Author Topic: [In diesem Kontext (Rassismus)... ]  (Read 4117 times)

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[In diesem Kontext (Rassismus)... ]
« on: March 05, 2015, 10:33:54 AM »
Quote
[...] 1933 wurden in Wiesbaden 39 Kinder auf angebliche „körperliche und geistige Schwächen“ hin untersucht, die als Nachfahren Weißer (Kolonialisten oder deutscher Frauen) und Schwarzer (Afrikaner oder schwarzer Soldaten aus der französischen Besetzung nach dem 1. Weltkrieg) im Rheinland lebten. Ihre bloße Existenz wurde als „Gefahr für die Reinheit der deutschen Rasse“ gesehen und—gedeckt durch das preußische Innenministerium—daraufhin heimlich zwangssterilisiert, da ein solcher Eingriff nicht durch Gesetze gedeckt war.  ...


Aus: "Die Auschwitz-Dahlem-Connection: Wie Anthropologen den NS-Rassenwahn legitimierten"  Theresa Locker (20 February 2015)
Quelle: http://motherboard.vice.com/de/read/wie-die-vermessung-von-schdeln-zur-wissenschaft-wurde-im-berliner-thinktank-der-ns-eugenik-666


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[...]  Wir kommen aus zutiefst rassistischen Kulturen. Es ist ein Fehler, das zu vergessen. Die westliche Kult ist in Abgrenzung zum Wilden und Barbarischen entstanden. Wir glaubten, so viel weiter entwickelt zu sein, dass wir uns erlaubten, Menschen aus Afrika und anderen Ländern wie Hunde besitzen zu dürfen. ...

... Menschen denken mit Hilfe von Schubladen. Diese ordnen unsere Wahrnehmung. Und das ist auch sinnvoll. Allerdings besitzt der "gesunde Menschenverstand" viele Schubladen, die eine falsche Wahrnehmung erzeugen. Beispielsweise das Gegensatzpaar "Deutsch-Ausländer". Wenn ein Türkischstämmiger in Neukölln einer blonden Frau hinterherpfeift, halten viele das für eine Kennzeichen der "türkischen" Kultur. Wenn ein deutschstämmiger das selbe tut, ist er eben ein "Proll".

Dabei halten die meisten Türkischstämmigen das Nachpfeifen ebenfalls für respektlos, während viele Deutschstämmige es für harmlos bis witzig halten. Selbstverständlich lassen sich in "der" arabischen und türkischen Kultur frauenfeindliche Strömungen finden, aber wo nicht? Und auch in "der türkischen Kultur" wird (zu Recht) über so etwas gestritten, so wie hier gerade um den Rassismus in "der deutschen Kultur" gestritten wird. Große Teile der Gezi-Bewegung gehören zu einer Kultur, die so Sexismus benennt und angreift.

Das Wort "Kultur" hat heutzutage in Bezug auf Nationalitäten den Beigeschmack von Rasse, weil sie fälschlicherweise als einheitlich und homogen vorgestellt wird. "Die Kultur" Istanbuler Bildungsbürger ist der von Berliner Akademikern aber ähnlicher als der von türkischen Bauarbeitern.

...

Quote
calushy, 31. Mai 2015 17:15

Mir ist dieser Umstand vor einigen Jahren bei mir selbst bewusst geworden. In der Fußgängerzone einer mittelgroßen Ruhrgebietsstadt balgten sich
plötzlich direkt vor mir ein Metalhead und ein Türke. In meiner Eigenart, bei derartigen Vorkommnissen dazwischen zu gehen, fragte ich den aggressiver wirkenden Türken was hier los sei. Da war das Gerangel aber auch schon vorbei, der türkische Ladendetektiv hatte eine Stichverletzung und der diebische Metaller gab Fersengeld. An der Geschichte hatte ich lange zu knabbern ...



Aus: "Von Louis CK Antirassismus lernen" Houssam Hamade (31.05.2015)
Quelle: http://www.heise.de/tp/artikel/45/45013/1.html

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Quote
[...] Rassismus ist eine Ideologie, die „Rasse“ in der biologistischen Bedeutung als grundsätzlichen bestimmenden Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften deutet. Der Begriff Rassismus entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts in der kritischen Auseinandersetzung mit auf Rassentheorien basierenden politischen Konzepten. In anthropologischen Theorien über den Zusammenhang von Kultur und rassischer Beschaffenheit wurde der Begriff der Rasse mit dem ethnisch-soziologischen Begriff „Volk“ vermengt, z. B. von der „völkischen Bewegung“ in Deutschland und Österreich. Rassismus zielt dabei nicht auf subjektiv wahrgenommene Eigenschaften einer Gruppe, sondern stellt deren Gleichrangigkeit und im Extremfall deren Existenzberechtigung in Frage. Rassische Diskriminierung versucht typischerweise, auf (projizierte) phänotypische und davon abgeleitete persönliche Unterschiede zu verweisen.

Unabhängig von seiner Herkunft kann Rassismus jeden Menschen betreffen. ... Rassismus als soziales und psychisches Phänomen existiert unabhängig von Rassentheorien,[22] als rassistisch zu beschreibende Gruppenkonflikte lassen sich bis in die frühe Menschheitsgeschichte nachweisen. Rassismus als systematisches Lehrgebäude dagegen entwickelte sich seit dem ausgehenden 18. Jh. im kontinentalen Europa und der angelsächsischen Welt.

... [George M. Fredrickson] Theorie oder Konzeption des Rassismus aus dem Jahr 2002 basiert lediglich auf zwei Komponenten: „Differenz“ und „Macht“.   „Rassismus entspringt einer Denkweise, wodurch «sie» sich von «uns» dauerhaft unterscheiden, ohne dass es die Möglichkeit gäbe, die Unterschiede zu überbrücken. Dieses Gefühl der Differenz liefert ein Motiv beziehungsweise eine Rechtfertigung dafür, dass «wir» unseren Machtvorteil einsetzen, um den ethnorassisch Anderen auf eine Weise zu behandeln, die wir als grausam oder ungerecht ansehen würden, wenn Mitglieder unserer eigenen Gruppe davon betroffen wären“ (Fredrickson, S. 16).
    „Wollten wir eine knappe Formulierung wagen, so könnten wir sagen, dass Rassismus vorliegt, wenn eine ethnische Gruppe oder ein historisches Kollektiv auf der Grundlage von Differenzen, die sie für erblich und unveränderlich hält, eine andere Gruppe beherrscht, ausschließt oder zu eliminieren versucht“ (Fredsrickson, S. 173).

... Für Christoph Butterwegge ist Rassismus ein „Denken, das nach körperlichen bzw. nach kulturellen Merkmalen gebildeten Großgruppen unterschiedliche Fähigkeiten, Fertigkeiten, und/oder Charaktereigenschaften zuschreibt, wodurch selbst dann, wenn keine gesellschaftliche Rangordnung (Hierarchie) zwischen ihnen entsteht, die Ungleichverteilung sozialer Ressourcen und politischer Rechte erklärt, also die Existenz von Privilegien bzw. der Anspruch darauf legitimiert, die Gültigkeit universeller Menschenrechte hingegen negiert wird.“

... Menschenrechte und -würde stehen auch für den Historiker Georg Kreis im Mittelpunkt, ebenfalls betont er die Verallgemeinerung der Differenz:

    „Die Grenzen zwischen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind nicht scharf zu ziehen. Aus der Opfersicht ist es nicht besonders wichtig, welcher analytischen Kategorie man eine Tat zuschreibt. Verschiedene Diskriminierungsformen gehen in einander über. Im Kern geht es um Menschenrechte, um Respekt vor Menschenwürde. Vielleicht möchte man doch eine Definition haben, darum der Vorschlag, den Rassismus als eine Position zu verstehen, aus der heraus gegenüber einer Gruppe aufgrund unpersönlicher Merkmale eine abschätzige Haltung eingenommen und der Einzelne wegen des negativen Gruppenbildes wie auch die gesamte Gruppe wegen negativer Einzelerfahrungen negativ beurteilt wird.

... Fredrickson bemerkt, dass der Begriff „Rassismus“ häufig unpräzise und unreflektiert verwendet würde, um die feindseligen oder negativen Gefühle eines „Volkes“ oder einer ethnischen Gruppe gegenüber einer anderen und die aus dieser Einstellung resultierenden Handlungsweisen zu beschreiben (Fredrickson, S. 9).[6]

Kurt Horstmann schlug vor, nicht jegliche Diskriminierung irgendwelcher Gruppen als Rassismus zu bezeichnen, und hält es für angebracht, u. a. in der Flüchtlingsforschung auf den Ausdruck „Rassismus“ zu verzichten und stattdessen auf die Begriffe „Fremdenfeindlichkeit“, „Xenophobie“, „Ausländerfeindlichkeit“ und dergleichen auszuweichen.

