• Welcome to LINK ACCUMULATOR. Please log in.

[InfoWar, PSYOP, Propaganda (Notizen)... ]

Started by lemonhorse, August 20, 2008, 07:45:37 PM

Link

Quote[...] Es ist ein Szenario, das in unzähligen Filmen bereits so zu sehen war. Da setzt sich der Superhacker vor den eigenen Computer, bricht in die Systeme eines Unternehmens ein und tauscht schnell mal die echten Bilder gegen eine frühere Aufnahme oder gleich ein computergeneriertes Pendant aus – etwa um das Eindringen einer Person zu verschleiern. Das Problem dabei: Ganz so einfach ist das natürlich nicht, insofern blieb so etwas bisher weitgehend der Fantasie von Drehbuchschreibern vorbehalten. Bisher.

Nun wirbt ein israelisches Start-up nämlich mit exakt diesen Dingen – und das auch noch im großen Stil. Die Firma Toka verspricht ihren Kunden, nicht nur Überwachungskameras im jeweiligen Zielgebiet massenweise hacken zu können, sondern auch dort dann Videos in Echtzeit oder auch im Nachhinein manipulieren zu können.

Zusätzlich versichert das Unternehmen auch, andere smarte Geräte knacken zu können – vom smarten Toaster bis zu vernetzten Autos. All das geht aus internen Dokumenten hervor, die der israelischen Tageszeitung "Haaretz" zugespielt wurden. Einen wirklichen Beleg für die Behauptungen gibt es zunächst also nicht.

Ein Blick auf die Hintergründe von Toka legt aber nahe, dass es sich um ein durchaus ernstzunehmendes Spionageunternehmen handelt, wie es sie in Israel zuhauf gibt. Gegründet wurde die Firma vom ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und dem pensionierten General Yaron Rosen. Neben Büros in Tel Aviv hat das Unternehmen auch welche in Washington, zu den Geldgebern gehört die bekannte Risikokapitalfirma Andreessen Horowitz.

Toka betont gegenüber "Haaretz", dass die eigene Software lediglich ausgewählten Ermittlungsbehörden, Geheimdiensten sowie dem Militär zur Verfügung gestellt würde. Dabei konzentriere man sich auf Kunden aus Israel sowie solchen aus engen verbündeten Ländern wie etwa die USA. So sollen denn auch israelische Behörden im Jahr 2021 einen sechs Millionen US-Dollar schweren Vertrag mit Toka abgeschlossen haben.

Laut Toka sollen "rigorose" jährliche Kontrollen Missbrauch durch die eigenen Kunden verhindern. Ähnliche Versprechungen waren über die Jahre schon von vielen solchen Firmen zu hören – darunter etwa auch von der ebenfalls aus Israel stammenden NSO Group, die mit ihrer Spitzelsoftware Pegasus in den vergangenen Jahren für viel Aufregung gesorgt hat.

Zudem ist sich natürlich immer die Frage, was man als "legitimen" Einsatz solcher Software definiert. Belegen die Dokumente doch auch Kontakte zu Singapur – und damit einem nichtdemokratischen Staat. Ob das Land auch wirklich die entsprechende Software einsetzt, ist allerdings nicht belegt.

Auch technisch gesehen scheint es nicht unmöglich, was Toka verspricht. Immerhin sind solche Geräte des "Internets der Dinge" notorisch unsicher, da sie oft schlecht bis gar nicht gewartet werden und so meist bekannte Sicherheitslücken offenstehen – so die Geräte nicht ohnehin bekannte Standard-Passwörter verwenden.

Gleichzeitig macht es die große Zahl unterschiedlicher Hersteller reichlich unwahrscheinlich, dass Toka wirklich alle solchen Systeme hacken kann – und dann noch dazu Manipulationen vorzunehmen, ohne Spuren zu hinterlassen, wie man es verspricht. Immerhin gibt es auch Überwachungssysteme, die ganz ohne Funkübertragung auskommen, dort dürfte es dann auch erheblich schwerer sein, entsprechende Angriffe vorzunehmen. Und auch bei den drahtlosen Systemen gibt es welche, die deutlich besser gewartet werden als die breite Masse.

Der Menschenrechtsanwalt Alon Sapir klassifiziert all das gegenüber "Haaretz" trotzdem als "dystopische Technologie", die früher undenkbar gewesen wäre. Sollte eine solche Software in die falschen Hände geraten, könnten damit im schlimmsten Fall Unschuldige belastet werden – was natürlich generell die Frage zur weiteren Zuverlässigkeit von Überwachungsbildern als Beweismaterial aufwirft. Das Rechtssystem sei auf diese neuen Herausforderungen bisher aber nicht vorbereitet. (apo, 2.1.2023)


Aus: "Toka: Spionagefirma verspricht massenhafte Manipulation von Überwachungskameras" (2. Jänner 2023)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000142243085/spionagefirma-verspricht-massenhafte-manipulation-von-ueberwachungskameras

Quoteim_Westen_nichts...

Ein Land, das in jedem einen Feind sieht, bietet bessere Bespitzelung an als ein Land, das dem Humanismus frönt. Ein Zukunftsmarkt.


QuoteCharly Firpo

,,lediglich ausgewählten Ermittlungsbehörden, Geheimdiensten sowie dem Militär zur Verfügung gestellt würde."

Dann bin ich ja beruhigt... die machen damit sicher nichts unmoralisches!


Quotemei Postingname is ned deppat

"Toka betont gegenüber "Haaretz", dass die eigene Software lediglich ausgewählten Ermittlungsbehörden, Geheimdiensten sowie dem Militär zur Verfügung gestellt würde."

... Und wie werden die ausgewählt?


Quoteplot_in

Wunderbar

Damit sind Überwachungsvideos etc. überhaupt nichts mehr wert. ...


QuoteSayeret Matkal

Erinnert an den Film "Staatsfeind Nr.1"

Du legst dich mit den falschen Leuten an und sie verändern dein Leben nachhaltig. Wird bald Realität.


...

Link

Quote[...] Das russische Narrativ, demzufolge man im Nachbarland den ,,Satan" sowie ,,Neonazis und Drogensüchtige" bekämpfe, wiederholte auch Wladimir Solowjow schon mehrfach. Die Gäste seiner Fernsehsendung unterstützten den Chef-Propagandisten in seinen Behauptungen: Während russische Männer früher von Tag zu Tag gelebt hätten, hätten sie jetzt ,,ein höheres Ziel" – und dafür lohne sich auch der Tod. (nak)

Aus: ",,Leben ist überbewertet": Putins Stimme glorifiziert Krieg und Tod" Nail Akkoyun (03.01.2023)
Quelle: https://www.fr.de/politik/russland-propaganda-ukraine-krieg-mobilisierung-soldaten-staatsfernsehen-wladimir-solowjow-92007626.html

-

Quote[...] Seit dem Beginn des Angriffskriegs gegen die Ukraine zeichneten sich Wladimir Putins öffentliche Reden vor allem dadurch aus, dass der russische Präsident dabei buchstäblich Abstand hielt. In der Regel sah man ihn entweder allein oder in gebührender Entfernung zu seinen Ministern. Selbst als er Ende September auf einer Art Rockkonzert vor dem Kreml die Annexion der vier ukrainischen Gebiete Donezk, Luhansk, Saporischschja und Cherson verkündete, wurde er auf der riesigen Bühne erstaunlich isoliert inszeniert.

Umso bemerkenswerter erscheint es, dass Putin seine Neujahrsansprache nun vor einer Gruppe von Soldatinnen und Soldaten hielt. Inhaltlich wurde auch schnell klar, warum der Kreml dieses Setting wählte. Denn selbst wenn der russische Präsident in seiner rund achtminütigen Rede weiterhin von einer "militärischen Spezialoperation" sprach, wurde unmissverständlich klar, dass er Russland nun offiziell auf einen langen Krieg gegen die Ukraine einschwört. Mehr noch: Putin trat vielleicht das erste Mal vollends als Kriegspräsident auf.

In seiner Rede spulte er nämlich nicht nur die üblichen Propagandastanzen vom vermeintlich betrogenen Russland ab, das sich gegen einen dekadenten Westen und ukrainische Nazis zur Wehr setzte, sondern adressierte zumindest indirekt auch die immensen russischen Kriegsverluste. So wendete er sich etwa an die Soldatinnen und Soldaten an der Front sowie an die Verletzten in den Krankenhäusern. Ebenso dankte er den Ärzten und Krankenschwestern, die um das Leben der Truppen kämpften und sprach schließlich sein Mitgefühl für die Familien der "gefallenen Kameraden" aus.

