersachsen teil, wovon 18.940 Personen – zu 51,3 Prozent Frauen – zu Erfahrungen häuslicher Gewalt in Paarbeziehungen antworteten. Der Anteil der weiblichen Opfer physischer wie psychischer Gewalt in Paarbeziehungen lag bei 9,4 Prozent, der der männlichen bei 6,1 Prozent. Bei einer Zahl von 2,3 Millionen männlichen Niedersachsen zwischen 20 und 60 Jahren ergäbe dies eine Zahl von rund 140.000 Opfern.

...


Aus: "Wohnprojekt für männliche Gewaltopfer: Ort der Zuflucht" (26. 01. 2015)
Quelle: http://www.taz.de/Wohnprojekt-fuer-maennliche-Gewaltopfer/!153499/ (http://www.taz.de/Wohnprojekt-fuer-maennliche-Gewaltopfer/!153499/)

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"Protestform oder Körperkult?" Ein Nutzerbeitrag von Doktor Albahaca (11.02.2015)
Nacktheit Jede dritte Frau wird sexualisierter Gewalt ausgesetzt. Um das zu ändern, ziehen Femen-Aktivistinnen blank. Die entblößte Brust als Widerstand gegen das Patriarchat? ... Die Motivationen sich nackt zu zeigen, sind [ ] ebenso zahlreichund vielfältig, wie die Protestformen gegen ausschließlich sexualisierte Freizügigkeit. Nicht alle, die sich das Label feministisch geben, haben dasselbe Verständnis von Widerstand...
https://www.freitag.de/autoren/doktor-albahaca/nacktheit-protestform-oder-koerperkult

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"Verbrechen von Frauen im Holocaust Hitlers willige Helferinnen" Wendy Lower (02/2015)
Die Geschichtsschreibung zum Holocaust hat die Verbrechen von Frauen lange ausgeblendet. Dabei gingen sie zu Hunderttausenden in die besetzten Gebiete in Osteuropa - als integraler Bestandteil der Vernichtungsmaschinerie.  ... Zu den Mythen der Nachkriegszeit gehört der von der unpolitischen Frau. Nach dem Krieg sagten viele Frauen vor Gericht aus – oder erklärten in oral histories – , dass sie nur Büroangelegenheiten erledigt oder sich um die sozialen Aspekte des Alltagslebens gekümmert hätten. Sprich: um die Pflege oder um die Pflichten anderer, im Osten stationierter Deutscher.
Fast schien es, als hätten Frauen im NS-Männerstaat keine aktive Rolle gespielt – so wie das 1936 von Adolf Hitler vorgegebene Frauenbild sie an Heim und Herd verbannte. Abgesehen von einigen Ausnahmen wie Irma Grese, der „SS-Megäre“ aus Bergen-Belsen und „Hyäne von Auschwitz“, oder von Hermine Braunsteiner, der „Stute“ von Majdanek.
Diese auch in der Forschung verbreiteten Porträts aber waren Karikaturen, oftmals pornografisch verzerrt. Die starke Fokussierung auf die schlimmsten KZ-Aufseherinnen hat lange eine nuancierte Diskussion über die Beteiligung und das schuldhafte Verhalten von Frauen an den Verbrechen der NS-Zeit verhindert. ... Die „Frauenfrage“ wurde in der NS-Zeit nicht beiseitegeschoben, sondern neu gestellt. Das Private wurde politisch. Der Zugriff der Bewegung reichte bis ins traute Heim: Frauen und Mädchen holte man zu öffentlichen Versammlungen und Paraden auf die Straße, sie wurden zu Arbeitseinsätzen aufs Land geschickt, sie wurden zu Marschierübungen, Hauswirtschaftskursen und medizinischen Untersuchungen und Fahnenappellen versammelt. In ihren Memoiren und in Gesprächen erzählten viele von ihren Ambitionen: „Ich wollte etwas werden“, „ich wollte mehr“ – Aussagen, die sich so oder so ähnlich immer wieder finden. ...

http://www.tagesspiegel.de/wissen/verbrechen-von-frauen-im-holocaust-hitlers-willige-helferinnen/11424378.html

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Die Provokation gehört zum Wesen des Rap. In den Texten dieser Musikrichtung sind Frauen Schlampen, Nutten oder geile Fotzen, die ordentlich gefickt gehören. Die verkackte Welt ist bevölkert von Krüppeln, Spasten und schwulen Säuen. Das ist natürlich alles ironisch gemeint, aber der Spießer kapiert das ja nicht. Und wenn der sich dann ordentlich aufregt, macht es erst richtig Spaß. ... Als jugendgefährdend indiziert zu werden, ist in der Szene eine Art Auszeichnung. Der Berliner Rapper Fabian Cataldi (32) alias Bass Sultan Hengzt hat dies mit all seinen letzten vier Alben geschafft. Nun bringt er bald ein neues Album heraus, „Musik wegen Weibaz“, und die deutschen Rap-Fans drehen durch. Denn auf dem Cover der Premium Edition, das er Anfang der Woche auf Facebook und Twitter postete, ist ein Foto von zwei jungen Männern in inniger Pose zu sehen. Die beiden sind kurz davor sich zu küssen. Jetzt stellt sich heraus, dass es in der Szene ein Erregungspotenzial gibt, das dem des Spießers in nichts nach steht, und die Homophobie bei einigen eben nicht nur Attitüde ist, wie unter anderem von Boss Sultan Hengzt (BSH) behauptet. ...
Aus: "Wenn homophobe Rap-Fans durchdrehen"  Susanne Lenz (02/2015)
http://www.berliner-zeitung.de/kultur/schwule-auf-albumcover-von-bass-sultan-hengzt-wenn-homophobe-rap-fans-durchdrehen,10809150,29970364.html

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"Indischer Vergewaltiger macht Opfer mitverantwortlich" (02.03.2015)
Der Vergewaltiger und Mörder einer Inderin in einem Bus in Neu Delhi hat das Opfer für die Tat mitverantwortlich gemacht. „Mit einer Hand kann man nicht klatschen – dazu braucht es zwei Hände“, sagt er in einem indisch-britischen Dokumentarfilm, der zum Frauentag am 8. März erstmals ausgestrahlt wird. „Ein anständiges Mädchen würde nicht abends um 21 Uhr noch draußen herumlaufen.“
Das Interview mit dem verurteilten Mörder sei mit Genehmigung der Regierung in einem Gefängnis in Neu Delhi geführt worden, sagte eine Sprecherin für die Produktion der Sender NDTV und BBC am Montag. Der Vergewaltiger beschuldigt das Opfer auch, die falschen Kleider getragen zu haben. „Mädchen sollten sich um den Haushalt kümmern und sich nicht in Discos und Bars herumtreiben“, sagte er.
Die Studentin war im Dezember 2012 mit ihrem Freund zusammen auf dem Heimweg von einem Kino-Besuch, als sie in den Bus gelockt wurde. Eine Gruppe Männer fiel dann über sie her, vergewaltigte und folterte sie. 13 Tage später starb sie an ihren inneren Verletzungen. Die Täter wurden zum Tode verurteilt; derzeit läuft noch ein Berufungsverfahren. Der Fall führte zu Protesten und Ausschreitungen auf den Straßen Indiens und befeuerte eine Diskussion über Gewalt gegen Frauen. ...

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/indischer-vergewaltiger-macht-opfer-mitverantwortlich-13459360.html

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"Internationale Studie: Forscher errechnen durchschnittliche Penislänge" (03.03.2015)
... Männer schätzen ihre Penisgröße häufig zu negativ ein. Eine Online-Befragung mit mehr als 52.000 Männern und Frauen ergab etwa, dass 85 Prozent der Frauen zufrieden mit der Penisgröße ihres Partners waren, aber nur 55 Prozent der Männer mit ihrer eigenen Penisgröße. ...
http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/penislaenge-forscher-errechnen-durchschnittliche-laenge-a-1021501.html

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"„Wir wollen empowern“"  (1. November 2014)
Anti-Corpos ist eine lesbisch-feministische Hardcore-Band aus Brasilien. Ihr drittes Album „Contra Ataque“ wurde im Februar fertig. Mit der Platte ist die Gruppe durch Europa getourt: Berlin, Köln, München, Poznan, Gliwice, Barcelona, Madrid, Rennes, Marseille. Lesbisch-feministischer Hardcore war überall. Im Spätsommer ist die Gruppe auch nach Mainz gekommen. Radio Itinerante sprach mit der Gruppe über Sexismus in der Hardcore-Szene, Empowerment und ihre Erfahrungen in Europa. ...
https://www.zwischenze.it/wir-wollen-empowern/

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"Irans Frauen sollen Recht auf ihren Körper verlieren" Bianca Blei (12. März 2015)
Teheran/Wien - Die Vorgabe ist klar: Die iranischen Behörden sollen die Einwohnerzahl des Landes von derzeit 78,6 Millionen auf 150 oder 200 Millionen Menschen erhöhen. Das erklärte der oberste religiöse Führer, Ali Khamenei, in einer Fernsehansprache im Jahr 2012. Nun folgt die iranische Regierung seinem Ruf. Zwei Gesetzesvorlagen sollen den Trend der seit den 1980er-Jahren stetig sinkenden Geburtenrate umkehren - die Rechte der Frauen würden dabei weiter eingeschränkt. Geplant sind eine Einschränkung oder gar ein Verbot von Verhütungsmethoden sowie eine Diskriminierung von kinderlosen Frauen am Arbeitsmarkt. ...
http://derstandard.at/2000012808543/Irans-Frauen-sollen-Recht-auf-ihren-Koerper-verlieren

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Andrea Hanna Hünniger (* 13. Oktober 1984 in Weimar) ist eine deutsche Journalistin und Buchautorin.
https://de.wikipedia.org/wiki/Andrea_Hanna_H%C3%BCnniger

hanna hünniger @vandervelde
journalist, scout, sexy nightmare ...

https://twitter.com/vandervelde

"Sexismus: Warum es eine Provokation ist, eine Frau zu lieben"  Andrea Hanna Hünniger (09.03.15)
Klar, wir sind hier nicht in Moldawien oder in Putins Russland. Wir werden auch nicht bespuckt oder als pervers bezeichnet. Trotzdem sind die Reaktionen auf eine lesbische Liebesbeziehung absurd. ...
http://www.welt.de/kultur/article138190384/Warum-es-eine-Provokation-ist-eine-Frau-zu-lieben.html

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"Zwischen X und Y: Das Geschlecht nimmt viele Gestalten an" Marlis Stubenvoll (12. März 2015)
Hampshire, Großbritannien – XX oder XY, männlich oder weiblich. Unsere Gesellschaft und unser Rechtssystem lassen bisher nur zwei Optionen für das Geschlecht einer Person zu. Dass die Kategorien aus biologischer Sicht keineswegs in Stein gemeißelt sind, zeigt eine große Zusammenschau des Magazins Nature über den Status quo der Geschlechterforschung. ...
http://diestandard.at/2000012795999/Zwischen-X-und-Y-Das-Geschlecht-nimmt-viele-Gestalten-an
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on March 18, 2015, 01:31:57 PM
Quote
[...] Schätzungen besagen, dass jedes fünfte bis zehnte Neugeborene so ein Kuckucks­kind ist, allein in Deutschland wären das etwa 25.000 bis 40.000 pro Jahr. Das ­Online-Portal des Bayerischen Rundfunks spricht von zwei Kuckuckskindern in jeder Schulklasse. Doch eine in der "Ärztezeitung" 2005 veröffentlichte britische Studie hat nur eine "Kuckuckskinder"-Rate von 3,7 Prozent in Europa ausgemacht.

Seit Genlabors den Vaterschaftstest für jedermann anbieten, boomt das Geschäft mit dem Zweifel: Von mir oder nicht von mir? In Deutschland lassen jedes Jahr 40.000 Männer testen, ob ihre Söhne und Töchter wirklich von ihnen stammen. Jeder vierte Vater ist nicht der richtige. Fliegt das auf, ist mit einem Mal nichts mehr, wie es war. Familien werden in ihren Grundfesten erschüttert.

... Als im Januar 2005 der Bundesgerichtshof entschied, dass heimlich durchgeführte Vaterschaftstests vor Gericht nicht verwertbar sind, ging ein Aufschrei durch die Medien und durch die organisierte Väterszene. Männer würden zu "Bürgern zweiter Klasse" gemacht, empörte sich der Schriftsteller und Bild-Kolumnist Rafael Seligmann. Väter würden zum "Freiwild betrügender Frauen", klagte er an. Väterverbände warnten vor dem "Schlampenschutzgesetz" und der Spiegel sah Väter in der Rolle der "puren Geldgeber".

Seit 1. April 2008 nun gilt ein neues Vaterschaftsrecht. Das Bundesverfassungsgericht (BVG) hat im Sommer 2007 den Gesetzgeber beauftragt, das damals bestehende Gesetz nachzubessern. Jeder Mann, so argumentierte das BVG, muss auf legalem Wege darüber Gewissheit erlangen können, ob er der biologische Vater seines Kindes ist oder nicht. Das ist im reformierten Gesetz geregelt. Jetzt haben Männer und Kinder ein gesetzlich verbrieftes Recht zu erfahren, ob sie genetisch miteinander verwandt sind. Und: Stellt ein Vater fest, dass er nicht der leibliche ist, kann er sich jetzt in Ruhe überlegen, ob er die Vaterschaft rechtlich anfechten will – und damit meist das Kind vollständig verliert - oder ob er weiter der rechtliche wie soziale Vater bleibt.

Mütter werden nun gezwungen, die biologische Vaterschaft offenzulegen, notfalls per Gerichtsbeschluss. Das passt manchen Frauen nicht. Es sind doch die Männer, sagen sie, die ihre Familien verlassen, wenn sie keine Lust mehr auf sie haben. Nach einer Trennung kümmern sich die Väter nur noch selten um ihre Kinder. Laut Erhebungen des Verbandes Alleinerziehender Männer und Frauen (VAMV) zahlen etwa 60 Prozent aller getrennten Väter zu wenig, nur unregelmäßig oder gar keinen Unterhalt für ihre Kinder. VAMV-Erfahrungen besagen auch, dass viele getrennte Väter schon nach einem Jahr keinen richtigen Kontakt mehr zu ihren Kindern haben.

Warum aber wenden sie sich so leichtfertig ab und geben etwas auf, das ihnen vorher lieb und teuer war? Nachdem Walter T. erfahren hatte, dass er von seiner Frau betrogen worden ist, strengte er ein Gerichtsverfahren an. "14 Jahre war ich für Laura da", sagt er. "14 Jahre lang habe ich für sie gezahlt. Da ist ein Mittelklassewagen zusammen gekommen." Und den will Walter T. nun zurück haben. Der Prozess läuft und es sieht nicht so aus, als würde Walter T. Recht bekommen. Walter T. sagt es ganz offen: "Jetzt geht es mir nur noch ums Geld." Dass die Beziehung zu Laura zerbrochen ist, scheint ihm egal zu sein. Er sagt: "Sie ist ja auch nicht meine Tochter. Also, was soll's?"

Es scheint ganz so, als spielen Gene und Geld eine größere Rolle als Liebe und Verantwortung für das Kind, das selber ja vollkommen unschuldig ist. Für die Kinder ist das in jedem Fall fatal. Sie verlieren von einem Tag zum anderen ihren Vater. Und der leibliche ist ja sowieso nicht da.

Kuckucksväter lassen Zweifel an ihrer Vaterschaft übrigens in der Regel erst dann zu, wenn sie sich in der Beziehung zu der Frau nicht mehr wohl fühlen. Solange mit der Liebe alles stimmt, verbannen Männer jeden Zweifel an der Vaterschaft in die hinterste Ecke ihrer Seele.

Dasselbe Motiv – das nach der heilen Welt – ist es auch, das die Mütter schweigen und lügen lässt. "Das Geheimnis, dass ein Kind nicht von dem Mann stammt, der es groß zieht, muss gewahrt bleiben, damit die bestehende Familie nicht auseinanderbricht", sagt die Berliner Psychotherapeutin Katrin Nickeleit: "Kuckucksmütter wollen ihrem Kind Schutz geben, sie wollen, dass es in 'geordneten Verhältnissen' aufwächst, mit Mutter und Vater, egal, ob es der leibliche ist oder nicht. Dafür wird auch eine Lebenslüge in Kauf genommen."

... Aber ist es tatsächlich so, dass Kuckucksmütter nur ans Kind denken? Spielen nicht auch die Furcht vor sozialer Ausgrenzung und die Angst vor dem Verlust des Mannes eine Rolle? Das Tabu, in der eigenen Familie offen über ein Kuckuckskind zu reden, scheint noch im krassen Gegensatz zur heutigen Zeit zu stehen. Denn noch nie scheiterten so viele Ehen wie in den vergangenen Jahren (jede dritte Ehe wird geschieden), noch nie gab es so viele Kinder, die mit verschiedenen Vätern und Müttern aufwachsen. Die Kluft zwischen biologischer und sozialer Vaterschaft war noch nie so groß wie heute. Und die wachsende Zahl von Zweitehen mit weiteren Kindern zeigt, dass es nicht in jedem Fall das Gen ist, das zusammenschweißt. Warum also ist es so schwer, darüber zu reden?

So manches Mal könnte die Wahrheit sogar heilsam sein. Als Emma begriff, dass sie von der eigenen Mutter belogen worden war und endlich auch verstand, warum die hinter ihr herschnüffelte wie hinter einer Feindin, sah sie ihre Kindheit und ihre Jugend plötzlich in einem anderen Licht. Mit einem Mal verstand sie das Gefühl, das sie all die Jahre über begleitete: Fremdheit. Nora L.: "Ich gehörte einfach nicht in diese Familie. Diese Familie, das waren meine Mutter, ihr Mann und meine beiden (Halb)Geschwister."

Kuckuckskinder sind die eigentlichen Leidtragenden in solchen Dramen. Viele begeben sich, wenn das Geheimnis gelüftet ist, selbst auf die Suche nach dem unbekannten biologischen Teil ihrer Existenz. Manche finden ihn, andere nicht, einige halten den Kontakt aufrecht, wenn er erst einmal geknüpft ist, nicht wenige brechen ihn bald nach einem Treffen wieder ab. Sie sagen: Ich wollte nur wissen, wer mein Vater ist. Das reicht mir. Und den meisten Vätern reicht es auch.


Aus: "Kuckucksväter: Auf zur Wahrheit!" Simone Schmollack (1. März 2009)
Quelle: http://www.emma.de/artikel/kuckucksvaeter-auf-zur-wahrheit-263983 (http://www.emma.de/artikel/kuckucksvaeter-auf-zur-wahrheit-263983)

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[...] Ich erkläre immer zu Weihnachten meinen Studenten, dass sie von ihrer Großmutter mütterlicherseits größere Geschenke erwarten können als von der Großmutter väterlicherseits, denn die kann sich nicht ganz sicher sein, dass ihr Sohn wirklich der Vater des Enkels ist. Dabei reagieren Väter - natürlich unbewusst - auf vermeintliche Ähnlichkeiten mit Junior besonders sensibel. Je ähnlicher ihm das Kind zu sein scheint, desto eher wird er bei der Mutter bleiben und für den Nachwuchs sorgen, sagen Evolutionspsychologen.

Aber wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Mann, der sich sicher zu sein scheint, der biologische Vater zu sein, dies wirklich ist? Es ist schwierig, dazu verlässliche Daten aus vielen Kulturen zu bekommen. Eine Meta-Analyse aus 67 verschiedenen Studien (2006 in „Current Anthropology“ veröffentlicht) fand heraus, dass sich fast zwei Prozent der vermeintlichen Väter ein Kuckuckskind unterjubeln ließen.

Die Spanne reichte von 0,4 Prozent bei jüdischen Priesterkindern bis zu fast zwölf Prozent in der Stadt Nuevo León in Mexiko. Wenn sich die Männer von vornherein über ihre Vaterschaft unsicher waren, bestätigte sich ihr Verdacht oft (in 31 Studien untersucht): zu etwa 15 Prozent in Russland, fast 17 Prozent in Deutschland und über 50 Prozent in Schweden und den USA. ...


Aus: "Kuckuckskinder häufiger als gedacht" Axel Meyer (07.01.2010)
Quelle: http://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/zweifelhafte-vaterschaft-kuckuckskinder-haeufiger-als-gedacht/3340380.html (http://www.handelsblatt.com/technik/forschung-innovation/zweifelhafte-vaterschaft-kuckuckskinder-haeufiger-als-gedacht/3340380.html)

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[...] Dem Verfassungsgerichtsbeschluss zufolge wiegt der Regressanspruch des Scheinvaters aber nicht so schwer wie die verfassungsrechtlich geschützte Intimsphäre der Mutter. Die Rechtsfortbildung des BGH gehe deshalb zu weit. Es sei nun Sache des Gesetzgebers, wie er "das Interesse der Mutter an der Geheimhaltung intimer Daten ihres Geschlechtslebens" mit dem Interesse des Scheinvaters an Rückzahlung des von ihm geleisteten Kindesunterhalts zum Ausgleich bringt, heißt es in dem Beschluss.

Karlsruhe hob damit einen Beschluss des schleswig-holsteinischen Oberlandesgerichts auf, das eine klagende Mutter zur Auskunft über den Erzeuger ihres Kindes verpflichtet hatte. (AFP)

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StolzwieBolle, 18.03.2015 12:36 Uhr

Häh? - Wer der wirkliche Erzeuger ist, kann dem betroffenen Mann doch abseits eventueller Neugier erst mal egal sein.

Für Schadensersatz wäre doch die Mutter die erste Person - sie hat sich doch unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Unterhalt erschlichen! Wieso muß sich da jemand an den Erzeuger halten?



Aus: "Bundesverfassungsgericht: Mutter muss Vater von Kuckuckskind doch nicht benennen" (03/2015)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/bundesverfassungsgericht-mutter-muss-vater-von-kuckuckskind-doch-nicht-benennen/11521364.html (http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/bundesverfassungsgericht-mutter-muss-vater-von-kuckuckskind-doch-nicht-benennen/11521364.html)

"Bundesverfassungsgericht: Mutter muss Erzeuger von Kuckuckskind doch nicht benennen" (18.03.2015)
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/bundesverfassungsgericht-zu-kuckuckskindern-mutter-muss-namen-von-erzeuger-nicht-nennen-a-1024143.html

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"Was Anita Sarkeesian nicht sagen konnte..." (10.03.2015)
Fuck You! Und andere Dinge, die sie eigentlich gerne gesagt oder getan hätte. In den letzten drei Jahren, in welchen Tausende von misogynen Idioten sie mit Vergewaltigungs- und Morddrohungen überschütteten. Nur weil sie gewagt hatte, im heiligen Tempel der Adoleszenz (a.k.a. Videogames) vom real existierenden Sexismus zu sprechen.  ... Tolle Rede übrigens. video via boingboing...
https://11k2.wordpress.com/2015/03/11/was-anita-sarkeesian-nicht-sagen-konnte/


Anita Sarkeesian: 'What I Couldn't Say' (All About Women 2015)
https://www.youtube.com/watch?v=fhgEuY64ECw#t=30

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on March 20, 2015, 11:43:29 AM
Feministing is an online community run by and for young feminists. For over a decade, we’ve been offering sharp, uncompromising feminist analysis of everything from pop culture to politics and inspiring young people to make real-world feminist change, online and off. ...
http://feministing.com/

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"It’s time for porn to change" (03.12.2014)
One month ago I memorized my 12 minutes pages speech and delivered in front of the crowded (+1000 people) Volks Teather in Vienna. It was last November 1st TEDxVIENNA Brave New Space  conference. The audience was great, they laughed, the clapped, I think they shared with me the vision of the need of a new approach in adult cinema. ...
http://erikalust.com/ted-talk/#.VQv4wUTWQek

http://www.reddit.com/r/sex/comments/2vgbue/its_time_for_porn_to_change_tedx_talk_by_feminist/

http://feministing.com/2015/01/30/watch-erika-lust-makes-a-push-to-changeporn/

http://www.ravishly.com/2015/01/28/time-porn-change-erika-lust-TedxVienna-changeporn

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"A Woman Is Writing Feminist Messages On Period Pads And Posting Them Around Her City" (March 10, 2015)
One message reads: “Imagine if men were as disgusted with rape as they are with periods.” ...
http://www.buzzfeed.com/rossalynwarren/a-woman-is-writing-feminist-messages-on-period-pads-and-post

"Feminismus-Aktion: 19-Jährige erregt mit Damenbinden weltweite Aufmerksamkeit" Kristin Haug (20.03.2015)
http://www.spiegel.de/schulspiegel/karlsruhe-protest-mit-binden-wird-weltweites-phaenomen-a-1024616.html

e l o n ë
http://fotzenueberall.tumblr.com/

https://instagram.com/elona_x/

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"Frauen klagen gegen US-Internetfirmen" (23.03.2015)
Es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass unter den Mitarbeitern von Internet-Firmen junge weiße Männer in der Überzahl sind. Jetzt stehen unter anderem Twitter und Facebook im Visier der Klagen von Frauen, die sich diskriminiert fühlen. ...
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Frauen-klagen-gegen-US-Internetfirmen-2582991.html

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"Frauen im Film: Schluss mit der Potenzreflexion!" Julia Thurnau (23.03.2015)
Sechs von acht für den Oscar nominierten Filmen bestanden ihn nicht. Der nach einer US-amerikanischen Comic-Zeichnerin und Autorin benannte Bechdel-Test liefert ernüchternde Ergebnisse zur Rolle von Frauen in filmischen Werken. ... Seit Herbst 2013 soll der Bechdel-Test der internationalen Film- und Medienbranche helfen, Frauen als aktive, handelnde Subjekte wahrzunehmen und darzustellen, indem drei Fragen beantwortet werden müssen: Gibt es mindestens zwei Frauenrollen mit Namen? Sprechen sie miteinander? Unterhalten sie sich über etwas anderes als einen Mann?
Das Konzept ist dem Comic „Dykes to watch out for“ (auf Deutsch sinngemäß: „Bemerkenswerte Lesben“) der US-amerikanischen Cartoon-Zeichnerin und Autorin Alison Bechdel von 1985 entnommen. ... Der Bechdel-Test soll unsere Aufmerksamkeit darauf lenken, dass die Mehrheit der Filme aller Genres Frauen – wenn überhaupt – in Bezug zu einem Mann zeigen, statt als eigenständig handelnde Subjekte. ...

http://www.carta.info/77765/frauen-im-film-schluss-mit-der-potenzreflexion/

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"Unglückliche Mütter: Sie wollen ihr Leben zurück" Esther Göbel (5. April 2015)
Orna Donath, die israelische Forscherin, nennt Mutterschaft [ ] ein "kulturelles und historisches Konstrukt" - das so starr in den Köpfen verankert ist, dass auch nur der Gedanke, eine Frau könnte ihre Mutterschaft tatsächlich bereuen, für die meisten Menschen als abnorm oder als individuelles Versagen bewertet wird. ... Frauen, die ungern Mütter sind, lieben ihre Kinder deshalb nicht weniger. So sagt eine der Befragten, Doreen, 38 Jahre: "Schauen Sie, es ist kompliziert zu erklären. Ich bereue es, Mutter geworden zu sein, aber ich bereue nicht meine Kinder. Ich liebe sie. Ich bereue es, Kinder bekommen zu haben - aber ich liebe die Kinder, die ich bekommen habe. Ich wünsche mir nicht, dass sie nicht hier wären, ich möchte einfach keine Mutter sein." ... "Ambivalenz kennen wir doch auch aus dem alltäglichen Leben", sagt Brigitte Ramsauer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Psychologin arbeitet in Gruppentherapien mit psychisch erkrankten Müttern und ihren Säuglingen. "Es geht um die Fähigkeit, diese gegensätzlichen Gefühle anzuerkennen, zu tolerieren, in sich und in den eigenen Alltag zu integrieren. Darin besteht der Reifeprozess. ...
http://www.sueddeutsche.de/gesundheit/unglueckliche-muetter-sie-wollen-ihr-leben-zurueck-1.2419449

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"Sience-Fiction: Männerfantasie Cyborg" Theresia Enzensberger (24. April 2015)
In der Filmgeschichte wimmelt es nur so von weiblichen Cyborgs, die mal Madonna, mal Hure sind, die aber ohne Fehl sexualisiert werden. Als offensichtlichstes Beispiel mag Pris aus Blade Runner gelten, die als "Basis-Lustmodell" bezeichnet wird, aber selbst Samantha, die Software, die im Film Her nur als Stimme auftaucht, ist am Ende nicht mehr als das Objekt der Begierde des Protagonisten. Die Großmutter aller Roboterfrauen, Fritz Langs Maria, richtet mit ihren erotischen Tänzen in Metropolis allerhand Unheil an. Man könnte diese Liste beliebig weiterführen. ... Es geht bei diesen Fantasien natürlich hauptsächlich um Kontrolle. Eine Maschine hat keinen eigenen Willen, sie folgt Anweisungen, und im Zweifelsfall kann man sie zerstören, ohne ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben. Man kann sie mindestens besitzen, im besten Fall aber sogar genau so erschaffen, wie man sie haben möchte, so wie Pygmalion das im Ur-Mythos dieser Geschichten tut. Die Vorstellung von der Frau als Objekt ist eine so alltägliche Erscheinung; man kann sich kaum darüber wundern, dass dieses Motiv in Sagen, Mythen und Science-Fiction-Stoffen weitergedacht wird. ...
http://www.zeit.de/kultur/film/2015-04/film-ex-machina-roboterfrauen-maennerfantasien

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"Warum mich der Feminismus anekelt" Ronja von Rönne (08.04.15)
Ich bin keine Feministin, ich bin Egoistin. Ich weiß nicht, ob "man" im Jahr 2015 in Deutschland den Feminismus braucht, ich brauche ihn nicht. Er ekelt mich eher an. ... Ich kenne viele erfolgreiche Frauen. Keine von ihnen ist Feministin, weil sich keine von ihnen je in einer Opferposition gesehen hat. Die Feministinnen, die ich kenne, sind hingegen Studentinnen oder schreiben in der Zeitungen darüber, dass sie trotz Studium keinen Job finden.
Vielleicht liegt meine Abneigung gegenüber dem Feminismus an den aktuellen Vertretern. Das "Emma"-Magazin fordert eine Frauenquote im Cockpit, weil Männer eher zum Amoklaufen neigen würden. Das ist so weltfremd, dass man die Autorin eigentlich nur fest in den Arm nehmen möchte. ...

http://www.welt.de/kultur/article139269797/Warum-mich-der-Feminismus-anekelt.html


"Ein Tag: Von der Empörung der ARD-Redakteurin zur Morddrohung der Antifa"
Don Alphonso (30. Mai 2015)
Das Thema Feminismus ist umstritten. Also griff die Zeitung Die Welt aus dem Hause Springer zu einem üblichen Stilmittel und ließ dazu drei konträre Beiträge schreiben. ...
http://blogs.faz.net/deus/2015/05/30/ein-tag-von-der-empoerung-der-ard-redakteurin-zur-morddrohung-der-antifa-2612/

"Jung, normschön, reaktionär: Backlash in subversivem Gewand" Veröffentlicht am Mai 30, 2015 von Tofutastisch
"... Der Pseudo-Tabubruch bietet einen Markt, das hat auch die WELT, für die von Rönne schreibt, erkannt. Ihr aufgewärmter Antifeminismus wird von der WELT folgendermaßen angepriesen: “Die Feminismusdebatte ist langweilig geworden. Wir wollen das mit Radikalpositionen verändern”. Langweilig war mir und vermutlich den meisten anderen Feminist_innen in “der Feminismusdebatte” eigentlich selten. Wüste Beschimpfungen, Drohungen und Verleumdungen sind nicht schön, aber auch nicht langweilig. Aber der WELT fehlt wohl der Kick, wenn die Debatte nicht mit ressentimentgeladenen Polemiken, die auch dem Ring Nationaler Frauen gefallen, angeheizt wird (dafür kann von Rönne aber nichts, empören sich ihre Fans, und Nazis benützten ja schließlich auch Klopapier, ob man das jetzt auch nicht mehr dürfe). ... Backlash ist cool, jung und hip, gekleidet in eine Bluse von Urban Outfitters und bebildert mit Fotos von jungen Autor_innen, die sich in jedem Mainstream-Fashion-tumblr gut machen würden. Ronja von Rönne ist kein erboster alter Mann, sondern eine starke junge Frau, die sich, so soll es wirken, von den Fesseln des verstaubten, gestrigen Feminismus befreit. Das gefällt denen, die sich von emanzipatorischen Bestrebungen bedroht fühlen, denn sie können sagen, “Da, guckt! Die hat es ohne Feminismus geschafft”. “Es sind nicht alle so wie ich, manchmal vergesse ich das“, sagt von Rönne in ihrer Fauxpology, und diese kleine Vergesslichkeit zeigt sich in ihren Positionen nur allzu deutlich. Denn nicht alle sind mit denselben Privilegien ausgestattet wie sie. ..."
https://aplusplusranting.wordpress.com/2015/05/30/jung-normschon-reaktionar-backlash-in-subversivem-gewand/


"Patsch, patsch, patsch"
Margarete Stokowski (8.5.2015)
Ein Move aus alten Zeiten: Antifeministinnen tätscheln offenbar sehr gern Köpfe. Das macht sie nicht unbedingt cooler. ...
https://www.taz.de/Kolumne-Luft-und-Liebe/!5009228/

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-barbie-feministinnen

https://www.taz.de/Kolumne-Luft-und-Liebe/!5048126/

http://www.zeit.de/kultur/2014-12/feminismus-internet-intellektuelle-essay/komplettansicht

https://www.taz.de/!5025992/

...


Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 16, 2015, 09:41:09 AM
Sir Richard Timothy (Tim) Hunt (* 19. Februar 1943 in Neston) ist ein britischer Biochemiker. 2001 erhielt er zusammen mit Paul Nurse und Leland H. Hartwell den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin „für ihre Entdeckungen betreffend der Kontrolle des Zellzyklus“. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Tim_Hunt

"Londoner Universität beugt sich dem Shitstorm" Thomas Pany (15.06.2015)
Am 09. Juni äußerte der britische Biochemiker Tim Hunt bei einer Konferenz von Wissenschaftsjournalisten einen Satz, den er nicht mehr vergessen wird: "Lassen Sie mich von meinen Schwierigkeiten mit Mädchen erzählen…drei Dinge passieren, wenn sie in einem Labor zugegen sind…Sie verlieben sich in sie, und auch sie verlieben sich und wenn Sie sie kritisieren, weinen sie." - Der Nobelpreisträger Hunt wurde wegen einer öffentlichen chauvinistischen Bemerkung zum Rücktritt von seiner Honorarprofessur gedrängt. Geht es nicht eine Nummer kleiner? ...
http://www.heise.de/tp/artikel/45/45195/1.html

Quote
Malvoisine, 15. Juni 2015 22:55

Fehler auf beiden Seiten

Wenn jemand 72 ist und Nobelpreisträger, dann sollte er lange genug
in der Öffentlichkeit unterwegs sein, um zu wissen, welche Scherze
man wohl besser nicht macht.

Hochintelligente Wissenschaftlerinnen auf emotionale, sich
verliebende, heulende und nicht kritikfähige Mädchen zu reduzieren,
ist wohl tatsächlich beleidigend und als Scherz, öffentlich geäußert,
völlig ungeeignet.

Und grundsätzlich muss einfach jeder Arbeitnehmer darauf achten, wie
er sich als Vertreter seines Arbeitgebers darstellt, das ist
schlichte Normalität.

Aber es sollte auch selbstverständlich sein, dass man einem
hochrangigen Wissenschaftler, der schon 20 Jahre an der Universität
angestellt ist, bei einem einmaligen Fehler die Möglichkeit gibt,
diesen Fehler zu korrigieren und sich öffentlich zu erklären bzw. zu
entschuldigen.

Diese Radikalität, mit der der Professor abgesägt wird, wirft ein
sehr schlechtes Licht auf die Universität, immerhin geht es dort u.a.
zentral um Kommunikation, eine derartige totalitäre Haltung wird wohl
einiges an Diskussionen und Meinungen zukünftig ersticken, zum
Schaden der Wissenschaft.


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DasKleineDummerchen, 16. Juni 2015 00:32

Die neue Kleingeistigkeit ...

Kann mir mal jemand erklären, warum jemand, auch wenn er einen
Nobelpreis bekommen hat, kein Recht auf eine eigene, persönliche und
emotionale Meinung zu einem Thema haben darf?

Frau darf doch auch mit Männerstereotypen bei jedweder Gelegenheit
hausieren gehen (zahlt Unterhalt nicht, hört nie zu, ist nur an
Fussball und Sex interessiert etc. p.p.). Und klar darf Frau, aber
warum jetzt Mann nicht mehr?

Zumal dieser Mann ja nicht dadurch aufgefallen ist, dass er beruflich
den Macho gegeben hat, sondern nur dadurch, dass er ehrlich von den
Sachen, die ihn bewegen (ob jetzt richtig oder nicht, ist eher
nebensächlich) im öffentlichen Rahmen erzählt hat.

... Na zumindest haben die Mädels in London nun sichergestellt, dass nur
noch schleimige Profs, die die Kunst der Verstellung beherrschen,
dort beschäftigt sein werden. Mögen sie sich nachher nicht
beschweren, dass sie auf einmal stärker benachteiligt werden.

Liebe Grüsse und Glückwünsche an Shitstormanführerinnen für ihr
Prinzessin-auf-der-Erbse-Gehabe

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edges, 16. Juni 2015 01:06

Wie wahr: Das mißgünstige, spießige Kleinbürgertum
(beiderlei geschlechts) sorgt im günstigsten falle für die
zerstörung an sich guter Ideen und im schlimmsten falle für die
massenbasis eines faschistischen systems.

greetz

edge



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Twistie2015 (Bettina Hammer), 15. Juni 2015 23:32

Kreisläufe

Wer übrigens die ganze Angelegenheit auch im englischsprachigen Raum,
gerade auch in England, verfolgt, der findet folgendes:

Dame Valerie Beral, (director of the cancer epidemiology unit at
Oxford, who worked with him at the Imperial Cancer Research Fund)
wurde gefragt, wie sie zu dem Ganzen steht. Sie hat dann im Interview
gesagt, dass Frauen Kritik zu persönlich nehmen.

Das Ergebnis war eine heftige Kritik, weshalb sie das Ganze dann
schnell ausführte:She told the Guardian she had not meant that: “I’m
not blaming women. I think women get put off. I think in that
hothouse environment, when you get these youngish, bright people
working really hard, they are more likely than men to take criticism
personally, and to get hurt in relationships. Then, they decide that
after all this experience, I’m not going to do this any more.
http://www.theguardian.com/science/2015/jun/12/tim-hunt-trouble-with-girls-in-science-comment

übrigens:
http://www.welt.de/vermischtes/article142552990/Der-Professor-ein-Scherz-und-der-Mob.html
Ebenso wenig die Tatsache, dass er vor vier Jahren zu Protokoll
gegeben hatte: "Wissenschaftler sehen Wissenschaftler als
Wissenschaftler. Ob es sich um Mädchen oder Jungen handelt, ist
meiner Meinung nach egal."




http://www.heise.de/tp/foren/S-Londoner-Universitaet-beugt-sich-dem-Shitstorm/forum-294999/list/
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 16, 2015, 10:03:42 AM
"Laurie Penny über Frauen: „Gönnen wir uns mehr Faulheit!“"  Gisa Funck (16.06.2015)
...es gibt eine neue Art von Feminismus, der Leute zu besseren neoliberalen Subjekten machen und sie glauben machen will, Gleichberechtigung hieße, eine Karriere machen zu können, die Freiraum für Kinder lässt. Das mag wichtig sein. Aber dieser Feminismus geht nicht an die Wurzel der Diskriminierung. Er redet nicht über Verhütung, Abtreibungsrechte oder darüber, wie Arbeit verteilt ist. Er redet nicht über sexuellen Missbrauch, Rassen- und Klassenzugehörigkeit. Wenn wir alle wohlhabende weiße Frauen in Weltstädten sein könnten, wäre das okay. Aber so funktioniert keine echte Befreiung. ... Ich höre die Leute so viel von Work-Life-Balance reden. Aber Freizeit für Frauen meint dann eben nicht: Einfach mal allein vor dem Fernseher abhängen und sich Fussel vom Bauchnabel puhlen. Freizeit für Frauen meint: Babys. Oder sich um den Ehemann kümmern. Die meisten Frauen leben eine Work-Work-Balance. Ihre Arbeit ist irgendwie nie zu Ende. Warum gönnen wir uns nicht ein bisschen mehr Faulheit? Mehr Zeit für uns selbst? Ich denke, ich werde zu einer Revolution der faulen Frauen aufrufen! ...
http://www.tagesspiegel.de/kultur/laurie-penny-ueber-frauen-goennen-wir-uns-mehr-faulheit/11920018.html

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"Emanzipation von oben" Slavenka Drakulic (5. Juli 2015)
Wie die Frauen den Postkommunismus überlebten und ihnen das Lachen trotzdem verging. Der Kampf um Gleichberechtigung im west-östlichen Systemvergleich...
http://diestandard.at/2000018520976/Emanzipation-von-oben

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"Über gefährliche Witze" Harald Martenstein ( ZEITmagazin Nr. 29/2015 4. August 2015)
Als der Nobelpreisträger Sir Tim Hunt in Südkorea vor jungen Wissenschaftlerinnen gesprochen hat, begann er so ...
http://www.zeit.de/zeit-magazin/2015/29/harald-martenstein-scherze-witze

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"Brutale Drohungen im Internet: Hetze gegen Genderforscherinnen" 12.08.2014 (Sarah Schaschek)
Hasskommentare, Mordfantasien, Sexismus: Im Internet werden Wissenschaftlerinnen immer häufiger aggressiv bedroht. Besonders trifft es die Geschlechterforschung. Experten sehen dahinter eine generelle Ablehnung feministischer Ideen. ... Neu ist, in welch brutalem Ton Wissenschaftlerinnen angegriffen werden. Anfang Juli wurde eine Kasseler Soziologin auf Facebook bedroht, Kommentatoren hetzten gegen ihre Forschung und beleidigten sie persönlich. Die Professorin hatte 2012 ein sozialpädagogisches Buch für die Arbeit mit Jugendlichen veröffentlicht, in dem sie Methoden zur Diskussion von sexueller Vielfalt vorstellt. Als sie im Juni der „Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen Zeitung“ ein Interview dazu gab, wurden rechtskonservative Gruppen auf sie aufmerksam und posteten Mord- und Vergewaltigungsdrohungen. Ein Kollege aus der medizinischen Geschlechterforschung, der sich solidarisch zeigte und in seinem Blog zu einer respektvollen Diskussion mit aufrief, erhielt ebenfalls Hasskommentare. ... Die jetzige Vorsitzende der FG Gender, die Arbeitssoziologin Susanne Völker von der Universität Köln, hält die Aggression für einen Ausdruck sozialer Verunsicherung. „Arbeit wird prekärer, die eigene Position fraglich“, sagt Völker. „Da fragen sich einige: Kann ich noch Familienernährer sein? Was bin ich sonst? Wissen wir noch, was Männer und Frauen zu tun haben?“ Völker sieht keine „Massenstimmung“ gegen die Gender Studies. Doch einzelne – „überwiegend Männer“ – trügen ihre Unsicherheit über die Geschlechterfrage aus. Völker spricht, in Anlehnung an den Göttinger Soziologen Berthold Vogel, von der „nervösen Mitte“. ...
http://www.tagesspiegel.de/wissen/brutale-drohungen-im-internet-hetze-gegen-genderforscherinnen/10318416.html


"Attacken auf die Geschlechterforschung: Das dubiose Gender" Sabine Hark, Paula Villa (17.12.2014)
 Waren schon damals nicht wenige der Meinung, Feministinnen und Feministen trieben es zu weit mit ihrer Infragestellung der natürlichen Ordnung der Dinge, so gewinnen solche Stimmen jetzt wieder an Gewicht. Fast scheint es, als sei die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert allgegenwärtige Angst vor der „Feminisierung der Kultur“ (Hannelore Bublitz) zurückgekehrt.
Seit Monaten drucken Feuilletons der bürgerlichen Presse offen misogyne, sexistische und auch homophobe Positionen. Besonders aber werden die Gender Studies diskreditiert: als „Exzess“, als „Ideologie“ oder als „Anti- bzw. Pseudowissenschaften“, die (natur-)wissenschaftliche Tatsachen nicht zur Kenntnis nehmen und uns (?) allen ihre krude, realitätsfremde Ideologie aufzwingen wollen. ... „To allow women to be like men would be to risk men becoming like women“ – „Erlaubt man Frauen, wie Männer zu sein, riskiert man, dass Männer wie Frauen werden“, hat die US-amerikanische Historikerin Joan Scott für einen anderen Kontext bilanziert. Spricht aus der Diskreditierung der Gender Studies also tatsächlich nichts als die Angst vor Uneindeutigkeit? Die Kultur, das „Volk“, die Familie, das Abendland, die Wissenschaft, ja selbst die Natur sind bislang allerdings nicht untergegangen an der wachsenden Einsicht darin, dass Gender wesentlich mehr und anderes ist als Eierstöcke oder Hoden. Daran wird sich auch zukünftig wenig ändern, selbst wenn die Gender Studies derart wichtig und einflussreich werden würden, wie ihnen unterstellt wird. ...
http://www.tagesspiegel.de/wissen/attacken-auf-die-geschlechterforschung-das-dubiose-gender/11128828.html


"Wir sind die Guten und kämpfen gegen … die anderen Guten!" (1. September 2015)
Feminismus – Es gibt vier Themen, die hier zu maximalen Klickzahlen führen: Nazis, Piraten, Pazifismus und Feminismus. Gerade letzteres Thema ist immer wieder Gegenstand erbitterst, unsachlicher und ausuferndster Debatten, wie ich selbst leidlich erleben durfte. Umso froher bin ich, mit Katrin Rönicke eine ausgewiesene Expertin für einen zweiteiligen Beitrag gewonnen zu haben, der sich mit dem Verhältnis von Feminismus zu Netzfeminismus beschäftigt. Unlängst erschien ihr Buch „Bitte freimachen„, ...
http://www.ruhrbarone.de/neues_vom_netzfeminismus/113027

"Kiezköpfe - Der Poet aus der Unterschicht" Interview: Ruth Wolter (2. September 2015)
Lothar Curth wurde in Kreuzberg geboren und lebt seit 1975 in Neukölln. 30 Jahre lang arbeitet er als Fitnesstrainer, danach schlägt er sich als Toilettenmann in Clubs durch und tritt bei Bodybuilding-Wettkämpfen an. Mittlerweile schreibt Lothar Curth Bücher über seine Erfahrungen in der Berliner Unterschicht. In „Man (n) wach auf!“ gibt er Männern Tipps, die unter emanzipierten Frauen leiden. Außerdem verfasste er Gedichte über Frauen, Männer und die Liebe. Neuköllner ist er nicht gerne und genau deshalb ein Original. ...
http://www.neukoellner.net/kiezkoepfe/der-poet-aus-der-unterschicht/


"Sex, Macht, Gewalt und Moral" 18. Dezember 2014 von Despina Castiglione | 201 Lesermeinungen
Vorbemerkung: Beim letzten Beitrag der Gastautorin Despina Castiglione ging es auch um die delikate Frage, ob Männer neben sexuellen Dienstleistungen auch Macht über Frauen erwerben, und ob nicht gerade diese Macht ihr eigentliches Interesse ist. Daher habe ich, Don Alphonso, sie gebeten, doch einmal etwas zu dieser Machtkonstellation im Speziellen und im Allgemeinen der zwischenmenschlichen Beziehungen zu schreiben. Bitteschön: ...
" ... Das vertrackte an der ganzen Sache ist aber leider, dass von den Niederungen der Praxis im Ehebett oder auf dem Strich bis zur abgehobensten Metadiskussion unter geschlechtsbezogen teilzölibatär lebenden Akademikerinnen sich einfach nicht in Abrede stellen lässt, dass beide Aspekte, Macht und Sex, eine –mal mehr, mal weniger glückliche Liaison- eingehen. Gelegentlich spielen Erwerbs- und Existenzsicherungsdruck auch noch fröhlich mit, da wird es dann so richtig unschön. Und zwar im Privaten, wie im Geschäft.

Die Huren sind deswegen als Diskussionsteilnehmer nicht sonderlich geschätzt, weil sie genau diesem Spannungsfeld ihre Existenz verdanken, und damit symbolisch für gewisse Widersprüchlichkeiten stehen, vor denen manch eine/r lieber die Augen verschließen möchte. Im Privaten kann man das ganze Elend nämlich so schön verdrängen, und wenn es wirklich ätzend wird, geht man zur Paartherapie, sucht sich endlich den Partner fürs Leben oder schleicht dann doch heimlich in irgend ein zwielichtiges Etablissement, in dem die Huren verständnisvoll lächelnd schon warten.

Ich meine, dass einem also in diesen Fragen die Moral nicht weiter hilft. Das Problem ist universell, als dass es sich durch ein so simples Konstrukt lösen ließe, und zeigt sich im privaten Bereich nur in einem anderen Gewand als beim Bezahlsex. Und um ehrlich zu sein, ich möchte nicht diejenige sein, die abzuschätzen hat, wo mehr schmutzige Wäsche zu waschen ist. Ich glaube, dass viel von dem, was wir ganz praktisch an Missständen in der Prostitution sehen, aus persönlichen Abhängigkeitsverhältnissen gespeist wird. Macht, Abhängigkeit, Liebe, Geld. Keine gute Mischung, weder im Rotlicht, noch auf dem Standesamt. ..."
http://blogs.faz.net/stuetzen/2014/12/18/sex-macht-gewalt-und-moral-4812/

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on September 17, 2015, 02:08:23 PM
We are a group of migrant and refugee women coming to Germany from former colonised countries. We take this shared experience as an important base on which we can imagine and shape our futures once in Fortress Europe.
The International Women Space was born as a group inside the refugee occupation of the former Gehart-Hauptmann School in December of 2012. The story of this occupation begun with the suicide of Mohammad Rahsepar, an iranian who was seeking asylum in Germany and hung himself in a Heim in Würzburg, Bavaria. After this tragical death, a group of refugees from the same area decided to protest by marching more than 600 kilometers from Würzburg to Berlin.
For us women of the International Women Space the whole process of leaving the house and imagining how to continue in another place was hard. It was not only the question of finding a new place, but more important: to re-channel our energies to ourselves as migrant and refugee women, as women of colour, as third-world feminists in full agreement with Audre Lorde “For the master’s tools will never dismantle the master’s house.”...
https://iwspace.wordpress.com/

Diaspora Reflektionen
https://diasporareflektionen.wordpress.com/

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"Femen's topless condescension towards Muslim women only helps sexism" Susan Carland ()
In an old parable, some people gather in a dark room in which there’s an elephant. They’re asked to describe it. One, who can touch only the elephant’s trunk, argues the elephant is like a tree branch. The one who can only feel its tail claims the elephant is like a rope. The people begin to argue amongst themselves about what is correct, and the parable reveals its wisdom when someone lights a candle and all see the elephant – and their incomplete perception – for what it really was.  Such judgements, that are as adamant as they are ignorant, are nothing new to humanity. But they play out with startling frequency when discussing Muslim women.
The latest antics of Femen at a French Muslim conference allegedly discussing wife-beating and proper womanly pursuits are a case in point. Running on stage in front of the two shocked male speakers after tearing off the abayas they had worn as a disguise, they stripped to the waist with slogans such as “I am my own prophet” and “no one subjugates me” scrawled across their naked torsos. They then shouted at the crowd until they were forcibly removed by security.
What is most troubling about this event is not the outrageously condescending attitude of Femen, nor the reported appalling sexism of the some of the Muslims involved: it is that these two voices are once again propped up as the only two in the conversation. It is as if one can only be either a Muslim who loves misogyny as a religious duty, or an orientalist feminist who hates Islam. There is no other option. ...
http://www.theguardian.com/commentisfree/2015/sep/16/femens-topless-condescension-towards-muslim-women-only-helps-sexism

"Protest: Frauenfeindliche FEMEN" Dr. Milena Rampoldi (09/2015)
FEMEN-Aktivistinnen haben in Frankreich die Bühne einer islamischen Veranstaltung gestürmt. Dr. Milena Rampoldi schreibt über den Protest der FEMEN-Aktivistinnen und was sie von dem Frauenbild im Islam lernen können. ... Der Zwischenfall, der sich am letzten Samstag, in Pontoise, im Norden von Paris während eines muslimischen Kongresses über Frauenrechte abspielte, ist vielen bereits aus den Medien bekannt. Zwei arabische Aktivistinnen von FEMEN, die sich Jihadistinnen nennen, die auf einer Sklavereiparty auftreten, sprangen auf die Bühne zogen sich aus, um Slogans wie „Ich bin mein eigener Prophet“ oder „keiner wagt es, mich zu unterdrücken“ auf ihrer nackten Haut zu zeigen. ... FEMEN identifiziert ganz einfach den Islam mit dem islamophoben (misogynen) Diskurs über den Islam und klammert den Islam und die Frauen im Islam vollkommen aus. Die Frauen gelten als segregiert, als Opfer von Männergewalt und Ausgrenzung und kommen aber, im vollkommenen Widerspruch dazu, nur als Objekt dieser Segregation und somit stimmlos und unsichtbar im extremistisch-feministischen Diskurs des Westens vor, der nur in eine Richtung weist: und zwar gegen den wahren Feminismus, der die Frau als Subjekt und selbstbewusstes Geschöpf und nicht als Objekt des westlichen, islamfeindlichen Orientbildes sieht. ...
http://www.islamiq.de/2015/09/19/frauenfeindliche-femen/

"Entblößte Femen-Aktivisten stürmen Islam-Konferenz"
HuffPost France, Veröffentlicht: 14/09/2015 09:50 CEST
Auf der Bühne riefen die Frauen Parolen auf französisch und arabisch, die auch auf ihre Brust geschrieben waren: "Niemand unterwirft mich, ich bin mein eigener Prophet." Eine Femen-Sprecherin sagte, dass die Frauen algerischer und tunesischer Herkunft seien. ... In dem Saal sollen Männer gerufen haben "Dreckige Huren, wir müssen sie töten." Im Vorfeld hatte es bereits eine Petition gegeben, die umstrittene Konferenz zu verbieten. Es wurden fast 6000 Unterschriften auf der Seite change.org gesammelt.
Der Organisator der Petition verurteilte die Anwesenheit fundamentalistischer Prediger, die dafür bekannt seien, die Zwangsehe und die Unterwerfung von Frauen zu rechtfertigen. Femen erklärte die Aktion so:
Bei der Konferenz werde gelehrt, "dass Frauen fügsam und schweigsam sein sollen, ihrem Ehemann selbstlos dienen sollen, dass sie nie antworten und die Zwangsehe akzeptieren sollen. Sie sollten der Hund, der Esel oder die Hälfte des Mannes werden, sie sollen ein Objekt sein und nicht denken - kurz gesagt sollen sie auf ihren Status als Mensch verzichten und verschwinden." ...

http://www.huffingtonpost.de/2015/09/14/femen-aktivisten-stuermen-islam-konferenz_n_8132134.html

...


"Feminismus: "Plötzlich wird überall das Patriarchat entdeckt"" Sabine Hark  im Interview von Frida Thurm (14. Oktober 201)
Sollten Feministinnen zur Flüchtlingsdebatte beitragen? Unbedingt, sagt die Soziologin Sabine Hark. Sie wehrt sich gegen falsche Mitstreiter und angebliche Luxusprobleme.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-10/feminismus-fluechtlinge-dare-the-impossible

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"Persönlich, lebendig – und streitbar. Perincioli über die Westberliner Frauenbewegung" von Julia (Montag, 26. Oktober 2015)
Christina Perincioli, Filmemacherin, lesbisch-feministische Aktivistin der ersten Stunde, rollt in ihrer Buchveröffentlichung die ersten Jahre der Westberliner Frauen- und Lesbenbewegung auf, von 1986 bis zur Gründung des Berliner Frauenzentrums 1973. Es ist ein persönlicher, spannender und durchaus streitbarer Ritt durch die bewegten Anfangsjahre. ...
http://maedchenmannschaft.net/persoenlich-lebendig-und-streitbar-perincioli-ueber-die-westberliner-frauenbewegung/

http://maedchenmannschaft.net/series/die-feministische-bibliothek/

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"Modern Educayshun"
The follow up to #Equality, Modern Educayshun delves into the potential dangers of our increasingly reactionary culture bred by social media and political correctness. Written and Directed by Neel Kolhatkar, Instagram & Twitter @neelkolhatkar
https://www.youtube.com/watch?v=iKcWu0tsiZM

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UNCLE CHOPPER vor 2 Tagen
this is a horror show lol

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Dino Con vor 13 Stunden
I give it 10 George Orwells out of 10!

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Alejandra Jiménez vor 2 Stunden
the question is are we far of that reality? we must be worried

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"Was einmal überholt schien" Andrea Roedig (11.11.2015)
Als ich mich vor einiger Zeit auf einer Podiumsdiskussion zu Pornografie über blöde Männer lustig machte, wurde ich vom sehr jungen Publikum scharf zurechtgewiesen. Feminismus heiße, niemanden auszuschließen. Diese Definition ist ungefähr das Gegenteil dessen, was früher als politische Strategie für Frauenräume galt. Die alte feindliche Opposition Mann/Frau ist zu einfach, das ist klar. Aber warum ist Inklusion jetzt zum offenbar unhintergehbaren Gut aufgestiegen?...
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/was-einmal-ueberholt-schien-1

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"Bildungsdebatte: „Unsere Schule schadet den Jungs“" Lydia Rosenfelder (09.11.2015)
Still sitzen ist nix für richtige Kerle, findet die Lehrerin Birgit Gegier Steiner. Es muss im Unterricht mehr getobt werden.
Sie meinen, dass wir seit 1968 vor allem die Mädchen fördern. War die konservative Erziehung davor denn mehr im Sinne der Jungen?
Birgit Gegier Steiner: Ja. Es herrschte ein anderer Charakter von Disziplin. Ich selbst saß noch in einem Klassenzimmer mit vierzig Kindern. Da war Ruhe. Die Inhalte waren in Grundschulbereich kaum anders als heute. Aber es gab klare Strukturen, Regeln wurden stringenter durchgehalten. Und die Männer als Lehrer waren präsenter. ...
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/bildungsdebatte-unsere-schule-schadet-den-jungs-13900099.html

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Absurd biologistischer Ansatz.
Elisabeth Reinhardt  4  (celisa) - 10.11.2015 10:31
Verhaltensunterschiede zwischen Kindern wie hier im Artikel mit der Höhe des Testosteronniveaus erklären zu wollen, ist absurd. Es gibt schon lange Untersuchungen, die belegen, daß bereits Babies je nach Geschlecht unterschiedlich behandelt werden. Die je nach Geschlecht erwarteten Rollen und Verhaltensweisen werden Kindern immer noch sehr deutlich gemacht, nach eigenem (Mit-)Erleben. Ausserdem: a)Bewegungsmangel betrifft alle Kinder ungünstig. b)In meiner GrundSchulzeit haben Jungen UND Mädchen in den Pausen alle fast nur Tobe-, Renn- und Bewegungsspiele gespielt. c)In der Geschichte westlicher Schulbildung UND Erziehung wurden Kinder stets wesentlich strenger diszipliniert und restringiert als heute. Im Unterricht absolutes Stillsein/Gehorsam. Das hat funktioniert, aber HEUTE jammern alle. Die genannten Probleme kommen mEn zustande durch stark überprotektive,aber beim Verhalten kaum noch Grenzen setzende Eltern und einer nicht mehr kindgerechten Freizeitgestaltung.


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@Fr. Reinhardt Was absurd ist....
Folgen
Stefan Haenel  2  (Supersp...) - 10.11.2015 11:14
...ist ihr Versuch, mehrere wissenschaftliche Studien, die u.a. (pränatales) Testosteron als einen wichtigen Faktor bei der Ausbildung geschlechtsspezifischer (Verhaltens-)Merkmale ausgemacht haben, vom Tisch zu wischen. Als Vater zweier Kinder unterschiedlichen Geschlechts kann und muß ich immer wieder feststellen, daß es Unterschiede gibt - und die haben ihren Ursprung nicht in einem blauen oder rosa Strampler. Falls Sie mehr über die evolutionären und genetischen Einflüsse auf die Geschlechter erfahren wollen, empfehle ich Ihnen den Übersichtsartikel "Übersicht: Evolution, Evolutionäre Psychologie und Partnerwahl" im Blog "Alles Evolution". Speziell der dort aufgeführte Punkt 5 (Kinder/Jugend/Spielen) und Punkt 6 (Hormone) dürfte hier interessant sein.


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Schön, das es eine Frau gesagt hat...
Berthold Grabe  44  (BGrabe02) - 09.11.2015 17:44
Folgen
ein Mann würde nur als reaktionär gelten. dabei beschreibt das Buch nur die schlichte Wahrheit über eine Bildungs- und Gesellschaftspolitik, die ihre alte Ignoranz gegen eine neue getauscht hat und glaubt das sei Fortschritt. Das das Interview geschickt die ideologischen Fallstricke vermeidet ist ein zusätzlicher Pluspunkt. Wobei sich jeder vernünftig denkende Mensch auf diese Ideologien trotzdem seinen Reim machen kann...


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Wie kann das sein?!
Michael Hartmann  (Staatsb...) - 09.11.2015 17:41
Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen sind doch, wie allgemein bekannt ist, nur anerzogen und haben rein gar nichts mit der Biologie zu tun.

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"Gender Mainstreaming Jahresabschluss-Quiz: Wer hat’s gesagt?"
Weil in diesem und in den Jahren zuvor soviel Irreführendes zu Gender Mainstreaming zu lesen war, bieten wir zum Jahresende ein Ratespiel an. Das erweitert hoffentlich den Horizont für das Jahr 2015.
Bitte ordnen Sie die unten stehenden Aussagen den folgenden Quellen zu:
a) AfD      b) NPD     c) Pegida     d) F.A.Z.
...
http://genderbuero.blogspot.de/2014/12/gender-mainstreaming-jahresabschluss.html

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on November 12, 2015, 11:11:08 AM
"Hashtag #ichkaufdasnicht bei Twitter" Robert Klages (11.11.2015)
Sexismus-Vorwurf wegen Motiven auf Müllermilch-Flaschen - Müllermilch versucht es mit Pin-Up-Girls. Auf den neuen Flaschen der Weihnachtsedition sind leicht bekleidete Frauen zu sehen, im Stile der Pin-Up-Girls aus den 50er Jahren. Der Sexismus-Vorwurf ließ nicht lange auf sich warten. Auf Twitter beschweren sich Nutzer unter dem Hashtag #ichkaufdasnicht über die neue Aufmachung der Milch der Molkerei Alois Müller. So twittert zum Beispiel jemand, die Molkerei versuche mit ihren "sexistischen Fläschchen" offenbar "so viele Frauen wie möglich zu beleidigen".
Und es geht nicht nur um Frauenfeindlichkeit: Auf der Sorte Schoko trägt eine dunkelhäutige Frau - von Müllermilch „Sharon Sheila Schoko“ genannt - ein Stück Schokolade auf dem Schoß. "Rassistisch und sexistisch. Für dieses Verpackungsdesign gibt es keine Entschuldigung. Müllermilch, kein Wunder", schreibt ein Nutzer. Auf Twitter wird auch vermutet, dass Müllermilch das ganze provozieren, einen Shitstorm im Interesse das Unternehmens beabsichtigen würde - denn schließlich bringe eine Empörungswelle in den sozialen Netzwerken viel Aufmerksamkeit für ein Produkt. Gesehen hatte die Flaschen der Journalist Marc Bourkel in einem Supermarkt in Luxemburg. Von der Unternehmensgruppe Theo Müller, zu der Müllermilch gehört, heißt es: „Letztendlich reine Geschmackssache, die nicht überinterpretiert werden sollte.“ Nach Angaben des Unternehmens sind die zeitlich begrenzt erhältlichen Motive beliebte Sammelmotive. Die Weihnachtsedition hat gerade erst die Halloween-Motive abgelöst. Die Aufregung kann Müllermilch nicht nachvollziehen. ...

http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/hashtag-ichkaufdasnicht-bei-twitter-sexismus-vorwurf-wegen-motiven-auf-muellermilch-flaschen/12573786.html

Quote
     von aviatiker
    11.11.2015 19:40 Uhr

Gelassenheit (Ein bisschen) Gelassenheit ist nicht der Deutschen Ding ...
Eine franzoesische Freundin nennt die Deutschen "Stone Faces" ...


Quote
     von Dach
    11.11.2015 21:45 Uhr

Spiegel der Seele

Der Designer hatte offensichtlich nicht Müllermilch, sondern etwas anderes im Kopf.


Quote
     von frittzzthecat
    11.11.2015 19:22 Uhr

Oh, meine Göttin...
das ist doch kaum zu glauben.

Ein seniler rechtskonservativer Firmenpatriarch (ich glaube er ist noch aktiv in dem Konzern) lässt sich etwas von einer Werbeagentur aufschwatzen und die Zielgruppe läuft dann auch gleich los und erhöht die Aufmerksamkeit auf das Produkt.

Kostenlose Werbung mit Unterstützung von gut meinenden PC-Verfechtern.


Quote
     von JSommerfeld
    11.11.2015 22:05 Uhr

super

Kauf ich! Nicht wegen des Inhalts! Schlau von denen. Bessere Werbung als Empörte gibt es kaum. Glückwunsch an die Marketingabteilung.


Quote
     von 13ryce
    12.11.2015 08:41 Uhr

overkill
Gleichzeitig sexistisch, rassistisch, andeutungsweise pornographisch (bei entsprechend verdorbener Fantasie) und dann auch noch ein Milchprodukt, welches wegen der Milch naturgemäß mit der weiblichen Brustdrüse in Zusammenhang steht, aber gleichzeitig das Harmloseste ist, was man sich vorstellen kann, das ist so ein Overkill der political correctness, dass es fast schon wieder gut ist. Wenn sich Afrikanerinnen und nicht nur Berufsempörte durch die Werbung verletzt fühlen sollten, wäre es allerdings richtig, die Kritik zu veröffentlichen.


Quote
     von santacruz
    12.11.2015 08:00 Uhr

Bedeutung..
...mir fällt auf: viele selbst akademisch gebildete Männer verstehen das Wort "Sexismus" nicht wirklich, geschweige denn sind sie in der Lage dies gefühlsmässig zu erfassen und bestimmten Abbildungen zuzuordnen. Zugegeben: das Wort ist auch wirklich überreizt.

Gut: dann ersetzen Sie einfach das Wort Sexismus mit nicht un erheblicher Respektlosigkeit ( in diesem Fall gegenüber Frauen), vielleicht wird dann klarer was gemeint sein könnte.

Respekt und Wertschätzung anderer ( in diesem Fall Frauen) sollte zum Einmaleins eines Menschen gehören. Soweit ich gehört habe gehören da auch Männer dazu. Nichts für ungut!:-)


Quote
     von Gneisenau
    11.11.2015 17:52 Uhr

Eine schöne Geste
der Völkerfreundschaft, in dem junge, selbstbewußte Frauen den Friedenstrunk -Milch- wohlfeil präsentieren, ohne Rücksicht auf lustfeindliche Klerikale aller Couleur!

Ich erinnere mich immer gerne an das schöne Pausenbild des DDR-Kinderfernsehens, hier hat man wohl etwas abgekupfert?

http://1961.dra.de/typo3temp/pics/36e99d1f9f.jpg


Quote
     von Doppelemm
    11.11.2015 17:42 Uhr

Hier zur Überprüfung:

CHECKLISTE: Kennzeichen frauenfeindlicher Werbung (Es können ein oder mehrere Merkmale zutreffen.)


1. Frauen werden im Bild oder Text auf bestimmte Rollen
(Hausfrau, Verführerin) oder Eigenschaften (dumm, passiv) reduziert.

2. Bilder oder Texte beleidigen Frauen als Gruppe
und stellen sie in abwertender Weise dar.

3. Es werden gesundheitsschädigende Schönheits- oder
Schlankheitsnormen propagiert, die Frauen beeinflussen. ...

4. Frauen werden als Objekte, als sexueller Körper ohne
Persönlichkeit definiert. Die sexuelle Verfügbarkeit der Frauen
wird signalisiert und damit die Käuflichkeit wie das Produkt.

5. Das sexualisierte Darstellen der Frau oder Reduzierung
auf bestimmte Körperteile hat keinen Zusammenhang mit
dem Produkt und dient nur als Blickfang.

6. Das Verhältnis von Frauen zu Männern ist in Bild
oder Text geprägt von Abhängigkeit und Unterwürfigkeit.


Mehr zum Lesen/Ansehen

http://frauenrechte.de/online/index.php/themen-und-aktionen-2/frauenfeindliche-werbung/checkliste


Quote
     von prokrastes
    11.11.2015 19:39 Uhr

Antwort auf Doppelemm vom 11.11.2015 17:42 Uhr
Diese Checkliste
... ist so schwammig formuliert, daß sie bei jeder Abbildung eines Menschen genügt, die es ermöglicht, Vermutungen über das Geschlecht anzustellen.

Da ist eine Frau abgebildet - Check!
Da ist eine Frau abgebildet, ohne daß ihr erkennbar das Attribut IQ > 130 angehängt wird, oder ohne daß ihr das Attribut "rettet gerade das Universum" oder "kämpft im heroischen Kampf für die Rettung der Streifenbauchunke" angehängt werden kann - Check!
Die Frau könnte von irgendwem attraktiv gefunden werden - Check!
Da ist eine Frau, aber kein Mann abgebildet - Check!
Da ist eine Frau so abgebildet, daß man Vermutungen über ihr Alter anstellen kann - Check!
Da ist eine Frau abgebildet, die vermutlich weniger als 150 kg wiegen könnte - Check!

Damit wird die eigentliche ernstgemeinte Intention komplett ins Absurde geführt, denn es gibt tatsächlich "sexistische" Reklame. Aber nicht alles, auf dem eine als Frau erkennbare Frau abgebildet wird, ist automatisch "sexistisch", "erniedrigend" oder sonstwas.

Leute, kommt zurück auf den Teppich!


Quote
     von santacruz
    11.11.2015 17:16 Uhr

Sexismus..
..ja nun ja...hier wird jetzt gemeckert.

Und in den Nachrichten gestern Abend und heute Morgen laufen begeisterte Berichte von der "Victorias Secret"- Show bei der schöne Frauen nur sexy Unterwäsche und Schmetterlingsflügel tragen.

Ich sehe da den Unterschied zu diesen Bildchen nicht wirklich.
Hauptsache : schöne Frau in nettem "Schlüppi".

Schön anzusehen. Und natürlich sexistisch- aber vor allem deswegen weil das männliche Pendant in Unterwäsche bei beiden Aktionen fehlt.

Also wenn dann eben alle halbnackt, dann wird ein Schuh draus!


...
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on December 01, 2015, 10:13:19 AM
"Hirnforschung : Das Gehirn hat kein Geschlecht" (30. November 2015)
Menschliche Gehirne lassen sich nicht einfach in männlich und weiblich einteilen. Obwohl Unterschiede bestehen, besitzen die meisten Menschen ein Mosaik aus weiblichen und männlichen Anteilen. Das berichtet ein Forscherteam aus Israel, der Schweiz und Deutschland in einer neuen Studie.  ... Zu einem anderen Ergebnis kamen 2013 allerdings US-Forscher um Madhura Ingalhalikar von der University of Pennsylvania. Sie hatten die Verknüpfungen im Gehirn bei Männern und Frauen genauer untersucht und festgestellt, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. So besäßen Frauen in weiten Teilen des Gehirns besonders viele Kontakte zwischen den beiden Hirnhälften, während Männer mehr Verknüpfungen innerhalb der jeweiligen Gehirnhälften hätten. ...
http://www.zeit.de/wissen/2015-11/hirnforschung-studie-gehirn-maennlich-weiblich

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"Die Traktoristin ist jung und überschreitet Geschlechtergrenzen"
Interview - Tanja Paar (16. Dezember 2015 - derstandard.at)
Käthe-Leichter-Gastprofessorin Dietlind Hüchtker über Jugend, Geschlecht und Populärkultur im polnischen Sozialismus STANDARD: Sie forschen zur Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas, insbesondere zur Geschlechter- und Kulturgeschichte. Warum haben Sie für Ihre Antrittsvorlesung zur Käthe-Leichter-Gastprofessur gerade das Beispiel Polen gewählt? ...
http://derstandard.at/2000027532329/Frauen-im-Sozialismus-Sie-ist-jung-und-ueberschreitet-Geschlechtergrenzen

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In der Silvesternacht 2015/2016 kam es in Köln im Bereich Hauptbahnhof-Kölner Dom zu zahlreichen sexuellen Übergriffen auf Frauen durch Gruppen junger Männer vornehmlich aus dem nordafrikanisch/arabischen Raum. In vielen Fällen wurden sowohl Sexual- als auch Eigentumsdelikte und Körperverletzungsdelikte verübt. Aus weiteren deutschen und europäischen Städten wurden ähnliche Vorfälle berichtet. Die Übergriffe erfuhren große nationale und internationale Beachtung. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Sexuelle_%C3%9Cbergriffe_in_der_Silvesternacht_2015/16

"Leserinnen über sexuelle Übergriffe - Hey, lass das!"
Die Ereignissen in der Silvesternacht rund um den Hauptbahnhof in Köln führten zu großer Empörung, weil die sexualisierte Gewalt, der Frauen dort ausgesetzt waren, mit der Herkunft der möglichen Täter verknüpft wurde – und damit auch mit dem Flüchtlingsdiskurs. Als wären Frauen in Deutschland bis zum 31. Dezember 2015 sicher gewesen auf der Straße. Dass so darüber berichtet wurde, bestätigt, dass sexuelle Übergriffe von denen, die jetzt empört sind, vorher kaum als Gewalt erkannt wurden. ...
http://www.taz.de/Leserinnen-ueber-sexuelle-Uebergriffe/!5267443/

"Debatte Neuer Feminismus - Auf der Kippe" Kommentar von Charlotte Wiedemann (01/2016)
Seltsame Allianzen gibt es nach der Kölner Silvesternacht. Gegen (antimuslimischen) Frauenhass hilft aber nur ein neuer Feminismus. ... Frauen, die eine falsche Meinung äußern, werden im Netz mit Gewaltfantasien überschwemmt. Gruppenvergewaltigung als Erziehungsmittel, wenn du nicht einstimmst in den anti-islamischen Sound. Eine Frau, die vom Kölner Hauptbahnhof berichtete, sie sei von arabisch aussehenden Männern respektvoll behandelt worden, muss sich anhören: Weil du zu alt und zu hässlich bist, du Schlampe. So kommt das massenhaft jetzt. ...
http://www.taz.de/Debatte-Neuer-Feminismus/!5267165/


"Köln und sexualisierte Gewalt weltweit - Der Grapscher in meinem Haus" Elisabeth Lehmann (18. 1. 2016)
Mit einem Text über Köln kann man sich nur unbeliebt machen. Unsere Autorin probiert es trotzdem: Sie ist mit einem „Nordafrikaner“ zusammen. ... Vielleicht sollte ich es lassen, diesen Text zu schreiben. Es kann nur schiefgehen. Er wird mir um die Ohren gehauen werden. Von allen Seiten. ...
http://www.taz.de/Koeln-und-sexualisierte-Gewalt-weltweit/!5266164/

Quote
Albrecht Pohlmann
18. Jan, 21:46

Danke, Frau Lehmann, Ihr Text ist großartig! Er ist konkret, mit eigener Erfahrung gesättigt, einfühlsam, dem "Umgang mit Menschen" gewidmet. Er hebt sich damit wohltuend von all diesen verallgemeinernd-unwissenden Artikeln und Kommentaren ab, die uns seit "Köln" überfluten. Die alle reflexhaft bedienen, wovon die jeweilige Gruppe eh schon vorher überzeugt gewesen war. Ohne Kenntnis einzelner Menschen.


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on January 31, 2016, 04:02:24 PM
"Mama, die Macho-Macherin" Ein Gastbeitrag von Joumana Haddad (31. Januar 2016 DIE ZEIT Nr. 3/2016, 14. Januar 2016)
Manche Mütter geben ihren Söhnen von klein auf das Gefühl, sich alles erlauben zu können. So erziehen sie ihre Jungs zu gewalttätigen und frauenverachtenden Männern. ...
http://www.zeit.de/2016/03/erziehung-maennlichkeit-islam-mutter-macho

Quote
coldplay #4

... Im Sinne der Gleichberechtigung frage ich mich, wie Väter ihre Töchter zu männerverachtenden Frauen erziehen.


Quote
r.schewietzek #4.3

... ein Vater, der seine Töchter zu Prinzessinnen erzieht, erzieht sie zur Unselbständigkeit (mag zwar liebevoll gemeint sein, ist aber trotzdem völlig falsch); ein Vater, der seine Frau verächtlich behandelt, erzieht seine Töchter zur Angst und Demütigung; ein Vater, der seine Tochter liebevoll erzieht und ihr zur Seite steht, wird in den Augen der Tochter immer ein gutes Beispiel sein.
Ganz davon abgesehen - auch die Umwelt wirkt auf Jungen wie Mädchen ein. Das Fernsehen z.B. vermittelt Rollenbilder, Bücher vermitteln Rollenbilder, andere Familien vermitteln Rollenbilder, die Schule vermittelt Rollenbilder. Wenn eine Frau Sie verachtet, sollten Sie vielleicht mal Ihr Rollenbild überprüfen, wie frau sich zu verhalten hätte, und Ihr eigenes Verhalten sowieso. Frauen, die bestimmte Männer nicht mögen, haben dafür im Allgemeinen Gründe.


Quote
WolfgangL. #5.1

"Machoverhalten ist beim Menschen nicht angeboren, sondern anerzogen."
Auf die Idee kann man auch nur kommen, wenn man sich ausschließlich auf die unpräziseste der wissenschaftlichen Disziplinen stützt: Der Soziologie.
Man kann einen Menschen durchaus so konditionieren, dass er seine Natur ignoriert, daraus den Schluss zu ziehen, dass dieses Verhalten dann nicht angeboren ist, zeugt höchstens von wissenschaftlicher Kurzsichtigkeit.


Quote
sandor clegane #5.2

Oh, ist das Macho-Gen jetzt doch wissenschaftlich korrekt und unwiderlegbar gefunden? ...


Quote
WolfgangL. #5.3

Meine Aussage war keineswegs ein klares Statement dafür dass es definitiv ein Machogen gibt. Es gibt aber de facto keinen Beweis dafür dass dieses Verhalten ausschließlich anerzogen ist (Aussage von atech). Und nichts anderes steht im meinem Beitrag auf den Sie sich beziehen. Es gibt aber zumindest in der Tierwelt ganz klare Belege für deutlich unterschiedliches Verhalten zwischen Männchen und Weibchen.
Natürlich können Feministinnen leugnen, dass auch Menschen Tiere sind...
Da finden sie sich dann in guter Gesellschaft mit den Kirchen zu C. Darwins Zeiten wieder. Auch die haben auf Basis ihrer "unfehlbaren" Ideologie versucht all jene zum Schweigen zu bringen, die solche Blasphemie verbreiteten.


Quote
triple-o-eight #11

Seit Jahren feiert der Alpha-Mann ein Comeback. Der Softie-Frauenversteher hat ausgedient, und das ist kein Zufall. Denn die weiblichen Selektionskriterien befördern den Erfold des erstgenannten und den Misserfolg des letzgenannten Männertyps. Es sind eben nicht nur andere Männer oder die Eltern, die "softe" Jungs auslachen, sondern auch - und das ist das entscheidende - die Frauen!
Als Frauenversteher hat man schlichtweg keinen (sexuellen) Erfolg bei Frauen, weil man nicht sexuell attraktiv auf sie wirkt. Und unsere Gene sind nicht darauf prgrammiert, harmonisch miteinander zu leben, zu schaffen, sondern uns fortzupflanzen.
Ich bin selbst von einer feministischen Mutter erzogen worden die versuchte, mir jede Männlichkeit abzutrainieren, und zu einem Softie zu machen. Ich musste daher erst von der Pieke auf lernen, wie man erfolgreich bei Frauen ist. Es war ein harter Weg. Und ich kann heute ehrlich sagen: Das größte Verbrechen, das Eltern an ihren Söhnen verüben können, ist, sie zu Frauenverstehern und Softies zu erziehen.

Quote
Bastetqueen #11.1

Es gibt allerdings auch eine Alternative zu Softie oder Macho. Männer, die einfach verantwortungsvoll auf gleicher Augenhöhe mit Frauen umgehen, Frauen als Partnerin wertschätzen und einfach ganz normale Menschen sind.

Liebe Grüße, Bastetqueen


Quote
PeterStein #11.2

Sie Ärmster! Wer ist denn Ihrer Meinung nach "erfolgreich bei Frauen"? Wer die meisten ins Bett kriegt? Oder wer erfüllte lange Beziehungen pflegt?
Es sind immer zwei Seiten in einer Beziehung (egal ob Homo- oder Heteromenschen) und es gibt sowohl unter Männern wie auch Frauen bindungsunfähige, die es nie zu mehr als kurzzeitigen "Affären" bringen - es sei denn, sie reifen und werden erwachsen.
Da in den letzten Jahrzehnten Frauen immer selbständiger wurden und immer weniger auf den "Ernährer und Hausvater" angewiesen sind, können die labilen und vor allem auf Abhängigkeit begründeten Ehen immer weniger von Dauer sein - deshalb die zunehmenden Trennungsraten. Da hilft es nicht mehr, den Macho herauszukehren.
Und noch ein Seitenheib auf die Kulktur- und Religionstheoretiker: Es ist noch nicht lange her, dass z.B. Sizilianer in Deutschland mit "Ehrenmorden" auffielen und dass in Italien ein Gesetz aufgehoben wurde, das bei Tötung aufgrund verletzter "Ehre" erhebliche Strafmilderung erlaubte.


Quote
ChristianBW #11.3

Völlig richtig, und das war bei meinen Großeltern absolut der Fall. Absolute Augenhöhe von Mann und Frau, trotz natürlich etwas unterschiedlicher Rollenaufteilung und anderweitiger Gesetzeslage auf dem Papier. Da war die Ehe natürlich auch eine Arbeitsteilung und Wirtschaftsgemeinschaft. Ja da hatten Frauen viel Verantwortung und kaum zu glauben, sehr viel zu sagen, eine meiner Omas dominierte und bestimmte quasi die ganze Großfamilie. Während des Krieges "regierte" sie einen Handwerker- und Bauernhaushalt, zusammen mit den Kindern immerhin ca 20 Leute. Und auf den Dörfern in meiner Heimatregion war es lange üblich, dass die Frauen wesentlich die Finanzen mitbestimmten. Ich bleibe dabei viel was heute verbreitet wird, ist Legende und macht Frauen erst zum schwachen Geschlecht bzw. drängt sie in die benachteiligte Opferrolle.




Quote
A.Vomberg #15

Männliches Verhalten und Frauenverachtung sind nicht das selbe!
Das hört sich alles gut und vernünftig an und ist schön zu lesen.
Da steckt auch viel Wahrheit drin, aber man sollte im Umkehrschluss nicht glauben, dass die Erziehung für alles verantwortlich ist.
Es gibt auch Jungen, die viel Spaß an körperlichen Auseinandersetzungen haben obwohl(!) ihre Eltern sich alle Mühe geben ihnen klar zu machen dass sie brav sein sollen und sein Verhalten sanktionieren.
Dass der Fehler nicht unbedingt bei den Eltern liegt sieht man dann, wenn der zweite Sohn kein aggressives Verhalten an den Tag legt.
Ich halte den Versuch den Aggressionstrieb zu unterdrücken auch für gefährlich und teilweise kontraproduktiv.
Was unser Gesellschaft fehlt ist ein anerkannter, akzeptierter Rahmen um ihn sozialverträglich auszuleben.
Früher war es ein Zeichen von Gesundheit wenn Jungens auf dem Pausenhof gerauft haben, heute wird das als Verhaltensstörung behandelt.
Bis zu zehnten Klasse gibt es oft nur weibliche Lehrkräfte und die versuchen dann irgendwie brave Mädchen aus den Jungen zu machen, auch weil die leicht zu handhaben sind.
Wenn der Junge dann auch noch eine alleinerziehende Mutter hat, dann wächst er praktisch nur mit weiblichen Rollenvorbildern auf, was absolut unnatürlich und ungesund ist.
Die Alternative zum frauenverachtenden Macho ist ganz sicher nicht das frauenverstehende Weichei, denn darauf haben die Frauen in Wahrheit keine Lust.

 ...

A.Vomberg #15

Männliches Verhalten und Frauenverachtung sind nicht das selbe!

Das hört sich alles gut und vernünftig an und ist schön zu lesen.
Da steckt auch viel Wahrheit drin, aber man sollte im Umkehrschluss nicht glauben, dass die Erziehung für alles verantwortlich ist.
Es gibt auch Jungen, die viel Spaß an körperlichen Auseinandersetzungen haben obwohl(!) ihre Eltern sich alle Mühe geben ihnen klar zu machen dass sie brav sein sollen und sein Verhalten sanktionieren.
Dass der Fehler nicht unbedingt bei den Eltern liegt sieht man dann, wenn der zweite Sohn kein aggressives Verhalten an den Tag legt.
Ich halte den Versuch den Aggressionstrieb zu unterdrücken auch für gefährlich und teilweise kontraproduktiv.
Was unser Gesellschaft fehlt ist ein anerkannter, akzeptierter Rahmen um ihn sozialverträglich auszuleben.
Früher war es ein Zeichen von Gesundheit wenn Jungens auf dem Pausenhof gerauft haben, heute wird das als Verhaltensstörung behandelt.
Bis zu zehnten Klasse gibt es oft nur weibliche Lehrkräfte und die versuchen dann irgendwie brave Mädchen aus den Jungen zu machen, auch weil die leicht zu handhaben sind.
Wenn der Junge dann auch noch eine alleinerziehende Mutter hat, dann wächst er praktisch nur mit weiblichen Rollenvorbildern auf, was absolut unnatürlich und ungesund ist.
Die Alternative zum frauenverachtenden Macho ist ganz sicher nicht das frauenverstehende Weichei, denn darauf haben die Frauen in Wahrheit keine Lust.

Jungen dazu ermutigen sich an rauen Spielen zu beteiligen und ihnen zu sagen dass Heulsusen nicht besonders bewundert werden ist völlig in Ordnung!

»Bis zu zehnten Klasse« sollte bis zum zehnten Lebensjahr (fünfte Klasse) heißen.



Quote
Hamburgerin2.0 #16

In der Tat ein wichtiges Problem, das die Autorin da anspricht und das große Auswirkungen auf die Bildungs- und Erwerbsbiographien von jungen Männern hat. Ich beobachte die Erziehung von unschuldigen kleinen Jungs zu egozentrischen kleinen Prinzen in meinem Umfeld immer wieder, u.a. bei einigen muslimischen Bekannten, bei meiner orthodox-christlichen Freundin und bei Familien mit sehr konservativ-bildungsbürgerlichem Hintergrund.

Die Folgen sind fatal: Schul- und Ausbildungsversagen, keine Anerkennnung, insbesondere weiblicher, Autoritäten (die ja einen Großteil der Lehrerschaft und einen Teil der Vorgesetzten stellen), daraus resultierend Schwierigkeiten in Beruf und Schule.

Wenn man dazu erzogen wird, dass allein das "richtige" Geschlecht ausreicht, um großartig zu sein, wird man in der Leistungsgesellschaft scheitern, da der Ansporn fehlt, etwas zu leisten, zu lernen und für seine gesellschaftliche Anerkennung etwas zu tun. Schafft man das nicht, ist die Folge Wut, Frustration und u.U. der Rückfall in patriarchale Muster, was heutzutage wiederum Schwierigkeiten im Beziehungs- und Arbeitsleben nach sich zieht.

Der Witz ist, dass ein Großteil dieser Mütter selber sehr emanzipiert ist und in Beruf und Privatleben ihre Frau steht. Ich bin froh, dass ich meinen Sohn nicht so erzogen habe.


Quote
valdai #18

Na ja.....in unserer hiesigen Kultur haben wir dann eher das Problem, dass
unsere Jungen so erzogen werden, wie Trudeau es gerade beim WEF ankündigte:
" Ich werde meine Söhne als Feministen erziehen".......die armen Buben kann ich
da nur sagen.

Als Mutter zweier erwachsener Söhne von 29 und 27 Jahren , habe ich bei der
Erziehung kein Genderdenken gehegt. ..... habe eine große Antipathie dagegen.

Beide sind zu jungen Männern herangewachsen, die selbstbewußt, selbstsicher
und sehr respektvoll mit Frauen umgehen.
Das mag daran liegen, dass ihre Mutter immer gerne eine Frau war ;)
....sich als Frau nicht diskriminiert, mißachtet gefühlt hat. ..... und Männer in deren
biologischen Andersartigkeit weder als Bedrohung, noch als Konkurrenz gesehen
hat.

Beide sind im Umgang mit Frauen sehr selbstverständlich und haben zum Glück
auch immer auf junge Frauen getroffen, die ihr Frausein unverkrampft und
souverän ausleben.



Quote
Prisen Colinen #20

Was Sie sagen, Joumana Haddad, stimmt alles, ist aber trotzdem nur die halbe Wahrheit. Ja, Mütter erziehen die größten Gegner der Gleichberechtigung von Mann und Frau an ihrer eigenen Brust, richtig.

Aber in Jungs stecken genetisch über Millionen von Jahren Evolution einfach auch "Krieger". Sie wollen kämpfen, sie wollen sich beweisen, sie brauchen eine Aufgabe für die Gruppe. Sie wollen sich mit den anderen messen in Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Cleverness usw. Das alle skriegen sie aus den Jungs nicht heraus. Man kann Jungs nicht zu Mädchen erziehen, das funktioniert einfach nicht. Und deshalb brauchen unsere modernen Gesellschaften wieder Räume, in denen Jungs Jungs sein können.

Heute haben wir eine Gesellschaft, die Jungs keine Chance mehr gibt, auf natürlichem und für die Gesellschaft wertvollem Wege Männer zu werden. Das rächt sich schon überall.


Quote
mrdani007 #23

Schön wäre es, wenn Jungs durch die Erziehung zu Machos und Männern herangezogen würden.
Zur Zeit ist aber das Gegenteil zu beobachten: Sie werden wie Mädchen erzogen; sollen zuhören, sich vertragen und Blümchen malen. Gewalt sei keine Lösung.
Als ich hörte dass sie in manchen Schulen sogar Kochen und Nähen lernen müssen fragte ich mich ob das ein Witz sei? Weit gefehlt.
Schuld daran sind vor allem die Feministinnen-Sekten sowie der hohe Frauenanteil in Kindergärten und zunehmend sogar auch in weiterführenden Schulen.
Was diese feminine Erziehung an Jungen anrichtet merken die Frauen wohl erst, wenn die Anzahl der richtigen Männer in ihrem Umfeld mit der Zeit schrumpft.
Deshalb an alle Mütter: Die Geschlechter sind gleichberechtigt, aber nicht gleich.
Erzieht eure Töchter wie Mädchen und eure Söhne wie Jungs.

Quote
Unumbrello #23.1

Naja. Also ich habe auch Blumen gemalt als Kind und Indianerschlachten. Ich habe in der Schule kochen gelernt, genauso wie Sport. Was sind Sie denn für einer? Kocht Mama noch für sie? Und das Gewalt ein Teil der Realität ist lernt man an der Schule genauso, auch wenn es nicht von den Lehrern unterrichtet wird. Man, man, man...!


Quote
mrdani007 #23.2

Abgesehen davon, dass Sie Ihre Blumenbilder besser mit Ihrem Psychologen besprechen sollten, geht es hier nicht um einzelne Individuen wie Sie oder mich, sondern um gesellschaftliche Tendenzen.
Sie verkennen desweiteren, dass niemand bestritten hat, dass in der Schule Gewalt als Teil der Realität dargestellt wird.
Brennpunkt ist jedoch die "Gewalt ist keine Lösung"-Doktrin, wonach zB zwei Schüler einen Konflikt nicht wie Männer austragen sollen, selbst wenn sie beide eingewilligt haben. Wahrscheinlich halten manche Lehrerinnen selbst Notwehr für verboten.

PS: Für mich kocht natürlich meine Freundin.


Quote
Unumbrello #23.3

Also bei mir kochen beide... Aber gut, wer kann der kann. Ich sage ja garnichts, dass es ein teilweise verweichlichtest "Erziehungsmodell" gibt. Vonwegen immer Pazifismus usw.
Aber was hat das mit kochen oder malen zu tun?



Quote
Schwarzweißer Graumann #26

Ein sehr guter Artikel, der sich wohltuend von der nicht immer Rassismus-freien, oft oberflächlich-schlichten Schwarz-Weiß-Sicht bei dieser Debatte distanziert und auf die Tatsache hinweist, dass es in erster Linie auf die Erziehung und andere Faktoren ankommt und nicht so sehr auf die Herkunft der Menschen.


Quote
EhrenamtUNDVerstand #27

Wenn eine Mama einen Macho heranzieht, könnte ja auch der Papa gegensteuern, ne ;)


Quote
Ida Meerkatz #27.1

Da müsste der Papa ja womöglich sein eigenes Weltbild hinterfragen ...



Quote
petuhtante #29

ach ja, wie schön, dass alle kinder dieser welt nur mütter und keine väter haben...


Quote
Unumbrello #29.1

Ja man könnte böswillig behaupten, dass da die Autorin schon wieder dem Mann die Verantwortung abnimmt!.. ^^ :D


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"Sexualisierte Gewalt gegen Frauen - Für einen Feminismus der neuen Allianzen" (03.02.2016)
Wenn Frauenhass auf der anti-islamischen Überholspur fahren darf: ein Debattenbeitrag von Charlotte Wiedemann.
Ich habe in den vergangenen Wochen einiges über mein Land erfahren, das ich lieber nicht gewusst hätte. Das klingt arg unpolitisch, ich weiß. Aber es ist bei mir ein Bedürfnis nach Selbstschutz aufgekommen, angesichts der rasanten Verrohung dessen, was öffentliche Debatte zu nennen ein Euphemismus ist. ...
http://de.qantara.de/inhalt/sexualisierte-gewalt-gegen-frauen-fuer-einen-feminismus-der-neuen-allianzen

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on February 07, 2016, 12:32:11 PM
Patrick Esume : "Football befriedigt die Grundbedürfnisse des Mannes" (6. Februar 2016)
Du kannst Fußball nicht mit Football vergleichen. Football ist Schach. Selbst NFL-Coaches kennen nicht jede Regel und die acht Schiedsrichter müssen immer wieder beraten, bevor sie entscheiden. Dieser theoretische Aspekt hat mich persönlich schon immer am meisten fasziniert. Dazu kommt, dass Football auf eine gewisse Art auch die Grundbedürfnisse des Mannes bedient: entweder beschützen oder jagen im Rudel. ...
http://www.zeit.de/hamburg/stadtleben/2016-02/patrick-esume-american-football-interview

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"Schauspielerin Emily Ratajkowski: Dürfen schöne Frauen politisch sein?" Isabell Prophet  (17. Februar 2016)
„Halt den Mund und zeig uns deine Titten.“ Dieser Satz fasst ganz gut zusammen, wie viele Facebook-Nutzer auf eine Rede von Emily Ratajkowski (24) reagiert haben, in der sie Bernie Sanders unterstützt ...
http://ze.tt/schauspielerin-emily-ratajkowski-duerfen-schoene-frauen-politisch-sein/?utm_campaign=zonparkett&utm_medium=parkett&utm_source=zon
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on February 25, 2016, 09:47:08 AM
Quote
[...]  Das jüdische Label Mimu Maxi macht zeitgemäße, lässige Mode und befolgt dennoch religiöse Bekleidungsvorschriften. Mit der Unterdrückung der Frau hat das nichts zu tun.

... Mit ihren eigenen Kreationen wollten die zwei chassidischen Schwägerinnen Hecht und Notik ihrem Frust über unstylishe religiöse Kleidung Abhilfe verschaffen und feiern damit nun – über Religionsgrenzen hinweg – beachtliche Erfolge. 2012 gegründet, sprachen sie mit Mimu Maxi zunächst vor allem eine stilbewusste, religiöse (orthodox-jüdische, aber auch konservativ christliche und muslimische) weibliche Käuferschaft an. Spätestens seit 2015, als ihr Stil in Mode- und Lifestyle-Blogs zum Trend ernannt wurde, erreichen ihre Kollektionen nun auch säkulare Fashionistas.

Neben ästhetischen Kriterien erfüllen die Kollektionen von Mimu Maxi auch jene des tzinut, der orthodox-jüdischen Maßgabe für eine keusch-sittliche Lebensführung. Das hat durchaus Aufsehen erregt. Kein Bericht über das Label kommt ohne Verweis auf den religiösen Rahmen aus. Popsugar.com schreibt, die Mimu-Maxi-Designerinnen definierten keusche Mode (Modest Clothing) neu, laut der Huffington Post erschüttern Hecht und Notik mit ihren Kollektionen stereotype Vorstellungen von religiöser Kleidung. Religiös-keusche Trendsetter – die Vogue bringt auf den Punkt, was hier an Widersprüchen mitschwingt: "Jüdisch-orthodoxer Stil wurde zu einer ungewöhnlichen Inspirationsquelle für den heißesten Herbsttrend 2015." Ungewöhnlich deshalb, weil mit orthodoxem Judentum wohl vieles, jedoch kaum (Mode-)Trends und keinesfalls Sexyness assoziiert wird.

... Die Repräsentation von Weiblichkeit – in diesem Fall religiöser Weiblichkeit – ist in diesem Fall eine ungewohnte. Frau und Religion, dieses Verhältnis wird noch immer zu oft und zu undifferenziert als fixiert, repressiv und beklemmend eng aufgefasst. Auf der Website und dem Instagram-Profil von Mimu Maxi werden jedoch Frauen gezeigt, die in Bewegung sind. Models posieren vor repräsentativen Gebäuden, in der Mitte einer Straße, vor graffitibemalten Häuserwänden oder auch in einem riesigen, leer geräumten Loft. Auf Instagram zeigen sich die Modedesignerinnen und ihre Kundinnen selbst in der keuschen Mode. Den Inszenierungen zufolge ist der Umgang dieser Frauen mit religiösen Kleidervorschriften ein spielerischer – und vor allem ein aktiver und selbstbewusster: Die Interpretationen der durch religiöse Schriften und männliche Autoritäten übermittelten Vorschriften und Empfehlungen für eine religiöse Lebensführung sind vielfältig.