... Der Proto-Rassismus des europäischen Mittelalters lässt sich an verschiedenen Indikatoren aufzeigen. Einmal ist es die Zeit eines umkämpften Bildes vom Afrikaner, zu dem Peter Martin Material zusammengetragen hat, das auf widersprüchliche Konzeptionen verweist, die zwischen Wolfram von Eschenbachs schöner, schwarzer Königin Belakane und den schwarzen, moslemischen Teufeln des Rolandsliedes schwanken. Später treten mit den judenfeindlichen Pogromen während des ersten Kreuzzuges und der großen Pest Ideologien und Praktiken der Ausgrenzung und Vernichtung zutage, die für Léon Poliakov und andere zur Geschichte des Antisemitismus und Rassismus gehören. Entgegenhalten ließe sich dem allerdings, dass die Ablehnung der Juden sich vornehmlich religiös artikulierte.

... In den deutschsprachigen Ländern wird oftmals bis zum heutigen Zeitpunkt angenommen, dass Rassismus in erster Linie in Form von Xenophobie (von griech.: xenos fremd, Gast/phóbos Furcht) vorhanden ist. Zwischen Rassismus und Xenophobie besteht eine Verwandtschaft, allerdings sind Rassismus und Xenophobie nicht einfach gleichzusetzen. Im rassistischen deutschen Nationalsozialismus wurden einheimische „Nichtarier“ (Juden) viel schlechter behandelt als ausländische „Arier“ (beispielsweise Skandinavier und andere Nord- und Westeuropäer). Von der Xenophobie nimmt man dagegen an, dass sie keine Rassenbegriffe kennt, sondern eher einen Ethnopluralismus befördert. Man nimmt auch an, dass rassistisch denkenden Menschen häufig nicht bewusst ist, dass sie rassistisch denken, was gleichzeitig impliziert, dass sie ihre Wahrnehmungen nicht mit dem Begriff „Rasse“ verbinden. Der Begriff der Xenophobie (Furcht vor dem Fremden) wird daher oftmals auch benutzt, um das eigentliche Problem Rassismus nicht offen ansprechen zu müssen.

...


Aus: "Rassismus" (11. Februar 2015)
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Rassismus

« Last Edit: June 24, 2015, 10:17:59 AM by Textaris(txt*bot) »

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[In diesem Kontext (Rassismus)... ]
« Reply #1 on: March 05, 2015, 10:39:57 AM »
Quote
[...] Die Nationalsozialistische Rassenhygiene (oder NS-Rassenhygiene) war die zur Zeit des Nationalsozialismus betriebene Eugenik oder „Rassenhygiene“, die eine Radikalvariante der Eugenik darstellte. Die praktische Umsetzung erfolgte durch den Einfluss auf die Wahl der Geschlechts- und Ehepartner durch die Nürnberger Rassengesetze und Eheverbote, durch Zwangssterilisationen bei verschiedenen Krankheitsbildern und Bevölkerungsgruppen, durch zwangsweise Abtreibungen bis zur „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ durch Mordprogramme wie die „Aktion T4“ beziehungsweise die so genannte Kinder-Euthanasie.

Die NS-Machthaber ermöglichten den Eugenikern/Rassenhygienikern in Deutschland eine radikalere Umsetzung ihrer Ideen ...

...


Aus: "Nationalsozialistische Rassenhygiene" (15. Februar 2015)
https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalsozialistische_Rassenhygiene

Kategorie „Rassismus im Nationalsozialismus“
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Rassismus_im_Nationalsozialismus


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[...das ist auch nicht zu bestreiten]
« Reply #2 on: March 05, 2015, 10:48:25 AM »
Quote
[...] Der Todesfall Michael Brown ereignete sich am Abend des 9. August 2014 in der Stadt Ferguson im Bundesstaat Missouri in den USA. Dabei wurde der 18-jährige afroamerikanische Schüler Michael Brown nach Tätlichkeiten gegenüber dem Polizisten Darren Wilson[1] von diesem erschossen. ...


"Todesfall Michael Brown" (1. März 2015)
https://de.wikipedia.org/wiki/Todesfall_Michael_Brown

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Quote
[...] Dieses Gefühl der Benachteiligung mag übertrieben sein; oft wird auch ein Opferstatus konstruiert, um eigene Verbrechen zu kaschieren oder zu bemänteln. Doch dass es Rassismus gibt – allerdings oft nicht nur in eine Richtung –, dass es oft noch eine selektive Verfolgung gibt, das ist auch nicht zu bestreiten. ...


Aus: "Unruhen in Ferguson: In Flammen" Klaus-Dieter Frankenberger (25.11.2014)
Quelle: http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/amerika/unruhen-in-ferguson-krawalle-nach-gerichtsentscheid-13285278.html


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[In diesem Kontext (Rassismus)... ]
« Reply #3 on: March 05, 2015, 10:53:52 AM »
Quote
[...] Polizeibeamte lassen einen Hund ohne Maulkorb auf einen strolchenden Jugendlichen los; Menschen werden verhaftet, weil sie nicht auf dem Bürgersteig gehen; Bürger sitzen in einer Gefängniszelle, weil sie widersprochen haben; Polizisten nehmen einen Vater fest, weil sein Kind an einen Busch gepinkelt hat, die Leute werden bedroht, verängstigt, eingeschüchtert und schikaniert. Die Bürger sind praktisch durchgehend schwarzer Hautfarbe, die Polizisten weiße Beamte des Polizeireviers in Ferguson.

Was US-Justizminister Eric Holder am Mittwochnachmittag in Washington über die Zustände bei der Polizei in dem kleinen Ort im US-Bundesstaat Missouri präsentiert hat, ist ein Report über einen Hort rassistischer Stereotype in einer Atmosphäre gewalttätiger Allmachtsfantasien.

Als im vergangenen Jahr ein weißer Polizist den schwarzen Teenager Michael Brown in Ferguson erschoss, fegten teils gewalttätige Proteste den Alltag des Ortes weg. Viele Bewohner berichteten damals von Rassismus und Schikanen der Polizei. Nach einer halbjährigen Untersuchung hat das Justizministerium jetzt eine mehr als 100-seitige Untersuchung vorgelegt. Darin gibt Holder den Bewohnern nachträglich Recht.

Festgestellt wurden „Muster unnötig aggressiven und zu Teilen ungesetzlichen Verhaltens von Polizisten“. Aktionen der Beamten seien, heißt es im Bericht  teilweise „verfassungswidrig und unzulässig grob“. Auf die 65 Prozent afro-amerikanischer Bevölkerung verteilten die fast ausnahmslos weißen Beamten 85 Prozent der Verkehrskontrollen, 90 Prozent der Verwarnungen und 93 Prozent der Festnahmen. Die statistische Abweichung sei auch nicht durch andere Faktoren wie Kriminalitätsrate oder demografische Zusammensetzung zu erklären. In jedem Fall übrigens, in dem ein Polizeihund zugebissen hatte und Daten über die ethnische Zugehörigkeit des Gebissenen vorhanden waren, hatte der Gebissene dunkle Haut. Zudem sei das Revier darauf fixiert gewesen, mit den Verwarnungsgeldern und Strafen Gewinn zu erzielen.

Das Justizministerium betrachtet die Situation auf dem Revier als von innen nicht reformierbar. Washington forderte die Stadt Ferguson deshalb auf, sein Strafrechtssystem zu überholen. Die Stadt habe derart viele Verfassungsbrüche begangen, dass dies nur durch einen völlig neuen Zugang zu Polizeiarbeit, eine Umschulung der Beamten und Angestellten und die Einführung einer neuen Aufsichtsstruktur korrigiert werden könne.

In diesem Kontext ist es nicht hart sich vorzustellen“, sagte Justizminister Holder, „wie ein einzelner tragischer Vorfall, die Stadt wie ein Pulverfass hochgehen lässt“. Holder nannte den Tod Michael Browns mit Bedacht einen tragischen Vorfall. Am selben Tag präsentierte das Justizministerium eine Untersuchung, derzufolge gegen den Schützen keine weitere Ermittlung des Ministeriums folgen soll. Es gebe keine klaren Beweise, die die Aussage des Polizisten widerlegten. Dieser hatte ausgesagt, aus Angst um seine eigene Sicherheit geschossen zu haben.

Mit Spannung war am Abend dann auf eine Stellungnahme des Bürgermeisters von Ferguson gewartet worden. James Knowles erklärte auf einer Pressekonferenz, die Stadt habe begonnen, Dinge zu verändern. Auf die konkreten Aufforderungen aus Washington ging er nicht ein. Der Report erlaube der Stadt, „Probleme nicht nur in unserem Polizeirevier, sondern in der ganzen Region St. Louis zu identifizieren“, sagte Knowles. „Nicht nur als Stadt, auch als Bundesstaat und als Land müssen wir besser werden. Wir müssen alle gegen Probleme der Rassenungleichheit in allen Bereichen der Gesellschaft arbeiten."