Doch bemerkenswert an Putins Rede war nicht nur dieses De-facto-Eingeständnis, einen verlustreichen Krieg zu führen, sondern ebenso die inszenatorische Art und Weise. Mehr als je zuvor schlüpfte Putin dabei in eine Rolle der russischen Politmythologie: in die des Zar-Batjuschka, des Väterchen Zar.

In seinem kürzlich erschienenen Buch Eine Geschichte Russlands hat der renommierte Osteuropahistoriker Orlando Figes eindrücklich nachgezeichnet, wie sehr die russische Historie von bestimmten mythischen Narrativen geprägt ist. Auch wenn Geschichte sich bekanntlich nicht wiederholt, offenbart sie dennoch gewisse Muster. In Russland ist dies laut Figes etwa das in Abständen wiederkehrende Bewusstsein, wonach Moskau – nach dem Fall des römischen und byzantinischen Reiches – eine Art "drittes Rom" bilde, also der letzte Bewahrer traditioneller Werte und christlicher Heiligkeit sei. Ebenso in dieses mythologische Repertoire gehört das Gefühl, Russland opfere sich im Kampf gegen die Barbaren – die Mongolen, Napoleon oder die Nazis – für die christliche Zivilisation auf, bekomme das aber von Europa nicht gedankt.

Finden sich Versatzstücke beider Narrative immer wieder in Putins Ausführungen (der Kampf gegen die "LGBTQ-Ideologie", der verräterische Westen), zeigt sich in seiner Neujahrsansprache nun auch die inszenatorische Bezugnahme auf einen dritten Mythos. Am prägnantesten ist dieser vielleicht in einem russischen Sprichwort zusammengefasst: "Der Zar ist gut, aber seine Bojaren sind schlecht." Die Vorstellung, wonach der Herrscher nichts für soziale Ungerechtigkeiten oder politischen Fehler im Land könne, sondern es allein seine sinistren Berater sind, die für Armut und Gewalt Verantwortung tragen, prägte sowohl die Zarenzeit als auch die Sowjetunion. Aufgrund dieses Mythos wendeten sich beispielsweise immer wieder Menschen mit Petitionen an die Zaren, hoffend, dass der Herrscher nur von den Missständen im Land erfahren müsse, um die Aktionen seiner Berater zu korrigieren. Ebenso konnte – der im heutigen Russland wieder vielfach respektierte oder gar bewunderte – Stalin ob dieser Vorstellung den Eindruck erwecken, er selbst habe mit dem Großen Terror und den Massensäuberungen gar nicht viel zu tun. Vielmehr sei es der – dann später liquidierte – Geheimpolizeichef Nikolai Jeschow, der die Schuld für Millionen Tote trage.

Diese Vorstellung vom guten Väterchen Zar beruht dabei auf einem spezifischen Konzept des politischen Körpers. Im mittelalterlichen Europa hatte sich die Fiktion der zwei Körper des Königs herausgebildet, wonach der Regent sowohl einen natürlich-sterblichen als auch einen übernatürlich-unsterblichen Körper besitze. Dieses Prinzip machte es möglich, zwischen Person und Amt, zwischen leiblichem Herrscher und abstraktem Staat zu unterscheiden. Nach dem Motto: Der König ist tot, lange lebe der König.

In Russland jedoch, so zeigt Orlando Figes in seinem Buch, hatte dieses Konzept nie wirklich Fuß gefasst. Vielmehr hat der Zar den Staat nicht nur stellvertretend verkörpert, sondern er selbst war gleichbedeutend mit dem Staat – weshalb er etwa Adligen ihre Ländereien auch nach Gutdünken wieder wegnehmen konnte, nicht unähnlich der heutigen Abhängigkeit der Oligarchen von Putins Gnade. Aber gerade weil der Zar eben der Staat war, musste er im Grunde gut und fürsorglich sein. Das zeigte sich etwa auch darin, dass bis ins 19. Jahrhundert soziale Revolutionen und Aufstände in Russland oft dadurch legitimiert wurden, dass sie sich auf den Zaren selbst beriefen – oder aufständische Anführer sich als "echter Zar" ausgaben, der nur totgeglaubt war und nun zurückkehre.

Wenn Putin in seiner Neujahrsansprache die Russen nicht nur auf einen langwierigen Krieg  einschwört, sondern gleichzeitig auch von Liebe, Loyalität, Fürsorge, Freundlichkeit oder Großzügigkeit spricht, von der "Freude in Kinderaugen" sowie den "Momenten des Glücks", die vor allem die "ältere Generation" zu schätzen wisse, wird deutlich, wie sehr der russische Präsident hier in die Rolle des Väterchen Zars schlüpft. In gewisser Weise hat er diese schon immer bedient. Wenn er regelmäßig in einer groß inszenierten Fernsehshow Fragen von Bürgerinnen und Bürger beantwortete, war das etwa die moderne Form der Petitionsübergabe an den Zaren.

Dass er die Rolle des sorgenden Väterchen Zars nun bei seiner Neujahrsansprache vor dem Soldatenvolk noch stärker betont, darf man wohl als inszenatorisches Gegengewicht zu seinem De-facto-Eingeständnis eines verlustreichen Kriegs verstehen. Putin spielt Väterchen Zar, weil er sich gleichzeitig auch als Kriegspräsident gibt. Wobei die Frage bleibt, ob er sich die Rolle als fürsorglich-geliebter Herrscher tatsächlich selbst glaubt. So haben etwa Olexandra Matwijtschuk, Leiterin des jüngst mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichneten Center for Civil Liberties, oder der Journalist Jason Jay Smart darauf hingewiesen, dass eine der hinter Putin befindlichen Soldatinnen auch in früheren Bildern des Kreml zu sehen ist – jedoch in anderen Rollen. Womöglich handelt es sich bei den vermeintlichen Truppen in Putins Ansprache also tatsächlich um Schauspieler. Das würde zumindest in aller Deutlichkeit noch einmal unterstreichen, dass die Vorstellung vom Zar-Batjuschka vor allem eins ist: ein Mythos.   


Aus: "Väterchen Zar ruft zum Krieg" Eine Analyse von Nils Markwardt (1. Januar 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2023-01/wladimir-putin-neujahrsansprache-russland-krieg

QuoteMedianwähler #5

"Ebenso in dieses mythologische Repertoire gehört das Gefühl, Russland opfere sich im Kampf gegen die Barbaren – die Mongolen, Napoleon oder die Nazis – für die christliche Zivilisation auf, bekomme das aber von Europa nicht gedankt."

Schön und gut, aber selbst wenn es wahr wäre, dass der Westen im "antichristlichen" versinken würde - inwiefern sind denn bitte sehr seine neuen dicken Freunde, der Iran und China, christlicher? Da ist doch schon auch irgendwie der Wurm drin, in diesem Mythos.

Nicht einmal das kommunistisch-atheistische Venezuela oder Nordkorea sind bekannt als Hochburgen der christlichen Minne.


QuoteEgBruemmer #5.1

Was hat das bitte mit Minne, der Verehrung in der mittelalterlichen Hierarchie höherstehender Frauen, zu tun?


QuoteMedianwähler #5.2

Soviel Ironie muss der christliche Ost-Römer Putin dann schon aushalten.
Doch, es hat sogar was damit zu tun: denn die Minne hatte eben mit dem LGBTQIA+ Spektrum nicht viel am Hut.


QuoteEgBruemmer #5.3

Ist wohl eher eine Bildungslücke als Ironie.


QuoteMedianwähler #5.4

Wenn Sie so gebildet sind, dass Sie das begründen können, nur zu. Ich höre. ...


QuoteNoKoloris #8

Vielleicht ist es auch viel einfacher: möglicher Weise ist Putin klar geworden, daß ein Kriegsende mit seinem eigenen Ende zusammen fallen könnte. Dem folgend wünscht er sich einen möglichst langen Krieg.


QuoteOhOhOhj #8.2

Hatte ich auch schon im Hinterkopf, aber ich glaube eher, der will für Russland ein unsterblicher Held werden. ...


QuoteCala 2 #12

"Putin trat vielleicht das erste Mal vollends als Kriegspräsident auf. "

Wladi, mir graut vor Dir.


QuoteUnterlinner #21

,, Russland opfere sich im Kampf gegen die Barbaren – die Mongolen, Napoleon oder die Nazis – für die christliche Zivilisation auf,"

Welche christliche Zivilisation? Das Haus des Bruders überfallen und zerstören, den Bruder massakrieren, die Schwägerin vergewaltigen und die Nichten und Neffen verschleppen hat weder etwas mit christlich noch mit Zivilisation zu tun!


QuoteDum spiro -spero #22

Das Schlimme ist, befürchte ich, dass Putin selbst glaubt, was er da von sich gibt. Realitätsverlust hat schon oft in die Katastrophe geführt.


