• Welcome to LINK ACCUMULATOR. Please log in.

[Rudolf Steiner / Anthroposophie / Waldorfschulen (Notizen) ... ]

Started by Link, November 15, 2021, 02:44:42 PM

Link

Quote[...] Die multi- faktorielle, interdisziplinäre Zusammenarbeit z.B. von Archäologen mit Paläontologen, Sprachwissenschaftlern, DNA- Analytikern, 3D- Visualisten, Geologen, Fachleuten für das Lesen von Eiskernen, Vulkanologen, Physikern usw hat die zweidimensionalen Bezüge durch Netzwerke ersetzt. Das gilt für die meisten wissenschaftlichen Disziplinen, die dadurch seit einigen Jahren gegenseitige Erkenntnisgewinne produzieren, die durch das exponentielle Wachstum kaum noch in Büchern erfasst werden können, da diese zum Erscheinungsdatum bereits veraltet sind. ...

Mit dazu bei tragen natürlich die technologischen Fortschritte, aber auch die offenen Systeme, die auf wissenschaftlicher Ebene eine globale Kooperation - nicht selten zeitgleich - ermöglichen. ... Diesen Durchbrüchen einer globalen Vernetzung und Vertiefung der Wissenschaft stehen politisch, gesellschaftlich und ideologisch die denkbar größten Anachronismen entgegen, bis hin zu ,,alternativen Fakten" und Welterklärungs- Modellen aus den Bot- Baukästen im Auftrag einer virtuellen, hybriden Kriegsführung. Die in den Netzen kursierenden, geistig infektiösen Alternativ- Erklärungsmodelle wuchern parallel zum Wachstum der wissenschaftlichen Disziplinen und produzieren parallele Modelle der Erklärung von Wirklichkeit. Der tiefe Fall von Corona- Leugnern z.B. nicht nur unter den Stand der Wissenschaft in Bezug auf die Entwicklung von Impfstoffen ... hindurch ins unterirdische Reich der alternativen Fakten ist beeindruckend; als globales Phänomen, als gesellschaftliches Problem, aber auch als individuelles Rätsel, wenn ihm intelligente und bis vor kurzem rational ansprechbare Personen verfallen. Die hypnotische Massen- Suggestion mit der typischen ideologisierten Schnappatmung setzt dann nach und nach ein, bis der beleidigte Wutbürger sich in die Sonntagsdemo vor dem Landtag oder der Ferienwohnung der Politikerin oder Virologin einreiht. Niemand wundert sich über Meldungen, dass ein enthemmter Mob in der nächsten Großstadt einen Apple- Laden während einer Corona- Demonstration attackiert und sich zu plündern anschickt, da die Demonstranten irrtümlich davon ausgingen, dass Bill Gates der Inhaber dieser Firma sei, der ja wiederum durch die Impfung die genetische Reprogrammierung der Menschheit plane.

Dass auch so viele anthroposophische Publikationen, Persönlichkeiten, Ärzte und Institutionen den Weg ins unterirdische Reich der anti- wissenschaftlich Pseudo- Logik, Desinformation und anti- gesellschaftlichen, trotzigen Hysterie beschreiten würden, war nicht unbedingt vorher zu sehen, auch wenn das Pathos der Anti- Zeitgeistigkeit und Anti- Wissenschaftlichkeit, rechte Zeitschriften und Aktivisten, Christus- Jünger und stigmatisierte Gurus nicht Gutes hatten ahnen lassen. Inzwischen scheinen auch im Goetheanum selbst in der Leitung solche Ängste vor den emotionalisierten Anhängern vorzuherrschen, dass man sich für den Einsatz von Tests entschuldigt, das Tragen von Masken im Gebäude bei Veranstaltungen zu unterlaufen versucht und sich bei Impfgegnern entschuldigt, die dem Zentrum dann per Behördendekret doch fernbleiben müssen, denn zumindest seit Ende 2021 gilt auch im Goetheanum ein strenges Schutzkonzept. 

Dass Rudolf Steiner nicht nur immer wieder in die Schmuddelecke der unreflektierten politischen Abwege gestellt, sondern auch von Anhängern selbst genau so gelesen und interpretiert wird, liegt vielleicht an Aussagen des Begründers ...  [...]



Aus: "Das anthroposophische Narrativ von der Dekadenz, Corona und die Neue Rechte" Michael Eggert (Januar 12, 2022)
https://egoistenblog.blogspot.com/2022/01/das-anthroposophische-narrativ-von-der.html

https://egoistenblog.blogspot.com/search/label/Corona

https://egoistenblog.blogspot.com/search/label/Rechtspopulismus

https://egoistenblog.blogspot.com/search/label/Ansgar%20Martins

https://egoistenblog.blogspot.com/search/label/Querdenker

https://egoistenblog.blogspot.com/search/label/Anthroposophie


Link

Quote[...] Alternativmediziner gelten als mitverantwortlich für die Impfskepsis. Während ihre Kollegen in Deutschland für die Corona-Vakzine werben, bleiben die Homöopathen und anthroposophischen Ärzte hierzulande stumm.

... Auch der «Spiegel» macht Rudolf Steiner, den Gründer der Anthroposophie, für eine im esoterischen Milieu weitverbreitete Impfskepsis verantwortlich. Denn er habe geschrieben, Krankheiten hätten ihren Sinn im karmischen Geschehen. «Wer in früheren Leben Dinge falsch gemacht habe, müsse sie unter Umständen durch Krankheit wieder ausgleichen – und wer sich impfe, der könne taub werden für die karmische Botschaft», so beschreibt der «Spiegel»-Autor Steiners Position. Wer die entsprechenden Passagen bei Steiner lese, lerne, dass alle Krankheiten vor allem geistig bekämpft werden müssten.

Doch die Anthroposophische Gesellschaft der Schweiz bestreitet, dass Steiner so etwas je geschrieben oder gesagt hat. In einem Beitrag auf ihrer Website wirft sie dem «Spiegel» eine Verletzung der publizistischen Sorgfaltspflicht vor. Und sie verweist auf Aussagen, die der Gründer im Zusammenhang mit der Pocken-Prävention gemacht hat: «Da muss man eben impfen. Es bleibt nichts anderes übrig. Denn das fanatische Sichstellen gegen diese Dinge ist dasjenige, was ich, nicht aus medizinischen, aber aus allgemein anthroposophischen Gründen, ganz und gar nicht empfehlen würde.» Entsprechend liess Steiner sich und auch ihm anvertraute Kinder gegen Pocken impfen.

Im April 2019, wenige Monate vor dem Beginn der Pandemie, hielten die Medizinische Sektion am Goetheanum in Dornach und die Internationale Vereinigung Anthroposophischer Ärztegesellschaften (IVAA) fest: «Anthroposophische Medizin würdigt ausdrücklich den Beitrag von Impfungen zur weltweiten Gesundheit und unterstützt sie als wichtige Massnahme zur Vermeidung lebensbedrohlicher Erkrankungen. Anthroposophische Medizin vertritt keine Anti-Impf-Haltung und unterstützt keine Anti-Impf-Bewegungen.»

Allerdings gibt es vonseiten der Vereinigung anthroposophisch orientierter Ärzte in der Schweiz bis jetzt keine Aufforderung zur Covid-19-Impfung. Eine entsprechende Nachfrage der NZZ liess die Vereinigung unbeantwortet. Heikel dürfte aus Sicht gewisser anthroposophischer Ärzte vor allem die Impfung von Kindern sein, die in der Schweiz ab Januar möglich ist. Denn sie glauben an die Selbstheilungskräfte des Menschen und sehen in Infektionskrankheiten eine Möglichkeit für Kinder, ihr Immunsystem zu stärken.

Das ist einer der Gründe, warum manche anthroposophische Eltern die Masernimpfung ablehnen. 2019 sorgte ein Masernausbruch an einer Steiner-Schule in Biel für Unmut. Das sei wohl kein Zufall, sagte damals der noch wenig bekannte Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG Daniel Koch. Das Masernvirus sei hochansteckend und sehr gefährlich, mahnte der spätere «Mister Corona». «Es kann nicht nur den Körper, sondern auch das Gehirn befallen. Deshalb können Masern immer wieder zu Todesfällen führen.»


Aus: "Impfempfehlung? Nein, dazu können sich Schweizer Homöopathen nicht durchringen" Simon Hehli (29.12.2021)
Quelle: https://www.nzz.ch/schweiz/impfempfehlung-nein-dazu-koennen-sich-schweizer-homoeopathen-nicht-durchringen-ld.1662179

-

"Covid-19: Wie Homöopathie-Magazine Angst vor Impfungen schüren" Hinnerk Feldwisch-Drentrup (4. Januar 2022)
Haben Anhänger*innen von Homöopathie und Anthroposophie ein Problem mit Impfungen gegen Covid-19? Verbände und Globuli-Hersteller versuchen den Eindruck zu zerstreuen. Ein Blick in entsprechende Magazine vermittelt allerdings ein anderes Bild: Hier wird eher dafür geworben, sich nicht impfen zu lassen. Mit teils kruden Theorien. Ein ausführlicher Blick in diese Hefte.
https://uebermedien.de/66521/wie-homoeopathie-magazine-angst-vor-impfungen-schueren/

-
Quote
Oliver Rautenberg@AnthroBlogger
Das "gesichert rechtsextreme Magazin" #Compact (Verfassungsschutz) portraitiert erneut #Anthroposophie-Gründer Rudolf Steiner. Im Blatt von Jürgen Elsässer ist der "erste Querdenker" immer wieder Thema: Rechtsextreme & anthroposophische Inhalte vermischen sich weiterhin.

Steiner wird gg Vorwürfe der Impfgegnerschaft in Schutz genommen -  mit Argumenten, die auch @Waldorfschule
oder @DAMiD_Presse bemühen: Er war gg die Pocken geimpft.

"Für viele Montagsspaziergänger, Impf-Kritiker, Patrioten und Gegner des Great Reset ist Steiner ein Leitstern."

...

Im April schrieb #Compact, man könne in der Corona-Krise von Rudolf Steiner lernen. ... Dem "ersten Querdenker" werde zu unrecht völkisches Gedankengut unterstellt. Der Dämon Ahriman steuere in der #Corona-Krise den "3. Weltkrieg" gegen die Freiheit.

Im November nahm #Compact Rudolf Steiner gegen Anfeindungen von "Linken" und aus dem "Mainstream" in Schutz. Im aktuellen Bericht wird erneut auf das Buch des Anthroposophen Axel Burkart im #Kopp-Verlag verwiesen, der neben Esoterik auch rechtsextreme und verschwörungsideologische Publikationen vertreibt.

...

8:22 vorm. · 2. Feb. 2022

https://twitter.com/AnthroBlogger/status/1488774709424672771


Link

"Anthroposophie : Kosmos, Kräfte, Kuhhörner" Bettina Dyttrich (Nr.  8 – 24. Februar 2022)
Nicht erst seit Corona ist die Anthroposophie unter Linken hoch umstritten. Soll man sie vor allem an Rudolf Steiner und seinem Werk beurteilen? Oder mehr an Praxisfeldern wie Landwirtschaft und Pädagogik? Eine Spurensuche am Goetheanum, auf dem Demeter-Hof und in der Steinerschule. ... Für viele Linke ist Anthroposophie ein No-Go – wegen Rudolf Steiners Aussagen über «Wurzelrassen», für manche auch, weil sie Spiritualität grundsätzlich misstrauen. Gleichzeitig ist das grünalternative Milieu die Hauptkundschaft für anthroposophische Angebote – von Steinerschulen über Demeter-Lebensmittel bis zu Arzneien von Weleda. Mit Corona ist diese komplizierte Geschichte noch komplizierter geworden. ...
https://www.woz.ch/2208/anthroposophie/kosmos-kraefte-kuhhoerner

Link

Quote[...] Steffen C., dafür spricht vieles, ist überzeugter Reichsbürger. So überzeugt, dass der Lehrer an der Waldorfschule von Ravensburg in Baden-Württemberg sogar Fantasiedokumente mit der Aufschrift "Deutsches Reich" mit in den Unterricht brachte – einen Personenausweis und eine Fahrerlaubnis. Angebliche Ausweise dieser Art bestellen sich Anhänger der Ideologie als Ersatz für Personalausweis und Führerschein. Den Vorfall belegt Bildmaterial, das ZEIT ONLINE vorliegt.

Nicht nur auf dem Papier wollen sich Reichsbürger von der Bundesrepublik Deutschland abgrenzen. Auch im Geiste haben sie tief verinnerlicht, dass der Staat in Wahrheit eine Firma sei, dass Deutschland von Besatzern regiert werde und dass Gesetze für sie nicht gälten. So weit, so krude. Werden die wirren Thesen jedoch in Schulen verbreitet, besteht eine besondere Gefahr. Und die besteht, wie Recherchen zeigen, besonders in den Schulen der Waldorfbewegung.

Lehrer Steffen C. bestreitet die Vorwürfe. Ein Reichsbürger will der 50-Jährige nicht sein. Die Dokumente habe er als selbstständiger Gartenbauer zur Steuerflucht einsetzen wollen, er lehne "das System mit den Steuern" ab und habe geglaubt, sich so entziehen zu können. Darüber hinaus habe er sich mit der Ideologie nicht beschäftigt und "keine politische Meinung".

