Author Topic: [Klimaveränderungen auf der Erde... ]  (Read 3190 times)

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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« on: November 08, 2008, 04:34:53 PM »
Quote
[...] Als globale Erwärmung bezeichnet man den während der vergangenen Jahrzehnte beobachteten allmählichen Anstieg der Durchschnittstemperatur der erdnahen Atmosphäre und der Meere sowie die künftig erwartete steigende Erwärmung. Ihre hauptsächliche Ursache liegt nach dem gegenwärtigen wissenschaftlichen Verständnis „sehr wahrscheinlich“[1] in der Verstärkung des natürlichen Treibhauseffektes durch menschliches Einwirken.[2] [3]

...

[...]

# ↑ Intergovernmental Panel on Climate Change (2007): IPCC Fourth Assessment Report - Working Group I Report on "The Physical Science Basis"
# ↑ Hansen, J., Mki. Sato, R. Ruedy et al. (2005): Efficacy of climate forcings, in: Journal of Geophysical Research, 110, D18104, doi:10.1029/2005JD005776 (PDF, 20,5MB)


Aus: "Globale Erwärmung" (30. Oktober 2008)
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erw%C3%A4rmung

-.-

http://de.wikipedia.org/wiki/Kontroverse_um_die_globale_Erw%C3%A4rmung

-.-


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[Gewaltigste Klimaveränderung seit 5.000 Jahren... ]
« Reply #1 on: November 08, 2008, 04:37:38 PM »
Quote
[...] Die Klimaveränderungen auf der Erde sind so stark wie seit 5.000 Jahren nicht mehr. Das geht aus einer Studie hervor, die die Ökosysteme in der Arktis und im Nordatlantik untersucht hat.

Die Forscher um den Meeresbiologen Charles Greene von der Cornell Universität im US-Bundesstaat New York analysierten die wichtigsten Wärme- und Kälteperioden in der Arktis in den vergangenen 65 Millionen Jahren.

Demnach gab es mehrere Temperaturstürze, bei denen die Durchschnittstemperatur innerhalb weniger Jahre um bis zu zehn Grad Celsius sank.

Eine Erwärmung wie in den vergangenen 50 Jahren habe es jedoch seit fünf Jahrtausenden nicht mehr gegeben. Sie sei "beispiellos" in der Geschichte der Menschheit, sagte Greene.

[...]


Aus: "Gewaltigste Klimaveränderung seit 5.000 Jahren" ([science.ORF.at/APA/AFP, 7.11.08] )
Quelle: http://science.orf.at/science/news/153263


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[Es könne plötzlich kippen... ]
« Reply #2 on: June 07, 2012, 03:40:17 PM »
Quote
[...] Fast die Hälfte der bewohnbaren Erdoberfläche ist heute besiedelt oder beackert. Forscher sehen das ökologische Gleichgewicht der Erde kippen – noch dieses Jahrhundert. Nach Ansicht von Forschern könnten Klimawandel, Bevölkerungswachstum und Umweltzerstörung möglicherweise noch in diesem Jahrhundert das Ökosystem unwiderruflich kollabieren lassen. Es könne plötzlich kippen und nicht, wie allgemein angenommen, über Jahrhunderte hinweg langsam zusammenbrechen, warnten sie in einer vom Fachmagazin Nature veröffentlichten Studie. Ohne Gegenmaßnahmen könnte der "kritische Punkt" schon bald erreicht sein, mahnten sie im Vorfeld der UN-Konferenz für nachhaltige Entwicklung Ende Juni in Rio de Janeiro.