... Kein autoritärer Gott, keine normativen Schriften gestalten Religionen, sondern Menschen. Als Gestalterinnen sind Frauen in der Geschichte und in den Schriften der Religionen – oder in dem, was von ihnen tradiert und kanonisiert wurde – jedoch äußerst selten in Erscheinung getreten. Auch die säkulare Religionswissenschaft berücksichtigte Frauen lange Zeit kaum. Diese Lücke ist mittlerweile aufgrund von stichhaltiger feministischer Kritik zumindest ideell geschlossen. Es gilt nun, Frauen nicht nur als religiöse Akteurinnen wahrzunehmen, sondern anzuerkennen, dass vor allem sie es sind, die innerhalb von Religionen die jeweilige Notwendigkeit von Wandel und Bewahrung gestalten und verhandeln.

Quote
aufgeklärt und eigenverantwortlich
#2  —  vor 12 Stunden 20

"Auf Instagram zeigen sich die Modedesignerinnen und ihre Kundinnen selbst in der keuschen Mode."

drehen denn jetzt alle langsam durch ?


Quote
atech
#4  —  vor 12 Stunden 34

"Mit der Unterdrückung der Frau hat das nichts zu tun" - diesen schönen Satz hört man auch regelmäßig von emanzipierten Muslimas, die ihr Kopftuch auch völlig freiwillig tragen und die die "unbedeckten Frauen" wissen lassen, dass sie die "Unterdrückten" sind - unterdrückt durch die "Modediktate" der Neuzeit...

Tut mir leid, aber diese sack-artigen Kleidungsstücke haben sehr wohl etwas mit Frauenunterdrückung zu tun. Auch wenn die Säcke aus New York kommen.

Quote
AgainstBigotry
#4.1  —  vor 11 Stunden 5

Jetzt lass doch die Frauen anziehen was sie wollen. So lange sie nicht explizit dazu gezwungen werden, nach dem Schema: "Ich will das nicht anziehen, aber ich muss.", ist das doch nicht schlimm.

Wenn wir nun über indirekten Zwang reden, dann muss man auch erkennen, dass dieser Zwang in unserer westlichen Gesellschaft auch existiert. Die Medien verbreiten natürlcih ein bestimmtes Schönheitsideal, das auch mit Kleidung und bestimmten Trends zusammenhängt. Medien zeigen uns, was "sexy", "modisch" und "schick" ist. Welche Badekleidung ist sexy und gleichzeitig noch akzeptabel? Schauen Sie sich mal die Bademode der 50er Jahre in Deutschland an...

Also ja, wenn die Muslima in dieser Weise dazu "gezwungen" wird sich so zu kleiden, wie es ihrem (von ihrem Umfeld abhängigen) Geschmack entspricht, dann kann man wohl sagen, dass das etwas mit Zwang zu tun hat.

Ein anderes Beispiel. Meine Tante und deren Töchter sind hochreligiöse christliche Freikirchler. Die Töchter haben alle direkt nach der Schule/ Uni geheiratet und Kinder bekommen. geheiratet werden durfte aber auch nur innerhalb des engsten religiösen Kreises. Natürlich haben die freiwillig einen Mann aus derselben Religionsgemeinschaft geheiratet und sofort Kinder gezeugt. Aber ein gewisser aus dem Umfeld kommender, verinnerlichter Zwang war sicherlich trotzdem da.

Uns beiben also 2 Möglichkeiten: Entweder wir akzeptieren diesen Zwang bei Christen und Muslimen, oder wir kritisieren beides. Aber bitte keine Scheinheiligkeit!



Quote
Amandas
#4.3  —  vor 43 Minuten

Meiner Erfahrung nach kann man, wenn in irgendeinem Headliner die Behauptung auftaucht, dass eine Sache mit einer anderen "nichts zu tun hat", getrost davon ausgehen, dass das Gegenteil der Fall ist.
In der Regel folgt dann im Artikel selbst eine gewisse Ausdifferenzierung, wie ja auch hier. Die Autorin versucht zu beschreiben, wie Frauen sich innerhalb eines engen, autoritären Systems gewisse Freiheiten erobern - indem sie es erstmal anerkennen. Das kann ich meinerseits durchaus auch anerkennen.
Nur dass damit schon jede Unterdrückung ausgeschaltet wäre, ist natürlich Quatsch.


Quote
Danke für den Hinweis
#6  —  vor 12 Stunden 11

Die alten Linken haben sich noch von der Reiligon distanziert und waren stolz auf Aufklärung und Selbstbestimmung. Heute distanzieren sich die Linken höchstens noch vom Papst und ansonsten scheint man mit erstaunt großen Augen vor jeder Art von religiösem Eifer begeistert.


Quote
M.Knarz
#7  —  vor 12 Stunden 16

Keine Unterdrückung der Frau? Warum aber gibt es dann genaue Vorgaben dafür, "wie Frauen sich kleiden sollen", sodass sie möglichst "modest" erscheinen, den "Verhüllungsgeboten" entsprechen und möglichst "keusch" wirken bzw. bleiben?

Und vor allem: warum gibt es exakt diese "Vorgaben" nur für Frauen? Sicher, auch Männer sollen nach dem orthodoxen Glauben etwa eine Kippa tragen, aber dies sicher nicht um ihre "Keuschheit" zu bewahren oder zur Schau zu tragen.

Man kann ja alles mit einem Flair an Modernität garnieren, es ändert aber nichts daran, dass diese Kleidungsvorgaben, die sich explizit an Frauen richten, geprägt sind durch ein zutiest archaisches wie sexistisches Geschlechterverständnis, dem zufolge Frauen -- anders als Männer! -- in besonderem Maße ihren Körper verbergen, ihre sexuellen Reize verstecken und "keusch" bleiben sollen.

Übrigens in Anführungszeichen alles direkte Zitate aus dem Artikel, der gleichwohl die bei genauerem Hinsehen doch etwas gewagte Behauptung aufstellt, "Mit der Unterdrückung der Frau hat das nichts zu tun."

Quote
Paul von Arnheim
#7.1  —  vor 10 Stunden 7

Mit der Unterdrückung der Frau hat das nichts zu tun...

Ich muss Ihnen recht geben. Dass die Keuschheitsnummer nichts mit der Unterdrückung der Frau zu tun habe, ist eine gewagte Behauptung. Die Bekleidungsvorschriften aller abrahamitischen Religionen zielen darauf ab, Frauen als sittsam und keusch, also als ehrenhaft zu kennzeichnen. Georg Christoph Lichtenberg hat sich schon lustig gemacht über die "schöne Ehre, die die Frauenzimmer haben, die einen halben Zoll vom Arsch abliegt".

Es ist Unterdrückung der Frau, ihre Ehre in Rektumnähe anzusiedeln. Ich kriege langsam die Wut über diese permanente Verharmlosung, dieses Abwiegeln und Kleinreden. Heute musste ich schon auf Zeit online einen Artikel lesen, der tatsächlich die Überschrift "Faire Genitalverstümmelung, kann es das geben?" hat und so endet: "der Vorstoß im Journal of Medical Ethics zwingt dazu, zu einem kulturell, ethisch wie medizinisch sensiblen Thema triftige Argumente auszutauschen." Zwischendurch ist zu lesen: "... liberale Gesellschaften sollten "kultursensibler" werden und zumindest kleine, eher symbolische Eingriffe tolerieren. Und sie sollten die Sprache überdenken, in der sie darüber reden." Geht es eigentlich noch?



Quote
Hamburgerin2.0
#8  —  vor 12 Stunden 1

Einen Gott, der Frauen dezidiert vorschreibt, welche Körperteile sie wann, in welcher Situation und wem gegenüber bedecken sollen, finde ich persönlich albern.

Aber eines kann man nicht bestreiten: Die beiden Designerinnen haben Trends gesetzt! Das Ding mit den weiten Ärmeln, die wie Flügel aussehen, wenn man die Arme ausbreitet, hing diesen Winter in jeder Boutique. Habe selbst ein Oberteil davon und finde es très chique und bequem - obwohl ich nicht religiös bin. Ich wusste nicht, dass der Grundentwurf von den beiden Designerinnen stammt. Hut ab!


Quote
atheist999
#9  —  vor 12 Stunden 5

Ich warte mit Spannung auf die erste Präsentation eines christlichen Labels!!
Herr im Himmel ......


Quote
atech
#9.1  —  vor 12 Stunden 1

wieso? - Nonnenhabite gibt es doch schon lange...


Quote
Hamburgerin2.0
#9.2  —  vor 12 Stunden 4

Ich hatte eine ältere Verwandte, ihres Zeichens Protestantin aus einer strenggläubigen Familie. Die durfte als Kind und Jugendliche nicht in den Spiegel schauen. Weil Eitelkeit Sünde ist...


Quote
quevedo
#10  —  vor 12 Stunden 1

Gender meets Religion? Geht das? Möglicherweise gibt es ja da eine gemeinsame Basis fundamentalistisch-radikalen Denkens.
Der Feminismus scheint ja auch mit gewissen Eigenheiten des Islam keine Schwierigkeiten zu haben, jedenfalls bleibt es da in der Regel auffällig still.
Man darf gespannt sein, ob frau dann demnächst noch Sympathien für evangelikal interpretiertes Christentum entwickelt. Oder wäre das dann doch zu viel verlangt...?


Quote
Franklin-04
#13  —  vor 11 Stunden 7

"Religiöse Bekleidungsvorschriften"
wer sich von einer Religion vorschreiben läßt, was er essen oder anziehen darf, der hat die Aufklärung nicht begriffen. Ganz egal, welche Religion dabei gemeint ist. Religion beschreibt das individuelle Verhältnis Mensch zu Gott, ein innerliches Verhältnis. Kleidung beschreibt nur das Verhältnis zu anderen Menschen - Gott läßt sich doch nicht von einem Modelabel beeindrucken...

Wir müssen hier nichts mehr "aushandeln", diese Aufgabe hat Napoleon vor langer Zeit erledigt: Gleichberechtigung und Freiheit für alle Religionen (auch das Judentum), dafür sind sie raus aus der Politik und sonstigen Vorschriftenmacherei.


Quote
h humbert
#18  —  vor 10 Stunden 3

Ich stelle mir Gott immer so vor wie Harald Glöööckler. Da haben Kleiderordnung, Bart- und Haartracht oberste Prio.

[ https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Gl%C3%B6%C3%B6ckler (https://de.wikipedia.org/wiki/Harald_Gl%C3%B6%C3%B6ckler) ]



Aus: "Modest Clothing: Sexy orthodox"  Márcia Elisa Moser (24. Februar 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/kultur/2016-02/modest-clothing-mimu-maxi-juedisch-orthodox-mode-10nach8 (http://www.zeit.de/kultur/2016-02/modest-clothing-mimu-maxi-juedisch-orthodox-mode-10nach8)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on March 05, 2016, 01:21:05 PM
"Eine ungewöhnliche Entscheidung Ich bin Hausfrau - na und?" Silvia Dahlkamp (04.03.2016)
... "Ach, du arbeitest gar nicht?" Sie kontert: "Ich arbeite viel, um meinen Kindern eine glückliche Kindheit zu geben" - und erntet mitleidiges Lächeln. ... Philipp von Hutten, 39, ihr Mann, arbeitet als Auktionator, ist viel unterwegs. Deshalb haben sie sich für Arbeitsaufteilung entschieden - er verdient das Geld. Durchschnitt, kein Vermögen. Sie schmeißt den Haushalt. Eins ist jedoch anders als zu alten Zeiten: Sie sehen sich als Team. Alles gehört beiden - zu gleichen Teilen.
Hutten war 23 Jahre alt und studierte Psychologie, als sie schwanger wurde. Das Kind war nicht geplant. Sie wollte trotzdem ihren Abschluss machen und später arbeiten - so wie 96 Prozent der modernen Frauen. Doch nach der Entbindung kam alles anders. Helena von Hutten hatte das Baby im Arm und dachte: was für eine Verantwortung. Sie unterbrach das Studium erst einmal. ... Emanzipierte Frauen halten solch einen Lebensentwurf für einen Lebenswegwurf. Ein Rückschritt in die Fünfzigerjahre, als frau noch Kittelschürze trug. ...
http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/beruf-hausfrau-eine-ungewoehnliche-entscheidung-a-1080467.html

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Als Psychotherapeut ...
ede-wolff gestern, 10:38 Uhr
erschrecke ich vor den Folgen in der Zukunft. Seit S. Freud, M. Mahler, M. Klein wissen wir viel über die psychische Entwicklung des Kleinkinds und vor allem über die entscheidende Bedeutung einer sicheren Bindung in den ersten Lebensjahren. Die Folgen einer exzessiven Kita-Kultur erlebe ich als Psychotherapeut in den neuen Bundesländern täglich in meiner Praxis. Die Art der Störungen ist völlig anders als in den alten Bundesländern: wesentlich mehr Angst- und Panikstörungen, extreme Aggressionshemmungen, schwere Bindungsstörungen. Welche "Experten" halten ein 22-monatiges Kind für seit 10 Monaten "überfällig für die Kita?" Mir graut vor den Folgen für unsere Gesellschaft!


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mauerfall gestern, 10:38 Uhr
Jenseits Ostdeutschlands und der westdeutschen Ballungszentren ist es doch wohl eher so, dass die Frauen schief angesehen werden, wenn sie arbeiten gehen... Egal was Frau macht, es ist falsch ;)


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Nichts gelernt
rieberger gestern, 10:40 Uhr
Die Selbstbestimmung ist noch lange nicht erreicht. Solange Menschen (Männer wie Frauen) für ihren eigenen Lebensentwurf angefeindet werden, solange leben wir in einer Welt voller Schubladendenken. Man muß nicht alles gut finden, was andere machen und keiner darf den Anspruch erheben, daß sein Lebensentwurf der allein seligmachende ist. Aber jeder Mensch hat das Recht dazu, das zu machen, wie er es für richtig erachtet. Das, was sich Emanzipation nennt, ist nichts anderes als ein Vertauschen von gesellschaftlichen Vorzeichen. Nichts gelernt, nichts kapiert. Pikant die Stutenbissigkeit, mit der sich die Frauen bei Mangel von weiblicher Solidarität an die Gurgel gehen. Ist da vielleicht eine gehörige Portion Neid dabei?!


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Lebensentwurf
Fragende_Leere gestern, 10:43 Uhr
Dieses Beispiel ist ein Lebensentwurf, aber eben nur einer von vielen. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Wenn die angegebenen Zahlen stimmen sollten, macht Frau von Hutten bestimmt vieles richtig: die Rente aus der Teilzeit reicht eh nicht zum Leben; sie wird dann, sollte die Beziehung nicht bis zum Lebensende halten eh auf "ergänzende Transferleistungen" angewiesen sein. Wie übrigens viele der Mütter/Väter, die sich beruflich zusätzlich gequält haben. ...


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Das ist ein Riesenproblem
doppelpost123 gestern, 10:45 Uhr
Die Frauenbewegung hat es leider nicht geschafft, Frauen eine Wahl zu lassen (also sie frei entscheiden zu lassen, ob sie zu Hause bleiben / Karriere oder beides haben wollen), sondern bevormundet und entmündigt sie. Frauen, die zuhause bleiben, werden zwangsläufig als Opfer und Knechte gesehen. Der ideologische Gedanke dahinter: "Hätten Frauen WIRKLICH die Wahl, dann würden sie das nicht machen". Kann man GLAUBEN, muss man aber nicht, das ist einfach Ideologie. Auch wenn man akzeptiert, dass Geschlecht und Rollenbilder sozial konstruiert sind, ist es mit Sicherheit zu kurz gegriffen, die Biologie komplett auszublenden. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen, das sollten Biologen und Sozialwissenschaftler akzeptieren.. Aber das Schlimmste daran finde ich, dass es dann auch noch Frauen sind, die andere Frauen für ihre Wahl zu hause zu bleiben verurteilen. Wenn "Feminismus" auf ein Idealbild abzielt, das sich die Vorkämpferinnen selbst zurechtlegen, statt dafür einzutreten, dass Frauen die Wahl haben, sich selbst frei zu entscheiden, dann ist das für mich ein falscher Weg. Es ging bis jetzt immer nach hinten los, wenn eine kleine Gruppe meint, sie hätte die Antwort für alle gefunden, selbst wenn das Ziel noch so löblich ist (siehe kommunistisches Manifest..)


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"Online harassment of women at risk of becoming 'established norm', study finds" (Monday 7 March 2016 19.01 GMT)
Harassment of women online is at risk of becoming “an established norm in our digital society”, with women under 30 particularly vulnerable, according to the creators of a new Australian study. ... Seventy per cent of women said online harassment was a serious problem in 2016 and 60% said that it was getting worse. More than half the women surveyed felt the police needed to start taking victims seriously. But 38% of those who had experienced online harassment chose to ignore it, and only 10% reported it to police. ...
http://www.theguardian.com/lifeandstyle/2016/mar/08/online-harassment-of-women-at-risk-of-becoming-established-norm-study?CMP=share_btn_tw

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on March 20, 2016, 05:18:50 PM
"Arabische Frauen: Die Frauen, der König und ein Esel" Eine Erkundung in Marokko von Elisabeth Raether
Wie ist es, als arabische Frau gegen Bevormundung und Belästigung zu kämpfen? ... Die Ereignisse der Kölner Silvesternacht sind aus den Nachrichten verschwunden, geblieben ist die Ansicht, dass der arabische Mann ein Frauenproblem hat. In unserer Vorstellung trägt er Jogginghose und Gelfrisur, und alles Weibliche überfordert ihn. Viele haben Angst vor ihm, manche verachten ihn. Wie wäre es aber, wenn wir versuchen würden, den arabischen Mann zu verstehen? Man würde wohl damit anfangen, diejenigen zu befragen, die ihn gut kennen: die arabischen Frauen. Man trifft sie in Marokko. Sie öffnen einem ihre Wohnzimmer, Küchen und Büros und erzählen in glasklaren Worten von ihrer Welt: Für sie ist der arabische Mann keine Gestalt, die in ihren Gedanken oder in den Fernsehnachrichten lebt – sie wohnen mit ihm unter einem Dach. Er ist ihr Ehemann, ihr Sohn, ihr Bruder oder Vater. ...
20. März 2016 DIE ZEIT Nr. 11/2016, 3. März 2016
http://www.zeit.de/2016/11/arabische-frauen-marokko-frauenrechte-patriarchat-scharia/komplettansicht


"Sexualität in Marokko: "Die Frau ist Eigentum"" (02.03.2016)
Die Eltern der Journalistin Hasna El Maroudi erlebten Marokko noch als liberale Gesellschaft. Heute wird für Frauen selbst der Weg zum Bäcker zum Spießrutenlauf. Was ist passiert?...
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/marokko-die-frau-ist-kein-selbststaendiges-wesen-a-1076170.html


"Non, je ne regrette rien - Abgesehen von der Mutterschaft" Twister (Bettina Hammer) 28.03.2016
Seit sich Mütter dazu bekennen, die Mutterschaft zu bereuen, zeigt sich, wie stark der Mutterkult noch gepflegt wird. Der Druck auf die Mütter wächst...
http://www.heise.de/tp/artikel/47/47807/1.html


"Geringe Erwartungen"  Anna Smith (Ausgabe 1216 | 06.04.2016)
Klischees Im Kino sind werdende Mütter meist nervige oder komische Figuren. Eine kleine Phänomenologie... Die wohl progressivste aller schwangeren Filmfiguren ist freilich die, die ihren Zustand kaum erwähnt. „Ich finde, Frances -McDormand in Fargo ist die größte Schwangere der Filmgeschichte“, sagt Alice Lowe. ...
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/geringe-erwartungen

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"Bundesverfassungsgericht: Mögliche Väter dürfen Gentest verweigern" (19. April 2016)
Kinder können Männer, die sie für ihren Erzeuger halten, nicht zum Vaterschaftstest zwingen. Dem stünden ihre Grundrechte entgegen, entschied das Bundesverfassungsgericht. ... Das Bundesverfassungsgericht hat entschieden, dass eine Frau ihren vermuteten Vater nicht zu einem Gentest zwingen darf. Das am Dienstag verkündete Urteil bestätigt damit die geltende Rechtslage: Demnach haben nur der Vater, die Mutter und das Kind einer sogenannten rechtlichen Familie gegeneinander einen Anspruch auf einen DNA-Test. Biologische Erzeuger außerhalb einer Familie werden im Gesetz nicht genannt und können deshalb auch nicht zu einem Vaterschaftstest gezwungen werden. ... Damit scheiterte eine 65-jährige Frau, die ihren mutmaßlichen, mittlerweile 88 Jahre alten Vater zu einem DNA-Test zwingen wollte. Der vermutete Vater, der einen Test ablehnt, steht außerhalb der Familie.
Dem Recht, die eigene Abstammung zu kennen, ständen die Grundrechte der anderen von einer Klärung Betroffenen entgegen, sagte Vizegerichtspräsident Ferdinand Kirchhof. Diese würden erheblich belastet. Bei ihm sind demnach durch den Wunsch der Frau das Recht auf informationelle Selbstbestimmung und das Recht auf körperliche Unversehrtheit betroffen. Zudem könne sowohl das Familienleben des Mannes als auch das Familienleben des Kindes und seiner rechtlichen Eltern betroffen sein. ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-04/bundesverfassungsgericht-vaterschaftstest-familie-rechtlicher-vater-urteil

Quote
joaber #1

Ist völlig ok, die Entscheidung, und zwar in Bezug auf: eine Mutter darf (offiziell um ebenjenes Recht des KINDES zu schützen) dem Mann auch verweigern, das Kind testen zu lassen, ob ER der Vater ist.

Gleiches Recht für beiden.

"Sollte eine der drei Personen den Test verweigern, kann ein Familiengericht die nicht erteilte Einwilligung ersetzen. Im Zentrum steht das Wohl des Kindes. Grundsätzlich muss auch die Mutter in den Abstammungstest einwilligen und muss die Untersuchung dulden."

https://www.bj-diagnostik.de/vaterschaftstest/mutter-verweigert-einwilligung-vaterschaftstest

Ist wohl rechtlich doch nicht ganz so klar - ich stelle meine Bemerkung mal diskutativ in den Raum...


Die Regelung wurde wohl 2010 geändert....

http://www.sueddeutsche.de/politik/neuregelung-zum-vaterschaftstest-kuckuckskinder-und-zweifelnde-vaeter-1.292368



http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-04/bundesverfassungsgericht-vaterschaftstest-familie-rechtlicher-vater-urteil?cid=6509336#cid-6509336

Quote
mr.andersson #2.2

In Ihrem Link geht es um den rechtlichen Vater. Also jemand innerhalb der Familie. Der rechtliche Vater ist z.B. derjenige, der zum Zeitpunkt der Geburt mit der Mutter verheiratet ist. Dieser ist nicht zwnagsläufig der biologische Vater und da erlaubt § 1598a einen Test, auch wenn es einem der Beteiligten nicht passt.

Im Urteil geht es um eine völlig familienfremde Person, von der die Klägerin die Vermutung hatte, dass diese ihr Vater sei. Und man kann nicht einfach irgendwen zu einem Test zwingen, weil man irgendwelche (vielleicht sogar begründete) Vermutungen hat.


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-04/bundesverfassungsgericht-vaterschaftstest-familie-rechtlicher-vater-urteil?cid=6509403#cid-6509403

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mr.andersson #4

Jedes andere Urteil hätte ins Unglück geführt.

Denn dann hätte jede beliebige Person nahezu jeden zu einem Vaterschaftstest zwingen können. Wenn dann tausende von Menschen der Meinung sind, dass die eigene Mutter den damaligen Schlagerstar doch etwas zu sehr angehimmelt hat, würde da einiges auf diese zukommen.

Auch wenn ich den Wunsch nach Klärung der eigenen Herkunft vollumfänglich verstehe, muss es in bestimmten Situationen bei einem Wunsch bleiben.


http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-04/bundesverfassungsgericht-vaterschaftstest-familie-rechtlicher-vater-urteil?cid=6509365#cid-6509365

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"Kommentar Nachweis der Elternschaft: Ein Leben im Ungewissen" Simone Schmollac (20. 4. 2016)
... Menschen, denen diese Erkenntnis verwehrt bleibt, leiden ihr Leben lang unter einer Unruhe und einer Zerrissenheit, die sie selbst nur schwer beschreiben können. Sie fühlen sich getrieben und haben häufig wenig Vertrauen in andere Menschen. Das haben Adoptionsforscherinnen und -forscher hinlänglich bewiesen. Und das bestätigen Frauen und Männer, die sich in einer ähnlichen Situation befinden wie die Klägerin.
Nicht umsonst ist daher das deutsche Recht in dieser Hinsicht mehrfach nachgebessert worden. Kinder können heute in jedem Fall klären lassen, wer ihr rechtlicher Vater ist, verbunden mit allen Rechten und Pflichten. Eine solche Klärung ist heute ohne Vaterschaftstest nicht mehr vorstellbar, sogenannte Kuckuckseltern und Kuckuckskinder fliegen also sowieso irgendwann auf.
Trotzdem kann es zahlreiche Gründe geben, dem Kind die wahre Elternschaft zu verschweigen. Einerseits um das Kind zu schützen. So zumindest stellen es betroffene Eltern gern dar. Andererseits aber auch, um selbst mit heiler Haut davon zu kommen und keine unangenehmen Fragen beantworten zu müssen: Was ist damals passiert? Ein Fehltritt mit unübersehbaren Folgen? Eine Affäre, die anders endete, als sie anfing?
Das Bundesverfassungsgericht hat sachlich geurteilt, es hat persönliche Befindlichkeiten einer Einzelperson gegen das allgemeine Grundgesetz abgewogen. Und unter anderem die Familie des vermeintlichen Vaters ins Spiel gebracht. Könnte die beschädigt werden, wenn jetzt heraus käme, dass es da noch ein weiteres, ein fremdes Kind gibt?
Ja, natürlich würde diese Familie belastet. Aber das ist sie sowieso. Eine Familiengeheimnis, wie auch immer es aussieht, legt sich wie ein dunkler Schatten auf Eltern, Kinder und Enkelkinder. In allen betroffenen Familien. Auch wenn sie davon offiziell gar nichts wissen. Das kann auch kein Gericht ändern.
https://www.taz.de/Kommentar-Nachweis-der-Elternschaft/!5297741/


Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on April 20, 2016, 10:36:57 AM
"Mit harten Bandagen" Irene Allerborn, Franz Konietzky (18.04.2016)
Türkei - Eine feministische Gruppe kämpft gegen männliche Gewalt – und langt dafür auch selbst zu. Ein Video geht um die Welt: Es zeigt eine aufgebrachte Gruppe Frauen auf dem Campus der Universität Ankara, die auf einen Mann einschlägt. Die wütenden Frauen sind kaum zu halten. Der anwesende Sicherheitsdienst scheint ratlos, er traut sich kaum einzugreifen. Die ungewöhnlichen Bilder finden auf Facebook schnell Verbreitung. Nationale und internationale Medien berichten über das Video. Der Mann, der die Prügel bekommt, ist ein Student der Universität Ankara. Als sich seine Ex-Freundin von ihm trennen wollte, soll er versucht haben, sie zu vergewaltigen. Nach diversen sexistischen und beleidigenden Posts von ihm auf Twitter sucht die Frau Hilfe bei Frauenorganisationen auf dem Campus. ... „Bei den Frauen in der Türkei hat sich viel Wut angestaut. Je mehr Frauen unterdrückt werden, desto mehr Widerstand werden wir leisten“, konstatieren die zwei Campushexen Gözen und Gültekçe. Die Frauenbewegung habe auch schon einiges erreicht. „Durch unseren Widerstand wurde 2012 das Gesetz gekippt, das Abtreibungen verbieten sollte.“ Und auch die Rolle der Frauen bei den Gezi-Protesten 2013 heben sie hervor: „Die Frauen waren qualitativ wie quantitativ stark an den Protesten beteiligt. Die Fotos, auf denen eine Frau von der Polizei mit Pfefferspray besprüht oder eine andere von einem Wasserwerfer angegriffen wird, stehen symbolisch für den Geist, mit dem Frauen in die Proteste hineingegangen sind.“...
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mit-harten-bandagen

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"Feridun Zaimoglu zu den Silvesterübergriffen in Köln „Wir Moslems müssen in unserem eigenen Saustall aufräumen“" (berliner-zeitung.de, 29.01.2016)
Kiel - Für den Schriftsteller Feridun Zaimoglu muss die Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln schonungslos offen auch innerhalb der islamischen Gemeinschaft geführt werden. „Frauenverachtung ist geradezu ein Gebot im Judentum, im Christentum und im real existierenden Islam - das nur an die Adresse der Heuchler, die vom Abendland schwätzen und nicht ein einziges Mal die Bibel aufgeschlagen haben“, sagte der Kieler Schriftsteller türkischer Herkunft der Deutschen Presse-Agentur. „Gleichzeitig ist es aber auch genauso falsch zu sagen im relativierenden Ton: Weil es so ist, müssen wir uns nicht damit auseinandersetzen, wir Moslems.“
Der 51-jährige Schriftsteller, der sich selber als Moslem mit einem Kinderglauben bezeichnet, forderte: „Wir Moslems müssen in unserem eigenen Saustall aufräumen. Denn wir haben einen Saustall. Der gelebte Dorf-Islam ist unter aller Sau.“ Er als Schriftsteller könne sich dabei nicht aus der Verantwortung ziehen: „Das wäre ein bisschen feige.“
Die Übergriffe in Köln seien keine Ausreißer gewesen. Es handle sich nicht um eine Krise des Islam, „sondern wir haben eine Krise des moslemischen Mannes. Wir haben eine Krise moslemischer Männer mit Minderwertigkeitskomplexen.“ „Wenn ein Mann unfähig ist, die starke mündige Frau als gesellschaftliche Realität zu sehen, und sich in seiner Herrlichkeit beeinträchtigt fühlt, dann lege ich ihm professionelle Hilfe nahe.“
Insgesamt bewertete Zaimoglu die Debatte über die Kölner Silvesternacht als sehr positiv: „Entgegen irgendwelcher seltsamen Vermutungen ist die freie Rede bei uns in Deutschland vorherrschend - und das ist wunderbar.“ Die sexuellen Übergriffe müsse man geißeln, „so wie man sonst von ostdeutschen Nazis spricht oder westdeutschen Hooligans. Ich verstehe nicht, warum man sich plötzlich an dieser Stelle zurückhalten muss oder wieso die Beschwichtiger dann darauf hinweisen wollen, dass man jetzt vorsichtig sein soll“, sagte Zaimoglu. ...
Die Gefahr einer wachsenden Kluft in der Gesellschaft sieht Zaimoglu durchaus: Es fehle an Solidarität untereinander. Die Stimmung sei gekippt wegen bestimmter seltsamer Entscheidungen von oben. „Und unten zünden jetzt irgendwelche Vollidioten Flüchtlingsheime an oder träumen von einem reinen Abendland. Die armen Schweine gehen aufeinander los. So war es immer, so wird es immer weitergehen.“ Dabei führten die christlichen Kirchen und die islamischen Verbände schon seit einiger Zeit einen Dialog und kämen friedlich miteinander aus. „Es geht nicht um Religionen, es geht darum, dass Menschen mit religiösem oder nationalem Anstrich - seltsame Borderline-Menschen da draußen - den sozialen Frieden zu Klump schlagen wollen. Und darüber müsste man sich unterhalten“, sagte Zaimoglu. ...
http://www.berliner-zeitung.de/kultur/-feridun-zaimoglu-sote-in-eigenem-schweinestall-aufraeumen-23521424
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung...
Post by: Link on May 14, 2016, 01:21:31 PM
Quote
[...] Hegel erklärte in den Grundlinien der Philosophie des Rechts, Frauen und Politik passten schlecht zusammen: "Stehen Frauen an der Spitze der Regierung, so ist der Staat in Gefahr, denn sie handeln nicht nach den Anforderungen der Allgemeinheit, sondern nach zufälliger Neigung und Meinung." Als Frauen zu Beginn des 20. Jahrhunderts für das Frauenwahlrecht kämpfen, befürchtete man, sie würden sich nicht mehr um den Haushalt kümmern, ihre Kinder verelenden lassen und ihre Männer knechten. Als Frauen in den Siebzigerjahren für das Recht auf Abtreibung kämpften, warf man ihnen unter anderem vor, sie wollen nur "durch die Betten hüpfen". Und als es vor Kurzem in Deutschland darum ging, ob die Pille danach als Notfallverhütung rezeptfrei erhältlich sein sollte, wie in vielen anderen Ländern auch, da wurde der gesundheitspolitische Sprecher der CDU, Jens Spahn, nicht müde zu erklären, dass solche Pillen "nun mal keine Smarties" seien, ganz so als würden Frauen anfangen, sich davon zu ernähren, sobald sie frei in der Apotheke verfügbar wären.
Die Frau, das irrationale Wesen, das Freiheit nicht verträgt und sogar vor sich selbst beschützt werden muss - so weit, so traditionell und frauenfeindlich.
Aber es ist eben nicht nur das. Die Idee, es könnte nach einer Erweiterung des Sexualstrafrechts massenhaft zu Falschbeschuldigungen kommen, zeigt, wie sehr wir daran gewöhnt sind, zuerst an Männer zu denken.
Und das, obwohl die Lage so klar ist. Jede siebte Frau in Deutschland erlebt schwere sexualisierte Gewalt. Die allermeisten Frauen, die vergewaltigt werden, zeigen die Tat nicht an (je nach Studie 85 bis 95 Prozent), und in den meisten Fällen, in denen eine Tat angezeigt wird, kommt es nicht zu einer Verurteilung. Es gibt also offenbar erstens das Problem, dass sexualisierte Gewalt sehr verbreitet ist und zweitens das Problem, dass Frauen, die solche Gewalt erleben, sehr häufig erleben müssen, dass sie rechtlich nicht hinreichend geschützt sind. Als Falschbeschuldigungen werden in Deutschland laut einer Studie der London Metropolitan University aus dem Jahr 2009 gerade einmal drei Prozent der Anzeigen eingeschätzt.
Und trotzdem ist der erste - und letzte - Gedanke vieler, die von einer Verschärfung des Sexualstrafrechts hören: Ja, aber ist das nicht blöd für die Männer?
Im Ernst? Ich weiß, es ist schwer. Uns allen hat das Patriarchat tief ins Hirn geschissen, dass Männer mehr wert sind als Frauen, und es ist unglaublich schwer, sich das alles wieder aus dem Kopf zu kratzen. ...

Quote
CobCom gestern, 21:13 Uhr
[Zitat von Balschoiw]Es ist schon weltfremd, den Frauen jetzt auch noch eine körperliche Verteidigungspflicht mit auf den Weg zu geben, um nach einer Vergewaltigung überhaupt von einer Vergewaltigung sprechen zu dürfen. Das ist schlicht krank. Sobald sexuelle Handlungen nicht einvernehmlich stattfinden müssen sie geahndet werden und der Opferschutz solte hierbei an oberster Stelle stehen. Ich stimme ihrem Kommentar ausdrücklich zu Frau Stokowski. Das was hier an "Neuerungen" implementiert werden soll ist weltfremd und hirnverbrannt und zutiefst frauenfeindlich.
Diese Strafbarkeit entspricht bereits der aktuellen Rechtslage und der Rechtstheorie. Das Problem ist die Rechtspraxis, genauer, die Beweisführung. Ist es so schwer, zu kapieren, dass ein Gericht Probleme bekommt, wenn zwei durch eine Tür in ein Zimmer gehen, unstreitigerweise und ohne merkwürdige Spuren zu hinterlassen miteinander schlafen, wieder herauskommen und dann zwei komplett unterschiedliche Geschichten erzählen? Da gibt es einfach die Schwierigkeit, dass das Gericht ganz überwiegend von Schuld, Vorsatz und objektiver Erfüllung des Tatbestands überzeugt sein muss, um zu verurteilen. ...


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vera gehlkiel gestern, 21:05 Uhr
[Zitat von Klaus Klammer]sage ich zu meiner Frau, es ist genug. Nein, ich will keinen Nachschlag auf den Teller. Es hilft nichts. Sie legt weiter drauf. Ich fühle mich gemästet, leide unter Adipositas und finde kein Gegenmittel. Sicher, ich könnte den Teller auch an die Wand schmeissen oder ihn einfach ganz entschieden wegschieben aber ein NEIN muss doch ausreichen. Wenn ein blosses NEIN nicht reicht, dann bin ich Opfer brutaler Gewalt.
Ihnen würde ich einfach mal gönnen, dass sie drei muskelbepackte angesoffene Typen in irgend einer schmierigen Ecke abpassen. Es soll für sie nicht zum "Äussersten" kommen müssen (auch Männer werden ja gelegentlich Opfer von sexualisierter Gewalt), aber zehn Minuten richtig Schiss vor dem, was gleich passieren könnte, sollten sie schon haben. Die Hände von denen an sich, ihre hässlichen Fratzen in unmittelbarer Nähe ihres eigenen Gesichtes erleben. Vielleicht, dass man sie einfach mal nacheinander küsst, und ihnen jeder von denen einmal in Ruhe die Hand in den Schritt legen darf; was sie still aushalten, damit die ihnen ihr Gesicht nicht zu Brei zerschlagen. Und dann könnten sie ganz lieb und nett bitte bitte, lasst mich doch gehen, sagen; und diese Jungens gucken sich an und sagen: komm lass diese dämliche Schlampe doch, dahinten kommt sowieso jemand. Puh, sagen sie dann bestimmt zu ihrer Frau, mit ist heute was Lustiges passiert. Und sie sind, ei der Daus, noch nicht mal vergewaltigt worden, geschweige denn, sie hätten deutlich "Nein" gesagt. Diese Typen können jeden Tag an ihrem Haus vorbeigehen, was die mit ihnen gemacht haben, ist nur ein nettes Gespräch.

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denis_werner gestern, 20:39 Uhr
Letztlich geht es doch darum, Gewalt gegen Frauen zu vermeiden, oder? Wenn dem so ist, dann wird vermutlich kein Gesetz der Welt helfen, die Gewalt tatsächlich zu reduzieren, wenn nicht grundlegendere Diskussionen geführt werden. Dass ein "Nein" alleine schon ausreichen muss, um dann dennoch erzwungenen Sex strafbar zu machen, ist selbstverständlich, da es ein unrechtmäßiger Eingriff in die schutzbedürftige Intimsphäre eines anderen Menschen ist. Aber mit Gesetzen alleine lassen sich keine Ursachen beseitigen. Diese sind meines Empfindens nach tiefer verwurzelt, z.B. in gesellschaftlichen Strukturen.


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Die Zahl der falschen Beschuldigungen ist viel höher
agt69 gestern, 18:38 Uhr
Als Vater zweier Töchter wünsche ich mir für Sexualstraftäter, die der Tat überführt wurden, die härtest mögliche Strafe. Ich wehre mich gegen jede Form der Verharlosung sexuellen Mißbrauchs und Aussagen wie "sie hat es doch auch gewollt" oder "dann hätte sie sich anders anziehen müssen" sind für mich das allerletzte. Ich unterstütze jede Verschärfung des Sexualstrafrechts! Ich finde es aber nicht in Ordnung, wie in diesem Artikel über die Möglichkeit einer Falschbezichtigung hinweggewischt wird, als sei das alles ein Hirngespinnst des Patriarchats. Die Aussage, die Quote falscher Beschuldigungen läge bei 3%, ist einfach nicht haltbar. Ich zitiere hier aus einem Artikel der ZEIT: " Der Kieler Psychologieprofessor Günter Köhnken, einer der gefragtesten Glaubwürdigkeitssachverständigen Deutschlands, schätzt die Quote der Falschbeschuldiger unter den von ihm Untersuchten auf 30 bis 40 Prozent. Klaus Püschel, Direktor des Rechtsmedizinischen Instituts Hamburg, das die größte deutsche Opferambulanz betreibt, konstatiert, im Jahr 2009 hätten sich 27 Prozent der angeblich Vergewaltigten bei der ärztlichen Untersuchung als Scheinopfer erwiesen, die sich ihre Verletzungen selbst zugefügt hatten. Nur in 33 Prozent der Fälle habe es sich erwiesenermaßen um echte Opfer gehandelt, bei den restlichen 40 Prozent sei die Rechtsmedizin zu keinem eindeutigen Ergebnis gekommen. Die Tendenz zum Fake hat laut Püschel erst in den vergangenen Jahren eingesetzt. Bis dahin habe die Falschbeschuldigungsrate über Jahrzehnte konstant bei fünf bis zehn Prozent gelegen." Nachzulesen hier: http://www.zeit.de/2011/28/DOS-Justiz/komplettansicht (http://www.zeit.de/2011/28/DOS-Justiz/komplettansicht) Falschbeschuldigung wird im Sexualstrafrecht zu einem zunehmenden Thema, grade wenn die Beziehung in die Brüche geht und Sorgerechts- und Unterhaltsstreitigkeiten anstehen. Daher ist es auch sinnvoll, wenn der Gesetzgeber dies berücksichtigt und Polizei und Gerichte entsprechend sensibilisiert werden. Ich würde mir von einer bekennenden Feministin wie Ihnen, Frau Stokowski, einmal einen Artikel wünschen, die mit all jenen Ihrer Geschlechtsgenossinnen hart ins Gericht geht, die den Vorwurf der Vergewaltigung für ihre persönliche Rache, oder einfach nur zum finanziellen Vorteil nutzen und damit den wirklichen Opfern schwersten Schaden zufügen.


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SchlechteReformSchlechterKommentar
Barillapestoistliebe gestern, 18:32 Uhr
Grundsätzlich haben Sie ja Recht. Der neue Entwurf ist nicht gerade ein Glanzstück. Ihr Kommentar liest sich aber ein bisschen arg einseitig. Zum Beispiel wenn Sie darauf hinweisen, dass nur ein Bruchteil der tatsächlichen Vergewaltigungen angezeigt wird. Hier muss man durch bessere Aufklärung oder möglicherweise einer geeigneten Anlaufstelle für Frauen in so einer Situation Abhilfe leisten. Ein schärferes Gesetz hilft da erstmal auch nicht. Das "Nein heißt Nein" sollte trotzdem rein. Es ist nachvollziehbar dass es Frauen gibt, die aus Panik/Schock/Angst die Sache einfach nur hinnehmen weil sie sich nicht mehr trauen sich zu wehren. Trotzdem glaube ich dass das vor Gericht einfach schwierig wird wenn es sonst keine Beweise gibt. Letztlich heißt es im Strafrecht grundsätzlich "im Zweifel für den Angeklagten". Wo wir wieder bei dem Punkt wären, dass das grundsätzliche Problem der geringen Verurteilungen und Anzeigen dadurch auch nicht verbessert wird. Der Vorwurf dass die bösen Männer hier Schuld sind, an die immer zuerst gedacht wird finde ich aber daneben. Und zu Ihrer Statistik, wie viele Männer Opfer falscher Beschuldigungen werden: Das ist im Übrigen umstritten. Fakt ist, auch wenn das Verfahren eingestellt wird, ist danach das Leben für den betroffenen Mann gelaufen. Zumindest wenn es ein Mann ist der irgendwie richtig im Leben steht und soziale Bindungen sowie einen ordentlichen Beruf hat. ... In diese Richtung muss also auch gedacht werden. Verstehe nicht, wieso man da nicht normal diskutieren kann was das Beste ist, sondern so einen merkwürdigen Geschlechterkampf daraus machen muss.

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Problem mit dem Inhalt der Kolumne
Racer77 gestern, 18:30 Uhr
Ich habe ein ganz klares Problem mit dem Inhalt dieser Kolumne. Es wird mir einmal wieder zu pauschal davon ausgegangen, dass Frauen immer nur Opfer und Männer immer nur Täter bei Vergewaltigungen sind. Wenn im Text steht, dass 85-95% aller Frauen eine Vergewaltigung nicht anzeigen, so vermute ich mal, dass mindestens 99% der Männer eine Vergewaltigung nicht anzeigen werden. Sei diese Vergewaltigung von einer Frau oder einem Mann durchgeführt worden. Ja, auch Frauen können Männer vergewaltigen, also zum Sex zwingen. Kommt insbsondere bei Vergewaltigungen im Rahmen einer Beziehung vor. Aber sowohl in diesen Fällen als im auch im Fall häuslicher Gewamt wird leider immer noch vom männlichen Täter und weiblichem Opfer ausgegangen. Vielleicht muss man das auch einmal aus den Hirnen der Feministinnen auskratzen, wie ja die liebe Frau Stokowski es mit dem Patriarchat bei den Männern tun möchte...


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Ich als Mann
bouncyhunter gestern, 19:24 Uhr
möchte erobert werden!Kommt her ihr Frauen!Nach den ersten Körperkontakten eurerseits entscheide ich selbst ob ich das stimulierend finde,oder einen Grund für eine Anzeige suche(vielleicht abhängig von eurem Aussehen oder Geldbörse).Auch ein von mir dahingehauchtes "Nein" könntet ihr als kokette,laszive Anweisung deuten,es weiter zu versuchen.Viel Spass mit mir!!!


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Wenn es nicht...
arlteagan gestern, 20:33 Uhr
...so traurig wäre, könnte man sich fast darüber amüsieren, wie diese Debatte geführt wird. Worum geht es denn hier? Es sollen Menschen geschützt werden vor kriminellen Übergriffen in die Selbstbestimmung. Absolut richtig! Aber während einige der Beteiligten Vergleiche ziehen, drehen andere die Worte von rechts nach links - und insgesamt wird das Thema (mal wieder) eher zerstückelt als gelöst. Warum ist es denn so wichtig, genaue "Abläufe" festzuschreiben? Ist es tatsächlich nötig, dass ein "Nein" geäußert werden muss? Gilt das dann nur für die deutsche Sprache - oder ist ein "Non" auch okay? Fällt "Bitte nicht" oder "Lass mich in Ruhe" auch darunter? ... Es geht doch darum, dass Menschen sich gegen (sexuelle) Gewalt wehren können bzw. davor geschützt werden. Und wer bei anderen diese Selbstbestimmung missachtet, soll bestraft werden. Wie wäre es, wenn auch der gesunde Menschenverstand mal wieder zählen darf? Auch die Gerichte machen sich ja ein Bild von der Tat - und alle möglichen Konstellationen sind in Worten von Paragraphen gar nicht abzubilden. Reicht es denn nicht, den Strafrahmen für Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung festzulegen? Und warum wird überall Gerechtigkeit betont - und selbst von mutmaßlich sehr gebildeten und informierten Menschen ständig von Frauen als Opfern gesprochen? Sind Männer per definitionem immun gegen sexuelle Gewalt? Ich finde es unfassbar schade, dass ein so wichtiges Thema nicht so vernünftig behandelt wird, wie es möglich wäre. Daten gibt es genug - und intelligente Menschen gibt es auch genug. Aber das scheint auch in Kombination nicht zu reichen. Frustrierend.


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Vergewaltigungsparagraf
Mimeu gestern, 18:27 Uhr
Also nur zur Erinnerung: Schon jetzt ist es strafbar, gegen den Willen des anderen jemand zum Sex zu zwingen. Das muss auch nicht mit Gewalt sein. Es geht auch mit Drohungen, Ausnutzen von Machtstellungen, und mehr. Es stimmt einfach nicht, dass Sex gegen den Willen des anderen nicht bestraft werden kann. Also gilt heute schon, dass Nein Nein heißt. Die Probleme, etwas zu beweisen, wenn zwei Leute miteinander allein waren, werden dieselben bleiben, auch wenn man die Strafen verschärft.


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Furiosus gestern, 18:22 Uhr
Warum ist es denn für die Autorin und andere Laien so schwer zu verstehen, dass es sich um ein Beweisproblem und nicht um ein materielles Rechtsproblem handelt, was dazu führt, dass keine Reform daran etwas ändern könnte. Ein nein reicht auch heute, entgegen falscher anderslautender Behauptun, absolut für eine Vergewaltigungsstrafbarkeit aus. Das Problem ist, dass in einem Fall, in dem Aussage gegen Aussage steht und sonst keine Beweismittel (etwa Kampfspuren, daher dieser Mythos, dass verlangt würde, dass das Opfer sich wehrt ) in einem Rechtsstaat in dubio pro reo freigesprochen wird. Was ist die Lösung der Autorin? Unschuldsvermutung abschaffen? Das ist das einzige, was "helfen" würde. Damit würden wir uns vom Rechtsstaat verabschieden. Ansonsten muss die Autorin und alle anderen akzeptieren, dass es sich um ein rechtstaatliches Dilemma handelt, das schlichtweg nicht lösbar ist.


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So, jetzt nochmal was...
DDM_Reaper20 gestern, 19:25 Uhr
...als Mann kann ich nur folgende Verhaltensregeln empfehlen, sollte ein Mann den Drang verspüren, mit einer Frau zu schlafen: 1. Sei absolut EHRLICH. Sage, was du willst, mit klaren Worten. --> "Willste ficken" ist "Wollen wir nicht schick was essen gehen und 'ne Runde tanzen" ganz klar den Vorzug zu geben, da mit ersterem ganz eindeutig geklärt ist, was der Abend bringen soll. Keine falsche Erwartungen wecken! 2. NIEMALS eine Frau mitnehmen (oder sich mitnehmen lassen), wenn Frau nicht den Eindruck erweckt, 100%ig Herrin ihrer Sinne zu sein. Das leiseste Anzeichen eines drohenden Kontrollverlustes von Seiten der Dame muss mit höflichem Rückzug beantwortet werden. 3. Es muss alles beweisbar sein. Die Bereitschaft zum Koitus muss von beiden Seiten lückenlos nachweisbar sein. Sprich: (Notariell) aufgesetzter Vertrag über den Beischlaf, von beiden Seiten zu unterzeichnen, im günstigsten Falle im Beisein zweier Zeugen (die sich, natürlich, per Personalausweis auszuweisen haben; Freunde des Mannes sind NICHT zugelassen). Natürlich muss ebenfalls genau Klarheit darüber geschaffen werden, was geht und was nicht geht. Die Benutzung von Kondomen bzw. deren Unterlassung ist festzuhalten (siehe Fall Assange!). Sollte die Frau sich bereitfinden, darauf zu verzichten, ist sie anzuhalten, dies leserlich (!) handschriftlich zu bekunden, versehen mit Ort, Datum, Uhrzeit, Unterschrift. Des Weiteren muss der eigentliche Akt natürlich aufgezeichnet werden, am besten mit mindestens vier Kameras (UHD-Auflösung dringend empfohlen, um Unklarheiten zu vermeiden). Alle 15 Sekunden sind dabei vom Mann sämtliche Aktivitäten einzustellen; dieser hat sich durch Nachfragen zu vergewissern, dass die Frau weiterhin seine sexuelle Aufmerksamkeit wünscht. Dies ist schriftlich festzuhalten! 4. Nach erfolgtem Verkehr haben beide Seiten schriftlich zu versichern, dass der Verkehr der Frau nicht aufgezwungen wurde; auch dies ist schriftlich zu fixieren. Kopien von der Videoaufnahme gehen an beide. 5. Am sichersten ist es, wenn beide Parteien nach erfolgtem GV unverzüglich eine Sexual-Ombudsperson aufsuchen, die beide Partner nochmals befragt, ggf. mittels Alkoholtester auf (Geschlechts)verkehrstauglichkeit überprüft und Kopien vom Video anfertigt, um nachträgliche Manipulationen ausschließen zu können. So, wem das jetzt arg zynisch rüberkommt: Wäre ich nicht verheiratet, und zwar mit einer Frau, die mir stets genau sagt, was sie will (und nicht will), würde ich mich ganz sicherlich an Punkt 1 halten (aber, sehr viel wahrscheinlicher, würde ich es ganz einfach bleiben lassen).


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hinschauen gestern, 19:45 Uhr
Und der umgekehrte Fall: Frau fasst Mann zwischen die Beine? Habe ich selbst erlebt und oft genug bei anderen gesehen, wenn Frauen stark alkoholisiert waren. Ich sagte "Nein", mehrfach - was nichts half. Selbst Wegdrücken half nichts. Und wenn ich dann darüber nachdenke, wegzuschubsen oder gar zu schlagen, bin ich ganz schnell in der Situation, dass ICH der Gewalttäter bin. Denn Beobachter, die sehen, dass ein Mann eine Frau schubst oder schlägt, fragen in der Regel nicht nach Umständen oder Gründen, sondern helfen sofort der Frau. Was lernen wir daraus: Die Realität, Frau Stokowski, und Ihre Vorstellungen passen oft schwer zusammen.



Aus: "Sexualstrafrecht: Wäre die Vagina doch ein Auto" Aus einer Kolumne von Margarete Stokowski (28.04.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sexualstrafrecht-waere-die-vagina-doch-ein-auto-kolumne-a-1089732.html (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/sexualstrafrecht-waere-die-vagina-doch-ein-auto-kolumne-a-1089732.html)
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on May 18, 2016, 09:21:51 AM
""Critical Whiteness": Die unsichtbare weiße Norm" Christoph David Piorkowski (17.05.2016)
„Critical Whiteness“, die "kritische Weißseinsforschung", versteht Rassismus als gesellschaftliche Struktur und beschreibt „Weißsein“ als häufig unerkanntes Privileg.
Unmittelbar nach den Übergriffen in der Kölner Silvesternacht titelte der „Focus“ mit einem Bild, das einen von schwarzen Handflächen besudelten weißen Frauenkörper zeigte. Die physische Markierung der blonden Weißen durch die schwarzen Hände offenbarte dabei jene symbolische Markierung, mit der Menschen of Colour im Kontext einer „weißen“ Wissensbildung bis heute versehen werden. Die Darstellung bediente sich des Stereotyps vom dunkelhäutigen, triebgesteuerten Orientalen als minderwertigem Gegenbild zum weißen, vernunftzentrierten Abendländer.
Rassismus hat trotz der wissenschaftlichen Diskreditierung des Rassekonzepts weltweit Konjunktur, zumal in Deutschland, wo sich die sogenannte „Volkszugehörigkeit“ ungeachtet der Schoah bis heute über Abstammung definiert. Auch wenn sich die Gesetzeslage allmählich aufweichen sollte, ist das Ius sanguinis tief in den Köpfen der Menschen verankert.
Dass die Jurorin einer beliebten deutschen Casting-Show ihre dunkelhäutige Teilnehmerin auf deren vermeintliche Fremdheit verpflichtet, obwohl diese Deutschland als Herkunftsland aufführt, bringt die ganze Misere auf den Punkt. Nicht bloß wer in Sachsen „Wir sind das Volk“ skandiert, auch wer einem Schwarzhaarigen mit dunklerem Teint zu seinen guten Sprachkenntnissen gratuliert oder fragt, wo dieser denn eigentlich herkomme, setzt deutsch mit weiß (und christlich) in eins.
Gerade vor dem Hintergrund der in Deutschland aufkeimenden Volksdiskurse lohnt ein Blick auf das in den letzten Jahren viel diskutierte, aus den Thinktanks der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung herrührende Konzept „Critical Whiteness“. Anfang der Nullerjahre gelangte es unter dem etwas sperrigen Label „Kritische Weißseinsforschung“ nach Deutschland und wird seither von verschiedenen Fachbereichen wie der Literaturwissenschaft, der Soziologie und der Afrikanistik rezipiert. Gleichzeitig haben die theoretischen Grundsätze Eingang in die antirassistische Praxis verschiedener Autoren- und Aktivistengruppen gefunden. Weit davon entfernt, eine einheitliche Theorie zu sein, ist den verschiedenen Ansätzen jedoch eines gemeinsam: Rassismus wird nicht als alleiniges Problem zu spät gekommener Hinterwäldler, sondern als eine die Gesellschaft strukturierende Matrix verstanden. ...
http://www.tagesspiegel.de/wissen/critical-whiteness-die-unsichtbare-weisse-norm/13600832.html


"Menstruation: Die blutige Revolution" Sophie Schimansky, New York (24. Mai 2016)
Plötzlich wird in den USA öffentlich über Menstruation gesprochen. Angestoßen hat die Debatte eine junge Unternehmerin mit provokanter Werbung für einen neuartigen Slip. ... Bisher behandeln Schulen Menstruation nur am Rande. Grundschülerinnen etwa werden an einem einzigen Tag über die Menstruation aufgeklärt, oft dürfen die Jungen in der Klasse dabei nicht anwesend sein. Gegenüber Männern erwähnen viele Amerikanerinnen das Thema nicht gern. Kein Wunder, da viele Männer das Thema entweder ignorieren, eklig finden oder schlimmstenfalls frauenverachtende Kommentare dafür übrig haben. Ein Beispiel dafür ist der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump. Vor laufender Kamera beleidigte er die TV-Journalistin Megan Kelly, indem er sagte, sie sei wohl gerade so bissig, weil sie aus den Augen und "woraus auch immer" blute. Firmengründerin Agrawal findet es unerträglich, dass öffentlich auf diesem Niveau diskutiert wird. "Ich will, dass Menschen über die Periode reden, ohne Scham zu empfinden", sagt sie. ...
http://www.zeit.de/wirtschaft/2016-05/menstruation-thinx-usa-debatte-slips


"Kalter Krieg der Geschlechter" Stephan Schleim (30.05.2016)
Ein wesentlicher Grundpfeiler feministischer Diskurse ist die Berufung auf die allgemeine Aussagekraft subjektiver Erlebnisse (engl. "lived experience") unter Rückgriff auf Arbeiten des Phänomenologen Wilhelm Dilthey (1833-1911). Das wird von manchen heute so verstanden, dass die geäußerten Erfahrungen einer Sprecherin nicht hinterfragt werden dürfen.
Erlebte Mikroaggressionen sind dann Mikroaggressionen, erlebte sexuelle Belästigungen sind dann sexuelle Belästigungen; und erlebte Vergewaltigungen sind dann Vergewaltigungen. Die "skeptische Feministin" Janet Radcliffe Richards, Professorin für Praktische Philosophie an der Oxford University, wies schon in den 1980er und 1990er Jahren wiederholt darauf hin, zu welchen Problemen in der Debattenkultur es dadurch kommt.  ...
So berichtete der Guardian, dass Diskussionen zu umstrittenen Themen wie Prostitution, Abtreibung, Islam oder Transgenderismus schwieriger und teurer durchzuführen würden; letzteres wegen kostspieliger Sicherheitsmaßnahmen. Aufgrund von Protesten hätten Veranstaltungen bereits wiederholt abgesagt werden müssen. ... Universitäten, einst ein Ort der (gerne auch kontroversen) Ideenvielfalt, würden sich zunehmend darum sorgen, niemandem emotional zu nahe zu treten. Ansonsten drohe ein Publicityschaden. ...
In der Debatte um Sexismus und Feminismus wird viel von Gleichberechtigung und Gleichstellung geredet. Wie hier gezeigt wurde, wird Gewalt gegen Männer von politischer und institutioneller Seite aber oft noch nicht einmal erhoben. Ich halte es für fraglich, ob die angestrebte, gerechte und gewaltfreie Gesellschaft erreicht werden kann, wenn man mehr als die Hälfte der Opfer schwerer Gewaltverbrechen schlicht aus der Diskussion ausklammert.
Diesem Widerspruch scheinen sich auch manche Feministinnen bewusst zu sein: Wenn das Normale nicht kriminell genug ist, dann kriminalisiert man eben das Normale. Hinweise darauf sind neben der einseitigen Definition von "Vergewaltigung" in den USA oder dem unplausibel weit gefassten Begriff der "sexuellen Belästigung" in der Prävalenzstudie des Frauenministeriums auch die Mikroaggressionen. Wie es ein Telepolis-Leser jüngst im Forum formulierte: Kommen als Nächstes noch Nano-, Piko- und Femtoaggressionen? ...
Für Männer sollte aber auch deutlich werden, dass sie den Diskurs darüber, wie Menschen im 21. Jahrhundert miteinander umgehen, nicht nur einer Seite überlassen können. Anzeichen eines Männer-sind-Täter-Denkens finden sich schon heute. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48267/1.html

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     Gast-Redner, 30.05.2016 09:46

Sex, Aberglaube und Pseudomoral

Es ist immer wieder das Gleiche, in einer egoistischen Gesellschaft wird jedes Mittel genutzt, um sich Vorteile oder die Kontrolle über andere zu beschaffen. Männer tun das, Frauen auch.

Männer tun es, in dem sie Frauen jegliche Rechte absprechen und sie zu „Dingen“ degradieren. Deshalb gibt es Zwangsheirat, in dem sich die reichen Männer die Frau aussuchen können und ohne sie umwerben zu müssen bekommen.
Frauen tun es, in dem sie eine opulente Feier verlangen (um den Stand sicherzustellen) und sich vertraglich versichern lassen, dass sie bis zum Tode versorgt wird, heute sogar zwei Mal. Das nennt man Heirat oder Eheversprechen.

Mit der Aufklärung wurden diese Muster etwas aufgeweicht und ummodelliert, aber ganz verschwunden sind sie nicht. Beispiel: als ich noch ein armer Student war und nur ein paar Jeans hatte, haben die Mädels oft die Augen verdreht, wenn ich mit denen ins Gespräch kommen wollte. Dabei hatte ich sehr, sehr viele „Freundinnen“, die sich oft gemeldet haben, wenn sie Probleme beim Lernen oder mit dem Computer hatten, bei mir übernachten wollten oder Hilfe beim Umzug brauchten, oder wenn sonst was nicht in Ordnung war. Ganz verkehrt konnte ich so doch nicht sein, oder? Aber, zum Tanzen oder in den Urlaub gingen sie mit den Jungs mit den BMWs oder sonstigen Karren, mit den hübschen Anzügen und Goldkettchen. Sie waren in der Regel 2-3 Jahre älter, aus „gutem Hause“ und kein Kind des Proletariats, wie ich.

Wo liegt das Problem? Es gibt viele Frauen, welche es als Belästigung ansehen, wenn sie jemand anspricht, der nicht der Qualitäten eines Clooneys oder Pitts hat, da kann man noch so charmant sein oder echte Gefühle zeigen. Aber, nicht jeder kann es eben so charmant rüberbringen und hat auch nicht die Kohle und den Flair dieser Omegas. Aber, die Frauen vergessen auch eins: auch sie sind nicht immer die Omegas, für die sich halten; was nutzt mir eine Hübsche, wenn ihre einzige Themen Klamotten und Nagellack ist und ihr einziges Interesse an mir ist, ob sie sich dann noch mehr Klamotten und noch mehr Nagellack leisten kann. Aber, um sowas rauszufinden muss Mann die Frau ansprechen und sie kennenlernen und sie muss fairer Weise ihm dazu eine Chance geben und nicht sofort „Belästigung“ schreien.

Und das letzte: so viele gestörte Männer es geben soll, so viele Frauen gibt es auch. Frauen sind keine Engel, die nur „spielen“ wollen, sie haben durchaus handfeste (biologische) Interessen. Es gibt Männer, die gegenüber Frauen gewaltig sind und das darf nicht toleriert werden. Es gibt aber auch sehr viele Frauen, die sehr gewalttätig sind, meist nicht körperlich. Aber, Liebesentzug, das permanente herumhacken am vermeidlich schlechtem Lebensstandard, das sie sich nichts leisten kann, dass sie daheim so viel arbeiten muss, diese permanente „Unzufriedenheit“ tun dem Männern genau so weh, als würde man sie jeden zweiten Tag verprügeln und das meine ich wörtlich. Es gibt Studien die zeigen, dass seelischer Schmerz die gleichen Wunden und Traumata hinterlässt, wie körperlicher.

Und dass sollen Frau und Mann einsehen: sie sind zwei Teile einer Einheit, unterschiedlich, aber ergänzend. Keiner kann wirklich ohne den anderen glücklich leben. Deshalb sollten Frauen lernen, auch mal charmant zu sein, wenn ein Typ nicht gerade den(!) Einfall des Jahrhunderts hat, um sie anzusprechen und Männer sollten ab und zu zuhören, was uns die Mädels so erzählen.

Und für beide gilt: auf dem Teppich bleiben, sich auf Augenhöhe begegnen.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (30.05.2016 09:49).


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on May 31, 2016, 09:47:05 PM
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[...] Die Künstlerin Sophia Hewson will das Thema Vergewaltigung entmystifizieren und die Unterdrückung von Frauen in der Gesellschaft aufbrechen. Daher stellte sie selbst eine nach. ... Mit Performance-Kunst möchte die australische Künstlerin Sophia Hewson auf die patriarchalische Natur von sexueller Gewalt aufmerksam machen: Sie filmte sich selbst bei einer „Vergewaltigungsdarstellung“. Dafür lud sie einen fremden Mann mit dem Pseudonym „Bob“ in ihr New Yorker Zuhause ein und filmte sich beim Sex.

Die 31-jährige Künstlerin thematisiert mit ihrem Video die Beziehung zwischen weiblicher „Objektivierung“ und männlicher Dominanz. Sie versteht Vergewaltigung nicht nur als ungewollten Sexualakt, sondern als Teil unserer patriarchalischen Gesellschaftsordnung. Geht es nach der Künstlerin müsse man beim Kampf gegen die männliche Dominanz in der Gesellschaft genau an dieser Stelle ansetzen. „Wenn eine Vergewaltigung die ultimative Waffe zur weiblichen Beherrschung ist, dann untergräbt jede andere Reaktion als permanentes Betroffensein diese Beherrschung.“

Die bewusste und freiwillige Entscheidung, das Gesicht einer Frau während der Vergewaltigung zu zeigen, sei laut Sophia der beste Angriff auf das Patriarchat. Damit die männliche Unterdrückung von Frauen in der Gesellschaft aufgehoben werden kann, müsse das Thema Vergewaltigung entmystifiziert werden.

... Laut Sophia leben wir in einer Welt, in der wir gezwungen werden, bei Vergewaltigungsverbrechen eine Entscheidung zu treffen: Ist sie eine tief bestürzte Frau oder ein schuldiges Flittchen? Ist er ein diabolischer Verbrecher oder ein gequälter Mann? Gerade auch Sophias selbst gewählte Opferrolle und der Sex mit einem fremden Mann im Namen der Kunst würde die Frage nahelegen: Wer benutzt hier wen?

... Ihr Video würde sich gegen die Scham und Stigmatisierung von Opfern von sexuellen Übergriffen richten. Es sei zudem eine Hommage an all jene Künstlerinnen, die ihren Körper bewusst dazu einsetzen, die patriarchalische Gesellschaftsordnung zu destabilisieren.

In einer Stellungsnahme auf ihrer Website schreibt Sophia: „Ich hatte nie Vergewaltigungsfantasien und empfand beim Dreh keinerlei körperlichen Gefallen.“ Das vollständige Video gibt es ausschließlich im Rahmen ihrer Ausstellung in Melbourne zu sehen.

...

Aus: "Künstlerin simuliert eigene Vergewaltigung, um männliche Dominanz aufzubrechen" Philipp Kienzl (05/2016)
Tags: Dominanz, Film, Geschlechterrollen, Kunst, Simulation, Unterdrückung, Vergewaltigung
Quelle: http://ze.tt/kuenstlerin-simuliert-eigene-vergewaltigung-um-maennliche-dominanz-aufzubrechen/ (http://ze.tt/kuenstlerin-simuliert-eigene-vergewaltigung-um-maennliche-dominanz-aufzubrechen/)


The video Untitled ("are you ok bob?") shows the face of the artist as she experiences a selforchestrated 'rape representation'. The scene was arranged and choreographed by the artist, it was also unsimulated and enacted by a stranger who came to her home. ...
http://media.wix.com/ugd/215773_71efbeec1afa42159d8250664abe9806.pdf (http://media.wix.com/ugd/215773_71efbeec1afa42159d8250664abe9806.pdf)

http://www.sophiahewson.com/ (http://www.sophiahewson.com/)
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 11, 2016, 09:18:15 PM
Gina-Lisa Lohfink (* 23. September 1986 in Seligenstadt, Hessen)
https://de.wikipedia.org/wiki/Gina-Lisa_Lohfink

"Fall Lohfink: Pornhub löscht mutmaßliches Vergewaltigungsvideo" (11. Juni 2016)
Die Porno-Plattform Pornhub versteht es gute PR zu machen. Von einem Weltraumporno bis zu einem Masturbationsband – die Plattform weiß, wie sie Aufmerksamkeit auf sich zieht. Umso verwunderlicher ist der Fall um die Deutsche Gina-Lisa Lohfink. Sie steht wegen angeblicher Falschaussage vor Gericht. Vor vier Jahren hatte sie eine Vergewaltigung zu Anzeige gebracht. Dazu gibt es auch ein Video, in dem Lohfink mehrmals "Hör auf" sagt und um "Hilfe" ruft. Der Clip findet sich seit längerem im Netz – unter anderem auch auf Pornhub, wo das Video bereits mehr als eine Million Mal angesehen wurde. Erst als Spiegel Online die Plattform kontaktierte, wurde der Clip offline genommen. Das Video war auf Pornhub mehr als ein Jahr lang online. Offenbar war die Verbreitung des Videos bereits bei der Aufnahme geplant. Wenige Tage nach dem Vorfall im Juni 2012 wurde das Video Redaktionen angeboten und dabei auch als "Vergewaltigungsvideo" beworben. Nachdem niemand den Clip wollte, wurde dieser offenbar ins Netz gestellt, um die Frau zu demütigen. Einer der Männer wurde bereits verurteilt, weil er das Video verbreitet und damit gegen die Persönlichkeitsrechte Lohfinks verstoßen hatte. Die Plattformen, auf denen das Video eine lange Zeit zu sehen war, wurden nicht belangt. Auf Pornhub gibt es auch weiterhin kürzere Fassungen des Clips. In den Kommentaren dazu schreiben einige Nutzer, dass es sich dabei um eine Vergewaltigung handelt – reagiert wurde von der Plattform nicht und so sammelt das Video weiterhin tausende Klicks täglich. Die öffentliche Demütigung mit veröffentlichten Sexvideos im Netz ist kein neues Phänomen. Sogenannte Racheporno-Websites gab es bereits zuhauf und kommen immer wieder neu auf. Dort finden sich etliche Sexclips oder Nacktbilder, die während einer Beziehung aufgenommen wurden und nach dem Bruch online gestellt werden, um die Ex-Partnerin oder den Ex-Partner zu demütigen. ...
http://derstandard.at/2000038720961/Gina-Lisa-Lohfink-Video-von-Vergewaltigung-weiterhin-auf-Porno-Portalen?dst=

"Interview mit Gina-Lisa Lohfink: "Muss ich erst umgebracht werden?"" (11.06.2016)
..."Es kann nicht sein", sagt Lohfinks Anwalt Burkhard Benecken aus Marl, "dass meine Mandantin von der Justiz in eine Schublade gesteckt wird." Offenbar gelte das Motto: "Kurzer Rock, große Brüste - die taugt nicht als Vergewaltigungsopfer."...  SPIEGEL ONLINE: Viele Menschen machen Ihnen Mut. Wie erleben Sie diese Welle der Solidarität? Lohfink: Was da im Internet abgeht, ist unglaublich. Es rührt mich sehr, dass sich so viele Leute hinter mich stellen. Sogar A-Promis, Feministinnen, Menschen, die mich früher nie ernst genommen haben. ...
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/fall-gina-lisa-lohfink-muss-ich-erst-umgebracht-werden-a-1097049.html


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Gina-Lisa Lohfink wehrt sich, doch das Ganze verkommt zur Boulevardposse, zum respektlosen Celebrity-Tratsch, zur Lachnummer – die für das Opfer auch noch teuer werden soll. Sie erhält einen Strafbefehl und soll wegen Falschbeschuldigung 24.000 Euro zahlen. Ich staune. Das Video, das die Übergriffe zeigt, wird lapidar als „Sex-Video“ bezeichnet. Die Abwesenheit von Konsens ist also „Sex“. Ich staune. Lohfink ist bei der Geschichte wahlweise ein „Busensternchen“ oder die „wasserstoffblonde Hessin“ – ich staune weiter.

Als Anfang dieses Jahres die US-amerikanische Sängerin Kesha Sebert dazu verpflichtet wurde, weiterhin mit ihrem Label Sony und ihrem ehemaligen Produzenten Dr. Luke zusammenzuarbeiten, war der Aufschrei groß. Weltstars wie Lady Gaga solidarisierten sich mit ihr, und auch in Deutschland verfolgte man den Fall mit Interesse und medial einigermaßen behutsam.

Als die Porno-Darstellerin Stoya via Twitter berichtete, dass ihr Ex-Freund sie während ihrer Beziehung vergewaltigte, hörte man ihr zu. Sie entfachte eine Debatte über sexuelle Gewalt in der Porno-Branche – und auch diese Diskussion reichte glücklicherweise bis nach Deutschland. Die WELT schrieb ein Porträt über Stoya, ein großes, ein respektvolles Porträt: „Sie liest Foucault, schreibt feministische Texte und hat einen weltberühmten Kollegen der Vergewaltigung bezichtigt: Stoya ist die neue Ikone der kritischen Intelligenz.“

Keins der vielen Schmierblätter in Deutschland fand in den letzten Tagen ähnlich große Worte für Gina-Lisa Lohfink. Respekt und Solidarität – das sind Attribute, die viele deutsche Medien im Umgang mit Lohfinks Geschichte anscheinend unbedingt vermeiden möchten. Die Bildungsbürgernation-Schreibergarde weiß nicht viel anzufangen mit einer, die unter anderem durch GNTM, Big Brother, den Wiener Opernball bekannt wurde. Dabei führt Lohfink gerade stellvetretend einen wichtigen Kampf für viele – und erträgt stoisch Häme und Spott der Medien und Öffentlichkeit.

Die WELT, die Monate zuvor immerhin noch Stoya die Hand reichte, weiß heute über Gina-Lisa nur folgendes zu berichten:
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    „Lohfink, der Name steht für Skandale, die meisten selbst inszeniert.“

    „Die windige Geschichte von einem Sex-Video.“

    „Hier eine Affäre mit einem bekannten Fußballer, dort ein Nackt-Shooting mit dem Playboy. Dazwischen Auftritte als DJane oder Jobs als Gesicht der Erotik-Messe Venus.“

    „Das ist nichts Ungewöhnliches. Sie hat schon häufiger ähnliche Filme gedreht und im Internet vermarktet.“

Zwischen all dem Victim-Blaming, dem Slut-Shaming, den ganzen Rape-Culture-Apologien, liest man dann Sätze wie diesen: „Aber in diesem Film wirkt sie wie ausgewechselt. Merkwürdig abwesend, nein, abwehrend. Sie liegt auf einer Couch, dreht den Kopf zur Seite und wiederholt immer dieselben Worte: „Hör auf!“

Eine Frau, die immer wieder dieselben Worte sagt: „Hör auf.“ Was will mir die WELT mit diesem Artikel sagen? Dass, wenn eine Frau mehrfach „Hör auf“ sagt, es wichtig ist zu wissen dass sie „für Skandale, die meisten selbst inszeniert“, steht? Dass, wenn eine Frau mehrfach „Hör auf“ sagt, es wichtig ist zu wissen dass ihre Haare „wasserstoffblond“ sind? Dass, wenn eine Frau mehrfach „Hör auf“ sagt, man wissen sollte dass sie schon mal eine Affäre mit einem bekannten Fußballer hatte und im Rahmen ihrer beruflichen Tätigkeit auch eine Erotik-Messe promotet hat? Dass, wenn eine Frau „Hör auf“ sagt, das „nichts Ungewöhnliches“ ist, weil sie schon „häufiger ähnliche Filme gedreht und im Internet vermarktet hat“? Dass wegen all dieser Sachverhalte, wegen ihres Aussehens, ihres Lebens- und Kleidungsstils, ihrer beruflichen Tätigkeiten das „Nein“ von Gina-Lisa Lohfink weniger wert ist? Das „Nein heißt nein“ nur dann gilt, wenn… ja, wann eigentlich? Wenn eine Frau nicht wasserstoffblond gefärbte Haare hat? Wenn sie keine Erotik-Messen bewirbt?

Dabei reicht es, allein Lohfink zuzuhören: „Diese Videos zu sehen, ist der Albtraum“, sagte sie vor ein paar Tagen. „Aber mir haben inzwischen so viele junge Mädels erzählt, dass ihnen auch schon solche Sachen passiert sind. Ich glaube, es hat schon Sinn, wenn ich das jetzt durchziehe. Nicht nur für mich, sondern für alle Frauen, denen nicht geglaubt wird.“



Aus: "Gina-Lisa Lohfink: Wenn ein „Hör auf“ nichts mehr wert ist" (6. Juni 2016)
Quelle: https://shehadistan.com/2016/06/06/gina-lisa-lohfink/ (https://shehadistan.com/2016/06/06/gina-lisa-lohfink/)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 12, 2016, 11:52:45 AM
Brock Allen Turner (born August 1, 1995) is an American convicted of sexual assault. He was a student and athlete at Stanford University who garnered international attention starting in early 2015 when he was arrested on five charges of rape. ...
https://en.wikipedia.org/wiki/Brock_Turner

„Du kennst mich nicht, aber du warst in mir“ Dobromila Walasek 7. Juni 2016 um 14:36 Uhr   
Der Fall Brock Turner ist derzeit in vielen US-Medien Thema Nummer eins. Was war passiert? Nach einer Verbindungsparty an der Elite-Universität Stanford im Januar 2015 vergewaltigte Turner eine Frau. Beide waren an dem Abend betrunken, die 22-Jährige, keine Studentin, war während der Gewalttat bewusstlos. Turner kam vor Gericht und wurde Anfang Juni dieses Jahres zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt.
Eine zu harte Strafe, findet Turners Vater. Schließlich seien es nur 20 minutes of action gewesen, nur 20 Minuten eines sexuellen Übergriffs – das schrieb er in einem Brief an den Richter. Die Stanford-Professorin Michele Dauber war daraufhin fassungslos. Sie postete einen Auszug des Briefes auf Twitter, wo die User bereits seit Tagen unter #BrockTurner über den Fall diskutierten. ... Brock Turner muss für nur sechs Monate ins Gefängnis, von denen er laut Guardian [http://www.theguardian.com/us-news/2016/jun/06/father-stanford-university-student-brock-turner-sexual-assault-statement] wohl nur drei wirklich absitzen muss. ...
http://blog.zeit.de/teilchen/2016/06/07/brock-turner-vergewaltigung-stanford-20-minuten/

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E.Wald #1 

…“waren doch nur 20 Minuten“… ach ne, was für eine Argumentation.
…ja, natürlich habe ich meine Frau erschossen, aber das war ja nur „1 second of action“, also quasi gar nichts. Das wäre ja voll ungerecht, wenn ich dafür ins Gefängnis müsste…


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M.Punkt #2

Eine weitere Perfidität in diesem Fall ist ja auch die Begründung des Richters zur Haftstrafe – dem Armen würde man sonst Steine in den Weg legen, er ist schließlich ein begnadeter Schwimmer mit Ambitionen. Es ist einfach eine riesige Schweinerei, dass es zugelassen wird, das sozialer Status so einen Einfluss auf das Urteil haben kann. ...


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"Übergriffe auf Frauen Debatte über Sexverbrechen an Universitäten" Christiane Heil, Los Angeles (09.06.2016)
Das Urteil gegen einen Studenten der kalifornischen Stanford Universität, der eine 23 Jahre alte bewusstlose Frau nach einer Feier sexuell missbraucht hatte, hat in den Vereinigten Staaten die Debatte über Vergewaltigungen an Universitäten weiter befeuert. Nach Appellen von Dan Turner, dem Vater des verurteilten Brock Turner, den Studenten nicht für den Rest seines Lebens als Vergewaltiger abzustempeln, forderte unter anderen der Pastor John Pavlovitz ein Ende der traditionellen Schönfärberei sexueller Übergriffe auf dem Campus. „Brock ist in diesem Fall nicht das Opfer. Das Opfer ist das Opfer“, ließ der Geistliche aus dem Bundesstaat North Carolina in einem offenen Brief wissen.
Trotz des Schuldspruchs wegen versuchter Vergewaltigung und sexueller Penetration mit einem Gegenstand hatte das Oberste Gericht des Bezirks Santa Clara den 20 Jahre alten Schwimmer der Hochschulmannschaft in der vergangenen Woche zu vergleichsweise milden sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.
Laut amerikanischem Justizministerium verbringen verurteilte Vergewaltiger in den Vereinigten Staaten durchschnittlich elf Jahre im Gefängnis. Nach dem Urteil hatten Hunderttausende Amerikaner bei der Petitions-Plattform „change.org“ und auf der Website des Weißen Hauses den Rücktritt des Vorsitzenden Richters Aaron Persky verlangt. Der Jurist, der ebenfalls an der Stanford Universität studierte und auch das Lacrosse-Team der Hochschule trainierte, begründete das Urteil mit Turners übermäßigem Alkoholkonsum vor den Übergriffen.
Dan Turner, der Vater des Sexualstraftäters, hatte zuvor an den Richter appelliert, seinen Sohn nicht für „20minutes of action“ mit Gefängnis büßen zu lassen, und damit der noch immer weitverbreiteten Ansicht beigepflichtet, es handele sich bei solchen Verbrechen um eine Art studentisches Männlichkeitsritual oder ein Kavaliersdelikt. Nach einer Studie des Justizministeriums in Washington wird mindestens jede vierte Studentin Opfer sexueller Übergriffe.
Während viele amerikanische Universitäten Missbrauch und Vergewaltigungen mit Rücksicht auf die eigene Reputation traditionell verschweigen, hatte die Universität von Stanford Brock Turners Tat im Januar 2015 umgehend angezeigt. ...
http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/kriminalitaet/sexuelle-uebergriffe-an-amerikanischen-universitaeten-14278365.html

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Kavaliersdelikt?
Andreas Schenzle, 10.06.2016 12:33
Folgen  Die Frau war so übel zugerichtet, dass die Studenten, die sie gefunden haben, spontan weinen mussten. Blut überall. In der Scheide der Frau fand man Tannennadeln und Erde. Der Vergewaltiger wird vielleicht nach einem Monat wegen guter Führung entlassen. Das ist ein Skandal.


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Bemerkenswert wie über den Fall der Studentin,
Michael Müller   (Thiago1968) - 10.06.2016 08:48
Folgen  die monatelang aus Protest gegen ihre vorgegebene Vergewaltigung eine Matratze über den Campus schleppte und bei der massive Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit aufkamen nach dem der Fall überall auch in Deutschland breitgetreten wurde, medial hinweg gegangen wird. Stattdessen wird scheinbar jeder Fall einer Vergewaltigung an US-amerikanischen Universitäten, zum Anlass für einen Artikel genommen. Interessant wäre auch mal was zu lesen wie ein Mann verhindern kann, dass er nicht von einer Frau mit der er Verkehr hatte, Monate oder Jahre später angezeigt wird, ohne dass er schon nur durch die Anzeige massivste Nachteile erfährt, wie der Ex-Freund der Frau mit der Matratze.

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Irgendwann muss es mit der Matratzen tragenden Frau auch mal gut sein
Folgen  Karla Hesse  (hessek) - 10.06.2016 14:51
Hier geht es aber nicht um eine Falschanzeige. Hier geht es um eine vergewaltigte Frau, an der man sich bewusstlos vergangen und Gegenstände in ihre Körperöffnungen eingeführt hat. Was meinen Sie, wie diese Frau jetzt durch das Leben gehen wird? Ehrlich gesagt, ist mein Mitgefühl mit ihr und jedem Menschen, dem sexueller Missbrauch widerfährt, größer, so wichtig ich den Schutz Unschuldiger finde und so sehr ich nachvollziehen kann, wie schlimm eine Falschanzeige ist.



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An alle, die jetzt relativieren
Jakob Fels  3  (Camenzind) - 09.06.2016 23:33
Folgen  und feministische Hysterie und "Hetze" beklagen: zeigen Sie zur Abwechslung mal etwas Empathie und stellen sich vor, es wäre Ihre eigene Tochter, die auf eine Eliteuni geht, an der es ein ganz normales "Männerritual" ist, sich ohne Einverständnis der Betroffenen am Körper einer Frau zu vergehen. Sind ja nur "20 minutes of action".

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Tja Herr Fels - und jetzt stellen Sie sich mal vor, Ihr SOHN würde zu Unrecht einer Straftat
Folgen  Mirco Hayen  13  (ebmile) - 10.06.2016 14:38
bezichtigt. Sein Ruf ruiniert, sein Job weg und 10 Jahre Gefängnis. Was sagen Sie dazu? Wie Herr Lyck sagt - wenn man das Thema in der Breite diskutieren will, muss man sich eben die Mühe machen, die Problemlagen auf BEIDEN Seiten zu sehen. Dieser "Stell Dir vor...Tochter"-Ansatz ist aber gänzlich einseitig, ebenso eine "uferlose" Definition von Belästigung, nur um auf hohe Zahlen zu kommen. Das hat dann auch nichts mit bagatellisieren zu tun, Frau Mertens, sondern ist schlichtweg (der Versuch?) einen halbwegs objektiven (!) Blick auf eine komplexe Diskussion zu werfen.


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Danke, Herr Fels
Folgen  Cornelia Mertens  (cmert) - 10.06.2016 12:41
für ihren Beitrag. Wie die im Artikel beschriebene Vergewaltigung hier in manchen Leserbeiträgen bagatellisiert wird, ist wirklich unerträglich.



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Mit farbigen Amerikanern gehen die Gerichte nicht so schonend um
Karl Ries  (karl0066) - 09.06.2016 22:20
Folgen  Hätte ein farbiger Amerikaner diese brutale Vergewaltigung begangen, wäre er wohl für den größten Teil seines Lebens weggeschlossen worden, denn der Durchschnittswert von 11 Jahren kann anders überhaupt nicht zustande kommen. Sicher wird auch ein Weg gefunden, diesen Vergewaltiger wieder aus der Kartei für Sexualstraftäter zu löschen. Eigentlich hätte der Vater für diese ordinäre Einflussnahme auf den Richter ebenfalls gesiebte Luft atmen müssen. Was echte Moral betrifft, sind die Vereinigten Staaten sowieso das scheinheiligste Land auf Gottes Erdboden. Warum das so ist... das kann sich jeder selbst herleiten.


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die Strafe könnte länger sein
Michael Zabawa  (verdienst) - 09.06.2016 22:14
Folgen  Selbstverschuldeter Alkoholkonsums entschuldigt doch wohl kaum einen Vergewaltigungsversuch. Jetzt kommt das "aber": aber wie lange muss eigentlich die Matratzen-Trägerin ins Gefängnis, die mit erwiesener Falschbeschuldigung das Leben ihres Opfers runiert hat? Wurde schon mal überhaupt jemand wegen erfundener Vergewaltigung in den USA belangt? Diese ganze Debatte hat doch schon ein "Geschmäckle".

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Verzeihung, es handelt sich hier nicht um eine Debatte sondern um eine einwandfrei nachgewiesene
Folgen  Elisabeth Reinhardt  4  (celisa) - 10.06.2016 13:01
Vergewaltigung mit 2 Zeugen. Die Versuche einer Relativierung der Vergewaltigung einer bewusstlosen Frau hinter einem Müllcontainer und lächerlich geringen Bestrafung sind erschreckend.



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...mindestens jede vierte Studentin Opfer sexueller Übergriffe...
Sandra Haberger  1  (SandraH...) - 09.06.2016 20:50
Folgen  Eine Meisterstueck von Studie! Es wurden einige 100 Frageboegen an Studentinnen verschickt, um Anhaltspunkte um sexuelle Noetigung abzufragen. Es kamen nur eher wenige zurueck, naturgemaess diejenigen, die etwas anzukreuzen hatten. Diese wurden ausgewertet und wiederum auf die Gesamtheit hochgerechnet, so dass die Zahlen masslos ueberzeichnet sind. Saetestens wenn man nun liest, dass bei der Auswertung auch Dinge wie 'Haben Sie es am naechsten Tag schon mal bereut, mit einem Mann geschlafen zu haben?' als sexuelle Noeitgung gezaehlt wurden, leuchtet der Hintergrund ein, naemlich allem voran eine feministische Hetzjagd auf maennerdominierte Studentenverbindungen... Den geschilderten Fall vermag ich in diesem Zusammenhang nur schwer zu bewerten, aber offenbar waren beide derart betrunken, die junge Dame gar bewusstlos, so dass mir schon die Beweisfuehrung schleierhaft ist...

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@Frau Haberger:
Folgen  Karla Hesse  (hessek) - 10.06.2016 14:59
Ich helfe Ihnen auf die Sprünge: Einer bewusstlosen Frau wurden Gegenstände in den ihre Körperöffnungen eingeführt, es gab dafür Zeugen. Reicht das? In diesem Falle über "feministische Hetzjagd auf maennerdominierte Studentenverbindungen" zu sprechen macht mich fassungslos, besonders aus dem Mund einer Frau. Und ganz ehrlich: Wenn das zu einem Ende von fragwürdigen Initiationsriten von betrunkenen jungen Männern führt, dann wäre jede Frau, die an einer amerikanischen Uni studiert, sicher dankbar. Und nein, wenn jemand betrunken ist, rechtfertigt das gar nichts! Ja, betrunken macht man Dummquatsch. Aber der Alkohol allein lässt einen nicht denken, dass es doch irgendwie ganz lustig wäre, mal ne Frau zu missbrauchen. Oder machen Sie das so, wenn Sie betrunken sind?


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Die Beweisführung war nicht schwierig
Folgen  Cornelia Mertens  (cmert) - 10.06.2016 03:15
die Frau war bewusstlos, der Typ noch nüchtern genug, um wegzurennen, als zwei vorbeikommen schwedischen Studenten, für die wohl sehr schnell klar war, was da passierte, ihn zur Rede stellen wollten.


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Mit einer bewusstlosen Person hat man keinen Sex!
Folgen  Alex Kaehny  (alex.ka...) - 09.06.2016 23:58
Ganz einfach


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"Rapist Brock Turner texted pals photos of victim's breasts" Xeni Jardin (12:36 pm Sat Jun 11, 2016)
Newly released court documents show that Brock Turner, the former Stanford student convicted of sexually assaulting an unconscious woman outside of a frat house, behaved in an “aggressive” and predatory way towards other women just one week before the attack. ...
http://boingboing.net/2016/06/11/rapist-brock-turner-texted-pal.html
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 15, 2016, 09:45:31 AM
"Der Einkommensunterschied ist noch viel größer" Henrike von Platen (14. Juni 2016)
Auf den Tag genau, am 14. Juni 1976, wurde das Familienrecht novelliert. Seither müssen Frauen nicht mehr ihre Ehemänner um Erlaubnis fragen, ob und wie viel sie arbeiten möchten. Seither dürfen sie frei und eigenverantwortlich über ihr Vermögen bestimmen und können ihre Arbeitsverträge ohne Unterschrift des Herrn Gemahl einfach selber kündigen.
Gesetze hinken der Realität meist hinterher: Die Novellierung von 1976 bildete gesellschaftliche Veränderungen ab, die sich in den Jahren zuvor Bahn gebrochen hatten. Doch wirklich normal war derlei noch lange nicht. Und ist es bis heute nicht: Erst jetzt wächst eine Generation von Frauen heran, für die Berufstätigkeit und ein eigenes Bankkonto – zumindest theoretisch – eine Selbstverständlichkeit ist; in der Praxis leider nur bis zur gläsernen Decke, dem ersten Kind oder beidem.
... Ob bereinigter oder unbereinigter Wert, ob 7 oder 21 Prozent, er ändert nichts an der dreckigen Realität: 77 Prozent aller Frauen zwischen 30 und 50 Jahren verdienen weniger als 1.500 Euro, und nur zehn Prozent haben ein eigenes Nettoeinkommen von mehr als 2.000 Euro. Nur 39 Prozent sind vollzeiterwerbstätig, 14 Prozent haben gar kein eigenes Einkommen, wie die Ergebnisse der aktuellen Studie Mitten im Leben. Wünsche und Lebenswirklichkeiten von Frauen zwischen 30 und 50 Jahren des Soziologen Carsten Wippermann zeigen.
http://www.zeit.de/karriere/2016-06/gleichberechtigung-lohnunterschied-maenner-frauen-jahrestag

http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/Mitten-im-Leben-W_C3_BCnsche-und-Lebenswirklichkeiten-von-Frauen-zwischen-30-und-50-Jahren-Kurzfassung,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf


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"Brasilien: Sieben Männer wegen Gruppenvergewaltigung angeklagt" (18. Juni 2016)
Die Vergewaltigung einer 16-Jährigen durch mehrere Männer in einem brasilianischen Slum sorgte weltweit für Entsetzen. Jetzt startet der Prozess gegen die Verdächtigen.  ... Gewalt gegen Frauen ist in der brasilianischen Gesellschaft verankert: In Brasilien, das zweieinhalb Mal so viele Einwohner hat wie Deutschland, wurden laut dem Forum für Öffentliche Sicherheit (FBSP) etwa 48.000 Vergewaltigungen angezeigt. In Deutschland waren es etwa 7.000. Die Dunkelziffer ist sehr hoch; das FBSP schätzt, dass nur ein Drittel aller Fälle überhaupt zur Anzeige gebracht wird.  ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/brasilien-prozess-gruppenvergewaltigung-rio-de-janeiro

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"Jo Cox: Worüber niemand spricht" Birgit Gärtner (21.06.2016)
Die ermordete britische Parlamentarierin war Feministin; die Person, die ihr das Leben nahm, ein Mann. ... Britische Frauenorganisationen ordnen demzufolge den Mord an Cox ein in den Kontext "Gewalt gegen Frauen und Mädchen". Die Parlamentarierin sei die 57. Frau, die in diesem Jahr im United Kingdom (Großbritannien und Wales) von einem Mann getötet worden sei, heißt es auf der Webseite everydayvictimblaming. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48595/1.html

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"Sexuelle Gewalt: Stellung beziehen, Kampagnen starten - Fakten ignorieren" Twister (Bettina Hammer) (21.06.2016)
Der Fall Gina-Lisa Lohfink zeigt auf, was medial schief läuft. Gerade bei (vermeintlichen) Sexualstraftaten wird Recherche vernachlässigt. Die Politik instrumentalisiert fleißig mit. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/48/48587/1.html


"Vorfilm: Gina-Lisa Lohfink" Thomas Fischer (21. Juni 2016)
Thomas Fischer ist Bundesrichter in Karlsruhe und schreibt für ZEIT und ZEIT ONLINE über Rechtsfragen. ...

Zum journalistischen Tiefpunkt der Woche erklären wir folgende Passage aus einem Bericht der Frauenzeitschrift Brigitte online zum "Fall Lohfink"...
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/rechtspolitik-sexualstrafrecht-vergewaltigung-taeter-opfer-fischer-im-recht

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Fotobiene #5.14  —  vor 12 Stunden

Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ncg


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HisFordship #9  —  vor 20 Stunden 28

Ich weiß nicht, woher Herr Fischer die Energie nimmt, sich in solcher Regelmäßigkeit an dem Thema Sexualrecht aufzureiben und mit den Nebelkerzen aufzuräumen - bin ihm aber zutiefst dankbar dafür.
Mir als junger, rücksichtsvoller und -leider- sexuell aktiver Mann wird bei der momentanen erkenntnisfreien Kampagnenpolitik Angst und Bange.


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Hfdvgf #10  —  vor 20 Stunden 13

Woher will der gute Herr Fischer das reale Ausmaßes sexueller Gewalt gegen Frauen beurteilen wenn häusliche Gewalt in vielen Kreisen weiterhin als private Sache angesehen wird und die angeblich nicht existenten Machtverhältnisse den Gang an die Öffentlichkeit bzw. ein Gericht verhindern. Nur wenn ein Nein im Gesetzestext als nein gilt wird die richtige Botschaft gesendet. Das Abtun des Filmes wie der gute Herr Fischer es tut ist eine gefährliche Botschaft an alle ,die Frauen nicht als mündige Menschen betrachten sondern offensichtlich als Freiwild oder persönlicher Besitz. Vielleicht würden aehnliche persönliche Erfahrungen wie die des Filmes Herrn Fischer die Augen oeffnen. Danke an den Justizminister dass er uns die Hoffnung auf Gerechtigkeit gibt. Es ist absolut notwendig dass die von ihm geplante Reform des Sexualstrafrecht (ein Nein ist ein Nein) verabschiedet wird.


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FAR 3.0
#10.15  —  vor 3 Stunden

Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich und achten Sie auf einen respektvollen Umgangston. Danke, die Redaktion/jk


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GMsecondbest #13  —  vor 19 Stunden 12

Ich bin begeistert. So viel zu lachen bei so viel Elend. Man kann nur den Kopf schütteln aber so geht es in vielen Bereichen. Interessen, Status-/Besitzstandswahrung, Berufssicherung, Ideologien etc. gehen vor Verstand, Fakten, Daten, Schriftkenntnis, Empirie etc. Wo ist die Aufklärung geblieben?


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Chetemti-biti #23  —  vor 19 Stunden 1

Die Vorwürfe gegen die Frauenqualitätspresse mögen ja zutreffend sein.

Aber in unserem Rechtssystem hat jeder Malefikant Anspruch auf Verteidigung und das Vorbringen von begründeten Zweifeln an seiner Schuld.

Könnte es nicht sein, daß der/die Journalist(in) in der Frauenzeitschrift im guten Glauben war, eine Kolumne zu schreiben und deshalb gnadenlos überziehen zu dürfen, Provokationen ohne oder mit schwacher Begründung hinwerfen zu dürfen, Ironie ohne Kursivschrift veröffentlichen zu dürfen und unseriösen Quellen blind vertrauen zu dürfen?

Mögen die Geschworenen das erwägen, bevor sie ihr Urteil fällen.


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madmartigan #28  —  vor 19 Stunden 9

Auch die ZEIT hat sich im Fall der Frau Lohfink nun wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert; nach meiner Wahrnehmung gab es zahlreiche Artikel und Kommentare in denen die zuständige Richterin und die Staatsanwältin geschmäht wurden von der ZEIT und alle rechtsstaatlichen Prinzipien zugunsten der "guten Sache" mal eben über den Haufen geworfen wurden.

Der Blick hinüber zur Brigitte wäre also gar nicht nötig gewesen, tut der ZEIT aber natürlich weniger weh...