QuoteMirFaelltKeinerEin #28

Macht wird eigentlich immer legitimiert. Entweder durch Wahlen oder durch ein patriarchalisches Verhältnis zum Volk - der fürsorgliche Herrscher. Ein machtbewusster Herrscher schart einerseits Gefolgsleute um sich, auf deren Loyalität er baut, Das war beim Zaren so, bei Stalin und bei Putin auch. Wenn die Gefolgsleute Anzeichen von Illoyalität zeigen müssen sie entmachtet werden, bevor sie nach der Krone greifen. Das tat Iwan der Schreckliche, Peter der Große, Stalin, Putin. Putin lässt diese Leute sterben, auf verschiedene Art und Weise. Dass Russland Nachfolge Roms zu sein glaubt zeigt sich an der Bezeichnung "Zar", die von "Cäsar" abgeleitet ist. ...


QuoteRGFG #37

Eigenartig, dass er keine 'diplomatische Lösung' in Aussicht gestellt hat.
Das hätte man doch erwarten müssen, wenn es ihm so wichtig ist.
Gell, Herr Mützenich, Herr Precht, Frau Schwarzer?!


QuoteZON weiß nicht wie das Partizip I genutzt wird #39

"Aufgrund dieses Mythos wendeten sich beispielsweise immer wieder Menschen mit Petitionen an die Zaren, hoffend, dass der Herrscher nur von den Missständen im Land erfahren müsse, um die Aktionen seiner Berater zu korrigieren."

Wenn das der Führer wüsste!

[Die umgangssprachliche Redewendung ,,Wenn das der Führer wüsste" stammt aus der Zeit des Nationalsozialismus und beschrieb den Glauben vieler Deutscher während dieser Zeit, dass unangenehme Dinge vor allem von Vertretern der NSDAP und Beamten absichtlich vor dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler verschwiegen wurden und dass der Führer, wenn er denn nur von diesen Vorgängen erführe, diese sicher schnell in Ordnung bringen würde. ... https://de.wikipedia.org/wiki/Wenn_das_der_F%C3%BChrer_w%C3%BCsste]


Quotelennon68 #41

,,...Stalin ob dieser Vorstellung den Eindruck erwecken, er selbst habe mit dem Großen Terror und den Massensäuberungen gar nicht viel zu tun. Vielmehr sei es der – dann später liquidierte – Geheimpolizeichef Nikolai Jeschow, der die Schuld für Millionen Tote trage."

Richtig, wobei es nicht nur Jeschow traf. Erst starb OGPU-Chef Menschinsky. Nachfolger Jagoda wurde von Jeschow eingebuchtet und ,,gestand" Menschinsky umgebracht zu haben. Wurde erschossen. Jeschow wurde wiederum von Nachfolger Beria eingebuchtet und auch erschossen. Nach Stalins Tod schliesslich liess Chruschtschow Beria erschiessen. So fanden die Bestien wenigstens ihr verdientes Ende. Der schlimmste von allen aber, Stalin, wälzte alle Schuld auf sie ab.


QuoteAusterlitz-1805 #43

Dieser Artikel über Putin wird sicherlich auch das eine oder das andere mehr oder minder zutreffend beschreiben, aber für die praktische Nutzung ist der ohne Bedeutung. Außer man will sich selbst vorgaukeln:

a) Den Putin ganz verstanden zu haben
b) Den Putin als Schurken überführt zu haben

Es ist eine nutzlose Analyse. Sie drückt eher den westlichen Schmerz und Verblüffen aus, dass die Entwicklung Russlands nicht nach unseren Vorstellungen verläuft, sondern andere Kräfte am Werk sind.


QuoteVater von drei Kindern #46

Einfach nur traurig ...


Quotehorstimann #54

Es ist ein tragischer Zirkus


QuoteLeserin40 #56

Wie es mit dem Zaren und er Zarenfamilie ausging, weiß man ja...


...

Link

"Israelische Firma soll weltweit Wahlen manipuliert haben" (15. Februar 2023)
Mit manipulierten Nachrichten und Social-Media-Profilen soll die öffentliche Debatte beeinflusst werden. Mit großem Erfolg, wie die Firma behauptet. ... Um ihre Ziele zu erreichen, setzen die ehemaligen Militärs und Agenten laut der Recherche der Investigativredaktion Forbidden Stories gezielt Fake News und Hacking-Methoden ein. Die Berichte basieren auf sechs Stunden heimlich aufgenommener Gespräche, in denen der Firmenchef Tal Hanan und sein Team ihren Service vorstellen. ... Mithilfe von Schmutzkampagnen und gestohlenen Informationen werde so die öffentliche Meinung gezielt beeinflusst. ...
https://www.golem.de/news/hacking-und-desinformation-israelische-firma-soll-weltweit-wahlen-manipuliert-haben-2302-171925.html

"Revealed: the hacking and disinformation team meddling in elections" Stephanie Kirchgaessner, Manisha Ganguly, David Pegg, Carole Cadwalladr and Jason Burke (Wed 15 Feb 2023)
The investigation reveals extraordinary details about how disinformation is being weaponised by Team Jorge, which runs a private service offering to covertly meddle in elections without a trace. The group also works for corporate clients. ...
https://www.theguardian.com/world/2023/feb/15/revealed-disinformation-team-jorge-claim-meddling-elections-tal-hanan


"Desinformation: Das dunkle Geschäft mit der Wahrheit" Fritz Zimmermann (15. Februar 2023)
Fake News und Schmutzkampagnen sind zu einem einträglichen Gewerbe geworden. Eine verdeckte Recherche führt zu einer Gruppe, die weltweit Wahlen manipuliert haben will.  ... Und dann gibt es da noch die Verbindung zur notorischen PR-Agentur Cambridge Analytica, die Donald Trump bei der Wahl zum US-Präsidenten unterstützte. Dokumente, die dem Journalistenkonsortium vorliegen, zeigen, dass Cambridge Analytica wohl schon 2015 bei einem Wahlkampf in Nigeria mit Tal Hanan zusammenarbeitete. ...
https://www.zeit.de/politik/ausland/2023-02/desinformation-hacking-team-jorge-israel-story-killers/komplettansicht

Quotesonneundmond #2

Vor drei Jahren über Cambridge Analytica, scheint eher alles noch schlimmer geworden zu sein:

,,Fresh Cambridge Analytica leak 'shows global manipulation is out of control'
Company's work in 68 countries laid bare with release of more than 100,000 documents"
https://www.theguardian.com/uk-news/2020/jan/04/cambridge-analytica-data-leak-global-election-manipulation


QuoteClimateJustice #4

Apropos Desinformation: "Propagandaschlacht um die Ukraine" https://www.arte.tv/de/videos/110484-000-A/propagandaschlacht-um-die-ukraine/
Der Dokumentarfilm zeigt die neuen Frontlinien der virtuellen Kriegsführung: Ikonische Bilder werden aus dem Blickwinkel beider Kontrahenten gezeigt. Der Film gewährt Einblicke in die Trickkiste der Populisten und Populistinnen in den sozialen Netzwerken, zeigt aber auch, wie das klassische TV als ergiebige Propagandamaschine Wiederauferstehung feiert.
Ausgewählte Propagandavideos werden von drei internationalen Experten und Expertinnen eingeordnet: Svitlana Matviyenko (Ukraine), Professorin für kritische Medienanalyse an der Simon Fraser University in Toronto; Greg Yudin (Russland), Philosoph und Soziologe an der Moscow School of Social and Economic Science; Samira El Ouassil (Deutschland), Kommunikationswissenschaftlerin, Publizistin und Kulturjournalistin des Jahres 2021. Regie: Kristian Kähler, Saskia Geisler (Deutschland, WDR, 2022)


QuoteJuppderdritte #7

Das Spiegelbild zu fake-news heißt Zensur, ist allgegenwärtig.


Quotefrimoe #7.1

Stimmt sicher. In China, Russland, Türkei, Belarus, Saudi-Arabien, Syrien, Afghanistan. Und bestimmt noch in hundert anderen Ländern. Was meinten Sie?


Quotenilnocere #7.2

Wahrscheinlich, dass des einen Zensur des anderen Moderation ist.
Letztlich gibt es keine wissenschaftliche Rechtfertigung für moralische Werte und daraus abgeleitete Weltbilder, nur zeigt sich in der Praxis, dass eine größere Gruppe nicht zu funktionieren scheint, wenn nicht eine Sicht als Leitbild aufrechterhalten wird.
Wie das passiert, ob mit Mitteln der Unterdrückung oder der Überzeugung oder beidem oder durch kluges Nachrichten-Management der Funktionselite, das ist eine andere Frage.