Für die Studie arbeiteten insgesamt 22 Biologen, Ökologen, Geologen und Paläontologen aus drei Kontinenten zusammen. Sie verglichen die Auswirkungen früherer weltweiter Umweltveränderungen – wie etwa während der Eiszeit – auf Flora und Fauna mit dem aktuellen Wandel. In ihren Berechnungen gingen sie von einem Anstieg der Bevölkerung auf 9,3 Milliarden bis 2050 und einer Klimaerwärmung aus, die das UN-Begrenzungsziel von zwei Grad Celsius übersteigt. Demnach wird das gesamte weltweite Ökonetz kollabieren, sobald 50 bis 90 Prozent der kleineren Ökosysteme in ihrer bisherigen Form zerstört sind.

Laut der Studie werden schon heute 43 Prozent der eisfreien Erdoberfläche für Landwirtschaft und zum Wohnen genutzt. Sollte der Trend anhalten, wäre die potenziell gefährliche 50-Prozent-Marke bereits 2025 erreicht.

... Noch gebe es Zeit für Lösungen, wie etwa ein Ende der Verschwendung von Rohstoffen oder des Wachstumdenkens um jeden Preis. "Kurz gefasst: Bisher wurde noch nichts wirklich Relevantes unternommen, um das Schlimmste zu verhindern", sagte Arne Mooers, Professor für Biodiversität an der kanadischen Simon Fraser University.

...

Quote
    DerDoktor
    07.06.2012 um 10:16 Uhr

Und?..

- "Kurz gefasst: Bisher wurde noch nichts wirklich Relevantes unternommen, um das Schlimmste zu verhindern" -

... wird sich unter einer mächtigen globalen Wirtschaftsdiktatur, die mit glänzenden Dollarzeichen in den Augen im Rausch der Droge "Wachstum" von Krise zu Krise taumelt, zeitnah etwas daran ändern?



Quote
    Moika
    07.06.2012 um 10:34 Uhr

Der Bericht ist Gift für die Politik.

Den Menschen ist nicht zu helfen. Das beste Beispiel können wir derzeit erleben: Alles, aber auch wirklich alles dreht sich nur noch um das "heilige" Zauberwort Wachstum. Wer Wachstum kreiert, egal mit welchen Mitteln, ist der große Guru.

Schonend mit Ressourcen umgehen hieße doch im Umkehrschluß auf Wachstum zu verzichten. Darauf wird - und will vor allen Dingen, niemand verzichten wollen.

Bei Verzicht wird von einer beschleunigten Verarmung der Massen das Wort geredet. In China beispielsweise rechnet man bei einem Wachstum von weniger als 6 Prozent mit langfristig schweren gesellschaftlichen Verwerfungen, sprich Aufständen in der Bevölkerung.

Dem werden sich Politiker nicht aussetzen wollen - und weitermachen wie bisher. Man hat die Menschen bis heute eigentlich auf Nichts vorbereitet, obwohl es an allen Ecken und Kanten drückt. Verzichten können die vielleicht auf solche Warnungen aber auf Wachstum....


Quote
    thedaT
    07.06.2012 um 10:41 Uhr

... Es wird sich zeigen ob wir dümmer wie Ameisen sind.


Quote
    bergstroem
    07.06.2012 um 11:00 Uhr

Absolut unumkehrbar

Die menschliche Spezies schafft es nicht einmal, von Terror, Krieg und Mord abzulassen. Die Rettung der Ökosysteme ist somit aussichtslos. Sei's drum, das Universum wird uns nicht vermissen.


Quote
    Makmachtmobil
    07.06.2012 um 11:29 Uhr

Dieser Artikel gefährdet eindeutig das Wachstum! Die Märkte werden das mit Missmut quittieren und die Wissenschaftler herabstufen.



Aus: "Wissenschaftler warnen vor plötzlichem Kollaps des Ökosystems" (07.06.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-06/erde-oekosystem-klimawandel-studie


Study predicts imminent irreversible planetary collapse
June 06, 2012
http://www.sfu.ca/pamr/media-releases/2012/study-predicts-imminent-irreversible-planetary-collapse.html


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[Zu diesem Ergebnis kommt... ]
« Reply #3 on: June 25, 2012, 12:06:12 PM »
Quote
[...] POTSDAM afp | Selbst bei einer auf zwei Grad Celsius begrenzten globalen Erwärmung muss weltweit mit einem erheblichen Meeresspiegel-Anstieg von 1,5 bis vier Metern bis zum Jahr 2300 gerechnet werden. Zu diesem Ergebnis kommt die neue Studie eines deutsch-niederländisch-australischen Forscherteams, wie das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) am Sonntag mitteilte.