Bürgerrechter in Ferguson und im ganzen Land reagierten mit einer Mischung aus Unglauben und Ärger auf die Einlassung des Bürgermeisters. Dieser ließ bei seiner Erklärung keine Fragen zu. Immer wieder kam in TV-Diskussionsrunden am Abend zur Sprache, angesichts dessen, was der Report belege, habe man den Rücktritt des Poliziechefs von Ferguson erwartet. Und eine Entschuldigung.

Vom Weißen Haus gab es zumindest bis zum späten Abend noch keine Reaktion. Auch US-Präsident Barack Obama war im Muster von Ferguson rassistisch beleidigt worden. Wie Ermittler festgestellt haben, ließen Beamte rassistische Witze auf ihren Regierungsaccounts zirkulieren - offenbar ohne jegliche Angst vor Bestrafung. Eine schwarze Frau solle einen Kriminalitätspräventionspreis verliehen bekommen, wenn sie eine Abtreibung vornehmen lasse, hieß es in einem Schreiben. In einem anderen wurde Obama als Schimpanse dargestellt. Auch höhere Beamte waren in den Verteilerkreis dieser Emails involviert. Abmahnungen hat es nicht gegeben. Am Mittwoch sagte Bürgermeister Knowles aber, ein Beamter sei inzwischen für das Senden rassistischer Emails gefeuert worden, gegen zwei weitere liefen Untersuchungen.

Die Eltern von Michael Brown ließen am Mittwoch über ihren Anwalt erklären, die Entscheidung, nicht weiter gegen den Schützen zu ermitteln, enttäusche sie tief. Aber wenn der Report Veränderungen in Ferguson bringen könne, „dann wird unser Sohn nicht umsonst gestorben sein“.

Beispiele aus dem Report ...

- Auf dem Weg zur Verhaftung eines anderen Mannes legt ein Polizist einem anderen Schwarzen auf dem Parkplatz vor dem Haus ohne jeden Verdacht Handschellen an und verfrachtet ihn ins Polizieauto zu Personalienüberprüfung. Es war der Vermieter des Gesuchten.

- Ein Beamter nimmt eine Ladenbesitzerin fest. Diese hatte der Festnahme ihres Angestellten widersprochen. Den Angestellten hatte der Officer festgenommen, als er in seiner Mittagspause auf dem Weg von der Bank in den Laden zurück „unsafely“ auf der Straße gegangen war. Der Chefin wurde Einmischung in Polizeihandeln vorgeworfen.

- Ein Paar geht mit seinen Kindern in den Park, ein Kind darf an einen Busch neben einem geparkten Auto pinkeln. Ein Officer hält die beiden fest und wirft ihnen vor,  sie hätten zugelassen, dass sich ihr Kind entblöße. Vor den Kindern überprüft er den Vater auf offene Haftbefehle. Als sich die Mutter beschwert, sagt der Polizist zu ihrem Mann: „Du wanderst ins Gefängnis, weil Deine Frau nicht den Mund hält.“ Er nimmt ihn dann mit wegen des Vorwurfs einer Vernachlässigung der Aufsichtspflicht.

- Gegen eine Frau setzt ein Polizist in der Haft einen Elektroschocker ein, weil sie sich geweigert hat, ihre Armbänder abzulegen.

- Ein Officer lässt einen Polizeihund auf einen 14-jährigen Jungen (165 Zentimeter groß, 65 Kilo schwer) los, der sich nachts mit einem Freund in einem leeren Haus herumtreibt. Der Hund beißt den Jungen in den Arm. Wie in anderen Fällen begründet der Beamten sein Handeln damit, er müsse den Hund loslassen, um Leute aus Verstecken zu treiben.


Aus: "Report über Polizei in US-Kleinstadt Ferguson: Ein Hort rassistischer Stereotype" Barbara Junge (03/2015)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/report-ueber-polizei-in-us-kleinstadt-ferguson-ein-hort-rassistischer-stereotype/11460378.html


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[In diesem Kontext (racial profiling)... ]
« Reply #4 on: March 05, 2015, 10:57:15 AM »
Quote
[...] Als racial profiling (auch „ethnisches Profiling“ genannt) bezeichnet man das Handeln von Polizei-, Sicherheits-, Einwanderungs- und Zollbeamten, wenn dieses auf allgemeinen Kriterien wie "Rasse", ethnischer Zugehörigkeit, Religion und nationaler Herkunft einer Person basiert. Kritiker fordern, dass sich Verdachtsmomente nur auf das Personenverhalten und auf objektive Beweise gründen sollten. Das racial profiling wird dem institutionellen Rassismus zugeordnet. Der Ausdruck entstammt der US-amerikanischen Kriminalistik.

... Racial Profiling tritt auf:

    * Bei der Bekämpfung der illegalen Einwanderung durch Personenkontrollen an Bahnhöfen, Flughäfen, Zügen und im Grenzbereich bei Menschen, die äußerlich ein „ausländisches Aussehen“ haben.

    * Bei der Bekämpfung des islamistischen Terrorismus durch Personenkontrollen von Moscheebesuchern oder "muslimisch aussehender" Personen und bei der entsprechend motivierten Rasterfahndung.

    * Bei Fällen, wo Strafverfolgungsbehörden gegen ethnisch definierte „übliche Verdächtige“ vorgehen, wie z.B. in den USA bei verstärkten Kontrollen von schwarzen Fahrzeughaltern (Driving While Black).

...


Aus: "Racial Profiling" (22. Februar 2015)
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Racial_Profiling


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[So perhaps he might have... ]
« Reply #5 on: March 05, 2015, 12:11:53 PM »
Quote
... With the complex contemporary politics this play throws into relief, Shakespeare has left directors and producers a thorny problem. Evidence from his other works suggests he was for free speech however, urging at the end of King Lear that we should “speak what we feel, not what we ought to say”. So perhaps he might have agreed with Jacobson rather than Rylance; as he advocated against censorship of any point of view, even if it might offend or oppose. In Richard II he writes:

    Free speech and fearless, I to thee allow.


From: "Should racism and sexism be censored from Shakespeare?" The Conversation (04 Mar 2015)
Source: http://www.rawstory.com/rs/2015/03/should-racism-and-sexism-be-censored-from-shakespeare/

http://www.rawstory.com/rs/2015/03/should-racism-and-sexism-be-censored-from-shakespeare/comments/#disqus


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[Auslöser der Proteste waren... ]
« Reply #6 on: May 04, 2015, 11:28:32 AM »
Quote
[...] In Israel ist eine Demonstration äthiopischstämmiger Juden gegen Rassismus und Polizeigewalt erneut eskaliert: Drei Tage nach Ausschreitungen in Jerusalem lieferten sich am Sonntagabend Teilnehmer eines Protestmarschs in Tel Aviv Straßenschlachten mit den Einsatzkräften. Nach Angaben der Organisatoren setzte die Polizei Blendgranaten und Wasserwerfer ein. Teilnehmer warfen Steine und andere Gegenstände auf Polizisten. 46 Beamte und sieben Demonstranten wurden verletzt.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rief zur Ruhe auf. "Es ist Raum, um alle Vorwürfe zu untersuchen", sagte er, aber es gebe "keinen Raum für diese Art von Gewalt und Gesetzesbrüchen."

Auslöser der Proteste waren Medienberichte über einen Übergriff auf einen Israeli äthiopischer Herkunft in der südisraelischen Stadt Beerscheba. Der Mann gab an, von Beamten der Einwanderungsbehörde angegriffen worden zu sein, weil sie ihn für einen Einwanderer ohne gültige Papiere hielten. In der Woche zuvor hatte zudem ein Video für Empörung gesorgt, in dem Polizisten einen äthiopischstämmigen Soldaten schlagen.

Zunächst blockierten die Demonstranten in Tel Aviv eine wichtige Straße während des Berufsverkehrs und lösten damit Staus aus. Einige von ihnen legten sich auf die Fahrbahn. "Nicht schwarz, nicht weiß, wir sind alle Menschen", skandierten sie. Viele Teilnehmer reckten ihre Arme über Kreuz in die Luft, als steckten sie in Handschellen.

Der Demonstrationszug zog weiter zum Rathaus von Tel Aviv, wo die Proteste eskalierten: Laute Explosionen waren zu hören. Augenzeugen berichteten, die Polizei habe auf dem zentralen Rabin-Platz Tränengas und Blendgranaten gegen die Demonstranten eingesetzt. Diese hätten die Sicherheitskräfte wiederum mit Steinen und Flaschen beworfen.

Israels Sicherheitsminister Jitzchak Aharonovitsch sagte, es sei schwierig gegen den "Aufstand" anzugehen, da dieser keine eindeutigen Anführer habe. "Es gibt keinen, mit dem man reden kann", sagte er zu Journalisten.

Dennoch versucht Netanjahu, zu vermitteln. Der Ministerpräsident will sich mit dem misshandelten Soldaten und Vertretern der äthiopischen Gemeinde sowie der Polizei und des Innen- und des Sicherheitsministeriums treffen, berichtete die Jerusalem Post.

