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[Schmerzpunkte im israelischen und deutschen kollektiven Bewusstsein (Notizen)]

Started by Link, October 05, 2025, 02:24:14 PM

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Quote[...] Darf man mit Deutschen reden? Über diese Frage zerstritt sich nach dem Holocaust die jüdische Welt. Dann trafen vor 60 Jahren in Brüssel erstmals hochrangige Vertreter der Bundesrepublik auf Repräsentanten Israels und der Diaspora. Die Geschichte eines Abends, mit dem niemand gerechnet hatte.

Ein Gastbeitrag von David Jünger
Aus der ZEIT Nr. 34/2026 5. August 2026

David Jünger ist Historiker und arbeitet am Moses Mendelssohn Zentrum für Europäisch- Jüdische Studien der Universität Potsdam. Demnächst erscheint seine Biografie über den deutsch-amerikanischen Rabbiner Joachim Prinz.

Als sich Nahum Goldmann am Morgen des 1. August 1966 auf den Weg zum Palais des Congrès machte, war er zwar etwas angespannt, aber mit sich selbst zufrieden. Der Jüdische Weltkongress kam zu seiner fünften Plenarsitzung in Brüssel zusammen, und er, sein Präsident, hatte eine ganz besondere Diskussionsrunde auf die Tagesordnung gesetzt, die ihm selbst eine Herzensangelegenheit war, für einige der 500 Delegierten jedoch eine Zumutung darstellte. Ihr Titel: »Deutsche und Juden – ein ungelöstes Problem«.

Der Auftakt der Tagung am Vorabend war noch reibungslos über die Bühne gegangen. Aber als Goldmann nun die Halle betrat, spürte er schon die Unruhe, die in der Luft lag. Und als schließlich in der Vormittagssitzung die Tagesordnung verabschiedet werden sollte, brachen Tumulte aus. So erklärte die Politikerin Chaika Grossman-Orkin im Namen von vier israelischen Verbänden ehemaliger Kämpfer gegen den Nationalsozialismus, dass durch eine solche Diskussionsrunde den Deutschen ihre Verbrechen vergeben würden. Sie forderte wie mehrere hochrangige Delegierte auch ihre Absage.

Was Goldmann hier geplant hatte, war in der Tat außergewöhnlich. Kaum mehr als zwanzig Jahre nach Ende des Holocausts sollten in Brüssel zum ersten Mal hochrangige Vertreter Deutschlands mit Repräsentanten Israels und der jüdischen Diaspora über ihre Beziehungen sprechen. Besonders an der geplanten Teilnahme von Bundestagspräsident Eugen Gerstenmaier entzündete sich der Protest.

In der jüdischen Welt war ein Bann über Deutschland verhängt worden. Auch vom Jüdischen Weltkongress auf seiner ersten Nachkriegstagung 1948 im schweizerischen Montreux: Kein Jude dürfe sich jemals wieder auf diesem »blutdurchtränkten Boden« niederlassen. Es sollten keine Beziehungen zum Land und seinen Menschen gepflegt werden. Doch schon kurze Zeit später war es ausgerechnet der Weltkongress-Präsident Goldmann selbst, der diesen Bann aufweichte. Er trat in Verhandlungen mit Bundeskanzler Konrad Adenauer ein, die 1952 in die Luxemburger Wiedergutmachungsabkommen zwischen Deutschland, Israel und der jüdischen Diaspora mündeten. Auch dagegen gab es heftige Proteste, vor allem in Israel, wo man Goldmann der Nazi-Kollaboration beschuldigte – jenen Goldmann, den die Nazis 1935 ausgebürgert hatten und der zu einer zentralen Figur jüdischer Politik des 20. Jahrhunderts wurde, ein »Staatsmann ohne Staat«.

Seine Verdienste um Israel oder die Wiedergutmachung sind unbestritten. Sein klandestiner Politikstil sowie seine enge Freundschaft zu Adenauer und später zu Franz Josef Strauß waren dennoch eigenwillig. Gerade in Adenauer sahen viele Juden die personifizierte Schlussstrich-Mentalität: Er hatte die Entnazifizierung beendet, Millionen Täter und Mitläufer rehabilitiert und ehemalige Nazis wie Kanzleramtschef Hans Globke oder Vertriebenenminister Theodor Oberländer in Amt und Würden gebracht. Aber es war eben auch Adenauer, der 1952 die Wiedergutmachungszahlungen gegen erhebliche Widerstände beschloss und sich 1956 dem amerikanischen Drängen verweigerte, sie auszusetzen, um Israel in der Suezkrise zum Rückzug vom Sinai zu zwingen.

Diese Verflechtung prägte auch die Politik seines Nachfolgers Ludwig Erhard: Die »Aussöhnung mit den Juden« gehörte zu einer Schlussstrich-Politik, die nach vorne blickte und die Vergangenheit ruhen lassen wollte. So stand in den ersten beiden Nachkriegsdekaden die Unterstützung Israels und der jüdischen Gemeinschaft neben ausbleibender juristischer Aufarbeitung und wiedererstarkendem Antisemitismus. Nur ließ sich der Schlussstrich nicht ziehen: Auf die antisemitische Schmierwelle von 1959/60 mit Hakenkreuzen an Synagogen, jüdischen Friedhöfen und Mahnmalen folgten der Skandal um deutsche Raketenwissenschaftler, die in Ägypten Waffen gegen Israel entwickelten, die Frankfurter Auschwitzprozesse, ein wachsendes Interesse der Jugend an Anne Frank und der neue Volksverhetzungsparagraf, der Angriffe auf die Menschenwürde ganzer Bevölkerungsgruppen erstmals strafbar machte.

Ab den späten Fünfzigerjahren nahmen die Diskussionen um das deutsch-jüdische Verhältnis Fahrt auf. Sie schlossen an eine Denkfigur des frühen 20. Jahrhunderts an, als in der deutsch-jüdischen Gemeinschaft leidenschaftlich über das Verbindende und das Trennende von Deutschtum und Judentum diskutiert wurde, wie 1915 in der so titulierten Schrift des Marburger Philosophen Hermann Cohen. Nun, nach dem Holocaust, wurde die Frage dahingehend zugespitzt, ob es jemals so etwas wie ein deutsch-jüdisches Gespräch, ja vielleicht sogar eine deutsch-jüdische Symbiose gegeben habe. 1962 verwies der 1923 aus Deutschland nach Palästina ausgewanderte Religionshistoriker Gershom Scholem in seinem berühmten Brief an den deutschen Verleger Manfred Schlösser diese Interpretation ins Reich der Legenden. Ein solches Gespräch habe es nie gegeben, nur einen jüdischen Monolog, im Grunde nicht mehr als einen »Schrei ins Leere«.

Doch nun ging es vor allem um Gegenwart und Zukunft dieses Verhältnisses. Der 1939 aus Berlin in die USA geflüchtete Rabbiner Max Nussbaum warf 1959/60 in Reden und Aufsätzen die Frage auf, ob eine Versöhnung möglich sei. Die gegen Diskriminierung von Juden kämpfende Anti-Defamation League entsandte 1960 gar eine Delegation mit dem Ziel der Annäherung in die Bundesrepublik. Und nicht zuletzt bereiste der 1938 aus Deutschland geflohene Rabbiner Joseph Asher für mehrere Monate das Land und sprach sich nach seiner Rückkehr in die USA Anfang 1965 für eine Versöhnung mit der nach 1945 geborenen Generation der Deutschen aus.

Trotz heftiger Kritik an Asher, die ihm in den USA entgegenschlug, hätte der Zeitpunkt seiner Intervention kaum passender sein können. Denn im Mai 1965 gelang Kanzler Erhard mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel ein politischer Durchbruch. Der Jüdische Weltkongress und zwei seiner wichtigsten Führungsfiguren – Nahum Goldmann und Joachim Prinz – wollten dieser diplomatischen Annäherung nun auch ein ernsthaftes Gespräch auf öffentlicher Bühne folgen lassen. Beflügelt wurden sie dabei von einer Zäsur im jüdisch-christlichen Verhältnis: der 1965 veröffentlichten vatikanischen Erklärung Nostra aetate (»In unserer Zeit«), die den traditionellen kirchlichen Antijudaismus theologisch revidierte. Ab 1965 schienen die Zeichen auf Dialog zu stehen.

Die treibende Kraft war anfangs Prinz. 1963 hatte er Goldmann und Berlins Bürgermeister Willy Brandt die Idee eines deutsch-jüdischen Dialogforums unterbreitet, von der beide hellauf begeistert waren – anders als sein eigener American Jewish Congress. Zwei Jahre später hatte sich der Wind jedoch gedreht, als Prinz seine Gedanken auf dem Jüdischen Weltkongress 1965 in Straßburg präsentierte. Für Anfang 1966 organisierte er schließlich an der Brandeis-Universität in Massachusetts eine Diskussion zwischen ihm selbst und dem deutschen US-Botschafter Karl Heinrich Knappstein, die als erstes derartiges Gespräch zweier so repräsentativer Figuren nach dem Holocaust gelten kann und überwiegend Zustimmung fand. Goldmann wiederum hatte wenige Monate später die erste Israelreise Adenauers gerettet: Nach einem Eklat mit Ministerpräsident Levi Eshkol über die Wiedergutmachungszahlungen wollte der Altkanzler die Reise abbrechen, bevor Goldmann ihn zur Vernunft brachte und die Reise ohne weitere Zwischenfälle verlief.

Als Goldmann für die Tagung des Jüdischen Weltkongresses in Brüssel das Diskussionsforum »Deutsche und Juden« auf das Programm setzte, war schnell klar, dass der größte jüdische Historiker des 20. Jahrhunderts, Salo Baron, und der wichtigste Kritiker deutsch-jüdischer Annäherung, Gershom Scholem, auf dem Podium sitzen sollten. Als ranghoher deutscher Vertreter war von Anfang an Eugen Gerstenmaier gesetzt, weil er nicht nur im Widerstand gegen Hitler aktiv gewesen war, sondern auch vehement und kontinuierlich die Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit Israel vorangetrieben hatte. Der von Goldmann ebenso favorisierte Publizist Rudolf Augstein wurde ihm von mehreren Vertrauten wieder ausgeredet, sodass die Wahl schließlich auf den Historiker Golo Mann fiel, der aufgrund seines eigenen Exils während der Nazizeit und einer teils jüdischen Herkunft als unbelastet galt. Der Philosoph Karl Jaspers sagte krankheitsbedingt ab. Und schließlich wollten auch noch Prinz selbst sowie Hendrik van Dam vom Zentralrat der Juden in Deutschland sprechen, der sich die Teilnahme mit der Drohung erkämpft hatte, andernfalls aus dem Jüdischen Weltkongress auszutreten. Über Deutsche und Juden hatte Goldmann ursprünglich lieber ohne deutsche Juden sprechen wollen.

Nachdem Goldmann beim Auftakt der Tagung die Kritik erfolgreich ausgeräumt hatte, gingen in der Nacht zum 4. August Bombendrohungen ein; am Morgen durchsuchte die Polizei die Tagungsräume. Am Abend konnte das Diskussionsforum dann beginnen, zu dem neben zahlreichen internationalen Journalisten auch eine deutsche Fernsehstation angereist war. Zum Auftakt durften die Vertreter dreier Organisationen, die sich gegen das Forum stellten, noch einmal ihre Position darlegen, bevor sie und einige weitere Personen unter Protest den Veranstaltungssaal verließen.

Und dann begann die Diskussion. Einleitenden Worten Goldmanns gegen seine Kritiker folgte das Referat Scholems. Er beharrte auf dem Unterschied zwischen Deutschen und Juden in Geschichte, Gegenwart und Zukunft, was einen Dialog freilich nicht ausschließe. Golo Mann widersprach seinem Vorredner gleich auf zweifache Weise. Erstens seien die deutschen Juden mehrheitlich Deutsche, und zweitens sei die Katastrophe alles andere als vorherbestimmt gewesen. Auf Scholem und Mann folgte mit Salo Baron der dritte Historiker, der ebenso wie seine Vorredner tief in die deutsche und europäische Geschichte eintauchte, um dort die Wurzeln des modernen Antisemitismus aufzuspüren. Ähnlich wie Scholem zeigte er sich vorsichtig optimistisch, dass sich ein »Geist nachbarschaftlicher Kooperation« zwischen den beiden Völkern entwickeln könne.

Spannend wurde die Diskussion freilich erst, als Eugen Gerstenmaier das Podium betrat. Der Holocaust, sagte der Bundestagspräsident, sei die »größte Schande, die Deutschland je durch deutsche Hände erlebt« habe, und diese »Blutschuld« laste »unentrinnbar« auf allen Deutschen. Aber auch wenn sie in ihrer Gesamtheit die Vergangenheit noch nicht überwunden hätten, gebe es heute ein anderes Deutschland, das sich seiner Taten schäme und alles dafür tue, dass sich Ähnliches nicht wiederhole. Darauf folgten eine reichlich verzerrte Interpretation des deutschen Widerstands als »Revolte gegen den Judenmord« und die Mahnung, dass derzeit die Gefahr nicht im Antisemitismus, sondern in dessen »Überbewertung«, also im vermeintlichen Aufbauschen eigentlich unbedeutender Vorfälle liege. Gerstenmaiers Einlass mag aus heutiger Sicht befremdlich wirken, war damals jedoch eine etablierte Argumentationsfigur, die seit Adenauers Umgang mit der antisemitischen Schmierwelle von 1959/60 zum festen Repertoire des politischen Diskurses der Bundesrepublik gehörte: Sorge bereitete nicht der Antisemitismus, sondern der Schaden, den seine Sichtbarkeit dem Ansehen der Bundesrepublik zufügen würde.

Gerstenmaier schloss seine Rede mit der Hoffnung auf eine »sturmfeste Normalisierung« der deutsch-jüdischen Beziehungen. Dem widersprach mit Nachdruck der nun folgende Redner Joachim Prinz, wohlwissend, dass die Gefahr einer Normalisierung der prägnanteste Einwand gegen die Diskussionsrunde gewesen war. Eine Normalisierung könne und dürfe es nicht geben, so Prinz, dafür aber einen »Dialog zwischen Deutschen und Juden«, der jedoch das Erinnern der Deutschen und deren »moralische Erneuerung« voraussetze, wohin es noch immer ein weiter Weg sei.

Mit der kurzen Rede van Dams, die fast nur Statistisches zur Lage der Juden in Deutschland darbot, endeten die Vorträge. Es war mittlerweile schon spät in der Nacht und die Erschöpfung so groß, dass weder Fragen noch eine Diskussion zugelassen wurden. In der jüdischen Presse rieb man sich verwundert die Augen, dass der ganzen Aufregung im Vorfeld letztlich eine derart einschläfernde Veranstaltung gefolgt war. Nur Gerstenmaier und Prinz hätten Schwung in die Diskussion gebracht. Die deutsche Presse war hingegen überwiegend begeistert, schien doch das geglückt, wogegen sich die jüdischen Kritiker der Diskussion, aber auch Prinz und Goldmann gewandt hatten: ein erster Schritt zur Normalisierung.

Das Ausbleiben der Kontroverse lastete man Goldmann oder den gelehrten Referaten an. Man konnte darin aber auch etwas anderes sehen: eine gewisse Normalität des deutsch-jüdisch-israelischen Verhältnisses im Jahr 1966. Wäre es nach Goldmann und Prinz gegangen, hätte der Dialog dennoch fortgeführt werden können. Doch dazu sollte es nicht mehr kommen: Kaum waren die Delegierten aus Brüssel abgereist, verfinsterte sich die politische Lage und schürte alte Ängste. Zwischen November 1966 und April 1968 zog die nur wenige Jahre zuvor gegründete Nazipartei NPD mit Ergebnissen von 5,8 bis 9,8 Prozent in gleich sieben bundesdeutsche Landesparlamente ein. Und Ende 1966 zerbrach auch noch das Erhard-Kabinett, und das ehemalige NSDAP-Mitglied Kurt Georg Kiesinger wurde zum deutschen Bundeskanzler gewählt. Zu diesem Deutschland Vertrauen aufzubauen, fiel nun ungleich schwerer als die Jahre zuvor. Doch auch die jüdische Welt geriet in Aufruhr. Im Juni 1967 brach der Sechstagekrieg aus, dessen Folgen die Aufmerksamkeit nicht nur Israels, sondern nahezu der gesamten jüdischen Diaspora absorbierten.

Schwerer als alles andere wog aber möglicherweise eine ganz andere Transformation. Beschleunigt durch die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel im Jahr 1965, wurden die ehemals deutsch-jüdischen Beziehungen immer mehr von den deutsch-israelischen Beziehungen überlagert – eine Entwicklung, die sich bis heute fortschreibt. Und so wurde das, was von Goldmann, Prinz und anderen als (Wieder-)Beginn eines deutsch-jüdischen Gesprächs geplant war, sein eigentlicher Abschluss. Etwas Ähnliches wie die Brüsseler Diskussionsrunde vom 4. August 1966 sollte es danach nie wieder geben.


Aus: "Jüdischer Weltkongress 1966: Versöhnung?" (5. August 2026)
Quelle: https://www.zeit.de/2026/34/juedischer-weltkongress-1966-bruessel-israel-nahum-goldmann-eugen-gerstenmaier


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Quote[...] Als Holocaust (englisch, aus altgriechisch ὁλόκαυστος holókaustos, deutsch ,vollständig verbrannt') oder Schoa (auch Schoah, Shoah oder Shoa; hebräisch הַשּׁוֹאָה haŠōāh für ,,die Katastrophe", ,,das große Unglück/Unheil") wird der Völkermord bezeichnet, den das deutsche NS-Regime während des Zweiten Weltkriegs an rund zwei Dritteln aller damals lebenden europäischen Juden, insgesamt 5,6 bis 6,3 Millionen Menschen, beging.

Den endgültigen Entschluss zum Genozid fasste die nationalsozialistische Führung unter Adolf Hitler kurz nach Beginn des Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion ab dem Sommer 1941. Die SS, aber auch Teile der Wehrmacht und der deutschen Polizei sowie ihre Helfer aus den mit Hitler-Deutschland verbündeten Staaten verfolgten daraufhin bis 1945 das Ziel, alle Juden in ihrem Machtbereich systematisch zu ermorden, ab 1942 auch mit industriellen Methoden. Das Menschheitsverbrechen gründete auf dem staatlich propagierten Antisemitismus und der entsprechenden rassistischen Gesetzgebung im Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus.

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Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Holocaust

Judenverfolgung im Deutschen Reich (1933–1945)
https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Judenverfolgung_im_Deutschen_Reich_(1933%E2%80%931945)

https://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismusforschung

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Antisemitismus_bis_1945

https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Antisemitismus_seit_1945

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Quote[...] Dass die Psyche des Menschen nicht nur aus Inhalten und Strukturen bestehe, die dem Menschen bewusst sind, ist eine Grundannahme aller tiefenpsychologischen Theorierichtungen, wie sie maßgeblich von Sigmund Freud (1856–1939) und Carl Gustav Jung (1875–1961), aber auch von Eugen Bleuler (1857–1939), Alfred Adler (1870–1937) und weiteren Psychologie-Pionieren der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts entwickelt wurden. Diese Inhalte werden – auch im Anschluss an Philosophen wie Carl Gustav Carus (1789–1869) und Eduard von Hartmann (1842–1906) – als ,,das Unbewusste" bezeichnet.

Das Konzept des ,,kollektiven Unbewussten" als Hauptbereich des Unbewussten ist eine Besonderheit in der Psychologie C.G. Jungs. Er schrieb 1935 zur Unterscheidung seiner Auffassung des Unbewussten von der Psychoanalyse nach Freud:

    ,,Zunächst beschränkte sich der Begriff des Unbewußten [bei Freud] darauf, den Zustand verdrängter oder vergessener Inhalte zu bezeichnen. Bei Freud ist das Unbewußte, obschon es – wenigstens metaphorisch – bereits als handelndes Subjekt auftritt, im Wesentlichen nichts anderes als der Sammelort eben dieser vergessenen und verdrängten Inhalte und hat nur vermöge dieser eine praktische Bedeutung."