Stimmen aus der Ravensburger Waldorf-Elternschaft beklagen allerdings, dass es weitere problematische Lehrkräfte gebe und auch der schulische Umgang mit der Pandemie Fragen aufwerfe.

Tatsächlich schrieb etwa Lehrer Simon R. bereits 2015 einen Leserbrief an die Waldorfzeitschrift Erziehungskunst, in dem er bezweifelte, dass die Annexion der ukrainischen Krim durch Russland völkerrechtswidrig war. Als Quellen zur "Wahrheitsfindung" empfahl er den selbsternannten Schweizer "Friedensforscher" Daniele Ganser und ein Format des ehemaligen Radiomoderators Ken Jebsen. Ganser relativierte den Holocaust und den Nationalsozialismus, indem er sie als "lokaler Wahnsinn" der Corona-Pandemie als "weltweiter Wahnsinn" gegenüberstellte. Verschwörungsideologe Jebsen musste den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nach antisemitischen Aussagen verlassen und avancierte im Zuge der Pandemie zu einem der bekanntesten Verbreiter von Falschinformationen, der besonders in der Querdenken-Bewegung Gehör fand.

Heute nutze er solche Quellen nicht mehr, sagt der Lehrer Simon R. auf Nachfrage. Heute sitzt er im Vorstand der Ravensburger Schule. Von Aktivitäten von Querdenken oder Reichsbürgern habe er dort nichts bemerkt.

Zumindest außerhalb der Schule gibt es offenbar deutliche Verbindungen: Der Musiklehrer Tobias G. fiel Eltern als Mitwirkender der Ravensburger Querdenken-Versammlungen auf. Er soll Schüler unter Druck gesetzt haben, die Masken zum Schutz vor einer Covid-Infektion tragen wollten. Auf Nachfrage erklärt G., er "brauche" sich nicht äußern, da er "total im Frieden mit mir selbst" sei. An der Schule ist G. für Personalfragen zuständig und leitet die Oberstufenkonferenz.

Schon im vergangenen Jahr schlug ein Teil der Elternschaft Alarm und versuchte, gegen die extremistischen Tendenzen vorzugehen. Ohne Erfolg. Nachdem schulintern nichts passiert war, informierten Eltern den Bund der Freien Waldorfschulen. Aber auch der Waldorf-Dachverband griff nicht ein, wie dessen Pressesprecherin Nele Auschra auf Nachfrage einräumt. Man habe lediglich die Beschwerdestelle des Waldorf-Bundes in Baden-Württemberg informiert.

Verantwortlich seien die Eltern, die keine "belastbaren Beweise" vorgelegt hätten: "Gerüchte und Anschuldigungen" könnten keinen "konkreten Verdacht" begründen. Erst eine Anfrage von ZEIT ONLINE brachte Bewegung in die Sache. Man sehe "das Gefahrenpotenzial" und stelle sich "allen Unterwanderungsversuchen radikalisierter Milieus" entgegen. Gemeinsam mit der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Waldorfschulen in Baden-Württemberg und dem Verein Bildungseinrichtungen gegen Rechtsextremismus e. V. wolle man sich nun dem Aufklärungsprozess "umfassend stellen".

Tatsächlich ist Steffen C. inzwischen suspendiert und seine Anstellung als Lehrer wird aufgelöst. Konsequenzen für G. und R. hat es bisher offenbar nicht gegeben. G. ist weiterhin im Beschwerdemanagement tätig.

Obwohl sich erst etwas bewegte, als die Probleme an der Waldorfschule Ravensburg öffentlich zu werden drohten, schöpft ein Teil der Schulgemeinschaft nun Hoffnung. Andere bleiben skeptisch. Zu Recht, findet der Waldorf-kritische Blogger Oliver Rautenberg: "Es ist ein trauriges Symbol für die Abschottung der esoterischen Glaubensgemeinschaft nach außen hin", die es Rechtsradikalen oder Holocaustleugnern in der Vergangenheit ermöglicht habe, teils Jahre als Waldorflehrer zu wirken. "Auch hier sind es wieder ehemalige und aktive Waldorf-Funktionäre, die für Aufarbeitung sorgen sollen.

Tatsächlich setzt sich Vorstand von Bildungseinrichtungen gegen Rechtsextremismus e. V. aus Waldorf-Funktionären zusammen. Das geht aus Behördenunterlagen hervor. Vom Verein selbst ist lediglich ein Interview in einer Ausgabe der Erziehungskunst zu finden. Welche Expertise ihn für die Aufarbeitung an der Waldorfschule in Ravensburg qualifiziert, erläutert auch diese auf Nachfrage nicht.

So bleibt der Verdacht, dass die Waldorfschule ein fruchtbarer Boden für Verschwörungsideologen ist. Bereits 2020 thematisierte der offene Brief einer Abschlussklasse entsprechende Äußerungen eines Lehrers. Rückblickend könnte das den Anfang vom Ende der über 30-jährigen Schulgeschichte markieren. Seither stiegen die außerordentlichen Abgänge sprunghaft an. Bis zum Ende dieses Schuljahres ist Interna zufolge mit einem Exodus von deutlich über zehn Prozent der Schüler zu rechnen.

Wie sich die Mitglieder des Vorstands das vorstellen, erklärten sie Anfang April bei einem sogenannten offenen Schulrat, zu dem Eltern und Genossenschaftsmitglieder geladen waren. Wie diese später berichteten, wurde in der Sitzung versucht, herauszufinden, wer Informationen nach außen gegeben hatte. Denjenigen drohe nun der Rauswurf wegen "genossenschaftsschädigenden Verhaltens".


Aus: "Wenn ein Reichsbürger an der Tafel steht" Sebastian Lipp (18. April 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2023-04/reichsbuerger-schule-waldorf-lehrer-ravensburg

Link

Quote[...] Der ewige Kampf von Gut gegen Böse, gleichsam ein Kern vieler Verschwörungserzählungen, spielt sich nach dem Glauben der AnthroposophInnen auch jetzt überall um uns herum ab. Wahrgenommen können die kriegerischen Fabelwesen wie Erzengel und Dämonen aber nur von eingeweihten ,,Geheimschülern", die den geistigen Erkenntnisweg nach Rudolf Steiner absolviert haben.

...


Aus: "Waldorf verbrennt das Woke-Monster" Oliver "AnthroBlogger" Rautenberg (12. Oktober 2023)
Quelle: https://anthroposophie.home.blog/2023/10/12/waldorf-verbrennt-das-woke-monster/

-

Quote[...] Wenn es draußen ungemütlicher und dunkler wurde, bekam mein Leben in der Waldorfschule eine besondere Intensität. In relativ dichter Folge feierten wir Michaeli, Erntedank, Martini, Nikolaus, Advent. Das Profane blieb draußen in der grauen kalten Welt, und wir sangen, zündeten Kerzen an und pflegten jeden Morgen die passenden jährlich wiederkehrenden Rituale. Gerade ist Michaelizeit. Erzengel Michael ist Drachenbezwinger und Seelenwäger. Er bekämpft das Böse und entscheidet nach unserem Tod über Himmel oder Verdammnis.

Ich habe im Grundschulalter enthusiastisch gesungen: ,,O unbesiegter Gottesheld, Sankt Michael! ... Hilf uns hie kämpfen, die Feinde dämpfen, Sankt Mi-hi-cha-el!" Und mich immer gefragt, wieso das ,,dämpfen" heißt. Aber egal. Ich hatte schlicht Freude an Machtgebärden, Inbrunst und Heldengeschichten. Und es war ein beruhigendes Gefühl, dass die gute Lichtgestalt siegt und uns alle beschützt, während man morgens so langsam im Dustern zur Schule musste.

Die Michaeli-Rituale sind vielfältig. Wir haben den Drachenkampf besungen, gemalt, geknetet, erzählt. Und wir hatten eine Waage im Klassenzimmer. Für gute Taten durften wir helle Kiesel in eine Waagschale legen. In der anderen lag ein dunkler schwerer Stein. Das Böse besiegen und Selbstüberwindung üben. Dafür gab es Mutproben. Aktuell sehe ich auf Instagram, wie Schwerter aus Hefeteig gebacken und ,,Drachenblut" in Form von Traubensaft ausgeschenkt wird. Manche Waldorfschulen bauen einen Drachen, der als Festakt mit der ganzen Schulgemeinschaft entzündet wird. Von Fünftklässlern, die ihn mit brennenden Pfeilen beschießen.

In der Michaelizeit war das Leben bedeutungsvoll und spannend. Es ging um alles. Im Kampf gegen das Böse wollte auch ich meinen Teil beitragen. ,,Laß mich ein Streiter Gottes sein / In der Ritterschaft des Gral (...) Reich mir zum heißen Drachenkampf / Dein heilig Michael-Schwert!" Das war mein Lieblings-Michaeli-Lied.

Selbst in innigster Liebe zu Superhelden spüren Kinder, dass die Erwachsenen nicht daran glauben. Aber die Erwachsenen an der Waldorfschule haben an den Superhelden Michael geglaubt. Das war kein Spiel!

Heute widert mich so vieles an dieser waldörflichen Tradition an, dass ich gar nicht weiß, wo anfangen: beim tief Religiösen im Schulalltag, beim brandgefährlichen Gut-böse-Dualismus, bei den unsäglichen Mutproben, beim Martialischen, bei der fehlenden kritischen Einordnung des Schutzpatrons der Deutschen und dessen Verherrlichung in Kriegszeiten, beim Drachentöten ...

Denn wer ist der Drache? Er steht für die ,,Widersachermächte" Ahriman und Luzifer, und diese beiden repräsentieren unter anderem auch intellektuelle Neugier, leibliches Wohl, technischen Fortschritt, menschliche Intelligenz, Medien, empirische Wissenschaft ...

Dinge, die ich für wertvoll und notwendig erachte. Wir werden die Probleme dieser Welt nicht ohne nüchterne Wissenschaft und moderne Technologie in den Griff bekommen. Auch Medien, egal ob in Form von guter Berichterstattung oder für individuellen Eskapismus, sind unabdingbar.

Ich fühle mich rückblickend als kleine Michaelskämpferin instrumentalisiert! Heute bin ich wohl #teamdrache und nähre mit meiner Kritik ahrimanische, böse Kräfte. Tja nun.


Aus: "Waldorfschulen und das Böse: Drachen töten – gegen Neugier" Kolumne von Frau Lea (10.10.2023)
Quelle: https://taz.de/Waldorfschulen-und-das-Boese/!5962240/

QuoteManque
12. Okt, 14:54

Wahnsinnig unterkomplex. Die strikte Einteilung in Gut/Böse der Waldorfschule kritisieren, in einem Beitrag, der an Dichotomie kaum zu übertreffen ist. Es ist ein leichtes, retrospektiv zu sagen, dass alles schlimm und moralisch fragwürdig war/ist. Eine andere Aufgabe ist es, ob das heutige persönliche Narrativ bei der Betrachtung nicht eine größere Rolle spielt, als man zugeben mag und man damals nicht einfach nur Traubensaft getrunken und sich auf die Schule gefreut hat.


QuoteMylene
11. Okt, 16:45

So ein Unsinn, der Drache steht für das Böse, ja. Aber damit ist weder intellektuelle Neugier, leibliches Wohl oder technischer Fortschritt gemeint. Es geht darum eigene Ängste zu überwinden und sich dem eigenen Drachen zu stellen. Schade, dass man alles schlecht machen muss. Hoffe der Autorin wird nicht irgendwann klar, dass die meisten Kinderfilme, Märchen, Gleichnisse für Grundschulkinder einen duales Gut/Böse folgen, weil es für Kinder einfacher zu verstehen und beruhigend ist. Sonst wird es schon ganz gruselig. Nicht immer mit Erwachsenaugen auf die Kinderwelt einbrechen, sondern wie die Eltern damals den Kindern einfach eine schöne Zeit machen.


-

Quote[....] Das Relief mit dem ,,Lichtbringer" zeige ,,ikonografisch den Erzengel Michael im Kampf gegen den Höllendrachen. Bernhard Hoetger widmete das Werk explizit Adolf Hitler. Ziel war es, das Paula-Modersohn-Becker-Haus und das Haus Atlantis vor dem Abriss durch die Nationalsozialisten zu schützen", heißt es vom Senat.

,,Diese besondere Situation bedeutet, dass zwar die Widmung das Kunstwerk in den Kontext der NS-Ideologie stellt, das Kunstwerk selbst aber in seiner Intention nicht NS-verherrlichend ist. Das NS-Regime selbst hat das Kunstwerk abgelehnt", erklärte der Senat weiter.

Diese Ambivalenz gelte ebenso für Gebäude in der Böttcherstraße. ...

