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[Einführung ins kritische Denken (Bullshit-Resistenz) ... ]

Started by Link, May 03, 2024, 12:07:01 PM

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Mit der Wortkombination kritisches Denken (im Englischen critical thinking) ist umgangssprachlich der faktengestützte Prozess des Nachdenkens gemeint, ohne sich von Gefühlen (Emotionen) oder Meinungen beeinflussen zu lassen. Es geht dabei um die Anwendung logischer Prinzipien, strenger Beweisstandards und sorgfältiger Argumentation bei der Analyse und Diskussion von Informationen, Behauptungen, Überzeugungen, Problemen etc., um schließlich zu einem eigenen Urteil zu gelangen. Der Begriff umfasst auch die Gesamtheit der Fähigkeiten, Fertigkeiten, Kompetenzen, Methoden usw., die zum kritischen Denken gehören. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Kritisches_Denken

Kognitionswissenschaft ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die sich mit der Verarbeitung von Information im Rahmen von Wahrnehmungs-, Denk- und Entscheidungsprozessen befasst, sowohl beim Menschen als auch bei Tieren oder Maschinen. In ihren Bereich fallen auch Themen wie Gedächtnis, Lernen, Sprache, Emotion, Motivation und Volition.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitionswissenschaft


https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorie:Kognitionswissenschaft

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Philipp Hübl (* 21. November 1975 in Hannover) ist ein deutscher Philosoph und Publizist.
"... In seinem 2018 erschienenen Essay Bullshit-Resistenz, der in der Reihe Tugenden für das 21. Jahrhundert veröffentlicht wurde, betont Hübl die Pflicht zum kritischen Denken, um Wahrheit von Unwahrheiten zu unterscheiden und so den allgegenwärtigen Verschwörungstheorien und Fake News etwas entgegenzusetzen. Auch warnt er vor Stammesdenken, also dem blinden Folgen aller Positionen der jeweiligen eigenen politischen Verortung. ..."
https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_H%C3%BCbl

Tribalismus (von lat. tribus = Stamm, engl. tribalism = Stammeszugehörigkeit) steht in der Politikwissenschaft für Stammes-Denken, bzw. Stammes-Bewusstsein sowie eine stammesgebundene Politik.
https://de.wikipedia.org/wiki/Tribalismus


"Philosoph Philipp Hübl - Jung & Naiv: Folge 348" (2018)
https://youtu.be/GLTxsT6BgTQ


Philipp Hübl: Vorlesung "Bullshit-Resistenz: Einführung ins kritische Denken" (2023)
https://youtube.com/playlist?list=PLnNbFF6NPy3zL5uvLMjKCMRByR9kouFCY&feature=shared

Vorlesung "Bullshit-Resistenz" (2023, UDK Berlin) 1. "Einführung: Lügner, Bullshitter und Trottel"
Wie hat sich der Nachrichtenmarkt durch die Digitalisierung verändert? Was ist eine Lüge? Was ist Bullshit? Worin unterscheiden sich Lügner, Bullshitter und Trottel? Worin bestehen Täuschung und Selbsttäuschung, Lügen und Notlügen, irreführende Aussagen, der "Strukturwandel der Öffentlichkeit", die Idee der Aufklärung und die Kunst des kritischen Denkens?
https://youtu.be/azp3g8vpBJE

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Ringvorlesung ,,Wissenschaft und Alternative Fakten" (21.04.2022)
Die Ringvorlesung "Wissenschaft und Alternative Fakten" an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel möchte einen regen und unmittelbaren Diskurs zwischen Gesellschaft und Wissenschaft ermöglichen. Die Veranstalter möchten Wissenschaft nahe an die Menschen bringen, Neugierde fördern, ermutigen Fragen zu stellen und sich kritisch mit Informationen auseinander zu setzen. Sol soll das Vertrauen zwischen Gesellschaft und Wissenschaft nachhaltig gefördert werden kann.
https://idw-online.de/de/event71307