Als den wahrscheinlichsten Schätzwert errechneten die Experten für dieses Klimawandel-Szenario einen Meeresspiegelanstieg von 2,7 Metern. Die Folgen für Küstenstädte und -gebiete wären erheblich, sagte der bekannte PIK-Forscher und Studien-Mitautor, Stefan Rahmstorf.

„Für New York City zum Beispiel wurde gezeigt, dass ein Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter die Häufigkeit schwerer Überflutungen von einmal pro Jahrhundert auf einmal alle drei Jahre steigern könnte.“ Auch niedrig liegende Länder wie Bangladesch wären betroffen.

Nach Angaben der Verfasser handelt es sich bei der Studie, die nun in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht wurde, um die erste realistische Projektion des klimabedingten Meeresspiegelanstiegs über einen derart langen Zeitraum von mehreren Jahrhunderten. Sie stützt sich dabei auf Beobachtungen im vergangenen Jahrtausend und überträgt diese auf Szenarien für die künftige Entwicklung der Treibhausgasemissionen.

Wesentlicher Fortschritt gegenüber älteren Studie sei die Einbeziehung der Effekte der abschmelzenden Eismassen etwa an den Polen, erklärte das PIK. Bislang hätten diese nur die wärmebedingte Volumenausdehnung des Meerwassers berücksichtigt. An diesem Punkt aber sei die Forschung inzwischen weiter. Die neue Untersuchung biete daher plausible Schätzungen für eine Risiko-Analyse.

Der Meeresspiegelanstieg gilt als eine potenziell besonders verheerende Begleiterscheinung des Klimawandels. Weltweit leben viele hundert Millionen Menschen in niedrigen küstennahen Gebieten. Betroffen wären neben vielen armen Staaten auch wichtige weltwirtschaftliche Zentren, etwa in Asien. Sollten sie unbewohnbar werden, drohen immense ökonomische Schäden und Flüchtlingskatastrophen.

Das von den Forschern als Bezugspunkt gewählte Zwei-Grad-Ziel ist die Grenze, auf die die internationale Staatengemeinschaft den Temperaturanstieg möglichst begrenzen will. In dieser Größenordnung gelten die Folgen noch als halbwegs beherrschbar. Experten bezweifeln angesichts der weiter schleppenden Klimaschutz-Fortschritte allerdings zunehmend, dass das Ziel eingehalten werden kann.

Bei einer stärkeren Temperaturerhöhung um drei Grad würde der Meeresspiegel entsprechend stärker steigen, errechneten die Forscher laut PIK. Dann wären es voraussichtlich zwei bis fünf Meter, als bester Schätzwert gelte dann ein Wert von 3,5. Andersherum würde der Anstieg des Meeres bei einer Begrenzung der Temperatursteigerung auf unter 1,5 Grad auch deutlich niedriger ausfallen.

Hauptautor der Untersuchung ist der niederländische Klimaforscher Michiel Schaeffer, ebenfalls beteiligt war der australische Wissenschaftler Bill Hare. Beide arbeiten bei der in Berlin angesiedelten nicht-kommerziellen Organisation "Climate Analytics", die Klima-Analysen erstellt und mit dem PIK kooperiert.