Aus Sicht der Linksfraktions-Abgeordneten Claudia Bernhard, die das Thema in der Fragestunde aufgeworfen hat, wäre die Information über Flyer statt über eine Tafel durchaus eine Alternative. Nicht einverstanden ist sie allerdings mit der historischen Einschätzung des Senats. Statt als Erzengel Michael sei der ,,Lichtbringer" eher als eine arische Heilsgestalt zu interpretieren, die auf den NS-Ideologen Herman Wirth zurückgeht. ,,Das Kunstwerk ist eindeutig NS-verherrlichend", sagte Bernhard. ,,Es steht für den offensiven Versuch, eine arische Heilsgeschichte mit dem NS zu koppeln."


Aus: "Flyer über NS-Geschichte des ,,Lichtbringers"" Jean-Philipp Baeck (12.12.2018)
Quelle: https://taz.de/Flyer-ueber-NS-Geschichte-des-Lichtbringers/!5554429/

Link

Quote[...] Die ehemalige Douglas-Managerin Tina Müller wechselt zum anthroposophischen Kosmetikhersteller Weleda. Ein Heilpflanzgarten habe sie überzeugt.

Ob dieser Schritt Tina Müller die Karriereleiter weiter nach oben führt, ist mehr als fraglich. Vor allem führt er sie ins anthroposophische Lager. Die ehemalige Chefin der Parfümeriekette Douglas wird neuer Boss des Naturkosmetikherstellers Weleda. Müller werde zum 1. Oktober als Vorsitzende der Geschäftsführung berufen, teilte das Unternehmen mit Hauptsitz im schweizerischen Arlesheim bei Basel und einer deutschen Niederlassung in Schwäbisch Gmünd (Baden-Württemberg) am Montag mit.

Statt 18.000 wie bei Douglas werden nun nur noch rund 2.500 Beschäftigte unter Müller arbeiten. Dafür ist das Unternehmen nicht streng profitorientiert. Neben Naturkosmetik produziert das 1921 gegründete Unternehmen auch anthroposophische Arzneimittel. Dabei steht Anthroposophie auch in der Kritik, weil sie im Verdacht der Wissenschaftsferne steht.

,,Ich stehe zwischen 6 und 6.30 Uhr auf – und jetzt klingt es etwas esoterisch –, trinke erst mal ein mit Energie versetztes Wasser. Und danach noch einen Liter grünen Tee", erklärte die Managerin in einem Interview anlässlich ihres Wechsels zu Weleda der Bild-Zeitung. Der ,,Moment of Truth" sei für sie ein ,,langer, sehr lehrreicher Spaziergang" durch den Heilpflanzengarten von Weleda gewesen.

,,Wir freuen uns sehr, die Erfahrungen und Expertise von Tina Müller mit dem Potenzial von Weleda zu verbinden. Wirtschaftlichen Erfolg aus einer ganzheitlichen, nachhaltigen Kultur zu generieren, dafür steht Weleda", erklärte von Unternehmensseite Thomas Jorberg, Präsident des Weleda Verwaltungsrats. ,,Mit Tina Müller als CEO stärken wir diese Entwicklung in die Zukunft."

Müller hatte Anfang November 2017 den Chefinnenposten bei Douglas übernommen und war im vergangenen Jahr in den Aufsichtsrat der Parfümeriekette gewechselt. Davor war sie Marketing-Vorstand bei Opel gewesen. Weleda hatte im vergangenen Jahr einen operativen Verlust von 3,3 Millionen Euro gemacht, der Umsatz ging um 2,6 Prozent zurück, wie das Handelsblatt schrieb. Ganz ohne Druck zur Wirtschaftlichkeit wird es auch bei Weleda für die 54-jährige Managerin Müller nicht gehen.


Aus: "Neue Chefin bei Weleda: Ein Duft von Esoterik" Simon Poelchau (29.8.2023)
Quelle: https://taz.de/Neue-Chefin-bei-Weleda/!5953121/

QuoteSuryo

,,...steht Anthroposophie auch in der Kritik, weil sie im Verdacht der Wissenschaftsferne steht"

Im Verdacht? Ernsthaft?


QuotePartyChampignons 29. Aug, 13:49

Meine Fresse , da ist eine Firma die super Produkte herstellt, Wert auf Natur und Mensch legt, Bio und Vegan, die versuchen auf Chemie und künstliche Produkte zu verzichten also eine ganz andere Wetschöpfungskette haben als andere Kosmetikhersteller und eine Frau die das ganze jetzt aus Überzeugung leiten möchte und euch fällt wieder mal nichts besseres ein als Anthroposophie-bashing zu betreiben. Das mag ja teilweise gerechtfertigt sein, ist hier aber total daneben, von Weleda könnten sich einige Firmen einiges abgucken


Quoterakader
29. Aug, 13:39

"Verdacht der Wissenschaftsferne" - man muss ob dieser übervorsichtigen Formlierung laut schmunzeln; so viel diplomatischen Exkurs ist man in der taz gar nicht gewohnt. Und weil es so übervorsichtig ist, hat man gleich den Vorwurf des Antisemitismus, der bei Anthroposophie dank Rdolf Steiner immer mithabet, unerwähnt gelassen.

Ich mag Weleda-Produkte - dessen ideologischen Unterbau finde ich aber bedenklich. Vielleicht kann Frau Müller hier aufräumen.


QuoteH.L
29. Aug, 12:45

Habe meinem Neffen, der das nicht wissenschaftliche völlig ablehnt, Weleda Naturarznei bei einer starken Erkältung, verabreicht.
Er dachte, es wäre ein starkes chemisches Mittel.
Er war so schnell gesund, wie noch nie, lt. seiner Aussage.
Was hat nun geholfen?
Er nimmt dieses Mittel jetzt, bei jeder sich anbahnenden Erkältung und ist begeistert:-)


QuoteErwin Spack
31. Aug, 09:28

@H.L Ob es stark war, weiss ich nicht. Chemisch war's aber auf jeden Fall. Ohne Chemie halten nämlich die Moleküle (selbst anthroposophische) nicht zusammen.


QuoteJim Hawkins
    30. Aug, 09:06

... Steiner hin, Steiner her, das Zeug riecht gut und tut der Haut gut. Das weiß ich aus jahrzehntelanger Erfahrung. Außerdem lassen sich die Produkte sehr sparsam verwenden, das relativiert den vergleichsweise hohen Preis. Dass da auch noch Voodoo dahintersteckt, das ist mir dann egal.


...

Link

Quote[...] Es war Aufruhr in der Schulgemeinschaft. Man plante politische Aktionen. Ich weiß nicht mehr, um was es genau ging. Aber ich spürte deutlich, dass man sich als Waldorfschulgemeinschaft in der Existenz bedroht sah.

Dass es ein ganz starkes Gefühl von Unrecht gab, weil man weniger Geld bekam als vergleichbare öffentliche Schulen. Ich habe mich mit vollster Überzeugung benachteiligt gefühlt. Vermutlich ganz ähnlich wie die demonstrierenden Berliner Waldorfkinder, die am 19. 9. 2023 vors Rote Rathaus zogen.

Meine ersten Erinnerungen [https://taz.de/Waldorfschule-als-Gemeinschaft/!5956552/] an Politik hängen also mit der Finanzierung meiner Waldorfschule zusammen. Das hat dazu beigetragen, dass mein Vertrauen in den Staat und in demokratische Prozesse bereits als Kind unterminiert wurden. Ich habe durch solche Argumentationslinien verstanden: Der Staat ist böse und gängelt uns unrechtmäßig – nicht nur über das Geld, sondern beispielsweise auch über die Regelungen für Schulabschlüsse.

Worüber damals niemand mit mir geredet hat, waren die unfairen Vorteile, die Waldorfschulen haben: Sie können sich die Kinder aussuchen, die ,,zu ihnen passen" und sie können Schulverträge wieder kündigen, wenn Kinder ,,unbeschulbar" werden oder das ,,Vertrauensverhältnis zu den Eltern" zerrüttet ist.

An meiner Waldorfschule gab es kaum Kinder, die nicht Deutsch als Erstsprache hatten. An den umliegenden Grundschulen waren es teils über 90 Prozent, deren Zweitsprache es war. Zudem ist ein christlicher Religionsunterricht an nahezu allen Waldorfschulen verpflichtend.

Durch bewusste Selektion bestimmter Kinder kreieren Waldorfschulen eine sehr spezifische Gemeinschaft, die viele ressourcenstarke Eltern bindet und Kinder die mehr Ressourcen bräuchten, nicht aufnimmt oder später abstößt.

Wir haben damals auch nie über den Reichtum gesprochen, in dem wir aufwuchsen. Wir hatten einen Eurythmiesaal mit Parkett und eine Pianistin, die täglich für den Unterricht spielte. Wir haben an Vollholztischen gesessen, frisch gekochtes Bioessen bekommen und mit qualitativ sehr hochwertigen Materialien gemalt, musiziert, gestrickt und gewerkt. Ich dachte wirklich, das käme einfach nur weil ,,uns" Bildung nun mal wichtig wäre und dass jedes Kind auf die Waldorfschule gehen könne, wenn die Eltern es nur wollten.

Wir haben uns eher arm gefühlt, weil irgendwie immer zu wenig Geld da war und wir nach jeder Aufführung mit Hut oder Geigenkasten an den Ausgängen standen. Und Schulgeld wäre ja auch gar nicht nötig, wenn die Waldorfschulen voll finanziert würden. So dachte ich auch noch, nachdem ich meine Schule längst verlassen hatte.

Heute bringe ich meine Kinder morgens in eine unterfinanzierte öffentliche Grundschule und frage mich: Was wäre, wenn das praktische, politische und finanzielle Engagement der ,,Waldorfkohorte" bei Regelschulen und Kiezinitiativen ankommen würde, weil sie einfach Teil davon wären? Wenn Holzwerkstatt und Malatelier inklusiv wären?

Bildungsgerechtigkeit kann doch nicht dadurch entstehen, dass ressourcenstarke Familien sich in eine scheinbar geborgene Parallelgemeinschaft zurückziehen, wo Kinder fast unkontrolliert nach einem problematischen Lehrplan unterrichtet werden und dann vielleicht, so wie ich, mit einem verzerrten Demokratieverständnis in die Welt gehen?


Aus: "Gefühl der Ungerechtigkeit: Waldorfs Demokratie­verständnis" Kolumne von Frau Lea (6.11.2023)
Quelle: https://taz.de/Gefuehl-der-Ungerechtigkeit/!5968229/

QuoteMyPoint

Leider weiß die ehemalige Waldorfschülerin es heute nicht besser: die wesentliche finanzielle Ressource, mit der gutes Material und musizierende Kolleg*innen finanziert werden, ist der Gehaltsverzicht der Lehrerinnen und Lehrer, durchaus 1.000 €/Monat gegenüber denen, die an staatlichen Schulen arbeiten.


QuoteSikasuu

Bildungsgerechtigkeit kann doch nicht dadurch entstehen, dass ressourcenstarke Familien sich in eine scheinbar geborgene Parallelgemeinschaft zurückziehen, wo Kinder fast unkontrolliert nach einem problematischen Lehrplan unterrichtet werden und dann vielleicht, so wie ich, mit einem verzerrten Demokratieverständnis in die Welt gehen?

Trotz Waldorfschule zum nachdenklichen, kritischem hinterfragenden Menschen geworden?
Frau Lea, du hast die "Benachteiligungen" deiner Schulbildung gut kompensiert! :-)
Glückwunsch für dich & deine Kids!


QuoteSjr

Ich habe jetzt des öfteren diese Kolumne gelesen und frage mich jedes Mal, was genau das eigentlich soll? Mag sein, dass es die persönliche Meinung einer einzelnen Person widerspiegelt. Aber in einer Zeitung, die tausende an Lesern erreicht, immer nur die subjektiv wahrgenommenen schlechten Dinge der Waldorfschule, oder allgemein der Anthroposophie darzulegen, kommt mir eher so vor, als wolle man eine (viel zu wenig vorhandene) Schulform mit Absicht ins möglichst schlechte Licht rücken, um den ohnehin schon Vorurteil behafteten Ruf dieser Schulen, weiterhin aufrecht zu erhalten. Meiner Meinung nach sind die Artikel weder lesenswert, noch gerechtfertigt. Zu kritisieren gibt es alle Mal mehr als genug - aber nicht nur an Waldorfschulen, sondern vor allem auch an staatlichen Schulen. Und das liegt nicht am Ausländeranteil oder zu wenig Geld. Und einen Lehrplan zu kritisieren, der seine Schüler größten Teils genauso zum Bestehen des Abiturs bringt, wie jeder andere auch, zumal es aktuell so aussieht, das vorallem an staatlichen Schulen Quereinsteiger, ohne auch nur annähernd passende Qualifikation an den Schulen unterrichten sollen, ist schlicht lächerlich. Das aktuelle Zeitgeschehen im Blick zu behalten, und ich kann aus Überzeugung sagen, dass auch die Waldorfschulen sich weiter entwickeln, wäre zumindest einmal ein Anfang.


QuoteJon Lorenzen

Danke für ihren Artikel. Er spricht einige gute Punkte an, finde ich.

Ich war ebenfalls Waldorfschüler und habe ebenfalls nicht das beste Demokratieverständnis mitgegeben gekriegt. Das ist bedenklich.

