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[Moderne / Postmoderne (Themenfeld, Notizen) ... ]

Started by Link, November 27, 2020, 12:19:14 PM

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Quote[...] Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit ist der Titel eines Aufsatzes des Philosophen Walter Benjamin (1892–1940), den er 1935 im Pariser Exil verfasste. Er erschien erstmals 1936 unter dem Titel L'œuvre d'art à l'époque de sa reproduction mécanisée in der Zeitschrift für Sozialforschung, in einer redaktionell überarbeiteten und gekürzten französischen Übersetzung.

In seinem Aufsatz vertritt Benjamin die These, dass die Kunst und ihre Rezeption selbst, insbesondere durch die Entwicklung von Fotografie und Film, einem Wandel unterworfen sind. Dies geschehe zum einen durch die Möglichkeit der massenhaften Reproduktion, zum anderen durch eine veränderte Abbildung der Wirklichkeit und damit eine veränderte kollektive Wahrnehmung. Zudem verliere in diesen Prozessen das Kunstwerk seine Aura, was in der Folge wiederum die soziale Funktion der Medien verändere.

Die durch die Reproduzierbarkeit entstehende kollektive Ästhetik biete zwar die Möglichkeit der Entwicklung hin zu gesellschaftlicher Emanzipation, berge aber auch die Gefahr der politischen Vereinnahmung, wie zeitgenössisch am Aufstieg des Faschismus deutlich werde.

Benjamin bezeichnete seine Schrift als die ,,erste Kunsttheorie des Materialismus, die diesen Namen verdient".[Walter Benjamin in einem Brief an Alfred Cohn im Oktober 1935; in: Walter Benjamin: Gesammelte Briefe, Band V, Frankfurt am Main 1999, S. 184.] Während zu Benjamins Lebzeiten und in der direkten Nachkriegszeit die Rezeption des Aufsatzes begrenzt war, wurde der Text in den 1960er und 1970er Jahren wiederentdeckt. Seit Mitte der 1980er Jahre gilt er als eines der Gründungsdokumente der Kultur- und Medientheorie der Moderne.

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Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Das_Kunstwerk_im_Zeitalter_seiner_technischen_Reproduzierbarkeit (16. Januar 2026)

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Moderne bezeichnet historisch einen Umbruch in zahlreichen Lebensbereichen gegenüber der Tradition, bedingt durch Industrielle Revolution, Aufklärung und Säkularisierung. In der Philosophiegeschichte fällt der Beginn der Moderne mit dem Skeptizismus der Vordenker der Aufklärung (Montaigne, Descartes, Spinoza) zusammen. Die Moderne folgt als Teil der Neuzeit auf die Frühe Neuzeit und dauert bis in die Gegenwart an. ... In der Querelle des Anciens et des Modernes (1687) war ,,Moderne" noch ein Gegenbegriff zu ,,Antike". Erst im 19. Jahrhundert wurde es üblich, mit dem Wort Moderne die Gegenwart von der Vergangenheit allgemein abzugrenzen. In der Philosophie fällt die Moderne mit der Aufklärung zusammen. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Moderne

Die Postmoderne (von lateinisch post ,hinter', ,nach') ist im allgemeinen Sinn der Zustand der abendländischen Gesellschaft, Kultur und Kunst ,,nach" der Moderne. Im engeren Sinn, dann auch Postmodernismus genannt, wird darunter eine politisch-wissenschaftlich-künstlerische Richtung verstanden, die sich gegen bestimmte Institutionen, Methoden, Begriffe und Grundannahmen der Moderne wendet und diese aufzulösen und zu überwinden versucht. ... Klassische politische Ideologien wie Konservatismus und Liberalismus und Teile der politischen Linken lasten dem postmodernen Denken als Defizit eine Beliebigkeit zu wichtigen Fragen in Kultur und Gesellschaft an. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne

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Quote[...] Die Summe eines Denkens, das um Vernunft und Freiheit kreist: In seinem neuen Buch schildert Jürgen Habermas die Geschichte der abendländischen Philosophie als Weg vom Glauben zum Wissen. Und fragt, was es heisst, von der Vernunft autonomen Gebrauch zu machen.

... Die Postmoderne hatte vollmundig das Ende der grossen Erzählungen verkündet. Mit seiner Auch-Philosophiegeschichte liefert Habermas ein schlagendes Gegenargument: Wenn auch nicht zwingend, so doch durchaus erhellend lässt sich die Geschichte der abendländischen Philosophie als ein Diskurs über Glauben und Wissen erzählen, der sich zunehmend auf eine vernünftige Freiheit hinbewegt.

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Zu: Jürgen Habermas: Auch eine Geschichte der Philosophie. 2 Bde. Band 1: Die okzidentale Konstellation von Glauben und Wissen, Band 2: Vernünftige Freiheit. Spuren des Diskurses über Glauben und Wissen. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2019. 1752 S.


Aus: "Jürgen Habermas erzählt die Geschichte der abendländischen Philosophie neu. Und zeigt, wie sich das westliche Denken vom Glauben löste" Otfried Höffe (08.11.2019)
Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/juergen-habermas-wie-sich-das-westliche-denken-vom-glauben-loeste-ld.1520235

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Jean-François Lyotard (* 10. August 1924 in Versailles; † 21. April 1998 in Paris) war ein französischer Philosoph und Literaturtheoretiker. Bekanntheit erlangte er vor allem als Theoretiker der Postmoderne. Lyotards Schriften lassen sich grob in drei Phasen einteilen: frühe phänomenologische, politische und Schriften, die auch den Strukturalismus kritisieren. Es folgte eine Auseinandersetzung mit libidinösen Fragen. In seinem Spätwerk wandte sich Lyotard dann dem Postmodernismus und dem Problem des Anderen zu. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Fran%C3%A7ois_Lyotard


Pries, Christine; Aguigah, René · 04. August 2024 - Jean-François Lyotard gilt als der Denker der Postmoderne, die heute für alles ,,Postfaktische" verantwortlich gemacht wird. Dabei hat der französische Philosoph den Begriff anders gemeint, sagt Publizistin Christiane Pries zu dessen 100. Geburtstag. ...
https://www.deutschlandfunkkultur.de/lyotard-postmoderne-100.html

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Postmoderne Literatur
Der Ausdruck Postmoderne lässt sich bereits 1870 nachweisen. 1959 wies der amerikanische Literaturwissenschaftler Irving Howe auf das niedrige Innovationsvermögen der damaligen zeitgenössischen Literatur zur vorausgegangenen Moderne hin und bezeichnete sie als post modern. ...
Im Gegensatz zur Klassischen Moderne, die eine Erneuerung der Literatur anstrebte, herrscht in der Postmoderne das Spiel mit der literarischen Tradition vor. Der Innovationszwang und Originalitätsanspruch der Kunst soll durch dieses Spiel unterlaufen werden. Dazu bedient sich der postmoderne Schriftsteller zahlreicher Gestaltungsmittel wie sie in der Klassischen Moderne entwickelt wurden, oder bereits vorher bestanden, zum Beispiel die Intertextualität, Metafiktionalität und Stilmitteln wie des Pastiches, Zitats oder der Collage. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Postmoderne_Literatur

The Postmodern Psyche
Introduction to Theory of Literature (ENGL 300)
In this lecture on the postmodern psyche, Professor Paul Fry explores the work of Gilles Deleuze, and Felix Guattari. and Slavoj Žižek. The notion of the "postmodern" is defined through the use of examples in the visual arts and architecture. Deleuze and Guattari's theory of "rhizomatic" thinking and their intellectual debts are elucidated. Žižek's film criticism, focused on the relation between desire and need, is explored in connection with Lacan.
00:00 - Chapter 1. Žižek, Deleuze, and the Political
08:37 - Chapter 2. What Is Postmodernism?
16:22 - Chapter 3. Postmodernism, Doubt, and Vision
22:52 - Chapter 4. Dehumanization
28:31 - Chapter 5. Deleuze, Guattari, and Lacan
35:16 - Chapter 6. The Rhizome
39:25 - Chapter 7. Žižek
46:53 - Chapter 8. Holbein's The Ambassadors
50:08 - Chapter 9. Language and Desire
Complete course materials are available at the Open Yale Courses website: http://open.yale.edu/courses
https://youtu.be/P1M9-xk-BVg

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Stil Epochen 13 - Moderne, Postmoderne und zeitgenössische Kunst (1945 bis heute) [BR 2009]
https://youtu.be/5biU3tiILow

Was ist die Postmoderne? (Jul 16, 2020)
Interview mit der Religionsphilosophin Prof. Dr. Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz über die Bedeutung der Postmoderne.
[Die MAKA hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Bedeutung des christlichen Menschenbildes für sozial relevante Fragestellungen zu beleuchten. Schwerpunkt des MAKA-Youtube-Kanals sind Kurzinterviews mit führenden Wissenschaftlern und Fachexperten zu kritischen Fragen der Philosophie, Psychologie, Bioethik, Religion, Sozialpolitik, Kirche, Ehe und Familie. Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen die Erkenntnis- und Wahrheitsfähigkeit des Menschen, die Erkundungsfreude seiner Vernunft und sein Selbstverständnis als freie Person.]
https://youtu.be/kozcsRSg_ec

Wissenschaftsphilosophie und Postmoderne [2015]
Interdisziplinäre Ringvorlesung "Postmoderne" an der Universität Zürich, 16.4.2015
https://youtu.be/bi4C9lOlv_o