Aus: "Bis zu fünf Meter" (25.06.2012)
Quelle: https://www.taz.de/Anstieg-des-Meeresspiegels/!96038/


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[Und macht sie trotzdem... ]
« Reply #4 on: November 01, 2012, 09:08:29 AM »
Quote
[...] Man weiß, dass bestimmte Handlungen zu einer Katastrophe führen – und macht sie trotzdem. Genau das passiert zurzeit in den USA. Seit mehr als zwanzig Jahren warnen Wissenschaftler davor, dass der Klimawandel immer öfter zu extremen Wetterereignissen führen wird. In diesem Jahr erlebten die USA den heißesten Sommer überhaupt und die schlimmste Dürre seit fünfzig Jahren. Mega-Stürme wie Sandy werden noch häufiger die Ostküste heimsuchen.
Doch die Warnungen der Wissenschaftler werden ignoriert – zumindest in Washington. Selbst nach der Verwüstung von New York ist unklar, ob Amerika jetzt endlich aufwacht und ernsthaft etwas unternimmt.
Es gibt erste Hoffnungsschimmer: Den Anstieg des Meeresspiegels zu mindern, würde doch ganz sinnvoll klingen, wenn man sich die Folgen von Sandy anschauen würde, sagte am Dienstag Ex-Präsident Bill Clinton. Er ist damit das erste politische Schwergewicht, das explizit eine Verbindung zwischen Sandy und Klimawandel zieht.

Auch New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo redete Präsident Obama ins Gewissen. "Jedes zweite Jahr haben wir inzwischen eine Jahrhundertflut", sagte er nach dem Wirbelsturm, "jeder der glaubt, die Wettermodelle ändern sich gerade nicht dramatisch, verleugnet die Realität."

Obama dagegen schweigt. Ebenso sein Herausforderer Mitt Romney. Zum ersten Mal seit 1984 spielt das Thema Klimawandel keine Rolle während der TV-Duelle der Kandidaten. Und was sagt Obama in einem MTV-Interview, als er darauf angesprochen wird? Ja, das hätte ihn auch "überrascht" – so, als ob er nichts dafür könnte. Er ist ja nur Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Interessanterweise fand er aber genug Zeit, über rekordverdächtige Ölfördermengen und neue Pipelines zu reden.

Auch in den Medien spielt das Thema Klimawandel keine Rolle. Die Medien tun es als drittklassig ab. Es sei ein Nischenthema, das nur für ein paar einsame Umweltschützer interessant sei. Am Ende würden doch Wirtschaftsthemen die Menschen stärker interessieren, so eine CNN- Moderatorin nach einem TV-Duell der Präsidentschaftskandidaten.

Das sollte man der Versicherungsbranche sagen, die nach Sandy Schäden in Höhe von mindestens 20 Milliarden Dollar stemmen muss. Oder den amerikanischen Steuerzahlern, die sich auf zusätzliche zehn bis zwölf Milliarden Dollar einstellen müssen, weil Werte unversichert waren.

Dieser Betrag entspricht etwa den Subventionen für die Öl-, Gas und Kohleindustrie, die nicht nur den Klimawandel verantwortet, sondern auch verhindert, dass die Politik aktiv wird. "Wie wäre es, wenn wir unser Geld nicht dafür verwenden, den Klimawandel weiter anzuheizen, sondern zukünftige Naturkatastrophen verhindern", sagt Steve Kretzmann von der Organisation Oil Change International.

Und am Ende sollte man das zu Valerie Baumler sagen, die ihren 11-Jährigen Sohn Jack durch Sandy verloren hat.

"Wenn es irgendeine Gerechtigkeit in der Poesie gibt, dann sollte dieser Wirbelsturm Hurrikan Chevron oder Hurrikan Exxon heißen, nicht Hurrikan Sandy,” sagt Bill McKibben, Gründer der Klimaschutz-Organisation 350.org. Chevron, Exxon-Mobil und andere Ölkonzerne haben gezielt Desinformationskampagnen finanziert. Sie haben es geschafft, dass die USA die weltweit einzige Industrienation sind, die noch immer ernsthaft den wissenschaftlichen Konsens bezweifelt, dass der Klimawandel menschengemacht ist. Big Oil sorgt dafür, dass solche Naturkatastrophen wahrscheinlicher werden – und tödlichere Folgen haben.