In einer späteren Ausgabe (1954) ergänzte Jung, dass Freud seine Theorie ebenfalls weiterentwickelt habe: ,,Freud hat seine hier angedeutete Grundansicht in späteren Arbeiten differenziert: die Instinktpsyche nannte er ,Es', und sein Über-Ich bezeichnet das dem Individuum teils bewußte, teils unbewußte (verdrängte) Kollektivbewußtsein." Aus Jungs Sicht enthält das kollektive Unbewusste jedoch Grundformen seelischer Entwicklung sowie einen kreativen, auf Individuation und Ganzheit zielenden Aspekt, der über die Freud'sche Verdrängungstheorie und seine Annahme einer ,,archaischen Erbschaft" in der menschlichen Psyche hinausgehe. Freud war besonders 1938 Jungs Theorieentwicklung nähergekommen, als er schrieb: ,,Darüber hinaus bringt der Traum Inhalte zum Vorschein, die weder aus dem reifen Leben noch aus der vergessenen Kindheit des Träumers stammen können. Wir sind genötigt, sie als Teil der archaischen Erbschaft anzusehen, die das Kind, durch das Erleben der Ahnen vor jeder eigenen Erfahrung mit sich auf die Welt bringt." Jung maß jedoch dem kollektiven Unbewussten eine viel weitergehende Bedeutung zu als Freud und er schrieb, dieses könne wie ein ,,zweites psychisches System, von kollektivem, nicht-persönlichem Charakter" im Menschen angesehen werden.

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Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Kollektives_Unbewusstes (21. November 2023)

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Moshe Zuckermann (* 1949) ist ein israelisch-deutscher Soziologe und emeritierter Professor für Geschichte und Philosophie an der Universität Tel Aviv. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Moshe_Zuckermann

https://www.perlentaucher.de/autor/moshe-zuckermann.html

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Quote[...] Auf ihrer ständigen, immer noch vergeblichen Suche nach Normalität sieht Zuckermann Israel und Deutschland in eine ,,pathologische Beziehung" verstrickt. Das ,,Anti-Antisemitismus-Geschrei" vieler Deutscher sowie der Umstand, dass die Sicherheit Israels zur ,,deutschen Staatsräson" erklärt wurde – beides ist laut Zuckermann als Überkompensation der Holocaust-Schuld und als ,,letzte Konsequenz aus der verbrecherischen Geschichte" zu verstehen. Eben das mache die Deutschen blind gegenüber der Tatsache, dass die einstigen Opfer mittlerweile Täter sind (weil das, so zitiert Zuckermann Henryk M. Broder, ,,mehr Spaß macht", als Opfer zu sein).

Micha Brumlik und der Zentralrat der Juden, Heiko Maas und die ,,Bild", Jutta Ditfurth und Volker Beck, allen wirft Zuckermann Anbiederung an den ,,faschisierten" Staat Israel und ideologisierten Gebrauch der Antisemitismus-Keule vor. Sein Buch ist einseitig, polemisch, mäßig strukturiert, teils psychologisch spekulativ. Palästinenser kommen nur als Opfer vor, Israels Politiker fast nur als Kriminelle, die Deutschen sind vergangenheitskrank und gegenwartsblind.

Trotzdem: Zuckermann legt den Finger in einige offene Wunden. Er macht sichtbar, wo in Deutschland und in Israel der Anti-Antisemitismus-Diskurs ins Heuchlerische umschlägt. Er sät munter Sturm und wird gewiss Gegenwind ernten.

Moshe Zuckermann: Der allgegenwärtige Antisemit oder die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit
Westend Verlag, Frankfurt am Main 2018
256 Seiten



Aus: "Polemische Kritik am deutsch-israelischen Verhältnis" Arno Orzessek (03.09.2018)
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/moshe-zuckermann-der-allgegenwaertige-antisemit-polemische-100.html

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Quote[...] »Den Schmerz der Anderen begreifen«, das neue Buch von Charlotte Wiedemann, ist ein engagiertes Plädoyer für eine neue Erinnerungskultur, für die Utopie eines »Weltgedächtnisses«. Um sich diesem Ziel anzunähern, so Annette Knaut, ist es notwendig, »den eigenen Ort des Sprechens zu verlassen« und über neue Formen grenzüberschreitender Öffentlichkeiten nachzudenken. Wie könnten derart »transkulturelle Diskursräume« aussehen? Was sind die Konturen eines »Weltgedächtnisses«? Welche Werkzeuge, welche Medien sind dafür nötig?

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Aus: "Den Schmerz der Anderen begreifen" (25.01.2023)
Quelle: https://www.ifs.uni-frankfurt.de/eventleser/den-schmerz-der-anderen-begreifen.html



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Quote[...] Charlotte Wiedemann: Den Schmerz der Anderen begreifen
Holocaust und Weltgedächtnis, Propyläen Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783549100493, 288 Seiten


Orientierung und Ermutigung zum Handeln: Wege zu einer neuen Gedenkkultur. In einem Moment, in dem hitzige Feuilleton-Debatten den Eindruck erwecken, es ginge um einen kurzlebigen Positionsstreit, stellt Charlotte Wiedemann klar: Was wir erleben, ist eine Zeitenwende - wir müssen unsere Haltung zur deutschen Geschichte aus einer kosmopolitischen Perspektive neu begründen. Das heißt: nicht-europäische, nicht-westliche Sichtweisen ebenso einbeziehen wie die Ansprüche einer jungen, diversen Generation in Deutschland. Wie lässt sich in Zukunft an den Holocaust und an die kolonialen Verbrechen erinnern? Globalhistorisch fundiert und persönlich zugleich denkt Charlotte Wiedemann die Idee des Antifaschismus neu und entwirft ein empathisches Gedenkkonzept für unsere Zeit.

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https://www.perlentaucher.de/buch/charlotte-wiedemann/den-schmerz-der-anderen-begreifen.html

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"Der utopische Raum – Den Schmerz der Anderen begreifen" Live übertragen am 25.01.2023 
Charlotte Wiedemann und Annette Knaut über den transkulturellen Diskurs als konkrete Utopie
,,Den Schmerz der Anderen begreifen", das neue Buch von Charlotte Wiedemann, ist ein engagiertes Plädoyer für eine neue Erinnerungskultur, für die Utopie eines ,,Weltgedächtnisses". Um sich diesem Ziel anzunähern, so Annette Knaut, ist es notwendig, ,,den eigenen Ort des Sprechens zu verlassen" und über neue Formen grenzüberschreitender Öffentlichkeiten nachzudenken. Wie könnten derart ,,transkulturelle Diskursräume" aussehen? Was sind die Konturen eines ,,Weltgedächtnisses"? Welche Werkzeuge, welche Medien sind dafür nötig?
Vortrag und Gespräch mit Charlotte Wiedemann, Publizistin und Reporterin, und Annette Knaut, Universität Augsburg, über den transkulturellen Diskurs als konkrete Utopie.
Die Veranstaltung findet im medico-Haus [https://de.wikipedia.org/wiki/Medico_international] statt und wird zusätzlich auf dem Youtube-Kanal von medico international gestreamt.
https://youtu.be/l2VfyMgMqfw

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Charlotte Wiedemann: Den Schmerz der Anderen begreifen
Holocaust und Weltgedächtnis, Propyläen Verlag, Berlin 2022
ISBN 9783549100493, 288 Seiten


Berührendes und wichtiges Buch (Bewertet in Deutschland am 22. Februar 2024)

Die Autorin betrachtet eine schwierige Frage aus verschiedenen Blickwinkeln. Sie zeigt uns die blinden Flecken unserer Erinnerungskultur auf sowohl bzgl. des Holocaust als auch des Kolonialismus. Das Buch ist in einem ruhigen, nachdenklichen Ton geschrieben, stellenweise sehr berührend, stellenweise aufrüttelnd. Ich habe mir sehr viele Sätze markiert, weil ich sie bemerkenswert fand oder sie mir eine Perspektive aufzeigen, die tatsächlich in meinem Geschichtsbild noch nicht vorkam.

Die Autorin hat das Buch mit Empathie und mit Expertise geschrieben und dabei viele Stimmen zitiert, die den Ereignissen näher stehen als sie selbst. Ich mag die Selbstreflexion, die Art, wie sie keine schon gefestigte Meinung predigt, sondern sich vorsichtig vortastet zu Urteilen, um sie danach selbst wieder zu hinterfragen. Eine Art des Nachdenkens, von der wir alle in heutigen aufgeregten Debatten mehr gebrauchen könnten.


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Quote[...] Moshe Zuckermann besuchte in Frankfurt ein humanistisches Gymnasium und beschäftigte sich intensiv mit Musik und Malerei. ,,Meine große Lebensleidenschaft war die Kunst. Ich glaube das ist das, was ich am besten kann". Er interessierte sich immer auch für die Geisteswissenschaften, beschäftigte sich mit Musiktheorie, las begeistert unter anderem Texte von Theodor W. Adorno oder Max Horkheimer.

Vom Zionismus bewegt, kehrte er schließlich mit 20 Jahren nach Tel Aviv zurück. Er kam mit großen Hoffnungen auf eine friedliche Entwicklung Israels. ,,Die Zionisten war humanistisch ausgerichtet. Ich bin im Gegensatz zu vielen Juden nicht religiös ausgerichtet. Ich habe mich immer am Menschen orientiert. Darum auch später die Soziologie, die Psychologie, die Philosophie." Nach seinem Studium ging er als Soziologe ausgerechnet zur Luftwaffe, wo er die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander beobachten sollte, bevor er schließlich an die Universität wechselte.

Der heute fast 70-jährige Intellektuelle erforscht immer aufs Neue Schmerzpunkte im israelischen und deutschen kollektiven Bewusstsein. Er organisierte die erste internationale wissenschaftliche Konferenz zu Richard Wagner in Israel, veröffentlichte unter dem Titel ,,Wider den Zeitgeist" Aufsätze und Gespräche über Juden, Deutsche, den Nahostkonflikt und Antisemitismus und identifizierte den Antisemitismus-Vorwurf als Herrschaftsinstrument.

Jetzt ist sein Buch ,,Der allgegenwärtige Antisemit oder die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit" erschienen, für das er derzeit hart angegriffen wird. Das geht so weit, dass dem Sohn von Holocaust-Überlebenden Antisemitismus vorgeworfen wird; unter anderem, weil er einerseits die Politik seines Landes schonungslos kritisiert, aber auch den Umgang der Deutschen mit dem Antisemitismus sehr kritisch ins Visier nimmt. Dabei betont er, dass der Antisemitismus ,,soweit es ihn in Deutschland als Bodensatz gibt, natürlich bekämpft gehört, genauso wie Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie". Es gehe ihm vielmehr um die ,,manipulative Verwendung des Vorwurfs des Antisemitismus an Menschen die nicht antisemitisch sind, die aber als solche ausgegrenzt werden zu fremden Zwecken, die gar nichts mit dem Holocaust zu tun haben – und das hat sich in Deutschland in einer Art und Weise etabliert." Das mache ihm große Sorgen, ,,nicht nur aus der persönlichen Erfahrung, sondern weil ich meine, dass mit diesem Phänomen im Grunde alles unterwandert ist, was eine Gedenkkultur zu sein hätte".

Sein Hauptanliegen sei es zu differenzieren. So seien Juden, Israel und Zionismus drei Paar Schuhe und Antisemitismus, Antizionismus und Israelkritik ebenfalls. ,,Und das aus einem ganz einfachen Grund, weil nicht alle Juden Zionisten sind. Nicht alle Zionisten Israelis sind und nicht alle Israelis Juden sind."

Auf der Suche nach Orten für seine Lesungen seien 80 ,,Raumverbote" gegen ihn ausgesprochen worden, erzählt der Sohn von Holocaust-Überlebenden. Das treffe ihn sehr, sagt Zuckermann – und ergänzt: ,,Dass mittlerweile Raumverbote ausgesprochen werden, sollte den Deutschen was zu denken geben wie sie sich mit der Vergangenheit auseinander setzen".

Auf die Frage, ob er als scharfer Kritiker seines Landes nicht fürchte, ,,Beifall von der falschen Seite zu bekommen", sagte er ,,Im Gespräch": ,,Es gibt keine falsche Seite mehr, denn mittlerweile ist die AfD israelfreundlich und judenfreundlich geworden. Und wenn ich von dieser Seite nicht mehr kriege, was ich früher von der NPD noch bekommen habe, dann haben sich die Koordinaten von Grund auf verschoben."

Sein Zorn, der sich nicht nur in seinen Büchern Bahn bricht, gründet in seiner tiefen Enttäuschung über das Scheitern seiner Idee vom Zionismus. Doch ganz und gar ist seine Hoffnung auf einen friedlichen Staat Israel noch nicht gestorben: ,,Für mich wäre die Kohabitation zwischen Juden und Arabern wie es sie in Haifa gibt, die Möglichkeit zu denken, dass sich alles nochmals zum Besseren wendet."


Aus: "Schmerzpunkte im israelischen und deutschen Bewusstsein erforschen" (19.10.2018)
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/soziologe-moshe-zuckermann-schmerzpunkte-im-israelischen-100.html

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Quote[...] Dem kamerunischen Postkolonialismus-Theoretiker und Historiker Achille Mbembe wird von Felix Klein, dem Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, vorgeworfen, den Holocaust zu relativieren und die vom Bundestag als antisemitisch eingestufte Kampagne ,,BDS" zu unterstützen. Mbembe weist beides entschieden zurück.

Der israelische Historiker Moshe Zuckermann verteidigt Mbembe jetzt und meint, besagte Vorwürfe hätten weniger etwas mit Mbembe zu tun, als vielmehr mit ,,deutschen Befindlichkeiten": In Deutschland habe man das Gedenken an den Holocaust und den Kampf gegen Antisemitismus ,,dermaßen verhunzt", ,,dass man noch nicht begriffen hat, dass Israel, Zionismus und Judentum drei paar Schuhe sind. Was auch – negativ gewendet – heißt, dass Antizionismus, Antisemitismus, Israelkritik drei paar Schuhe sind."

Kritik an Israel sei deswegen nicht gleichzeitig antisemitisch. Auch ein Vergleich des Umgangs Israels mit den Palästinensern mit dem Apartheidregime Südafrika hält Zuckermann für zulässig.

Es gehe nicht darum, ob Menschen wie Achille Mbembe oder er selbst Antisemiten seien, sagt Zuckermann, sondern um ,,die Tatsache, dass man wieder von Deutschland aus bestimmt, wer Jude ist und wer nicht Jude ist, und wer Antisemit ist und wer nicht Antisemit ist, und sich dabei gar nicht die Frage stellt: Was betreibt Israel, dass es dazu führt, dass es zu diesen Strategien und zu dieser Kritik kommt?"

(ckr)



Aus: ",,Antizionismus, Antisemitismus und Israelkritik sind drei Paar Schuhe""
Moshe Zuckermann im Gespräch mit Johannes Nichelmann | 25.04.2020
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/moshe-zuckermann-zur-debatte-um-mbembe-antizionismus-100.html


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... Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung entblödete sich nicht, den Antisemitismus selbst einem kritischen jüdischen israelischen Bürger anzuhängen. Man kann sich zunehmend des Gefühls nicht erwehren, dass etwas mit der anfangs vielversprechenden Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit schiefgegangen ist. ...

Quote[...] Moshe Zuckermann wuchs als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universität Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut für deutsche Geschichte leitete.

Das Verhältnis Deutschlands zu Israel war von Anbeginn abstrakten Charakters. Das nimmt sich insofern merkwürdig aus, als dieses Verhältnis zugleich von einer Materialisierung der Sühne geprägt war. Das Verbrochene verwandelte man in einen beidseitig angenommenen Tauschwert. Millionenfach gemordetes Menschenleben ließ sich am leichtesten ausbezahlen.

Schwieriger war da der mentale Umgang mit der historischen Katastrophenlast. Entstanden war dadurch eine Gedenkkultur, die – bei allem, was sie an Positivem hervorgebracht hat – die Juden (und den mit ihnen gleichgesetzten Zionismus und eben auch Israel) als begrifflich-unlebendige Kategorien behandeln musste.
Da man im wirklichen Leben nichts "wiedergutmachen" konnte, umging man diese Hürde, indem man die Juden, den Zionismus und Israel gleichsam tabuisierte und deren Unberührbarkeit zum ideologischen Fetisch erhob.

Nun stellte sich aber in den Jahrzehnten dieser bilateralen Beziehung heraus, dass das, was unantastbar bleiben sollte – namentlich das zionistische Israel – sich selbst Verbrecherisches hat zuschulden kommen lassen. Und je mehr sich dieses Verbrecherische erweiterte und verfestigte, desto abstrakter (das heißt: realitätsabgewandter und ideologisch verblendeter) mussten die Urheber des Verbrechens von Deutschen behandelt werden – und zwar so sehr, dass man sich zuweilen fragt, ob die Platzhalter der deutschen Politik in diesem Zusammenhang noch ganz bei Trost seien.

Gefragt sei: Was muss nach der über 50-jährigen Okkupations-Barbarei, nach der Etablierung eines israelischen Apartheidregimes im Westjordanland, nach der Legitimierung eines grassierenden Alltagsrassismus, der systematischen Unterprivilegierung des arabischen Bevölkerungsteils Israels und der schier unübersehbaren Anhäufung von Vergehen Israels gegen das Menschen- und Völkerrecht noch alles passieren, damit man selbst in Deutschland aufwacht und sich fragt, was man da eigentlich unterstütze? Mit wem man sich solidarisiere? Wen man gegen jedwede Kritik in Schutz nehme und wessen Sicherheit man zur deutschen Staatsräson erhoben habe?

Diese Frage stellt sich mit umso größerer Dringlichkeit, als im Jahr 2023 in Israel eine Regierungskoalition entstand, deren Hauptführer kahanistisch-faschistischen, ungeschminkt rassistischen, fundamental-klerikalen und theokratisch-chauvinistischen "Werten" das Wort reden – angeführt von einem Premier, der der Korruption, des Betrugs und der Veruntreuung angeklagt ist, mithin alles bereit ist hinzunehmen, um mit dieser ihn am Kragen packenden Koalitions-Bande seinem Prozess zu entgehen.

Nach dem versuchten, sich als Justizreform gebenden Staatsstreich der Netanjahu-Koalition kam der 7. Oktober, die größte Katastrophe, die der Staat Israel seit seinem Bestehen erfahren hat, und deren Folgen noch unabsehbar sind. Wenngleich jetzt schon gesagt werden kann, dass die Mitverantwortung der Regierung, des Militärs und der Geheimdienste groß ist.

Israel hat auf das Fiasko mit einer militärischen Vehemenz reagiert, die Zigtausende palästinensische Zivilisten ermordete, unter ihnen viele Tausende Frauen und Kinder, die Verwüstung großer Teile des Gazastreifens und eine unsägliche humanitäre Katastrophe zur Folge hatte.

Die terroristische Hamas, Verursacherin der Angriffe am 7. Oktober, wurde von Netanjahu über Jahre unterstützt – aus politischem Kalkül, um die Palästinenser politisch zu spalten und um die Errichtung eines palästinensischen Staates zu verhindern.

Versucht man all dies aber im heutigen Deutschland zur Sprache zu bringen und öffentlich zu erörtern, wird man sofort bezichtigt, antisemitisch beziehungsweise von "jüdischem Selbsthass" angefressen zu sein. Der Antisemitismus-Beauftragte der Bundesregierung entblödete sich nicht, den Antisemitismus selbst einem kritischen jüdischen israelischen Bürger anzuhängen. Man kann sich zunehmend des Gefühls nicht erwehren, dass etwas mit der anfangs vielversprechenden Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit schiefgegangen ist.


Aus: "Ist die deutsche Politik noch ganz bei Trost?"
Ein Kommentar von Moshe Zuckermann | 28.05.2024
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/moshe-zuckermann-kommentar-israel-deutschland-100.html


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Quote[...] Es ist ein beispielloser Eklat und ein neuer Tiefpunkt in der Diskussion über Israel und Antisemitismus in Deutschland: Der Faschismus-Theoretiker Jason Stanley hat am 9. November eine Rede in der Westend-Synagoge in Frankfurt gehalten. Seine Aussagen über Israel und Gaza sowie zum Diskursklima in Deutschland passten offenbar Mitgliedern der jüdischen Gemeinde in Frankfurt nicht, weshalb man ihn während seiner Rede aus der Synagoge hinauswarf.

Auf ihrer Homepage hatte die Gemeinde den Auftritt das Gastredners aus den USA noch so angekündigt: ,,Der Sohn jüdischer Schoa-Überlebender zählt zu den weltweit einflussreichsten Intellektuellen im Bereich politischer Ideologien, Antisemitismus und Erinnerungskultur." Marc Grünbaum, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, betonte da noch: ,,Als Jüdische Gemeinde ist es uns ein besonderes Anliegen, diese Themen sichtbar zu machen und Stimmen wie die von Stanley Raum zu geben, die sich mit großer Klarheit für Demokratie, Verantwortung und Menschlichkeit einsetzen." Was Stanley dann vortrug, war offenbar nicht nach dem Geschmack von Teilen des Publikums.

