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[Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie, Mentalitätsgeschichte, etc., ...) ... ]

Started by Link, March 17, 2020, 03:00:05 PM

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Quote[...] Der Mechaniker geht nun freiwillig auf zwei Meter Abstand: "Corona? Entschuldigung. Aber für mich ist das ganze Thema vollkommen drüber." Kurzes Schweigen. Keine neue Frage des Reporters. Der Monteur verschränkt die Arme vor der Brust. Und Satz für Satz drückt er ein tiefes Unverständnis über die Maßnahmen der Regierung aus:

"Wegen einer Grippe die ganze Welt anhalten?"

"Da werden ja mehr Leute an den Wirtschaftsbeschränkungen draufgehen als an dem Virus."

Politik und Gesellschaft, so sieht er es, hätten leider kollektiv den Verstand verloren. "Und sie wollen den Unsinn ja noch weiter durchziehen bis sonst wohin." Der Mechaniker Gordon bringt das unter Lockdown-Skeptikern populäre Beispiel von der Krankenschwester, die jetzt auf Kurzarbeit gesetzt sei, und guckt, ob seine Ratlosigkeit und seine Empörung angekommen sind. Sind sie. Er: "Mir leuchtet es einfach null ein."

... Er zählt nun Begriffe auf, die ihm in den letzten Wochen immer wieder begegnet seien: Reproduktionsrate, Infektionskurve, Verdopplungszeit, Kontaktsperre, Hygieneregeln, Systemrelevanz, Social Distancing – ein abstraktes Gedicht in der Autowerkstatt. Grinsender Mechaniker: "Weeßte?" Nein, offen gestanden noch nicht ganz: Was sagen ihm diese Begriffe? "Na, da kommt keiner mit! Da kann ich nur grinsen!"

Auf eine Art wirkt seine Empörung gänzlich undepressiv und ja, erfrischend. Der Bundespräsident warnte kürzlich in einem Interview davor, die Stimmung könne in der Bevölkerung kippen. Hier, in der Autowerkstatt in Weißensee, ist sie längst gekippt. Dieser Gordon spricht mit einer schönen Unverdruckstheit: als wären alle, die die Dinge anders sähen als er, leider ein bisschen dumm.

Kurz ablenken von der Krise. Als Schrauber habe er das Problem, dass er vergleichsweise selten amerikanische Straßenkreuzer oder andere spektakuläre Autos reinbekomme: "Alltagsgegenstände, Kratzer hier, Kratzer da." Unter den technischen Problemen mache ihm der Motorfehler, also die Fehlersuche beim kaputten Motor, am meisten Spaß. Die neueste Generation Autos denke ihm zu viel mit: "Ein E-Auto tut so, als ob es klüger sei als der Monteur. Nicht schön." Der Monteur mit freier Werkstatt, das wisse doch jeder, sei eine aussterbende Spezies: "In spätestens zwanzig Jahren wird es keine offenen Werkstätten mehr geben."

Man möchte es noch ein bisschen genauer wissen. Wie informiert er sich? Was bedeuten ihm Politik, Demokratie, Parlamentarismus?

Er outet sich als Nichtwähler, und das klingt dann leider ziemlich niederschmetternd: Geld regiere die Welt, da mache er sich keine Illusionen. "Eine Angela Merkel? Die liest doch auch nur das vor, was man ihr hinlegt." Der Automechaniker ohne Illusionen guckt gerne mal in die BZ, auch mal auf Facebook und auf die YouTube-Kanäle KenFm und SchallundRauchTV. Und distanziert sich – typisch für diese Generation von Medienkonsumentinnen – gleichzeitig vom paranoiden Unsinn dieser Verschwörungstheoretiker: "Da fasse ich mir auch immer nur an den Kopf."

Und der Reporter hört sich selbst beim hilflosen Versuch zu, den so undumm und aufgeweckt wirkenden Automechaniker als Konsument der Qualitätsmedien zu gewinnen. Anders als bei sogenannten Truthern und ihren YouTube-Kanälen bestehe deren Existenzberechtigung ja genau darin, gegen die Interessen von Politik, Wirtschaft und Lobbyismus anzurecherchieren. Höflich interessierter Mechaniker: "Ist gut, ja. Ich gucke mir das mal an."

Ein Moment der Sprachlosigkeit im Hof der Autowerkstatt.

Fußball? Frühzeitige Wiedereröffnung der Bundesliga? Auf dem Gebiet könne er null Leidenschaft entwickeln. Das Feierabendbierchen? Gebe es bei ihm sowieso nicht. Den Alkohol habe er, obwohl er nie große Probleme damit gehabt habe, ganz aufgegeben. Sei besser so.


Aus: "Automechaniker: Der Lockdown-Skeptiker" Moritz von Uslar (28. April 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/2020-04/automechaniker-coronavirus-massnahmen-skepsis/komplettansicht

QuoteRunkelstoss #43

Verstehe. Alle doof und hysterisch nur ich nicht.


QuoteSimplicio #39

Ein Bett auf der Intensivstation würde er aber schon haben wollen, wenn es ihn träfe?


Quotedof #1.1

Bei uns herrscht Meinungsfreiheit. Darum darf man auch Stuss daher reden, ohne Begründung dafür.


QuoteTom Richter #1.4

Wieso ist das in ihren Augen "Stuss"?

Ich darf daran erinnern, als das letzte Mal ökonomische Verwerfungen in den zu erwartenden Größenordnungen auftraten, haben "die Deutschen" kurze Zeit später Hitler und seine Schergen gewählt. Bzw. halb zog er sie, halb sanken sie dahin.

Daher ist ein Satz wie "Da werden ja mehr Leute an den Wirtschaftsbeschränkungen draufgehen als an dem Virus" vielleicht nicht akademisch verschwurbelt genug, aber mit Sicherheit kein "Stuss".


QuoteGrauselhurz #1.2

Die Meinungsfreiheit garantiert allerdings nicht, dass man seinen Stuss äußern darf ohne dafür (heftigen) Widerspruch zu erhalten.


QuoteoffeneAugen #1.3

Grandioser Text ;-). Journalismus vom Feinsten. ...


QuoteDunkles Ahnen #3

Uns was soll der Nährwert dieses Textes sein ?


QuoteEldorado.2016 #3.1

Bleib du lieber klug, denn Spinner gibt es genug.


QuoteKing Slatfass #4

Bemerkenswert ..... wenig Information gibt wenig Kopfschmerz. ... Erfrischend aber wenig zukunftssicher.


QuoteUnlock #4.1

Ähnliches begegnet Ihnen auch im höheren Management oder der Politik. Dort müssen ganze Manuskripte in drei Wörtern wiedergegeben werden, damit es überhaupt zu Entscheidungen kommen kann. Jede Information zu viel verwirrt nur. Die Corona-Krise ist ein gutes Beispiel. Im Grunde wissen wir ja nichts.


QuotePersephoneHB #4.3

No brain, no pain. Wobei ich ihm nicht Dummheit unterstellen mag. Vielleicht ist es auch bloß eine Art von Resignation der Politik und des Weltgeschehens gegenüber.


QuoteRobert Nozick #4.5

"Die Corona-Krise ist ein gutes Beispiel. Im Grunde wissen wir ja nichts."

Sehr treffend zusammengefasst. Im Grunde wissen wir nichts darüber, was die beste Strategie gegen Corona angeht.
Bestenfalls können wir zuverlässig sagen, dass gar nichts tun wohl kein gutes Ende genommen hätte. Und dass es einen Haufen dämlicher Verschwörungstheorien gibt, die man nicht glauben sollte.
Bei allem anderen könnte es so oder so sein. Und Bewertungen, was richtig sein könnte, hängen meistens nicht von Fakten ab, sondern von den eigenen Präferenzen.
Glaube ich, dass alles getan werden muss, um jede einzelne Neuinfektion zu vermeiden oder möchte ich so schnell wie möglich so viele Einschränkungen wie möglich wieder los werden und bin bereit zu akzeptieren, dass eine Corona-Erkrankung so lange ein normales Lebensrisiko is, wie eine angemessene Behandlung im Krankenhaus möglich ist?

Oder ist es mir scheißegal, Hauptsache keine Kopfschmerzen beim drüber nachdenken und ich will einfach mein Leben leben? Dann sind wir bei Gordon. Und ich bin nicht sicher, ob das nicht der richtige Standpunkt ist. Sollen sich andere den Kopf zerbrechen, ich nehme es wie es kommt.


QuoteAGB akzeptiert #5

Solange noch ein wenig Respekt für Andere in ihm ist, dann ist es noch in Ordnung, Eigentlich geht es wie sooft nur Egoismus. "Ich kapiere es nicht also lasst mich in Ruhe mein Ding machen."


Quoteovadinho #6

,, Und der Reporter hört sich selbst beim hilflosen Versuch zu, den so undumm und aufgeweckt wirkenden Automechaniker als Konsument der Qualitätsmedien zu gewinnen. Anders als bei sogenannten Truthern und ihren YouTube-Kanälen bestehe deren Existenzberechtigung ja genau darin, gegen die Interessen von Politik, Wirtschaft und Lobbyismus anzurecherchieren."

Lieber Moritz, ich lese wirklich gerne ihre Texte. Und auch dieses Interview lässt Gordon auch Mensch mit eigener Meinung sein. Sehr sympathisch.
Aber beim oben zitierten Satz musste ich zweimal hingucken. Gerade nach der Berichterstattung der letzten Wochen: Glaubst du da wirklich dran?


QuoteCranston #10

Ein wenig Berliner Lokalkollorit in Form von "Gordon" gepaart mit komplettem Unverständnis bezüglich der aktuellen Lage.

Wenn ich grade vor Kurzem einen handwerklichen Kleinbetrieb als one-man-show auf die Beine gestellt hätte, ziemlich auf Kante genäht, würde ich das ggf ähnlich sehen. Ist alles verständlich.

Das hier Herr Von Uslar aber so tief beeindruckt scheint von der "Autentizität" des seines Protagonisten, und diese so bejubelt, sagt aus meiner Sicht mehr über die gewisse "Abgehobenheit" Herrn Von Uslars aus, als über den im Artikel skizzierten Menschen.

Andererseits: Wer will es Von Uslar verdenken. Woher auch soll der Realitätsbezug kommen. Alles ok für mich. jeder wie er mag.


QuoteJuliusU995 #12

"undumm und aufgeweckt wirkenden Automechaniker als Konsument der Qualitätsmedien zu gewinnen"

Der Satz ist missglückt wie ich finde obwohl ich genau die selben Gedanken habe wie Reporter Moritz von Uslar.
Da trifft man grund-symphatische Typen, nicht doof, ehrliche Haut und genau die fallen auf diese ganzen Truther bzw. Kenfm und Konsorten rein.

Obwohl mit dem Grippe-Vergleich hat Mechaniker Gordon Gomoll nicht so ganz unrecht auch wenn dieser total hinkt.

Naja, an mein Auto würde ich Gordon ranlassen ;-)
Schöner Artikel.


QuoteTorrente #14

Jeder kann ja seine Meinung haben und vertreten, aber ich persönlich halte mich bei der Einschätzung virologischer Belange eher an...nun ja, Virologen und Epidemiologen. Ich würde gleichsam auch nicht Herrn Drosten oder das RKI bei Problemen an der Zylinderkopfdichtung zu Rate ziehen.


Quotesternenklar #18

"Da werden ja mehr Leute an den Wirtschaftsbeschränkungen draufgehen als an dem Virus." - Die Befürchtung teile ich vollkommen, auch wenn ich Angela Merkel nicht für eine Marionette irgendwelcher dunklen Verschwörer halte. Ich glaube, die Politik reagiert auf die Stimmung in der Bevölkerung, auf die Gutachten der Wissenschaftler und natürlich auch von Interessensverbänden und versucht irgendwie abzuwägen und einen gesunden Mittelweg zu finden. Ich bin auch dankbar, dass das in Deutschland mit deutlich mehr Augenmaß geschieht als in vielen anderen Ländern. Solange man mir nicht verbietet, rauszugehen (wie z.B. in Spanien) kann ich persönlich auch mit allerhand Einschränkungen leben, wenn auch manchmal zähneknirschend. Ich habe auch Vertrauen in unsere Gerichte, die die Teile der Eindämmungsverordnungen, die unverhältnismäßig oder verfassungswidrig sind (leider meist erst rückwirkend) außer Kraft setzen werden.

Es macht mich traurig, dass die Verschwörungstheoretiker die Kritik an den Eindämmungsmaßnahmen teilweise kapern. Auch ohne Verschwörungsfantasien sollte man den drastischen Eingriff in Grundrechte kritisch hinterfragen. Und vor allem sollten uns auch ohne irgendwelche herbeifantasierten Strippenzieher die wirtschaftlichen Folgen der Eindämmungsmaßnahmen größte Sorgen bereiten! Jede Wirtschaftskrise fordert Todesopfer. Auch gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Armut und geringerer Lebenserwartung. Wirtschaft sind eben nicht nur "die da oben". Leiden tun die Armen.

[Noch eine kleine Ergänzung: Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen Armut und niedrigerer Lebenserwartung. Auch in Deutschland sterben Arme im Durchschnitt etwa 10 Jahre früher als Reiche. https://www.zeit.de/gesellschaft/2016-03/lebenserwartung-deutschland-arm-und-reich (Sie können sich selbst ausmalen, wie das in Ländern ohne soziale Sicherungssysteme aussieht)]


Quoteleidervergessen #19

"Der Mechaniker Gordon Gomoll aus Berlin-Weißensee gehört zu den Gegnern der Corona-Politik. Er sagt: "Mir leuchtet das null ein."

Er ist nicht alleine, aber leider kommen erst jetzt diese Meinungen zu Wort. ...


QuoteMalparte #26

Das ist ein schöner Text - es kommt meine Meinung nach - viel zu selten vor, dass man mal zeigt, welche Gruppen von Merkel Tagesschau und Co gar nicht erreicht werden. Hier der Malocher, aber auch Esoteriker. Und er ist mir mit seiner Ignoranz sympathischer als all die selbstgewissen Personen, die auch kaum mehr wirklich wissen, dafür aber zu 100 Prozent sicher sind welcher Weg der Richtige ist.


QuoteDer_Puderant #29

Ihm leuchtet das ,,null ein"? Vielleicht liegt's an der mangelnden Bildung. Und verharmlosend von einer ,,Grippe" zu schwadronieren spricht auch nicht gerade für einen hohen IQ


QuoteFrenchhornplayer85 #30

Deswegen ist der Herr wahrscheinlich auch nicht Virologe, sondern Automechaniker.


QuoteRiam #42

Ich stimme dem Automechaniker zu. Meiner Meinung nach sind die Massnahmen massiv unverhältnismässig. Die Mortalität des C-Virus liegt gerade einmal bei 6% dafür die Wirtschaft und persönliche Freiheiten zu Opfern ist für mich nicht logisch begründbar.


Quotepolygraphos #42.1

Ganz so hoch liegt die Mortalität wohl nicht. Aber selbst wenn Sie 4% betragen würde, würden das bei einer ungezügelten Ausbreitung bis hin zur vermeintlichen "Herdenimmunität" von 50% der Bevölkerung alleine 1,6 Millionen Tote bedeuten! Diese 1,6 Millionen wären vor ihrem Ableben erst noch eine Zeitlang schwerkranke und intensivpflichtige Patienten, und das nicht schön nacheinander, sondern in relativ kurzer Zeit. Kein Gesundheitssystem der Welt könnte das verkraften. Es geht schlicht darum, genau diese Katastrophe zu vermeiden. Warum kann das nicht einfach jeder begreifen?