QuoteChochm #13

Natürlich gibt es auch andere Gruppen, die genau dasselbe machen. In Russland zb, ziemlich sicher auch in China, und natürlich für den kommerziellen Bereich, zur "Unterstützung" industrieller Interessen von global Players, gibt es etliche.
Schade, dass der Bericht diese nicht wenigstens erwähnt.


QuoteBlack Pearl #19

Besten Dank für diese engagierte Recherche. Auch wenn diese Machenschaften erwartbar sind, so ist es umso wichtiger zu verstehen, was sich im Détail dahinter verbirgt und welche konkreten Gefahren daraus resultieren.
Weiter so!


QuoteGünther Schneider #20

Es gibt keine dunklen Geschäfte mit der Wahrheit, sondern nur mit der Lüge.


QuoteShaihda #22

Dass nenne ich investigativen Journalismus.
Danke, ZON. Liest sich wie ein surrealer Krimi.


QuoteKaiber #27

So dunkel ist das nicht, das Geschäft. Geheimdienste bezahlen Journalisten, seitdem es Medien gibt.


QuoteZyntia #30

wenn das stimmt, dass hier auf beliebige email konten und onedrive speicher zugegriffen werden kann, sind vermutlich sehr viele Betroffene erpressbar,
sollten solche Internas ungewollt an Gegner oder die Öffentlichkeit gelangen.
Pegasus wurde auch Kernschmelze der Demokratie genannt, das was hier
im Clip gezeigt wird, ist die Kernschmelze bei der Arbeit.


...

Link

Quote[...] Die so genannten "Vulkan Files" geben neue Einblicke in die Cyberkriegsführung von Russlands Präsident Wladimir Putins. Ein Whistleblower, der anonym bleiben will, hat die Süddeutsche Zeitung (SZ) mit Tausenden Seiten geheimer Dokumente der Moskauer IT-Firma NTC Vulkan versorgt. Journalisten der SZ werteten die Papiere gemeinsam mit Kollegen etwa vom "Spiegel", ZDF Frontal, dem österreichischen "Standard", dem britischen Guardian und der Washington Post aus. Sie enthüllen, dass Vulkan-Mitarbeiter für das russische Militär und die Geheimdienste an gemeinsamen Hacking-Operationen gearbeitet, Agenten vor Angriffen auf kritische Infrastruktur geschult und Desinformation verbreitet haben. Ziel der unterstützten Cyberwar-Kampagnen war es zudem, Teile des Internets zu kontrollieren und zu zensieren.

Die Dokumente aus den Jahren 2016 bis 2021 zeigen laut dem ZDF, dass Russland weltweit im Netz zuschlagen will. Nach außen hin gebe sich Vulkan als harmloser Betrieb, der Software entwickelt und die IT-Sicherheit vorantreibt. Tatsächlich arbeite das von Anton Markov, einem Absolventen der Militärakademie in St. Petersburg geführte Unternehmen auch für den russischen Militärgeheimdienst GRU, den Inlandsgeheimdienst FSB und den Auslandsgeheimdienst SWR.

Teil der "Vulkan Files" sind Schulungsunterlagen zu den beauftragten Programmen. Dazu gehört: "Lahmlegen von Kontrollsystemen von Eisenbahn-, Luft- und Schiffstransport", "Störung von Energieunternehmen und kritischer Infrastruktur" sowie das Identifizieren von Schwachstellen in diesen Bereichen, um sie angreifen zu können.

Ein Schaubild aus den Unterlagen veranschaulicht dem "Standard" zufolge das mittlerweile stillgelegte Atomkraftwerk Mühleberg in der Schweiz. Ausgerechnet bei diesem hatten Experten zuvor Sicherheitslücken entdeckt. Daneben wird in den Dokumenten das Schweizer Außenministerium genannt. Eine Markierung deutet auf jene Gegend hin, wo die ukrainische Botschaft in Bern ihren Sitz hat. Es handle sich vermutlich zunächst um Platzhalter, schreibt die Zeitung. Diese dürften aber echten Zielen ähneln, zumal an anderen Stellen Angriffe auf Zuglinien, Flughäfen und weitere wichtige Infrastruktur erwähnt würden.

Ein Schlüsselprodukt von Vulkan ist Skan-W alias Scan-W. Es soll das Internet nach Schwachstellen durchsuchen können, über die Angreifer in fremde Server eindringen und Schaden anrichten können. Dieses Werkzeug wird laut dem Guardian mit der berüchtigten Hackergruppe Sandworm in Verbindung gebracht, die nach Angaben der US-Regierung zweimal Stromausfälle in der Ukraine verursachte und die Olympischen Spiele in Südkorea störte. Mit NotPetya soll die "Einheit 74455" des Militärgeheimdienstes GRU, die den Artikeln zufolge hinter Sandworm steckt, die wirtschaftlich schädlichste Malware der Geschichte in Umlauf gebracht haben.

Westliche Sicherheitsforscher verwiesen bereits darauf, dass die Cyberattacke auf den US-Anbieter Viasat und sein KA-Sat-Netz für Satelliteninternet im Februar 2022 parallel zum bewaffneten Überfall Russlands auf die Ukraine auf das Konto einer Wiper-Schadsoftware ging. Das als "AcidRain" bekannte zerstörerische Programm, das Zehntausende Breitbandmodems weltweit außer Betrieb setzte, soll Ähnlichkeiten mit einem Plug-in der Botnetz-Malware VPNFilter aus dem Sandworm-Cluster aufweisen. Offiziell leugnet der Kreml, für solche Angriffe verantwortlich zu sein. Die Vulkan-Files legen die Verbindungen nun aber weitgehend offen, etwa über Abrechnungen mit Namen der Operationen und Malware.

Ein weiteres auftauchendes System mit dem Namen Amezit (Amesit) ist eine Blaupause für die Überwachung und Kontrolle des Internets in Regionen, die unter russischem Kommando stehen. Damit könnten gesamte Regionen vom freien Internet abgeschnitten werden, schreibt die SZ. Es ermögliche auch die massive Verbreitung von Desinformation über gefälschte Profile in sozialen Medien.

Crystal-2V ist ein Trainingsprogramm für Cyber-Operateure, das ihnen die Methoden beibringt, die erforderlich sind, um die Infrastruktur im Schienen-, Luft- und Seeverkehr lahmzulegen. In einer Datei zur Erklärung der Software heißt es: "Die Geheimhaltungsstufe der verarbeiteten und gespeicherten Informationen in dem Produkt ist 'Top Secret'." Andere von Vulkan entwickelte Programme hören auf Namen wie Fraction zur Überwachung von Regimekritikern oder Edison.

In über 17.000 Überweisungsvorgängen finden sich Belege für diese Softwareprojekte. Demnach erhielt Vulkan ratenweise Zahlungen in Höhe von mehreren Millionen Euro, in deren Betreff die Namen der Programme zu finden sind. Die Zahlungen wiesen den Berichten zufolge Institute an, die eng mit Geheimdiensten und dem Militär verbunden sind. Enge Kontakte gebe es auch mit den großen Moskauer Universitäten. Vulkan werbe gezielt um Nachwuchs unter Absolventen, an der Lomonossow-Universität hätten Firmenvertreter einen Kurs zum Unterwandern sozialer Netzwerken abgehalten.

Konstantin von Notz, Vizefraktionschef der Grünen im Bundestag und Vorsitzender des für die Geheimdienste zuständigen Parlamentarischen Kontrollgremiums, geht von "Hunderten solcher Cyberwaffen" aus, die gerade entwickelt werden. "An diesen Beispielen und auch an vielen Vorfällen der letzten Jahre wird deutlich, dass es eine reale Gefahr aus dem Cyberraum gibt für die kritische Infrastruktur in Deutschland", befürchtet er. Vulkan soll nur eines von mehr als 30 russischen Unternehmen sein, die um die lukrativen Staatsaufträge für den Cyberkrieg konkurrieren.