Nach Angaben des israelischen Statistikbüros leben mehr als 135.000 Bürger mit äthiopischen Wurzeln im Land. Viele von ihnen beklagen Benachteiligungen in Beruf und Alltag.


Aus: "Verletzte und Festnahmen bei Protesten gegen Polizeigewalt" (4. Mai 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-05/protest-israel-polizeigewalt


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[Die Vorzeichen sind wenig günstig... ]
« Reply #7 on: May 05, 2015, 11:16:41 AM »
Quote
[...] Polizeikontrollen ohne erkennbaren Anlass und gewaltsame Angriffe – viele Menschen mit vermeintlich ausländischem Aussehen haben das bereits erlebt. Beamte, die allein wegen äußerlicher Merkmale Verdacht schöpfen und ein neuer Höchststand der rassistisch motivierten Gewalt sind zwei Probleme, die in dieser Woche in Genf zur Sprache kommen dürften. Dann muss Deutschland zum nunmehr 14. Mal vor den Vereinten Nationen nachweisen, ob es die UN-Antirassismuskonvention einhält.

Die Vorzeichen sind wenig günstig: Juristen bewerten Racial Profiling, also Kontrollen von Menschen nur wegen äußerlicher Merkmale, als Verstoß gegen EU-Recht. Menschenrechtsorganisationen registrieren immer mehr solche Fälle und unterstützen Betroffene, die dagegen vor Gericht ziehen – mit Erfolg.

Hinzu kommt eine neue Statistik ostdeutscher Opferberatungsstellen: 2014 griffen Täter aus rassistischen Motiven 30 Prozent häufiger andere Menschen an als 2013, die Zahl stieg im dritten Jahr in Folge.

Am heutigen Dienstag und am Mittwoch sitzen sich in Genf der Fachausschuss gegen rassistische Diskriminierung (CERD) und Vertreter der Bundesregierung gegenüber. Sie werden einen von mehreren Ministerien verfassten Bericht mitbringen, der Deutschlands Bemühungen zum Schutz einzelner Bevölkerungsgruppen vor rassistischen Anfeindungen auflistet, darunter die etwa 200.000 bis 300.000 Schwarzen, die vier Millionen Islamgläubigen, die etwa 110.000 Juden, Sinti und Roma, die Lausitzer Sorben.

An der Anhörung in Genf teilnehmen werden auch Vertreter von sieben Nichtregierungsorganisationen, darunter Diakonie, Caritas, eine Gruppe von Nebenklageanwälten aus dem NSU-Prozess und das Deutsche Institut für Menschenrechte. Alle haben eigene Berichte eingereicht, in denen sie die Einschätzung der Ministerien ergänzen, teils korrigieren.

... In den Berichtszeitraum fällt auch ein Interview, in dem der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin Türken und Araber herabwürdigte und einen Zusammenhang zwischen ethnischer Herkunft und Integrationsproblemen konstruierte. Der Türkische Bund in Berlin und Brandenburg stellte damals – erfolglos – Strafantrag und warf Deutschland vor, nicht entschieden genug gegen Rassismus vorzugehen. Der Antirassismusausschuss der UN hat hierfür bereits eine Rüge ausgesprochen. Das Menschenrechtsinstitut sieht seine Kritik an der Rassismus-Definition Deutschlands bestätigt: Sarrazin sei zwar kein Rechtsextremist, argumentiere aber biologistisch, erläutert Cremer. 

Einige Mängel räumt der Staatsbericht der Regierung bereits selbst ein: Sämtliche Versuche, Sarrazin zu belangen, seien erfolglos geblieben, heißt es. Und rassistisch motivierte Straftaten gegen Schwarze seien nicht zu beziffern, weil die Statistiken dies nicht separat erfassen. Für Folmar-Otto vom Menschenrechtsinstitut ist daher klar: "Es gibt in Deutschland strukturelle Probleme, Rassismus zu erkennen und zu bearbeiten", sagt sie. Und aus Sicht der Diakonie bleibt die deutsche Rechtsordnung ebenso wie die Politik auf Bundes- und Landesebene "weit hinter den menschenrechtlichen Verpflichtungen zurück, die sich aus der Unterzeichnung der UN-Antirassismuskonvention ergeben".


Aus: "Vereinte Nationen: Deutschland muss zum Rassismus-TÜV" Tilman Steffen (5. Mai 2015)
Quelle: http://www.zeit.de/gesellschaft/2015-05/rassismus-un-deutschland-racial-profiling-sarrazin


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[...] Gemäss bestätigten Zeugenaussagen hatte sich der junge weisse Mann in einer von Schwarzen besuchten Bibelstunde zur Runde gesetzt, ehe er nach knapp einer Stunde wieder aufstand und das Feuer eröffnete. Anschliessend ergriff er die Flucht.

An einer Pressekonferenz bestätigte der lokale Polizeichef Gregory Mullen neun Todesopfer – sechs Frauen und drei Männer. Nur drei anwesende Personen hätten den Angriff überlebt. Acht Menschen seien am Tatort gestorben, eine weitere Person sei im Spital ihren Verletzungen erlegen.

Offenbar liess der Schütze eine Frau bewusst am Leben, damit diese als Augenzeugin über die Tat berichten könne.

Unter den Opfern ist auch der 41-jährige Pfarrer der Kirche und dessen Schwester. Eine Person liege zudem schwer verletzt im Spital. Laut Mullen soll die Tat rassistisch motiviert gewesen sein.

... Nach Informationen von US-Medien hatte der Verdächtige vor der Tat erklärt, er wolle Schwarze umbringen. Nach dem Blutbad veröffentlichten die Behörden ein Foto, das den jungen Mann in einem Jackett zeigt, auf dem die Flaggen der ehemaligen Apartheidstaaten Südafrika und Rhodesien zu erkennen sind.

... Die Tat ereignete sich in der Emanuel African Methodist Episcopal Church, einer der ältesten Kirchen der schwarzen Gemeinden in Charleston. Unter anderem war dort auch der Pastor und Bürgerrechtler Martin Luther King einst an einem Gottesdienst zu Gast. (cat/sda)


Aus: "Dylann Roof tötete neun Schwarze in einer Kirche - Der Vater schenkte ihm kürzlich eine Waffe" (17.06.2015)
Quelle: http://www.blick.ch/news/ausland/dylann-roof-toetete-neun-schwarze-in-einer-kirche-der-vater-schenkte-ihm-kuerzlich-eine-waffe-id3878939.html

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Beim Anschlag in Charleston erschoss ein 21-jähriger weißer US-Bürger am 17. Juni 2015 neun Afroamerikaner während einer Bibelstunde in einer Kirche in Charleston (South Carolina). Die Ermittlungsbehörden ermitteln wegen eines rassistisch motivierten Hassverbrechens und möglichem Terrorismus. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Anschlag_in_Charleston

https://en.wikipedia.org/wiki/Charleston_church_shooting

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Quote
[...] Scott Roof, who identified himself as Dylann Roof’s cousin, told me over the telephone that “Dylann was normal until he started listening to that white power music stuff.”  He also claimed that “he kind of went over the edge when a girl he liked starting dating a black guy two years back.” ...

... The Wall Street Journal reported that Roof’s family had grown concerned over the last two months as his racist views started to boil over. “He apparently told people that he was involved in groups, racist groups,” said a woman who identified herself as the mother of Roof’s former stepmother. “He turned into a loner in the last couple of years and no one knew why. He just fell off the grid somehow.”

...


From: "Charleston: Dylann Roof’s Cousin Claims Love Interest Chose Black Man Over Him" Juan Thompson (19.06.2015)
Source: https://firstlook.org/theintercept/2015/06/18/cousin-of-charleston-suspect-says-black-man-stole-roofs-love-interest/

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" ... Als hate crimes (deutsch: „Verbrechen aus Hass“, „Hasskriminalität“) werden Straftaten bezeichnet, bei denen das Opfer des Delikts vom Täter vorsätzlich nach dem Kriterium der wirklichen oder vermuteten Zugehörigkeit zu einer gesellschaftlichen Gruppe gewählt wird und sich das Verbrechen dadurch gegen die gewählte Gruppe als Ganze richtet. ... Das Konzept der Hate Crimes wurde im Rahmen der Bürgerrechtsbewegungen in den USA entwickelt. Es ist damit zunächst ein soziales Konstrukt, welches den unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen strafrechtlichen Schutz vor Übergriffen garantieren sollte. ..."
https://de.wikipedia.org/wiki/Hate_crime



« Last Edit: June 22, 2015, 04:42:44 PM by Textaris(txt*bot) »

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[In der Antwort auf die Kleine Anfrage... ]
« Reply #9 on: July 07, 2015, 10:24:57 AM »
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[...] Rassismus gibt es nach Auffassung der Bundesregierung nicht in deutschen Behörden und staatlichen Institutionen. Die bisher bekannten Fälle enthielten bisher „keinen Ansatz für die Feststellung eines Strukturproblems“, heißt es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion der Linken. Sie bezögen sich alle „auf subjektiv als unberechtigt empfundene polizeiliche Maßnahmen“, bei denen bei den Betroffenen „im Einzelfall fälschlicherweise der Eindruck“ entstehen konnte, sie seien wegen ihrer Hautfarbe oder anderer äußerer Merkmale in den Fokus der Polizei geraten.