Ich finde auch, dass es eine Parallelwelt ist, die von Eltern aufgebaut wird, die an staatlichen Schulen etwas bewirken könnten. Gleichzeitig funktioniert das staatliche Schulsystem an vielen Stellen, die ich kennengelernt habe nicht. Ich wäre ohne diese Parallelwelt durchs Raster gefallen, weil ich genau die Zeit und zum Teil auch Methode brauchte, die ich an der Waldorfschule gekriegt und erfahren habe. Ich glaube das sehr vieles was ich machen durfte, an dem oft starren und unbeweglichen System an staatlichen Schulen gescheitert wäre und nicht stattgefunden hätte. Allein schon aus Bürokratie und mangelndem Herzblut.

Ich weiß, dass das System nicht fair ist und ich davon als weißes Kind aus dem Mittelstand Nutznießer war. Trotzdem will ich nicht wissen was aus mir geworden wäre, wenn es die Waldorfschule nicht gegeben hätte.

Ich wünsche mir mehr Inklusion und ein kritischeres auseinandersetzen mit den eigenen Privilegien auf Waldorfschulen. Für Menschen wie mich, die einfach keinen anderen Ort gefunden haben sollten sie aber bestehen bleiben.

P. S. Ist natürlich nur eine Schule, aber ich hatte nicht christlichen geprägten Religionsunterricht. Bei uns hieß das Fach "Ethik". Nur für die Statistik :)


QuoteEifeler57

Was hier den Anschein erweckt, dass nur gut situierte Eltern ihr Kind auf eine Waldorfschule schicken, kann nicht generalisiert werden:

Als wir unser Kind vor 12 Jahren dort einschulten, weil wir das situativ für richtig hielten, waren wir ALG2 Aufstocker. Wir haben ganz wenig und temporär auch gar kein Schulgeld zahlen brauchen und wurden auch niemals deswegen diskriminiert. ...


QuoteThe60YearOldHippy

... Ist ja alles schön und gut, aber reden wir doch mal über den Elefanten im Raum: die Anthroposophie.
Was tut der Engel in unserem Astralleib? Wie finde ich den Christus? das sind doch die wichtigen Fragen, die uns Rudolf Steiner stellt.
Auch wenn einzelne Aspekte der Waldorfpädagogik positiv sind, darf man doch nicht die Inhalte und das Weltbild, das sie vermittelt, vergessen.


QuoteSjr

@The60YearOldHippy

Das wäre dasselbe wie wenn du jede religiöse Gesinnung verbieten wollen würdest, weil die ganzen Spinner doch tatsächlich an so etwas wie einen Gott, oder den Heiligen Geist, oder Propheten glauben. Es ist wie bei allem anderen auch, wird es zu extrem ist es schlecht. Aber ich habe bisher noch nie davon gehört, das diese Fragen, die sich Rudolf Steiner gestellt hat, die letztenendes nichts anderes sind, wie die Frage nach Glaube, Religion oder Evolution (nur anders formuliert), an einer Waldorfschule in einem Ausmaß behandelt worden wären, dass es "gefährlich" für wen oder was auch immer gewesen wäre.


QuotePartyChampignons

@The60YearOldHippy

Dem wiederspricht die Tatsache (!) dass nicht alle ehemaligen Waldorfschuüler religiöse Spinner und Esotheriker sind doch ganz stark oder?


QuoteHubertus Behr

,,Eine Pianistin spielte im Unterricht"

soll wohl dem Leser vermitteln, dass sich die Schule hohe Gagen für derartigen Luxus leisten konnte, wie teures Bioessen. Wie an unserer Schule - nur erhielt unsere ausgebildete Konzert-
Pianistin das magere Gehalt einer Musiklehrerin, damit teilte sie sich das Schicksal vieler talentierter Musiker, ihren Unterhalt durch Schul- und SchülerUnterricht zu verdienen.


QuoteDeutschfranzose

Die Steinersche Weltsicht ist im deutschen Unterbewußtsein und auf den Tellern präsent. Daß es sich bei dieser Weltsicht summa summarum um groben Unfug handelt, traut sich kaum ein Entscheidungsträger zu sagen. Anders in Frankreich, wo man 2021 eine Steinerschule in den Pyrenneen schlicht "dicht" gemacht hat. Interessant finde ich dabei die Begründung : u.a. daß dort Pseudowissenschaft vermittelt wird.

https://charliehebdo.fr/2021/08/societe/rectorat-hautes-pyrenees-ferme-ecole-steiner/


Quotehumusaufbau

Zum Glück hat "Frau Lea" den Weg zur taz gefunden und damit die dringende Erfordernis einer demokratiefördernden Zeitung unter Beweis stellen können. Das könnte evtl. Karma gewesen sein.

Dass die "Waldis" all das bekommen, liegt nicht daran, dass es anderen nicht zugestanden wird. Gäbe es das bzw. besser noch Besseres auch anderswo, könnte die Waldorfglocke nicht so stark ansaugend wirken.


Quoteindependent

Oje, Frau Lea - taz-Kolumnistin, zwecks Abarbeitung an den Waldorfschulen? Rund 1 Prozent aller Schüler sind Waldorfschüler (ca. 90.000 von 8,7 Mill.) und Sie glauben, dass deren Schulgeld unser marodes Bildungssystem rettet? Es geht andersherum. Eltern versuchen Ihre Kinder vor letzterem zu retten und nehmen dafür viel in Kauf. Das Vorurteil der vielen "Reichen" kann ich hier nicht bestätigen. Verzicht auf Konsum, arbeitsreiche Wochenenden und vielfaches Elternengagement haben für uns über viele Jahre dazugehört. Meine Rückschau fällt positiv aus.


...

Link

Frau Lea ist in der Waldorfwelt groß geworden: Waldorfkindergarten und dann Waldorfschule, Studium an einer Waldorf-Uni. Sie hat an einer Waldorfschule gearbeitet, ihre Kinder in den Waldorfkindergarten gebracht. Und dann, während der Pandemie, ist sie vom Glauben abgefallen.

Quote[...] Diese Kolumne heißt Exit Waldorf. Aber man kann nicht einfach aussteigen. Es ist ein Prozess. Für mich kam der wichtigste Wendepunkt, als in der Pandemie Waldorfs mit Faschos gemeinsam auf die Straße gingen und ich mich als ehemaliges Waldorfkind endlich ernsthaft mit Anthroposophie auseinandersetze.

Ich hatte bis dahin den stetig wiederholten Floskeln geglaubt: Rudolf Steiner sei ,,Kind seiner Zeit" und sein Werk enthielte daher nur ,,vereinzelt Formulierungen, die von einer rassistisch diskriminierenden Haltung der damaligen Zeit mitgeprägt" seien. Aber je mehr ich Steiner las, desto klarer wurde mir: Egal wie man es formuliert – es ist und bleibt rassistisch. Zudem muss man sich entscheiden, ob Rudolf Steiner fehlbares ,,Kind seiner Zeit" war oder ob er Wahrheiten in ,,höheren Welten" geschaut hat.

Nach eigenen Aussagen konnte Steiner als ,,Geistesforscher" in der Akasha-Chronik, dem ,,geistigen Weltgedächtnis", lesen und wusste daher, wie die Menschheitsgeschichte ,,wirklich" war. Laut ihm gab es im ,,lemurischen Zeitalter", vor 2.500 Millionen Jahren, die erste irdische Verkörperung des Menschen – weich und gedankenlesend. Im ,,atlantischen Zeitalter" wurde der Körper dann knorpeliger und erst nach der Überflutung von Atlantis 7227 v. Chr. sah der Mensch schließlich so aus wie heute. Ab da verlief die Entwicklung dann über die ,,alten Hochkulturen" der Inder, Perser, Ägypter, Griechen, Römer und Angelsachsen. ,,Der Mensch" wurde immer vollkommener – und immer weißer. Im Jahr 7893, in ferner Zukunft, wird es laut Steiner einen ,,Krieg aller gegen alle" geben, den nur ein kleines Häuflein von Menschen, ,,die das spirituelle Leben verstanden haben", überstehen wird.

Steiner postuliert, die weißen Europäer seien diejenigen, die ,,am Geiste schaffen", die ,,das Menschliche in sich entwickeln" und denen die Zukunft gehöre. Alle anderen Menschen seien weniger entwickelt oder laut Steiner sogar ,,dekadent" geworden. Manche nur bis ,,zur Wildheit" (Indigene), andere bis hin ,,zur Stufe der Tierheit" (Affen). Blonden Menschen attestiert er Gescheitheit, dunkelhaarigen dagegen jedoch einen Hang zum Materialismus. Steiner konzipiert in seinen Schriften also eine deutliche Hierarchie von ethnischen Gruppen.

Ich wusste das nicht. Anthroposophische Theorie wird nicht unterrichtet. Aber als ich realisierte, dass mein Geschichtsunterricht genau diese ,,alten Hochkulturen" in genau der Reihenfolge behandelt hatte, konnte ich die Zusammenhänge einfach nicht mehr leugnen. Und inzwischen weiß ich, dass es sich nicht auf die Geschichtsepochen beschränkt. Der ganze Aufbau des Lehrplans und die Annahmen über die kindliche Entwicklung basieren auf diesem Menschenbild. Die Waldorfpädagogik geht davon aus, dass alle Kinder die ,,Menschheitsentwicklung" individuell nachvollziehen – und ein zentrales Anliegen ist es, ihnen dabei optimal zu helfen.

Wenn man nun versuchen würde, die White Supremacy aus dem inneren Zusammenhang des Waldorflehrplans zu entfernen, was bliebe dann noch übrig? Was sind ,,Stuttgarter Erklärung", ,,Frankfurter Memorandum" und ,,Schule ohne Rassismus"-Plaketten an Waldorfschulen mehr als Selbstbeschwörung, wenn Waldorfpädagogik auf einer im Kern menschenverachtenden Weltanschauung basiert?


Aus: "Rudolf Steiners Rassismus: Er glaubte an weiße Vorherrschaft" Kolumne von Frau Lea (20.5.2024)
Quelle: https://taz.de/Rudolf-Steiners-Rassismus/!6008939/

QuoteAnitsi
20. Mai, 20:30

Frau Lea versucht ihre Schulzeit zu verarbeiten, aber das taugt nicht für eine differenzierte Betrachtung von Waldorf-Pädagogik und Anthroposophie. Die Kolumnen-Serie liest sich wie ein Tagebuch einer unglücklichen Schulzeit plus mangelhafter, da einseitiger Recherche.


QuoteKathrin von Maltzahn
21. Mai, 07:24

@Anitsi Aber genau diese Sicht einer ehemaligen Schülerin ist hilfreich für Eltern die ihren Kindern so etwas ersparen möchten.


QuoteNurFürDieKommentareHier
21. Mai, 12:19

Ich lese die Beiträge zum Thema immer sehr aufmerksam und bin dankbar für den kritischen Blick.

Festgestellt habe ich allerdings im persönlichen Umfeld, dass sowohl ehemalige Schülerinnen und Schüler von Waldorfschulen als auch dort aktuell Lehrende häufig deutlich antirassistisch eingestellt sind. Regelschulen scheinen da deutlich mehr Nährboden für Rassismus zu bieten. Wie kommt das?


Quotefhirsch
21. Mai, 09:03

Vor allem war Steiner ein Scharlatan und esoterischer Spinner. Wer's mit der Wahrheit nicht genau nimmt, für den ist Rassismus halt auch immer eine Option.


QuoteChris Demian
21. Mai, 08:25

Gott bin ich froh nicht im ,,atlantischen Zeitalter" zu leben, als der Mensch noch "knorpeliger" war...


QuoteHerr Lich
21. Mai, 00:52

Es kommt so sehr auf die einzelne Schule und den einzelnen Lehrer an. Unsere Waldorfschule hat Lehrer aus diversen "nicht-weißen" Ländern. Ebenso Schüler. Wie passt das in die pauschalisiernende Sicht von Frau Lea?

Von allen Schulen (staatlich und privat) die ich aus persönlicher und Elternsicht direkt kenne (7) und indirekt von Freunden und Bekannten gut kennen (ca. 20), würde ich immer JenaPlan und Waldorf empfehlen. ...


QuoteFrank Steinwachs
20. Mai, 23:52

Recherchieren Sie doch mal bitte zum ,,Forum Geschichte" und über die Lehrplangruppe Geschichte der pädagogischen Forschungsstelle beim Bund der Freien Waldorfschulen. Und Bitte veröffentlichen sie dann ihr Ergebnis ... Und mit ein bisschen Mut bilanzieren Sie dann bitte, was von ihrem Kommentar noch übrig bleibt hinsichtlich ihrer Aussagen zum Geschichtsunterricht und dem dem Geschichtskonzept (Didaktik) an Waldorfschulen. Weitere Fragen oder kritische Aspekte wären hinterher zu eruieren.


QuoteAjuga
20. Mai, 22:44

Danke! (Auch wenn ich den Artikel nur mit Ekel gelesen habe, weil ich weiß, was kam.)
Man kanns nicht oft genug sagen: Steiner - und seine pädagogische Theorie - sind Produkte derselben Zeit und derselben dünkelhaft-supremazistisch-kolonialherrlichen geistigen Güllegrube, die auch die Täter der Shoah hervorbrachte.)