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Rinaco #37

Schön und gut mit dem Recht.
Nur frage ich mich nur schon langsam, ob die Rhetorik nicht eine Saat gießt, die sie besser nicht gießen sollte. Es applaudieren Genderskeptiker, was auch immer sie unter Gender verstehen, Anti-Feministen und Leute, die finden, dass es den Frauen bei uns eh schon viel zu gut geht.
Das kann sich der Kolumnist vielleicht nicht aussuchen, aber den Wind in den Segeln, schon beim Titel, geht auf ihn. Ein besonderes Danke für die Erwähnung der Lesben, die in der Diskussion bisher keine besondere Rolle gespielt haben. Aber nun es ist das Klischee, dass deren besonderes Hobby darin besteht, Männer zu hassen und sie notfalls über das Sexualstrafrecht endgültig unschädlich zu machen. Ich kenne nur kaum eine Lesbe, die so denkt oder sich überhaupt nur mit dem Thema auseinandersetzt und da ich selber eine bin, kenne ich schon ein paar.
Es gab in meinem persönlichen Umfeld interessanterweise nur zwei Fälle, wo Personen sich strafrechlich ungenügend geschützt gefühlt haben (ein Verfahren eingestellt, das andere Freispruch) und aus einer sexuellen Belästigung ein großes Thema gemacht haben. Beide waren Männer. Allgemein glaube ich, dass Männer deutlich empfindlicher reagieren, wenn sie von einem Mann unerwünscht angemacht werden als Frauen auf unerwünschte Anmachen reagieren. ... Aus meiner Erfahrung heraus, fühlen sich viele Männer schon von dem Gedanke männlicher Ausmerksamkeit sehr schnell angewidert. In einem Prozess ging es um einen spontanen, unerwünschten Kuss und ein Griff Richtung Beine in einer Zweiersituation. Das Opfer (selbst übrigens LGBT) wurde dadurch sehr erschüttert. Ein Freund von mir fühlte sich belästigt, weil ihm sein schwuler Mitbewohner mitgeteilt hat, wann er duschen geht. Einige Frauen, die ich kenne regen sich vielleicht mal kurz über männliche Anzüglichkeiten auf, einige betrachten es sehr locker, aber total krasse Reaktionen auf harmlose Anzüglichkeit habe ich eigentlich kaum erlebt, allenfalls wenn die Annäherungsversuche trotz offenkundiger Ablehnung weiter gehen. Ich gestehe, dass mein Umfeld aber nicht repräsentativ ist Fände es aber auf jeden Fall gut, wenn Mann-Mann Konstellationen mal mit eingebunden werden können, weil ich denke dass es Männern da leichter fällt, Empathie für den Belästigten zu entwickeln und wir mal von dieser Frauenlastigkeit der Debatte wegkommen.


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geierwalli05 #37.17

Unter Antifeministen verstehe ich Männerrechtler. Und als Nichtfeministin bin ich keine Anitfeministin, sondern einfach nur Frau. Und ich möchte mir von niemandem mein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung nehmen lassen, wurscht, ob Gender, Feminist, Antifeminist, Maskulist, afd, spd, csu, cdu, linke, ganz linke, grüne usw. Auch nicht von der Kirche.

Ja, die Frauenlastigkeit des Themas finde ich sogar belastend, vor allem finde ich diese ganze Instrumentalisierung und Opferdebatte unangebracht. Frauen grundsätzlich als Opfer zu sehen, lässt mich an Verkindlichung und Entmündigung denken. Sexualdelikte sind strafbar und das steht f mich ohnehin außer Debatte.
Was Übergriffe und Belästigungen betrifft, mag jeder andere Grenzen haben, dennoch weiß ich aus Erfahrung, dass Männer sehr wohl genau wissen, was Ihnen genehm ist und was nicht, also kann man dies auch Frauen zugestehen es selbst zu wissen, ohne großartige Kampagnen gegen die sexuelle Selbstbestimmtheit und Freiheit und mit Angstschürereien und Unwahrheiten was das aktuelle Strafbarkeit im Sexstrafrecht betrifft. Ich halte es für denkbar unsensibel und verantwortungslos mit dem Thema Sexualität falsche und kämpferische (Frauen)Politik zu betreiben.


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Rinaco #37.19

"Unter Antifeministen verstehe ich Männerrechtler."
Gut, soweit würde ich nicht gehen. Ich denke, dass Männerrechtler durchaus ein wichtiges Anliegen haben können und dass sich manches möglicherweise gut mit den Forderungen von (einigen) Feministen deckt. Zum Beispiel die Gleichberechtigung in Erziehung der Kind könnte z.B. so ein gemeinsames Thema sein. Ich glaube, man muss als MännerrechtlerIn nicht antifeministisch sein. Außerdem ist es natürlich (in meinen Augen) vollkommen legitiim in diesen Fragen gar keine Postion zu vertreten. Ich bin auch keine Feministin,
Nur, wenn man sich gegen Gender Mainstreeming, Feminismus, Masullinismus und die angebliche LGBT Ideologie positionosiert, sollte man schon wissen wovon man spricht... und das sehe ich bei den meisten, die das tun nicht gegeben.


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CoMiMo #40 

Sehr geehrter Herr Fischer,
Man könnte Sie jetzt als den Sexisten darstellen, der Sie zu sein scheinen. Denn anscheinend reduzieren auch Sie Frauen nur auf ihr Äußeres.
"denn als Mensch mit dem Beruf "Vorzeigen-von-dicken-Silikonbrüsten"
Nach dem Satz haben Sie sich selbst demontiert und reihen sich ein in die Liste der Männer, die der Meinung sind, eine Frau, die immer so rumläuft hat doch selber Schuld und wollte es ja so.
Nein, wollte sie nicht! Frauen sind KEIN Objekt für Männer. Und wenn eine Frau nackt durch die Gegend läuft, hat der Mann seinen Schwanz in Griff zu haben.

Ich frage mich ehrlich gesagt, haben diese Ver... armen Jungs.. denn wenigstens eine Strafe bekommen, weil sie ohne Erlaubnis des Opfers das ganze gefilmt und dann auch noch auf eine Pornoseite gepackt haben? Oder gehört das heutzutage zum guten Ton eines Mannes alles zu filmen, sich dran hochzuwichsen und es anderen Männern als Wichsvorlage zur Verfügung zu stellen? ....


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 23, 2016, 04:10:56 PM
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Die Kolumne "Fischer im Recht" von Thomas Fischer zur anstehenden Reform des Sexualstrafrechts entsetzt uns als Frauen, Menschen und Juristinnen.

Vor einigen Monaten hatte schon Renate Künast zu Fischers Positionen in der Debatte juristisch Stellung bezogen. Uns reicht es auch auf anderen Ebenen. 

Fischers Kolumne ist nicht nur eine Meinungskolumne; er schreibt als juristischer Experte. Und wie könnte man vergessen, welche Position er innehat: Immer wieder ruft Fischer in Erinnerung, dass er Richter am Bundesgerichtshof ist.   

Umso bedenklicher für diese staatsnahe Position: Er wählt einen Ton, der Frauen aufgrund ihres Aussehens und Verhaltens herabwürdigt und beleidigt. Wissenschaft und Fakten gegen "weibliche Hysterie". Dieses Muster ist altbekannt und absolut zynisch in einem Kontext, in dem es um Gewalt an Frauen geht. Fischer lenkt von den realen gesellschaftlichen Missständen durch juristische Wortklaubereien ab. 

Fischers Beitrag erinnert an eine Stammtischrunde. Ist sich ein Bundesrichter nicht einmal zu schade, sich darüber zu echauffieren, dass eine Frau, die er nur über ihre Brüste definieren kann, mehr verdient als er? So viel jedenfalls zu dem wissenschaftlichen Anspruch des Beitrages.

... Nur fünf bis zehn Prozent der tatsächlich strafbaren sexuellen Übergriffe werden angezeigt. Einer der Gründe für die geringe Anzeigebereitschaft ist das allgemeine Misstrauen, das einer Anzeige entgegengebracht und immer wieder durch den Fall "Kachelmann" belegt wird. Die Zahlen belegen allerdings etwas anderes als das, was oft behauptet wird: Der Anteil falscher Anzeigen liegt derzeit bei drei Prozent.

... Ausführungen wie die von Fischer spielen Männer und Frauen gegeneinander aus. Frauen sind unbekannte, feindliche Wesen. Die Menschen, die sich jeden Tag praktisch mit den Auswirkungen von rechtsfreien Räumen auseinandersetzen, wie etwa die Juristin Christina Clemm, diffamiert Fischer auf unkollegiale und niveaulose Art.

Was für ein Signal sendet er dadurch an alle Opfer von Gewalt, insbesondere sexualisierter Gewalt? Und zwar durch das Sprachrohr der Onlineredaktion einer der größten Wochenzeitungen Deutschlands?

Thomas Fischer ist Richter. Seine nicht enden wollenden Anführungszeichen stellen die Erfahrung sexualisierter Gewalt grundsätzlich infrage. Infrage zu stellen sind dadurch aber auch die Umsetzung der Grundsätze rechtlichen Gehörs und richterlicher Unparteilichkeit.

Gefragt ist Solidarität statt Hass.

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S0T #3

Ich als Mann soll also kategorische Solidarität mit Frauen haben, werde aber im gleichen Atemzug kategorisch aufgrund meines Geschlechts als potenzieller Triebtäter und Schwerenöter behandelt.

Das stimmt irgendetwas nicht in der Argumentation.

Fakt ist doch, wer zu wenig Solidarität bekommt, ist der Mann. Frauen werden mittlerweile gefeiert und bevorzugt, weil sie eine Frau sind.


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Aquarelle #3.18

Das muss man nur hier im Forum beobachten. Männer fühlen sich permanent auf den Schlips getreten, weil die Mehrheit von sexuellen Straftätern männlich ist. Da wird dann nicht etwa gesagt, man schäme sich für seine Geschlechtsgenossen, weil es einem niemals einfiele soetwas zu tun, sondern es wird darauf hingewiesen, dass Frauen auch Täter sein können und daher per se keine Solidarisierung verdienen (natürlich gibt es die aber hier geht es nicht um ein 50/50 Verhältnis sondern um etwa ein Prozent).

Ich würde die Männer daher gerne dazu anhalten, mal darüber nachzudenken, wenn es denn die eigene Frau/Mutter/Tochter/Nichte beträfe, ob es dann nicht doch etwas anderes wäre.

... Bisschen mehr Empathie stünde einigen ganz gut zu Gesicht.


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Das Gelbe vom Ei #10

Danke für diese Replik. Der äußerst polemische Beitrag von Herrn Fischer, in dem das Leid der Opfer in keiner Silbe anerkannt wurde, war - sorry für die Wortwahl - unter aller Sau. ...


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menssana1 #12

Es ist auffällig, dass hier zwei Juristinnen nicht einmal den Versuch einer juristischen Argumentation machen. Das kann man Fischer jedenfalls nicht vorwerfen. Der eine rechtliche Hinweis, der hier erfolgt ist, kann selbst von einem juristischen Laien mindestens als Halbwahrheit entlarvt werden. Insgesamt ein Armutszeugnis.

"Außerdem bedeutet eine Falschanzeige noch lange nicht, dass eine Falschverurteilung folgt."

Diese Verharmlosung sagt ja wohl eigentlich auch alles. Auch ohne Verurteilung sind Ruf und weiterer beruflicher Werdegang doch ruiniert. Und es gibt bei weitem nicht nur das Beispiel Kachelmann. Das man nun als Mann, der noch nie jemandem etwas zu leide getan hat, pauschal dazu aufgefordert wird sich selbst "kritisch" zu hinterfragen. Ich werde mich nicht in Sippenhaft nehmen lassen, weil mein Geschlecht dem Zeitgeist zum Opfer gefallen ist.


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  Lunaisabelle #16

Ich habe nun beide Artikel gelesen und so leid es mir tut und obwohl ich eine Frau bin, konnte ich Fischers Ausführungen besser folgen als diesen.
Sexuelle Gewalt soll strafbar sein, das ist klar. Aber ich gebe soweit Herrn Fischer recht, dass ein "Nein" durchaus in der Sexualität unterschiedliche Ausprägungen haben kann. Ich kann also durchaus im Rollenspiel "nein" sagen, es aber nicht so meinen. Aber vielleicht, später, wenn ich meinem Partner nicht mehr so gesonnen bin, dies gegen ihn verwenden. Wer will hier das Gegenteil beweisen. ...


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frauhimmelblau #16.23

Mir geht es darum den Graubereich der Schutzbedürftigkeit darzustellen, denn diesen gibt es auch.
Und darum habe ich zu Ihrer Aussage geschrieben "es bringt nichts das eigene Verhalten als Norm für ein Gesetz heranzuziehen, denn es wird immer Abweichungen von dieser von einem als selbstverständlich empfundenen Norm geben". Das Gesetz berücksichtigt das sehr wohl in unterschiedlichen Paragraphen, die Leute hier, die gerne mal ihren eigenen Bauchnabel zum neuesten Leitparagraphen erklären wollen, klammern diverse Graubereiche jedoch vollkommen aus.

Aus diesem Grund finde ich es sehr gut, dass das "gesunde" und "normale" Empfinden von vielen Mitmenschen nicht in die Gesetze miteinfließt, die Welt und die Menschen selbst sind doch ein wenig komplexer und verdienen doch alle denselben gesetzlichen Schutz.


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treehub #22

Schön von jemandem vom Fach eine moderate und konstruktive Meinung zu dem Thema zu hören. Herzlichen Dank für den Artikel!

Ich muss zugeben echt schockiert gewesen zu sein, als ich den ursprünglichen Artikel gelesen habe. Ich wusste noch nichts von Herrn Fischers journalistischen Eskapaden, habe nur gelesen dass er Bundesrichter ist und habe begonnen den Artikel zu lesen in der Erwartung eine fundierte und unparteiische Meinung zum Thema kennenzulernen. Vermutlich eine Annahme die bei jedem Thema zu dem sich Bundesrichter Fischer journalistisch äußert enttäuscht.

Was mich vor allem schockiert hat war die Vermutung dass Hormone das Denken eines Journalisten beeinflussen sollten ('Woraus sich das der Journalistin mit solcher Evidenz erschließt, dass die primitivsten Regeln ihres Berufs und die simpelsten Einsichten des Verstands bei ihr nicht mehr wirken, ist unbekannt. Ich fürchte: irgendwie aus den Hormonen'). Es gibt ja nicht viele Berufe wo ich ein aufgeklärtes Menschenbild für unerlässlich halte, aber Bundesrichter ist einer davon.

Schade, dass man ihn nicht frühverrenten kann. Dann könnte er sich ganz seinen 'Literarischen Ambitionen' hingeben. Oder eine boyband mit Sarrazin gründen.



Aus: "Sexualstrafrecht: Eine Vergewaltigung ist kein Hausfriedensbruch"
Gastbeitrag von Theresa Richarz und Franziska Brachthäuser (28. Juni 2016)
Er würdigt Frauen wegen ihres Aussehens herab und wischt ihre Gewalterfahrungen beiseite. Eine Replik auf die Kolumne "Fischer im Recht" von zwei Juristinnen.
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/sexualstrafrecht-thomas-fischer-bundesrichter-frauenbild-vergewaltigung/komplettansicht (http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/sexualstrafrecht-thomas-fischer-bundesrichter-frauenbild-vergewaltigung/komplettansicht)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 23, 2016, 08:56:18 PM
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[...] [...] Frauen wie Gina-Lisa Lohfink, oder Ashley Youdan, die Ex-Freundin von David Garrett ... werden mit Begriffen belegt, wie "Ex-Party-Girl", "Ex-Porno-Sternchen" und nicht zu vergessen: "Luder". Ein Luder, das ist eine Frau, die viel feiert und viel Sex hat. Sie ist eben das, was andere als Schlampe bezeichnen würden. Luder klingt nur irgendwie verspielter, freundlicher. So berichtet die Bild-Zeitung des Öfteren von der "Luder-Liga", mit Titeln wie "Voller Körpereinsatz, wenig Talent, dafür viel Hinterlist – all das muss ein Luder bieten, um ganz vorne zu liegen". Bei diesem Lifestyle ist es doch kein Wunder, wenn dann so etwas passiert. Oder sogar: Haben Luder überhaupt Grenzen, die Männer überschreiten können?

"Luder" – steht in der Jägersprache für ein totes Tier, das als Lockmittel für Raubwild verwendet wird. Es ist die Verschriftlichung der visuellen Objektifizierung, ein sozial anerkanntes Wort, das unterschwellig klarmacht: Das ist eine Frau, die wir ungestraft verachten können. Frauen wie Lohfink werden in diesen patriarchalen Strukturen zu einem geeigneten Lockmittel für die Boulevardpresse – respektiert werden sie selten. Deutlich wird das besonders in der Art, wie darüber berichtet wird, wenn eine Frau einen Mann wegen Körperverletzung anzeigt, etwa im Fall von Garrett: "Die Vorwürfe des Garrett Luders" ist eine Schlagzeile der Bild, auch wenn noch niemand weiß, wer die Wahrheit sagt und wer nicht. Neutralität sieht anders aus.

Über Luder wird berichtet, zu Wort kommen lässt man sie jedoch selten. Sowohl für die vermutlichen als auch für die verurteilten Täter sieht es anders aus: So ist der angeklagte Garrett in der Bild mit folgendem Titel zu finden: "Ich kämpfe um meinen Ruf." Er wird angehört, ihm wird nicht misstraut. Und wenn ein Täter wie der Stanford-Vergewaltiger Turner eben nach anwaltlicher Beratung nicht selbst sprechen kann, so machen es die Medien für ihn: Er wird, nicht wie üblich mit dem polizeilichen Foto des Tattages abgebildet, sondern mit seinem Jahrbuchfoto, das ihn sympathisch lächelnd präsentiert und gleichzeitig seinen gesellschaftlichen Hintergrund vermittelt. In beiden Fällen kommen die Väter zu Wort: Garretts Vater hält es für ausgeschlossen, dass sein Sohn ein Gewalttäter ist, erfahren wir. Der Vater von Turner spricht ungeschickt von "20 minutes of action", also 20 Minuten Spaß, die seinem Sohn ungerechterweise das Leben ruinieren könnten. Die Boulevardpresse versteckt sich hinter der Aussage: Man berichte ja nur, was passiert.

Diese angeblich neutrale Berichterstattung bezeichnet die Klägerinnen als Luder und lässt die Täter sich selbst verteidigen. Die Täter müssen nicht mal selbst reden, um diese Sprechzeit zu bekommen. Das können auch ihre Angehörigen erledigen. Opfer wiederum werden, wenn sie doch selbst reden, in einem anderen Zusammenhang präsentiert. So hat ein Interview mit Lohfink eine andere Wirkung als eines mit Garrett, weil es mit "Das Luder packt aus" beworben wird. Ihre Mutter sagt in der Spalte daneben nicht aus, was Lohfink doch für ein fantastischer Mensch sei.

Luder haben eigentlich in der Boulevardpresse gar nicht zu sprechen, wenn ihre Worte ihre mediale Rolle dekonstruieren könnten und sie auf eine unbequeme Weise menschlich erscheinen ließen. Es würde die Narrative des Objekts zerstören, dessen Leben die Leser zur Ausschlachtung verbiegen können, wie sie wollen. Am Ende bleibt hängen: Luder wie Lohfink und Youdan können gar nicht missbraucht werden, denn sie sind eh schon kaputt. Sie haben sich längst selbst entwürdigt, zu Objekten gemacht. Und mit Objekten kann man machen, was man will. ...

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Frl.Clarissa #34

"Neutralität sieht anders aus."

Diese Feststellung muss wohl leider für die gesamte, allgemein informierende Presse, von BILD bis ZEIT gelten. Vielleicht können Fachzeitschriften, die nur objektive Tatsachen berichten, falls die möglich ist, Neutralität für sich reklamieren. Das Kennzeichen der allgemeinen informierenden Presse, generell der Medien ist jedoch die Subjektivität, ob gewollt oder ungewollt.

Bei Themen der Sexualität kommt erschwerend noch, unser bis heute verklemmter Umgang mit der Sexualität hinzu. Dazu gehört auch, das mehr oder weniger von unseren tierischen Ursprüngen vererbte ausgeprägte Dominanzverhalten vieler Menschen, das man z. b. auch in sublimierter Form bei Menschen wie Hr. Thomas Fischer oder Fr. Alice Schwarzer zwischen den Zeilen erlesen kann.



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Pipipapapobel #33

Luder ist doch kein Schimpfwort. Ich bin ein Luder, sowie meine Freundin.


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Kommentist #35

"Warum haben denn auf einmal diese biederen Feministinnen sich mit Lohfink, dem Sinnbild der objektifizierten Frau verbündet? Warum hören sie diesem Luder zu, glauben ihm gar?"

Meine Meinung: Weil sie diese Frauen nun als Opfer für ihre eigenen politischen Ziele instrumentalisieren können. Da wird dann aus dem "Luder, das an seinem Unglück selbst schuld ist" plötzlich auf magische Weise eine schutzbedürftige, unterdrückte Frau.


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dth #10

Ich finde solche Meinungsartikel, in denen Fälle als Beispiele herangezogen werden, über die auf Zeit-Online gar nicht umfassend berichtet wurde (wohl weil es eben eher Boulevard-Themen waren) immer fragwürdig. Ich muss dann erst einmal die Namen Googlen und auf irgend welchen Boulevard-Seitungen ein paar Schlagworte dazu zu finden, was das überhaupt für Fälle sind.

Boulevard-Medien gehen respektlos mit Menschen um, und zwar mit allen, und immer in der Weise, wie es die meiste Auflage entspricht. Das ist nicht schön, sagt aber auch nichts darüber aus was den "meisten Lesern bewusst" wird oder nicht. Die meisten Leser von Zeit-Online dürften keine Artikel lesen, wo es schon in der Überschrift um den "Sex-Mob" geht.

Auch wirft der Artikel völlig verschiedene Fälle zusammen, Lohfink, die von einem deutschen Gericht vielleicht auch nicht völlig grundlos wegen Falschverdächtigung beschuldigt wurde. Detailiert hat die Zeit sich dieses Themas nie angenommen. Von den Männern habe ich hier genau so wenig Statements gelesen wie von Lohfink.
Dann ein Staargeiger, der irgendwie eine gerichtliche Auseinandersetzung mit seiner Ex-Frau hat, wo es um was weiß ich genau geht. Einen veruteilten amerikanischen Vergewaltiger, von dem das Polizeifoto nicht veröffentlicht wurde. (Ja, regen sich in den USA Leute drüber auf, aber bei uns würde das Foto wohl eher grundsätzlich nicht veröffentlicht.) Also alles irgendwie wirr.

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Suderwicker #10.1

Falls Sie die Klammer, die die verschiedenen Fälle zusammenführt, nämlich die unterschiedliche Behandlung der männlichen und weiblichen Rollen in der Berichterstattung, nicht sehen, liegt das nicht daran, dass der Artikel wirr wäre, das ist er nämlich nicht. Er zeigt einfach nur verschiedene Fälle eines Symptoms.
Ihre Begriffswahl "Meinungsartikel" interpretiere ich in der gleichen Richtung, wie manche Foristen fehlende Objektivität bemängeln, was als Vorwurf natürlich vollkommen fehl geht, da namentlich gezeichnete Artikel immer subjektiv und eine Meinung sind, über deren Berechtigung man dann streiten kann.



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vonZeitzuZeit #13

Diese Frauen finanzieren sich ein weitgehend arbeitsfreies Leben und einen "Promistatus" mit ihrem Luderimage. Es geht nicht darum, ob z.B. ein kurzes Röckchen tragen oder ähnliches, sondern darum, dass dieses Image ihr Kapital ist und gepflegt wird. Sie wollen ein Publikum, aber dem Publikum bieten sie nichts anderes - kein künstlerisches oder intellektuelles Angebot - als eben Gaffobjekt zu sein.

Ich bin sicher, bevor es ernst wurde freuten sie sich über "Taglines" wie "Party-Luder" und "Sex-Symbol", sicherte es sich doch einen Strom von Aufträgen und Gagen aus den entsprechenden "Formaten" im Unterschichten-TV.

Ausdrücklich: Das rechtfertigt KEINERLEI Übergriffigkeiten oder gar Vergewaltigungen.

Aber jetzt plötzlich so zu tun, als ob das alles nur die bösen Medien waren, oder gar zur Ikone des Feminismus hochgejubelt zu werden, sorry, aber das ist Heuchelei pur! Ganz besonders auch von den Feministen für die eine Gina-Lisa und ihr (öffentlicher) Umgang mit Männern vorher ganz sicher ein tiefrotes Tuch war, von Pornosternchen ganz zu schweigen.

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Moritz.Grattke #13.1

...aber auch Pornosternchen sind Menschen und haben Respekt verdient. Immerhin verkaufen sie Leistungen, die auch genutzt werden. ...



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GordonShumwayne #39

Zu erwähnen wäre, dass in den amerikanischen Filmen, die wir schon als Kinder gesehen haben, die Frau "Nein" sagt und sich wehrt, der Held sie trotzdem zu sich zieht und Küsst, und die Frau dann nachgibt und sie leidenschaftlich Sex haben und ein perfektes Paar werden.

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Frl.Clarissa #39.1

Ja so stellen sich das Männer gerne vor. Die Frau als Sexualobjekt, das selbst nicht weiß, was gut für Sie ist.

Um sich diesen primitiven Chauvinismus zu vergegenwärtigen, empfehle ich allen von dieser Vorstellung auch heute noch faszinierten Männer: Stellen Sie sich diese Szene mit vertauschten Rollen vor, auch wenn Sie natürlich Ihrem Weltbild widerspricht. Dann werden Sie vielleicht verstehen, wie bizarr sich diese Vorstellung anfühlt.




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Shinee #46

Ich hab den Eindruck, das Thema ist vermintes Gelände.
Egal wie man sich äußert, man wird zu 98% falsch liegen
bzw. macht sich leicht angreifbar. Ich hab das Wort "man"
verwendet, schon bin ich geliefert.

Das Thema "Sexismus" ist schon schwierig genug,
verbunden mit einer Vergewaltigung, bei es keine Zeugen gab,
ein absolutes Katastrophengebiet.



Aus: "Das Luder spricht" Penelope Kemekenidou (23. Juni 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-06/sexismus-vergewaltigung-luder-medien-sprache-boulevardpresse (http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-06/sexismus-vergewaltigung-luder-medien-sprache-boulevardpresse)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 27, 2016, 11:12:48 AM
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[...] Für die Glücklichen, die die mediale und Online-Schlammschlacht der letzten beiden Wochen nicht mitbekommen haben, hier eine kurze Zusammenfassung: Am 1. Juni 2012 kam es zu sexuellen Handlungen zwischen Gina-Lisa L., Pardis F. und Sebastian C. Am nächsten Tag boten die beiden Herren ihre Handyaufnahmen mit der Beschreibung „Vergewaltigungsvideo von Gina-Lisa!! Nagelneu“ verschiedenen Redaktionen zum Kauf an. Lohfink erstattete Anzeige – zuerst, weil Pardis F. und Sebastian C. das Video inzwischen über Pornhub online gestellt hatten, und danach auch wegen möglicher Vergewaltigung, da sie sich nur bruchstückhaft an die Nacht erinnern konnte: Filmriss.

Doch obwohl sie in dem Video wiederholt „Hör auf“ sagt, konnte die Staatsanwältin darin keine Vergewaltigung erkennen – mit der fantasievollen Begründung, dass sich das „Hör auf“ ja „nur“ auf bestimmte sexuelle Handlungen und nicht auf den Geschlechtsverkehr per se bezogen haben könne. Na und? Schließlich ist auch das Ausüben von ungewünschten sexuellen Handlungen ein Überschreiten von Grenzen.

Doch: Halt, stopp. Auch wenn sich „Hör auf“ auf den gesamten Geschlechtsverkehr bezogen hätte, wäre das nach dem zurzeit geltenden § 177 keine Vergewaltigung. Denn danach muss sich ein Opfer tätlich wehren. „Nein“-Sagen reicht nicht aus. Die einzige Ausnahme ist, wenn „das Opfer der Einwirkung des Täters schutzlos ausgeliefert ist“, etwa nicht fliehen kann. Doch kann man in dem Video keine Drohungen hören, sondern nur „Hör auf“. An dem Punkt kommen die K.O.-Tropfen ins Spiel, und es wird spekulativ: Gina-Lisa vermutet, ihr Filmriss könne an K.O.-Tropfen gelegen haben. Damit wäre der Straftatbestandteil einer Vergewaltigung erfüllt. Bloß lassen sich K.O.-Tropfen nur verhältnismäßig kurz im Blut nachweisen, zu kurz, um Lohfinks Annahme zu beweisen. Das muss ich nicht schön finden, aber das kann ich respektieren. Nicht respektieren kann ich allerdings, dass im Umkehrschluss daraufhin Gina-Lisa wegen Falschbeschuldigung angeklagt und zu 60 Tagessätzen à 400 Euro – also 24.000 Euro – verurteilt wurde!

Andere und kluge Journalist*innen haben die hämische Berichterstattung bereits ausführlich analysiert. „Die Welt“ schoss den Vogel ab, indem sie es schaffte, in einem einzigen Artikel zu erklären, „Sie hat schon häufiger ähnliche Filme gedreht und im Internet vermarktet“ – als wären freiwillige Sexfilme und Aufnahmen einer mutmaßlichen Vergewaltigung dasselbe –, nahezulegen, dass das Ganze ein Publicity Stunt sein könnte („Lohfink, der Name steht für Skandale, die meisten selbst inszeniert“), sowie nicht unerwähnt zu lassen, dass sie sich „die Brüste vergrößern“ lassen hat, und sogar noch ihre Haarfarbe ins Spiel zu bringen („die wasserstoffblonde Hessin“). Auch sonst wurde Lohfink gerne so beschrieben, als wäre sie eine Aufblaspuppe, die sich danach unerklärlicherweise darüber beschwert, auch so behandelt zu werden. Herzlichen Glückwunsch, liebe „Welt“-Autorin, Sie liegen 42 Jahre hinter der Zeit zurück! Seit 1974 ist die (sexuelle) Vergangenheit einer Frau, die eine Vergewaltigung anzeigt, nicht mehr Gegenstand der gerichtlichen Verhandlung.

Besonders absurd sind die Vorwürfe, „das Busenwunder“ („Promiflash“) wolle mit ihrer Anzeige nur Aufmerksamkeit erheischen. Kein Problem, dann berichtet doch einfach nicht darüber. Dabei hatte ursprünglich gar nicht Gina-Lisa Lohfink die Polizei eingeschaltet, sondern die Redaktionen, denen das „Vergewaltigungsvideo“ angeboten worden war, und die es – das muss lobend erwähnt werden – nicht gekauft hatten.

Nun habe ich es mir nicht angesehen, auch nicht zu Recherchezwecken, da sie explizit geäußert hat: Sie will nicht, dass sie jemand so sieht. Aber ich habe die Beschreibungen gelesen, nach denen sie darin „merkwürdig abwesend“ wirkt. Der Verdacht, dass sie unter dem Einfluss irgendwelcher Substanzen gestanden hat, ist also nicht vollkommen aus der Luft gegriffen und diesen Verdacht äußerte sie. Mehr nicht.

Daraus kann nur eine Lüge konstruieren, wer in der Lage ist, Gedanken zu lesen. Außerdem geht es bei einer Anklage ja gar nicht darum, die Wahrheit zu sagen – was auch immer die Wahrheit ist –, sondern nach bestem Wissen und Gewissen auszusagen. Das ist eine wichtige Unterscheidung, weil davon unsere Rechtsstaatlichkeit abhängt, die unter anderem darauf basiert, dass wir, wenn wir das Gefühl haben, uns wird Unrecht zugefügt, dagegen klagen können – und zwar jede*r und ohne Angst, dass fehlende Beweise oder ein unvollständiges Wissen gegen uns verwendet werden. Wie in dem Fall Gina-Lisa Lohfink.

Deshalb bin ich fest davon überzeugt, dass sie mit ihrem Einspruch Erfolg haben wird. Wenn nicht, würde das einen Präzedenzfall kreieren, der unsere Demokratie infrage stellt. Nicht, weil einer Frau, die eine Vergewaltigung angezeigt hat, nicht geglaubt wurde, sondern weil das Risiko, dabei selbst verurteilt zu werden, so groß wäre, dass damit de facto der §177 StGB gegenstandslos würde. O-Ton Gina-Lisa Lohfink: „Wenn ich noch einmal vergewaltigt werde, gehe ich sicher nicht zur Polizei.“

Für mich ist es ein wenig befremdlich, dass allerorten über Glauben oder Nicht-Glauben gesprochen wird, als wären wir in der Kirche. Genauso wie ich es – höflich ausgedrückt – überraschend finde, dass ein Gutachter anhand des Filmmaterials entschied, es bestünden keine Anzeichen für K.O.-Tropfen oder einen Filmriss. Doch ein Filmriss ist von außen gar nicht erkennbar. Eine Bekannte von mir hatte einmal auf einer Party einen Filmriss und fragte am nächsten Tag erschrocken, was sie während der Zeit angestellt habe. Wie sich herausstellte, hatte sie die Wohnung geputzt und alle Gläser gespült, ohne dass die anwesenden Gästen ihr irgendetwas anmerkten.

Auch das lächelnde Foto von Gina-Lisa am nächsten Morgen beweist lediglich, dass sie gelächelt hat. Weil sie ihren Peinigern vorspielen musste, dass alles in Ordnung sei, damit sie sie gehen ließen (Gina-Lisa), oder weil alles in Ordnung war (die Staatsanwältin), lässt sich daran weder beweisen noch widerlegen. Fotos sind kein Wahrheitsserum, sondern nur im Kontext verständlich. Bühne auf für das Video, anhand dessen die Nation seitdem orakelt, dass es eindeutig eine Vergewaltigung war, respektive eindeutig keine Vergewaltigung war. Und, wisst ihr was? Das ist nicht das erste Mal.

1999 schrieb der Fall Lisa Gier King gegen Mike Yahraus Geschichte, weil es damals ebenfalls (Super-8-)Aufnahmen des Geschehens gegeben hatte. Überhaupt hört sich die ganze Geschichte so an, als würden lediglich die Namen Lisa Gier gegen Gina-Lisa ausgetauscht: Lisa Gier King, die als erotische Tänzerin bei einer Feier der Bruderschaft Delta Chi an der University of Florida aufgetreten war, zeigte Mike Yahraus am nächsten Morgen an, sie vergewaltigt zu haben. Nach Sichtung des Filmmaterials ließ die Polizei die Klage gegen ihn jedoch fallen und ermittelte stattdessen gegen sie: wegen Falschaussage. Massive Proteste der National Organization of Women sorgten dafür, dass auch diese Anklage fallen gelassen wurde. Daraufhin entschied der Staatsanwalt, das Super-8-Material herauszugeben, damit die Öffentlichkeit sich selbst eine Meinung bilden könne. Was diese auch fleißig tat – und die Aufnahmen für 20 $ weiter verscherbelte.

Abgesehen von den rechtlichen Problemen – vor allem bezüglich des Persönlichkeitsschutzes – wurde dadurch nichts klarer. Noch 2001, als der Fall in dem Dokumentarfilm „Raw Deal. A Question of Consent“ – mit Genehmigung Lisa Gier Kings und unter Verwendung des Originalmaterials und extensiver Interviews mit allen Beteiligten – aufgearbeitet wurde, blieben am Ende mehr Fragen als Antworten. „Wahrheit“ wird über einen gesellschaftlichen Diskurs konstruiert, durch die Produktion von Bildern zusammen mit ihren möglichen Deutungen und durch die Akkumulation von Wissen und Gewissheiten. „Menschen glauben etwas in der Regel nicht erst, nachdem sie es gesehen haben, sie sehen es nur, wenn sie es bereits glauben – abhängig von ihrer vorherigen Lebenswelt und welche Medien sie konsumieren“, erklärt der Filmhistoriker Frank Tomasulo in seinem 1996 erschienenen Essay  „I’ll see it when I believe it“. Deshalb tragen wir als Journalist*innen eine besondere Verantwortung, wenn wir Vergewaltigungsfälle vor dem Gericht der öffentlichen Meinung verhandeln.

Dazu gehört, den Blick von Gina-Lisas Busen zu lösen, ebenso wie zuzugeben, dass es viele Dinge gibt, die wir nicht wissen und auch nicht beurteilen können. Das ist eines der strukturellen Probleme von Vergewaltigungsprozessen. Dass das schwer auszuhalten ist, führt zu Vorverurteilungen – von vermeintlichen Opfern ebenso wie von vermeintlichen Tätern. Und es gibt ja tatsächlich Falschbeschuldigungen. Darüber, wie hoch deren Prozentsatz liegt, lässt sich streiten, nicht aber, dass sie für die Menschen, die fälschlicherweise einer Vergewaltigung beschuldigt werden, extrem traumatisierend sind. Außerdem führen in Deutschland Anzeigen wegen Falschbeschuldigungen noch seltener zu einer Verurteilung als Anzeigen wegen Vergewaltigungen.

In ausgleichender Ungerechtigkeit nun aber Gina-Lisa Lohfink der Falschbeschuldigung zu verurteilen, hilft niemandem. Ganz im Gegenteil stellt es die wenigen erfolgreichen Verurteilungen wegen Falschbeschuldigung infrage. This way madness lies.

Fakt ist doch, dass die beiden Herren umgehend versuchten, aus ihrem erschlichenen Video Geld zu machen. Das ist nicht die Handlung von Menschen, denen es um Einvernehmlichkeit und Respekt geht. Diese Handlung ist in Deutschland nicht Teil des Sexualstrafrechts, aber sie zeigt, dass Lohfinks Verdacht, auch ansonsten könnte über ihren Willen hinweggegangen worden sein, keineswegs aus der Luft gegriffen ist.

Ich kann nachvollziehen, dass nicht nachweisbar ist, ob die beiden oder irgendjemand Gina-Lisa mit Absicht etwas in ihren Wodka Red Bull getan hat, um sie daraufhin vergewaltigen und filmen zu können – und ein solcher Vorsatz in einem Gerichtsverfahren nachgewiesen werden muss –, und dass Gerichtsprozesse genauso wenig wie Vergewaltigungen so aussehen wie im Kino. Was ich jedoch nicht nachvollziehen kann, ist: Warum hat es einen Monat gedauert, bis die Wohnungen der mutmaßlichen Täter durchsucht und weiteres Videomaterial sichergestellt wurde? Wie kommt es, dass das Video ein Jahr lang online war und von mehr als einer Million Menschen gesehen wurde und immer noch – wenn auch in gekürzter Form – im Internet anschaubar ist?

Wie kann es angehen, dass Lohfink im Gerichtssaal von Zuschauer*innen als Hure beschimpft werden kann und die Personalien dieser Personen nicht einmal aufgenommen werden? (Was ja so schwierig nicht sein sollte, weil sie darüber hinaus den anwesenden Journalist*innen weiteres Videomaterial angeboten haben.) Aber vor allem: Wieso ist das überhaupt ein öffentlicher Prozess? Ich bin der Ansicht, wir sollten Vergewaltigungsfälle unter Ausschluss der Öffentlichkeit – mit Ausnahme von engen Freund*innen, die zur Unterstützung von Kläger*innen und Angeklagten mitkommen – verhandeln. Und möglichst wenig reißerisch darüber berichten. Denn offensichtlich sind nicht nur die Staatsanwältin, sondern auch wir als Öffentlichkeit nicht besonders gut darin, sensibel mit der unordentlichen Realität umzugehen.

Auch wenn Gina-Lisa Lohfink aussieht, als würde sie einen zum Frühstück verspeisen, wenn man ihr blöd kommt, ist es doch gerade das, was sie sympathisch macht. Ihr Spruch „Zack, die Bohne“, mit dem sie als Teilnehmerin von „Germanys Next Topmodel“ bekannt wurde, ist deutlich erfrischender als das sonst dort übliche: „Bin ich zu dick?“ Gina-Lisa ist nicht nur kein typisches Opfer, sie ist überhaupt kein Opfer, sondern eine Person, der ein Unrecht angetan wurde und die das Selbstbewusstsein und das Selbstwertgefühl hat, sich dagegen zu wehren. „Was da mit mir gemacht wurde, ist unter aller Sau.“ Davon können wir viel lernen.

Ich liebe Gina-Lisa für Aussagen wie „Eher spende ich das Geld an bedürftige Menschen und gehe in den Knast“ sowie dass sie eine Stiftung für Opfer sexueller Gewalt gegründet (mit kostenloser Erstberatung bei geschulten Sozialarbeiter*innen und Anwält*innen) und Justizminister Heiko Maas eingeladen hat, sich ihren Prozess anzusehen, um zu erfahren, was „in den deutschen Gerichtssälen vor sich geht“. So macht man das.

Deshalb werden wir am 27. Juni sagen können: Von Gina-Lisa lernen, heißt siegen lernen.


Aus: "Weshalb Gina-Lisa Lohfink unsere Heldin ist" Dr. Mithu Melanie Sanyal (22. Juni 2016)
Tags: Feminismus, Frauen, Gewalt, Gina Lisa, Gina-Lisa Lohfink, Sexualstrafrecht, Vergewaltigung
Quelle: http://ze.tt/warum-gina-lisa-lohfink-unsere-heldin-ist/?utm_campaign=zonparkett&utm_medium=parkett&utm_source=zon (http://ze.tt/warum-gina-lisa-lohfink-unsere-heldin-ist/?utm_campaign=zonparkett&utm_medium=parkett&utm_source=zon)

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[...] Die Aufregung um das angebliche Vergewaltigungsopfer Gina-Lisa Lohfink, der falsche Verdächtigung vorgeworfen wird, steht im Kontext einer fragwürdigen geplanten Reform des Sexualstrafrechts. ... Heute wird in Berlin der Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink fortgesetzt. Lohfink, Model und Fernseh-Persönlichkeit, hat gegen einen Strafbefehl Einspruch eingelegt, der ihr zur Last legt, zwei ihrer Sexualpartner, die einen „Dreier“ mit ihr gefilmt und ein Video verwendet haben, um sich wichtig zu machen, wissentlich falsch der Vergewaltigung beschuldigt zu haben. Zunächst einmal ging es Lohfink nur darum, ihr Persönlichkeitsrecht zu schützen und die Verwendung dieses Materials zu untersagen (Bundesdatenschutzgesetz).

Erst als die an Bild-Zeitungund andere Blätter und Sender unerlaubt geschickten Intimfotos von der Staatsanwaltschaft nicht beschlagnahmt und nicht aus dem Verkehr gezogen worden waren, änderten Frau Lohfink und ihr Anwalt ihre Strategie. Die nun selbst Angeschuldigte erstattete Strafanzeige gegen die beiden Männer und behauptete, mit K.-o.-Tropfen betäubt gewesen zu sein. Angesichts des mitgelieferten Schnitts aus den zahlreichen Videos widerspricht dies jeder Plausibilität, belegt also den Vorwurf der Falschanzeige.

Auf dem Ausschnitt ist zwar „Hört auf“ zu hören, aber schaut man sich alle Videos – und nicht nur den einen Ausschnitt – an, dann erscheint es sehr wahrscheinlich, dass dieses „Nein“ nicht gegen den Sex als solchen, auch nicht gegen einzelne Praktiken, sondern ausschließlich gegen das Filmen gerichtet war. Ein Gericht wird das alles klären.

... Die Kampagne „Nein heißt nein“ erleichtert Falschbeschuldigungen. Gefordert wird unbestimmtes, subjektiv formuliertes Strafrecht. Der neue Vergehenstatbestand und die neu gefassten Verbrechenstatbestände sind Strafrecht auf Halde. Auf begrenzende Merkmale wie „Gewalt“, „Drohung“ oder das „Ausnutzen“ einer schutzlosen Lage wird verzichtet. Es handelt sich nach dem Willen der Frauen-Netzwerke nicht mehr um eine Nötigung zu sexuellen Handlungen, sondern um die Bestrafung jeder unerwünschten Konfrontation mit fremder Sexualität.

Die Debatte wirft Fragen auf. Was sind sexuelle Handlungen? Angesichts des in diesem Konzept erheblich weiter als bisher gefassten Rechtsguts – nicht Schutz der sexuellen Selbstbestimmung in Zwangssituationen, sondern Schutz in einem umfassenden Sinne –müsste bereits jede Berührung gegen den Willen genügen. Die Schwelle der Erheblichkeit wird sehr früh erreicht.

Unklar ist auch, welche Anforderungen an die Beharrlichkeit der Willensbekundung zu stellen sind. Es genügt ja nicht ein „Nein“, sondern das „Nein“ muss auch noch zum Zeitpunkt der letzten sexuellen Handlung deutlich sein. Wie sollen das die Strafverfolgungsbehörden feststellen? Soll jeder aufgedrängte Körperbezug, jede einseitige Berührung bereits als strafwürdig definiert werden?

Der Sache nach normiert der geforderte Vergehenstatbestand eine Fahrlässigkeitsstrafbarkeit. Sollte der Entwurf Gesetz werden, wird jeder, der sich nicht vorsieht, als potentieller Beschuldigter in einem Ermittlungsverfahren einem „Opfer“ gegenüber stehen, das nur zu sagen braucht, es habe den Kontakt so nicht gewollt. Es genügt, dass die Frau vor der Polizei ihren entgegenstehenden Willen bekundet und das Geschehen glaubhaft schildert. Es käme also häufig zu Aussage-gegen-Aussage-Verfahren. Vermutlich würden sie zur Regel. Vor Gericht müssten sich häufig „normale“ Männer als „potentielle Täter“ rechtfertigen, weil sie nicht sorgfältig gefragt hatten.

Frauen wären in der Rolle der beschuldigenden Zeuginnen, müssten sich aber damit abfinden, dass sie sich zugleich in einer strukturellen, ihre Identität prägenden „Opfer“-Rolle und damit in einem Zustand befänden, der ihren staatlichen Schutz zur dauerhaften Notwendigkeit erklärt. Strafrecht wäre konsequent umgeformt zu einem Instrument der symbolischen Bekräftigung einer für „richtig“ gehaltenen sozialen Norm. Frauennetzwerke und auch Menschenrechts-Aktivistinnen bezeichnen dies als „feministische“ Forderung.

Näher liegt es hingegen, ein solches Begehren „maternalistisch“ zu nennen, in Anlehnung an das bislang abwertende Wort „paternalistisch“. Nicht der Wunsch nach Freiheit (Emanzipation) steht im Mittelpunkt, sondern Schutz und Verbote, staatliche Regeln und staatliche Interventionen werden gefordert. Sie prägen das neue Menschenbild, das am Horizont bedrohlich aufscheint.

Kritische Kriminologie ist unerwünscht. Feminismus mutiert zum Maternalismus, einer staatlich finanzierten und ihrem Anspruch nach umfassenden Regulierung des sexuellen Verhaltens. Die eingangs genannten Frauennetzwerke verlangen nicht nur eine intensive, sondern auch eine extensive Kontrolle des sexuellen Verhaltens (der Männer) mit Freiheit entziehenden Mitteln des Strafrechts. Das ist ihr Ziel, denn nur dann ergibt die Forderung nach mehr und härterem Strafrecht Sinn. Der Emanzipation dient diese Forderung nicht.

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Aus: "„Nein heißt nein“ und der Fall Lohfink" Analyse von Monika Frommel (27.06.2016)
Quelle: https://www.novo-argumente.com/artikel/nein_heisst_nein_und_der_fall_lohfink (https://www.novo-argumente.com/artikel/nein_heisst_nein_und_der_fall_lohfink)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 27, 2016, 11:15:17 PM
"Prozess gegen Gina-Lisa Lohfink: Wenn der Gerichtssaal zur Bühne wird" Ansgar Siemens, Berlin (27.06.2016)
Es ist eine Debatte um Grundsatzfragen, die da läuft: Lässt die Justiz vergewaltigte Frauen im Zweifel allein? Macht sie sogar Opfer zu Tätern? Das sind kontroverse Fragen, die das Amtsgericht Tiergarten am Montag zur Bühne werden lassen. ...
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/gina-lisa-lohfink-wenn-der-gerichtssaal-zur-buehne-wird-a-1100098.html

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[...] «Blick» veröffentlichte die vollen Namen und Porträt-Bilder der beiden mutmasslichen Beteiligten und fragte «Hat er sie geschändet?». Auch SVP-Kantonsrat Markus Hürlimann hatte sich wegen diesem und weiteren im «Blick» veröffentlichten Artikel beim Presserat beschwert.

Mit ihrem ersten Artikel zur sogenannten Zuger Sex-Affäre habe die Zeitung den Journalistenkodex in mehreren Punkten verletzt, heisst es in einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Presserats.

Da «Blick» offensichtlich davon ausgegangen sei, dass es möglicherweise zu einem Sexualdelikt gekommen sei, habe er mit der Identifizierung des mutmasslichen Opfers den Opferschutz verletzt.

Mit der späteren Einstellung des Verfahrens ist rechtskräftig festgestellt, dass kein Sexualdelikt vorliegt. Ein möglicher sexueller Kontakt gehört nach Auffassung des Presserats eindeutig in den Bereich der geschützten Intimsphäre. Ein «entgegengesetztes überwiegendes öffentliches Interesse besteht in der Regel nicht», schreibt der Presserat.

«Blick» hatte geltend gemacht, dass ein intimer Kontakt zwischen der damaligen Co-Präsidentin der Alternative/die Grünen und dem damaligen SVP-Kantonalpräsidenten eine Dimension habe, die den Vorgang über den privaten Bereich hinaushebe.

Dieser Argumentation folgte der Presserat jedoch nicht. Der «Blick» habe Privat- und Intimsphäre von Spiess-Hegglin verletzt. Auch dass sie sich später selbst in der Öffentlichkeit zu Wort meldete, lässt der Presserat nicht als Rechtfertigung gelten.


Aus: "«Blick» missachtet Opferschutz und verletzt Privatsphäre" (sda, 28.06.2016)
Quelle: https://www.bluewin.ch/de/news/inland/2016/6/28/presserat---blick--missachtet-opferschutz-und-verletzt-privatsph.html (https://www.bluewin.ch/de/news/inland/2016/6/28/presserat---blick--missachtet-opferschutz-und-verletzt-privatsph.html)

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"Interessiert euch!"  Katrin Rönicke, Ausgabe 2116 (22.06.2016)
Debatte Unter Feministinnen wird die Frage viel diskutiert, aber sie geht wirklich alle an: Wie lassen sich Rassismus und Sexismus zusammen bekämpfen? ... Der 3D-Test bietet einen guten Ansatzpunkt für so manche Ismen und ist ein Lackmustest für die Antwort auf die Frage, wie man denn nun konkret gegen Sexismus und Rassismus gleichermaßen kämpft. Denn die drei Ds finden sich bei rassistischen Ideen – und zumindestens die Doppelstandards, aber auch Delegitimierung und Dämonisierung können entlang sexistischer Haltungen auftreten. Stereotype über Mann und Frau, also doppelte Standards für ihre wirtschaftlichen, politischen und sozialen Rollen in unserer Gesellschaft, sind der Dreh- und Angelpunkt westlicher Antisexismus-Arbeit. Sich gegen Rassismus und Sexismus zugleich einzusetzen setzt voraus, die eigenen Doppelstandards, die eigenen Ängste und Dämonen sowie die eigenen Delegitimierungsstrategien abzulegen, immer und konsequent.
Nur über den Sexismus der deutschen, weißen, mittelalten, heterosexuellen Männer reden zu wollen und sich die Ohren zuzuhalten, wenn die Sexismen der „Anderen“ angesprochen werden, ist ein Doppelstandard. Die muslimischen Männer gehören zu Deutschland. Punkt. Das heißt aber auch: Wenn sie dazugehören, müssen sie es sich genauso gefallen lassen, wenn ihre Sexismen diskutiert und kritisiert werden. Erst recht dann, wenn wir aufgrund der weltweiten Flüchtlingsbewegungen davon ausgehen, dass sie mehr werden. Es ist und bleibt richtig, sie mit offenen Armen zu empfangen – wie Teile der Gesellschaft das tun. Das ist ein konkretes Eintreten gegen Rassismus: ihnen ihre Menschenrechte zuzugestehen, auf die Genfer Flüchtlingskonvention zu verweisen – uns gegen die zu wehren, die mit ihrem antimuslimischen Narrativ dafür sorgen wollen, dass die Schotten dicht gemacht werden. Nur weil ein Mensch nicht in Europa geboren wurde, nur weil er eine andere Hautfarbe hat oder einem anderen Glauben angehört, verlieren seine grundlegenden Rechte als Mensch nicht an Gültigkeit. Diese Menschen sind gleichwürdig (ein Wort, das der Familientherapeut Jesper Juul geprägt hat – und das mehr bedeutet, als nur die gleichen Rechte zuzugestehen, sondern auch die gleiche Menschlichkeit unterstellt). ...

https://www.freitag.de/autoren/katrin/interessiert-euch // http://blog.katrin-roenicke.net/

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Sägerei 27.06.2016 | 11:55

Rassismus beurteilt Menschen nach einer angenommenen genetischen Grundausstattung. Jeder Mensch hat eine genetische Grundausstattung, nur wissen wir nicht sonderlich viel darüber. Dies leistet dem Aberglauben vorschub.

Sexisten beurteilen Menschen nach einer ganz spezifischen genetischen Ausstattung, die recht gut bekannt, erforscht und im Alltag fast aller Menschen eine herausragende Rolle spielt.

Sowohl Sexisten als auch Rassisten stellen die Nützlichkeit eines Lebewesens in den Vordergrund. Holsteiner Kühe liefern viel Milch, vertragen aber kein heißes Klima. Neger können hart und lange arbeiten, vertragen aber kein kaltes Klima. Frauen gebären Kinder, sind aber im Kampf gegen Feinde nicht zu gebrauchen. Dieser Mann hat Anlagen zum Hochsprung, jener ist gut im Marathon. Diese Frau hat Anlagen zur Olympiaschwimmerin, jene hat ein gebärfreudiges Becken. Frauen können generell kein Mathe. Wenn diese Beurteilungsschemata jenseits ihrer trivialsten Bedeutung zum abergläubischen System ausarten, dann haben wir es mit einem Rassisten und/oder Sexisten zu tun.

In der vielbeschworenen "natürlichen Ordnung" (die ein Rassist natürlich viel besser kennt als die Wissenschaft) gibt es keinerlei Rassen. Dem Löwen ist die Farbe der Antilope wurst. Wenn ein giftgrünes Lebewesen ungenießbar ist, dann liegt das daran, dass diese Art generell nicht genießbar ist oder das Individuum noch nicht reif oder zu alt oder selbst was falsches gegessen hat. Es liegt eher selten daran, dass bestimmte Individuen einer giftgrünen Varietät qua genetischer Ausstattung ungenießbar wären. Grade die genetisch andersartige Varietät innerhalb einer Art ist oft die, die als sexuell Attraktiver empfunden wird. Wenn ich selber etwas stärker auf dunkelhäutige Frauen abfahre und/oder die auf mich, dann liegt das daran, dass die Fortpflanzung unter genetisch ähnlichen Individuen eher unvorteilhaft ist. Exotik verspricht einen erweiterten Genpool.

Aber genau aus den kleinen, subtilen Variationen innerhalb einer Art entspringt unsere wirsamste Kulturtechnik nähmlich die Zuchtwahl, mit der unsere Vorfahren Tier- und Pflanzenrassen erschufen. Das Kriterium ist der wirtschaftliche Nutzen unserer eigenen Art. Die natürliche Zuchtwahl der Darwinschen Evolution kennt nur ein einziges Kriterium: Das Leben an sich. Wenn es überlebt dann ist es gut. Durch die unnatürliche, zweckgebunde Zuchtwahl entstand erst das Konzept "Rasse". Dieses Konzept hat sich in unsere Bauernbregen fest eingebrannt.

Was nun die Rassisten, Sexisten und viele andere Esoteriker tun, ist die Darwinsche Evolutionslehre mit der bäuerlichen Zuchtwahl gedanklich zu vermengen, Nützlichkeitserwägungen zu Naturgesetzen umzudefinieren, genetische Merkmale mit erworbenen Eigenschaften zu verwechseln, alles lebendige einschließlich der eigenen Art ihrem eigenen (und _nur_ ihrem eigenen) ökonomischen Kalkül zu unterwerfen, Inzucht in Kauf zu nehmen weil die natürliche Zuchtwahl nur dem Leben an sich folgen würde. Dazu gehört unter vielem anderen auch der felsenfeste Irrglaube, dass Homosexualität eine Bedrohung darstellt. Wenn sich Dein eigener Zuchtbulle als schwul erweisen sollte, dann kann das tatsächlich eine wirtschaftliche Bedrohung darstellen weil Du ja zu einem bestimmten Zweck viel in dieses Tier investiert hast. Dein schwuler Sohn kann jedoch ein persönlicher 6er im Lotto sein falls Du nicht nur zu einem bestimmten Zweck in ihn investiert hast (falls doch, wäre er auch als Hetero eine Niete).

Die emanzipatorischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts richteten sich dagegen, von Klerikern, Kapitalisten, Politikern und sonstigen Lustmolchen als Nutzvieh missbraucht zu werden. Leider (aber durchaus nachvollziehbar) haben sie allesamt verloren. Die heutigen Rest-Strömungen sind viel zu vergeistigt, viel zu konstruktivistisch, um jemals wieder irgendwem gefährlich zu werden. "Genderism" ist eine alberne Farce.


...

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 29, 2016, 04:35:52 PM
"Fischer im Recht / Rechtspolitik: Zum letzten Mal: Nein heißt Nein" Eine Kolumne von Thomas Fischer (28. Juni 2016)
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[...] Die Sache ist zwar wirklich kompliziert, aber sie ist nicht von vornherein unverständlich (das ist ähnlich wie bei der Erbschaftsteuer). Um sie zu verstehen, muss man allerdings bereit sein, sich auf ein paar Differenzierungen (Unterscheidungen) und Grundsätze einzulassen und eine Stunde seine eigenen Vorurteile und Sachverhaltsvorstellungen beiseite zu lassen, denn  ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-06/rechtspolitik-sexualstrafrecht-nein-heisst-nein-fischer-im-recht


Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 30, 2016, 10:36:10 AM
"Der Fall Gina-Lisa Lohfink und die geforderte Verschärfung des Sexualstrafrechts" Thomas Stadler (28.6.16)
Der Fall Gina-Lisa Lohfink, die angibt vergewaltigt worden zu sein und jetzt selbst wegen falscher Verdächtigung vor Gericht steht, erhitzt die Gemüter. Während sich Feministinnen mit Lohfink solidarisieren und vor dem Gerichtsgebäude demonstrieren, meinen andere, ebendiese Demontrantinnen seien Demagoginnen und würden den Rechtsstaat frontal angreifen. Dass die Debatte die üblichen juristischen Zirkel verlassen hat und mittlerweile auch auf der Straße geführt wird, ist zu begrüßen. ... Dem Gesetzgeber müsste es gelingen, eine Formulierung zu finden, die erkennbar nicht einvernehmliche sexuelle Handlungen unter Strafe stellt, ohne gleichzeitig nichtstrafwürdiges Verhalten zu pönalisieren. Denn der bloße, nicht zum Ausdruck gebrachte Wille des Opfers kann alleine nicht ausreichend sein für eine Bestrafung. Der Gesetzgeber muss eine Tathandlung definieren, durch die sich der Täter über einen für ihn erkennbar entgegenstehenden Willen des Opfers hinwegsetzt. Das fehlende Einvernehmen des Opfers muss sich also in irgendeiner Form äußerlich sichtbar manifestieren, damit eine Missachtung des Opferwillens festgestellt werden kann. Aber auch dann wird es Fälle geben, die kritisch bleiben. Was ist, wenn es nach einem anfänglichen Nein durch Überredung doch noch zu einvernehmlichem Sex kommt? Wie genau sind die Anforderungen an die notwendige Willensbeugung zu definieren?
Der Gesetzgeber steht immer vor dem Problem, eine generell-abstrakte Formulierung finden zu müssen, die im Idealfall alle strafwürdigen Konstellationen erfasst. Nicht nur als Jurist sollte man wissen, dass das kein ganz triviales Unterfangen ist  ...
http://www.internet-law.de/2016/06/der-fall-gina-lisa-lohfink-und-die-geforderte-verschaerfung-des-sexualstrafrechts.html#comments

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Söldert (30.06.2016)

Den Spiegel print Nr. 25, Seite 36, haben hoffentlich viele Menschen gelesen. Damit sind sicher einige Fragen beantwortet worden.
Die Zumutung des Gerichtes, bei Vorführung des Filmmaterials die Öffentlichkeit nicht auszuschließen, halte ich für einen Justizskandal!!

In Deutschland wird nach zahlreichen, jahrelangen Hochrechnungen und Schätzungen nur ein Bruchteil (im einstelligen Prozentsatz) aller Vergewaltigungen angezeigt. Das liegt daran, dass das Opfer die einzige Zeugin ist. Natürlich gibt es auch keine Filmaufnahmen, mit denen die Täter im Internet prahlen. Das hat es zuletzt im Ausland einmal gegeben, wo die Frauenrechte allenfalls am Rande vorkommen.

Ob ein Nein ausreicht, ob das Opfer sich körperlich wehrt und bei Strafanzeige Körperverletzungen nachweisen kann, ist vollständig unerheblich. Das Opfer kann sich auch selber verletzt haben, um die Straftat vorzutäuschen. Das Problem ist gerade die unterschwellige und oft genug auch offenbarte Meinung, Frauen machen sich einen Spaß daraus, Männer vor Gericht zu zerren. Dem widerspricht das schreckliche Geschehen, das Frauen dabei über sich ergehen lassen müssen. Von Zwangsuntersuchung bis Aussagen vor Polizei und Gericht, die nicht zimperlich mit dem Opfer umgehen. Öffentlichkeit und Presse geifert natürlich mit. Daher tendiert das Anzeigeverhalten der betroffenen Frauen gegen null. Vor allem, wenn sie danach feststellen müssen, dass es nur in einem ebenfalls einstelligen Prozentsatz zu einer Verurteilung der Täter kommt. Faktisch wird jeder Täter ohne entsprechende Vorstrafen freigesprochen, wenn er sich nicht ganz blöde anstellt.

Das Problem ist nicht zu lösen. Die Beweislagen sind in den meisten Fällen zu dürftig. Eine Gesetzesänderung ist reine Kosmetik.

... Erschütternd finde ich, dass in Deutschland zwar mittlerweile thematisiert wird, dass Frauen ein Trauma an Körper und Seele erleiden, wenn sie vergewaltigt werden, sie nochmal traumatisiert werden angesichts des gesamten Prozedere bei Strafanzeige, aber sich mit den eventuellen Infektionen (HIV usw.) und Schwangerschaftsabbrüchen alleine beschäftigen dürfen, jedenfalls, was staatliche Einrichtungen betrifft. Für die ist der „Fall“ mit dem Urteil erledigt.

Vergewaltigung ist eines der übelsten Verbrechen, die es gibt. Dass die Täter von Frauen geboren wurden und dann Frauen so vernichten, ist eine Schande. Ein Schandfleck für das männliche Geschlecht.


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Franzy (30.06.2016)

Als Ebner das besagte Video ohne Ausschluss der Öffentlichkeit ansehen will, springt Lohfinks Rechtsanwalt Christian Simonis erzürnt auf, zieht seine Robe aus und haut mit der Faust auf den Tisch. Lohfink bricht daraufhin in Tränen aus und ruft: „Die dürfen das alle sehen, dann sehen alle mal, wie es mir erging.“ Simonis rennt aus dem Saal.
http://www.berliner-zeitung.de/panorama/gina-lisa-lohfink-vor-gericht—dann-sehen-alle-mal–wie-es-mir-erging–24302982-seite3 (http://www.berliner-zeitung.de/panorama/gina-lisa-lohfink-vor-gericht—dann-sehen-alle-mal–wie-es-mir-erging–24302982-seite3)

Der nächste Eklat: Die Richterin will gegen ihre ursprünglich Auffassung die Öffentlichkeit bei den Video nicht ausschließen. Auf dem Laptop am Richtertisch und mit leisem Ton würde die Öffentlichkeit sowieso nichts mitbekommen.

Die Anwälte springen auf, protestieren. Gina: „Die Öffentlichkeit soll das ruhig sehen. Ich will das.“ Doch die Anwälte sind anderer Meinung, verlassen den Saal. Einer sagt: „Bei Ihnen hakt‘s wohl.“

http://www.bz-berlin.de/berlin/prozess-gegen-gina-lisa-lohfink-erste-zeugen-sagen-aus (http://www.bz-berlin.de/berlin/prozess-gegen-gina-lisa-lohfink-erste-zeugen-sagen-aus)



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klabauter (30.06.2016)

Das Video hat in der Verhandlung sehr wohl etwas verloren, weil es eines der zentralen Beweismittel ist und Gegenstand eines Urteils – egal ob Freispruch für GinaLisa oder Verurteilung . ...


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BERLIN dpa | Gina-Lisa Lohfink ist bei der Fortsetzung ihres Prozesses in Tränen ausgebrochen. Als die Richterin am Montag ein Video zur Beweisaufnahme – den Laptopmonitor vom Publikum abgewandt – anschauen ließ, blieb das Model zunächst auf seinem Platz. Als ihr Anwalt sie dazu holte, begann sie zu weinen. „Es ist wirklich schlimm, was hier mit mir gemacht wird“, sagte sie.

Richterin Antje Ebner rügte daraufhin den Anwalt: „Sehen Sie nicht, dass Ihre Mandantin emotional überfordert ist? Warum müssen Sie Ihre Mandantin so vorführen?“

Die Verhandlung wurde für zehn Minuten unterbrochen. Die frühere „Germany's next Topmodel“-Kandidatin muss sich vor dem Amtsgericht Berlin-Tiergarten wegen falscher Verdächtigung verantworten, weil sie zwei Männer der Vergewaltigung beschuldigt.

Am Montag soll auch einer der beiden von Lohfink beschuldigten Männer als Zeuge gehört werden. Der 32-jährige Ex-Manager Sebastian Castillo Pinto war lange nicht auffindbar und tauchte kurz vor der Verhandlung überraschend auf. Die Vergewaltigungsvorwürfe gegen die beiden Männer hatten sich laut früherer Ermittlungen nicht bestätigt.


Aus: "Fortsetzung im Lohfink-Prozess: Tränen vor Gericht" (taz, 8. 8. 2016)
Quelle: https://www.taz.de/Fortsetzung-im-Lohfink-Prozess/!5329417/ (https://www.taz.de/Fortsetzung-im-Lohfink-Prozess/!5329417/)
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on July 02, 2016, 01:03:15 PM
"Sexualstrafrecht: Das Schlafzimmer als gefährlicher Ort" Sabine Rückert (2. Juli 2016 DIE ZEIT Nr. 28/2016, 30)
Noch vor der Sommerpause soll eine unnötige und verhängnisvolle Verschärfung des Sexualstrafrechts durchgepeitscht werden  ... Der angestrebte "Paradigmenwechsel" besteht offensichtlich darin, bei Nötigung und Vergewaltigung die Wahrheitsfindung unüberprüfbar aus der Objektivität heraus und in die persönliche Deutungshoheit der Anzeigeerstatterin zu legen. Was leidenschaftliche Liebesnacht und was Vergewaltigung war, definiert die Frau am Tag danach. Die Folge: Bei den Sexualpartnern zieht das Misstrauen ein. Und die Sexualität an sich – also ein sonst schönes und erwünschtes Verhalten – wird durch derartige Kampagnen ins Zwielicht und in die Nähe des Verbrechens gerückt. Das Intime gerät in Verdacht, das Schlafzimmer wird zum gefährlichen Ort. Eine solche Verrechtlichung des Intimlebens ist beunruhigend. ...
Dass eine Frau auch von anderen als hehren Motiven durchdrungen sein könnte, davor verschließen all jene die Augen, die fordern, jeder Frau, die eine Vergewaltigung anzeigt, müsse immer und unter allen Umständen geglaubt werden – und das sind nicht wenige. Als hätte es die prominenten Fälle des unschuldig verurteilten Lehrers Horst Arnold (seine Falschbeschuldigerin wurde 2013 zu einer Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt) oder des Fernsehmoderators Jörg Kachelmann nie gegeben. Als gäbe es unter weiblichen Menschen keine Wichtigtuer oder psychisch Defekten. Zu welch grotesken Blüten solcher Glaube führt, zeigte sich schon 2008 im sächsischen Mittweida, wo die 18-jährige Rebecca K. der Polizei ein in ihre Hüfte geschnittenes blutverkrustetes Hakenkreuz vorwies und behauptete, eine Rotte Neonazis, vor der sie ein Kind habe bewahren wollen, hätte ihr das angetan. Umfängliche polizeiliche und gerichtsmedizinische Ermittlungen setzten ein und ergaben: Das Mädchen musste die Geschichte erfunden und sich die Wunde selbst zugefügt haben. Trotzdem entschloss sich das Berliner Bündnis für Demokratie und Toleranz, eine politische Initiative gegen rechte Gewalt, Rebecca K. den Ehrenpreis für Zivilcourage zu verleihen – unbeeindruckt von der Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft Chemnitz gegen die Frau wegen "Vortäuschung einer Straftat" ermittelte. Frau K.s Laudatorin, die ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin Cornelie Sonntag-Wolgast (SPD), sagte, es gehe allein um das "Lob der Zivilcourage". Kurze Zeit später wurde die Preisträgerin verurteilt.
... Auch andere Fallkonstellationen sind denkbar, in denen das "Nein heißt nein" den Frauen keine Vorteile bringen, sondern Probleme bereiten könnte. Der Vorsitzende des 1. Strafsenats des Bundesgerichtshofs, Rolf Raum, stellte kürzlich in einer Tagung Überlegungen an, was strafrechtlich auf eine zärtlichkeitsbedürftige Frau zukommen könnte, die ihren Mann durch sexuelle Avancen etwa beharrlich beim Fußballgucken stört. Fasse sie ihm dabei zum Beispiel gegen seinen erkennbaren Willen – und sein "Nein" überhörend – in den Schritt, könnte dies (nach Paragraf 177 Abs. 1: Sexueller Übergriff) künftig zu einer empfindlichen Strafe führen. ...
http://www.zeit.de/2016/28/sexualstrafrecht-verschaerfung-kritik/komplettansicht

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Juliett Tango Two #2

"unnötige und verhängnisvolle Verschärfung des Sexualstrafrechts "
Die Silversternacht in Köln und ähnliche Ereignisse haben gezeigt, dass dringend eine Verschärfung des Sexualstrafrechts nötig ist.


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Grails_Knight #2.4

Inwiefern?

Köln war ohnehin strafbar. Als Nötigung, als Raub und eventuell auch als Vergewaltigung.
Was Köln so beängstigens macht ist nicht die "Schutzlücke", sondern eine Art von Kriminalität, die in Deutschland bis dahin nicht oder fast nicht vorkam.
Eine überforderte Polizei zusammen mit einer feiernden Menge, die offenbar nicht darauf achtete oder achten wollte was um sie herum geschah.
Inwiefern eine "Nein heisst Nein" Regelung hier hilfreich gewesen wäre verschliesst sich mir (ausser vielleicht das man die Täter "auf zuruf" hätte verurteilen können, ohne Beweise, aber das wird auch ein neues gesetz nicht ändern können, es gelten Grundlegende Rechtsprinzipien.
Im übrigen wäre es sehr viel wichtiger, die kulturellen, gesellschaftlichen und sozialen Gründe zu erforschen, die Täter und Opfer hervorbringen. Es wäre viel wichtiger, eine offene Debatte zu führen als eine Hetzkampagne durchzupeitschen. Eine Srtraftat, die nicht stattfindet, ist immer besser als eine, die ein Urteil nach sich zieht.

Leider hat man sich mal wieder für den kampagnenstil entschieden, der nur die Frauen zu armen Opfern und Männer zu reissenden bestien stigmatisiert. Damit ist niemandem geholfen. Ein echter Fortschritt wäre, wenn Opfer offen mit ihrem erleben umgehen könnten, ernst genommen würden, und wenn man zumindest versuchen würde, zu verstehen, wie es zu solchen taten in solchen Ausmaße kommt.


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Bill Tür #7

Die angedachten Änderungen können unter gewissen Umständen in Einzelfällen Betroffene unterstützen. Jedoch wird gleichzeitig das Miteinander vergiftet. Man muss sich stets vor Augen führen, dass es gemäß Verurteiltenstatistik jedes Jahr 99,996 Prozent der Männer schaffen, nicht gegen Paragraph 177 zu verstoßen.

In Zukunft lässt man die Bürotür lieber offen, nimmt den nächsten Fahrstuhl und verzichtet auf die Umarmung zur Begrüßung. Die feministische sexuelle Befreiung der zweiten Welle aus den 60er und 70er Jahren scheint damit mehr und mehr zu scheitern und einem viktorianischem Frauenbild zu weichen.


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"Sexueller Übergriff: Am besten schauen Sie einfach weg" Jana H. (30. Juni 2016)
Eine Frau wird in einem ICE Opfer sexueller Übergriffe durch betrunkene Fußballfans. Der Zugführer ruft Verstärkung. Wie viel Hilfe darf man von Polizisten erwarten? ....  Im Bordbistro herrscht Chaos. Hinter der Theke steht ein Mitarbeiter der Deutschen Bahn und gibt Plastikbecher mit Bier aus. Hier sind so viele Männer, dass es kaum möglich ist, sich vorwärts zu bewegen. Ich gerate in Panik. Ich versuche, weiterzulaufen. Die Männer grölen, einer sieht mich und ruft: "Ich fick dich in den Arsch, Hure." Alle lachen. Ein anderer sagt: "Ich helf dir hier durch", dann kippt er mir sein Bier über Rock und Rucksack, weil er sein Glas nicht mehr gerade halten kann. Einer umfasst von hinten meine Hüften. Ich weiche zurück und brülle: "Können Sie mich bitte durchlassen, ohne mich anzufassen?"
Die Männer um die Theke versperren den schmalen Durchgang zum Sitzbereich des Restaurants. Niemand bewegt sich. Alle schauen mich an. Ich nehme meinen Mut zusammen und drängle mich an ihnen vorbei. Von allen Seiten spüre ich Hände auf meinem Körper. An meiner Taille, meinem Po, meinen Brüsten. Ein Gerangel, Bier kippt über meine Schultern. Einer ruft: "Nein heißt Nein!" Wieder lachen alle anderen. ...
http://www.zeit.de/zeit-magazin/leben/2016-06/sexueller-uebergriff-deutsche-bahn-polizei

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Ich Homunculus (03.07.2016)
Auch ich (30 jährige blonde Frau) bin mehrfach in ICE Zügen belästigt worden. Noch öfter bin ich jedoch sehr respektvoll und freundlich behandelt worden. Dennoch braucht es dringend eine Debatte und ein Bewusstsein darüber dass Züge eine ideale Plattform für übergriffiges Verhalten und "Machoismus" sind. Und das man hier darüber spricht ist ein sehr guter Anfang denn Sie, liebe Autorin sind längst nicht die einzige der es so ergeht!


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no_more_BlackSites (03.07.2016)

Natürlich hätte die Polizei alle rausziehen können. Bei linken Demos ist es gang und gäbe wegen lächerlichen Aspekten wie vermeintlich zu langen Transparenten, "Vermummung" etc. gleich 1000 Leute einzukesseln, 8 Stunden lang festzuhalten und Pfefferspray in die gefangene Menge zu halten (s. Blockupy 2013).

Aber bei knapp 100 besoffenen Fußballfans soll es nicht möglich sein, die sicher aus dem Zug zu eskortieren und draußen erstmal eingekesselt warten zu lassen?

Und zum Thema, dann trifft es Unschuldige; Das ist der Polizei bei Kesselaktionen gegen Demonstranten auch sch***egal. Auch da werden oft mehrheitlich Leute eingekesselt, die nichts gemacht haben, selbst Leute, die rein zufällig dort waren, wie Touristen, werden mitgekesselt und stundenlang nicht rausgelassen. Das Motto ist da ganz klar: Mitgehangen, mitgefangen.

Btw., weil hier manche schreiben, dass die mögliche Kosten bei Demonstrationen ja auch nicht von den Organisatoren übernommen werden müssen, es also bei den Vereinen auch ungerecht wäre: Nein, das ist nicht der Fall. Demos sind vom GG geschützt. Die Organisatoren müssen sie veranstalten können, ohne Angst vor Kosten zu haben. Fußballspiele sind nicht vom GG geschützt und im Gegensatz zu Demos KOMMERZIELLE Veranstaltungen. Die Vereine machen auf Kosten des ÖPNV und der Fahrgäste richtig Reibach.

Ich habe ähnlich Situationen im ÖPNV in NRW auch schon erlebt. Allerdings ohne sexuelle Übergriffe, "nur" mit mehrfacher Anmache betrunkener Fußballfans.


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karrie (03.07.2016)

ich finde es unerträglich solches zu lesen. ich kann mich absolut in die situation hineinfühlen und mir wird speiübel bei dem gefühl. angst, machtlosigkeit, hilflosigkeit und danach wird man noch als unglaubwürdig verkauft. das ist erniedrigend, zusätzlich zu dem physischen und psychischen eingriff in meine privatsspähre in der situation an sich. genau da reihen sich hier manche kommentare ein, die die autentizität in frage stellen. wenn ein mensch angst empfindet, muss man darauf rücksicht nehmen. das nennt sich einfühlungsvermögen. es ist ein opferbericht! natürlich schildert sie aus ihren augen was passiert ist. klar, ein umstehender würde vielleicht sagen, "stell dich nicht so an". und genau darum geht es. dieses runterreden legitimiert ein verhalten, dass für die opfer, ob frau oder mann, absolut demütigend ist. und für den/die täter grad mal ein "stell dich doch nicht so an". wenn mir in der stadt (und so ist es tatsächlich passiert) ein mann entgegenkommt, ich bin alleine als frau unterwegs, und mich fragt, ob ich nicht sex mit ihm haben möchte, dann ist das erniedrigend. und gehört bestraft. ich habe die polizei angerufen, die haben mich gefragt, ob ich beleidigt wurde oder angefasst. beides nein. also kann man nichts machen. soll das so laufen? in deutschland? in europa? im jahr 2016??? soll ich mit pfefferspray, messer, diktiergerät und videokamera durch die gegend laufen, weil mir sonst keiner hilft oder glaubt? ...


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SaKemn (03.07.2016)

Die Autorin spricht mir mit jedem Wort aus der Seele! Ich habe mehrfach ähnlich aggressiv auftretende DEUTSCHE Männergruppen auf der Fahrt von Bremen nach Nürnberg - oder zurück - erlebt. Da sind die Fußballfans, Junggesellenabschiede, Betreibsausflüge, der Kegelverein, etc. und niemand wagt es einzuschreiten. Zugabteile sind offensichtlich rechtsfreier Raum. Immer, wenn es sich vermeiden läßt, fahre ich aus diesem Grund Auto.


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Achim403 (02.07.2016)
Die Mitarbeiter der Polizei darf in sämtlichen Zügen ihres Bundeslandes umsonst mitfahren, um dort hoheitliche Aufgaben wahrzunehmen. Ich war selber 20 Jahre Lokführer in allen Geschäftsbereichen und hatte mit betrunkener Klientel, egal ob Anzugträger oder Fan, zu tun. Bei Vorkommnissen dieser Art gab es eine Warnung,die in Form einer Durchsage mitgeteilt wurde. Ansonsten blieb der Zug stehen bis die Polizei eintraf und die Situation geregelt war, da sonst ein ordnungsgemäßer Eisenbahnbetrieb nicht durchführbar war.
Leider musste ich selber in der jetzigen Zeit solch ein Verhalten der Polizei miterleben. Das das Vertrauen immer weiter sinkt verwundert mich nicht. Ich gehe davon aus, dass die Polizisten Kommunikationsregeln kennen und Eskalationsstrategien beigebracht kriegen. Nun brauchen sie diese bloß noch umzusetzen. Duzen geht gar nicht.


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Thorigrarg (02.07.2016)

Es gibt eine ganz einfache Lösung: der Verzehr alkoholhaltiger Getränke gehört in öffentlichen Verkehrsmitteln grundsätzlich verboten und konsequent durchgesetzt, wie es zum Beispiel bei der Metronom-Gesellschaft in Norddeutschland gehandhabt wird.

Und alkoholisierte Fahrgäste, die ausfällig werden, gehören am nächsten Bahnhof ausgesetzt.

Mit dieser Vorgehensweise hätte man nicht nur als Frau Ruhe vor sexuellen Belästigungen, sondern auch als Mann könnte man bei solchen "Fußball-Großkampftagen" wieder in Ruhe mit der Bahn fahren, ohne sich a) Fremdschämen zu müssen oder b) einfach nur von so viel geballter Dummheit der Mitmenschen genervt zu werden.

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ak888 (02.07.2016)

Im amerikanischen Greyhound Fernbus werden alkoholisierte bzw Fahrgäste, die nur eine Bierdose offen zeigen mit Rauswurf und Anzeige bedacht.



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iLucas_HD (01.07.2016)

Ich bin selbst in der aktiven Fanszene und kenne die Umstände dort. Gleich vorweg: Es ist mir egal ob ein Grapscher aus Deutschland, Marokko oder vom Mars kommt. Er MUSS herausgefiltert und vor Gericht gestellt werden. Aber wieso soll hierfür der Verein aufkommen/bestraft werden? Er hat kein Hausrecht im Zug und darf hier garnicht mit Ordnern eingreifen. Und warum sollen Vereine Polizeieinsätze finanzieren? Weil hier mehr Polizei benötigt wird? Die Linkspartei muss auch die Einsätze für ihre 1.Mai Demos oder Karnevalsvereine die für ihre Umzüge nicht bezahlen. Am Karnevalsumzug gibt es genauso viele besoffene Affen. Und warum soll die Polizei hier "in voller Montur" in den Wagon rein? Da sind zu viele Menschen drin, die mit diesem Vorfall nix zu tun haben. Ich war bei so einer Aktion der Polizei mal dabei. Jeder der es noch nicht war, kann darüber sehr froh sein Pfefferspray in einen vollen Wagon sprühen, weil EINER etwas beschädigt hat, ist unverhältnismäßig. Was nicht heißt, dass er nicht rausgeholt werden muss. Und warum will die Reporterin nicht die Täter identifizieren? Wenn die Polizei nicht in der Lage ist, mit ihrem Gewaltmonopol Opfer zu schützen, ist das nicht das Problem der Fans sondern der Politik. Zum Thema Sonderzüge für Fans: Das ist besser für alle! Aber erstens werden diese immer weiter von DB und co. zusammengestrichen und zweitens sollten diese auch nur von Fans benutzt werden (und nicht von Leuten mit Fahrrad trotz der Kennzeichnung Fußballsonderzug!)


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Kölsche Joong (01.07.2016)

Trauriges Ereignis, das einen nur wütend macht. Zum einem, dass was im Argen liegt mit der Strafverfolgung in unserem Staate und zum anderem das völlige Unrechtsbewusstsein bei vielen Männern, die meinen, in Gruppen und alkoholisierten Zustand sich alles erlauben zu dürfen. Von der teilnahmslosen und wegschauende Zivilgesellschaft will ich erst gar nicht reden. P.S. Von den sog. "Kölner Übergriffen" soll mir jetzt ab sofort keiner mehr um die Ecke kommen. Denn die sexuelle Gewalt in der anonymen Masse in der Öffentlichkeit ist in unseren Breitengraden nämlich nicht ethnisch begründbar, sondern zunächst einmal ausschließlich ein Verbrechen von und durch Menschen männlicher Herkunft!


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J-R vor (02.07.2016)

Die teilnahmslose Zivilgesellschaft ist in dem Zug in der Unterzahl, genauso, wie die Staatsmacht.
Ich habe eine ähnliche Situation in kleinem Maßstab mal verhindern können, als ein Fan mal in mein Gruppenabteil kam, nachdem eine zwar nicht alkoholisierte, aber für mich auch nicht komplett zurechnungsfähige Dame ihn durch Quengeln bezüglich der Lautstärke in seinem Abteil dazu ermutigt hatte. Als es dann mit Anfassen los ging, hat er sich auf mein "Geht's noch?!" dann mir zugewandt und wollte dringend wissen, ob das meine Freundin sei. Von den restlichen Leuten im Abteil kam keine Reaktion. Ein junger Mann meinte, er müsse, während er den Zug verließ, dem Herrn Fan noch sagen, er sei nicht so stark, wie er meine. Was für ein Würstchen. Die belästigte Dame hat sich dann irgendwann nett mit dem Fan unterhalten. So schlimm war dann nämlich alles doch nicht, vermutlich war sie am Anfang nur sauer, dass die Party ohne sie gefeiert wurde.

Manchmal denke ich, ich bin bei den Irren.
Ich schätze seitdem ab, wie zurechnungsfähig die Opfer sind, bevor es von mir eine präventive Einmischung gibt. Ansonsten gibt es bei denen nämlich auch keinen Lerneffekt ...


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Frl.Clarissa (01.07.2016)

Schön hier so viel männliche Solidarität zur sexuellen Gewalt gegen Frauen zu lesen!

Bedacht werden sollte dabei aber, dass sexuelle Übergriffe, auch wenn sie "nur" verbal sind, eine grundsätzliche frauenverachtende Einstellung vieler, nicht aller! Männer gegenüber uns Frauen in UNSERER Gesellschaft zeigen.

So wie Kindermund Wahrheit kundtut, hat auch der Alkoholisierte keine Hemmungen, seine wahre Einstellung zu zeigen, die nicht nur bei Fußball-Proleten oft latent frauenverachtend ist. Das wird in Diskussionen hier gerne bestritten, oder es wird empfohlen, wir Frauen sollten uns doch bitte nicht so anstellen. "Ist doch nur Spaß". Tatsächlich?
Dann ein sehr dummer Spaß auf unsere Kosten die nachhaltiger sind, als viele Männer sich das vorstellen können.

Denn welcher Mann würde es wohl spaßig nehmen, wenn er von mehreren deutlich größer und stärkeren Männern, in bedrohlicher Form das Angebot bekäme, mal so richtig in seinen A.... ....... zu werden.
Solche "Angebote", man glaubt es nicht, sind nach Meinung mancher Männer hier nicht weiter schlimm, solange den verbalen Ankündigungen keine physische Tat folgt.

Das Verhalten der Fußballproleten gegen Jana H. und auch das Verhalten der Polizei, ist nur aus latenter Frauenverachtung möglich, die bei passender Gelegenheit zu verehrenden Taten führt. Man lese z. B. Schützenfast von Ferdinand von Schirach. [Schuld: Stories, Ferdinand von Schirach (Autor)] ...

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"Schutz vor Gewalt: Deutsche Bahn will Bodycams testen" Axel Kannenberg (heise online, 10.07.2016)
Die Gewalt gegen Bahnmitarbeiter nimmt zu. Der Konzern erwägt, seine Angestellten mit Minikameras an der Uniform auszustatten. Die Bodycams sollen potenzielle Angreifer abschrecken. ...
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Schutz-vor-Gewalt-Deutsche-Bahn-will-Bodycams-testen-3262838.html

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on July 04, 2016, 02:08:54 PM
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[...] "Frauen suchen sich oft andere Stoffe als Männer", sagt Maren Ade, "psychologischere." ...
Aus: "Deutsches Kino: Warum will keiner tolle Filme sehen?" (4. Juli 2016)
Quelle: http://www.zeit.de/kultur/film/2016-07/deutsches-kino-toni-erdmann-maren-ade-frauen-foerderung (http://www.zeit.de/kultur/film/2016-07/deutsches-kino-toni-erdmann-maren-ade-frauen-foerderung)

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[...] Der Bundestag beschließt diese Woche ein neues Sexualstrafrecht. Im Mittelpunkt steht der Grundsatz "Nein heißt nein" - überraschend sieht das Gesetzespaket aber auch härtere Abschieberegeln vor.

... Zum besseren Verständnis lohnt ein Blick in den Kern der Reform. Vergewaltigungen und sexuelle Nötigung werden nach Paragraf 177 des Strafgesetzbuches geahndet. Dieser wird nun grundlegend erneuert.

In Zukunft macht sich jemand schon dann strafbar, wenn er "gegen den erkennbaren Willen einer anderen Person sexuelle Handlungen" vollzieht. Bisher gilt das weitgehend nur für Taten, bei denen dem Opfer gedroht oder Gewalt angetan oder wenn dessen schutzlose Lage ausgenutzt wurde.

Verkürzt gesagt bedeutet das Prinzip "Nein heißt nein": Eine Frau muss nicht schreien oder sich körperlich wehren - sexuelle Handlungen gegen ihren Willen sind trotzdem Unrecht.

Bis zuletzt war unklar, ob das Prinzip "Nein heißt nein" auch ins Aufenthaltsgesetz überführt wird. Dort ist unter anderem geregelt, unter welchen Umständen Ausländer ausreisepflichtig sind.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen ist die Entscheidung gefallen. Der reformierte Paragraf 177 soll ausdrücklich auch im Aufenthaltsgesetz greifen und das darin enthaltene Ausweisungsrecht verschärfen.

"Der Grundsatz des 'Nein-heißt-nein' wird auch im Ausweisungsrecht implementiert", heißt es in dem gemeinsamen Antrag der Koalitionsfraktionen. Das bedeutet, dass das neue Sexualstrafrecht die Hürden für einzelne Abschiebungen senken kann.

Wie kommt es dazu? Schon jetzt wird die Straffälligkeit von Ausländern stärker gewichtet als früher. Dafür sorgte die Koalition, als sie im Januar die Ausweisung ausländischer Straftäter erleichterte. Das Gesetz war eine Reaktion auf die sexuellen Massenübergriffe auf Frauen in der Kölner Silvesternacht, an denen überwiegend Männer aus dem Maghreb beteiligt waren.

Seitdem kann jede Freiheits-, Jugend- oder Bewährungsstrafe dazu führen, dass ein Ausländer ohne Asylanspruch ausgewiesen wird. So gut wie sicher ist ein Abschiebebescheid, wenn die Strafe mindestens ein Jahr beträgt. Früher lag die Hürde bei zwei Jahren und mehr.

Das "Gesetz zur erleichterten Ausweisung ausländischer Straftäter" schließt verurteilte Straftaten im sexuellen Bereich eigentlich schon mit ein. Allerdings muss, neben anderen Delikten, auch eine sexuelle Straftat mit "Gewalt, Drohung, Gefahr für Leib und Leben oder List" verknüpft sein, damit sie als Ausweisungsgrund anerkannt wird.

Genau diese Einschränkung soll jetzt wegfallen. Eine Tat nach Paragraf 177 könne künftig "unabhängig von den bisherigen Tatmodalitäten zu einem Ausschluss von der Flüchtlingsanerkennung führen", heißt es in dem Papier.

... Unabhängig davon ist das Sexualstrafrecht seit Monaten in der Diskussion. Die Rechtsprofessorin Monika Frommel kritisiert im SPIEGEL, das Gesetz schaffe neue Rechtslücken. Fachpolitikerinnen von Union und SPD loben hingegen den "Paradigmenwechsel". Das Recht jeder Frau auf sexuelle Selbstbestimmung werde endlich "voll zur Geltung" gebracht.

... Der Antrag der Koalitionsfraktionen verschärft einen Gesetzentwurf von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD). "Nein heißt nein" war in Maas' Vorschlag zunächst nicht vorgesehen, der Minister zeigte sich aber offen für Ergänzungen. Eine Reform des Sexualstrafrechts hatte sein Haus schon lange vor den Kölner Silvester-Übergriffen angestoßen.

Zusammengefasst: Der Vergewaltigungsparagraf wird nach langem Streit erneuert, das Prinzip "Nein heißt nein" im Sexualstrafrecht verankert. Mit der Reform verbunden ist auch eine Änderung im Aufenthaltsrecht. Straffällig gewordene Ausländer können damit unter Umständen leichter abgeschoben werden als früher.


Aus: "Neues Sexualstrafrecht: "Nein heißt nein"-Prinzip soll Abschiebungen erleichtern" Annett Meiritz (05.07.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sexualstrafrecht-nein-heisst-nein-soll-abschiebungen-erleichtern-a-1101316.html (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/sexualstrafrecht-nein-heisst-nein-soll-abschiebungen-erleichtern-a-1101316.html)

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[...] Sie winden sich, die Experten und Expertinnen, die gegen eine Reform des Sexualstrafrechts sind. Es ist ihnen too much, die Sache mit der sexuellen Selbstbestimmung so ernst zu nehmen, dass Gesetze umgeschrieben werden müssten. Trotzdem wird am Donnerstag der Bundestag wahrscheinlich für die Reform stimmen. Es geht dabei um mehrere Änderungen, unter anderem um die Frage, wann etwas eine Vergewaltigung ist.

Die Kritikerinnen und Kritiker dieser Reform fahren so schauerliche Klischees von Männern, Frauen, Sex und Gewalt auf, dass es zwar bitter ist, das anzuhören, aber eine Untersuchung lohnt, zumal sie sich an entscheidenden Stellen widersprechen.

Einer der Kritiker ist Bundesrichter Thomas Fischer, der in seiner "Zeit Online"-Kolumne eine gewisse Freude daraus zu schöpfen scheint, anderen zu erklären, dass sie keine Ahnung von seinem Fachgebiet haben. So schön es ist, wenn jemand sein Wissen teilt, so tragisch ist es, wenn diese Kompetenz durch frauenfeindliche Polemik getrübt wird oder gar in ihr versinkt, was ihm leider ab und zu passiert.

Fischer, der schon 2015 empfahl, man solle "das Sexualstrafrecht endlich einmal in Ruhe lassen" (hat keiner drauf gehört) schreibt nun über eine Journalistin, die auf Brigitte.de etwas Falsches zum Fall Gina-Lisa Lohfink geschrieben hat, dass "die simpelsten Einsichten des Verstands bei ihr nicht mehr wirken", und er "fürchtet", das komme "irgendwie aus den Hormonen". Aus welchem Körperteil diese Vermutung bei ihm kommt, sollten mal Biologinnen klären.

Dass Expertise im Strafrecht nicht zwingend mit Expertise zu Frauen einhergeht, zeigt auch Fischers Exegese der Sehnsüchte und Ängste "der deutschen Frau": "Kaum trippelt man selbstbestimmt im kurzen schwarzen Spitzenkleidchen übers Parkett [...] - da starren frech schon wieder: Männer." Man kriegt richtig Bock, mit so jemandem mal zusammenzuarbeiten.

Anders als Fischer suggeriert, ist Vergewaltigung allerdings keine "Frauenfrage". Es werden erstens auch Jungs und Männer vergewaltigt und missbraucht (die meisten Missbrauchsopfer in der katholischen Kirche sind männlich) und zweitens gehört zu jedem Fall, in dem eine Frau von einem Mann vergewaltigt wird, eben auch dieser Mann. Vergewaltigung als Frauenthema zu sehen, heißt Männer, die zu Opfern werden, zu verschweigen, und Männer, die zu Tätern werden, als unhinterfragbare Naturgewalt hinzustellen.



Am Fall Gina-Lisa Lohfink sind für Fischer, apropos Natur, vor allem die Brüste der Angeklagten interessant und die Einkünfte, die sie ihr - seines Erachtens - quasi im Alleingang verschaffen. Er erklärt beleidigt, dass ihr Einkommen "plausibel ist, denn als Mensch mit dem Beruf 'Vorzeigen-von-dicken-Silikonbrüsten' sollte man schon deutlich mehr verdienen als der Präsident eines Obersten Bundesgerichts." Große Worte für einen, dessen Beruf man als "Deuten von dicken Büchern" beschreiben könnte. Abgesehen davon, dass man Lohfink auch "Model, Schauspielerin, Sängerin" nennen könnte, wenn man den Respekt für Menschen nicht an der chemischen Zusammensetzung ihrer Oberweite festmachen würde.

Aber Fischer macht sich lieber lustig über die "kaum noch beherrschbare Welle von Sexualdelikten, die Deutschland bekanntlich überschwemmt". Ich weiß nicht, ob es eine zynischere Art gibt, Opfern von Sexualstraftaten so richtig auf die Fresse zu geben.

...