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"Vorlesung zu ,,Alternativen Fakten": Die Errettung vom Blödsinn" (2.5.2022)
Die Kieler Ringvorlesung ,,Wissenschaft und Alternative Fakten" soll gegen Populismus und Propaganda helfen. Sie ist auch per Zoom zugänglich für alle. ... Eine wichtige Aufgabe. Verschwörungserzählungen und Fake News haben Zulauf, von den sich in einer Impfdiktatur wähnenden Querdenkern bis zu all jenen, die behaupten, Russland verteidige sich in der Ukraine gegen Nazis. Bonitz will mit Wissenschaftskommunikation dagegenhalten: 2017 hat er an der Universität Kiel die Ringvorlesung ,,Wissenschaft und Alternative Fakten" ins Leben gerufen, getriggert durch Donald Trumps Falschbehauptung, zu keiner Amtseinführung eines US-Präsidenten seien mehr Menschen gekommen als zu seiner. Die Vorlesungen sind interdisziplinär, laienverständlich, kostenfrei und offen für alle. ...
https://taz.de/Vorlesung-zu-Alternativen-Fakten/!5847515/

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Wissenschaft und alternative Fakten - Viele Fragen werden heute kontrovers und emotional diskutiert. Was sind Meinungen? Was sind Fakten? Wo beginnt Populismus? Was geht uns das an?
Diesen und weiteren Fragen möchten wir gemeinsam mit Euch/Ihnen und wissenschaftlich ausgewiesenen Expertinnen und Experten in unserer Ringvorlesung nachgehen. Dabei stellen Fachleute aus unterschiedlichen Gebieten aktuelle Forschungsergebnisse und Methoden allgemeinverständlich in etwa 30-minütigen Impuls- vorträgen vor. Aus erster Hand geben sie dabei Einblick in die wissenschaftliche Arbeitsweise auf ihrem Gebiet und in den komplexen Weg von Fragen zu Fakten. Die einzelnen Vorträge werden auf Video aufgezeichnet und anschließend online gestellt.
Die Veranstaltung findet in Präsenz an der Uni Kiel statt! Darüber hinaus ist eine Online-Teilnahme möglich (Zugang über die Webseiten).
Datum: donnerstags, 28.11.2024 bis 06.02.2025
https://www.uni-kiel.de/de/veranstaltungen/ringvorlesungen/wissenschaft-und-alternative-fakten

Wissenschaft und alternative Fakten von Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Video Playlist)
https://www.youtube.com/watch?v=_5SOMrM4YMw&list=PLxaLmjqslTi5ir4JIlTKPb6ZM1gsksoYh&pp=iAQB

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Ringvorlesung: Wissenschaft und alternative Fakten (III):
Prof. Dr. Dr. Felix Ekardt: "Wie einfache Wahrheiten die Demokratie untergraben:
Beispiel Energiewende nach der Kattowitzer Klimakonferenz"
Gründer und Leiter der Forschungsstelle Nachhaltigkeit und Klimapolitik, Leipzig
Professor für Öffentliches Recht und Rechtsphilosophie, Universität Rostock
Aufzeichnung vom 10.1.2019 | #MarchforScience #UniKiel #AlternativeFakten
https://youtu.be/NjSP6lPbKfw

Felix Ekardt (* 1. April 1972 in West-Berlin) ist ein deutscher Jurist, Philosoph und Soziologe.
Ekardt setzt sich insbesondere mit der Theorie der Gerechtigkeit, mit der Theorie der Nachhaltigkeit, mit der Klimapolitik, mit Fragen der politischen Steuerung und Governance in der Weltgesellschaft und mit den Bedingungen gesellschaftlichen Wandels auseinander.
https://de.wikipedia.org/wiki/Felix_Ekardt

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#2
Quote[...] Nachdem die Frankfurter Schule im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts immer wieder für tot erklärt worden war, kehrt die Kritische Theorie im ersten Viertel des 21. Jahrhunderts mit neuem Elan zurück. Ausgehend nicht zuletzt von studentischen Lesegruppen oder von diesen initiierten Vortragsreihen richtet sich das neue Interesse vor allem auf das umfangreiche interdisziplinäre Forschungsprojekt zum Antisemitismus, welches das Institut für Sozialforschung im Exil durchgeführt hatte.

Dazu gehören etwa die von Adorno koordinierten sozialpsychologischen Studien zum autoritären Charakter, die von Leo Löwenthal und Norbert Guterman durchgeführten Untersuchungen über die antisemitische Agitation in den USA in den 1940er Jahren oder die von Paul W. Massing vorgelegte geschichtswissenschaftliche Abhandlung über die Entstehung des politischen Antisemitismus im deutschen Kaiserreich. Darüber hinaus richtet sich das neue Interesse vor allem auf die Frühgeschichte des Instituts für Sozialforschung. Weniger Beachtung hatte bisher die Entwicklung der Frankfurter Schule nach dem Tod von Theodor W. Adorno gefunden.