,,Ein Teil der Anwesenden hat mich regelrecht angebrüllt", sagt Stanley im Gespräch mit der FR zwei Tage später. Es habe Phasen gegeben, in denen nur noch geschrien worden sei. Schließlich sei ein Vertreter der Jüdischen Gemeinde Frankfurt auf das Podium gekommen und habe ihn aufgefordert, abzubrechen und zu gehen. Er sei dann, so schildert er es, durch einen Seitenausgang aus dem Gebäude und direkt in sein Hotel zurück. Die Situation habe er als außerordentlich bedrohlich und verstörend erlebt – in dieser Form sei ihm so etwas noch nie passiert.

Die Gemeinde distanzierte sich am nächsten Tag offiziell von ihm. Seine Rede enthalte ,,relativierende Vergleiche". Was damit gemeint sei, blieb unklar. Stanley hält dem entgegen, in der Erklärung fehle jeder konkrete Hinweis darauf, welcher Teil seiner Ausführungen angeblich verharmlosend oder sachlich falsch gewesen sei. Eingeladen worden sei er, um über seine Familiengeschichte und die Reichspogromnacht zu sprechen, erinnert er. Nun sei er ausgerechnet am Jahrestag dieser Nacht von der Bühne gebeten worden – eine Geste, die er als grob unhöflich und, angesichts des Anlasses, auch als bitter ironisch empfinde.

Stanleys Rede war kein Angriff auf Israel, keine Verteidigung der Hamas, keine politische Provokation. Sie war ein Plädoyer für die Freiheit des Denkens – und eine Reflexion über die doppelte Herkunft seiner Familie: die polnisch-jüdische Mutter, die nach dem Holocaust in Israel Schutz suchte, und den deutsch-jüdischen Vater, der jeden Staat, der Religion privilegiert, für falsch hielt. Seine Eltern, erzählt Stanley, seien in der Frage, was Israel für Juden bedeutet, grundsätzlich unterschiedlicher Auffassung gewesen: Die Mutter habe den jüdischen Staat als Zufluchtsort erlebt, der ihr zum ersten Mal das Gefühl gegeben habe, bewaffnete Kräfte stünden auf ihrer Seite. Der Vater hingegen, ein deutsch-jüdischer Intellektueller, habe einen Staat, der eine Religion bevorzugt, immer mit Skepsis betrachtet und in der Behandlung der Palästinenser als Bürger zweiter Klasse etwas erkannt, das ihn an die eigene Familiengeschichte erinnerte. Genau solche innerjüdischen Auseinandersetzungen, so betont er, müssten möglich sein und geführt werden können.

Das war es wohl, was dem Frankfurter Publikum zu weit ging. Stanleys Rede erinnerte an eine Tradition, die älter ist als der Staat Israel – und heute in Deutschland zunehmend vergessen wird: die deutsch-jüdische Aufklärung. Moses Mendelssohn, Leo Baeck, Hannah Arendt – sie alle verbanden das Besondere mit dem Allgemeinen, die Erfahrung des Jüdischen mit der Idee der Menschheit. ,,Das Judentum", schrieb Leo Baeck 1905, ,,spricht vom guten Menschen, nicht vom guten Juden." Religion sei nicht Bekenntnis, so Stanley, sondern Verantwortung. Aus dieser Ethik erwuchs die Überzeugung, dass kein Mensch bevorzugt werden dürfe – auch nicht die eigenen Leute.

Genau diese universalistische Haltung gilt heute in Deutschland als verdächtig, befand Stanley. Masha Gessen, jüdische Publizistin und Holocaust-Nachfahrin, sollte in Bremen den Hannah-Arendt-Preis erhalten. Die Preisverleihung wurde abgesagt, weil Gessen in einem Essay eine Analogie zwischen Gaza und dem Warschauer Ghetto gezogen hatte. Hannah Arendt selbst hätte Ähnliches geschrieben – und wohl denselben Skandal ausgelöst, vermutet der Faschismus-Experte in seiner Rede in Frankfurt.

Stanley formuliert es so: Eine Denkerin wie Hannah Arendt hätte mit ihren Texten in der aktuellen deutschen Debatte kaum noch eine Bühne, für Albert Einstein, der sich für einen binationalen Staat einsetzte, gelte das Gleiche. Die Reaktion der jüdischen Gemeinde am 9. November zeigt es allzu klar: Wer Israels Politik kritisiert, gerät rasch in den Verdacht des Antisemitismus – selbst dann, wenn er selbst jüdisch ist. Damit nehmen sich nichtjüdische Mehrheiten faktisch das Recht heraus zu definieren, wer als ,,richtiger Jude" zu gelten habe. Stanley sagt, ihm sei von Kindesbeinen an vermittelt worden, genau dieses Verhalten sei antisemitisch – und besonders schwer erträglich werde es, wenn es ausgerechnet von Deutschen komme.

Stanley gehört zu jenen Philosophen, die Widersprüche nicht glätten, sondern aushalten. Als er die USA nach Trumps Wahlsieg verließ, warnte er vor einem Rückfall in bekannte faschistische Muster: die Konstruktion von Feindbildern, der Opfermythos, die Sehnsucht nach ethnischer Homogenität. Dieselben Mechanismen seien heute weltweit zu beobachten – auch in Deutschland.

Besorgniserregend sei, so formuliert er es, dass jüdische Stimmen offenkundig nicht mehr selbstverständlich kontrovers diskutieren könnten, ohne zum Schweigen gebracht zu werden. Zur Meinungsfreiheit gehöre, dass eine Rede überhaupt gehalten und zu Ende gebracht werden dürfe. Der Liberalismus, den Stanley verteidigt, ist nicht bequem. Er verlangt, die eigenen Ängste nicht zum moralischen Maßstab zu erheben. Er verlangt, zwischen Antisemitismus und Kritik zu unterscheiden.

,,Das, was am 9 November in der Synagoge passiert ist, macht mich traurig und wütend! Jason Stanley so zu behandeln, ist einer liberalen jüdischen Gemeinde nicht würdig!", sagte Daniel Cohn-Bendit der FR. Der Antisemitismus-Forscher Wolfgang Benz bezeichnete den Vorgang als ,,unglaublich". Er sagte der FR: ,,Der Vorfall in der Frankfurter Synagoge steht nicht für sich allein. Er markiert vielmehr den vorläufigen Höhepunkt einer schleichenden Verschärfung des öffentlichen Klimas, in dem über Israel, Gaza und Antisemitismus kaum noch frei gesprochen werden kann. Immer häufiger werden Redner ausgeladen, Debatten abgebrochen, Veranstaltungen gesprengt – mit der Begründung, Kritik an der israelischen Regierung könne antisemitisch verstanden werden."

Benz verwies im Gespräch mit der FR auf den Fall des israelischen Philosophen Omri Böhm, ,,der auf Betreiben des israelischen Botschafters von einem Weimarer Podium ausgeladen wurde, noch bevor er überhaupt das Wort ergriffen hatte. Die frühere Präsidentin der Freien Universität Berlin, die zum 75. Jahrestag der christlich-jüdischen Gesellschaft sprechen sollte, kündigte an, sie werde den Gaza-Krieg erwähnen. Man versicherte ihr, das sei in Ordnung. Als sie dies dann tatsächlich tat, verließen einige Funktionäre demonstrativ den Saal."

All dies seien Symptome einer neuen, autoritären Empfindlichkeit, so Benz. ,,In der deutschen Debatte über Israel scheint sich ein Monopol herauszubilden: Richtig ist, was der Zentralrat, was offizielle Repräsentanten der Gemeinden für richtig erklären. Alles andere, jede Abweichung, gilt als verdächtig, als ,Relativierung', als latent antisemitisch", erklärte Benz.

,,Wer in diesem Klima Differenz wagt, riskiert nicht nur Widerspruch, sondern soziale Ächtung. Viele, auch jüdische Intellektuelle, ziehen sich deshalb aus öffentlichen Debatten zurück, um nicht zum Gegenstand moralischer Verdächtigungen zu werden. Unter sich wird dann leise und mit bitterer Klarheit gesprochen – über den Krieg in Gaza, über die Eskalation, über das, was unaussprechlich scheint. Doch in der Öffentlichkeit herrscht Schweigen."

Gerade darin liege die eigentliche Gefahr. Denn wenn eine Gesellschaft abweichende Meinungen nicht mehr erträgt, wächst das Ressentiment im Verborgenen. Der alte Mechanismus, den schon Theodor W. Adorno und Gordon Allport beschrieben: Unterdrückte Gedanken verschwinden nicht, sie verwandeln sich in Abneigung – in diesem Fall in latenten Antisemitismus, genährt durch das Gefühl, man dürfe ,über die Juden nichts sagen'".

Das sei die paradoxe Dynamik unserer Gegenwart: ,,Aus Angst vor Antisemitismus droht Deutschland ein Diskursklima zu entwickeln, das selbst Ressentiments befördert. Und ausgerechnet jene, die im Namen der Erinnerung reden, verengen den Raum der Rede." Der Eklat um Jason Stanley sei nur das sichtbar gewordene Symptom.


Aus: "Faschismus-Experte Jason Stanley aus Synagoge in Frankfurt geworfen: Zum Schweigen gebracht" 11.11.2025 (Michael Hesse)
Quelle: https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/faschismus-experte-jason-stanley-aus-synagoge-in-frankfurt-geworfen-94032638.html

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"Unser Vermächtnis" Gastbeitrag Von Jason Stanley (11.11.2025)
Abraham Pisarek fotografierte die 1912 geweihte Synagoge in der Berliner Fasanenstraße im März 1950.
Ein Jude, schrieb der liberale Rabbiner Leo Baeck, fragt nicht, was er glauben soll, sondern was er tun soll. Was sollen wir heute tun? Eine Rede, die am 9. November in der Frankfurter Synagoge nicht vollständig vorgetragen werden konnte. ...

https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/jason-stanley-zum-9-november-110774123.html

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Jason Stanley, ist ein US-amerikanischer Philosoph und Faschismusforscher. Bis 2025 lehrte er an der Universität Yale und kündigte wenige Wochen nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten an, nach Kanada an die Universität Toronto zu wechseln. Als Begründung sagte er auch, die USA würden auf eine faschistische Diktatur zusteuern.

"Streit um Gedenken zum 9. November,,Leute im Publikum haben mich angeschrien"" Interview von Stefan Reinecke (10.11.2025)
Der US-Philosoph Jason Stanley sollte in der Jüdischen Gemeinde Frankfurt eine Rede halten. Sie wurde abgebrochen. Stanley ist schockiert.
....
taz: Die Jüdische Gemeinde in Frankfurt hatte Sie eingeladen ...
Stanley: ... und sie hätte dafür sorgen sollen, dass ich meine Rede zu Ende halten kann. Es ging darin um die Reichspogromnacht und das Erbe des Liberalismus. Dazu gehört auch die Meinungsfreiheit. Zur Meinungsfreiheit gehört, dass es möglich sein muss, Reden zu Ende halten. Der Streit und Meinungsfreiheit sind zentral für das Jüdische. Sehen Sie, meine Eltern waren bei der Frage, was Israel ist, uneins. Meine Mutter, eine polnische Jüdin, war angetan von dem jüdischen Nationalstaat. In Israel sagt sie zu meinem Bruder: ,,Als ich klein war, waren alle bewaffneten Menschen gegen mich, sie waren meine Feinde, und ich hatte Angst. Hier sind alle bewaffneten Menschen auf meiner Seite." Mein Vater, ein deutsch-jüdischer Intellektueller, war kritisch gegenüber einem Staat, der eine Religion bevorzugte. Er lehnte die Gründung des Staates Israel nicht ab, hielt aber die Behandlung der Palästinenser als Bürger zweiter Klasse für völlig falsch. Solche Debatten muss man führen können.
https://taz.de/Streit-um-Gedenken-zum-9-November/!6128718/

QuoteBrombeertee

12.11.2025, 23:41 Uhr

Inzwischen hab ich nicht nur den Artikel hier, sondern auch den in der Jüdischen Allgemeinen, https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/niemand-hat-jason-stanley-von-der-buehne-gejagt/ gelesen - und somit keine Klarheit über das tatsächliche Geschehen, weil sie sich zum Teil widersprechen.

Aber es entsteht ein Bild: dass da ein Redner die Debatte gesucht hat, wo - jedenfalls für einen Teil der Zuhörer*innen - die Vergewisserung, die Bestärkung dran war. Ich denke, dass manche jüdische Menschen einfach ganz viel Angst haben, was passieren wird, ob der Faschismus wiederkommt, ob sie wieder physisch verfolgt werden und besser das Land verlassen; wenn sie zurückblicken auf die Pogromnacht - und wir wissen alle, dass dann der Holocaust gefolgt ist - weckt dies Angst und der Europa- und Weltweite Rechtsruck verstärkt die Angst. Wer also Empathie, Verstehen, Zuspruch, Trost, Stärkung gesucht hat, wurde enttäuscht. Und vermutlich wurden einige sehr wütend.

Diese Annahme passt wohl so ungefähr zu beiden Sach-Darstellungen (taz, JA). Was die Intention der veranstaltenden Gemeinde war, bleibt unklar.


Quotechat cat

12.11.2025, 17:22 Uhr

In der "Jüdischen Allgemeinen" wird die gesamte Situation bzw. der Ablauf und das Ende des Vortrags komplett gegensätzlich dargestellt.

Tatsächlich kann man als Außenstehende(r) ohne Videoaufnahme zu keinem Schluss kommen. Der (besonders) wunde Punkt ist wohl die nicht eindeutige Distanzierung Stanleys von der These "Gaza ist wie das Warschauer Ghetto".

Ich kann die verletzten Gefühle der Gemeinde zum Teil nachvollziehen. Ich würde es trotdem begrüßen, wenn nicht immer das gleiche vorwurfsvolle Vokabular verwendet würde: "Unwahrheiten, infam, bösartig, dämonisierend, vorsätzlich missbrauchte Einladung für eigene Zwecke, usw." Stanley wurde hochgelobt angekündigt, seine strittigen, unbequemen Positionen waren bekannt. Jetzt wird nicht nur der Vortrag, sondern auch der Mensch Stanley vollkommen abgewertet, er allein trägt die Schuld.


QuoteOma

12.11.2025, 01:38 Uhr

Eine Trauerfeier ist keine Podiumsdiskussion. Es ging bei der Veranstaltung in der Frankfurter Synagoge nicht um Israel oder Gaza, sondern um das Gedenken an die Opfer der Reichskristallnacht, unschuldige Menschen, die fürchterlichste Demütigungen und Grausamkeiten erleiden mussten. Sie waren weder für Zionismus noch Israel verantwortlich, genauso wenig wie die heute in Deutschland lebenden Juden, die sich trotzdem ständig für die Politik Netanjahus rechtfertigen sollen und tagtäglich Antisemitismus ausgesetzt sind. Wie ätzend das ist, kann man sich wohl vorstellen.

Ist es so schwierig, wenn man eine Gedenkveranstaltung für die Opfer von damals besucht, seine schlauen Gedanken zu Zionismus, Israel usw. mit Rücksicht auf die anwesenden Trauernden ausnahmsweise mal zwei Stunden lang außen vor zu lassen?

Wenn man das nicht hinkriegt, geht man eben nicht hin. Gesprächsformate zu Israel und Gaza gibt es wie Sand am Meer, die sind der passende Ort, um seine Thesen zum Palästinakonflikt auszubreiten.

Es geht hier nicht um Meinungsfreiheit, sondern um Taktgefühl und gutes Benehmen.

Den Redner niederzubrüllen, ist natürlich auch nicht die feine Art. Hüsteln hätte m.E. genügt.


QuoteKlabauta

11.11.2025, 10:38 Uhr

Erinnert mich an Omri Boehms abgesagte Rede in Buchenwald. Die hiesige Diskussionskultur ist völlig auf den Hund gekommen, kann man nicht anders sagen. ...


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Ein Skandal in Frankfurt?
11 Nov. 2025 · 5 Minuten · Chajm Guski
Die taz thematisiert am 10. November (2025) einen Skandal. Professor Jason Stanley erzählt, er hätte eine Rede in der Frankfurter Synagoge halten sollen. Die Überschrift nimmt vorweg, was geschah: »Leute im Publikum haben mich angeschrien« ...
https://www.sprachkasse.de/blog/5786/cheschwan/20/frankfurt_stanley/

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Quote[...] Es war ein Statement. Zum Prozessauftakt gegen sieben Antifaschist*innen vor dem Oberlandesgericht Dresden am vergangenen Dienstag betrat der Hauptbeschuldigte Johann G., in Handschellen und von Wachleuten hereingeführt, den Verhandlungssaal in einem grünen Shirt, darauf das Logo des israelischen Ravefestivals ,,Nova". Das Festival, auf das Hamas-Terroristen im Oktober 2023 ein Massaker mit gut 360 Toten verübten – einer der Ausgangspunkte des jüngsten Nahostkriegs.

Nun gibt es dazu ein Nachspiel: Denn die JVA Dresden, in welcher der 32-Jährige in Untersuchungshaft sitzt, beschlagnahmte laut Auskunft seiner Verteidiger*innen nach G.s Auftritt im Gericht das besagte ,,Nova"-Shirt – weil es für Unruhe in dem Gefängnis sorgen könnte.

Die JVA Dresden wollte sich zu dem Vorgang nicht äußern. Aus Gründen des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte mache man zu einzelnen Gefangenen keine Angaben, sagte eine Sprecherin der taz. Sie erklärte aber, dass grundsätzlich in der JVA Kleidung untersagt werden dürfe, wenn sie verboten oder verfassungsfeindlich sei oder wenn damit ,,eine Botschaft gesendet werden soll, die das geregelte Zusammenleben in der Anstalt gefährdet". In der JVA Dresden seien Gefangene unterschiedlicher Ethnien und Nationen untergebracht, die dabei berücksichtigt werden müssten, so die Sprecherin. Wenn mit Kleidung etwa zu Hass oder Gewalt aufgerufen werde oder Religionszugehörigkeiten diskriminiert würden, könne das Tragen untersagt werden.

Die Verteidiger*innen von Johann G. haben für die Beschlagnahmung keinerlei Verständnis. ,,Dass ein Kleidungsstück, auf dem nichts weiter abgedruckt ist als der Name des Festivals, dessen Besucher am 7. Oktober 2023 Opfer des größten Verbrechens an Jüdinnen und Juden seit dem Holocaust wurden, nach Ansicht der Verantwortlichen der JVA Dresden die Sicherheit und Ordnung einer Justizvollzugsanstalt in Deutschland beeinträchtigen soll, ist eine kaum zu ertragende Argumentation", kritisierte Martin Schaar, einer der Anwälte. ,,Wir werden einen Antrag an die zuständige Strafvollstreckungskammer stellen, um dies überprüfen zu lassen."

Auch zum Prozessauftakt hatte das ,,Nova"-Shirt von Johann G. für Aufsehen gesorgt – und für Diskussionen in der linken Szene. In Social-Media-Beiträgen lobten einige dieses als Zeichen gegen Antisemitismus, andere kritisierten G. als ,,Zionisten". Politisch hatte sich der Leipziger schon vorher innerhalb der Antifa-Szene positioniert. Er soll auch Teil der ,,Nakam"-Graffiti-Crew gewesen sein, was die Gruppe einerseits mit ,,Nazis kaputt machen" übersetzte, sich andererseits aber auf eine gleichnamige jüdische Gruppe bezog, die nach 1945 Rache für die NS-Verbrechen nehmen wollte. Nakam steht hebräisch für ,,Rache".

In dem Dresdner Prozess wird Johann G. von der Bundesanwaltschaft vorgeworfen, mit fünf Mitangeklagten eine kriminelle Vereinigung gebildet zu haben, die von 2018 bis 2023 mehrere schwere Angriffe auf Rechtsextreme verübte. Ein weiterer Angeklagter gilt als Unterstützer. Johann G. soll laut Anklage eine ,,herausgehobene Stellung" gehabt, soll Trainings, Ausspähungen und Angriffe organisiert haben und bei fast allen Taten dabei gewesen sein.

Vor seiner Festnahme am 8. November 2024 war Johann G. fast vier Jahre abgetaucht. Zu den Vorwürfen schweigt er bisher. Seine Verteidiger*innen kritisierten zu Prozessbeginn eine Vorverurteilung von G.: durch Festlegungen in einem früheren Prozess gegen vier weitere Antifaschist*innen, darunter seine Ex-Verlobte Lina E., durch Medienberichte und durch seine Haftbedingungen.