Aus: " Sexualstrafrecht: Was heißt Nein?" Eine Kolumne von Margarete Stokowski (05.07.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/stokowski-zu-sexualstrafrecht-was-heisst-nein-a-1101339.html

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on July 06, 2016, 07:54:23 AM
Quote
[...] Kim Kardashian hat vor Kurzem ein Ganzkörperselfie gepostet, auf dem sie nackt vor einem Badezimmerspiegel posiert. Die interessierte Öffentlichkeit teilte sich daraufhin grob in zwei Lager: Die einen warfen Kardashian vor, jungen Frauen zu vermitteln, sie bekämen nur dann Aufmerksamkeit, wenn sie nackt sind. Die anderen fassten das Bild als emanzipatorischen Akt auf: Das Selfie als Genre erlaube es Frauen, sich selbst so zu zeigen, wie sie gern gesehen und akzeptiert werden wollten, und das sei eine Freiheit, die Frauen noch nicht sehr lange hätten. ...
Aus: "Die Selfie-Dynastie" Felix Stephan (16. März 2016,)
http://www.zeit.de/kultur/kunst/2016-03/selfies-instagram-ausstellungen-schirn

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"Nur richtige Vergewaltigungen" Journelle (Samstag, 02. Juli 2016)
Zweifelsohne ist die Diskussion um Frau Lohfink, Vergewaltigung und Strafrecht mittlerweile so komplex, dass sie nur schwer zu überblicken ist. Ich versuche trotzdem kurz anhand dessen, was ich bislang hierzu gelesen habe, die Rahmendaten zusammenzufassen. ...
Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Journal und verschlagwortet mit Lohfink, neinheißtnein, Sexuelle Gewalt
http://www.journelle.de/4900/nur-richtige-vergewaltigungen/

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"Wie hat der Gesetzgeber „nein heißt nein“ umgesetzt?" (07.07.16)
In zahlreichen Pressemeldungen des heutigen Tages war zu lesen, dass der Bundestag einstimmig (!) eine Reform des Sexualstrafrechts beschlossen habe, durch das die Forderung „nein heißt nein“ im Gesetz verankert wurde. Was der Gesetzgeber aber genau regelt, war nirgends zu lesen. Deshalb hier zunächst ein kurzer Überblick über den Worlaut. ...
http://www.internet-law.de/2016/07/wie-hat-der-gesetzgeber-nein-heisst-nein-umgesetzt.html

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"DIE ÜBERLEGENHEIT DES BLICKS - Eine transdisziplinäre Verortung des fotografischen Blicks zwischen Kolonialismus und Tourismus"
Aria Sebastian Wojciechowski (Studiengang: Medien-Kommunikation-Kultur, 2014)
http://www.whitecharity.de/wp-content/uploads/Wojciechowski.pdf

White Charity - Schwarzsein und Weißsein auf Spendenplakaten
Öffentlicher Raum wird in Deutschland immer stärker von Werbung eingenommen.Während in kommerzieller Werbung hauptsächlich modisch gekleidete weiße Menschen in „zivilisiertem“ Umfeld dargestellt werden, sieht man auf Plakaten von „Hilfsorganisationen“ meist Schwarze Menschen in ärmlichen, ländlichen Bedingungen. Die Schwarz-Weißen Darstellungen werden durch ständige Anwesenheit und Wiederholung unhinterfragt zur Realität der BetrachterInnen.
Die Repräsentationen Schwarzer und weißer Menschen werden in der Regel nicht von den Organisationen erfunden, sondern sind Resultate einer Geschichte von Stereotypisierungen und müssen deswegen auch im Lichte dieser Geschichte betrachtet werden. Trotzdem tragen die Organisationen Verantwortung für die Reproduktion der Bilder. ...

http://www.whitecharity.de/
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on July 17, 2016, 08:54:59 PM
"Schweden: Welche schwedischen Werte?" Liv Heidbüchel (17. Juli 2016)
Gleichberechtigung ist ein Grundpfeiler der schwedischen Gesellschaft. Doch nach sexuellen Übergriffen auf Festivals wird klar: Über Probleme wurde bisher geschwiegen. ... Ein willkommenes neues Phänomen sei dagegen, dass Mädchen und Frauen sich heute trauen, über sexuelle Gewalt zu sprechen, sagt Persson. Allerdings: "Viele Menschen drücken sich vor dem Einmischen", sagt sie. "Nur jeder Zehnte sagt überhaupt etwas. Außerdem ist die Toleranz gegenüber dem gewalttätigen Verhalten von Jungen und Männern sehr groß." Persson meint, dass sich vielmehr Männer in die Diskussion einmischen müssten. Die Übergriffe auf den Festivals könnten den Anlass liefern.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-07/schweden-festivals-sexuelle-uebergriffe-bravalla

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"Männergesellschaft Türkei: Auch das Patriarchat hat ein Verfallsdatum" Caroline Fetscher (18.07.2016)
Der Putsch ist gescheitert, das Patriarchat triumphiert. Aber die Emanzipation der längst globalisierten Türkei wird nicht aufzuhalten sein. ... Das Land ist noch immer ein von Männern völlig dominiertes Territorium. Im privaten wie im öffentlichen Raum haben sie das Sagen. Symbolisch dafür stehen die Teehäuser und Cafés, auch in von türkischen Migranten geprägten Stadtteilen Deutschlands, in denen man nie eine Frau sitzen sieht. Der Zugang wird ihnen nicht einmal durch Schilder verwehrt – es versteht sich von selber, dass Frauen diese Räume nicht betreten. Eben auch nicht die Räume der Macht. ... Doch die Säkularisierungsschübe der Vergangenheit, der nachwirkende Kemalismus sowie die rasante Geschwindigkeit, mit der im Zeitalter der Globalisierung die Informationsströme fließen, verändern die Lage – zumal in den Städten. In Ankara wie Istanbul gibt es gebildete Frauen, Geschäftsfrauen, Anwältinnen, Ärztinnen und Lehrerinnen. Seit Atatürks Revolution von oben, die 1924 begann, drangen Frauen von den Rändern her in viele Lebensbereiche vor. Seit 1930 durften sie zunächst bei Regionalwahlen ihre Stimme abgeben, ab 1934 auch bei den Nationalwahlen. Widerstand der traditionellen Milieus gab es von Beginn an. Bis heute kämpfen Feministinnen wie Nebahat Akkoc gegen Polygamie, Ehrenmorde, Analphabetismus und Diskriminierung der weiblichen Bevölkerung – mit einem Wort: gegen das Patriarchat. ...
http://www.tagesspiegel.de/kultur/maennergesellschaft-tuerkei-auch-das-patriarchat-hat-ein-verfallsdatum/13888580.html


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"Homosexualitäten und Literatur Das lange Warten auf homosexuelle Romanfiguren" Alain Claude Sulzer (16.07.2016)
Im Literarischen Colloquium Berlin läuft derzeit das Festival "Empfindlichkeiten - Homosexualitäten und Literatur". Mit dabei ist auch der Schweizer Autor Alain Claude Sulzer, der einen Blick in die schwule Literaturgeschichte wirft. ... Welche Freuden und Unannehmlichkeiten außereheliche Beziehungen mit sich brachten, konnten die Leserinnen und Leser bei Fontane, Flaubert, Tolstoi und Dutzenden von weiteren Autoren nachlesen. Indem sie es einer breiten Öffentlichkeit zuführte, beglaubigte und verallgemeinerte die Literatur, was die Leser ahnten, ersehnten oder bereits am eigenen Leib erfahren hatten. Bei den Schriftstellern stieß man meist auf mehr Verständnis als im Freundeskreis.
Gleich war es mit der erfüllten Liebe und dem unerfüllten Verlangen. Davon erzählten Emily Brontë oder Heinrich von Kleist; davon erzählte Goethe, erzählten alle in allen nur erdenklichen Abweichungen. Es ging dabei ganz selbstverständlich um die vielfältigen Spielarten der Liebe zwischen den Geschlechtern. Wer sich im 18. oder 19. Jahrhundert Hinweise auf die Liebe zwischen Männern erhoffte, wurde enttäuscht.
Noch E. M. Forster entschloss sich im 20. Jahrhundert, den Roman „Maurice“ (1914), in dem die Liebe zwischen Männern unzweideutig im Mittelpunkt stand, nicht zu publizieren. Das geschah erst nach seinem Tod (1971). Seine Reputation aufs Spiel zu setzen, wäre sozialer Selbstmord gewesen. Forster schrieb Romane, die zwischen den Geschlechtern spielten. Als seine Geduld mit den normalen Menschen erschöpft war, wie er sagte, hörte er auf zu schreiben. ...
Wie müssen sich junge, homosexuell empfindende Männer und Frauen gefühlt haben, wenn sie feststellen mussten, dass ihr Begehren nicht einmal dort ein Forum hatte, wo scheinbar alles möglich schien, in der Literatur nämlich? Einer der Gründe, warum wir auf Vermutungen angewiesen sind, wenn wir etwas über homosexuelle Lebensentwürfe in historischer Zeit erfahren wollen, liegt nicht zuletzt in der Abwesenheit von Homosexualität in der literarischen Landschaft der Vergangenheit. Wenngleich es im 20. Jahrhundert frühe Versuche wie etwa André Gides „Corydon“ (1924) oder Klaus Manns „Der fromme Tanz“ (1925) gab, mussten Homosexuelle bis in die Sechziger auf selbstbewusste literarische Auftritte warten. ...
http://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/homosexualitaeten-und-literatur-das-lange-warten-auf-homosexuelle-romanfiguren/13882562.html

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"Weibliche Breiviks gibt es nicht" Bettina Weber (24.07.2016)
Die Bilanz der letzten fünf Wochen ist erschütternd, und sie schlägt aufs Gemüt. Orlando, 12. Juni: Ein Mann ermordet 49 Menschen. Paris, 13. Juni: Ein Mann ermordet ein Polizisten-Ehepaar. Fislisbach, 14. Juni: Ein 17-jähriger Mann ermordet einen 18-Jährigen. Leeds, 16. Juni: Ein Mann ermordet eine Politikerin. Nizza, 14. Juli: Ein Mann ermordet 84 Menschen. Würzburg, 19. Juli: Ein Mann versucht, vier Menschen zu ermorden. München, 22. Juli: Ein Mann ermordet neun Menschen.
Die Liste ist nicht vollständig. Und sie endet mit Sicherheit nicht am 22. Juli. So unterschiedlich die Motive für die Morde sein mögen, so haben sie dennoch etwas gemeinsam: Die Ausführenden waren alle männlich. Genauso wie beim Massaker in Paris, den Anschlägen in Brüssel oder auf «Charlie Hebdo» und bei sämtlichen Amokläufen der jüngsten Vergangenheit. Weibliche Breiviks gibt es nicht.
Wir haben uns derart daran gewöhnt, dass es fast immer Männer sind, die töten – es scheint kaum erwähnenswert. Hätten die Täter ein anderes, augenfällig gemeinsames Merkmal, man würde längst darüber reden. Nach Ursachen forschen und Prävention betreiben. Das männliche Geschlecht reicht dafür offenbar nicht. Man nimmt es hin. Ist halt so. Obschon die Taten, die so viel Leid brachten, einen gemeinsamen Ursprung haben, über den es sich nachzudenken lohnte: eine falsch verstandene, kranke und altertümliche Männlichkeit. ...
Der Amokläufer rächt sich für sein Gefühl des Scheiterns an allen, die ihm gerade über den Weg laufen. Mit der Waffe in der Hand ist er nicht mehr klein und verloren, er verbreitet damit Angst und Schrecken und ist endlich wer. Man respektiert ihn, so, wie einem Mann Respekt gebührt: Man fürchtet ihn. Er glaubt, damit sein Selbstbewusstsein ins männliche Lot zu rücken. Lieber geht er als Killer in die Geschichte ein denn als ein Niemand. Die Welt soll seinen Namen kennen.
Die Pervertierung dieser Idee ist der IS. Dessen Mitglieder zelebrieren die archaischste Form der Männlichkeit überhaupt; sie posieren mit schwarzen, furchteinflössenden Henkermasken und immer mit Waffen. Sie erniedrigen, versklaven, foltern, töten. Sie verstehen Männlichkeit als absoluten und naturgegebenen Anspruch auf Dominanz und Herrschertum, fordern von allen anderen Gehorsam und Unterwerfung.
Diese Männer sind stehen geblieben, während die Welt um sie herum sich verändert hat. Sie reagieren trotzig und nach dem uralten Muster der Gewalt, wenn sie auf Ablehnung stossen oder sich machtlos fühlen. In ihrer blinden Wut machen sie alle anderen für ihre Lage verantwortlich und gern auch den Feminismus, der das Maskuline entwertet haben soll.
Dabei könnten sie doch just diesen als Befreiung verstehen. Er erlaubt ihnen, endlich nicht mehr diese verkrampfte Stärke an den Tag legen zu müssen, die nicht nur unmenschlich ist, sondern ihnen ohnehin nie jemand wirklich abkaufte. ...
http://www.sonntagszeitung.ch/read/sz_24_07_2016/fokus/Weibliche-Breiviks-gibt-es-nicht-69517
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on July 28, 2016, 02:16:58 PM
"Feminismus: Körperbeschimpfung als Kampfmittel" Catherine Newmark (27. Juli 2016)
Frauen, die sich öffentlich äußern, schlägt viel Hass entgegen. Doch warum wird gerade jetzt das Klischee der hässlichen Emanze wiederbelebt? ... Natürlich kann man darin eine kulturhistorisch wohletablierte Tradition der männlichen Objektivierung von Frauen sehen, ihrer Reduzierung auf Sexualität und damit auf ein Hingeordnetsein zum Mann, mittels derer versucht wird, allzu meinungsstarke Frauen "auf ihren Platz zu verweisen", wie es die Geschlechterforscherin Franziska Schutzbach gestern im Deutschlandradio Kultur sachkundig erläuterte.
... Das Gespräch, das die beiden WOZ-Journalisten Daniel Ryser und Carlos Hanimann daraufhin mit ihm geführt haben, ist vor allem deshalb so faszinierend, weil sich die beiden ganz schlicht und vor allem interessiert mit Herrn Zürcher unterhalten und versuchen, ihn zu verstehen. Großartig etwa der Passus, wo sie nach der genauen Bedeutung von "drübergehen" nachfragen: "Sie verstehen das Wort nicht?" "Was meinen Sie damit?" "Sex." "Freiwillig?" "Schon freiwillig, ja."
Gerade weil die beiden Journalisten sich des vorschnellen empörten Urteils weitgehend enthalten, sich mithin nicht schon von Anfang an auf der anderen Seite des Kulturkampfgrabens im herablassenden moralischen Überlegenheitsgestus verschanzen, erfährt man in der sachlichen und unpolemischen Unterhaltung sehr viel darüber, wie Herr Zürcher die Welt sieht. ...
http://www.zeit.de/kultur/2016-07/feminismus-rechtspopulismus-beleidigung/komplettansicht


Nr. 27/2016 vom 07.07.2016 - Interview: Daniel Ryser und Carlos Hanimann
Der Hass im Netz - «Wenn ein Schiff mit Migranten im Mittelmeer versinkt, dann finde ich das eine gute Nachricht.»
Onlinepostings von SVP-Politiker Andreas Glarner haben eine Debatte über frauenfeindliche Kommentare und fremdenfeindliche Botschaften ausgelöst, die die Grenzen des Erträglichen überschreiten. Was sind das für Menschen, die ihre Verachtung im Netz absondern? Ein Treffen mit einem Hassredner. ...
https://www.woz.ch/-6f26


Quote
valdai #18 (28.07.2016)

Nachdem ich gerade einen Artikel kommentiert habe, in dem eine Frau (Claudia Roth) eine andere Frau (Sarah Wagenknecht) aufs Übelste diffamiert hat...
lese ich jetzt diesen Artikel hier ;)

Menschen diffamieren andere Menschen, Menschen beleidigen andere Menschen,
Männer machen dies mit Männern, Frauen machen dies mit Frauen, Frauen machen dies mit Männern und Männern machen dies (ja ;)) auch mit Frauen.

So what ?

Dieses Gejammere von Frauen nervt.....sie selbst sind kein Deut' besser oder
schlechter, wenn es um das Zusammenleben mit anderen Menschen, wenn es
um Respekt und Achtung vor anderen Menschen geht !

Frauen, die sich IMMER per se in der Opferrolle sehen, die empfinde ich persönlich
eher als ausgesprochen manipulativ.

http://www.zeit.de/kultur/2016-07/feminismus-rechtspopulismus-beleidigung?cid=7991661#cid-7991661

Quote
bénichousaraute #19 (28.07.2016)

Ich gebe meine ungefragte Meinung oft und gerne bei youtube ab, dem wohl härtesten und ungerechtesten Forum der Welt. Ich werde beleidigt, denigriert, diskriminiert, als fett, hässlich und dumm bezeichnet, und das, obwohl niemand mein Geschlecht erraten können dürfte, weder am Foto, am Nick, noch am Kommentar. Aber gut, ich versuche mich auch nicht im genderfreien Schreiben. Ich streite mich seitenlang, aus Spaß an der Freud, mit Trollen. Wahrscheinlich trolle ich manchmal auch selber. Und jetzt der Hammer: es ist mir egal, was mir da an Debilität, Verzweiflung und gelegentlich auch Hass entgegenschreit! Ich teile Kritik aus und stecke sie auch mal ein. Manchmal nehm ich was zurück oder entschuldige mich sogar, manchmal bestehe ich auf meinen Standpunkt und alle Andersdenkenden sind blöd. Aber vor allem bleibe ich souverän. Ich jammere nicht rum, dass andere meine Meinung nicht respektieren "bloß weil ich ein Mädchen bin". Ich zähle mich nicht zu den Feministinnen, denn das ewige selbstmitleidige Geseier verletzt meinen Stolz. Ich bin kein Opfer, ich bin die Lieblingstochter des angry old white man!

http://www.zeit.de/kultur/2016-07/feminismus-rechtspopulismus-beleidigung?cid=7991760#cid-7991760

Quote
valdai #19.4  (28.07.2016)

Es ist die Persönlichkeit, die den Unterschied macht.
Und das ganz unabhängig vom Geschlecht....

es gibt tapfere Männer, tapfere Frauen...
feige Männer, feige Frauen.

Fokussieren wir uns lieber auf die INDIVIDUELLEN Persönlichkeiten
als auch auf das jeweilige Geschlecht.

http://www.zeit.de/kultur/2016-07/feminismus-rechtspopulismus-beleidigung?cid=7993981#cid-7993981

Quote
Chlorhuhn #29  (27.07.2016)

Lustigerweise findet sich just heute an prominenter Stelle bei ZEIT ONLINE ein Text von Maxim Biller, in dem es heißt, dass linke 68er-Männer "hässliche Hippiefreundinnen" haben und beim Sex an Petra Kelly denken. Das seltsame, empirisch leicht zu widerlegende Empfinden konservativer und rechter Männer, irgendwie geiler zu sein als der Rest, scheint also kein Unterschichten-Phänomen zu sein.

http://www.zeit.de/kultur/2016-07/feminismus-rechtspopulismus-beleidigung?cid=7992148#cid-7992148

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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on August 22, 2016, 06:08:31 PM
"Gina-Lisa Lohfink: Ein Fall, bei dem alle verlieren" Ein Kommentar von Stefanie Lohaus (22.08.2016)
Die Anthropologin kommt zu dem Schluss, dass Gesellschaften umso weniger Vergewaltigungen aufweisen, je egalitärer sie sind und je respektvoller die Menschen allgemein miteinander umgehen. Solange wir also in Vergewaltigungsprozessen nicht respektvoll mit Menschen umgehen, sollten wir darüber nachdenken, diese unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu führen.  ...
http://www.zeit.de/kultur/2016-08/gina-lisa-lohfink-vergewaltigung-gericht-urteil

Quote
Tech Sergeant Chen #8

" Der Prozess zeigt, wie respektlos wir mit Menschen umgehen, wenn es um den Vorwurf der Vergewaltigung geht."

Der Prozess zeigt, wie respektlos Leitmedien und PolitikerInnen mit Menschen umgehen, wenn es um den Vorwurf der Vergewaltigung geht, was sich der gemeine Buerger denkt, ist mir nicht bekannt, von Atze S. mal abgesehen...


Quote
qualia #11

Der Fall Lohfink ist (ähnlich wie damals bei Kachelmann) zu einem Stellvertreterprozess für ganze gesellschaftliche Gruppen geworden, die sich polar gegenüber stehen. Um den eigentlichen Sachverhalt geht es da nicht. Für die einen ist es Sinnbild dafür, wie Frauen nach einer Vergewaltigung nicht geglaubt wird und sie zum Täter gemacht wird, für die anderen ist es ein Beispiel dafür, wie aus Rache oder Geltungssucht unschuldigen Männern der Rest ihres Lebens versaut wird.

Ich habe mir tatsächlich mal die Videos zu diesem Fall angetan, die im Netz kursieren. Das sind Ausschnitte, die mehrdeutige Interpretationen zulassen. Ich hege jedoch den Verdacht, dass das ganze mediale Theater allen drei Beteiligten mehr Schaden zufügt als die Sache an sich - ähnlich wie im Artikel zum Fall Polanski beschrieben.

Insbesondere der letzte Abschnitt des Artikels ist hervorhebenswert: Je gleichberechtigter und respektvoller der Umgang in der Gesellschaft, desto weniger Vergewaltigungen.


Quote
McBudaTea #12

Das Problem ist ein ganz anderes: Sehr viele (soweit ich gesehen habe, in diesem Fall vorwiegend weibliche) Journalisten haben diesen Fall benutzt, um Politik zu machen. Und das mit Erfolg. Dieser Fall wurde als Beispiel für eine "Schutzlücke" angeführt, obwohl es ein mehr als fragwürdiger Fall war. Wenn das Problem da ist, warum ist es nicht möglich, einen eindeutigen Beispiel zu verwenden? ...


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"Urteil: Gina-Lisa Lohfink wegen falscher Verdächtigung verurteilt" (22. August 2016)
Vor dem Amtsgericht Berlin ist der Prozess gegen das Model Gina-Lisa Lohfink zu Ende gegangen. Sie hatte zwei Männer beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. ...
http://www.zeit.de/kultur/2016-08/urteil-gina-lisa-lohfink-falschaussage-vergewaltigung

Quote
Bertman #46

Dass so viele KämpferInnen für einen besseren Schutz vor sexueller Gewalt ausgerechnet im Fall Lohfink Partei für das angebliche Vergewaltigungsopfer ergriffen haben ist verwunderlich und bedauerlich. In meinen Augen hat diese in Teilen völlig unreflektierte Parteinahme, die von der strafrechtlichen Bewertung des Sachverhaltes völlig losgelöst zu sein scheint, dem berechtigten Anliegen einer Verbesserung des Schutzes vor sexueller Gewalt und einer sachlichen Diskussion darüber schwer geschadet.
Und sollte, was zu befürchten ist, Frau Lohfink als selbsternanntes Vergewaltigungs- und Justizopfer nun durch diverse Trash-TV-Formate tingeln, wird der fortgesetzte, öffentliche Streit über ihren Fall den tatsächlichen Opfern sexueller Gewalt das Leben eher schwerer machen.


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"Das Aussehen ist egal - und andere Lehren aus dem Fall Gina-Lisa Lohfink"
Alexander und Bettina Hammer 24.09.2016
... Was [ ] oft stattfand war [ ] eine Neuauflage des "Schlampen"-Denkens, das sich gerade bei weiblichen Opfern oft zeigt. Dieses Denken ist im Wesentlichen eine Version des "wer sich so anzieht ..."-Denkens, das einhergeht mit einem "die hat es nicht anders verdient". Gerade bei den weiblichen Opfern wird dies oft von männlichen Kommentaren dazu genutzt, Vergewaltigungen als quasi natürliche Folge von einem aufreizenden Verhalten bzw. Aussehen auf weiblicher Seite anzusehen.
Der männliche Teil wird dann mit einem natürlichen Drang nach Sexualität, ohne Möglichkeit, diesen unentgeltlich mit entsprechendem Partner ausleben zu können, als hilfloser Triebtäter dargestellt, der nicht anders kann. Eine Denkweise, die fatal daran erinnert, wie manche Menschen Vergewaltigungen begründen, wenn sie meinen, sie hätten nicht anders handeln können und seien geradezu "eingeladen" worden.
Es ist egal, ob jemand platinblond und mit "Schmollmund", engem Kleid und weitem Ausschnitt zu sehen ist, ob er "rassig rothaarig" ist, ob er sich die Lippen oder was auch immer hat aufspritzen lassen, ob sein Po "knackig" ist, die Augen verführerisch oder die Sprache sexy - all dies ist keine Begründung dafür, ihn oder sie zu vergewaltigen. Gerade auch kosmetische Operationen werden gerne als eine Einladung zum Sex interpretiert, doch selbst wenn sie darauf ausgerichtet sind, auch von möglichen (Wirtschafts)Partnern wahrgenommen und begehrt zu werden, so berechtigt dies niemanden, den anderen zu vergewaltigen oder führt dazu, dass der andere "nicht anders kann". Die Verantwortung liegt beim Täter.
... Gerade im Fall Frau Lohfink bemühten sich die Medien auch, immer wieder Frau Lohfinks Berufstätigkeit möglichst blumig zu umschreiben oder gleich eine Namensnennung durch das Erscheinungsbild zu ersetzen. "Die Blondine", das "Doppel D-Sternchen", das "Partygirl"… die Liste der diversen Bezeichnungen ist lang und trägt im Endeffekt zur Frage der Vergewaltigung nichts bei. So wie das Aussehen, das Verhalten und das Geschlecht keine Rolle spielen, so spielt auch der Beruf keine Rolle.
Dies ist gerade auch in Bezug auf Prostituierte wichtig, bei denen lange Zeit davon ausgegangen wurde, dass sie per se nicht vergewaltigt werden können. Dabei wurden, wenn man die juristischen Termini zu Rate ziehen will, Prostituierte als Verkäufer ihres Körpers angesehen, wobei sie eher Vermieter sind, die aber auch potentielle Mieter ablehnen können und natürlich in ihrem Privatleben nicht als Vermieter auftreten. Dies ist absichtlich so sachlich formuliert um die emotionale Ebene außen vor zu lassen.
Prostituierte, die eigenständig als solche arbeiten, suchen sich ihre Art und Weise der Prostitution genauso aus wie ihre Kunden, ihr Körper wird nur innerhalb bestimmter Regeln zur Verfügung gestellt, für eine bestimmte Zeit. Egal ob Stangen- oder Tischtänzer, Prostituierte, Stripper, Nacktputzer… keine der mit nacktem Körper, sexueller "Anmache" oder gar Geschlechtsverkehr zu tun habenden Erwerbstätigkeiten haben zur Folge, dass der Körper des Menschen jedem jederzeit und unter allen Umständen als Sexualobjekt zur Verfügung steht und gar das Einverständnis des Menschen selbst unwichtig ist, wenn es um sexuelle Aktivitäten geht.
Es ist insofern für die Beurteilung ob eine Vergewaltigung stattgefunden hat und ob wider besseren Wissens eine Anschuldigung erhoben wurde, völlig unerheblich, welchem Beruf jemand nachgeht und es muss daher auch nicht, zudem oft noch in herablassender Weise, kommentiert werden.
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49413/1.html

Quote
     Gotan, 24.09.2016 11:18

Was soll uns die Plattitüdensammlung im Artikel sagen?

Der Artikel walzt da lang und breit Allgemeinplätze aus, z.B. dass Aussehen keine Vergewaltigung rechtfertigt. Nur wurde das so ja nicht dargestellt, bzw. höchstens von ein paar Deppen so kommentiert, das ist also eher eine Strohmanndiskussion.

Zusammen mit anderen Merkmalen, wie z.B. dem Verhalten, spielt das Aussehen aber schon eine Rolle bei der Beurteilung der Glaubwürdigkeit, so ein Auftreten passt eben nicht zu der Schilderung des Gemütszustandes eines sexuell unerfahrenen Mauerblümchens.

Und gerade ihre Glaubwürdigkeit hat Gina durch ihre eigenen Aussagen nachhaltig selbst beschädigt, darauf geht der Artikel aber mit keiner Silbe ein. Es mag ja sein, dass sich die Autoren das für den nächsten Teil aufheben wollen, die Frage ist aber, wozu dieser Teil dann dienen soll.

Für diese Ansammlung von Selbstverständlichkeiten hätte ein knapper Satz gereicht:

"Jeder hat das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung (sofern die nicht Rechte anderer verletzt), daran ändern auch Aussehen und Beruf nichts."

In der Berichterstattung über den Fall wurde das auch nicht in Frage gestellt, jedenfalls nicht in den Artikeln die ich dazu gelesen habe, und wenn Bettina und Alexander wirklich so oft Artikel lasen in denen Vergewaltigung mit dem Aussehen gerechtfertigt wurde sollten sie sich vielleicht mal mit ihrem eigenen Medienkonsum auseinandersetzen.

Und nebenbei ist der Beruf Lohfinks nicht Prostituierte, sondern Model. Konkret verkörpert und verkauft sie dabei einen bestimmten Lifestyle, d.h. ihr "Ruf" als "Partygirl" ist Teil ihres Auftretens und wird von ihr vermarktet. Nirgendwo habe ich gelesen, dass es in Ordnung sei Gina zu vergewaltigen weil sie ein "Partygirl" sei.


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"Lachen, (Un)wissen und das Wählen der Seiten" Alexander und Bettina Hammer (25.09.2016)
Lehren aus dem Fall Gina-Lisa Lohfink - Teil 2
Die Frage, auf welcher Seite jemand steht, ist in den letzten Jahren zu einer reflexhaft stattfindenden Gesinnungsprüfung geworden. Hier ist zu bemerken, dass mit der Seitenwahl oft auch eine Art "ganz oder gar nicht" einhergeht; wer eine Seite wählt, der hat deren Dogmen mit blindem Gehorsam zu befolgen. Im vorliegenden Fall wurde das Verfahren zur Glaubensfrage. Wer gegen Frau Lohfink argumentierte oder neutral agierte, musste schnell befürchten, in die Ecke des Vergewaltigungsapologeten gestellt, als emotionaler Krüppel angesehen zu werden. Dabei wurde die emotionale Seite des Verfahrens in den Vordergrund gestellt und gerne betont. Es zählten insofern immer weniger die Fakten, die sich erst nach und nach auch zu einem möglichst umfassenden Ganzen verdichteten, es kam darauf an, sich in Frau Lohfink einzufühlen, mit ihr zu fühlen, mit Frauen, denen sexueller Gewalt angetan wird, zu fühlen und ein Zeichen zu setzen oder sich zu solidarisieren.
Dieser vereinfachten Sicht der Dinge, die letztendlich den Faktfragmenten folgt und Neues nur noch in die bisher bereits angefertigte Ansichtsschablone presst, wird und wurde befeuert von den sich im Netz bildenden Solidaritätsgruppen, die im Fall Frau Lohfink u.a. als #teamginalisa agierten. Hier gelang es sogar, den Fall zu einem Beleg dafür, dass eine "nein heißt nein"-Regelung notwendig sei, umzufunktionieren, obgleich er hierfür nicht taugte. Ein solches Agieren ist aber nicht nur der eigenen Weiterbildung wenig zuträglich, es fördert auch die Grabenbildung innerhalb der Gesellschaft, wenn vorschnell aus einer Ansicht ein Weltbild wird und andere Menschen entsprechend eingeordnet werden. Die Diversität der Meinungen, die durch Diskurs und Debatte fernab von Beleidigungen und Fäkalsprache allen die Möglichkeit gibt, die eigene Ansicht stetig zu reflektieren, wird so ignoriert, vielmehr gilt es, nur noch jenes wahrzunehmen, dass sich ins eigene Weltbild integrieren lässt. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49414/1.html

Quote
     lavrov, 25.09.2016 22:30

Vergewaltigung der Medien und der Justiz

Da treffen sich drei Attention whores, filmen sich beim Rudelbumsen, beschnippeln den Film für eine breite Öffentlichkeit, ziehen sich gegenseitig vor Gericht und liefern der Presse genug Stoff, um das sensationsgeile Publikum zu befriedigen.

Ich frage mich ernsthaft, ob hierbei nicht der Journalismus zur H*re der niederen Instinkte wird. Die Heuchelei der politische Korrektheit und Betroffenheit kann doch niemand ernsthaft übersehen.

Das ist wie bei einem schweren Autounfall: alle finde es angeblich schrecklich, doch gaffen sie.

Ignorieren! Ignorieren! Ignorieren! Das ist die einzige Sprache, die solche gebotoxten Versager und die Boulevardblättchen verstehen.

Auch, wenn hier der Ansatz einer gesellschatlichen Diskussion zu einem ernsten Thema auf Grundlage dieses Vorfalls generiert werden soll: es ist falsch, diesem konstruierten Vorfall und den Provokateuren dadurch eine weitere Bühne zu bieten. Insbesondere auf TP, das ein gewisses Niveau aufrecht erhalten sollte während der gesamte "Journalismus der westlichen Welt" täglich immer weiter in Propaganda und Banalität versinkt.


...
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on September 05, 2016, 11:06:52 AM
"Von Vergewaltigungen und Fortpflanzungsmissbrauch" Alexander und Bettina Hammer (04.09.2016)
Wann wird aus einvernehmlichem Sex eine Vergewaltigung? - Eine Frage, die auch beim Fortpflanzungsmissbrauch eine zentrale Rolle spielt ... Im Fall Gina Lisa L. war eine der vielen Fragen: Worauf bezieht sich ihr Nein? Auf dem in der ersten Anzeige als einvernehmlich bezeichneten Geschlechtsverkehr? Auf das Handyvideo, das ggf. ganz oder teilweise gegen ihren Willen angefertigt wurde? Oder wird, wenn gegen ihren Willen der Geschlechtsverkehr gefilmt wird, ab diesem Moment der Geschlechtsverkehr automatisch zur Vergewaltigung weil die Zustimmung zum Geschlechtsverkehr nur unter der Prämisse stattfand, dass nicht weitergefilmt bzw. der Film gelöscht werden würde?
Fragen, die bei der Definition, wann eine Vergewaltigung vorliegt, nicht trivial sind. Gerade die letzte der Fragen scheint für viele einfach zu beantworten: Sex ohne Filmen ist erlaubt, Sex mit Filmen nicht, somit liegt eine Vergewaltigung vor. Doch so simpel wie es scheint ist es nicht. Dies wird deutlich, wenn die Bedingung "kein Filmen" durch eine andere ersetzt wird. Hierbei ist wichtig, dass eine solche Bedingung auch eine Eigenschaft einer der beiden Sexualpartner oder eine bestimmte Praktik sowie die Art und Weise, wie der Geschlechtsverkehr vollzogen wird, sein könnte. Wenn sich zwei Menschen treffen, um miteinander Analsex zu praktizieren, dies nicht funktioniert und stattdessen Vaginalsex praktiziert wird - ist dies ggf. Vergewaltigung weil hierzu keine Absprache bestand? Was ist, wenn der gemeinsame Akt unter der Prämisse stattfindet, dass der Partner z.B. kein Vorbestrafter ist und sich später herausstellt, dass er vorbestraft ist? ...
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49263/1.html

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     Pragmatiker, 04.09.2016 02:36

the right to retroactively withdraw consent

Irgendwie erinnert mich das Ganze auch zimelich stark hieran:
https://maybemaimed.com/2013/11/05/you-can-take-it-back-consent-as-a-felt-sense/

Die Autorin vertritt ernsthaft die Auffassung, wir bräuchten ein neues Verständnis von Einvernehmlichkeit, welches das Recht beinhaltet, die Zustimmung zu sexuellen Handlungen retrospektiv zurückzuziehen.


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     mind.dispersal, 04.09.2016 16:21

"Vertragsbruch"

Das Rechtsverständnis scheint sich bezüglich des Geschlechtsverkehrs mehr und mehr auf Basis eines geschlossenen Vertrages zu nähern, der rückwirkend für ungültig erklärt werden kann, sobald Vertragsbedingungen sich als nicht gegeben heraus stellen.

Man sieht förmlich den Pfau vor Gericht sitzen, wie er argumentiert: "Ich habe selbst nie behauptet, die subjektive Imposanz meines Gefieders habe irgendetwas mit meiner Spermienaktivität zu tun!"...


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     Captain Data, 04.09.2016 14:09

Anwaltgeschädigte Gesellschaft

Machen wir's kurz: die Kernfrage, um die es sich dreht, ist die Rechtssicherheit des Geschlechtsverkehrs. Oder, alternativ: wieviel Rechtsunsicherheit verträgt der Rechtstaat? Oder: wie rechtstaatlich ist der Rechtstaat noch?

Inzwischen sind wir an einem Punkt angelangt, in der praktisch alle Lebensbereiche juristisch bewertet werden. Vielleicht ist das ja der Gang der Dinge, dass jede Gesellschaft irgendwann den Weg des "gesunden Menschenverstandes" verlässt, und alles in irgendwelche Regeln und Normen pressen will. Die ganze Debatte rund um den intimen Akt zwischen zwei Menschen erscheint mehr und mehr als ABM für Juristen: der Gleichberechtigung dient es nicht, der Gleichstellung dient es nicht, nicht einmal dem Feminismus dient die Debatte, auch wenn es erst einmal anders ausschaut.

Dass es vor allen Dingen um Juristen-ABM geht, sieht man bei den zahlreichen Fällen, die sich allein um das Thema drehen. Die Rechtssicherheit ist überhaupt nicht gegeben, wie z.B. der Lohfink-Fall offenbart: es genügt einfach die Behauptung einer Vergewaltigung, um die Justiz zu beschäftigen. Der eigentliche Fall ist abgehakt, aber natürlich darf Frau Lohfink in Berufung gehen, so will es der Rechtstaat. Und natürlich werden die Anwälte solange nachbohren, bis sich der Sachverhalt umkehrt und die beiden Männer verurteilt werden - die ihrerseits ebenfalls das Recht haben, in Berufung zu gehen. So kann man wundervoll "juristisches Pingpong" spielen und einer stattlichen Anzahl Anwälten das Einkommen sichern.
Bedenkt man, dass der Ausgangspunkt ein einvernehmlicher Geschlechtsverkehr mit drei Personen war, ist die Justiz gut beschäftigt damit, die Details auseinanderzunehmen und ordentlich an dem Fall zu verdienen. Hier wird viel Lärm um praktisch gar nichts gemacht. Wobei, so ganz stimmt das nicht, eines ist nämlich durchaus rausgekommen: die Lohfink ist wieder im Gespräch. Normalerweise hätte die Öffentlichkeit sie längst vergessen, wäre sie nicht diesen Weg gegangen. Und offenbar sind solche Vergewaltigungsfälle eine gut laufende Möglichkeit, zumindest für einige Wochen immer wieder mit Schlagzeilen in den Gazetten zu erscheinen, wenn es schon mit der eigentlichen Karriere nicht so recht klappen will. Die RTL-Resterampe ist halt äußerst undankbar.

Der Rechtstaat fordert, dass ein Verurtteilter das Recht auf Revision hat. Interessanterweise wird genau auf diesem Wege der Rechtstaat ausgehöhlt. Da es ein sehr langer und sehr steiniger Weg bis zu einem rechtskräftigen Urteil sein kann, gewinnt in der Regel die Partei, welche den finanziell längeren Atem hat. Denn: Anwälte arbeiten nunmal nicht umsonst. Und je länger sich die Kette an Urteilen und Revisionen zieht, desto mehr Geld kann daran auch verdient werden; kein Wunder, dass praktisch kein Urteil mehr in erster Instanz endgültig ist. Das trifft nur den Kleinen, der nicht die Mittel hat, um in Revision zu gehen. Damit korellieren finanzielle Mächtigkeit und Rechtssprechung in einem Maße, wie es in einem Rechtstaat eigentlich nicht zulässig ist.

Eine logische Folge daraus: es gibt keine Rechtssicherheit. Jeder kann von jedermann wegen jeder Sache angeklagt werden - und die Mühlen der Justiz sind überaus dankbar. Kein Nachbarschaftsstreit müsste auf juristischer Ebene ausgetragen werden, wenn es nicht so einfach wäre, Anwälte zu finden, die sich nur zu gern mit überhohen Hecken und herunterfallenden Äpfeln beschäftigen würden. Je weniger Lebensbereiche rechtssicher sind, desto mehr Anwälte können mit der Feststellung des Rechts beauftragt werden. Mit dem Thema "Geschlechtsverkehr" ist eine Thematik eröffnet worden, welches zahllosen Anwälten ein gutes Einkommen bescheren wird. Es ist maximal unangenehm für die Betroffenen, es stellt einen wirksamen Hebel dar, jemanden gesellschaftlich unmöglich zu machen. Der "Fallout" eines solchen Falles ist also extrem - und somit der Zwang, mittels Anwalt diesen Vorwurf wieder loszuwerden, maximal.

Schöne neue Anwalt-Gesellschaft.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (04.09.2016 14:10).

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     Knut der Große, 04.09.2016 15:54

Re: Anwaltgeschädigte Gesellschaft

Normenklarheit erhöht Rechtssicherheit.
Dazu passt jedoch nicht unsere Gesetzmäßigkeit nach dem Grundsatzprinzip, in der Ausnahmen die Normenklarheit aushöhlen.
50% Irrtum (wenn es so ist) weist jedoch auf ein grundsätzliches Problem in den ersten Instanzen der Judikative hin.
Hier ermangelt es sich offenbar schon an der notwendigen Qualität (Fachwissen) der richterlichen Gewalt.
Im Falle von Normenklarheit (auch) im Sexualstrafrecht bin ich persönlich für klare Gesetzgebungen, welche sich auf objetkive Sachverhalte beschränken, und Vergewaltigungen nicht etwa durch subjektive "Fakten" ins Lächerliche geführt oder verhöhnt werden können.



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     Twistie2015, Bettina Hammer, 04.09.2016 15:43

Re: Anwaltgeschädigte Gesellschaft

Captain Data schrieb am 04.09.2016 14:09:

    Dass es vor allen Dingen um Juristen-ABM geht, sieht man bei den zahlreichen Fällen, die sich allein um das Thema drehen. Die Rechtssicherheit ist überhaupt nicht gegeben, wie z.B. der Lohfink-Fall offenbart: es genügt einfach die Behauptung einer Vergewaltigung, um die Justiz zu beschäftigen.

aber das ist ja nicht nur in Bezug auf Vergewaltigung so, sondern allgemein. Und wie sollte es sonst funktionieren? Wenn du zur Polizei gehst und sagst "mir wurde jetzt xy gestohlen", wie sollte man vorgehen?
Und wenn z.B. nun ein Video zu finden ist, auf dem der von dir beschuldigte Mensch in deine Tasche langt, wie sollte weitergeange werden?

Was wäre deine alternative Lösung zu dem Thema, das ja nicht nur sexuelle Straftaten betrifft, sondern jede Straftat ohne Zeugen und eindeutige Beweise?


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     Captain Data, 04.09.2016 17:15

Re: Anwaltgeschädigte Gesellschaft

Twistie2015 schrieb am 04.09.2016 15:43:

    Captain Data schrieb am 04.09.2016 14:09:

        Dass es vor allen Dingen um Juristen-ABM geht, sieht man bei den zahlreichen Fällen, die sich allein um das Thema drehen. Die Rechtssicherheit ist überhaupt nicht gegeben, wie z.B. der Lohfink-Fall offenbart: es genügt einfach die Behauptung einer Vergewaltigung, um die Justiz zu beschäftigen.

    aber das ist ja nicht nur in Bezug auf Vergewaltigung so, sondern allgemein. Und wie sollte es sonst funktionieren? Wenn du zur Polizei gehst und sagst "mir wurde jetzt xy gestohlen", wie sollte man vorgehen?
    Und wenn z.B. nun ein Video zu finden ist, auf dem der von dir beschuldigte Mensch in deine Tasche langt, wie sollte weitergeange werden?

    Was wäre deine alternative Lösung zu dem Thema, das ja nicht nur sexuelle Straftaten betrifft, sondern jede Straftat ohne Zeugen und eindeutige Beweise?


Das Thema ist grundsätzlich schwierig. Der Hund liegt insbesondere bei Vergewaltigungen begraben, wenn Täter und Opfer bekannt sind. In aller Regel genügt der Vorwurf der Vergewaltigung, dem Täter schon vor jeder Veurteilung empfindlichen Schaden zuzufügen - auch dann, wenn gar keine Vergewaltigung vorliegt, sondern allein der Vorwurf. Damit steht meiner Meinung nach die Forderung im Raum, in solchen Fällen besonders Vorsicht walten zu lassen, auch, um den Schaden durch eine Vorverurteilung zu minimieren. Strafen darf also nicht der wütende Mob, sondern allein der zuständige Richter.
Aus dem Grund wäre es ein absolutes Anliegen, Vergewaltigungsfälle / Kindesmissbrauch usw. grundsätzlich unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu bearbeiten und Opfer wie Täter vor allzu neugierigen Blicken zu schützen. Auch dann, wenn es sich um Personen öffentlichen Interesses handelt, sollte deren Persönlichkeitsrecht geachtet werden. Das hat mE nach nichts mit Täterschutz zu tun, sondern ist schlichtweg Aufgabe des Rechtstaates!

Überleg' mal, wie wäre wohl der Kachelmann-Fall ausgegangen, wenn die Öffentlichkeit erst nach Urteilssprechung die ganzen Details gekannt hätte? Hätte Frau Schwarzer dann voreilig Urteil fällen können? Auch die Lohfink-Affäre wäre sicherlich um einige bissige und äußerst feindselige Kommentare ärmer, wenn das alles nicht in der Presse breitgetreten worden wäre. Am Ende hat nur - und nur - der zuständige Richter das Urteil zu sprechen, keinesfalls aber die Öffentlichkeit, keinesfalls der wütende Mob, keinesfalls Verwandte und Bekannte des Betroffenen.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (04.09.2016 17:18).


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on September 06, 2016, 10:01:26 AM
"Das Comeback der Klasse" Brigitte Theißl (4. September 2016)
"Heutzutage ist es in Mode, über Race und Gender zu sprechen, Klasse ist hingegen ein unpopuläres Thema", schreibt die feministische Autorin bell hooks in ihrem 2000 erschienen Buch "Where We Stand. Class Matters", in dem sie auch die Geschichte ihrer eigenen ArbeiterInnenfamilie erzählt. Ihr Befund, der sich vornehmlich auf die USA bezog, wurde auch von deutschsprachigen AutorInnen geteilt. Trotz Wirtschaftskrise und einer Schere zwischen Arm und Reich, die in den Industriestaaten immer weiter aufgeht, schien die Klassenanalyse in feministischen Bewegungen kaum noch eine Rolle zu spielen.
... Die Auseinandersetzung mit Klasse verunsichert, schreibt bell hooks – auch feministische Aktivistinnen. "Klasse ist eine unsichtbare Kategorie", sagt Clara Rosa, was letztendlich eine Solidarisierung erschwere. Die Unterschiede zwischen Frauen, die auf ein Erbe und die Unterstützung ihrer Familie zählen können, und jenen, denen solche Sicherheitsnetze fehlen, beschäftigten feministische und Lesbengruppen schon vor Jahrzehnten. In der politischen Praxis entstanden Ideen wie jene eines anonymen Umverteilungskontos. Das Bewusstsein für entsprechende Machtverhältnisse innerhalb einer Gruppe sei dennoch auch im queer-feministischen Umfeld nach wie vor wenig vorhanden, kritisiert Clara Rosa. Auf entsprechende Hinweise folge häufig betroffenes Schweigen aus der Angst heraus, etwas Diskriminierendes zu sagen. "Christliche Mechanismen" nennt das die Bloggerin.
Auch Assimina Gouma sieht viele offene Fragen in Hinblick auf eine feministische Klassenanalyse. In einer zunehmend komplexer werdenden Gesellschaft müssten Konzepte laufend auf ihre Realitätstauglichkeit überprüft und neue Allianzen geschmiedet werden. Wie können sich eine nichtmigrantische prekäre Universitätslektorin und eine migrantische Pflegerin ohne Sozialversicherung solidarisieren? "Das sind jetzt mal Fragen aus der eurozentrischen Perspektive. Und die reichen daher nicht aus, wenn wir auch die Ausbeutung im globalen Süden mitdenken wollen", sagt Gouma. ...
http://derstandard.at/2000043628491/Das-Comeback-der-Klasse

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    Loukanikos

Interessant, dass der Klassismus so wenig Aufmerksamkeit erreicht. Dabei zeigt gerade der Klassismus sehr deutlich auf, worum es im Kapitalismus geht:

Menschen werden aufgrund von beliebigen Zuschreibungen abgewertet und ihrer Menschlichkeit beraubt und zwar mit dem Ziel, die sozioökonomischen Verhältnise im Kapitalismus und die damit einhergehenden ungleichen Machtverhältnisse aufrecht zu erhalten. Auch im Rassismus und Sexismus sind primär die Angehörigen der Arbeiterklasse als Opfer von Diskriminierung betroffen. Aber der Unterschied ist: Durch Rassismus und Sexismus kann man bequem von den sozioökonomischen Ungerechtigkeiten und von den strukturellen Ursachen ablenken und stattdessen die Schuld für allle Probleme auf Sündenböcke schieben. Der Klassismus gibt jedoch gewisse Hinweise darauf, wo die realen Konfliktlinien im Kapitalismus verlaufen, nämlich zwischen Arbeit und Kapital.


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Kritik
Der Freier - Warum Männer zu Prostituierten gehen, und was sie über diese denken.
Von Huschke Mau, Ausgabe 34/2016 | 09.09.2016
Neulich wurde ich gefragt, woran man einen Freier erkennt, und da musste ich zugeben: wenn er nicht gerade im Puff vor Dir steht und mit einem Hunni wedelt, gar nicht. Nein, auch ich erkenne Freier in der freien Wildbahn nicht, auch nach 10 Jahren Prostitution nicht. Das liegt daran, dass es, wie man so häufig hört, wirklich „ganz normale Männer“ sind, was jetzt und hier aber nicht als Beruhigung gemeint ist.  ...
http://kritischeperspektive.com/kp/2016-34-der-freier/

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on September 29, 2016, 09:04:28 AM
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[...] Kachelmann hat nun Anspruch auf Schadenersatz in Höhe von rund 7100 Euro plus Zinsen für Kosten, die ihm im Zusammenhang mit seiner Untersuchungshaft entstanden. In der Untersuchungshaft hatte er Sachverständige beauftragt, um sich gegen die Vorwürfe der Journalistin Claudia D. zu wehren. Ursprünglich wollte Kachelmann laut Gericht rund 13.400 Euro, später reduzierte er die Klagesumme.

In einem ersten Verfahren hatte das Landgericht Frankfurt Ende 2013 die Klage abgewiesen. Während das Gericht damals nicht feststellen konnte, dass die frühere Geliebte wissentlich falsch die Vergewaltigungsvorwürfe erhoben hatte, sah das Oberlandesgericht dies anders. Nach einem vom OLG eingeholten rechtsmedizinischen Gutachten hatte sich die Frau die bei ihr festgestellten Verletzungen selbst zugefügt.

Wie das OLG mitteilte, spreche das Verletzungsbild in der Gesamtschau und unter Berücksichtigung der Schilderungen der Frau für eine Selbstbeibringung. Bedeutsam sei außerdem, dass die Schilderungen der Frau zur angeblichen Vergewaltigung nicht mit den Verletzungen in Übereinstimmung zu bringen seien. Außerdem hätten die Aussagen der Frau für sich genommen erhebliche Plausibilitätsdefizite.

Das Gericht stellte außerdem einen direkten Vorsatz bei der ehemaligen Geliebten fest. Es sei ihr darum gegangen, dass Kachelmann festgenommen werden sollte. Schließlich sieht das OLG es als widerlegt und ausgeschlossen an, dass die Frau durch eine "Autosuggestion" nur glaubte, vergewaltigt worden zu sein. Die entsprechende Annahme des Landgerichts sei nicht nur spekulativ, sondern nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme auch widerlegt.

Kachelmann sagte, er habe mit dem Urteil sein "Vertrauen in die deutsche Justiz zurückbekommen". "Ich bin sehr dankbar für dieses Urteil", sagte der Wettermoderator nach der Entscheidung im Schadenersatzprozess am Mittwoch in Frankfurt. Es stehe nun zweifelsfrei fest, dass er "Opfer eines Verbrechens" geworden sei, Opfer falscher Beschuldigungen. Nach dem Freispruch vom Vorwurf der Vergewaltigung in Mannheim seien Restzweifel geblieben. "Die Restzweifel wollte ich weghaben - und das ist jetzt weg." Falschbeschuldigungen dürften nicht straffrei bleiben. Eine erfundene Vergewaltigung sei „eine Verhöhnung von echten Vergewaltigungsopfern“ und untergrabe deren Glaubwürdigkeit.

Die Ex-Geliebte sieht sich als Opfer eines "Justizskandals". Ihr vorzuwerfen, sie habe die Vergewaltigung nur erfunden, sei "ein katastrophales Fehlurteil" eines "rein männlich besetzen Senats", sagte sie nach der Urteilsbegründung. Das Gericht wolle ein Exempel statuieren: "Man will uns Frauen stumm schalten." Die Richter beschimpfte sie mit den Worten "Ihr armseligen, feigen Frauenverächter". (AFP/dpa)

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pfauenauge7 28.09.2016, 19:02 Uhr
Alice Schwarzer übernehmen Sie!

Frau Schwarzer sollte sich jetzt endlich mal aufraffen und Jörg Kachelmann öffentlich um Verzeihung bitten. Ihre skandalösen Auftritte, mit denen sie in zig Talkshows und sonstigen Medienbeiträgen spekulative Beschuldigungen als Tatsachen ausgab, haben gewiss eine Menge zur Vernichtung von Kachelmanns wirtschaftlicher Existenz beigetragen. Oder sollten sich Feministinnen nicht bei Männern entschuldigen "dürfen"?


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Aldo 28.09.2016, 18:37 Uhr
Sexuell belästigten oder vergewaltigten Frauen ist dringend davon abzuraten, Täter anzuzeigen. Da es naturgemäß so gut wie nie Zeugen gibt, kann eine Vergewaltigung praktisch nie nachgewiesen, jedoch leicht der Spießumgedreht und eine Anklage wegen Falschbeschuldigung erhoben werden. Das Beispiel Kachelmann wird Schule machen.


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LasciaLaspina 28.09.2016, 15:18 Uhr
Das neue Gutachten besagt "Vieles spricht dafür, dass dei Verletzungen selbst beigebracht wurden". Von zweifelsfrei kann nicht die Rede sein - genau wie nach dem Hauptverfahren anhand von X sich widersprechenden Gutachten und nach tagelangem Video-aufgezeichenetem Verhör der Klägerin NICHTS ZWEIFELSFREI war. So steht im damaligen Urteil. Im Zweifel für den Angeklagten. So ist es geblieben.


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rita75 28.09.2016, 12:33 Uhr
Nach dem Lohfink-Fall nun ein weiteres Signal an Frauen, Vergewaltigungen nur dann anzuzeigen, wenn man hieb- und stichfestes Beweismaterial vorzuliegen hat (am besten ein notariell beglaubigtes Geständnis).


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StolzwieBolle 28.09.2016, 12:55 Uhr
Antwort auf den Beitrag von rita75 28.09.2016, 12:33 Uhr
Sie haben, "rita75"...

...den Artikel gelesen und verstanden?

    Ein vom 18. OLG-Senat bestellter Rechtsmediziner hatte in einem Gutachten erklärt, dass viel dafür spreche, dass sich die Radiomoderatorin selbst die Verletzungen beigebracht habe. ...


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FocusTurnier 28.09.2016, 13:44 Uhr

Antwort auf den Beitrag von rita75 28.09.2016, 12:33 Uhr

Anzeigen können Sie alles - Sie müssen es aber beweisen können.  Was ist an diesem rechtsstaatlichen Merkmal so schlimm?


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joboese 28.09.2016, 13:52 Uhr
Antwort auf den Beitrag von rita75 28.09.2016, 12:33 Uhr
Nun, vielleicht eher ein Signal, nur dann jemanden anzuzeigen wenn auch wirklich was passiert ist? Sexualdelikte vor Gericht zu beweisen kann schwierig sein, aber die Alternative könnte ja nur sein 'Bei Sexualdelikten ist der Beschuldigte automatisch und ohne weiteres Verfahren schuldig zu sprechen'. Und das ginge ja gar nicht. Ja, es erfordert Courage und Mut sowas anzuzeigen, und ja, es passieren Fehler. Aber letztlich kann ein Gericht nur versuchen den Dingen auf den Grund zu gehen. Und meistens stimmt das Urteil.


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rita75 28.09.2016, 14:02 Uhr
Antwort auf den Beitrag von FocusTurnier 28.09.2016, 13:44 Uhr

    (...) Was ist an diesem rechtsstaatlichen Merkmal so schlimm?

Dass diese schlimme Straftat so schwer beweisbar ist (eigentlich fast nur durch Zeugen, welche anwesend waren). Im Zweifel findet sich immer ein Gutachter, für den "viel dafür spricht", dass die Verletzungen nicht vom Beschuldigten stammen. Falls nicht sowieso auf "Einvernehmlichkeit" plädiert wird.


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sonofnyx 28.09.2016, 15:25 Uhr

Antwort auf den Beitrag von rita75 28.09.2016, 14:02 Uhr

Und was hätten Sie stattdessen gerne? Beweislastumkehr zu Ungunsten der Beschuldigten? Gute Nacht, Rechtsstaat! Sicherlich ist es ein Problem, dass solche Sexualdelikte gerade aus Mangel von Zeugen nur schwer beweisbar sind. Im Zweifel gegen Beschuldigte zu entscheiden, wäre allerdings katastrophal, da auf diese Weise Tür und Tor für falsche Anschuldigungen aus Rache o.ä. geöffnet werden würde. Aus gutem Grund muss Schuld bewiesen werden und nicht Unschuld.

Im Fall Kachelmann wurde mehrfach durch Gutachter schlüssig dargelegt, dass die angeblichen Verletzungen am Hals selbst zugefügt wurden. Damit entstehen massive Zweifel am Rest der Vorwürfe und der Glaubwürdigkeit der Klägerin. Es gab keine weiteren hinreichenden Belege für die Anschuldigungen insofern war der Freispruch unumgänglich. Darüber hinaus hat die Klägerin nachweislich (!) im Falle der Verletzungen gelogen und falsche Anschuldigungen erhoben. Das ist nun einmal strafbar.

Was hätten Sie denn lieber? Dass Beschuldigte gleich inhaftiert werden, bis die Unschuld bewiesen wird? Gilt das dann nur für männliche Beschuldigte oder ist das geschlechtsunabhängig? Bei der Beweislastumkehr könnte also jeder Sie einfach einer Vergewaltigung beschuldigen und schon würden Sie inhaftiert werden. Beweisen Sie dann mal etwas, das nicht statt gefunden hat. Das könnte reichlich kompliziert werden. Sollten Sie aber nun der Meinung sein, dass ein solches Prinzip nur gegenüber männlichen Beschuldigten anzuwenden sei, nun, dann entlarvten Sie sich selbst.


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Brotkrume 28.09.2016, 16:36 Uhr

Antwort auf den Beitrag von rita75 28.09.2016, 12:33 Uhr

Liebe Rita, ich schreibe hier als eine von sexueller Gewalt Betroffenen. Als solche weiß ich wie es ist, wenn der Täter ungeschoren davon kommt, weil die Beweise für eine Verurteilung nicht reichen. Ich weiß es nicht in der Theorie! Ich weiß es in der Praxis. Mit jeder Faser meines Körpers und mit jeder Ecke meiner Seele. Aber dennoch oder gerade deshalb bin ich genauso mit jeder Zelle meines Verstandes des Auffassung, dass sich Gerechtigkeit nicht dadurch herstellen lässt, dass man, dass der Rechtsstaat Unrecht tut! Keine Vergewaltigung, kein aus Mangel an Beweisen nicht verurteilter Täter rechtfertigt, dass man einen Unschuldigen verurteilt! Das muss unzweifelhaft klar sein.

Ich habe ein sehr großes Problem mit den Feministinnen (ich weiß nicht, ob Sie dazu gehören), die der Meinung sind, dass man Frauen immer glauben muss / kann. Ich habe ein Problem mit solchen, die der Auffassung sind, dass Männer derartige Schweine sind, dass es nicht schadet, ein, zwei, drei Unschuldige einzubunkern, um... ja warum eigentlich? Und ich habe auch ein Problem damit, dass einige meinen, dass eine Falschbeschuldigung etwas ist, dass man verzeihen kann, schließlich sind Männer Schweine, so falsch wird das ja wohl nicht sein.

Im Fall Kachelmann habe ich mich sehr lange zurückgehalten mit einer Meinung. Selbst nach dem Urteil im Strafprozess. Im Zweifel für den Angeklagten hieß für mich: Man konnte ihn nicht als Vergewaltiger bezeichnen, man konnte aber auch nicht sicher sein, dass sie unschuldig ist!

Dieses Urteil hier sagt aber sehr eindeutig und plausibel, dass es um eine Falschbeschuldigung geht. Da wird nicht wischiwaschi argumentiert, das Urteil wird mehrschichtig begründet.

Sie müssten sehr plausible Gegenargumente haben, wenn Sie nach einem solchen Urteil etwas anderes meinen. Das haben Sie offenbar nicht.

Dann lassen Sie sich sagen: Ich fühle mich als Betroffene von Frauen wie Ihnen missbraucht, wenn Sie auf meiner Erfahrung ideologisches Süppchen kochen wollen.


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Aus: "Gericht: Ex-Geliebte hat Vergewaltigung durch Kachelmann erfunden" (28.09.2016)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/schadenersatz-fuer-wettermoderator-gericht-ex-geliebte-hat-vergewaltigung-durch-kachelmann-erfunden/14612354.html (http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/schadenersatz-fuer-wettermoderator-gericht-ex-geliebte-hat-vergewaltigung-durch-kachelmann-erfunden/14612354.html)

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[...] Rund die Hälfte der Amerikaner finden es in Ordnung, dass man die Rechte von Schwulen und Lesben aus Gewissens- und Glaubensgründen einschränken darf, geht aus einer am Mittwoch in Washington vorgestellten Erhebung des Meinungsforschungsinstituts „Pew Research Center“ hervor.

Danach verlangten 48 Prozent der Befragten, Hochzeitsdienstleister sollten gleichgeschlechtliche Paare aus religiösen Gründen abweisen dürfen. 77 Prozent der weißen Evangelikalen sowie 43 Prozent der Katholiken teilten diese Auffassung. Befragt wurden den Angaben zufolge 4.538 US-Amerikaner.

Die gleichgeschlechtliche Ehe ist in den USA seit Juli 2015 legal. In mehreren Bundesstaaten dürfen Geschäfte homosexuelle Kunden „aus religiöser Überzeugung“ abweisen. Umstritten ist in den USA zudem, ob Arbeitgeber aus religiösen Gründen bei der Krankenversicherung Empfängnisverhütungsmittel ausschließen dürfen. Familienplanung ist laut dem Versicherungsgesetz „Obamacare“ fester Bestandteil der Krankenversicherungen.

Regierung und Gerichte befassen sich gegenwärtig mit Beschwerden katholischer Einrichtungen, der Gesetzgeber dürfe sie nicht zwingen, gegen ihren Glauben zu verstoßen. Bei der Erhebung des Pew-Instituts sagten 67 Prozent, alle Arbeitgeber müssten die Familienplanung mit einschließen.

Bei der Umfrage erklärten zudem 44 Prozent, Abtreibung sei „moralisch falsch“. Diese Ansicht vertraten 76 Prozent der weißen Evangelikalen, 51 Prozent der Katholiken und 23 Prozent der US-Amerikaner ohne religiöse Bindung. 35 Prozent der US-Amerikaner seien der Ansicht, „homosexuelles Verhalten“ sei „moralisch falsch“. (epd)


Aus: "Hälfte der US-Bürger für eingeschränkte Rechte Homosexueller" (28.09.2016)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/umfrage-zur-religionsfreiheit-haelfte-der-us-buerger-fuer-eingeschraenkte-rechte-homosexueller/14613790.html (http://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/umfrage-zur-religionsfreiheit-haelfte-der-us-buerger-fuer-eingeschraenkte-rechte-homosexueller/14613790.html)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 07, 2016, 08:42:38 AM
DIE  DARSTELLUNG DER FRAU  BEI  JOSEPH ROTH - Isabel Cristina Chaves Seia Russo dos Santos (2009)
Die vorliegende Untersuchung stellt sich die Aufgabe, die Darstellung der fiktiven Frau bei Joseph Roth herauszuarbeiten und gleichzeitig das herkömmliche Bild des Autors als misogynen Schriftsteller zu revidieren. Bisweilen werden die Frauenfiguren in Roths Werk fast ausnahmslos negativ gewertet, was dem Autor das Prädikat des Frauenverachters eingebracht hat. Diese Auffassung ist besonders suspekt wenn man bedenkt, dass zu Roths Frauendarstellung so gut wie keine Studien vorliegen. Dieses Manko  nimmt  sich  die  vorliegende  Arbeit  zur  Aufgabe.  Eine Untersuchung  der Porträtisierung der Frau verspricht, neues Licht auf die Arbeit des Autors zu werfen und sein schriftstellerisches Anliegen in einer differenzierten Weise zu beleuchten. ...
http://uir.unisa.ac.za/bitstream/handle/10500/3307/thesis_dos_santos.pdf (273 Seiten)


Melancholie, Eros, Musse: Das Frauenbild in Nietzsches Philosophie Broschiert – 1999
von Barbara Smitmans-Vajda (Autor), 190 Seiten, Verlag: Königshausen u. Neumann (1999)
Sprache: Deutsch - ISBN-10: 3826017048, ISBN-13: 978-3826017049

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"Jörg Kachelmann: Rache ist süß" Daniel Müller (7. Oktober 2016)
Der Fall Kachelmann hat die Nation entzweit. Auf der einen Seite stehen jene, die jeden zweiten Mann für einen Vergewaltiger halten, die anderen sehen in vielen Frauen rachsüchtige Furien, die Männer bewusst falsch einer Vergewaltigung bezichtigen. Die einen zitieren Studien, denen zufolge mindestens jede siebte Frau in Deutschland vergewaltigt wird. Die anderen führen Untersuchungen an, denen zufolge jede zweite Vergewaltigungsanzeige auf einer falschen Beschuldigung beruht. Ein Glaubenskrieg – Opfer auf der einen, Täter auf der anderen Seite. Dabei gibt es beides. Wer sich im Fall Kachelmann allein die Fakten ansieht, der kann nur zu dem Schluss kommen: Hier ist ein Mensch systematisch und öffentlich vernichtet worden. Und dieser Mensch ist nicht auf einem "juristischen Feldzug". Er will eine Lüge aus der Welt schaffen. Und sein Recht bekommen. ... Kachelmann führt diesen Kampf seit mehr als fünf Jahren, vor Gericht, in seinem Buch Recht und Gerechtigkeit, auf Twitter. Mit dem Burda-Verlag, gegen dessen Magazine Bunte und Focus er geklagt hatte, einigte er sich 2015 auf Schadensersatz, es sollen einige Hunderttausend Euro gewesen sein. Der Axel-Springer-Verlag muss ihm nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Köln mehr als 500.000 Euro Schmerzensgeld zahlen – wegen vieler, zum Teil schwerwiegender Persönlichkeitsverletzungen in Bild, Bild am Sonntag und auf bild.de. Das ist viel Geld, und doch ist es für Kachelmann nur eine kleine Genugtuung. Er sagt: "Diese Sache hat mein Leben materiell und beruflich komplett zerstört. Es ist nichts mehr da, ich musste von unter null wieder anfangen. Und Frau Dinkel läuft frei herum." ...
Das Oberlandesgericht, das Kachelmanns Berufung zuließ, hat das Urteil des Landgerichts abgeändert, da dieses "den Kläger in seinem Anspruch auf rechtliches Gehör verletzt" habe. Zur Klärung wurde der Direktor des Instituts für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main einbestellt, Marcel Verhoff. Dieser erklärte, dass alle Verletzungen bei Claudia Dinkel zwar "durch fremde Hand oder Unfallgeschehen entstanden sein" könnten, aber "deutlich mehr (...) für Selbstbeibringungen" spreche. Dieser Einschätzung schloss sich das Gericht an.
In einem Zivilverfahren gelten andere Regeln als in einem Strafprozess. Die Beweislast liegt beim Kläger. Jörg Kachelmann ist es gelungen, die nötigen Beweise beizubringen. Damit ist die Sache für ihn erledigt. Für Claudia Dinkel jedoch könnte es jetzt erst richtig losgehen. Das Gericht hat Straftaten festgestellt, uneidliche Falschaussagen und schwere Freiheitsberaubung – sogenannte Offizialdelikte. Die Falschaussage ist verjährt, bei der schweren Freiheitsberaubung prüft die Staatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht. ...
http://www.zeit.de/2016/42/joerg-kachelmann-urteil-claudia-dinkel-klage/komplettansicht

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Z8 #33

Wer hat dem doch eigentlich inhaltlich guten Artikel diese maximal saudämliche Überschrift verpasst?


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dabec #61

... Nicht seriöse Berichterstattung war (allein) das Ziel der Medien, sondern allein die Frage: Wie kann man Auflagen steigern. ... über Monate ein tolles Geschäftsmodell der Auflagensteigerung. ... die Auflagen haben sich (betriebswirtschaftlich) ... „gerechnet“. ...


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Nicolas L. #64.1

"Ehrlich gesagt bin ich ziemlich fassungslos über soviel kriminelle Energie der Täterin "

Eigentlich nicht. Man muss immer mit solchen Fällen rechnen - Psychopathen, Borderliner, Menschen mit sonstigen Persönlichkeitsstörungen oder ganz schlicht und einfach nur welche, die einfach nur von Rachegelüsten geplagt werden ... wird es immer geben ... Der eigentliche Skandal ist hier (und noch mehr im Fall Horst Arnold) nicht die Falschbeschuldigerin, sondern dass der Staat sich zum willentlichen Handlanger solcher Personen hat machen lassen (vermutlich aus einer Mischung aus Überzeugung und vorauseilendem Gehorsam gegenüber einer feministischen Lobby) anstatt die zu Unrecht Beschuldigten vor diesen zu schützen.


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 10, 2016, 08:06:50 PM
"Prostitution: Die Lifestyle-Escorts" Luisa Jacobs (10. Oktober 2016)
Wohlhabende und emanzipierte Frauen verkaufen ihren Körper online. Wie neue Escort-Apps und -Websites versuchen, aus Prostitution einen Lifestyle zu machen. ... Annabelle spricht über ihre Zeit als Sugarbabe wie über ein Hobby, das in einer bestimmten Phase ihres Lebens einfach gut gepasst hat. Dass sich bezahlte Treffen so leicht und unbeschwert wie ein Hobby anfühlen, darauf spekulieren auch andere Anbieter.  ... Mit den schmutzigen Bedingungen der Prostitution haben ihre Verabredungen scheinbar nichts zu tun. Für die Frauen ist Prostitution nur noch eine weitere App auf dem Smartphone, deren Icon zwischen Facebook und Instagram auf dem Homescreen liegt. Ohlala und die spielerischen Datingwebsites, auf denen Annabelle sich früher die Zeit vertrieb, verändern den Markt für Prostitution – sie machen es leichter, probeweise und vergleichsweise anonym den eigenen Körper für Geld anzubieten. Ob aus Interesse an der Begegnung oder aus Interesse am schnellen Geld. Sie wollen aus dem knallharten Geschäft ein verruchtes Hobby machen.
Wenn Menschen also freiwillig entscheiden, gegen Geld mit anderen Menschen zu schlafen, ist dann eigentlich alles in Ordnung? Die emanzipierten Escorts wünschen sich das. Doch Olympia hält ihre Leidenschaft geheim und Annabelle ihre Kunden mit einer falschen E-Mail-Adresse auf Distanz. Eine Tatsache lässt sich auch trotz des Lifestyle-Anstrichs nicht verdecken. Prostitution bleibt eine Dienstleistung, die vor allem in eine Richtung angeboten wird: Die Frau bietet ihren Körper, der Mann bezahlt. ...

http://www.zeit.de/campus/2016-10/prostitution-escort-service-lifestyle-studenten

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Vorschau #10

Läuft heute eigentlich wirklich alles, was Frau so treibt, unter emanzipiert?


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DeutschesEdelschwein #41

Ich verurteile so etwas nicht und ich will es nicht verbieten. Nur warum wird das Prinzip Sex gegen Geld so verniedlicht? Warum diese Rechtvertigungsstrategien? Ich finde es verlogen. Warum stehen diese Frauen nicht selbstbewusst dazu, dass Sie Prostituierte sind? Stattdessen erfinden Sie neue Wörter für ein und die selbe Sache. Nur weil man tätowiert und gebildet ist, ändert sich doch nichts an der Sache.
Wenn ich neben dem Studium noch als Koch arbeiten gehe, bin ich auch nicht dazu gezwungen, trotzdem lasse ich mir natürlich auf der Arbeit Dinge gefallen die ich mir beim gemütlichen kochen für Freunde nicht gefallen lassen würde. Ich kriege nur 12 Euro die Stunde ich kann mir nicht vorstellen, dass dies anders ist wenn einer Frau 250 Euro in Aussicht gestellt werden.


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Alraun #47

Diese Edelnutten sind die, für die Rotgrün ihr Zuhälterschutzgesetz gemacht hat. Man muss auch diesen Damen ihre Lebenlügen nicht so unbedarft abkaufen, wie das Tanja Gönner tut. Unter der Oberfläche, die Tanja Gönner nicht mal ankratzen wollte, gibt es eine Menge Dreck, sagt die Lebenserfahrung. Aber darauf kommt es gar nicht an. Wieviel mögen diese aus einer Pornophantasie entlaufenen "Hobbyhuren" ausmachen?
1 %? Der Rest sieht so aus, wie es Huschke Mau beschreibt:

Prostitution: "Alle Freier sind Täter" (18. Mai 2016)
Nach einer Kindheit voller Missbrauch und Gewalt beginnt Huschke Mau, sich zu prostituieren. Der Ausstieg nach zehn Jahren im Milieu war schwierig. Heute sagt sie: Freiwillige Prostitution ist ein Mythos.
http://www.sueddeutsche.de/leben/prostitution-alle-freier-sind-taeter-1.2989558 (http://www.sueddeutsche.de/leben/prostitution-alle-freier-sind-taeter-1.2989558)


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Mambrin #16

Wenn ich so manche Kommentare lese, denke ich, ich wäre plötzlich wieder in den 60ern aufgewacht.
"Eine Frau die sowas macht, muss doch psychisch gestört sein"
"Das führt alles bloß in die Abhängigkeit"
"Wenn die das freiwillig machen, warum nehmen sie dann Geld?"

Gute Güte! Wenn ich den Stories die während des Studiums so kursierten glaube, dann hat es so manche (und selbtverständlich auch so mancher!) ziemlich wild getrieben. Man kann sich natürlich in der Kneipe aufreißen lassen, oder selber aufreißen.
Man kann aber auch Geld dafür nehmen. Na und?

Hier wird schon wieder Personen, die keiner der Kommentatoren auch nur flüchtig kennt, allerlei Bullshit unterstellt, weil das im eignene Weltbild halt so ist. Nehmt mal das Brett vom Kopf weg!


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Family Guy #16.1

Danke.


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"Pole Dance: Der Streit um die Stange" Stefanie Sippel (10. Oktober 2016)
Früher war der Tanz an der Stange eine Sache für schummrige Stripclubs. Mittlerweile ist Pole Dance ein Sport. Ein Sport, um den eine Feminismusdebatte entbrannt ist. ... der körperbetonte Sport hat es immer noch nicht leicht. Noch immer hängt ihm das Rotlichtimage nach. Seit Jahren wird deshalb über Pole Dance debattiert. Manche sagen, Pole Dance sei Empowerment. Die Frauen nutzten ihren Körper für sich selbst und gewönnen durch das Tanzen Stärke und Selbstbewusstsein. Auch einige aus der feministischen Bewegung sehen das so.
Die Guardian-Journalistin Gay Alcorn sieht das anders. Sie assoziiert mit Pole Dance die Sexualisierung der Frau und stellte schon 2010 die Frage: Was ist mit dem Feminismus passiert? Sie behauptet, dass es mit dem Sexismus schon so weit gekommen sei, dass wir ihn gar nicht mehr bemerken. Nun müssten sich Frauen schon freiwillig ausziehen, sich dem Rollenbild fügen und dabei auch noch denken, sie würden etwas Gutes für sich selbst tun. Einige Feministinnen sehen die Bewegung daher von Pole Dance bedroht. Auch ein Artikel in der Emma 2012 förderte noch einmal alle Vorurteile, die es über Pole Dance gibt, zutage: Mädels, die bekleidet mit kurzen Hotpants für Männer tanzen, Pole Dancerinnen, die vor ihrem Auftritt koksen, bald werden kleine Mädchen statt zum Schwimmkurs zum Pole Dance gehen. Erst im vergangenen Monat plädierte eine Autorin der kanadischen Website feministcurrent.com dafür, Pole Dance endlich abzuschaffen.
Die Tänzerinnen fragt anscheinend niemand. "Die Debatte ist unverständlich. Wer den Sport probiert hat, würde darüber nicht streiten", sagt Nadine Rebel, die ein eigenes Pole-Dance-Studio in Augsburg betreibt. ...
http://www.zeit.de/sport/2016-10/pole-dance-feminismus-debatte/komplettansicht

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"Trafficking of Nigerian women to Europe is reaching “crisis” levels" Beata Stur (Published 12:42 September 29, 2016)
As reported by Nigeria’s Daily Post online, the women and girls had been lured to Europe by false promises of employment. But they were forced into prostitution. ... Speaking to reporters, a police spokesperson in Ibiza said: “The network captured very young victims among the lower classes of the major Nigerian cities, deceiving them with false job offers in Spain.” - “Once in our country, they were forced into prostitution in marathon days, being beaten if they did not earn the money demanded by the gang.”... Salvatore Vella, the deputy chief prosecutor in Agrigento, Sicily, who led the first significant investigation of Nigerian trafficking rings in Italy in 2014, said that the reception centres are increasingly being used as pick-up points by those intending to exploit Nigerian women.
The Nigerian women are given a phone number when they leave Nigeria, which they use to inform a contact in Italy that they have arrived.
“The mobsters just come to the camp and pick [women] up,” he says. “As easy as going to a grocery store.” ...
https://www.neweurope.eu/article/trafficking-nigerian-women-europe-reaching-crisis-levels/

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 12, 2016, 11:36:29 AM
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[...] In dem aufgezeichneten Gespräch zwischen Trump und dem Moderator Billy Bush gibt es diese Stelle:

Trump: "Just kiss. I don't even wait. And when you're a star they let you do it. You can do anything."

Bush: "Whatever you want."

Trump: "Grab them by the pussy."

[Bush lacht]

Trump: "You can do anything."

Allein in dem kurzen Satz "When you're a star, they let you do it" steckt viel mehr Wahrheit, als man aus Trumps Mund je erwartet hätte.

... Es hilft ihm wenig, dass Trump jetzt betont, das Video sei über zehn Jahre alt und nur "locker room talk", woraufhin sich haufenweise Sportler gezwungen sahen zu erklären, dass sie in ihren Umkleidekabinen gar nicht so eine Scheiße reden. Da hatten bereits Zehntausende Frauen ihre Geschichten ähnlicher Übergriffe geteilt: Geschichten von Ärzten, Lehrern, Stiefvätern, Vorgesetzten, die sie unerlaubt anfassten oder sich an ihnen rieben.

Beim Thema Sex höre der Spaß für die Konservativen auf, hieß es in einem Kommentar auf "Zeit Online". Nur war das Thema in dem Video gar nicht Sex, obwohl Trump darin Sätze sagt wie "Ich habe versucht, sie zu vögeln". Ähnlich wie bei den meisten Vorfällen, die von Medien als "Sexskandal" bezeichnet werden, geht es hier nicht um Sex, sondern um Macht, weil ein Mensch sich von einem anderen etwas nimmt, was er eigentlich nur im einvernehmlichen Austausch kriegen sollte. ...

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mathmag 11.10.2016, 15:57
6. Wozu das Gespräch uminterpretieren, wenn die Aussagen über Trump doch auch so stimmen?

Sie schaden dem eigenen Anliegen wenn Sie so etwas eindeutiges wie "Wenn Du ein Star bist, lassen sie dich machen", erstmal uminterpretieren müssen, um darauf dann aufzubauen:
>Er sagt: "Wenn du ein Star bist" - sprich: wenn du Macht hast - "lassen sie dich machen" - sprich: kommst du damit durch.<
Nein, er sagt "lassen sie dich machen" und meint offensichtlich die Frauen. Nicht jede, sondern im Allgemeinen. Mag Ihnen, Frau Stokowski, nicht schmecken. Aber einmal Augen auf bei irgendwelchen "Celebrity Events" und sei es der Wiener Opernball oder einst Berlusconi oder...:
Zu den Mächtigen finden sich dann auch häufig die "Weibchen", die genau darauf abfahren und denen es das wert ist. Blöd, oder?


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chramb80 11.10.2016, 15:58
8. Rolling Stone...

Ach seufz, was werden wohl viele Stars über (ihre) Groupies erzählen? Genau das selbe wie Trump auch. Geld macht Sexy, Macht macht Sexy. So als ob Mick Jagger anfängt Geschichten zu erzählen über die wilden Zeiten der Stones. ...



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EaronnEaronn 11.10.2016, 16:05
14. Was schief läuft

Nun, eines kann man sicher sagen: solche Typen sind verängstigte kleine Würmer.
Wirklich selbstbewusste Männer müssen andere gegen ihren Willen betatschen, noch haben sie solche "schaut alle her was ich für ein Supermacho bin"-Sprüche nötig.
Aber leider äußern sich in vielen Foren Teilnehmer - mit männlichen oder neutralen Nicks - immer noch verständig, meinen "alle Frauen" (ihr wisst schon: diese geklonte Gruppe von Lebewesen, die alle gleich denken und fühlen) würden das doch wollen, oder so was wäre ja gar nicht so schlimm. Oder sie sind offen bewundernd ob solcher "Stärke". Eine "Stärke" sehr ähnlich der, die jemand zeigt, der kleine Kinder tritt.

Was man(n) da machen kann?
Bitte äußert euch entsprechend.
Es ist super, wie viele sich zur Zeit angewidert zeigen oder offen sagen, dass sie solches Gerede nicht nötig haben.
Das sendet nicht nur ein Signal an Frauen (oder begrapschte Männer), sondern auch an alle Männer rundrum: Trump ist die schwache Ausnahme, keine starke Regel.
Als Frau: wehrt euch. Macht sie lächerlich, haut ihnen eine runter (wenn möglich) (1), sagt ganz laut "Warum greifen Sie mir an meine X, Sie Ferkel?"
(1) Keine Gewalt? Wann darf ich mich denn gewaltsam wehren? Wenn der Kerl schon in mir steckt? Wer sexuell missbraucht, muss damit endlich ein Risiko eingehen.


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Singulus2 Gestern, 16:13
17. Diamonds are a Girls best Friend....

... Es gibt Abermillionen Frauen,die sich von Männern ein luxuriöses Leben finanzieren lassen ohne an diesen Männern interessiert
zu sein. Daß viele Millionen Frauen nicht so denken, bestreitet auch niemand ...


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canUCme 11.10.2016, 16:25

24. Ja, stimmt, .....

... Menschen in echten oder vermeintlichen Abhängigkeitsverhältnissen lassen sich von Mächtigen bzw. Einflussreichen jede Menge gefallen. In Jobs, in der Politik im Showbusiness. Trump dokumentiert mit der Art seiner Aussage, dass er diese Art der Machtausübung kennt und irgendwie ganz ok findet, er entlarvt sich also als Machtmensch.
Nur, das wussten wir doch vor dieser Videoveröffentlichung schon. Wie Millionen anderer (Chefs, VIPs, Generäle, Machthaber, ..) nimmt er Einfluß auf andere Menschen und erwartet, dass diese in seinem Sinne gehorchen, oder sich Übergriffe gefallen lassen, weil seine Macht und sein Einfluss ihnen ansonsten das Leben zur Hölle machen können. Das Prinzip ist ubiquitär. Nur wenn es der Gesellschaft einmal so drastisch ausgesprochen vor Augen gehalten wird, ist plötzlich der große Aufschrei da. Es sind natürlich immer zwei beteiligt: Der Machtausübende und derjenige, der es mit sich machen lässt. Es gibt sehr viele Frauen, die sich auch von Vorgesetzten oder sonstwie Privilegierten nicht an die Wäsche gehen lassen. Und es gibt viele, die so etwas in Kauf nehmen um anderweitige Vorteile zu erlangen, sich also prostituieren.
Die ganze Welt dreht sich nur um Schwanz, Muschi, Geld und Macht. Alles andere sind rühmliche Ausnahmen.


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http://www.spiegel.de/forum/kultur/trumps-sexismus-wer-lacht-gibt-macht-thread-522845-1.html (http://www.spiegel.de/forum/kultur/trumps-sexismus-wer-lacht-gibt-macht-thread-522845-1.html)



Aus: " Trumps Sexismus: Wer lacht, gibt Macht " Eine Kolumne von Margarete Stokowski (Dienstag, 11.10.2016)
Quelle: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/donald-trumps-sexismus-kolumne-von-margarete-stokowski-a-1116088.html (http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/donald-trumps-sexismus-kolumne-von-margarete-stokowski-a-1116088.html)
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 18, 2016, 10:28:48 AM
"Migranten im autonomen Wohnzimmer" Peter Nowak (17.10.2016)
Schwierigkeiten von Linken mit dem Sexismus von Migranten ... Die Auseinandersetzungen wurden oft sehr oberflächlich als Auseinandersetzungen zwischen Punks und mittelständisch sozialisierten Autonomen dargestellt Oft ging es dabei auch um unterschiedliche Vorstellungen von Sexismus Dabei standen auf beiden Seiten auch Frauen. In der als Punks beschrieben Gruppe gab es vor allem bei den Frauen aber auch bei einigen Männern durchaus Kritik am Sexismus in den eigenen Reihen. Doch der Umgang damit unterschied sich vom Herangehen der mittelständisch sozialisierten Autonomen. So sagte eine Punk-Frau, dass sie, wenn sie mit sexistischen Begriffen belegt wird, genau diese Begriffe gegen den Mann anwendet und danach sei für sie die Sache erledigt.
Wenn also schon in der subkulturell geprägten Szene kein gemeinsamer Sexismusbegriff existiert, so gilt das erst recht für die Gesellschaft in Deutschland insgesamt. So dürften Praktiken, die vom Conne-Plenum benannt wurden, auch in vielen Clubs und Kneipen in Deutschland Konsens sein. So gesehen würden die Migranten dort nicht besonders auffallen. Doch dort sind sie aber oft nicht willkommen, weil sie Migranten sind. Also bleibt ihnen dann nur die Freizeitgestaltung in den wenigen autonomen Wohnzimmern der Republik - und dann gibt es die Probleme, die das Conne jetzt beschreibt. ...
Natürlich ist es richtig, dass man sexistische, homophobe und antisemitische Einstellungen überall kritisieren muss, unabhängig von der Herkunft. Bereits in den frühen 1990er Jahren, als Migranten vor rassistischen Übergriffen aus Ostdeutschland nach Berlin flüchteten und gemeinsam mit Unterstützern an der Technischen Universität einige Räume besetzten, gab es eine Debatte über mackerhaftes und sexistisches Verhalten einiger Männer.
Doch muss man den Vorsatz, die Menschen ernst zu nehmen und zu fordern, in einen Ton umsetzen, der so unangenehm deutsch klingt? "Fakt ist und bleibt, dass sexistische Übergriffe, mackerhaftes Auftreten, antisemitisches, rassistisches und anderweitig diskriminierendes Verhalten im Conne Island nicht geduldet werden und jede Person, die sich nicht an unsere Regeln hält, des Eiskellers verwiesen wird - ungeachtet seiner/ihrer Herkunft." Da wird zwischen mackerhaften Verhalten und einem sexistischen Übergriff kein Unterschied mehr gemacht.
Es gibt die mehrheitlich von in Deutschland sozialisierten Menschen, die die Regeln setzen, und die Migranten, die diese Regeln eben zu akzeptieren haben oder fliegen, nicht gleich aus Deutschland, aber immerhin aus dem Conne Island. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49716/2.html

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     Isidorus, 17.10.2016 10:06

Muahaha

Den Linken zuzusehen, wie sie sich argumentativ winden wie ein glitschiger Aal, nachdem sie einige "Migrantenerfahrungen" gemacht haben, hat schon einen erheblichen Unterhaltungswert. ...


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     Wooster, 17.10.2016 12:29

Weglassen, was nicht ins eigene Weltbild passt?

Wieso unterschlägt der Autor hier die tatsächlichen Beschreibungen der widerlichen Taten, die im Schreiben der Einrichtung aufgelistet sind? Sogar die lokalen bürgerlichen Blätter berichten deutlich(er).


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     robbypeer, 17.10.2016 18:11

Nowak und andere Dogmaten haben offensichtlich nie Realität erlebt

Wer aus dem warmen Wohnzimmer heraus dogmatische Standpunkte vertritt, ohne sich je wirklich mit der Realität auseinandergesetzt zu haben, dessen Aussagen sollte keinerlei Gewicht zugestanden werden.

Das generelle Problem sind pseudolinke Trolle, die genau so gut rechts oder sonstwas sein könnten, aber eins gemeinsam haben: Wichtigtuerei, sadistischer Dogmatismus und Zerstörung der Gemeinschaft durch selbstmöderische Realitätsverleugnung.

Oft geht es sogar in Wahrheit darum, die jeweilige Gemeinschaft von innen zu zerstören: aus gekränkter Eitelkeit, Eifersucht, Neid, Sadismus oder Kompensation anderer Probleme. ...


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"Die Stunde der Sexistinnen" Selma Mahlknecht (18.10.2016)
Nein, das im Titel ist kein Binnen-I. Ihr seid nicht mitgemeint, Männer. Dieser Text richtet sich ausschließlich gegen Sexistinnen. Und ist trotzdem feministisch ... Feminismus ist nämlich nicht der Kampf von Frauen gegen Männer. Sondern häufig genug der Kampf gegen andere Frauen. Heute mehr denn je.  ... Das alles interessiert euch nicht, und wahrscheinlich lebt ihr tatsächlich ganz angenehm in eurem DIY-shabby-chic-Kokon, in den ihr euch eingesponnen habt. Fürs Gemüt gibt es rührselige Hunde- und Katzenvideos, für den Geist ein paar Paolo-Coelho-Sprüche, und den Rest erledigen Mandala-Malbücher für Erwachsene. Und natürlich sind das ganz gemeine Klischees, die auf niemanden zutreffen, und natürlich regt ihr euch auf, wenn eine wie ich euch zu nahe tritt. Ihr wollt mich in die Schranken weisen, weil ihr nämlich ganz anders seid und euch keiner in eine Schublade sperren kann, weil ihr nämlich viel mehr drauf habt als die olle Hausmütterchen-Nummer. Aber wenn das stimmt, dann seid ihr das, was ihr nie sein wolltet, ob es euch gefällt oder nicht. Dann seid auch ihr verkappte Feministinnen, die sich gegen Fremdzuschreibungen wehren. ...
http://www.heise.de/tp/artikel/49/49723/1.html

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     Isidorus, 18.10.2016 16:09

Kindergartensexismus
Wer so richtig ungeschminkten Sexismus erleben will, soll mal einem männlichen Kindergärtner bei der Arbeit zusehen, was der auszustehen hat!
Der hat schon einen guten Tag, wenn er am Feierabend nicht im Knast sitzt.
Im Vergleich dazu ist dieser angebliche "Sexismus" durch blöde Sprüche, der im Artikel angeprangert wird, ein völlig randständiges Luxusproblem.


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     Selbstherrschaft, 18.10.2016 17:06

... mitnichten geht es originär um die Geschlechter oder Geschlechterrollen. Kollege Paschulke sprach es zuvor schon kurz an, es geht um das Menschenverständnis.

Es geht um nichts weniger als - Erkenne ich mich im Menschen gegenüber?

Wer im Anderen keinen Menschen wie sich sieht, sondern einen Geringeren, der gesteht dem Gegenüber auch nicht die Rechte zu, die er wie selbstverständlich für sich einfordert.
Es ist schlicht eine Frage des Bewußtseinszustandes, ob man als Mensch mit Menschen verkehrt oder eben als Höherer mit Minderen umspringt.

Und erst daraus, aus diesem Fehlbewußtsein kann dann, als eine von vielen möglichen Deformationen, auch eine geschlechtsbezogene Auf-/Abwertung oder auch Chauvinismus und und und entspringen.
Ursprung ist aber die aus mangelnder Selbstreflektion entspringende Verirrung, es gäbe ein willkürlich setzbares menschliches Über-/Unterordnungsverhältnis.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (18.10.2016 17:07).


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     Twistie2015, Bettina Hammer, 18.10.2016 17:38

Re: Es geht nicht um Gedankenlesen, pauschale Zustimmung, sondern um Achtung!

... einfach gesagt:
" 'festering turd of a human being' that 'intimidated multiple young Asian women' by waving his hand in their faces on a Melbourne tram"
kann bei manchen als typisches Beispiel für sexistische Männer dienen, es kann aber eben auch anders sein.

http://www.dailymail.co.uk/news/article-3830176/Man-Melbourne-tram-labelled-lowlife-creep-autistic-loves-giving-strangers-high-fives.html

das ist das "über Menschen reden", was zu deinem Punkt hinzukommt - erst wird eine Person als typisches Beispiel für Gruppe X genommen, dann wird sie letztendlich nicht mehr selbst angesprochen, sondern es wird über sie gesprochen, dann wird sie zum Beispiel für Gruppe X und deren Verhalten und das, was wirklich passiert ist oder wer die Person ist, ist nur noch Nebensache.

Das halte ich übrigens persönlich für entmenschlichend, der Mensch ist ja nicht mehr die Einzelperson, sondern sein Verhalten dient nur dazu, die eigene Agenda weiterzuführen und andere aufzustacheln bzw. andere anzufeinden und sich selbst im Glanz des eigenen Wohlverhaltens zu sonnen.
Selbst wenn man nur einen bekannten Autisten per Social Media (passenderweise SM) anprangert.



Quote
     van Grunz, 18.10.2016 20:01

Unmenschentum

Es ist der Kriegsrhetorik immanent, vermeintlich niedere Menschen als Unmenschen zu deklassifizieren, damit man den eigenen moralischen Maßstab nicht mehr ansetzen muß. Sonst müßte man erkennen, daß der Spruch: "Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg' auch keinem and'ren zu" eine essentielle Bedeutung hat.


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on November 16, 2016, 12:19:42 PM
Quote
[...] die Mehrheit der weißen Frauen, 53 Prozent (gegenüber nur 43 Prozent für Clinton), haben für Trump gestimmt. Das ist kaum begreiflich.



Aus: "Keine Solidarität" Juliane Löffler (11.11.2016)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/juloeffl/trump-that-dick (https://www.freitag.de/autoren/juloeffl/trump-that-dick)


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Achtermann 11.11.2016 | 13:49

Denn die Mehrheit der weißen Frauen, 53 Prozent (gegenüber nur 43 Prozent für Clinton), haben für Trump gestimmt. Das ist kaum begreiflich. Wieso wählen Frauen gegen sich selbst?

Das ist eine Frage der Wertigkeit. Wenn die eigene wirtschaftliche Frage nicht gelöst ist, stehen andere Themen im Vordergrund: Arbeitsplatz, Familieneinkommen, Schul- und Ausbildung der Kinder. Die amerikanische Mittelschicht wird dünner, die Einkommen sinken. Wenn jemand verspricht, einheimische Arbeitsplätze zu schaffen, gegen illegale Migranten vorzugehen, Importe mit Zöllen zu belegen, um einige Beispiele zu nennen, können die Fragen, die mit Gleichberechtigung zu tun haben, in den Hintergrund treten, wenn die Hoffnung keimt, jemand kümmert sich um die soziale Frage, jemand nimmt mich und meinesgleichen ernst. Wenn Hillary Clinton vielfach für einen Vortrag mehrere 100.000 Dollar kassiert und sinngemäß meint, wenn die zahlen, dann nehm ich Kohle, steckt darin mindestens so viel Arroganz wie sie Trump von den deutschen Medien vorgeworfen wird. Ich denke, Clinton verkörpert nicht das weibliche Rollenbild, das sich die durchschnittsweiße Amerikanerin vorstellt. Diese Frauen kommen gar nicht auf die vielleicht wegen der doch eher in akademischen Diskursen behandelten Fragen der Misogynie darauf, gegen sich selbst gewählt zu haben. Man sollte womöglich mit diesen schon vielfach gelesenen Zuschreibungen, die US-Amerikaner/innen seien zu dumm zu wählen, zurückhaltender sein.


Quote
laubfrosch 11.11.2016 | 14:07

ein großer teil frauen sieht sich als mutter und ehefrau, als mensch dessen einzige pflicht darin besteht mutter/eltern zu sein, und die sind in diesem sinne einem fundamentalen christlich/jüdisch/islamischen weltbild sogar sehr nahe ...
und so akzeptieren die auch einen dominanten pussiegrabscher als präsidenten ...
den wünschen sie sich sogar. je mehr dominant dieses alphapräsidentier ist, um so mehr können sich diese weibchen in ihre unterwürfig beschützte rolle fügen/fühlen ... es gibt einen großen anteil von frauen, der sich in einem patriarchalischen weltbild sher wohl fühlt. und dieser teil wählt trump und/oder erdogan ... frauen sind diesbezüglich nicht besser als männer ... eher schlimmer willfährig unterwürfig


Quote
Maria Franic 11.11.2016 | 15:50

... Die Amerikaner - Männer wie Frauen - haben mit ihrer Wahl Washington den Stinkefinger gezeigt. Wie wütend muss ein Volk sein, wenn es einen derben Antipolitiker wie Trump wählt und die erfahrene Hillary Clinton in Rente schickt? Hillary Clinton ist nun mal Establishment. Trump hat Veränderungen versprochen. Das wollte wohl die Mehrheit der Wähler. Was sie offensichtlich nicht wollten, war ein "weiter so" mit einem Politprofi wie zum Beispiel Hillary Clinton. ... Es war also kein Kampf der Geschlechter.


Quote
Achtermann 11.11.2016 | 16:59
@Andreas Urstadt

Bildung produziert Bias und noch mehr Bildung produziert noch mehr Bias. Dass Bildung immer Ideologie bedeutet ist längst seit der Anthropologin Mary Douglas bekann. Jede emprische Forschung hat das Ergebnis, dass Bildung Biasprobleme eben nicht lösen, sondern verschlimmern.

Das ist auch eine Erklärung für die Haltung der deutschen Presse, die nicht merkte, dass Trump neben seiner Art des Auftretens eben doch die Anliegen derjenigen traf, die Opfer der "Bildungsbürger" sind, die sich mit ihrem Bauchnabel beschäftigen, weil sie meistens eine für sich akzeptable sozial auskömmliche Daseinsvorsorge treffen konnten. In diesen Kreisen und ihren medialen Resonanzkörpern vom Buch bis zum TV werden dann Fragen zentral, ob man schon vegan ißt, Vegetarier bleibt oder doch lieber mal ein Stück Biofleisch verkostet.


Quote
Lethe 11.11.2016 | 20:43

Es würde mich verwundern, wenn auch nur bei einem Viertel einer Wählerschaft Kriterien wie Gender- und Rollengerechtigkeit, Antirassismus oder humane Gesinnung bei der Entscheidung für oder gegen Kandidaten auch nur andeutungsweise eine Rolle spielen sollten. Das sind zwar Lieblingsthemen vieler Linker, aber kaum von allgemeinerem Interesse, wie sich bei dieser Wahl gezeigt hat. Die Linken adressieren schlicht die falschen Themen. Erst kommt die Sicherung der Lebensgrundlagen, dann kommen Luxusprobleme. Das gilt nicht nur für Nationen, sondern auch für soziale Schichten aka Klassen. Von flammenden Appellen werden die Kinder nicht satt und die Miete nicht bezahlt. ...


Quote
seriousguy47 11.11.2016 | 21:43

"Gender, das war eines der größten Themen im Wahlkampf."

Ganz offensichtlich nicht. Es war wohl eher das Phänomen "Veggie Day" auf feministisch.

In plain language: Es ist vielleicht an der Zeit, darüber nachzudenken, ob die Mehrheit der neoliberal verarschten Menschen eventuell andere Probleme hat als ein wohlbestalltes und abgehobenes Öko-Bürgertum. ...


Quote
Reinhold Schramm 12.11.2016 | 06:20

... Es stellt sich auch noch heute die Frage: Warum haben die ostdeutschen Frauen ihren (vorgeblichen) Status in und mit der DDR über Bord geworfen? Waren die Konsum-Interessen, nicht nur der ostdeutschen Männer, auch der ostdeutschen Frauen größer als die (zunehmende?) soziale Gleichstellung im Alltagsleben?



Quote
Robinson 12.11.2016 | 10:31

... Was nützt mir die Gleichberechtigung, wenn die ganze Familie arbeitslos ist und die Kinder keine Zukunft haben?


Quote
derglaubeandassystem 12.11.2016 | 16:10

Schon die Adresszeile im Freitag, übersetzt "Trump dieser Schwanz" [https://www.freitag.de/autoren/juloeffl/trump-that-dick] lässt eine emotional aufgeladene Haltung in Bezug auf Trump erkennen. Er rüpelt und pöbelt, dann pöbelt man eben zurück.

Bei allem Poltern und Pöbeln gegen Trump wird die Frage völlig vergessen, was denn eigentlich für Clinton gesprochen hat. Auch aus Gender-Perspektive. Was hat denn Hillary Clinton in ihrer Zeit als First Lady oder Außenministerin getan, um die Rechte von Frauen weltweit zu stärken, obwohl ihr dieses Amt problemlos die Möglichkeit dazu gegeben hätte?