QuoteMinimaxprinzip #44

Ich finde es reichlich gemein von der Zeit, einfach gestrickte Menschen hier so vorzuführen.
Auch wenn er als "Stimme aus dem Volk" herhalten soll und freiwillig mitgemacht hat, ist es unterirdisch.


QuotePinkFloyd #44.2

Aber Minimaxprinzip, der Autor hat lediglich das gemacht, was man umgangssprachlich mit "Dem Volk aufs Maul schauen" benennt. So von seiner Warte (also weiter oben) aus. Originell und lebendig authentisch formuliert (Relotius läßt grüßen) aber mit gewisser angemessen-wohlwollender Überheblichkeit. ...


QuoteZoegereister #47

Man hätte ihn auch über die Globale Erwärmung interviewen können. Das Ergebnis wäre dasselbe gewesen.


Quoteseven times #56

Mag ja sein, dass ihm was auch immer "null einleuchtet". Mag aber auch sein, dass das an ihm liegt. Manche verstehen eben nicht alles. Die meisten sogar. Das ist nichts besonderes und bedarf nicht der Erwähnung. Jedenfalls nicht in der Zeitung. ...


QuoteBerlin Wedding #58

Endlich auch mal ein Artikel über jemand, der nicht die "Wir-werden-alle-sterben-wenn wir-nicht-noch-mindestens-18-Monate-zuhause-bleiben"-Theorie nachbetet.


QuoteHAH #58.1

Wieso "Endlich"? Das ganze Internet ist doch voll von Verharmlosungen von Leuten die nicht wirklich vom Fach sind.


QuoteK.Rosenhoff #67

Mich beschleicht das Gefühl, dass je deutlicher die Überzogenheit und Sinnlosigkeit der Maßnahmen zutage tritt, desto vehementer und aggressiver werden selbige hier in den Kommentaren verteidigt -- wie ein Hund, der knurrt und schnappt, wenn man ihn in die Enge getrieben hat.

Weiters ist die Arroganz, mit der manche den "einfachen" Automechaniker hier aburteilen, unerträglich. Dass der Automechaniker dieselbe Sicht auf die Dinge hat wie viele Wissenschaftler und Intellektuelle, scheint manche hier bei ihrer Verächtlichmachung nicht zu stören. ...


QuoteTordenskjold #69

Gordon irrlichtert ein bisschen durch die Medien, BZ und Facebook, hört sich KenFM an, glaubt ihm seinen Verschwörungsquatsch aber nicht.
Argumente hat er keine, Meinung dafür umso mehr.

Natürlich Nichtwähler, grinsend, fröhlich, unbelastet - alle doof, Merkel doof, icke nicht doof, wa?!

"Da werden ja mehr Leute an den Wirtschaftsbeschränkungen draufgehen als an dem Virus..." sagt er, er hat es wohl irgendwo aufgeschnappt, wo eigentlich?
Egal, vom Feeling her ein schlechtes Gefühl, Argumente Fehlanzeige.

Ein Moment der Selbsterkenntnis: ,,- "Na, da kommt keiner mit! Da kann ich nur grinsen!" Übersetzt: Ich verstehe nix, is mir auch wurscht.

Demokratie lebt vom sich breit informieren, diskutieren, mitdenken, mitmachen, widersprechen, sich zu einer Position durchringen, wählen.
Gordon hat sich leider ausgeklinkt. Man kann nur froh sein, dass er Nichtwähler ist.
Gordon muss bei unserer Demokratie nicht mitmachen, die Freiheit hat er.

Er muss nicht wählen gehen und er muss sich nicht umfassend informieren. Aber wenn ,,die da oben" Scheiße bauen und er drunter leidet, dann werde ich sein Gejammer nicht ernstnehmen können.


QuoteD. Oswald Heist #69.1

"Demokratie lebt vom sich breit informieren, diskutieren, mitdenken, mitmachen, widersprechen, sich zu einer Position durchringen, wählen."

Das sind allerdings auch alles Prozesse die man erst einmal erlernen muss. Das soziale Umfeld spielt da eine große Rolle. Und wer den ganzen Tag am Auto schraubt wird ausser übers Radio kaum informiert. Die Muße sich Abends noch übers Tagesgeschehen zu informieren, wenn man noch sonstige Verpflichtungen wie Famillie/Hobbies/Sport hat, ist wahrscheinlich überschaubar.


QuoteOstertaJ #75

Wie Gottfried Benn schon sagte: "Dumm sein und Arbeit haben, das ist das Glück."


Quoterosu #82

Recht hat er! - Und sie werden von nahezu jedem BIP erwirtschaftendem die gleiche Meinung hören, egal ob Auto- Gastro- oder gar Veranstaltungsbranche.
Viele haben es noch nicht bemerkt, aber die Meinungskluft verläuft zwischen Produktiven und denen, die aus deren Steuern ihren "Lohn" generieren.
Zu denen ja bekanntlich auch unsere allwissende Politikerkaste gehört....


Quotehidrogenado #82.1

...und genau deswegen treffen "die Politiker" die Entscheidungen und nicht die "BIP Erwirtschafter". Den sonst hätten wir die 52 Stunden Woche, mit 12 Tagen Urlaub und jeder Menge menschlicher Corona Kolateralschäden.....


QuotePaul Freiburger #83

"Den Alkohol habe er, obwohl er nie große Probleme damit gehabt habe, ganz aufgegeben. Sei besser so."

Na, das ist doch wenigstens vernünftig. ...


Quote1Bln47 #89

So so, der Autoschlosser ist also ein dummer Prolet.
Nicht wenige der hiesigen Kommentatoren sind wohl länger zur Schule gegangen, gelernt haben sie ganz offensichtlich nichts, jedenfalls nichts was tatsächlich wichtig ist.
Weshalb gibt es denn "Typen" wie diesen Schrauber? ...


QuoteM.Aurelius #92

"Mir leuchtet das null ein." Manchen Zeitgenossen leugnet auch der Dreisatz nicht ein. Sollen wir deshalb über die Arithmetik abstimmen oder die Mathematik umschreiben?


Quotebertbert #92.1

Nein. Aber den Menschen ihre Meinung lassen wäre schon schön, ohne sie als dümmlich abzustempeln.


Quotedas_freie_wort #92.2

"Aber den Menschen ihre Meinung lassen wäre schon schön, ohne sie als dümmlich abzustempeln."

Damit muss aber jeder leben, der seine Meinung exponiert zum Ausdruck bringt. Und ich unterstelle mal, dass Gordon zu diesen Aussagen nicht gezwungen wurde und der Veröffentlichung zugestimmt hat.


QuoteFisematente #95

Ich finde es nicht in Ordung, daß dieser Mann von der ZEIT der Lächerlichkeit und Verächtlichmachung preisgegeben wird.

Es wird wohl nur wenige geben, die die medizinischen, wirtschaftlichen und politischen Maßnahmen überhaupt beurteilen können, noch viele weniger hätten den Mut und die Position, diese durchzusetzen.

Natürlich versucht jeder, die Dinge mit seinem gesunden Menschenverstand zu beurteilen und sich einen Weg zu suchen und das steht auch jedem zu.
Viel wichtiger wäre, über den mächtigsten Mann der Welt solche Artikel zu verfassen, der ohne gesunden Verstand ist.


Quotebertbert #95.1

"mächtigsten Mann der Welt"

Chuck Norris?


...

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#61
Quote[...]  Nicht zuletzt seit seiner Kritik an US-Präsident Donald Trump steht Bill Gates im Zentrum von Verschwörungstheorien rund um die Verbreitung von SARS-CoV-2.

"It's easy to predict the future when you are creating it." So lautet ein Kommentar eines Youtube-Nutzers unter einem Video, in dem vor fünf Jahren Bill Gates vor einer Pandemie warnte. Der in den jüngsten Jahren philantropisch insbesondere auf dem Gebiet der Behandlung und Bekämpfung von Krankheiten tätige Milliardär ist spätestens seit seiner Kritik an der Politik der US-Regierung unter Donald Trump Ziel von Verschwörungstheorien geworden.

Trump hatte kürzlich die Zahlungen an die WHO eingestellt mit dem Vorwurf an die Weltgesundheitsorganisation, Missmanagement zu betreiben und mit dem Vertrauen auf Angaben aus China die Coronavirus-Epidemie dramatisch verschlimmert zu haben. Gates meinte daraufhin über Twitter, der Schritt der USA sei gefährlich, denn die Welt brauche die WHO, die die Verbreitung von SARS-CoV-2 verlangsame.

Gates hatte im April 2015 geschildert, dass die Welt nicht so sehr von einem nuklearen Krieg bedroht sei, sondern viel mehr von dem globalen Ausbruch eines Virus. Das Video ist laut einem Bericht der New York Times in den vergangenen Wochen 25 Millionen Mal angeklickt worden. Viele Menschen lobten dabei aber nicht Gates' Weitsicht, vielmehr sehen sie das Video als einen Beleg dafür, dass der Milliardär mithilfe einer Pandemie die Kontrolle über die Gesundheitssysteme der Welt erlangen wolle.

In Beiträgen auf Youtube, Facebook und Twitter gehen die Nutzer so weit zu behaupten, Gates höchstselbst habe SARS-CoV-2 in die Welt gesetzt, um von der Entwicklung eines Impfstoffes zu profitieren. Andere meinen, Gates habe sich mitverschworen, mithilfe von Covid-19 die Weltbevölkerung zu selektieren oder zu überwachen.

Gates selbst hatte vor kurzem unter anderem angekündigt, dass die von ihm mitgeführte Bill and Melinda Gates Foundation für alle sieben der erfolgversprechendsten Impfansätze Fabriken finanzieren werde. Die Stiftung hat nun ihre Mittel für den Kampf gegen SARS-CoV-2 um 150 Millionen US-Dollar erhöht. Im Internet hat die Gates-Stiftung unter #solidaritypledge zur Solidarität in der Coronavirus-Krise aufgerufen. Die Kampagne fand auch in Deutschland ihren Niederschlag, darunter auch bei Impfgegnern, die mit der Losung "Gib Gates keine Chance" antworteten, angelehnt an eine Kampagne der BZgA aus den 80er-Jahren.

Mit seinen Appellen in den vergangenen Wochen an die Menschen, möglichst zu Hause zu bleiben, Testverfahren und die Entwicklung von Impfstoffen voranzubringen hat sich Gates zu einer Art Gegentrump in Sachen Corona entwickelt, zumal der derzeitige US-Präsident die Gefahren durch das Virus zunächst heruntergespielt hatte. Ende März schrieb Gates in der Washington Post, die USA hätten die Chance vertan, dem Virus einen Schritt voraus zu sein.

Trumpbefürworter und Impfgegner scheinen nun Hand in Hand Gates als Zielscheibe ihrer Angriffe auserkoren zu haben. Die Medienanalyse-Firma Zignal Labs hat Fehlinformationen über den Microsoft-Mitgründer als jene mit dem größten Anteil an Fake News im Zusammenhang mit dem Coronavirus ausgemacht. Die zehn auf Youtube beliebtesten Videos im März und April, in denen Lügen über Bill Gates verbreitet werden, wurden rund fünf Millionen Mal angeklickt, schreibt die New York Times.

Die Zeitung führt die Verschwörungstheorie um Bill Gates und SARS-CoV-2 auf den 21. Januar 2020 zurück, als sie das erste Mal auf Twitter aufgekommen sei. Dabei sei die Rede von einem "Patent für Covid-19" des britischen Pirbright Institute die Rede gewesen, das von der Gates Foundation finanziert werde. In Wahrheit ging es in dem Patent um ein anderes Coronavirus, das Geflügel gefährlich werden kann. Die Website Infowars habe hingegen die Behauptung verbreitet, in dem Patent gehe es um das "tödliche Virus". Diese Falschinformationen seien von Februar bis April in sozialen Medien 1,2 Millionen Mal erwähnt worden und damit ein Drittel häufiger als die zweitmeist erwähnte Verschwörungstheorie, 5G-Funk begünstige die Verbreitung von SARS-CoV-2. (anw)


Aus: "Bill Gates im Fadenkreuz von Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern" Andreas Wilkens (17.04.2020)
Quelle: https://www.heise.de/newsticker/meldung/Bill-Gates-im-Fadenkreuz-von-Impfgegnern-und-Verschwoerungstheoretikern-4704369.html

Quotecookieray, 17.04.2020 13:50

Die Welt teilt sich nicht nur in arm und reich
Leider betrifft das auch die Bildung.

Die Welt wird immer komplizierter und immer wenige verstehen die Zusammenhänge. Das ist ein idealer Nährboden für Verschwörungstheorien, die mit einfachsten (Feind-)bildern und zurechtgebogenen Aussagen/Videoclips eine vermeintliche Erklärung bieten.

Leider wird man mit Hinweis auf Fakten oder gar den Original-Quellen auch sehr schnell aus den Blasen herausgeworfen oder per Filter geblockt. Ein Raum für offene Diskussion und Kritik wird oft nicht zugelassen.


QuoteLochkarte, 17.04.2020 13:05

Hätte mir vor 25 Jahren jemand erzählt, dass mir Gates noch mal sympathisch wird, ich hätte ihn für verrückt erklärt. Damals war ich SUN-User, und Gates war unser Feindbild.
Wie sich die Zeiten doch ändern.


QuoteUnderbreak, 17.04.2020 13:29

Impfgegner, Verschwörungstheroretiker und Trump-Anhänger...

Das passt wirklich zusammen. ...


QuoteNavid Khaled, 17.04.2020 14:34

Gates hat das Virus nicht geschaffen, die Katastrophe vielleicht schon
Das Virus ist nicht die Katastrophe, sondern der Umgang damit.

Und der wird noch eine langwierige Aufarbeitung benötigen.
Dann wird man sehen, inwieweit Bill Gates beteiligt war, Strukturen zu schaffen, die dann in erzwungene Panikreaktionen von Regierungen auf der ganzen Welt mündeten.

Es wird sicher versucht werden, diese Aufarbeitung zu verhindern oder Ergebnisse zu vertuschen.
Dann werden daraus eben "Verschwörungstheorien" gemacht. Ist doch bequem, denn einmal so bezeichnet, glauben fast alle daran, hinterfragen nichts und lassen sich manipulieren.


QuoteGently__ , 17.04.2020 14:42

Re: Gates hat das Virus nicht geschaffen, die Katastrophe vielleicht schon

Navid Khaled schrieb am 17.04.2020 14:34:

    Das Virus ist nicht die Katastrophe, sondern der Umgang damit.
    Und der wird noch eine langwierige Aufarbeitung benötigen.
    Dann wird man sehen, inwieweit Bill Gates beteiligt war, Strukturen zu schaffen, die dann in erzwungene Panikreaktionen von Regierungen auf der ganzen Welt mündeten.
    Es wird sicher versucht werden, diese Aufarbeitung zu verhindern oder Ergebnisse zu vertuschen.
    Dann werden daraus eben "Verschwörungstheorien" gemacht. Ist doch bequem, denn einmal so bezeichnet, glauben fast alle daran, hinterfragen nichts und lassen sich manipulieren.