Deutschland ist bereits mehrfach von der UN-Rassismuskommission vorgeworfen worden, es bekämpfe Rassismus nicht ausreichend. Als sich der Buchautor und frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin für seine Äußerungen gegen türkei- und arabischstämmige Berliner nicht vor Gericht verantworten musste, rügten die Vereinten Nationen, dass in Deutschland Gesetze fehlten, die die Verfolgung von Rassismus möglich machten. Zuletzt hatte das UN-Komitee zur Beseitigung rassistischer Diskriminierung (CERD) sich im Mai „besorgt“ geäußert: Im Falle der NSU-Mordserie versäume „die staatliche Seite es weiterhin …, die eigenen systemischen Mängel und das rassistische Motiv hinter diesen Taten zu erkennen“, heißt es im Kommentar der UN zum Lagebericht Berlins. "Hinter diesem Versäumnis könnte sich institutioneller Rassismus verbergen." Es sei auch Grund zur Sorge, „dass selbst der Bericht des mit der Untersuchung des staatlichen Versagens beauftragten Parlamentarischen Untersuchungsausschusses weder spezifisch auf rassistische Diskriminierung noch auf das rassistische Motiv für die begangenen Morde Bezug nimmt. In der Gesamtheit scheinen all diese Elemente auf eine strukturelle Diskriminierung als die eigentliche Ursache für diese Probleme hinzudeuten.“

In der Antwort auf die Kleine Anfrage rechtfertigt nun die Bundesregierung gerade mit dem von den UN kritisierten Bericht des NSU-Ausschusses, warum sie keinen Anlass zum Handeln sieht: „Die Bundesregierung orientiert sich bei ihrer Bewertung der Versäumnisse bei den Ermittlungen zu den Taten des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) an den Feststellungen des NSU-Untersuchungsausschusses. Dieser hat in seinen gemeinsamen Bewertungen (mit seinen 47 Handlungsempfehlungen) keinen strukturellen/institutionellen Rassismus bei den Ermittlungsbehörden festgestellt.“

Was rassistische Maßnahmen und Verhalten jenseits des NSU-Komplexes angeht, sind die von der Regierung zitierten Betroffenen allerdings nicht mehr nur "subjektiv" überzeugt, dass es sie gibt. In mehreren Verfahren um sogenanntes "Racial Profiling" haben ihnen Gerichte Recht gegeben. Aktuell wehrt sich die Bundespolizei gegen ein Urteil, das ein dunkelhäutiges Ehepaar aus Mainz im Recht sah. Beide waren als einzige im Zug von der Polizei kontrolliert worden. Wie massiv solche auf äußere Merkmale abzielenden Kontrollen, nicht nur durch Polizisten, sondern auch durch andere Vertreter des Staats das Leben dunkelhäutiger Bürger in Deutschland beeinträchtigt, kam kürzlich auch durch den Prozess wieder zutage, den der Frankfurter Ingenieur Derege Wevelsiep angestrengt hatte, der im Verlauf einer Fahrkartenkontrolle sogar Schläge hatte einstecken müssen. Im Bundestag sprach kürzlich der Hallenser SPD-Abgeordnete Karamby Diaby, der erste Schwarze im deutschen Parlament, von seinen Erfahrungen und der Scham und Resignation, die Betroffene meist sogar davon abhalte, Racial Profiling anzuzeigen.

...

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     von DaW
    07.07.2015 08:47 Uhr

Nichts sehen, nichts hören...
"Sie bezögen sich alle 'auf subjektiv als unberechtigt empfundene polizeiliche Maßnahmen', bei denen bei den Betroffenen 'im Einzelfall fälschlicherweise der Eindruck' entstehen konnte, sie seien wegen ihrer Hautfarbe oder anderer äußerer Merkmale in den Fokus der Polizei geraten."

Stimmt - wenn Polizisten in die S-Bahn steigen und von 100 Fahrgästen genau den einzigen Schwarzen kontrollieren, ist das natürlich reiner Zufall. Wenn ein Kommilitone, gebürtiger Brasilianer, schon mehrmals "verdachtsunabhängig" am Ostbahnhof seinen Ausweis vorzeigen muss, während mir (weiß, blond) noch nie passiert ist, ist das natürlich ein "falscher Eindruck", der entsteht.


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     von tzui
    07.07.2015 08:42 Uhr

Alltagsrassismus
Der alltägliche Rassimus ist so normal, verinnerlicht und weit verbreitet, dass er den betroffenen Behörden natürlich selbst nicht auffallen kann.
Ein vielleicht harmlos klingendes, aber entlarvendes Beispiel: Ich war mit einer Freundin, visuell wie ich eher der nordeuropäischer Typ, beim Ausländeramt. Die Gänge voll mit Menschen, die, wie wir, auf ihren Termin warteten. Seltsamerweise haben uns alle Angestellten des Amtes auf dem Gang gegrüßt, meist mit einem freundlichen Nicken. An den anderen - dunkelhaarigen - sind sie vorbeigegangen als wären sie Luft.
Zur Erinnerung: Diskriminierung heisst erstmal nur "Unterscheidung", überall wo unterschiedlich behandelt wird beginnt der Rassismus...
Und wer behauptet, dass man als Schwarzer am Bahnhof von der Bundespolizei nicht unterschiedlich behandelt wird als die Visuell-Germanen, der war noch nicht oft genug als Schwarzer an einem deutschen Bahnhof.



Aus: "Regierung sieht kein Problem mit Rassismus in Behörden" Andrea Dernbach (07.07.2015)
Quelle: http://www.tagesspiegel.de/politik/diskriminierung-regierung-sieht-kein-problem-mit-rassismus-in-behoerden/12018782.html


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« Reply #10 on: July 08, 2015, 02:25:49 PM »
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[....] STUTTGART taz | Warum hat es Jahre gedauert, bis die Polizei entschieden hat, was mit zwei Beamten geschieht, die Mitglied des Ku-Klux-Klan waren? Der Untersuchungsausschuss des Baden-Württembergischen Landtags offenbart ein strukturelles Versagen der Behörden beim Bekämpfen rechtsextremer Tendenzen.

Im Herbst 2001 hatte der Polizeibeamte Jörg W. seinen Kollegen Timo H. mit zu einem KKK-Treffen nach Schwäbisch Hall genommen. Wenig später trat der, wie vorher W., der rassistischen Vereinigung bei. Dafür musste er geloben, keine jüdischen Vorfahren zu haben und die Rasse reinzuhalten. Diese Erklärung besiegelte er in einer Zeremonie mit Kapuzen und viel Kreuzsymbolik mit Blut aus seinem Daumen. Er sei dem älteren Kollegen damals einfach so „hinterhergedackelt“, sagte Timo H. vor dem Ausschuss.

Ein halbes Jahr später verließen Timo H. und Jörg W. den Klan wieder, der wohl aus kaum mehr als acht Leuten bestand. Die Mitgliedschaft der beiden Beamten wurde den Behörden durch eine Abhöraktion des Landesamts für Verfassungsschutz bekannt. Folgen hatte das erst einmal nicht. Im Ausschuss wiesen die Parlamentarier nun nach, dass das Verfahren von den Polizeibehörden zunächst drei Jahre verzögert wurde. Das Ermittlungsverfahren war erst im März 2005 abgeschlossen, von da an habe es noch einmal ein halbes Jahr lang gedauert, bis eine Verfügung ausgesprochen wurde.

Ein Verweis mit möglichen Gehaltskürzungen oder gar eine Entfernung aus dem Polizeidienst waren damit wegen Verjährung nicht mehr möglich. Gegen die beiden Beamten konnte nur noch eine Rüge ausgesprochen werden.

Jörg W., gegen den zuvor schon ein Strafverfahren wegen rassistischer Äußerungen eröffnet worden war, und Timo H. sind bis heute im Polizeidienst. H. war am Tag der Ermordung der Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter, mutmaßlich durch den NSU, deren Einsatzleiter.

Parlamentarier aller Fraktionen zeigten sich von dem schlampigen Disziplinarverfahren empört. Der Abgeordnete der Grünen, Jürgen Filius, sagte: „Die Fehler des Verfahrens liegen offen, das darf nicht mehr passieren.“

Vor allem die Aussage des damaligen Polizeipräsidenten und heutigen Stuttgarter Bürgermeisters Martin Schairer (CDU) war voller Erinnerungslücken. An den Fall von Jörg W. konnte sich Schairer erinnern. Doch warum das Verfahren zu einem solchen Ende kam, wusste er nicht. Eine eigene Verantwortung für das verzögerte Verfahren schloss der Bürgermeister aus.