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#3
"Mythos als Schlüsselthema der Moderne"
Öffentliche Ringvorlesung: Arbeit am Mythos - Leistung und Grenze des Mythos in Antike und Gegenwart; Prof. Dr. Axel Horstmann: Mythos als Schlüsselthema der Moderne, 6. April 2010
https://www.youtube.com/watch?v=wi1ME5kYJUA


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"Postmodernism"
Daniel Bonevac - Lecture 35, Postmodernism, of UGS 303, Ideas of the Twentieth Century, University of Texas at Austin, Fall 2013
https://youtu.be/we6cwmzhbBE

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#4
"The Malaise of Modernity" (Nov 28, 2020)
Charles Taylor gives the first lecture in a series of five on "The Malaise of Modernity" as part of the 1991 Massey Lectures.
https://youtu.be/pdufD_xTxOM

The Malaise of Modernity (1/5) - Charles Taylor
The Ethics of Authenticity, Harvard University Press (1992).
Charles Taylor focuses on the key modern concept of self-fulfillment, often attacked as the central support of what Christopher Lasch has called "the culture of narcissism." To Taylor, self-fulfillment, although often expressed in self-centered ways, isn't necessarily a rejection of traditional values and social commitment; it also reflects something authentic and valuable in modern culture. Only by distinguishing what is good in this modern striving from what is socially and politically dangerous, Taylor says, can our age be made to deliver its promise.
https://youtu.be/j_losVdiARc

" ... In The Malaise of Modernity (1991, dt. Unbehagen an der Moderne, 1995) kritisiert Taylor die zentrale neuzeitliche Idee von der menschlichen Freiheit und dem Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen als ein verkürztes Menschenbild mit fatalen Konsequenzen. Es führe zu einem ,,Individualismus der Selbstverwirklichung" und damit zu einem Wertrelativismus und Subjektivismus, der Belange jenseits des eigenen Ich ignoriert und es unmöglich macht, moralische Streitfragen zu beantworten.
Das Gegenmodell dazu entwirft Taylor in Wie viel Gemeinschaft braucht die Demokratie? (2001). Taylor fordert darin die Besinnung auf Werte wie Gemeinsinn und Solidarität. Den durch die Gemeinschaft garantierten Rechten müsse auf der Seite des Individuums eine Verpflichtung für die Gemeinschaft entsprechen. ..."
https://de.wikipedia.org/wiki/Charles_Taylor_(Philosoph)

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"Der Mann ohne Eigenschaften. Robert Musils Klassiker entschlüsselt die Moderne" Philipp Sarasin (4. September 2022)
... Man kann an dieser Stelle daran erinnern, dass Jean-François Lyotard 1979 in seinem ,,Bericht" über die condition postmoderne vom ,,Pessimismus" sprach, ,,der die Generation der Jahrhundertwende in Wien genährt" hat und zu der Lyotard als ersten Musil zählte, dazu Schönberg, Hofmannsthal, Mach oder Wittgenstein. Diese Generation habe dem Verlust gleichsam ins Auge geblickt und mit der ,,Trauerarbeit" begonnen, die jetzt, 1979, ,,abgeschlossen" sei: Die ,,Großen Erzählungen", die großen sinnstiftenden Systeme seien nicht nur nicht mehr möglich, sondern auch nicht mehr nötig. Niemand bedauere noch länger ihren Verlust. Diese Diagnose müsste man heute zweifellos diskutieren.  ... Die ,,Revolutionen der Lebensumstände" ereignen sich nicht, wie er im Anschluss an die oben zitierte Passage über die aufkommende Massenkultur bemerkt, ,,auf dem verantwortungsreichen Weg der geistigen Entwicklung über Philosophen, Maler und Dichter", sondern auf dem Weg ,,über Schneider, Modegeschehnisse und Zufälle", also über die ,,Schöpfungskraft der Oberfläche" statt über den ,,unfruchtbaren Eigensinn des Gehirns". Und als sei das nicht schon deutlich genug – und avant la lettre postmodern –, fügte er hinzu: ,,Das ist die Entthronung der Ideokratie, des Gehirns, die Verlegung des Geistes an die Peripherie". ...
https://geschichtedergegenwart.ch/der-mann-ohne-eigenschaften-robert-musils-klassiker-entschluesselt-die-moderne/

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"Vienna, Vienna! Wie wichtig Wien für die Moderne war" Alexej Koroljow (2. Juni 2024)
Der britische Journalist Richard Cockett beschreibt in seinem vorerst auf Englisch erschienenen Buch "Vienna" die kulturelle Bedeutung Wiens für die modernen Welt. ... Er wollte der Stadt die Anerkennung ihres einzigartigen Beitrags zum westlichen intellektuellen und kulturellen Leben zurückgeben, die sie durch die überwältigende Amerikanisierung der Weltpolitik und -geschichte verloren hatte. Ein Prozess, der durch die Tatsache verschärft wurde, dass viele der bedeutendsten Gelehrten und Wissenschafter Wiens erst bekannt wurden, als sie wegen des Nationalsozialismus, des Krieges oder aus anderen Gründen in die USA oder seltener nach Großbritannien emigrieren mussten. Das ist, laut Cockett, ein "fehlendes Stück der Geschichte des 20. Jahrhunderts". Er wollte sie neu schreiben. ...
https://www.derstandard.at/story/3000000222379/vienna-vienna-wie-wichtig-wien-fuer-die-moderne-war

QuoteCytisus

Was als Negativbeispiel fehlt ist der intellektuell brilliante, aber völlig destruktive Otto Weininger. In Wien standen damals Genie und Wahnsinn eng beisammen, oder wie es Karl Kraus ausdrückte: "Wien ist die Versuchsstation des Weltuntergangs". Was dann danach folgte war nur mehr dumpfe provinzielle Primitivität, von der wir uns bis heute nicht erholt haben.


Quotelil white lily

Meine These zum Sonntag:

die Moderne in Wien entstand aus dem ständigen Kampf gegen die modrige katholische Kirche und das nicht weniger modrige Kaiserhaus, aber auch durch das Aufeinandertreffen von deutscher, slawischer, ungarischer und italienischer Kultur, von Katholiken, Protestanten, Orthodoxen und Juden.
Weder die geistige Verengung der Obrigkeit, noch die Vielfalt der Völker in der nächsten Umgebung waren in anderen europäischen Ländern zu finden, mit Ausnahme Russlands, von dem damals ja auch ein kultureller Modernisierungsschub ausging (so meine Vermutung - präzise Kenntnisse fehlen mir hier).

Ich freue mich auf Ihre Antithesen!


QuoteCytisus

Ich würde eher meinen es entstand, weil sich hier die säkularen gewordenen Juden und Jüdinnen nach jahrhundertelanger Ausgrenzung nun endlich frei entfalten konnten. Das führte zu einem Feuerwerk an Ideen und Kreativität. In Russland gab es zu der Zeit nur Unterdrückung und Pogrome. Und bereits einen starken Braindrain in die USA.


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#7
... Denn was auch immer der moderne Mensch laut humanistischer Tradition alles sein mag, ohne seine Infrastruktur bleibt wenig übrig davon. "Modern zu sein", bringt es der Historiker Paul N. Edwards in seinem Essay Modernity and Infrastructure auf den Punkt, "bedeutet ein Leben innerhalb und mithilfe von Infrastrukturen." ...

Quote[...] Infrastruktur ist unsichtbar, bis sie ausfällt. ... Plötzlich funktioniert nichts mehr. Flüge können weltweit nicht starten, die Notfallversorgung bricht vielerorts zusammen. In den sozialen Medien sammeln sich Fotos des blue screen of death – eines leeren blauen Bildschirms an Selbstbedienungskassen im Supermarkt, in TV-Studios, Snackautomaten, Shopping-Malls und sogar einer MRT-Maschine. Ein Update der Cybersecurity-Firma CrowdStrike – das durch den Zusammenbruch gestern schlagartig zu einem der bekanntesten Unternehmen weltweit geworden ist – hat bei vielen Windows-Computern einen Crash ausgelöst. Einmal mehr legt ein Unfall offen, wie groß die Probleme unserer globalen Infrastruktur sind. Einmal mehr legt ein Unfall offen, dass es an der Zeit ist, Tech-Monopole zu brechen. Doch der Reihe nach.

Infrastruktur hat eine seltsame Eigenschaft: Sie wird immer erst dann sichtbar, wenn sie aufhört zu funktionieren. Man denkt nicht über die Straße nach, bis man in ein Schlagloch fährt. Die Rohre in den Wohnungswänden bemerkt man erst während des Wasserschadens, die Kabel während des Stromausfalls. Und erst wenn der Zug verspätet ist, bemerkt man das Schienennetz – Letzteres in Deutschland also ständig.

Hören unsere Infrastrukturen auf zu funktionieren, hören wir auf zu funktionieren. Wie noch den eigenen Job verrichten, wenn Windows weltweit nur blaue Bildschirme zeigt? Wie noch ein Sozialleben führen, wenn das Handynetz zusammenbricht oder, noch banaler, der Akku leer geht?
Wozu wir in der Lage sind, wird bestimmt durch die uns verfügbare Infrastruktur. Ein Mantra, das zum Beispiel von Aktivisten für Barrierefreiheit mit Recht immer wieder wiederholt wird. Denn was auch immer der moderne Mensch laut humanistischer Tradition alles sein mag, ohne seine Infrastruktur bleibt wenig übrig davon. "Modern zu sein", bringt es der Historiker Paul N. Edwards in seinem Essay Modernity and Infrastructure auf den Punkt, "bedeutet ein Leben innerhalb und mithilfe von Infrastrukturen."