Tatsächlich hatte die JVA Dresden Johann G. direkt nach seiner Festnahme unter strengsten Bedingungen inhaftiert. So wurde G. anfangs in einem besonders geschützten Sicherungshaftraum untergebracht und stand mit einer sogenannten Sitzwache unter Dauerbeobachtung. Wenn er die Zelle verlassen durfte, wurden seine Hände und Füße gefesselt. Über mehrere Wochen befand sich Johann G. in ,,Absonderung", durfte keine anderen Gefangenen treffen oder an Gemeinschaftsveranstaltungen teilnehmen. ,,Unser Mandant befand sich praktisch in Isolationshaft", kritisierte Anwalt Schaar. Er und seine Mitverteidiger*innen hatten gegen diese Auflagen geklagt – und zuletzt Recht bekommen. Das Oberlandesgericht Dresden erklärte nach Schaars Auskunft die Maßnahmen nachträglich für rechtswidrig.

Im Prozess vor dem Oberlandesgericht Dresden drohen Johann G., der einschlägig vorbestraft ist, derweil mehrere Jahre Haft – auch weil die Bundesanwaltschaft zwei der Angriffe auf Rechtsextreme, in Dessau-Roßlau und Erfurt, als versuchten Mord wertet. Die Verteidiger*innen ziehen vor allem bei diesen beiden Angriffen jedoch die angeführten Indizien in Zweifel, dass G. am Tatort war – ein vermeintlicher DNA-Treffer und Videoaufnahmen der vermummten Angreifer durch Passanten.

Die Vorwürfe gegen G. seien schwer und man nehme sie sehr ernst, sagte seine Anwältin Kristin Pietrzyk zu Prozessbeginn. Man erwarte aber auch, dass das Gericht ernsthaft prüfe, ob diese Vorwürfe stichhaltig seien oder auf Mutmaßungen beruhten.

Der Prozess gegen Johann G. und die sechs Mitangeklagten geht am Montag weiter. Wegen der vielen Tatvorwürfe sind bisher Prozesstermine bis ins Jahr 2027 angesetzt.


Aus: "JVA beschlagnahmt ,,Nova"-Shirt von Antifa-Inhaftiertem" Konrad Litschko (30.11.2025)
Quelle: https://taz.de/Beschuldigter-Linker-Johann-G/!6133539/

Das Massaker während des Supernova-Festivals am 7. Oktober 2023 war ein Terrorakt der radikalislamischen Hamas im Rahmen ihres Terrorangriffs auf Israel, bei dem schwerbewaffnete Terroristen nach Durchbrechen der Grenzanlagen das laufende Psytrance-Festival Supernova Sukkot Gathering in der Nähe des Kibbuz Reʿim im Gebiet der Regionalverwaltung Eschkol angriffen. 378 Menschen, darunter 344 Zivilisten und 34 Sicherheitskräfte, wurden getötet und 44 Besucher als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt; 16 davon waren zum Zeitpunkt ihrer Entführung bereits tot, verstarben in der Gefangenschaft oder wurden dort ermordet. 25 weitere Geiseln wurden befreit oder im Zuge von Verhandlungen freigelassen, darunter am 13. Oktober 2025 die letzten elf noch lebenden Entführten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Massaker_w%C3%A4hrend_des_Supernova-Festivals


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Why a Diaspora Alliance?
We hear a deep yearning and need for spaces where Jewish people and diasporic communities around the world can find each other, reject zero-sum approaches, and work towards a vision and politics rooted in internationalism, diasporism, and solidarity.
We work internationally with Jews and other diasporic and minority communities towards a world rooted in solidarity instead of division, possibility instead of fear. We engage with Jews and our allies who seek a world of freedom, dignity, and justice for all peoples, wherever they live.  ...
In the increasingly high-stakes and widespread battle between nationalism and democracy, Jewish identity, histories, and present-day fears are being used to justify attacks on civil society and advance deeply inhumane political agendas and policies. Our organization has come together to reject these tactics wholesale and instead seek effective ways to disrupt and dismantle antisemitism while enhancing civil society, human rights, and justice for all.
Developing a robust understanding of antisemitism and how it operates across the political spectrum is vital for all those who want to safeguard the values of a healthy, inclusive democracy, especially in this moment where antisemitic behaviors and attitudes have become more prevalent.
https://diasporaalliance.co/

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"Zur Kritik der Freiheit und ihrer Repression in liberalen Demokratien" SYMPOSIUM, 13.–15. März 2026
mit Lily Abichahine, Emily Dische-Becker, Katja Diefenbach, Denise Ferreira da Silva (zoom), Hanno Hauenstein, Sami Khatib, Henrike Kohpeiß, Ralf Michaels, Hannah Tzuberi, René Wildangel und anderen
...Ausgangspunkt des Symposiums ist das Erleben einer zunehmenden politischen und staatlichen Einflussnahme auf die Inhalte, Programme und Positionen von öffentlich geförderten Organisationen und Institutionen – insbesondere der Künste und Wissenschaften. Im Fokus stehen dabei eine Reihe von strukturellen Entwicklungen in Deutschland – allen voran jene politischen Eingriffe, die sich auf das diffuse Konstrukt einer Deutschen Staatsräson und einer Definition von Antisemitismus berufen, die für die gesamte Gesellschaft geltend gemacht werden sollen.
https://www.wkv-stuttgart.de/programm/2026/veranstaltungen/freiheit/

Geradezu bilderbuchartig ist hier ein Stuttgarter Beispiel, das die britische Dramatikerin Caryl Churchill betraf. Siehe: https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.antisemitismusvorwurf-gegen-caryl-churchill-dramatikerin-wird-preis-aberkannt.136f220c-dffb-46d3-8d06-ae093bec9570.html

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"Antisemitismusvorwurf: Caryl Churchill wird Stuttgarter Preis aberkannt" (01.11.2022)
Nach schwerer Kritik an der britischen Preisträgerin Caryl Churchill ziehen das Staatstheater Stuttgart und seine Fachjury ihre Entscheidung zurück. Kultur: Tim Schleider (schl)
Es geht um die 84-jährige britische Dramatikerin Caryl Churchill, die am 20. November im Schauspielhaus mit dem Europäischen Dramatikerpreis für ihr Lebenswerk und mit 75 000 Euro hätte ausgezeichnet werden sollen. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne). In ihrer Entscheidung vom April 2022 hatten die Juroren Churchill noch gepriesen als ,,Meisterin des Spiels", die ,,formal anspruchsvoll, höchst variantenreich und immer gesellschaftlich engagiert" schreibe. Die Jury habe sich für ein Werk entschieden, ,,das nicht an den aktuellen politischen Frontlinien steht – sondern für ein Schreiben, das sich aus der großen europäischen Tradition herschreibt und gesellschaftliche Konflikte thematisiert". Churchills Werk sei ,,neu zu entdecken".
Entdeckt hat dann Thomas Wessel vom Journalistennetzwerk ,,Ruhrbarone" in Bochum, dass Caryl Churchill – so wie nicht wenige linke britische Intellektuelle – seit langer Zeit die gegen Israel gerichtete Kulturboykottbewegung ,,Boycott, Divestment and Sanctions" (BDS) unterstützt. Bekanntlich hat die umstrittene Präsenz von BDS-Künstlern auf der Kasseler Documenta gerade erst die deutsche Öffentlichkeit lange beschäftigt.
Darüber hinaus sieht Wessel zum Beispiel in dem Stück ,,Seven Jewish Children", das Churchill 2009 nach einer militärischen Operation in Gaza veröffentlicht hatte – vorausgegangen waren palästinensische Raketenangriffe auf die israelische Zivilbevölkerung –, klaren Judenhass. Die Autorin zeichne die Tötung palästinensischer Kinder in der Tradition angeblicher ,,jüdischer Ritualmorde" nach, einem obszönen Klassiker antisemitischer Propaganda seit dem Mittelalter. Wessel meint, das Stück sei ,,Agitprop vom Gröbsten" und werde von der Fachjury in seiner Preisbegründung wohlweislich nicht erwähnt.
Die fünfköpfige Fachjury – besetzt unter anderem mit den Theaterexperten Peter Kümmel (,,Die Zeit"), Thomas Ostermeier (Intendant der Schaubühne Berlin), Peter Michalzik (langjähriger Kritiker der ,,Frankfurter Rundschau"), aber auch Kunstministerin Petra Olschowski (Grüne) – stellt nun fest, eben bis zum Wochenende weder von den ,,BDS-Unterschriften" der Autorin noch von dem Stück ,,Seven Jewish Children" gewusst zu haben – obwohl dieses auch in deutscher Übersetzung vorliegt.
Eine Argumentation, der man nur mühsam folgen kann: Um ihr Engagement für die BDS-Ziele hat Churchill nie ein Geheimnis gemacht, und die Uraufführung des besagten Theaterstücks im Royal Court Theatre am 6. Februar 2009 wurde sowohl in englischen als auch in deutschen Feuilletons sehr kontrovers diskutiert. Beides ist selbst im Netzlexikon Wikipedia dokumentiert.
Womöglich war es dann doch ein Schreiben des Präsidenten der Deutsch-Israelischen Gesellschaft an den Ministerpräsidenten Baden-Württembergs, das den Ausschlag gab: Volker Beck hatte am Montag seinen Parteifreund Winfried Kretschmann aufgefordert, die Schirmherrschaft für den Dramatikerpreis ,,zurückzunehmen, falls die zuständigen Stellen an der Preisvergabe festhalten". Einen Zusammenhang zwischen der Intervention Volker Becks und der erneuten Tagung der Theaterpreis-Jury weist das Ministerium zurück. ...
https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.antisemitismusvorwurf-gegen-caryl-churchill-dramatikerin-wird-preis-aberkannt.136f220c-dffb-46d3-8d06-ae093bec9570.html

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Quote[...] Der Vorsitzende der Deutsch-Israelischen-Gesellschaft ist bei einer Kundgebung in Kiel von Antiimperialisten angegriffen worden. Auch in Hamburg gab es einen Übergriff.

Nach einer Kundgebung gegen das Mullah-Regime im Iran und für Solidarität mit Israel in Kiel wurde Jan Schellbach, der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, angegriffen. Schellbach glaubt, einen der Täter identifiziert zu haben, den er dem autoritären antiimperialistischen Linksextremismus zuordnet. Auch im Hamburger Schanzenviertel wurden Personen, die Plakate klebten, mutmaßlich aus dem antiimperialistischen Spektrum heraus bedroht.

Anlass des Übergriffs in Kiel war eine Kundgebung am Dreiecksplatz, die zur ,,Solidarität mit Israel und der iranischen Freiheitsbewegung" aufrief. Kurze Zeit später startete in unmittelbarer Nähe eine pro-palästinensische Demonstration. Schellbach hatte die Free-Iran-Kundgebung angemeldet.

Der DIG-Landesvorsitzende berichtet, dass er im Anschluss an die Kundgebung von drei schwarz gekleideten und mit roten Halstüchern maskierten jungen Männern bedrängt worden sei. ,,Wie aus dem Nichts" seien sie auf sein parkendes Auto zugestürmt, in dem er mit einer Begleiterin gesessen habe. Im letzten Moment sei es ihm gelungen, die Türen zu verriegeln. So hätten die Angreifer lediglich gegen das Auto treten, den Kofferraum öffnen und die darin liegenden Flaggen und Banner stehlen können.

Seine Begleiterin auf dem Beifahrersitz habe panisch den Wagen verlassen, um Hilfe gerufen und ein vorbeifahrendes Auto gestoppt. Er selbst habe die flüchtenden Täter aus einiger Entfernung zu Fuß verfolgt und zugleich mit der Polizei telefoniert. Die Polizei nahm einen Tatverdächtigen mit auf die Wache, ließ ihn aber wieder frei. Gegen ihn wird wegen des Verdachts auf Diebstahl ermittelt.

Im Anschluss an die beiden Versammlungen wurde nach Angaben der Polizei zudem ein Demonstrationsteilnehmer, der proisraelische Fahnen trug, von drei bis vier schwarz gekleideten Personen verfolgt und mehrfach geschlagen

Schellbach glaubt, einen der Täter, die sein Auto angegriffen haben, identifizieren zu können. Dieser habe ihn schon mehrfach bedroht und genötigt. Seit Jahren erlebe er antisemitische Anfeindungen bis hin zu Morddrohungen. Er habe auf Litfaßsäulen Galgenmännchen mit seinem Namen gesehen und auch schon einmal ein rotes Hamas-Dreieck an seinem Klingelschild.

Den aktuellen Angriff empfindet Schellbach als sehr bedrohlich. ,,Das war ein vorbereiteter und organisiert durchgeführter gemeinschaftlicher Überfall und Angriff auf Leib und im schlimmsten Fall auf das Leben", sagt er. Für Kiel sei das eine neue Eskalationsstufe.

Zugleich bereite es ihm Genugtuung, dass nichts bei dem Angriff herauskommen sei und mutmaßliche Täter gefasst oder identifiziert wurden. ,,Wenn die mit sowas durchkämen, trüge das zur Enthemmung bei", sagt Schellbach.

Erst Ende Januar hatte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) bekundet, sie wolle den Kampf gegen Antisemitismus verstärken. Zuvor hatten Unbekannte am Mahnmal der 1938 zerstörten Kieler Synagoge einen Davidstern, ein Bild und Kerzen über den Gehweg verstreut und zum Teil zertreten.

Stenke hofft, dem Antisemitismus mit der Bildungsoffensive des 2023 auf den Weg gebrachten 10-Punkte-Plans für jüdisches Leben im Norden begegnen zu können. Dabei sollen Schulen Präventionskonzepte entwickeln und Schüler anregen, über das Thema zu sprechen.

Der Bedarf scheint groß: Die Landesweite Informations- und Dokumentationsstellel Schleswig-Holsteins (Lida-SH) verzeichnete für 2024 in ihrem jüngsten Bericht 588 Fälle von Antisemitismus – nach 120 im Jahr davor. Den größten Teil davon (504) wertet Lida als israelbezogenen Antisemitismus. Zugleich ist die Stadt Kiel mit ebenfalls 504 erfassten Fällen aller Arten von Antisemitismus deutlich der Brennpunkt im Land.

Den Hamburger Vorfall machte Feminism Unlimited Hamburg auf Instagram publik. Demnach soll jemand, der im Schanzenviertel Plakate für den Internationalen Frauentag am 8. März klebte, von acht Leuten verfolgt worden sein. Dabei sei die Person gefragt worden, ,,ob sie sich nicht schämt, ne antideutsche Scheiße zu verkleben". Zudem habe sie ,,Israel scheiße" gehört. Schließlich sei der Plakatkleber in eine Kneipe geflüchtet.

Auf den Plakaten, von denen viele später abgerissen worden seien, stand: ,,Komplizinnen zum 8. März – Unsere Kämpfe sind verbunden. Unsere Solidarität auch." Der Aufruf richtet sich der Website von Feminism Unlimited zufolge an alle Flinta*. Es gehe um einen Kampf gegen das Patriarchat, das eng verwoben sei mit Kapitalismus, Rassismus, Kolonialismus und Antisemitismus.

https://taz.de/Instrumentalisierung-des-9-November/!5891886/

https://feminismunlimitedhamburg.wordpress.com/

Die Linke sei mit einem zunehmenden gesellschaftlich Backlash konfrontiert, heißt es weiter. ,,Doch anstatt solidarisch zusammenzustehen, mobilisieren linksautoritäre Gruppen gegen selbstverwaltete Orte wie das Conne Island oder die Rote Flora und nehmen die Querfront mit Coronaleugner*innen und rechten Gruppen zumindest billigend in Kauf."

https://taz.de/Propalaestinensische-Demo-in-Connewitz/!6146237/

Linke Orte unter Druck - Der Krieg zwischen Israel und der Hamas lässt alte Konflikte in der linken Szene wieder aufbrechen. Ein Dialog erscheint so gut wie unmöglich. (6.10.2024)
https://taz.de/Antiimperialisten-gegen-Antideutsche/!6038266/

Entsprechend ordnet Feminism Unlimited den Übergriff auf den Plakatkleber ein: ,,Mindestens eine*r der Angreifer*innen ist einer der für ihr autoritäres Auftreten bekannten Hamburger Gruppen zuzuordnen."


Aus: "Antisemitische Übergriffe in Kiel und Hamburg" Gernot Knödler (23.2.2026)
Quelle: https://taz.de/Risiko-Israel-Solidaritaet/!6157198/


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Wie kann Literatur auf Krieg, Terror und verschiedene ineinander verzahnte Krisen reagieren? Das Schreiben deutschsprachiger Jüdinnen und Juden steht im Zeichen mehrfacher Zeugenschaft.

Caspar Battegay ist Literatur- und Kulturwissenschaftler. Er leitet die Fachgruppe Kultur und Kommunikation an der Hochschule für Technik der Fachhochschule Nordwestschweiz. Zudem unterrichtet er Neuere deutsche Literatur an der Universität Basel. Seine Habilitation ist 2018 unter dem Titel ,,Geschichte der Möglichkeit. Utopie, Diaspora und die ,jüdische Frage'" im Wallstein Verlag erschienen.

",,Der Wunsch nach Unschuld brennt die Augen aus". Deutsch-jüdische Literatur in der Krise" Caspar Battegay (22. Februar 2026)
... Eine traditionelle Reaktionsweise auf historische Katastrophen und Massenmorde ist die Dokumentation. Das Bezeugen des Gesehenen und Erlebten stellt einen Weg dar, der Sprachlosigkeit zu entkommen ...
https://geschichtedergegenwart.ch/der-wunsch-nach-unschuld-brennt-die-augen-aus-deutsch-juedische-literatur-in-der-krise/

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Quote[...] Navid Kermani, 1967 in Siegen als Sohn iranischer Einwanderer geboren, ist Schriftsteller, Publizist, Orientalist und einer der gefragtesten Intellektuellen Deutschlands. Unter seinen zahlreichen Ehrungen finden sich der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels und der Ehrenpreis des österreichischen Buchhandels für Toleranz in Denken und Handeln.

Navid Kermani, "Sommer 24".
160 Seiten. Hanser, München 2026

... Michael Wurmitzer: Auch die deutsche Politik tut sich aber offensichtlich schwer. "Nicht nur Rudolf trägt eine Vergangenheit mit sich, die nicht aufhört, sondern auch die Deutschen seiner Generation, die Deutschen überhaupt", heißt es in Ihrem Buch über Deutschlands historisches Gepäck.

Kermani: Ich glaube, dass es nicht nur kein normales Verhältnis Deutschlands oder der deutschen Öffentlichkeit zu Israel, zu Palästina, zu Gaza gibt, sondern ein solches auch nicht geben kann angesichts des Holocaust. Deutschland wird in der Israel-Unterstützung und auch in der Israel-Kritik immer neurotisch sein. Aus diesem Zusammenhang kommt man nicht heraus und ich wünsche mir auch gar kein normales Verhältnis, denn wie könnte das aussehen, nachdem man sechs Millionen Juden umgebracht hat? Man muss sich einfach der Neurose bewusst sein und vielleicht ein bisschen zurückhaltender operieren mit seinen Urteilen und Meinungen. Nicht Vorreiter sein bei der Unterstützung der israelischen Kriegsführung, nicht der Lautsprecher der israelischen Regierung, aber auch nicht die Speerspitze des Widerstands gegen den israelischen Kolonialismus oder so etwas. Man kann in Deutschland seine Meinung äußern, aber sie ist weder für das Geschehen im Nahen Osten besonders relevant, noch scheren sich dort viele um die deutsche Öffentlichkeit.

Michael Wurmitzer: Es wird aber nun schon wiederholt zum Problem, wenn Deutschland Gastgeber für Künstler aus aller Welt ist und seine Maßstäbe an jene anlegt, die nicht diese Schulderfahrung oder diese Verantwortung haben. Auch bei der zurückliegenden Documenta.

Kermani: Speziell viele Künstler aus dem Globalen Süden wären nach der Definition unseres Staatsministers vermutlich antisemitisch, was natürlich Quatsch ist. Sie tragen einfach nicht die deutsche Geschichte im Gepäck und halten sich nicht an Tabus, die wir in Deutschland aus guten Gründen haben. Oder, wie im Falle Südafrikas haben sie ganz andere geschichtliche Erfahrungen und möchten sich von Deutschen nicht belehren lassen, was Apartheid ist und was nicht. Diese Tabus haben ja einen Kontext. Man muss eine größere Toleranz im Aushalten haben, wenn man im Austausch bleiben will, weiter erfahren will, wie andere die Welt sehen. Zu sagen, alle müssten so sensibel sein, wie man sich selbst für sensibel hält, das ist ja wieder eine neue Arroganz.

...