Nein, statt Frauen zu schützen, hat Clinton lieber dafür gesorgt, dass in Libyen hunderttausende Menschen sterben, und jene, die noch leben, zu großen Teilen einem barbarischen Sharia-Regime unterworfen werden. Überhaupt hat Clinton dem Feminismus keinen Dienst erwiesen. Sie ist im Prinzip ein Alpha-Männchen, genau so skrupellos, moralisch verkommen und korrupt, wie es die ganze breite "Elite" in Washington ist. Ein Phänomen, das man häufig bei Frauen in Machtpositionen findet. Gleichzeitig hat sie vermutlich aus purer Kalkuliertheit und purem Machtwillen ihre eigene Würde zugunsten ihrer politischen Karriere abegschrieben, indem sie ihren Mann eben mal machen liess, während der sie wie Dreck behandelt hat. Lächeln und darüber wegsehen, man will es ja noch zu etwas bringen.

Frau Löffler attribuiert das starke Abschneiden von Trump bei weißen Frauen mit einem Bildungsmangel. Das ist nur ein Teil der Wahrheit. Ich unterstelle der Frau Löffler eine Unfähigkeit oder zumindest Unwilligkeit zur Perspektivenübernahme, denn wie viele andere Kommentatoren hier bereits hingewiesen haben, sind für viele (weiße) Frauen durchaus auch andere Punkte entscheidend, und für ihren persönlichen Alltag vielleicht auch mehr von Belang.

Es zeigt sich hier, wie ein gegenseitiges Verständnis unmöglich wird, wenn man sich nur in seiner eigenen, selbst konstruierten Wirklichkeit befindet. Ein Standpunkt, von dem Frau Löffler unmöglich abweichen kann, während die vielen Wählerinnen von Trump sicherlich die Vorwürfe und Gründe für die Unmöglichkeit der Wahl Trumps als Frau seitens des Artikels hier überhaupt nicht nachvollziehen können bzw. diese Gründe in ihrer eigenen Prioritätenabfolge soweit unten stehen, dass sie bestenfalls mitz einem Achselzucken beantwortet werden.

Die dämlichen Wähler

ist hier wieder der Reflex. Doch für viele Amerikaner und auch für viele Europäer und andere Menschen auf der Welt ist Hillary Clinton eben nicht das kleinere Übel, und das aus handfesteren Gründen als irgendwelchen großkotzigen Interviews aus dem Jahre 1992.



Quote
THX1138 12.11.2016 | 17:16

... Ich versuche mich kurz zu fassen: Mit der Wahl Trumps sind zwei völlig gegensätzliche, soziale Milieus mit lautem Krach zusammen gestossen: Hier die wohl genährten, akademischen Gewinner der gegenwärtigen Entwicklungen samt ihrer Allmacht über den gesamten, öffentlichen Raum (Medien, Kultur, Wirtschaft und Politik) - und dort die Deklassierten, Vergessenen und Verlorenen.

"Drei Tage nach der Wahl soll also klar sein, wer wirklich die Verantwortung dafür trägt, dass Donald Trump der nächste Präsident der USA wird: Arrogante liberale Intellektuelle und links-ökologische Akademiker, die in ihrer hermetischen Filter-Bubblepausenlos über die Rechte schwarzer Transsexueller debattieren und dabei die Sorgen der weißen Arbeiterklasse aus dem Blick verloren haben. Mehr noch: Eben jenes Milieu offenbare sich als zutiefst heuchlerisch, weil es in Sonntagsreden zwar gerne Differenz und Toleranz predige, gegenüber dem white trash tatsächlich aber nur Verachtung hege."

Richtig, genau so ist es: Die ZEIT hat es auf den Punkt gebracht! ... http://www.zeit.de/kultur/2016-11/donald-trump-usa-praesident-liberale-linke-kritik (http://www.zeit.de/kultur/2016-11/donald-trump-usa-praesident-liberale-linke-kritik)



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Gunnar Jeschke 13.11.2016 | 20:50

Laut Nachwahlbefragung wollten 38% der Wähler vor allem Veränderung. Sie sind unzufrieden damit, wie es gerade läuft. Das scheinen die Wahlkampfstrategen der Demokraten bei aller Wähleranalyse übersehen zu haben. In dieser Richtung hat Hillary Clinton nicht das Geringste angeboten. Es war eigentlich kein Hexenwerk, zu erkennen, dass "Weiter wie bisher" kein sehr attraktives Angebot ist. Die haben wohl einfach geglaubt, dass es gegen so einen wie Trump trotzdem reicht. Das ist dann gründlich schief gegangen.



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gweberbv 13.11.2016 | 22:27

Die Kandidatin Clinton stellte 12 Wochen bezahlten Mutterschaftsurlaub in Aussicht. Das wird es unter dem Präsident Trump nun wohl nicht geben.



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balsamico 14.11.2016 | 09:06

Weiße Frauen haben mehrheitlich Trump gewählt.

Ich fürchte, es ist noch schlimmer: nämlich so, dass viele Frauen gewählt haben, was ihnen von ihren Männern souffliert wurde. Es werden jedenfalls nicht die selbstbewusstesten Frauen gewesen sein, die für Trump gestimmt haben. Und die schlimmste Botschaft dieses Wahlganges ist: Wenn du eine Wahl gewinnen willst, mußt du an die niedrigsten Instinkte appellieren und holzen "wie die Sau." Und wenn du selbst eine Sau bist: umso besser. Was für ein Zivilisationsbruch! ...



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Gunnar Jeschke 13.11.2016 | 15:56

Die Grundthese des Artikels ist ein schönes Beispiel für Scott Adams Erklärungen zur kognitiven Dissonanz. Man fragt sich, wie sein kann, was nicht sein darf. Die einfachste Erklärung wäre, dass die eigenen Grundannahmen falsch waren, aber das tut halt zu weh.


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on November 16, 2016, 01:25:24 PM
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Peter Rehberg - Der Autor ist Affiliated Fellow am ICI in Berlin, wo er die Arbeiten zu dem Buchprojekt „Hipster Porn: Queere Männlichkeiten, affektive Sexualitäten und Neue Medien“ abschließt.

Wie queer ist der Hipster? - Er gibt sich postphallisch. Doch die Inszenierung seiner Männlichkeit ist nur scheinbar zurückhaltend: Sein Bart steht für „natürliche“ Maskulinität. Seit den 2000ern ist popkulturell ein Männertypus in Erscheinung getreten, der seine Maskulinität nicht mehr plakativ in Szene setzen muss: der Hipster. Eine lässige Figur, deren eklektischer Stil sich auf den ersten Blick zu keinem Bild machtvoller Männlichkeit fügt. Der Hipster erscheint ebenso hybrid wie transnational, er bevölkert die Cafés in Brooklyn oder Berlin-Neukölln.
Das Repertoire seiner Stile und Gesten verdankt sich verschiedenen Archiven der Jugendkultur nach 1945. Der Hipster ist eine Neuauflage einer Männerfigur – Frauen kommen im Hipster-Diskurs kaum vor –, die der Schriftsteller Norman Mailer Ende der 1950er Jahre als White Negro beschrieben hatte. Weiße Jungs mit Collegeabschluss tun so, als seien sie schwarze Outcasts. Wie die Beat-Poeten. Dabei geht es zunächst um eine Aneignung schwarzer Sexualität durch Weiße. Äußerlich reklamierte der Hipster zugleich auch seine Nähe zum White Trash – der US-amerikanischen Unterschicht. Mit seinen erkennbaren Zeichen, Trucker-Cap, Flanellhemd und Unterarm-Tattoos betreibt er somit eine Art von ethnischem und sozialem Crossdressing. ... Der Hipster präsentiert eine weniger aufdringliche Maskulinität. Er zeigt sich ermüdet von den Gesten aggressiver Männlichkeit. Mit seiner coolen Nachlässigkeit scheint er bereit, sein Mannsein neu zu verhandeln. Mit seinem Verweis auf verschiedene Maskulinitätskulturen – den Unterschichtsmann, den Schwarzen – bietet der Hipster eine Form der männlichen Maskerade an. Diese zitathaften Aneignungen arbeiten einem Habitus zu, der sein Gender nicht ausnahmslos bekräftigt. Seine Performance lässt sich so als postphallisch entziffern. ... Einerseits wird mit der unaufdringlichen Lässigkeit des Hipsters zwar die Geschlossenheit des Prinzips Maskulinität aufgebrochen. Gleichzeitig etabliert sich der Wert des Hipsters aber über eine Vorstellung von Natürlichkeit: Die Coolness des Hipsters funktioniert nur, solange die Nerd-Brille vom Bart gerahmt bleibt. ...
Unter dem Vorwand einer hippen Postphallizität kommt eine „natürliche Männlichkeit“ ungehindert zum Zuge. Die Performanz von Gender kann noch so postphallisch sein, so ließe sich sagen, solange sie gleichzeitig als „Natürlichkeit“ abgesichert ist, bleiben diese Inszenierungen risikolos. Steht die Natürlichkeit von Sex selbst nicht zur Disposition, können Maskulinitätsexperimente mit großer Gelassenheit hingenommen werden. Ja, gerade diese Gelassenheit arbeitet dann der „Natürlichkeit“ des männlichen Geschlechts weiterhin zu.
Ein großer Teil popkultureller Männerbilder, die seit den 2000ern im Umlauf sind, funktioniert auf diese Weise. ... Die Idee von Männlichkeit bleibt hier nicht nur intakt, sie wird gefeiert. Wir haben es hier mit einem Butch-Turn zu tun, einem symbolpolitischen Backlash. Genderpolitisch ist der Hipster eine konservative Figur. ... Der Bart – den ja nicht nur die Hipster, sondern auch die Fantasy-Helden von „Game of Thrones“ und „Vikings“ stolz tragen – wäre also eine der letzten Waffen, Männlichkeit zu behaupten, innerhalb einer Kultur, die seine Geschlechtsinszenierungen ansonsten immer weniger überzeugend findet.

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wil 16.11.2016, 02:31

mir stellt sich angesichts dieser überdrehten soziologen-wortorgie eigentlich nur die eine frage: wer braucht sie wirklich? männer, die sich mit haaren ihr gesicht zuwachsen lassen, es dadurch unkenntlich machen und irgendwie alle gleich, nachpubertär und unendlich unsexy-langweilig aussehen?


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anamoli 16.11.2016, 10:46

Da hat sich aber einer im Gender-Sex-Dschungel verlaufen. Hipster ist mittlerweile Mainstrem, also eine Mode, die zwar die Attraktivität steigern soll, aber auf Grundlage des Trendy-Herdentriebs. Selbstreflektorisch hinsichtlich der geschlechtlichen Identität ist da nicht viel. Es wird einfach nur abgekupfert, was da nach Bohème riechen könnte; Also völlig normale Hochstapelei.


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roi 16.11.2016, 10:38

Was genau soll "schwarze Sexualität" sein?
Erwarten diese bärtigen Hipster eigentlich das Frauen sich die Beine rassieren? Würde mich mal rassieren, äh...interessieren meinte ich...


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Zuckerstreuer 16.11.2016, 06:02

könnte mir jemand erklären was schwarze Sexualität ist und wodurch sie sich von weißer Sexualität unterscheidet.


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Alfred Sauer 15.11.2016, 22:47

Das ist jetzt Satire oder? Könnte von Monty Python stammen. "Nehmen wir an, das ihr euch darauf einigt das Loretta keine Babys bekommen kann, woran niemand schuld ist, nicht mal die Römer! Aber das er das absolute Recht hat Babys zu bekommen."


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sart 15.11.2016, 22:29

Diesen Ansatz bzgl. der Hipster finde ich durchaus interessant.
Dass die sich dabei tatsächlich was denken, habe ich bislang noch nie in Betracht bezogen.


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Jaeh 16.11.2016, 00:10

@sart Die Analyse besagt nicht, dass der "Hipster" sich dieses alles denkt. Das ist sogar eher unwahrscheinlich. Denn dies wird habituell in der Praxis schlicht vollzogen und wird in dem Text reflexiv eingeholt und entfaltet. Lebenweltliches agieren ist viel zu "dicht" um es kognitiv immer eins zu eins zu begleiten. Hipster ist also keine Strategie, kein intendiertes Rollenverhalten, sondern im Sinne des Textes quasi live vollzogen, unmittelbar entspringend einer großstädtisch-postmodernen Diskursivität, die dann diesen Still erstmal einfach cool, angesagt, nachahmendwert macht. Wer dies derart reflexiv nachvollzieht wird dann eher ablassen von solch einem Verhalten, da es nicht mehr als authentisch unmittelbar erlebbar ist.


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Michl Mond
15.11.2016, 22:01

Nachdem ich genervt nach 75% des Textes aufgehört habe zu lesen, wie queer ist er jetzt, der Hipster?

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supergeil
15.11.2016, 22:14

@Michl Mond Musste dich bei Hipster-Studies einschreiben....




Aus: "Gender als Lifestyle - Wie queer ist der Hipster?" Peter Rehberg (15. 11. 2016)
Quelle: https://www.taz.de/Gender-als-Lifestyle/!5353672/ (https://www.taz.de/Gender-als-Lifestyle/!5353672/)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on November 27, 2016, 01:07:41 PM
"Lateinamerika: Zehntausende demonstrieren gegen Gewalt gegen Frauen" (27. November 2016)
Eine Serie brutaler Morde an Frauen erschüttert Lateinamerika. In Argentinien forderten Zehntausende ein Ende der Gewalt und besseren Schutz vor sexuellen Übergriffen. ... Lateinamerika ist derzeit durch eine Reihe besonders grausamer Morde aufgeschreckt: In Chile wurde eine Zehnjährige mit einer Plastiktüte erstickt, in Mexiko eine 22-Jährige erdrosselt, und in Argentinien setzte eine Gruppe Männer eine 16-Jährige unter Drogen, vergewaltigte und quälte sie derart brutal, dass ihr Herz versagte.
Den Aktivistinnen geht es aber nicht nur darum, gegen solche Morde zu protestieren, sondern auch gegen eine Kultur, in der Frauen grundsätzlich weniger zählen als Männer.
Laut einer aktuellen Umfrage wurden 97 Prozent der argentinischen Frauen schon einmal in ihrem Leben sexuell belästigt, 79 Prozent waren demnach schon Opfer von Grapschern – vor allem in Bussen und Bahnen. Nach Angaben der UN-Sonderberichterstatterin Dubravka Šimonović sind Argentiniens Frauen und Mädchen Belästigungen meist hilflos ausgeliefert, da es keinerlei Maßnahmen zu ihrem Schutz gibt.  ...
http://www.zeit.de/gesellschaft/2016-11/lateinamerika-demonstration-gewalt-frauen-argentinien
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on December 17, 2016, 02:01:22 PM
"Stadt Kiel: Schweigemarsch gegen Gewalt – und für die getötete Delali Assigbley" (Donnerstag, 15.12.2016)
Im Jahr 2015 wurden 331 Frauen in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet und auch die Statistik bei häuslicher Gewalt spricht für sich – deutschlandweit hat jede vierte Frau im Alter von 16 bis 85 Jahren häusliche Gewalt erlebt, wie das Hilfetelefon berichtet. Nach der bundesweiten Kriminalstatistik wurden 2015 knapp 130.000 Personen Opfer von Mord und Totschlag, Körperverletzungen, Vergewaltigungen, sexueller Nötigung, Bedrohung und Stalking, davon waren 82 Prozent Frauen. Von ihnen lebten 49 Prozent zum Tatzeitpunkt mit dem Täter in einem Haushalt. Die Dunkelziffer dürfte dabei deutlich höher sein.
http://www.focus.de/regional/kiel/stadt-kiel-14-dezember-2016-sw_id_6357659.html

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"Umstrittenes Gesetz: Russland lockert Strafen für häusliche Gewalt" (07.02.2017)
Der erste Schlag wird nur noch mit einer Geldstrafe geahndet. Russland hat ein neues Gesetz verabschiedet, das in bestimmten Fällen häuslicher Gewalt eine Strafminderung vorsieht. ... Präsident Wladimir Putin hat ein entsprechendes Gesetz unterzeichnet, wonach die Strafen gemindert werden, wenn es sich um das erste Vergehen handelt und keine schwere Verletzung entsteht. Ein solches Vergehen wird nun als Fehlverhalten gewertet, welches mit einer Geldstrafe geahndet wird. Zuvor wurde dies noch als Körperverletzung eingestuft und mit bis zu zwei Jahren Haft bestraft. Konservative Befürworter des neuen Gesetzes hatten argumentiert, dass Eltern nicht dafür bestraft werden dürften, ihre Kinder zu maßregeln. Der Staat müsse sich aus privaten Angelegenheiten heraushalten. Kritiker befürchten jedoch, dass es mit dem neuen Gesetz noch schwerer wird, Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem werde sich das bereits weitverbreitete Problem der häuslichen Gewalt gegen Frauen verschlimmern, da Hilfe für die Opfer rechtlich schwerer werde. Staatlichen russischen Statistiken zufolge gab es im Jahr 2015 knapp 50.000 Vergehen, bei denen Gewalt in der Familie eine Rolle spielte. Bei knapp 36.000 davon richtete sich die Gewalt gegen eine Frau. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte im Januar behauptet, es sei wichtig, den Unterschied zwischen echter Gewalt und "den verschiedenen Erscheinungsformen von Familienbeziehungen" zu erkennen. ...
http://www.spiegel.de/politik/ausland/russland-lockert-strafen-fuer-haeusliche-gewalt-a-1133593.html

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"Proteste in Argentinien: Oben ohne gegen Oben-ohne-Verbot" (08.02.2017)
In Buenos Aires haben Hunderte Frauen gegen ein Verbot demonstriert, sich in der Öffentlichkeit mit freiem Oberkörper zu zeigen. Hintergrund ist ein umstrittenes Gesetz aus Zeiten der Militärdiktatur. ... "Souveränität über unsere Körper", war auf Transparenten bei den Protesten in der Hauptstadt Buenos Aires zu lesen. Auch in Cordoba, Mar del Plata und Rosario demonstrierten Frauen für ihre Rechte - zum Teil barbusig. "Wir werden nicht um Erlaubnis bitten", stand auf dem Bauch einer Frau.
Hintergrund der Proteste ist ein Vorfall aus dem Januar: Vor knapp zwei Wochen hatten Polizisten drei Touristinnen an einem Strand daran gehindert, sich mit freien Oberkörpern zu sonnen. Die Polizisten beriefen sich auf ein Gesetz zur Wahrung des öffentlichen Anstands aus den Zeiten der Militärdiktatur. Ein Video von dem Vorfall wurde im Internet veröffentlicht und sorgte für Empörung. Ein Richter stellte das Verfahren gegen die Frauen ein. Zwei Abgeordnete strengen nun eine Änderung des umstrittenen Gesetzes an. ...
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/argentinien-frauen-protestieren-gegen-oben-ohne-verbot-a-1133606.html

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on February 20, 2017, 10:28:14 AM
""Kinderbekommen ist kein privates Ereignis"" Interview: Brigitte Theißl (16. Februar 2017)
STANDARD: In Polen wollte die rechtskonservative PiS-Regierung ein Abtreibungsverbot umsetzen, Einschränkungen werden auch in anderen europäischen Staaten diskutiert, die Trump-Regierung inszeniert sich als "Pro-Life-Regierung". Erleben wir einen Backlash bei den reproduktiven Rechten?
Franziska Schutzbach: Diese politischen Entwicklungen führen besonders deutlich vor Augen, dass der weibliche Körper ein politischer Kampfplatz ist. Das war er schon immer, aber in den aktuellen rechtspopulistischen Diskursen wird das noch deutlicher sichtbar. Es geht wieder um eine direkte Einflussnahme, darum, Frauen vorzuschreiben, was sie zu tun oder zu unterlassen haben – all das vor dem Hintergrund eines konservativen, patriarchalen Familienideals. ...
http://derstandard.at/2000052657650/Soziologin-Kinderbekommen-ist-kein-privates-Ereignis

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Kommentar von Simone Schmollack: Offener Brief an Thomas Fischer: "Er packt noch eins drauf"
Das Interview mit dem Richter Thomas Fischer über sein Frauenbild läuft gut. Danach fangen die Probleme an. Nun also: ein Brief.
Sie kennen doch sicher das niederdeutsche Volkslied von den beiden Königskindern, die „beisammen nicht kommen“ konnten und am Ende beide tot sind? Dieses Lied habe ich zurzeit im Ohr, wenn ich an Sie denke. Nicht, weil darin ausgerechnet ein Fischer den ertrunkenen Königssohn aus dem Wasser holen soll. Sondern weil auch wir beide, die wir zwar keine Königskinder sind, einfach nicht „beisammen kommen“. ...
https://www.taz.de/!5390030/


"Fischer, Frauen und die taz: Thomas Fischer zur Geschichte eines gescheiterten Interviews" (21.03.2017)
Die taz veröffentlichte in ihrer vergangenen Wochenendausgabe einen offenen Brief an den BGH-Richter und Zeit-Online-Kolumnisten Thomas Fischer. Darin erzählt die taz-Autorin Simone Schmollack, wie sie ein Interview mit Fischer über sein Frauenbild führte, das anschließend aber nicht veröffentlicht wurde. Angeblich, weil Fischer die Autorisierung verweigerte. Für MEEDIA hat Thomas Fischer seine Sicht auf den Vorgang aufgeschrieben. ...
http://meedia.de/2017/03/21/fischer-frauen-und-die-taz-thomas-fischer-zur-geschichte-eines-gescheiterten-interviews/

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"Vergewaltigungen: Ich und mein Täter" Francesco Giammarco (15.04.2017)
Thordis Elva hat ein Buch mit dem Mann geschrieben, der sie vergewaltigt hat - und bricht so mit der eingeübten Rollenverteilung von Täter und Opfer. ... Weder haben Elva und Stranger ein Handbuch für den Umgang mit Vergewaltigungen geschrieben, noch sprechen sie sich für Straffreiheit in Fällen sexueller Gewalt aus. Die öffentliche Dämonisierung von Tätern hält Männer aber sicherlich davon ab, sich mit Vergewaltigungen und ihren Gründen auseinanderzusetzen. Weil kein Mann von sich glaubt, ein Monster zu sein. Monster sind immer die anderen. ...
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/throdis-elva-hat-ein-buch-mit-tom-stranger-geschrieben-dem-mann-der-sie-vergewaltigt-hat-a-1142805.html
 
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"Ernüchternde Antworten So sieht sich der arabische Mann" Lena Bopp, Beirut  (04.05.2017)
Erstmals untersucht eine Studie der Vereinten Nationen das Selbstbild arabischer Männer. Die Ergebnisse sind ernüchternd, vor allem mit Blick auf die Rechte der Frauen. Doch ziehen die Autoren auch optimistische Schlüsse. ...
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/befragung-wie-sieht-sich-der-arabische-mann-14998492.html
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on May 10, 2017, 03:16:59 PM
"Manchmal tut ein Shitstorm gut" Claudia (03. Mai 2017)
Nämlich dann, wenn er einen gewissen Mindestanstand in der Auseinandersetzung mit politischen Gegnern verteidigt ... Der Autor und Correctiv-Gründer Davin Schavren reagierte darauf mit einer wenig überzeugenden Rechfertigung: „Der Skandal ist also nicht, dass eine AfD-Kandidatin als Prostituierte gearbeitet hat. Der Skandal ist, dass sie dies vor ihrer Partei vor der Wahl der Landtagskandidaten verschwiegen hat.“ ... Eine seltsame Idee, dass jemand auf einer Parteiversammlung von derlei Aktivitäten berichten solle! Ist es denn bei männlichen Politikern üblich, dass sie ihre Erfahrungen mit käuflichem Sex berichten, bevor sie gewählt werden?
http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2017/05/03/manchmal-tut-ein-shitstorm-gut/

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"Camille Paglias Beitrag zum Geschlechterkampf: „Die Masken der Sexualität“: Die Gartenlaube der Wollust" Silvia Bovenschen (26. Februar 1993)
Paglia prätendiert nichts Geringeres als eine Art Welterklärungsförmel: Die Erschließung der Welt aus einem Grund – einem Natur-Grund. Das kategoriale Gerüst, das diese simple Formel tragen soll, ist roh gezimmert aus einer scheckigen Secondhand-Begrifflichkeit: ein wenig Darwinismus, ein pubertärer Schlagwort-Nietzscheanismus, probate einseitig verengte Aspekte der Freudschen Theorie und – wo es halt besser paßt – der Archetypenlehre C. G. Jungs, ein bißchen Spengler und die versammelte Misogynie. Paglia greift tief in die Mottenkiste der alten Geschlechterontologien: Die uranfängliche Natur, von der sie im ersten Satz spricht, ist der Nähr- und Giftschleim, aus dem alles kam und der immer wieder alles zu verschlingen droht. Und diese Natur ist essentiell weiblich.
Zur Beschreibung dieser natürlichen Weiblichkeit und weiblichen Naturhaftigkeit bedient sich Paglia einer eruptiven Rhetorik, die sie zuweilen in einen semantischen Ekeltaumel treibt: So sieht sie in der „Venus von Willendorf“, der sie die Merkmale „blind, sprachlos, hirnlos, fallsüchtig, schmutzig, schlampig, brünstig“ zuschreibt, das „Paradigma des weiblichen Geschlechts“; in ihr sei früh schon veranschaulicht, daß „die Frau die Gefangene ihres wogenden, feuchten Körpers“ sei, in „einem miasmischen Sumpf stecke, daß „ein chthonischer Pesthauch“ über ihr liege, daß sie einer „verseuchten Wolke“, einer „ozeanischen Dünung“, einem „fauligen Morast“ gleiche, einzig brauchbar für „das rohe Fortpflanzungsgeschäft“, für die Hervorbringung eines „gutartigen Tumors“: eines Fötus.
Diese verbale Redundanz soll glauben machen, daß der Mann gar nicht anders kann, als danach zu trachten, aus dem dionysischen Chaos, diesem ganzen unappetitlichen Gewabbel in „das apollinische Reich der Reinheit, Klarheit und Sichtbarkeit“ zu entkommen. ...
http://www.zeit.de/1993/09/die-gartenlaube-der-wollust/komplettansicht

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"Frauentag: Guerilla-Projektionen gegen AfD und Trump" John F. Nebel (08 Mrz 2017)
Aktivistinnen eines bislang unbekannten “Team Vulvarella” haben in der Nacht zum Internationalen Frauentag die Parteizentrale der AfD und die Botschaft der USA in Berlin mit Guerilla-Projektionen bespielt. Sie wenden sich damit “gegen den Abbau gesellschaftlicher und politischer Rechte von Frauen*”, wie es in einer Mitteilung der Gruppe heißt, die uns zugesandt wurde.
Die AfD in Deutschland vertrete konservative und reaktionäre Frauenbilder und fordere „umfangreiche Maßnahmen zur Hebung der Geburtenrate“. Der Kampf gegen Gleichstellung sei fester Bestandteil ihrer Politik. Diese überholte, unzeitgemäße Ideologie widerspreche Freiheit und Selbstbestimmung der Frau.
Gleichzeitig sei die salonfähig gewordene Frauenfeindlichkeit der aktuellen US-Regierung und des Präsidenten, ein nicht zu tolerierender Affront gegen die Gleichheit der Geschlechter und die Errungenschaften der Frauenrechtsbewegung.
Hier das Metronaut zugespielte Bekennerinnenschreiben in voller Länge:
 Wir, das Team Vulvarella, ein Kollektiv feministischer Aktivistinnen, beleuchteten zum internationalen Frauenkampftag die Parteizentrale der AfD, sowie die Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika. Um Mitternacht, pünktlich zum Weltfrauentag am 8.3.2017, wurde der Slogan „Keep Your Agenda Out Of My Vagina“ zunächst auf die Parteizentrale der AfD, und dann auf die US Botschaft projiziert. Wir möchten zum Weltfrauentag eine klare Botschaft für das Recht auf reproduktive und sexuelle Selbstbestimmung von Frauen weltweit senden. ...
https://www.metronaut.de/2017/03/frauentag-guerilla-projektionen-gegen-afd-und-trump/

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/weltfrauentag-feministinnen-projizieren-nackte-frau-auf-us-botschaft-und-afd-zentrale-26159526

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 07, 2017, 10:04:39 AM
"Roboter: Dingsbums – Sex mit der Maschine" Thomas Beschorner (6. Juni 2017)
Es geht um Robotersex. Unlängst wurden auf einer Sexmesse in London neue Generationen von Sexrobotern vorgestellt. Die Gummipuppe – ein passives aufgeblasenes Stück Plastik – war gestern. Die modernen Sexroboter sind aktiv und responsiv. Sie reden und interagieren mit ihren Besitzern, sie fragen nach deren Wünschen und sagen, was ihnen selbst gefällt. Die meisten Leser werden wohl auch diese weiterentwickelten Modelle nicht besonders erotisierend finden. Aber die Entwicklung schreitet voran; Technik und Physis der künstlichen Sexpartner werden sich auch künftig noch verbessern.
Für die Hersteller steckt darin ein großes Geschäft. Es ist nicht ausgeschlossen, dass in wenigen Jahren Geräte zur Verfügung stehen werden, die ein physisches Erlebnis von Sex vermitteln, das dem Sex zwischen Menschen in nichts nachsteht. Man kann diese Entwicklung nüchtern als eine Auswirkung der weiter voranschreitende Technologisierung sehen, die immer auch Auswirkungen auf Teile der Sexindustrie gehabt hat, so wie umgekehrt diese technische Entwicklungen oft befördert hat. Was soll daran schlimm sein? Es gibt Vibratoren, Gummipuppen, Penispumpen, Apps, Internetportale und was noch alles. Es sind technische Hilfsmittel zur Befriedigung sexuellen Verlangens, so wie Sexroboter auch.
Der Unterschied zwischen Sexrobotern und klassischem Sexspielzeug ist jedoch nicht gradueller, sondern grundsätzlicher Natur. Künftige Generationen von Sexrobotern werden eine deutlich stärkere physische Ähnlichkeit zu menschlichen Sexpartnern aufweisen. Und durch ihre Fähigkeiten zu Simulation von Kommunikation ähnelt auch der Umgang mit ihnen immer mehr zwischenmenschlicher Interaktion. Ähnlich verhält es sich mit den Entwicklungen von Virtual-Reality-Sex. Es soll sich echt anfühlen, natürlich primär für den Mann: 85 Prozent der (weiblichen wie männlichen) Sexroboter werden von Männern bestellt.
Aktuell können Standardvarianten von Sexrobotern für etwa 10.000 US-Dollar erstanden werden. Individualisierte Modelle gibt es für den circa 10-fachen Preis. Diese können dann ganz den eigenen Wünschen nachempfunden sein und auch realen Vorbildern ähneln: dem Ex-Partner zum Beispiel, oder sogar der eigenen Mutter oder dem Vater. Was sind die Konsequenzen für unser Liebesleben? In der bislang kaum entwickelten akademischen Diskussion gibt es Befürworter wie Kritiker von Robotersex. Die Befürworter argumentieren beispielsweise, dass perfektionierter Robotersex Prostitution (und damit die Ausbeutung von Millionen von Frauen) überflüssig machen könnte. In Barcelona gibt es bereits den weltweit ersten Roboterpuff. Auch könnte womöglich pädosexuelles Verhalten und damit der Missbrauch von Kindern eingedämmt werden. Das erhoffen sich zumindest die Befürworter.
Kritiker hingegen sehen im Sex mit Robotern eine "Verrohung der Sitten", die negative Wirkungen auch auf die zwischenmenschliche Sexualität haben kann. Wer seinen Roboter vergewaltigt, könnte sich daran gewöhnen und irgendwann sexuelle Gewalt auch gegen Menschen ausüben, argumentieren sie. Pädosexuelles Verhalten würde hierdurch nicht reduziert, sondern inspiriert. Feministinnen und Feministen erheben den Vorwurf, Frauen könnten noch stärker als Sexobjekte gesehen werden.   
Empirische Studien zu den Auswirkungen von Robotersex auf die menschlichen Beziehungen gibt es noch nicht. ...
Die ethischen Fragen aber reichen noch weiter. Im vergangenen Jahr lief die Science-Fiction-Serie Westworld auf dem Sender HBO. Basierend auf dem gleichnamigen Roman und späteren Film von Michael Crichton aus dem Jahr 1973 handelt sie von einem Freizeitpark in einem Westen, in dem es sehr wild zugeht. Die Protagonisten sind Roboter, aber kaum vom Menschen unterscheidbar. Die Besucher des Parks sind Menschen, und sie können sich ganz nach Belieben mit den Robotern amüsieren. In Westworld sind Schießereien und Hinrichtungen, Sex, Vergewaltigungen und grausame Quälereien an der Tagesordnung. Genau das macht die Attraktivität des Freizeitparks unter den zahlenden Gästen aus.
Doch einige der Parkbesucher zeigen Empathie für die künstlichen Wesen – und einige Roboter entwickeln etwas, das einem Bewusstsein ähnelt. ...
http://www.zeit.de/wirtschaft/2017-06/sex-roboter-gummipuppe-messe/komplettansicht

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"Vertraglich geregelter Sex: Das Leben ist nun einmal krass" Slavoj Žižek (25.3.2017)
Der letzte kommerzielle Schrei in den USA ist das sogenannte «Affirmative Consent Kit», das online vom «Affirmative Consent Project» für zwei Dollar vertrieben wird: eine kleine Tasche mit einem Kondom, einem Stift, einigen Minzetabletten und einem einfachen Vertrag. Letzterer hält fest, dass beide Parteien darin übereinkommen, einvernehmlichen Sex zu haben.
... Und hier wimmelt es plötzlich von Problemen: Was, wenn eine Frau es leidenschaftlich will, aber zu beschämt ist, es offen auszusprechen? Was, wenn Zwang für beide Partner zum erotischen Spiel gehört? Und selbst wenn der Vertrag unterschrieben ist, auf welche sexuelle Praxis bezieht sich dann dieses «Ja»? Müsste der Vertrag also, recht bedacht, nicht alle möglichen Details aufführen, so dass die grundsätzliche Zustimmung spezifiziert wird: ein «Ja» zu vaginalem, aber nicht zu analem Geschlechtsverkehr, ein «Ja» zur Fellatio, aber nicht zum Schlucken des Spermas.
Man kann sich leicht vorstellen, dass bürokratische Verhandlungen über den Sex jedes sexuelle Begehren im Keim ersticken. Oder die erotische Energie greift gleich auf die Verhandlung selbst über: Das Aushandeln wäre dann bloss ein Vorspiel des eigentlichen sexuellen Aktes, der dann aber natürlich völlig anders als geplant verläuft. Kurzum, Sex bleibt ambivalent, gefährlich und lässt sich nicht einhegen. Bleibt die Frage: Warum wird es dann überhaupt versucht?
Die «Nur Ja meint Ja»-Regel in Bezug auf Sex ist ein exemplarischer Fall für jenes narzisstische Verständnis von Subjektivität, das heute vorherrscht. Das Subjekt wird als ein verletzliches Wesen dargestellt, das des Schutzes in Form komplexer Regeln bedarf, als jemand, der vor allen möglichen Störungen gewarnt werden muss, die ihn heimsuchen könnten.
Dies begann schon früh, wenn auch damals noch weitgehend unbemerkt. Gleich nach seiner Veröffentlichung 1982 wurde Steven Spielbergs Film «E. T.» über einen niedlichen Ausserirdischen in Schweden, Norwegen und Dänemark verboten: Die unvorteilhafte Darstellung von Erwachsenen wurde als gefährlich für die Beziehung zwischen Kindern und ihren Eltern betrachtet.
Aus heutiger Perspektive erweist sich dieses Verbot als frühes Zeichen der politisch korrekten Besessenheit, Individuen vor jeder Erfahrung zu schützen, die sie irgendwie als verletzend empfinden könnten. Die Tendenz, nicht nur die Wirklichkeit, sondern auch die Fiktion zu zensieren, ist längst pandemisch geworden. Prominentestes Beispiel stellt die Aufforderung des Beirats für multikulturelle Angelegenheiten der Columbia University (MAAC) dar, Werke des klassischen Literaturkanons mit Trigger-Warnungen zu versehen. ...
https://www.nzz.ch/feuilleton/sex-verbote-das-leben-ist-nun-einmal-krass-ld.153338
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 07, 2017, 01:26:52 PM
"Correctiv macht Privatleben von AfD-Frau zum „Sexskandal“" Stefan Niggemeier (3. Mai 2017)
Eine Kandidatin der AfD für den nordrhein-westfälischen Landtag hat vor ein paar Jahren offenbar etwas Geld mit Sex verdient. Vielleicht war es nur ein „Taschengeld“, vielleicht eine angenehme Verdoppelung ihres Einkommens. Vielleicht war es weniger finanziell als erotisch motiviert: durch eine Art Fetisch, sich wie eine Prostituierte zu verhalten.
Man weiß es nicht genau, aber man muss es auch nicht genau wissen: Es ist ihre Privatsache.
Das Recherchebüro Correctiv hat sie gestern öffentlich gemacht und sprach von einem „Sexskandal“. Der Ruhr-Ableger von Correctiv pries den Text auf Twitter als exklusive Enthüllung an: „Spitzenfrau der Rechtspopulisten vermietete ihren Körper übers Internet“, hieß es, und: „Rechtspopulisten gehen mit Teilzeitprostituierten in die heiße Phase des Wahlkampfes“. ...
http://uebermedien.de/15068/correctiv-macht-privatleben-von-afd-frau-zum-sexskandal/

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"Zu Correctiv" (Sonntag, 14. Mai 2017)
Aus beruflichen Gründen habe ich den ein oder anderen Einblick in Szenen, die manche vielleicht als kinky oder hübschlerisch bezeichnen würden - tatsächlich fällt mir auch manchmal auf, dass es enorme Ähnlichkeiten zwischen Journalismus, Kulturbetrieb und anderen Formen käuflicher Annäherung gibt. Journalisten, Autoren, Callgirls, Poletänzerinnen - wir alle spielen mit den Gefühlen und Erwartungshaltungen von Menschen, und wer das System einmal durchschaut hat, erkennt die Grundprinzipien auch in anderen Bereichen wieder. Die Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanz, das Gefühl, in gewisser Weise zum Objekt gemacht zu werden und gleichzeitig Subjekt zu sein, die Entgrenzung in begrenzten Systemen, die Widersprüchlichkeit von Fremde und Intimität - damit arbeiten wir. Das füllt uns mehr oder weniger das Konto.  ...
Ich habe Schwierigkeiten, einen Unterschied zwische "Revenge Porn" und dem zu sehen, was Correctiv getan hat. Und ich bin froh um die Reaktionen, die das zurückgewiesen haben. Die Freiräume für nicht den angeblichen Normen entsprechende Verhaltensweisen sind ein Grund, dieses Netz unbedingt zu erhalten. Es wird für jeden, auch für den Liberalsten, Sexualpraktiken geben, die zwar legal sind, aber die er für sich auf gar keinen Fall haben will. So ist das eben. Nur wenn der Freiraum dieser anderen garantiert wird, kann er für alle garantiert werden. Zerstört man das, weil es um die AfD geht, wird der nächste es für gerechtfertigt halten, weil ihm eine andere Einstellung nicht passt - wir sind da ganz schnell wieder auf dem Weg zum Schmutz- und Schundgesetz, undemokratisch reaktiviert durch Skandalschmierfinken und ihre Shitstormabsichten. ...
https://rebellmarkt.blogger.de/stories/2642787/

Quote
trippmadam, Montag, 15. Mai 2017, 19:00
Wann hat das eigentlich (wieder) angefangen, dass Sexualität (und damit auch oder erst recht Sexarbeit) erpressbar macht?
Ich finde ja eher die Mitgliedschaft in der AfD unmoralisch. Aber mit dem Familienbild der Rechten einerseits und der Moralinsäure der Linken andererseits schließt sich ein Kreis, der mir nicht behagt.

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"Manchmal tut ein Shitstorm gut" Claudia (03. Mai 2017)
Nämlich dann, wenn er einen gewissen Mindestanstand in der Auseinandersetzung mit politischen Gegnern verteidigt.
Als ich auf Rivva.de heute über den neuesten Artikel des von mir unterstützten „gemeinnützigen Recherchezentrums“ Correctiv stolperte, traute ich meinen Augen kaum. In übelster Bildzeitungsmanier wird da ein „Sexskandal“ zelebriert, der das vergangene Sexleben einer in NRW kandidierenden AFD-Politikerin als Teilzeit-Prostituierte enhüllt. Mit wollüstigen Details: Sie hat doch tatsächlich Erfahrungen in „Swingerclubs, SM und Fetischszene“ gemacht! Sowas Böses aber auch! Das Ganze auch noch bebildert mit ausgegrabenen Details aus einem lange gelöschten Profil – einfach unterirdisch! ...
http://www.claudia-klinger.de/digidiary/2017/05/03/manchmal-tut-ein-shitstorm-gut/
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 28, 2017, 03:26:53 PM
"Warum mein 15-Jähriges Ich auch für Erdogans Präsidialsystem gestimmt hätte" Deana Mrkaja (7. Mai 2017)
Deana verbrachte den Großteil ihrer Kindheit im Garten ihrer Großeltern in Sarajevo. Sie findet es schade, dass ihr Nachname nicht auf "ić" endet. Das Studium der Politikwissenschaft in Berlin und Paris dauerte länger als geplant - weil ihr Theorien zu theoretisch sind und sie lieber praktisch tagträumt. Als Journalistin arbeitete sie für die taz, das ZDF, Welt der Wunder, FOCUS Online und baute zudem die Berliner Regionalseite von FOCUS Online auf. Ihr Herzblut steckte sie in das Zetra Project und die Aufarbeitung der jugoslawischen Friedensbewegung.  ...
Das ist die Geschichte eines jungen Mädchens jugoslawischer Einwanderer, das in Deutschland aufwuchs. In Eislingen – einer gutbürgerlichen Kleinstadt zwischen Ulm und Stuttgart. Es ist die Geschichte einer gelungenen Integration, die an vielen Stellen hätte scheitern können. Das Mädchen bin ich.
Es waren wenige deutsche Wörter, die ich kannte, bevor ich in den Kindergarten kam. Sie beschränkten sich weitestgehend auf: “Duldung”, “Aufenthalt” und “Ausländerbehörde”. Wobei mir Letzteres beim Aussprechen Probleme bereitete. Am liebsten mochte ich “Duldung”. Das sagte meine Mutter ständig mit ihrer dunklen Stimme und dem jugoslawischen Akzent, indem sie das “u” immer sehr lang zog. Sie hatte eine “Duldung”. Ich begriff früh, dass ihre “Duldung” nicht so gut war wie der “Aufenthalt” meines Vaters. Das eine bedeutete Arbeit, das andere Schwarzarbeit. Mit meinen Deutschkenntnissen kam ich also im Kindergarten nicht sonderlich weit. Ein paar tränenreiche Wochen später sang ich meinen Eltern jedoch bereits “Sonne, liebe Sonne, komm ein bisschen runter!” vor. Der erste Schritt in Richtung Integration war somit getan. Dachte ich. ...
http://www.salonkolumnisten.com/warum-fuer-erdogan/

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"Prostituiertenschutzgesetz ist in Kraft - Jetzt sprechen die Sexarbeiterinnen" Simone Schmollack (5. 7. 2017)
Aufhören, ins Ausland gehen oder illegal weitermachen? Prostituierte entwickeln neue Strategien. Das Gesetz lässt Platz für Interpretation.  Auf Nachfrage bei der Berliner Senatsgesundheitsverwaltung, die für die Umsetzung des Gesetzes in der Hauptstadt zuständig ist, wird rasch klar, dass das an vielen Punkten schwierig werden könnte. Gangbangpartys sind so ein Punkt. Sprecher Christoph Lang gibt zu bedenken, dass eine Prostituierte behaupten könne, sie mache das freiwillig und gerne. Er sagt: „Dann ist der Verstoß gegen die sexuelle Selbstbestimmung natürlich kaum nachweisbar.“
In anderen Paragrafen ist das Gesetz eindeutiger. So müssen sich Prostituierte künftig anmelden. Dann erhalten sie eine Anmeldebestätigung, in der Szene „Hurenpass“ genannt. Fabienne Freymadl, die als Lady Velvet Steel in einem Dominastudio in Berlin ihre Dienste anbietet, fragt sich, was das soll: „Geht es um mehr Schutz von Sexarbeitenden? Oder eher um Kontrolle und den Zugriff des Staats auf eine stark stigmatisierte Branche?“
Freymadl muss sich demnächst anmelden, sonst kann sie als Sexarbeiterin nur illegal weitermachen. Aber das wäre in ihrem Fall unmöglich. Lady Velvet Steel ist ein Promi in der Szene, sie hat eine Website, Männer buchen sie online oder telefonisch. Die Behörden wissen das. Am 1. Juli will sich Fabienne Freymadl alias Lady Velvet Steel aber noch nicht anmelden. Sie kann es auch nicht. Sie sagt: „Es ist in manchen Bundesländern noch nicht klar, welche Behörde zuständig ist.“ Sie rechnet damit, dass die Ordnungsämter diese Dienste übernehmen müssen.
Sie rechnet auch damit, dass viele ihrer KollegInnen den Job aufgeben werden. „Manche Frauen sind als Sexarbeitende nicht geoutet“, sagt sie. Deren Familien, die Nachbarn, Freunde wissen nichts vom Job, mit dem „Hurenpass“ könnte der auffliegen. „Die Behörden sind untereinander vernetzt“, sagt sie, „da gibt es immer jemanden, der sich verquatscht.“ Deshalb hat Hamburgs bekannteste Domina, Undine de Rivière, ihr Studio aufgegeben. „Ich weiß nicht, ob sich meine Kolleginnen anmelden“, sagt sie, „ich will das aber auch nicht kontrollieren.“ Sie macht fortan als Soloselbstständige weiter.
In der Sexbranche wird ­geschätzt, dass sich nur ein ­Drittel der Prostituierten anmelden. Andere würden ihre Dienste verschleiern als Massage, Personal Training, so was. Wie früher, als Prostitution in Deutschland verboten war. Manche würden illegal arbeiten. Laut Schätzungen soll es zwischen 400.000 und 1.000.000 Sexarbeitende in Deutschland geben und täglich 1,2 Millionen Freier. Den Jahresumsatz der Branche beziffert das Statistische Bundesamt auf 14,6 Millionen Euro. ...
https://www.taz.de/Prostituiertenschutzgesetz-ist-in-Kraft/!5422382/



"Sexismus: Google entlässt Mitarbeiter wegen sexistischem Text" (8. August 2017)
Ein Google-Entwickler hat die Dominanz der Männer in der Tech-Branche mit biologischen Unterschieden erklärt. Das hat ihn einem Bericht zufolge seinen Job gekostet. ... James Damore hatte in einem Schreiben den geringen Anteil von Frauen in der Technologiebranche mit angeblich biologischen Unterschieden zwischen den Geschlechtern erklärt. ...  Googles Chef Sundar Pichai unterbrach wegen des Textes seinen Urlaub. In einer E-Mail an die Mitarbeiter schrieb er, dass Teile davon gegen interne Verhaltensregeln verstoßen und mit der Verbreitung schädlicher Stereotype über Geschlechter eine Grenze überschritten hätten. Zu behaupten, ein Teil der Belegschaft habe Merkmale, die sie biologisch weniger fähig für die Arbeit bei Google machten, sei "beleidigend und nicht okay". Gleiches gelte, wenn Mitarbeiter zweifelten, ob sie ihre Ansichten am Arbeitsplatz frei äußern könnten. 
http://www.zeit.de/digital/2017-08/sexismus-google-entwickler-antifeminismus-kuendigung


"Tödlicher Machismo" Marta Platía (Ausgabe 29/2017)
„Wenn von Seiten der Macht die Gewalt gegen Frauen befürwortet oder auch nicht geächtet wird; wenn man einen Präsidenten wie Trump oder (Mauricio) Macri hat, der öffentlich erklärt: ‚Alle Frauen mögen, dass man ihnen sagt, was sie für einen schönen Arsch haben‘, kann man nicht erwarten, dass die Angriffe weniger werden oder gar aufhören.“ Das sagte die Aktivistin Pate Palero vom Netzwerk Argentinischer Journalistinnen für eine nicht-sexistische Kommunikation. Seit Jahren schlägt Palero wegen der bei Meldungen über geschlechterspezifische Verbrechen verwendeten Terminologie Alarm. Bis vor weniger als einem Jahrzehnt sprach man in den Polizeinachrichten noch von „Verbrechen aus Leidenschaft“. Allein bereits aufgrund einer solchen Schlagzeile verstand sich die Einordnung des Geschehens von selbst: Der „typische Fall“ des eifersüchtigen Mannes, der seine Frau, die er als sein Eigentum betrachtete, „in einem Anfall von Wahnsinn“ tötete. ...
https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/toedliches-testosteron

"Kolumne „Mithulogie“: Mein Unterleib gehört mir?" Mithu Sanyal (17. 9. 2017)
Hebammen und Sexarbeiterinnen leiden unter neuen Gesetzen. Auch im Bundestagswahlkampf spielen ihre Rechte keine Rolle. ... Es ist eine dieser Fragen, die sich nach Verschwörungstheorie anhören: Warum sind die beiden Berufe, die in den letzten Jahren am meisten gefährdet wurden: Hebamme* und Sexarbeiter*in? Multiple Choice: Um wie viel Prozent hat sich die Berufshaftpflichtversicherung für Hebammen seit 1981 erhöht? A) 10 Prozent B) 100 Prozent C) 1.000 Prozent D) 10.000 Prozent - Alle falsch, es sind über 20.000 Prozent.
... in Dresden, wo die Sperrgebietsverordnung vorsieht, dass Sexarbeit im Umkreis von 200 Metern Luftlinie von Einrichtungen für Kinder verboten ist, sprich: in der Nähe von Kindergärten, Schulen, Tagesmüttern, Jugendfreizeitstätten aber interessanterweise auch Altenheimen, Kirchen, freikirchlichen Hinterhofgemeinden und – mein persönlicher Favorit – Friedhöfen. Schließlich könnten die Toten sonst auf schlüpfrige Gedanken kommen.Darüber kann man schmunzeln – allerdings nur, wenn man kein*e Sexarbeiter*in ist. So postete eine Bekannte: „Gestern erlebte ich, wie die Leiterin eines anderen Studios in Tränen ausbrach, weil – sie war bisher „sauber“ außerhalb des Sperrgebiets – sich kürzlich eine Tagesmutti mit 3 Babys ein paar Straßen weiter niedergelassen hat.“ - Sex oder Babys ist die falsche Frage. Denn sexuelle und reproduktive Rechte bedeuten, die Möglichkeit zu habe, seine eigenen Entscheidungen zu treffen, aber vor allem, Entscheidungsmöglichkeiten zu haben. ...
http://www.taz.de/Kolumne-Mithulogie/!5448823/


"Gewalt gegen Frauen in Mexiko: Mord an Studentin löst Proteste aus" (18. 9. 2017)
SãO PAULO epd | In Mexiko haben Tausende Menschen gegen Gewalt an Frauen protestiert. Sie forderten am Sonntag vor dem Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft in Mexiko-Stadt Aufklärung des Mordes an Mara Fernanda Castilla, wie die Tageszeitung „La Jornada“ berichtete. Die Ermordung der Jugendlichen aus dem Bundesstaat Puebla hat Mexiko erschüttert. Die Demonstranten skandierten „Wir wollen leben!“ und machten den Staat für unzureichende Strafverfolgung verantwortlich. ...
Täglich werden in Mexiko Frauen ermordet. Kaum eine Tat wird aufgeklärt. Am Sonntag gingen Tausende Menschen dagegen auf die Straße.
Die Gewalt an Frauen hat in Mexiko einen neuen Rekord erreicht: Pro Tag werden durchschnittlich sieben Frauen in Mexiko ermordet oder „verschwinden“. Mehr als 112.000 Frauen werden offiziellen Statistiken zufolge vergewaltigt. Die Dunkelziffer liegt aber weitaus höher. Laut dem Nationalen Fraueninstitut werden mehr als 80 Prozent der Fälle verschwiegen und nicht zur Anzeige gebracht. Ohnehin wird in den seltensten Fällen ermittelt oder der Täter zur Anklage gebracht.
http://www.taz.de/Gewalt-gegen-Frauen-in-Mexiko/!5448908/

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Laurie Penny:  Die Alt-Right-Bewegung ist besessen von der Eugenik und von der Panik davor, auszusterben. Wenn weiße Frauen Babys mit Men of Color haben, oder sich gegen Kinder entscheiden, halten die Rechten das für „White Genocide“. Es ist wirklich entsetzlich. ... Ich habe noch nie eine faschistische Bewegung entdeckt, die nicht vehement gegen Abtreibungsrecht oder die Unabhängigkeit von Frauen ist. Interessanterweise stammt das zum größten Teil aus sexueller Frustration. Der „Islamische Staat“ funktioniert genauso: Junge Männer, die das Gefühl haben, ihnen stehe mehr Sex zu, radikalisieren sich schneller. ... Ich habe noch keine Person kennengelernt, die glaubt, dass sie genauso häufig Sex hat wie sie eigentlich will, und es genauso läuft, wie sie es sich wünscht. Aber offenbar sind es nur Männer, die das für ein politisches Problem halten. Und die denken, einen Anspruch darauf zu haben, sich das zu nehmen. Ich habe mich seit ein paar Wochen nicht flachlegen lassen, habe aber kein Bedürfnis, aus diesem Grund zu einer Faschistin zu werden. Ich gehe einfach nach Hause, schaue mir „BoJack Horseman“ an und masturbiere, so wie es normale Menschen halt tun.


Aus: "„Warum sollte ich mich bremsen?“"
Das Interview führte Sibel Schick (20. 9. 2017)
Quelle: https://www.taz.de/Laurie-Penny-ueber-Kaempfe-unter-Linken/!5445597/ (https://www.taz.de/Laurie-Penny-ueber-Kaempfe-unter-Linken/!5445597/)

https://de.wikipedia.org/wiki/Laurie_Penny (https://de.wikipedia.org/wiki/Laurie_Penny)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 12, 2017, 10:35:39 AM
"Haarige Beine: Model mit Vergewaltigung bedroht" (9. Oktober 2017)
Welche Ausmaße Hass im Netz gegenüber Menschen, die Normen in Frage stellen, annehmen kann, zeigen die Reaktionen auf einen Spot von Sportartikelhersteller Adidas. Darin ist die schwedische Künstlerin Arvida Byström mit unrasierten, dunkel behaarten Beinen zu sehen. Sie spricht im Video über Weiblichkeit, dass jeder Mensch feminin sein könnte. Und dass es in unserer Gesellschaft davor große Angst herrsche. Auf Instagram beschreibt sie nun, dass sie seit der Veröffentlichung des Videos auf Youtube eine Vielzahl böser Kommentare als Reaktion bekommen habe, darunter Drohungen, sie zu vergewaltigen.
Die 26-jährige Byström ist Fotografin und Model und bekannt dafür, Körpernormen und die Sexulaisierung des weiblichen Körpers in Frage zu stellen. Anfang des Jahres veröffentlichte sie gemeinsam mit Molly Soda das Buch "Pics or It Didn't Happen: Images banned from Instagram" – darin werden 270 Bilder gezeigt, die von Instagram entfernt wurden, weil sie angeblich die Community-Richtlinien verletzt hätten. Darunter jenes der Künstlerin Rupi Kaur, die 2015 ein Bild von sich auf Instagram hochgeladen hatte, das sie in einer mit Menstruationsblut befleckten Jogginghose zeigte. Das Bild wurde von Instagram entfernt und – nachdem sie es nochmals gepostet hatte – wiederum gelöscht.
https://derstandard.at/2000065605817/Haarige-Beine-Model-mit-Vergewaltigung-bedroht

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Bluediver, 9. Oktober 2017, 20:09:20
Ein Wunder, dass unsere Gesellschaft immer noch funktioniert und nicht längst in Chaos und Wahnsinn versunken ist.
Erschreckend, dass schon behaarte Beine bei manchen Leuten solche Aggressionen erzeugen. Wie sieht das erst bei echten Problemen aus?


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Mort52, vor 9 Stunden
Ich mag sie. Win Win Win Situation.

Werbung für sie, für Adidas und Rollenbilder und Klischees aufgebrochen.
Wobei die Nachricht, dass Frauen nicht nur Haare am Kopf wachsen, so manchem sein Weltbild zerstört zu haben scheint.
Also auch von pädagogischem Wert, das Filmchen.


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Anton Jesus Poster, vor 19 Stunden
Stillos und ungepflegt zu sein war immer schon ein Ausdruck feministischer Selbstbestimmung


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Black Mary, vor 14 Stunden
(Natürliche) Behaarung muss weder stillos, noch ungepflegt sein. Sie offenbaren gravierende intellektuelle Defizite.


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Ronald Tekener, vor einem Tag
Irgendwie finde ich es seltsam, dass jemand, der behaarte Beine als abstoßend empfindet, diese Person dann auch noch vergewaltigen will.


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flatline, vor einem Tag
Schon ein wenig witzig, unsere Gesellschaft. Männer schauen aus wie Wookies und schimpfen auf Frauen die sich auch nicht rasieren. Scherz bei Seite. Die Gesellschaftlichen zwänge denen man sich freiwillig unterwirft. Ich finde Frauen mit haarigen Beinen voll Okay. Generell sind Körperhaare nicht ekelhaft wenn man sich regelmäßig wäscht. Und ja ich kenn diese Diskussionen im Freundeskreis. Die meisten mögens Rasiert und Glatt. (Frau & Mann). Ich werde dann auch immer sehr komisch angeschaut wenn ich sage das ich keine Probleme mit Frauen habe die unrasiert sind. Die blicken mich an ob ich ein Wilder bin XD.


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Frijid Pink, vor einem Tag
ich find haare an den beinen und sonstwo sehr erotisch...


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Gehirnamputierter NC-Flüchtling, vor einem Tag
sie kann ruhig machen was sie will. Es bleibt trotzdem ekelig


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Black Mary, vor 14 Stunden
Der Psychotherapeut Ihres Vertrauens hilft Ihnen!


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Gredl, vor 20 Stunden
Habe diese Sportler von einem Plakat vor einigen Jahren, alle ganz haarlos auf der Brust, eklig gefunden.


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athos, vor 15 Stunden
empfinde ich beides so.
Mir gefallen männer mit haaren am körper und frauen ohne oder mit wenig.


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cogitatum, vor einem Tag
was ist an Natürlichkeit ekelig?


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Steverino, vor einem Tag
Nur ein Bein rasieren reicht eigentlich.


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ildiko1905, vor 2 Tagen
Ich finde rasierte Beine unappetitlich. Passt für ein Baby oder Kleinkind aber doch nicht für eine erwachsene Frau.


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Mercalli Sieberg, vor 2 Tagen
Während die Moslems die Frauen unterdrücken sind Frauen des Westens freilich von jedem Zwang befreit.


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Mercalli Sieberg, vor 2 Tagen
Willkommen im Jahr 2017


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Dampf Hans, vor 2 Tagen
Wieder mal im Glauben, für die total gute Sache und Feminsmus und so einzutreten, betreibt der Standard Werbung für Adidias. Dass der Journalismus in seinem Eifer dümmer ist, als die Werbeindustrie, ist beschämend.


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No1ino, vor 2 Tagen
Achsel- und Schambehaarung ist schon längst back. Es reicht, wenn ein paar Hollywood-Stars sich nicht mehr rasieren und die Schönheitsideale drehen sich um 180 Grad.


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nutzer modernster theologie, vor 3 Tagen
Als meine Mama 1990 in NYC war hat sie immer die Frauen mit den Beinhaaren nach dem Weg gefragt. Das waren nämlich die Deutschen und die hätten immer einen Stadtplan dabei...


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 19, 2017, 04:12:56 PM
ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 631 / 17.10.2017
Klassenkampf ist Identitätspolitik - Diskussion Die Journalistin Laurie Penny über Feminismus, Antikapitalismus, den Aufstieg der Rechten und Liebesbeziehungen
Jetzt schreibst du im Vorwort, dass toxische Männlichkeit die Welt zerstöre. Ist die feministische Bewegung durch Menschen wie Donald Trump oder auch Organisationen wie die AfD in Deutschland um Jahrzehnte zurückgeworfen worden? Immerhin müssen wir nun wieder ganz von vorne anfangen und Männern erklären, dass es eben nicht okay ist, Frauen an ihre »pussy« zu fassen.
Laurie Penny: Das glaube ich nicht. Wir müssen zwar wieder von vorne anfangen und erklären, dass es nicht okay ist, Frauen sexuell zu belästigen. Aber ich glaube nicht, dass die ganze feministische Bewegung zurückgeworfen wurde, sondern nun Frauen im Allgemeinen wieder stärker verachtet werden. Es gibt eine heftige Gegenbewegung gegen den Feminismus, gegen die Freiheitsbewegung von People of Colour und queeren Menschen. Überall auf der Welt werden Feministinnen immer aktiver, und immer mehr Leute schließen sich der Bewegung an, weil sie sehen, dass wir auf dem Weg in eine Krise sind. Und das ist keine Krise des Feminismus, sondern eine Krise für alle Frauen. ...
Beke Schulmann: Ist die Linke mit schuld an diesem neuen Erstarken der Rechten? Gelingt es der Linken nicht, Arbeiterinnen und Arbeiter anzusprechen? Fehlen da die Ideen?
Laurie Penny: Nein! Wir haben darauf geachtet, auch Politik für die Arbeiterklasse zu machen. Das war immer Teil der linken Bewegung. Wenn Leute sagen, dass wir nicht genug auf die Arbeiterklasse geachtet haben, dann meinen sie damit, dass wir nicht genug auf die weiße Arbeiterklasse geachtet haben. Die Idee, dass die weiße Arbeiterklasse und vor allem die männlichen weißen Arbeiter von People of Colour und Frauen, die die Mehrheit der globalen Arbeiterklasse ausmachen, getrennt behandelt werden könnten oder sollten, ist gefährlich. Wo waren denn die Leute, die nach den Bedürfnissen der schwarzen Arbeiterklasse in den USA gefragt haben? Nirgends! Eine solche Identitätspolitik, die sagt, dass die Belange der weißen Arbeiterklasse vorne angestellt werden sollten, ist gefährlich, und dafür sollte man nicht der Linken die Schuld geben.
https://www.akweb.de/ak_s/ak631/22.htm

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"Laura Meritt im Interview "Rein, Raus, Spritz ist Blödsinn"" (21.10.2017)
In den achtziger Jahren startete Alice Schwarzer die PorNo-Kampagne, die in Deutschland ein Gesetz gegen Pornografie erwirken wollte. Steht PorYes im Widerspruch dazu?
Laura Méritt: Wir sehen uns eigentlich in einer Schwesternschaft. Mit der Analyse der PorNo-Kampagne stimmen wir überein. Zum Beispiel, dass 95 Prozent des Mainstream-Pornos diskriminierend sind. Sexismus und Rassismus ist alltäglich. Wir widersprechen aber bei der Lösung dieses Problems und setzen uns für andere Bilder ein, wir wollen über den Porno Sexualität verändern. Wir fragen nach: Wer bestimmt denn, wie das auszusehen hat? Für die Antwort darauf wollen wir Anregungen geben, wie das positiv gestaltet werden könnte. ... Ich wünsche mir, dass der Mainstream eine größere Vielfalt bringt und nicht mehr diese Kategorien hat wie "Mann", "Frau", "behaart", "rasiert" und so weiter. Faire Arbeitsbedingungen in der Pornoindustrie sollten zum Standard werden. Und das mehr über Sexualität geredet wird: Was wir wollen und was wir nicht wollen. In der Sexspielzeugindustrie hat sich sehr viel in so schneller Zeit geändert im Bezug auf weibliche Bedürfnisse. Ich bin da sehr positiv gestimmt. Der Bildersturm hat gerade erst begonnen! ...
http://www.tagesspiegel.de/kultur/laura-meritt-im-interview-rein-raus-spritz-ist-bloedsinn/20484652.html

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"Gießener Ärztin vor Gericht: "Der Skandal ist, dass so was strafbar ist"" Interview: Dagny Lüdemann (24. November 2017)
Eine Ärztin informiert auf ihrer Website über Abtreibungen und wird angeklagt, weil das nach § 219a Werbung ist. "Sie wird wohl verurteilt", sagt Juristin Ulrike Lembke.
Aktuell:  Die Frauenärztin Kristina Hänel wurde vom Landgericht Gießen am Freitagmorgen zu einer Geldstrafe von insgesamt 6.000 Euro verurteilt. Mittlerweile werden in der Politik Stimmen laut, die eine Abschaffung oder Änderung des Paragrafen 219a fordern.
ZEIT ONLINE: Die Aufregung ist riesig. Dieser Prozess erregt die Gemüter, bevor er angefangen hat. Vor dem Amtsgericht Gießen ist die Ärztin Kristina Hänel angeklagt, weil sie auf ihrer Website Informationen zum Schwangerschaftsabbruch anbietet. Da sie öffentlich auftritt und sich gegen die Anklage wehrt, nennen auch wir ihren Namen. Wieso könnte das, was sie tut, verboten sein?
Ulrike Lembke: Nach Paragraf 219a unseres Strafgesetzbuches macht sich strafbar, wer "Werbung" für einen Schwangerschaftsabbruch macht. Allerdings hat der Paragraf einen absurd weiten Anwendungsbereich.
ZEIT ONLINE: Was heißt das genau?
Lembke: Mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft wird, wer "öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (…) eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs (…) anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt". Das Ganze muss "seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise" geschehen, um strafbar zu sein.
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http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-11/giessener-aerztin-kristina-haenel-abtreibung-prozess-schwangerschaftsabbruch-anklage

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youth_attack
#10

Tja. Das ist die Zwickmühle der westlich-aufgeklärten Welt. Wie weit soll man gehen?

Das "Werbeverbot" klingt für mich komplett absurd. Erst Recht, wenn es wie hier um eine ärztliche Information geht. Nur logisch also, dass man den Paragraphen streicht, oder anpasst. Das ist man den Frauen schuldig.

Andererseits gibt es Bevölkerungsteile, die niemals abtreiben würden, bei denen Kinderkriegen oberste Menschenpflicht ist.

Diese Diskrepanz ist es, welches unsere Gesellschaft in den kommenden Jahren extrem zersetzen wird. Auf der einen Seite die immer offenere, immer queerere, immer buntere westliche Welt. Auf der anderen erzkonservative Gläubige. (Nicht nur zugewandert!)


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Paul Ericsson
#13

Das wird jetzt geklärt und fallen. Das Gesetz ist antiquiert und unzeitgemäß. Die Information so offen und transparent abzubilden,sollte eher belohnt,statt bestraft werden. Gesetze haben selten Ewigkeitswert und dieses ist sonderlich absurd.


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thefaceman
#14

Abtreibung ist ein Verbrechen an dem Menschen, der abgetrieben wird.


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PetraK.
#31

Schön, dass dieser unsinnige Paragraph thematisiert wird, denn er gehört auf den Müllhaufen der Geschichte entsorgt.


Quote
Dagny Lüdemann
#33

Was ist Werbung im Sinne dieses Paragrafen?

Viele von Ihnen scheinen, wie die Kommentare zeigen, bei Werbung an sowas zu denken wie im Fernsehen oder auf Plakaten mit Slogans: „Du kannst dir ein Leben mit Kind nicht vorstellen? Kein Problem. Hier bekommst du Hilfe. Wir machen Schwangerschaftsabbrüche, günstig anonym und unkompliziert.“
Aber: Um sowas geht es in diesem Fall überhaupt nicht. Und sowas gibt es nicht und wird es auch nicht geben. Die Ärztin hat lediglich auf Ihrer Website darauf hingewiesen, dass die Praxis Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Und in einer Broschüre die Rechtslage, die Art der Durchführung, Nebenwirkungen und die Kosten erklärt.
Wann und wie Ärzte in Deutschland für medizinische Dienstleistungen werden und auf diese hinweisen dürfen / teils auch müssen / ist sehr streng geregelt, wie die Interviewpartnerin erklärt. Daran würde sich auch nichts ändern, wenn der §219a entfallen würde.
Kein Arzt in Deutschland fordert oder ruft Frauen dazu auf, ihr ungeborenes Kind nicht zu bekommen.
Juristisch reicht ein purer Hinweis auf das Angebot Schwangerschaftsabbrüchen aber, um nach §219a verurteilt zu werden. Sagen Juristen.
Warten wir ab, wie das Gericht entscheidet.


Quote
PetraK.
#33.1

Die deutsche Gerichtsbarkeit kann hoffentlich zwischen Werbung und neutraler Information unterscheiden. Ich frage mich, wie solche unsinnigen Paragraphen die Neuzeit unentdeckt überstehen konnten.


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"Schwangerschaftsabbruch: Ärztin verurteilt wegen Website mit Abtreibungsinformationen" (24. November 2017)
Die Gießener Ärztin Kristina Hänel muss 6.000 Euro Strafe zahlen. Sie hatte Informationen über Abtreibungen bereitgestellt, das ist gesetzlich verboten.
http://www.zeit.de/wissen/gesundheit/2017-11/schwangerschaftsabbruch-aerztin-giessen-werbung-amtsgericht-urteil

Quote
Gnixel
#5

Sicherlich im Sinne des Gesetzes entschieden.
Allerdings eines Gesetzes, das m.E. für die Tonne ist, da es in seinem Geiste immernoch tief in den 30ern und 40ern verwurzelt ist.
Daher wünsche ich der Dame in der nächsten Instanz und ggf. vor dem Verfassungsgericht viel Glück.


Quote
konne
#5.2

Schade dass männer nicht auch Kinder kriegen können und sich mit der Frage der Abtreibung richtig auseinandersetzen könnten. Der Standpunkt in der Gesellschaft in diesem Thema würde sich sicherlich sehr ändern.


Quote
AnsgarRagentor
#8

Aufbin die nächste Instanz. Ich wünsche Frau Dr. Hänel viel Erfolg im Kampf gegen dieses unsinnige und frauenfeindliche Gesetz.


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on December 05, 2017, 11:30:41 AM
Quote
[...] Der höchste Führer der Mullahs im Iran, Ayatollah Ali Khamenei, hat in einer Fatwa den Frauen des Landes verboten, "in der Öffentlichkeit und vor Fremden" mit dem Fahrrad zu fahren. Denn das liefe der Keuschheit der Frauen zuwider und zöge Männer an.

Man möchte sich fragen, welch kranke sexuelle Fantasien der alte Mann mit Bart hat. Was geht es ihn an, ob und wo Frauen mit dem Fahrrad herumfahren. Wenn ihn das erregt, hat er ein Problem – und nicht die Iranerinnen.

Das sehen diese genauso. Ein Video, das zwei Iranerinnen zeigt, die aus Protest gegen diese unsinnige Fatwa beim Fahrradfahrer zeigt, wurde bei Facebook fast 200.000 mal gelikt. In dem Video erklärt eine der Frauen: "Meine Mutter und ich sind aus Teheran. Radfahren ist Teil unseres Lebens. Wir haben gehört, dass Khameinis Fatwa Frauen das Fahrradfahren verbietet. Wir haben sofort zwei Räder gemietet um zu zeigen, dass wir nicht aufgeben. Es ist unser Grundrecht und wir werden es nicht aufgeben."

Die Kampagne der Frauen wurde den sozialen Netzwerken fortgeführt. Unter dem Hashtag #IranWomenLoveCycling werden zum Beispiel bei Instagram Fotos gepostet, die Frauen beim Radfahren zeigen.

Auslöser für das Radfahrverbot war, dass sich auch Frauen einer Radfahrerkampagne anschließen wollten, die von iranischen UmweltschutzaktivistInnen organisiert wurde. Die Kampagne unter dem Motto "Dienstags ohne Fahrzeug" ruft IranerInnen in mehreren Städten auf, ihre Autos für einen Tag stehen zu lassen.

Übrigens: Die aktuelle Fatwa widerspricht anderen: Viele islamische Gelehrte erlauben Radfahren mit der Begründung, dass Frauen in den Anfängen des Islam vor rund 1400 Jahren schließlich auch auf Kamelen reiten durften.

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Tobias Stel. am 1. Dezember 2017 - 4:33

Irre! Einfach irre! Immer wieder einfach irre!


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Roland Weber am 30. November 2017 - 15:02

Wird's beim Moped oder Motorrad anders? Wie steht es mit Reiten - im Damensattel?
Da sind subtile Kenntnisse gefordert!
Ich fand es schon immer überzeugend, wenn Männer spreizbeinig auf ihren Gäulen dahergaloppierten und mitleidig auf beine-einseitig reitende Damen herabblickten. Damit wurde schließlich überzeugend bewiesen, dass Männer Frauen eben immer überlegen sind!


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David Z am 1. Dezember 2017 - 8:08

"Übrigens: Die aktuelle Fatwa widerspricht anderen: Viele islamische Gelehrte erlauben Radfahren mit der Begründung, dass Frauen in den Anfängen des Islam vor rund 1400 Jahren schließlich auch auf Kamelen reiten
durften."

Diese Begrūndung ist genau so bescheuert, bleibt sie doch gefangen in der Unvernunft, frūhmittelalterliche Sachverhalten aus Koran/Sunna zum Masstab machen zu wollen.



Aus: "Iran: Ayatollah verbietet Frauen das Radfahren" Jan Weber (30. Nov 2017)
Quelle: https://hpd.de/artikel/ayatollah-verbietet-frau-radfahren-15039 (https://hpd.de/artikel/ayatollah-verbietet-frau-radfahren-15039)

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"Häusliche Gewalt: Alarmierende Fakten" Birgit Gärtner (09. Dezember 2017)
Gewalt im häuslichen Rahmen nahm in den vergangenen Jahren kontinuierlich zu. In der Mehrheit sind die Opfer weiblich und die Tatverdächtigen männlich, jeweils etwa 30% davon ohne deutschen Pass
Jährlich zum 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, veröffentlicht das Bundeskriminalamt (BKA) in Absprache mit dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) unter dem Titel "Partnerschaftsgewalt" einen Auszug aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS). So auch in diesem Jahr. ...
https://www.heise.de/tp/features/Haeusliche-Gewalt-Alarmierende-Fakten-3914701.html


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"Femizide sind auch bei uns Fakt" Vera Deleja-Hotko (Ausgabe 49/2017)
In Deutschland wurden im Jahr 2016 laut der Statistik des Bundeskriminalamtes 357 Frauen von aktuellen oder ehemaligen Partnern getötet. Die Taten werden unter dem Begriff „Partnergewalt“ zusammengefasst. Jedes Opfer vertraute dem Täter. Ehemänner, Lebensgefährten und Verflossene nutzten dies aus. 11.882 Frauen wurden in Deutschland 2016 gefährliche Körperverletzungen zugefügt. Und darunter fallen nur diejenigen, die die Tat zur Anzeige brachten. Wie viele dieser Frauen nur knapp dem Tode entkommen sind, zeigt die Statistik nicht.
Es sind ähnlich viele Vorfälle wie in Italien. Doch in Deutschland verharmlosen Medien, Politik und Gesellschaft das Phänomen, als ob Mackertum und toxische Männlichkeit nur bei Nicht-Deutschen existieren würden. Aber Frauenfeindlichkeit hat nichts mit der Staatsbürgerschaft zu tun.
Das versucht die Bewegung #KeineMehr zu thematisieren. Ihr Titel orientiert sich an der 2015 in Argentinien gegründeten „Ni una menos“-Bewegung. Sie organisierte eine Demo am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen.
Die Floskeln, mit denen Täter die Gewalt an Frauen kleinreden, gleichen sich: „Ich habe überreagiert.“ „Normalerweise mache ich so was nicht.“ „So aggressiv war ich vorher noch nie.“
Auch der Mann, dem statt der Hand der Hammer ausgerutscht ist, wird meist als Einzelfall verbucht. Doch genau das ist er nicht. #KeineMehr fordert eine detaillierte Dokumentation der Gewalt, um diese endlich als strukturelles Problem sichtbar zu machen, präventive Aufklärungsarbeit leisten zu können und Gesetze dahingehend zu schärfen – etwa durch die Adaption von Frauenfeindlichkeit in § 46 des Strafgesetzbuchs, um das Strafmaß zu erhöhen. ...
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/femizide-sind-auch-bei-uns-fakt

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on December 12, 2017, 08:23:07 AM
 „Es ist ein Spiel mit Identitäten“ Inna Barinberg | Ausgabe 12/2017
Interview Salomé Balthus leitet die Escort-Agentur Hetaera und ist dort selbst als Sexarbeiterin tätig
Für das Interview schlägt Salomé Balthus ein Café am Paul-Lincke-Ufer in Berlin-Kreuzberg vor. Mittags sei dort wenig los, dann habe man seine Ruhe. Sie will über die Themen Escort und Sexarbeit sprechen. Und über ihre Agentur Hetæra, die sich durch ein solidarisches und kollektiv verwaltetes Konzept auszeichnet. ...
https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/es-ist-ein-spiel-mit-identitaeten

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Sophia Rosenberg | Community

Nur um euch einen kleinen Einblick zu geben: Durch die höher angesiedelten Preise hat man es mit solventeren, aber auch ebenso anspruchsvolleren Kunden zu tun (unabhängig vom Job). Dementsprechend muss man sich den optischen und intellektuellen Ansprüchen der Kundschaft anpassen und ist dadurch nicht mehr in einer untergeordneten Position gegenüber dem jeweiligen Kunden.

Besonders in der Prostitution sind die Unterschiede zwischen Straßen- & Bordellarbeit und der von Magda so schön betitelten S-Klasse enorm groß. Während die günstigen Damen sich mit ungepflegten, teils gewalttätigen und allgemein unangenehmen Menschen herumärgern müssen, filtern die hochpreisigen Damen die Spreu vom Weizen. Es mag zwar umstritten sein, doch meiner Meinung nach geht es hierbei nicht mehr nur um Sex. Man besucht gemeinsam Kulturveranstaltungen oder geht ins Restaurant - manchmal reist man auch mit einem Kunden zu den schönsten Orten der Welt.

Das Arbeitsumfeld und die Arbeitsbedingungen unterscheiden sich derart drastisch, dass eure Stigmatisierung vom Beruf der Prostituierten nicht einmal im Ansatz als zutreffend bezeichnet werden kann.

Für jemanden der nie damit in Berührung kam, scheint es eine gar unmögliche Vorstellung zu sein, einen solchen Beruf mit Freude auszuüben. Doch wir werden von unseren Gästen ausgeführt. Wir werden gut behandelt, gar auf Händen getragen und beschenkt. Wir fühlen uns von unseren Kunden wertgeschätzt, respektiert und angemessen vergütet. Erlebt ihr in eurem Job etwas, dass dieser Schilderung auch nur Nahe kommt?

Der Artikel kam zum richtigen Thema zur richtigen Zeit. Der Beruf der Prostituierten wird von Meinungsmacher-Medien als nie enden wollender Alptraum beschrieben, dabei arbeiten an die 50% der Prostituierten auf selbstbestimmter Basis. Es gibt nicht nur uns “hochnäsigen S-Klasse Prostituierten“. Es gibt auch x-Tausend “normale Escorts“ für 200€ die Stunde. Es gibt Dominas, Callboys, Independent Escorts, Damen in Edel-Bordellen, Hausfrauen mit Extraverdienst, frivole Paare mit Drang zum bezahlen Swinger-Erlebnis, und, und, und… Und ALLE wählen ihre Preise und ihr Umfeld selbst aus.

Durch das damalige Gesetz der Legalisierung der Prostitution sollten Missstände wie Zuhälterei und Zwangsprostution ausgemärzt werden, was natürlich nicht geklappt hat. Daher hat uns Vater Staat nun ein “kleines“ Add-On-Gesetz verpasst und dieser Artikel soll nicht nur die freundliche Arbeitsatmosphäre der Damen bei High Class Agenturen wie Hetaera widerspiegeln, sondern die breite Masse mit der Wahrheit konfrontieren: Prostitution ist nicht gleich Prostitution. Pauschalisierungen sind total daneben (bis auf in diesem Satz)! ;-)

Liebe Salomé, weiter so! Und ein dickes Kompliment an eurer Geschäftmodell.

Grüße aus Frankfurt.


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Magda | Community

... Mir fiel bei der Lektüre folgender Spruch ein: Verziert die Peitschen nicht mit Veilchen.

Als erstes werden mal ordentlich Hierarchien aufgemacht. Man kann es auch gleich Preisklassen nennen. ...


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G.A. | Community


Keine Ahnung warum der Freitag ein wenig Licht in diese exklusive Branche brachte. Vielleicht um zu zeigen, dass auch im horizontalen Gewerbe Hierarchien existieren, wie wir sie anderswo auch schon kennen und sie wie normale Bedienstete ihre Rechte haben wollen.

Aber in den Kommentaren spüre ich eine Menge kleinbürgerlichen Mief.

Ich sehe keinen Unterschied in einem kleinen Angestellten, der sich gesundheitlich kaputtmacht und seine Familie zerstört, weil er für eine bessere Stellung im Unternehmen mehr arbeitet als für ihn und seine Nächsten gut ist und einer Escort-Dienstleistung. – Es ist sind doch bloß andere Körperteile die beansprucht werden.

Daraus gleich Klassenkampf abzuleiten ist ungefähr das Gleiche, wie den Wunsch des erwähnten Angestellten nach einem besseren Leben mit Verrat an der Arbeiterklasse gleichzusetzen.


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Richard Zietz | Community

Mal wieder ein schlagendes Beispiel dafür, dass die Emanzipation nach Freitag-Art ein Upperclass-Problem ist. Die Mondpreise, welche die Agentur für die angebotenen Dienstleistungen veranschlagt, kommen von vornherein nur für diejenigen in Betracht, die in der neoliberalen Fresskette ganz oben stehen. Sicher gibt es das und muß es das geben – ähnlich wie sündhaft teure Designermode oder andere Luxusgegenstände. So lange die Umverteilungsmaschinerie von unten nach oben läuft, ist das alles nicht mehr als folgerichtig – inklusive dem künstlich aufgebauten exklusiven Ambiente sowie den sonstigen Attributen der Markenpflege, welche um diese Form Dienstleistung herumgebaut sind.

Frage nur: Warum muß der Freitag dieses Geschäftsmodell propagieren? Eigentlich kann sich doch jedes Kind an den fünf Fingern abzählen, dass dieses Modell Emanzipation nicht einmal in zartesten Ansätzen für eine breitere Anzahl von Frauen in Betracht kommt. Schon allein wegen Angebot und Nachfrage. Wenn es nur 50.000 Frauen gibt, die an die aristokratische Pracht Hand anlegen wollen, sinken die Preise und der Graf respektive der Vorstandsvorsitzende sehen sich nach was neuem Exklusivem um. ...


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Reinhold | Community
@ Richard Zietz

Das trifft doch für relativ viele Bereiche der heutigen Linken zu. Hier ist es halt die Beschäftigung mit einem kleinen Teil Des "Marktes", der schön, freiwillig und teuer ist. ...


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"Escort: Weil sie es kann, weil sie es will" Caroline Rosales (11. Dezember 2017)
Feministin und Callgirl – wie geht das zusammen? Hanna Lakomy nennt sich Salomé Balthus und führt eine Escortvermittlung. Ich als ihre Freundin habe damit ein Problem.
http://www.zeit.de/kultur/2017-12/escort-agentur-feminismus-sexarbeit-10nach8/komplettansicht

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kemal_acaröz
#1

+++ Hanna bewegt sich für meine Moral in einem Bereich, wo für viele der Spaß aufhört. Wo ich Frauen, insbesondere meine Freundinnen, vor Männern schützen möchte. +++

Selbstbestimmung der Frau (in dem Fall Hanna) hört also für Feministinnen dann auf, wenns nicht mehr zur eigenen Ideologie passt.
Offensichtlich wurde sie ja von niemandem dazu gezwungen, Sexarbeit zu machen, die Entscheidung ist ganz freiwillig. Aber bestimmt ist sie ein Opfer des bösen Patriarchats und merkt es einfach nur nicht. Das Opfer-Täter-Schema ist essentiell für den Feminismus, sonst bricht alles zusammen wie ein Kartenhaus
Wenn sich Verklemmtheit und Ideologie zusammenfinden, dann kommt sowas heraus.


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keats
#1.4

Andersrum wird ein Schuh draus. Das Narrativ von selbstbewussten Escorts erlaubt Kunden sich was vorzumachen. Aber ein Mädchen am Strassenstrich macht es nicht für 20,-- weil es Spass macht. Sondern aus Not, die von Kunden ausgenutzt wird.


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Uncritical_Threshold
#1.6

"Selbstbestimmung der Frau (in dem Fall Hanna) hört also für Feministinnen dann auf, wenns nicht mehr zur eigenen Ideologie passt."

Lesen sie den Artikel doch mal. Die Autorin ist da nämlich durchaus selbstkritisch und ihre Aussagen passen gar nicht zu ihrem Kommentar, hier zum Beispiel:

"Und genau das ist für mich der springende Punkt: Denn ihre Kritiker haben mit Hannas Beruf dasselbe Problem, das ich mit ihr als Freundin habe – nämlich ein emotionales. Sie verstehen nicht, dass man diesen Beruf trotz höchsten Bildungsgrads und ohne soziale Not vollkommen freiwillig ausüben kann. Sie begreifen nicht, dass man noch dazu erhobenen Hauptes darüber öffentlich debattieren kann. Und ja, ich gebe zu, es ist ein Gewöhnungsprozess. Zu verstehen, dass es die freie Wahl einer Feministin sein kann, als Callgirl zu arbeiten."



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kemal_acaröz
#1.7

+++ Aber ein Mädchen am Strassenstrich macht es nicht für 20,-- weil es Spass macht. Sondern aus Not, die von Kunden ausgenutzt wird. +++

So gesehen ist jeder als Billig-Subunternehmer am Bau (gerade viele Osteuropäer) arbeitende das gleiche Opfer. Extrem harte Arbeit, beschissene Bezahlung, oft vorzeitige Berufsunfähigkeit wg. körperlichen Verschleiss.
Geht auch nur, weil er ein Mann ist. (in dem Bereich sind so gut wie keine Frauen zu finden)


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Stummlfumml
#7

Der Artikel zeigt warum viele Formen des Feminismus und viele Feministen nichts mit gesellschaftlichem Liberalismus zu tun haben. Es geht ihnen nicht darum, dass erwachsene Menschen ihr Leben frei gestalten können sollen, sondern es ist der Versuch der Bevormundung nach den eigenen Vorstellungen einer "richtigen" Lebensführung.


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Meerschwimmer
#25

Sex sells.


...
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on December 14, 2017, 08:06:08 AM
" ... Dem Authentischen gebührt ein Platz am Tisch der Wahrheitssuche – auch wenn sich selbiger unter der Last von Wutwort, Vorurteilshammer und Intelligenzaskese biegt. Nun denn: "Das ganze Leben ist eine sexuelle Belästigung", sagt Nina Proll bei Pro & Contra, um auch als Sexualforscherin anwesende Damen aufzuklären: "Für einen Mann ist es keine Belästigung, wenn ich ihn im Bademantel zum Oralsex zwinge." Stille.
... Wirklich niemand widersprach zwar Heinisch-Hosek, die eine Gesellschaft ersehnte, in der einander mit "Respekt, Würde und Anstand begegnet" würde. Eine subjektive Definition der drei Werte wurde – vielleicht auch zum Glück – dann von niemandem erbeten. (Ljubiša Tošić, 7.11.2017)

Mr.Marmeladinger, 8. November 2017, 09:44:42
... Mein Vater hat mir in der Pubertät mal einen Tipp gegeben: stell dir vor das Mädchen wäre deine Tochter - wie würdest du wollen, dass sie behandelt wird?
https://derstandard.at/2000067359806/Pro-und-Contra-ueber-Belaestigung-Im-Bademantel-zum-Oralsex#posting-1025623545

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"Industriemechanikerin: Als einzige Frau in der Werkstatt" (13. Dezember 2017)
Wenn meine Kollegen mir Handypornos zeigten, Frauen als "Schlitzpisser" bezeichneten und Witze über sie machten, lachte ich mit – um dazuzugehören. Dann reichte es mir.
http://www.zeit.de/arbeit/2017-12/industriemechanikerin-werkstatt-beruf-gleichberechtigung/komplettansicht
"Mein kläglicher Versuch, in einer Männerdomäne Fuß zu fassen"
https://editionf.com/Was-Frauen-in-Maennerdomaenen-erleben


"„Linke müssen erkennen, dass sie sich selbst ins Abseits gestellt haben“" (12.12.2017)
[Arlie Hochschild zog vom „progressiven“ Berkeley ins erzkonservative Louisiana. Ihr Buch „Fremd in ihrem Land“ dokumentiert eine gespaltene Gesellschaft und plädiert für eine Erneuerung der Linken.] ... Ich entwickelte in meiner Arbeit als Soziologin den Begriff der „Deep Story“ (zu Deutsch etwa „tiefe Erzählung“). Wir alle haben eine solche Erzählung, egal ob wir uns links, rechts oder in der Mitte des politischen Spektrums verorten. Was ist eine Deep Story? Es ist schlicht und einfach eine Darstellung, wie sich das Leben für jemanden anfühlt. Fakten und moralische Urteile haben hier nichts zu suchen, es geht um das subjektive Empfinden. Ich sprach mit insgesamt 60 Menschen, 40 davon waren überzeugte Tea-Party-Anhänger. Ich entwarf für sie eine Deep Story und fragte jeden einzelnen: „Stimmt das so?“ Manche baten mich, etwas zu ändern, damit es stimmte, aber die meisten meinten bloß: „Ja.“ ... Die Ehre dieser Menschen ist angeschlagen. Ihre Arbeit erfüllt sie nicht mehr mit Stolz, weil sie nicht mehr das ist, was sie einmal war. Daher suchten sie Stolz in ihrer Heimat: „Ich bin stolz darauf, ein Südstaatler zu sein.“ Durch das Internet wurde ihnen jedoch zunehmend bewusst, wie sie von anderen gesehen werden. Ihr Herkunftsort ist also auch kein Grund mehr, stolz zu sein. „Dann sind wir eben stolz darauf, Christen zu sein.“ In einer immer säkularen Welt wird Religiosität jedoch mit falschen Ansichten über die Evolution und anderen schlechten Sachen verbunden. Manche denken sich wohl: „Naja, wenigstens bin ich weiß“, aber das ist rassistisch und daher inakzeptabel. Also der Gedanke: „Wenigstens bin ich ein Mann.“ Aber auch das wird stigmatisiert. Das sind die Regeln, die heute bestimmen, was man fühlen darf. Vielleicht könnten Werte die Grundlage der persönlichen Ehre bilden? Doch auch das geht nicht. Viele traditionelle Werte stehen im Konflikt mit nationalen Gesetzen, die Abtreibung ist heute legal, und auch die gleichgeschlechtliche Ehe. Die Menschen fühlen sich also aus verschiedenen Gründen marginalisiert, es gibt keinen einzelnen, bestimmenden Faktor. Als Ergebnis zeichnet sich jedoch eine Krise der Ehre ab. Daher ist „US-Amerikaner sein“ plötzlich ungemein wichtig geworden. Der neue Nationalismus füllt ein Vakuum des Stolzes. ...
https://www.ruhrbarone.de/linke-muessen-erkennen-dass-sie-sich-selbst-ins-abseits-gestellt-haben/149955

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#MeToo ist ein Hashtag, das ab Oktober 2017 im Zuge des Weinstein-Skandals Verbreitung in den sozialen Netzwerken erfuhr, um Erfahrungen mit unangemessenem Verhalten – sexuelle Belästigung und Gewalt, aber nicht darauf beschränkt – zu teilen.
Das Hashtag geht auf die soziale Aktivistin Tarana Burke zurück und wurde durch die Schauspielerin Alyssa Milano populär, die Frauen ermutigte, es in ihren Tweets über eigens erlebte Erfahrungen zu verwenden, um auf die Weitläufigkeit sexueller Belästigung und sexueller Übergriffe aufmerksam zu machen. Seitdem haben mehrere Millionen Frauen dieses Hashtag verwendet, darunter viele Berühmtheiten. ...
Kategorien: Gewalt gegen Frauen Internet-Phänomen Diskriminierung Feminismus Sexismus Sexualkriminalität Ereignis 2017 Wort des Jahres
https://de.wikipedia.org/wiki/MeToo


"Statt #MeToo: Für mehr Unverschämtheit zwischen Frauen und Männern" Thomas Pany (09. Januar 2018)
[Ein] Debattenbeitrag ist heute in Le Monde erschienen. Unter den hundert Frauen, die ihn unterzeichnet haben, wird die Schauspielerin Catherine Deneuve wohl den größten Bekanntheitsgrad in Deutschland haben. Von den anderen Unterzeichnerinnen ist möglicherweise die ein oder andere Schriftstellerin Interessierten hierzulande bekannt, wie z.B. Catherine Millet.
Auch eine deutsche Unterzeichnerin findet sich unter den Hundert: die Schauspielerin und Schriftstellerin Ingrid Caven. Eine frühere Pornodarstellerin, Brigitte Lahaie, ist dabei, die Chefin des recht eigensinnigen Magazins Le Causeur, Elisabeth Lévy ("Immer für Ärger gut"), und Peggy Sastre, eine Feministin, die über einiges Irritationspotential verfügt.
Die hundert Unterzeichnerinnen sind ein ungewöhnliches Kollektiv, die auch schon mit der Überschrift ihres Diskussionsbeitrags die Erwartung schüren, dass sie anderes als das Gewohnte sagen wollen. Um es auf ein kurzes, scharfes Kondensat zu bringen: Die Frauen treten für mehr Unverschämtheit in den Verhältnissen zwischen Männern und Frauen ein und weisen den "Männerhass" in bestimmten Teilen des Feminismus zurück. Sie attackieren einen Puritanismus, der sich dort eingenistet habe und Frauen wieder einmal eine Opferrolle zuweise.
"Wir verteidigen die Freiheit, aufdringlich zu sein, weil dies unabdingbar mit der sexuellen Freiheit verbunden ist", steht als Maxime in der Überschrift. Es ist eine zentrale Grundaussage, die im Text dann näher erläutert wird: Als Frauen erkennen wir uns in dem Feminismus nicht wieder, der über die Anprangerung des Machtmissbrauchs hinaus, das Gesicht eines Hasses der Männer und der Sexualität annimmt. Wir denken, dass die Freiheit, "nein" zu einem sexuellen Angebot zu sagen, nicht funktioniert ohne die Freiheit, jemandem lästig zu fallen. Wir betrachten die Sache so: Man muss wissen, wie man auf diese Freiheit, jemandem lästig zu fallen, antwortet oder reagiert, ohne dass man sich in die Rolle einer Beute oder eines Opfers verpuppt.   collectif de 100 femmes
Ganz offensichtlich geht es um Feinheiten, nicht um rohe Gewalt, aber doch um Unverschämtes und schließlich um ein Rollenverständnis. Die Schrift der Frauen geht mit dem ersten Satz unmissverständlich auf Abstand zur sexuellen Gewalt: "Die Vergewaltigung ist ein Verbrechen". Aber dem folgt unmittelbar anschließend im nächsten Satz eine Unterscheidung, die ihrer Meinung nach offensichtlich in der Debatte gesetzt werden muss: "Aber die Anmache oder das Anbaggern (i.O. la drague), das insistiert oder ungeschickt ist, ist kein Delikt wie auch die Galanterie keine machistische Aggression ist."
Viel hängt an den Begriffen, aber all zu viel Gewicht muss man ihnen auch nicht bemessen. Über die "Galanterie" ließe sich von Kulturkundigen vieles anführen und ich bin mir natürlich nicht sicher, ob weiter oben der Schlüsselbegriff "importuner" mit "aufdringlich sein" tatsächlich am besten widergegeben ist. Das Internetwörterbuch Leo hilft mit "jemandem lästig fallen", "zur Last fallen", aber auch "traktieren", "behelligen" oder nur "auf den Wecker gehen".
Worauf es ankommt, ist der Unterschied zur aggressiven sexuellen Belästigung, welche die Person, die bedrängt wird, in eine ganz andere Bedrängnis bringt als der "Aufdringliche". Der Debattenbeitrag der 100 Frauen impliziert, dass man sich dieser Unterschiede bewusst ist. Mit Worten auf dem Papier oder in einem Gesetzestext mag das nicht immer eindeutig zu klären sein, in der Situation selbst ist der Unterschied für jemanden, der ein Gespür für sein Gegenüber hat, sehr wohl deutlich.
Die feministische Debatte, so kritisiert das Kollektiv der 100 Frauen, führe zumindest in Teilen in die falsche Richtung, weil sie zu viel bestimmen will und mit Schuldzuweisungen arbeitet, die Frauen treffen, die mit bestimmten Rollenzuweisungen nicht einverstanden sind.
Die Affäre Weinstein habe sehr Wichtiges an den Tag gebracht, weil damit der Öffentlichkeit bewusst wurde, welcher sexuellen Gewalt Frauen in einem beruflichen Umfeld ausgesetzt sind, wo Männer ihre Macht missbrauchen. Diese Debatte sei notwendig gewesen, aber die damit verbundene "Befreiung der Worte" verkehre sich jetzt in sein Gegenteil.
Es gebe nämlich jetzt Anweisungen, was man sagen darf und worüber man schweigen solle. Wer sich nicht daran halte, werde gleich als Verräterin oder Komplizin betrachtet, Denunzierung und Schuldeinflüsterungen seien Gebot der Debatte, die sich als zutiefst puritanisch erweise und Frauen erneut an den "Status ewiger Opfer kette": "Kleine Sachen, die dem Zugriff dämonischer Phallokraten unterworfen sind".
Es sei ein wahres Jagdfieber ausgebrochen, das den Frauen nicht helfe. Es schicke die "Schweine zum Schlachthaus", aber es helfe den Frauen nicht dabei, autonom zu sein. Stattdessen werde den Interessen der Feinde der sexuellen Freiheit geholfen, den religiösen Extremisten, den schlimmsten Reaktionären und solchen, die meinen, in einer hochfahrenden Anschauung einer viktorianischen Moral und des substantiell Guten, dass Frauen Wesen seien wie keine anderen: "à part", "Kinder mit Erwachsenengesichtern, die fordern, dass sie beschützt werden".
Nicht zu übersehen ist, dass hier talentierte Polemikerinnen am Werk sind, die ihre Sache, die für mehr Frechheit und Unverschämtheit und die Geistesgegenwart der Frauen plädiert, gut vertreten. Ob ihre Aggressivität gegen die Korrektheit gut verstanden wird, wird man sehen. Jedenfalls setzte es schnell Kritik, wonach sich das Kollektiv "entsolidarisiert".
Anzumerken ist, dass es eine gute Portion Mut gebraucht hatte, Männer, die ihre Position ausnutzten, um sich sexuelle Dienste zu erpressen oder herbei zu korrumpieren, anzuzeigen.
https://www.heise.de/tp/features/Statt-MeToo-Fuer-mehr-Unverschaemtheit-zwischen-Frauen-und-Maennern-3937514.html?seite=all

"Nach #MeToo: Catherine Deneuve und andere fordern "Freiheit zu belästigen"" (APA, 9.1.2017)
Paris – In der Diskussion um sexuelle Übergriffe haben die französische Schauspielerin Catherine Deneuve und andere Prominente eine "Freiheit zu belästigen" eingefordert. Die aktuelle "Denunziations-Kampagne" gegen Männer spiele nur Moralaposteln und religiösen Extremisten in die Hände, heißt es in einem von rund 100 Frauen unterschriebenen offenen Brief, der in der Zeitung "Le Monde" am Mittwoch erscheint.
"Vergewaltigung ist ein Verbrechen", heißt es in dem Text. "Aber eine beharrliche oder ungeschickte Anmache ist nicht strafbar." Heute würden Männer "zur Kündigung gezwungen, deren einziges Vergehen es ist, ein Knie berührt oder einen Kuss erhascht zu haben". Die "Freiheit zu belästigen" sei "unerlässlich für die sexuelle Freiheit".
... In Frankreich sorgen die Vorwürfe gegen den ehemaligen Film- und Fernsehmogul Harvey Weinstein in den USA für große Aufmerksamkeit. Unter dem Hashtag #balancetonporc (Verpfeif' das Schwein) berichteten im Kurzbotschaftendienst Twitter tausende Frauen über Belästigung oder Missbrauch – ähnlich wie in den USA unter dem Schlagwort #MeToo (Ich auch).
https://derstandard.at/2000071793539/Catherine-Deneuve-und-andere-werben-fuer-Freiheit-zu-belaestigen

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on January 11, 2018, 11:50:38 AM
"#MeToo-Debatte in Frankreich - Frau Deneuve sagt „Pas comme ça“"
Catherine Deneuve und 110 weitere Französinnen wenden sich öffentlich gegen die #MeToo-Debatte. Sie ernten Kritik von Feministinnen. ... Unfassbar und inakzeptabel finden eine solche „Banalisierung der sexuellen Gewalt“ dreißig bekannte Vertreterinnen der französischen Frauenbewegung in ihrer Antwort. Ihre Replik ist besonders scharf, weil sie den Verfasserinnen des Briefs in Le Monde vorwerfen, mit ihrer Haltung sexuelle Aggressionen nicht nur zu dulden, sondern auch noch im Namen einer sexuellen Freiheit zu verherrlichen: „Die Schweine und ihre Verbündeten haben allen Grund zur Sorge. Ihre alte Welt ist am Zusammenbrechen.“ Aber vielleicht hätten Deneuve und die anderen einfach nicht begriffen, „was jetzt passiert“. Wie schon im Fall des (mehrerer Vergewaltigungen beschuldigten) Filmregisseurs Roman Polanski sei ihre Nachsicht völlig fehl am Platz. „Mit ihrem Text wollen sie den bleiernen Deckel, den wir zu heben begonnen haben, wieder schließen. Doch das wird ihnen nicht gelingen“, meinen die Feministinnen, die überzeugt sind, dass seit Weinstein auch in Frankreich eine grundlegende Änderung der Mentalitäten im Gange sei.
„Das ist ein Text, der es rechtfertigt, Frauen zu belästigen und Feministinnen zu beleidigen“, meint dazu heute die Feministin Caroline De Haas. Die ehemalige Ministerin für Frauenrechte, Laurence Rossignol, kritisiert eine ihrer Meinung nach „eigenartige Angst (gewisser Frauen), ohne den Blick und die Lust der Männer nicht existieren zu können. Das geht so weit, dass an sich intelligente Frauen solche Eseleien verfassen.“
Die frühere sozialistische Präsidentschaftskandidatin Ségolène Royal hat auf Twitter geschrieben: „Schade, dass unsere große Catherine Deneuve sich an einem derart konsternierenden Text beteiligt.“
Deneuve ist in Frankreich bekannt dafür, dass sie sich immer wieder für die Rechte der Frauen und andere fortschrittliche Anliegen öffentlich engagiert. Dass sie nun aber einen offenen Brief mitunterzeichnet, der nach Ansicht zahlreicher Feministinnen der Verteidigung der Frauen gegen sexuelle Gewalt in den Rücken fällt, hat viele überrascht oder enttäuscht. Die Frauenrechtsorganisation Osez le féminisme ruft in diesem Zusammenhang in Erinnerung, dass in Frankreich „eine von sechs Frauen im Verlauf ihres Lebens attackiert oder vergewaltigt wird“.
Das würde bestimmt auch Catherine Deneuve nicht infrage stellen. Ihr Anliegen, die sexuelle Freiheit gegen reaktionäre Bestrebungen zu verteidigen, die alles Intime unter dem Mantel des moralisch Korrekten pauschal und öffentlich anprangern, erscheint legitim. Doch der Text, den sie mitunterzeichnet hat, zielt an diesem Zweck vorbei.
Nicht alles aber ist „Eselei“ darin. Man versteht zum Teil ihre Motivation, wenn die Mitunterzeichnerin Sophie de Menthon, die Sprecherin des Unternehmerinnenklubs Ethic, sagt, sie wolle nicht, dass es so weit komme, dass in Firmen Männer bei Gesprächen mit Kolleginnen oder Besucherinnen aus Angst vor möglichen Verdächtigungen die Bürotüre offen lassen müssten. Die Debatte, wie weit die Anprangerung der mutmaßlichen „Schweine“ gehen soll oder wo im Gegenteil eine sexuell freizügige Lebensart infrage gestellt wird, hat mit dieser Polemik in Form eines Schlagabtauschs in Le Monde wohl erst begonnen. ...
https://www.taz.de/MeToo-Debatte-in-Frankreich/!5474061/

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e1000 11.01.2018, 07:38

Die deutsche Sprache hat durchaus ein Äquivalent zu "draguer" : "anbaggern", mit derselben Ambivalenz : man will immer nur von den oder der richtigen angebaggert werden (und dann sagt man "flirt")...