QuoteBEJAY
20. Mai, 22:33

Isoliert betrachtet kann ich die Autorin gut verstehen. Rudolf Steiners Weltbild ist sicher sehr fragwürdig und passt nicht mehr in unsere heutige deutsche Sicht auf die Welt. Zum Glück haben sich in Europa Demokratie und Weltgemeinschaftsdenken entwickelt. Die weiße Überheblichkeit in Rudolf Steiners Ausführungen war sehr weit verbreitet, was sich deutlich im europäischen Kolonialismus zeigte. Das weiße Europa war entwickelt, der Rest waren Primitive. So wurde gedacht und gehandelt. Kurz nach seinem Tod kamen die Nazis an die Macht , die den Rassismus auf die Spitze trieben.Was daraus folgte ist bekannt. Viele Nazis und Rassisten haben das deutsche und europäische Schulsystem nach dem 2.Weltkrieg aufgebaut, was sicher nicht dazu führte, Kinder in ihrem Potenzial zu fördern, sondern sie zu Dienern der kapitalistischen Wirtschaftspolitik machte.

Der Ansatz der Pädagogik in den Waldorfschulen ist es -so wie ich sie verstehe- , Kinder zu authentischen Menschen zu erziehen, das innere Potenzial zu erkennen und die Kreativität zu fördern. Mit dem wachsenden Demokratieverständnis und der Abkehr von rassistischer Politik, mit der Revolution der 68er und der grundsätzlich wachsenden Spiritualität in unserer Gesellschaft hat sich die Pädagogik in vielen Schulen weiterentwickelt und wir dürfen mit Recht sagen, dass weder die Waldorfschulen noch Regelschulen ein rassistisches Weltbild lehren. Rudolf Steiner hat sich nicht nur mit anthropologischen Fragen beschäftigt, sondern viele weitere Themenfelder bis hin zu Landwirtschaft und Ernährung bearbeitet, die heute unumstritten sind. Es täte der Autorin gut, zu erkennen, dass sich die Waldorfpädagogik und deren Pädagogen weiter entwickelt haben und den heutigen Zeitgeist widerspiegeln, dass das Gedankengut der Nazis nicht mit den Regelschulen konform ist oder dass sich viele Menschen in den katholischen Institutionen ebenso von Völkermord und Hexenverbrennung, Folter und Missbrauch distanzieren und humane Ziele haben.


Quotefhirsch
21. Mai, 10:41

@BEJAY "Rudolf Steiner hat sich nicht nur mit anthropologischen Fragen beschäftigt, sondern viele weitere Themenfelder bis hin zu Landwirtschaft und Ernährung bearbeitet, die heute unumstritten sind."

Wie bitte?! Dunggefüllte Kuhhörner zu vergraben und sich nach Astrologie zu richten soll unumstritten sein? ...


QuoteTrapper Seitenberg
21. Mai, 10:41

@BEJAY "Der Ansatz (...)Kinder zu authentischen Menschen zu erziehen, das innere Potenzial zu erkennen und Kreativität zu fördern".

An diesen Behauptungen ist so ziemlich alles falsch. An WDSen maßen sich oft pädagogisch vollkommen unbefleckte und auch fachlich oft völlig ungenügend unqualifizierte LehrerInnen an, Kinder nach ihren von ihnen imaginierten, angeblichen Temperamenten zu sortieren. Kreativität wird nur im engen Rahmen der sekteneigenen ziemlich uniformen Äthestik gefördert und geduldet, in Wahrheit wird also stromlinienförmig ausgebildet und die Entfaltung einer echten Kreativität notfalls sogar verhindert.

Und ja, der Universalscharlatan Steiner hat so ziemlich zu allem seinen wahnhaft-esoterischen Senf gegeben. Auch bspw. zur Landwirtschaft. Fast nichts davon ist heute wie von Ihnen behauptet "unumstritten". Bspw.erfährt die Homöopathie zunehmenden Widerspruch durch ärztlichen Standesvertretungen und auch die s.g. Biodynamische Landwirtschaft mit ihren Schwurbelpräparaten und Ausbeutungsstrukturen wird zunehmend entmystifiziert und endlich kritisch gesehen.

Und nein, Waldorfpädagogik und damit der Schulalltag an den WDSen ist mit der rassistischen Anthroposophie Steiners engstens verwoben, wie die Autorin zutreffend darlegt. Man kann dieses Geflecht nicht auflösen, denn dann müsste man den gesamten anthroposophischen Aberglauben aus dem Lehrplan und den Köpfen des Lehrpersonals streichen.


QuoteSebomark
20. Mai, 20:43

Mich ärgert bei der Thematik immer sehr, dass die Waldorfschulen bislang oft als öko-alternativ-antiautoritär wahrgenommen wird, obwohl sie das nicht sind. In dem Zusammenhang kann ich nur den Podcast ,,Waldorfsalat" empfehlen, der sehr gut das autoritär-esoterischen Grundprinzip der sog. Anthroposophie erläutert. Da gibt es auch nichts mehr zu reformieren. Man kann ja gern freie private Schulen weiterführen, die vllt. dann tatsächlich alternative pädagogische Ansätze probieren. Aber eben auf wissenschaftlicher Grundlage und ohne den esoterischen, autoritären und rassistischen Ballast von Steiner.




QuoteKäptn Blaubär
Moderator*in
21. Mai, 12:37

Vielen Dank für Eure Beiträge, wir haben die Kommentarfunktion geschlossen. Wenn die Diskussionen ausfallend werden, zu weit vom Thema abweichen, oder die Zahl der Kommentare zu groß wird, wird das manchmal leider nötig. Sonst können wir die Kommentare nicht mehr zeitnah moderieren.


...

Link

Helmut Zander (* 13. Juli 1957 in Oberaußem) ist ein deutscher Religionshistoriker und römisch-katholischer Theologe und Privatdozent für Neuere und Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität Berlin. ...

Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945. 2 Bände. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2007, ISBN 978-3-525-55452-4. (Habilitationsschrift Universität Berlin 2002, unter dem Titel Geschichte der Theosophie und Anthroposophie, 1884 bis 1945).

Rudolf Steiner. Die Biografie. Piper, München und Zürich 2011, ISBN 978-3-492-05448-5.[10]
,,Europäische" Religionsgeschichte. Religiöse Zugehörigkeit durch Entscheidung – Konsequenzen im interkulturellen Vergleich. De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston 2015, ISBN 978-3-11-041797-5.

Von der Dämonologie zum Unbewussten. Die Transformation der Anthropologie um 1800. Hg. mit Maren Sziede. De Gruyter Oldenbourg, Berlin/Boston 2015, ISBN 978-3110379815.

Die Anthroposophie. Rudolf Steiners Ideen zwischen Esoterik, Weleda, Demeter und Waldorfpädagogik. Verlag Ferdinand Schöningh 2019, ISBN 978-3-506-79225-9.

...

https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Zander

https://www.perlentaucher.de/autor/helmut-zander.html

Neueste Geschichte: H. Zander: Anthroposophie in Deutschland. Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884-1945 - Autor: Zander, Helmut, Erschienen Göttingen 2007: Vandenhoeck & Ruprecht
2 Bde., 1884 S. ISBN 978-3-525-55452-4
Rezensiert für H-Soz-Kult von Robin Schmidt, Redaktionell betreut durch Dirk van Laak
-
... Der Autor hat viel investiert: Einerseits sind in das Werk Dutzende Vorarbeiten, darunter eine seiner Promotionen und seine Habilitation von 2002 sowie vier weitere Jahre eingeflossen, sodass mehr als 15 Jahre Auseinandersetzung mit dem Thema das persönliche Kapital dieses Buches bilden.1 Dazu betritt der Autor ein Gebiet, das in Deutschland vielfach entweder unterkühlt oder überhitzt behandelt wird: die Erforschung der Geschichte der Esoterik in Europa. Noch immer werden akademische Arbeiten auf diesem Gebiet in polemischer Absicht publiziert, um den Gegenstand zu delegitimieren, zu ridikulisieren oder als publizistisch-politisches Kapital für sich auszumünzen.2 Das hat sich in internationaler Perspektive in den letzten zehn Jahren zwar deutlich geändert. Aber anders als in Frankreich, den Niederlanden, England oder den USA ist in Deutschland immer noch kein eigener Lehrstuhl vorhanden, der sich der seriösen historischen Erforschung von Esoterik widmet. Dabei ist längst deutlich, dass deren Geschichte in fast immer unterschätztem Maß die europäische Kultur gerade dort geprägt hat, wo man es am wenigsten vermutet: etwa in der Genese der Aufklärung, der Demokratie oder der ökologischen Bewegung, aber auch im Ursprung von völkischen Ideologien oder von Führerkulten.
In seiner langen Entstehungszeit spiegelt das Werk Helmut Zanders auch diesen Wandel von einer gegenwartsbezogenen akademischen Kritik an Esoterik zu einer kulturgeschichtlichen bzw. religionsgeschichtlichen Analyse. Aber auch die rein historische Kritik bleibt, wie aus der Kirchengeschichte bekannt, für die Gegenwart delikat. Denn sie deckt auf, dass nicht alles, was Steiner geschrieben oder vorgetragen hat, im historischen Vakuum übersinnlicher Erkenntnis, sondern auch in und mit seiner damaligen Gegenwart entstanden oder – wie Helmut Zander zu beweisen versucht – lediglich Produkt der populären Bildung seiner Zeit ist. So zielt seine historische Analyse auch auf solche Anthroposophen von heute, die jedes Wort Steiners ungeprüft für reine Offenbarung nehmen. Aber nicht nur durch diese vornehmlich auf die Anthroposophie und ihren Umkreis bezogenen Punkte ist das Buch heute aktuell. Es ist auch ein Exempel im Diskurs um die Rolle von weltanschaulichen Minderheiten im Prozess kultureller Pluralisierung um 1900 sowie dem gesellschaftlichem Umgang mit abweichender, nicht-hegemonialer Kultur im 20. Jahrhundert. ...
https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-10754

-

Peter Staudenmaier is a social ecologist and historian who has been involved with the Institute for Social Ecology since 1989. He has been an active participant in the anarchist movement, the green movement, and the cooperative movement in the United States and Germany for over two decades. He lives in Wisconsin and teaches history at Marquette University.
https://www.marquette.edu/history/directory/peter-staudenmaier.php

https://meinclio.clio-online.de/open/pdf/publicationreview/reb-21498/

-

History Faculty Research and Publications: Peter Staudenmaier, Marquette University: "Der Deutsche Geist am Scheideweg: Anthroposophen in Auseinandersetzung mit Volkischer Bewegung und Nationalsozialismus"
https://epublications.marquette.edu/hist_fac/90/

History Faculty Research and Publications History (2012)
"Der Deutsche Geist am Scheideweg: Anthroposophen in Auseinandersetzung mit Völkischer Bewegung und
NationalsozialismusNationalsozialismus" (pdf)
https://epublications.marquette.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1089&context=hist_fac

Peter Staudenmaier. Between Occultism and Nazism: Anthroposophy and the Politics of Race in the Fascist Era. London: Brill Academic Publishers, 2014. 430 S. $193.00 (cloth), ISBN 978-90-04-26407-6.
Reviewed by Michael Seelig
Published on H-Soz-u-Kult (January, 2016)
https://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=45992

-

Between Occultism and Nazism: Anthroposophy and the Politics of Race in the Fascist Era
Peter Staudenmaier (Autor)
Buch | Hardcover, 412 Seiten
2014 | Approx. 430 Pp. ed.
Brill (Verlag), 978-90-04-26407-6 (ISBN)
https://www.lehmanns.de/shop/weitere-fachgebiete/29378926-9789004264076-between-occultism-and-nazism

Rezensiert für H-Soz-Kult von Michael Seelig, Philipps-Universität Marburg (13.01.2016)
In Deutschland sind Rudolf Steiner und die Anthroposophie vielen Menschen ein Begriff, nicht zuletzt wegen Waldorfschulen, Demeter oder Weleda. Doch nur den wenigsten dürfte die Geschichte dieser Bewegung bekannt sein. In welchem Verhältnis Anthroposophie und Nationalsozialismus bzw. Faschismus zueinander standen, untersucht Peter Staudenmaier in seiner aufschlussreichen Studie über anthroposophische Rassenkonzepte. Sein Buch stellt eine willkommene Ergänzung zu Helmut Zanders voluminöser Abhandlung über die anthroposophische Bewegung dar.
https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-21498

Peter Staudenmaier. Between Occultism and Nazism: Anthroposophy and the Politics
of Race in the Fascist Era. London: Brill Academic Publishers, 2014. 430 S. $193.00,
cloth, ISBN 978-90-04-26407-6.
Reviewed by Michael Seelig - Published on H-Soz-u-Kult (January, 2016)
https://www.h-net.org/reviews/showpdf.php?id=45992

-

"Peter Staudenmaier: From Fascist Italy to the Alt-Right: J. Evola and the Revival of Radical Antisem" (19.09.2019)
Lecture at Indiana University Conference "Contending with Antisemitism in a Changing Political Climate." Bloomington, March 23-27, 2019. International Scholars' Conference.
Peter Staudenmaier: From Fascist Italy to the Alt-Right: Julius Evola and the Revival of Radical Antisemitism
https://youtu.be/pSRraeCnCSQ