Dann frage ich mal:

Welchen Zweck verfolgst Du mit diesem Beitrag?
Wirst Du bezahlt?
Cui Bono? Die gebeutelte Wirtschaft. Der sind die Toten ja egal? Wer sind denn Deine Hintermänner?
Warum hast Du Dich mitten in der Corona-Krise hier angemeldet (11.4.)?
Bezieh doch mal Stellung!


QuoteQuadratschädel, 17.04.2020 15:01

Re: Gates hat das Virus nicht geschaffen, die Katastrophe vielleicht schon

es sind schon zwei verschiedene dinge, gesellschaftliche mißstände anzuprangern, die zu einer verschlimmerung der situation massiv beitragen, z.b. kostendruck und monetarisierung im gesundheitssystem, zwei-klassen-medizin, fehlen von krankenversicherungen bei großen bevölkerungsanteilen in wohlhabenden gesellschaften (in ärmeren sowieso), mangelnde solidarität ggü. marginalisierten wie armen, schwarzen oder flüchtlingen, und die dafür schuldigen zu benennen, nämlich konservative und neoliberale politiker, wirtschaftsverbände und profitgierige investoren, oder jemandem vorzuwerfen, er würde einen krankheitserreger erschaffen, um die ganze welt in eine krise zu stürzen, aus der er als einziger als gewinner hervorgehen könnte. es ist nicht bill gates, der uns vorschreibt, wie wir zu leben haben. es ist nicht bill gates, der uns verpflichtet, windows zu nutzen und unsere krankenhäuser angreifbar zu machen. merke: wir leben in einem system, wo effizienz in profit gemessen wird. das trifft uns alle, daran sind wir alle gleichermaßen beteiligt, solange wir nichts ändern. und noch etwas: zum korrumpieren gehören immer zwei: einer, der bezahlt, und ein anderer, der sich bezahlen läßt.

auch wenn es noch so wichtig erscheinen mag, sich auf die suche nach schuldigen zu machen, ist doch viel wichtiger, die gesellschaftliche realität zu ändern und aus dieser krise zu lernen. die schuldigen sitzen auch in den eigenen reihen, mitten unter uns, und ich kann ihr höhnisches grinsen kaum mehr ertragen, wenn sie sich dafür loben, wieder einmal etwas verstanden zu haben und krankenschwestern und -pflegern einmalig 1500 euro zu bezahlen, ohne etwas an deren situation tatsächlich zu verbessern. DAS ist wirklich schlimm. diese verschwörungstheorien sind bloße ablenkungen, die zu nichts anderem nützen, als die verantwortung weiterzuschieben.


QuoteHarry_W, 17.04.2020 15:23

Natürlich ist Bill Gates an der weltweiten Verbreitung von Viren schuld ...

Wir reden hier im heise Forum doch über Computer, oder?


Quotekohorte, 17.04.2020 15:08

Ich liebe eigentlich YouTube

Das größte Manko ist aber leider, dass da fast jeder Trottel seinen eigenen Müll labern kann.
Dazu kommt das kritische oder unangenehme Kommentare vom Verfasser gelöscht werden können.
Leute die diese ,,Wahrheiten" oder Meinungen dann wiederum glauben, kommen nicht mehr aus Ihrer Blase heraus.


QuoteHörnchenkrümmer, 17.04.2020 19:09

Bildungsversäumnisse von Jahrzehnten können nicht in Wochen geheilt werden.
Exponentialfunktionen hat schon immer nur eine Minderheit verstanden. ...


Quoteaxmueller, 18.04.2020 14:17

Schlimmste Bedrohung Verschwörungs Paranoiker

Da man als Verschwörungs Paranoiker Vorstellungen anhängt die fernab jeder Überprüfbarkeit oder gar Beweisbarkeit liegen (das ist ja wesentlich), sind sie für mich Seelenverwandte religiöser Fanatiker. ...


QuoteTOP61, 18.04.2020 13:39

Seit nur noch wenige Flugzeuge über uns fliegen konnte natürlich auch das Beruhigungsmittel über die Chemtrails nicht mehr so weit versprüht werden. Jetzt sind halt alle am Durchdrehen!


Quotebazzo, 18.04.2020 22:28

Das sind alles keine Verschwörungstheoretiker sondern Wirrologen.


...

-

Quote[...] Bereits vor der Corona-Krise gab viele Gerüchte rund um diesen neuen Mobilfunkstandard 5G – erst seit ein paar Wochen kursiert die These, dieser würde angeblich die Erkrankung auslösen, wofür es laut WHO keine Belege gibt. Auch spricht gegen diese Behauptung, dass Covid-19 in einigen Ländern verbreitet ist, die beim 5G-Ausbau hinterherhinken – wie etwa Frankreich. In Großbritannien und den Niederlanden wurden deswegen bereits Mobilfunkmasten angezündet.

Eine Demo-Teilnehmerin bezeichnete sich und andere als "die Juden, weil wir wieder im Faschismus angelangt seien". Damals ging "man auf die los", nun seien Bürger, wie sie, an der Reihe. Eine Verharmlosung des NS-Terrors. Eine andere Dame wiederum vermutete die "Israeliten" hinter dem Virus. Die so Geld machen wollen. Zwischen den Antisemiten und Verschwörungstheoretikern waren auch Menschen zu finden, die die Wiederherstellung der Grundrechte, wie Versammlungsfreiheit, forderten.

Die Kundgebung wurde nach über zwei Stunden von der Polizei aufgelöst, die mit einigen Dutzend Beamten und Beamtinnen vor Ort war. Ein Mann wurde festgenommen, da er sich weigerte seinen Ausweis zu zeigen.

Am darauffolgenden Tag versammelten sich am Nachmittag rund 30 Menschen bei der Schwedenbrücke am Wiener Donaukanal, um erneut gegen die Maßnahmen der Regierung zu demonstrieren. Neben Aktivisten und Aktivistinnen, die schon am Vortrag dabei waren, gesellte sich auch eine Frau mit einem Aluhut zu der Gruppe. Sie "glaube nicht an das Coronavirus", erklärte sie. Dieses sei eine Erfindung der Medien und der Mächtigen. Den Aluhut, eigentlich eine um den Kopf gewickelte Alufolie, trage sie, damit sie "frei denken" könne.

Andere Teilnehmer warnten vor dem Impfen und der Einschränkung der Meinungsfreiheit. Allen war gemeinsam, dass sie die Maßnahmen der Regierung für überbordend halten. "Wo sind die tausenden Toten, von denen Herr Kurz gesprochen hat", fragte eine Frau. Sie betonte auch, dass Händewaschen ausreiche, um sich zu schützen.

Nach einer Stunde war auch dieser Aufzug vorbei. Auch in Deutschland sind in den vergangenen Wochen Verschwörungstheoretiker und Rechtsextremisten auf die Straße gegangen. (Markus Sulzbacher, 26.4. 2020)


Aus: "Mit Aluhut gegen Corona und die Regierung" Markus Sulzbacher (26. April 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000117120131/mit-aluhut-gegen-corona-und-die-regierung?ref=article

Quote
arambol

Noch nicht alles verloren. Was klar ist dass offenbar die Meinungsfreiheit noch immer besteht. Aluhut und Maske ist eine geile Kombination.


Quote
Rotes Käppchen

Jo mei, lasst's es spinnen. 200 Leute, von der Kerzschluckerin über den besorgten Verfassungsrechtler, den realitätsfern Paranoiden und den Kellernazi bis hin zum kompletten Hirnschüssler, haben demonstriert. Zwielichtige Gestalten mit Freunden im Mördermilieu haben zwielichtigen Medien Interviews gegeben.

Ich weiß nicht, warum mich das aufregen soll. Das ist doch eh der ganz normale Wahnsinn, und den muss unsere Demokratie aushalten.


Quote
sum ergo cogito

Ich glaube felsenfest, dieser Corona-Wahn ist eine perfide Werbekampagne einer mexikanischen Biermarke. Corona ist in aller Munde - und das weltweit. Trumps Werbeversuch für ein Bleichmittel ist hingegen kläglich gescheitert. Lag es am schlechten Geschmack?


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piet06

Aha, jeder der an einer Demonstration für Verfassung (!) und Bürgerrechte teilnimmt, oder sonstwie die Regierung kritisiert ist also ein Staatsverweigerer, ein Aluhut-Träger oder gar ein Rechter (=Nazi). Lieber Hr. Sulzbacher, das was sie im Bericht vorwerfen, tun sie selbst auch, nämlich Verharmlosung des Nationalsozialismus, weil bei ihnen jeder Andersdenkende gleich ein Nazi ist. Das was sie aber machen ist Faschismus in Reinkultur. Mit ihren Unterstellungen und Diskreditierungen Andersdenker unterscheiden sie sich jedoch auch kaum von den unseligen Gestalten aus dem vorigen Jahrhundert. Und das ist keine Verharmlosung, sondern die Wahrheit. 1938 wäre ich gerne und mit Stolz ein "Staatsverweigerer" gewesen.

... Bei jeder Demo werden mehr oder wenige einfach gestrickte Parolen geplärrt und bei jeder Demo erscheinen auch Typen, die man nicht so gerne dabei haben will. Deswegen wird die Demo nicht automatisch eine Anti 5G oder Impfgegner Demo. Man muss eine Demo nach ihrem Thema bewerten, in diesem Fall Verfassungsrechte. Dass bei solchen Demos immer ein paar Spinner dabei sind ändert daran nichts.


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Quote[...] Nach wie vor sorgen Fake-News, die vor allem auf Social Media, über Whatsapp und auf einschlägigen Websites veröffentlicht werden, für Verwirrung. Neben Gerüchten über eine verstorbene Impfstoff-Testperson oder andere Regeln für Muslime mehren sich auch Aktionen, die aufgrund von Falschnachrichten im realen Leben gesetzt werden.

Die Faktencheck-Plattform "Mimikama" ortet aktuell eine neue Eskalationsstufe bei Fake-News: "Angestachelt von Falschmeldungen und Mythen auf Social Media beginnt eine Welle der realen Gewalt, deren Rechtfertigung nicht evidenzbasiert ist", heißt es dort in einem kürzlich veröffentlichten Artikel. Die Plattform hatte in einer Analyse bereits Anfang April gewarnt: "In einer möglichen weiteren Stufe könnte eine Konkretisierung der Feindbilder stattfinden." Dies zeichne sich nun tatsächlich ab, wie es heißt.

Laut "Mimikama" häufen sich derzeit sowohl Sachbeschädigungen als auch Drohungen. So wurden in einigen Ländern nach Falschnachrichten zur Gefahr durch das 5G-Netz, das auf Social Media als Auslöser des Coronavirus gehandelt wurde, Brandanschläge auf Sendemasten verübt. Die britische BBC berichtete gar von Morddrohungen gegen Telekomtechniker.

Von 5G-Gegnern und Verschwörungstheoretikern wird behauptet, die chinesische Stadt Wuhan sei schon vor der Ausbreitung von Covid-19 mit 5G vollversorgt gewesen. Was nicht stimmt. Zwar gibt es 5G-Mobilfunkmasten in der Stadt, von einem Vollausbau ist sie jedoch weit entfernt. Dazu kommt, dass Viren sich nicht über Mobilfunk verbreiten können. Dazu hat sich nun sogar die Weltgesundheitsorganisation explizit geäußert: "Viruses cannot travel on radio waves/mobile networks. Covid-19 is spreading in many countries that do not have 5G mobile networks." Zudem spricht gegen diese Behauptung, dass Covid-19 auch in einigen Ländern verbreitet ist, die beim 5G-Ausbau hinterherhinken – etwa Frankreich oder der Iran.

Auch mehren sich in zahlreichen Ländern Demonstrationen gegen die Maßnahmen, wie zuletzt auch in Wien, wo eine Kundgebung von der Polizei aufgelöst wurde. "Mimikama" zitiert in Zusammenhang mit den Protesten die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die von einer Versammlung von Rechtsextremen, Reichsbürgern und Antisemiten berichtet, die gegen die Corona-"Lüge" protestieren. In Wien hatten sich vergangenen Freitag bis zu 200 Personen auf dem Helmut-Zilk-Platz hinter der Albertina versammelt, um gegen das Corona-Maßnahmenpaket der Bundesregierung zu demonstrieren. Zuvor hatte die Polizei die Kundgebung untersagt. Unter den Demonstranten waren unter anderem auch Impfgegner, Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme.

Eine Falschmeldung, die behauptet, dass nur Deutsche bei Verstößen gegen die Ausgangsbeschränkungen Bußgelder zu zahlen haben, thematisiert die Plattform "Correctiv": Demnach wurde aber genau das auf der Webseite www.einreich.de behauptet. Als angeblicher Beleg wurde ein Fall in Berlin geschildert, ohne den Kontext zu liefern. Behauptet wird zu einem Screenshot, auf dem mehrere Männer zu sehen sind, dass diese "straffrei" davongekommen seien und hier andere Regeln als für Deutsche gelten würden. Hintergrund: In Berlin hatten sich laut Polizei am 3. April während Gebetsrufen vor einer Moschee tatsächlich rund 300 Menschen versammelt. Dem Imam, dem Ordnungsamt und den Beamten "gelang es nur zum Teil, die Anwesenden zum Abstandhalten zu bewegen. Das Gebet wurde im Einvernehmen mit dem Imam vorzeitig beendet", schrieb die Polizei auf Twitter. Der Artikel von "Ein Reich" stellt den Vorfall jedoch als angeblich gezielten Aufruf zur Versammlung dar.

Auf "Correctiv"-Nachfrage schrieb die Polizei Berlin in einer E-Mail am 21. April, dass es sich nicht um eine geplante Versammlung gehandelt habe.

Auf Social Media verbreitete sich in den vergangenen Tagen das von der Website "News NT" stammende Gerücht, dass eine Testperson nach einer Impfung gegen das Coronavirus verstorben sei. "Mimikama" verweist auf einen Faktencheck von "Full Fact", der die Fake-News widerlegen konnte. Als Beweis veröffentlichte die Plattform ein Video eines BBC-Journalisten, das die angeblich verstorbene (und von "News NT" namentlich genannte) Testperson quicklebendig zeigt. "Bei den Webseiten und den Behauptungen zu dem Tod aufgrund des Impfstoffs handelt es sich um nichtseriöse Inhalte, die Falschmeldungen streuen und damit auf der Fake-Welle zum Coronavirus mitschwimmen", analysiert "Mimikama". (APA, sum, 29.4.2020)


Aus: "Fake-News und Verschwörungstheorien: Corona sorgt für neue Eskalationsstufe" (29. April 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000117181555/neue-eskalationsstufefake-bericht-ueber-verstorbene-impfstoff-testperson

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tablespace65

Aber es schaut leider schon so aus, dass sich Dummheit über Mobilfunkmasten verbreitet...


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warp.faktor

Die Haupt-Verschwörungs-Theorie fehlt!
Nämlich, dass durch den Lock-Down in Österreich mehr Menschen sterben würden, als durch den Virus selbst.


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Duffman__

Aus meiner Erfahrung sind die Unterstützer und Anhänger solcher Informationen aber zu 100% immun gegen Richtigstellungen und Faktenchecks. Im Gegenteil jeder einzelne Faktencheck befeuert noch das Gesamtbild der Weltverschwörung. Insofern leere Kilometer für Fake-news Widerleger.