Der ehemalige Vorgesetzte von Timo H. sagte, er sei vom damaligen Chef der Bereitschaftspolizei angewiesen worden, bei der Mitgliedschaft der Beamten im Ku-Klux-Klan „nicht in die Breite“ zu ermitteln, um die Arbeit des Verfassungsschutzes nicht zu gefährden. Schairer kann sich an diese Anweisung nicht erinnern.

Der CDU-Abgeordnete Matthias Pröfrock kommentierte das Vorgehen der Behörden: Die „leichtsinnige Beurteilung“ von Polizeibeamten mit rechter Gesinnung ziehe sich in Baden-Württemberg durch. Noch vor wenigen Wochen war ein Beamter der Polizeidirektion Göppingen mit einer Geldbuße davongekommen, der Texte der Nazirock-Band Landser per SMS verschickt hatte.


Aus: "Ku-Klux-Klan in Baden-Württemberg: Rechte Beamte bleiben unbehelligt" Benno Stieber (8.7.2015)
Quelle: https://www.taz.de/Ku-Klux-Klan-in-Baden-Wuerttemberg/!5210324/


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[ Was vor Gericht verhandelt wird... ]
« Reply #11 on: December 11, 2015, 01:03:25 PM »
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[...] Junge Mädchen sollen vergewaltigt, zur Prostitution gezwungen oder an Freunde weitergereicht worden sein: Staatsanwältin Michelle Colborne erhebt vor Gericht im nordenglischen Sheffield schwere Vorwürfe gegen fünf Männer und zwei Frauen. Teilweise sollen die Opfer in der Stadt Rotherham erst zwölf Jahre alt gewesen sein. Die Angeklagten bestreiten jede Schuld.

Die Verbrechen in der 260.000-Einwohner-Stadt in Großbritannien gelten als Inbegriff des Kindermissbrauchs in Großbritannien. In einem unabhängigen Untersuchungsbericht der Professorin Alexis Jay heißt es, in Rotherham seien über Jahre bis zu 1400 Kinder und Jugendliche Opfer sexueller Gewalt geworden. Den Behörden der Stadt wird vorgeworfen, lange Zeit weggeschaut zu haben.

Die Anklage der Staatsanwältin lässt das Leid der Opfer nur erahnen: "Er benutzte sie für seine eigene Befriedigung, prostituierte sie oder reichte sie an seine Brüder und seine Freunde weiter", warf Colborne einem der Angeklagten vor. Einige Opfer seien regelrecht gefangen gehalten worden.

Einer der Angeklagten habe ein zwölfjähriges Mädchen aus einem Kinderheim geholt - dort habe man gesagt, es sei okay, wenn er das Mädchen bis 23 Uhr wieder zurückbringe. Das Mädchen sei dann gezwungen worden, mehrere Männer in einem Auto oral zu befriedigen, sagte Colborne.

Insgesamt werde man in dem Prozess, der mehrere Wochen dauern dürfte, die Aussagen von zwölf Mädchen und jungen Frauen anhören. Die Anklage umfasst mehr als 60 Punkte. Die Verbrechen sollen über zehn Jahre hinweg begangen worden sein. Es geht darum, wie unsicheren jungen Mädchen aus schwierigen Verhältnissen Schnaps eingeflößt wurde, wie sie mit billigen Geschenken gefügig gemacht wurden. Betrunkene Erwachsene sollen anschließend über sie hergefallen sein.

Was vor Gericht verhandelt wird, ist den Ermittlungen zufolge nur die Spitze eines unfassbaren Skandals. Denn in Rotherham sollen Jays Bericht zufolge auch die Behörden jahrelang aus falsch verstandener politischer Korrektheit weggeschaut haben.

Es bestehe der Verdacht, dass Polizei und Behörden "die ethnische Dimension der sexuellen Ausbeutung von Kindern heruntergespielt" hätten, heißt es in dem Bericht. Sieben der Angeklagten tragen Namen, die eher dem Nahen und Mittleren Osten zuzuordnen sind. Ermittler und Sozialarbeiter vor Ort seien im Unklaren gewesen, "was sie sagen und tun sollten, und was als rassistisch interpretiert werden könnte".


Aus: "Anklage im Rotherham-Prozess: "Mädchen an Brüder und Freunde weitergereicht"" (10.12.2015)
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/rotherham-prozess-staatsanwaeltin-spricht-ueber-vergewaltigung-und-prostitution-a-1067205.html#utm_source=panorama#utm_medium=medium#utm_campaign=plista&ref=plista

Unter dem Missbrauchsskandal von Rotherham lassen sich Vorgänge des organisierten sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen zwischen den Jahren 1997 und 2013 in Mittelengland zusammenfassen. Zum Skandal wuchsen sich die Ereignisse aus, als 2014 ein Untersuchungsbericht erschien, der die Dimension der Verbrechen bilanzierte und Behördenmitarbeitern, der Polizei und Kommunalpolitikern Verschleierung und Versagen nachwies. 1400 Kinder und Jugendliche wurden in der Stadt Rotherham, deren Umgebung und anderen Orten in Mittelengland durch britisch-pakistanische „Grooming“-Banden systematisch missbraucht. Dabei kam es zu Gruppenvergewaltigungen, erzwungener Prostitution und „Trafficking“ – einem Weiterreichen von einer Männergruppe zur nächsten. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Missbrauchsskandal_von_Rotherham (12/2015)


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« Reply #12 on: April 03, 2018, 12:27:48 PM »
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[...] Das Hobbymodel Philipp Awounou wurde Werbeträger einer Krankenkasse – und stand plötzlich im Zentrum eines Shitstorms "Kanakenwerbung", "Drecksgesindel", "Vergewaltiger": Diese Worte musste Philipp Awounou auf Facebook über sich lesen. Der Deutsche hatte vor rund einem Jahr mit seiner Freundin für Fotos posiert, diese wurden von einer Krankenkasse für deren Werbekampagne ausgewählt. Sie zeigen ein deutsches Paar mit unterschiedlichen Hauttönen, die sich über ein Ultraschallbild ihres Babys freuen. Im Netz löst das Plakat heftige Reaktionen aus, wie Awounou im Spiegel berichtet.

Angetrieben wird das etwa durch die AfD. Die Facebook-Seite einer lokalen Parteiorganisation teilt das Plakat, schreibt dazu von "Multikulti", "Asylchaos" und dass "der große Teil der Migranten niemals einzahlen" werde.

Awounou ist in Deutschland geboren und aufgewachsen. Er will mit der AfD-Seite Kontakt aufnehmen und sie auf die rassistischen Kommentare hinweisen, die sich unter dem Facebook-Beitrag befinden. Er erhält nur eine knappe Antwort, dass zu wenig Ressourcen für eine Moderation vorhanden seien. Unterstützungserklärungen gelöscht Später entdeckt Awounou, dass andere Beiträge, die den Rassismus der Vorposter kritisieren, sehr wohl rasch gelöscht werden. Er beschließt, seine Geschichte in einem Facebook-Beitrag zu thematisieren, außerdem kontaktiert er einzelne Hassposter. Die erklären ihm etwa, prinzipiell nichts gegen Ausländer zu haben, sich seit der Flüchtlingskrise aber "unwohl" zu fühlen. Die Krankenkasse DAK bleibt indes bei ihrer Kampagne. "Ein junges Paar freut sich auf sein baby – und wir werden für dieses Motiv kritisiert", schreibt sie auf Facebook. "Wir sind die Krankenkasse für alle Menschen – egal welcher Herkunft." (red, 2.4.2018)

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Harleygraf,

Hütet euch vor der Frühlingssonne, schon morgen könnte eure Hautfarbe zu dunkel für so manchen Deppen sein.


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Sneef,

Wenn er sich ernsthaft integrieren hätte wollen, hätte er seine Hautfarbe loswerden müssen.
So ist das alles nur wischiwaschi...


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homo ökonomicus,

Soziale Netzwerke sind Treffpunkt des untersten sozialen Pöbels ...


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Wurscht? Powidl!,

Mir tun jene irgendwie extrem leid, die nicht erkennen, dass sie mit dem jungen werdenden Vater meistens weit mehr substanzielle Interessen teilen, als mit den Führungskadern von AfD, FPÖ, FN, Lega, Jobbik und wie sie sich alle nennen. Hautfarbblick macht blind.


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RetterausVorarlberg,

Dummheit muss nicht leid tun.


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Rotes Käppchen,

Sorry, aber wer sich die Menschheit als Hierarchie von Rassen vorstellt und dementsprechend in eine Diskussion geht (Motto: weiß, christlich und deutsch ist das allerbeste wo gibt), hat mit Bildung wohl wenig am Hut.

Andererseits: Einbildung ist auch eine Bildung, und immerhin gibt's ja genügend alternative Fakten von 1930 bis heute, an die man sich halten kann.