Julius Evola (vollständiger Name Giulio Cesare Andrea Evola; * 19. Mai 1898 in Rom; † 11. Juni 1974 ebenda) war ein italienischer Kulturphilosoph und Kulturpessimist, Esoteriker und metaphysischer Rassentheoretiker. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Evola

-

Peter Staudenmaier - Conspiracy Theory as a Substitute for Social Critique prt. 1 (2004)
A talk by researcher, historian and anarchist Peter Staudenmaier about conspiracy theories and how they relate to social struggle. What are their limits and problems? How do they obscure social critiques, reproduce power dynamics? And what is the relation between conspiracy theories and antisemitism? Part 1 of 2.
https://youtu.be/plL7oCd15Dc

https://youtu.be/94nLZQG4HAg

-

"Conspiracy Theory as a Substitute for Social Critique: Lecture by Dr. Peter Staudenmaier" (18.11.2021)
Conspiracy theories have exploded in recent years, targeting COVID, vaccines, 9/11, George Soros, the Frankfurt School, and more. Conspiracy thinking has also become more prominent in left and in ecological movements, often under the guise of alternative health, counterculture, and simplified critiques of US foreign policy.
This presentation by historian and historian Dr. Peter Staudenmaier explains why conspiracy theories offer false analyses of the social problems we face and steer us towards non-emancipatory political solutions.

https://youtu.be/Q_gz-tWB65w // https://social-ecology.org/

-

"Fascist Ecology: The "Green Wing" of the Nazi Party and its Historical Antecedents"
Authors: Peter Staudenmaier, Topics: ecology, fascism, Religion, social ecology
Date: 1996, Source: Retrieved on 22 December 2010 from www.spunk.org. Proofread online source RevoltLib.com, retrieved on November 20, 2020.
http://www.spunk.org/texts/places/germany/sp001630/peter.html
-
Janet Biehl and Peter Staudenmaier: "Ecofascism: Lessons from the German Experience"
... Fascist Ecology: The "Green Wing" of the Nazi Party and its Historical Antecedents ... "The unity of blood and soil must be restored," proclaimed Richard Walther Darré in 1930. [37] This infamous phrase denoted a quasi-mystical connection between 'blood' (the race or Volk) and 'soil' (the land and the natural environment) specific to Germanic peoples and absent, for example, among Celts and Slavs. For the enthusiasts of Blut und Boden, the Jews especially were a rootless, wandering people, incapable of any true relationship with the land. German blood, in other words, engendered an exclusive claim to the sacred German soil. While the term "blood and soil" had been circulating in völkisch circles since at least the Wilhelmine era, it was Darré who first popularized it as a slogan and then enshrined it as a guiding principle of Nazi thought. Harking back to Arndt and Riehl, he envisioned a thoroughgoing ruralization of Germany and Europe, predicated on a revitalized yeoman peasantry, in order to ensure racial health and ecological sustainability. ...
https://theanarchistlibrary.org/library/janet-biehl-and-peter-staudenmaier-ecofascism-lessons-from-the-german-experience

-


"Anthroposophy and Ecofascism"
Authors: Peter Staudenmaier
Published: January 10, 2009
If this peculiar cosmology sounds eerily similar to the teutonic myths of Himmler and Hitler, the resemblance is no accident.  Anthroposophy and National Socialism both have deep roots in the confluence of nationalism, right-wing populism, proto-environmentalist romanticism and esoteric spiritualism that characterized much of German and Austrian culture at the end of the nineteenth century.  But the connection between Steiner's racially stratified pseudo-religion and the rise of the Nazis goes beyond mere philosophical parallels.  Anthroposophy had a powerful practical influence on the so-called "green wing" of German fascism.  Moreover, the actual politics of Steiner and his followers have consistently displayed a profoundly reactionary streak. ...
https://social-ecology.org/wp/2009/01/anthroposophy-and-ecofascism-2/

-

"Why Waldorf Education Needs Critical Historical Perspective" (Published on 3. Juni 2021)
written by Peter Staudenmaier
Tagged with: Anthroposophie, Anthroposophy, Rudolf Steiner, Waldorf education, Waldorf pedagogy, Waldorf school, Waldorfpädagogik, Waldorfschule
Waldorf schools were initiated by esoteric thinker Rudolf Steiner (1861-1925), one of the major figures in the modern German occult revival around 1900. Born and raised in Habsburg Austria, Steiner embraced the esoteric doctrine of theosophy after the turn of the century, a period when occult worldviews appealed to educated strata in German-speaking Europe. In 1902 he became General Secretary of the German branch of the Theosophical Society until breaking away to found his own Anthroposophical Society in 1913. According to Steiner, anthroposophy is a "spiritual science" based on clairvoyant perception of the "higher worlds" that structure the cosmos and shape human affairs.
https://bildungsgeschichte.de/beitrag/2543/

...

Link

Quote[...] Die Studie und die Diskussion: Jens Ebert, Meggi Pieschel, Susanne zur Nieden: Die biodynamische Bewegung und Demeter in der NS-Zeit. Akteure, Verbindungen, Haltungen, Metropol, 477 S., 34 Euro / Diskussionmit Jens Ebert und Meggi Pieschel: Fr, 14. 2., 19 Uhr, Gemeinschaftshaus Allmende Wulfsdorf, Bornkampsweg 36, Ahrensburg

-

Das Braune im Grünen: In der alternativen Szene wird selten über rechtsextreme Tendenzen diskutiert. Auch die anthroposophische Gemeinschaft und die biodynamische Landwirtschaft haben ihre Verstrickungen mit dem Nationalsozialismus lange Zeit kaum thematisiert. Der Ruf des weithin als menschfreundlich wahrgenommenen Anthroposophie-Begründers Rudolf Steiner lenkt von den problematischen Aspekten seiner Lehre, fragwürdigen Verbindungen und zweifelhaften Aktivitäten seiner Anhänger*innen ab.

Das Dorfprojekt Allmende Wulfsdorf bei Ahrensburg möchte dies ändern und die Diskussion über die biodynamische Bewegung und Demeter im Nationalsozialismus vorantreiben. ,,Wir sind ja selbst betroffen", sagt Claus Kristen vom Dorfprojekt und erklärt, dass dort anthroposophisch Bewegte mitwirken. ,,Über unsere Straße rüber liegt auch gleich das Gut Wulfsdorf, das biologisch-dynamisch bewirtschaftet wird."

Der Bio-Hof ist in Hamburg bekannt. Auf vielen Wochenmärkten bietet das Gut Wulfsdorf seine Bio-Produkte an. Von den rund 80 Mitarbeitenden wohnen einige auch im Dorfprojekt, sagt Kristen. Den Anstoß für eine Veranstaltung zum Thema gab eine Studie zur Geschichte der biodynamischen Bewegung während der NS-Zeit, sagt er. Kristen forscht und publiziert selbst zu den Themen Männlichkeit, Kolonialismus und Militarismus.

Die im vergangenen Jahr veröffentlichte 480-seitige Studie von Jens Ebert, Susanne zur Nieden und Meggi Pieschel beleuchtet die Geschichte der biodynamischen Bewegung während der NS-Zeit. Sie zeigt, dass biodynamische Verbände bereits ab 1933 eine Eingliederung in den NS-Staat anstrebten. Erhard Bartsch, ein prominenter Anthroposoph, gründete den ,,Reichsverband für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise in Landwirtschaft und Gartenbau", der das ,,Führerprinzip" einführte und jüdische Menschen ausschloss.

Bartsch, der auf der Marienhöhe oberhalb von Bad Saarow in Brandenburg 1928 einen bis heute bestehenden Demeterhof gründete, verehrte Hitler. In einer Rede sagte er, ,,dass der Führer selbst mit wachsender Aufmerksamkeit auf unsere Arbeit hinschaut". Und weiter: ,,Deutscher Geist und deutsches Schwert werden dem kulturschaffenden Bauern die Zukunft sichern. Heil dem Führer."

In der anthroposophischen Gemeinde war Bartsch nicht der einzige, der dem Nationalsozialismus etwas abgewinnen konnte. Um das Verhältnis zur NS-Führung positiv zu gestalten, wurde Hannes Rascher, NSDAP-Mitglied und Anthroposoph, zum ,,Mittelsmann".

Die Studie deutet darauf hin, dass die biodynamische Bewegung größere Sorge vor dem Einfluss des sogenannten ,,Stickstoff-Syndikats" hatte als vor der Macht der Nationalsozialisten. Elf Prozent der Verbandsmitglieder waren nachweislich in der NSDAP. Einige Anthroposophen der Bewegung übernahmen leitende Positionen in Konzentrationslagern wie Dachau, Ravensbrück und Mauthausen, wo sie an der Organisation von ,,Kräutergärten" oder ,,Plantagen" beteiligt waren. In der besetzten Ukraine, nahe Schytomyr, gab es ein biodynamisches Versuchsgut.

Unterstützung erhielt die Bewegung auch von hochrangigen NS-Funktionären wie Rudolf Heß, Heinrich Himmler und Walther Darré. Nach Heß' Flug nach England 1941 wurde der Verband zwar verboten, doch Himmler förderte weiterhin bestehende Projekte. Bartsch behauptete sogar, er habe den Befehl erhalten, den landwirtschaftlichen Betrieb in Auschwitz biodynamisch umzustellen.

Am 14. Februar haben Interessierte im Gemeinschaftshaus Allmende die Möglichkeit, mit den Autor*innen Ebert und Pieschel über ihre Forschungsergebnisse zu diskutieren.

Andreas Speit (Autor) | Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne ,,Der Rechte Rand". Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandes und des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: herausgegeben: Das Netzwerk der Identitären - Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten (2018), Die Entkultivierung des Bürgertum (2019), mit Andrea Röpke: Völkische Landnahme -Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019) mit Jena-Philipp Baeck herausgegeben: Rechte EgoShooter - Von der virtuellen Hetzte zum Livestream-Attentat (2020), Verqueres Denken - Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus (2021).



Aus: "NS-Verstrickungen biodynamischer Höfe: Das Braune im Grünen" (12.2.2025)
Quelle: https://taz.de/NS-Verstrickungen-biodynamischer-Hoefe/!6065125/


Link

"Rudolf Steiner auf der Bühne: Mehr Vertanzen als Verstehen" Dietrich Krauß (23.10.2024)
Wenn in der Hochburg der Anthroposophie erstmals ein Stück über dessen umstrittenen Gründer auf die Bühne des Staatstheaters kommt, könnte es spannend werden. Doch in "Die Erziehung des Rudolf Steiner" wird auf eine offensive Auseinandersetzung weitgehend verzichtet, bemängelt unser Autor.
Rudolf Steiners Esoterik, 90 Minuten auf der Schiller'schen Schaubühne – da hofft man als Kritiker auf einen Sieg der Aufklärung. Doch die hat in Stuttgart ihre eigenen Gesetze. Das Schauspielhaus geht einer Auseinandersetzung mit der Anthroposophie selbst dann aus dem Weg, wenn sie auf dem Spielplan steht. Vielleicht aus Respekt vor dem Heimpublikum, das am Ende eine Inszenierung mit anhaltendem Beifall feiert, mit der man wohl auch auf der heimischen Uhlandshöhe nicht anecken würde, also dort, wo 1919 die allererste Waldorfschule gegründet wurde.
Dabei ist das Stück weit entfernt von regionalen Empfindlichkeiten entstanden. Verantwortlich zeichnet "Dead Centre", ein irisch-britisches Theaterkollektiv, das sich mit Inszenierungen am Burgtheater einen Namen gemacht macht, zuletzt mit einem Stück über Wittgensteins Tractatus. Die Macher sind also geübt darin, hermetische Theorien auf die Bühnen zu bringen. Dabei zielen die Regisseure Ben Kidd und Bush Moukarzel weniger darauf ab, komplexe Inhalte für das Publikum zu übersetzen. Sie wollen vor allem aus philosophischen Überlegungen ein Theaterereignis machen. Es geht also eher ums Vertanzen, weniger ums Verstehen. Der Ansatz ähnelt Steiners Erziehungskonzept, das Kinder nicht zu intellektueller Auseinandersetzung ermuntert, sondern in eine anthroposophische Zauberwelt eintauchen lässt. Die okkulten Welten Steiners werden so auch in Stuttgart weniger analysiert, denn inszeniert, nicht kritisch befragt, sondern eher effektvoll dargestellt. ...
https://www.kontextwochenzeitung.de/kultur/708/mehr-vertanzen-als-verstehen-9798.html

-

,,Die Anthroposophie enthält ein autoritäres Potenzial" Interview: Stefanie Witterauf (25. Januar 2024)
Vor gut hundert Jahren wurde Rudolf Steiner mit seinen esoterischen Lehren berühmt, noch heute beeinflussen sie Waldorfschulen und Unternehmen. Der Religionsphilosoph Ansgar Martins erklärt, was er daran kritisch sieht. ... " ... Anthroposophie ist eine Form der Esoterik. Sie behauptet, dass im All und in den Menschen übersinnliche Kräfte, Geister und Engel wirksam seien. Steiner präsentiert Anthroposophie als Wissenschaft, die verbindliche Mitteilungen über ,,höhere Welten" machen kann. Wenn man diese Kräfte erkenne, könne man sich an ihnen ausrichten und sie sinnvoll für Menschen und Erde anwenden. ..."
https://www.fluter.de/anthroposophie-esoterik-demokratie


Link

Quote[...] Die Naturkosmetikfirma Weleda war während der NS-Zeit offenbar enger mit dem Konzentrationslager Dachau verflochten, als bisher angenommen. Das berichtet der ,,Spiegel" unter Berufung auf eine neue Studie der Historikerin Anne Sudrow im Auftrag der Gedenkstätte Dachau.