... Wie lange noch darf Big Oil die amerikanische Regierung in Geiselhaft nehmen? Wie lange noch haben Exxon-Mobils Geschäftspläne das Sagen ... ?

Quote
Schniebel, 01.11.2012 um 7:39 Uhr
Big Oil?

... Also Klimawandel, ja, den gibt es. Menschengemacht? nein, glaube ich nicht.


Quote
    Realpolitik
    01.11.2012 um 7:43 Uhr

Glauben

"Also Klimawandel, ja, den gibt es. Menschengemacht? nein, glaube ich nicht."

Glauben ersetzt keine Wissenschaft.



Aus: "Big Oil nimmt Amerika in Geiselhaft" Mark Hertsgaard (01.11.2012)
Quelle: http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-10/gastbeitrag-hertsgaard


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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #5 on: June 14, 2018, 09:25:37 AM »
Quote
[...] Der Eisschild der Antarktis hat in den vergangenen 20 Jahren knapp drei Milliarden Tonnen Eis verloren. Laut einer Studie, die jetzt im Magazin „Nature“ veröffentlich wird, schmolz das Eis des Südkontinents zwischen 1992 und 2017 um rund 2720 Milliarden Tonnen. Das entspricht einem Anstieg des Meeresspiegels um 7,6 Millimeter.

...


Aus: "Antarktis verliert binnen 20 Jahren drei Billionen Tonnen Eis" Sirinya Wattanasukchai (14.06.2018)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/klimawandel-antarktis-verliert-binnen-20-jahren-drei-billionen-tonnen-eis/22682770.html

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[Klimaveränderungen auf der Erde... ]
« Reply #6 on: August 08, 2018, 09:35:10 AM »
Quote
[...] Dürre, Waldbrandgefahr, Kreislaufprobleme: Der Sommer in Deutschland zeigt seit Wochen Schattenseiten – und in Zukunft müssen wir uns auf noch viel mehr Hitzetage und tropische Nächte einstellen. Davon sind Klimaexperten überzeugt.

"Es wird weiterhin schöne und schlechte Sommer geben, aber die extremen Sommer werden häufiger auftreten", sagt Daniela Jacob, Direktorin am Climate Service Center in Hamburg. Das Institut ist eine Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht in Schleswig-Holstein. Zukünftige Klimaszenarien zeigen laut Jacob: Ob beim Städtebau oder in der Landwirtschaft – überall brauche es Anpassung an das Extremwetter. "Wir müssen heute handeln", betont die Professorin.

Bereits zur Mitte des Jahrhunderts wird es nach Worten von Jacob in Deutschland mehr Hitze- und Dürreperioden sowie Starkregen und heftigere Stürme geben. "Aber zum Ende des Jahrhunderts wird es sich noch viel deutlicher zeigen, ob wir Klimaschutz betrieben haben oder nicht", erklärt sie. Das Klima reagiere sehr langsam. "Heute eingeleitete globale Klimaschutzmaßnahmen greifen erst ab Mitte des Jahrhunderts." Veränderungen bis 2050 seien nur noch wenig zu beeinflussen.

Für die Zeit 2050 bis 2100 aber sind laut Jacob noch gravierende Unterschiede bei der Erwärmung möglich – abhängig vom Klimaschutz. Das zeige sehr anschaulich die Zahl der Hitzetage, die die Temperaturen auf mehr als 30 Grad steigen lassen: Zum Ende dieses Jahrhunderts sind es den Modellen zufolge im Schnitt in Deutschland lediglich drei Hitzetage mehr als im Vergleichszeitraum 100 Jahre zuvor, wenn das Ziel des Pariser Klimaabkommens – die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen – wirklich geschafft wird.