Das Projekt der Moderne, was auch immer sonst es gewesen sein mag, war vor allem der radikale Ausbau nationaler, internationaler und globaler Infrastruktur. Und ein solcher Ausbau ist gewissermaßen ein Ausbau des Menschen. 

Ob etwas als Infrastruktur gilt oder nicht, ist fast immer eine Frage des Maßstabs. Um im Winter von A nach B zu kommen, ist ein warmes Paar Socken genauso wichtig wie die Straße selbst. Dennoch wird mit Infrastruktur meist ein großes, technisches Versorgungssystem bezeichnet.
Ihre Größe und Komplexität verleiht Infrastruktur bestimmt Eigenschaften. Ein Beispiel: Im Zweiten Weltkrieg bauten die Briten einen Flughafen nahe Reykjavik auf Island, weil der bisherige zu klein für ihre militärischen Zwecke war. Sie baten die Isländer um finanzielle Unterstützung, doch die – so erzählt es der Medienphilosoph John Durham Peters in seinem Buch The Marvelous Clouds – zuckten nur mit den Schultern: "Sorry, nein", lehnten sie eine Beteiligung ab, "Aber tut euch keinen Zwang an, den Flughafen mitzunehmen, wenn ihr wieder geht."
Infrastruktur ist unglaublich träge und hartnäckig. Sie ist viel langlebiger als politische Legislaturperioden, einzelne Menschen und manchmal ganze Weltreiche – das British Empire ging 1997 zu Ende, der Flughafen Reykjavíkurflugvöllur wird heute noch benutzt. Auch die römischen Aquädukte und die Chinesische Mauer haben ihre Baumeister lange überdauert.

Selbst nachdem Infrastruktur in ihrer ursprünglichen Form verschwindet, wirkt sie oft nach: Die Unterseekabel, die das globale Internet bilden, liegen die heute besonders unter jenen Schiffsrouten, auf denen früher Kolonialreiche Gewürze, Raubgüter und Sklaven um die Welt schifften: Wer global gutes Internet hatte, war lange Zeit eine Frage ehemaliger kolonialer Strukturen. Ein weiteres, teilweise umstrittenes Beispiel ist, dass die Standardspurbreite der US-Eisenbahn unhandliche vier Fuß und 8,5 Zoll beträgt (ca. 143 cm), da die Engländer sich dafür an den Spurrillen ihrer Straßen orientiert hatten. Diese waren wiederum ein Erbe des römischen Reichs, wo die übliche Wagenbreite knapp 143 cm betrug – ungefähr die Breite von zwei Pferdehintern.
Alles baut aufeinander auf. Die Prioritäten der Vergangenheit färben dabei die infrastrukturellen Möglichkeiten unserer Gegenwart und Zukunft. 

Diese Prinzipien und Anekdoten mögen abstrakt scheinen, bestimmen jedoch maßgeblich unser tägliches Leben. Denn Infrastruktur ist selbstverständlich politisch. Das sieht man zum Beispiel an Robert Moses, dem wohl einflussreichsten Stadtplaner in der Geschichte von New York City. Die Brücken, die er entlang des Long Island Park bauen ließ, waren zu niedrig, um Busse unter sich hindurchzulassen. Das bedeutete, dass ärmere Menschen ohne eigenes Auto, besonders schwarze und puerto-ricanische Familien, nur schwer zu den Jobs und Freizeitaktivitäten in der Stadt kamen. Bis heute wird heiß diskutiert, ob Moses' wohlbekannter Rassismus dafür verantwortlich ist oder nicht. So oder so, der Effekt war der gleiche: Infrastruktur als Werkzeug der Exklusion.
Ein bisschen heimatnäher ist die strukturelle Unterinvestition in die Deutsche Bahn durch eine Reihe von CSU-Verkehrsministern in den vergangenen 20 Jahren. Sowohl Union als auch FDP vermitteln zwar gerne das Bild der Deutschen als passionierte Autofahrer, mit Benzin im Blut und Asphalt im Herzen, aber das ist nicht ganz vollständig. Die Wahrheit ist schlicht, dass die Deutsche Bahn im internationalen Vergleich so kaputtgespart wurde, dass das Auto im Vergleich aufgewertet wurde. Fast 20 Prozent aller Gleise wurden zurückgebaut, die Anzahl der Weichen wurde praktisch halbiert und einige Städte werden vom Fernverkehr schlicht nicht mehr angesteuert. Beheben lässt sich das nicht von heute auf morgen: Der angestrebte "Deutschlandtakt" einer Deutschen Bahn, die so verlässlich werden soll wie die der Schweiz, wird nun erst für 2070 angestrebt. Bis dahin haben die Ex-Verkehrsminister Dobrindt, Scheuer und Ramsauer für viele Menschen die Notwendigkeit des Autos strukturell in der deutschen Mobilitätsinfrastruktur verankert. Und das obwohl die Union längst nicht mehr regiert.

Brücken, die ärmere Menschen aus der Stadt fernhalten. Schienen, die auch noch im Jahr 2024 zwei Pferdehintern breit sind. Die marode Deutsche Bahn. An diesen Beispielen sieht man: Infrastruktur bestimmt unsere Möglichkeiten; sie ist hartnäckig, träge und langlebig; und sie kann politische Programme weit über Legislaturperioden hinaustragen. Das bringt uns nun endlich zurück zu CrowdStrike, Microsoft und den Abermillionen blauen Bildschirmen am Freitag.

Microsoft ist ein Marktführer, sagenhafte 70 Prozent aller Desktopcomputer weltweit nutzen Windows. Jedes technische System geht früher oder später mal kaputt, das liegt schlicht in der Natur der Sache. Niemand drückte das schöner aus als der französische Philosoph Paul Virilio in seinem Buch Der eigentliche Unfall, wo er schreibt: "Das Segel- oder Dampfschiff zu erfinden, bedeutet, den Schiffbruch zu erfinden. Die Eisenbahn zu erfinden, bedeutet, das Eisenbahnunglück des Entgleisens zu erfinden. Das private Automobil zu erfinden, bedeutet die Produktion der Massenkarambolage auf der Autobahn." Es hat eine gewisse Ironie, dass ausgerechnet CrowdStrike den IT-Unfall ausgelöst hat, also ein Cybersecurity-Unternehmen, das eigentlich vor Unfällen bewahren soll. Doch wer Gefahren auf der einen Ebene beseitigt, schafft immer Gefahren auf einer neuen – das ist das Paradox der Infrastruktur.

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Aus: "Erst wenn der Bildschirm blau wird, wachen wir auf" Titus Blome (20. Juli 2024)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2024-07/it-stoerung-microsoft-update-infrastruktur-monopol

QuoteTheTaiPan

Letztendlich hat Crowdstrike nur das Gebot der FDP umgesetzt: Digitalisierung first, Bedenken second.


QuoteKlunkerkranich

,,......wenn der Akku leer geht."

Diese Ausdrucksweise tut fast körperlich weh.


QuoteJogi311

Meiner Meinung nach treffend analysiert. Es ist nicht die Digitalisierung, die so etwas verursacht, wie uns so mancher Querdulli weismachen will, sondern Monopole in der Infrastruktur...


Quoteyagi

Alles hat seinen Preis in dieser Moderne, dieser Vor-KI-Infrastruktur, doch schon heißt es wieder, der Mensch sei Schuld wie damals bei Tschernobyl!


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#8
"Philipp Sarasin: 1977. Eine kurze Geschichte der Gegenwart - taz Talk"
Der Historiker Philipp Sarasin widmet sich in seinem neuen Buch "1977. Eine kurze Geschichte der Gegenwart" (Suhrkamp Verlag) unterschiedlichen, von Esoterik, Neoliberalismus und Identitätspolitik gezeichneten, gesellschaftlichen Ereignissen aus dem Jahr 1977. Mit taz-Redakteur und Moderator Ulrich Gutmair geht er der Frage nach, was die soziokulturellen und technologischen Entwicklungen von 1977 für die Moderne bedeuten - damals und heute. ...
https://youtu.be/A6euidM6DfU

Philipp Sarasin (* 1. Oktober 1956 in Basel) ist ein Schweizer Historiker, Professor für Neuere Allgemeine Geschichte am Historischen Seminar der Universität Zürich und Buchautor. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Philipp_Sarasin

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Quote[...] Gerade im Fragmentarischen liegt aber ein besonderer Reiz. Es gibt in diesem Buch [1977] zahlreiche Anknüpfungspunkte für ein Nachdenken über die Geschichte unserer Gegenwart.


Aus: "Was das Jahr 1977 für die Gegenwart bedeutet" Lea Haller (16.07.2021)
Quelle: https://www.nzz.ch/feuilleton/abschied-vom-allgemeinen-ld.1787982

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Quote[...] ,,Eine kurze Geschichte der Gegenwart" nennt der Schweizer Historiker Philipp Sarasin sein Buch ,,1977" im Untertitel. Binnen zwölf Monaten sah sich die Welt ,,Gleichzeitigkeiten ohne Zusammenhang" ausgesetzt. Den Voyager-Expeditionen in den Weltraum, den Mordserien der RAF, dem Aufkommen des Hip Hop, der Deklaration der Menschenrechte durch den US-Präsidenten Jimmy Carter, der Eröffnung des Pariser Centre Pompidou, der Gründung der Zeitschrift ,,Emma", dem Debüt des Punk und der Apple-II-Marketingoffensive. Angesichts dieses ,,Geflechts" von Gleichzeitigkeiten steigerte sich die Erfahrung einer beunruhigenden Unübersichtlichkeit, zumal 1977 das Jahr des Auftritts des Internets war – weiteres Indiz für eine ,,irritierende Gegenwärtigkeit".