Demnach bezog das Unternehmen Heilkräuter aus einer landwirtschaftlichen Anlage der SS, die von KZ-Häftlingen betrieben wurde. Zudem habe Weleda eine Creme geliefert, die nach Sudrows Recherchen mutmaßlich bei Menschenversuchen im Lager zum Einsatz kam.

Weleda wurde 1921 gegründet und ist bekannt für Naturkosmetik, anthroposophische Heilmittel und Produkte aus biologisch-dynamischer Landwirtschaft nach Demeter-Richtlinien. Das Unternehmen verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, der Gesundheit, Umwelt und soziale Verantwortung verbinden soll. Weleda ist international aktiv und zählt zu den bekanntesten Marken in der Naturkosmetikbranche.

Die Untersuchung zeigt enge Verbindungen zwischen der Anthroposophie-Szene, der biologisch-dynamischen Demeter-Landwirtschaft und der SS. In Dachau betrieb die SS-eigene ,,Deutsche Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung" eine ,,Plantage", auf der biologische Anbaumethoden erprobt wurden. Weleda bestellte den Angaben zufolge während der NS-Zeit Produkte direkt dort.

Außerdem soll das Unternehmen eine Frostschutzcreme geliefert haben, die der SS-Arzt Sigmund Rascher möglicherweise für Experimente an KZ-Häftlingen nutzte. Rascher, selbst Waldorfschüler und Anthroposoph, führte im Lager Versuche zu Kälte und Unterkühlung durch, bei denen zahlreiche Menschen starben.

Auch personell gab es Überschneidungen, wie Sudrow darlegt: Franz Lippert, zuvor Leiter des Heilpflanzengartens von Weleda, wechselte 1941 zur SS nach Dachau und forschte dort unter Einsatz von Zwangsarbeitern. Der Kontakt zum Unternehmen sei dabei bestehen geblieben.

Weleda selbst hatte bisher erklärt, es sei unklar, ob die Frostschutzcreme tatsächlich in Menschenversuchen eingesetzt wurde. Auch die Tätigkeit Lipperts im KZ Dachau habe ,,in keinerlei Verbindung zu seiner früheren Tätigkeit bei Weleda" gestanden. (bef)


Aus: "Weleda lieferte laut Studie Creme für KZ-Versuche" (06.09.2025)
Quelle: Weleda lieferte laut Studie Creme für KZ-Versuche

QuoteErwin
06.09.25 11:54
@GSchmidt am 06.09.25 11:27

Ich sehe da auch ein Dilemma! Einerseits ist "Demeter" wirklich die beste Qualität für Nahrungsmittel, andererseits ist der Bezug zu Steiner und Nationalsozialismus mehr als unangenehm.

https://taz.de/Demeter-und-der-NS-Staat/!6015895/


QuoteO.L.
06.09.25 13:53
@Erwin am 06.09.25 11:54

Steiner ist weit vor den Nazis gestorben. Man sollte dessen Esobewegung differenzierter betrachten. Ist ein ähnliches Dilemma wie mit Nietzsche, den die Nazis auch ideologisch korrumpiert haben.


QuoteErwin
06.09.25 11:14

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, wieso 80 Jahre nach Kriegsende immer noch nicht die Nazizeit komplett aufgearbeitet ist. Auch im privaten-wirtschaflichen Bereich! Etliche Firmen haben es doch auch hinbekommen. Es geht hier auch nicht um Stigmatisierungen, sondern um ein Verständnis der Quantität und Qualität der Verbrechen der Nazis zu erreichen.


QuoteOle_Ohlsson
06.09.25 13:34
@Erwin am 06.09.25 11:14

... richtig. Nur wenn man das versteht, kann man ahnen was wieder auf uns zukommen könnte.


-

Die Naziverbindungen der Naturkosmetikfirma Weleda: Im KZ Dachau experimentierte die SS mit anthroposophischen Methoden und Mitteln – unter Einsatz von Zwangsarbeit. Auch die Naturkosmetikfirma Weleda spielte dabei eine Rolle.
Von Stefan Hunglinger - 06.09.2025, 08.43 Uhr • aus DER SPIEGEL 37/2025
https://www.spiegel.de/geschichte/weleda-versuche-im-konzentrationslager-die-nazi-verbindungen-der-naturkosmetikfirma-a-5a658c52-91f3-4dfc-9eb5-db0450d3024d


Link

"Auf der Waldorfschule bin ich zu einem Macher geworden" Lisa Schmachtenberger (Aktualisiert am 12. September 2025)
Sie sind Anwälte, Unternehmensberater oder Ärzte – und waren Waldorfschüler. Acht Menschen erzählen, wie sehr die Schule sie geprägt hat. Im Guten wie im Schlechten. ...
https://www.zeit.de/arbeit/2025-09/waldorfschule-karriere-praegung-paedagogik-arbeitsplatz

-

"Wie hat Sie die Waldorfschule geprägt?" Lisa Schmachtenberger (15. August 2025)
Man lernt nähen, töpfern und den eigenen Namen tanzen: Erzählen Sie uns, wie die Zeit an einer Waldorfschule Ihre Berufswahl und Ihr Arbeitsleben beeinflusst hat. ...
https://www.zeit.de/arbeit/2025-08/waldorfschule-erinnerungen-schueler-berufswahl-arbeitsleben-aufruf

-

Bettina Schuler (* 1975 in Bochum) ist eine deutsche Buchautorin von Sach- und Ratgeberliteratur.
https://de.wikipedia.org/wiki/Bettina_Schuler

Bettina Schuler (2025): Der Waldorf-Komplex. Zwischen Mystik und Pädagogik: Die Schattenseiten des anthroposophischen Bildungssystems. München: Droemer. 224 Seiten. ISBN 978-3426566510.

"Die Schattenseiten der Waldorfschule" Redaktion: Beate Wolff (WDR 5 Neugier genügt - Redezeit, 30.09.2025)
Bettina Schuler hat sich kritisch mit der anthroposophischen Pädagogik auseinandergesetzt und mit der Gemeinschaft gebrochen. Sie spricht darüber wie prägend ihre Schulzeit war, warum sie die Lehre für gefährlich hält und welche Fragen wir uns stellen sollten, wenn es um alternative Bildungswege geht. ...
https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/neugier-genuegt/redezeit-bettina-schuler-100.html

...

Link

Quote[...] Eingestellt von Michael Eggert Dezember 18, 2025: "Zwischen Lichtgestalt und Schattenreich: Die Ambivalenz der Anthroposophie gegenüber dem Rechtspopulismus"

Die Kritik an kritischen Positionen des anthroposophischen Mutterschiffs kulminiert gern in bräsigen Kommentaren wie 2021 in "Themen der Zeit": "Jetzt aber hat der "Egoist" unter anderem – wieder einmal – die anthroposophische Monatszeitschrift "die Drei", die seit Februar 2021 zweimonatlich erscheint, und diesmal auch die "Themen-der-Zeit" aufgespießt. Soweit so gut. In unserem Fall hört sich das dann so an: "Man wundert sich. Anthroposophistan marschiert Hand in Hand, Schritt für Schritt ins rechte Lager. (...) Als Beispiel möge das anthroposophische Online- Blatt Themen der Zeit dienen, in dem Ende Januar ein Artikel zum Thema Daniele Ganser, dem ,,Friedensforscher" mit Waldorf- Herkunft, dem die Anthroposophen bei Vorträgen die Bude einrennen, erschien."

Nun, wie wir wissen, rennen Anthroposophen nicht, sondern sie "schreiten". Geht's vielleicht doch ein wenig differenzierter, lieber Michael Eggert?" Haha. Nun endlich wieder ein Versuch, anthroposophisch korrekt und "differenzierter" das wacklige Verhältnis von gelebter Real- Anthroposophie und Rechtspopulismus auszuleuchten- eine Bemühung, die ohnehin immer wieder vorgenommen werden muss, da sich das Verhältnis immer wieder verschiebt.

Die Beziehung zwischen der anthroposophischen Bewegung und rechtspopulistischen Strömungen wie der AfD ist kein einfaches Bündnis, sondern ein komplexes Spannungsfeld. Es ist geprägt von ideologischen Überlappungen einerseits und einer institutionellen Brandmauer andererseits. Während die offizielle Führung der Waldorfschulen für Weltoffenheit kämpft, finden rechte Akteure in den Nischen der esoterischen Lebensreform eine neue Heimat. Rudolf Steiner, der Begründer der Anthroposophie, war eben eine Figur der Widersprüche. Einerseits forderte er die Überwindung nationaler Grenzen und sah den Menschen als kosmisches Wesen. Andererseits hinterließ er ein Werk, das für die heutige ,,Neue Rechte" anschlussfähig ist.

Die Mimikry völkischer Esoterik

In seiner ,,Wurzelrassenlehre" entwarf Steiner ein evolutionäres Stufenmodell der Menschheit. Hierin beschrieb er eine hierarchische Entwicklung, in der die mitteleuropäische Kultur als die derzeit am weitesten fortgeschrittene Stufe gilt. Für moderne Rechtsextreme und die Identitäre Bewegung fungieren solche Gedanken als spirituelles Fundament für ein völkisch-nationales Weltbild. Rassismus wird hier nicht biologisch, sondern esoterisch-schicksalhaft begründet.

Ein zentraler Berührungspunkt ist die tief verwurzelte Skepsis gegenüber dem ,,Materialismus". Viele Anthroposophen lehnen staatliche Institutionen, die Schulmedizin und die ,,Mainstream-Wissenschaft" ab. Während der Corona-Pandemie verschmolz diese Haltung mit der Rhetorik rechtspopulistischer Elitenkritik. Man traf sich im Misstrauen gegen den Staat, was eine Brücke zwischen alternativen Elternhäusern und politischen Radikalen schlug. Einer der besorgniserregendsten Aspekte ist die gezielte Strategie rechtsextremer Familienclans, die als ,,Völkische Siedler" bekannt sind. Diese Gruppen ziehen bewusst in ländliche Regionen – etwa in die Lüneburger Heide oder nach Mecklenburg-Vorpommern – und praktizieren dort eine Form der Mimikry. Diese Familien wirken nach außen wie die idealen Waldorf-Eltern: Sie betreiben ökologische Landwirtschaft (oft nach Demeter-Prinzipien, teils ohne Zertifikat), lehnen digitale Medien ab und pflegen traditionelles Handwerk. Doch hinter der Fassade des ,,Heimatschutzes" verbirgt sich eine Blut-und-Boden-Ideologie. Sie nutzen Begriffe wie ,,artgerechte Haltung" und übertragen diese auf Menschen: Migration wird als ,,Entwurzelung" geframt, die dem ökologischen Gleichgewicht der Völker schade.

Besonders brisant ist die Verbindung zur Anastasia-Bewegung. Diese aus Russland stammende, antisemitische Esoterik-Strömung propagiert autarke Familien-Landsitze. Ihre Anhänger versuchen oft, eigene Bildungsinitiativen zu gründen, die das Etikett ,,Waldorf" als Gütesiegel für Staatsferne nutzen wollen, um ihre Kinder der staatlichen Demokratieerziehung zu entziehen. Seit 2020 ist eine soziologische Verschiebung erkennbar. Baden-Württemberg, das Herzland der Anthroposophie, wurde zum Epizentrum der Proteste gegen staatliche Maßnahmen. Hier geschah das kaum Vorstellbare: Waldorf-Lehrer und biodynamische Landwirte demonstrierten Schulter an Schulter mit AfD-Funktionären und Reichsbürgern.

Studien der Heinrich-Böll-Stiftung (Quellen unten) belegen eine Radikalisierung in Teilen des alternativ-bürgerlichen Milieus. Wählergruppen, die früher den Grünen nahestanden, wandern zunehmend zur AfD oder zur Partei ,,dieBasis" ab. Letztere gilt fast als parlamentarischer Arm der anthroposophischen Impfskeptiker und bedient Narrative der globalen Elitenkritik (z. B. gegen die WHO), die auch im rechtspopulistischen Spektrum verfangen. Der Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS) und die Anthroposophische Gesellschaft haben den Ernst der Lage erkannt. Sie befinden sich in einer historischen Zerreißprobe. Als Reaktion auf die Vorwürfe wurde früh schon die ,,Stuttgarter Erklärung" verfasst und mehrfach verschärft. Darin distanzieren sich die Verbände unmissverständlich von Rassismus und völkischem Gedankengut. Schulen, die diese Werte nicht aktiv vertreten, riskieren den Entzug des Namensrechts. Es gibt prominente Fälle, in denen die Schulen hart durchgriffen. Wenn das öffentliche Wirken von Eltern – wie etwa bei der neurechten Aktivistin Caroline Sommerfeld, die heute in ,,Sezession" und im Antaios-Verlag publiziert – diametral den pädagogischen Zielen von Weltoffenheit und Toleranz widerspricht, werden Schulverträge gekündigt. Gerichte haben dieses Vorgehen im Rahmen der Privatschulfreiheit mehrfach bestätigt.