Aus: "Navid Kermani: "Wünsche mir kein normales Verhältnis Deutschlands zu Israel"" (17. März 2026)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000312336/navid-kermani-wuensche-mir-kein-normales-verhaeltnis-deutschlands-zu-israel

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Quote[...] Der Antisemitismusbeauftragte des Landes Brandenburg, Andreas Büttner, hat seine Parteimitgliedschaft in der Linken beendet. Der Austritt gefalle ihm nicht, sei aber ein »notwendiger Schritt«, schrieb Büttner auf dem Kurznachrichtendienst X. Zuerst hatte die »Jüdische Allgemeine« über den Parteiaustritt berichtet.

Der Polizist haderte bereits seit Längerem mit dem zuletzt immer aggressiveren Anti-Israel-Kurs seiner Partei. Solidarität mit den Palästinensern schlägt aus seiner Sicht immer stärker in antisemitische und israelfeindliche Züge um. Zuletzt wurde Büttner für diese Haltung von Teilen der Linken offen angefeindet, Unbekannte hatten gar einen Brandanschlag auf sein Haus verübt.

Anlass für den Parteiaustritt war nun ein Beschluss des Landesparteitags der niedersächsischen Linken am Wochenende, der dem SPIEGEL vorliegt. Zwei Drittel der Delegierten votierten in Hannover für den Antrag der Linksjugend, der die Überschrift »Ablehnung des Zionismus« trug. Der Antragstext wirft Israel »Ethnonationalismus« vor und will Kritik an Israel von Antisemitismusvorwürfen reinwaschen: »Wir kritisieren, wo der Antisemitismusvorwurf instrumentalisiert wird um Kritik am real existierenden politischen Zionismus zu deligitimieren«, heißt es etwa.

Im ursprünglichen Antrag wurde Israel zudem Kolonialismus vorgeworfen. Die dann entschärfte angenommene Version enthält nun immerhin auch eine Verurteilung der Hamas. Dennoch hatten am Wochenende nach der Abstimmung zahlreiche Delegierte aus Protest den Parteitag in Hannover verlassen.

In seinem Austrittsbrief schreibt Büttner nun: »Es geht nicht mehr. Und ich will nicht mehr.« Ihm falle der Austritt nicht leicht, schreibt er weiter, und er habe lange gezögert, weil er sich der Linken über viele Jahre hinweg verbunden gefühlt habe. »Aber ich bin an einen Punkt gekommen, an dem ich feststellen muss: Ich kann nicht länger Mitglied dieser Partei bleiben, ohne meine eigenen Überzeugungen zu verraten.« Wer Israel pauschal als »genozidalen Staat« diffamiere, übernehme Narrative, die Bestandteil moderner antisemitischer Ideologie seien.

Büttner, war nach Mitgliedschaften in der FDP und CDU seit 2015 Politiker der Linken. Von 2019 bis 2024 saß er für die Partei im brandenburgischen Landtag. Seit Juni 2024 ist er Antisemitismusbeauftragter in Brandenburg.

mrc




Aus: "Antisemitismusbeauftragter Büttner verlässt die Linke" (16.03.2026)
Quelle: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/linke-andreas-buettner-verlaesst-nach-neuem-antisemitismus-skandal-die-partei-a-f8c6d4a8-3405-4cba-a43a-324576461a4a

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"Andreas Büttner tritt aus der Linken aus: Ein folgenschwerer Beschluss in Niedersachsen" (16.3.2026)
In der Linken wird weiter über ihr Verhältnis zu Israel gestritten. Jetzt hat Brandenburgs Antisemitismusbeauftragter seinen Parteiaustritt erklärt.
https://taz.de/Andreas-Buettner-tritt-aus-der-Linken-aus/!6163152/

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"Die Grenze zur Gewalt will nicht jeder in der Linken sehen" Kommentar von Pascal Beucker (8.1.2026)
Die Linke distanziert sich vom Brandanschlag gegen den Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner. Doch nicht alle in der Partei sehen das so. ... Inzwischen kommen die Angriffe auf das 52-jährige Linken-Mitglied vor allem aus jener Szene, die sich selbst ebenfalls für links hält, jedoch nicht zwischen der Solidarität mit den in Not und Elend befindlichen Menschen in Palästina und israelbezogenem Antisemitismus unterscheiden kann. Ihr gilt Büttner als zu israelfreundlich und damit als jemand, gegen den aus ihrer Sicht alles gerechtfertigt ist. ...
https://taz.de/Nach-Brandanschlag-gegen-Linkenpolitiker/!6143662/

249 Kommentare

QuoteGünter Picart

09.01.2026, 10:11 Uhr

Das ist erschreckend, vor allem die Dynamik (Samstag der Brandanschlag und Montag der anonyme Drohbrief mit einer entsetzlich direkten Morddrohung) lässt keinerlei Mäßigung oder Einsicht erkennen und das Schlimmste befürchten. ...


QuoteAgarack

09.01.2026, 06:39 Uhr

Ich habe diese Partei letztes Jahr angesichts derartiger Vorfälle verlassen und bereue es keine Sekunde. Bei aller Richtigkeit der Forderung nach einem unabhängigen, palästinensischen Staat ist es leider allzu oft so, dass man, wenn man sich mit "Pro-Palästina-Aktivist*innen" ins Bett legt, mit Hamas-Unterstützer*innen und sonstigen Judenhassern aufwacht. Das für mich besonders Perfide ist dabei, dass (anders als rechte Antisemiten) linke Antisemiten ihren Antisemitismus häufig aggressiv verleugnen und weit von sich weisen, selbst, wenn sie aktiv Organisationen unterstützen, die den Holocaust am Liebsten wiederholen würden.

Dass der linke Parteivorstand auf solche Vorfälle immer nur mit einem müden: "Das macht man aber nicht, lasst die eigenen Leute in Ruhe" reagiert, ist ebenfalls schwach. Hätten die ein bisschen Rückgrat, würden sie solche Leute (wie z.B. in Form der Linksjugend) aus der Partei jagen.


Quoteshantivanille

09.01.2026, 20:44 Uhr
@Gerhard Krause:

Links und antisemitisch zu sein ist eine wahnsinnige Enttäuschung.

Von Linken erwarte ich grundsätzlich mehr Bewusstheit und Reflexion.

Grade bei Antisemitismus, der Urmutter von komatöser Dummheit, sollte man hellwach werden und seinen Bewusstheitsvorsprung gegenüber den Rechtsextremen weiter ausbauen. ...


QuoteAgarack

09.01.2026, 19:09 Uhr
@Gerhard Krause:

Die Herleitungen sind unterschiedlich. Rechte fangen an bei "Juden sind böse und zersetzen Deutschland von Innen", Linke hören da auf. Vereinfacht: Linke sehen Kriegsverbrechen an den Palästinensern, schlagen sich also instinktiv auf die palästinensische Seite, weil "schwächer". Die palästinensische Seite aber verbreitet Propaganda, die darauf ausgelegt ist, im Westen bei genau diesen Linken gut anzukommen - und stellt Israel als intrinsisch schlecht, weil kolonialistisch und rassistisch, dar. Linke glauben deshalb, Israel sei offenkundig kolonialistisch und rassistisch, und fragen sich, warum Israel trotzdem unterstützt wird. Dabei landet man dann schnell bei dem Gedanken, Israel habe ja offensichtlich eine sehr gute Lobby. Zu dieser Lobby gehören dann schnell alle Menschen, die sich für Israel aussprechen - was diese Linken nicht als: "Ich möchte einen sicheren Staat für Jüd*innen", sondern als: "Ich möchte die Palästinenser unterdrücken" auffassen. Dabei fällt dann schnell auf, dass viele jüdische Institutionen sich, bei aller politischen Diversität, gegen die Vernichtung oder Auflösung Israels aussprechen - und schon ist der Linke bei seinem Antisemitismus angekommen.


QuoteOtto Mohl

08.01.2026, 22:38 Uhr

Was für eine Bedeutung hat die Haltung eines Antisemitismus-Beauftragten in Brandenburg für Gaza, Israel und Palästina?

Die Antwort darauf zeigt doch, wie bescheuert die ganze Diskussion ist und wie total neben der Spur die Brandstifter sind.

Für die Weltpolitik auch und insbesondere im Nahen Osten ist unser Außenminister und ist sogar unser Bundeskanzler relativ egal. Vielleicht hört Trump ihn wenigstens an, bevor er eh macht, was er will.

Wer glaubt, dass die Haltung (!) der Linkspartei in Brandenburg oder Deutschland zur Israel-Frage überhaupt eine Relevanz hat, sieht die Zeichen der Zeit nicht.


QuoteAlex_der_Wunderer

08.01.2026, 18:41 Uhr

Parteien müssen Prioritäten setzen und Gewalt gehört definitiv nicht dazu !

Schon gar nicht bei einer Partei wie, Die Linke, die einzige relevante Partei in unserem Parlament, mit einem humanistischen Anspruch.

Gewalt sollte ein No Go sein & bleiben.


Quotestadtlandmensch

08.01.2026, 17:26 Uhr

Der Untertitel lautet: "Die Linke distanziert sich vom Brandanschlag gegen den Antisemitismusbeauftragten Andreas Büttner. Doch nicht alle in der Partei sehen das so."

Der Beitrag bleibt die Antwort schuldig, welche Personen in der Linkspartei den Brandanschlag gegen Büttner gut findet.

Dass viele dessen politische Positionen nicht teilen, die Kriegs- verbrechen Israels an der palästinensischen Bevölkerung verurteilen, und ggf deren Widerstand als legitim bewerten heißt nicht, dass sie auch den Brandanschlag gegen Büttner billigen oder gar befürworten.


Quoteshantivanille

08.01.2026, 12:07 Uhr

Wie fa ist die Antifa?

Und wo ist da noch der Unterschied zu Nazis?

Palästinenser und Nazis verwenden vielfach die gleichen Symbole.

Z. B. das auf den Kopf gestellte rote Dreieck wurde von der SS zur Kennzeichnung von politischen Gefangenen in Konzentrationslagern benutzt.

Ziele und Sprüche: Die Hamas möchte die Juden weltweit töten, siehe ihre 1988er-Charta, Artikel 7. Und "Globalize the Intifada" ist die aktuelle Version der "Endlösung der Judenfrage".

Ab 1880 flüchteten in mehreren Wellen Juden aus Russland, dabei viele Angehörige der "zionistischen Arbeiterschaft", vor Pogromen in ihr 3300 Jahre altes Stammland, aus dem sie viele Male von imperialistischen Nachbarvölkern vertrieben worden waren.

Ab 1933 kamen die Juden, die vor deutschen Gaskammern flohen. Israel wurde aus der Not geboren.

Deutsche Nazis nahmen daraufhin Kontakt mit arabischen Antisemiten auf, so dem Mufti von Jerusalem und späterem SS-Gruppenführer al-Husseini um Israel zu verhindern. ...


QuoteEncantado

08.01.2026, 10:03 Uhr

Extrem bitter, wenn die Palästina-Freundschaft so weit geht, dass man keinerlei Probleme damit mehr hat, dass man bezüglich Juden mit echten Nazis komplett auf einer Linie ist.

Von der gedanklichen Akrobatik, Gewalt im Namen der Menschlichkeit total knorke zu finden, mal ganz abgesehen.


QuoteKaboom

08.01.2026, 09:52 Uhr

Wenn Aktionen von Gruppierungen, die sich selbst für links halten, sich nur dadurch von Aktionen von Faschos unterscheiden, dass nicht Hakenkreuze, sondern rote Dreiecke verwendet werden, kann man schon ins Grübeln kommen. ...


...

Link

"Eine Lanze für den Universalismus" Anja Thiele (2018)
Vojin Saša Vukadinovićs ,,Freiheit ist keine Metapher" ist eine überfällige Kritik an antisemitischen und antidemokratischen Tendenzen in der postmodernen Linken... Hervorzuheben sind hier Dennis Schnittlers Versuch einer materialistisch-historischen Kritik des Rassismus, die die Verschränkung von Rassismus und Kapitalismus aufzeigt; Krsto Lazarevićs luzide historisch-materialistische Analyse der strukturellen Nähe von deutschsprachiger kritischer Weißseinsforschung und dem Ethnopluralismus der Neuen Rechten, ohne den richtigen Grundgedanken von Critical Whiteness preiszugeben, sowie Jasmina Krauss' Parallelisierung des Orientalismus-Paradigmas des 19. Jahrhunderts mit der heutigen linken Islambegeisterung. Trotz der spitzen Zunge, mit denen die Beiträge fast durchgehend formuliert sind, sowie seiner bisweilen redundanten Längen und Wiederholungen ist Freiheit ist keine Metapher ein überfälliges Überblickswerk zur Kritik an der postmodernen Linken. ...
https://literaturkritik.de/vukadinovic-freiheit-ist-keine-metapher-eine-lanze-fuer-den-universalismus,25318.html

Saša Vukadinovićs
Vojin Saša Vukadinović (* 1979) ist ein Historiker, Geschlechterforscher und Publizist. Er forscht und veröffentlicht u. a. zu politischer Gewalt, zur Geschichte von Emanzipationsbewegungen und hat mehrere Sammelbände zu Antisemitismus und Rassismus herausgegeben. ...
Vukadinovićs Promotionsprojekt Politik des Ressentiments. Antifeminismus, Linksterrorismus, Sexualmoral beschäftigte sich mit der Rezeption politischer Gewalt in der Bundesrepublik Deutschland der 1970er Jahre, insbesondere mit der Geschlechtergeschichte des deutschen Linksterrorismus. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Vojin_Sa%C5%A1a_Vukadinovi%C4%87

Link

"Meinungsfreiheit: Deutschland ist laut Europarat zu streng mit Antisemitismus-Begriff" (15. April 2026)
Die Auslegung des Antisemitismus-Begriffs in Deutschland schränkt die freie Meinungsäußerung laut Europarat zu stark ein. Legitime Kritik an Israel werde so unterbunden. ... Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O'Flaherty, hat Deutschland für seinen Umgang mit dem Antisemitismus-Begriff kritisiert. Er sei besorgt über die zunehmende Gewalt gegen Juden und jüdische Einrichtungen in Deutschland. Zugleich werde die freie Meinungsäußerung unverhältnismäßig stark eingeschränkt, um legitime Kritik an der Politik Israels oder Debatten über die Rechte von Palästinensern zu unterbinden, schrieb O'Flaherty in einem Bericht, welcher am Mittwoch in Straßburg veröffentlicht wurde. ... Eine weitere Gefahr sehe der Menschenrechtskommissar in einem politischen Diskurs, der Antisemitismus als ein »importiertes« Phänomen darstelle und Migranten die Schuld gebe, anstatt den Rechtsextremismus in den Blick zu nehmen. O'Flaherty forderte, antimuslimischen Hass in Deutschland als gesellschaftliches Problem anzuerkennen. Unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz verwies zuletzt immer wieder auf einen sogenannten »importierten Antisemitismus«, so etwa in einem Interview beim rechtskonservativen US-Sender Fox News im Juni 2025.  ...
https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2026-04/antisemitismus-deutschland-ihra-israel-europarat-kritik-gxe

QuoteGlobalPlayer5001

Könnte das an unserer jüngeren Geschichte liegen?
Nur so ein Gedanke.


QuoteSusanne_mueller

Ein längst überfälliger Bericht und wichtige Einordnung!



QuoteDr Nötigenfalls

Ah ja. "Er sei besorgt über die zunehmende Gewalt gegen Juden und jüdische Einrichtungen in Deutschland. Zugleich ..."
Liest sich wie das übliche Schema "Ich bin kein Antisemit. Aber ..."


QuoteModernVampire

Differenzierung ist nicht so Ihrs, ne?


QuoteKFWhkqwfjqwd

Gerade um gegen tatsächlichen Antisemitismus entschieden vorzugehen ist es wichtig diesen von zulässiger Kritik deutlich zu trennen und nicht beides in einen Topf zu werfen.


QuoteClaude Nuage

In Deutschland war die Meinungsfreiheit schon immer eingeschränkt. Für Nazis und Antisemiten. Das haben wir aus unserer Geschichte so gelernt.


Quoteuhunu

Nur ist Kritik an der rechtsextremen israelischen Regierung und ihren Taten eben gerade nicht antisemitisch.


QuoteToNie1

Dann dürfen wir also auch die Großisrael-Träume der rechtsextremen Regierung und illegale Siedlungen auch Genozid nennen?


Quote-Stahlratte-

Eine illegale Siedlung ist ein Genozid?


Quoteuhunu
Antwort auf @-Stahlratte-

Die Vertreibung und Ermordung einer Volksgruppe ist ein Genozid.


QuoteWärmepumper

Es gibt keine Einschränkung der Meinungsfreiheit in Deutschland bezüglich Israel. Die Politik Israels und die militärischen Aktionen Israels werden auch in Deutschland tagtäglich kritisiert.


Quotethiak

Sie wissen nicht, wie viele meiner Posts nie freigegeben wurden... interessanterweise besonders die wo ich tatsächlich abwäge und versuche verschiedene Ansichten zu berücksichtigen.... Pöbeleien gehen eher durch.


Quotebeatboy31

>>Die Politik Israels und die militärischen Aktionen Israels werden auch in Deutschland tagtäglich kritisiert.<<

das ist wohl richtig, allerdings wird man bei aller berechtigten kritik gegen das brutale vorgehen der rechtsnationalen regierung israels in gaza und dem libanon sowie den voelkerrechtswidrigen siedlungen im westjordanland sehr schnell in die antisemitische ecke gestellt. der zentralrat der juden in deutschland sowie der israelische botschafter sind hier mit dieser strategie sehr auffaellig. das ziel ist sehr deutlich: kritik an der israelischen regierung zu unterbinden. die deutsche regierung tut sich, wie vom europarat festgestellt, mit ihrer staatsraeson sehr schwer, angemessen zu differenzieren. das braucht es aber, um eine sinnvolle debatte zu fuehren. aeusserungen, wie die unseres bundeskanzlers, dass israel die "drecksarbeit" fuer uns macht, sind da wenig hilfreich.


QuotePhönix_Hecht

Das sehe ich vollkommen anders! Was inzwischen unter dem Deckmantel der "Israelkritik" bei uns geäußert wird, ist erschreckend!
Nein, der Antisemitismus ist auf einem neuen Höchststand und muss dringend bekämpft werden!


QuoteTamas85

Es fehlt oftmals zumindest an einer gesunden Differenzierung zwischen Menschen jüdischen Glaubens und der Anerkennung des Existenzrechts des Staates Israel auf der einen und berechtigter Kritik an einem nationalistischen Imperialismus auf der anderen Seite. Der Vorwurf des Antisemitismus wird zu oft missbraucht, um die eigene Position gegen jegliche Kritik zu immunisieren und sich quasi unantastbar zu machen.


QuoteClaudia M.

Seit meiner Kindheit hat muich der Massenmord an Juden umgetrieben und geprägt. Dieses "nie wieder ist jetzt" wird aber von einer faschistischen Mörderbande rund um Nethanyahu ad absurdum geführt, weil Menschlichkeit offensichtlich nur für Juden gilt, aber nicht für Palästinenser. Dieses massiv zu kritisieren ist kein Antisemitismus, wird aber so benannt. Um vom Zentralrat der Juden kein kritisches Wort zur israelischer Regierung, sondern ein reflexartiger Vorwurf des Antisemitismus. So aber wird er kreiert.


QuoteWhite_Chocobo

Diese Kritik an der Auslegung gibt es ja seit Jahren. Ich bin gespannt, wann Michael O'Flaherty entweder Antisemitismus vorgeworfen oder die Position als Einzelmeinung abgetan wird. Dass eine solche Einlassung den entsprechenden konservativen Interessenverbänden nicht gerade gefallen dürfte, sollte nicht überraschen. Allerdings erwarte ich keine Folgen aus dieser Beurteilung.


QuoteMoinmeinFreund

Leider nicht nur den konservativen...


QuoteLoewenrudel

Wenn die Leute wüssten, was in NRW Moscheen gepredigt wird. Aktuell eine Inneneinsicht eines Jugendlichen bekommen, der als Bosnier 4 Jahre dem Islam zugeneigt war und in einer unterrichtet wurde. Er ist nun ausgetreten und erzählt, dass sie schlau genug sind, es nicht laut und öffentlich zu machen, legen aber inhaltlich dennoch die Grundlage zur IS Gesinnung. Er wurde auch systematisch von seiner Familie isoliert, um ihn als Werkzeug später benutzen zu können. Er geht gewisse Zweifel und sah Widersprüche weswegen er sich zum Austritt entschied. Ganz ehrlich? Deutschland sieht ganz viele Gefahren nicht, die schon längst da sind.


QuoteHagbard_Celine23

"Deutschland sieht ganz viele Gefahren nicht, die schon längst da sind."

Wäre ja auch ganz schön rassistisch, laut darüber nachzudenken.