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peterker

Ich wohne am Land. Bei uns sind's vor allem die esoterisch Hörigen, die dann mit diesen Verschwörungstheorien hausieren gehen. Ich glaube, vor allem in diesen ganzen esoterischen Weiterbildungsveranstaltungen werden die neuen Jünger so richtig indoktriniert. Die meisten sind dann Energetiker und es ist niemals nur eine singuläre VT:
Mit 5G können einen die Regierungen gezielt krank machen aber auch heilen. Impfungen sind sowieso superböse, wegen Nebenwirkungen, oder weil sie Föten brauchen um Impfstoffe zu erzeugen. Chemtrails kommen auch jetzt auch mehr und mehr. Natürlich will BigPharma uns das Geld aus der Tasche ziehen und nur deshalb werden sie alle mundtot gemacht. Sie selbst halten sich für die einzig wahren kritischen Leute, usw.


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encino

Mir sind diese Verschörungstheoretiker 1000 mal lieber als unsere verlogenen Regierung. Über die kann man wenigstens lachen.


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samron

Das paradoxe daran, diese Menschen halten sich für besonders kritisch und hinterfragen angeblich alles. Ihren Quellen, die haarsträubende Theorien aufstellen, glauben sie jedoch alles, ohne auch nur einen Hauch von Zweifel. Wie willst du dann mit solchen Menschen diskutieren und mit wissenschaftlichen Fakten kommen? Sinnlos...


QuoteCoroNew

Der Film "Idiocracy" ist schon lange nicht mehr Science Fiction...


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Gefrierflügelverpacker

Proteste und kritische Gedanken zum Thema Corona
durch die Blume als vornehmlich "rechtsextremes" Gedankengut von Spinnern abzuqualifizieren ist Propaganda der übelsten Sorte.
Dazu parallel in anderen Artikel die Regierungsmaßnahmen (zurecht) zu hinterfragen ist demnach ein Privileg, das nur "Leitmedien" zustehen darf wie es scheint.


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Demokratie noch möglich?

Hier im DerStandard Forum waren nicht wenige anzutreffen, die noch Mitte Feber laut und sehr selbstbewusst "achgeh, das ist nur a Erkältungs-Virus... schau mal auf die Statistik der Influenza-Toten".

Dieselbe Gruppe ist gar nicht so weit weg von der Ideologie der Verschwörungstheoretikern. z.B. die gutgebildeten Impfgegner (meistens Hippster- und Bobo-Eltern).
Sobald die Lage derzeit einigermaßen überschaubar ist und die Corona-Infizierten in der Statistik nun recht niedrig aufscheint, kommen diese nun aus allen Löchern gekrochen mit Argumenten: "Was für eine Frechheit diese Regierung....und wollen uns sehr bald einen Überwachungsstaat ala China installieren".

...


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Gentigan

Es ist für Unbedarfte im Moment gar nicht mehr so einfach zwischen Fake News / Verschwörungstheorien und der Wahrheit zu unterscheiden. Vieles was uns als Wahrheit von offiziellen Stellen verkauft wird, ist oft schon Tage danach wieder obsolet, oder war schlicht und ergreifend gelogen. Außerdem werden Tatsachen oft erst als Fake News abgetan, nur um dann Tage später, als Wahrheit präsentiert zu werden. Da verwundert es mich nicht, dass einige Menschen nun irgendwelchen Bauernfängern auf den Leim gehen.


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Das Gras wird gebeten, über die Sache zu wachsen!

Nur um einen Punkt völlig wertfrei richtig zu stellen:
Die 5G-Gegner glauben nicht, wie im Artikel (bewußt?) falsch behauptet, dass sich Viren über das 5G-Netz verbreiten, sondern dass die 5G-Strahlung das Immunsystem/die Zellen oder ähnliches im menschlichen Körper schwächt und ihn somit leichter empfänglich für Infektionen macht.
Ich selbst habe dazu keine Meinung.


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Helmut Wolff

"Unter den Demonstranten waren unter anderem auch Impfgegner, Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme."

Und?

Soll man also nicht mehr gegen die Maßnahmen der Regierung demonstrieren dürfen, weil es ein paar Verwirrte auch tun?
Motto: "Nur keine Kritik, denn Rechte, Imfpgegner und Verschwörungstheoretiker kritisieren ja auch."

Es gibt übrigens auch genügend Virologen, Epidemiologen, Juristen und andere Experten, die manche Maßnahme mittlerweile für überzogen bzw. verfassungswidrig halten.
Alles Impfgegner? Oder will man weiterhin jede Diskussion darüber durch den Vorwurf der Kontaktschuld unterbinden?


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Wahrsagesalbei

Natürlich darf man (also ich hoffe, Demonstrationsrecht ftw!). Aber die Zeitung darf auch berichten, dass da halt 90% Volldeppen dabei sind. Wenn die 10%, die durchaus vernünftige Gründe haben, sich zu den Idioten stellen, sind sie selber Schuld, wenn die Idioten dann erwähnt werden. Es gäbe sicher Mittel und Wege, die Verschwörungsmenschen draussen zu halten. Ein vernünftiger Protest muss halt geplant und organisiert werden.


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lord_helmchen86

"Unter den Demonstranten waren unter anderem auch Impfgegner, Verschwörungstheoretiker und Rechtsextreme."
UND LINKE!!!!!! das wird hier immer ganz gerne weggelassen wobei es schon ein seltsames bild ergibt wenn rechte u. linke gegen das selbe demonstrieren...


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Stefan4321

Ich sage schon seit 15 Jahren, dass wir ein Schulfach "Neue Medien" brauchen

Inhalt: Umgang mit neuen Medien
Das beinhaltet auch besonders, wie ich als kritischer Konsument zwischen seriösen und unseriösen Inhalten unterscheiden kann. Plötzlich wird so getan, als ob man nicht mehr fähig wäre, zwischen Fakten und blankem Unsinn zu unterscheiden. Als ob wir dumme, unmündige Affen wären.  ...


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Joachim Adamek

Hass und Gewalt erreichen in Krisenzeiten Spitzenwerte. Die Erkenntnis ist weder neu, noch sind die heftigen Reaktionen ein ganz neues Phänomen. Alle kennen den klassischen Sager "Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf". Extreme Krisen erzeugen extreme Ängste. Die Instinkte dominieren die Vernunft. Plötzlich ist das Vertrauen Futsch. Das Vertrauen in das schöne grosse Bild, das der Einzelne und die Gesellschaft in guten Zeiten von sich besitzt. Plötzlich werden sich die meisten bewusst, wie verletzlich das Leben ist. In guten Zeiten können wir sehr gut damit leben, dass unser Wissen sehr beschränkt ist. In der Krise macht das fuchsteufelswild. Am Ende wird dem Arzt der Tod des Patienten angelastet. Das ist, was wir gegenwärtig erleben.


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einerseits/andererseits

Wieso sind plötzlich alle, die gegen die Maßnahmen sind Verschwörungstheoretiker?

Es gibt genug Virologen, Epidemologen, Ärzte, etc., die nicht abstreiten, dass es ein neuwertiges Corona Virus gibt, nicht abstreiten, dass es (insbesondere für Risikogruppen) auch tödlich verlaufen kann und nichts mit Verschwörungstheorien am Hut haben, sondern ausschließlich einen sachlichen Umgang mit dem Thema fordern und eine angemessene Einschränkung unter Einbeziehung aller (verfügbaren) Daten. Wieso werden diese Leute gleichgesetzt mit Aluhutträger, die Mobilfunkmasten zerstören oder seit jeher rassistische Ideen verbreiten? ...


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Franz Freiherr von Sommaruga

Weil es leichter geht, einen Menschen zu diskreditieren als sachlich zu argumentieren ;)


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Sound Police

Ich kannte Bibelfanatiker (darunter waren studierte Physiker!) , die behaupten, die Welt wäre vor 10.000 Jahren in 7 Tagen entstanden. Wenn man sie auf C14 Methode und Skelettfunde hinweist, sagen sie, die wären vom Teufel eingegraben worden, damit wir in Versuchung kommen und vom Glauben abkommen.

Genauso ticken Verschwörungstheoretiker. Das, was ich als "Wahrheit" bezeichne, ist für sie eine Nebelgranate der Mainstream-Medien, die verbreitet wird, damit wir eigentlichen Wahrheit abgelenkt werden und leichter zu steuern sind.


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AltFreak

In den letzten Wochen hat sich die Freundesliste in meinem facebook-Profil deutlich reduziert. Irgendwie outen sich da Leute als Vollkoffer, von denen ich es vorher nie geglaubt hätte..und mir fehlt mittlerweile völlig die Geduld für Diskussionen, die eh nie was bringen. Ein wenig erinnert mich das an die Zeit der letzten Regierung. Und ich bin immer wieder erstaunt, daß sich bei den Verschwörungstheorien irgendwann früher oder später gewisse rechts/links/Esoterikfreaks treffen bzw. linke Bekannte verschwörungstheoriebedingt nach rechts abdriften und es nichtmal bemerken. Es scheint da einen gemeinsamen Idiotenpool zu geben.


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Lui.

So geht's mir schon seit 2015.


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sinnreich

Die Menschen sind wütend und nicht weil kolportiert wird, dass die erste Impftestperson verstorben ist, sondern weil viele ihre Arbeitsstelle verloren haben, weil sie vor dem finanziellen Ruin stehen,weil sie einsam sind, weil viele nicht wissen wie´s weiter gehn soll. Diesen Menschen in Bausch und Bogen zu unterstellen sie wären intellektuell minderbemittelt (Aluhutträger) oder rechtsextrem ist ebenso kleingeistig wie jeden Hysteriker als Denunziant zu bezeichnen. Die Bevölkerung hat genug davon von den Medien oder der Politik ständig in eine Gesinnungsschublade gesteckt zu werden. Menschen sind Menschen und sie sind vielfältig, Todesangst haben sie alle.


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UncleHo

Wie man's macht ist es falsch.
Quarantäne aufrechterhalten und Geschäfte zu lange geschlossen: mimimimi Bürgerrechte,. Mimimimi Frechheit
Dann werdens das lockern: mimimimi zu früh, mimimimi warum haben sich tausende nach der Lockerung neu angesteckt, die Regierung ist schuld mimimimimi

...


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Seltsamer Attraktor

Wenn die Menschen über mediale Regierungspropaganda wie Kleinkinder behandelt werden, dann verhalten Sie sich auch so.


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Only idiots and dictators hate liberalism.

Wissenschaft ist nicht demokratisch. Die Lichtgeschwindigkeit wird nicht im Parlament bestimmt. ...


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der-für-seine-Familie-kämpft

Auch wenn die Regierungen alles offenlegen würden, es gäbe genug Dumme und Rechte, die trotzdem Fakenews produzieren/glauben.
Wieder einmal gilt: wer nichts weiß, muss alles glauben!


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Chr. Hoc.

In diesen Zeiten muss man gut abwägen, wo für einen selbst die richtige Mitte liegt zwischen
Panikmache der selbstherrlichen Regierung auf der einen Seite und den verschwörungsaffinen geltungssüchtigen Querulanten auf der anderen Seite.


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mr. z

Ich finde die Thematik schwierig. Einerseits sind da schon viele Falschinformationen und "Aluhutträger" in Umlauf, andererseits finde ich es problematisch Demonstrationen und Kundgebungen zu verbieten. Wir müssen uns einen Umgang mit diesen Menschen abseits von Verboten überlegen, sonst wird sich dieser Graben der zwischen ihnen und der Restgesellschaft steht nur noch weiter vergrößern.


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MareTranquil

Wissenschaftler, 90er Jahre: "Wir haben ein Schaf geklont und einen Roboter auf dem Mars gelandet."
Wissenschaftler, heute: "Zum letzten mal, die Erde ist RUND!"


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Chromat

dieser artikel missrepresentiert denke ich die ansicht der meisten "verschwörungstheoretiker". dass viren nicht über elektromag. wellen übertragen werden kann ist den meisten klar. die bedenken richten sich dagegen, dass 5g das immunsystem des menschen derweit schwächen soll, dass der mensch anfälliger gegenüber viren wie covid ist. ich finde diese bedenken sind ernst zu nehmen, und gerade in einer gesundheitskrise sollte darauf verzichtet werden, eine potentielle neue gefahr für den mensch zu etablieren.
Dass in den meisten seriösen medien-plattformen alle kritische stimmen in den topf verschwörungstheoretiker geworfen werden ohne sich dann ernsthaft mit der ausgesprochenen kritik auseinander zu setzen schürt nur weitere verwirrung.


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Sflany

manche personen sind einfach so dermaßen dumm. wie kann man z.b. als einigermaßen vernünftig denkender mensch glauben, dass der virus über 5g übertragen wird. ich mein, da muss doch einiges im stübchen nicht passen.


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Chr. Hoc.

Das geht ganz leicht, nämlich wenn man keine Ahnung hat, wie das eine oder das andere funktioniert, und dann auch noch zu logischen Fehlschlüssen neigt. Das geht dann so.

Funktionsweise von Viren = Magic?
Funktionsweise von 5G = Magic?

Magic = Magic.

Viren = 5G.


...

Link

#62
Quote[...] Deutschland, Berlin, Samstag, der 25. April 2020, 15 Uhr 30 nachmittags. In Deutschland, Europa und der Welt herrscht die Pandemie und nicht mehr Politik, Wirtschaft, Reptilienwesen oder die internationale Hochfinanz. Oder doch und jetzt erst recht?

Schulen, Kitas, Restaurants, Theater, Kinos, Bars und auch sonst alles wurden geschlossen und werden langsam wieder geöffnet, der Sommerurlaub wurde verboten, ab Montag herrscht Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln Berlins. Ich gehe die Schönhauser Allee hinunter. Da vorn, am Rosa-Luxemburg-Platz, sieht und hört man sie schon, die Menschenmenge. Ich bin unterwegs zur ,,Nicht ohne uns"- Demo, die sich gegen die Einschränkung bürgerlicher Freiheitsrechte im Namen von Corona richtet und sich auf das Grundgesetz beruft.

Das erste Gefühl ist Angst. Ich gehe zu einer ungenehmigten Demo, zu einer Menschenansammlung, ich begebe mich in einen Infektionsherd, ich werde das Gesetz brechen. Was, wenn ich mich anstecke? Was, wenn ich jemanden anstecke? Was, wenn jemand mich erkennt? Was, wenn sie mich verhaften? Aber ich bin Vertreterin der Presse, ich bin die vierte Gewalt. Ich darf dorthin, ich muss dorthin, es ist meine Pflicht.

Ich spüre nicht nur Angst, sondern auch dieses Kribbeln. Wie damals in den 90ern, als es ,,Heraus zum revolutionären Ersten Mai!" in Kreuzberg ging. Dieses diffuse Dagegensein, diese diffuse Wut. Aber auch Jungsein, Freunde treffen, Bier trinken. Und darauf warten, dass sie irgendwann Tränengas schießen und man rennen muss.