Ich habe gestern den Artikel im Original gelesen und fand ihn sehr ausgewogen.
Insbesondere wird dort der unterschwellige Puritanismus mancher Tendenzen von #Mee-to kritisiert, was ich sehr interessant fand. Leider wurde dies vom Autor des Artikels hier unterschlagen.

Es wird auch in keinster Weise ein "gewisses Verständnis für die Grapscher [...] zum Ausdruck gebracht", sondern die Opfer-Rolle kritisiert.

Schade, dass der Autor die Dummheit von Segolène Royal vergisst oder ignoriert ;-)


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rero 10.01.2018, 23:54

Sie müssen aber zugeben, dass frau in Frankreich Feminismus und weibliches Selbstbewusstsein unter Umständen deutlich anders versteht als in Deutschland oder dem angloamerikanischen Raum.

    Rolf B.
    11.01.2018, 00:09

    @rero Ich befürchte, dass man/frau sich das bei uns nicht vorstellen kann.


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Jörg Engelhardt 10.01.2018, 22:53

Die Frauen, die in den Pariser Vorortzügen aufs ärgste täglich belästig werden haben nicht die Chance, wie Catherine Deneuve im Taxi oder mit Uber durch Paris zu fahren. Hier spielt nicht nur die Arroganz der feministischen Bourgeoisie de la Rive Gauche eine Rolle, sondern auch die völlige Unwissenheit darüber, wie es den Frauen aus dem Volke geht, denn Cathérine Dorlèac ist auch in ihren zarten Jugendjahren nie über den boulevard périphérique hinausgekommen. Elle me donne des boutons.


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Khaled Chaabouté 11.01.2018, 07:13

@Jörg Engelhardt Wer von den täglichen argen Belästigungen in den Pariser Vorortzügen anfängt (Schon mal im Ruhrgebiet, z.B. zwischen Duisburg und Gelsenkirchen in der Regionalbahn unterwegs gewesen?) kann auch gleich den Bogen zur Kölner Silvesternacht ziehen, argumentiert ergo islamophob.

… und wer über Menschen ablästert, die nie über die Péripherique hinausgekommen sind, sollte vielleicht erst einmal seine eigene inzestöse Bubble im gentrifizierten Szene-Trendkiez verlassen.


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Wolf Haberer 10.01.2018, 23:50

.... Jeanne Moreau .... was hätte sie wohl zu all dem gesagt?

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Frau Kirschgrün 10.01.2018, 20:41

Die Frauen, die Angst davor haben, "nie wieder von einem Mann angeschaut zu werden oder mit ihnen zu flirten", kann ich beruhigen, denn Männer lassen sich ja nicht einmal von Gesetzen davon abhalten, Frauen sogar zu belästigen/zu vergewaltigen.

Frau Deneuve, das war eine große Enttäuschung für mich, dass Sie sich vor den Frauen verachtenden Karren spannen lassen.
#Metoo war, ist und bleibt wichtig, denn es dürfte jeder und sogar jedem klar sein, dass wir in einer patriarchalen Gesellschaft leben, in der es nicht gerade oberstes Ziel der Männer ist, Frauen auf Augenhöhe zu behandeln oder auch nur zu respektieren.

Frau Deneuve dürfte auch über einen so hohen natürlichen Abstands-Effekt verfügen (wer traut sich eine Grand Dame wie Frau Deneuve schon mies anzubaggern), dass sie die falsche Frau sein dürfte, den Männern in zweifelhafter Weise zur Seite zu springen.

Und: Metoo.


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Kalle Verban 10.01.2018, 21:18

@Frau Kirschgrün Als Cis-Mann ärgere ich mich zunehmend darüber, einer Verallgemeinerung zum Opfer zu fallen, die leider auch im Zuge der #metoo-Debatte allzu häufig Anwendung findet: Zitat "...in der es nicht gerade oberstes Ziel der Männer ist, Frauen auf Augenhöhe zu behandeln oder auch nur zu respektieren."

Ich stimme zu, dass wir in unserer Gesellschaft noch immer patriarchale Strukturen haben, die dringend eines Wandels bedürfen - zum Beipsiel auch durch die #metoo-Debatte oder ähnliche Diskurse.
Aber auch im Rahmen dieser Auseinandersetzung halte ich es für unabdinglich, die Täter (bei sexualisierter Gewalt) oder die Vordenker und Bewahrer patriarchaler Gedanken zu benennen! Die Trennung vollzieht sich hier eben nicht am biologischen Geschlecht (Frauen = Opfer, Männer = Täter und Bewahrer des Patriachats).

Es gibt nicht wenige Männer, die die Gleichberechtigung aller Geschlechter längst verinnerlicht haben und es gibt ebenso Frauen, die durch Äußerungen und Handlungen patriarchale Strukturen unterstützen.


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"Pro und Contra zu Catherine Deneuve - #metoo? Non, merci!" Patricia Hecht, Jahrgang 1979 (11.1.2018)
Die französische Schauspielerin sieht die Kultur des Flirts durch die feministische Debatte bedroht. Hat sie einen Punkt? ... Die Unterzeichnerinnen gerieren sich als Hüterinnen des Patriarchats. Aber das hat ihre Unterstützung gar nicht nötig, es wehrt sich schon ganz gut selbst. Der Begriff von „Freiheit“ ist bizarr verdreht: Nur das „lästig werden“ rette die sexuelle Freiheit, nur das Stillschweigen und Hinhalten der Frauen also die offene Gesellschaft. Noch mal kurz zurück zum Urschleim: Bei #MeToo geht es weder um Sex noch ums Flirten, sondern um Sexismus, sexuelle Gewalt und den Missbrauch von Macht. Freiheit wäre an dieser Stelle, wenn sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch so geächtet wären, dass wir #MeToo nicht bräuchten. ...
https://www.taz.de/Pro-und-Contra-zu-Catherine-Deneuve/!5476450/

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on January 11, 2018, 02:45:23 PM
Quote
[...] Erfüllender Sex ist nur möglich auf Augenhöhe und ohne Ungerechtigkeiten drumherum. Das sollte jedem einleuchten.


Aus: "Untervögelt oder unterbelichtet?" Gastbeitrag (3. Dezember 2017)
Quelle: https://diestoerenfriedas.de/untervoegelt-oder-unterbelichtet/

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[...] Der inflationäre Gebrauch von Wörtern tut ihren Bedeutungen selten gut. “Depression” und “Rassismus” sind zwei gute Beispiele dafür, die Liste ist erweiterbar. “Vergewaltigung” ist auf dem besten Weg, zu einem Buzzword zu verkommen – dank #metoo und aktuell dem New Yorker Artikel “Cat Person”.

“Machst du noch dieses Feminismus Ding?”, fragte mich mein Onkel letztens am Telefon. Ich druckste ein bisschen herum und sagte dann: “Ne, irgendwie nicht.” “Ist was passiert?”, wollte er wissen und über diese Frage dachte ich noch nach, als ich mir heute morgen die Zähne putzte.

Ja. Es ist etwas passiert. Es begann mit der #metoo Debatte. Erst freute ich mich. Schon vor Monaten stellte ich mir vor, was passieren würde, wenn alle, die sexuelle Gewalt erlebt hatten, das auf ihren Profil teilen, was für ein eindrucksvoller Beweis geschlechtlicher Unterdrückung und der diametralen Gewalt zwischen Männern und Frauen es wäre, das auf diese Weise sichtbar zu machen.

Dann kam #metoo und ich fühlte: gar nichts. Ich las auf Twitter und da regte sich nichts. Reiche, wohlhabende Frauen mit großer Zuhörerschaft schrieben über ihre Erlebnisse mit mächtigen, weißen Männern. Mächtige Wellen von Solidarität und Mitgefühl wogten durch die sozialen Netzwerke. Der Reihe nach bekannten sich unter meinen Kontakten auf Facebook, Twitter und sonst wo Frauen dazu, Opfer sexueller Gewalt geworden zu sein. Oder, warte mal – war es nicht doch anders? Ja, viele berichteten wirklich von sexueller Gewalt und ich kann nur erahnen, wie viel Mut sie das gekostet hat. Dann fragte ich mich – warum machst du das nicht auch? Ich konnte nicht. Ich sprach mit anderen und es stellte sich heraus, dass es ihnen ähnlich ging. In den geposteten Beiträgen ging es nämlich zu großen Teilen um unerwünschte Berührungen, sexuelle Belästigung, psychische Gewalt, es ging aber auch oft um Sexismus und gescheiterte Beziehungen und One Night Stands. Als ginge ein Virus um, schrieb eine nach der anderen von ihrem persönlichen #metoo Erlebnis und alle bekundeten einander fleißig Anteilnahme. “Mein Freund war immer gemein zu mir. #metoo”. “Er nannte mich Schlampe beim Sex. #metoo”. Betroffene sexueller Gewalt zu sein, wurde in den letzten Wochen und Monaten trendy, en vogue und chic. Alle versicherten einander, dass die jeweils andere ihre “Heldin” sei und hoben sich wechselseitig auf ein Podest.

Wer nicht schrieb, wer nicht laut wurde, das waren die, die es nicht können. Nicht können, weil es ihnen schaden würde, weil sie noch in der Beziehung mit dem Täter stecken, Kinder mit ihm haben, weil sie ihren Job verlieren würden oder schlimmer noch: Weil niemand mehr je etwas anderes in ihnen sehen würde, als eine, die vergewaltigt wurde, einen Scherbenhaufen. Da besteht nämlich ein Unterschied. Sexuelle Belästigung ist grenzüberschreitend – und lästig. Sie ist permanenter Ausdruck dessen, dass wir Frauen nicht gleichberechtigt sind, sondern vor allem Objekte. Das anzuprangern, ist richtig. Es Vergewaltigung zu nennen, nicht. Denn das relativiert den Schmerz, den all die Frauen aushalten müssen, die wirklich vergewaltigt wurden. Ja, ich schreibe das. Wirklich. Wirklich im Sinne von: überwältigt, hilflos, gezwungen. Wer dir an das Knie fasst, zwingt dir seine Nähe auf. Das ist etwas ganz anderes, als sich unter Gewalt IN DEINEN Körper zu zwingen. Vergewaltigung bedeutet, dass der Täter dein Leben bedroht, dich schwer verletzt, jede deiner Grenzen mit purer Gewalt einreißt, um sich deines Körpers auf brutalste Weise zu bedienen und damit rechnen kann, davon zu kommen. Die Integretität deines Körpers, deiner Persönlichkeit wird aufgehoben, zurück bleibt ein Scherbenhaufen. Sexuelle Belästigung ist nicht gleich Vergewaltigung. Das zu relativieren, heißt, die Opfer sexueller Gewalt zu verhöhnen, zu relativieren, was sie erlitten haben. “Das haben wir doch alle schon erlebt, warum stellst du dich so an?”, heißt es dann. Wenn alle Begriffe, die wir haben, um sexuelle Gewalt  zu erklären, bereits für ungewollte Berührungen draufgehen, wie sollen wir sie dann noch steigern? Was bleibt dann für die echten Opfer, welche Begriffe können sie dann noch benutzen, um klar zu machen, warum sie ein Scherbenhaufen sind?

Der Gipfel des neuen Vergewaltigungstrend ist der New Yorker Artikel “Cat Person”, in dem eine junge Frau von ihrer misslungenen Interaktion mit einem älteren Mann erzählt. Der Typ ist alt, dick und ignorant. Sie initiiert den Sex mit ihm, doch als er loslegt, ist es ganz furchtbar. Sie tut nichts, lässt sich nach eigenen Beschreibungen herumschleudern wie eine Puppe. Dann geht sie, er ist gekränkt und nennt sie später Hure. Was für ein Arschloch! Ja, ist er. Er ist ein Sexist und misogyn. Aber er ist kein Vergewaltiger! Was sie beschreibt ist keine Vergewaltigung, es ist schlechter Sex. Über den muss sie sich nicht wundern – sie hätte diese Interaktion ja selbst gestalten und steuern oder beenden können. Hat sie nicht. Warum? Weil sie ihn nicht verletzen wollte oder den Erwartungen entsprechen. Weil sie es nicht besser wusste. Es ist schlimm, dass sie so denkt. Es zeigt, wie wir Frauen in unsere Unterdrückung hineinsozialisiert werden. Es ist aber keine Vergewaltigung und es ist auch nicht die Schuld des Mannes, mit dem sie interagiert hat. Menschen begegnen sich und manchmal fühlt der eine was, was der andere nicht fühlt, manchmal schläft man trotzdem oder gerade deswegen miteinander und so richtig gut fühlt man sich danach nicht. Warum das so ist, welche Ideen da in unseren Köpfen spuken und warum wir nicht vorher erkennen, dass wir auf den Typ nicht können, das muss man sich in der Tat anschauen. Aber nicht unter der Überschrift “Vergewaltigung”. Die gehört denen, die in die Sprachlosigkeit und Unsichtbarkeit verdrängt werden – ja, auch von euch, wenn ihr Vergewaltigung inflationär einsetzt. Das Wort nutzt sich ab, es verliert die Heftigkeit seiner Aussage und dahinter verschwinden auch die Taten.

Vor knapp einem Jahr haben wir gemeinsam darum gekämpft, dass die Sprache über sexuelle Gewalt nicht verharmlost werden darf. Opfer muss Opfer heißen dürfen, Täter als solche benannt werden. Und nun, noch nicht einmal 12 Monate später, wird “Vergewaltigung” zum populärsten Buzzword unter Feministinnen. Total beliebig. “Der Typ hat mich angerempelt. Vergewaltigung!” – “Der Bus ist weg – Vergewaltigung!” –  dieses ständige Behaupten, alle möglichen Situationen seien Vergewaltigung, die es per Definition nicht sind, ist ein Schlag in das Gesicht all jener, die wirklich mal in der Situation waren, eine Vergewaltigung ertragen zu müssen. Es ist eine unerträgliche Verharmlosung und es spielt dem Patriarchat direkt in die Karten: Wenn alles Vergewaltigung ist, dann ist gar nichts mehr Vergewaltigung, dann muss man die, die beispielsweise eine anzeigen, nicht mehr ernst nehmen. Diese Unschärfe ist ein Ausdruck unfassbarer Ignoranz gegenüber den Betroffenen und zeugt davon, dass sich der Feminismus eben auch in seiner eigenen Bubble bewegt. Wer zum Club dazu gehört, muss was vorweisen. Da ist das Label “vergewaltigt” super schick, hipsteresk fast. Gibt es schon T-Shirts mit #metoo? Taschen? Oder müssen wir jetzt in den folgenden Wochen lauter “Cat Person” follow ups lesen, in denen Frauen darüber berichten, dass Sex manchmal richtig mies ist und Männer Bäuche haben. Bärte auch. Diese Ungeheuer! Diese Tiere! Damit wird alles zunichte gemacht, was in langen Debatten und Analyse erkämpft worden ist, was bleibt sind Hashtags und Überschriften und eine sich ständig ihrer selbst vergewissernden Community, die nichts, aber auch gar nichts mehr dafür tut, dass sich an den Umständen etwas ändert. Der Grund liegt nahe: Wer braucht schon Feminismus, wenn sie ihn nicht als Label, sondern als Aufgabe auffasst? “Es gibt keinen Anspruch auf Sex” ist so ein Credo unserer Bewegung. Das bedeutet auch, es gibt keinen Anspruch auf guten Sex. Auch nicht für uns Frauen. So zu tun, als sei deshalb jeder Mann ein Vergewaltiger und jeder Sex, der unseren Erwartungen nicht entspricht, Vergewaltigung, bestätigt auf absurde Weise die Zerrbilder, die Antifeministen über Feministinnen verbreiten. Bitte, hört damit auf!

 Kategorie Feminismus

Schlagwörter #catperson, #metoo, Cat Person, sexuelle Gewalt, vergewaltigung

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Yvonne
14. Dezember 2017

Ja, sehe ich auch so.
Nur, ….die Übergänge sind halt manchmal fliessend, was es oft so schwierig macht mit der Definition. Sowohl für Frauen, Männer sowieso und auch Richter. Aber ohne diese Unterscheidung in miesen (halb-ungewollten) Sex und Vergewaltigung (inkl. Todesangst) wird tatsächlich alles verwässert, was zur Bagatellisierung aller wirklichen Vergewaltigungen führt.


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abgenervt
18. Dezember 2017

Ich verstehe den Zorn, der entsteht, wenn das verwechselt wird. Ich wurde vergewaltigt – ganz legal übrigens. Und es hat mich auch schon oft wütend gemacht, wenn…

Aber das hat sich – auch durch mein Erleben – ein bisschen geändert. Zwei Erlebnisse waren dafür ausschlaggebend.
Eines, was ich selbst erlebt habe, eines, was einer anderen Frau widerfahren ist.

Beides waren keine Vergewaltigungen. Es waren sexuelle Grenzüberschreitungen, die massiv waren.

Die, die mich betroffen hat, hat mich mehr getroffen und verletzt als die Vergewaltigung. Sie hat in mir etwas anderes zerstört als das, was die Vergewaltigung zerstört hat. Irgendwie war ich auf die mehr vorbereitet, so gruselig das auch klingen mag.

Das andere war das Erlebnis einer anderen Frau, über das ich anfangs eher müde lächelte, weil ich dachte, dass ich wirklich viele Frauen kenne, die deutlich Schlimmeres erlebt haben.

Aber das, was sie erzählte, war so perfide, so grausam auf den zweiten Blick, dass ich mich wegen meines “müden Lächelns” plötzlich schämte und dachte, dass ich wohl aufgrund dessen, was mir selbst oder auch anderen mir nahen Frauen widerfahren ist, unnahbar und hart geworden bin für Leid, das weniger krass aussah. Aber nicht zwangsläufig auch war. Das wollte ich nicht…

Damit will ich keine Vergewaltigung kleinreden, nichts liegt mir ferner. Ich kenne viele Frauen, die das verständlicherweise nicht verkraften konnten. Selbst hatte ich das große Glück, an eine tolle Therapeutin zu gelangen. Manches wird nie mehr heile, aber wenn man sehr, sehr viel Glück hat und Unterstützung erhält, findet man Möglichkeiten, damit umzugehen. Irgendwie. Und das wünsche ich jeder Frau – viel, viel Glück und Unterstützung.


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Oh Falada
18. Dezember 2017

Ich finde den Artikel schwierig. Natürlich ist es nicht gut, alles durcheinander zu werfen. Aber auch ich habe schon beides erlebt: Vergewaltigung und das, was hier – in meinen Augen – etwas euphemistisch als schlechter Sex bezeichnet wird, als ebenso junge Frau wie die in Cat Person, mit eben der Angst und eben der Unfähigkeit, mich zu wehren. Die Übergänge sind so fließend, letztlich freue ich mich eher darüber, dass so viele Frauen den Mut finden, sich zu äußern. Der Aktion und mir nimmt es nichts, wenn manches schwerer wiegt als anderes. – Mir scheint, wir müssen dringend einmal über die Definition von schlechtem Sex reden und die Grenzen zu Missachtung, Übergriffigkeit, Machtausübung etc.


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Charybdis
28. Dezember 2017

Es kommt halt sehr darauf an warum der Sex schlecht ist. Wenn die Partner/innen es einfach nicht schaffen einander ihre Bedürfnisse zu kommunizieren ist es zwar momentan dumm gelaufen, aber das kann man ja lernen. Wenn die Ursache für den schlechten Sex die ist, dass der Mann das Huren-Madonnen-Syndrom im Kopf hat, und die Frauen dafür hasst, dass sie ihn sexuell erregen, ist es nicht mehr so harmlos. Weil da kann dann die Grenze zur sexualisierten Gewalt fliessend sein.


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Sarah Kim
3. Januar 2018

Es ist verletzend dass in dem Artikel Schadens-Kategorien errichtet werden, in dem das Leid und die Problematik nicht unter Todesangst vergewaltigter Frauen in Frage gestellt wird. Es wird in Frage gestellt, eigentlich angeprangert. Sehr überlegt und reflektiert werden verschiedene Verbrechen in Kotext zueinander gesetzt – es ist ein Verbrechen dass Mädchen und Frauen nicht darin erzogen werden und wurden Verantwortung für den eigenen Körper zu übernehmen im positivstem Sinne- sexuelle Selbstbestimmung!- (Sozialisation), dass macht es aber nicht besser. Ich finde auch grade in den Kommentaren wird deutlich dass ein Dialog mit dieser Einstellung eröffnet wird, den die Queer community schon bitterlich ausfechten: Kategorisieren, Schutzräume entwerfen, Grenzen ziehen – nicht um eine Besserung für Diskriminierte herbei zu führen, sondern um ein Vorrecht auf Anerkennung heraus zuarbeiteten, das am Ende nichts, aber auch Garnichts hervor bringt. Ich glaube ich kann die Beweggründe der Autorin verstehen – für mich spiegelt sich in dem Artikel ein persönliches Erleben wieder, was keine angemessene Resonanz bekommt oder bekam. – Schlechter Sex, ist maximal langweilig, aber wenn Ängste entstehen, Hilflosigkeit, Missbrauch oder Vergewaltigung passiert, dann ist es kein schlechter Sex sondern erlebte Gewalt.


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Aus: "Hört auf, Vergewaltigung mit schlechtem Sex gleichzusetzen!" Mira Sigel (14. Dezember 2017)
Quelle: https://diestoerenfriedas.de/hoert-auf-vergewaltigung-mit-schlechtem-sex-gleichzusetzen/

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on January 15, 2018, 10:01:23 AM
"Gegenwind für "MeToo"-Kritikerinnen um Deneuve" (12.01.2018)
Die feministische Aktivistin Caroline de Haas hat gemeinsam mit 30 weiteren Frauen kritisch auf den offenen Brief in „Le Monde“ reagiert, in dem die Filmdiva Catherine Deneuve und hundert weitere Französinnen das Recht der Männer auf Aufdringlichkeit verteidigten. Die Gegenreaktion auf die Kritik an den „MeToo“-Kampagnen infolge des Weinstein-Skandals fällt prompt und heftig aus – auch Politikerinnen äußerten sich. In der französischen Filmwelt hingegen herrscht weiter großes Schweigen.
„Wenn die Gleichheit vorankommt, und sei es nur einen halben Millimeter, dann warnen gute Seelen gleich davor, dass es zum Exzess kommen könnte,“ heißt es in dem auf „Franceinfo“ veröffentlichten Gegentext. Die Autorinnen bedauern, dass Deneuve und Co. sexuelle Gewalt banalisieren und wieder einen „bleiernen Schleier“ über die sexualisierte Gewalt legen, den die Weinstein-Affäre gerade erst gelüftet habe.
... Die ehemalige Frauenministerin Laurence Rossignol von den Sozialisten nennt den offenen Brief eine „Ohrfeige für alle Frauen, die sexuelle Übergriffe melden“. Zustimmung erhalten Deneuve und die anderen Unterzeichnerinnen hingegen von der konservativen Europaabgeordneten und ehemaligen Familienministerin Nadine Morano. Sie könne die Erklärung nur unterschreiben, sagt sie, Hashtags wie „MeToo“ hält sie als „ Aufruf zur Denunzierung in den sozialen Netzwerken“ für skandalös.
http://www.tagesspiegel.de/kultur/sexismus-debatte-gegenwind-fuer-metoo-kritikerinnen-um-deneuve/20838056.html

"Catherine Deneuve entschuldigt sich bei Opfern sexueller Gewalt" (15.01.2018)
Filmstar Catherine Deneuve (74) hat sich nach ihrer umstrittenen Kritik an Folgen der #MeToo-Debatte bei den Opfern sexueller Gewalt persönlich entschuldigt. In einem am Sonntagabend erschienenen Beitrag der Zeitung „Liberation“ wandte sie sich direkt an die Opfer und versuchte, einen kritischen Text aus der Vorwoche zu relativieren: „Ich grüße alle Opfer dieser verabscheuungswürdigen Taten, die sich durch den Artikel in „Le Monde“ beleidigt fühlen, ihnen und ihnen allein biete ich meine Entschuldigung an.“ Sie hielt allerdings an dem ursprünglichen Beitrag fest, der ihrer Ansicht nach „nicht enthält, dass Belästigung gut ist, sonst hätte ich den Text nicht unterschrieben“.
http://www.tagesspiegel.de/kultur/metoo-debatte-catherine-deneuve-entschuldigt-sich-bei-opfern-sexueller-gewalt/20846722.html

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    [...] Wer bei Prostituierten davon spricht, dass sie „ihren Körper verkauften“, aber genau die gleichen, dort genau so zutreffenden Worte vermeidet, wenn es um andere, meist männliche Arbeiter (wie etwa Bauhelfer, Lagerarbeiter, Paketboten, Gebäudereiniger, Bergleute oder Fernfahrer) geht, belegt im Spiegel dieses seines Sprechens, dass sein Blick auf die Arbeit von seiner anachronistisch-moralistischen Sicht der Sexualität getrübt ist. Die „politische Analyse“ eines so sprechenden Menschen ist nichts weiter als eine Larve der restriktionsbereiten Prüderie; das nur zum Schein politisch formulierte Programm besteht in einer weiteren Verschiebung der zwangsneurotischen Sexualunterdrückung bei gleichzeitigem Aufrechterhalt aller anderen Strukturen der Unfreiheit und kapitalistischen Knechtschaft des größten Teiles der Menschen.



Aus: "Im Spiegelbild des angeprangerten Körperverkaufes" Dunkle Gedanken by Nachtwaechter (3. Februar 2018)
Quelle: https://tamagothi.wordpress.com/2018/02/03/im-spiegelbild-des-angeprangerten-koerperverkaufes/
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on March 15, 2018, 02:10:28 PM
Slavoj Zizek sieht in der NZZ Parallelen zwischen einigen Ausprägungen des Feminismus und islamischen Fundamentalisten: Beide betrachten den Mann als Herren der Schöpfung, wie Zizek am Beispiel Monica Lewinsky, die laut eigener Zeugenaussage aus den Neunzigern das sexuelle Verhältnis zu Bill Clinton selbst initiierte, ihm später jedoch "Machtmissbrauch" vorwarf, nachzuweisen versucht: "Wenn sie behauptet, dass er es als älterer, erfahrener Mann hätte 'besser wissen' müssen und ihre Avancen hätte zurückweisen sollen - bleibt da nicht etwas Scheinheiliges in der selbst zugewiesenen Rolle eines Opfers? Muslimische Fundamentalisten argumentieren genau gleich, nur mit vertauschten Rollen: Einen Mann, der eine Frau misshandelt hat, trifft keine Schuld, weil er insgeheim von dieser verführt wurde."
https://www.perlentaucher.de/9punkt/2018-03-09.html

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[...] Lubitsch-Heldinnen sind, Jahrzehnte vor der Women’s-Liberation-Bewegung, komplett emanzipiert. „Die weibliche sexuelle Befreiung ist mehr als der Rückzug vom zum Objekt für Männer Gemachtwerden“, definiert Žižek. „Es ist das Recht, sich aktiv selbst zum Objekt zu machen, damit zu spielen und sich jederzeit davon wieder zurückzuziehen – selbst wenn das vorher gegebenen ,Signalen‘ widersprechen sollte.“

Der Aufstieg der politischen Korrektheit und der Anstieg von Gewalt seien zwei Seiten derselben Münze, denn: Die Grundlage der Korrektheit sei die Reduzierung von Sexualität auf gegenseitiges Einverständnis per Vertrag. „Die einzige Form einer sexuellen Beziehung, welche die Korrektheitskriterien vollständig erfüllt“, giftet Žižek, „wäre ein Kontrakt wie zwischen den Partnern einer sadomasochistischen Beziehung“. In solchen Formen konsensualer Sklaverei führe sich die Vertragsfreiheit ad absurdum: „Die Teilnahme am Sklavenhandel wird zur ultimativen Behauptung von Freiheit.“

Lubitsch wäre ob eines solchen Zustands des Zwischenmenschlichen entsetzt gewesen, der strikten Verrechtlichung wegen, nicht wegen der Abweichung von der bürgerlichen Moral. Zum Beispiel gibt es bei ihm nicht die übliche Hollywoodwahl, dass man nur entweder Liebe oder Sex haben kann. Und für den Sex braucht es nicht nur keine Heiratsurkunde, selbst lieben müssen sich die Sexhabenden nicht, wie 1932 in „Ärger im Paradies“. Ein Jahr später, in „Serenade zu dritt“, stellt Lubitsch die herrschende Moral vollends auf den Kopf: Die Künstlerin Gilda lebt in einer stabilen Ménage-à-trois mit George und Thomas, versucht es dann mit einem gefährlichen Experiment, mit Monogamie – und kehrt reuevoll ins Dreiernest zurück.

Zum Schluss imaginiert Žižek eine leicht veränderte Szene aus Lubitschs „Der Himmel kann warten“, wo ein Lebemann in die Hölle kommt und vom Teufel verhört wird. Der Lebemann gesteht viele kleine Sünden, doch der Teufel bedauert, das reiche nicht für eine Aufnahme bei ihm, er solle sich im Himmel bewerben.

„Stellen wir uns eine Szene vor, in der Lubitsch von einem bolschewistischen Kommissar verhört wird, wie Greta Garbo in ,Ninotschka‘, der entscheiden muss, ob Lubitsch in den Gulag kommt.“ Weil er wisse, wie das ablaufe, spinnt Žižek die Geschichte weiter, gestehe Lubitsch eine Menge kleinbürgerlicher Sünden, bis der Kommissar abwinke und ihm einen Posten in der Hierarchie der kommunistischen Partei zuweise.

Und nun, als Schlussgag, zieht Žižek eine Parallele zwischen Lubitsch und Lenin. Letzterer habe bekanntlich Stalin als seinen Nachfolger zu verhindern versucht; der sei zu grob, eine Schwäche, die ihn als Generalsekretär untauglich mache.

Dieses Wertlegen auf Höflichkeit, Schicklichkeit und Humor sei ein Wesensmerkmal des Lubitsch-Touches – und des untergegangenen konservativen Bürgertums. Vulgäre Wortwahl sei heute ein fast ausschließliches Vorrecht der radikalen Rechten, „und die Linke findet sich in der sie überraschenden Position eines Verteidigers anständiger öffentlicher Manieren wieder.“ Wenigstens dieses hätte Lubitsch am Heute gefallen.


Aus: "Was Ernst Lubitsch von #MeToo halten würde" Hanns-Georg Rodek (29.01.2018)
Quelle: https://www.welt.de/kultur/kino/article172938257/Deutsche-Regielegende-Was-Ernst-Lubitsch-von-MeToo-halten-wuerde.html (https://www.welt.de/kultur/kino/article172938257/Deutsche-Regielegende-Was-Ernst-Lubitsch-von-MeToo-halten-wuerde.html)

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[...] Die amerikanische Philosophin und Gender-Theoretikerin Judith Butler wirkte jüngst an einer Konferenz in São Paulo mit. Darin ging es um die Krise der Demokratie, nicht um Gender. Dennoch versammelte sich eine Menge konservativer Zeitgenossen ausserhalb des Veranstaltungsorts. Sie zündeten ein Bild Butlers an und brüllten: «Verbrennt die Hexe!» Die Szene versinnbildlicht aufs Trefflichste, dass sexuelle Unterschiede heutzutage auf zwei gegensätzliche Weisen politisch aufgeladen werden: Es gibt den militanten Einsatz für die Verflüssigung der Geschlechteridentität, und es gibt den neokonservativen Gegenstoss.

Der Kapitalismus entfaltet seine ganze Wucht. Die berühmte Beschreibung der kapitalistischen Dynamik im «Kommunistischen Manifest» sollte darum um das Sexuelle ergänzt werden. Auch in diesem Bereich wird die «Einseitigkeit und Beschränktheit mehr und mehr» aufgegeben, auch hier verhält es sich so, dass «alles Ständische und Stehende verdampft, alles Heilige entweiht wird». Der gute alte Standard männlicher Dominanz wird durch die Ausbreitung wechselnder sexueller Identitäten und Orientierungen bedroht.

Dabei ist das Abfeiern von «Minderheiten» und «Benachteiligten» längst zur vorherrschenden Mehrheitsposition geworden: Selbst die Anhänger der Alt-Right-Bewegung, die sich über den Terror linksliberaler Political Correctness beschweren, stellen sich mittlerweile als Beschützer einer bedrohten Minderheit dar. Das übersehen die progressiven Kulturtheoretiker, die das Patriarchat kritisieren, ohne dessen Funktionieren zu begreifen.

Den Todesstoss könnten dem bis heute anhaltenden Patriarchat nun die Frauen versetzen, jene Frauen, die massiv in die Öffentlichkeit drängen. Sie berichten unter #MeToo offen von ihren Erfahrungen mit sexueller Gewalt von Männern. Was hier geschieht, ist womöglich ein Epochenwandel, ein grosses Erwachen, ein neues Kapitel in der Geschichte des menschlichen Zusammenlebens.

Was sich dabei herauskristallisiert, ist etwas, das wir, zumindest unterschwellig, all die Zeit über wussten. Wir wollten es nur nicht offen aussprechen: Es gibt Hunderte Arten, Frauen sexuell auszunutzen. Frauen bringen jetzt die dunkle Kehrseite unserer öffentlichen Behauptungen von Gleichheit und gegenseitigem Respekt ans Tageslicht. Dadurch sehen wir uns plötzlich mit der Einsicht konfrontiert, wie heuchlerisch und einseitig unsere in Mode gekommene Kritik an der Unterdrückung der Frauen in muslimischen Ländern war und ist: Nun müssen wir uns der eigenen Realität von Unterdrückung und Ausbeutung stellen.

Sollten wir also tatsächlich in einer Umwälzungsphase sein, wie ich glaube, wird der Prozess auch diesmal nicht ohne zahlreiche Ungerechtigkeiten und Ironie vonstattengehen. Doch sollte uns all dies nicht vom Wesentlichen ablenken. Fragen wir uns, worauf all dies hinauslaufen wird, was wir gewinnen und verlieren werden.

Erstens: Sexualität, Macht und Gewalt sind viel stärker miteinander verflochten, als wir es uns in unserer Schonzivilisation einzugestehen pflegen. Zweitens scheint mir wichtig, dass die anhaltende Explosion nicht auf die Reichen und Schönen beschränkt bleibt, sondern im Alltagsleben gewöhnlicher unsichtbarer Menschen ankommt. Und schliesslich sollte dieses Erwachen mit den politischen und ökonomischen Kämpfen verbunden werden – es darf nicht wieder von den Mächtigen und Reichen angeeignet werden, nach dem Motto: Wir geloben Besserung, aber lasst uns weiterwursteln wie bisher. Denken wir bei dieser Gelegenheit nur daran, wie viele der entlarvten Sexisten die Leute zu besänftigen suchten, indem sie versicherten, sich therapieren zu lassen. Ihr Handeln war jedoch kein Fall von privater Pathologie, sondern Ausdruck der vorherrschenden patriarchalischen Ideologie und Machtstrukturen.

Auch wenn die Aktionen nicht orchestriert waren, so war ihr Zusammenfallen vielleicht doch kein Zufall: Ziemlich genau zur selben Zeit, als Harvey Weinsteins Skandal ins Rollen kam, wurden die «Paradise Papers» veröffentlicht. Waren die Angriffe auf die männlichen Ausbeuter nicht zugleich eine Attacke auf die Protagonisten des globalen Finanzkapitalismus, die bis vor kurzem glaubten, sich in ihren eigenen Distrikten unbehelligt von Gesetzen bewegen zu können?

Auch von den Reichen und Mächtigen wird plötzlich verlangt, dass sie sich an die Gesetze halten; und das ist insofern ein subversiver Akt, als sich das System dies eigentlich gar nicht leisten kann. Denn Steueroasen und andere Formen der illegitimen (wenn auch nicht zwangsläufig illegalen) Finanzaktivitäten sind ein tief verwurzelter Teil des globalen Finanzkapitalismus.

Geht es nun den Reichen und Wohltätigen an den Kragen? Der erste Schritt in diese Richtung bestünde darin, zu fragen, warum niemand fordert, dass man sich die Lieder von U2 und Bono (dem grossen Humanitären, der immer nach Afrika springt, um dort den Armen zu helfen) oder Shakira nicht mehr anhört. Schliesslich haben sie sich um ihre Steuern gedrückt und damit den Staat um grosse Summen gebracht, die ihm zustehen. Stattdessen wird die Karriere des amerikanisch-mexikanischen Stand-up-Comedians Louis C. K. ruiniert, weil er ein paar Frauen seinen Penis gezeigt hat. Mich erinnert das an Brechts Satz: «Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?» Im grossen Stil Geld zu unterschlagen, ist zwar nicht in Ordnung, aber keine Katastrophe; wer aber seinen Penis zur Schau stellt, wird sofort verstossen.

Das neue Erwachen darf nicht zu einem weiteren dieser Fälle werden, deren politische Berechtigung sich daraus speist, dass sich nur Opfer zu Wort melden. Dann wird sich an den bestehenden Verhältnissen garantiert nichts ändern. Der Opferkult steht in der Tat im Dienste des Status quo, weil er Verantwortung delegiert. Wie setzt sich das Subjekt auf der Höhe der Zeit in Szene? Der freie Mensch empfindet sich einerseits als völlig verantwortlich für sein Schicksal, andererseits gründet er die Legitimation des Sprechens auf den Opferstatus, der fernab seiner Kontrolle liegt. Jeder Kontakt zu anderen Menschen wird als potenzielle Bedrohung empfunden: Wenn das Gegenüber raucht oder mir einen lüsternen Blick zuwirft, so habe ich allen Grund, mich allein dadurch verletzt zu fühlen und Wiedergutmachung zu beanspruchen.

Die Logik der Viktimisierung ist universell geworden und reicht weit über die bekannten Fälle von sexueller oder rassistischer Belästigung hinaus. Man braucht sich nur die wachsende Industrie der Sammelklagen ins Gedächtnis zu rufen, von den Prozessen um die Tabakindustrie in den USA über die finanziellen Ansprüche von Holocaust-Opfern und Zwangsarbeitern in Deutschland bis hin zu der Vorstellung, dass die Vereinigten Staaten den Afroamerikanern Hunderte Milliarden Dollar als Entschädigung für die Sklaverei bezahlen sollten. Die Vorstellung eines Subjekts, das bloss ein Opfer der Umstände ist, schliesst eine extrem narzisstische Perspektive ein, aus der jede Begegnung mit der Welt wie eine mögliche Bedrohung für den wackligen inneren Frieden erscheint.

Somit ist es nicht das Gegenteil, sondern eher die Kehrseite des freien Individuums: Die Selbstbehauptung des egozentrischen Subjekts verschwimmt paradoxerweise mit der Wahrnehmung seiner selbst als eines Objekts. Und dabei ist klar – mit solchen Egozentrikern, die stets die anderen anrufen, ist keine Revolution zu machen. Sie sind der Garant dafür, dass sich am Status quo nichts ändert, Empörung hin oder her.

Kürzlich übernachtete ich in einem Hotel in Skopje. Meine Begleitung fragte, ob das Rauchen in unserem Zimmer gestattet sei. Die Antwort, die ihr vom Personal an der Rezeption gegeben wurde, war köstlich: «Selbstverständlich nicht, das ist von Gesetzes wegen verboten. Aber es gibt Aschenbecher auf ihrem Zimmer, also sollte das kein Problem sein.» Als wir das Zimmer betraten, stand tatsächlich auf dem Tisch ein gläserner Aschenbecher. Auf seinen Boden war ein Zeichen mit einer durchgestrichenen Zigarette gepinselt. Dies war also nicht das übliche Spielchen, das man in toleranten Hotels kennt, wo einem diskret zugeflüstert wird, dass Rauchen eigentlich verboten sei, aber wenn man vorsichtig agiere und am offenen Fenster stehe . . . Der Widerspruch zwischen Verbot und Bewilligung wurde offen angenommen und dadurch aufgehoben. Die Botschaft lautete also: «Es ist verboten, und ich zeige dir, wie es trotzdem geht.»

Dieses Beispiel macht sichtbar, wie das Erwachen schnell in einen neuen Schlummer umschlägt: Die Ideologie der persönlichen Freiheit wird mühelos mit der Logik der Opferrolle versöhnt, die Revolution wird zu einer Zementierung des Status quo. Wer darauf hereinfällt, verzichtet auf echte Emanzipation. Darum – seien wir wachsam! Nur so lässt sich vermeiden, dass die gegenwärtigen gesellschaftlichen Kämpfe nur weitere Akte in einer Serie der Niederlagen sein werden – statt dass sie an der herrschenden Unterdrückung wirklich etwas ändern.


Aus: "Werden die Paradise Papers und die Aufdeckung der sexuellen Übergriffe wirklich unsere Gesellschaft verändern?" Slavoj Žižek (28.11.2017)
Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/das-grosse-erwachen-ld.1332888 (https://www.nzz.ch/feuilleton/das-grosse-erwachen-ld.1332888)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on April 05, 2018, 11:43:36 AM
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[...] Von den teilnehmenden Frauen gaben 85 Prozent an, regelmäßig mindestens einmal pro Woche zu Hause zu putzen. Bei den Männern waren es 46 Prozent. ...


Aus: "Putzmittel könnten so gefährlich sein wie Rauchen" (4. April 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000077310196/Putzmittel-koennten-so-gefaehrlich-sein-wie-Rauchen (https://derstandard.at/2000077310196/Putzmittel-koennten-so-gefaehrlich-sein-wie-Rauchen)

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"Festival „Digital Feminism“ in Dresden - Intimität in Zeiten des Internets" Marlen Hobrack (20. 3. 2018)
Twerking, Adorno und Tinder: Ein Festival verhandelt wie Webcams und Virtual-Reality-Brillen sich zwischen Körper schieben und sie doch verbinden.
„Und, habt ihr auch alle euren Adorno gelesen?“, ruft die junge Frau auf dem Dresdner Albertplatz ihren drei Freundinnen zu. Die Frauen tragen ihr kinnlanges Haar mit reichlich Gel zu strengen Bobs frisiert, den Nackenansatz ausrasiert, damit das Haar eng am Kopf anliegt. Eine scrollt durch ihren Instagram-Feed, schaut sich das Video einer twerkenden Tänzerin findet.
Die Frauen sind auf dem Weg zum Festival „Digital Feminism“ im Festspielhaus Hellerau. Einem Ort, an dem durch Tänzerinnen wie Mary Wigman nicht nur vor etwa hundert Jahren der moderne Ausdruckstanz begründet wurde – sondern an dem von Anfang an auch Geschlechtergrenzen gesprengt wurden. Und nun, im März 2018, wird auf dem Weg dorthin getwerkt, womöglich in Vorbereitung auf den „Twerkshop“ von Kulturvotzen TV (nun, sie heißen wirklich so). Denn die junge Frau ist vom Betrachten zum Tanzen übergegangen.
Was hat nun Twerking, bei dem Becken und Po rhythmisch schwingen und hüpfen, mit Digitalem Feminismus zu tun? Und was mit Adorno? ...
https://www.taz.de/!5489596/

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"Sexismus: Wann Flüchtlingspornos boomen" Mohamed Amjahid (15. Mai 2018)
Recherchen von ZEIT ONLINE zeigen, dass das Phänomen der "Flüchtlingspornografie" seit 2015 in Deutschland und in vielen anderen europäischen Gesellschaften virulent geworden ist. Die Nachfrage an pornografischen Filmen, bei denen geflüchtete Frauen beim Sex gezeigt werden, steigt. Große Plattformen für Pornografie im Internet registrieren eine steigende Nachfrage, vor allem in Hochzeiten des politischen Streits.
Nutzer können auf Seiten wie Pornhub, xHamster und RedTube mit Begriffen nach Pornos suchen. Immer mehr User tippen seit 2015 das Wort "Refugee" in die Suchleiste ein und stoßen danach auf Videos, in denen geflüchtete Frauen oder Pornodarstellerinnen, die Flüchtlinge spielen, erniedrigt werden.
ZEIT ONLINE hat Datensätze zum Konsum dieses speziellen, pornografischen Genres erhalten und sie mit Statistikexperten und Sexualwissenschaftlern analysiert.  ...
https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-05/sexismus-refugeeporn-fluechtlinge-pornografie-deutschland-analyse/komplettansicht

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gaaanz ruhig #2.5

Träume gelten ja als psychologische Kur für das Hirn, ich denke so ähnlich verhält es sich mit sexuellen Fantasien. Wie im berühmten Beispiel des Firmenmanagers, der sich in seiner Freizeit von einer Domina den Hintern versohlen lässt - als Ausgleich. ...


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Mephisto601 #2.13

Ich finde den Artikel ja noch recht interessant bis ich auf die Seite 3 des Artikels kam.
Zitat Zeit online : In Zeiten, in denen sich viele Talkshows Obergrenzen für Flüchtlinge oder einer vermeintlichen Islamisierung widmen, in denen Straßenzüge mit AfD-Plakaten gesäumt sind oder während in Kanzlerduellen vor allem um Migranten gestritten wird, finden laut den Datensätzen von xHamster die meisten Suchanfragen statt. Zitatende.

Ich versteh es also Richtig das xhamster die meisten Suchanfragen zu Refugee porn mit Exotisierung und Unterwerfung der Frau hat, während die AFD Wahlplakate aufhängt oder irgendjemand eine Obergrenze fordert?!

Zitat Zeit online : Geschlechtsverkehr sei immer ein Machtspiel von Dominanz und Hingabe, erklärt der Sexologe. "Es kann durchaus sein, dass Neonazis hier ihre sexuellen Phantasien ausleben", sagt Jakob Pastötter
Zitatende.

Wer die Seite 4 liest erkennt schnell das es sich um keinerlei Fakten sondern Mutmaßungen handelt. Die Signalwörter und Satzbauteile wie "deutet darauf hin, gehen davon aus, könnte sein ... sind bloß Annahmen eines "Professors" die weder bestätigt noch widerlegt sind.

Für mich klingt das sehr nach Mutmaßungen und Annahmen. Interssant auch das hier "weiße Männer und Neonazis" in den Vordergrund gestellt werden. Was wäre wenn die meisten Konsumenten tatsächlich "Zuwanderer aus dem Muslimischen Kulturkreis wären die in den genannten Pornoseiten nach Exotisierung und Unterwerfung der Frau suchen ?"


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Hackenmann #3

Ok, und jetzt den selben Artikel zum Thema interracial, big black cock mit weißer Frau.


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Kunsthaus #17

Ich habe den Artikel gelesen. Ich kann aber daraus kein Resumee ziehen. Was soll uns der Artikel sagen? Das Sex "immer" ein "Machtspiel" und eine "Unterwerfung" sein soll wie der Sexologe das kundtut? Irgendwie ist das an mir vorbeigegangen. Oder das sich Rechtsradikale an Flüchtlingen sexuell in virtueller Weise abarbeiten? Das entzieht sich auch irgendwie meiner Vorstellung.


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alex2311 #25

"Die sexuelle Sehnsucht nach "den Anderen" ziehe sich durch alle Milieus der Gesellschaft." Und scheinbar durch alle Geschlechter. Darum suchen Männer wohl häufig z.B. nach "japanese" und Frauen nach "big black dick"
https://www.esquire.com/lifestyle/sex/news/a52061/most-popular-porn-searches/


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KrokodilSeemann #28

Ganz wichtig: Das die Frauen das Kopftuch anbehalten. Es gibt auch Pornos mit Amerikanischen Soldaten die sich im Nahenosten Frauen von Einheimischen kaufen. Und andersrum: Araber oder Afrikaner und eine Weiße möglichst blonde Frau. Was uns das sagt weiß ich auch nicht. Der geheime Wunsch nach Völkerverständigung?  ...


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uga-baba #40

Es gibt auch Refugee-Pornos mit männlichen "Flüchtlingen", die weiße Frauen vögeln. Und schon sehr lang gibt es massenweise Pornos, in denen afrikanisschtämmige ("schwarze") Gigolos weiße Ehefrauen vögeln, und der Ehemann filmt das Ganze, oder holt sich beim Zusehen einen herunter.

Das sind Phantasien (bei den afrikanischen Männern beispielsweise mit der Penisgröße in Verbindung, und weniger mit der Herkunft der Männer), die nicht auf den Umgang im Alltag übertragen werden können. Der Beweis dafür sind Sado-Maso-Spielchen, die auch gar nichts mit dem Alltag zu tun haben. Selbstewusste Männer und Frauen lassen sich fesseln und missbrauchen. Es sind sexuelle Phantasien, die im Alltag kulturell gebannt sind, und im sehr Privaten ausgelebt werden.


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polarapfel #46

Ist Pornografie nicht immer das Spielen mit Machtfantasien? Egal, wer das Subjekt dieser Fantasie ist?


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Madame Trippel-X #61

Die Erklärungen des Artikels sind ziemlich oberflächlich. Prinzipiell sind zwei Arten von "Flüchtlings-Pornos" zu unterscheiden: arabische Frau und ein beliebiger Mann, sowie das im Artikel nicht genannte deutsche Frau mit einem oder mehreren Flüchtlingen. Primär dürfte bei den Pornos mit arabischen Frauen das Verletzen der Ehre ("der Unschuld") interessant sein und die damit einhergehende gespielte Unbedarftheit, es ist also nur eine Unterform der Virgin-/Deflorations- bzw. naives Blondchen-Pornos. Deutsche Frau mit Flüchtling ist ebenfalls eine Unterform, und zwar von BBC ("Big Black Cock") und Cuckold (Fremdgehen), bei dem von der Idee her das Wilde und die großen anatomischen Vorzüge im Vordergrund stehen. Typischerweise unterwirft sich hier die Frau, weil der fremde Mann so groß und stark ist im Gegensatz zu ihrem Partner.

Ich kann die eindimensionalen Erklärungen ("das sind bestimmt alles Nazis") nicht nachvollziehen, dazu ist die Psychologie der Sexualität zu komplex, das sind ganz andere Denkprozesse.


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on May 17, 2018, 11:49:39 AM
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    Jetzt kann man sagen, Idioten gibt es immer, am besten ignorieren. Aber es sind ja eben nicht nur Worte. Sondern es gibt sie ja schon: die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte. Die Hasstiraden im Internet haben längst gruppendynamische Prozesse ausgelöst. Die Zahl der rechtsextremen Gewalttaten ist gestiegen. So kann es nicht weitergehen.“
     
    „Die Hasschreiber müssen kapieren, dass diese Gesellschaft das nicht toleriert. Wenn man also nicht der Meinung ist, dass
    alle Flüchtlinge Schmarotzer sind, die verjagt, verbrannt oder vergast werden sollten, dann sollte man das ganz deutlich kundtun, dagegen halten, Mund aufmachen, Haltung zeigen, öffentlich an den Pranger stellen. Einige sehr verdienstvolle Blogs tun das schon, aber es sind noch zu wenige.“
     
    http://ze.tt/tagesthemen-kommentatorin-anja-reschke-haltung-gegen-hass/ (http://ze.tt/tagesthemen-kommentatorin-anja-reschke-haltung-gegen-hass/)


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[....] Sie haben beide 2015 den Umgang mit der Flüchtlingskrise kritisiert, über Pegida und AfD aufgeklärt. Danach brach ein Shitstorm los, Sie wurden im Netz als „Eselfickerin“, „Systemschlampe“ und „Affenfotze“ beschimpft.

Reschke: Ich weiß noch, wie wir uns im Januar des vorherigen Jahres beim Fernsehpreis getroffen haben. Ich war überhaupt nicht in Stimmung, auf so eine Veranstaltung zu gehen. Alles war gerade übel, es schwappte nach der Silvesternacht in Köln wieder eine Wutwelle durchs Land – und dann traf ich Dunja in der Hotellobby. „Ach, mir geht’s auch nicht gut.“ Allein diese Worte, dieser Blick, das war total tröstend, nicht allein mit meiner Stimmung zu sein.

Fühlten Sie sich von anderen im Stich gelassen?

Reschke: Die Redaktion hat mich sehr unterstützt. Aber ich hatte plötzlich Angst: um die Familie, die Zukunft, um dieses Land. Das klingt so pathetisch. Mensch, wir haben es doch gut, haben so viel geschafft, warum zerstören wir das mutwillig?

Hayali: Diese Gefühlsebene kann nur jemand teilen, der einmal in der gleichen Situation war. Auch als Frau!

Reschke: Das hat mich fast noch mehr erschüttert. Dass es Fremdenhass und Rassismus gibt, das ist bekannt. Nur dachte ich, dass wir bei der Emanzipation weiter wären. Dass man versucht, mir als Frau den Mund zu verbieten, meine Stimme aus der Öffentlichkeit zu holen und mich als Frau zu erniedrigen, das fand ich schockierend. Kriegst du auch diese Fotos geschickt?

Hayali: Mit riesigen Schwänzen?

Reschke: Ja, Bildmontagen aus Pornos. Da ist mein Kopf auf die Frau montiert, dahinter steht ein schwarzer Mann mit einem Riesengemächt.

Hayali: Bei mir ist es etwas weniger geworden, nachdem mein Anwalt einen Schreiberling auf 250 000 Euro verklagt hat, wenn er es noch mal tun sollte. Seitdem sind die Leute vorsichtiger, aber subtiler in ihren Drohungen geworden.

Woher kommt der Hass gegen Frauen?

Reschke: Schauen Sie sich doch an, wer in Zukunft die meisten Privilegien abgeben muss: weiße Männer. Diese frauenfeindlichen Reaktionen kommen mir als letztes Aufbäumen vor. Unsere Frauen, unser Land, unsere Grenzen – das sind Vokabeln wie aus einem Heldenepos.

Hayali: In den sozialen Netzwerken greifen einen tatsächlich mehrheitlich Männer an. Aber als ich auf der AfD-Demo in Erfurt war ...

... Sie haben sich mit Mikrofon und Kamera an den Rand gestellt und wurden angefeindet …

Hayali: ... da fand ich die hasserfüllten Blicke der Frauen krasser als die der Männer. Weil ich die anders spürte. Dauernd wird dir zugeraunt: Wir finden raus, wo du wohnst, und vergewaltigen dich – und die Frauen stehen schweigend neben diesen Männern und unternehmen nichts.

Shitstorm

    Der Begriff findet sich erstmals 1948: in Norman Mailers Roman „Die Nackten und die Toten“. In deutschen Medien taucht er 2006 auf, als John Irving im „Spiegel“ über die SS-Vergangenheit von Günter Grass schrieb. Seitdem ist der Shitstorm laut Duden ein „Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der mit Beleidigungen einhergeht“.

Frauen hassen anders?

Reschke: Die schreiben keine Vergewaltigungsfantasien. In den Mails von einigen Männern habe ich das Gefühl, das ist die Fantasie des Absenders.

Ab wann wird das gefährlich?

Reschke: Am meisten bedrückt mich dieses Halbversteckte. „Frau Reschke, ich bin überhaupt kein Rassist, aber was wollen diese ganzen Neger hier, die wollen sich doch nur mit der deutschen Rasse vermischen.“ Es schreiben viele, denen es gut geht. Ärzte, Anwälte, Betriebswirte, mit 55 frühverrentet, die ihr kleines Häuschen haben, das schildern sie mir ja alles in den Mails – und dann kommen sie mit solchen Sprüchen.

Hayali: Ich habe einmal jemandem geantwortet, der sich unter seinem echten Namen gemeldet hatte: „Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Tochter, die bekäme solch eine Mail, was würden Sie ihr als Vater raten?“ Der hat zurückgeschrieben, was wirklich selten passiert, wie leid es ihm täte, dass er sich in einen Wahn hineingesteigert hätte. Daraus ist ein kleiner Briefwechsel entstanden. Das ist einer von 100, der die Größe hat, seinen Fehler zuzugeben. Mir geht es nicht ums Recht haben oder Recht bekommen, sondern um die Art und Weise des Dialogs, wie Kritik formuliert wird.

Reschke: Mein Tiefpunkt kam nach der Jauch-Sendung ...

... im Oktober 2015 stritten Sie mit dem AfD-Politiker Björn Höcke in der Talkshow über Flüchtlinge …

Reschke: … die Reaktionen waren so schlimm, dass ich mich gefragt habe: Wohin würde ich denn fliehen, wenn die Stimmung in diesem Land kippt?

Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?

Reschke: Das war ganz schön schwierig. In Frankreich gibt es Le Pen, der ganze Osten kommt politisch nicht infrage, England nicht wegen der Brexit-Bewegung, in Amerika bahnte sich Trump an. Kanada? Ich wollte in Europa bleiben.

Hayali: Ich hätte nie für möglich gehalten, mich ernsthaft mit dieser Frage auseinandersetzen zu müssen. Das erinnerte mich an die frühen 90er Jahre, als es die ersten Anschläge auf Asylbewerberheime gab. Eine meiner besten Freunde hat zu mir gesagt: „Wenn es hart auf hart kommt, verstecke ich dich bei mir im Keller.“ Wir haben damals darüber gelächelt. Heute fühlt es sich realer, als mir lieb ist. Vielleicht würde ich irgendwo ans Meer gehen. Und warum das alles? Weil wir unseren Job machen und manche die Wahrheit nicht vertragen. Wir berichten, wir ordnen ein, wir kritisieren, und ja, wir sind eben auch Überbringer schlechter Nachrichten. Dadurch wird man selbst zur Zielscheibe. Das wirft kein gutes Licht auf unser Land.

... Über das Thema Flüchtlingskrise zerstreiten sich ganze Familien.

Hayali: Das schreiben mir zumindest immer wieder Zuschauer. Der schlimmste Brief, den ich bekommen habe, war von einem jungen Mädchen, das in einer Beziehung mit einem Mann war, der auf Pegida-Demonstrationen rannte und dort seine Fremdenfeindlichkeit ausgelebt hat, während sie gleichzeitig in Flüchtlingsheimen half. Sobald dieses Thema zu Hause aufkam, haben die sich nur gestritten. Was soll man da sagen?

... Melden Sie die beleidigenden Kommentare bei Facebook?

Hayali: Ha ha, guter Witz!

Reschke: Bei Panorama moderieren Redakteure die Kommentare. Alles, was Volksverhetzung ist, bekommen die Leser gar nicht zu sehen.

Dafür melden Sie diese der Polizei?

Reschke: Wenn Morddrohungen kamen, haben wir sie weitergeleitet.

Wie können Sie da abends den Kopf frei bekommen?

Reschke: Ich möchte solche Geschichten nicht öffentlich machen, damit ich Leute nicht auf die Idee bringe, wie sie mich treffen können.

Hayali: Das verstehe ich. Auch um die Familie zu schützen. Nur so viel: Wir sind Menschen, die solche Dinge nicht einfach in der Schublade im Büro lassen können.

Reschke: Eigentlich leben wir in einer spannenden, anstrengenden, jedenfalls nicht unpolitischen Zeit. Man könnte der AfD zugutehalten, dass sie Menschen zur Wahl gebracht hat, die jahrelang nicht gewählt haben. Ob einem das gefällt oder nicht.

Hayali: Und jene Menschen, denen diese Ansichten nicht gefallen, unternehmen etwas dagegen. Menschen sind parteiverdrossen, aber nicht politikverdrossen. ...

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Pat7 25.01.2017, 17:18 Uhr
Ich finde viele Kommentare gehen hier am Thema vorbei. Egal wo jemand politisch steht, oder den Wahrheitsgehalt der von den Damen moderierten Sendungen anzweifelt, die hier geschilderten verbalen Angriffe gehen überhaupt nicht. Was müssen das für erbärmliche Würstchen sein, die einer Frau mit Vergewaltigung drohen, weil sie offen und öffentlich ihre Meinung vertritt? Und noch erbärmlicher finde ich, sind die Frauen die so was hören ohne sich zu äußern. Sie gehen auf die Straße um deutsche Frauen vor den "wollüstigen" Muslimen zu "retten" und weisen den Kerl neben sich, vielleicht sogar Mann, Sohn oder Bruder nicht zu recht wenn er eine Frau sexuell bedroht. Was für Heuchler.

Ich bin eine Frau und ich fand das schlimm wie sich einige Journalistinnen über die Opfer der Kölner Silvesternacht geäußert haben oder wie lange es gedauert hat, das sich die Öffentlichen der Tragweite der Übergriffe bewusst waren.
Auch stimme ich oft nicht mit der Meinung der beiden Damen überein.

Vergewaltigungsandrohungen, Morddrohungen oder sogar verbale Angriffe auf Familienangehörige haben nichts mit Meinungsfreiheit zu tun. Oft wird dabei auch die rote Linie zur Straftat überschritten. Da gibt es absolut nichts zu relativieren oder zu verharmlosen. Jeder der wirklich für Demokratie und Meinungsfreiheit ist, sollte solche menschenverachtende Auswüchse verurteilen und vor allem selbst unterlassen.


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bikeraper 09.08.2017, 15:25 Uhr
Zwei tolle Damen mit mehr "Eier" als die meisten Männer. Respekt!


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wilhelm 26.01.2017, 08:56 Uhr

Erbärmlich

Wer wenig bis nichts weiß, wer wenig bis nichts kann, der holt sich sein Selbstwertgefühl in der Anonymität der digitalen Welt durch Gebrüll und Gewaltandrohungen. Wer mit Frauen in der analogen Welt nicht klar kommt, der versucht das auf eben diese Weise zu kompensieren.


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Aus: "Dunja Hayali und Anja Reschke im Interview Die Wutprobe" Sonja Álvarez Christian Vooren Ulf Lippitz (22.01.2017)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/dunja-hayali-und-anja-reschke-im-interview-sie-zensieren-nackte-brueste-aber-keine-hakenkreuze/19282264-3.html (https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/sonntag/dunja-hayali-und-anja-reschke-im-interview-sie-zensieren-nackte-brueste-aber-keine-hakenkreuze/19282264-3.html)
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on May 23, 2018, 10:14:10 AM
"Die fantastische Hure" Maria Hasan
Sexarbeit Bestimmte Formen der Repräsentation verfestigen das Stigma, dem die Arbeiter_innen ausgesetzt sind
ak - analyse & kritik - zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 638 / 15.5.2018
Sexarbeiter_innen haben unterschiedliche Lebensrealitäten; das einzige, was alle eint, ist das mit ihren Jobs verbundene Stigma. Das Hurenstigma bezieht sich vor allem auf die Sexualität von Frauen und ist eine Form des Slut Shaming. »Dieses Stigma erfahren Sexarbeiter_innen in unterschiedlichem Maße und auf unterschiedliche Art und Weise, aber es trifft sie alle. Das Besondere an dieser gesellschaftlichen Benachteiligung ist, dass sie zum einen degradierend und ausgrenzend ist und zum anderen eine Opferposition festschreibt«, schreibt P.G. Macioti. »Das Hurenstigma ist immer im Kontext mit anderen Machtverhältnissen zu betrachten. Die Beziehung ist kausal und wechselseitig. Ohne Sexismus, Heteronormativität oder Rassismus gäbe es kein Hurenstigma.« Diese Diskriminierungsformen bestimmen auch die Positionen der Arbeiter_innen in der Hierarchie. ...
https://www.akweb.de/ak_s/ak638/41.htm

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on May 23, 2018, 10:25:28 AM
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[...] Stockholm/Wien – Das schwedische Parlament soll nach einer Debatte am Dienstag heute, Mittwoch, dem, seit Monaten europaweit für Aufsehen sorgenden, strengeren Sexualstrafrecht zustimmen. Das sogenannte Einwilligungsgesetz sieht dabei im Unterschied zur bisherigen Gesetzgebung vor, künftig jede sexuelle Handlung strafbar zu machen, die nicht im aktiven gegenseitigen Einverständnis geschieht – unabhängig davon, ob oder wie das Opfer seinen Widerstand zum Ausdruck gebracht hat. Es gehe vor allem darum, Passivität nicht länger als "stilles Einverständnis" interpretieren zu können. Die Beweislast werde dadurch jedoch nicht umgekehrt, sondern liege weiter beim Kläger, betonte das Justizministerium bereits Mitte Dezember. Das neue Gesetz soll ab Anfang Juli gelten und die Prozentzahl der Anklagen nach Vergewaltigungsanzeigen erhöhen.

Knapp 90 Prozent aller Anzeigen laufen bisher ins Leere. Neben der "weniger groben Vergewaltigung" sollen mit der Gesetzesnovelle künftig auch "unachtsame Vergewaltigung" und "unachtsamer sexueller Übergriff" als neue Strafbestände eingeführt werden. Zudem soll die Mindeststrafdauer bei schweren Vergewaltigungsfällen, beispielsweise bei Kindern, erhöht werden. "Sex sollte stets einvernehmlich sein. Ansonsten ist er illegal", bekräftigte Ministerpräsident Stefan Löfven den Vorstoß der rot-grünen Regierung. Die Gesetzesverschärfungen sollten einerseits mögliche Sexualstraftäter abschrecken, vor allem aber auch einen rücksichtsvolleren Umgang der Sexpartner miteinander erwirken. (APA; red, 23.5.2018)




Aus: "Sex nur noch nach aktiver Zustimmung in Schweden" (23. Mai 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000080190081/Sex-nur-noch-nach-aktiver-Zustimmung-in-Schweden (https://derstandard.at/2000080190081/Sex-nur-noch-nach-aktiver-Zustimmung-in-Schweden)

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"Schwangerschaftsabbruch: Irlands Premier lobt "stille Revolution"" (26. Mai 2018)
Umfragen deuten darauf hin, dass der Zusatz zum Schwangerschaftsabbruch abgeschafft wird. Noch läuft die Auszählung, doch Irlands Premier Varadkar feiert schon das "Ja".
Mehr als drei Millionen Bürgerinnen und Bürger hatten am Freitag darüber abgestimmt, ob der achte Zusatzartikel aus der Verfassung gestrichen werden soll. Dieser untersagt Schwangerschaftsabbrüche selbst bei Vergewaltigung, Inzest oder einer Missbildung des Fötus. Bei einer Abtreibung drohen Frauen bis zu 14 Jahre Haft. Es gibt nur eine Ausnahme: Seit 2013 ist es erlaubt, einen Schwangerschaftsabbruch durchzuführen, wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist. Ersten Umfragen zufolge zeichnet sich eine deutliche Mehrheit für die Liberalisierung der Gesetze aus. Aktuell ist die Hälfte der 40 Wahlkreise ausgezählt. Ein offizielles Ergebnis wird im Laufe des Tages erwartet. Die irische Regierung spricht aber schon von einem Erfolg des Referendums.  ... Die Bürgerinnen und Bürger waren dazu aufgerufen, über eine Änderung des Gesetzes abzustimmen. Weil eine Briefwahl nicht möglich war, sollen Berichten zufolge Zehntausende im Ausland lebende Irinnen und Iren für das Referendum in ihre Heimat gereist sein.
Der UN-Menschenrechtsausschuss hatte das Abtreibungsverbot 2016 als Verstoß gegen internationale Menschenrechtsvereinbarungen kritisiert und die irische Regierung aufgefordert, es zu überarbeiten.
In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch rechtswidrig, unter bestimmten Bedingungen aber straffrei. Ein Abbruch kann innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen vorgenommen werden, in Ausnahmefällen auch bis zur 22. Woche. Voraussetzung ist, dass die Schwangere sich vor dem Eingriff beraten lässt und dem Arzt einen entsprechenden Nachweis vorlegt. 
https://www.zeit.de/politik/ausland/2018-05/schwangerschaftsabbruch-referendum-irland-abtreibung-mehrheit-lockerung-gesetz

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john1606 #5

Willkommen Irland im 21 Jahrhundert. Endlich mal ein schritt für Frauenrechte die ich willkommen halte.


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Reffes #9

Das Votum war eindeutig: 67% zu 32% bei 64 % Wahlbeteidigung. Die einzige gesellschaftliche Gruppe, die nicht mehrheitlich dafür gestimmt hat waren die über 65 Jährigen. Selbst in zahlreichen als konservativ religiös geltenden Gemeinden gab es eine Mehrheit.

Irland hat entschieden. Und sich dabei nicht von der versuchten Wahlbeeinflussung aus den USA beeindrucken lassen.


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Serp2 #12

Wenn man bedenkt dass 1995 das Referendum das Scheidung legalisierte nur hauchdünn gewann dann ist die Entwicklung bemerkenswert.
Bis 1980 waren in Irland Verhütungsmittel jeglicher Art verboten. Das kann man sich kaum vorstellen. Kondome waren illegal in Irland bis vor 38 Jahren .


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Reffes #12.1

In Deutschland durfte man bis 1997 legal seine Ehefrau vergewaltigen. Homosexualität war bis 1994 illegal. Wir sind nicht so fortschrittlich wie wir denken.


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jstawl #12.3

Fast. Vergewaltigung in der Ehe galt schon zuvor als sexuelle Nötigung. Ganz legal war es nicht, hat aber natürlich die Tragweite des Vergehens nicht mal im Ansatz abgebildet.
Und das Schlimme ist, dass Politiker wie Blüm, Merz und auch unser jetziger Innenminister Seehofer damals dagegen gestimmt haben.


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norbertZ #20

67,3% für JA bei 37 von 40 ausgezählten Wahlkreisen. In keinem einzigen haben die Befürworter der alten Regelung eine Mehrheit erhalten: https://www.irishtimes.com/news/politics/abortion-referendum/results (https://www.irishtimes.com/news/politics/abortion-referendum/results)

Es sieht so aus, als ob massive Wahlbeeinflussungen, wie es sie auch vor dem Brexit und der letzten US Wahl gab, in einer funktionierenden Zivilgesellschaft nicht viel ausrichten können. Die vielen Skandale der Kirche, aber auch viele Vorfälle - insbesondere der Fall der Inderin - haben die irische Gesellschaft anscheinend so sensibilisiert, dass sie sich PRO Menschenrechte entschieden haben. Dass dieses Referendum aber letztendlich nur zustande kam, weil zwei irische Frauen bis vor das UN Menschenrechtskommitee zogen, und dort mit ihren Klagen gegen die Irische Republik erfolgreich waren, zeigt aber auch, welche immensen Widerstände hier zu überwinden waren.



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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on May 26, 2018, 07:20:55 PM
"Warum es feminine Lesben so schwer haben in der Frauenwelt" (2018)
Hohe Schuhe, Lippenstift und Kleider vertragen sich nicht mit dem gängigen Klischee der maskulin erscheinenden Lesbe. Doch es gibt sie, die feminine lesbische Frau. Ein Appell für die stärkere Sichtbarkeit dieser Frauen. ... Das eigentliche Dilemma der Femme Invisibility besteht nicht darin, dass sich eine lesbische Frau feminin zeigen möchte, sondern vielmehr darin, dass noch immer bestimmte Stereotype und Auffassungen von äußerlichen Attributen in den Köpfen der Leute herumschwirren. Diese verleiten sie dazu, eine Frau mit kurzen Haaren oder mit einem androgynen Erscheinen eher als eine Lesbe einzuordnen als eine Frau mit langen Haaren und weiblicheren Rundungen. Bei dem Wort Lesbe kommt oft automatisch die Vorstellung einer burschikosen Frau mit Kurzhaarschnitt und Holzfällerhemd auf. Eine Butch. Das genaue Gegenteil einer Femme. Äußerlich sind die beiden grundverschieden, aber eines haben sie gemeinsam: Sowohl Butch als auch Femme steht auf Frauen. ...
https://ze.tt/warum-es-feminine-lesben-so-schwer-haben-in-der-frauenwelt/

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Dschiesis Kraist
Dieses Thema ist sehr viel komplexer und vielschichtiger, als es die gute „feminine“ Lesbe hier darstellt - und so manche Gedanken scheint sie sich noch nicht aus ihrer - momentan ziemlich verdattert anmutenden - Ich-Perspektive gemacht zu haben. Was mich am meisten befremdet, ist, dass sie nur zwei simple weibliche Klischees bemüht: das heteronormative der geschminkten und zurechtgemachten Frau und ihr lesbisches Gegenteil, verkörpert in der „Butch“ (auch als „kesser Vater“ beschrieben). Platter und eindimensionaler geht es wohl kaum oder? Lesben sind genauso bunt, vielfältig und divers in ihren Erscheinungsbildern wie der Rest der Gesellschaft. Sie haben sich als Frauen lediglich emanzipatorisch von der zwanghaften Erwartungshaltung der männerdominierten Gesellschaft abgekoppelt, sich in ganz spezieller Weise herausputzen und schmücken zu müssen! Sich in enge, figurbetonte Klamotten zwängen zu müssen, die möglichst diesem grauslichen 90-45-90-Ideal entsprechen, dazu grell wie Marilyn Monroe gemakeupt und auf zehenbrecherischen Highheels herumstaksend. Lesben sehen eigentlich wie wirkliche Frauen aus, die nämlich Männern nicht mehr gefallen wollen und gefallen müssen - somit ganz natürlich, entspannt, authentisch. Das passt natürlich der Mehrheitsgesellschaft überhaupt nicht, die Frauen seit Jahrtausenden dazu verpflichtet, eine hübsche, drollige, putzige und attraktive Dekoration für Männer zu sein - prallbrüstig, wespentaillig, schmollmundig, rundarschig.
Ich kenne superhübsche Lesben, die dennoch nicht wie gefallsüchtige Püppchen daherkommen. Und Barbara Hendricks, die ehemalige Umweltministerin, war für mich ein wunderschönes Beispiel einer souveränen, attraktiven und glaubwürdigen Frau - unverstellt und dennoch liebenswürdig, verletzlich und echt.
Die arme Autorin fühlt sich nirgends heimisch - Identitätskrise vielleicht? Das Leben ist nun mal ein Prozess der Selbstfindung und Selbstreflektion will trainiert sein. Das wird schon!

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[...] "Warum sind die Rechten so hip im Netz?", fragte die Autorin Ingrid Brodnig Anfang Mai auf der re:publica, jener Berliner Konferenz, auf der seit 2007 die digitale Gesellschaft seziert wird. Rechtspopulismus, Hasskampagnen und der Kampf dagegen waren nicht erst in diesem Jahr zentrale Themen der re:publica. Dass die Erwartungen an das Internet vor zwei Jahrzehnten noch ganz andere waren, demonstrierte Brodnig anhand eines 1997 veröffentlichten Werbespots des US-amerikanischen Providers MCI: "There is no race, there are no genders, there is no age", heißt es darin. Das Internet, gedacht als Möglichkeitsraum, der frei von Diskriminierungen ist, die einer pluralen und gleichberechtigten Gesellschaft entgegenstehen – eine Utopie, die angesichts aktueller Debatten um Troll-Farmen und Rache-Pornos wie aus der Zeit gefallen wirkt. Selbst feministische Theoretikerinnen wie Sadie Plant und Donna Haraway ließen sich in den 1990er-Jahren vom Technikoptimismus inspirieren und entwarfen eine von Cyborgs bevölkerte Post-Gender-Welt.

In einem 2016 publizierten Aufsatz formulieren die feministischen Medienwissenschafterinnen Sarah Banet-Weiser and Kate M. Miltner eine These, die als klarer Bruch zum frühen Cyberfeminismus gelesen werden kann: "Wir befinden uns in einer neuen Ära der Gender Wars, einer Ära, die von Gewalt gegen Frauen in Onlineräumen in einem alarmierenden Ausmaß geprägt ist." Hass im Netz, der auch im deutschsprachigen Raum mittlerweile nicht nur Gegenstand wissenschaftlicher und aktivistischer, sondern auch politischer Debatten ist, trifft Frauen ganz besonders. Wie eine breitangelegte US-amerikanische Studie 2016 zeigte, sind sie mit einer weitaus größeren Bandbreite an Hass und folgenreicheren Onlineattacken konfrontiert: Stalking, Mord- und Vergewaltigungsdrohungen, Drohungen gegen die Kinder, sexualisierte Gewalt wie Revenge Porn. "Diese Art der vergeschlechtlichten Diskriminierung hat ernsthafte Folgen für den Status von Frauen im Netz", sagt Julia Fleischhack, die aktuell an der Georg-August-Universität Göttingen in Sachen Praktiken und Vorstellungen von digitaler Gerechtigkeit forscht, im Gespräch mit dem STANDARD. Frauen üben vermehrt Selbstzensur, ziehen sich zurück – und würden so letztendlich aus dem Netz verdrängt.

Besonders gefährdet sind Personen, die sich online feministisch äußern: Journalistinnen ebenso wie Genderforscherinnen oder politische Aktivistinnen. 2014 führte "Gamergate" vor Augen, welches Ausmaß Hetzkampagnen gegen einzelne Frauen annehmen können: Was mit einem verleumderischen Posting des Expartners von Spieleentwicklerin Zoë Quinn begann, mündete in eine monatelange Hasskampagne gegen Quinn und zahlreiche Kolleginnen, die von rechten Medien weiter befeuert wurde. Eine Plattform, die dabei eine wesentliche Rolle spielte, nennt sich 4chan. Auf dem 2003 gegründeten Imageboard, das durch Anonymität und lasche Kontrolle geprägt ist, verabredeten sich User mitunter zu den Gamergate-Attacken. 4chan ist nicht nur Wiege populärer Memes und Phänomene wie dem "Caturday", sondern auch Brutstätte menschenfeindlicher Ideen: Rassistische, frauenfeindliche und homofeindliche Sprache durchzieht viele der Diskussionen, auf einzelnen Subboards mischen sich Fotos zerstückelter Leichen mit pornografischen Inhalten und faschistischen Symbolen. Ins Zentrum der Medienöffentlichkeit rückte 4chan zuletzt, als Alek M. im April bei einer Amokfahrt in Toronto zehn Menschen tötete. Der Täter soll sich der "Incel"-Bewegung ("involuntary celibates", unfreiwillig Enthaltsame) zugehörig gefühlt haben, einer Gruppe, die ihren Frauenhass mit sexueller Zurückweisung begründet und sich aufseiten wie 4chan oder Reddit trifft – wo im vergangenen Jahr ein entsprechender Subreddit mit rund 40.000 Nutzern gesperrt wurde. In solchen anarchischen Ecken des Internets florieren frauenfeindliche Gruppierungen wie radikale Pick-up-Artists oder "MGTOW": Men Going Their Own Way stützen sich auf maskulinistische Vorstellungen wie jene, in der die Unterdrückung von Männern in vermeintlich vom Feminismus beherrschten westlichen Gesellschaften postuliert wird, lehnen Beziehungen mit Frauen aber grundsätzlich ab: Nur so gelinge es, sich dem System zu entziehen und zu männlicher Stärke zurückzufinden.

In der maskulinistischen Onlineszene finden sich aktuell auch alte Bekannte: Pick-up-Artist Roosh V, der vor wenigen Jahren mit seinem "Gedankenexperiment", Vergewaltigung zu legalisieren, weltweit für Aufsehen sorgte, berät auf seinem Youtube-Kanal verzweifelte Anrufer mit "Frauen-Problemen". "In meiner Idealen Welt wäre eine Frau nach der Hochzeit mein Eigentum so wie mein Auto oder mein Haus", erklärt Roosh in seinem neuesten Video. Die in all ihren Ausprägungen schwer zu fassende "Manosphere" – die sich etwa auch mit VertreterInnen der Alt-Right-Bewegung überschneidet – scheint klar von einer demografischen Gruppe dominiert zu sein: weiße Mittelschichtsmänner. "Hassgruppen sind generell von Männern dominiert – ob offline oder online. Gerade weiße Mittelschichtsmänner erleben politische, ökonomische und kulturelle Umbrüche häufig als Verlust, sie sehen sich neue Hürden gestellt, ihnen bleiben Dinge verwehrt, auf die sie ein Anrecht zu haben glauben", sagt Tristan Bridges, Professor für Soziologie an der University of California, Santa Barbara. Ihre Wut würden diese Männer wiederum in erster Linie gegen Minderheiten und Frauen richten. Auch wenn Frauenhass und Antifeminismus schon lang vor dem Internet ihre Verbreitung fanden – der Anonymität im Netz kommt ein Verstärkungseffekt zu. "Sozialpsychologische Studien haben gezeigt, dass Anonymität unser schlimmstes Verhalten offenbaren kann. In Hassforen findet sich also auch die denkbar abscheulichste Sprache", sagt Bridges. Wie das in der Praxis aussieht, offenbart ein schneller Blick auf 4chan. "Abtreibung sollte die Zustimmung von Mann und Frau erfordern. Würde eine Frau mein Baby umbringen, würde ich ihr den Kopf mit einer Schaufel vom Rumpf schlagen", schreibt dort ein Nutzer in einer Diskussion über Schwangerschaftsabbruch.

Hass im Netz nimmt indes nicht nur quantitativ zu – er stellt auch qualitativ ein immer größeres Problem dar. "Heutzutage geht frau nicht online. Mensch ist ständig online und Menschen definieren sich so viel stärker mit ihrem Onlineauftritt", sagt Leonie Tanczer, die am University College London über Internet und Geschlecht forscht. Der Dualismus offline und online wird in fünf bis zehn Jahren gar verschwinden, meint Tanczer. Politische und rechtliche Regulierung hinken dieser rasanten technischen Entwicklung jedoch hinterher. Auch wenn Hate Speech im Netz längst Thema EU-weiter Kampagnen und zahlreicher Parlamentsdebatten ist – der Kampf gegen den Hass stehe immer noch am Anfang, meint die Sozialwissenschafterin Julia Fleischhack: Neben umfassenden Bildungsmaßnahmen brauchte es "viel mehr Erste-Hilfe-Einrichtungen, professionelle Unterstützung und AnsprechpartnerInnen für Betroffene, die gezielten Hasskampagnen ausgesetzt sind". Aber auch Technologiefirmen stünden in der Verantwortung, ihre Plattformen sicherer, fairer und gerechter zu machen, betont Fleischhack. Dass die Verantwortung für den Umgang mit den Attacken noch immer viel zu häufig auf betroffenen Einzelpersonen laste, ist auch Tanczer überzeugt. "Vielleicht müssen wir vermehrt darauf zurückgreifen, einen 'kollektiven, digitalen Mut' zu kreieren, wo wir uns unterstützen, eingreifen und gezielt illegales oder kriminelles Verhalten an- und aufzeigen", sagt Tanczer. Selbst wenn die Netzutopien von einst längst verblasst sind, einen grundlegenden Technikoptimismus lässt sich Tanczer nicht nehmen: "Ich glaube weiterhin daran, dass das Internet Möglichkeiten bietet, Räume und Technologien zu schaffen, die Frauen helfen und vielleicht zur Besserung von Ungleichheiten beitragen können." (Brigitte Theißl, 27.5.2018)



Aus: "Warum es neue Strategien gegen den Frauenhass im Netz braucht" (27. Mai 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000080412686/Warum-es-neue-Strategien-gegen-den-Frauenhass-im-Netz-braucht (https://derstandard.at/2000080412686/Warum-es-neue-Strategien-gegen-den-Frauenhass-im-Netz-braucht)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on May 31, 2018, 07:49:48 AM
"Feminismus: Sexarbeit und Prostitution sind nicht dasselbe"  Antje Schrupp (30. Mai 2018)
Die Beweggründe der Frauen sind entscheidend - Bei der Unterscheidung zwischen Sexarbeit und Prostitution geht es nämlich nicht allein um konkrete Handlungen, sondern sie stellt die Beziehungsstrukturen und Beweggründe der beteiligten Frauen ins Zentrum: Sind diese Frauen handelnde Subjekte, die, wenn auch möglicherweise angesichts schwieriger Rahmenbedingungen, eine informierte Entscheidung treffen? Oder sind sie in sexistische Beziehungen und Verhältnisse verstrickt, aus denen sie keinen Ausweg finden? Diese Frage ist natürlich nicht nur in Bezug auf Frauen zu stellen, sondern auch bei männlichen Sexarbeitern und Prostituierten. Und sie kann ruhig auch bei anderen Themen als Sexarbeit/Prostitution gestellt werden. ... Wenn die Prämisse der weiblichen Freiheit im Zentrum steht, könnte der Konflikt um "Sexarbeit" versus "Prostitution" fruchtbar und interessant sein und nicht lähmend.
https://www.zeit.de/kultur/2018-05/feminismus-prostitution-sexarbeit-unterscheidung-streit/komplettansicht

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theustuba #10

Einfach mal so. Ein guter Artikel, regt zum Nachdenken an,. Pauschalisiert nicht. Angenehme Differenziertheit. Danke.


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SaidAlHouty_at_gmx.de #10.1

Ja. Aber, dass es immer Jahrzehnten bedarf, bevor solche Fragen überhaupt identifiziert und präzise formuliert sind, ist absolut erschreckend.


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haschmi123 #45

Ein guter Artikel. Genau diese Differenzierung tut Not!- Die Unterscheidung von selbst- und fremdbestimmt ist allerdings oft nicht leicht. Jeder der in sozial Strukturen eingebunden ist, ist ein Stück weit fremdbestimmt (Stichworte bulgarische Familie ). Die Loyalität zur Familie oder einer Gruppe ist dann Teil des Selbst. Wieviel Raum man ihr gibt entscheidet jedes Individuum anders.


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Hannah L. #46

Der Begriff der Sexarbeit ist eine Erfindung der Lobby für Prostitution!
Der (einmal mehr) deutsche Sonderweg eines von den Grünen initiierten Gesetzes,
so schlecht, daß es, wie Hartz IV, bereits "nachgebessert" werden mußte..., mal sehn, wie oft noch...,

... Stuttgarts "Oberbordellmeister" äußerte einmal auf die Frage in einer Talkshow, wie er es fände, wenn eins seiner Kinder dieser Tätigkeit nachgehen würde: Es würde mir das Herz brechen.
Fragen wir doch mal die Befürworter, wie sie die Frage beantworten würden, wenns um ihre eigenen Kinder, Jungs wie Mädchen, gehen würde!
All die Juristinnen in ihren guten Stuben, die all das so exotisch finden..., wie wärs, wenn die eigene Tochter...!?


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 05, 2018, 09:32:23 AM
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[...] Von der SPD-Nachwuchsorganisation stammte [] der Antrag auf staatliche Förderung von feministischen Pornos, der am Sonnabend auf dem SPD-Parteitag beschlossen wurde. Künftig sollen demnach solche pornografischen Inhalte auch über die Mediatheken von ARD und ZDF verfügbar sein.

„Brauchen wir das?“, fragt hingegen Katrin Vogel, Gleichstellungsbeauftragte der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus. Sie hält die Politisierung des Themas für unangebracht.

Grüne und Linke wollten sich auf Anfrage noch nicht zu dem Thema äußern.

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Zimbo 07:46 Uhr

Unisextoiletten und Feministenpornos...da sage noch einer wir hätten keine Leitkultur!


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vigilate_bln 07:19 Uhr

    beschließt die SPD eine Filmförderung für feministische Pornofilme

Gehört dies zur Richtlinienkompetenz?


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Korrekturfahne 04.06.2018, 21:05 Uhr

    Hier darf auch mal was schiefgehen, vor allem aber geht es gleichberechtigt zwischen den Geschlechtern zu, niemand wird herabwürdigend behandelt, ist in programmatischen Schriften zum feministischen Porno zu lesen...
    Künftig sollen demnach solche pornografischen Inhalte auch über die Mediatheken von ARD und ZDF verfügbar sein.


Endlich.
Staatliche Förderung für feministische Pornos. Längst überfällig und mal was anderes als immer nur das langweilige Gedöns von innerer Sicherheit, Wohnungsbau, Wirtschaft, Staatsfinanzen und Bildung.

... Am 14. Juni ist nächste Kultusministerkonferenz.
Eine gute Gelegenheit, dieses Anliegen von großer gesundheits- und gleichstellungspolitischer Relevanz für ganz Deutschland in die breite Bundespolitik zu tragen.

Schwierig vielleicht, weil der aktuelle Vorsitzende Holter zwar nominell Mitglied der Linkspartei ist, aber Ossi, alt, weiß und ein multiprivilegierter Mann.


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XV71 04.06.2018, 20:31 Uhr

    Berliner SPD will feministische Pornos fördern

Endlich ist die Berliner SPD wieder wählbar. ...


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wpev 04.06.2018, 20:27 Uhr
Oh ja und unbedingt viele Pornos auf Steuerzahlerkosten herstellen. Nur nicht bedenken, und nicht davon ablenken lassen, das hier Schaden für Familien und junge Menschen entstehen kann. Dreck, Schund und Irrsinn müssen triumphieren ... danke SPD ...


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schoeneberger 04.06.2018, 22:28 Uhr
Die meisten zugeknöpften Kommentator*innen hier werden es nicht glauben, aber feministische Pornos sind tatsächlich dazu da, wozu auch andere Pornos da sind: Sexueller Lustgewinn. Wenn man sich eben Sexualität nicht anders vorstellen kann als in einer Konstellation, in der nur die eine Seite Spaß oft auf Kosten der anderen hat und wenig im gegenseitigen Einverständnis geschieht, dann kann man sich auch nicht hineinfühlen in den Umstand, dass Sex auf Augenhöhe, egal ob Blümchensex oder BDSM, einfach viel besser und lustvoller ist, als alles andere. Es ist doch schon bemerkenswert, welches Bild von Sexualität man haben muss, wenn vorausgesetzt wird 'gleichrangig? Respektvoll? Kann ja nur lustlos und ungeil sein' - Sie müssen diese Filme nicht schauen, keiner muss es, aber ich es ist meiner Meinung nach voll OK, Steuergelder für die Förderung dieser Pornofilmsparte auszugeben. Denn Pornos gibt es so oder so, Jugendliche schauen sie in immer früheren Alter. Verhindern mit Verboten lässt sich das so gut wie gar nicht im heutigen digitalen Zeitalter, denn sie sind überall verfügbar. Aber dann ist es doch eine Überlegung und auch ein Handeln wert, ob wir mit unserer Knete das Angebot des Pornofilmmarktes so zu verändern versuchen, dass das Angebot ein besseres und respektvolleres Geschlechterbild vermittelt. Nehmen Sie die Situation zwölfjähige Jungs schauen sich auf dem Schulhof Pornos mit richtig frauenherabwürdigen Dialogen an. Mit welchem Bild von Sexualität wachsen diese Jungs auf? Wollen wir das? Nein. Ich glaube mit der Förderung feministischer Pornos wird ein guter Weg eingeschlagen.


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coyote 04.06.2018, 20:24 Uhr

    Berliner SPD will feministische Pornos fördern

Das hätte ich eher von den Grünen erwartet. ...


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Aus: "Berliner SPD will feministische Pornos fördern" Milena Reinecke (04.06.201)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/landesparteitag-der-spd-berliner-spd-will-feministische-pornos-foerdern/22642192.html (https://www.tagesspiegel.de/berlin/landesparteitag-der-spd-berliner-spd-will-feministische-pornos-foerdern/22642192.html)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 05, 2018, 09:38:06 AM
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[...]  ... Der Kampf um erzählerische Hoheit bedeutet nichts anderes als das Ringen um Identität und Würde. ...


Aus: "Über die Schmerzgrenze" Rüdiger Schaper (04.06.2018)
Schwuler Sex, Ehre und Klassenkampf: Thomas Ostermeier bringt Édouard Louis’ „Im Herzen der Gewalt“ auf die Schaubühne.
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/im-herzen-der-gewalt-von-thomas-ostermeier-ueber-die-schmerzgrenze/22641540.html (https://www.tagesspiegel.de/kultur/im-herzen-der-gewalt-von-thomas-ostermeier-ueber-die-schmerzgrenze/22641540.html)

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[...] Der Oberste Gerichtshof der USA hat einem Bäcker Recht gegeben, der einem schwulen Paar aus religiösen Gründen keine Hochzeitstorte backen wollte. Der Supreme Court argumentierte in der am Montag veröffentlichten Entscheidung, dass eine aus Protest von dem Paar angerufene Kommission im US-Bundesstaat Colorado die Rechte des Bäckers in Bezug auf seinen Glauben verletzt habe. Richter Anthony Kennedy machte in seiner Stellungnahme aber deutlich, dass er in der Entscheidung keinen Präzedenzfall sieht.

Der Konditor Jack Phillips aus Colorado hatte sich 2012 geweigert, dem Paar Charlie Craig und Dave Mullins eine Hochzeitstorte zu backen. Er berief sich dabei auf seinen christlichen Glauben. Die beiden legten daraufhin bei der Bürgerrechtskommission von Colorado Beschwerde ein.

Die Gesetze des Bundesstaates verbieten es Firmen, Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu diskriminieren. Die Kommission entschied, dass Phillips genau dies getan habe. Zwei Gerichte kamen zu demselben Schluss. Der Bäcker legte daraufhin Berufung beim Supreme Court ein.

Das Oberste Gericht argumentierte nun wiederum, die Bürgerrechtskommission habe den Glauben des Mannes nicht hinreichend berücksichtigt. Das Gremium habe sich der religiösen Überzeugung des Mannes gegenüber feindselig verhalten, heißt es in der Stellungnahme von Kennedy.

Der Richter nahm dabei Bezug auf Äußerungen von Mitgliedern der Kommission, die Phillips' Glauben seiner Meinung nach verunglimpft hätten. Diese hätten suggeriert, dass religiöse Überzeugungen in Colorados Geschäftswelt nicht uneingeschränkt willkommen seien.

Kennedy erklärte aber auch, dass es in ähnlich gelagerten Fällen zu einer anderen Entscheidung kommen könnte. Es bedürfe einer tiefergehenden Bewertung in den Gerichten, schrieb er. Dabei müsse sowohl berücksichtigt werden, dass religiöse Überzeugungen nicht unangemessen missachtet werden dürften, wie auch die Tatsache, dass homosexuelle Menschen nicht gedemütigt werden dürften, wenn sie bestimmte Dienstleistungen auf dem freien Markt in Anspruch nehmen wollten.