Quoteuhunu

Wenn die Leute wüssten ...

Und was soll das mit dem vorliegenden Thema zu tun haben? Wenn sie wüssten, wie es in den AfD-Vorfeldorganisationen zugeht wäre ihnen noch ganz anders zumute, die haben nämlich nicht nur ein paar tausend Unterstützer sondern bald ein Viertel der wahlberechtigten Bevölkerung und treten offen für einen repressiven Führerstaat ein.


QuoteSchinkenwurststück

Wie konnte es passieren dass Israel eine rechtsradikale Regierung hat die ein Grossisrael anstrebt? Erkennen Israelis nicht dass da etwas völlig aus dem Ruder gelaufen ist?


QuoteKlaustall

Man kann Menschen auch mit Begriffen in den sozialen Tod schicken. Unmenschen versuchen, Kriegsverbrechen (Völkermord) mit Denkverboten zu camouflieren. Nicht nur in Deutschland.


QuoteLaus oder Hexe

Wir haben in Deutschland (woanders kann ich das nicht gut beurteilen, glaube aber ist eher globaler Natur) einen schon längeren Trend u.a. dank Social Media und der Verkürzung von Debatten auf vereinfachte Aussagen Sowie einer völlig aus dem Ruder gelaufenen Empörungs- und Aufmerksamkeitsökonomie.


QuoteDingoEurope55

Ach was ...

Man muss halt unterscheiden, was die Regierung Israels tut (oder nicht tut), und dies vom Staat Israel, seinen Einwohnern, ihrer Religion oder Herkunft trennen.


QuoteTerminator 1

Vor allem wird in Deutschland bei Debatten um Israel der Vorwurf des ,,Philosemitismus" manchmal genutzt, um Unterstützern Israels eine unkritische oder gar ,,blinde" Solidarität zu unterstellen, die eher auf eigenen Schuldgefühlen (besonders in Deutschland) als auf echter Empathie basiere.


...

Link

Quote[...] In Prenzlauer Berg stehen Aufrufe zum Töten von Juden, das Wohnhaus eines NGO-Mitarbeiters wird markiert. Doch es gibt Gegenwehr aus der Nachbarschaft.

Die Erschütterung ist im Kiez auch am Mittwoch noch zu spüren. Die antisemitischen Schmierereien sind zwar übermalt, doch unter der Farbe lässt sich noch erahnen, was hier stand. Gleich mehrere Passant*innen sprechen den Polizisten an, der gegen Mittag in der Ueckermünder Straße auf Streife ist. Um Präsenz zu zeigen, wie er sagt. Hier im Prenzlauer Berg hatten in der Nacht zu Sonntag Unbekannte an mehreren Häuserwänden Todesdrohungen gegen Jüdinnen und Juden hinterlassen. ,,Nur ein toter Jude ist ein guter Jude", stand dort in großen schwarzen Blockbuchstaben, direkt neben zwei Fenstern einer ebenerdigen Wohnung.

Am Eckhaus prangte der Schriftzug: ,,Kill all Jews". Derselbe Satz fand sich an einer Wand in der Straße noch einmal, hier zusammen mit einem Hakenkreuz. Ein paar Häuser weiter sind die übermalten Zahlen noch gut zu erkennen: 271K stand dort, in derselben Größe und Schrift wie die anderen Schmierereien. Es ist ein rechtsextremer Code, der für die Verschwörungstheorie steht, dass die Nazis 271.000 Jüdinnen und Juden ermordet hätten, und nicht 6 Millionen.

,,Ich habe gar nichts dagegen, wenn mal ein provokanter Satz fällt", sagt ein Passant. Im Gegenteil, er begrüße kontroverse Meinungen oder auch heftigere Diskussionen. ,,Aber das hier, das ist Next Level." Die Gegend sei eigentlich sehr ruhig, findet er. Ein anderer Passant fragt den Polizisten, ob die Polizei schon etwas über die Täter herausgefunden habe. Er sei Vater und wohne mit seiner jüdischen Familie in der Gegend. ,,Wir haben das mit Freunden besprochen. Wir denken nicht, dass es gezielt gegen uns Anwohner*innen hier war", sagt er. Der Schock sitzt trotzdem tief.

Bereits zwei Wochen zuvor hatte jemand in der Straße ,,Kill all Jews" und ein 70 mal 70 cm großes Hakenkreuz an ein Wohnhaus direkt neben einer Eingangstür geschmiert. Anwohner*innen hatten Schriftzug und Hakenkreuz direkt mit zwei silbrigblauen großen Herzen übermalt. Der Staatsschutz ermittelt in beiden Fällen wegen antisemitischer, volksverhetzender Sachbeschädigung. Die Polizei hat Zettel aufgehängt und bittet um Hinweise, falls jemand etwas beobachtet hat.

Auf der Straßenseite mit den Graffiti ist der Bürgersteig mit Kreidebotschaften beschrieben. ,,Zusammenhalt", ,,Solidarität", ,,Kein Platz für Hass" und ,,Pankow bleibt bunt" ist zu lesen, eingerahmt von zahllosen Herzen und gefolgt von ,,Wir sehen hin" und ,,Liebe ist lauter". Kinder haben es in den vergangenen Tagen hingeschrieben. ,,Darüber habe ich mich gefreut, es macht mich froh", sagt der Familienvater.

,,Es mindert nicht das Entsetzen, aber es macht doch einen großen Unterschied, wie ein solcher Tag danach aussieht", kommentierte der Journalist und Autor Ronen Steinke die Kreidezeichnungen auf Instagram. Für Sonntag ruft eien Initiative zu einer Mahnwache gegen Antisemitismus in der Schönhauser Allee auf.

Der direkte Gewaltaufruf in Pankow reiht sich ein in diverse antisemitische Straftaten und Drohungen allein in jüngster Zeit. Am Mittwoch etwa wurde bekannt, dass Unbekannte das Klingelschild eines Mitarbeiters beim Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA) mit einem roten Hamas-Dreieck markiert und seinen Namen an der Klingel mit roter Farbe beschmiert hatten. Auch hier ermittelt der Staatsschutz. Das rote Dreieck nutzt die in Hamas in ihren Propagandavideos, um Ziele zu markieren.

Und nach Berichten auf der Plattform X wird der Betreiber des israelischen Restaurants Gila & Nancy am Gendarmenmarkt sein Restaurant aufgeben, dem Vernehmen nach auch wegen Anfeindungen. Das Personal sei mehrfach belästigt und bedroht worden, antiisraelische Demonstrationen hätten den Betrieb wiederholt gestört. Es ist nicht das einzige israelische Restaurant, das angefeindet wird.

Immerhin, so mag man versucht sein zu sagen, im Fall von Andreas Büttner, dem Antisemitismusbeauftragten von Brandenburg, scheint Antisemitismus nicht das Motiv gewesen zu sein. Das zeichnete sich den Polizeiermittlungen zufolge am Dienstag ab. Die Polizei verdächtigt zwei Menschen aus dem engeren Bekanntenkreis von Büttner, dass diese im Januar einen Schuppen auf Büttners Grundstück mit einem Dreieck beschmiert und in Brand gesteckt hatten. Es war nicht der erste Angriff auf Büttner. Auch hier hatte der Staatsschutz ermittelt.

Ein antisemitisches Tatmotiv schien aufgrund vorheriger Anfeindungen und wegen Büttners Position zunächst plausibel. ,,Wenn die beiden tatsächlich die Täter sind, hat das aus meiner Sicht nichts mit Antisemitismus zu tun", hatte Büttner nun am Dienstag gesagt. Es gebe für ihn keine Erklärung dafür. Hier scheint Antisemitismus also nicht das Motiv gewesen zu sein.

Doch wie sehr fällt das noch ins Gewicht, angesichts der Bedrohungen und Anfeindungen gegenüber jüdischen und israelischen Menschen – die teils weniger prominent und damit möglicherweise weniger geschützt sind? Die Vorfälle zeigen aber auch: Es reicht schon ein bisschen bunte Kreide und Entschiedenheit, um einen ersten Schritt gegen antisemitische Gewalt zu tun.


Aus: "Wie Antisemitismus wirkt" Uta Schleiermacher (30.4.2026)
Quelle: https://taz.de/Judenfeindliche-Schmierereien-in-Berlin/!6174991/

Link

Quote[...] Jüdische Gemeinden fühlen sich bedroht und zunehmend alleingelassen. Laut einer Studie ist die gesellschaftliche Solidarität seit 2023 fast um die Hälfte gesunken.

Die zivilgesellschaftliche Solidarität mit Jüdinnen und Juden sowie jüdischen Gemeinden in Deutschland hat weiter abgenommen. Zu diesen Erkenntnissen kommt das vom Zentralrat der Juden in Deutschland herausgegebene Lagebild zur Sicherheitssituation jüdischer Gemeinden in Deutschland. Die wahrgenommene Unterstützung ist demnach seit der ersten Erhebung 2023 um fast die Hälfte von 62 auf 35 Prozent gesunken. An der nun zum dritten Mal durchgeführten Studie nahmen 102 jüdische Gemeinden und Landesverbände teil.

Nach dem »explosionsartigen Anstieg« des Antisemitismus infolge des 7. Oktober habe sich eine »neue Normalität herausgebildet«, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, zu den Ergebnissen der Untersuchung. Man habe nun eine Lage, »in der jüdische Gemeinden permanent geschützt werden müssen und der Antisemitismus als Teil des öffentlichen Raums eine Normalisierung erfahren hat«. Es sei eine Lage, in der auch Graffitis, die mitten in Berlin offen zum Mord an Juden aufrufen, keinen Sturm der Entrüstung mehr auslösten. Solche Zustände seien unhaltbar.

In der Nacht zu Sonntag hatten Unbekannte in Berlin-Pankow an mehreren Hauswänden Todesdrohungen hinterlassen: »Nur ein toter Jude ist ein guter Jude«, stand direkt neben den Fenstern einer Wohnung im Erdgeschoss, an einem Eckhaus der Schriftzug »Kill all Jews«, flankiert von einem Hakenkreuz. Wenige Tage später markierten Unbekannte die Klingelanlage eines Berliner Wohnhauses mit einem roten Hamas-Dreieck und beschmierten das Namensschild eines dort lebenden Journalisten mit roter Farbe. Der Mann ist Mitarbeiter des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus (JFDA). Die Polizei ermittelt wegen Volksverhetzung und Sachbeschädigung mit politischem Hintergrund. In der Nacht zu Montag beschmierten zudem Unbekannte in Cottbus eine Synagoge mit einem Hakenkreuz.

 Besonders das Verhältnis zu muslimischen Verbänden und Moscheegemeinden habe sich laut der Studie verschlechtert. Ein Austausch zwischen jüdischen und muslimischen Gemeinden sei heute mehr Ausnahme als die Regel, sagte ein Sprecher des Zentralrats, der die Ergebnisse der Erhebung erläuterte. Auch das Verhältnis zur Partei Die Linke habe sich in den letzten Jahren verschlechtert. Für viele Juden sei sie vor dem Hintergrund ihrer zunehmend antizionistischen Ausrichtung nicht mehr wählbar, obwohl sie früher als Verbündete wahrgenommen worden sei. Die Bedrohung werde aber aus allen politischen Richtungen wahrgenommen, da Antisemitismus ein ideologieübergreifendes Phänomen sei, sagte der Sprecher.

Das Gefühl der Unsicherheit hat insgesamt leicht abgenommen, bewegt sich aber weiter auf einem hohen Niveau. Laut der Untersuchung nehmen 68 Prozent der befragten Gemeindefunktionäre ihr Leben unsicherer war als noch vor dem 7. Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gazakrieg. Vor zwei Jahren sagten das noch 84 Prozent der Befragten. Je größer die Stadt und je präsenter die Gemeinde, desto größer werde die Gefahr empfunden, sagte der Sprecher.

Anders als in vorherigen Kriegen habe die brüchige Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas im Oktober 2025 die Sicherheitswahrnehmung der jüdischen Gemeinden nicht verbessert: 66 Prozent der Befragten berichten von keiner Veränderung, 18 Prozent von einer Verbesserung, 13 Prozent sogar von einer Verschlechterung des eigenen Sicherheitsgefühls, so das Lagebild. Außerdem gaben 62 Prozent der Befragten an, dass sich ihre Sicherheitslage seit Beginn des Irankriegs weiter verschlechtert habe.

Im Alltag zeige sich die Bedrohung in verändertem Verhalten: Jüdische Symbole würden verborgen, besonders Kinder und Jugendliche verheimlichten ihre Identität. Jede fünfte Gemeinde habe im vergangenen Jahr Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen absagen müssen. Zudem meldeten 46 Prozent der Gemeinden antisemitische Vorfälle im vergangenen Jahr. Dabei handelte es sich laut Lagebild vor allem um Beleidigungen, Anfeindungen im Internet, Drohanrufe und antisemitische Zuschriften, Sachbeschädigungen oder Schmierereien sowie Demonstrationen.

Über 90 Prozent der Führungspersonen und Mitarbeitenden jüdischer Gemeinden fühlen sich demnach durch die Situation merklich belastet, 41 Prozent davon stark oder sehr stark. Die Nachfrage nach psychosozialer Unterstützung sei in 63 Prozent der Gemeinden gestiegen.

Auch auf die Entwicklungen im Ausland blicke man mit Sorge, sagte der Sprecher des Zentralrats. Dabei bezog er sich auch auf die jüngsten Vorfälle in England und Belgien. Im Londoner Viertel Golders Green hatte am Dienstagabend ein Angreifer mit einem Messer zwei jüdische Männer attackiert und schwer verletzt. Die proiranische islamistische Gruppe Hayi beanspruchte den Anschlag für sich. In Brüssel wurde ein jüdischer Mann Ende vergangener Woche in der U-Bahn von drei Tätern angegriffen. Sie hatten auf ihn eingeschlagen, antisemitische Parolen gerufen und seine Davidsternkette entwendet. 89 Prozent der Befragten sehen das Sicherheitsgefühl in ihren Gemeinden durch Terroranschläge im Ausland teilweise bis sehr stark beeinträchtigt.

Während es Auswanderungsbewegungen von Juden aus England, Frankreich, Spanien und Belgien nach Israel gebe, sei dieser Trend in Deutschland allerdings noch nicht zu verzeichnen. Das Vertrauen in deutsche Sicherheitsbehörden liegt mit 91 Prozent Zufriedenheit unter den Befragten sehr hoch, auch wenn der Wert seit 2023 um fünf Prozentpunkte gesunken ist. Der Zusammenhalt innerhalb der jüdischen Gemeinden sei dagegen gestiegen: »Gerade junge Menschen suchen in diesen Zeiten Zusammenhalt in Gemeinden und auf Jugendfreizeiten«, sagte der Sprecher des Zentralrats.

Jedoch schätzten nach Angaben des Lagebilds nur 13 Prozent der Befragten die Perspektive für jüdisches Leben in Deutschland positiv ein. »Die Ergebnisse dieser repräsentativen Erhebung müssen für Entscheidungsträger und die Gesellschaft gleichermaßen Alarmsignal und Ansporn sein«, sagte der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster. Nur enorme Kraftanstrengungen könnten diesen Trend umkehren.



Aus: "Jüdische Gemeinden in Deutschland: Sinkende Solidarität mit Juden in Deutschland" Anastasia Tikhomirova (1. Mai 2026)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-04/juedische-gemeinden-deutschland-zentralrat-antisemitismus

QuoteKlaPeter

Ich verstehe nicht, warum man es nicht schafft, Antisemitismus von Anti-Israelismus zu unterscheiden.

Die Menschen, die sich heute gegen Israel aussprechen, sind nicht gleichbedeutend mit Antisemitisten. Sie sind primär gegen Netanyahu und die Politik der Regierung. Dass man das in einen Topf wirft ist gefährlich, weil sich schon viele gegen den Antisemitismus wenden. Wenn man damit aber auch die Politik Israels aus der Kritik nehmen möchte, eskaliert etwas.


QuoteJ.P._Merz

Es geht im Artikel aber um Antisemitismus.


Quoteweber-hans-friedrich

Na, weil jegliche Kritik an Netanjahu, Gvir, Smotrich, Kurz, den radikalen jüdischen Siedlern im Westjordanland und dem Vorgehen des IDF im Südlibanon und Gaza als Antisemitismus abgetan werden kann und man sich damit jeglicher Diskussion entzieht in dem man Kritiker kategorisch als Antisemiten brandmarkt. Nichts Schöneres als einen Joker!


QuoteBinane

Ein Teil des Problems könnte eben die mangelnde Abgrenzung sein. So tritt der Staat Israel eben immer als vermeintlicher "Fürsprecher" auf für die weltweiten jüdischen Gemeinden. Ebenfalls erlebt man dieses vom israelischen Botschafter, und in teilen auch vom Zentralrat der Juden.

Ich denke dass da mehr Distanziertheit hilfreich wäre. Deutsche Juden sind eben deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens und keine halben Israelis. Deutsche Juden müssen auch nicht Übergriffe des Staates Israels rechtfertigen, genauso wenig müssen sich aber auch deutsche Juden für diese Übergriffe entschuldigen oder Verantwortung übernehmen. Denn gerade vor dem Hintergrund der in Teilen rechtsextremistischen israelischen Regierung kann man dabei nur verlieren. Entsprechend tue ich mich schwer, wenn von einem jüdischen Volk gesprochen wird. Juden sind eine Religionsgemeinschaft und Juden sind divers, in ihren Lebensstilen, in ihren politischen Einstellungen, in ihren kulturellen Prägungen.

Ich möchte hier auch in keiner Weise eine Täter/Opfer-Umkehr betreiben, vielmehr bekommt man den Eindruck, die jüdischen Gemeinden außerhalb Israels werden von der israelischen Regierung übergriffig vereinnahmt. Diese differenzierte Betrachtung ist aber natürlich nicht nur Aufgabe der deutschen Juden sondern eben auch Aufgabe der deutschen Gesellschaft. Es gibt eben nicht nur eine gültige jüdische Stimme, und kein europäischer Jude ist verantwortlich für die Taten der israelischen Regierung.


QuoteKaukas

    Sie sind primär gegen Netanyahu und die Politik der Regierung. Dass man das in einen Topf wirft ist gefährlich

Das würde in einem totalitären Staat sicher so zutreffen.

Allerdings, landauf und landab preist sich Israel als einzige, liberale Demokratie in NahOst. Dies wird sogar als Argument genutzt, über Menschenrechtsverletzungen oder gar genozidähnliches Vorgehen der Knesset/Siedler/IDF doch bitteschön hinweg zu sehen. Zwar tun sie manchmal blöd, aber ganz so blöd, nicht vorhersehen zu können, was faschistoide Politiker im Namen ihrer Wähler anrichten würden, waren sie gewiß nicht!

Ganz deutlich: Das, was in NahOst vorgeht, ist vom dortigen Wähler gewünscht, da gibt es kein Verstecken. Dafür sind demokratische Wahlen da.


QuoteWiseCat

Interessant waere auch die Frage:" Haben Sie das Gefühl, dass die Handlungen der aktuellen israelischen Regierung, ihr Leben beeinflusst? Wie schaetzen Sie das ein, positiv oder negativ?"

Es waere interessant zu erfahren, wie die jüdischen Gemeinden diesen Konflikt und die Einflüsse daraus, wahrnehmen und einschaetzen.


QuoteHarrison Bergeron

    Es waere interessant zu erfahren, wie die jüdischen Gemeinden diesen Konflikt und die Einflüsse daraus, wahrnehmen und einschaetzen.

Wozu soll das gut sein? Sie werden in jeder jüdischen Gemeinde Menschen mit ganz unterschiedlichen Positionen und Meinungen finden. Das ist nicht anders als bei Menschen, die diesen Gemeinden nicht angehören. Genau wie bei Christen oder Muslimen, gibt es auch bei Juden unterschiedliche Meinungen. Ich hoffe das überrascht sie nicht.

Genau wie in Israel. Ich kenne sehr viele Israelis und die sind nicht alle ein und derselben Meinung. Natürlich gibt es die Leute, die hinter der Regierung stehen. Es gibt aber auch Israelis, die die Regierung komplett ablehnen und vor dem Massaker am 7.8. zu Hunderttausenden gegen die damalige Regierung auf die Straße gegangen sind.


QuoteNenntMichIshmael

Jeder in Deutschland lebende Mensch hat ein Anrecht auf ein Leben in Sicherheit, Würde und Freiheit. Antisemitische Bedrohungen und Übergriffe sind völlig inakzeptabel und gehören bestraft.