Aber ich bin nicht mehr jung, ich bin alt, oder höflich gesagt: erwachsen. Solche Assoziationen schicken sich nicht. Auf den letzten Metern setze ich mir die Atemschutzmaske und die Sonnenbrille auf. Ich will auf keinen Fall gegen das Infektionsschutzgesetz verstoßen, ich will auf keinen Fall erkannt werden, denn ich begehre, nicht schuld zu sein. Dann bin ich da. Die Rosa- Luxemburg- Straße ist mit rot-weißen Gittern versperrt. Davor treten sich Menschen auf die Füße. Ich gehe mittenrein. Fühle mich seltsam, so komplett verschleiert, mit Mundschutz und Brille, bin aber dadurch unsichtbar. Ich schwebe so hindurch, bemüht, nirgendwo anzustoßen, aber auch: niemandem zu nahe zu kommen.

Das sei eine Querfront-Demo, habe ich gehört. Linke Linke und rechte Rechte würden sich hier mischen, angeblich für das Grundgesetz, aber in Wirklichkeit für Verschwörungstheorien und gegen die Regierung, und eigentlich seien das antidemokratische Nazis und so weiter. Ja, die Rechten. Auch wie ein Virus. Unsichtbar, unberechenbar, gefährlich, ansteckend. Ich schwebe herum, von hier nach da nach dort, und sehe, es sind alle da. Jung, alt, Punk, Normalo, welche mit Kindern, Männer, Frauen jeden Alters. Hippies und Spießer, schwarzer Block und tätowierte Lichtenberg-Hools. Sie alle stehen irgendwie ratlos, um die Polizeibarrieren herum. Der Platz vor der Volksbühne ist ringsherum abgesperrt.

,,Wenn wir nicht auf den Rosa-Luxemburg-Platz dürfen, demonstrieren wir eben hier", sagt eine Frau. Stimmt. Ich verstehe den Sinn der Absperrungen auch nicht ganz. Ich laufe durch die Nebenstraßen, suche einen Zugang; bin, wie alle eigentlich, auf der Suche nach einem Kondensationspunkt. Manchmal bildet sich einer, manchmal passiert was. Dann fängt einer laut an zu reden und man schart sich um ihn. So sind die Menschen, denke ich, man kann es hier genau beobachten, sie wollen hören und folgen. Ich könnte jetzt laut irgendwas reden und hätte sofort Zuhörer.

Ich könnte jetzt und hier eine Bewegung gründen. Aber was denn für eine?

Vor der geschlossenen Bar 3 steht die Antifa und jemand wettert durchs Megaphon gegen die Demoveranstalter. Sie hätten sich bisher überhaupt nicht von Ken Jebsen und der AfD distanziert. ,,Doch!", ruft einer dazwischen. ,,Alerta alerta, Antifaschista!" wird in Sprechchören gerufen. Eine blondierte Frau mit Handy auf Selfiestick filmt die Szenerie und wird verscheucht. Als ich mich entferne, um wieder Richtung Rosa-Luxemburg-Platz zu gehen, spricht mich ein Mann an. Er mag um die 50 sein, seine Augen sind weich und verletzlich. Er hätte erst gestern Nacht von der Demo erfahren. Ich solle mir die KenFM Folge auf YouTube über Meditation ansehen. Besonders den zweiten Teil. Es sei sehr sehr wichtig.

,,Ja, mache ich, auf jeden Fall", antworte ich und wünsche ihm alles Gute. Wozu sollte ich mich mit ihm streiten? Ich will, dass er klar kommt, dass er heil aus der Sache rauskommt. Er tut mir leid, mit seinen sanften, manischen Augen.

Dann sehe ich die Blondierte am Absperrgitter am Ende der Linienstraße zur Rosa-Luxemburg-Straße hin wieder. Sie sagt im Gespräch zu Umstehenden: ,,Die Antifas werden bezahlt, mit kostenlos Bier, und überall hingekarrt. Das war in der Flüchtlingskrise schon so."

,,Jaja", antwortet ihr einer. ,,Wer nicht dem Mainstream folgt, ist rechtsextrem."

Am Rande der Linienstraße und an vielen anderen Orten in der Gegend sitzen Menschen mit geschlossenen Augen auf dem Boden. Im Schneidersitz, oft mit Kopfhörern auf und die Hände meditativ gefaltet. Vor oder neben sich das Grundgesetz, oder ihren Pass, oder nur eine kleine Kerze. Sie nehmen teil an der ,,Mahnwache für das Grundgesetz", welche als friedlicher Protest auf der ,,Nicht ohne uns"-Webseite propagiert wird.

Die mag ich irgendwie. Überhaupt bin ich plötzlich so gerührt. Sie und all die anderen hier, ob links, ob rechts, ob wirr, ob mit Durchblick. Sie demonstrieren gegen ein Virus! Gegen die Natur! Ich kann sie so gut verstehen. Aber es ist auch irgendwie kindlich. Obwohl, wenn wir ALLE zusammen aufstehen und die Regierung stürzen, vielleicht wird Corona davon verschwinden? Ich will mir das schöne Gefühl bewahren und lese lieber nicht so genau, was auf den Transparenten steht. Oder doch. Ich muss ja, es ist meine Pflicht.

,,Gebt Gates keine Chance", ,,Die Würde des Menschen ist unantastbar", ,,Frau Merkel, was geht hier vor? Frau Merkel, Corona ist es nicht!"

Ich würde lieber nicht so genau hinhören, was die Leute miteinander reden. Aber deswegen bin ich schließlich hier und ich darf meine Gesundheit doch nicht umsonst aufs Spiel setzen. Was soll schon passieren? Die Stimmung ist freundlich. Menschen kommen miteinander ins Gespräch.

,,Jetzt kommen sie hier an, mit ,Schweden hat die höchste Sterblichkeitsrate'. Übrigens, ich bin der Johannes." Ein Rentner mit Fahrrad steht mit einem jüngeren Mann zusammen. ,,99 hamse Aluminium jesprüht", sagt der Rentner. Von der Torstraße her kommen plötzlich Rufe: ,,Wir sind das Volk!" Ist da was los? Ich eile hin. Eine Gruppe intoniert: ,,Die Gedanken sind frei."

Wer hat denn was anderes behauptet, um Gottes Willen?

,,Wir brauchen nur bis an die Membranen ran, wir müssen nicht eskalieren", sagt ein schwarz gekleideter Typ, der mit weißer Kreide ein Viereck um sich herum auf den Boden gemalt hat, und der genau an der Ampel steht, da wo sich alle drängen, die über die Torstraße gehen möchten. ,,Abstand!", ruft er jedem zu, der aus Versehen in das weiße Geviert tritt.

Oh, wie dünn ist das Eis heutzutage! Das sind nicht alles Rechte oder Linke. Das sind Verwirrte, Ängstliche, die ein Ventil brauchen und deswegen hier sind. Geht es uns nicht allen so, in diesen Zeiten? Aber jetzt brauche ich auch ein Ventil. Ich muss hier raus. Schnell weg, ab ums Eck. Ich reiße mir den Mundschutz vom Gesicht, schiebe mir die Brille ins Haar und werde wieder zum Menschen.

In der Neuen Schönhauser Straße wartet die Freiheit auf mich. Alle Läden haben geöffnet. Dicht an dicht stehen sie auch hier. Nicht um zu demonstrieren, sondern um zu shoppen. Ich reihe mich vor dem Szenebäcker ein und hole mir das Hausbrot und einen Latte Macchiato im Pappbecher. Shopping ist Leben. ,,Ich will kein Corona mehr, ich will den Klimawandel zurück!", möchte ich laut rufen. Ich will das alles nicht mehr. Ich will Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – und nie wieder Pandemie! Vielen Dank, bitte bleiben Sie krank.


Aus: "Bitte bleiben Sie krank!" Ruth Herzberg (27.04.2020)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/bitte-bleiben-sie-krank

Hier schreibt Ruth Herzberg
https://frauruth.de/

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"Budjonnys unhygienische Reiterarmee - Beobachtungen während der letzten ,,Hygiene-Demos" vor der Volksbühne in Berlin"
von Gerhard Hanloser
https://wolfwetzel.de/index.php/2020/05/02/budjonnys-unhygienische-reiterfarmee-beobachtungen-waehrend-der-letzten-hygiene-demos-vor-der-volksbuehne/


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"Jenseits von Gesundheitsnotstand und Verschwörungswahnsinn" 25. April 2020 (Peter Nowak)
Die Entwicklung eines Künstlerprotests am Rosa-Luxemburg-Platz zeigt, dass verbale Abgrenzung nicht ausreicht, um Rechte von Protesten gegen den autoritären Staat fernzuhalten
"Es herrscht Willkür in Schland. Die Polizei versucht mit massiver Präsenz weniger das Kontaktverbot zu kontrollieren, als den öffentlichen Raum zu leeren", so beschrieb Thomas Moser an dieser Stelle (Wenn Demonstranten zu "Gefährdern" erklärt werden) die staatliche Reaktion auf die erste "Hygienedemonstration" der Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand am 28. März. Vier Wochen später heißt es in dem antifaschistischen Online-Magazin Blick nach rechts:
   " ...  Eine Allianz aus Rechtsextremisten, Verschwörungsgläubigen, Rechtsesoterikern, "Reichsbürgern" und Impfgegnern geht angesichts der Corona-Krise auf die Straße, angeblich um für den Erhalt des Grundgesetzes zu demonstrieren. Vieles erinnert an Querfront-Bestrebungen zu Zeiten der "Mahnwachen-Bewegung" 2014. Epizentrum der neuen Proteste aus dem unübersichtlichen Spektrum zwischen Links- und Rechtsaußen ist der Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. Hier versammeln sich seit vier Samstagen immer hunderte Menschen. ..."
    Michael Klarmann, Blick nach rechts
Wie konnte es passieren, dass innerhalb weniger Wochen aus einer Kundgebung gegen autoritäre Staatlichkeit eine rechtsoffene Veranstaltung geworden ist? ...
https://www.heise.de/tp/features/Jenseits-von-Gesundheitsnotstand-und-Verschwoerungswahnsinn-4709749.html?seite=all

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Quote[...] Der Trick ist so alt wie wirksam. Wer sich mit seinen Argumenten in einer Minderheit befindet, verdächtigt oft finstere, unsichtbare Mächte, die Mehrheitsposition mit unlauteren Methoden zu unterstützen.

Zu diesen finsteren Mächten zählen angeblich gleichgeschaltete Medien, die eine unkritische Öffentlichkeit systematisch manipulieren. Die Meinungen Andersdenkender würden verschwiegen. Dies vorausgesetzt wird das Vortragen der eigenen Meinung als mutiger Widerstandsakt gegen eine allgegenwärtige ,,Political Correctness" geadelt.

Denn die Pose des Tabubrechers, der allein der Wahrheit und dem Recht auf Redefreiheit verpflichtet ist, verheißt Prestigegewinn. Nach diversen Mottos: Allein gegen alle. Hier stehe ich, ich kann nicht anders. Viel Feind', viel Ehr'. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen.

Als der Historiker Ernst Nolte im Juni 1986 den Historikerstreit vom Zaun brach, sagte er: ,,Wahrheiten willentlich auszusparen, mag moralische Gründe haben, aber es verstößt gegen das Ethos der Wissenschaft."

Als Martin Walser im Oktober 1998 seinen Widerwillen gegen die Erinnerung an Auschwitz vortrug, leitete er das mit der Formulierung ein ,,sage ich vor Kühnheit zitternd".

Auch Eva Hermann (2007) und Thilo Sarrazin (2010) inszenierten sich nach Veröffentlichung ihrer antifeministischen und antimuslimischen Bücher als Opfer von partei- und medienübergreifenden Inquisitionen.

Umfassend hat diese Dynamik die Germanistin Melani Schröter in ihrem 2015 erschienenen Essay ,,Sagen oder nicht sagen? – Der Tabu-Vorwurf als strategische Ressource im öffentlichen Diskurs" analysiert.

Kurze Zeit nach dieser Publikation, während der von Angela Merkel verantworteten Flüchtlingspolitik, entfaltete das Geraune über Einschränkungen der Meinungsfreiheit und eine manipulative ,,Lügenpresse" neue Wucht.

Davon profitierten sowohl Pegida als auch AfD. Deren These: Eine ,,linksgrünversiffte Presse", zusammen mit dem ,,staatshörigen" Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk, verhindere eine breite, kritische Debatte.

[Mehr zum Thema: Es braucht Raum für Rede und Widerrede - Zweifler an den Corona-Maßnahmen sind noch keine Verschwörungstheoretiker]

Nun wird der Vorwurf erneut laut, diesmal im Zusammenhang mit der deutschen Coronapolitik. Bei sogenannten Hygienedemos steht auf Plakaten: ,,Coronalüge – informiert euch!!!"

Der Staat habe sich mit Pharma- und Digitalkonzernen verbündet, um die Demokratie abzuschaffen, heißt es. Die ,,Maskenpflicht" sei der Beginn einer ,,Neuen Weltordnung". Bill Gates wolle die gesamte Menschheit impfen lassen.

Das ist die offensive Variante der Das-muss-mal-gesagt-werden-Pose. Die defensive Variante kommt subtiler daher. Ihre Vertreter eint ein diffuses Unbehagen über die massiven wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Coronapolitik.

Aber sie scheuen sich, konkrete Alternativen vorzuschlagen. Stattdessen fordern sei eine breite Debatte über Alternativen, was suggerieren soll, dass es eine solche Debatte nicht gibt. ,,Das ist keine Debatte. Das ist Manipulation!", schrieb ein Kommentator in der ,,Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Doch natürlich gibt es die Debatte. Es kennzeichnet die Coronapolitik, dass über alles diskutiert wird. Über deren Folgen, den Wert des Lebens, die Dauer eines Lockdowns, die Freiheitsrechte, das Modell Schweden, das Modell Südkorea, die drohende Rezession. Nichts wird ausgespart.

Auf Talkshow folgt Talkshow. Politiker, Ökonomen, Virologen, Sänger und Schauspielerinnen kommen zu Wort. Und wenn die Bundeskanzlerin vor ,,Öffnungsdiskussionsorgien" warnt, dann ist auch das nur eine Meinung unter vielen, die gehört oder ignoriert werden kann. Mehrere Ministerpräsidenten gehen bereits eigene Wege.

Daher ist es ganz einfach: Wer auch immer eine offene und ehrliche Debatte über die deutsche Coronapolitik vermisst, soll sie gefälligst führen. Niemand hindert sie oder ihn daran. Keine Autorität, keine Zensur. Die Presse ist frei und unabhängig, die Volksvertreter sind ihrem Gewissen verpflichtet. Eine Neuauflage der Tabubruchs-Rhetorik braucht keiner.