In den USA gibt es noch eine Reihe weiterer Fälle, in denen Geschäfte homosexuellen Paaren Leistungen verweigert hatten - darunter Floristen, Fotografen und Bäcker. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes fiel sieben zu zwei aus. Die beiden liberalen Richterinnen Ruth Bader Ginsburg und Sonia Sotomayor stimmten dagegen.


Aus: "US-Bäcker darf Schwulen Hochzeitstorte verweigern" (04.06.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/oberster-gerichtshof-us-baecker-darf-schwulen-hochzeitstorte-verweigern/22642668.html (https://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/oberster-gerichtshof-us-baecker-darf-schwulen-hochzeitstorte-verweigern/22642668.html)

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" Escort-Service: "Ich mache mir Sorgen um dich" "
Anna: Viele lästerten, wie tief ich gesunken sei. Das kümmerte mich nicht. Die haben keine Ahnung von meinem Job. Nur wegen der Kohle würde ich das nie machen. Ich will eine Nutte sein. Sex ist mir wichtig, und ich schlafe gern mit Fremden, auch älteren Männern. Meine Kunden suche ich mir selbst aus. Wenn ich etwas nicht will, sage ich Nein. Und ich treffe die Männer nur in teuren Hotels, wo sie mir wie auf dem Silbertablett serviert werden.
Lena: Anna rechtfertigt ihren Job damit, dass ältere Männer ihr Fetisch sind. Das kann ich nur schwer nachvollziehen. Bei jeder Arbeit gibt es Dinge, die man nicht so gern tut, die aber von einem erwartet werden. Ich mache mir Sorgen, dass sie sich in Situationen begibt, in denen sie sich nicht mehr wohlfühlt, ihre Arbeit aber trotzdem machen muss.
https://www.zeit.de/campus/2018/04/escort-service-sexarbeit-studium-geld-sorgen

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Balthasar y Gracian #2

Als Ehefrau sich aushalten lassen...wäre das theoretisch und praktisch nicht auch Prostitution?!


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n4se #2.4

Frauen suchen schon seit jeher jemanden der die Kinder ernähren kann. Das ist Evulutionär verankert. Aber deswegen prostituieren die sich doch nicht gleich alle.


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Ömbelbi #2.5

Ich als Frau, die Sex ne ziemlich gute Sache findet ( und das ist ne Untertreibung) finde den gedanken abstoßend mit jemandem Sex zu haben, den ich nicht will, denn beim Sex habe ich den Partner nämlich in mir, der ist auf mir, ich rieche ihn intensiv usw.. Ich brauche keine Liebe, ich muss den auch nicht ewig kennen, aber ich muss ihn wollen. Dass Frau sich bei ner teuren Agentur die Kunden aussuchen kann, glaube ich keine Sekunde. Da kommt ein sehr solventer Kunde daher, bestellt ein Mädchen, die es für das Geld macht, um dann zu riskieren, ein "nein danke, bist nicht mein Typ" zu bekommen?! Das macht sie keine zweimal, dann ist sie raus aus der Kartei. Aber dass sie ihre Kunden glauben macht, "du gefällst mir sonst hätte ich ja nein gesagt" ist wohl im Preis inklusive.


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erstkundigmachen #2.16

Seit Frauen nicht mehr auf die Zustimmung ihrer Ehemänner für eine Arbeitsaufnahme benötigen sind sie überwiegend berufstätig, davor wurden sie durch unsägliche Gesetze bevormundet.


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Kybernetik #4

Ich finde an der Geschichte schön, dass obwohl die Freundinnen so unterschiedlich sind und Lena die Beweggründe von Anna nicht nachvollziehen kann, sie trotzdem in der Freundschaft geblieben sind und sich damit arrangieren können.

Es könnte sein, dass es manch andere Freundschaften nicht ausgehalten hätten.


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n4se #6

" Meine Kunden suche ich mir selbst aus. Wenn ich etwas nicht will, sage ich Nein. Und ich treffe die Männer nur in teuren Hotels, wo sie mir wie auf dem Silbertablett serviert werden. "

Ich glaube eher Sie wird da den Männern auf dem Silbertablett serviert. An Lena's stelle würde ich ja schnell die Kurve kratzen... befreundet mit einer Nutte. Wie tief kann man sinken?


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Aristippos von Kyrene #6.2

"befreundet mit einer Nutte. Wie tief kann man sinken?"

Sie widern mich an.


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Heimdahl #8

Einfach mal sich vorstellen, es wäre die eigene 19jährige Tochter. Die harten Close-Ups vor dem inneren Auge nicht vergessen.
Job wie jeder andere, macht nichts mit der Seele, besser als auf dem Bau - is klar.


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kingrollo #8.2

Wenn die Tochter heiratet, hat sie auch Geschlechtverkehr. Stellen Sie auch das dann auch intensiv vor?


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Aristippos von Kyrene #8.3

Die Sexualität der eigenen Kinder oder Eltern ist immer ein peinliches Thema. Außerdem wäre es für viele Eltern eine Familienschande, wenn ihre Tochter sich prostituiert. So wie es für viele Eltern immer noch ein Alptraum wäre, einen schwulen Sohn zu haben.

Die Gefühle von Eltern sind daher kein Argument dafür, dass niemand mit dieser Arbeit gut klarkommen kann.


Quote
Anna2081995 #8.5

Für mich ist die Sexualität der Eltern und Tochter kein peinliches Thema.


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  Kybernetik #14

Ich dachte, dass Feminismus für die Rechte der Frau einsteht, aber das scheint nicht überall angekommen zu sein.
Warum darf eine erwachsene, emanzipierte, freie Frau nicht selbst entscheiden, mit wem Sie Sex haben möchte und ob Sie es ohne oder mit Geld tut?
Es scheint so, dass immer noch einige der Gattung Mensch einer Frau nicht zutrauen, dass sie dies ganz alleine entscheiden kann. Sie glauben immer noch, dass man Frauen bevormunden muss.
Einem Mann würde das nicht passieren, der dürfte mit wem auch immer Sex haben und frei entscheiden, ob er dafür Geld haben möchte oder nicht. Eine Frau wird von einigen immer noch als das Objekt Opfer gesehen. Das eine Frau sich aus diesem Status heraus befreit hat und sich nicht als Opfer sieht, sondern als freie selbstwählende Frau, können sich immer noch einige nicht vorstellen.

Frau muss immer noch "beschützt" werden, so scheint es.


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 14, 2018, 09:22:04 AM
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[...] Lautstark zogen die fünf Angeklagten durch das Kriminalgericht Moabit. Sie erwarteten das Urteil nach wochenlangem Prozess. Sie nahmen es locker. Keiner von ihnen saß bislang im Zusammenhang mit dem Prozess in Haft. Obwohl es um sexuelle Nötigung einer 14-Jährigen und um Vergewaltigung einer 16-Jährigen ging. Zumindest für zwei der Männer aber soll es nun aus Sicht des Landgerichts ins Gefängnis gehen: Zwei Jahre Jugendstrafe ohne Bewährung ergingen am Mittwoch gegen einen 17-Jährigen, drei Jahre und drei Monate Haft erhielt ein 26-Jähriger. Drei weitere Männer wurden freigesprochen.

Die Mädchen wurden laut Anklage in eine "Liebesfalle" gelockt. Hassan T. (Name geändert) sei 15 Jahre alt gewesen, als er im Sommer 2015 über Facebook eine 14-Jährige kennenlernte. Der Junge mit arabischen Wurzeln sei ihr Typ gewesen, sagte die Schülerin später im Prozess. Einvernehmlich kam es beim ersten Treffen zu Sex.

Doch nur Tage später habe Hassan T. "das Mädchen genötigt, sexuelle Handlungen auszuüben", hieß es am Mittwoch im Urteil. Sein Druckmittel seien intime Bilder gewesen, die er beim freiwilligen Sex aufgenommen hatte. Er habe sie zu weiteren Treffen genötigt und gedroht: "Wenn du es nicht tust, musst du damit rechnen, dass die Sachen gepostet werden." Mit drei Kumpels sei T. zu weiteren Begegnungen aufgekreuzt. Es sei zu Sex auch mit den anderen gekommen. Ob diese Kenntnis von dem Druckmittel hatten, sei offen geblieben, begründete das Gericht die Freisprüche. Vieles sei im Vagen geblieben.

Bei Hassan T. sei "Geringschätzung gegenüber Frauen tief verankert", sagte der Vorsitzende Richter. Er scheine sie als "Objekt" zu betrachten. In einem zweiten Fall wurde er der Beihilfe zur Vergewaltigung, Freiheitsberaubung und Herstellung jungendpornografischer Schriften schuldig gesprochen. Ein Jahr nach dem Geschehen mit der 14-Jährigen hatte er eine 16-Jährige übers Internet in seinen Bann gelockt.

"Es geschah nach gleichem Strickmuster", so das Gericht. Als die Schülerin in einer Wohnung T. treffen wollte, war dort mit dem Angeklagten Wael I. ein weiterer Mann. Sie hätten die 16-Jährige bei einem Spiel betrunken gemacht. Während der 26-jährige I. das Mädchen vergewaltigte, habe T. den Übergriff mit dem Handy gefilmt. 22 Videos sollen es gewesen sein.

"Sie machte von Anfang an klar, dass sie keine sexuellen Handlungen möchte", so das Gericht. Das sei auf den Aufnahmen deutlich zu erkennen. Sie habe sich trotz ihrer Alkoholisierung gewehrt und T. gefragt, warum er ihr das antue. "Sie wurde ausgelacht." Im Prozess sagte I., aus seiner Sicht sei der Sex einvernehmlich gewesen.

Der Staatsanwalt hatte über die jungen Angeklagten gesagt, ihr Benehmen im Prozess lasse erahnen, "wie sie sich verhalten, wenn sie sich in einer Machtposition befinden". Verachtung und Egoismus seien zu erkennen. Er hatte für T. dreieinhalb Jahre Haft gefordert und fünf Jahre gegen I. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quote
zeynep2 13.06.2018, 19:31 Uhr
Das Gericht hat sehr vernünftig reagiert.
Die Mädchen verdienen unsere ganze Hochachtung, dass sie die Kraft hatten, anzuzeigen und vor Gericht auszusagen.
Wenn man die Vorfälle der "Grooming Sex Gangs" aus England kennt, die die Methode Liebesfalle - Erpessung - Drogen ebenfalls benutzen, um Mädchen in die Prostitution zwingen zu können, dann gruselt es einen. ...


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Aus: "Strafprozess in Berlin Landgericht verhängt Haft für zwei Vergewaltiger" Kerstin Gehrke (13.06.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/strafprozess-in-berlin-landgericht-verhaengt-haft-fuer-zwei-vergewaltiger/22682390.html (https://www.tagesspiegel.de/berlin/strafprozess-in-berlin-landgericht-verhaengt-haft-fuer-zwei-vergewaltiger/22682390.html)

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"Tat im Weserbergland Mann will sich und Ex-Frau verbrennen – Schwere Verletzungen" (20.06.2018)
Rinteln (dpa). Ein Mann im Weserbergland hat am Mittwochmorgen versucht, sich und seine frühere Ehefrau zu verbrennen.
Dabei erlitt der Mann schwerste Brandverletzungen und musste mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden, wie ein Polizeisprecher in Stadthagen sagte.
Der Mann war gewaltsam in die Wohnung seiner Ex-Frau in der Ortschaft Schaumburg in Rinteln, nahe Porta Westfalica, eingedrungen, hatte sich und die Frau auf dem Balkon mit einer brennbaren Flüssigkeit überschüttet und dann angezündet.
Während er selbst schwerste Verletzungen erlitten habe, sei es dem Mann nicht gelungen, die Frau in Brand zu setzen, sagte der Sprecher. Die Ermittler gehen von einer Beziehungstat aus. Weitere Einzelheiten wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen nicht nennen.
http://www.westfalen-blatt.de/OWL/Kreis-Minden-Luebbecke/Porta-Westfalica/3353675-Tat-im-Weserbergland-Mann-will-sich-und-Ex-Frau-verbrennen-Schwere-Verletzungen
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on June 25, 2018, 05:14:34 PM
"Käthe Schirmacher: Ein Leben ohne Kompromisse" Doris Griesser (21. Juni 2018)
Käthe Schirmacher war radikale Feministin und völkische Politikerin mit dem dazugehörigen Rassismus und Antisemitismus - Sie war eine Frau, die man entweder bewunderte oder zutiefst verabscheute. Der gemäßigte Raum dazwischen war nicht die Welt der Käthe Schirmacher, und damit zwang sie auch ihre Zeitgenossen zu eindeutigen Positionierungen. Als radikale Frauenrechtlerin und später dann völkische Politikerin war die 1865 in Danzig geborene Journalistin, Schriftstellerin und Vortragsreisende so etwas wie ein früher "Medienstar". ...
https://derstandard.at/2000081858681-1192182008549/Kaethe-Schirmacher-Ein-Leben-ohne-Kompromisse

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Lose_Gedanken

„Sie sprach, wie 1940 der “Stürmer”, von einem “vernegerten Frankreich” und half somit den Boden bereiten für die von Hitler und Goebbels gestartete Hasskampagne gegen Frankreichs Kolonialtruppen, die im Mai und Juni 1940 Massaker an schwarzen Gefangenen inspirierte und “legitimierte”.[7] Sie sah den Wiederaufstieg Deutschlands an die Reinhaltung und ‚Aufnordung‘ der Rasse gebunden. “

https://schirmacherproject.univie.ac.at/die-vielen-biographien-der-kaethe-schirmacher/statements/raffael-scheck/


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ReadMyLips

Warum sollten Frauenrecht und Nationalismus ein Widerspruch sein?


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chillmal

Vielleicht können sie sich diese frage selber beantworten - frauenrechte und menschenrechte sind unteilbar und unabhängig von geburtsort, abstammung und staatsangehörigkeit, oder? sind deutsche frauen mehr wert als somalische und wie messen sie den unterschied?


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Schreck

Weil Völkisches Denken auf Reproduktion eben dieses Volkes basiert. Damit ist notwendigerweise die Rolle von Frauen genau vorgegeben - sie sind dazu da völkisch wünschenswerten Nachwuchs in die Welt zu setzen. Alles was sie davon ablenkt/abbringt muss verhindert werden, also jede Form der Betätigung, Selbstverwirklichung etc.
Es ist ein interessantes Paradoxon, dass genau diese völkische Bewegung immer wieder Frauen hervor bringt, die dem nicht entsprechen. Sie sind aber keinesfalls die Regel, sondern dürfen nur existieren, weil für die große Mehrheit ausnahmslos der Reproduktionsgedanke gilt.

Bei völkischer Ideologie geht es genau darum, deswegen immer diese Angst vor dem "Volkstod" oder die Angst vor der "Überfremdung" (die ja immer auch ein Vorwurf an die einheimischen Frauen ist, dass sie nicht genug Kinder bekommen). Deswegen gibt die AfD auch vor, dass es 3 Kinder pro deutscher Frau braucht usw usf.



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[...] Laut Statistischem Bundesamt gibt es in Deutschland 2,6 Millionen Alleinerziehende. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung geht davon aus, dass jede zweite alleinerziehende Mutter keinen Unterhalt für die Kinder bekommt. Alleinerziehende tragen ein großes Armutsrisiko. Insgesamt sei jede fünfte Familie betroffen, meist sind es Frauen. ...


Aus: "Zusätzlich 300.000 Kinder erhalten Unterhaltsvorschuss" (17. Juli 2018)
Quelle:  https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2018-07/unterhaltsvorschuss-kinder-staatliche-leistungen-anspruch-bericht (https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2018-07/unterhaltsvorschuss-kinder-staatliche-leistungen-anspruch-bericht)
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on July 21, 2018, 03:08:15 PM
"Fall Sigi Maurer: Endlich wehrt sich mal eine" Eine Kolumne von Margarete Stokowski  (17.07.2018)
Eine Ex-Abgeordnete in Österreich erhält sexistische Facebook-Nachrichten. Die veröffentlicht sie samt Absender. Nun muss sie sich dafür vor Gericht verantworten. Dabei hat sie alles richtig gemacht. ... Ich kenne keine einzige Frau, die in der Öffentlichkeit steht und noch keine beleidigenden oder bedrohenden Nachrichten bekommen hat, inklusive Fantasien darüber, was sexuell mit ihr anzustellen wäre, wenn der Verfasser sie eines Tages treffen würde. Es ist eine Pest, dass diese Nachrichten für viele Frauen zum Alltag gehören. Man kann sie ignorieren, man kann sie beantworten, man kann versuchen, sie zur Anzeige zu bringen, man kann Kunst daraus machen oder öffentlich darüber sprechen, aber loswerden kann man sie kaum. Und manchmal geht der Ärger erst dann richtig los, wenn man sich wehrt. ...
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fall-sigi-maurer-in-oesterreich-endlich-wehrt-sich-mal-eine-a-1218827.html

"Ex-Politikerin in Österreich Per Facebook belästigt, dann verklagt" Hasnain Kazim, Wien (16.07.2018)
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/oesterreich-empfaengerin-sexistischer-hassnachrichten-wird-verklagt-a-1218362.html

https://twitter.com/sigi_maurer/status/1001728003402031109 (https://twitter.com/sigi_maurer/status/1001728003402031109)


"Sigi Maurer: Belästigt und bestraft" Hasan Gökkaya (9. Oktober 2018)
Die Österreicherin Sigi Maurer erhielt obszöne Nachrichten und machte diese in sozialen Netzwerken publik. Nun ist sie wegen übler Nachrede verurteilt worden. ... Die ehemalige österreichische Grünen-Politikerin Sigi Maurer ist wegen übler Nachrede verurteilt worden. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend. Maurer fühlte sich nach obszönen Nachrichten sexuell belästigt. Sie habe sich nicht anders zu wehren gewusst, als das in sozialen Netzwerken publik zu machen. Doch der Mann, den Maurer beschuldigt, streitet alles ab und verklagte die Frau. Ein Richter in Wien hat ihm nun Recht gegeben und die 33-Jährige schuldig gesprochen. Laut der österreichischen Zeitung Der Standard sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung, er sei zwar überzeugt, dass der Kläger lüge. Dennoch sei es Maurer nicht gelungen, zu beweisen, dass sämtliche Postings von ihm stammten. Sie hätte vor der Veröffentlichung eine Stellungnahme einholen müssen. "Was Ihnen angetan wurde, und dass das nicht strafbar ist, steht auf einem anderem Blatt", zitiert der Kurier den Richter.
Maurer muss demnach nun eine Geldstrafe von 3.000 Euro bezahlen, dem Bierladenbesitzer 4.000 Euro Entschädigung leisten und die Kosten des Verfahrens ersetzen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Die Ex-Politikerin sieht sich als Opfer. Sie hatte eine Nachricht auf Facebook erhalten, gesendet vom offiziellen Konto eines Craftbeer-Lokals. "Du bist heute bei mir beim Geschäft vorbeigegangen und hast auf meinen Schwanz geguckt, als wolltest du ihn essen", soll darin stehen. Danach sei es noch obszöner geworden, berichtet unter anderem der Kurier. Der Ladenbesitzer, den Maurer für den Absender hält, sagt, er habe die Nachricht weder geschrieben noch abgeschickt. Möglicherweise habe ein unbekannter Mann sie geschrieben, der alleine im Laden gewesen sei.
Weiter heißt es in der Zeitung, dass der Ladenbesitzer angegeben habe, als Reaktion auf das Posting von Maurer beschimpft und bedroht worden zu sein.
Maurer will gegen das Urteil in Berufung gehen. Auf Twitter kündigte sie an, zur Not auch vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu ziehen. Maurer habe keine andere Möglichkeit gehabt, sich zu wehren. "Ich werde nicht klein beigeben, wir werden in Berufung gehen und das Geld dafür aufstellen. Es ist völlig eindeutig, dass er es gewesen sein muss", zitiert sie der Kurier.
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-10/gerichtsurteil-sigrid-maurer-craftbeer-belaestigung-rufschaedigung

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Miasto #10

Interessanter Fall. In dubio pro reo gilt natürlich auch dann, wenn es es einem emotional unplausibel erscheint. Menschen ohne handfeste Beweise öffentlich vorzuführen, birgt auch ein Risiko, dass man sich selbst schuldig macht. Am Ende lässt sich das nicht juristisch lösen. Wir sind darauf angewiesen, dass wir anständig miteinander umgehen. Auch wenn es banal klingt.


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michaelrenner #13

So sind sie, die Sexisten und Chauvinisten [1]: Verweisen auf ihren Schwarz, werden faktisch mit der Hand in der Kasse erwischt, haben aber nicht die Eier in der Hose dazu zu stehen.

Frau Maurer wünsche ich viel Erfolg bei der Revision und einen Richter der ihr glaubt *und* den Händler verurteilt!

[1] https://www.zeit.de/2018/41/antifeminismus-usa-pick-up-artists-proud-boys-incel-maskulinisten (https://www.zeit.de/2018/41/antifeminismus-usa-pick-up-artists-proud-boys-incel-maskulinisten)


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Cromagnon #15

>Sie habe sich nicht anders zu wehren gewusst, als das in sozialen Netzwerken publik zu machen. Doch der Mann, den Maurer beschuldigt, streitet alles ab und verklagte die Frau.<

Wie wäre es denn rechtlich, wenn Frau Maurer geschrieben hätte: ... von einer Person, die DIESES Konto benutzt hat ... ?


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matokla_auf_ZON #15.1

"Wie wäre es denn rechtlich, wenn Frau Maurer geschrieben hätte: ... von einer Person, die DIESES Konto benutzt hat ... ?"

Wäre nach meinem Rechtsverständnis keine üble Nachrede gewesen, da durch Frau Maurer leicht beweisbar.


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Hansifritz #16

Verstehe ich nicht, war doch sein Account. Da ist er Verantwortlich, eigentlich müsste er beweisen, daß er es nicht war.


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Bratan187 #31

Social-Media Account erstellen und jeden beleidigen. Wenn man angezeigt wird einfachen sagen: "Der Hund wars". Und schon ist man aus dem schneider. Geil!


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"Incel-Bewegung: Diese Netzcommunity findet, dass Frauen eine Bedrohung sind" Konstantin Nowotny (20. Juli 2018)
Die Incel-Bewegung treibt ein mörderischer Hass auf Frauen an. Wieso führt Sexlosigkeit bei manchen Männern zum Hass? Und wo steht die Szene in Deutschland? ... Worum geht es? „The Red Pill“ ist ein Kanal der Forengemeinschaft Reddit, die sich lose der sogenannten Männerrechtsbewegung zuordnen lässt. Das böse System, die angebliche Scheinwelt, ist für die Männer dort unter anderem der Feminismus. Ihrer Meinung nach sei dieser nur dazu da, Männern ihr Recht auf Sex mit Frauen zu verwehren. Die schmerzvolle Einsicht, die rote Kapsel, lautet: Die meisten Frauen sind oberflächlich, stehen auf Alphamännchen, und wer das nicht ist, wird für immer sexlos bleiben. Feministische Erzählungen sind die Märchen, die Männer vor dieser Einsicht bewahren sollen. In Wahrheit haben die meisten Frauen die Kontrolle – immer.
Die sexuell Aktiven, das sind die Feindbilder der Incels. Immer wieder schildern sie auch über „The Red Pill“ hinaus, in Foren wie incels.me, ihren Frust über die eigene, wahrgenommene Unattraktivität und das vermeintlich ausweglose, sexlose Dasein. Einige berichten von Selbstmordgedanken, da sie ihrer als unzureichend wahrgenommenen Attraktivität nicht entfliehen können. Dann sprechen sie von der „black pill“.
Wenn die Aussichtslosigkeit so tief sitzt wie bei der „black pill“, können Incels zu Mördern werden. Im Jahr 2014 tötete der Student Elliot Rodger im kalifornischen Santa Barbara sechs Menschen und anschließend sich selbst. Zuvor hinterließ er ein Video-Statement und ein Manifest, in dem er seine Mordakte als Racheakt für jahrelange sexuelle Zurückweisung von Frauen beschreibt. Innerhalb der Incel-Szene wird er zuweilen als Held gefeiert. Erst dieses Jahr starben durch einen weiteren, ähnlichen Anschlag zehn Menschen im kanadischen Toronto. Der Mörder hinterließ zuvor auf seiner Facebookseite ein Statement, in welchem er den Beginn der Incel-Rebellion einläutete und sich positiv über Elliot Rodger äußerte.
Die Szenen eint, dass sie Frauen als Objekte sehen, die Sex zur Verfügung stellen, als wäre es eine natürliche Ressource. Während Incels sich damit abfinden, dass sie die ihrer Meinung nach lebensnotwendige Zuneigung unrechtmäßig nie bekommen werden, sind sich Pick-Up-Artists einig, dass es dafür nur die richtige Methode braucht. Auch sie gehen davon aus, dass Bewegungen wie der Feminismus eine Bedrohung sind, die das Recht auf Sex für Männer einschränken wollen.
Frauenhass gab und gibt es schon immer. Schon der Amokläufer Anders Breivik schrieb in seinem Manifest über die Bedrohung des Feminismus. Die Nähe zu rechtsextremen, fanatischen Bewegungen ist oft nicht zufällig. Was diese Männer ängstigt, ist der Verlust ihrer Macht. Gleichberechtigte Frauen, die über ihren Körper selbst bestimmen, sind für sie eine Katastrophe. Um diesen Machtverlust auszugleichen, greifen sie im Zweifelsfall zur Waffe. Dann sind sie wieder die starken Alphamännchen, die über Frauenkörper richten können. ...
https://ze.tt/diese-netzcommunity-findet-dass-frauen-eine-bedrohung-sind-incel-bewegung/

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[...] Die Folgen dieser toxischen Männlichkeit können verheerend sein: Statt sich Hilfe zu suchen, tendieren Männer deutlich häufiger als Frauen dazu, auf Frust oder Ausweglosigkeit mit Gewalt und Selbstschädigung zu reagieren. Über 70 Prozent der Alkoholabhängigen in Österreich sind männlich. Männer begehen fast viermal häufiger Suizid als Frauen. Sie richten die Gewalt aber nicht nur gegen sich selbst, wie die Kriminalitätsstatistik zeigt: Strafbare Handlungen gegen Leib und Leben begehen Männer zehnmal häufiger als Frauen, jene gegen sexuelle Integrität und Selbstbestimmung fast 60-mal häufiger als Frauen.Auch Terrorismus und Amokläufe sind stark männlich dominiert. Einer Statistik von "Mother Jones" zufolge, in der alle Schusswaffenattentate in den USA mit mehr als vier Toten seit 1982 analysiert wurden, bilden die größte Tätergruppe: weiße Männer. Insgesamt wurden nur drei der insgesamt 101 Vorfälle von Frauen (mit-)verübt.
Dabei geht es oft um Frustration, Unzufriedenheit, sogenanntes "male entitlement": Die Täter sehen sich im Recht, etwas zu erhalten, was ihnen aber ihrer Ansicht nach verwehrt wird. Dabei kann es sich um Erfolg im Job handeln – der "Amokfahrer von Münster" etwa hatte offenbar seinen beruflichen Niedergang nicht verkraftet. Oder auch die vermeintlich "verwehrte" Aufmerksamkeit von Frauen, die etwa der Amokfahrer von Toronto im April oder der Schütze von Isla Vista 2014 beklagten.
Die Opfer der männlich dominierten Gewalt sind überdurchschnittlich oft Frauen: Laut der Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt in der Familie waren 2017 österreichweit 83 Prozent der gemeldeten Opfer häuslicher Gewalt weiblich – während die Gewalt in 88 Prozent der Fälle von Männern ausging. Seit 2012 wurden insgesamt 122 Frauen von Männern und sieben Männer von Frauen innerhalb eines Nahe- oder Beziehungsverhältnisses getötet. Dieses Jahr waren es bereits 16 Frauenmorde. Im Mai ermordeten zwei Männer ihre Ex-Partnerinnen in Wien. Erst am Montag hat ein Mann in der Obersteiermark seine Ex-Freundin mit Benzin übergossen und versucht, sie anzuzünden.
Was bedingt diese Geschlechterdifferenz? Christian Scambor vom Verein für Männer- und Geschlechterthemen Steiermark sieht einen Zusammenhang mit gesellschaftlichen Normen und Rollenbildern – und damit, wie Jugendliche sozialisiert werden, "welche Werte und Verhaltensweise verstärkt oder abgewertet werden". Bereits im Kindes- und Jugendalter finde man(n) "keine geschlechtsneutrale Welt" vor, sie sei "mit vielen toxischen Bildern ausgestattet", erklärt der Psychologe, der unter anderem in der Gewaltarbeit tätig ist. Vorstellungen wie jene des "gewalttätigen, zornigen Mannes, der rot sieht" seien nicht angeboren, sondern würden "von unserer Kultur" vorgeschlagen und weitergegeben werden.
Auch Männerforscher Christoph May kritisiert die vorherrschenden Idole – neben jenen in Film und Literatur auch emotional distanzierte Elternteile. "Wir erleben Väter, die kaum Interesse für die Erziehungsarbeit aufbringen", und Söhne, die nach wie vor dazu erzogen würden, ihre Gefühle zu unterdrücken. "Von positiven, emotional integren Männerfiguren sind wir weit entfernt", beklagt May. Auch für Gerichtsgutachterin Roßmanith braucht es "gesunde Identifikationsfiguren", die sich nicht hinter "männlichen" Fassaden verstecken. Aus ihrer Arbeit erzählt sie: "Die größten Schläger auf der Straße sind, wenn man sie untersucht, hilflose Däumlinge. Dahinter steckten 'Kindsmänner', die wie in der Sandkiste agieren, wenn Kinder anderen eine Schaufel auf die Birne hauen. Ich verniedliche, aber im Grunde geht es bei Gewalttaten um solche Konflikte."


Aus: "Geschlechterrollen - Toxische Männlichkeit: Das gefährliche Schweigen der Männer" Noura Maan, Sandra Nigischer (22. Juli 2018)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000083736242/toxische-maennlichkeit-das-gefaehrliche-schweigen-der-maenner (https://www.derstandard.de/story/2000083736242/toxische-maennlichkeit-das-gefaehrliche-schweigen-der-maenner)
Title: Re: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on July 24, 2018, 05:14:35 PM
"Oxana Schatschko Femen-Gründerin ist tot" (24.07.2018)
Sie war eine der Gründerinnen der Frauenrechtsgruppe Femen: Oxana Schatschko ist im Alter von 31 Jahren tot aufgefunden worden. Femen-Mitbegründerin Oxana Schatschko ist tot. Sie wurde in ihrer Wohnung in Paris tot aufgefunden. Das teilte die Frauenrechtsgruppe auf ihrem offiziellen Blog mit.
"Wir trauern zusammen mit ihren Verwandten und Freunden", heißt es in dem Statement, dass mit "RIP Oxana Schatschko" überschrieben ist.
Femen wurde 2008 in der Ukraine gegründet, Schatschko gehörte zu den bekanntesten Aktivistinnen. Die Frauenrechtsorganisation erregte immer wieder mit Oben-ohne-Aktionen unter anderem gegen Sextourismus, Homophobie und religiöse Einrichtungen Aufsehen.
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/oksana-shachko-femen-gruenderin-ist-tot-a-1219992.html

"Femen-Mitgründerin Oxana Schatschko tot in Paris aufgefunden" (24.07.18)
Verschiedene Medien berichten, dass sich die Russin das Leben genommen habe. Es soll bereits ihr dritter Suizid-Versuch gewesen sein. ...
https://www.berliner-zeitung.de/politik/femen-mitgruenderin-oxana-schatschko-tot-in-paris-aufgefunden-31007760

https://femen.org/rip-oksana-shachko/

Oksana Schatschko (ukrainisch Оксана Шачко, geboren am 31. Januar 1987 in Chmelnyzkyj, Ukrainische SSR; gestorben am 23. Juli 2018 in Paris, Frankreich)
https://de.wikipedia.org/wiki/Oksana_Schatschko

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"Schreiben über Sex und Macht: Über die Schuld, eine Frau zu sein" Katharina Schipkowski (24.07.2018)
Seit Ende vergangenen Jahres gibt es einen Begriff für Menschen, die zwar nicht vergewaltigen, mit denen man aber trotzdem nicht komplett freiwillig schläft: "Cat Person". Die gleichnamige Kurzgeschichte von Kristen Roupenian, die im Dezember im "New Yorker" erschien, ging viral: Zwei Menschen treffen sich zufällig, verabreden ein Date, chatten viel, bauen Erwartungen auf. Das Date geht schief. Sie haben trotzdem Sex, aber der ist alles andere als gut, vor allem für die Frau. Sie steht den lieb- und lustlosen Porno-Style-Sex dennoch durch, weil ihr ein Ausweg zu diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich scheint.
Der Text ist eine der meistgeklickten fiktiven Geschichten des vergangenen Jahres. Die Autorin hat offenbar ein dringendes Bedürfnis getroffen - über missglückten Sex und enttäuschte Erwartungen zu reden und vor allem über Machtverhältnisse zwischen Männern und Frauen, die sich in solchen Situationen kristallisieren. ...
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/sagte-sie-kritik-zu-dem-buch-ueber-sex-macht-und-die-metoo-debatte-a-1216583.html

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on July 25, 2018, 11:34:23 AM
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[....] Mansur Seddiqzai unterrichtet an einem Gymnasium in Dortmund. Für ZEIT ONLINE schreibt er vor allem über seine Erfahrungen als Lehrer für Islamischen Religionsunterricht. Diesmal berichtet er zur Abwechslung von einer eigenen Erfahrung: der Geburt seiner Tochter.

... Meine Tochter wurde kurz nach Silvester geboren, damit wurde sie das lokale Neujahrskind. Die Lokalzeitung zeigte ein Bild von ihr und meiner erschöpften Frau, darunter ein paar Worte zu der Kleinen. Der Artikel erschien auch online. Keine 24 Stunden später wünschte sich eine Person hinter dem Pseudonym Gnadenlose Ausrottung "Rattengift für ihre Parasitenbrut". Ein anderer namens Kammerjäger ergänzte: "Die Nachgeburt haben wir gesehen – aber wo ist jetzt das Baby?". Ein Dritter mutmaßte, ob das Kopftuch der Kleinen wohl im Uterus hängen geblieben sei. Das Kopftuch meiner Frau und unsere Namen hatten sie wohl getriggert. Wir erstatteten Anzeige bei der Polizei, die den Staatsschutz aktivierte und gegen die Babyhasser ermittelte. Die Server, auf denen die Foren operierten, waren aber im Ausland und deutsches Recht endet offenbar an nationalen Grenzen. Der Staat wollte, konnte uns aber nicht schützen. In welche Welt wurde meine Tochter da geboren?

Im Krankenhaus verbrachte meine Frau zwanzig Stunden in den Wehen, und ich spielte sämtliche Schreckensszenarien eines werdenden Vaters durch. Meine Freude über das neue Leben lag nah an der Angst vor dem Tod von Frau und Kind. Als ich die Kleine endlich in den Armen hielt, war alles vergessen. Ich hatte Tränen in den Augen. Die Ärztin registrierte meinen Gefühlsausbruch, legte ihre Hand auf meine Schulter und sagte: "Das nächste Mal wird es bestimmt ein Junge." Wie bitte?, antwortete ich. Sie entschuldigte sich und schob nach, dass sie leider viele Väter erlebe, die bei der Geburt ihrer Mädchen enttäuscht wären und deswegen weinten. Selbst im schönsten Moment meines Lebens musste mir jemand in Erinnerung rufen, dass ich in den Augen vieler immer noch der primitive Orientale bin, der Mädchen hasst. 

Leider war ihr Vorurteil nicht völlig abwegig. Denn Kränkungen und Sticheleien kamen auch von anderer Seite. Mein Vater zeigte sich zur Geburt unserer Tochter außergewöhnlich großzügig. Er schenkte uns 500 Euro, beließ es jedoch nicht bei der schönen Geste. "Wenn es ein Junge gewesen wäre, hätte ich dir doppelt so viel gegeben!", sagte er. Andere Familienmitglieder fragten scherzhaft, ob ich mir nicht einen Sohn gewünscht hätte. Vor allem den Tanten, die sich mit ihren Söhnen schmücken, schien diese Frage wichtig. Jedes Mal betonte ich dann, dass ich glücklich über eine Tochter sei. Sie nickten, fragten beim nächsten Zusammentreffen aber wieder nach. Gerade in privaten Momenten erlebe ich diese uralte Frauenfeindlichkeit.

Söhne sind in vielen muslimischen Familien ein begehrtes soziales Kapital, Mädchen hingegen nicht. Die Beschneidung ist ein Familienfest, bei dem der Penis völlig frei von Scham im Zentrum steht. Beginnt ein Mädchen zu menstruieren, geschieht das Gegenteil. Ihre körperliche Veränderung wird zum Geheimnis zwischen Mutter und Tochter, ohne Fest und Geschenke. Der Körper des Mädchens tritt in den Hintergrund, er wird als schützenswert erklärt und somit unsichtbar. Der männliche Körper hingegen wird zelebriert. Auch in diese Ungerechtigkeit wurde meine Tochter geboren. Meine Frau und ich werden daran nichts ändern können, so sehr wir uns einen Mentalitätswandel wünschen. Wir bringen unserer Tochter aber bei, dass sie kein mangelhaftes Wesen ist, und dass sie sich vor nichts und niemandem verstecken muss.

Die Angriffe im Internet hörten nicht auf. Die Zeitung löschte zwar alle Beleidigungen und Todeswünsche, rechtsextreme Foren hatten das Foto aber längst aufgegriffen. Sie hetzten gegen die Geburt einer weiteren "Fremden" und sprachen vom "Geburtendschihad". Der Gedankengang vieler Verschwörungstheoretiker: Der wilde Moslem kann zwar angeblich nichts, aber er soll erstaunlich gut Kinder zeugen. Der gute Deutsche hingegen sei so zivilisiert, dass er nicht mal mehr das Primitivste hinkriegt, nämlich sich zu vermehren. Am Ende soll aber die deutsche Frau für den Niedergang der Nation verantwortlich sein, weil sie lieber studiert, arbeitet und frei ist, als das Volk durch eine große, blond-blauäugige Kinderschar am Leben zu erhalten. Die Flüchtlinge wurden dann in den Augen der Verschwörungstheretiker von Angela Merkel persönlich als Katalysator für diese Entwicklung ins Land gelassen. Irgendwann soll dann der Tag X kommen und die Bundesrepublik mutiert zum Bundeskalifat.

Interessanterweise sind rechte Verschwörungstheoretiker, latente Rassisten, Islamisten, aber auch viele konservative Muslime sich in einem Punkt sehr nahe: ihrer Geringschätzung gegenüber Frauen. Wie man es dreht: Immer soll die Frau schuld sein an Missständen in der Gesellschaft, egal ob Angela Merkel, die deutsche Mutterschaftsverweigerin oder die gebärfreudige Muslimin. Die Internetkommentare gegen meine Frau waren auch wesentlich feindseliger als diejenigen gegen mich. Je präsenter Frauen sind, desto größer der Abwehrreflex – von allen Seiten.

Am Ende half uns nicht die Polizei, sondern die Rechtsabteilung einer Zeitung. Sie erwirkte bei Google, dass alle Links mit dem Namen unserer Tochter zu rechten Seiten gelöscht wurden. Wir lernten einen weiteren Trick: Schneller als eine Anzeige wegen Aufrufs zur Gewalt geht es, wenn die Zeitung die Urheberrechte an unseren Bildern geltend macht. Das klappte tatsächlich, auch wenn nicht alle Inhalte gelöscht wurden.

Inzwischen ist meine Tochter vier Jahre alt. Sie liebt Superhelden und Prinzessinnen, und sie verteidigt sich lautstark, sobald ihr eine Ungerechtigkeit widerfährt – egal ob gefühlt oder tatsächlich. In ihrer Welt muss man nicht betonen, dass Mädchen vieles "auch" können. Der Glaube, dass die Geschlechter ungleich viel wert sind, ist nur anerzogen. Man kann ihn aberziehen. Manchmal verfalle ich aber in alte Muster und erkläre ihr, dass Mädchen alles schaffen können, "genauso wie Jungs". Dann schaut sie mich mit ihrem altklugen Blick an, stemmt die kleine Hand in die Hüfte und erwidert entnervt: "Das weiß ich doch, Baba!" Das ist doch eine gute Grundlage für die Kämpfe, die noch auf sie warten.




Aus: "Rassismus: Baba werden" Mansur Seddiqzai (24. Juli 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-07/rassismus-muslim-tochter-islamfeindlichkeit-frauenfeindlichkeit

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acta est fabula #8

... Eigentlich brauchen wir mehr solcher Alltagsgeschichten, die kulturelle und religiöse Unterschiede erklären, und aufzeigen welche konkreten Reaktionen diese hervorrufen.
Dass Nationalkonservative hier wie in islamischen Ländern ein Problem mit selbstbestimmten Frauen haben, ist traurige Wahrheit.


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nachtschwester #8.2

Anonyme, rassistische Hetzer, die sich wünschen ein Neugeborenes mit Rattengift umzubrinen, als Nationalkonservative zu verharmlosen, ist noch viel trauriger!


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titanicus #14

>>Interessanterweise sind rechte Verschwörungstheoretiker, latente Rassisten, Islamisten, aber auch viele konservative Muslime sich in einem Punkt sehr nahe: ihrer Geringschätzung gegenüber Frauen.<<

Die Ähnlichkeiten sind zwar bekannt, dennoch ist es sinnvoll, immer wieder darauf hinzuweisen. Denn nicht nur mit der islamischen Zuwanderung, sondern auch mit dem Erstarken des europäischen Rechtsextremismus droht erneut ein Rückfall in das ungehemmte Patriarchat. Misogynie macht einen Kernpunkt der rechtsextremen „Weltanschauung“ aus. Gleichstellung gilt als Reizwort, weshalb die Forderung danach von rechtsextremer Seite sofort mit „Tschända-Wahnsinn“ beantwortet wird.

Die Unterwerfung der Frau gilt in rechtsextremen Kreisen als Bestandteil einer „natürlichen“ Hierarchie. Der Soldat und Krieger steht über der Hausfrau und Gebärerin. Die Frau dient in erster Linie als Wellness-Oase für den erschöpft vom Schlachtfeld heimkehrenden Kriegshelden. Der Rechtsextremismus propagiert schließlich nicht nur eine Rangordnung der Ethnien (früher „Rassen“), sondern auch der Geschlechter.


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Mastershark #17

Danke für diesen Beitrag, der so viele Widersprüchlichkeiten aufzeigt, die in einer vermeintlich aufgeklärten Gesellschaft eigentlich gar nicht vorkommen dürften. Soziale Medien, die als Plattform für Hasstiraden herhalten müssen, werden von Menschen, die man sich im normalen Leben gar nicht vorstellen kann, benutzt, um schlimmste Äusserungen in die Öffentlichkeit zu bringen, mehr noch sie dienen auch als Plattform für rudelhafte Agitation aus der Anonymitt heraus. Man mag darüber hinwegsehen, um nicht zu verzweifeln, besser wäre aber, wenn diese Hass-Schreiber sich ihrer Taten bewusst würden und wenn endlich Instrumente verfügbar würden, um so etwas juristisch zu belangen.
Ich habe mich über diesen Beitrag sehr gefreut, hoffe, dass er einigen Zeitgenossen einmal die Augen für unsere vorurteilsbeladene Art zu denken öffnet. Ich wünsche dem stolzen Vater und seiner Tochter alles Gute und viel Glück für die Zukunft, in der Männer und Frauen sich auf Augenhöhe begegnen und im gegenseitigen Respekt miteinander umgehen.


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wonderb0lt #28

Cooler Typ. Hoffe seine kleine wird mal Astronautin. Oder Bundeskanzlerin. Oder Superheldin :)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on July 28, 2018, 06:18:42 PM
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[...] Weibliche Brustwarzen sind auf Instagram immer noch tabu.  ... Bis heute finden Kreative weltweit immer neue Ansätze, um die sexualisierenden und tabuisierenden Instagram-Richtlinien zu thematisieren. Fast vier Millionen Bilder finden sich unter dem Hashtag #freethenipple auf Instagram. Die künstlerische Umsetzung erstreckt sich mittlerweile über eine enorme Bandbreite. Fast könnte man sagen, dass sich aus dem Protest heraus eine eigene Kunstform entwickelt hat.

Kollektive wie das Nipple Magazin, gegründet von fünf Frauen aus Barcelona, bündeln in ihrem Feed zahlreiche Fotos zu dem Thema, vor Kurzem ging sogar die erste „Nipple Exhibition“ als Insta-Story online. Ihre Mission: „Wir möchten, dass zukünftige Generationen in einer Welt aufwachsen können, in der zwischen weiblichen und männlichen Brustwarzen keine Unterschiede gemacht werden.“ Im Feed finden sich Bilder mit Brustaufsätzen, von Fischen bedeckte Brüste, glitzernde Brüste oder bemalte Nippel, Illustrationen, GIFs und Galerien, von Künstler*innen weltweit. Auch wenn echte weibliche Brustwarzen auf Instagram natürlich noch erstrebenswerter wären ....


Aus: "So protestieren Kreative weltweit gegen das Nippelverbot auf Instagram" Milena Zwerenz (27. Juli 2018)
Quelle: https://ze.tt/so-protestieren-kreative-weltweit-gegen-das-nippelverbot-auf-instagram-freethenipple-zensur/ (https://ze.tt/so-protestieren-kreative-weltweit-gegen-das-nippelverbot-auf-instagram-freethenipple-zensur/)

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[...] Wie eine aktuelle, vom Streamingdienst Deezer in Auftrag gegebene großflächige Studie belegt, hört der Mensch zudem ungefähr mit 30 Jahren auf, neue Musik zu hören. Das mag mit den Lebensumständen, etwa der Gründung einer Familie, zu tun haben. Allerdings ist es ebenso möglich, dass dies aus einer gewissen Bequemlichkeit heraus geschieht und auf dem dumpfen Gefühl beruht, alles schon erlebt zu haben.
 ... Die diversen Spielarten von Metal sorgen neben Schlager und Volksmusik für Kontinuität auf dem Markt. ... Seit Mitte der 1980er-Jahre existiert in diesem Zusammenhang also Metal als wertkonservative beziehungsweise fundamentalistische Angelegenheit. Betrachtenswert hier auch der dem Ethos des Handwerkertums entliehene Begriff des "True Metal", der die Jünger auf Kurs halten soll. Geprägt von der definitiv nicht von Einflüssen der Moderne und jüngeren zivilisatorischen Errungenschaften beschädigten US-Band Manowar ("Death to false metal!") setzt man auf die guten alten Zeiten und angesichts aktueller Bedrohungen im Leben auf den sicheren Rückzug in "safe spaces" für Männer, wie sie heute Gott sei Dank nicht mehr als Standardausführung gebaut werden. ... Man wird sich davon etwa auch in Wien bei den britischen Heavy-Metal-Veteranen Judas Priest oder deren Vorprogramm, den deutschen True-Metallern Accept überzeugen können: Wahrer Metal bedeutet nicht nur Handwerk mit goldenem Boden. Er bedeutet auch: Stillstand ist besser als Veränderung.  ...

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Mark Syl

und es stimmt überhaupt nicht. gerade metal ist derartig vielschichtig und entwickelt sich permanent weiter. hier wird derartig viel experimentiert, es gibt unzählige genres, die einfach herausragend innovative bands rausbringen... selten so einen schmafu gelesen. mit dieser superlächerlichen arroganz


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Titeuf

Um die 30 entscheidet sich halt, ob man Musikliebhaber ist, oder nur einen Soundtrack zum Leben(sgefühl) brauchte. In ersterem Fall hört man nie auf neugierig zu sein und genießt diesen speziellen Kick, wenn sich im Inneren ein Schalter umlegt und sich einem (wieder) eine ganz neue Musikwelt öffnet. In zweiterem Fall geht's halt vorrangig um Erinnerungen und darum sich wieder wie in der Jugend zu fühlen.


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tnt

Solange es Metal gibt, braucht der Mensch nix anderes...
Was soll denn auch die Alternative sein? ...


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Heísenberg

Manowars
Selbstinszenierung als Unikat und Verfechter der "wahren" Metalmusik ist eigentlich ziemlich clever. Sie kokettiert mit der genuinen Vielfalt an Subgenres innerhalb des Metal-Spektrums und treibt das kulturelle Selbstverständnis der Szene als soziogene Entität, die sich in individualistischer Abgrenzung zum Mainstream versteht, in satirischer Überhöhung auf seine Spitze. Eine bewusst kantige und geschickte Provokation, die bei ihren Anhängern eine beinahe schon sektenartige Verehrung entstehen lässt, gleichermaßen aber all jene abstößt, die den artifiziellen Selbstkult der Band als übertriebene Selbstgefälligkeit und Präpotenz missverstehen.


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Stephen Morrissey

Alles über einen kamm geschoren, ein echter schachinger! ...


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Prof.Dr.Tyler Durden

Wieso? - Ältere Herren im Leopardentanga sind doch voll True Metal ;). Fighting the World


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Happy Monday

Ich glaube, Metal mögen hierzulande so viele, weil es irgendwie ein Rückzugsort für weiße Männer ist: da fordert niemand Gender-Quoten, da beschwert sich niemand über fehlende Diversität. Ganz wie früher ;)


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barsimga

pff... Manowarfans und ihr TrueMetal-Geschwurbel ist mir ja das liebste. Manowar ist ja eigentlich Schlager mit verzerrten Gitarren:
Einfache Strukturen
Lieder zum Mitsingen
Quasi nur ein Thema: brüderliche Liebe
eine Prise Sexismus

...und sich selbst als Hüter des wahren Metals aufspielen


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Der große General

Manowar hat deutlich mehr mit Richard Wagner und klassischer Musik gemein, als mit irgendwelchen Schlagern. Siehe "Gods of War".


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Eine Prise Skepsis

Manowar als Vorreiter des Metals zu bezeichnen ist halt auch bisserl suspekt. Die haben ihre Nische gefunden und reiten ihr Gimmick bis in den Abgrund. Wer deren Geschwafel zu 100% ernst nimmt, dem ist nicht zu helfen. Aufs Konzert bin ich trotzdem gern gegangen, weils einfach ein geiles Erlebnis war. Und ich geh wieder hin. ...
   

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af04404d-581b-468c-a140-3f56ac3a350a

Das mit der leicht konservativen Ausrichtung der Metaller stimmt sicher. Wenn heute einer mit einem Master of Puppets T-Shirt herumläuft ist das schon fast ein Bekenntnis zu klassischer Musik. ...


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Hosenträgerträger

Witztig… Ich packe grad für Wacken.


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fandessportsingrossemstile

Jede Musikrichtung sollte seine Berechtigung haben
Aber Metal ist schon mächtig geil


...


Aus: "Wie "True Metal" für Kontinuität auf dem Musikmarkt sorgt" Christian Schachinger (28. Juli 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000084269896/Wie-True-Metal-fuerKontinuitaet-auf-dem-Musikmarkt-sorgt (https://derstandard.at/2000084269896/Wie-True-Metal-fuerKontinuitaet-auf-dem-Musikmarkt-sorgt)
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on July 31, 2018, 12:49:28 PM
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[...] Paris – Ein Video sorgt in Frankreich für eine neue Debatte über Gewalt gegen Frauen. Auf dem Facebook-Post einer jungen Frau ist ein Passant zu sehen, der sie ohrfeigt. Die 22 Jahre alte Studentin hatte zuvor nach eigenen Angaben auf die sexuelle Belästigung des Mannes auf offener Straße im 19. Stadtbezirk von Paris reagiert. In ihrer Facebook-Veröffentlichung berichtet die Frau, dass sie auf die "anzüglichen Bemerkungen" vor einem Lokal mit der Bemerkung "ta gueule" (etwa: "Halt's Maul") reagiert habe. Die von einer Überwachungskamera aufgenommenen Bilder zeigen, wie der Mann daraufhin hinter ihr herläuft und sie dann heftig ohrfeigt. Die junge Frau habe Anzeige erstattet, die Staatsanwaltschaft ermittle, berichtete der Radionachrichtensender Franceinfo. Die Bilder stammen von der Videoüberwachung des Lokals, wie die Frau berichtete.

Die französische Gleichstellungsstaatssekretärin Marlene Schiappa reagierte empört auf den Vorfall. Sie sei aber leider nicht überrascht, sagte sie der Zeitung "Le Parisien". Schiappa versprach eine "angemessene politische Antwort". Auch die #MeToo-Debatte hatte in Frankreich bereits hohe Wellen geschlagen. Im Kampf gegen sexuelle Gewalt und Sexismus brachte das französische Parlament eine Gesetzesverschärfung auf den Weg. Damit sollen künftig auch sexistische Belästigungen auf der Straße bestraft werden. Das Gesetz schafft dazu die Möglichkeit einer Geldstrafe von mindestens 90 Euro für "sexistische Beleidigung". (APA, 30.7.2018)


Aus: "Video sorgt in Frankreich für neue Debatte über Gewalt gegen Frauen" (30. Juli 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000084417591/Video-sorgt-in-Frankreich-fuer-neue-Debatte-ueber-Gewalt-gegen (https://derstandard.at/2000084417591/Video-sorgt-in-Frankreich-fuer-neue-Debatte-ueber-Gewalt-gegen)

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"Sexarbeit: "Meine Mutter war mein erster Zuhälter"" Eine Reportage von Theresa Krinninger, Teplice  (7. August 2018)
Lastwagen nehmen nun die Autobahn: Was ist aus dem Straßenstrich an der E55 im deutsch-tschechischen Grenzgebiet geworden? Prostitution ist weiterhin ein gutes Geschäft. ... "Viele Freier kommen nach Tschechien, um ihre perversen Fantasien unverhohlen auszuleben", sagt Sander. Zwei ehemalige Prostituierte, die ausgestiegen sind und in einem Frauenhaus in Deutschland leben, erzählen, welche Fantasien gemeint sind: Sex mit Minderjährigen, Sex mit stillenden Müttern oder mit Schwangeren. 
Dazu zählt auch Gewalt. Fast alle Prostituierten, die die Streetworker kennengelernt haben, berichten wie Lucia von Missbrauch durch Freier. ...
https://www.zeit.de/gesellschaft/2018-08/sexarbeit-tschechien-deutsche-grenze-freier-vergewaltigung/komplettansicht

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ErahsMuhs #3

Angeblich hatten schon 88 % der deutschen Männer Sex mit einer Prostituierten.

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/peinlich-aber-erfolgreich-und-keiner-wills-gewesen-sein-1.1782896-6 (https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/peinlich-aber-erfolgreich-und-keiner-wills-gewesen-sein-1.1782896-6)

Unglaublich, kann ich als Mann auch irgendwie kaum glauben. 47 Prozent bezahlen sogar monatlich. Insbesondere nach solchen Artikeln wird einem da ganz übel. Demnach bezieht er sich nämlich eigentlich nicht nur auf einsame LKW-Fahrer.


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Hupert #3.24

"Angeblich hatten schon 88 % der deutschen Männer Sex mit einer Prostituierten. "

Okay... dann zitieren mal weiter aus dem verlinkten Artikel:

"Wer es heute wagt, sich in dieser heiklen Angelegenheit in seinem Bekanntenkreis umzuhören, weiß: Da bezahlt natürlich keiner für Sex. Was nicht sein kann, glaubt man einer Studie, die die Frauenzeitschrift Brigitte vor einiger Zeit in Auftrag gegeben hat."

Diese Umfrage der Brigitte würde ich mir gern mal näher ansehen. Für glaubhaft halte ich sie nicht.


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Hupert #3.25

Hier noch eine andere "Umfrage"

Eine Umfrage des Magazins "Playboy" hat ergeben, dass 24 Prozent aller deutschen Männer mindestens einmal im Leben für Sex bezahlen. 1000 Teilnehmer beantworteten die Fragen und offenbarten auch, in welchem Teil Deutschlands die meisten Männer für Sex zahlen. (Montag, 12.01.2015)
https://www.focus.de/panorama/welt/laut-neuer-playboy-umfrage-jeder-vierte-zahlt-fuer-sex_id_4398001.html

Aber ich frage mich echt wo da gefragt wurde. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen.


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Lesezeit2018 #22

Das sind Einblicke in menschliche Abgründe mitten in Europa! Die Mehrheit der Freier möchte GV ohne Kondom für 5 Euro? ... Wissen die Ehefrauen bzw. Partnerinnen darüber Bescheid? Unverantwortlich und einfach nur dumm! Das Verhalten unterscheidet sich nicht im geringsten von instinkgesteuertem Verhalten bei Tieren!


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Luis Tränker #22.2

Wissen die Ehefrauen bzw. Partnerinnen darüber Bescheid?

Was für eine naive Frage. Wissen sie denn Bescheid, wenn der Mann es mit Kondom und fǘr 100, 150. 200 Euro macht?


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nocheinefrau #27

Was zur Hölle ist eigentlich mit all diesen Männern los, die diesen Frauen das Leben ruinieren? Woher kommen diese ganzen kranken Typen? Wie erbärmlich sind die drauf?


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Eddie_Sakamura #31.2

["Dort kaufen sie billige Zigaretten, Sprit und Sex."

Dabei sind die Deutschen, die vom Osten über die Grenze nach Tschechien fahren, dort sich mit paar Euro wie Gott in Frankfreich fühlen, den Kofferraum mit Billigbier und Benzin volllanden, noch das kleinste Problem. Die Emanzipation der Frau in Deutschland, was extrem begrüßenswert ist, hat leider aber auch negative Seiten, nämlich das deutsche Männer sich im Osten Europas das holen, was sie in Deutschland nicht mehr bekommen. Der Mangel an jungen Frauen in (Ost-) Deutschland führte dazu, dass die hormongesteuerten ostdeutschen Männer ihre Lust an unschuldige junge tschechischen Mädchen befriedigen, in dem sie ihre jungen Körper ausbeuten.

Tschechien hat seit Jahrzehnten, seit dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung gewaltige Probleme mit kriminellen Ausländern, hauptsächlich ausländische Sex- und Gewalttouristen, genau genommen mit deutschen Sextouristen und Pädophilen, die die tschechischen Gesetze brechen. Sie verlangen Sex ohne Gummi, was in Deutschland strafbar ist und suchen gezielt minderjährige Mädchen auf, um mit ihnen kranke Sexfantasien auszuleben. Aber auch die gewöhnlichen Familienväter handeln mindestens unmoralisch, weil sie die finanzielle Situation der Ärmsten dort ausbeuten und das Leid damit verschlimmern.

Unangenehme Wahrheiten, die endlich ausgesprochen gehören und nicht mehr totgeschwiegen werden dürfen. MUT zur Wahrheit.]

Diese Artikel müsste man eigentlich auf allen rechten Plattformen bringen, um den Ammenmärchen vom deutschen Saubermann einen Riegel vorzuschieben. Sonst wird dort gerne der umtriebene muslimische Triebtäter propagiert.


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on August 10, 2018, 05:00:09 PM
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[...] Schlief ein Junge mit einem Mädchen, verwandelte er sich in einen Helden und sie wurde zur Schlampe. Ihr Wert ging auf den Jungen über. Und Wert konnten wir gut gebrauchen, denn wir steckten offenbar in dem, was der Sozialpsychologe Rolf Pohl "Männlichkeitsdilemma" nennt: Jungs sollen selbstsicher und unabhängig sein, das starke Geschlecht. Gleichzeitig sind sie nicht nur erst einmal rundum abhängig von einer Mutter, sondern später auch von der Gunst der Mädchen, um die ihre tiefsten Wünsche kreisen und an denen die Bestätigung ihrer Männlichkeit hängt. Entsprechend hechelten viele von uns mit wachsender Bedürftigkeit den Mädchen hinterher, taten aber so, als sei das alles nur Schnickschnack. ... Dass in diesen weitverbreiteten Haltungen etwas tief Gestörtes lag, spürte ich mehr, als dass ich es dachte. Ein weiteres Dilemma verwirrte mich zusätzlich: Einerseits lag ein romantischer Schleier über dem Sex. Allein die Liebe machte den Geschlechtsakt menschenwürdig, und Liebe bedeutete nicht oberflächliches Verknalltsein, sondern Verantwortung – auch für möglicherweise entstehende Kinder. Diese in der katholischen Sexuallehre ausbuchstabierte Sichtweise las ich aus Worten und schwer greifbaren Haltungen meiner Mutter und anderer einflussreicher Personen heraus. Und es zeitigte Wirkung: Noch als Student, "verliebte" ich mich, wenn ich eine Frau einfach nur sehr attraktiv fand.

Frauen galten als dazu befähigt, Sex und Liebe zu verbinden, während Männer als dauerbrünftige Sexmonster betrachtet wurden. Männer wollten Sex und mussten deshalb lernen zu lieben. Frauen wollten Liebe und mussten deshalb lernen, auch Sex zu mögen. So weit, so old school. Andererseits lag der Geist der sexuellen Revolution in der Luft: Freier Sex macht freie Menschen. Niemand wollte ein verklemmter Spießer sein. Nur wer sich "locker machte" und sein wahres orgasmisches Potenzial auslebte, konnte seinen Körperpanzer aufbrechen und den inneren Fascho besiegen. Ich stand als Teenager also vor der Wahl, ein Triebtäter auf dem Weg ins Höllenfeuer oder ein Nazi zu werden. Mein männliches Geschlecht schien mich für beides zu prädestinieren. Ob es um Provinz-Revoluzzer ging oder um Kinder missbrauchende Geistliche – in einem herrschte Einigkeit: Die Sexualität des Mannes war das Hauptproblem. Entweder war sie zu aggressiv-verklemmt oder zu triebhaft-animalisch. Mit uns Typen stimmte etwas von Grund auf nicht. Um es vorweg zu nehmen: Die Pornografie zeigte mir keinen Ausweg.

Den ersten Pornofilm fand ich als 13-Jähriger durch Zufall auf der Videocassette des fünf Jahre älteren Nachbarsjungen. Ich sah den Film zunächst einmal allein und fand mich in einem Knäuel widersprüchlicher Empfindungen wieder, an denen ich bis heute hin und wieder herumnestele. Dann ging ich daran, den Film auf eine zweite Cassette zu kopieren. Auf dem Schulhof hatte ich schon mit indizierten Horrorfilmen wie Tanz der Teufel und Zombies im Kaufhaus für Furore gesorgt. Jetzt setzte ich noch einen drauf. Bald flogen mir weitere Filme zu, die ich meist mit anderen Jungen zusammen ansah. Ich fand diese Runden zwar ausgesprochen peinlich, machte aber trotzdem mit oder lud sogar zu ihnen ein. Mannwerden schien generell etwas damit zu tun zu haben, möglichst Dinge zu tun, die man eigentlich zunächst nicht tun wollte: saufen, rauchen, kloppen, cool sein, sich selbst und anderen wehtun.

Gleich in meinem ersten Pornofilm sagte die Frau, es tue ihr weh. Der Mann machte weiter. Ein anderer kam herein und fragte gelangweilt, ob er gleich auch mal dürfe. Dabei fragte er nicht die Frau, sondern den anderen Mann. Die Einstellungen wechselten zwischen Penetrationen in minutenlangen Nahaufnahmen und Totalen, in denen erst der eine, dann der andere Mann die Frau von hinten nahm. Dazu gab es herablassende Kommentare. Hin und wieder schlugen die Männer der Frau mit der flachen Hand auf eine Pobacke, als wollten sie ein Pferd antreiben. Das alles erschien mir voller Häme, als ob Sex vor allem die Schadenfreude von Männern befriedigte. Ich fand es fies, wie die Frauen in den Pornos behandelt wurden, aber es erregte mich auch. Und als ich zum ersten Mal Sex hatte, überprüfte ich immer wieder, ob es bei uns auch so aussah wie in den Nahaufnahmen.

Diese Filme brachten etwas an die Oberfläche, was schon vorher in mir virulent gewesen war: eine Verquickung von Grausamkeit und Geilheit. Schon als Grundschüler hatte ich manchmal von Frauen an Marterpfählen fantasiert. Natürlich wollte ich ihnen helfen, sie taten mir leid, wehrlose Opfer, die sie waren. Erst später fiel mir auf, dass ich die Rettungsfantasien ziemlich lange hinauszögerte, um vorher an mir herumzuspielen.

Pornofilme sind Übergriffe, vor allem gegenüber Kindern und Jugendlichen, die noch nicht wissen, was auf sie zukommt. Ich fühlte mich beim Sehen des ersten Pornofilms als Voyeur und Täter. Gleichzeitig wurde etwas mit mir gemacht. Die Darstellungen übertraten meine Grenzen: Ohne Scham hielten Menschen ihre erregten Geschlechtsteile in die Kamera. Privates wurde öffentlich. Wildfremde Menschen zogen mich hinein in ihr scheinbar Intimstes. In ihrer Welt wurde Sex omnipräsent, beliebig, unpersönlich, geil und leer.

Begehren (heiße Frau betritt den Raum) und Erfüllung (kniet sich hin und bläst) fallen im klassischen Pornofilm oft in eins. Das ist besonders attraktiv für Männer, die vom Werben um Frauen und der komplexen Kommunikation echten Liebesspiels frustriert sind. Der Konsum von Pornos ist eine schnelle Abkürzung zum Männlichkeitsgefühl, senkt aber die Frustrationstoleranz zusätzlich: alles, sofort, auf Knopfdruck, ohne emotionale Verpflichtung, Hingabe und eigene Verwundbarkeit. Echter Sex erscheint dadurch bald noch komplizierter und unbefriedigender. Pornografie wird als Ersatz wichtiger. Man braucht sie, weil man sich klein fühlt und fühlt sich klein, weil man sie braucht. Ein erstklassiges Geschäftsmodell: Es nutzt das Suchtpotenzial seiner Kunden so konsequent wie McDonald's seine leeren Trostkalorien und ist legaler als die meisten Drogen.

Aber worin genau besteht der Suchtfaktor? Warum gucken Männer überhaupt Pornos und befriedigen sich nicht einfach anhand eigener Fantasien? Weil das, was sie fantasieren, ja im Film echt stattfindet. Man ist dabei und doch außen vor. Man kann von der alles gewährenden Frau träumen und sie sich gleichzeitig vom Leib halten. Die Frau tut alles, was man will, wird zum Objekt, über das man verfügt wie über den eigenen Körper. Gleichzeitig kann sie einen nicht verlassen oder abwerten, weil sie selbst abgewertet ist.

Vielleicht ist das nur meine ganz persönliche Meise. Aber der Austausch mit anderen lehrt mich: Für viele Männer liegt der verborgene Reiz der klassischen Pornografie in der Sehnsucht nach einer bestimmten Art von Mutter und in der Angst genau vor dieser: die verschmelzende, narzisstisch missbrauchende Mutter. Als Verstärker des Reizes dient Demütigung. Es gilt als selbstverständlich, dass Männer Frauen erniedrigen, um sich selbst mächtiger zu fühlen. "Männerfantasie" heißt das dann manchmal, und man fragt nicht weiter nach.

Als jugendlicher Pornogucker verstand ich die Erniedrigung der Frau bereits darin, dass man sie nackt vorführte, denn dadurch verlor sie ja gemäß des Schlampenstigmas an Wert. Ich wollte auch als 13-Jähriger nicht kaltschnäuzig und egoistisch sein und Menschen zur eigenen Befriedigung benutzen. Gleichzeitig – und die Filme brachten es ans Licht – wollte ich genau das. Ich onanierte während bestimmter Szenen und hatte anschließend Mitleid mit den Frauen, weil ich sie zu Sexobjekten degradiert hatte. Dass die Charaktere der Männer auch nicht gerade tief gezeichnet waren, beschäftigte mich weniger. Mit ihnen hatte ich kein Mitleid, obwohl sie im Film ebenfalls reine Funktionsfiguren sind.

Auch wenn es nur eine Inszenierung war: Warum spielten die Frauen bei so etwas mit? Ihre Erniedrigung, die weltweit angeschaut werden konnte, war doch real. Ich verstand erst später: Demütigen und Gedemütigtwerden sind zwei Seiten derselben Medaille, die aus Verletzungen des Selbstwertgefühls und einer rituellen Wiederinszenierung als Geschlechtsakt geschmiedet wird. Pornos sind ein – oft geschmacklos inszenierter – Tanz um unsere tiefsten Wunden. Sicherlich, es gibt Pornos, die ganz anders sind – heute redet alle Welt von Erika Lust und Fair-Trade-Bio-Pornos mit garantiert glücklichen Darstellern. Manche schwören ja auch auf alkoholfreies Bier und vegane Würste. Aber viele gucken weniger freundliche Pornos nicht, obwohl sie so ein ungutes Gefühl zurücklassen, sondern gerade deswegen.

Ich hatte Glück. Ich wurde nicht pornosüchtig. Aber meine Fantasien wurden eindeutig durch die Filme mitgeprägt, die ich als Jugendlicher gesehen hatte. Spätere Erlebnisse konnten diese Prägung nicht völlig überschreiben. Bis heute stelle ich mir Fragen: Kann man noch aufwachsen, ohne dass Pornografie das eigene Begehren prägt? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Pornografiekonsum und sexueller Gewalt? Bevor jemand "Quatsch" oder "aber sicher" ruft: Die wissenschaftliche Debatte dazu ist komplex, differenziert und womöglich auch für eindeutige Pornogegner und Pornobefürworterinnen noch ergiebig. Eine andere Frage: Haben etliche männliche Kommentatoren auf die #MeToo-Debatte so defensiv reagiert, weil sie fürchteten, ihre Fantasien würden an den Pranger gestellt? Müssen sich heute alle Männer für ihre sexuellen Wünsche schämen? Sollten wir darüber reden? Mit wem? Wie? Sehen wir innere Konflikte mehr als Bedrohung denn als Katalysatoren, die unsere Kreativität befeuern? Sind wir frei, wenn wir andere und uns selbst erniedrigen müssen? Unter uns, Jungs, die sexuelle Revolution hat gerade erst begonnen.

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MaggieSimpson83 #6

Man mag es unglaublich finden, aber (das sage ich als Frau) auch Frauen schauen sich Pornos an! Als Mädchen und auch als Erwachsene. Und die Palette ist ziemlich breit: es gibt ganz schlechte und gute Pornos. Es stimmt auch nicht, dass in allen Pornos Frauen gedemütigt werden. Manchmal ist es auch umgekehrt. Es gibt genug SM-Pornos, in denen Männer geschlagen werden usw. Und es gibt auch Pornos ganz ohne Männer. Mir scheint es, als ob der Autor die katholische Morale nie überwunden hätte. ...


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MDenner #12

Mich wundert die Rückständigkeit der Kinderzeit des Autors etwas. Ich bin einige Jahre älter, aber so verklemmt und verdreht ging es da nicht mehr zu.

Und ich glaube, dass unsere (männliche?) Sexualität mindestens 2 Seiten hat: die eher liebevolle in der Liebesbeziehung, und die eher rauhe, schmutzige, die in Pornos und zur schnellen Befriedigung vorkommt. ...


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jjkoeln #12.1

Zusätzlich mag ich auch Saures.

Die Verklemmtheit, mit der den Phantasien - eigenen und anderen - begegnet wird, erschüttert. Es ist immer ein Aushandeln zwischen den Menschen (die Zahl ist nicht aufw begrenzt), was erregt und gut ist. Wie oben schon gesagt, alles was Safe, Sane and Consensual ist, ist gut. Dann dürfen auch Schläge und Erniedrigung dabei sein, eben weil hier Schlüssel und Schloss passen und es freiwillig ist.

Erotik und Sex sind eben mehr als nur Vanille, auch wenn Vanilleeis durchaus gut schmecken kann.



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Trampelschlange #17

Ein offenes Gespräch über die sexuellen Fantasien kann Wunder bewirken


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Der Quotenwagnerianer #17.1

Es gab in den 70ern da mal zwei Bücher über die sexuellen Phantasien der beiden Geschlechter wo in Interviews Material gesammelt worden war.
Da waren schon Sachen dabei wo ich ganz schön große Augen gemacht habe im Buch über die der Frauen.


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Albrich21 #19

Meine SM-Phantasien habe ich seit meinem 10 Lebensjahr.
Die Auspeitsch-Szene im "Tiger von Eschnapur" hat es mir sehr angetan.
Mit 10 zwar nicht im Rahmen von Masturbation oder Sex (das kam später) aber in einer Art vorüubertärer Erregung stellte ich mir die Szene immer wieder vor.

Mein Fetisch auf bestimmte Textilien rührte auch aus dieser Zeit (würde jetzt alles zu weit führen)
Pornos, die ich mir aufgrund von Gewaltszenen oder glänzender Blusen/Unterwäsche aussuche kamen da erst weit später.
Dies als Hinweis, dass nicht Pornos einen Menschen sado-masochistisch oder gar schwul machen.


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ganz ruuuhig #22

"Unter uns, Jungs, die sexuelle Revolution hat gerade erst begonnen. "

Virtuelle Realität auch, die wird die Sexualität revolutionieren.


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4711-42-4 #25

Ich habe das Gefühl der Autor wurde nicht von Pornofilmen geschädigt, sondern von seinen Eltern. ...


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credentials22 #28

Super Artikel! Erinnert mich an das Buch: Why men hate women, das von einem englischen Psychotherapeuten geschrieben wurde, der ueber diese Dinge auch klug nachdachte. Ein Zeichen der Intelligenz.


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Meilenwald #33

Dabei ist der Trend in der Porno-Industrie, vor allem im asiatischen Raum in letzter Zeit extrem in Richtung Cuckold (Netorare) gewechselt. Die Ironie dabei ist, dass die Frauen nach wie vor schlecht behandelt werden aber hinzu kommt der nette Protagonist (Proxy), der ebenfalls zerbricht. Die Meinungen von Psychologen und Soziologen zu diesem Trend wäre sicher interessant.



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werweissesbesser #33.2

Na ja, in der US Pornoindustrie wird das Thema Cuckold links feministisch vermittelt: die weisse Frau, bisher unterdrückt von ihrem weissen Mann, verbündet sich mit ihrem schwarzen Lover , der auch als "the bull" bezeichnet wird. Und erniedrigt ihren weissen Mann indem sie ihm direkt vorführt, was der Lover alles drauf hat. In krassen Szenen , für die BDSM Fans die unbedingt leiden wollen, wird der erniedrigte weisse Mann genötigt Sexualpartner des schwarzen Lovers zu werden, wird also genauso unterdrückt, wie er vorher seine Frau unterdrückt hat. Da ist eine politische Botschaft enthalten, wer hätte das gedacht ? Im allgemeinen gibt es auch BDSM Pornos in denen Männer von Frauen gequält werden. In all den Jahrzehnten, von den ersten Printwerken dieses Genres bis heute , wo man ungefiltert über google jede sexuelle Absurdidät aufrufen kann, Jugend und Datenschutz völlig unwirksam sind, zeigte mir Porno nur , das auf dem Gebiet der Sexualität sich Mann und Frau nichts schenken. Wie auf allen anderen Gebieten tuen sich Menschen an was nur denkbar ist. Aber so ist das, selbst diese #metoo-Sache, positiv im Ansatz, hat doch wieder mehr Hass erzeugt.


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Polykanos #34

Ich habe nie den Wunsch gehabt und es auch nie als erregend empfunden, Frauen zu demütigen. Ich habe Mädchen, die Sex hatten oder Frauen, die mit vielen Männern Sex hatten oder haben, nie als Schlampen empfunden oder bezeichnet - und schon gar nicht hatte ich jemals die Vorstellung eine vergewaltigte Frau sei entehrt, beschmutzt oder nichts mehr wert.

Als ich noch ein junger Mann war, glaubte ich an die Einheit von Liebe und Sex - und mußte mich dafür von so mancher Frau auslachen lassen, die mir vorhielt, ich könne Liebe und Sex nicht trennen - ich konnte schon, aber ich wollte nicht!

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Zauberpferd #34.9

"Ich finde es ermüdend, wie Männer immer wieder in die gleiche Klischee-Schublade gesteckt werden"

Das haben Sie doch mit dem Satz davor auch mit Frauen gemacht, nur dass Sie da von Ihrer Lebenserfahrung sprechen. Irgendwas in Ihnen zieht solche Frauen an, was aber nicht heißt, dass alle so sind. Ich kenne sehr viele, die Machos zum Kotzen finden und niemals einen anfassen würden, weil sie nämlich genau auf solche Männer wie Sie stehen und auch mit einem solchen zusammen sind.


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GanzImGlück #38

Mein Rat: Weniger theoretisieren, mehr poppen. Und dabei mit dem Partner kommunizieren, um herauszufinden, wie die ganze Sache noch besser wird.


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karambo lage #45

genialer artikel. frustrierende kommentare.
autor selbstreflektiert, undogmatisch, schmerzhaft ehrlich, an der sache interessiert.
kommentatoren wissen schon alles und schlucken alles seit der geburt und so wird es auch bis zum ende bleiben + alle anderen sollten es gefälligst genauso machen.



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kemal_acaröz #53

+++ Frauen galten als dazu befähigt, Sex und Liebe zu verbinden, während Männer als dauerbrünftige Sexmonster betrachtet wurden. Männer wollten Sex und mussten deshalb lernen zu lieben. +++

Keine Ahnung wie der Autor sozialisiert wurde. Aber das liest doch mehr wie sein eigener Horizont. Und er sollte es tunlichst nicht verallgemeinern.
Spätestens wenn man als männlicher Jugendlicher das erste Mal richtig "verknallt" ist mit allem drum und dran, Rosarot obendrauf, dann merkt man aus meiner Erfahrung sehr wohl, dass man auch als Mann Liebe ziemlich "gut kann" (und ich meine Liebe, nicht Sex) - inklusive Herzklopfen und die Angebetete auf einem Podest im Herzen tragen.
Offensichtlich hat der Autor solche Erfahrung nicht gemacht. Anders kann ich mir die recht klischeehaften Ausführungen (Männer = nur Sexmonster) nicht erklären.


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gültiger Benutzername #56

War'n das noch Zeiten , als die drei Seiten Damenunterwäsche im Quelle-Katalog ausreichten um in Wallung zu kommen !


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7Daisy #62

Vielen Dank, Herr Neft, für Ihren mutigen Artikel und Ihr Angebot zum Reden an die Männer.
Uh, wie roh gleich alle reagieren.
Ja, es ist was im Argen, vielleicht sind ja deshalb alles so mies drauf?
Pornografie macht die Sinnlichkeit und die Sexualität kaputt.
Gut erklärt von Naomi Wolf in "Vagina".
Ein Satz in dem Buch hat mir besonders gefallen:
Sexualität und Sinnlichkeit lernt ein Kind zum Beispiel, wenn es morgens mit nackten Füssen durch taunasses Gras läuft.


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KeinBlattvorsHirn #73

Die Probleme des Autors haben wenig mit Pornos und viel mit seiner katholischen Erziehung zu tun. ...


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Mittagsfrau #94

Ich denke, der Autor spricht, auch jenseits vom Pornokonsum, ein grundsätzliches Problem an: Dass Frauen und ihre Sexualität oft noch als "Beute gesehen" werden und Frauen, die "leicht zu haben" wären (also einfach selbst Sex wollen) als "Schlampen". Ich erinnere mich auch noch an ein paar Jungen in der Klasse, die immer in die Umkleide der Mädchen zu kommen versuchten und dann damit rumprahlten, sie hätten von der oder der "die Titten gesehen" und dann dafür bewundert wurden, während es für die Mädchchen erstens peinlich und zweitens auch "entwertend" war, dass sie nackt gesehen wurden.


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Sandjup #94.1

Das Wort/Werturteil "Schlampe" äußern vor allem Frauen über ihre Konkurrenz.


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Aus: "Grausame Geilheit" Anselm Neft (25. März 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2018-03/pornografie-aufklaerung-sexualitaet-frauen-erniedrigung/komplettansicht (https://www.zeit.de/kultur/2018-03/pornografie-aufklaerung-sexualitaet-frauen-erniedrigung/komplettansicht)
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on August 15, 2018, 09:51:06 AM
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[...] Nach Polizeiangaben von Montag liefen die beiden, 35 und 36 Jahre alt, kurz nach 18 Uhr Hand in Hand aus dem U-Bahnhof Möckernbrücke, als sie von dem Unbekannten zunächst homophob beleidigt worden seien. Anschließend habe der Mann beide geschlagen, bevor er in den Park am Gleisdreieck flüchtete. Das Paar trug leichte Verletzungen davon; eine medizinische Behandlung lehnte es ab.  Die Frauen beschrieben den Tatverdächtigen als Nordafrikaner.


Aus: "Berlin-Kreuzberg: Frauen homofeindlich beleidigt und geschlagen" (13.08.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/berlin-kreuzberg-frauen-homofeindlich-beleidigt-und-geschlagen/22906020.html (https://www.tagesspiegel.de/berlin/queerspiegel/berlin-kreuzberg-frauen-homofeindlich-beleidigt-und-geschlagen/22906020.html)

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Pat7 13.08.2018, 11:39 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Kapitel 13.08.2018, 11:28 Uhr
Kennen Sie einen Kriminellen, der eine Tat begangen und dann auf die Polizei gewartet hat?

Hier geht es nicht um normale Kriminalität zum Zwecke des sich Bereicherns. Dessen Wesen ist nun mal die Anonymität und funktioniert nur auf die Weise.

Hier hat jemand ein Statement abgeliefert weil er welchen Hass auch immer auf Frauen hat die Händchen halten. Sich erst toll finden weil man es denen mal gezeigt hat aber nicht bereit sein zu seinen Ansichten zu stehen. Das ist Feigheit. Die selbe Feigheit wie im  Netz wenn andere wegen der politischen Meinung oder ihrer Lebensweise anonym bedroht, beleidigt und beschimpft werden oder man Bürgerbüros von Parteien mit Farbe und Parolen beschmiert oder Wahlkampstände angreift und dann abhaut.


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"Asia Argento: Weinstein-Anklägerin soll Minderjährigen sexuell genötigt haben" (20. August 2018)
Asia Argento war eine der ersten Frauen, die Harvey Weinstein der Vergewaltigung beschuldigten. Sie soll Schweigegeld wegen eines sexuellen Übergriffs bezahlt haben. ... Bennett zufolge erfolgte der sexuelle Übergriff 2013 in einem Hotel in Kalifornien. Argento war damals 37 Jahre alt, Bennett war zwei Monate zuvor 17 geworden. Das gesetzliche Mindestalter für einvernehmlichen Sex liegt in Kalifornien bei 18 Jahren. Die Zeitung versuchte nach eigenen Angaben wiederholt vergeblich, eine Stellungnahme von Argento oder ihren Vertretern zu bekommen. ...
https://www.zeit.de/kultur/film/2018-08/asia-argento-harvey-weinstein-jimmy-bennett-metoo-minderjaehriger-schweigegeld

Asia Aria Maria Vittoria Rossa Argento (* 20. September 1975 in Rom) ist eine italienische Schauspielerin, Regisseurin, Filmproduzentin, Drehbuchautorin, Schriftstellerin, Sängerin und Model.
https://de.wikipedia.org/wiki/Asia_Argento

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addy9878 #13

Die größten Kritiker der Elche waren früher selber welche. ;-)


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Betrand #13.1

Passt fast immer.


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homer_in_the_bushes #18

Wind gesät. Sturm bekommen.


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Running #21

Wer Macht hat, kommt irgendwann in die Versuchung, sie auch für sich auszunutzen. Es gibt genügend, die widerstehen. Aber es gibt auch genügend, die nicht widerstehen können.


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R. Reagan #27

Es ist wirklich egal, ob schwulenhassender Reaktionär, religiöser Moralprediger oder Radikalfeministin, am Ende werden sie immer als Häuchler und selbstgerechte Lügner enttarnt...


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Champagne Socialist #32

Angriff ist die beste Verteidigung. Jeder Mensch macht Fehler, weshalb man nie aus einzelnen Tätern große Tätergruppen kreieren sollte. Alte "weiße" Männer haben viel verbockt, doch auch nicht-"weiße", nicht-männliche Personen nutzen Machtpositionen rücksichtslos und egoistisch aus.


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Dohlenmann #35

Diese Enthüllung diskreditiert meiner Meinung nach nicht das Hauptanliegen von #metoo oder die Anklage gegen Weinstein, weil es dort eben tatsächlich noch viele andere Zeugen gibt. Es sollte aber als eine Mahnung verstanden werden, wie man sich bei solchen Vorwürfen positioniert, wenn sie einen selbst treffen können.


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Wir sind von Futur umzingelt. #38

Eine Nachricht, die einem bodenlosen Fass den Boden ausschlägt ...


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Vorschau #39

und es war Sommer...


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hakufu #39.1

Wer kennt noch das schöne Lied. Heute würde man wohl kaum noch wagen, so einen Text zu veröffentlichen............


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"#MeToo: Asia Argento weist Missbrauchsvorwürfe zurück" (21. August 2018)
Sie sei schockiert über den Artikel, laut dem sie einen minderjährigen Kollegen missbraucht haben soll, sagte #MeToo-Aktivistin Asia Argento. Sie sprach von "Verfolgung". ... "Ich dementiere und weise den Inhalt des von der New York Times veröffentlichten Artikels zurück, der in den internationalen Medien zirkuliert", sagte Argento. Sie sei "zutiefst schockiert" über die "absolut falschen" Nachrichten und sprach von "Verfolgung". Sie habe nie irgendeine Form einer sexuellen Beziehung mit Bennett gehabt.  ...
https://www.zeit.de/kultur/film/2018-08/metoo-asia-argento-missbrauch-vorwurf

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planespot #2

Die Frau bezahlt 380tausend, weil sie sie dem Täter helfen wollte?
Schöner wurde noch nie die Zahlung einer Erpressungsforderung begründet.


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Paul Ericsson #2.1

Der Unterschied ist, Argento hat den jungen Mann damals nicht gezwungen.
Er profitiert hingegen vom Gesetz das ihn in die Lage bringt das Geld zu fordern.

Argento´s einziges "Verbrechen" liegt darin, Sex mit einem 17 Jährigen gehabt zu haben.
Kleiner Unterschied zu Weinstein, nicht wahr?


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Weg mit den Grenzen #12.1

Klarer Fall von Schmutzige-Wäsche-Waschen.


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Manfred der Erste #17

Das war mir klar, aus Erfolglosigkeit Kapital schlagen. Eine Frau wie Argento hat es sicher nicht nötig einen kleinen Bubi zu verführen!
Vor allem kann man es nicht glauben, selbst wenn es so wäre das ein Typ der Rock Musik macht und Schauspielert nichts von der Welt mitbekommt und sich traumatisiert gibt. Ich glaube eher die Gegner der MeToo Bewegung schlagen zurück, mit solchen Geschichten die auf einen Schlag die ganze Bewegung treffen soll.


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Goodwood1995 #23

Tja jetzt erlebt Frau Asia Argento am eigenen Leib wie es ist Schuldig by Hashtag zu sein. Der Pranger war das Metoo des Mittelalters.


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Der Korrektor #23.1

Das ist Falsch. Im Fall Argento geht es eventuell um sexuelle Nötigung, eventuell um Verführung Minderjähriger. Im Fall Weinstein geht es um systematischen Machtmißbrauch, vielfache Vergewaltigung und die Besetzungscouch ganz allgemein.

Auf der einen Seite steht die juristische Aufarbeitung, auf der anderen die Gemeinschaft der Betroffenen und auf einer weiteren Seite die gesellschaftliche Aufarbeitung. Alles davon hat seine Berechtigung.

Die Schadenfreude ist unangebracht. [... die juristische Aufarbeitung ist nur ein Teil. MeToo bedeutet: Mir ist auch so eine Scheiße passiert. Und es war notwendig, dass die Menschen sehen, wie allgegenwärtig diese Scheiße ist. Das würde Frau Argento im Falle ihrer Schuld natürlich nicht freisprechen. Aber es ändert nichts an der Gültigkeit der Empörung. ]


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runnner #31

Daher habe das Paar entschieden, "mitfühlend auf Bennetts Forderung nach Hilfe zu reagieren und ihm Hilfe zu geben". Hätte Weinstein nicht besser formulieren können. Die Frau spricht sich um Kopf und Kragen. Nach den Statements ist sie durch.


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runnner #32

Keinerlei Reue von Machtmissbrauch. Sehr maskulin formuliert. Wenn Opfer zu Tätern werden.


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geranie24 #38

Eine ziemlich bigotte Gesellschaft, in der sowohl sexuelle Handlungen als auch die Strafbarkeit sexueller Handlungen genutzt werden um Geld zu "verdienen ".



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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on August 22, 2018, 08:09:50 AM
"Missbrauchsvorwurf gegen Asia Argento Gewalt und Gegengewalt" Christian Buß  (Dienstag, 21.08.2018)
Ihre Filme handeln von Trauma und Missbrauch - schon früh gestand Asia Argento aber auch ein, selbst am Set schuldig geworden zu sein. Über eine Künstlerin, für die Sexualität immer Zerstörung heißt. Es war ein Gespräch, das vom Rock'n'Roll zum Sex führte. Und vom Sex zur Schuld. Bei einem Interview im Jahr 2014 erzählte mir Asia Argento, wie sie in ihren Teenagerjahren durch den queeren Psychobilly der legendären Band The Cramps ein Ventil für die eigene Sexualität gefunden hatte. Wie ihre Sexualität dann schon als Jugendliche von Regisseuren ausgebeutet wurde und wie schließlich sie selbst schuldig an ihren Darstellern und ihrem Team wurde, als sie einen Film über Gewalt und Missbrauch drehte.
Das Gespräch dauerte lange, Argento rauchte Kette, dann so abrupt wie deutlich die Selbstanklage: "Am Set war ich eine Tyrannin (...) Ich bin an so vielen Leuten schuldig geworden, es brauchte zehn Jahre, bis ich über einen weiteren Film als Regisseurin nachdenken konnte."
Der Film, über den sie sprach, war "The Heart is Deceitful above All Things" aus dem Jahr 2004, Argento spielte darin auch die Hauptrolle, eine strippende, ständig begrapschte Mutter, die ihren kleinen Sohn an Männer weiterreicht, damit diese sich an ihm vergehen können. Ein Missbrauchsopfer, das den Missbrauch organisiert. Der Film war ein Gewaltakt, auch für das Publikum, das hier keine Moral an die Hand bekam.
Argento damals bei unserer Begegnung weiter: "Die Rolle ergriff Besitz von mir, auch wenn ich gar nicht vor der Kamera stand. Zuerst konnte ich das noch auseinanderhalten, quasi als gespaltene Persönlichkeit agieren. Aber dann gewann das Böse Oberhand, und ich verhielt mich zu allen Mitarbeitern wie die Mutter im Film, ich nutzte sie aus, schob sie herum, schrie sie an. Ich war eine Diktatorin."
... Mit acht stand Argento, Tochter des berühmten, kultisch verehrten Horrorregisseurs Dario Argento, das erste Mal vor der Kamera. In ihren Teenagerjahren spielte sie immer wieder sexualisierte Rollen. Sie war noch keine 18, da wirkte sie zum ersten Mal in einem Film ihres Vaters mit: Die von ihr verkörperte Titelheldin in "Aura" muss mit ansehen, wie ihr gesamtes persönliches Umfeld ermordet wird. Ein perfider, reflektierter Thriller über männliche Macht und weibliches Ausgeliefertsein.
... Will man sich Argento nähern, ist es wichtig, sich auch noch einmal zu vergegenwärtigen, dass Argentos Aufstieg als Schauspielerin in Italien der Neunzigerjahre parallel zum Aufstieg des Medienmoguls Silvio Berlusconi erfolgte. Berlusconi schuf durch seine TV-Sender eine ganz neue Fernsehwirklichkeit, die auf die Gesellschaft zurückstrahlte. Bei der kürzlich auch in Deutschland gelaufenen Politserie "1993" ist das noch einmal sehr deutlich zu sehen: Es ging um aggressiv ausgestellte Sexualität, aggressiv ausgestellten Wohlstand, aggressiv ausgestellte Macht. ...
Die sexuellen Übergriffe Harvey Weinsteins auf sie selbst hat Argento also schon lange vor ihren Beiträgen zur #MeToo-Debatte thematisiert. 1997 soll sie der Filmproduzent, der auch "B. Monkey" finanzierte, zum Oralsex gezwungen haben, anschließend hatten sie nach Argentos Aussagen mehrmals einvernehmlich Sex. 2017 trat sie als eine der glühendsten Anklägerinnen gegen Weinstein an.
Ist Argentos Glaubhaftigkeit durch die jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsvorwürfe erschüttert?
Mit jedem Filmbild, mit jeder Äußerung hat die Schauspielerin, Regisseurin und Aktivistin deutlich gemacht, dass sie Teil eines Kreislaufs der Gewalt ist. Opfer können Täter und Täterinnen sein. Die Verbrechen, die ihnen angetan werden, werden dadurch nicht relativiert - und die eigenen natürlich nicht legitimiert. In ihrem Film "The Heart is Deceitful above All Things" hatte Argento gerade genau davon erzählen wollen. ...
http://www.spiegel.de/kultur/kino/asia-argento-die-metoo-anklaegerin-und-der-kreislauf-der-gewalt-a-1224057.html

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[...] Die italienische Schauspielerin Asia Argento hat den Vorwurf zurückgewiesen, sie habe vor fünf Jahren Sex mit einem minderjährigen Schauspieler gehabt. Sie weise die in einem Artikel der "New York Times" erhobenen Vorwürfe vehement zurück, erklärte Argento am Dienstag über ihren Agenten. "Ich bin zutiefst schockiert und verletzt eine Geschichte zu lesen, die absolut falsch ist." Sie habe "niemals irgendeine sexuelle Beziehung" zu dem Schauspieler und Musiker Jimmy Bennett gehabt.

Asia Argento ist eine führende Stimme der #MeToo-Kampagne. Sie war eine der ersten Schauspielerinnen, die dem Hollywood-Produzenten Weinstein Vergewaltigung vorwarfen. Die "New York Times" hatte am Sonntag berichtet, Argento habe Bennett nach einem Vorfall in einem Hotel in Los Angeles 380.000 Dollar (333.000 Euro) gezahlt. Bennett zufolge erfolgte der sexuelle Übergriff 2013. Argento war damals 37 Jahre alt, Bennett war zwei Monate zuvor 17 geworden. Das gesetzliche Mindestalter für einvernehmlichen Sex liegt in Kalifornien bei 18 Jahren.

Argento betonte am Dienstag, sie sei Bennett "über mehrere Jahre ausschließlich freundschaftlich verbunden" gewesen. Diese Freundschaft sei zu Ende gegangen, als Bennett plötzlich "eine maßlose Geldforderung" an sie gestellt habe, nachdem sie selbst dem einstigen Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein Vergewaltigung vorgeworfen hatte und daraufhin in den Schlagzeilen war.

Argento dementierte die Zahlung an Bennett nicht, betonte aber, damit habe sie ihm helfen wollen. Ihr Lebensgefährte - der inzwischen verstorbene Fernsehkoch Anthony Bourdain - habe sich Sorgen um einen möglichen Rufschaden gemacht, den Bennett verursachen könnte. Daher habe das Paar entschieden, "mitfühlend auf Bennetts Forderung nach Hilfe zu reagieren und ihm Hilfe zu geben". Bourdain persönlich habe Bennett finanziell unterstützt - "unter der Bedingung, dass wir keine weiteren Einmischungen in unser Leben erleiden müssen". Bourdain starb im Juni während Dreharbeiten in Frankreich, laut Polizei beging er Suizid. (AFP)


Aus: "Metoo-Aktivistin Asia Argento dementiert sexuelle Beziehung zu Jugendlichem" (22.08.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/metoo-aktivistin-asia-argento-dementiert-sexuelle-beziehung-zu-jugendlichem/22937984.html (https://www.tagesspiegel.de/kultur/metoo-aktivistin-asia-argento-dementiert-sexuelle-beziehung-zu-jugendlichem/22937984.html)
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on August 22, 2018, 01:25:51 PM
"Vorwurf der sexuellen Belästigung: Übergriffe vom Überwacher" (21. 8. 2018)
Schleswig-Holsteins Verfassungsschutz-Präsident Büddefeld ist beurlaubt. Mitarbeiterinnen werfen ihm sexuelle Belästigung vor.... Der Fall sei deshalb relevant, weil „Personen in sensiblen Bereichen wie Polizei oder eben hier Verfassungsschutz nicht erpressbar werden dürfen“, sagt Burkhard Peters. Der Landtagsabgeordnete der Grünen ist Mitglied des Parlamentarischen Kontrollgremiums. Details aus einer Sitzung dieses Ausschusses, bei dem es um den Fall Büddefeld ging, nannte Peters nicht, gab nur eine allgemeine Einschätzung ab: „In Organisationen wie Polizei, Militär und anderen, in denen die Führungsspitzen noch stark von Männern dominiert sind, ist es für untergebene Frauen schwer, sich aufzulehnen.“ Daher sei es nicht ungewöhnlich, wenn es lange dauert, bis Belästigungen bekannt werden. Hinzu komme, dass sexuelle Belästigung erst seit 2016 als Straftat gelte. ...
https://www.taz.de/Vorwurf-der-sexuellen-Belaestigung/!5525923/

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[...] Der argentinische Senat enttäuschte kürzlich Millionen Frauen, die auf die Entkriminalisierung von Abtreibungen gehofft hatten. In nur wenigen Ländern oder Regionen Lateinamerikas ist der freiwillige Schwangerschaftsabbruch legal und kostenfrei, etwa in Uruguay, Kolumbien, Puerto Rico, Guyana, Kuba und Mexiko-Stadt. Obwohl es in Argentinien nun eine Niederlage gab, ist die Umkehr dieser Entscheidung nur eine Frage der Zeit, da das End­ergebnis mit 38 Stimmen gegen und 31 für die Legalisierung der Abtreibung denkbar knapp ausfiel.

Es wird erwartet, dass die Regierung Macri dem Parlament in nächster Zeit einen Gesetzesentwurf zusendet, um die Gefängnisstrafe für illegale Abtreibungen aus dem Strafgesetzbuch zu streichen.

Im Kontext des hochpolitischen Diskurses, der die argentinische Gesellschaft prägte, wurde die Abtreibungsfrage auch in Brasilien diskutiert – und brachte die Macht des konservativen Lagers zum Vorschein. Die linke Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL) reichte zusammen mit einer Nichtregierungsorganisation einen Antrag beim Verfassungsgericht ein. Der Antrag fordert die Entkriminalisierung des freiwilligen Schwangerschaftsabbruchs bis zur 12. Schwangerschaftswoche, was viele arme und schwarze Frauen, die besonders unter der Strenge des Gesetzesvollzuges leiden, entlasten würde.