Wenn aber wie bisher Treibhausgase in die Atmosphäre entlassen werden, das sogenannte Weiter-wie-bisher-Szenario, dann sind es schon zwölf Hitzetage mehr. Die Jahresmittel-Temperatur würde dabei um etwa 3,7 Grad steigen.

"Das bedeutet, extreme Sommer wie 2003 oder wie wahrscheinlich auch dieser können dann ein mittlerer Sommer werden", sagt Peter Hoffmann, Meteorologe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Es werde eine Verschiebung geben: "Das zukünftige Berlin wird nach unseren Berechnungen 2050 das gegenwärtige Freiburg sein." Die Temperaturen in Freiburg wiederum könnten dann mediterran werden.

Was oberflächlich betrachtet vielleicht nett klingt, bringt viele Probleme mit sich. "Je wärmer es zukünftig im Sommer wird, umso mehr müssen wir auch kühlen. Dabei verbrauchen wir mehr Energie, das wird richtig teuer werden", sagt etwa der Sprecher des Deutschen Wetterdienstes, Gerhard Lux, in Offenbach.

Auch Ernteausfälle, Fischsterben, niedrige Wasserstände in den Flüssen und schlechter Schlaf gehören zu den Folgen von Hitze und Trockenheit – die ja auch jetzt schon spürbar sind. "Alle haben außerdem nur 30 Tage Urlaub, wenn nicht sogar weniger", sagt Hoffmann. "Man muss auch bei solchen Extrembedingungen seine tägliche Arbeit leisten, das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Produktivität."

Die Klimaveränderungen zeigen sich nach Angaben von Jacob auch im Winter: Sie werden milder und feuchter, die Zahl der Frosttage geht zurück. "18 Tage weniger, wenn wir Klimaschutz betreiben und wenn wir so weitermachen wie bisher, sind es über 55 Tage weniger", erklärt Jacob. "Wir brauchen den Frost aber für die Vegetation." Das Climate Service Center berät Politiker und Unternehmen zur Anpassung an den Klimawandel. Es untersucht Änderungen des Klimas auf Basis regionaler Simulationen der vom Bund finanzierten Initiative namens ReKliEs-De.

Was muss heute konkret getan werden, um sich auf diese Änderungen einzustellen? "In einem gewissen Rahmen können wir uns in Deutschland anpassen, aber es wird wehtun", meint Lux. In den Großstädten gibt es laut Jacob einen Konflikt: Verdichtung spare zwar Energie, sei aber ein Problem für die wichtige Anpassung an die Hitzeperioden. "Dafür müsste man Lüftungskorridore schaffen und viel Grün in die Städte bringen", sagt die Wissenschaftlerin.

Der Einsatz von Materialien sollte überdacht werden. "Ich weiß, dass es einige Regionen in Europa gibt, die wieder an die Lehmbauweise denken, weil das einfach Feuchtigkeit und Kühle speichert", erklärt Jacob. Beim Hausbau solle man in den kommenden Jahren weniger auf Glasfassaden setzen. "Klimaanlagen überall einzubauen, ist keine Alternative, weil sie zu viel Energie verbrauchen." Das ganze Kanalsystem in den Städten müsse auf mehr Starkregen angepasst werden. In der Landwirtschaft laufe derzeit die Diskussion über hitze- und trockenstressresistente Sorten.

Aufhalten lässt sich die Klimaveränderung nach Expertenangaben nicht mehr, nur noch mit Schutzmaßnahmen eindämmen. "Wir können das Rad nicht mehr zurückdrehen", sagt Lux. "Aber wir können verhindern, dass es bis Ende des Jahrhunderts noch schlimmer wird."




Aus: "Das künftige Klima in Deutschland: "Extreme Sommer werden häufiger"" Stephanie Lettgen, dpa  (08.08.2018)
Quelle: https://www.heise.de/forum/heise-online/News-Kommentare/Das-kuenftige-Klima-in-Deutschland-Extreme-Sommer-werden-haeufiger/