Der Zentralrat macht es sich aber etwas zu leicht. Er legt sich seit Jahren für Netanjahus zunehmend rechtsextreme und unterdrückerische Regierungen ins Zeug, publiziert mit der Jüdischen Allgemeine eine Zeitung, die stramm auf Likud-Linie ist. Kritik an der verbrecherischen ,,Siedlungs"politik mit Jahrzehnten von Unterdrückung, Enteignung und Vertreibung hört man nicht. Wenn man auf die Welt außerhalb Deutschlands schaut, dann sorgenvoll auf antisemitische Übergriffe in London, aber schulterzuckend oder gar rechtfertigend auf israelische Kriegsverbrechen mit Zehntausenden toten Frauen und Kindern.

Der Zentralrat präsentiert sich mit Allgemeinvertretungsanspruch als die Stimme der Juden in Deutschland. Und wundert sich nun, dass Jüdinnen und Juden - in vielen Fällen individuell zu Unrecht - für israelische Verbrechen in Mithaftung genommen werden.

Übrigens gilt bei uns Deutschen doch auch die kollektive Verantwortung für Nazi-Verbrechen. Dieser stellen wir uns auch Generationen später noch zu Recht. Der Zentralrat sollte sich ein Beispiel daran nehmen.


QuoteKragua

Man hätte von Beginn an differenzieren müssen zwischen Judentum und dem heutigen Israel.


QuoteMax Hansen

Wer gegen Israels Politik und den Zionismus ist, wird aber heutzutage automatisch dem Antisemitismus zugeordnet. Interessant ist, daß auch Palaestinenser eine Semitische Volksgruppe sind (in vielen Faellen sind diese Juden die vor Jahrhunderten zum Islam uebergetreten sind)

Semiten sind auch Araber, Araemaer,Mehrier, einige Aethiopier, Eritraeer und einige andere. Der Begriff wurde von Deutschen gepraegt und wird auf die Bibel zurueckgefuehrt. Es ist aher urkomisch von Antisemitismus zu sprechen wenn jemand pro Paelaestinensisch ist


QuoteEntfremdetVonDerWelt
Antwort auf @Max Hansen

Der Begriff hat eine eigene, separate Geschichte, vgl. Wilhelm Marr, der halt fand, dass das wissenschaftlicher klingt.

Das heisst, Stand heute, hat der Begriff per se nichts mit den Semiten zu tun. Das ist jetzt halt so.


QuoteNichtNochmalSo

Wegen den Terrorakten von Islamisten hat man immer von muslimischen Verbänden gefordert, sich zu distanzieren. Ich lese so etwas im Moment nie. Die jüdischen Gemeinden sollten sich vielleicht mal von der israelischen Regierung distanzieren. Dann hätten zumindest Menschen wie ich auch wieder mehr Verständnis.


Quoteflosculi

Hier geht es aber nicht darum, dass die sich von Israel distanzieren sollen. Sondern darum, warum sie sich denn immer noch mit Israel solidarisieren wollen. Das sind zwei ganz unterschiedliche Sachen.

Zwischen Distanzierung und Solidarität gibt es ein weites Feld, wo man derzeit politisch auf der sicheren Seite wäre.

Denn du bist als Jude zu keinem der beiden der Dinge verpflichtet, auch wenn dir letzteres durch Soft Power wie Jugendreisen nach Israel, oder der Option den israelischen Pass zu bekommen und so weiter von Kindheitsbeinen als Jude in Deutschland, den USA und anderswo eingetrichtert wird. Als Jude ist man ganz schön viel Propaganda pro-Israel ausgesetzt, insofern kann ich ja auch verstehen, warum man das Erlernte nich so leicht abstreifen kann. Aber ansonsten... Nein, es gibt keine Pflicht und kein Gesetz als Jude den Staat Israel unterstützen zu müssen. Woher kommt diese Annahme?

Das ist freiwillig und wenn Juden oder Nicht-Juden sich aus freiem Willen mit einem Verbrecherstaat solidarisieren, dann dürfen sie in einer freiheitlichen Demokratie natürlich dafür offen kritisiert werden. Das ist doch wohl normal, dass das erlaubt ist. Diese Kritik an der Solidarität schließt aber selbstverständlich Gewalt und Anti-Semitismus aus.


QuoteWüstendackel

Traurig, wie sich dieses Land in dieser Angelegenheit entwickelt hat.
Eigentlich zu tiefst beschämend.


QuoteRobseno

Da können sich die jüdischen Gemeinden bei der Regierung des Staates Israel bedanken...


...

Link

Quote[...] [ ...  ,,Nakba" zwischen Gedenken und Instrumentalisierung: Am 15. Mai 1948 – einen Tag nach der Ausrufung der Unabhängigkeit Israels – griffen fünf arabische Armeen den jungen jüdischen Staat an. Auch deshalb wird die Bezeichnung ,,Nakba-Tag" oftmals als antisemitisch bezeichnet. Er markiert auch den Beginn des ersten arabisch-israelischen Krieges.

Seit langem ist der 15. Mai ein Tag, an dem Palästinenser auf die Straße gehen und gegen den Verlust ihrer Heimat protestieren. Dabei kommt es immer wieder zu – teils schwer antisemitischen – Ausschreitungen – sowohl in Israel als auch in anderen Ländern. Israel wirft der Hamas und anderen terroristischen Organisationen vor, den Tag für eigene Zwecke zu instrumentalisieren.

Der Begriff ,,Nakba-Tag" wurde 1998 von dem damaligen Palästinenserführer Jassir Arafat geprägt. Er legte das Datum als offiziellen Tag des Gedenkens an den Verlust der palästinensischen Heimat fest. ,,Nakba" ist die arabische Übersetzung für ,,Katastrophe". Die Amadeu-Antonio-Stiftung schreibt dazu: ,,Die Nakba-Erzählung ist als antizionistischer Mythos vielfach einseitig und verzerrend. Sie wird genutzt, um Israel zu delegitimieren." Schätzungsweise 700.000 Palästinenserinnen und Palästinenser verließen auch durch Flucht oder Vertreibung das Gebiet.

[https://de.wikipedia.org/wiki/Nakba]

[https://de.wikipedia.org/wiki/Vertreibung_und_Flucht_der_Pal%C3%A4stinenser_1948]

... ]

 Hamas-Anhänger und linksradikale Gruppen mobilisierten in Berlin zum palästinensischen ,,Nakba"-Gedenktag. 2000 Menschen kamen zur Demonstration. Die Polizei meldet 20 Festnahmen.

Linke und islamistische Gruppen demonstrierten am Samstagnachmittag in Berlin-Kreuzberg anlässlich des sogenannten ,,Nakba"-Tages. Der Tag soll an die Vertreibung hunderttausender Palästinenser im Zuge des ersten arabisch-israelischen Krieges 1948 erinnern. Die Versammlungen waren dabei auch immer wieder Schauplatz antisemitischer Ausschreitungen.

Die Demonstration mit dem Titel ,,Schluss mit der Besatzung Palästinas – 78 Jahre Al Nakba" sollte vom Oranienplatz zum Südstern laufen. Rund 1000 Teilnehmer waren bei der Polizei angemeldet. In einer Bilanz vom Sonntag sprach die Polizei von rund 2000 Teilnehmern. Etwa 1000 Polizeibeamte begleiteten den Zug demnach. Es kam zu Festnahmen und Verletzten.

Bereits gegen 14.30 Uhr hatten sich einige hundert Personen auf dem Oranienplatz versammelt. Es wehten Palästina-Flaggen, vereinzelt waren kommunistische Symbole zu sehen. Einzelne Teilnehmer zeigten auch die Flagge des iranischen Mullah-Regimes. Auch die Linksjugend Solid, Jugendorganisation der Partei Die Linke, war vor Ort.

Gegen 15 Uhr begann die Versammlung mit einer Performance: Teilnehmer verbargen sich unter einem weißen Tuch, umringt vom Rest der Versammlung. Dann erhoben sie sich, es wurden Klagegesänge angestimmt.

Der erste Redner insistierte wenig später, dass es ,,keinen Frieden" auf ,,gestohlenem Land" geben könne, und pries die ,,Flamme des Widerstands". Ein weiterer Redner wurde als Mitglied des Palästinensischen Nationalkomitees vorgestellt – jener Gruppe, unter deren Dach sich laut Berliner Verfassungsschutz auch Anhänger der islamistischen Hamas vereinigen. Die Gruppe hatte die Demonstration organisiert.

Laut Polizei hatten sich zum Start der Demonstration etwa 1000 Personen versammelt. Zuvor soll es wegen eines Angriffs auf einen Pressevertreter eine erste Festnahme gegeben haben.

Gegen 16.30 Uhr kam die Demonstration kurz vor dem Kottbusser Tor zum Stehen. Ein Teil der Teilnehmenden skandierte: ,,Bullenschweine raus aus der Demo".

Auf Höhe des U-Bahnhofs Schönleinstraße kam es zu einem Handgemenge zwischen Teilnehmenden der Demonstration und der Polizei. Kurz danach, gegen 17.30 Uhr, stoppte die Polizei den Aufzug. Alle Demonstrierenden sollten auf der rechten Fahrbahn und nicht mehr auf der ganzen Straße laufen, sagte eine Polizistin per Lautsprecher durch. Nach einigen Minuten setzte sich die Demonstration wieder in Gang.

Bis 18 Uhr gab es laut Polizei auf der Demonstration zehn Festnahmen – unter anderem wegen der verbotenen Verherrlichung terroristischer Organisationen und Widerstands gegen Einsatzkräfte. Zuvor hatte die Polizei von vereinzelten Festnahmen wegen tätlicher Angriffe auf Vollstreckungsbeamte gesprochen. Bei einem dieser tätlichen Angriffe setzten die Polizisten demnach Reizgas ein.

Um 18.30 Uhr erreichte die Demonstration den Südstern. Die Teilnehmenden wurden aufgefordert, nach Hause zu gehen. Während zu dem Zeitpunkt im hinteren Teil der Demonstration noch getrommelt wurde, gaben einige vorn schon die ersten Flaggen am Lautsprecherwagen ab.

In einer Bilanz am Sonntag sprach die Polizei von 20 Festnahmen am Rande der Demonstration. Am Samstagabend war zunächst von 15 Festnahmen die Rede gewesen. Es seien Einsatzkräfte und Journalisten angegriffen und verbotene Parolen skandiert worden, hieß es von der Polizei. Eine Polizistin sei leicht verletzt worden, konnte aber im Dienst bleiben.

Die Einsatzkräfte setzten nach eigenen Angaben auch Reizstoff ein. Von den Veranstaltern hieß es, die Polizei habe Teilnehmer mit Pfefferspray besprüht, es gebe 30 Verletzte. Trotz der Vorkommnisse sprach Polizeisprecher Florian Nath von einem insgesamt relativ überschaubaren und störungsfreien Ablauf der Versammlung.

In den vergangenen Jahren kam es bei Nakba-Demonstrationen mehrfach zu heftigen Tumulten und Flaschenwürfen auf die Polizei. Bei einer Demonstration mit rund 1000 Teilnehmern im vergangenen Jahr wurden mehrere Polizisten verletzt, einer davon schwer.

Der 36 Jahre alte Polizist wurde in die Menge hineingerissen und niedergetrampelt, erlitt einen gebrochenen Arm und Verletzungen am Oberkörper. Die Generalstaatsanwaltschaft ermittelte wegen gefährlicher Körperverletzung und schweren Landfriedensbruchs.

56 Menschen wurden festgenommen. Die Stimmung gegen Israel und den Krieg in Gaza war sehr aggressiv. Redner und Demonstranten riefen ,,Babymörder Israel" und ,,Intifada".

Im Jahr 2024 nahmen rund 5400 Menschen an einer Demonstration teil – deutlich mehr als die erwarteten 2000. Die Polizei war mit rund 500 Einsatzkräften vor Ort. Die Polizei ermittelte zu 25 Strafanzeigen, unter anderem wegen Volksverhetzung, Beleidigung und Angriffen auf Einsatzkräfte. 25 Teilnehmer wurden vorläufig festgenommen.

Um die Demonstrationsrouten und -formen gab es wiederholt gerichtliche Auseinandersetzungen. Die Polizei versuchte häufig, aus Sicherheitsgründen nur ortsfeste Kundgebungen statt Demonstrationszüge zuzulassen.

Im Februar 2026 entschied das Verwaltungsgericht Berlin, dass Verbote der Berliner Polizei von Demonstrationen zum Nakba-Gedenktag in den Jahren 2022 und 2023 rechtmäßig waren. Die Polizei hatte die Verbote damit begründet, es bestehe die Gefahr volksverhetzender und antisemitischer Parolen sowie von Gewaltausbrüchen. Das Gericht bewertete dies als ,,Grenzfall", erklärte aber die Gefahrenprognose der Polizei für nachvollziehbar.

Die Polizei erließ für die Demonstrationen regelmäßig Auflagen. Verboten waren unter anderem Aufrufe zu Gewalttaten oder ehrverletzende Parolen, Äußerungen, die die Vernichtung des Staates Israel propagieren sowie Fahnen und Kennzeichen terroristischer Organisationen wie der Hamas oder der Organisation Samidoun.

(mit dpa)


Aus: "Islamistische und linksradikale Gruppen: ,,Nakba"-Demo zog durch Berlin-Kreuzberg – 20 Festnahmen" Dominik Lenze (17.05.2026)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/islamistische-und-linksradikale-gruppen-nakba-demo-zog-durch-berlin-kreuzberg--20-festnahmen-15602951.html

Quotehartwigtobler@gmail.com
18.05.26 09:51

Dass die Nachkommen von 700.000 Vertriebenen den Verlust ihrer Heimat beklagen,
dass weiterer Landraub, wie jetzt und seit Langem im Westjordanland angeklagt wird,
dass gegen die systematische Zerstörung des Südlibanons protestiert wird, ist ja wohl legitim.

Leider laufen auf solchen Demonstrationen immer viele Dummköpfe und Provokateure mit.


Quotemetronom
17.05.26 16:13
Jahrzehntelang habe ich Israel verteidigt und auch den Angriff auf die Hamas nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.

Was dann zunehmend folgte, irritierte mich anfangs und stieß angesichts des Vorgehens im Gazastreifen, im Westjordanland, im Libanon etc. bei mir auf Entsetzen.Gestern las ich das im SPIEGEL und bin erstaunt, dass das Vorgehen Israels nicht seitens der sog. Wertegemeinschaft demokratischer Staaten auf einhellige Ablehnung und gravierende Sanktionen stößt: "Vertreibung der Hisbollah: Israel verwüstet den Südlibanon – wie Gaza. ... Nun werden dort alle Ortschaften zerstört, Haine niedergebrannt und Äcker vergiftet, um jede Rückkehr der Bewohner unmöglich zu machen. Von Anna-Lena Kornfeld, Christoph Reuter und Achim Tack (16.05.2026)
https://www.spiegel.de/ausland/libanon-israel-geht-im-sueden-vor-wie-im-gazastreifen-a-daacfa3d-ddda-4952-96e7-1d38737a4283

Reicht es nicht, zehntausende Menschen getötet, verletzt, traumatisiert, vertrieben zu haben?


QuoteTingeltangelMelanie
17.05.26 17:35
@metronom am 17.05.26 16:13

Es reicht erst, wenn Hamas, Hisbollah. Houthi, Iran & Co. die Kriegshandlungen gegen Israel endlich einstellen und beginnen, in dauerhaftem Frieden mit Israel zu leben. Niemand zwingt diese Leute, seit 78 Jahren Israel wieder und wieder anzugreifen und zu terrorisieren. Lasst Israel in Ruhe, dann lässt Israel Euch auch in Ruhe. Ganz einfach eigentlich.


Quotehartwigtobler@gmail.com
18.05.26 10:00
@TingeltangelMelanie am 17.05.26 17:35

Den wichtigsten Punkt haben sie noch vergessen.
Nämlich den, dass sich die Palestinenser am besten in Luft auflösen,
oder im Mittelmeer versinken sollen, wie Ben Gurio seinerzeits so trefflich formulierte.


QuoteFrank57
17.05.26 16:13

Jede(r) Kommentator(in), die hier einseitige Stellung beziehen, machen sich automatisch selbst zum Problem und schaden dadurch der Sache , der sie eigentlich dienen wollen.


Quotehartwigtobler@gmail.com
18.05.26 09:57

@Frank57 am 17.05.26 16:13

Ich glaube, sie überschätzen sowohl die Kommentarfunktion, als auch die Intensionen der Kommentatoren.


QuoteAnnanas
17.05.26 15:54

Es ist immer wieder beschämend wie teilweise deutsche Medien und Politiker Menschen diffamieren, die gegen Völkermord, schwerste Menschenrechtsverbrechen und himmelschreitende Ungerechtigkeit demonstrieren, nur weil diese Verbrechen vom "befreundeten" Staat begangen werden. Furchtbare Doppelmoral.


QuoteMC78
17.05.26 16:54
@Annanas am 17.05.26 15:54

Ganz im Gegenteil, deutliche Kritik am grassierenden Judenhass, der sich auch in Berlin in konkreten Gewalttaten zeigt, wäre endlich mal angebracht.


QuoteHiG
17.05.26 13:34
Bitte richtig stellen: der Polizist wurde letztes Jahr nicht "in die Menge gezogen":

Bei propalästinensischen Protesten in Berlin soll ein Polizist von den Demonstranten schwer verletzt worden sein. Sie hätten ihn in die Menge hineingezogen und auf ihm herumgetrampelt, hieß es – der Fall wurde sogar zum Thema im Bundestag. Eine Videoanalyse der Rechercheagentur Forensis, die SZ und NDR einsehen und prüfen konnten, legt ein anderes Bild nahe.
https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/berlin-palaestina-demonstration-verletzter-polizist-nakba-e991279/


Quotefamilienkutscher
17.05.26 13:04

Ein Wort zu Solidarität bzw. den Linken an sich.
Ich verurteile zwar deren Teilnahme, möchte aber darauf hinweisen, dass der Berliner Landesverband von solid und Die Linke von den anderen Landesverbänden abgelehnt und für völlig abgehoben angesehen wird.
Es sind keine typischen "Linken"


QuoteAnnanas
17.05.26 15:56
@familienkutscher am 17.05.26 13:04

Echte Linke sind gegen die Verbrechen Israels und sprechen das auch aus. "Linke" die sich für einen faschistischen Staat aussprechen sind allerhöchstens pseudolinks.


QuoteHans_aus_Berlin
17.05.26 15:59
@familienkutscher am 17.05.26 13:04

Das wiederum ist typisch links. Anderen Linken, die wahlweise zu links, nicht links genug oder anders links sind, wird das Linkssein abgesprochen. Fakt ist aber, das linke Gruppen und Organisationen Hand in Hand mit Terrorunterstützern, Antisemiten und Völkermordpropagandisten gegen Israel und gegen Juden auflaufen. Weil sie sich ein Bild von einem imperialistischen, kolonialistischem Staat Israel gemacht haben. Historische Fakten und aktuelle Tatsachen, z Bsp die Morde am 7.10. stören da nur.


QuoteCharybdis66
17.05.26 12:56
Linksjugend, Antisemiten und Anhänger der Unterdrücker des iranischen Volkes vereint.

Es wächst zusammen, was zusammengehört ...


QuoteSpassfaktorei2
17.05.26 16:16
@Charybdis66 am 17.05.26 12:56

Linke Ideologie und der Islam gehören überhaupt nicht zusammen. Die sind völlig gegensätzlich. Deswegen wundern sich viele über die Zusammenarbeit.


QuoteVercingetorix
17.05.26 16:51
@Spassfaktorei2 am 17.05.26 16:16

Korrigiere: Linke Ideologie und Islamismus passen nicht zusammen, ebensowenig passt sie zu anderen fundamentalistischen Auslegungen von Religion u.a. jüdischer und christlicher.


QuoteCharybdis66
17.05.26 17:41
@Spassfaktorei2 am 17.05.26 16:16

Wie der Forist Vercingetorix schon anmerkte, ist eigentlich die Unvereinbarkeit von linken Ideologien mit Islamisten (oder anderen stark ideologisierten und dogmatisierten religiösen Strömungen) gegeben. Denn es gibt auch unter Linken religiöse Menschen, die das nicht als Widerspruch sehen, solange es eben nicht extremistisch wird.

Im vorliegenden Fall kommen aus der Linksjugend aber immer und immer wieder israelfeindliche Äußerungen, die über eine berechtigte Kritik weit hinausgehen, und so treffen sich hier eben unselige Verbündete gegen ein gemeinsames Feindbild.

Das gab's schon beispielsweise in der Weimarer Republik, wenn Nazis und Kommunisten gemeinsam Sozialdemokraten verdroschen.