Was an Disparatem geschah, hatte eine Gemeinsamkeit: die Schwächung des Allgemeinen, an die Stelle der Solidarität mit umfassenderen Normen traten, so Sarasin in Anlehnung an Andreas Reckwitz, ,,Singularitäten". Mit ihnen artikulierten sich partikulare Interessen, und sie taten es so selbstbewusst wie selbstverliebt, bis hin zur Selbstfeier.

Im besten Sinne stoisch sondiert der Autor in einem außergewöhnlichen ,,Situationsdurcheinander" (Sarasin) eines einzigen Jahres. Eine äußert reizvolle Herausforderung bereits für Florian Illies, sein ,,1913" wurde ein Bestseller. Hans Ulrich Gumbrecht widmete sich dem Jahr 1926, Christian Bommarius konzentrierte sich auf das ,,lange deutsche Jahr" 1949, Frank Bösch auf grundstürzende Ereignisse von 1979. Zäsur oder doch bloß vom Zufall ausgewählte zwölf Monate? Für seinen Befund trägt Sarasin fünf ,,Nekrologe" zusammen, handelte es sich doch bei den ,,Lebensthemen der Toten", bei allen erheblichen Unterschieden, ,,allesamt um große Themen der Moderne".

Mit dem Tod des marxistischen Philosophen Ernst Bloch am 4. August des Jahres verbindet sich der Abschied von den Verheißungen einer proletarischen Revolution – so verbissen Teile der radikalen Linken an dem Konstrukt auch weiterhin festhielten. Während sich die deutsche Linke von der RAF eine Gewaltdebatte oktroyieren ließ und in Agonie versank, fand es die französische chic, in Hegel bereits einen Vordenker des Totalitarismus auszumachen.

Über den Tod der schwarzen US-Bürgerrechtlerin Fannie Lou Hammer am 14. März hinaus setzte sich der Kampf gegen die ihr widerfahrene rassistische und sexistische Unterdrückung fort. Gleichzeitig entwickelte sich so etwas wie ein neuer Enthusiasmus für die Durchsetzung der Menschenrechte, nachdem diese vom US-Präsidenten Jimmy Carter bei seiner Amtseinführung zum Maßstab seiner Politik erhoben, zugleich vom Amnesty International unermüdlich eingeklagt wurden.

Der Tod der Tagebuchautorin Anaïs Nin am 14. Januar, die in einer rückhaltlos ausgelebten Sexualität ihre eigene Wahrheit zu finden glaubte, folgte nicht nur einer radikalen Strategie der Avantgarde. Vielmehr macht Sarasin darin den Aufbruch einer ,,Reise zu sich selbst" aus, wie sie sich in den Praktiken einer neuen Körperkultur ankündigte, in einem Psychoboom, spirituellem Hardcore, in Fitnessprogrammen bis hin zu Selbstkasteiung. In dem Autor, Drehbuchschreiber und Nachfahren des Surrealismus, dem am 11. April gestorben Jacques Prévert sieht er eine Ikone des ,,Unsinns", einer frei flottierenden Sinnproduktion. Gleichzeitig war 1977 das Jahr, in dem die neuen Kulturmaschinen auf den Plan traten, angefangen mit dem Personal Computer. Die VHS-Kassette zog in die eigenen vier Wände ein, für die weltumspannende Kommunikation wurde das Internet auf den Weg gebracht, erst recht ,,identitätsbildend", nicht zwangsläufig einen Horizont aufreißend. Denn im globalen Dorf trat die Schrebergartenperspektive ihren Triumphzug an.

Schließlich der Tod des Protagonisten der ,,freien Marktwirtschaft", des ehemaligen Bundeskanzlers Ludwig Erhard am 5. Mai. Jahrelang in seiner Partei, der CDU, marginalisiert, markiert sein Tod so etwas wie die Reinkarnation des Liberalismus. Der Industriekapitalismus, erschüttert von einem ,,Strukturbruch", suchte nach Alternativen und Auswegen, einer Transformation, auf die der Marktradikalismus einer Margaret Thatcher mit eiserner Hand reagierte.

Historische Virulenz, Latenz über Jahrzehnte, Brisanz bis heute, deutlich ablesbar an der Konjunktur des Begriffs Identität, damals entdeckt auf der Linken, in Stellung gebracht von Rechtsextremen. An die Stelle des (von Rudi Dutschke) proklamierten Marsches durch die Institutionen trat der Marathon durch das eigene Ich. Mit dem Zugewinn an Verschiedenheit, an Differenz, wurde ein genereller Konsens aufgekündigt, in der Diversität die Konfrontation zwischen Kulturen gesucht. Identität entwickelte sich zu einem Motto, nicht zuletzt zu einem Kampfbegriff, bei dem ein Ego tatsächlich quer steht zu ideologisch abgesteckten Lagern. Der Gedanke der Identität, aufgebracht durch Vertreterinnen eines radikalen Feminismus, beschäftigte bald eine breitere Öffentlichkeit, zumal die Frauenbewegung, trotz esoterischer oder sektiererischer Eskapaden, die Sarasin für das Jahr 1977 notiert, durch ihr Engagement immer breitere Zustimmung fand.

Im Rahmen seiner beeindruckenden Analyse auf so diversen Feldern wie Recht und Revolution, Sexualität, Medien und Wirtschaft kommt Sarasin immer wieder auf einen Meisterdenker der Selbstsorge zurück, Michel Foucault. Er ist der Philosoph der Neupositionierung aus der Personalperspektive, die allerdings, das macht den sozialen Zusammenhalt umso anspruchsvoller, auf zahllosen multiplen Weltsichten und Lebensstilen beharrt. Die Entwicklungslinien, die 1977 angelegt wurden, melden sich heute als Echo oder haben sich als Erbe durchgesetzt. Ende 1977 war die künstliche Empfängnis in einem Glas gelungen, so dass ein Menschenkind als Retortenbaby im Juli des darauffolgenden Jahres zur Welt kam.

Endgültig beerdigt wurde die nonchalant mit Blut verfasste Vision einer proletarischen Revolution von Hardlinern weiterhin nicht, auch wenn der Eurokommunismus in Frankreich, Spanien und Italien die ersten Nekrologe auf die Diktatur des Proletariats verfasste, misstrauisch verfolgt von den Regimen in Moskau und Ostberlin, während in Uganda und in Kambodscha Genozide an der Bevölkerung vollstreckt wurden. Neben erstaunlichen Gleichzeitigkeiten entsetzliche.

Die Linke so verbalradikal wie orientierungslos, Konservative so konsterniert wie autoritätsfixiert. John Travolta aber war in ,,Saturday Night Fever" die strahlend weiße Kunstfigur, die scheinbar wusste, wo es lang zu gehen hatte. Sarasin kommt immer wieder zurück auf die Äußerungen des Pop. Der Song ,,1977" von The Clash war purer Sarkasmus, wenn sie von einem Jenseits sangen – jenseits von Arbeitslosigkeit und einer Existenz auf Stütze. Die Sex Pistols gefielen sich im Hohn: ,,God save the queen / the fascist regime". Für einen Reim wurde eine Demokratie an einen infamen Anarchismus verkauft.

Natürlich ließe sich kühl über eine antibürgerliche Attitüde, die Inszenierung der ungebärdigen Traditionen des Rock'n'Roll und seine durchtriebene Vermarkung sprechen. Aber vielleicht auch über Querdenker-Aggressionen, 1977 schon. Der Chic des Infamen ist von irritierender Gegenwärtigkeit.


Aus: "Fortan in der ersten Person Singular" Christian Thomas (06.11.2021)
Quelle: https://www.fr.de/kultur/literatur/philipp-sarasin-1977-fortan-in-der-ersten-person-singular-91097786.html

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Quote[...] 1977 war ein Wendepunkt in der Geschichte, ein besonderes Jahr, eines, dem man ein eigenes Buch widmen sollte, der Beginn unserer Gegenwart! Diese Aussage überrascht auf den ersten Blick. Sicherlich, wer hat nicht den Deutschen Herbst vor Augen mit der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer, der Entführung der Lufthansa-Maschine Landshut und der Todesnacht der RAF-Terroristen in Stammheim.