Aus: ",,Das wird man ja wohl mal sagen dürfen": Der fehlgeleitete Furor der Corona-Kritiker" Malte Lehming (04.05.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/das-wird-man-ja-wohl-mal-sagen-duerfen-der-fehlgeleitete-furor-der-corona-kritiker/25797158.html

Quotenobuddy 15:53 Uhr
Das Problem bei solchen Debatten ist ja, dass sie von seiten derer, die sie vehement fordern, nicht gelingen kann.
Sehr viele die eine solche offene Debatte mit Vehemenz fordern, wollen nur eine Bestätigung ihrer Meinung. Ob sie abwegig ist oder nicht, ob sie auf Fakten Basiert oder nicht.
Jeder, der eine andere Meinung vertritt oder diesen Menschen mit Fakten gegeüber tritt, ist Teil eine universellen Weltverschwörung und will nur die armen wahrheitsliebenden Menschen unterdrücken.
Auf dieser Grundlage ist ein produktiver Disput gar nicht möglich. Denn alle Argumente, welche die eigene Ansicht nicht bestätigt, gehöhren ja zur Weltverschwörung. Schon die einfache Frage: "Wem nutzt es?" wird mit kruden Theorien begegnet, die mit der Realität nicht konform gehen.
Beispiel: Weltuntergang zum Ende des Mayakalenders. Nun ist die Welt doch nicht untergegangen, also haben sich die Weltunterganler eben einen neuen Termin auserkohren. ... Man muß natürlich bereit sein, Argumente zuzulassen, sie zu verarbeiten und, wenn für gut befunden, auch in die eigene Anscheuung und Argumentation zu integrieren. Ich dachte auch, Corona ist wie eine normale Grippe, Bis es in anderen Ländern total ausartete. Der Unterschied zwischen denen, die das miteinrechnen und jenen die das verweigern ist nur der Realitätsbezug. Wenn der Gegenüber die Realität verweigert, kann man erzählen was man will. Bringt nichts!


QuoteMrDoe 15:14 Uhr

Es ist jetzt anscheinend der Punkt gekommen, vor dem einige bereits zu Beginn der Coronakrise gewarnt hatten:
Diejenigen, die den Kurs bisher vorgegeben haben, können sagen: Seht her unsere Maßnahmen funktionieren, es ist nicht so schlimm gekommen.
Und die Zweifler sagen: Seht her so schlimm ist es doch gar nicht gekommen, die Maßnahmen waren unnötig.
Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir an diesem Punkt sind und es nicht auf Italienische oder New Yorker Verhältnisse herausgelaufen ist. ...


Quotepipeline 15:02 Uhr

    Wer auch immer eine offene und ehrliche Debatte über die deutsche Coronapolitik vermisst, soll sie gefälligst führen. Niemand hindert sie oder ihn daran. Keine Autorität, keine Zensur. Die Presse ist frei und unabhängig, die Volksvertreter sind ihrem Gewissen verpflichtet. Eine Neuauflage der Tabubruchs-Rhetorik braucht keiner.

Oh oh. Sämtliche Demonstranten als Hygienekritiker oder Verschwörungstheoretiker abzustempeln, finde ich wenig hilfreich. ...


Quotederdasowo 14:39 Uhr

Leider zeichnet sich die öffentliche Debatte darin aus, nur die Statistiken und Quellen zu bemühen, welche den eigenen Standpunkt stärken.
Das trifft sowohl auf die Seite der "Freiheitsrechtler", als auch auf die Befürworter der "Virusaustrocknung" zu.
Und jeder, der sich dazwischen aufhält, wird entweder in die eine, oder andere Richtung gedrängt.
Zwischendrin ist auch die Presse mit ihren provokanten Schlagzeilen. Mal bekommt das eine Lager Futter, mal das andere Lager.
Oder wohin wollte uns heute eine andere TS-Schlagzeile leiten ?
"25.100 Tote bei Grippewelle 2017/18 Die ignorierte Katastrophe"

Das ist doch genau das Futter für die Teilnehmer von Hygiene-Demos.


QuoteAdur 14:28 Uhr

Na ja, ich zähle mich jetzt ganz bestimmt nicht zum Lager derjenigen, die eine große Verschwörung unter Abschaffung fast aller Rechte und der totalen Auslieferung an den Impfstoff von Bill Gates wittern.
Aber es mutet schon bedenklich an, wenn ausgerechnet eine Kanzlerin "Öffnungsdiskussionsorgien" vermeiden will statt solche Diskussionen von sich aus zu begrüßen und zu fördern. Oder wenn ihr Kanzleramtsminister mal eben sinngemäß raushaut, dass die Gerichte gefälligst so entscheiden sollen, wie es ihm in den Kram passt. Und ich ahne schon heute, dass der Herr Söder sich am Mittwoch wieder hinstellen wird und erklärt, dass ihm alle Lockerungen schon zu weit gehen und dass aber trotzdem alle nach Bayern in den Urlaub kommen sollen.
Ich glaube, es ist extrem wichtig, dass (sachlich) über EInschränkungen und Lockerungen gestritten wird. Und ehrlich gesagt finde ich manche panischen Forderungen nach erweiterung oder sogar Verschärfung von Maßnahmen dann mindestens genauso dämlich wie einige Argumente der "Corona-Verschwörer".


QuoteSaebelzahnbiber 13:47 Uhr

Ich bin noch unschlüssig

Was bin ich denn, wenn ich die Existenz des Coronavirus nicht leugne und auch eine Pandemie nicht leugne, aber der Meinung bin, dass die getroffenen Maßnahmen weit über das Ziel hinausschießen und das herbeigeschrieene Bedrohungsszenario für stark übertrieben halte. Insbesondere bei Betrachtung anderer "alltäglicherer" Gefahren, die wir in der Vergangenheit billigend in Kauf genommen haben. Außerdem befürchte ich, dass die aktuellen "there is no alternative"-Maßnahmen eine wunderbare Blaupause darstellen für verfassungsfeindliche Elemente, ihre Ziele maskiert als "Gesundheitsmaßnahmen" durchzusetzen. Nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft.


QuoteDragonfighter 14:17 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Saebelzahnbiber 13:47 Uhr
Sie formulieren Ihre Zweifel einigermaßen sachlich und ohne Anklang von Verschwörungstheorien.

Das "herbeigeschrieene Bedrohungsszenario" ist allerdings eines, das alle namhaften Wissenschaftler/innen (insbesondere Virologen und Epidemiologen) für sehr realistisch halten. Von daher stellen Sie sich mit ihren Zweifeln ein Stück abseits vom Stand der Wissenschaft.

Sie begründen Ihre Zweifel am Bedrohungsszenario auch nicht, sondern begründen nur, warum Sie die Konsequenzen für gefährlich halten, was aber ja leider nichts am Bedrohungsszenario an sich ändert. Vermutlich können Sie ihre Zweifel auch gar nicht mit Argumenten untermauern, dann dafür fehlen Ihnen (wie auch mir) schlicht das Fachwissen für die Beurteilung der Pandemie.


QuoteDragonfighter 14:17 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Saebelzahnbiber 13:47 Uhr
Sie formulieren Ihre Zweifel einigermaßen sachlich und ohne Anklang von Verschwörungstheorien.

Das "herbeigeschrieene Bedrohungsszenario" ist allerdings eines, das alle namhaften Wissenschaftler/innen (insbesondere Virologen und Epidemiologen) für sehr realistisch halten. Von daher stellen Sie sich mit ihren Zweifeln ein Stück abseits vom Stand der Wissenschaft.

Sie begründen Ihre Zweifel am Bedrohungsszenario auch nicht, sondern begründen nur, warum Sie die Konsequenzen für gefährlich halten, was aber ja leider nichts am Bedrohungsszenario an sich ändert. Vermutlich können Sie ihre Zweifel auch gar nicht mit Argumenten untermauern, dann dafür fehlen Ihnen (wie auch mir) schlicht das Fachwissen für die Beurteilung der Pandemie.
Berlin-Marc 14:20 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Saebelzahnbiber 13:47 Uhr
Dann sind Sie lediglich bzw. zum Glück ein kritisch-denkender Bürger. So wie es uns im Bachelor und Masterstudium immer und immer wieder von den Profs eingetrichtert wurde. "Denken Sie kritisch".
Kritisch denken heißt aber nicht krude Verschwörungstheorien zu streuen. Ich halte viele Leute auf der z.B. Hygienedemo für so "intelligent", dass sie ganz genau wissen was für einen gefährlichen Mumpitz sie ins Volk streuen. Warum tun sie das? Diese Frage kann ich nicht beantworten.


Quoteeismann872 13:33 Uhr
Schön, dass der Tagesspiegel wieder verschiedene Meinungsansätze darstellt.

Vor fünf Wochen sah das allerdings anders aus und die Regierungspolitik war vor lauter Panik auch hier alternativlos. Aber wen interessiert schon sein Geschwätz von gestern.


QuoteDeutschertroll 13:00 Uhr

Menschen sind immer undankbare Wesen; anstatt zu feiern, dass wir nicht solche Bilder erleben und ertragen mussten, wie z.B. die Italiener, die Spanier, die Bürger von New York, ziehen wir erstmal über diejenigen her, die uns so straff bei den Zügeln nahmen, dass wir das nicht erleben mussten. Schon zu Beginn der Krise erwähnten viele, es wird die Zeit kommen, wo es nur noch um Schuldige geht. Nun geht's los. Die Netzwerke voller Schlaumeier, die vorher ja auch an Marsmännchen glaubten, wir haben Millionen Hobby-Virologen - es gibt ja kaum noch jemanden, der nicht schlauer ist. Unser Glück dürfte aber auch sein, dass solche geistigen Tiefflieger nicht in unserer Regierung sitzen. Und die Opposition, na, die traut sich jetzt auch aus der Deckung, Verantwortung musste sie ja nicht tragen und kann ihre Klugscheißerei nun auch verkünden. Das ist in einer Demokratie so und geht's vielleicht im Herbst so richtig an die Wand, weil die Grippewelle dazu kommt - tauchen die Klugscheißer erstmal wieder ab ...


Quoteharmuth192 12:54 Uhr

Alle die der Meinung sind, die Maßnahmen der Regierung sind gerechtfertig können ja gerne zuhause bleiben.
Ich für meinen Teil bestehe(!) kompromisslos auf meinen Grundrechten.
Niemand darf mir sagen wo, wann und was ich zu sagen habe. Ich lasse mich auch in meiner Freizügigkeit nicht beschränken. Wo sind wir denn? Hatten wir nicht genug davon in den Zeiten von 33-45 und 49-89?
Wenn die Polizei Menschen verhaftet, weil Sie das Grundgesetz herzeigen oder einfach nur Ihr Recht auf visuellen Protest wahrnehmen, dann ist hier etwas gewaltig falsch im Land.
Man kann über die Aussagen der Demonstranten geteilter Meinung sein, aber was da an Bildern seitens Polizei produziert wird, steht einem Rechtsstaat in keinster Weise gut zu Gesicht.
Ich hoffe, dass jeder einzelne Polizist der sich an solchen Aktionen beteiligt im Rahmen seiner persönlichen Verantwortung als Beamter für seine individuallen Handlungen voll umfänglich zu Rechenschaft gezogen wird. Jeder Bürger hat das Recht, die individuelle Polizei-ID des jeweiligen Beamten ausgehändigt zu bekommen. Nicht zu verwechseln mit der Rückenummer, sondern die ID als Visitenkarte.
§63 Bundesbeamtengesetz gilt.
Punkt!


Quoteyoda 13:18 Uhr

Antwort auf den Beitrag von harmuth192 12:54 Uhr

Sie machen hier einen auf Trotzkopf. Das ist bestimmt die Sprache, die das Virus versteht. ...


QuoteNancyAyram 14:21 Uhr

Antwort auf den Beitrag von harmuth192 12:54 Uhr

Solche Jungs wie Sie machen mir wirklich Angst. Da spricht eine Selbstgerechtigkeit und ein Narzissmus aus Ihren Worten, echt gruselig. ...


QuoteZweites_Ich 15:32 Uhr

Antwort auf den Beitrag von harmuth192 12:54 Uhr

    Niemand darf mir sagen wo, wann und was ich zu sagen habe.

In welcher Branche arbeiten Sie?


QuoteReinhardtGutsche 12:45 Uhr

Der Topos "Corona-Kritiker" ist ebenso sinnvoll wie "Wetter-Kritiker"


QuoteBoandlgramer 12:25 Uhr

Mir scheint das Problem eher zu sein, dass einem erheblicher Teil schlichtweg naturwissenschaftliche Bildung fehlt - da offenbaren sich die Schwächen des Bildungssystems.
Die wahrscheinlichste Annahme ist nicht deswegen weniger wahrscheinlich, weil andere Annahmen denkbar sind. So werden Restunsicherheiten eines Befundes als Falsifikation desselben missbraucht. Ockhams Rasiermesser...
Klima, Migration, Corona... stets das gleiche Spiel.


Quotesiggi2016 12:16 Uhr

Am Ende bleibt, dass jeder kritisch denkender Mensch mit irgendwelchen Vögeln, da werden dann Hermann und Sarrazin  ausgegraben um das zu rechtfertigen, gleichgesetzt wird. Das übliche Vermengen.

Und was ist denn überhaupt ein "Corona-Kritiker"? Ein selten, sorry, dämlicher Begriff.
Und es gibt eben keine ehrliche Debatte. in den angesprochenen Talkshows sehen wir immer die selben, die seit zwei Monaten immer dasselbe sagen.

Gibt es eine Debatte darüber, dass in Deutschland gerade einmal 82 von 1.000.000 Einwohnern in Zusammenhang mit Corona verstorben sind?
Wird nach der tatsächlichen Todesursache wirklich "gefahndet", danach gefragt?

Wird endlich gefordert ALLE Verstorbenen zu obduzieren?
Wie viele sterben durch falsche Beatmung, zu frühe Intubation, an Infektionen dadurch?

Ungefähr jeder achte Patient auf den Intensivstationen sowie über 10.000 COPD Patienten jährlich sterben hierzulande unnötigerweise, weil sie nicht optimal beatmet werden.
Wie hoch sind in den Ländern die aktuellen Todeszahlen bei Krankenhauskeimen generell?

EU 33.000 Tote pro Jahr durch resistente Keime

Welche Rolle spielt das Wetter (auch interessant wg Russland, wo der Frühling erst jetzt beginnt).

Habe keine Lust alle meine Fragen, die ich von Anbeginn hatte zu wiederholen. Es gibt die Antworten nicht. Alles wird auf Beschränkungen und Maßnahmen, willkürlich festgesetzte Faktoren und Berechnungen (die auf Schätzungen basieren) heruntergebrochen - Todschlagargumentation pur und immer wieder.

Und genau dadurch werden die Verschwörungstheoretiker und andere Durchgeknallte langsam mehr, aber auch "normal" denkende Menschen, die bei diesen geringen Fall- und speziell Todeszahlen ins Zweifeln kommen und die Corona-Politik, nicht Coronas, kritisieren.


QuoteUrbanJazz 12:45 Uhr

Antwort auf den Beitrag von siggi2016 12:16 Uhr
Ihre Argumente sind bekannt, Sie sehen, es wird auch gelesen.
Jetzt würde mich aber Ihr Vorgehen, Ihre Strategie interessieren. Haben Sie außer Zweifel zu schüren etwas zur Lösung beizutragen?
Und im Nachgang den Lockdown als Fehler darzustellen, funktioniert nicht. Mindestens die gleiche Plausibilität hat es nämlich, die Tatsache, dass Deutschland bisher gut durchgekommen ist, als Erfolg des Lockdown zu sehen.
So und wie soll es jetzt weitergehen? Wie soll die "Corona-Politik" ab heute aussehen?


QuoteEispickel 12:55 Uhr
Antwort auf den Beitrag von siggi2016 12:16 Uhr

    Und es gibt eben keine ehrliche Debatte. in den angesprochenen Talkshows sehen wir immer die selben, die seit zwei Monaten immer dasselbe sagen.