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badat,

Man kann auch mit einem hohen formalen Abschluss ein Volltrottel sein.
Wer nach gut 100 Jahren rechtsnationaler Politik, in denen diese Politik kein einziges Mal irgendwo irgendeinen nachhaltigen Vorteil für den "kleinen Mann" gebracht hat, solche Parteien noch immer wählt, leistet einen Offenbarungseid.


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Badlands Frankie,

Solche Pöbeleien zeigen in erster Linie nur eines,
dass diese Leute einfach an einer weit verbreiteten Krankheit namens niedriger Intelligenz leiden. Vorurteile, Rassismus und unbegründete aber überhöhte Selbsteinschätzung sind die Hauptsymptome dieser Krankheit. ...


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abaris,

David Alaba nicht vergessen
Ich persönlich freu mich, wenn ich einen Schwarzen im breiten Wiener Dialekt in der U-Bahn telefonieren höre. Oder wenn ich Kindergarten-Ausflüge sehe, die Schwarze, Asiaten und Weiße Kinder gemeinsam ausführen. Kinder urteilen sowieso nicht. Die Blödheit wächst erst mit dem Alter, der Indoktrinierung und der Verbissenheit. Wenn diese Kinder aufwachsen, wird es für sie hoffentlich kein Thema mehr sein. Auch wenn jetzt wieder Kräfte an der Regierung sind, die alles hassen, was nicht in ihr enges Denkschema passt.


Quote
jubilee,

alle övpler hier sollten sich schämen: das sind die leute, das ist die gesinnung, die ihr in die regierung geholt habt. das ist der geist, mit dem ihr keinerlei probleme habt. also hört endlich auf herumzujammern wenn man euch rassismus vorwirft, viel offensichtlicher wird der nimmer


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Gott erhalte, Gott beschütze unsere Große Koalitio,

Sie wollen doch nicht etwa den Herrn Bundeskanzler anpatzen? ...


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Arnold XXIII,

Diese Hetze ist einfach widerlich. Genauso wie mit dem Neujahrsbaby, deren Mutter ein Kopftuch getragen hat. Einfach widerlich.


Quote
ino

Gleich mehrere Zeichen für die Zeit, in der wir leben
a) auf Facebook treiben sich immer mehr Extremisten und Rassisten rum. Mit den auf Facebook generierten Daten können Extremisten sich sogar zu Präsidenten wählen lassen, wenn sie genug zahlen. Man sollte dieses Netzwerk meiden.

b) Immer mehr Leute finden es normal, ihren Unmut über andere Menschen zu äußern, weil die anders aussehen. Dabei ist es egal, ob die eine andere Hautfarbe haben, ein Kopftuch tragen oder einen Turban.

c) Die Art und Weise, wie Leute ihren Unmut äußern, wird immer unhöflicher. Kaum wer sagt einem anderen "Arschloch" ins Gesicht, aber im Internet ist es schnell getippt. Soziale Medien enthemmen und es sind nicht unsere guten Seiten, die dabei zum Vorschein kommen. Je mehr enthemmt, desto rassistischer werden viele.


Quote
Clama91

Dieser junge Mann ist Deutscher....Aber gegen blinden Hass und totale Dummheit kommt man mit der Wahrheit ja nicht an.
Traurig....


...


Aus: "Online-Mob hetzt gegen Plakat, das schwarzen Deutschen zeigt" (2. April 2018)
Quelle: https://derstandard.at/2000077163500/Online-Mob-hetzt-gegen-Plakat-das-schwarzen-Deutschen-zeigt


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« Reply #13 on: June 13, 2018, 02:57:05 PM »
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[...] Es gibt eine Zeichnung aus dem frühen 19. Jahrhundert, die die brasilianische Sklavin Anastácia zeigt. Um den Hals trägt sie einen Metallring wie ein Hundehalsband. Vor ihrem Mund klemmt ein Stück Blech, das von Schnüren über Wangen und Stirn zum Hinterkopf festgebunden ist. Das Blechstück führt weiter in den Mund zwischen Zunge und Kiefer. Es ist die Máscara de flandres, ein Folterinstrument: Es verhinderte, dass Sklaven essen, trinken oder miteinander sprechen konnten.

Mehr als 300 Jahre lang kam diese Maske zum Einsatz. Für die Psychoanalytikerin und Künstlerin Grada Kilomba steht die Máscara de flandres wie kein anderes Symbol für das koloniale Projekt und die Funktionsweise von Rassismus: die Macht auf der einen Seite, die Ohnmacht auf der anderen Seite, und das Schweigen dazwischen. Was hätte sich die weißen Sklavenhalter anhören müssen, wenn die schwarzen Sklaven hätten reden können?

Heute sind die Kolonialherren weg, die Sklaven sind frei. Die Masken aber tragen sie bis heute, sagt Kilomba. Die Masken sind nur unsichtbar geworden. Bis heute sind jene, die diese Maske tragen, oft sprach- und machtlos. Weil die anderen, die ihnen die Masken aufsetzen, heute noch Angst vor ihren Worten haben. Und weil sie Schuldgefühle und Scham plagen.

Eigentlich soll es keinen Rassismus geben. Das deutsche Grundgesetz und alle anderen liberalen Verfassungen verbieten ihn. "Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus dürfen in Deutschland und auch anderswo keinen Platz haben", sagte die Bundeskanzlerin zum 25. Jahrestag des rassistisch motivierten Brandanschlags in Solingen.

Aber die Realität sieht anders aus. "Wenn Menschen mich mögen, sagen sie, sie tun es trotz meiner Farbe. Wenn sie mich nicht mögen, stellen sie heraus, sie tun es nicht wegen meiner Farbe." So beschrieb es der Theoretiker Frantz Fanon 1968, der in der früheren französischen Kolonie Martinique geboren wurde und als Schwarzer dort trotz rechtlicher Gleichstellung herablassend behandelt wurde. Und so erleben es viele auch heute, auch in Deutschland: Da ist zum Beispiel Amaniel, dessen Kollege ihm Bananen auf seinen Arbeitsplatz legte und dabei Affengeräusche machte, Burak, der viel mehr Bewerbungen schreiben muss als Bernd, oder Ismail, der länger nach einer Wohnung suchen muss als Hanna, und die Polizei kontrolliert einen Pakka häufiger ohne Anlass als einen Paul. 

Rassismus ist die stille, vielleicht wirkmächtigste Ideologie der Menschheitsgeschichte. Wie konnte das passieren?

Biologisch, darüber sind sich Wissenschaftler heute einig, gibt es keine unterschiedlichen, abgrenzbaren Menschenrassen. Das sei vielmehr eine "ideologische Kopfgeburt", schreibt der Soziologe Wulf D. Hund. In die Welt gekommen mit Hilfe kolonialer Gewalt, von der Aufklärung des 18. Jahrhunderts systematisiert und in den falschen Stand eines wissenschaftlich beweisbaren Fakts erhoben.

Jahrhundertelang kamen die Menschen ohne Rassismus aus. Aber das Bedürfnis, sich und die eigene Gruppe aufzuwerten, indem man andere abwertet, das gab es wohl schon immer. Das Wort für "ich" ist in vielen Sprachen identisch mit dem Wort "Mensch". Alle anderen sind in der Sprachlogik nicht mal Menschen. Und seit jeher bekämpften die Menschen einander, Sieger drängten nach Kriegen den Besiegten ihre Kultur auf oder versklavten sie. Doch wer Sieger und wer Verlierer war, darüber entschieden keine körperlichen Unterschiede. Die waren lange unwichtig.

In der europäischen Antike zum Beispiel hatten Menschen Unterschiede in ihrem Teint zwar wahrgenommen, der Unterschied ordnete aber nicht ihr Zusammenleben. Die Grenze verlief laut dem Historiker Christian Geulen anderswo, beispielsweise zwischen Hellenen im griechischen Einflussgebiet und Barbaren jenseits davon. Beide gehörten zur antiken Gesellschaft dazu, auch wenn Aristoteles die Barbaren zu geborenen Knechten erklärte und Alexander der Große meinte, mit Barbaren müsse man umgehen wie mit Tieren. Es waren Vorurteile, aber keine unveränderlichen: Barbaren konnten Hellenen werden, "und weder Aristoteles noch sonst ein Grieche wäre auf die Idee gekommen, dass die Welt ohne Barbaren eine bessere wäre", schreibt Geulen. Ähnlich dachten die Römer, die später hellenische Staaten eroberten.

Das änderte sich auch nicht, als die Römer ihren Machtbereich bis an den Rhein ausdehnten und an dessen Ufern auf die Germanen trafen. Sie unterwarfen die Germanen ebenso wie die Gallier und die Kelten – aber nicht, weil die Germanen sich körperlich von ihnen unterschieden, sondern weil die Römer sie für dumm und unzivilisiert hielten.