Manche erinnern sich auch noch an den Erdnussfarmer Jimmy Carter. Wer dabei war, wird auch den Beginn der Star Wars-Filme im Kino auf dieses Jahr datieren und natürlich ,,Saturday Night Fever" mit John Travolta. Aber sonst? Und was hat das mit unserer Gegenwart zu tun?
Zudem hat der Potsdamer Zeithistoriker Frank Bösch vor zwei Jahren ja gerade erst behauptet, ,,1979" habe die Welt von heute begonnen – mit Thatchers Neoliberalismus und der Islamischen Revolution im Iran. Andere Historiker verweisen auf 1973, als die internationale Währungsordnung von Bretton Woods zusammenbrach und die Ölkrise die wirtschaftliche Rezession beschleunigte. Es scheint einen Wettbewerb der Jahreszahlen zu geben. Warum nun 1977?
,,1977 startete die RAF ihre ,Offensive 77', wurde in Paris das Centre Pompidou eröffnet, in Kalifornien der Apple II lanciert – und das Internet erfunden. Was bedeuten diese merkwürdigen Gleichzeitigkeiten? Warum sprachen zur selben Zeit Jimmy Carter von den ,human rights', Schwarze Aktivistinnen von ,identity politics', Esoteriker von ,New Age' und Architektinnen von ,symbolischen Formen? Warum gleichzeitig Punk, Disco und Hip-Hop? Und warum sagte Michel Foucault 1977: ,Wir müssen ganz von vorne beginnen'?"

Das Internet und die Digitalisierung, Identitätspolitik und Esoterik und Foucault als Verweis für das Gefühl, in der Postmoderne zu leben – das sind gewichtige Elemente, die Sarasin anführt, um 1977 zu exponieren. Aber führt die Geschichte eines Jahres, das mit einer Zahl verbunden ist, nicht zu Zahlenmystik, die den Zufall und historische Kontingenz eliminiert, nach der immer auch alles anders kommen kann? Skepsis ist also geboten, wenn Ereignisse aus verschiedenen Kontexten in einen Zusammenhang gebracht werden.
Dennoch muss man, wenn man kein langweiliger positivistischer Chronist sein will, über Zusammenhänge von Gleichzeitigkeiten (und auch von Ungleichzeitigkeiten) nachdenken, wenn man etwas über den sogenannten ,,Zeitgeist" oder die ,,Lage der Zeit" oder schlicht: über ,,Geschichte" herausfinden will. Ansonsten würden wir uns ja ohne Sinn und Verstand in einem Chaos und Gewimmel von Begebenheiten bewegen. Ein bisschen Spirit und Spukgeschichten für Erwachsene können also durchaus klüger und sehender machen.
Maßgeblich für das Gelingen einer kohärenten Erzählung ist die überprüfbare und kritisierbare Argumentation, die sich unter anderem darauf stützt, welche Perspektive der Erzähler oder die Erzählerin einnimmt und welche Ereignisse denn nun ausgewählt worden sind. Sarasin begründet sein 1977er-Buch so:
,,Im Fall des Jahres 1977 und mit Blick auf die westlichen Gesellschaften entsteht ein Bild von tiefgreifenden Verschiebungen, Veränderungen und Brüchen im Gefüge der Gegenwart. Die Gewissheiten der Moderne und der Glaube an die fortgesetzte ,Modernisierung' durch sozialstaatliche Steuerung waren ebenso in eine tiefe Krise geraten wie der Glaube an die Revolution. Zeitgleich aber entstand eine neue technische Kultur, die personal und ,vernetzt' sein sollte, während unruhige Geister begannen, jenseits der traditionellen Deutungsangebote von Massenmedien, Wissenschaft und konfessionalisierter Religion nach ,Sinn' zu suchen."

Die 1970er-Jahre waren laut Sarasin ein Jahrzehnt der Verunsicherung. Ganz Europa wurde von einer Wirtschaftskrise erfasst, und doch stieg der Wohlstand: Immer größere Autos wurden angeschafft, endlich kam ein Farbfernseher ins Haus, dann eine Hi-Fi-Anlage und für die Mutter ein Geschirrspüler, ein Wäschetrockner und jede Menge Tupperware, die bis heute gehalten hat.
Globale Erschütterungen wie der Zusammenbruch des Wirtschaftssystems von Bretton Woods oder die Entindustrialisierung der Kohl- und Stahlländer Westeuropas beendeten die Phase des Wohlfahrtskapitalismus, während die Wellnessgesellschaft im Westen gleichwohl prosperierte und die Institutionen des demokratischen Kapitalismus stabil wie Beton waren. Eher gingen diejenigen, die 1968 von Spätkapitalismus gesprochen hatten, im ,,roten Jahrzehnt" in marxistisch-leninistischen-maoistischen Sekten oder eben der RAF den dogmatischen Bach hinunter.
Dabei unterwanderte der antiautoritäre Impuls gleichwohl die westlichen Gesellschaften. Alles war unübersichtlich, instabil, komplex – die ,,neue Unübersichtlichkeit" eben, die Jürgen Habermas wenig später konstatierte. Am Ende der 1970er also sprach man über die Orientierungslosigkeit und fühlte man sich in der ,,Postmoderne" angekommen. Sarasin nennt dieses Empfinden einen ,,Strukturbruch".

... [es] sind [ ] weniger die weltpolitischen Ereignisse als vielmehr die tiefen gesellschaftlichen, politischen, kulturellen, wissenschaftlichen und technologischen Verschiebungen und Brüche in Westeuropa und Nordamerika, die Sarasin interessieren und die sich in seinen Augen im Jahr 1977 bündeln und verdichten. Der Autor macht einen Schnitt durch den Strom der Zeit, einen Querschnitt der Regelmäßigkeiten, um ein Standbild zu erzeugen. Sarasins Inspirator bei all dem ist Michel Foucault.

,,Es gibt keine Machtbeziehung, ohne dass sich ein entsprechendes Wissensfeld etabliert, und kein Wissen, das nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt und konstituiert."

... Tatsächlich markiert ,,1977" eine Zäsur, nämlich das Ende der Neuen Linken in Westdeutschland, wobei zu diesem Zeitpunkt ohnehin nur noch wenige der ,,68er"- und SDS-Nachfahren noch an eine Revolution glaubten und die Hoffnung auf den Sozialismus ebenfalls im Schwinden begriffen war. Insofern folgt Sarasins Diagnose eines Strukturbruchs einer Binnenperspektive dieser deutschen und auch der französischen und italienischen Neuen Linken in der hochkapitalistischen Gesellschaft.

... ,,Die Geschichte der Moderne war eine Geschichte der ungelösten Spannung zwischen der Erfindung der Menschenrechte als dem Versprechen universeller Gleichheit und den schmutzigen Realitäten von Rassismus und Sexismus. Die Schwarze Frau, die von den Zwanziger- bis in die Siebzigerjahre des 20. Jahrhunderts im black belt lebte, wusste jedenfalls, wie schwierig es sein konnte, sich auf die Universalität des Rechts zu beziehen."

... Aber auch die Vordenker der Neuen Rechten und heutigen Identitären orientierten sich in jenen Siebzigern neu und fanden um den französischen Intellektuellen Alain de Benoist ein Substitut für den nicht mehr legitimen Rasse-Begriff, nämlich ,,Kultur", um die Vorherrschaft der weißen Nationen, soziale Hierarchien und autoritäre Denkmuster zu verteidigen. Der Unterschied zwischen rechter und linker Identitätspolitik – auch das wird in diesem Buch deutlich – besteht freilich in der Frage, wie sie es mit der Gleichheit der Menschen halten: Die rechte will die Ungleichheit zementieren, die linke sich dagegen wehren (verliert aber meistens das bessere Ziel: die Aufhebung von Gruppenidentitäten aus den Augen).
,,Es zeichnete sich mithin schon in dieser diskursiven Konstellation des Jahres 1977 ab, dass der politische Antagonismus zwischen einerseits der Anerkennung, andererseits der Leugnung von Gleichheit und Nichtterritorialität aller Menschen künftig zur entscheidenden Demarkationslinie zwischen ,links' und ,rechts' werden würde, zur Trennlinie, die den alten Klassengegensatz in dieser Rolle ablöst. An ihr würden sich künftig daher auch der Wunsch nach Befreiung und der Wille zur Macht scheiden."

... New Age. Hier sieht man, wie sehr das politische Identitätsdenken geistige und spirituelle Unterströmungen hatte. Die neue Subjektivität, der Psychoboom, Esoterik und eine globalisierte Spiritualität schufen nicht nur neue Märkte, sondern auch Befindlichkeiten und Empfindlichkeiten, die mit Achtsamkeit gehegt und gepflegt wurden – bis heute.
,,1977" besticht zudem mit faszinierenden Ausflügen ins kalifornische Sillicon Valley, mithin in die Gründerzeit des Personal Computers und des Internets – also dorthin, wo der westlichste Westen und der östlichste Osten sich trafen, wo sich die allerausgeklügelste Physik mit der östlichen Mystik vereinte wie Kathode und Anode, Yin und Yang, These und Antithese. Ganzheitlichkeit plus Authentizität plus Selbstverwirklichung hinzugenommen – und die wundersame Reise ins New Age, wo alles mit allem zusammenhängt, zeigt, wo so manches herkommt, was heute unsere Lebenswelt bestimmt, beseelt und verdinglicht. Eine solche Ich-Suche erlebte zum Beispiel der revolutionäre Hippie Jerry Rubin:
,,In fünf Jahren, von 1971 bis 1975 habe ich jede Menge Erfahrungen gesammelt mit Erhard Seminar Training, Gestalttherapie, Bioenergie, Rolfing, Massage, Jogging, Gesundheitsnahrung, Tai Chi, Esalen, Hypnose, Modern Dance, Mediation, Silva Mind Control, Arica, Akupunktur, Sextherapie, Reich'sche Therapie – mit einem bunten Strauß von New Consciousness-Kursen. Ich stand um 7 Uhr morgens auf, joggte zwei Meilen, eilte dann vom Modern-Dance-Kurs zu den Tai-Chi-Übungen, gefolgt von einer Stunde Yoga und Schwimmen, um danach ein ,organic meal' einzunehmen."