... und alle anderen nur bei YouTube, wie z.B. Prof. Dr, med. Sucharit Bhakdi, Facharzt für Infektionsepidemiologie. Wurde von Mimikama dafür gescholten, dass er - was Italien betrifft - einen möglichen Zusammenhang zwischen Luftverschmutzung und COVID-19 hergestellt hat (oh...doch nicht so abwegig. https://www.spektrum.de/news/warum-luftverschmutzung-covid-19-toedlicher-macht/1725948). Und natürlich dafür, dass er KenFM für ein Interview zur Verfügung stand.


Quotecoroner 12:14 Uhr

Die Gefährlichkeit dieses Corona-Virus wurde doch anfangs vor allem von unserer Regierung und unseren Behörden verharmlost!
Noch während in China eine Region mit ca. 50 Millionen Menschen komplett abgesperrt wurde und asiatische Länder den Weltmarkt für Schutzmasken, Schutzkleidung, ... leerkauften, wurde der hiesigen Bevölkerung erzählt: Für Deutschland bestehe keinerlei Gefahr. Trotz dringender Mahnungen von Händlern wurden hierzulande z.B. keine Schutzmasken bevorratet ....

Während dieser Zeit stand der Großteil unserer Presse hinter dieser Fehleinschätzung unserer Regierung. Es wurde angeprangert, dass China eine Krankheit ausnutze um seine Bevölkerung weiter grundlos zu drangsalieren.

Zum Glück hat sich die Meinung unserer Regierung bald geändert, als die Fallzahlen hier dann begannen exponentiell anzusteigen. Es war aber bereits zu spät, das Virus hier zu stoppen. Man hatte viel zu lange auf die gesundheitliche Kontrolle Einreisender verzichtet. Dies und mangelnde Vorsorge machte den Lockdown notwendig. Die Mehrheit der Presse folgte auch hier der Regierungseinschätzung und unterstützte die Lockdown-Maßnahmen, die damals richtig und absolut notwendig waren.

Heute geht es um eine kontrollierte Rückkehr und ein Wiederhochfahren der Wirttschaft und dafür Regeln zu finden, die ein Wiederaufflammen der Epidemie verhindern.
Die Corona-Verharmloser können in dieser Situation auf zwei Dinge verweisen:
1. Es gibt in Deutschland inzwischen deutlich weniger aktive Fälle und insgesamt im europäischen Vergleich relativ wenige Tote. Einige wollen dies aber nicht auf den erfolgreichen Lockdown zurückführen, sondern behaupten (irriger Weise), die ganze Epidemie sei bereits vorüber.
2. Anfangs hielten unsere Regierung und ihre Behörden ja selbst das Virus für ungefährlich, Das schlägt nun zurück. Unsere Regierung bekommt nun die gleichen Vorhaltungen zu hören, die sie selbst noch Januar/Februar den chinesischen Behörden gemacht hatte.


Quotesiggi2016 12:47 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Robert_Rostock 12:34 Uhr

    Oder anders gefragt: Wenn es in (fast) ganz Europa einen Lockdown gibt, aber gerade in den Ländern mit dem schärfsten Lockdown die meisten
    Toten: Ist es dann wirklich einzig der Lockdown, der den Erfolg bringt?


Darauf bekommen Sie keine vernünftige Antwort, habe ich x-Mal gefragt.

Alles liegt an unseren Beschränkungen und Maßnahmen. Punkt, fertig und aus. ...


QuoteUrbanJazz 12:55 Uhr
Antwort auf den Beitrag von coroner 12:14 Uhr
Gute Zusammenfassung. Bei allem Lob für die zwischenzeitlich erzielten Erfolge darf auch nicht vergessen werden, dass am Anfang, zu Beginn der Pandemie, geschlafen, verharmlost und verdrängt wurde. Hoffentlich gibt es daraus einen nachhaltigen Lerneffekt.

Eine gute Würdigung findet sich hier:

    Gemessen daran ist das deutsche Gesundheitswesen ziemlich unvorbereitet in die Krise gestolpert. Zahlreiche Ärzte, Schwestern und Altenpfleger erfüllten ihre Pflicht ohne Schutzkleidung. In manchem Seniorenheim herrschen schlimme Zustände.
    Deutschland ließ verblüffend lange Leute aus Ländern mit hohen Infektionsraten ungetestet einreisen. Es hatte Glück, dass sich zuerst überwiegend junge Leute infiziert hatten, bei
    denen das Mortalitätsrisiko niedriger ist. Die Horrorbilder aus Italien hinterließen einen starken Eindruck und erleichterten der Politik das
    Verhängen von Ausgangsbeschränkungen. Italien hat Deutschland zwei Wochen für die Vorbereitung geschenkt, die das Land genutzt hat,
    Infizierte zu identifizieren. Die schnelle Verfügbarkeit von Labortests half. Merkel fand günstige Bedingungen vor.

    Link: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/usa-in-der-corona-krise-so-uebel-ist-donald-trump-nicht-16751384.html

Der Grundaussage des zitierten Artikels stimme ich im übrigen nicht zu: Trump hat es schlechter gemacht. Er hat die Zeit noch weniger bis gar nicht genutzt, sein Land angemessen vorzubereiten.

Nichtsdestotrotz bleibt zu hoffen, dass die Politik nicht wieder zurückfällt und erreichte Fortschritte verspielt. Wird ein zweiter, noch härterer Lockdown nötig, war vielleicht alles umsonst. Die Schreier und Drängler werden dann abtauchen und ihre Hände in Unschuld waschen.


QuoteTiog 12:00 Uhr

Aber merkwürdig ist es schon, dass fast alle Medien, die SZ ausdrücklich ausgenommen, die Merkel-Ansichten verbreiten.


Quoteyoda 12:15 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Tiog 12:00 Uhr

Ähhh, mir würde was fehlen, wenn z.B. der Tagesspiegel das Thema diskutiert, die Ansichten der Bundeskanzlerin dazu jedoch ausspart. ...


QuoteMotoko 12:19 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Tiog 12:00 Uhr
Vielleicht sind es nicht "Merkel"-Ansichten, sondern die Meinungen von der CSU und der CDU und der SPD und -zumindest teilweise - FDP (gewesen) und der GRÜNEN und (teilweise) die LINKE . außer eben wie gewohnt die AFD.
Mit anderen Worten es besteht bzw bestand ein breiter Konsenz, die sich dann entsprechend in den Medien wiederfindet.
Man kann natürlich das ganze umdrehen und einen Konsenz als Einheitsbreit denunzieren; Zustimmeungraten in der Bevölkerung von 90% - 70 % als Diktatur diffamieren.
Demokratische Parlamentsbeschlüsse als gar nicht stattgefunden retourschieren -

Da muss jeder für sich herausfinden, wie er/sie/es gestrickt ist.
Meine Meinung nach leben wir in sehr ungesunde Zeiten,
und das nicht nur primär wegen Corona, sondern ganz offenkundig ist die psychische Belastung für manche Mitmenschen so groß, dass ihr Hirn durch die Decke knallt.
Ich vermute, während und vor allem nach der Corona-Krise werden viele Psychologen und wohl auch Psychiater ne Menge zu tun haben, das eine oder andere gerade zu biegen.
Sei es Sänger oder Köche und sonstige Gestalten.

Ansonsten
Ist das Glas halbvoll oder ist das Glas halbleer?
Prost


Quotefeihung 12:26 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Tiog 12:00 Uhr
Welt und Faz sind ständig voll mit anderen Ansichten und erst vor zwei Tagen hat hier Casdorff im Tagesspiegel eine völlig konträre Meinung  vertreten. Auffällig ist hier also ausschließlich das Hinbiegen der Wahrheit Ihrerseits - bzw. das Verbiegen.
Aber all diesen Leuten ist eines gemeinsam, was im Artikel auch angesprochen wird: Sie bieten keine Alternative und wenn (das ist dann die sofortige Lockerung bzw. Aufhebung der Maßnahmen) sind sie nicht bereit, dann auch Verantwortung für eventuell schlimme Folgen zu übernehmen. DAS ist auffällig.


QuoteHans-J. 11:24 Uhr

Auch "Vollidioten" gehören zu Deutschland - wie überall. Siehe z.B. die USA. Das muss eine Demokratie nicht nur aushalten - damit muss sie sich auseinandersetzen, und zwar offensiv.


QuoteFidFugUhlHei 11:11 Uhr
Wieder einmal wird alles in einen Topf geworfen, in der Hoffnung, die Aufmerksamkeit der Leser zu bekommen.

Gibt es Corona? Ja.
Gibt es Leute, die daran zweifel? Ja.
Gibt es Leute, die Corona für den Teil einer Verschwörung halten? Ja.
Gibt es Leute, die kritisch sind, ob alle Maßnahmen (immer noch) richtig sind? Ja.

Und gerade mit der letzten Gruppe kann man normal umgehen. Sie mit Aluhutträgern in Verbindung zu bringen, ist Unsinn.


...

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#63
Quote[...] BERLIN taz | Der Verband der Automobilindustrie (VDA) verteidigt, dass die Autohersteller in der Coronakrise Dividenden an Aktionäre zahlen und gleichzeitig Hilfen vom Staat verlangen. Ausschüttungen seien wichtig, um die Aktionäre an Bord zu halten und Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland zu schützen, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller im Deutschlandfunk. Einen Widerspruch zu den vom Staat geforderten Hilfen für die Autobauer sieht die ehemalige Staatsministerin im Bundeskanzleramt nicht.

Die Autohersteller leiden unter der Coronakrise, weil sie die Produktion gestoppt hatten und der Absatz eingebrochen ist. Trotzdem hat Daimler für das erste Quartal 2020 einen Gewinn von mehr als 600 Millionen Euro gemeldet, Volkswagen von 400 Millionen Euro. BMW legt am Mittwoch Zahlen vor. Weil die Branche mit einem harten zweiten Quartal rechnet, werden die Rufe nach Kaufanreizen für Autos aus Politik, Unternehmen und Gewerkschaften lauter. Bereits nach der Finanzkrise 2009 hatte der Staat der Branche mit einer Abwrackprämie geholfen. ...

Am 5. Mai wird im Kanzleramt auf dem ,,Autogipfel" über Hilfen für die Branche beraten. Die Organisation LobbyControl kritisiert die Zusammensetzung des Treffens, an dem Vertreter von Unternehmen und Gewerkschaften teilnehmen, aber keine von Umwelt- oder Verbraucherverbänden. ,,Exklusive Runden wie der Autogipfel sind der falsche Rahmen, um die Verteilung von Corona-Hilfen zu verhandeln", sagte LobbyControl-Sprecherin Christina Deckwirth.

Ursprünglich wollen die Ministerpräsidenten der Auto-Länder Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen am Mittwochmittag über Hilfen für die Branche beraten. Das Treffen von Markus Söder (CSU), Winfried Kretschmann (Grüne) und Stephan Weil (SPD) wurde kurzfristig verschoben. Wegen Terminschwierigkeiten, hieß es. Die Verschiebung ist ein Hinweis darauf, dass sich die Landeschefs noch nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnten.


Aus: "Autobranche will Staatshilfe: Hersteller schonen Aktionäre" Anja Krüger (29.4.2020)
Quelle: https://taz.de/Autobranche-will-Staatshilfe/!5680231/

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Quote[...] Wer heute über die Zukunft spricht, tut dies aufgrund zweier stark divergierender Annahmen: Wir lebten vor Ausbruch der Pandemie entweder in einer funktionierenden, zufriedenstellenden Normalität oder in zerrütteten Verhältnissen. Von dieser grundsätzlichen Haltung hängt die Reaktion auf die brüchige Gegenwart ab. Entweder erwarten wir das Schlimmste oder wir schöpfen neue Hoffnung. Selten waren Dystopie und Utopie so nahe beieinander, genau gesagt 1,5 Meter voneinander entfernt.

... Die Apologeten des freien Markts sind verstummt, denn wir haben im Belastungstest sein Versagen erlebt. Länder oder Regionen, die ihr Gesundheitssystem nach profitorientierten Kategorien umgebaut haben (Beispiel Lombardei), haben sich tödlich umstrukturiert. Und obwohl Pandemien regelmäßig auftreten, haben sie für diesen Fall nicht angemessen vorgesorgt, weil Gemeinwohl nicht profitabel ist. Dem freien Markt gelingt es nicht einmal, selbst Monate nach dem Ausbruch, Masken in ausreichender Zahl zu produzieren.

Schon wenige Tage nachdem das Virus Teile der Wirtschaft unvermeidlich zum Erliegen gebracht hat, ertönten Kassandrarufe, weil eine Rezession von 3 Prozent (neuerlich korrigiert auf 6 Prozent) abzusehen ist. Wie soll man einen Organismus bezeichnen, der in seiner Existenz bedroht ist, weil er um 3 oder 6 Prozent schrumpft?

Als Lösung wird mit nicht existierendem Geld gegossen, keineswegs nach dem Gießkannenprinzip – weltweit geben die Staaten Milliarden aus zur ,,Rettung" jener Wirtschaftsteilnehmer, in deren Händen Vermögen ohnehin bereits stark konzentriert ist. Die folgende Verschuldung wird nur durch starkes Wirtschaftswachstum zu überwinden sein, was wiederum zu weiterer Umweltzerstörung und Ungerechtigkeit führen wird.

Kaum war die Epidemie zur Pandemie ausgewachsen, wurden weltweit dirigistische Instrumente eingesetzt, die öffentliche Hand war gefordert, die Konzerne verkrochen sich (oder versuchten sich à la Adidas mit erhöhter Asozialität durchzumogeln). Allerorten wurde staatliche Unterstützung oder Verstaatlichung gefordert. Was einen doch sehr erstaunen muss, waren doch diese Instrumente zuvor allesamt als ineffektiv und schädlich abgetan worden.

Verblüffend ist, dass jene Menschen, die eine höhere Steuer auf SUVs als unerträglichen Eingriff in ihre Freiheit ablehnten, nun bereit sind, ordnungspolitische Einschnitte zu akzeptieren, etwa, dass sie ohne zwingenden Grund gar nicht Auto fahren dürfen. Was passiert wohl, möchte man so einem Homo Eintagsfliege zurufen, wenn uns ein ökologisches Desaster ereilt? Es wird mit Einschränkungen reagiert werden, gegen die kaum jemand protestieren wird, weil es sich schlecht gegen die Faktizität der Katastrophe argumentieren lässt. Abgesehen von solchen politischen Ironien haben die Ereignisse der letzten Wochen klar aufgezeigt, wieso Gefährdung (die heutige Bedeutung von ,,Krise") zur Wendung führen muss.

Wir müssen die Grundlagen unseres Systems infrage stellen. Wir waren nicht so gesund, wie viele von uns sich eingebildet haben. Wir haben das menschliche Leben unter- und Waren überbewertet. Nun sehen wir uns einer gesamtgesellschaftlichen Triage gegenüber, bei der wir entweder Gesundheit oder Wohlergehen opfern müssen. So wie die Menschen im Globalen Süden, die täglich zwischen Überleben und Leben hin und her geworfen werden.

Wir werden diese Misere ohne eine mutige Neugestaltung der Weltwirtschaft nicht mit Würde überstehen. Wir müssen uns vom Diktat des Wirtschaftswachstums befreien, wir müssen alles, was lebenswichtig ist, in Gemeinschaftsvermögen überführen. Und wir benötigen einen globalen Lastenausgleich, eine weltweite Sozial- und Gesundheitsversorgung, denn hinter der gegenwärtigen Krise lauern viele andere, etwa die drohende Hungersnot in Ostafrika.