(mki)


Aus: ""Vulkan Files": Hinter den Kulissen von Putins Cyberkrieg" Stefan Krempl (30.03.2023)
Quelle: https://www.heise.de/news/Vulkan-Files-Geheimdokumente-enthuellen-Russlands-Cyberwaffen-8267980.html

Link

#44
"WATCH: John Pilger's Guide to Propaganda" (April 21, 2023)
American Empire, Analysis, Censorship, Commentary, History, Intelligence, Media, Propaganda
Journalist, author and filmmaker John Pilger, who has spent decades studying governments' nefariousness, tells Katie Halper how to spot propaganda. 
https://consortiumnews.com/2023/04/21/watch-john-pilgers-guide-to-propaganda/

John Pilger (* 9. Oktober 1939 in Sydney, Australien) ist ein australischer Journalist und Dokumentarfilmer.
https://de.wikipedia.org/wiki/John_Pilger | https://www.theguardian.com/profile/johnpilger

-

Army Info War Division Wants Social Media Surveillance to Protect "NATO Brand"
An Army Cyber Command official sought military contractors that could help "attack, defend, influence, and operate" on global social media.
Sam Biddle, April 27 2023, 6:01 p.m.
https://theintercept.com/2023/04/27/army-cyber-command-nato-social-media/

Link

"An AI Is Inventing Fake Quotes by Real People and Publishing Them Online" (Jun 17, 2023)
Artificial Intelligence/ Ai/ Ai Chatbots/ Misinformation ...
The internet is already full of spam, said Binns, "and [generative AI] is just going to supercharge that." ...
https://futurism.com/ai-fake-quotes-real-people

https://twitter.com/bildoperationen/status/1678834670593626133

Link

#46
Quote[...] Seit Sommer 2023 ist die Alternative für Deutschland (AfD) in Wahlumfragen bundesweit die zweitstärkste Partei, im ARD-Deutschlandtrend liegt sie im Januar 2024 bei 22 Prozent. Experten sehen in der Kommunikationsstrategie der AfD einen der wichtigsten Gründe für den Erfolg der Partei. Wie kommuniziert die AfD? Ein Überblick.

,,Faktisch hat die AfD eine neuartige Form der Propaganda in der deutschen Politik etabliert", schreibt der Politik- und Kommunikationsberater Johannes Hillje bereits 2017 in den ,,Blättern für deutsche und internationale Politik". Die ,,Propaganda 4.0", wie Hillje sie nennt, beruht demnach auf vier Elementen:

    - Delegitimierung der etablierten journalistischen Medien

    - Aufbau und Etablierung eigener parteinaher Medienkanäle

    - Ausbildung einer kollektiven Identität beziehungsweise rechtspopulistischen Parallelgesellschaft

    - Extreme Polarisierung im öffentlichen Diskurs

In allen vier Teilbereichen lassen sich darüber hinaus zentrale Kommunikationsschemata identifizieren, rhetorische Muster, die auch von anderen rechten Akteuren genutzt werden.

Das Verhältnis der AfD zum Journalismus ist spätestens seit 2015 ambivalent. Nach Ansicht von Hillje folgt es jedoch einem klaren Kalkül: ,,Die AfD verteufelt die unabhängigen Medien als ,Systempresse', gleichzeitig braucht sie sie als Bühne für ihre Inszenierungen, Provokationen und Abgrenzungen zum politischen Feind." Für letzteres eigenen sich vor allem Formate, in denen AfD-Vertreter ihre Botschaften praktisch ungefiltert verbreiten können: (Live)-Interviews oder Auftritte in Talkshows.
Bei Medienformaten, in denen die AfD keine unmittelbare Kontrolle über die Inhalte hat, etwa bei Berichten über Parteitage, agiert die Partei restriktiv. Etwa durch den Ausschluss bestimmter Medien und/oder Journalisten. Zugleich beklagen AfD-Vertreter regelmäßig, von den klassischen Medien ausgegrenzt beziehungsweise falsch dargestellt zu werden. Damit einher geht der Versuch, etablierte Medien zu diffamieren, etwa durch Skandalisierung oder die Bezeichnung als ,,Lügenpresse". Ein Schlagwort, das bereits die Nationalsozialisten zur Diffamierung unabhängiger Medien nutzten.

Explizit richtet sich die Kritik der AfD gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Laut einem Konzept der Partei aus dem Jahr 2017 sollen ARD und ZDF aufgelöst und privatisiert werden. Für deren Programme soll dann nur bezahlen müssen, wer sie auch tatsächlich nutzt. Auf dem vom Recherchenetzwerk Correctiv bekannt gemachten Geheimtreffen von Vertretern der Neuen Rechten und der AfD im vergangenen November soll über eine Musterklage gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesprochen worden sein.

Um volle Kontrolle über die eigenen Botschaften zu haben und unabhängig von der Berichterstattung etablierter Medien zu sein, hat die AfD inzwischen ein Netzwerk aus eigenen Kanälen in den sozialen Medien aufgebaut: Instagram, Tiktok, Twitter, Youtube, Facebook, Telegram. Sowohl die Partei, Fraktionen, wie auch Abgeordnete selbst wollen in diesen Kanälen direkt und ungefiltert mit Bürgerinnen und Bürgern kommunizieren. Im Vergleich zu den anderen Parteien, die im Bundestag vertreten sind, ist die AfD viel besser aufgestellt.
Bereits bei der vergangenen Bundestagswahl machte die AfD Wahlkampf fast ausschließlich in ihren eigenen digitalen Echoräumen. ,,Die AfD ist selbst zum Massenmedium geworden in den sozialen Medien", stellte Hillje schon damals fest. Inzwischen hat die Partei ihre Medienstrategie weiter vorangetrieben. So betreibt die AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag etwa einen eigenen Social-Media-Newsroom mit improvisiertem Fernsehstudio.
391.000 Abonnenten hat der Youtube-Kanal der AfD-Fraktion insgesamt. Zum Vergleich: Die SPD-Fraktion kommt bei Youtube auf weniger als 4000 Abonnenten, die Unionsfraktion auf knapp 5000. Mehr und mehr läuft die direkte Ansprache der AfD an die eigene Anhängerschaft allerdings nicht nur über Youtube, sondern vor allem über TikTok.

Bei der vor allem unter den 14 bis 19-Jährigen beliebten Video-App hat die AfD-Fraktion auf ebenfalls 391.000 Follower. Zum Vergleich: Die SPD-Fraktion kommt auf gerade mal 112.000 Abonnenten. Der Fokus auf Social Media verändert bei der AfD in Teilen sogar die Art und Weise, wie im Parlament gesprochen wird.
AfD-Abgeordnete schreiben ihre Reden genau so, dass es auf TikTok verwendet werden kann. Es gehe darum, ,,knackiges Material für Social Media zu produzieren", räumte der parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Bundestagsfraktion, Götz Frömming, ein.
Für die Rekrutierung neuer Anhänger ist außerdem Instagram ein wichtiges Medium, wie eine Recherche des Netzwerks Correctiv aus dem Jahr 2020 zeigte. So ist etwa die Jugendorganisation der AfD, die Junge Alternative (JA), auf Instagram aktiv.

,,Dort wird sehr viel mit gut bearbeiteten Fotos gearbeitet von jungen und attraktiven Mitgliedern der JA", berichtete Arne Steinberg, Reporter bei Correctiv, damals bei Dlf Nova und: ,,Uns hat ein Vorstandsmitglied der JA Berlin bestätigt, dass der Landesverband mittlerweile so knapp die Hälfte der Neuzugänge eben über Instagram gewinnt."

,,Wir gegen die" – dieses von Populisten überall auf der Welt genutzte Schema verwendet auch die AfD. ,,Das ist die Unterscheidung zwischen uns hier und denen dort. Alles Übrige ergibt sich aus dieser Grundgrenzziehung", erklärt der Literaturwissenschaftler Heinrich Detering. ,,Wir hier sind die Guten, die Richtigen, die immer schon da waren, die das Recht haben, sich auch aggressiv zu verteidigen. Die anderen sind grundsätzlich Bedrohung."

Die Auffüllung dieses Schemas sei erstaunlich variabel. Entscheidend sei nur, dass bei denen, die angesprochen werden, dieses nach außen hin abgeschottete Gruppengefühl erzeugt werde. Im Osten setzte die Partei von Anfang an vor allem auf Ressentiments und Affekte gegen den Westen. Brandenburg und Sachsen stellte sie dabei als das vermeintlich ,,bessere Deutschland" dar: ein angeblich unverstelltes Deutschland, in dem Heimat und Patriotismus noch zählen. Die AfD beschwor eine angeblich spezielle ostdeutsche Identität und hatte damit Erfolg.
Um ein Gemeinschaftsgefühl nach innen zu schaffen, werden die eigene Anhängerschaft und potenzielle Wähler direkt angesprochen – ,,wir", ,,unser", ,,uns" – und immer wieder äußere Feindbilder konstruiert. Die anderen, die Gegner, das sind Migranten, die Medien, die Regierung, demokratischen Parteien und zivilgesellschaftliche Gruppen wie beispielsweise Klimaaktivisten – zusammengefasst: alle, die nicht das Gesellschaftsmodell und die kulturellen Vorstellungen vertreten, wie sie in die AfD vertritt.