Sarasins Matrix seiner Geschichte von ,,1977" besteht aus den Elementen Revolution, Recht, Sex, Kultur und Markt. Sein Pendel schlägt immer dann an, wenn es um Kraftfelder der westlichen Moderne geht, deren Abgesang die postmodernen französischen Philosophen in jenen Jahren begonnen hatten anzustimmen. Mit einigem Recht, denn die großen Erzählungen, die Geschichtsphilosophien, die linearen Zeitvorstellungen verloren in diesen Jahren entscheidend an Legitimation, wahrscheinlich unwiderruflich.

Sarasin nennt dies ,,das Ende der modernen Allgemeinheiten". Die Revolutionsutopien der Neuen Linken zerbarsten – nicht allerdings woanders, etwa im Iran der Islamischen Revolution und in Nicaragua mit der sandinistischen Revolution 1979, von den Revolutionen im sowjetischen Machtbereich ab 1989 ganz zu schweigen.
Der Kapitalismus allerdings erlebte in jenen 1970ern tatsächlich einen Formwandel, der bis in die Gegenwart reicht: Neoliberalismus und Finanzkapitalismus sind hier die Stichworte, Marktradikalismus und Monetarismus. Denn darum geht es Sarasin ja gerade: um eine Vorgeschichte der Gegenwart.

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Zu: Philipp Sarasin: ,,1977. Eine kurze Geschichte der Gegenwart"
Suhrkamp Verlag, Berlin. 502 Seiten



Aus: "1977 als Beginn der GegenwartJedi-Ritter der Kritik" Jörg Später (26.06.2021)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/1977-als-beginn-der-gegenwart-jedi-ritter-der-kritik-100.html

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Quote[...] Er beginnt jedes Kapitel mit einem Nachruf auf eine 1977 gestorbene Persönlichkeit, von Anaïs Nin bis Ludwig Erhard. Sie stehen jeweils für Bereiche, die 1977 oft schon ein langes Leben haben, sei es die sexuelle Selbstverwirklichung oder die kapitalistische Wirtschaftspolitik. Damit scheint er die Lesart vom Wendejahr 77 selbst zu entkräften: Das alles gab es schon viel länger. Und tatsächlich macht er kein Hehl daraus, dass seine Entscheidung für das Jahr ziemlich beliebig war.

Es geht um alle möglichen kulturellen, medientechnischen, ökonomischen und politischen Entwicklungen, die nicht nur über eine lange Dauer verfügen, sondern in entscheidender Weise die Physiognomie der globalen Gegenwart prägen. Kalifornische Hippie-Esoterik beginnt ihren Erfolgszug spätestens mit der Gründung des Esalen-Instituts um 1960, das Internet entsteht je nachdem viel früher oder später als 77; um Hip-Hop schon 77 beginnen zu lassen, muss man hingegen einen Embryo von einer klandestinen Szene gewaltig aufblasen. Schwarze "Identitätspolitik" fängt dafür spätestens bei W.E.B. Du Bois im frühen 20. Jahrhundert an - und so fort.

Die kontingente Aufladung von Sarasins Suche nach Anfängen und Vorläufern gegenwärtiger Lagen durch die dramatische, Spannung erzeugende Verengung der Perspektive auf ein einziges Jahr wird stattdessen geologisch begründet: Tiefenbohrungen sollen freilegen, was zu einem gegebenen Zeitpunkt gleichzeitig läuft. Und jedes hier freigelegte Flöz hat eben auch dramatische Momente im Jahr 1977. Von diesen berichtet der Schweizer Historiker und Foucaultianer dicht, engagiert - obwohl man nie genau weiß für was, und dieses Nichtwissen ist durchaus einer der Sogkräfte der Lektüre - und voller Pointen. Dabei besitzt er die Großzügigkeit, auch das Material auszubreiten, das seinen Behauptungen eher widerspricht. Es trägt aber auch ein bisschen zu einer gewissen Bröseligkeit der Erzählung bei, was sich andererseits natürlich ganz gut damit verträgt, dass die Zerbröselung der wohlbekannten "großen Erzählungen" seine übergeordnete Idee besser trifft als Einschnitt, Ende oder Untergang.

Ein Problem dieser vergnüglichen Tiefenbohrungen ist aber, dass die jeweils entdeckten Bewegungen und Verschiebungen auch eher geologisch konstatiert werden, als dass handelnde Subjekte auftreten, die das, was sie tun, für und gegen etwas unternehmen. Der mit viel Gespür zu Recht als symptomatisch hervorgehobene Song "No Compassion" von der [ ] LP "Talking Heads 77" bleibt unvollständig erzählt, wenn man dessen kalte Absage an Psycho- und Selbsterfahrungsgelaber als ernstgemeinten Sozialdarwinismus liest und nicht ganz konkret als Angriff auf eine Kultur, die gerade hegemonial zu werden droht und die Sarasin ein paar Seiten weiter ebenfalls freilegt - die Therapie und Meditationswelt zwischen Buddha und Bhagwan. Würde er aus manifesten Gründen geführte Kämpfe sehen können und nicht nur das Auseinanderdriften des alten Allgemeinen, käme nicht immer wieder eine Nähe zum Kulturpessimismus auf, die ihm selbst erkennbar unangenehm ist und gegen die er auch immer wieder angeht.

So referiert er durchaus zweifelnd Baudrillards Graffiti-Theorie, die Tags [https://en.wikipedia.org/wiki/Tag_(graffiti)] als Aufstände der Zeichen gegen jeden Sinn liest, die sich nicht auf reale Personen und Verhältnisse beziehen ließen. So stehen bei Sarasin dieser Aufstand und seine Unverständlichkeit in die Welt setzenden Separierungen und die Relativierung von Baudrillards Darstellung nebeneinander: Wollten die, die sich per bizarre Tag-Pseudonyme auf U-Bahn-Wagen eintrugen, nicht vielleicht doch ganz klassisch von sich und ihrer Existenz reden? Müsste man aber nicht viel weiter gehen? Baudrillard hat nicht nur übertrieben und zugespitzt, er liegt grundfalsch.

Solche Graffiti-Writer sind eben gerade nicht auf dem von Sarasin immer wieder beschriebenen Exodus aus dem Allgemeinen, sondern definieren als immer schon Ausgeschlossene ihre Beitrittsbegründungen: Erst mal brauchen wir eine neue Orthografie. Sie machen sich lesbar, aber zu ihren Bedingungen, die nicht das Wissen des weißen französischen Soziologen sein können. Schon 1969 erzählt der amerikanische Erziehungswissenschaftler Herbert Kohl in einem der ersten Texte, die je über Graffiti erschienen sind, von dem lernschwachen Johnny Rodriguez, der keine Sätze richtig lesen kann, wohl aber Hunderte Tags, Graffiti-Pseudonyme und Codes dechiffrieren und seinem Lehrer ihre Grammatik erklären kann.

Sich die Teilhabe am Allgemeinen zu eigenen Bedingungen zu erkämpfen ist nicht nur nicht dasselbe wie Essenzialismus und eine Politik des Identitären: Es ist das Gegenteil. Sarasin unterscheidet zwar afroamerikanische "Identitätspolitik" sorgfältig von rechtem Ethnopluralismus, sortiert jene aber dennoch bei Politik der Differenz ein. Dabei sind Bezugnahmen auf eigene (individuelle oder kollektive) Ausschluss- oder Benachteiligungserfahrungen seit Jahrhunderten das täglich Brot emanzipativer und damit aufs Allgemeine bezogener Bewegungen - nur dass sie nicht vom universalistischen Ideal ausgehen, sondern von dessen bezeichnenden Misslingen unter den konkreten Machtverhältnissen - um sich so aber in doppelter Negation wieder auf das Ideal zu beziehen.

Sarasin macht es sich allerdings im Einzelfall nie leicht und ist immer bereit, solche und andere Differenzierungen aufzunehmen. In diesem rundum spannenden Buch werden keine Großmütter für die Knackigkeit von Thesen verkauft. Im Hintergrund rumoren allerdings eher monolithische Grunddiagnosen. Über weite Strecken unterscheiden die sich nicht so sehr von dem, was man schon 1990 oder 2002 über die Zeit nach der Moderne, über Neoliberalismus, Gig-Ökonomie, Sub- und Nischenkulturen (die Vorläufer der Filterblasen) dachte.

Eher unverbunden treten später Problemhorizonte hinzu, die man als jüngere Reaktionen auf die rechten Machtübernahmen (Bolsonaro, Duterte, Trump, Putin, Erdoğan, Orbán) und die Pandemie deuten kann: dass die Gleichwertigkeit von wissenschaftliche Fakten und (religiösen oder verschwörungstheoretischen) Glauben mittlerweile durchgesetzt sei und dass selbst große Mächte von Personen und Institutionen gesteuert werden, die in einem epistemologischen Niemandsland leben. Doch kann man das nicht mehr dem Jahr 1977 in die Schuhe schieben, da müsste dann noch ein anderes Schwellenjahr her. Gegen die heute vorherrschende schlechte Alternative aus Neotraditionalismen (Evangelikalen, Trumpisten, Islamisten etc.) und neoliberalem, aufgeklärtem Zynismus könnte helfen, dass aus dem unter Wert als "Identitätspolitik" verkauften dekolonialen Denken eben kein Tribalismus und kein Ethnozentrismus geworden ist, sondern von Sylvia Wynter bis zu Saidiya Hartman ein neues Denken des Allgemeinen.