Die Wende begann im christlichen Mittelalter. In der aristotelischen Weltordnung war für alle Platz, wenn auch nicht mit den gleichen Rechten. Die Christen des Mittelalters hingegen erhoben erstmals den Anspruch, ihre Religion sei die einzig wahre Religion für alle Menschen. Wer nicht dazugehören wollte, wurde verteufelt und drohte aus Sicht der Christen die eigene Gruppe zu unterwandern und damit zu zerstören. Augustinus und andere Gelehrte und Scholastiker gaben dem neuen Gedanken ein theologisches Fundament. Das bis dahin selbstverständliche Zusammenleben verschiedener Gruppen erklärten sie zur Gefahr.

Dieser Gedanke war wichtig für das, was sich ab der Neuzeit zu einer Ideologie namens Rassismus entwickeln sollte. Hier entstehen die Versuche, einen essenziellen Unterschied zwischen sich und den vermeintlich ganz anderen herzustellen, um die eigene Überlegenheit zu begründen und daraus einen alleinigen Anspruch auf Macht und Ressourcen abzuleiten.

Ein Jahr sticht dabei besonders heraus: 1492. Das Alhambra-Edikt ordnete die Zwangsbekehrung der Juden aus dem heutigen spanischen Gebiet an. Damit schlossen die Christen die Reconquista ab, die Rückeroberung des Landes, in dem zuvor jahrhundertelang Christen, Juden und Muslime weitgehend friedlich zusammengelebt hatten.

Allerdings trauten die Christen ihren eigenen Regeln nicht, zu groß war die inzwischen theologisch begründete Angst vor Fremdkörpern. Sie verdächtigten die übergetretenen Juden, nur oberflächlich zum Christentum konvertiert zu sein und insgeheim ihr Judentum weiterzuleben. Taufe und Glaubensbekenntnis allein galten nicht mehr. Aus der Frage nach dem "reinen Glauben" wurde eine Frage nach der "Reinheit des Blutes", der limpieza de sangre. Der Verdacht des unreinen Blutes konnte jeden treffen, von der Landbevölkerung bis zum Adel. Die Folge war häufig Vernichtung auf dem Scheiterhaufen. In dieser Zeit tauchte auch erstmals der Begriff Rasse auf. Er diente zur Aufspürung zu bekehrender Gruppen.

Was in Spanien begann, setzte sich überall in Europa und mit der europäischen Expansion fort. Spanien war zu der Zeit mit drei Weltreligionen und großen Seefahrten ein bedeutendes Zentrum und trug seine Ideen bereitwillig nach außen. Umgekehrt interessierten sich andere Länder für spanische Strategien. Europa sortierte sich gerade neu, die Kirche brach auseinander. Da wollte man wissen, wie die Spanier inmitten des Chaos vorgingen. Und dort galt Vielfalt als Bedrohung für das eigene Überleben – umso mehr, als die Spanier nach der Weltumrundung von Ferdinand Magellan im 16. Jahrhundert verstanden hatten, dass die Erde eine Kugel war, auf der es nur begrenzt Platz gab. Sie mussten den Planeten teilen – und wollten es nicht.

Da kam ihnen die reifende Vorstellung von unterschiedlichen Menschenrassen gerade recht. Mit der Idee konnten sie zu Hause die brutalen Annexionen, die Sklaverei und die Ausbeutung in anderen Teilen der Welt rechtfertigen. Bald galten die vermeintlich rassisch Anderen nicht nur als unrein und gefährlich, sondern auch noch als faul und triebgesteuert. Den Anderen, vor allem den schwarzen Versklavten, wurde alles unterstellt, was man selbst auf keinen Fall sein wollte oder durfte. Karikaturen und erfundene Geschichten über Kannibalen schmückten dieses Bild aus. Die eigentliche Rassenlehre wurde zwar erst später ausformuliert, aber ihre Grundzüge legitimierten schon damals ein hocheffizientes Herrschaftssystem mit weltweitem Sklavenhandel.

Die Vorstellung, dass die Anderen fundamental anders seien als man selbst, sickerte so tief ins Bewusstsein, dass einige Europäer es gar als ihre moralische Pflicht sahen, die Versklavten zu erziehen und zu zivilisieren. Wieder andere begannen damit, die vermeintlich Primitiven zu erforschen. Es war der Beginn der Völkerkunde. Nicht selten forschten die Völkerkundler im Auftrag der Kolonialherren, die ihr Einflussgebiet besser verstehen wollten, um die Menschen darin effizienter zu unterwerfen.

Im 18. Jahrhundert kamen die Aufklärer und forderten Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit für alle Menschen. Dem frühen Rassismus tat das keinen Abbruch. Vielmehr begann die Suche nach etwas, das es nicht geben konnte: wissenschaftliche Beweise für die Existenz und Ungleichheit der Rassen.

Die Suche begann bei Äußerlichkeiten. "Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen", sagte der Philosoph Immanuel Kant. "Die Gelben" hätten schon ein geringeres Talent und die Schwarzen hätten "von der Natur kein Gefühl, welches über das Läppische stiege". Einige glaubten, im Klima die Erklärung gefunden zu haben: Das gemäßigte europäische Klima begünstige die Entstehung von Hochkulturen, während Hitze die Leute faul mache und Kälte herzlos. Andere schufen die Figur des edlen Wilden, die in einer Art natürlichen Urzustand lebt. Im Gegensatz dazu seien Europäer moralisch verkommen. Später begannen Anthropologen, den Unterschied an Körpern beweisen zu wollen. Schädel, Kiefer, Nasenform – alles kam unter die Lineale der Forscher und in lange Tabellen, die später in den Lehrbüchern des Nationalsozialismus landen sollten. 

Dass keine dieser Beweisführungen haltbar war, hielt die Nutznießer der Forschung zu keiner Zeit davon ab, sie zu glauben. Was nicht passte, wurde passend gemacht, Abweichungen einfach weggelassen. Und wenn man, wie bei Juden, im Alltag und äußerlich kaum Unterschiede ausmachen konnte, verpasste man ihnen auf NS-Propagandazeichnungen Hakennasen und grimmige Gesichter und ab 1939 im echten Leben Judensterne. Damit sie eben doch äußerlich unterscheidbar waren.

Neue Begehrlichkeiten weckte die Entdeckung der Gene, der Blick ins Innerste des Menschen: Vielleicht ließe sich hier, in den kleinsten Bauteilen, ein unwiderlegbarer Rassenunterschied beweisen? Die Paranoia der spanischen Reconquista ist so bis heute lebendig. In ihrer extremsten Form führt sie zur "sozialen Hypochondrie", wie es der französische Psychoanalytiker und Anthropologe Pierre-Yves Gaudard nennt: zu einer tiefsitzenden Angst, dass sich die Eigenschaften der anderen, schlechteren Rassen irgendwie übertragen könnten. So erklärt er sich die Wucht des Rassismus des 20. Jahrhunderts, der zu Völkermorden an Millionen von Juden, Roma, Sinti, Schwarzen und vielen mehr führte.

Dabei brachte auch die Genetik nicht die erhoffte Bestätigung für die Vorurteile, das menschliche Genom erwies sich als zu komplex. Menschen sind schon immer und überall von einem Erdteil in den nächsten gewandert und haben Kinder mit Menschen anderer Gruppen gezeugt. Diese Vielfalt spiegelt sich in der DNA der Nachfahren wieder. Würde man die DNA all jener Menschen vergleichen, die Weiße als Schwarze bezeichnen oder die sich selbst so bezeichnen, dann könnte man keine signifikanten Unterschiede zu beispielsweise Weißen oder Asiaten feststellen. Trotzdem haben die Menschen gelernt, eine Handvoll äußerer Merkmale zur Erkennung und Kategorisierung zu bevorzugen und andere zu vernachlässigen, zum Beispiel Fußform oder Stimmlage.

Rassismus war und bleibt eine Ideologie. Eine von der Gesellschaft antrainierte Sicht auf die Welt. Seit Jahrhunderten gibt es die Ideologie, dass fundamentale Unterschiede zwischen Menschen den Status in der Welt begründen. Diese Unterschiede werden mal an Äußerlichkeiten, mal am Blut oder an den Genen festgemacht, auch an der vermeintlichen Herkunft, Kultur oder Religion. Die Folge bleibt dieselbe wie im Mittelalter: Die Anderen gefährden die eigene Gruppe und sollen weg.

Am Ende ist es also die Suche nach den Unterschieden selbst, die Rassismus begründet. Der Wille, eine Ungleichheit sehen zu wollen, die die eigene Gruppe unveränderlich über die andere Gruppe stellt. Eigentlich ging es immer um Macht und ihren Missbrauch. Geld, Arbeit, Wohnraum, kulturelle und politische Teilhabe sind wertvoll. Rassismus entscheidet mit darüber, wer was davon bekommen soll.

Daraus folgt aber auch: Rassismus ist kein menschlicher Defekt, keine unheilbare Krankheit. Er ist eine Erfindung der Menschen. Deshalb kann er auch von Menschen überwunden werden.


Aus: "Die Erfindung des Rassismus" Vanessa Vu (13. Juni 2018)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2018-06/rassismus-ideologie-nationalsozialismus-rassentheorie-antike-mittelalter-genetik/komplettansicht