Letztlich zielt die Kommunikationsstrategie der AfD auf eine extreme Polarisierung des öffentlichen Diskurs. Dies gelingt unter anderem durch die konfrontative Gegenüberstellung von ,,Wir gegen die anderen". So macht die AfD etwa inzwischen ,,Klimaschutz zum Kulturkampf, indem sie die Klimapolitik als Bedrohung für den vermeintlich typisch deutschen Lebensstil an die Wand malt", erläutert Kommunikationsberater Hillje. ,,Und diesen typisch deutschen Lebensstil, den buchstabiert sie anhand von Schlagworten wie Diesel, Schnitzel, Billigflug und so weiter aus."

Dabei bedient sich die AfD zumeist keiner sachlichen Argumente, sondern oft vereinfachender affirmatorischer Behauptungen, falscher Fakten, Falschnachrichten und negativer Schlagworte mit denen provoziert und Emotionen wie Wut und Empörung aktiviert werden sollen: Die anderen Parteien wollen Deutschland zugrunde richten, die ,,Ökodiktatur" etablieren, eine ,,Umvolkung" herbeiführen, das deutsche Volk abschaffen. Ziel der Kommunikation ist nicht ein diskursiver Austausch, sondern die Delegitimierung des politischen Gegners. Dessen Existenzberechtigung wird in Zweifel gezogen und negiert.
Die AfD habe eine Botschaft, unter die sie alles packen könne, sagt der Autor und Medienberater Martin Fuchs: ,,Und die ist, die Welt ist im Wandel, die Welt ist verrückt geworden, alles verändert sich sehr schnell. Aber Du bist okay, Du musst Dich nicht ändern. Und schuld sind immer die anderen", sagt Fuchs. ,,Und darunter können sie eigentlich die großen Themen unserer Gesellschaft packen. Ob das die Klimakrise ist, die wirtschaftliche Situation in Deutschland und dann natürlich auch diese ganzen Kulturkampfthemen, in denen die AfD sehr stark anschlussfähig ist."

Bei allen Großkrisen der vergangenen Jahre –Corona, Inflation, steigende Energiepreise, Ukrainekrieg – zielte die Kommunikation der AfD darauf ab, die Verunsicherung in der Bevölkerung weiter zu schüren und in Wut und Ablehnung des demokratischen Systems und dessen Repräsentanten zu verwandeln. Es ist eine Strategie, die einer der Vordenker der Neuen Rechten, der Publizist Götz Kubitschek vom neurechten Institut für Staatspolitik, vor Jahren einmal so formuliert hat: Er spekuliere darauf, dass sich die Spaltung der Gesellschaft vertiefe, um Raum für die eigenen radikalen Ideen zu schaffen.

Eines der wichtigsten Kommunikationsschemata der AfD – wie auch anderer populistischer Parteien und Akteure – ist die kalkulierte Provokation. Durch immer neue Empörungswellen versucht die Partei mediale Aufmerksamkeit zu gewinnen und damit letztlich kostenlose Werbung. Das heißt, es werden gezielt Botschaften verbreitet, von denen man sich erhofft, dass sie zu heftigen Reaktionen im öffentlichen Diskurs führen – und diesen damit zugleich extrem polarisieren.

https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/schwarzbuch-afd-auf-relevanz-konzentrieren

Provoziert wird häufig durch sprachliche Tabubrüche, bei denen bewusst historisch belastete Begriffe verwendet werden, insbesondere aus dem nationalsozialistischen Kontext. ,,Es gibt eine bestimmte Klientel, die man damit erreichen kann. Insofern gibt es immer wieder diesen Versuch, Begriffe einzuführen oder umzudeuten, zu reaktivieren, die auch im Nationalsozialismus eine Rolle gespielt haben, und das ist in der AfD dann schon wirklich eine zentrale Linie, die man dort verfolgt", stellte Rhetorikprofessor Olaf Kramer bereits 2018 fest.
Dabei gehe es darum, die Grenzen des Sagbaren auszudehnen, bestimmte Begriffe neu zu etablieren, Sichtweisen damit zu verschieben und letztlich den politischen Diskurs zu verändern.

Die kalkulierte Provokation ist eng verknüpft mit einem weiteren eingeübten Muster rechter Rhetorik: der Täter-Opfer-Umkehr bzw. dem Versuch einer Skandal-Umkehr. Eines der jüngsten Beispiele ist die Reaktion der Partei auf die Enthüllungen des Recherchenetzwerks Corrrectiv über ein Treffen von Parteimitgliedern mit dem rechtsextremen Aktivisten Martin Sellner im November in Potsdam.

Fraktions- und Parteispitze grenzten sich nicht von dem Extremisten Sellner ab, sondern gingen zum Gegenangriff über – mit Medienschelte von oberster Stelle. Co-Parteichefin Alice Weidel nannt es einen ,,Skandal, wenn solche Machenschaften für eine Kampagne instrumentalisiert werden, die das Ziel verfolgt, privaten Meinungsaustausch zu kriminalisieren und unter Gesinnungskontrolle zu stellen."
Das Zusammenspiel von Provokation und versuchter Skandal-Umkehr nennt der Jurist und Journalist Maximilian Steinbeis das ,,rechte Sprachspiel". Man erkenne es daran, ,,dass eine Behauptung gemacht wird, die einen bestimmten Effekt provozieren soll, und wenn man sich auf diese Provokation einlässt, dann wird diese Reaktion als Angriff gewertet, der dann wiederum die Behauptung rechtfertigt. Und die Behauptung ist, ich werde hier zum Opfer gemacht einer Aggression, und anstatt zu fragen, was für eine Aggression, regt man sich dann auf über diese Behauptung. Und dann sagt er, siehst du, hier ist die Aggression, und zack, ist diese Behauptung gerechtfertigt."

Der Opfermythos sei zentral für die Rhetorik der Rechten. Für ein Verständnis rechter Kommunikationsstrategie sei dies wichtiger als die politischen Inhalte, heißt es in dem Buch von Maximilian Steinbeis, Per Leo, Daniel-Pascal Zorn: ,,Mit Rechten reden. Ein Leitfaden":

"Sie spucken und fauchen von ihrem selbstgewählten Kreuz auf uns hinab – und hoffen, dass wir zurückfauchen. Und wenn wir es tun, dann klagen und jammern und schimpfen sie so lange über diese entsetzliche Schandtat gegen ein wehrloses Opfer, bis einige Zuschauer tatsächlich Mitleid mit ihnen kriegen. So mobilisieren sie ihren Anhang. Nicht durch Programme, sondern durch Provokationen. Und Gejammer."
Maximilian Steinbeis, Per Leo, Daniel-Pascal Zorn: ,,Mit Rechten reden. Ein Leitfaden" 2017

Ein weiteres rhetorisches Muster ist die De- und Rekontextualisierung von bestimmten Themen wie etwa Migration, Klimaschutz oder Energiesicherheit. Dazu werden diese aus ihrem ursprünglichen Kontext herausgenommen und durch die Verknüpfung mit anderen politischen, sozialen oder kulturellen Themen neu verortet.
Ein Beispiel: ,,Es wird ein Zeitungsartikel zum Thema Flüchtlinge gepostet – mit dem Kommentar, man müsse sich jetzt mehr um die Arbeitslosen in Deutschland kümmern. Diese Verknüpfung greifen die Nutzer in ihren Kommentaren auf. Es entstehen Diskursstränge, es kommen weitere Themen dazu, und am Ende verselbständigt sich das", erläutert Katrin Herms, die Kommunikationsstrukturen von Rechtspopulisten untersucht hat. Am Ende werden so Feindbilder gefestigt – Flüchtlinge, die Regierung, die Globalisierung – und die kollektive Identität der eigenen Gruppe gestärkt.

Eine weitere rhetorische Strategie der AfD ist die Selbstverharmlosung. ,,Deutschland. Aber normal" lautete beispielsweise ein Slogan der AfD bei der vergangenen Bundestagswahl. Der Begriff ,,normal" solle das radikale Programm kaschieren, schreibt der Autor Michael Kraske in seinem Buch ,,Tatworte. Denn AfD & Co. meinen, was sie sagen". Zudem werden mit diesem Bild die Behauptung der AfD wiederholt, alle anderen Parteien richteten das Land zugrunde.

Gerade durch die Besetzung des Normalitätsbegriffs, versuche die AfD, Wählerstimmen in der gesellschaftlichen Mitte zu gewinnen, sagt Kommunikationsberater Hillje. Weil sie wisse, dass sie den rechten Rand mittlerweile ausmobilisiert hat.