Die semantische Falle: Wenn Begriffe ihre Bedeutung verändern

Die ideologische Annäherung zwischen dem anthroposophischen Milieu und rechtspopulistischen Strömungen findet oft über eine gemeinsame Sprache statt, bei der identische Begriffe jedoch völlig unterschiedlich aufgeladen sind. Dies führt zu einer gefährlichen Schein-Harmonie, die eine politische Radikalisierung begünstigen kann.

Ein zentrales Beispiel ist das Verständnis von Natur. In der anthroposophischen Tradition wird die Natur als ein beseelter, spiritueller Raum der Heilung und Entwicklung verstanden, den es achtsam zu pflegen gilt. Rechtspopulistische Akteure hingegen nutzen diesen Naturbegriff für ihre ,,Blut-und-Boden"-Rhetorik: Für sie ist Natur der ,,heilige Boden" der Vorfahren, eine exklusive nationale Ressource, die vor ,,fremden Einflüssen" geschützt werden muss. Hier schlägt die ökologische Achtsamkeit in einen biologischen Nationalismus um.

Ähnlich verhält es sich mit dem Wert der Individualität. Während die Waldorfpädagogik die Freiheit des Individuums vor staatlichem Zwang betont, um die geistige Entfaltung zu ermöglichen, deutet die Rechte diesen Freiheitsbegriff als Widerstand gegen vermeintliche ,,System-Eliten" um. Die individuelle Freiheit wird hier zur Waffe gegen demokratische Institutionen instrumentalisiert.

Besonders komplex ist die Schnittmenge in der Wissenschaftskritik. Die Anthroposophie pflegt eine methodische Skepsis gegenüber einem rein materiellen Weltbild und sucht nach einer geistigen Erweiterung der Erkenntnis. Rechtspopulisten docken hier an, indem sie diese Skepsis radikalisieren und eine pauschale Ablehnung der ,,Mainstream-Wissenschaft" propagieren. Was als philosophische Debatte beginnt, endet oft in der Akzeptanz von Verschwörungsmythen.

Zuletzt zeigt sich beim Begriff des Volkes die tiefste Bruchlinie. In Steiners Werk findet sich die Vorstellung einer geistigen Schicksalsgemeinschaft, die jedoch (idealerweise) kosmopolitisch überwunden werden soll. Die Neue Rechte hingegen streicht das kosmopolitische Ziel und reduziert den Volksbegriff auf eine starre, biologisch-kulturelle Grenze. So wird aus einer esoterischen Entwicklungslehre ein Instrument der Ausgrenzung.

Sprachliche Codes und rechtes ,,Framing"

Rechte Akteure nutzen oft eine spezifische Terminologie, die anthroposophische Begriffe umdeutet oder mit völkischen Narrativen auflädt: ,,Artgerechtigkeit" beim Menschen: Während der Begriff in der Landwirtschaft (Demeter) positiv besetzt ist, nutzen völkische Siedler ihn, um Segregation zu rechtfertigen. Sie sprechen davon, dass jedes Volk seine ,,angestammte Umgebung" brauche und Migration daher ,,widernatürlich" sei. ,,Heimatschutz" statt Naturschutz: Es wird nicht nur der Erhalt der Umwelt gefordert, sondern eine Verbindung von ,,Blut und Boden". Die Natur wird als exklusiver Besitz der eigenen ethnischen Gemeinschaft (des ,,Volkskörpers") geframt . Häufiges Fallenlassen von Begriffen wie ,,Umerziehung", ,,Indoktrination durch den Staat" oder ,,Gender-Ideologie": So wird die berechtigte Waldorf-Kritik an staatlicher Standardisierung ins Extreme verzerrt.

Die optische Erscheinung völkischer Familien ist oft eine bewusste Inszenierung, die im Waldorf-Milieu kaum auffällt, aber in der Summe ein Muster ergibt: Überbetonung von Trachten, handgewebter Kleidung oder Frisuren (z. B. Flechtfrisuren bei Mädchen), die ein Idealbild der 1920er oder 1930er Jahre widerspiegeln.

Während Technikskepsis zum Waldorf-Alltag gehört, fordern diese Gruppen oft eine totale Abschottung von der ,,dekadenten Außenwelt", um die Kinder vor ,,fremden kulturellen Einflüssen" reinzuhalten. Ein starker Fokus auf germanisches Brauchtum (z. B. Julfest statt Weihnachten, extreme Überhöhung der Sommersonnenwende), das über die üblichen Jahresfeste der Waldorfschule hinausgeht und oft völkisch-religiös aufgeladen ist.

Strategisches Engagement (,,Marsch durch die Instanzen")

Völkische Siedler verhalten sich oft wie ,,Mustereltern", um Einfluss zu gewinnen: Drang in Entscheidungsgremien: Sie versuchen gezielt, Sitze im Vorstand des Schulvereins oder in der Elternvertretung zu besetzen. Ziel ist es, die Ausrichtung der Schule langfristig zu beeinflussen oder kritische Lehrer zu verdrängen. In finanzschwachen ländlichen Schulen treten sie manchmal als großzügige Spender oder geschickte Handwerker auf, um eine moralische Verpflichtung der Schule ihnen gegenüber zu erzeugen.

In Aufnahmegesprächen kann gezielt auf Literatur- und Weltanschauungsreferenzen geachtet werden: Referenz auf Megre/Anastasia: Wenn Eltern die Buchreihe des russischen Autors Wladimir Megre als Inspirationsquelle für ihre Lebensweise nennen, ist höchste Vorsicht geboten. Diese Werke enthalten explizit antisemitische und antidemokratische Passagen. Wenn im Gespräch die Ablehnung der Schulmedizin oder staatlicher Institutionen nicht individuell-spirituell begründet wird, sondern als Widerstand gegen eine ,,globale Verschwörung" (z. B. Great Reset), deutet dies auf eine ideologische Radikalisierung hin. Die Zeit der anthroposophischen Elfenbein- Turm- Tabus endet langsam. Mit der kritischen Gesamtausgabe von Steiners Werk wird dessen rassistisches Erbe nicht mehr geleugnet, sondern kontextualisiert. In der Lehrerausbildung wird Steiner zunehmend als ,,Kind seiner Zeit" und nicht mehr als unfehlbarer Prophet vermittelt.

Fazit: Ein offener Konflikt um die Deutungshoheit

Die Anthroposophie steht an einem Scheideweg. Während der liberale, städtische Flügel die Bewegung als modernen, weltoffenen Teil der Zivilgesellschaft positioniert, bleibt die ,,rechte Flanke" eine offene Wunde. Die AfD versucht strategisch, jene Menschen abzuholen, die sich nach Autarkie, Naturverbundenheit und Freiheit vom Staat sehnen. Der Kampf um die ,,Seele" der Waldorf-Bewegung ist somit auch ein Spiegelbild der gesellschaftlichen Spaltung in Deutschland.

Der Konflikt ist keineswegs gelöst. Es gibt einen Riss durch die Bewegung: Auf der einen Seite stehen der liberale Dachverband und viele städtische Schulen, die sich aktiv als weltoffen positionieren und AfD/Querdenker bekämpfen. Auf der anderen Seite gibt es (oft ländliche) Nischen und einzelne Lehrer, die Steiners Esoterik dogmatisch auslegen, Impfgegnerschaft und Staatskritik kultivieren und damit – bewusst oder unbewusst – eine offene Flanke für Rechte bieten. Die AfD und Neue Rechte wissen um diesen Riss und versuchen gezielt, sich als die ,,wahren Bewahrer" der anthroposophischen Werte (Heimat, Natur, Familie, Freiheit vor dem Staat) darzustellen.

-

Hier sind die Quellen und weiterführenden Links, sortiert nach Studien, Offiziellen Dokumenten und Journalistischen Recherchen.
1. Studien & Analysen (Wissenschaft & Stiftungen)

Diese Quellen bieten die fundierteste Analyse der soziologischen und ideologischen Schnittmengen.

• Heinrich-Böll-Stiftung (Studien zu Querdenken & Milieus):

Die Stiftung hat intensiv zu den Verbindungen zwischen dem anthroposophischen Milieu und der Protestszene geforscht.

• Studie: "Quellen des 'Querdenkertums': Eine politische Soziologie der Corona-Proteste" (Oliver Nachtwey / Nadine Frei). Diese Studie belegt empirisch den hohen Anteil von anthroposophisch geprägten Personen in der Bewegung.
https://www.boell-bw.de/sites/default/files/2022-01/Quellen%20des%20Querdenkertums_Frei_Nachtwey.pdf

• Artikel/Dossier: "Anthroposophie, Querdenker und Rechtsextreme: Eine notwendige Auseinandersetzung" (2022).
https://www.boell.de/de/2022/11/28/anthroposophie-querdenker-und-rechtsextreme-eine-notwendige-auseinandersetzung

• Link zur Heinrich-Böll-Stiftung  https://www.spiegel.de/kultur/heinrich-boell-stiftung-gibt-gegenueber-anthroposophen-klein-bei-a-5bcc82b2-91f3-4f96-ac88-764e767c5397

• Amadeu Antonio Stiftung (Fachstelle für Rechtsextremismus):
https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/

Spezialisiert auf die Analyse der "Völkischen Siedler" und deren Strategien im ländlichen Raum.

• Broschüre: "Völkische Siedler/innen im ländlichen Raum – Basiswissen und Handlungsstrategien". Hier wird detailliert beschrieben, wie rechte Gruppen ökologische Landwirtschaft und Brauchtumspflege als Tarnung nutzen.

• Link zur Amadeu Antonio Stiftung https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/publikationen/voelkische-siedler-innen-im-laendlichen-raum/

• Jana Husmann (Kulturwissenschaftliche Analyse):

Für die tiefe ideologische Kritik an Steiners Rassenlehre.

• Buch: "Schwarz-Weiß-Symbolik: Dualistische Denktraditionen und die Imagination von 'Rasse'. Religion – Wissenschaft – Anthroposophie" (Transcript Verlag). Husmann analysiert hier akademisch präzise die rassistischen Elemente in Steiners Esoterik.
2. Offizielle Positionen der Waldorf-Institutionen

Diese Dokumente zeigen die Abgrenzungsbemühungen der Verbände:

• Bund der Freien Waldorfschulen (BdFWS): Dokument: "Stuttgarter Erklärung" (Ursprünglich 2007, erneuert 2020). Das zentrale Papier, in dem sich der Bund von Diskriminierung distanziert und bekennt, dass Teile von Steiners Werk rassistisch diskriminierend wirken. Direktlink zur Stuttgarter Erklärung (PDF) https://www.waldorfschule.de/service/diskriminierungsfreie-schule/waldorfschulen-gegen-politischen-extremismus-antisemitismus-rassismus-und-diskriminierung

• Webseite: Das NRW Schulministerium bietet auf  "Schulen gegen politischen Extremismus"  Materialien und Ansprechpartner bei Unterwanderungsversuchen.
https://www.schulministerium.nrw/extremismus

3. Journalistische Recherchen & Kritische Literatur

• Die "Anastasia"-Bewegung & Völkische Siedler:

Der Bayerische Rundfunk (BR) und Deutschlandfunk haben umfangreiche Recherchen dazu veröffentlicht, wie die antisemitische Anastasia-Bewegung versucht, eigene Schulen zu gründen, die wie Waldorfschulen wirken sollen.

• Podcast/Doku: "Die Story im Ersten: Völkische Siedler – Schattenwelten auf dem Land".

• Artikel: "Rechtsextremismus in esoterischem Gewand" (Zentrum Liberale Moderne, 2021).

• Peter Bierl (Publizist):

Ein scharfer Kritiker der Anthroposophie, der sich seit Jahren mit den rechten Tendenzen befasst.

• Buch: "Wurzelrassen, Erzengel und Volksgeister: Die Anthroposophie und der Nationalsozialismus". Bierl legt den Fokus stark auf die historischen Verstrickungen und deren Nachwirken heute.

• Helmut Zander (Historiker):

Zander gilt als der renommierteste neutrale Historiker für Anthroposophie im deutschsprachigen Raum. Sein Standardwerk bietet den historisch sichersten Boden.

• Buch: "Anthroposophie in Deutschland: Theosophische Weltanschauung und gesellschaftliche Praxis 1884–1945".



Aus: "Zwischen Lichtgestalt und Schattenreich: Die Ambivalenz der Anthroposophie gegenüber dem Rechtspopulismus"
Eingestellt von Michael Eggert (Dezember 18, 2025)
Quelle: https://egoistenblog.blogspot.com/2025/12/zwischen-lichtgestalt-und-schattenreich.html