Dieser Geschichte hat sich nun der Historiker Jörg Später gewidmet. Nach einem kurzen Blick auf die Entstehung des Instituts für Sozialforschung schildert der Autor Adornos Rückkehr aus dem Exil nach Frankfurt am Main und betont die Bedeutung von dessen Reden und Vorträgen für die westdeutsche Öffentlichkeit. Sodann beschreibt er die von geschichtsblindem Aktivismus und selbstverschuldeter Verblendung gezeichnete studentische Agitation am Institut im Wintersemester 1968/69, die sich auch gegen Adorno richtete, der dann im August 1969 starb.

Und damit tritt Später in seinen Hauptteil ein: die Entwicklung des Instituts von den 1970er bis zu den 1990er Jahren. Dabei folgte er den Wegen des weiterhin am Frankfurter Institut lehrenden Alfred Schmidt, dem Wechsel von Jürgen Habermas nach Bayern, ferner der Entwicklung der Lüneburger und Hannoveraner ,,Nester der Kritischen Theorie" von Hermann Schweppenhäuser und Oskar Negt. Auch bezieht Später den philosophierenden ,,Eremiten" Karl Heinz Haag oder den Ausgestoßenen Herbert Schnädelbach ebenso ein wie die feministischen Varianten, für die Elisabeth Lenk und Helge Pross stehen. Am Ende dieser Geschichte steht der Historikerstreit, der nicht von Historikern ausging, sondern von Jürgen Habermas. Mit ihm wurde Adornos ,,Nie wieder" zur Grundlage einer neuen Erinnerungspolitik in Deutschland.

Paradoxerweise ist aber keiner der unmittelbaren Erben Adornos, wie Später betont, auf die umfassenden Studien des Instituts zum Antisemitismus aus der Zeit des Exils oder auf die Rolle von Adorno als öffentlichem Philosophen im Kampf gegen den aktuellen Antisemitismus eingegangen. Erst ein Schüler der dritten Generation, Detlev Claussen, hat dieses Thema mit seiner Studie zur gesellschaftlichen Geschichte des modernen Antisemitismus aufgegriffen.

Der Autor hat die philosophischen Kontroversen und intellektuellen Konflikte unter Adornos Erben präzise rekonstruiert; darauf, dass die Geschichtswissenschaften in der Frankfurter Schule eher geringe Reputation genossen hatten, ist der Historiker Später indes nicht eingegangen. Die Geschichte, die Später aus der alten Bundesrepublik erzählt, macht deutlich, dass wir heute, am Ende des ersten Viertels des 21. Jahrhunderts, in einem neuen turbulenten Zeitalter leben. Das Bedürfnis nach einer Kritischen Theorie der Gegenwart ist umso dringlicher.

Zu: Adornos Erben
Eine Geschichte aus der Bundesrepublik
Suhrkamp Verlag, Berlin 2024, 760 Seiten


Aus: "Die Rückkehr der Kritischen Theorie" Jörg Später (12. Mai 2025)
Quelle: https://www.wissenschaft.de/rezensionen/buecher/die-rueckkehr-der-kritischen-theorie/

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Gegenstand der Theorie ist die ideologiekritische Analyse der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft, das heißt: die Aufdeckung ihrer Herrschafts- und Unterdrückungsmechanismen und die Hinterfragung ihrer Ideologeme mit dem Ziel einer vernünftigen Gesellschaft mündiger Menschen. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Kritische_Theorie


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Quote[...] Rechts ist die neue Mitte. Wäre in Deutschland morgen Bundestagswahl, käme die AfD wohl auf rund 20 Prozent – ungefähr so viel, wie Grüne und Linkspartei zusammen. In dem Teil der bürgerlichen Öffentlichkeit, der sich von dieser Entwicklung besorgt zeigt, wird über die möglichen Gründe debattiert. Sind gegenderte Nachrichtensendungen schuld? Schlecht vermittelte Heizungsgesetze? 