Im Zuge der Sitzung wurden 60 ExpertInnen der unterschiedlichsten Disziplinen angehört, darunter Debora Diniz, Anthropologin und Aktivistin für Frauenrechte. Aufgrund der Drohungen von rechtsextremen Gruppen und Abtreibungsgegnern musste sie das Land verlassen. Als sie zurückkehrte, um bei der öffentlichen Anhörung auszusagen, wurde Diniz mit Todesdrohungen konfrontiert. Derzeit steht sie unter Polizeischutz und muss womöglich erneut ins Ausland fliehen.

Der Fall Diniz ist keine Ausnahme. Der seit fünf Monaten nicht aufgeklärte Mord an der schwarzen Stadträtin, Feministin und Menschenrechtsaktivistin Marielle Franco, die ebenfalls der PSOL-Partei angehörte, und ihrem Mitarbeiter Anderson Gomes zeigt, dass konservative und rechtsex­treme Kräfte ihren Wirkungsbereich in Brasilien ausdehnen konnten.

Seit den Junidemonstrationen 2013, als Tausende in Brasilien auf die Straße gingen, um gegen das etablierte politische System und die fehlende Infrastruktur in den Städten zu protestieren, hat die staatliche Repression rapide zugenommen. Während der Proteste gab es eine Vielzahl von Verhaftungen. Im August 2013 verabschiedete das Parlament ein Gesetz zu kriminellen Organisationen. Es soll eigentlich Menschen bestrafen, die sich versammeln, um Verbrechen zu begehen, diente aber in der Praxis dazu, politische Proteste zu kriminalisieren.

Zum Ende der Amtszeit der Regierung von Dilma Rousseff kam ein Antiterrorgesetz hinzu. In einem Land, das noch nie einen Terroranschlag erlitt, ist dieses neue Gesetz zu einem weiteren Instrument der Unterdrückung sozialer Bewegungen geworden.

Im Jahr 2016 wurde das Land von einer erneuten autoritären Welle überrollt, die in einem parlamentarischen Putsch gipfelte. Antidemokratische Kräfte nutzten Lücken in der brasilianischen Verfassung, um die demokratisch gewählte Präsidentin zu stürzen. In den letzten zwei Jahren führte die Regierung Michel Temers – die weithin als illegitim angesehen wird – Sparprogramme ein, darunter eine Obergrenze für Sozialausgaben für die nächsten 20 Jahre sowie die komplette Flexibilisierung der Arbeitsverhältnisse.

Auf die soziale Unzufriedenheit wurde mit Maßnahmen zur öffentlichen Sicherheit reagiert, die rhetorisch ein Minimum an sozialem Konsens anstreben, aber in Wirklichkeit den repressiven Staat stärken. Unter dem Vorwand der Bekämpfung des Drogenhandels in Rio wurde den Streitkräften die Kontrolle über die Polizei erteilt. Diese Militäreinheiten verfügen über Ausnahmegenehmigungen zum Schutz der Soldaten, die in Slums vordringen und „Verdächtige“ töten. Jüngsten Erhebungen zufolge wurde seit Beginn der Militär­intervention bei Zusammenstößen mit der Polizei alle sechs Stunden eine Person umgebracht.

Die Kriminalisierung der Armut geht einher mit der Unterdrückung des politischen Aktivismus: 23 Jugendliche, die an den Protesten von 2013 teilnahmen, wurden kürzlich unter dem Vorwurf des organisierten Verbrechens mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestraft. Ihr eigentliches „Verbrechen“ bestand jedoch nur darin, auf der Straße zu demonstrieren.

Der staatliche Autoritarismus und die Zunahme rechtsradikaler Gruppen haben ihre Stimme in einem Präsidentschaftskandidaten gefunden: Jair Bolsonaro. Der ehemalige Hauptmann ist homophob und sexistisch, ein offener Verteidiger der Folter, Gegner von Inklusions- und Einwanderungspolitik und ein Befürworter der Todesstrafe, des uneingeschränkten Waffenverkaufs und der Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters.

Nach aktuellen Prognosen für die Präsidentschaftswahlen im Oktober dieses Jahres kommt Bolsonaro auf fast 18 Prozent der Stimmen und belegt damit, je nach Umfrage, den ersten oder zweiten Platz in der Wählergunst.

Durch die Zunahme staatlicher Gewalt hat sich der Spielraum für kritische Äußerungen und gesellschaftliche Veränderungen drastisch verkleinert. Das rechtsextreme Lager hingegen konnte seinen Einfluss deutlich steigern. Die Abtreibungsfrage veranschaulicht das sehr gut.

Vor dem Hintergrund des Regierungsstreichs und der Unterdrückungsmaßnahmen konnte die brasilianische Debatte das Niveau der Massenmobilisierung in Argentinien nicht erreichen. Trotzdem werden hierzulande sogar Todesdrohungen benutzt, um die erstarkende Frauenbewegung zu blockieren. In Brasilien erleben wir nicht nur einen gesellschaftlichen Rückschritt, sondern eine Tragödie, die sich lange angekündigt hat.


Aus: "Debatte Autoritarismus in Brasilien: Tragödie mit Ansage" Kommentar von Guilherme Leite Goncalves (27. 8. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/Debatte-Autoritarismus-in-Brasilien/!5527983/ (https://www.taz.de/Debatte-Autoritarismus-in-Brasilien/!5527983/)
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on August 29, 2018, 03:18:00 PM
"Der Fall Avital Ronell: Wurde eine feministische Startheoretikerin zur Täterin?" Klaus Taschwer (29. August 2018)
Avital Ronell kam einem Doktoranden allzu nahe, führende Intellektuelle von Judith Butler bis Slavoj Žižek setzten sich dennoch für sie sein. ... Ronell stritt die Vorwürfe nur zum Teil ab: Zu physischer Belästigung sei es nie gekommen. Die zahllosen zitierten Belege für verbale Übergriffe und Belästigungen hingegen tut sie – mit Griff in die dekonstruktivistische Trickkiste – als "schwul kodierte" Sprachspiele ab, die sich nun einmal durch eine schwülstig-kitschige Ausdrucksweise auszeichnen würden. Die Denkerin erhielt zudem einflussreiche Unterstützung – und diese peinliche Solidaritätsaktion machte den komplizierten Fall erst richtig publik. Nachdem in intellektuellen Zirkeln ruchbar wurde, dass die NYU ein Verfahren gegen Ronell eingeleitet hatte, unterzeichneten im Mai dieses Jahres 51 höchst prominente Philosophen und Intellektuelle (u. a. Feminismusikone Judith Butler, Radikaldenker Slavoj Žižek oder Postkolonialismuspionierin Gayatri Spivak) einen Brief an die Universitätsleitung. Darin gestanden sie zwar ein, die Anschuldigungen im Detail nicht zu kennen. Doch sie forderten für Ronell eine milde Behandlung, weil sie eine Frau, Feministin und eine großartige Denkerin sei. Man stelle sich so eine Argumentation im Fall von Harvey Weinstein vor! (Dass die 51 Intellektuellen glaubten, dass ihre Lobbying-Aktion vertraulich bleiben würde, macht sie nicht besser. Immerhin hat sich Judith Butler mittlerweile von einigen der darin angeführten Argumente distanziert.) ... Sexueller Missbrauch im universitären Bereich ist nicht neu. Schon 1977 hat die "New York Times" über eine Massenklage gegen Professoren in Yale berichtet. Beflügelt von der #MeToo-Bewegung (aber zum Teil auch schon deutlich vorher) haben manche, vor allem US-amerikanische Universitäten mittlerweile neue Verhaltenskodizes formuliert und Untersuchungen angesetzt – mit zum Teil schockierenden Ergebnissen. Im März wurde in Cambridge eine Studie präsentiert, in der 70 Prozent der weiblichen Studenten angaben, sexuell belästigt worden zu sein.
Das Öffentlichmachen fällt heute leichter. Indes sind die Konsequenzen unabsehbar. Die mutmaßlichen Täter wechseln meist in ein Sabbatical und kehren wieder. So auch jener WU-Professor, dem 2015 sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde. Die meisten Vorfälle finden in diffusen Situationen statt, sagt Mechthild Koreuber, Frauenbeauftragte der FU Berlin. Sie plädiert dafür, mit gendersensibler Didaktik mehr Bewusstsein für unrechtmäßiges Handeln zu schaffen. ...
https://derstandard.at/2000086235305/Der-Fall-Avital-Ronell-Wurde-eine-feministische-Startheoretikerin-zur-Taeterin


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changing the conversation

zur Ergänzung: von Zizek gibts eine ausführlichere Begründung.

"So why did I sign the letter? For a very simple reason: I DO know the details of the accusations against her, and I find them utterly ridiculous. "

https://thephilosophicalsalon.com/why-did-i-sign-the-letter-in-support-of-avital-ronell/

Sachverhalte lassen sich nicht anhand von Gruppenzugehörigkeiten beurteilen, 'details do matter'.  ...


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katzendemokrat

Ins Feuer mit ihr! #metwo #metoo #meow #mimimi


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Martin Auer

Ich kann's mir jetzt nicht verkneifen: #SheToo
Aber im Ernst: Es gibt ohne Zweifel weniger mächtige Frauen als mächtige Männer. Aber dass manche mächtige Frauen mit ihrer Macht auch nicht anders umgehen als manche mächtige Männer - muss uns das wundern? Das Problem ist die Macht über Menschen.


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on September 04, 2018, 08:03:56 AM
"Autorin über Mütter und Sex: „Die MILF ist ein Markt“" Interview: Mareice Kaiser (20. 5. 2018)
Katja Grach über ihr Buch „Die MILF-Mädchenrechnung“ und die Frage, wie aus der „Mom I’d like to fuck“ ein Subjekt werden kann. ...
Die Mutter galt sehr lange als asexuelles Wesen. Heilige und Hure standen sich gegenüber, die Mutter war die Heilige. Medial hat sich das in den vergangenen zwanzig Jahren geändert. Die Zuschreibungen für Frauen in Bezug auf ihre Attraktivität hat es schon immer gegeben. Aber es ist auffällig, dass diese mittlerweile sehr viel stärker in Bezug auf Mütter verhandelt werden. Die MILF vereint die Assoziationen von Heiliger und Hure. ...
http://www.taz.de/!5502889/ (http://www.taz.de/!5502889/)

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"#SheToo: Frauen sind auch Täter" Marietta Steinhart (5. September 2018)
Die jüngsten Belästigungsvorwürfe in den USA richten sich gegen Frauen. Das stellt die #MeToo-Bewegung vor eine notwendige Herausforderung. ... Die italienische Schauspielerin Asia Argento, die von Anfang an zu den Hauptakteurinnen der #MeToo-Bewegung gehörte und eine der ersten und lautesten Anklägerinnen von Harvey Weinstein war, wird verdächtigt, sich an einem zwanzig Jahre jüngeren, minderjährigen Schutzbefohlenen sexuell vergangen zu haben. Während es kritische Stimmen gibt, die der selbst erklärten Feministin Heuchelei vorwerfen, gibt es auch Menschen, die den Vorwurf für unwahrscheinlich halten. "Jeder 17-Jährige träumt davon, 'belästigt' zu werden. Zu behaupten, dass es in solchen Dingen keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern gibt, ist lächerlich", steht etwa in einem Kommentar zum entsprechenden Artikel in der New York Times. Weiter heißt es: "Vielleicht habe ich altmodische Ansichten, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Frau, besonders eine Frau, die so attraktiv ist wie Asia Argento, einen siebzehnjährigen Jungen missbraucht."
Stereotype sowohl von weiblicher Unschuld als auch von männlicher Schuld haben zu doppelten Standards geführt. ... So auch im Fall der kalifornischen Abgeordneten Cristina García. Sie gehörte zu jenen, die früh das Stillschweigen brachen und nach eigenen Aussagen von Kollegen wiederholt an Po und Brüsten begrapscht worden war. Das Time Magazine kürte sie zur Person des Jahres. Kurz darauf wurde García von einem Parlamentskollegen und einem Lobbyisten beschuldigt, unerwünschte Annäherungsversuche gemacht zu haben.
Oder die an der New York University lehrende, lesbische Professorin Avital Ronell. Sie soll ihren homosexuellen Doktoranden Nimrod Reitman über den gesamten Zeitraum seines Promotionsstudiums sexuell und emotional belästigt haben. ... Die 66-jährige Ronell, Professorin für deutsche und vergleichende Literaturwissenschaft, wies die Vorwürfe zurück. Die Beziehung "zwischen zwei Erwachsenen, einem schwulen Mann und einer schwulen Frau, die ein israelisches Erbe teilen" sei einvernehmlich gewesen, aber ein NYU-Untersuchungsausschuss befand die Akademikerin für schuldig, ihren Doktoranden des Rechts auf freies Lernen beraubt zu haben. ... Nein, dies ist nicht das Ende von #MeToo. Im Gegenteil. Schließlich war es die #MeToo-Bewegung, die es männlichen Anklägern erst ermöglichte, ernst genommen zu werden – weil dem Opfer der Logik des neuen Diskurses zufolge immer zu glauben ist. Es spricht nichts dagegen, dass eine Frau sowohl Täter als auch Opfer sein kann. Das steht aber noch lange nicht im Widerspruch zu einer Welt, die für Männer gebaut wurde. ...
https://www.zeit.de/kultur/2018-09/shetoo-metoo-asia-argento-harvey-weinstein-belaestigung/komplettansicht

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[...]  Knapp jede dritte Frau zwischen 30 und 34 hat laut Statistischem Bundesamt einen Hochschulabschluss. Damit haben sie die Akademiker überholt.

Junge Menschen in Deutschland erreichen tendenziell einen höheren Bildungsabschluss als die Generation ihrer Eltern. Das zeigen die Ergebnisse des Mikrozensus 2017, den das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlicht hat. Demnach verfügen 29 Prozent der 30- bis 34-Jährigen über einen Abschluss an einer Hochschule. Bei den heute 60- bis 64-Jährigen liegt der Anteil bei 19 Prozent.

Dass die junge Generation aufgeholt hat, zeigt sich vor allem bei Frauen: Über eine Generation hinweg hat sich der Anteil der Akademikerinnen laut der Erhebung verdoppelt. Bei Frauen im Alter von 30 bis 34 verfügten 30 Prozent über einen Hochschulabschluss; bei den 60- bis 64-Jährigen waren es nur 15 Prozent. Zum Vergleich: Bei Männern in der gleichen Altersgruppe sind es 27 Prozent, bei der älteren Generation 22 Prozent. Damit gibt es in Deutschland heute mehr junge Akademikerinnen als Akademiker. 

Den Mikrozensus gibt es seit 1957. Laut Statistischem Bundesamt stellt er Daten zur Struktur der Bevölkerung und deren wirtschaftlichen und sozialen Lage bereit. 


Aus: "Hochschulstatistik: Doppelt so viele Akademikerinnen wie vor einer Generation" (6. September 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/arbeit/2018-09/hochschulstatistik-frauen-hochschulabschluss-bildung (https://www.zeit.de/arbeit/2018-09/hochschulstatistik-frauen-hochschulabschluss-bildung)

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[....] Sie sind die Könige des Kitsches, schufen Ikonen für den schwulen Mainstream und verschrieben sich schon lange vor Instagram der makellosen Schönheit ...

Gilles: Andy Warhol hatte mit seiner Lebensweise einen sehr großen Einfluss auf uns. Er war einer der Ersten, die ihre Homosexualität nicht verstecken wollten. Ganz im Gegenteil, er integrierte sie in seine Arbeit, drehte provokante Filme und stellte Kunst in einem ganz neuen Licht dar. Warhol umgab sich mit seinem eigenen Clan. Wir fotografierten ihn für das Magazin "Façade" – das war der Anfang unserer Karriere und unserer gemeinsamen Arbeit. Für das Magazin porträtierten wir später auch Mick Jagger und Iggy Pop. Pierre: ... auch James Bidgoods Arbeiten und sein Film "Pink Narcissus" beeinflussten uns.

STANDARD: Dessen Arbeit steht wie Ihre für eine schwule Ästhetik. Gibt es die?

Gilles: Es gibt eine homosexuelle Sensibilität.

Pierre: Wir bekommen oft Briefe von jungen Menschen, die sich für unsere Arbeit bedanken und uns schreiben, wie viel sie ihnen bedeutet und dass sie ihnen Mut macht, zu ihrer Homosexualität zu stehen. Das freut uns. Unsere Bilder spiegeln wider, was wir um uns herum wahrnehmen und wie unsere Sicht der Dinge ist. Egal ob das unterschiedliche ethnische Gruppen sind, Homosexuelle, Heilige, Matrosen oder Comicfiguren. Jeder einzelne Mensch ist eine Ikone, etwas Außerordentliches, ein Star. Eine unserer letzten Arbeiten sind zwei Väter und ihr Sohn – das entspricht unserer Sicht auf das Thema "Ehe und Familie". STANDARD: Ihr Stil wurde zur Mainstream-Stimme für schwule Kultur. Pierre: Wir haben uns ja auch nicht versteckt. Und unsere Arbeiten sind nun einmal die Arbeiten eines schwulen Paares. Eine große Ausstellung, die wir 1986 hatten, hat sicher dazu beigetragen. Und dass unsere Arbeiten in Museen auf der ganzen Welt gezeigt werden. Gilles: In den Siebzigerjahren mussten wir revoltieren. Nacktfotos und vor allem Nacktfotos von Männern waren eine Befreiung. Man hatte viele Möglichkeiten, sich selbst und seine Arbeit darzustellen, alles war sehr neu und sehr verboten. Heute gibt es über das Internet unendlich viele Möglichkeiten, sich all dieser Dinge zu bedienen. Auf der anderen Seite gibt es eine seltsame Art der Kontrolle innerhalb dieses "freien" Systems, das heute existiert.

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Aus: "Nacktfotos von Männern waren eine Befreiung"" Interview Cordula Reyer (12. September 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000077032555/Pierre-et-Gilles-Nacktfotos-von-Maennern-waren-eine-Befreiung
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on September 24, 2018, 10:57:42 AM
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[...] Im Jahr 2016 gab es in Deutschland ungefähr 12.000 angezeigt Fälle von sexuellem Missbrauch – die Dunkelziffer ist Studien zufolge jedoch weitaus höher. Es gibt viele Gründe dafür, warum Betroffene das Erlebte niemandem mitteilen und auch nicht zur Polizei gehen. Psychischer Druck durch die Täter*innen oder die Scham, als Opfer dazustehen sind nur zwei davon. Wie Zahlen der Bundesregierung zeigen, sind die Täter*innen in der Hälfte aller Fälle aus dem näheren sozialen Umfeld, also Nachbar*innen, Sporttrainer*innen, Onkel oder Tanten. Weitere 25 Prozent sind direkte Familienangehörige.

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Aus: "#WhyIDidntReport: Frauen erzählen, warum sie Missbrauch nicht anzeigten" Manuel Bogner (2018)
Quelle: https://ze.tt/whyididntreport-frauen-erzaehlen-warum-sie-missbrauch-nicht-anzeigten/ (https://ze.tt/whyididntreport-frauen-erzaehlen-warum-sie-missbrauch-nicht-anzeigten/)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on September 26, 2018, 10:27:50 AM
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Terry Gilliam: ... Es gibt einen großen Unterschied zwischen Humor und Hass. Wenn Leute beides nicht unterscheiden können, begeben wir uns auf gefährliches Terrain. Die beste Comedy basiert auf Ehrlichkeit und Wahrheit, politische Korrektheit tut es zu oft nicht. ... Einmal wurde mir ein Vertrag vorgelegt, der eine sehr weit gefasste "Moralklausel" enthielt: Sie sollte mich dazu verpflichten, nichts zu sagen oder zu tun, was irgendjemanden beleidigen könnte. Es hatte nichts mit kreativen Fragen zu tun; es ging nur darum, dass die Produktionsfirma per Vertrag sicherstellen wollte, dass ich "politisch korrekt" bleibe.

Haben Sie unterschrieben?

Gilliam: Natürlich nicht! Zumindest nicht die Fassung, die mir und meinen Mitarbeitern gezeigt wurde. Im Grunde hatte diese gesagt: Wenn Sie mit uns arbeiten, stimmen Sie zu, Ihre Meinungsfreiheit auf die Dinge zu beschränken, die dem Mainstream genehm sind und weder als kontrovers noch beleidigend aufgefasst werden könnten. Wenn Sie kontroverse Dinge sagen, die die Befindlichkeiten von anderen verletzen könnten, dürfen wir Sie feuern. Es handelt sich dabei um eine sehr erfolgreiche Firma, die sehr erfolgreiche Shows fürs Fernsehen produziert, doch sie hat sich von der öffentlichen Meinung einschüchtern lassen in der Frage, welche Ansichten in der heutigen Welt akzeptabel sind. Ich nehme an, dass es Leute gibt, die dort arbeiten wollen und dieses Statement unterschrieben haben. Das macht mir Angst.

ZEIT ONLNE: Wie gehen Sie damit um, wenn Sie von anderen beleidigt werden?

Gilliam: Wissen Sie, ich bin die ganze Zeit beleidigt. Wegen dem, wie sich Leute verhalten, wegen dem, was sie sagen … Aber was soll ich tun? Entweder ich starte eine Organisation, um das zu bekämpfen – oder ich drehe einen Film oder schreibe etwas Witziges. Manchmal sage ich etwas, das kein anderer sagt, um die Debatte zu eröffnen. Unsere Gesellschaft ist zu sehr von Gruppendenken geprägt: Jeder will sich nur mit Leuten umgeben, die so denken wie er selbst.

ZEIT ONLNE: Sie finden, dass man die gesellschaftliche Polarisierung nur durchbrechen kann, wenn man ab und zu etwas Provokantes sagt?

Gilliam: Das denke ich. Natürlich wird man angegriffen werden, wenn man sich nach vorne wagt. Aber so ist das halt. Während der #MeToo-Debatte habe ich gesagt, dass einige Frauen davon profitiert haben, mit Harvey Weinstein auf sein Hotelzimmer gegangen zu sein. Das habe ich nicht getan, um seine Opfer zu beleidigen, sondern weil es stimmte. Viele fanden meine Aussagen jedoch widerlich. Gleichzeitig habe ich auf Facebook sehr viele positive Kommentare von Frauen bekommen, die auch fanden, dass #MeToo zu weit gegangen ist und viel zu rachsüchtig bei kleinen Vergehen war. Eine Schauspielerin hat mir in einer Email geschrieben, dass sie die Dinge so sieht wie ich. Sie selbst war mit Weinstein in einem Hotelzimmer gewesen, hatte sich im Gegensatz zu anderen aber wieder herausgequatscht. Ich habe ihr gesagt: Du musst das laut sagen! Ich als Mann kann das nicht tun. Aber sie hatte Angst, dass sie dann auch angegriffen wird.


Aus: ""Die Menschen werden immer dünnhäutiger"" Interview: Khuê Phạm (25. September 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/film/2018-09/terry-gilliam-interview-comedian-satire-politische-korrektheit (https://www.zeit.de/kultur/film/2018-09/terry-gilliam-interview-comedian-satire-politische-korrektheit)


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Islay #5

Ich befürchte, Terry Gilliam beschreibt eine Welt, die Leuten wie dem interviewenden Journalisten inzwischen total fremd und merkwürdig vorkommt: Provokant sein, politische Korrektheit in den Wind schlagen, Querdenken, gegen den Strom schwimmen, nicht immer mit Angtschweiß auf der Stirn nach Rechts schielen ...


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Dr. J #11

Monty Phyton haben in das Leben des Brian auf satirische Weise Zustände beschrieben, die noch heute eine Region prägen (Seid ihr die judäische Volksfront? Nein, wir sind die Volksfront von Judäa!). Zudem haben sie mit Eric Idle als Loretta quasi die heutige Genderdebatte vorweggenommen. Man sollte Menschen, die so vorausschauend waren, ernster nehmen.


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Miasto #12

Wie erfrischend.

Wir tragen ja schon alle die "Zensur-Schere" im Kopf. Bloß nicht anecken. Es könnte sich ja jemand diskriminiert fühlen. Zum Glück habe ich gerade eine geschlechtsneutrale Formulierung gewählt. Ufff. Nochmal Glück gehabt.


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conwa #12.1

Man muss aber auch nicht jeden Windhauch der Kritik als Faulen-Eier-Furz empfinden. Auch die, die "Neger" sagen, sind verdammt dünnhäutig geworden.


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Für-den-Erhalt-des-echten-Asylrechts #16

Die Political Correctness ist ein Gewissens-Substitut.
Im Gegensatz zum Gewissen ist die PC aber von außen veränderbar und genau das ist das ganz große Problem, meiner Meinung nach!
Ich leiste mir weiterhin den Luxus einer eigenen Meinung und eines eigenen Gewissens.


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Vernünftiger Kommentarschreiber #16.1

Polanski sagte etwa (sinngemäß): der einzige Sinn vom PC ist die Hoffnung, sich Ärger mit den Minderheiten vom Leib zu halten.


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woherwohinwarum #19

Schönes Interview. Satire, dass es auf ZON steht.


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Schreckhafte Tapete #19.1

Hehe, sehr gut! :)


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KantsKind #23

Heute darf man noch nicht mal mehr Jehova sagen….


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Miniwahr #27

Was, frage ich euch, haben weiße Männer je für uns getan?


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KantsKind #27.1

den Aquädukt?


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Adam Kowalski #30

Man stelle sich nur vor, heute würde jemand einen Film drehen, in dem Burgen mit Kühen beschossen oder Kaninchen von heiligen Handgranaten in die Luft gejagt werden.


John Cleese - Political Correctness Can Lead to an Orwellian Nightmare
(Gervasio Chiazzo, Am 31.01.2016 veröffentlicht):
https://youtu.be/ukisoucFIk4 (https://youtu.be/ukisoucFIk4)

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raflix #39

Beschwert sich über political correctness und jammert gleichzeitig, er würde als weißer Mann für alles verantwortlich gemacht. Wer ist hier dünnhäutig?


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Nightrider #39.2

Sie haben die Ironie nicht verstanden. Eben das beklagt er.


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Betta-Splendens #42

"Das Leben des Brian" ist vielleicht der beste politische Film ever. Zu meiner Studentenzeit wurden die Zitate daraus bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit verwendet. Setz dich, nimm dir nen Keks.

Die politischen Diskussionen in der Widerstandsgruppe sind zeitlos und funktionieren heute noch genauso.

Inklusive der Szene in der Stan erklärt künftig Loretta zu sein und Babys bekommen zu wollen. Die Steinigungszene, die Volksfront von Judäa versus judäische Volksfront versus populäre Front -> Spalter Szene ect. ect.

Das ist alles zeitlos...


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mrami #42.1

Ich lese viel Zeitung und denke, dass "Das Leben des Brian" die meistzitierte Quelle nach den offiziellen Klassikern wie Adorno und Habermas ist - nach wie vor. Gerade wieder sehr beliebt: "er hat Jehova gesagt".


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Shenia #46

"Sie selbst war mit Weinstein in einem Hotelzimmer gewesen, hatte sich im Gegensatz zu anderen aber wieder herausgequatscht."

Nicht jede Frau, die mit Weistein in einem Hotelzimmer war konnte sie sich herausquatschen. Deswegen fühlen manche vergewaltigte und/oder genötigte Frauen nicht ernst genommen. Und das ist schlimm, weil Gewalt ist immer Gewalt, egal ob sie in einem Hotelzimmer passiert oder irgendwo in Bosnien, wo Frauen systematisch vergewaltigt wurden. Das sollte man nicht bagatellisieren.

Bei den Männern habe ich oft Solidarität vermisst bei der Kampf der Frauen gegen Gewalt. Obwohl diesen Männern kein Gewalt angetan wurde, gab es ein Aufschrei wegen der Männer-Bashing. Arme Männer! Oder ging es bei #MeToo nicht um die Gewalt die den Männern angetan wurde, die haben es einfach verwechselt?


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grüne Insel #47

Der Mann spricht mir aus der Seele , ich kann dem Inhalt des Interviews auch als Frau nur zustimmen. Und ja , man kann es auch mit der political correctness übertreiben , im Grunde erschwert sie die Debatte bzw. Auseinandersetzung zwischen Menschen mit unterschiedlichen Ansichten und Standpunkten. ...


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G300Marker #49

Bleibe ich in meinem kulturkreis und beschäftige mich mit der gesellschaft um mich rum oder nehme ich andere gesellschaften in weiter ferne aufs korn?
Beim letzteren könnte man "jud süss" mit farbe und backgroudgelächter aufarbeiten und es als satire verkaufen.
Sind uns grenzen gesetzt?


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Paul Freiburger #49.2

Terry Gilliam hat den Unterschied doch klar gemacht: "Es gibt einen großen Unterschied zwischen Humor und Hass. Wenn Leute beides nicht unterscheiden können, begeben wir uns auf gefährliches Terrain."


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Bastet88 #49.3

Dneken Sie doch mal an Lubitsch "Sein oder Nichtsein" oder an den "Großen Dikator". Meinetwegen auch an "Frühling für Hitler".
Vor vielen Jahren kam im Anschluss der Ausstrahlung des Lubitsch-Films eine Dokumentation mit Diskussion. Lachen über Hilter- darf das sein? Leider wurde dies nie mehr ausgestrahlt.


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cnlzeitonline #54

"Die Menschen werden immer dünnhäutiger"

...leider wahr.


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magnalogger #54.1

Das empfinde ich als eine Mikro-Agression.

Im Ernst: Die Zeiten werden immer autoritärer , dem PC-Imperativ ist bedingungslos zu folgen. ...


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Dohlenmann #56

Ich muss Terry Gilliam zustimmen. Er mit seinen Punkten einfach recht. Besonders wichtig finde ich zwei Dinge:

1)
Tatsächlich sollte man von PC sprechen, selbst wenn es ein Begriff der Rechten ist. Es ändert ja nichts daran, dass die Beschreibungen einfach in manchen Teilen zutrifft - die Dosis macht es freilich. Der Unterschied zu den rechten Wirrköpfen oder Hetzern ist, dass diese PC als Kampfbegriff gebrauchen und wirklich hinter ALLEM, was gegen sie argumentiert, PC wittert.
Die PC, um der es Leuten wie Gilliam geht ist wiederum diejenige, die aus Angst vor dem offenen Kurs alles zensiert und alles angreift, was nicht einer ganz vagen Linie des Sagbaren entspricht, die viele Verfechter nicht einmal selbst definieren können.

2)
Linke und Mitte-Leute sollten tatsächlich mehr Humor lernen. Wenn man dort etwas selbstironischer auftreten könnte, wäre man weniger verkrampft und würde auch mehr Leute ansprechen. Heutzutage - und das großteilig zurecht - will man sich nicht andauernd belehren lassen. Wir leben ja freilich auch nicht in einer so schlimmen Zeit (wirklich nicht). Durch ständiges Schuld-einreden kriegt man niemanden ernsthaft überzeugt.


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patrick rozina #58

...

"Die Siechen, ich hab's schon immer gewusst, die Siechen."
"Gepriesen sei die Winterindustrie."
"Jeder nur ein Kreuz,..."
"Ist Weibsvolk anwesend?"
"Rübennase!"


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Zeitabzuhauen #63

Terry, ich hab dich lieb. Echt. Dieser Mann hat mir mit TIME BANDITS, BRAZIL, 12 MONKEYS und anderen noch viel schrägeren Filmen früh die Augen geöffnet, wo diese bekloppte Menschheit mal hingehen könnte. Und siehe da: Hier sind wir jetzt!


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Levi Krongold #65

Aus der Seele gesprochen!
Wir leben offenbar in einer Zeit der masochistischen Selbstzensur und devoter, eilfertiger Unterordnung. Das könnte kein autoritärer Staat besser hinbekommen. ...


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Vic Dorn #65.1

Hat schon jemand Brahms 'Zigeunerlieder' umgetextet? Oder gibt's dafuer in Deutschland bereits ein Auffuehrungsverbot? ...


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Peter Wimsey #65.2

Ich stelle mir gerade vor, wie es wäre, wenn "Cindy und Bert", zwei Stars aus Dieter Thomas Hecks 'Hitparade' meiner Kindheit, heute auftreten würden. Ihr bekannter Schlager hieße wahrscheinlich "Aber, am Abend, da spielt der Angehörige einer nicht sesshaften Minderheit" ...


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0tttt0 #68

Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/mf]Entfernt. Bitte formulieren Sie Kritik sachlich und differenziert. Danke, die Redaktion/mf


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0tttt0 #68.1

Soll das ein Witz sein Herr Adler?


Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 01, 2018, 12:33:09 PM
Quote
[...] Anders als bislang von ihr behauptet hatte die #MeToo-Aktivistin Asia Argento doch Sex mit dem US-Schauspieler Jimmy Bennett, der Missbrauchsvorwürfe gegen die Italienerin erhoben hat. Allerdings deutete die Filmregisseurin und Schauspielerin im Interview des italienischen Senders La 7 am Sonntagabend an, der zum damaligen Zeitpunkt noch minderjährige Bennett habe sie überrumpelt. Inzwischen empfinde sie neben Wut vor allem Mitleid mit Bennett, den sie als „verlorene Seele“ bezeichnete.

... Die „New York Times“ berichtete Ende August, Argento habe Bennett 2013 in einem kalifornischen Hotel missbraucht, als er 17 und sie 37 Jahre alt war. Sexuelle Handlungen mit Unter-18-Jährigen sind in dem US-Bundesstaat strafbar. Nach dem Vorfall habe sich Argento mit Bennett außergerichtlich auf die Zahlung von umgerechnet 330.000 Euro geeinigt, um die Missbrauchsvorwürfe auszuräumen. Argento bestätigte der Zeitung zwar, dass Geld an Bennett floss, bestritt aber zugleich jegliche sexuelle Beziehung zu dem 20 Jahre jüngeren Schauspieler und sprach von „Verfolgung“.

In der Sonntagssendung „Non è l'Arena“ räumte sie nun ein, der „New York Times“ in einer ersten Reaktion auf den Bericht noch etwas anderes erzählt zu haben, um „keine schlüpfrigen Details ausbreiten“ zu müssen. Tatsächlich habe sie damals einem Treffen mit Bennett zugestimmt, um ihm bei den Vorbereitungen für eine Probe zu helfen. „Er ist dann regelrecht auf mich gesprungen“, sagte Argento dem italienischen Sender. Sie sei „erstarrt“.

Nach eigenen Worten war ihr damals nicht klar, dass der Jungschauspieler erst 17 Jahre alt war. Immerhin habe sie ihn da zum ersten Mal seit zehn Jahren gesehen. Bennett hatte 2004 in dem Film „The Heart Is Deceitful Above All Things“ Argentos Sohn gespielt.

...


Aus: "#MeToo-Aktivistin Argento räumt Sex mit Teenager ein" (01.10.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/asia-argento-metoo-aktivistin-argento-raeumt-sex-mit-teenager-ein/23133454.html (https://www.tagesspiegel.de/kultur/asia-argento-metoo-aktivistin-argento-raeumt-sex-mit-teenager-ein/23133454.html)

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berlinerbuehnenbesucher 11:11 Uhr
Ich erinnere mich noch gut daran, daß vor gar nicht so langer Zeit die kalifornische Academy ein verfilmtes Drehbuch prämierte, in dem ein minderjähriger und ein volljähriger Mensch miteinander einvernehmlich Sexualität ausübten. Das waren sogar zwei Männer ! "Call me by your name". Der Skandal blieb aus ...


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siggi2016 10:39 Uhr

... Das Problem ist das sogenannte Schutzalter, nicht Frau Argento. Missbrauch einer attraktiven Frau eines 17-jährigen? Wie lächerlich ist das denn?
Schade, dass ich das nicht war.


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Westpreussen 10:43 Uhr
Antwort auf den Beitrag von siggi2016 10:39 Uhr
@siggi2016

"Schade, dass ich das nicht war."

Seufz.


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siggi2016 11:27 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Westpreussen 10:43 Uhr
Tja, so ist das.

Das gesetzliche Schutzalter ist auf der ganzen Welt unterschiedlich. In manchen liegt es bei 13 Jahren, was definitv zu niedrig ist, bei manchen bei 20 oder es erlaubt heterosexuelle Handlungen erst in der Ehe.
In Idaho gelten alle sexuellen Handlungen, die Männer mit weiblichen Partnern unter 18 Jahren haben, als Vergewaltigung. Andersrum gibt es das nicht.

... Starre Altersregelungen sind ein Anachronismus, kriminalisieren Menschen und sind im Kampf gegen sexualisierten Missbrauch kontraproduktiv.

Eine maltesische Regelung, bis 12 Jahren ist es generell Vergewaltigung, ab 12 bis 18 Jahren kann es legal sein,  "..sofern die minderjährige Person nach Einschätzung des Gerichts als sexuell erwachsen anzusehen ist.", kommt der Realität schon näher.

Es darf nicht (nur) ums Alter gehen, sondern um Abhängigkleiten und Ausbeutung, um Selbstbestimmung.


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fritz 10:04 Uhr
Sex mit einem 17-jährigen ist nur nach dem Recht der USA, das keine Allgemeingültigkeit hat, Missbrauch,
Bei uns hatten ca. 60 Prozent aller 17-jährigen Jungen bereits Sex.
Da wir ja so gerne überall unsere Maßstäbe anlegen, können wir das auch in diesem Fall tun, statt uns über etwas zu empören, was hierzulande völlig legal ist.


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Zweiglein 07:58 Uhr
Wie war das noch mit dem Splitter im Auge des Nächsten, und dem Balken, den man im eigenen Auge nicht wahrnimmt? Es wird noch vieler Recherchen bedürfen, denn es ist ein Tabu in unserer so aufgeklärten Zeit, daß auch Frauen Täter sein können! Für Jungs sehr viel schambesetzter, einen Mißbrauch zu thematisieren -  die Rollenmuster sind verinnerlicht und sitzen tief!


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Bierliner 07:19 Uhr
Möchte da jemand Kasse machen oder wurde er wirklich missbraucht?


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macthepirat 08:58 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Bierliner 07:19 Uhr
Nach californischem Recht wäre es mißbrauch, auch wenn die Initiative von ihm ausgegangen sein sollte. Und natürlich will er damit Kasse machen. Fällt schlicht unter den Oberbegriff Erpressung. Interessant ist das die Vorwürfe offenbar erhoben wurden nach dem sie die Zahlungen eingestellt hat.
Was da wirklich passiert ist wissen nur die beiden.


...

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[...] Der wegen Vergewaltigung angeklagte Ex-Filmproduzent Harvey Weinstein hat in seinem bevorstehenden Strafprozess einen Teilerfolg errungen. Die Staatsanwaltschaft ließ einen der sechs Anklagepunkte gegen den 66-Jährigen fallen. Dabei geht es um Vorwürfe der früheren Schauspielerin Lucia Evans. Die Klage auf Grundlage der Vorwürfe von zwei weiteren Frauen hat aber weiterhin Bestand. "Kurz gesagt fahren wir mit voller Kraft voraus", sagte Staatsanwältin Joan Illuzzi während der Gerichtsanhörung.

Evans hatte Weinstein in einem Beitrag des New Yorkers vor einem Jahr beschuldigt, sie 2004 bei einem Arbeitstreffen in seinem Büro zum Oralsex gezwungen zu haben. Nun tauchte eine schriftliche Stellungnahme von Evans auf, die darauf hindeutet, dass der Sex der beiden einvernehmlich stattfand. Der New York Post zufolge hatte Evans' früherer Arbeitgeber das Dokument auf einem Firmencomputer gefunden und an die Staatsanwaltschaft gegeben.

Die Klage steht damit auf einer wackligeren Basis als zuvor. Der Schritt sage aber nichts über Weinsteins Schuld oder Unschuld aus, teilte Evans' Anwältin Carrie Goldberg mit. Der Staatsanwaltschaft warf sie vor, den Fall schlecht zu handhaben.

... Weinstein erschien im Gericht erneut im dunklen Anzug. Der 66-Jährige ist derzeit gegen Kaution auf freiem Fuß. Die nächste Anhörung ist für den 20. Dezember angesetzt. Einen Termin für einen möglichen Prozessbeginn gibt es noch nicht. Weinstein hat auf nicht schuldig plädiert. Bei einer Verurteilung droht ihm im schlimmsten Fall eine lebenslange Haftstrafe.


Aus: "Staatsanwaltschaft lässt Anklagepunkt gegen Harvey Weinstein fallen" (12. Oktober 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-10/harvey-weinstein-staatsanwaltschaft-anklagepunkt-lucia-evans (https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-10/harvey-weinstein-staatsanwaltschaft-anklagepunkt-lucia-evans)

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recht und gerechtigkeit #2

Interessant wäre zu wissen, was hier genau mit "einvernehmlich" gemeint ist.


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meinereiner01 #2.4

Die Frage ist doch wohl ob die Frauen sich für den Erhalt von Filmrollen prostituiert haben oder ob Weinstein den Sex eingefordert hat mit der Drohung, dass sie nur so die Filmrolle kriegen.
Wenn das geklärt ist, dann kommt die Frage ist denn die Erpressung, dass man (Frau) besagte Rolle in dem Film nur übers Bett bekommt eine Drohung mit einem Übel das geeignet ist den Straftatbestannd der Erpressung zu erfüllen. Dieser fordert ein "empfindliches Übel". Wenn ich der Kassiererin bei Rewe mit Entlassung drohe falls sie nicht mit mir ins Bett geht ist das mit Sicherheit ein empfindliches Übel - aber wie sieht das aus wenn ich einer millionenschweren Schauspielerin damit drohe ich würde ihre Traumrolle mit jemand anderem besetzen ? Ob das ein empfindliches Übel ist richtet sich sicherlich danach ob man glaubt die entsprechende Person hätte ein Anrecht auf die Rolle

All das ändert natürlich nichts daran, das es ecklig ist von Untergebenen sexuelle Handlungen einzufordern und in jedem Falle auch eine strafrechliche Ahnung stattfinden muss.


Quote
GlobalTraveler #2.5

"Interessant wäre zu wissen, was hier genau mit "einvernehmlich" gemeint ist."

Es könnte auch bedeutet haben, sich einem materiellen Druck durch Weinstein gebeugt zu haben, und "einvernehmlich" die Opferprämie gezahlt zu haben.
Sollte Evans jedoch vorher einen abweichenden Tatvorwurf erhoben haben, hat das Gericht Grund, diese Klägerin für zweifelhaft zu erklären.
Das ist leider das Problem bei dieser Debatte. Es geraten handfeste Vergewaltigungen und Gewalt in einen Topf mit Formen der Prostititution bis hin zu unangemessenen Tätscheleien.


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Franz Xy #13

Ich finde Personen, die mit solchen Anschuldigungen falsch um sich werfen, sind das Letzte.
Die machen den realen Vergewaltigungsopfern mehr Probleme als alle Chauvinisten zusammen.


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Patrick P. #15

Sollte das so weiter gehen und wenig juristisch Bestand haben: Kommt dann von allen Betroffenen in Hollywood und Medien das große #medochnicht und #mesorry? Oder wird so getan als wäre nichts gewesen? ...


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 07, 2018, 07:45:04 PM
Alle 24 Stunden versucht in Deutschland ein Mann, seine Frau zu töten. Jeden dritten Tag gelingt es einem. 149 Frauen wurden im Jahr 2017 von ihrem Partner umgebracht. Die Frauen werden erstochen, mit einem Strick erwürgt, schwanger in den Fluss geworfen, totgeprügelt. (ZEIT) 01:11 - 7. Okt. 2018
Männer töten aus Eifersucht. Sie fühlen sich gekränkt, weil ihre Freundin oder Frau fremdgegangen ist, weil sie sich trennen will oder sich schon getrennt hat. In der Forschung heißen die Fälle deshalb »Trennungstötungen«.
Die große Mehrheit der Täter, über 70 Prozent, hat die deutsche Staatsbürgerschaft. Doch das Muster der Taten ähnelt dem, was man im Allgemeinen als Ehrenmord bezeichnet. Aber gibt es auch so etwas wie einen deutschen Ehrenmord?
https://twitter.com/a_sator/status/1048848391344668672 (https://twitter.com/a_sator/status/1048848391344668672)

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[...] Bei Ehrenmorden ist der Aufschrei groß. Tötet ein Deutscher aus Eifersucht seine Frau, interessiert das kaum jemanden – und die Strafen fallen milder aus.


Aus: "Beziehungstaten: Weil du mir gehörst" Elisabeth Raether (3. Oktober 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/2018/41/beziehungstaten-ehrenmorde-frauenmorde-maennergewalt-familie (https://www.zeit.de/2018/41/beziehungstaten-ehrenmorde-frauenmorde-maennergewalt-familie)

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[...] Die Frage, ob Sex gegen Geld aus feministischer Sicht in Ordnung ist, spaltet die Frauenbewegung seit jeher. In patriarchalen Verhältnissen, monieren die einen, sei eine selbstbestimmte Sexarbeit nicht möglich. Prostituierte seien die Opfer, Zuhälter die Täter, und wünschenswert vor allem eine Abschaffung des Systems Prostitution.

Der Hurenbewegung wiederum geht es vor allem darum, die Branche zu entkriminalisieren, um die Bedingungen zu verbessern, unter denen Sexdienstleisterinnen arbeiten. Die gesellschaftliche Stigmatisierung müsse abgebaut werden, fordern sie, und Sexarbeit anderen Gewerben gleichgestellt.

... „Man muss zwischen Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung unterscheiden“, sagt Undine de Rivière. Zwar sei der Job für viele nicht der Traumjob – was ihn aber vor allem schwierig mache, seien die Umstände: die rechtliche Situation, das gesellschaftliche Stigma. Deshalb, fordert de Rivière, müsse Sexarbeit als Freiberuf anerkannt werden.

Dabei versage derzeit die Frauenbewegung, kritisiert Antje Schrupp: „Wir schaffen es nicht, darüber zu sprechen und zu gemeinsamen Positionen zu kommen, sondern haben uns in zwei Lager verbarrikadiert, die sich bekämpfen. Deshalb lassen wir uns von Leuten über den Tisch ziehen, denen es nicht darum geht, den Frauen zu helfen, sondern die eine repressive Ordnungspolitik wollen.“

...


Aus: "Podcast zur Frauenbewegung ab 1968: „Sex ist ein Luxusgut“" Patricia Hecht (12. 9. 2018)
Quelle: https://www.taz.de/Podcast-zur-Frauenbewegung-ab-1968/!5531782/ (https://www.taz.de/Podcast-zur-Frauenbewegung-ab-1968/!5531782/)
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on October 16, 2018, 09:24:47 PM
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[...] Anders als bei der Vorgängerapp können bei Ohlala nur Männer Kunden und Frauen Dienstleistende sein. Die Erfahrung bei Peppr war, dass "kaum Frauen für Dates zahlen". Über die Nutzerzahlen von Ohlala will Pia Poppenreiter nichts sagen, nur so viel: "Täglich werden Dates im niedrigen vierstelligen Bereich ausgemacht."
Das ist ein winziger Bruchteil einer Branche, deren Umsatz das statistische Bundesamt auf 14,6 Milliarden Euro schätzt. Dennoch ist Ohlala eines der vielen Beispielen dafür, wie das Internet, soziale Netzwerke und Smartphones die Sexarbeit verändern. "In Deutschland hat sich Prostitutionswerbung von Printanzeigen zu großen Teilen auf Onlineplattformen verlagert" ...

... eine britische Studie von 2018 fand heraus, dass das Internet Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern mehr Kontrolle über ihre Arbeit gibt. Gleichzeitig würden aber auch die Gefahren der digitalen Belästigung und Erpressung steigen. Für die Studie haben Forscher der Universitäten Leicester und Strathclyde 624 Sexarbeiter befragt, die das Internet in ihrer Arbeit oder zur Kundenakquise genutzt hatten. Vier Fünftel der Befragten sagten, dass das Internet ihre Arbeitsbedingungen verbessert habe. Fünf Prozent gaben an, im vergangenen Jahr körperliche Übergriffe erlebt zu haben – entschieden weniger als in anderen Umfragen mit Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern.

Die Forscher begründeten Letzteres damit, dass das Internet Sexarbeiterinnen erlaube, die Kunden besser zu selektieren – und Kolleginnen und Kollegen vor gefährlichen Freiern zu warnen. Auf speziellen Plattformen können Sexarbeiter zum Beispiel die Handynummer eines potenziellen Kunden eingeben – und so herausfinden, ob andere Prostituierte diesen schon gemeldet haben. Dafür gab aber auch über ein Drittel der befragten Sexarbeiter an, belästigende Anrufe und Nachrichten zu bekommen – darunter auch Drohungen, sie als Prostituierte zu outen oder private Informationen, wie zum Beispiel deren Adresse, online zu veröffentlichen.

Denn auch wenn Prostituierte ihre Kunden durch das Internet besser einschätzen können: Das Risiko, enttarnt und erpresst zu werden, bleibt zum großen Teil bei den Sexdienstleistenden. Um Kunden zu bekommen, sind Prostituierte darauf angewiesen, Fotos auf Internetplattformen hochzuladen. Die Profile der Kunden bleiben meistens bildlos. Bei Ohlala bekommen Männer die Frauenprofile zwar erst dann zu sehen, wenn eine Frau sie gelikt oder kontaktiert hat. Trotzdem: Um überhaupt mitmachen zu können, muss jede Frau drei Fotos hochladen. Für Männer gibt es diese Pflicht nicht.

Ebenfalls sind Prostituierte viel eher von Bewertungen abhängig als deren Kunden. Auf Plattformen wie Kaufmich bleiben die Erfahrungsberichte zwar einigermaßen zivil – schließlich haben die Freier ebenfalls ein Interesse daran, eine gute Bewertung zu bekommen – und ein grober Umgangston kann gemeldet werden. In einigen Freierforen, in denen Kunden sich über Prostituierte austauschen, bleiben sie aber oft unzensiert. Die Frauen werden dort wie Objekte bewertet, schlimmstenfalls frauenverachtend und in obszöner Sprache. Die Verfasser bleiben anonym – beziehen sich aber auf reale Frauen, die man oft anhand Onlinespitznamen, intimer Details oder ihrer Arbeitsstätte identifizieren kann.

Indem man Sexdienstleistungen über Onlineplattformen vermitteln lassen kann wie Essenskuriere oder Putzhilfen – wird auch Sexarbeit Teil der Gig-Economy. Und damit kommt die Frage auf, die auch Deliveroo und Uber austarieren müssen: Wie viel Verantwortung trägt die Plattform, wenn etwas schiefgeht? "Wir bieten die Rahmenbedingungen für bezahlte Dates an. Was da passiert, ist nicht unsere Sache", sagt Pia Poppenreiter von Ohlala. Klar könnten unangenehme Erfahrungen vorkommen: "Aber das trifft auch auf Tinder zu." Eine Begegnung, die über Ohlala zustande kommt, sei sicherer, als einen Fremden in einer Bar aufzureißen: Schließlich müssten Nutzer vorher ihre Telefonnummer und ihre E-Mail-Adresse bestätigen. "Wenn drei Frauen melden, dass der User auffällig wurde, sperren wir ihn. Das Gleiche gilt umgekehrt", sagt sie. Dass der User sich in der nächsten Minute mit einer neuen E-Mail-Adresse und SIM-Karte anmelden kann – geschenkt.

Bei Ohlala müssen zwar alle Benutzer bestätigen, dass sie über 18 sind – überprüft wird es nicht. Einige männliche Benutzer geben in ihren Profilen an, ausschließlich Sex ohne Kondom zu suchen. Dabei ist "Verkehr ohne" anzubieten gesetzlich verboten. Freier, die darauf bestehen, riskieren nach dem Prostitutionsschutzgesetz, das seit 2017 gilt, ein Bußgeld von 50.000 Euro. Doch offenbar hoffen einige Benutzer, diese Auflage in einem Portal, in dem die Grenze zwischen Date und Prostitution verschwimmt, umgehen zu können. Und die Betreiber hindern sie nicht daran – und warnen auch die Frauen, die sich bei Ohlala "auf Männer bewerben", nicht, dass Sexarbeiterinnen verpflichtet sind, sich bei einer Behörde anzumelden – und eine Bescheinigung bei sich zu führen, die diese Anmeldung bestätigt.

Dass Sexarbeit nach dem Deliveroo-Prinzip zunehmend über Plattformen wie Ohlala vermittelt wird, bedeutet, dass Prostituierte sich immer mehr um ihre Sicherheit, die Einhaltung der Gesetze – und die eigene Vermarktung kümmern müssen. Für Frauen wie Josefa Nereus, die eine eigene Homepage und einen YouTube-Kanal führen, mag dieses Konzept aufgehen: Sie ist gebildet, mit dem Internet aufgewachsen und weiß als gelernte Mediengestalterin, wie man sich online präsentiert. Aber den Straßenstrich, den Poppenreiter effizienter machen wollte, werden die technischen Neuerungen nicht erreichen.

Die Medienpsychologin Nicola Döring spricht in diesem Zusammenhang vom "Matthäus-Prinzip": Wer hat, dem wird gegeben. Das Internet verbessere zwar die Arbeitsbedingungen von gebildeten Sexarbeitern und Sexarbeiterinnen, die sich gut im Internet vermarkten können. "Für unterprivilegierte Prostituierte in Deutschland, denen technischer Onlinezugang, Kenntnisse der deutschen Sprache und/oder ausreichende Medienkompetenz fehlen, führt das Internet aber zunächst kaum zum Empowerment", schreibt sie.

"Auf dem Straßenstrich kommt die Digitalisierung nicht an", sagt auch Josefa Nereus. "Die, die durch alle Raster gefallen sind, schaffen es auch nicht, Werbung im Netz zu machen." Insgesamt habe sie zwar das Gefühl, dass das mittlere und höhere Preissegment von der Digitalisierung profitiere – und die Arbeit durch das Internet sicherer geworden sei. "Aber ich muss gestehen: Die düsteren Ecken des Internets kenne ich nicht. Ich weiß nicht, was im Darknet abgeht."


Aus: "Wie Facebook für Escorts und Freier" Wlada Kolosowa (16. Oktober 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/arbeit/2018-10/sexarbeit-app-ohlala-dating-prostitution-online/komplettansicht (https://www.zeit.de/arbeit/2018-10/sexarbeit-app-ohlala-dating-prostitution-online/komplettansicht)

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Mariella Santibanez #4

>>Anders als bei der Vorgängerapp können bei Ohlala nur Männer Kunden und Frauen Dienstleistende sein.<<

Was sagt das über Mann und Frau aus?

Heftig.


Quote
c0mm0n sense #6

Bringt mehr für die Anschaffenden als jedes Verbot.


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on November 14, 2018, 01:17:41 PM
Quote
[...] Ich gucke Pornos, seit ich elf oder zwölf Jahre alt war. Lange dachte ich – oder redete mir ein –, die starken Schuldgefühle, die ich dabei empfand, rührten vor allem daher, dass ich die Altersschranke wegklickte, obwohl ich längst nicht volljährig war. Auch die Attraktivität der Sache schob ich zumindest in Teilen darauf. Doch es hörte natürlich nicht auf, als ich 18 geworden war. Legal ist es zwar längst, dass ich mir das angucke – aber ist es auch in Ordnung?

Die erste Hausarbeit im Studium habe ich über feministische Sichtweisen auf Pornografie geschrieben. Dieser Versuch, das Schuldgefühl zu rationalisieren, wurde zwar gut benotet, meine Beschäftigung mit dem Thema nahm damit allerdings kein Ende. Alle paar Monate ändere ich meine politische Meinung zu der Angelegenheit. Entweder: Ist doch okay, wenn alles einvernehmlich ist. Oder: Es gibt keine Freiheit im Patriarchat, alles andere ist Selbstbetrug. Inzwischen tendiere ich langfristig zu letzterer Position.

Allein, meinem Konsum hat das keinen Abbruch getan. Inzwischen habe ich gelernt, was ich will: Frauenkörper, Penisform, Setting, Stellungen, Praktiken. Sogar einige Namen von Darstellerinnen, die mir besonders gefallen, weiß ich inzwischen. Ich fühle mich zwar nicht mehr ekelig und schmutzig danach, aber Zweifel bleiben. Wie sehr prägten Pornos meine Fantasien, mein Frauenbild, kurz: meine Sexualität? Dabei entsteht ein unschöner Verdacht: Ist meine Lust frauenverachtend? Anders als die Verwendung des N-Wortes kann man so etwas ja nicht einfach ablegen. Also was tun?

Im Prinzip gucken alle Männer Pornos, auch viele Frauen. Dass in einem bürgerlichen Umfeld nicht dazu angeregt wird, über den Konsum von Pornografie und somit auch über seine Fantasien zu sprechen, mag ja normal sein. Aber warum kann in einem linken Umfeld kaum jemand darüber sprechen? Man geht dann womöglich zu feministischen Pornofilmfestivals, die alles besser machen wollen. Aber Hand aufs Herz: Wer steht wirklich auf diese Filme? Ich vermute, sehr wenige.

Diese Fragen mögen offensichtlich klingen. Aber sie haben eben keine offensichtlichen Antworten. Es ist schier unmöglich, Studien zum Verhältnis von Pornografie, Lust und Sexualität durchzuführen, da keine Kontrollgruppen zusammengestellt werden können. Wäre es sinnvoll, in einer Art kollektiv-therapeutischem Induktionsvorgang zu versuchen, Antworten zu entwickeln? Bin ich der Einzige hier, der sich solche Fragen stellt?



Aus: "Keine Freiheit im Patriarchat" Leander Badura (14.11.2018)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/keine-freiheit-im-patriarchat (https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/keine-freiheit-im-patriarchat)

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denkzone8

ein outing das heute so brenzlig ist
wie früher das eingeständnis der selbst-befriedigung/-befleckung.
rohe, echte geil-heit ist: nicht gesellschafts-fähig,
auch wenn sie kommerziell ausgebeutet wird.

ist ein politiker denkbar, der öffentlich macht: "ich bin ein gewohnheits-mäßiger bordell-gänger.
und das ist auch gut so." ?

warum aber ist im partiarchat/der männer-herrschaft die offen-gestellte männliche geil-heit verpönt/tabuisiert?
wie in spitzen-küchen die verwendung von brüh-würfeln?
der makel liegt in der (kampf-losen) kapitulation, dem zugeständnis der un-beantworteten bedürftigkeit.
zu signalisieren: ich bin unten, ich bin auf milde gaben angewiesen: ist nicht manns-genug im patriarchat.

oda?


...
Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on November 17, 2018, 01:21:06 AM
Quote
[...] Die Polizei hat 2017 wesentlich mehr Fälle von häuslicher Gewalt registriert als im Jahr zuvor. Das berichtet der Spiegel unter Berufung auf die Kriminalstatistische Auswertung des Bundeskriminalamts zur Gewalt in Partnerschaften. Demnach wurden im vergangenen Jahr 138.893 Menschen in Deutschland von ihrem Partner oder Ex-Partner misshandelt, gestalkt, bedroht oder gar getötet. Darunter waren 113.965 Frauen, was 82 Prozent entspricht.

Die Zahlen sind dem Bericht zufolge deutlich höher als noch im Jahr 2016, als 133.080 Personen als Opfer von partnerschaftlicher Gewalt registriert wurden. Das liegt laut Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) insbesondere daran, dass neue Kategorien in die Statistik aufgenommen wurden: "Zum Beispiel Freiheitsberaubung, Zwangsprostitution und Zuhälterei." Rechne man die heraus, sei der Anteil nahezu stabil.

Die Zahlen wird Giffey den Angaben zufolge am Dienstag offiziell vorstellen. Vorab sagte die Ministerin dem Magazin: "Das Problem geht durch alle gesellschaftlichen Schichten und alle ethnischen Hintergründe." So habe der Anteil deutscher Staatsangehöriger unter den Tatverdächtigen bei knapp 68 Prozent gelegen. Die Einzelberichterstattung zeichne da häufig ein anderes Bild, sagte Giffey: "Wenn man die Zeitung liest, hat man manchmal das Gefühl, nur Flüchtlinge und Migranten verprügeln und töten ihre Frauen, weil diese Fälle immer ganz groß dargestellt werden."

Giffey verwies in dem Bericht auch auf die hohe Zahl von Todesfällen: 147 Frauen seien 2017 von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet worden, im Schnitt starb jeden zweiten bis dritten Tag eine Frau durch die Hand ihres Partners oder Ex-Partners. "Das ist in einem modernen Land wie Deutschland eine unvorstellbare Größenordnung", sagte die Familienministerin.



Aus: "Mehr registrierte Fälle von Gewalt in Partnerschaften" (16. November 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2018-11/haeusliche-gewalt-partnerschaft-deutschland-auswertung-bundeskriminalamt (https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2018-11/haeusliche-gewalt-partnerschaft-deutschland-auswertung-bundeskriminalamt)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on November 17, 2018, 01:39:28 AM
Quote
[...] Es trifft Schauspielerinnen und Politikerinnen, Reporterinnen und Sängerinnen. "Du dumme Schlampe", "Hure", "hässlich und nichts wert", "Widerliches Weib", "Du wirst nie genug sein" – all diese Beschimpfungen haben Lena Meyer-Landrut erreicht. Die Sängerin hatte die Nase voll. Sie schrieb all das mit schwarzem Stift auf einen Spiegel und fotografierte sich darin mit Blitzlicht. Mit dem Selfie erreichte die ESC-Gewinnerin von 2010 innerhalb eines Tages rund 150.000 Likes, Tausende antworteten ihr.

"Der Hass im Netz betrifft alle Geschlechter, aber er nimmt bei Frauen eine andere Facette an", sagt Ingrid Brodnig. Die Journalistin hat ein Buch darüber geschrieben, was Menschen einander im Internet antun. "Wenn Frauen online beleidigt werden, dann geht es sehr schnell um das Körperliche, dann wird es erniedrigend, das Aussehen wird herabgewertet, man wird als Schlampe bezeichnet." Schnell kommen auch Bedrohungen dazu, bei Frauen meist mit Vergewaltigung. "Da geht es um eine Entwertung als Mensch an sich", sagt Brodnig.

Die Liste der Frauen, die über Erfahrungen damit sprechen, ist lang. Die Moderatorinnen Anja Reschke (NDR) und Dunja Hayali (ZDF) machen das seit Jahren öffentlich. Im Sommer ergoss sich so viel Hetze über Fußballexpertin Claudia Neumann, dass das ZDF Strafanzeige stellte.

"Es lag nicht an ihren Worten, sondern daran, dass ich begann, sie zu glauben", schrieb im August die US-Schauspielerin Kelly Marie Tran ("Star Wars: Die letzten Jedi") in in der New York Times. Seit ihrer Rolle in der Kult-Kinoreihe war die 29-Jährige monatelang online gemobbt worden. Irgendwann löschte Tran den gesamten Inhalt ihres Instagram-Kontos, weil sie die hässlichen Kommentare über ihr Geschlecht und ihr Aussehen nicht mehr ertrug. Der Account mit rund 238.000 Followern ist bis heute leer.

Die auf Twitter aktive Linken-Politikerin Julia Schramm sammelte eingehende Hassnachrichten – "leg dir mal ein paar titten zu, du nutte" und schlimmeres – in einem eigens eingerichteten Blog und veröffentlichte sie Anfang des Jahres als Buch. "Ich glaube, dass die meisten Männer, die solche Sachen schreiben, dass die auch gar nicht wissen, was das anrichtet", sagte sie Deutschlandfunk Kultur.

"Es ist weniger beklemmend, brutal im Internet zu sein, weil ich den anderen nicht sehe, weil ich nicht ansehen muss, was ich auslöse und weil der andere mich nicht sieht", erklärt Autorin Brodnig.
Dazu kommt laut dem Marburger Sozialpsychologen Ulrich Wagner "brutaler Sexismus", der sich zu der brutalen Sprache gesellt. "Die negativen Stereotype, die über Frauen existieren, lassen sich an dieser Stelle einfach viel leichter ausnutzen", sagt er.

Vor dem Aufkommen des Internets seien solche Gemeinheiten höchstens per anonymem Brief möglich gewesen, sagt der Psychologe. "Das hatte ja bei weitem nicht den Thrill, wenn man da erst zum Briefkasten gehen muss und sich dann vorstellt, in zwei Tagen kommt der Brief an. Das ist ja nicht so unmittelbar", erklärt er die Zunahme an Hass.

Die Verfasser handelten aus verschiedenen Motiven. "Dahinter kann so etwas wie Sexismus stehen, dahinter kann aber auch extreme Wut stehen", sagt Wagner. Auch Brodnig sieht verschiedene Typen von Beleidigern. "Manche wollen Aggressionen abladen, manche erfreuen sich daran, andere zu erniedrigen." Trolle etwa seien nur dafür im Internet unterwegs, um sich am Leid anderer zu ergötzen.

Meyer-Landrut habe mit ihrem Spiegel-Selfie genau richtig reagiert, sagt Expertin Brodnig. Indem sie die Beleidigungen auf den Spiegel schreibe, zeige sie das Problem, ohne den Beschimpfenden selbst eine Bühne zu bieten. "Sie entwendet ihre Worte, um es zu thematisieren."

Solche Erlebnisse anzusprechen, sei wichtig. "Auch wenn jemand total berühmt ist, nagt das an einem. Niemand ist so hart, dass das komplett spurlos an einem vorübergeht", sagt Brodnig. "Das Schlimmste ist, wenn Opfer sowas in sich hineinfressen, wenn sie das nicht teilen." Extreme Beschimpfungen solle man anzeigen.

Sorge bereitet der Autorin ein anderer Effekt: Studien etwa der Organisation Amnesty International zufolge trauten sich viele Frauen nach solchen Wellen von Hass nicht mehr, ihre Meinung kundzutun. "Da besteht die Gefahr, dass Frauen aus der öffentlichen Debatte verdrängt werden, weil sie ein anderes, brutaleres Internet erleben."

Lena Meyer-Landrut jedenfalls meldete sich am Tag nach ihrem Spiegel-Selfie erneut zu Wort. Neben einem Foto ihres Gesichts, über dem "Growth through Resistance" (Wachstum durch Widerstand) steht, rief sie dazu auf, sich auf Positives und Liebe zu konzentrieren.


Aus: ""Du dumme Schlampe": Wenn Hass im Netz auf Frauen trifft " Christina Peters, dpa (15.11.2018)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Du-dumme-Schlampe-Wenn-Hass-im-Netz-auf-Frauen-trifft-4222306.html (https://www.heise.de/newsticker/meldung/Du-dumme-Schlampe-Wenn-Hass-im-Netz-auf-Frauen-trifft-4222306.html)

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    bananensaft, 15.11.2018 16:15

Mehrere Tausend Jahre Zivilisation und Kultur und das kommt dabei raus. Es ist nicht zu fassen und mir völlig unbegreiflich.

Unabhängig davon, ob ich jemanden mag oder nicht käme ich nicht auf die Idee jemanden so derartig anzugehen und nieder zu machen.

Traurig


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     dstaubsauger, 15.11.2018 16:52

Re: Mehrere Tausend Jahre

Zugegebenermaßen bestand ein relativ großer Teil dieser paar tausend Jahre darin, dass die Menschen auch relativ un-nett zueinander waren.


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    ???888, 15.11.2018 21:17

Auseinanderdriften der Gesellschaft.

Während das Proletariat immer primitiver und enthemmter wird, wird die Elite immer empfindlicher und dünnhäutiger. Die einen paaren sich in aller Öffentlichkeit - die anderen bestehen darauf, daß Bilder von Nackten aus den Museen entfernt werden. Es scheint, als gäbe es immer weniger normale Menschen und immer mehr Extremisten - in der einen wie in der anderen Richtung.


Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on November 20, 2018, 09:07:36 AM
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[...] Erste Zahlen hatte der "Spiegel" am Wochenende gemeldet: Demnach wurde 2017 im Schnitt alle zwei bis drei Tage eine Frau von ihrem aktuellen oder früheren Lebensgefährten getötet - insgesamt 147 Frauen starben durch ihren Partner oder Ex-Partner.

Laut der Kriminalstatistischen Auswertung des Bundeskriminalamts zur Partnerschaftsgewalt wurden im vergangenen Jahr 138.893 Menschen in Deutschland von ihrem Partner oder Expartner misshandelt, gestalkt oder bedroht. Darunter waren Medienberichten zufolge 113.965 Frauen, also 82 Prozent.

Im Jahr 2016 seien rund 109.000 Frauen Opfer von partnerschaftlicher Gewalt geworden. Die Steigerung im vergangenen Jahr erkläre sich vor allem dadurch, dass neue Kategorien in die Statistik aufgenommen worden seien, sagte Giffey: "Zum Beispiel Freiheitsberaubung, Zwangsprostitution und Zuhälterei." Giffey sagte jedoch zugleich, es sei davon auszugehen, dass nur 20 Prozent der Betroffenen Hilfe suchten. Die Dunkelziffer sei enorm.

Die Ministerin entgegnete Behauptungen, dass die Zuwanderung ein entscheidender Faktor bei den partnerschaftlichen Gewalt sei. "Das Problem geht durch alle gesellschaftlichen Schichten", so Giffey. Der überwiegende Teil der Täter sei "bio-deutsch" - laut Statistik knapp 68 Prozent.

... Bittere Aktualität zum Thema: In einer Wohnung in Jena wurden vier Tote gefunden - wohl ein Beziehungsdrama. Die vier Toten waren nach einem mutmaßlichen Beziehungsdrama am Montagnachmittag in einer Wohnung gefunden worden. Nach Angaben eines Staatsanwalts in Gera hat ein 38-Jähriger eine 25 Jahre alte Frau, mit der er zuvor zusammengelebt hatte, sowie deren neuen Lebensgefährten, ein drei Wochen altes Baby und schließlich sich selbst getötet. Als Tatwaffe wird ein Messer vermutet.

„Es war sehr blutig“, sagte der Staatsanwalt am Montagabend der Deutschen Presse-Agentur. Die Leichen lagen nach Angaben des Ermittlers in einer Wohnung im obersten Geschoss eines fünfgeschossigen Wohnhauses im Jenaer Stadtteil Winzerla. Der mutmaßliche Täter soll nach der Trennung von der Frau und seinem Auszug aus der Wohnung zurückgekommen sein. ... Alle Beteiligten sind Deutsche. Das Alter des zweiten Mannes war vorerst unbekannt. Auch ob sich die Tat bereits am Sonntag oder am Montag ereignete, konnten die Ermittler einstweilen nicht sagen. Am Dienstag wollen die Ermittler die Öffentlichkeit am Dienstag über den Fall informieren. (KNA, dpa)



Aus: "Häusliche Gewalt: Giffey will Frauenhäuser ausbauen" (20.11.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/haeusliche-gewalt-giffey-will-frauenhaeuser-ausbauen/23656550.html (https://www.tagesspiegel.de/politik/haeusliche-gewalt-giffey-will-frauenhaeuser-ausbauen/23656550.html)

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[...] Fast 140.000 Frauen und Männer sind im vergangenen Jahr von ihrem Partner oder Ex-Partner misshandelt, gestalkt oder bedroht worden. Das hat eine Erhebung des Bundeskriminalamts zur Partnerschaftsgewalt ergeben. 82 Prozent der Betroffenen, also knapp 114.000, sind Frauen.

Im Jahr davor seien es etwas weniger gewesen: 2016 sind 109.000 Frauen Opfer partnerschaftlicher Gewalt geworden. Die Steigerung im vergangenen Jahr erkläre sich vor allem dadurch, dass neue Kategorien in die Statistik aufgenommen worden seien, sagte Bundesfrauenministerin Franziska Giffey (SPD) – etwa Freiheitsberaubung, Zwangsprostitution und Zuhälterei.

Im vergangenen Jahr wurden einem Medienbericht zufolge 147 Frauen von ihrem aktuellen oder früheren Lebensgefährten getötet. Im Schnitt stirbt demnach alle zwei bis drei Tage eine Frau infolge einer Beziehungstat.

... Giffey sagte außerdem, es sei davon auszugehen, dass nur 20 Prozent der Betroffenen Hilfe suchten. Die Dunkelziffer sei enorm. Sie widersprach Behauptungen, die Zuwanderung sei ein entscheidender Faktor bei der partnerschaftlichen Gewalt: "Das Problem geht durch alle gesellschaftlichen Schichten." Der überwiegende Teil der Täter sei "biodeutsch" – laut Statistik knapp 68 Prozent.


Aus: "BKA zählt 140.000 Opfer partnerschaftlicher Gewalt" (20. November 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2018-11/franziska-giffey-bundesfrauenministerin-spd-frauenhaeuser-ausbau-haeusliche-gewalt-lebensgefaehrten (https://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2018-11/franziska-giffey-bundesfrauenministerin-spd-frauenhaeuser-ausbau-haeusliche-gewalt-lebensgefaehrten)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on November 20, 2018, 09:33:46 AM
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[...] Most workers suffer some unfair conditions in the workplace and would not, as a rule, do their jobs for free. This is not to say that this state of affairs is good, or that we should accept it because it is normal, but nor is it useful to pretend that work is generally wonderful. Some workers are lucky enough to have good pay, meaningful work, and autonomy, but most of us feel the sharp edge of exploitation in some way.

We begin with this because, as sex workers ourselves who advocate for the decriminalization of sex work, we have noted a significant problem with the terms of the public debate: in the struggle over whether sex work should be legal, both sides usually start with the assumption that work is fundamentally good; they differ only on whether sex work is good work. Both sides position work in general as something that the worker should find fulfilling, non-exploitative, and enjoyable. Deviation from this supposed norm is treated as evidence that something cannot be work. “It’s not work, it’s exploitation” is a refrain you hear again and again. One feminist policymaker in Sweden told a reporter, “Don’t say sex work, it’s far too awful to be work.” Awfulness and work are positioned as antithetical: if prostitution is awful, it cannot be work. We find it more productive, however, to start from a different place: it is not reasonable to assume that any kind of work—including sex work—is generally good. Outsiders often think that selling sex must be a horrible job, and many sex workers would agree. However, these sex workers may locate the problem not in sex but in work.

Anti-prostitution feminists and even policymakers often ask sex workers whether we would have sex with our clients if we were not being paid. Work is thus re-inscribed as something so personally fulfilling you would pursue it for free. Indeed, this understanding is in some ways embedded in much anti-prostitution advocacy through the prevalence of unpaid internships in such organizations. Equality Now, a multimillion-dollar anti-prostitution organization, instructs applicants that their internships will be unpaid (adding that “we are unable to arrange housing or visas”). Ruhama advertises numerous volunteer roles that could easily be paid jobs. In 2013 Turn Off the Red Light, an Irish anti-prostitution NGO consortium, advertised for an intern who would not be paid the minimum wage. The result of these unpaid and underpaid internships is that the women who are most able to build careers in the women’s sector—campaigning and setting policy agendas around prostitution—are women who can afford to do unpaid full-time work in New York and London. In this context, it is hardly a surprise that the anti-prostitution movement as a whole has a somewhat abstracted view of the relationship between work and money.

Anti-prostitution feminists frequently lack sophisticated or self-aware in their critiques. One prominent UK feminist joked, “Ever thought about having multiple penises shoved up you as a career? . . . The longer you do it the more your earning potential decreases, but they say there’s a fetish for everything!” The joke is that sex workers “mistakenly” think that what they do is work, even when that work can be sexist and ageist. Of course, if being subject to sexist and ageist discrimination at work excluded someone from the category of worker, most older women workers would be excluded: the gender pay gap increases with age. If the only “real” worker is one who suffers no workplace oppression or exploitation, then all organizing for workers’ rights becomes superfluous.

To the list of failed would-be allies, one can also add most government representatives. Some time ago, we joined a small group of sex workers in a meeting with a Scottish government minister who claimed to wish to understand why we had entered prostitution. A single mother with several children explained that she got into sex work to support her family; another woman said that, as an undocumented migrant, sex work was one of the few jobs available to her; a third explained that when she came out as trans and started her transition, she lost her mainstream job. A man talked about the homophobia he had experienced in other workplaces. The minister was not impressed. She observed that we all seemed to have started selling sex in order to get money, in a tone suggesting not only that she was incredulous, but that selling sex in order to earn an income seemed terribly mercenary to her.

People sell sex to get money. This simple fact is often missed, forgotten, or overlooked. To many it seems inconceivable that people could do something considered so strange and terrible for the same mundane, relatable reasons that govern everybody else’s everyday lives. Sometimes the centrality of money is more deliberately hidden because to do so serves a political purpose. If a right-wing politician downplays the extent to which sex work is about generating a decent income and instead emphasizes the extent to which it is driven by a “criminal underworld,” he can sidestep awkward questions about the connections between prostitution, poverty, and government policy—and align anti-prostitution measures with populist “tough-on-crime” approaches. For example, Texas has some of the most extensive laws in the United States when it comes to criminalizing pimps, traffickers, and criminal gangs—but the state legislature has repeatedly failed to fund services for sex trafficking victims, let alone fund programs that would meaningfully address poverty and failures in the child-welfare system.

Pathologizing sex workers as unable to make “good” decisions, rather than seeing them as people largely motivated by familiar, mundane needs, can lead to disastrous consequences. In 2013 a Swedish family court ruled that a young mother named Jasmine did not know what was best for herself; the court saw her sex work not as a flexible job that gave her a livable income whilst caring full-time for her children, but as a form of self-harm. The judge ruled that, as she was engaged in self-harm, she was unable to care for her children, and disregarded her warnings that her ex-partner was violent. Her ex was awarded child custody. When she met him in order to see the children, he stabbed her to death. Dismissing Jasmine’s prosaic, material reasons for doing sex work was key to the state’s fatally inadequate response to her needs. The belief that sex workers are not making—and cannot make—good decisions leads us not to a feminist utopia, but to coercive, punitive modes of “reform.”

Downplaying the practical and economic dimensions of prostitution also does some ideological heavy lifting for anti-prostitution feminists. For example, Catherine MacKinnon writes, “If there were no buyers, there would be no sellers, namely traffickers.” MacKinnon’s conflation of “people who sell sex” with “traffickers” erases the fact that people who sell sex might be driven by economic need—a need which will not be solved by attempting to eradicate prostitution through criminal law. After all, if we forget for a second that people go to the streets because they need money, we need not grapple with what will replace the income they lose—or what the implications will be for their safety when they desperately try to recoup that income.

Remove money from the conversation and sex workers seem bizarre or broken. The sex worker, it is stated or implied, is not capable of understanding her own best interests and is instead acting out her childhood trauma. Anti-prostitution campaigner Kat Banyard, for example, argues that assuming a history of childhood sexual violence among sex workers “makes sense” because “common consequences of childhood sexual abuse include difficulty asserting boundaries.” Sex-working survivors have pushed back on this attempt to pathologize their lives. As Lori Adorable writes, “It’s not because of some kind of permanent ‘damage’ or trauma-reenactment compulsion. It’s because CSA [childhood sexual abuse] survivors often lack family support.” In other words, people who have fled an abusive family home have a compelling need to avoid returning to it and may sell sex as a strategy to avoid such a return. This is a material need, not a pathology.

“Economic necessity is the main imperative for women becoming involved in prostitution,” according to UK Home Office researchers. Academic Julia Laite writes, “Several late-nineteenth-century studies found that up to half of the women selling sex in Britain had been domestic servants, and that many had hated it so much they had willingly left service.” Laite quotes a 1920s sex worker asking an arresting police officer, “What will you give me if I do give this up? A job in a laundry at two pounds a week—when I can make twenty easily?” Writing in the 1980s, sex worker Nickie Roberts echoes these perspectives:

Working in crummy factories for disgusting pay was the most degrading and exploitative work I ever did in my life. . . . I think there should be another word for the kind of work working class people do; something to differentiate it from the work middle class people do; the ones who have careers. All I can think of is drudgery. It’s rotten and hopeless; not even half a life. It’s immoral. Yet as I say, it’s expected of working class women that they deny themselves everything. . . . Why should I have to put up with a middle class feminist asking me why I didn’t ‘do anything—scrub toilets, even?’ than become a stripper? What’s so liberating about cleaning up other people’s shit?

Through the lens of economic need, people’s reasons for engaging in sex work reappear not as aberrant or abject, but as a rational survival strategy in an often shitty world.

Women are especially prone to face economic abjection, in the face of which prostitution may seem more like a reasonable option. Race and disability are also key factors in sex-work demographics. Pluma Sumaq writes that, for many people of color, “prostitution is not what you do when you hit rock bottom. Prostitution is what you do to stay afloat, to swim rather than sink, to defy rather than disappear.” An anonymous Māori mother writes: “My body isn’t capable of working a 40-hour week, nor allowing me to become qualified at something that pays well. I’m disabled from working, and I’m part of a society that doesn’t take care of people like me.”

LGBTQ people are also overrepresented in sex work. Discrimination, rejection, and abuse—both at home and in wider communities—increase their precarity and vulnerability, leaving prostitution as one of the remaining viable routes out of destitution. Trans women in particular often find that formal employment is out of reach. Increased school drop-out rates, lack of family support, and lack of access to adequate health care (including the means to finance gender-affirming treatment) leave them exposed to poverty, illness, and homelessness.

Criminal law cannot really prevent anyone from selling sex. Criminalization can and does make it more dangerous to do so, but there is little the state can do to physically curtail a person’s capacity to sell or trade sex. Thus, prostitution is an abiding strategy for survival for those who have nothing. There are almost no prerequisites for heading out to the streets and waiting for a client. Survival sex work may be dangerous and frightening—but for people whose other options are worse (starvation, homelessness, drug withdrawal), it is there as a last resort: the “safety net” onto which almost any destitute person can fall. This explains the indomitable resilience of sex work.

For some anti-prostitution campaigners, concerns about the sex industry stand in place of a wider critique of capitalism. “Why is the left in favour of the free market only when it is women’s bodies being bought and sold?” asks Julie Bindel. This question either misunderstands or misrepresents the argument: what the left actually favors is labor rights, to redress the balance of power between employers and workers. In a capitalist society, when you criminalize something, capitalism still happens in that market. When we are asked, in a capitalist society, to choose between criminalizing or decriminalizing commercial sex, we are not offered an option for the “free market” to not govern the proceedings. In fact, capitalism is in many ways at its most intense in criminalized markets. With commercial sex criminalized, there can be no workers’ rights, whereas with commercial sex decriminalized, people who sell sex can access labor law and other kinds of protection afforded on legal job sites.

To say that prostitution is work is not to say that it is good work. But neither are most of the jobs available to people who fall on sex work. People who sell or trade sex are amongst the world’s least powerful people, the people forced to do the worst jobs. But that is precisely why anti-prostitution campaigners should take seriously the fact that sex work is a way people get the resources they need. Instead, this is airily dismissed—losing a bad job, we are told, is no big deal. Losing jobs is how we achieve social change, we are told. Anti-prostitution feminist Meghan Murphy writes: “I suppose we shouldn’t try to stop the oil industry because people will lose jobs? It isn’t suuuper progressive . . . to defend harmful practices lest people lose jobs.” Those who make these arguments imagine “changing society” through taking something away. But people with relatively little are right to be fearful when their means of survival is taken away. British miners in the 1980s did not strike on the basis that mining was the most wonderful job—they were simply correct in their belief that, once mining was taken from them, Margaret Thatcher’s government would abandon their communities to desperate poverty. Likewise, few sex workers would object if you sought to abolish the sex industry by ensuring that they got the resources they need without having to sell sex.

The aim in decriminalizing sex work is therefore not, as it is often misconstrued, to advocate for something like a “right” for men to pay for sex. In fact, as the Wages for Housework movement articulated in the 1970s, naming something as work is a crucial first step in refusing to do it—on your own terms. Marxist-feminist theorist Silvia Federici wrote in 1975: “to demand wages for housework does not mean to say that if we are paid we will continue to do it. It means precisely the opposite. To say that we want money for housework is the first step towards refusing to do it, because the demand for a wage makes our work visible, which is the most indispensable condition to begin to struggle against it.” Naming work as work has been a key feminist strategy beyond Wages for Housework: from sociologist Arlie Hochschild’s term “emotional labor,” to journalist Susan Maushart’s term “wifework,” to Sophie Lewis’s theorizing around surrogacy and “gestational labor,” naming otherwise invisible or “natural” structures of gendered labor is central to beginning to think about how to resist or reorder such work.

Just because a job is bad does not mean it is not a “real job.” When sex workers assert that sex work is work, we are saying that we need rights. We are not saying that work is good or fun, or even harmless, nor that it has fundamental value. Likewise, situating what we do within a workers’-rights framework does not constitute an unconditional endorsement of work itself. It is not an endorsement of capitalism or of a bigger, more profitable sex industry. “People think the point of our organization [the National Organization for the Emancipation of Women in a State of Prostitution] is [to] expand prostitution in Bolivia,” says activist Yuly Perez. “In fact, we want the opposite. Our ideal world is one free of the economic desperation that forces women into this business.”

It is not the task of sex workers to apologize for what prostitution is. Sex workers should not have to defend the sex industry to argue that we deserve the ability to earn a living without punishment. People should not have to demonstrate that their work has intrinsic value to society to deserve safety at work. Moving toward a better society—one in which more people’s work does have wider value, one in which resources are shared on the basis of need—cannot come about through criminalization. Nor can it come about through treating marginalized people’s material needs and survival strategies as trivial. Sex workers ask to be credited with the capacity to struggle with work—even hate it—and still be considered workers. You don’t have to like your job to want to keep it.



Aus: "Sex Is Not the Problem with Sex Work" Juno Mac, Molly Smith (October 30, 2018)
Quelle: https://bostonreview.net/gender-sexuality/juno-mac-molly-smith-sex-not-problem-sex-work (https://bostonreview.net/gender-sexuality/juno-mac-molly-smith-sex-not-problem-sex-work)

Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on December 04, 2018, 02:30:10 PM
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[...] Am 2. November gegen halb sechs Uhr abends betrat Scott Beierle ein Yoga-Studio in Tallahassee, Florida. Der 40-Jährige gab sich als Kunde des Studios aus, marschierte in einen der Trainingsräume und zog dort eine Pistole aus seiner Tasche. Ohne Vorwarnung begann er auf die KursteilnehmerInnen zu schießen, zwei Frauen tötete er an Ort und Stelle, vier weitere Menschen verletzte er schwer. Hätten sich Einzelne dem Attentäter nicht entgegengestellt – ein Student griff zu einem Staubsauger und einem Besen und schlug auf ihn ein –, hätte Beierle wohl noch mehr Menschen ermordet. Attentate wie dieses passieren nahezu täglich in den USA, die TäterInnen sind fast ausschließlich Männer. Im Fall von Scott Beierle berichteten US-Medien von Videos, die er 2014 auf Youtube veröffentlicht hatte. Darin verbreitete er rassistische, homofeindliche und frauenfeindliche Ideen, immer wieder beschwerte er sich über Zurückweisung durch Frauen. In einem der Videos fiel der Name Elliot Rodger. Beierle verglich sein jüngeres Ich mit jenem Massenmörder, der 2014 im kalifornischen Isla Vista sechs Menschen getötet und weitere 13 verletzt hatte. Sein Motiv legte Rodger in einem 141 Seiten umfassenden "Manifest" dar: Er wollte Rache üben an Frauen, die ihm, dem "perfekten Gentleman", sein Leben lang Sex vorenthalten hätten, der 22-Jährige fantasierte von Konzentrationslagern, in denen er Frauen genüsslich beim Sterben zusehen wolle. Wie auch Scott Beierle tötete er sich selbst, bevor ihn die Polizei überwältigen konnte.

In Teilen der Incel-Community wird Rodger bis heute als Held gefeiert – im Netz kursieren Bilder, auf denen er mit Heiligenschein zu sehen ist. Elliot Rodger, Schutzpatron der Incels. "Incel" steht für "involuntary celibate", also unfreiwillig Enthaltsame, die darunter leiden, keinen Sex, keine Liebesbeziehung zu haben. In ihrer radikalen Ausformung sind es Hetero-Männer, die der Selbsthass und ein unbändiger Hass auf Frauen antreiben und die sich eine Welt aus obskuren Theorien zusammengezimmert haben, erklärt Debbie Ging. Die irische Kommunikationswissenschafterin forscht zu Männerrechtsbewegungen und Hass im Netz und hat auch die Geschlechterbilder der Incels untersucht. Es ist ein Online-Phänomen, dessen Entstehung Ging in den USA und Kanada verortet, das sich mittlerweile aber über den gesamten englischsprachigen Raum und darüber hinaus verbreitet habe. "Incels stützen sich auf halbgare Theorien aus der Evolutionspsychologie. Frauen würden immer nach oben heiraten und deshalb 'Alpha-Männer' bevorzugen, mit 'Beta-Männern' ließen sie sich nur ein, um ihre Rechnungen zu bezahlen", sagt Ging im STANDARD-Interview. Was einen Alpha-Mann definiert, machen Incels unter anderem genetisch fest: Sogenannte Chads sind muskulös und weisen besonders männliche Gesichtszüge auf – und würden im Gegensatz zu "Normies" von Frauen als Sexualpartner begehrt. Das Gegenüber der Chads nennt sich Stacey, sie ist Objekt der männlichen Begierde und wird als langhaarige, blonde Frau mit "natürlichen Kurven" und knappem Outfit imaginiert, der alle Wünsche erfüllt würden. Da in dieser Theorie 20 Prozent der Männer 80 Prozent des Sex zukommen würden, wird "erzwungene Monogamie" als ein Ausweg gesehen.

Reddit verbannte im vergangenen Jahr eine Community mit rund 40.000 Mitgliedern, in der Incels Vergewaltigungsfantasien austauschten und Frauen nur noch als "Femoide" bezeichneten. Schließt ein Forum, finden sich die Incels anderenorts zusammen. Der Frauenhass verbindet sie mit anderen Gruppen der "Manosphere": antifeministischen Maskulinisten, die den vermeintlichen Verlust der weißen männlichen Vorherrschaft beklagen. "Incels machen unter anderem körperliche Unzulänglichkeiten für ihre sexuellen Misserfolge verantwortlich – niemals ihre misogynen Haltungen Frauen gegenüber", sagt Kommunikationswissenschafterin Ging. Als Incel gab sich im April dieses Jahres ein weiterer Attentäter zu erkennen: Der 25-jährige Alek Minassian fuhr in Toronto mit einem Lieferwagen in eine Menschenmasse, er tötete zehn Menschen und verletzte weitere 16 – überwiegend Frauen. "The Incel Rebellion has already begun! We will overthrow all the Chads and Stacys!", postete er zuvor auf Facebook. Ein Polizeibeamter konnte Minassian wenige Minuten nach der Amokfahrt überwältigen, laut Angaben seines Anwalts wird der Prozess gegen ihn in zehn bis 15 Monaten beginnen. Auch Alek Minassian wird in der radikalen Incel-Szene gefeiert, weiß Andreas Hechler. Hechler ist als wissenschaftlicher Mitarbeiter und Bildungsreferent beim Berliner Institut Dissens tätig und hat sich auf Jungenarbeit, Antifeminismus und die extreme Rechte spezialisiert. "Minassian wird dafür verehrt, dass er das Anliegen der Incels einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht hat", sagt Hechler. Weltweit berichteten Medien im Frühjahr über die Amokfahrt und die hasserfüllte und gewaltverherrlichende Welt der Incels. Der radikale Kern sei aber nur eine Subszene innerhalb der Incels, betont der Pädagoge.

 Geprägt wurde der Begriff von einer kanadischen Studentin, die in den 1990er-Jahren "Alana's Involuntary Celibacy Project" ins Leben rief, eine einfache Website und eine Mailingliste betrieb. Schüchterne Menschen, queere Personen und Heteros, Frustrierte und Optimisten fanden dort zusammen, Alana verlor das Interesse und übergab die Seite an eine andere Person. Erst Jahre später erfuhr sie per Zufall von der Radikalisierung der Incels, wie sie in Interviews erzählte. Sich in Foren auszutauschen, sich gegenseitig zu unterstützen – eigentlich eine gute Sache, meint Andreas Hechler. In Deutschland existiert etwa der "Absolute Beginner Treff", ein Forum für "Menschen, die unfreiwillig keine oder nur geringe Beziehungserfahrungen machen konnten", es wird von einem ModeratorInnen-Team verwaltet und gestaltet sich entsprechend harmlos. Gefährlich wird es dort, wo Menschen andere für ihren Frust verantwortlich machen und in einem geschlossenen, unmoderierten Raum aufeinandertreffen. "In solchen Foren unterstützen sich heterosexuelle Männer gegenseitig in ihrer misogynen Weltsicht, das kann zu einer raschen Radikalisierung führen", sagt Hechler.

Auch wenn es im deutschsprachigen Raum bisher keine Attentate gab, die von selbstdeklarierten Incels begangen wurden – ähnliche Muster und Motive finden sich auch hier. So tötete der 17-jährige Tim Kretschmer 2009 in Winnenden 15 Menschen, elf der zwölf Opfer in seiner Schule waren Mädchen und Frauen. Auch Femiziden und Tötungsversuchen in Beziehungen geht oft Zurückweisung in Form einer Trennung voraus. Ein Umstand, der sich als Auftrag an PädagogInnen insbesondere in der Jungenarbeit interpretieren lässt. "Jungen müssen von klein auf lernen, mit Frustration umzugehen. Und wir müssen die Botschaft vermitteln: Es gibt kein Recht auf Sex mit irgendwem", sagt Hechler. Empathiefähigkeit, Kommunikation, lernen, in Beziehung zu sich und den anderen zu treten – Inhalte, die auf jeden Lehrplan gehörten. Politik und Wissenschaft würden bisher allerdings unzureichend auf das Phänomen reagieren, meint Hechler. Ein Monitoring spezifischer Hassformen im Netz, die sich gegen Frauen richten, fehlt, Präventionsarbeit gestaltet sich in Deutschland wie Österreich äußerst lückenhaft. "Männer, die meinen, einen Anspruch auf Sex zu haben, und wütend werden, wenn sie ihn nicht bekommen, sind nichts Neues. Sie haben jetzt nur eine Pseudophilosophie gefunden, an der sie sich festhalten können", sagt Kommunikationswissenschafterin Debbie Ging. "Wenn wir Frauenhass, Antifeminismus und patriarchale Strukturen nicht umfassend bekämpfen, wird das Phänomen auch nicht verschwinden." (Brigitte Theißl, 2.12.2018)


Aus: ""Incels": Recht auf Sex als radikale Ideologie" Brigitte Theißl (2. Dezember 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000092615853/Incels-Recht-auf-Sex-als-radikale-Ideologie (https://derstandard.at/2000092615853/Incels-Recht-auf-Sex-als-radikale-Ideologie)

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Pyg Malia, 2. Dezember 2018, 20:14:54

Ich kenne verdammt viele Männer, die weder "muskulös" sind, keine "besonders männlichen Gesichtszüge" und auch kein großes Bankkonto aufweisen, und trotzdem bei attraktiven Mädels ankommen.
An dem wird's also nicht scheitern, eher an etwas anderem wie diverse psychosoziale Störungen (Narzissmus, Minderwertigkeitskomplex,...), Antriebslosigkeit, ausgeprägte Selbstbezüglichkeit, kindliche Traumata, Unfähigkeit, sich auszudrücken und mitzuteilen, fehlender Optimismus und negative Weltsicht, Gaming-Junkie, Dauer-Kiffer usw. usw.


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Miezekatz1

Ich finde es erschreckend, dass es hier ernsthaft hingestellt wird als wären Frauen irgendwie gemein, weil sie sich weigern, mit Männern ins Bett zu gehen, von denen sie nichts wollen und als wären Incels arme untervögelte Männer, die überhaupt nichts dafür können, ihrem unbändigen Hass online freien Lauf zu lassen.


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Lovecrafts Katze

Du bist nicht mein Typ hab ich als Frau auch schon sehr oft im Leben gehört.
Das ist normal, dass man nicht jedem auf diese Art und Weise gefällt.


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Gerald Unbekannt

Es ist verständlich, dass Männer die eine Beziehung haben wollen und ständig von Frauen abgewiesen werden Frauen hassen. Meiner Meinung nach sind diese Männer auch dazu berechtigt Frauen zu hassen.
Gedanken sind frei. Es ist jedoch verboten jemanden anderen zu töten, zu verletzen, oder zu beleidigen. Das ist allgemein bekannt. Wer einen anderen tötet, verletzt, oder beleidigt ist zu bestrafen. Gleichgültig ob er diese Tat begangen hat weil er Frauen hasst oder aus einem anderen Motiv. Den meisten Menschen ist das klar und sie verhalten sich gesetzeskonform, obwohl sie z.B. Frauen hassen. Für die Anderen wurde das Strafrecht geschaffen.


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Lovecrafts Katze

Du meine Güte. Was bin ich als Frau doch oft mit den Männern meiner Wahl eingefahren.
Ich weiß gar nicht wie oft. "Nein das kann ich mir nicht vorstellen." "Du bist nicht mein Typ." etc.
Aber deswegen hab ich nicht den Rest der XY Truppe verdammt. ^^


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Abiona

Japp... Ich hab mir auch ewig anhoeren koennen, dass ich doch keine richtige Frau sei, nur als beste Freundin tauge, etc. Irgendwie bin ich da trotzdem nicht ausgerastet oder zur Maennerhasserin geworden. Woran der Unterschied wohl liegen mag?


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Brainfart

Früher gab's in jedem Dorf einen oder mehrere Trottel. Vollkommen harmlos und die Gemeinschaft hat sich mehr oder weniger solidarisch darum gekümmert.

Im globalen digitalen Dorf kann sich heute jeder Trottel mit seinesgleichen verbinden, solidarisieren und sein verschrobenes Weltbild anonym pflegen, leben und weiteentwickeln. Das ist nicht mehr harmlos.


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MUT

Der Ausdruck "Incels" ist für mich neu. Mit einem "Recht auf Sex" kann ich überhaupt nichts anfangen.
Dass VIELE Frauen VIELE Männer abgehängt haben, ist eine Tatsache. Es mangelt bei vielen Männern einfach an gutem Benehmen, Bildung, Körperpflege und sozialer Kompetenz.


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flieger1961

TäterInnen sind ausschliesslich Männer...

I like that! :-))


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Papst Turban III

... Manieren und gepflegtes Auftreten sollten logisch sein, wenn man auf der Suche ist (und nicht nur dann), das gilt für beide Seiten. Dann muss noch der Charakter passen, das ist mit Abstand das schwierigste Kriterium.


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Title: Emanzipation, Selbstbefreiung, Geschlechterforschung (Gender Studies)...
Post by: Link on December 08, 2018, 01:44:17 PM
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[...] Ob Frau oder Mann - die Pornopower hinterlässt ihnen einen gigantischen seelischen Scherbenhaufen und die hypersexualisierte Moderne nichts als nackte Leere.


Aus: "Die Pornografisierung als globale Waffe" Wolf Reiser (08. Dezember 2018)
Quelle: https://www.heise.de/tp/features/Die-Pornografisierung-als-globale-Waffe-4239828.html (https://www.heise.de/tp/features/Die-Pornografisierung-als-globale-Waffe-4239828.html)