Aus: "Kommunikation der AfD: Provozieren, polarisieren, normalisieren" (21.01.2024)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/kommunikationsstrategien-rhetorik-afd-neue-rechte-100.html

Link

"Ukraine-Krieg: Russland führte via Twitter massive Fake-News-Kampagne in Deutschland durch" (26. Jänner 2024)
Über 50.000 gefälschte Nutzerkonten machten mit mehr als einer Million Tweets Stimmung gegen die Regierung und deren Unterstützung für die Ukraine. ... Experten hätten im Auftrag des Auswärtigen Amts X mit einer speziellen Software analysiert und seien dabei auf ein massives Netzwerk falscher Nutzerkonten gestoßen, die deutschsprachige Inhalte verbreiten, berichtete "Der Spiegel". Im Untersuchungszeitraum vom 20. Dezember bis zum 20. Jänner identifizierten die Experten demnach mehr als 50.000 gefälschte Nutzerkonten, die insgesamt mehr als eine Million deutschsprachige Tweets absetzten. An manchen Tagen registrierten die Experten des Auswärtigen Amts bis zu 200.000 dieser Kurznachrichten, das entspricht in etwa zwei Mitteilungen pro Sekunde. ...
https://www.derstandard.at/story/3000000204750/massive-russische-fake-news-kampagne-in-deutschland-aufgedeckt

QuotePassierschein A39

Was? Russland führt Fake-News-Kampagnen? Und Twitter ist ein Hort für Bots und gefälschte Nutzer? Ich bin schockiert! Schockiert, sag ich!


Quotewien_

Ist fast nicht aufgefallen

Mein Twitter war plötzlich voll von Deutschen die
- auswandern weil Deutschland zusammenbricht
- früher ,,links waren" aber jetzt AfD wählen
- eigentlich Ausländer eh mögen ,,aber"
- auswandern
- die Ukraine als Schuld für hohe Steuern sehen
- etc etc


QuoteAnton Kyniker

Das Problem ist nicht in erster Linie die Kampagne, das war erwartbar.
Das Problem ist, dass sie auf fruchtbaren Boden fällt.


Quotevjb-M17

Surprise Surprise! Nicht wirklich.

Mich wundert es nur, dass das nicht schon viel früher festgestellt wurde; seit Musk's Übernahme geht Twitter, ja Twitter, den Bach runter, was eine ausbalancierte und regelbasierte Social Media Plattform angeht

Was da an Desinformationen, Verschwörungstheorien, Rassismus, Geschichtsverzerrung und abstrusen Sichtweisen geteilt wird... mitunter auch von Musk selbst, alles offenbar ,,Free Speech", wie's so schön von Musk propagiert wird
Außer man kritisiert Musk bzw. zeigt objektive Fakten über ihn auf, die diverse krumme Dinge aufdecken, dann wird man gleich in seiner Reichweite eingeschränkt, ein Shadowban auferlegt oder, wie im Fall von Pekka Kallioniemi, mit dem der Standard schon ein Interview führte, passierte, dass Likes verschwinden


QuoteSir George

Auch das Standardforum wird bei bestimmten Themen unterwandert.


Quotemelpet

"Ob die prognostizierte Gefahr tatsächlich real ist, lässt sich aktuell noch schwer prognostizieren."

Inwiefern? Dass die "Gefahr tatsächlich real" ist, wissen wir doch längst! Oder wurde der damalige Skandal rund um "Cambridge Analytica" nur von unseren hinterfotzigen "System-Eliten" erfunden, um die wahren Heroes/Kickls dieser Welt bösartigst zu diffamieren? Gibt es millionenfach erzeugte Fake-Accounts, die mit bots gesteuerte Fake-News streuen? Existiert KI, die mittlerweile tauglich ist, täuschend echte "News" zu erzeugen? Gibt es auf dieser Welt antidemokratische politische Machtstrukturen, die den Willen und die Mittel haben, all das zu ihren machtpolitischen Zwecken zu instrumentalisieren? Die Gefahr(!) IST real, ohne jeden Zweifel!


QuoteDDr.

Was soll schon dabei rauskommen wenn man in der Schule zwar 2h Religion pro Woche hat, aber politische Bildung, Ethik, Sozialkunde und Medienkompetenz praktisch nicht im Lehrplan vorkommen.


...

Link

"'Home Desk': The Foreign Office's covert propaganda campaign inside Britain" JOHN McEVOY (3 January 2024)
A secret unit of the Foreign Office monitored leftist journalists, intellectuals and trade unions deemed "subversive" and sought to discredit them during the Cold War, recently declassified files reveal. ... The government body responsible was a highly secretive unit called the Home Desk, a part of Britain's Cold War propaganda arm, the Information Research Department (IRD), which was housed within the Foreign Office. ...
https://www.declassifieduk.org/home-desk-the-foreign-offices-covert-propaganda-campaign-inside-britain/

"Secret British 'black propaganda' campaign targeted cold war enemies"
Jason Burke (Sat 14 May 2022 17.56 CEST, Last modified on Sat 14 May 2022)
The British government ran a secret "black propaganda" campaign for decades, targeting Africa, the Middle East and parts of Asia with leaflets and reports from fake sources aimed at destabilising cold war enemies by encouraging racial tensions, sowing chaos, inciting violence and reinforcing anti-communist ideas, newly declassified documents have revealed. ... The effort, run from the mid-1950s through to the late 70s by a unit in London that was part of the Foreign Office, was focused on cold war enemies such as the Soviet Union and China, leftwing liberation groups and leaders that the UK saw as threats to its interests ...
https://www.theguardian.com/world/2022/may/14/secret-british-black-propaganda-campaign-targeted-cold-war-enemies-information-research-department

"Information Research Department"
The Information Research Department (IRD) was a secret Cold War propaganda department of the British Foreign Office, created to publish anti-communist propaganda, including black propaganda, provide support and information to anti-communist politicians, academics, and writers, and to use weaponised information, but also disinformation and "fake news", to attack not only its original targets but also certain socialists and anti-colonial movements. Soon after its creation, the IRD broke away from focusing solely on Soviet matters and began to publish pro-colonial propaganda intended to suppress pro-independence revolutions in Asia, Africa, Ireland, and the Middle East. The IRD was heavily involved in the publishing of books, newspapers, leaflets and journals, and even created publishing houses to act as propaganda fronts, such as Ampersand Limited. Operating for 29 years, the IRD is known as the longest-running covert government propaganda department in British history, the largest branch of the Foreign Office, and the first major anglophone propaganda offensive against the USSR since the end of World War II. By the 1970s, the IRD was performing military intelligence tasks for the British Military in Northern Ireland during "The Troubles" [https://en.wikipedia.org/wiki/The_Troubles] ...
https://en.wikipedia.org/wiki/Information_Research_Department [This page was last edited on 21 April 2024, at 21:26 (UTC)]


Link

Quote[...] Zwei Tage nach der US-Präsidentschaftswahl beobachtet der Sozialwissenschaftler Darren Linvill, wie ein prominenter Verfechter Donald Trumps ein Video mit seinen 1,1 Millionen Followern auf X teilt. Es zeigt Uniformierte mit ukrainischen Abzeichen, die auf einen Dummy mit roter "Make America Great Again"-Kappe schießen und ihn anzünden. "Wir finanzieren keine Kriege in Ländern mehr, die Amerikaner hassen", steht dabei. "Donald muss aufräumen und ihm keine Steuergelder mehr schicken", kommentiert ein anderes Konto mit mehr als 500.000 Followern.

Das Video ist eine Fälschung, wie Linvill, Leiter des Zentrums für Medienforensik an der Clemson University in South Carolina, später klarstellen wird. Trotzdem wurde es bis Anfang November mehr als 30 Millionen Mal angesehen, schrieb die "Kyiv Post". Seit zwei Jahren beobachten Linvill und sein Forschungsteam, wie Moskau mit solchen Inhalten die Unterstützung für den Verteidigungskrieg der Ukraine gegen Russland zu untergraben versucht. "Alles hat sich seit 2016 verändert, vor allem bei den Russen", sagt Linvill im Interview mit ntv.de: "Es ist ein konstanter Strom."

Durch die sozialen Netzwerke kursiert eine ganze Schwemme manipulierter oder generierter Inhalte. Das Video mit den Uniformierten kommt höchstwahrscheinlich von inzwischen prominenter Stelle, eine russische Desinformationseinheit, die Microsoft Storm-1516 getauft hat. Diese Einheit allein habe bis kurz vor der US-Wahl mindestens "52 verschiedene Narrative" im Netz platziert, hat Linvills Team festgestellt. Weshalb wird solch ein Aufwand betrieben, was bezwecken die Macher mit ihren Falschbehauptungen und Lügen? Wo und von wem werden sie verbreitet? Hatten sie Einfluss auf das Wahlergebnis?

Vorneweg: Es ist kaum festzustellen, welchen direkten Effekt die Desinformationskampagnen auf das Wahlergebnis vor einem Monat hatten. Aber das Ziel wurde erreicht. Donald Trump wird der nächste Präsident der USA und die militärische Unterstützung Kiews steht nun auf höchst wackligen Füßen. Der Sieg des Republikaners ist somit im Interesse Moskaus, das seit fast drei Jahren mit einem völlig enthemmten Angriffskrieg möglichst viel ukrainisches Territorium zu erobern versucht.