Max Horkheimer, Begründer der Frankfurter Schule, der heute vor 50 Jahren verstarb, hätte angemahnt, tiefer zu blicken, erstaunt gewesen aber wäre er nicht. Pünktlich zum 50. Todestag sind mehrere Publikationen erschienen, die erklären, wie relevant sein Denken noch ist – etwa der Essay ,,Der junge Horkheimer" von Arno Münster oder die Einführung ,,Zur Aktualität von Max Horkheimer" von Gerhard Schweppenhäuser. Was hat uns Horkheimer heute noch zu sagen?

Obwohl sich seine Haltung später differenzierte, ging er auch noch im Alter davon aus, dass die Widersprüche des Liberalismus dazu führen, dass sich dieser selbst kannibalisiert. Die liberale Ordnung habe in sich die Tendenz, früher oder später in Faschismus zu münden. 

Den Umschlag einer parlamentarischen Ordnung in ein autoritäres Führer-Regime hat Max Horkheimer hautnah erlebt, sein Denken kreiste fortan um dieses Geschehen. Kurz nachdem er die Leitung des in der Weimarer Republik gegründeten ,,Frankfurter Instituts für Sozialforschung" übernommen hatte, musste er als Jude und Marxist ins Exil. 1933 ging es in die Schweiz, von dort aus nach New York an die Columbia University und später nach Pacific Palisades in Kalifornien. 

Er bildet einen Kreis vor allem deutsch-jüdischer Denker, der bis heute als Frankfurter Schule bekannt ist. Das, was man in der mittlerweile x-ten Generation noch immer als Kritische Theorie bezeichnet, findet im US-Exil seine Form. Max Horkheimers und Theodor Wiesengrund Adornos Rückkehr ins postfaschistische Deutschland, an die Frankfurter Uni im Jahr 1950, leitet dann schließlich nicht weniger ein, als die intellektuelle Wiedergeburt des von allen guten Geistern verlassenen Landes.

Horkheimer kommt 1895 in Stuttgart-Zuffenhausen zur Welt, als Sohn eines jüdischen Kunstwollfabrikanten. Er soll die Leitung der väterlichen Firma übernehmen, geht aber nach München, Frankfurt und Freiburg, um Philosophie, Psychologie und Nationalökonomie zu studieren. Durch Schopenhauers Mitleidsethik geprägt, ist er vom Arbeiterelend erschüttert, avanciert bald zum unorthodoxen Marxisten. Als Ordinarius für Sozialphilosophie und Direktor des Instituts für Sozialforschung hat Horkheimer große Ziele. Er will die Gesellschaft als ganze durchleuchten. Die Philosophie stellt die Fragen bereit, die empirisch arbeitenden Einzeldisziplinen sollen sie präzise beantworten helfen.

Durch die Forschung von Denkern wie Adorno, Leo Löwenthal oder Erich Fromm fusioniert die Kritik der politischen Ökonomie mit Kulturtheorie und Psychoanalyse. Voreilige Schlüsse des marxschen Denkens will man sozialpsychologisch korrigieren. Die entscheidende Frage, die Horkheimer umtreibt: Warum rebellieren die geknechteten Massen nicht gegen die kapitalistische Herrschaft, so wie Marx es vorausgesehen hatte, sondern geilen sich lieber an der Volksgemeinschaft auf? Und warum entstehen dort, wo sie rebellieren, aus den widerstreitenden Klasseninteressen eben keine sozialistischen Freiheitsparadiese, sondern neue bürokratische Machtapparaturen?

Die Freunde Adorno und Horkheimer erkennen: Dass das Sein automatisch das Bewusstsein bestimmt, also jenes in den Werkhallen erfahrene Elend stets klassenbewusste Proletarier erzeugt, die sich für Freiheit und Gleichheit engagieren, ist kurzschlüssig und psychologievergessen.

Selbst die in den Fabriken herrschenden Gedanken können die Gedanken der Herrschenden sein. Das autoritär-hierarchische Weltbild der liberal-bürgerlichen Klassengesellschaft ist auch vielen Knechten in den Leib eingeschrieben. Nicht selten bejubeln Menschen ihre Unterdrücker. So zeigen Adorno und Horkheimer in ihren Studien zum autoritären Charakter, wie die empfundene Machtlosigkeit im engen Korsett der ,,verwalteten Moderne" durch die Bindung an Führerfiguren kompensiert wird.