QuoteBam2015
17.05.26 12:50

Wenn die Wahl in Berlin ähnlich gewichtet ist wie hier die Kommentare bin ich einigermaßen zufrieden. Die Linke drängt sich mit ihrer Hater-Positionierung selbst an den Rand. Da sind sie richtig um weiterhin die Opferrolle pflegen zu können. Was außer Acht gelassen wird: Die Mehrheit will Frieden. Der ist mit Propagandistinnen und Ideologinnen nicht zu schaffen.


QuoteAnnanas
17.05.26 15:58
@Bam2015 am 17.05.26 12:50

Hier ist vieles Fake. Das Internet mit bezahlten Trollen und Bots bildet nicht die Realität ab. Es fällt immer wieder auf.


QuoteAndreasHelmut
17.05.26 16:21
@Annanas am 17.05.26 15:58

Ich glaube nur die Verschwörungstheorien, die wahr sind?!?


QuoteHiG
17.05.26 12:07

Wie es sich wohl für die rund 40.000 Menschen in Berlin mit palästinensischen Wurzeln anfühlt, wenn der TSP den historischen Fakt der Nakba in Anführungszeichen setzt? Menschenverachtend oder bloß ignorant?


QuoteMawa
17.05.26 12:42
@HiG am 17.05.26 12:07

Wie es sich wohl für die anderen 3Mio Bürger dieser Stadt wohl anfühlt, diesen jährlich stattfindenden Unfug auf Berlins Straßen miterleben zu müssen?

Man muss sich auch nicht stehts und ständig die Befindlichkeitsschuhe anderer Länder überstülpen. Wir haben genug eigene Geschichte, welche noch immer aufgearbeitet werden will.


QuoteCharybdis66
17.05.26 12:54
@HiG am 17.05.26 12:07

    Wie es sich wohl für die rund 40.000 Menschen in Berlin mit palästinensischen Wurzeln anfühlt, wenn der TSP den historischen Fakt der Nakba in Anführungszeichen setzt? Menschenverachtend oder bloß ignorant?

Was ermächtigt Sie, für alle Menschen mit palästinensischen Wurzeln hier zu sprechen?

Schließlich verkennt die TSP-Redaktion keineswegs den geschichtlichen Hintergrund, vergisst allerdings auch nicht, dass dieser ,,Gedenktag" (ja, in Anführungszeichen für mich) in der Vergangenheit immer und immer wieder ein Scheinargument für Antisemitismus und Gewalt war. So verliert der berechtigte Anspruch auf Gedenken und Trauer eben an Berechtigung.

Dies kritisieren auch Menschen mit palästinensischen Wurzeln. Nur werden diese häufig als Verräter beschimpft und bedroht und halten sich deshalb mit öffentlichen Äußerungen zurück.


QuoteLincoln_bln
17.05.26 12:57
@HiG am 17.05.26 12:07

Gegenfrage: Warum wurden die Palästinenser ,,vertrieben?" Anscheinend haben Sie von Geschichte keine Ahnung oder ignorieren sie bewusst aus ideologischen Gründen!
Der junge Staat Israel wurde damals von den arabischen Staaten mit dem Ziel angegriffen ihn zu vernichten! Und diese Vernichtung der Juden in Palästina zieht sich seit der Jahrhundertwende durch die Geschichte da islamistisch-nationalistische Kreise sich dieses auf ihre Fahnen geschrieben hatten! Beschäftigen Sie sich mit der Geschichte dieser Region und Sie werden sehen, dass der Hass aus islamistischen-nationalistischen Kreisen kommt und dieser über die Generationen weiter gegeben wurde!


QuoteHiG
17.05.26 13:30
@Lincoln_bln am 17.05.26 12:57

Oh je, sind sie sicher, dass das so einfach war? Es gibt auch Quellen, die das friedliche Zusammenleben bis zur Errichtung des israelischen Staates betonen...

Und die Palästinenser können und könnten ja wohl nix für den Holocaust.


QuoteLincoln_bln
17.05.26 13:56
@HiG am 17.05.26 13:30

Beschäftigen Sie sich mit der Geschichte und dem Verhältnis der islamistisch-nationalistischen Gruppen unter den Arabern zur jüdischen Einwanderung nach Palästina und zwar seit der Jahrhundertwende; Stichwort arabischer Aufstand in den zwanziger Jahren, Massaker von Hebron, dem von v. Falkenstein verhinderten Genozid im WK I!


QuoteHans_aus_Berlin
17.05.26 15:02
@HiG am 17.05.26 13:30

Das ist ein Scheinargument. Vorher war da das Osmanische Reich, dann Mandatsgebiete. Mit UN Beschluss wurden zwei Staaten vorgesehen. Die Araber wollten alles und haben den Krieg angefangen. Und alle weiteren danach. Das wird hier seit fast 3 Jahren immer wieder erklärt. Man muss Realität und Fakt auch mal zur Kenntnis nehmen. Es ist unerträglich und auch unsinning hier immer wieder dieselben falschen "Argumente" diskutieren zu sollen. Die Palästinenser Unterstützer wollen sich nicht informieren, sie wollen nicht diskutieren, sie bringen immer wieder dieselben falschen Behauptungen. So funktioniert das nicht.


QuoteRichardsdorf
17.05.26 14:20

@HiG am 17.05.26 12:07
Wie es sich wohl für die hier lebenden Menschen mit israelischen Wurzeln und/oder jüdischen Glaubens anfühlt, wenn ihnen von den Demonstranten das Existenz-und Lebensrecht abgesprochen wird?
Wenn stets von der Vertreibung arabischer Menschen, nicht aber von der (parallel bzw. unmittelbar darauf folgenden) Vertreibung von 900.000 Juden aus den arabischen Staaten gesprochen wird, auch nicht von der einseitigen Kriegserklärung der arabischen Staaten am Tag nach der Staatsgründung Israels?

Davon ist im TSP zu lesen, wenn auch selbstverständlich nicht im Umfeld aller Artikel.
Und Sie kritisieren die Anführungszeichen?
Bei den Demonstrationen jedoch fehlen diese Fakten komplett.
Frage: "Menschenverachtend oder bloß ignorant?"


QuoteTingeltangelMelanie
17.05.26 17:44
@HiG am 17.05.26 12:07

Der Begriff ist nicht neutral, sondern bewertet die historischen Ereignisse aus einer bestimmten Perspektive, die nicht von allen geteilt wird und sie nicht vollständig abbildet. Aus dem gleichen Grund setzen Historiker und Journalisten Begriffe wie ,,Reichskristallnacht" oder ,,Machtergreifung" in Anführungszeichen.


QuoteTommy_neu
18.05.26 10:23

@HiG am 17.05.26 12:07
1998 wurde von Arafat der Begriff ,,Nakba" geprägt.

Zur Vorgeschichte: 1947 machte die UNO einen Teilungsplan, der die Schaffung zweier Staaten vorsah. Die Juden stimmten zu, die Araber lehnten ab. 1948 wurde Israel gegründet und sofort begannen die arabischen Nachbarstaaten Israels mit einem genozidalen Angriff. Es war das erklärte Ziel der Araber die Juden zu vernichten. Sie sind gescheitert und viele Araber verloren die Heimat.

Seitdem versuchten die Araber in zwei weiteren Kriegen, die Juden zu vernichten. ...


Quotestadtlandmensch
17.05.26 11:22

    Bei einer Demonstration mit rund 1000 Teilnehmern im vergangenen Jahr wurden mehrere Polizisten verletzt, einer davon schwer. Der 36 Jahre alte Polizist wurde in die Menge hineingerissen und niedergetrampelt, erlitt einen gebrochenen Arm und Verletzungen am Oberkörper.

Diese Polizeimeldung zur Nakba Demo 2025 ist längst durch detaillierte Video-Recherchen widerlegt, sollte auch der Tagesspiegel wissen:

https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/berlin-palaestina-demonstration-verletzter-polizist-nakba-e991279/


QuoteBam2015
17.05.26 12:08
@stadtlandmensch am 17.05.26 11:22

Das macht den blinden Hass und zielgerichtete Menschenverachtung besser?


QuoteMaVo
17.05.26 13:02

@stadtlandmensch am 17.05.26 11:22
Der brutale Angreifer war damals der verrohte Polizist - der in die Demo stürmte - (nicht gezogen wurde) und Personen ohne Not ins Gesicht schlug, schuld an der Verletzung seine rücksichtslosen Kollegen (welche eingequetschte Menschen auf ihn schubsten)... aber klar, immer die Lügen der Polizei widerholen - selbst, wenn sie längst widerlegt sind!


QuoteStefLake
17.05.26 16:59

@stadtlandmensch am 17.05.26 11:22
Darauf wurde hier im Forum nun mehrfach hingewiesen. Die Passage ist dennoch unverändert im Artikel enthalten, die Moderation schweigt. Unfassbar.


QuotePat7
16.05.26 17:33

Radikale Linksjugend, Unterstützer des babarischen Mullahsystems im Iran und Sympathisanten der Hamas. Was für eine Mélangé....


QuoteThink1stSpeak2nd
17.05.26 10:27

Wer mit den Schergen der islamfaschistischen Mullahs, der Hamas und anderen Feinden der Freiheit gemeinsame Sache macht, hat jegliche Integrität längst verloren und steht auf der selben Seite wie diese. Die IRGC-Schläger werden sie ja wohl nicht gemeint haben, als sie ,,Bullenschweine raus aus der Demo" skandierten!

Ist die "Linksjugend Solid" eigentlich schon mit der "Generation Deutschland" in Verhandlung über einen bevorstehenden Vereinigungsprozess getreten? Mit Antifaschismus haben die ja offenbar ebensowenig zu schaffen, wie ihre "Kameraden" von der rechtsextremen Parteijugend!


QuotePat7
16.05.26 17:50

PS: Ich folge der Polizei auf WhatsApp. Bereits mehrfach ploppten Meldungen auf, dass wie jedesmal Polizisten angegriffen wurden.

Und solche Typen bieten dann den Erzkonservativen und Reaktionären die Steilvorlage generell das Demonstrationsrecht einzuschränken.


Quotefrabe
16.05.26 17:26

Hat sich eigentlich mal jemand den Artikel richtig durchgelesen?

Da wird der Bogen zur Hamas über eine Dachorganisation geschlagen und auf vergangene Demos hingewiesen.
Das Zionismus aus Sicht der Palästinenser ein Verbrechen ist, kann man nachvollziehen, weil er dazu geführt hat, dass man ihnen das Land weggenommen hat.

Und dass Israel viele Frauen, Kindern und Babys bei ihren Luftangriffen getötet hat und immer noch tötet ist nun mal Fakt.

Im Westjordanland werden die Palästineser täglich angegriffen. Die Demo verlief ansonsten offensichtlich besser als die letzten Jahre.


Quoteglaubich
17.05.26 11:49

@frabe am 16.05.26 17:26
Ja, den Wahrheiten, bedarf es immer zwei Seiten! Gewalt gegen Unschuldige darf sich nicht durchsetzen.


QuoteCoronations
17.05.26 11:51
@frabe am 16.05.26 17:26

Auch Fakt: täglich Raketen auf Israel; seit Jahren.


QuoteBam2015
17.05.26 12:15
@frabe am 16.05.26 17:26

Fakt ist vor allem, dass Hass lediglich neuen gebiert.


QuoteLincoln_bln
16.05.26 17:00

Hat die linke Jugend nicht im Geschichtsunterricht aufgepasst, was mit der iranischen Linken nach dem Sturz des Schahs geschah? Anscheinend nicht, sonst wüssten sie, dass die Mullahs die iranischen Linken einfach am Galgen aufgehängt haben!

Eines muss man den Linken lassen, sie bleiben lernresistent!


QuoteOliverBenjamin
17.05.26 11:36

@HAHABerlin am 17.05.26 09:57

... Die Linken sind Khomeini damals auf dem Leim gegangen und haben dem geglaubt, Vereint gegen Imperialismus, USA- Feindlichkeit und Kapitalismus, was auch immer bei Israel mitschwingt.

Nachdem was Linke nach 1979 im Iran passiert ist, werden heute immer noch linke Fähnchen geschwingt unter der Flagge der Mullahs. Wissen Sie was im Meander da drauf steht? "Allahu Akbar"!

Es geht hier nicht um Religion sondern um politischen Islam! Das ist der Unterschied. Anscheinend hat man nicht gelernt!


QuoteLorn
16.05.26 16:35

Ich sehe da auf dem Foto Flaggen des Irans - des Staates, der auf Betreiben des international gesuchten Kriegsverbrechers Netanjahu Opfer eines einem völkerrechtswidrigen Angriffskriegs wurde.

Und in Hintergrund ist eine Flagge des Libanons - des Staates, in dem sich jetzt eine Million Menschen auf der Flucht befinden, weil der Verbrecher Netanjahu und seine rechtsextreme Regierung auch auf deren Land nur zur gerne ihre völkerrechtswidrigen "Siedlungen" errichten wollen.


QuoteAnakaleakala
16.05.26 16:51
@Lorn am 16.05.26 16:35

Der Iran ist Opfer? Da würde ich aber schnell noch mal in die Geschichtsbücher der letzten 15 Jahre schauen.


Quotefrabe
16.05.26 17:30
@Anakaleakala am 16.05.26 16:51

Machen wir.

Seit wie viel Jahren besetzt Israel widerrechtlich die Golanhöhen? Seit wie viel Jahren liefern sie sich immer wieder Kämpfe mit der Hisbollah und töten dabei immer wieder Zivilisten?
Der Iran ist in diesem Fall natürlich Opfer.
Unter dem Vorwand einer Atombombe (wie damals im Irak die Chemiewaffen) wurden unschuldige Menschen so nebenbei getötet.

Wir sollten von Israel und USA Schadensersatz für die Öl- und Gaskrise fordern.


QuoteRobert_Rostock
17.05.26 11:36
@frabe am 16.05.26 17:30

Die Golanhöhen liegen im Iran?


QuoteHolulue
17.05.26 11:50
@frabe am 16.05.26 17:30

Das die Hisbollah Israel zuerst angreifte vergessen Sie allerdings.
Der Golan hat nix mit dem Iran zu tun. Da dürfte sich bestenfalls Syrien beklagen.
Wollen Sie übrigens Ostpreussen und Schlesien auch zurückhaben?
Das gehörte mal uns.


QuoteFirstReader
16.05.26 17:02
@Lorn am 16.05.26 16:35

Israel ist aus dem Libanon angegriffen worden.
Aber es gibt sicherlich eine Menge Libanesen, die lieber unter israelischer Herrschaft leben würden als mit dem Terror der Hisbollah.


QuoteKuno
16.05.26 17:10
@Lorn am 16.05.26 16:35

Die Islamische Republik Iran meinen Sie - jenes Land, das mit beispielloser Gewalt gegen seine opponierende Bürger vorgeht und - nicht zu vergessen - gegen Frauen, die kein Kopftuch tragen.

Libanon - jenes Land, das unter Blauhelm-Aufsicht schaffte umfangreich aufzurüsten und Israel bereits vor dem 07.10.23 immer wieder mit Raketen anzugreifen.

Sorry, wer unter solchen Fahnen (mit)läuft, kann mich nicht überzeugen, ausschließlich wegen des Gedenkens an die Opfer des von der Hamas angezettelten Krieges dort dabei zu sein.


Quotetiber5
16.05.26 16:30

Öffentlicher Aufmarsch beinharter Antisemiten und Israelhasser in Berlin - 80 Jahre nach dem Untergang des Naziregimes.

Unfassbar, ekelhaft, widerwärtig.

,,Auch die Linksjugend Solid, Jugendorganisation der Partei Die Linke, war vor Ort."

Das verwundert nicht.

"Am Moritzplatz hatte sich eine kleine Gruppe mit Israel-Flaggen und Transparenten zum Gegenprotest versammelt. ,,The history of 1948 is complex – your hate is not", stand auf einem Plakat."

Vielen Dank den mutigen Gegendemonstranten - mögen sie gegen die gewaltbereiten Antisemiten von der Polizei geschützt werden und unversehrt bleiben.


QuoteSotrax
16.05.26 16:01

Was für ein Unsinn. "Der erste Redner insistierte wenig später, dass es ,,keinen Frieden" auf ,,gestohlenem Land" geben könne [...]"

Würden wir die gleiche Logik anwenden, übergeben wir Spandau und Köpenick als alte slawische Siedlungen an Polen, dafür werden Stettin, Marienburg und Königsberg wieder deutsch? Ab wie vielen Jahren verjährt ein "Anspruch" auf ehemalige Gebiete?

Ich bin im Herzen überzeugter Linker, aber eine Partei, die sich auf die Seite von Terroristen stellt, die mit den Flaggen des islamistischen Terrorstaates Iran marschiert, die kann man leider nicht ernst nehmen..


...

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Quote[...] Steffen Seibert, der ehemalige deutsche Botschafter in Israel, hat nach seiner Rückkehr ungewöhnlich scharfe Kritik an der israelischen Regierung geübt. Die Siedlungspolitik sei »Vertreibung mit Mitteln der psychologischen und der realen Gewalt«, sagt Seibert in einem Interview mit der »Zeit« [https://www.zeit.de/zeit-magazin/2026/35/steffen-seibert-deutscher-botschafter-israel-gaza-siedlergewalt].

Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte Israels Sicherheit als Teil der deutschen Staatsräson erklärt. Seibert, Merkels damaliger Regierungssprecher, sagte dazu nun, dass die deutsche Selbstverpflichtung für Israel in seinen international anerkannten Grenzen gelte. »Aber das gilt nicht gegenüber den Siedlern im Jordantal. Nach internationalem Recht sind das illegale Siedlungen, die der Ideologie folgen: Dies ist allein unser Land, Gott hat es uns geschenkt. Darauf bezieht sich die Staatsräson nicht, sie unterstützt nicht das Überlegenheitsgefühl gegenüber einer anderen Bevölkerung«, sagte Seibert der »Zeit«.

Seibert forderte daher eine Veränderung der deutschen Israelpolitik. Man müsse klarmachen, was gemeint ist, »wenn wir richtigerweise sagen, dass wir zu Israel stehen. Wir haben jahrzehntelang von Israel als der einzigen Demokratie in der Region gesprochen, und das stimmt. Aber das bedeutet nicht, dass unsere Unterstützung jegliches staatliche Verhalten Israels einschließt, zum Beispiel nicht die Besatzung, die nun ins 60. Jahr geht.« Er sei jedoch gegen Boykotte und gegen Maßnahmen, die den Wissenschaftsaustausch einschränken, so Seibert. »Die Frage muss sein, ob es gezielte Maßnahmen gibt, die unsere Ablehnung der verhängnisvollen Siedlungspolitik klarer macht.«

In den vergangenen Jahren haben Gewalttaten israelischer Siedler gegen Palästinenser im Westjordanland zugenommen. Dem israelischen Militär wird immer wieder vorgeworfen, es gehe nicht entschlossen genug gegen solche Angriffe vor. Es gibt kaum Berichte darüber, dass Siedler nach Attacken zur Rechenschaft gezogen werden.

Israelische Menschenrechtsaktivisten werfen der Armee vor, extremistische Siedler im Westjordanland bei der Gewalt gegen Palästinenser zu unterstützen. »Siedlermilizen, unterstützt vom israelischen Militär, weiten ihre Angriffe auf palästinensische Dörfer und Städte aus«, erklärte die Geschäftsführerin der Organisation B'Tselem, Yuli Novak.

Im jüngsten Fall sollen israelische Siedler im Westjordanland die palästinensischen Bewohner eines abgelegenen Hauses tagelang bedrängt haben. Berichten zufolge blockierten die Siedler die Zugänge zu dem Haus in dem Dorf Qusra etwa mit großen Steinen, die Palästinenser waren demnach dort eingeschlossen. Das israelische Militär geht eigenen Angaben zufolge gegen die Siedler vor. Israelischen Medien zufolge kamen kürzlich mehrere israelische Soldaten zu dem Außenposten der Siedler in Qusra. Allerdings beteten sie lediglich mit den Siedlern und ließen sie sonst gewähren.

Bereits im vergangenen Monat kam es Berichten der »Times of Israel« und der palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa zufolge in einem nahe gelegenen Dorf zu einem ähnlichen Vorfall. Dort habe die Familie ihr Haus verlassen, nachdem Siedler sie wochenlang bedrängt hatten. Inzwischen halten sich demnach die Siedler in dem Haus der Palästinenser auf.


Aus: "Seibert kritisiert israelische Siedlungspolitik scharf" czl/dpa/KNA (12.08.2026)
Quelle: https://www.spiegel.de/politik/deutschland/israel-steffen-seibert-kritisiert-israelische-siedlungspolitik-scharf-a-0b29a1db-1183-4925-8a9e-70ec70ad7a25