Die größten Lügenschleudern im Wahlkampf, das waren X von Elon Musk, der Trump im Wahlkampf unterstützte und dafür auch die Algorithmen anpasste, sowie Telegram und YouTube. Das Ziel der dortigen Attacken waren insbesondere die Demokraten, also insbesondere die Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris und ihr Vize Tim Walz. Noch einen Tag vor der Wahl, am 4. November, teilten der Direktor der US-Geheimdienste, das FBI und Cybersecurity-Behörde mit: "Russland ist die aktivste Bedrohung." Sie warnten auch vor noch umfassenderen Desinformationskampagnen nach dem Wahltag. Doch Trumps Sieg stand schon in der Wahlnacht so gut wie fest. Es blieb ruhig.

Schon vor acht Jahren hatte sich Russland in die Wahlen eingemischt, aber anders: über Troll-Konten und Werbung. Wie lief es diesmal ab? Zunächst veröffentlichten KI-Bots die Inhalte, mit technischen Hilfswerkzeugen erstellten Mitarbeiter gefälschte Websites en masse. Das über Jahre geknüpfte Verbreitungsnetzwerk brachte die manipulierten oder erfundenen Inhalte in Umlauf.

"Das hätte man früher mit unglaublich großen Mengen an Ressourcen auch machen können, aber es wäre viel, viel teurer gewesen", so Linvill. Videos für ihre erfundenen Geschichten drehten die Russen demnach häufig mit Schauspielern und westafrikanischen Einwanderern auf den Straßen von St. Petersburg, sagt Linvill. Sie gäben sich als Insider oder Opfer aus, die ihre Geschichte erzählen, ihre Gesichter würden mit Software verändert. Aus den Videos entstehen demnach die Artikel für Fake-Nachrichtenseiten, die echten nachempfunden sind. Sie heißen "DC Weekly", "New York News Daily" oder "The London Crier".

Die Websites werden laut US-Medien und Experten federführend von einem ehemaligen US-Hilfssheriff erstellt: John Mark Dougan. Er war jahrelang in Palm Beach als Hilfssheriff angestellt; dort befindet sich auch Trumps Anwesen Mar-a-Lago. Dougan wird in seiner Heimat wegen Vergehen im Job gesucht, inzwischen hat der US-Amerikaner auch die russische Staatsbürgerschaft. Experten glauben, Dougan sei nur ein Spielstein; ein williger, vorgeschobener Kopf, über den anstelle der wahren Drahtzieher berichtet werden soll.

Die Russen platzieren ihre Geschichten aber auch für ein paar Dollar sogar auf echten Nachrichtenseiten in afrikanischen oder arabischen Ländern. Dann kommen die Influencer aus Russland und anderswo, die sie verbreiten. Es sind Stimmen, denen auch in den USA viele Menschen zuhören. Ein bekannter Fall: Laut Anklage des US-Justizministeriums bezahlte Moskau im Wahlkampf mindestens 10 Millionen US-Dollar an prominente konservative Influencer, um Inhalte zu verbreiten. Die nehmen die Jobs an und lassen die Grenzen zwischen Desinformation und Parteilichkeit verschwimmen.

Das Ziel der Aktionen ist weniger die direkte Beeinflussung einer Wahl, sondern Misstrauen in Medien und die Demokratie zu erzeugen. Schon dass über etwas geredet wird, hat einen Effekt: Manche Menschen fangen an, zu zweifeln. Und sobald Wähler denken, sie könnten Mainstream-Medien nicht mehr glauben, wenden sie sich womöglich von ihnen ab. Deren Rolle nehmen Influencer, Podcaster und Meinungsmacher ein, die wesentlich einfacher beeinflussbar sind als ein Unternehmen oder öffentlich-rechtliche Medien.

Hinter Dougan und im Zentrum der russischen Desinformationskampagne bei der US-Präsidentschaftswahl befindet sich laut Linvills Ergebnissen die "Russian Foundation for Battling Injustice" (R-FBI) - die sogenannte Russische Stiftung zur Bekämpfung der Ungerechtigkeit. Gegründet wurde die Organisation von Jewgeni Prigoschin, dem früheren Chef der russischen Söldnergruppe Wagner, im Jahr 2021.

Die R-FBI stellt sich selbst als Menschenrechtsorganisation dar; es ist nicht mehr als ein Feigenblatt, denn die Methoden sind ähnlich wie die von Prigoschins früherer Troll-Farm "Internet Research Agency". Die hatte Trump ab Dezember 2015 unterstützt und versucht, die US-Wahl 2016 zu dessen Gunsten zu beeinflussen. Jahre später klagte deshalb eine US-Jury 13 Russen und drei Organisationen an. Sie hätten versucht, "die Wahl und politische Prozesse" zu beeinflussen. Prigoschin starb im August 2023 bei einem Flugzeugabsturz, zwei Monate nach einem versuchten Putsch gegen Russlands Präsident Wladimir Putin. Die Internet Research Agency wurde aufgelöst.

Eine der größten Lügenschleudern der Wahl sind jedoch die Republikaner oder ihre Unterstützer selbst. Ein prominentes Beispiel: Mindestens 87 falsche oder irreführende Aussagen von Elon Musks eigenem X-Konto wurden vor der Wahl insgesamt 2 Milliarden Mal angesehen, stellte das Center for Countering Digital Hate fest.

Auch Trump selbst verbreitete Lügen. In seiner Fernsehdebatte gegen Kamala Harris behauptete er eindringlich, haitianische Einwanderer äßen Hunde und Katzen. Nach dem TV-Duell sagten in einer Umfrage zwar fast zwei Drittel, die Demokratin habe die Debatte gewonnen. Doch was blieb, waren wochenlange Diskussionen über Einwanderer - ganz im Sinne der Republikaner. Deren Kandidat behauptete nach dem zerstörerischen Hurrikan "Helene" zudem, dass Hilfsgelder an Immigranten ohne Aufenthaltsgenehmigung gingen. Auch das war falsch, der Ex-Präsident verbreitete es trotzdem.

Trump und andere Republikaner hatten immer wieder behauptet, mit Einwanderung kämen überproportional viele Kriminelle ins Land. Das ist höchst zweifelhaft. Im Bundesstaat Texas etwa hatten sich US-Amerikaner zwischen 2012 und 2018 dreimal so häufig strafbar gemacht wie Einwanderer ohne Aufenthaltsgenehmigung, analysierte das Justizministerium. Ein möglicher Grund war die Angst, abgeschoben zu werden; unter Präsident Barack Obama wurden so viele Menschen ins Ausland gebracht wie nie.

Während der Wahl wurden auch verschiedene manipulierte Fotos und generierte Bilder in Umlauf gebracht, die Kamala Harris in zärtlichen Situationen mit dem bekannten Sex-Straftäter Jeffrey Epstein zeigten. In einem weiteren Fake-Video aus russischer Hand behauptete ein angeblicher Haitianer, er sei gerade erst in die USA eingereist und habe in zwei Schlüsselwahlkreisen gewählt. Weitere Lügengeschichten bezichtigten Harris der Fahrerflucht, das Unfallopfer sei nun gelähmt.

Eine der bekanntesten Falschnachrichten jedoch ging über Harris' Vizekandidat viral: Ein angeblicher ehemaliger Schüler warf Tim Walz in einem Video sexuellen Missbrauch vor. Auch dieses Video soll von Storm-1516 stammen. Dies sei nur "ein Stück im russischen Desinformationspuzzle mit vielen Einheiten", sagt Linvill. Wie sich dieses Puzzle bis zur kommenden wichtigen Wahl zusammensetzen wird? "Vor vier Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, wo wir heute stehen", sagt der Wissenschaftler. Die Macher setzen KI ein, Websites, erstellen Videos, arbeiten mit Influencern. "Ich kann mir kaum vorstellen, wo wir in vier Jahren stehen könnten."

Quelle: ntv.de


Aus: "Konzertierte Lügen-Kampagnen des Kreml fluten Netzwerke" Roland Peters, New York (14.12.2024)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Gesuchter-Ex-US-Hilfssheriff-als-Spielstein-Konzertierte-Luegenkampagnen-des-Kreml-fluten-soziale-Netzwerke-article25429193.html

Elon Musk's political posts have amassed 17.1 billion views since he endorsed Donald Trump
in July – over 2 times as many views as all the US "political campaigning ads" that X has
recorded in its political ads disclosure dataset in the same period. ...

https://counterhate.com/wp-content/uploads/2024/11/241031-Musk-Political-Posts-Value-NOTE.pdf