Der kleine Mann freut sich, zum Volk zu gehören, er identifiziert sich mit jenen, die stark sind und nicht mit denen, die schwächer sind als er. Gegen diese aber richtet sich die aufgestaute Wut. Und anstatt die Verhältnisse verantwortlich zu machen, werden die Weltübel personifiziert, und dem ewigen Sündenbock, ,,dem Juden", zugeschoben, der als Opfer ,,falscher Projektionen" fungiert.

Nicht von ungefähr gelten Horkheimer und Adorno heute vielen als Ahnherren der sozialwissenschaftlichen Antisemitismusforschung. Auch die Rechtsextremismus- und Populismusforschung greift auf Erkenntnisse der beiden zurück. [Der] Horkheimer Test, um Demagogen zu erkennen, könnte auch gestern entworfen worden sein. Denn charakteristisch sei vor allem dies: Dass der Zweifel aus der Rede ausgeschlossen werde, die Masse der Superlative darin, ein ,,Wir", welches gegen ein ,,Die" profiliert wird, die Erklärung, der Volkstribun sei ,,einer von uns", und die Warnung vor dunklen verschwörerischen Mächten. Rhetorik, die uns Heutigen bekannt vorkommen könnte.

In den 1940er-Jahren wird die von Horkheimer formulierte These, dass wer vom Kapitalismus nicht sprechen wolle, auch vom Faschismus schweigen solle, zu einer zunehmend pessimistisch anmutenden Zivilisationskritik erweitert. In Pacific Palisades formuliert er unter der kalifornischen Sonne zusammen mit Adorno die wohl düsterste Zivilisationsdiagnose des okzidentalen Denkens: Die ,,Dialektik der Aufklärung" will zeigen, dass die nach Auschwitz rollenden Züge keinen Bruch mit der aufgeklärten Zivilisation, sondern ihre logische Folge bedeuten.

Der Totalitarismus sei tief in den Code der auf Beherrschung von innerer und äußerer Natur angelegten Aufklärung einprogrammiert. Die Aufklärung will mythische Weltbilder ablösen, doch schlage in Form eines naiven Szientismus letztlich selbst ,,in einen Mythos zurück". Zugleich bedingt die ,,Entzauberung der Welt" auch die Sehnsucht nach genuin mythischem Denken, die Rationalität gebiert als ihren Gegensatz romantisch-verschwörungsideologisches Geschwurbel.

1947, im gleichen Jahr wie die ,,Dialektik der Aufklärung" erscheint auch Horkheimers Werk ,,Zur Kritik der instrumentellen Vernunft", das in ähnlicher Weise argumentiert. Die Aufklärung als kalte Rationalität habe sich von ihrem Anspruch gelöst, das Individuum von seinen Fesseln zu befreien. Menschen und Natur werden berechenbar gemacht, vermessen, verwaltet, verwertet, vernutzt. Der Einzelne sei zum Funktionsträger verkommen, passe sich den Apparaturen an, mit denen er zu arbeiten angehalten sei. Die technisierte Welt ist für Horkheimer ein Alptraum, ,,das Erlöschen von Geist, soweit er vom Verstand als Werkzeug sich unterschied." Dabei ist er Dialektiker genug, um auch die positiven Seiten der Technik zu erkennen, was ihn von rechten Antimodernisten wie Martin Heidegger deutlich unterscheidet.

Zwar hat Horkheimer die jüngste Entwicklungsstufe des Kapitalismus, die in den 1980er Jahren anhebende neoliberale Deregulierungsära, nicht mehr mitbekommen. Die Spätmoderne, die von allen fordert, einzigartig und herausragend zu sein, lässt manche Horkheimer-Diagnose alt aussehen. 

Doch dass ,,das, was einmal Kultur hieß, von der Technik ausgelöscht werden könnte", wie er einmal pointiert formuliert hat, ist im Zeitalter von Chat-GPT durchaus denkbar. Und dass Menschen in einem von Tech-Konzernen dominierten ,,digitalen Überwachungskapitalismus" (Shoshana Zuboff) als eifrige Datenproduzenten und willfährige Lieferanten ihrer urpersönlichen Geheimnisse mehr denn je zum bloßen ,,Anhängsel der Maschine" verkommen, fügt sich in sein Bild von der ,,verwalteten Welt".