Aus: "Philipp Sarasins Buch "1977" - Eine kurze Geschichte der Gegenwart":Gegen den Bhagwahn" Diedrich Diederichsen (17. September 2021)
Quelle: https://www.sueddeutsche.de/kultur/geschichte-der-gegenwart-philipp-sarasin-1.5413064

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Quote[...] ,,Work-Life-Balance", ,,Nachhaltigkeit", ,,Ich-AG". Viele Begriffe, die in der Gegenwart zirkulieren, haben eine lange, mittlerweile gut 50-jährige Geschichte. Und sie sind in wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Diskussionen in der Gegenwart auch Reibebaum in Debatten um politische Ausrichtungen. Nicht nur eine Generation hat diese Konzepte mittlerweile verinnerlicht – was daran erinnert, dass die Ansprüche der Gegenwart, auch die Sorge um Umwelt und Nachhaltigkeit, eine sehr lange Geschichte erzählen.

... vom ,,Goldenen Zeitalter" spricht Eric Hobsbawm in Bezug auf die Phase des Wiederaufbaus von 1945 bis 1974, in der der Kapitalismus vor allem im Westen für gesellschaftlichen Aufschwung – und damit für den Verlust von ,,Überlebensängsten" – gesorgt habe. Dort, wo die Ängste einer Gesellschaft schwinden – und auch die Entbehrungen der Jahre bzw. Jahrzehnte davor durch eine neue Generation ,,vergessen werden" –, da entstehe eine neue Werteorientierung.

Diese These stützen große Sozialforscher, etwa der US-Politologe Ronald Inglehart, der die Thesen seines 1977er-Klassikers ,,The Silent Revolution" bis zu seinem Tod in verschiedenen Publikationen wiederholte, unter anderem im Band ,,Cultural Evolution" aus dem Jahr 2018. Inglehart blickte weiter in die Gegenwart hinauf als Hobsbawm, der seine Thesen in den 1990er Jahren mit Wissen um den Fall des Ostblocks entfaltet hatte – der das digitale Zeitalter aber in seinen vollen Dimensionen nicht mehr sehen konnte.

,,Es ist eine Revolution auf dem Weg", schrieb der Yale-Professor Charles Reich in seinem 1970er-Buch ,,The Greening of America". Das heute vergriffene Werk war in den frühen 70er Jahren ein Bestseller mit mehr als einer Million verkauften Kopien: ,,Die neue Revolution wird nicht wie die der Vergangenheit sein. Sie wird beim Einzelnen und mit der Kultur beginnen und sie wird die gesamte politische Kultur als finalen Akt bestimmen." Aufbruch und drohender Kollaps der bisherigen Welt halten sich bei Reich noch die Waage. Viele andere Publikationen sprechen von Veränderungen aus dem Geist nahender Katastrophen.

,,Five years, that's all we've got" singt David Bowie 1972, in dem Jahr, als der Club of Rome seine legendäre und wirksame Publikation ,,The Limits of Growth" herausgibt. Wenn das Streben nach einer reinen Natur das neue Ziel sei, so wie es die Zeitschrift ,,Life" schon 1970 postulierte, dann, so die Essayistin Susan Sontag, werde das ,,Streben nach einer reinen Rasse von einem Streben nach einer reinen Natur" abgelöst – der ,,Ökofaschismus", so ein neuer Begriff, stehe vor der Tür.

Dass die 70er nicht zuletzt auch einen Schub an pädagogischen Diskursen rund um die Neuausrichtung, ja Erziehbarkeit der Welt mit sich brachten, daran erinnerte jüngst der ehemalige ,,Frankfurter Allgemeine Zeitung"-Feuilleton-Chef Ulrich Raulff in seinem launigen Band ,,Wiedersehen mit den Siebzigern: Die wilden Jahre des Lesens": ,,Natürlich musste eine Zeit, die an die Veränderbarkeit des Menschen glaubte, erzieherischen Lehren generell positiv gegenüberstehen. Aber der Zulauf, den die pädagogischen Fächer in jenen Jahren verzeichneten, trug Züge einer intellektuellen Epidemie."

Man habe damals auch an die übergroße Bedeutung von Begriffen und Begrifflichkeiten für die Bewältigung des Lebens geglaubt, so Raulff, der an einen Satz des Philosophiehistorikers Manfred Frank erinnerte: ,,Ohne diesen Begriff nicht geklärt zu haben, kann man nicht weiterleben."

... In Frankreich etwa verweisen Soziologen auf die späten 1970er und 1980er Jahre, also den Übergang von Giscard d'Estaing zu Francois Mitterrand an der Spitze des Staates, als eine Umbruchszeit. Eine ,,seconde revolution francaise" ortet der Soziologe Henri Mendras – und zielt mit seiner Modernisierungsthese zur Veränderung Frankreichs auf Prozesse, die auch für andere Länder gelten: Die ,,Malocher-Gesellschaft" (so ein bundesdeutsches Schlagwort) habe sich gerade in den 1970ern zur Dienstleistungs-, vielleicht sogar schon frühen Wissensgesellschaft (so Daniel Bell mit seinem Werk ,,The Coming of Post-Industrial Society", 1973) gewandelt.

Mit dieser wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderung gehen aber auch neue Werteausrichtungen einher. Die Vertreter der Modernisierungstheorie argumentieren seit Karl Marx und Max Weber, dass der Aufstieg der Industriegesellschaften und damit die Weiterentwicklung des Wohlstandes einen Shift weg vom traditionellen Wertesystem bringe. Für den Politologen Inglehart hätten vor allem die jüngeren Generationen ab den 1970er Jahren keine ,,Überlebensängste" mehr, weswegen sich ihr Wertesystem auch von materialistischen Orientierungen, also Werten, die eng an die Absicherung des eigenen Aufstiegs gekoppelt sind, weg bewegt habe.

Umweltthemen, Work-Life-Balance, das Eintreten für die gleichgeschlechtliche Ehe sind für Inglehart typisch für diesen Werteorientierungsprozess. In den 1970er Jahren entspreche das auch einer Emanzipation der Jüngeren weg von den Haltungen der Älteren. In der Zeit danach übernähmen, so Inglehart, auch die Jungen die Werte ihrer Vorgängergeneration. Der Generationenbruch wie Anfang der 1970er blieb in den Jahrzehnten danach im Westen jedenfalls aus.

Was freilich unterhalb dieses Werteshifts passiert, sind ökonomische Veränderungen, die nicht oder noch nicht in den neu orientierten Gruppen durchschlagen. War in Österreich etwa ein neues Universitätenorganisationsgesetz Mitte der 1970er Jahre das große Thema, so hält sich der gesellschaftliche Anspruch nach Mitbestimmung, er wurde freilich etwa an den Unis in den 1990er Jahren aber schon zurückgedrängt, wie die Schriftstellerin und frühere Uniaktivistin Marlene Streeruwitz vor Monaten in einem ORF.at-Interview erinnerte.

Während, verkürzt gesagt, die Wertekultur seit dem Wertewandel der 1970er hin zu postmateriellen Einstellungen in vielen Gruppen und westeuropäischen Ländern weiter verbreitet ist, ist die ökonomische Basis gerade für die Mitte, wo diese Ansprüche in den 1970ern formuliert wurden, brüchiger geworden. ,,Das Versprechen der sozialen Marktwirtschaft seit der Gründung der Bundesrepublik, wer hart arbeite, steige auf, mit stetig mehr Geld und Doppelhaushälfte – es wurde brüchig", schrieb der Journalist Alexander Hagelüken in der ,,Süddeutschen Zeitung" zur ökonomischen Situation Deutschlands am Vorabend der Bundestagswahl 2021.

Die Agendapolitik von Schröder konnte zwar im Effekt die Arbeitslosigkeit halbieren, und Merkel konnte zunächst eine auf Hinterlassenschaftsverwaltung abgestellte Wirtschaftspolitik fahren. Der Effekt freilich, dass mehr Menschen auf dem Arbeitsmarkt zu mehr Wachstum führen, blieb in Deutschland in den letzten Jahren aus. Die Steuerpolitik der letzten 30 Jahre, so meinte etwa der Duisburger Ökonom Achim Truger, habe die Ungleichheit verstärkt. Oder gezeigt, dass es zumindest für Deutschland keine ,,Trickle down"-Wirkung gab, also eine Belebung der Konjunktur durch Entlastung der oberen Einkommen bei Stagnation der Maßnahmen unten und in der Mitte.

70 Prozent der Deutschen zahlen nach gemeinsamer Politik von Union und SPD in der Gegenwart abzüglich Inflation mehr Steuern als Ende der 1990er Jahre. Entlastet wurden effektiv die oberen Einkommen. Die Umverteilungswirkung des progressiven Steuersystems läuft für Stefan Bach, einen Ökonomen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), mehr auf eine Glaubensformel hinaus – belegen lasse sie sich jedenfalls nicht mehr.

Der seit 2018 laufende ,,Demokratie-Monitor" für Österreich (durchgeführt vom SORA-Institut auf einer breiten Befragungsbasis) zeigt ein Bild einer noch nie da gewesenen Systemunzufriedenheit: Derzeit (Stand Ende 2021) seien beinahe sechs von zehn Menschen (58 Prozent) davon überzeugt, ,,dass das politische System in Österreich weniger oder gar nicht gut funktioniert". Ein Drittel fühlt sich vom politischen System abgehängt und von diesem nicht mehr repräsentiert.