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Aus: ",,Das Schlimme befürchten und das Beste versuchen": Wie aktuell ist die Kritische Theorie?" Christoph David Piorkowski (07.07.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/das-schlimme-befurchten-und-das-beste-versuchen-wie-aktuell-ist-die-kritische-theorie-10102708.html

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Quote[...] Wer an Kritischer Theorie Frankfurter Provenienz interessiert ist, und das war ich schon vor meinem Studium, kommt an Immanuel Kant nicht vorbei. Dies nicht nur, weil er die Kritik zur wichtigsten philosophischen Methode erhoben hat, die keine andere Autorität als die der geprüften (und sich selbst prüfenden) Vernunft anerkennt. Sondern auch, weil er zeigte, dass diese Autorität keine fremde, gar aufgezwungene ist, sondern aus einer Gemeinschaft der Freien und Gleichberechtigten besteht; der Ausspruch der theoretischen und praktischen Vernunft ist ,,nichts als die Einstimmung freier Bürger", wie es in der Kritik der reinen Vernunft heißt. Niemand zuvor hatte menschliche Emanzipation so systematisch begründet, und dieser Gedanke bleibt heute auch dort leitend, wo wir die blinden Flecke von Kants eigenem Denken aufdecken (wer etwa als ,,Bürger" zählt oder in Bezug auf Menschen nichteuropäischer Herkunft). Nach Kant liegt die Menschenwürde in der allen Menschen gleichermaßen zugeschriebenen, ,,noumenalen" Eigenschaft begründet, autonome, gesetzgebende Mitglieder eines ,,Reichs der Zwecke" zu sein, das unsere Welt transzendiert und zugleich nach praktischer Verwirklichung ruft.

Für die Kritische Theorie ist entscheidend, dass Kants Universalismus alle ,,Sittlichkeit", die sich in unserem Alltagsleben als selbstverständlich oder natürlich darstellt, auf der Grundlage von Prinzipien hinterfragt, die die Achtung der Einzelnen, wer es auch sein mag, in den Vordergrund rückt – unter dem Gebot des gleichen Respekts für alle anderen. Ein kategorischer Imperativ duldet keine anderen ,,Oberhäupter" als die Stimme der ,,öffentlichen Vernunft", und sozio-politische Verhältnisse geraten in Verdacht, wenn sie diesem Gebot widersprechen. Kant wendet seine Vorstellung der Vernunft konsequent auf die gesellschaftliche Grundstruktur an, wie es auch in den Theorien von Jürgen Habermas oder John Rawls, bei denen ich studieren durfte, geschieht. Das ist es, was Kant für die gegenwärtige politische Philosophie so wichtig macht.

In meiner eigenen Forschung zu normativen Ordnungen deute ich Kants Bestimmung des ,,Noumenalen", also der geistigen Wirklichkeit der Gründe, die uns Menschen prägt, in doppelter Weise. Einerseits im moralisch-politischen Sinne, als Vorgriff auf eine Gesellschaft der Freien und Gleichen, die einander Rechtfertigungen dafür schulden, wie sie anderen gegenüber handeln und wie sie sich gesellschaftlich organisieren. Andererseits deskriptiv, als Schlüssel zum Verständnis der Normativität, die soziale Macht hervorbringt: als der Versuch, den Raum der Rechtfertigungen in einer Gesellschaft zu bestimmen und zu besetzen. Von dieser Doppelperspektive aus erschließen sich nicht nur Theoreme der Gerechtigkeit und der Demokratie, sondern auch der Ideologie und der Entfremdung – Letztere dort, wo der soziale Raum der Gründe verzerrt ist durch Rechtfertigungen, die das nicht zu Rechtfertigende rechtfertigen und Menschen einander (wie auch sich selbst) nicht mehr als Gleichberechtigte erscheinen lassen.

Rainer Forst, Professor für Politische Theorie und Philosophie, Forschungszentrum Normative Ordnungen, Goethe-Universität Frankfurt. Zuletzt erschien von ihm: ,,Die noumenale Republik: Kritischer Konstruktivismus nach Kant" (Suhrkamp-Verlag, 2021).


Aus: "300 Jahre Kant – Kritik als Methode" (19.04.2024)
Quelle: https://www.fr.de/kultur/gesellschaft/300-jahre-kant-kritik-als-methode-93022015.html

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Quote[...] Frankfurt – Während wir die Vorzüge von künstlicher Intelligenz feiern, vollzieht sich im Stillen eine beunruhigende Entwicklung: die Auslagerung unseres kritischen Denkens an Algorithmen. Eine aktuelle Studie des ,,Imagining the Digital Future Center" zeigt: Die Hälfte der erwachsenen US-Bevölkerung nutzt bereits KI-Sprachmodelle, und jeder zweite User hält Systeme wie OpenAIs ChatGPT für intelligenter als sich selbst. Ein Drittel gibt sogar an, sich lieber auf KI-Antworten zu verlassen, als selbst nachzudenken.

https://imaginingthedigitalfuture.org/wp-content/uploads/2025/03/ITDF-LLM-User-Report-3-12-25.pdf

... Dieser Frage sind mehrere Forschungsgruppen in den vergangenen Monaten nachgegangen – mit durchwachsenen Ergebnissen. Eine im Januar 2025 in der Fachzeitschrift ,,Society" veröffentlichte Studie untersuchte, wie die zunehmende Nutzung von KI-Tools das kritische Denkvermögen beeinflusst.

Den Ergebnissen der Umfrage zufolge neigten regelmäßige KI-Nutzerinnen und Nutzer eher dazu, mentale Aufgaben auszulagern. Das bedeutet, dass sie sich sowohl bei Entscheidungsfindungen als auch bei Problemlösungen lieber auf die KI verlassen, als eigenständig kritisch nachzudenken. Je länger und häufiger die Studienteilnehmer KI-Tools nutzten, desto schwerer fiel es ihnen, Informationen selbst zu hinterfragen und eigene, durchdachte Schlüsse zu ziehen. Jüngere Teilnehmerinnen und Teilnehmer wiesen dabei noch eine stärkere Abhängigkeit von KI-Tools auf.

Neurowissenschaftler Henning Beck ordnet diesen Prozess im Gespräch mit dem Münchner Merkur folgendermaßen ein: ,,Es ist nichts Neues, dass Menschen Dinge erfinden, um weniger zu denken." Man dürfe nicht vergessen, dass die Geschichte des menschlichen Fortschritts immer auch eine Geschichte der Denkvereinfachung oder Denkauslagerung sei, erklärt er und fährt fort: ,,Das führt immer dazu, dass wir gewisse Dinge nicht mehr können oder verlernen. [...] Wohingegen neue Technologien dann wieder dazu führen, dass neue Fähigkeiten entstehen."

Auch wenn die Studienlage dazu bisher dünn sei, so gäbe es aber plausible Hinweise darauf, dass ,,diese Technik uns jetzt Gedankenarbeit abnimmt und man im Laufe der Zeit dann auch die Fähigkeit verliert, strukturiert langfristige Gedankengänge zu entwickeln".

... Ob sich die regelmäßige Nutzung von KI auf das eigene kritische Denken auswirkt, hat eine weitere aktuelle Studie von Microsoft und der Carnegie Mellon University untersucht. Diese beruht zwar auf der Selbsteinschätzungen der Testergruppe, wies aber einen interessanten Aspekt auf: Demnach zeigten Nutzerinnen und Nutzer mit höherem Vertrauen in KI weniger kritisches Denken, während User mit mehr Selbstvertrauen tendenziell kritischer dachten.

Die Nutzung von KI-Tool verstärkt also vorhandene Denkmuster: Menschen mit ausgeprägtem Selbstvertrauen und kritischem Urteilsvermögen behalten dieses bei der KI-Nutzung bei, während bei anderen die Tendenz zur unkritischen Übernahme von Inhalten noch zunimmt.

https://advait.org/files/lee_2025_ai_critical_thinking_survey.pdf

... Man brauche in Zukunft also zunehmend die Fähigkeit, Ergebnisse beurteilen zu können. ,,Und diese Fähigkeit wird meiner Meinung nach über Sieg und Niederlage entscheiden, ob man diese Technik gut einsetzt oder ob man davon abhängig wird."

... Menschliches Urteilsvermögen und kritisches Denken sind und bleiben [ ] elementare Fähigkeiten – und werden mit der Menge an Falschinformationen, die KI-Chatbots produzieren können, im täglichen Umgang mit künstlicher Intelligenz sogar immer wichtiger.


Aus: "Besorgniserregender Einfluss von KI: Menschen werden durch Sprachmodelle dümmer" Anika Schmitz (03.04.2025)
Quelle: https://www.merkur.de/welt/besorgniserregender-einfluss-von-ki-menschen-werden-durch-sprachmodelle-duemmer-zr-93657412.html