Neben der brüchiger gewordenen sozialökonomischen Basis kommen im Lauf der 1970er Jahre aber noch weitere Aspekte hinzu, die man auch als eine Aufsplitterung der Weltsichten sehen kann, wenn man etwa das Finale von Sarasins Zusammenschau im ,,1977"-Buch in den Blick nimmt. Ist in der Linken im Westen spätestens Ende der 1970er Jahre die Idee von der ,,Möglichkeit der Gestaltbarkeit der Geschichte" brüchig geworden (mit dem Nebeneffekt, dass den Zusammenbruch des Kommunismus jene als Erfolg einer aktiven Dissidentenpolitik feierten, die in den 1970er Jahren eben noch eine frühe Unterstützung der Chartabewegung der CSSR heftig kritisiert hatten), so führe die Aufsplitterung der Post-1970er-Welt, so Sarasin, zum Verlust eines Anspruchs auf Allgemeinheit. Allgemeinheit war wenn eine dominante Haltung des Westens gegenüber Entwicklungsländern.

Während sich in den westlichen Demokratien die Identitätspolitik in und für einzelne Gruppen durchsetzte, habe die Kritik an der Vorstellung, ,,dass Menschen eine irgendwie feste, ,einheitliche' Identität bewahren könnten", so Sarasin, in den 1990er zu den etablierten Denkwerkzeugen feministischer und postkolonialer Theoretikerinnen und Theoretiker gehört. Seit der Jahrtausendwende sei auch dieses schon im Ansatz ,,gewissermaßen dekonstruktive Verständnis von ,Identität'" erneut unter Druck gekommen. Es habe einem Konzept Platz gemacht, ,,das keinerlei Ansatz bietet, das Allgemeine zu denken: Die buchstäblich verstandene ,Identität'".

Der Algorithmus von Social-Media-Plattformen bestätigt demgemäß das Verhalten einzelner oder bestimmter Gruppen, gemeinhin und unscharf auch ,,Bubbles" genannt, die in ihrer Bestätigung letztlich die Vereinzelung zum Allgemeinheitsanspruch erleben. Das Allgemeingedachte erzählt die Geschichte des eigenen Nutzungsverlaufes, der mehr oder weniger zufällig an anderen Positionen ankommt, tatsächlich aber immer das Eigene bestätigt, das aber als allgemein verbindlich gedacht wird.

Umgelegt auf den Arbeitsmarkt und die darauf geäußerten Positionen bleibt eine gewisse Unvermittelbarkeit der Standpunkte. Während die einen in ihrer Anspruchswelt leben und diese in bestimmten Berufssegmenten (vor allem dort, wo die eigene Bildung und Ausbildung dem Markt entgegenkommt) auch als neue Jobperspektive durchsetzen können, wird ein immer größerer Teil der Bevölkerung abgehängt. Dazwischen steht eine Wirtschaft, deren Vertreter auf die Wohlstandsgeschichte des Landes verweisen, die es weiter zu verteidigen gelte – während sich die Wertewelt in unterschiedlichen Gruppen ganz anders ausdifferenziert hat. Wie zwischen diesen Welten zu vermitteln sei, ist in Zeiten fehlender verbindlicher Medien eine der zentralen Gestaltungsfragen von Politik.

Die Politik der Gegenwart muss mit dem Prozess der Moderne umzugehen lernen. Das hieße, diese zunächst als Rahmen zu akzeptieren, anstatt Vorschläge zu entwickeln, die die Komplexität der Aufgabe mit simplen Identitätsschablonen unterlaufen wollen. Beispielsweise im Fall des Brexit. Die Moderne, so der Soziologe Niklas Luhmann, kenne ,,keinen Abschlussgedanken, (...) auch keine Autorität, (...) sie kennt keine Positionen, von denen aus die Gesellschaft in der Gesellschaft für andere verbindlich (!) beschrieben werden könnte". Für Luhmann gibt es in diesem Setting ohnedies keine Emanzipation ,,zur Vernunft, sondern Emanzipation von der Vernunft". Und: ,,Diese Emanzipation ist nicht anzustreben, sondern bereits passiert."


Aus: "Die 1970er und ihre Folgen: Die Geburt der Work-Life-Balance" Gerald Heidegger (23. Oktober 2022)
Quelle: https://orf.at/stories/3290407/

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Link

... Bauhaus in Dessau als ,,Irrweg der Moderne" ...

Quote[...] Die AfD attackiert das Weltkulturerbe Bauhaus mit Zitaten der NSDAP. ...

Wie gewinnt die Politik das Vertrauen zurück? Darüber diskutierten am Dienstagabend im ,,rbb-Bürgertalk" Politiker der CDU, der Grünen und der SPD im Berliner Fernsehstudio. Am Ende der Sendung das Desaster: die Zuschauenden befragt, wen sie sich als Kanzler/in wünschen würden, stimmten mit unglaublichen 37 Prozent für die AfD-Kandidatin. Schöne Aussichten für den Wahlkampf.

Ich meine, wir sollten uns deshalb das politische Personal, das sich hinter Alice Weidel eingerichtet hat, genauer ansehen. Zum Beispiel Dr. Hans Thomas Tillschneider, kulturpolitischer Sprecher seiner Partei im Landtag von Sachsen Anhalt, der in den vergangenen Wochen bundesweit in den Feuilletons Beachtung fand.

Mit seinem AfD-Antrag, die Erinnerung an 100 Jahre Bauhaus in Dessau als ,,Irrweg der Moderne" zu geißeln statt zu feiern, griff er auf jene präfaschistischen Ideologen zurück, die das Bauhaus schon aus Weimar vertrieben hatten. Das immerhin zum Unesco-Weltkulturerbe zählende Bauhaus werde zu Unrecht glorifiziert, weil es einen menschenfeindlichen Wohnungsbau in die Welt gebracht habe.

Ohne großen Rechercheaufwand findet man die Quelle Tillschneiderscher Argumentation: Paul Schultze-Naumburg. Der konservative Architekt und Kulturtheoretiker, Mitbegründer des Werkbundes, hatte sich zum glühenden Rassisten und Antisemiten entwickelt. Sein früher Weg zur NSDAP war so konsequent wie sein Kampf gegen die Weimarer Bauhäusler.

Man könnte die geistigen Ausflüge des einschlägig bekannten AfD-Funktionärs ins Traditionskabinett seiner Partei als erwartbare Provokation hinnehmen. Aber es verbirgt sich mehr dahinter, nämlich die schrittweise Ausweitung der ideologischen Kampfzone auf die Kulturpolitik in jenen Bundesländern, wo die Wahlergebnisse den Rechtsradikalen zu wachsendem Selbstbewusstsein verholfen haben.

Tillschneider, der in Freiburg Islamwissenschaft studierte, bevor ihn die AfD-Karriere in den Nordosten lockte, hat wie andere seiner Parteifreunde kein Problem mit einer autoritären Führung, der sich die Leute aus Kunst und Kultur unterzuordnen haben. Die Programmgestaltung der Theater und die Ausstellungskonzepte von Museen und Galerien würden wohl den Vorstellungen rechtsnationaler bis rechtsradikaler Kultur- und Finanzpolitiker entsprechen müssen, sollten sie dereinst in Regierungsverantwortung gelangen.

Da sich der Antragsteller mit dem markanten Schultze-Naumburg-Wort vom ,,Irrweg der Moderne" (aus dessen Werk ,,Kunst und Rasse") exponiert hat und bereits in einer früheren Rede zum Bauhaus ,,von einer abgrundtiefen Hässlichkeit ... unerträglich anzuschauen" sprach, kommen auch dessen andere Volksbelehrungen ins Visier.

So erschien im Mai über facebook sein Aufruf ,,Leute, lest Iwan Iljin!" Er richte sich gegen die ,,Lehre der Schwachheit", der Menschen folgten, ,,die besonders unklug, willenlos und wenig gebildet waren und anfällig für eine vereinfachte, naiv idyllische Weltsicht".

Iljin – in aller Kürze – ein militanter Philosoph und Antibolschewist, lobte im Schweizer Exil 1933 Hitler als Verteidiger Europas gegen eine bolschewistische Herrschaft. Dem künftigen ,,einigen und unteilbaren Russland" wünschte er nach dem Krieg als eurasischem Staat eine autoritäre Diktatur im Stile Francos.

Im Jahre 2005 wurden Iljins sterbliche Reste heimgeholt und im Beisein Putins – der den russisch-nationalistischen Vordenker ebenfalls gern zitiert – auf dem Moskauer Donskoj-Friedhof beigesetzt. Wir sollten Tillschneiders Zitate – wie die Wahlkampfsprüche seiner Partei – weiter beobachten.

Klaus Staeck ist Grafiker.


Aus: "AfD und Weltkulturerbe Bauhaus: Mehr als eine Provokation" 13.11.2024 (13.11.2024)
Quelle: https://www.fr.de/meinung/kolumnen/mehr-als-eine-provokation-93409573.html

Klaus Staeck (* 28. Februar 1938 in Pulsnitz, Amtshauptmannschaft Kamenz) ist ein deutscher Verleger, Satiriker und Rechtsanwalt. Von April 2006 bis Mai 2015 war er Präsident der Akademie der Künste in Berlin.
https://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Staeck