Fangen wir an mit dem hoffentlich bald entwickelten Impfstoff gegen Covid-19. Er sollte nicht der Pharmaindustrie überlassen werden. Impfstoffe gegen Diphtherie, Tetanus und Masern sind von der öffentlichen Hand hergestellt und verteilt worden. Als Jonas Salk, der Erfinder des Polio-Impfstoffs, gefragt wurde, wer das Patent besitze, antwortete er: ,,Alle Menschen. Es gibt kein Patent. Können Sie die Sonne patentieren?" Leider leben wir in einem System, das sich bislang anmaßt, die Wunder der Natur zu privatisieren, während es diese gleichzeitig zerstört. Höchste Zeit zu erkennen, wie krank das ist!


Aus: "Lehren aus der Coronakrise: Virus frisst Ideologie" Kommentar von Ilija Trojanow (29. 4. 2020)
Quelle: https://taz.de/Lehren-aus-der-Coronakrise/!5678805/

Quotetomás zerolo
heute, 11:07

Danke für diese flammende, packende Rede.


QuoteBerndt Fischer
heute, 12:01

Berndt Fischer

... Warum hat sich eigentlich bei den Grünen keine(r) gefunden, der, ähnlich argumentierend, die Debatten um Corona politisiert hätte. Stattdessen ein paar Lockerungsübungen oder Boris Palmer!


...

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Quote[...] Wer in diesen Tagen besonders fehlt, ist die große Silke Burmester. ,,Beruhigt Euch!" hat sie schon 2012 der mild-hysterisierten Gesellschaft freudig entgegengerufen, als die mal wieder dabei war, sich wohlig im dräuenden ,,Alles wird immer schlimmer" zu suhlen.

Und es ist wieder so weit. Lockdown-Woche neun – und jetzt müssen wir auch noch Maske tragen. Also manchmal. Länderspezifisch höchst unterschiedlich. Aber in Bus und Bahn schon. Klarer Fall von Untergang des Abendlandes.

Es ist immerhin tröstlich, dass es mal wieder überwiegend nur wir Männer sind, die nörgeln. Uns wird es offenbar im Homeoffice allmählich so langweilig, dass wir uns den Verfall aller Dinge herbei­schreiben oder -podcasten.

Also: Es geht zu Ende, und sage keiner, er*sie sei nicht gewarnt worden. ,,Die Stimmung wird kippen", heißt ein Kommentar von Berliner-Zeitung-Herausgeber Michael Maier. ,,Die Politik hat jedes Maß verloren. Ihre Verordnungen greifen tief in unser Leben ein. Vieles wird zerstört. Die Masken sind erst der Anfang. Es wird keine schöne, neue Welt", geht es weiter.

Maier ist ja vermutlich auch so was wie der heimliche Chefredakteur der Berliner Zeitung. Und er gefiel sich schon bei anderen Projekten als großer Rauner. ,,In der Stadt merkt man nichts von Corona. Doch es ist eine trügerische Stille. Die Stimmung kann jederzeit kippen – und sie wird kippen", schreibt Maier und dass es ,,noch sehr ruhig ist auf den Straßen Berlins".

Amumumu, würde das Känguru dazu sagen. Man hört förmlich dieses Flehen nach der Revolution, nach den Mutigen, die es Mutti und ihren Ex­per­t*in­nen im ­Kanzleramt endlich mal zeigen. Jakob Augstein und Jan Fleischhauer sind mit ihrem Podcast ,,The Curve" powered by Focus nicht viel besser. Da werden auch bedeutungsschwanger Fragen gestellt, auf die niemand eine Antwort hat. ,,Kalkulierte Ignoranz", hat Übermedien das zutreffend genannt.

Es ist ja jedem unbenommen, Maßnahmen jetzt in der Pandemie explizit scheiße zu finden. Zum demokratischen Miteinander gehört aber auch, sich trotzdem dran zu halten, wenn sie denn auf ordnungsgemäßem Wege zustande gekommen sind. Erst recht, wenn sie sogar was nützen.

Journalist*innen haben die verdammte Pflicht, dieses politische Handeln und natürlich auch die Rolle der Ex­per­t*in­nen und ihre Ansagen immer wieder zu hinterfragen. Aber bitte auf Tatsachenbasis. Nicht durch raunendes Argwöhnen und so eine milde panikverströmende Mystik, da seien neue Stahlgewitter für die Menschheit im Anmarsch. Das konnte Ernst Jünger sowieso schöner.

Gegen solch latente Hysterie im Alltag hilft, sich an das zu erinnern, worum es eigentlich geht: Liebe, Nahrung, Miteinander. Ist nicht von mir, ist von Silke Burmester. Komm zurück, wir brauchen dich!


Aus: "Kritik an Corona-Maßnahmen: Panikverströmende Mystik" Steffen Grimberg (29.4.2020)
Quelle: https://taz.de/Kritik-an-Corona-Massnahmen/!5678843/

Quotewarum_denkt_keiner_nach?

"Aber bitte auf Tatsachenbasis."

Damit macht man keine Schlagzeilen.

Danke Herr Grimberg. Schön, eine Stimme der Vernunft zu hören.


QuoteMinoZheros

Welche Tatsachen denn genau?


...

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#65
Quote[...] Jeder kennt intellektuell ehrliche "Corona"-Skeptiker. Jeder kennt auch durchgeknallte Corona-Leugner und -Verschwörungstheoretiker (meist aus dem Internet). Und fast jeder fragt sich bei den Maßnahmen der Regierung, ob das jetzt wirklich hat so sein müssen. Die Schwierigkeit ist, das alles auseinanderzuhalten.

Es gibt zum Beispiel Mediziner, die mit einem gewissen Recht nach der genauen Datenbasis der Covid-19-Fälle fragen und warum die Regierung sie nicht in vollem Umfang veröffentlicht. Denen muss man zugestehen, dass ihre Fragen berechtigt sind. Das heißt aber immer noch nicht, dass Corona ein einziger, riesiger Hoax sei beziehungsweise eh nur eine saisonale Grippe und dass die Sterbedaten ganz normal seien.

Das behaupten nämlich andere Mediziner, die eine gar nicht geringe Anhängerschaft finden. Eine Anhängerschaft, die auch dadurch wenig zu irritieren ist, dass diese Mediziner schon Aids als Erfindung der Freimaurer, Bilderberger und Illuminaten bezeichnet haben und sich oft im Kreise von Rechtsextremen, Impfgegnern und Paranoikern bewegen.

Und schließlich gibt es Mediziner wie den Berliner Virologen Christian Drosten, die luzide und für Laien logisch erklären können, dass es sich wirklich um eine hochgefährliche Pandemie handelt, die in einer Reihe von Staaten mangels zeitgerechter Gegenmaßnahmen schwere gesundheitliche Folgen hatte und die vor allem längst noch nicht vorbei ist. Dazu passen Statistiken, die zeigen, dass die sogenannte "Übersterblichkeit" , also eine höhere als die durchschnittliche Sterberate, bei Corona in etlichen Ländern signifikant höher ist als die in schweren Grippejahren.

Soll heißen, es gibt ein gesundes Misstrauen und ein eher ungesundes.

Berechtigt ist im Falle Österreichs sicher ein gewisses Misstrauen gegenüber manchen Motiven der Regierung. Der Lockdown war richtig. Der Geist, in dem er erfolgt ist, zeigte Anzeichen von Bevormundung und Manipulation. Private Treffen in der Wohnung sind verboten, sagte die Regierung, stimmte aber nicht.

Die Kommunikation hat mit dem Normeninhalt nicht Schritt gehalten", formuliert es der Verfassungsrechtler Heinz Mayer nobel. Anders herum: Die Regierung, Grün inklusive, hat uns einen paternalistischen Schmäh erzählt. Sebastian Kurz liebt die Krise, weil sich die Herde ängstlich um ihn schart, schreiben eine Kommunikationsexpertin und ein Gesundheitsexperte im STANDARD. Man kann ergänzen: Kurz hat grosso modo das Richtige getan, aber man kann nicht sicher sein, ob nicht eine Hidden Agenda dabei ist.

Wie zum Beispiel die verpflichtende Corona-Tracking-App, wie die Opposition argwöhnt. Oder das Differenzieren – manche sagen "Selektieren" – nach schutzwürdigen Gruppen, die halt stärker eingeschränkt bleiben. Oder was wurde aus dem Plan von Innenminister Karl Nehammer, Corona "wegzuflexen", indem Polizei in Schutzkleidung bei Virus-Verdächtigen auftaucht?

Es bleibt eine Balance auf schmalem Grat – die Beschränkungen für richtig zu halten, aber wachsam gegenüber staatlicher Bevormundung zu bleiben. Und zwar auf noch kaum absehbare Zeit. (Hans Rauscher, 29.4.2020)


Aus: "Corona – gesundes und ungesundes Misstrauen" Hans Rauscher (29. April 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000117172423/corona-gesundes-und-ungesundes-misstrauen

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MichaelMoore

Sogar FOX News zeigte Ärzte, die Covid19 als Todesursache angeben mussten um die Anzahl zu erhöhen
https://youtu.be/sPrbGU0Wyh4

Es geht um totale Kontrolle mittels Angstmacherei und Kontrolle der Message Control mit Hilfe von Google und Facebook, oder so wird es dargestellt.


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Cmd. Ed Straker

Ahhh! FOX "News"! Interessant. ...


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Leafman

Hinterfragen, nicht misstrauen!
Vertrauen oder Misstrauen ist nötig, wenn mir Fakten und Nachweise fehlen. Wissen erfordert kein Ver- oder Misstrauen.

Und genau hier kommt Dr. Drosten ins Spiel. Ich empfehle seine Podcasts und Interviews einmal kritisch nachzuhören und sich ein Bild davon zu machen, wann Drosten jemals fixe, belastbare Aussagen macht. Er ist ein wahrer Künstler darin, seine Aussagen einzuschränken, mit Möglichkeit aber nie mit Sicherheit zu versehen.

Und genau hier muss unser Hinterfragen ansetzen: Wenn etwas noch nicht fix belegbar ist, gibt es mehrere mögliche Szenarien. Momentan wird uns aber gezielt nur ein möglicher Ausgang geliefert und jede kritisch Anmerkung wird unterdrückt.
Das ist wissenschaftlich unseriös und gesellschaftlich kritisch!


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Lord Chandos

"Seine Aussagen einzuschränken aber nie mit Sicherheit zu versehen." Tja, sowas nennt man Wissenschaft!
...bis heute (29. April 2020) weiß niemand genau, was die Spanische Grippe von 1918 ausgelöst hat. Was Sie wollen ist Religion. Papst Franziskus und Kardinal Schönborn wissen ganz genau, "mit Sicherheit versehen", dass Jesus von einer Jungfrau geboren wurde. Erwarten Sie, dass das Coronavirus ein schriftliches Geständnis ablegt, à la: "Ja ich hab' es getan!" Das wäre ein Fakt. Ein Nachweis. Christian Drosten spricht und schreibt als Fachmediziner. Das Nova Corona-Virus ist seit einem halben Jahr bekannt! Das Wissen darüber ändert sich wöchentlich. Drosten äußert Vermutungen auf der Basis der aktuellsten Kenntnisse. Niemand ist verpflichtet, ihm zuzuhören. Wenn Sie mehr wissen, wenden Sie sich doch an den ORF. Wir sind alle gespannt...


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leo_nardo

drosten ist wissenschaftler,
und kein künstler.
und wenn er wo sicher ist, dann sagt er es auch so.
nachdem sars-2 neu ist, gibt es eben viele unsicherheiten.
und da ist mir seine vorsicht in den aussagen 10x lieber als jemand der glaubt, die weisheit mit dem löffel gefressen zu haben.


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Auch ich habe eine Meinung

Das Gesundheitssystem steht auch in Schweden nicht kurz vor dem Zusammenbruch, obwohl Schweden zu den EU-Staaten mit den wenigsten Intensivstation-Betten pro 100.000 EW zählt.

In Italien wurden kranke alte Menschen in die Altersheime "ausgelagert", um Krankenhausbetten freizumachen. In Spanien dachte man die längste Zeit nicht daran, Altersheime zu isolieren. In NY dürfen Altersheime laut einer Executive Order von Gouverneur Andrew Cuomo an Covid-19 erkrankte Insassen nicht abweisen:

"No resident shall be denied re-admission or admission to the NH solely based on a confirmed or suspected diagnosis of COVID-19."

In Italien, Spanien und vielen anderen Staaten stammen rund 50% der "Corona-Toten" aus Altersheimen.


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abraxas57

Wenn man sich die Kommentare durch liest faellt vor allem auf, dass sich jetzt langsam ein ordentlicher Lagerkoller einschleicht, der sich bei einigen Postern aber schon sehr heftig bemerkbar macht...Eine gute Seite hat Corona aber doch: Noch nie hatte Oesterreich - und wahrscheinlich auch alle anderen betroffenen Laender (also Turkmenistan und Weissrussland lasse ich aussen vor) - so viele Spezialisten fuer ungefaehr fast genau eh alles...Saaagenhaft!


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Mortimenia

Das Fazit

Wir alle wissen noch viel zu wenig. Und niemand weiß mit Bestimmtheit ob die Maßnahmen zuwenig, zuviel, oder doch einigermaßen angemessen waren. So oder so, Aufmerksamkeit auf ziemlich alles rundherum ist nach wie vor wichtig und angebracht. Falsch ist auf jeden Fall dabei alles entweder nur zu verteufeln wie auch alles kritiklos runterschlucken. Es bleibt der Glaube und die Hoffnung, dass diese Zeit in dieser Art bald Vergangenheit sein wird.


...

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#66
Quote[...] Health care workers in North Carolina on Tuesday held a counterprotest against yet another "ReOpen NC" rally in the state capital.

About a dozen nurses, doctors and other health care workers, wearing scrubs and masks, stood outside the State Archives of North Carolina in Raleigh with their arms crossed. Some carried signs reading "Stay Home For ME" and "I Can't Believe I Have to Show Up Here Too."

They stood in a formation that allowed them to practice social distancing, which the Centers for Disease Control and Prevention recommends.

Across the street, hundreds of ReOpen NC protesters crowded together for the third time in as many weeks, once again demanding that Gov. Roy Cooper (D) reopen the state's economy during the coronavirus pandemic ― the dire warnings of public health officials be damned. Cooper announced last week that the state's stay-at-home order had been extended into May.

These protesters carried signs promoting debunked conspiracy theories about COVID-19, which has already infected over 1 million people and killed over 57,000 in the U.S. alone. There have been over 9,500 reported cases of COVID-19 in North Carolina, according to state health officials, resulting in over 340 deaths.

One of ReOpen NC's lead organizers, Audrey Whitlock, revealed this week that she had tested positive for the coronavirus.

The protesters also heckled and harassed the health care workers ― front-line workers in the fight against both COVID-19 and a right-wing campaign to downplay the dangers of the virus ― who remained silent and stoic.

"My grandma taught me not to argue with a fool because onlookers can't tell who's who," Amber Brown, a nurse from Kernersville who attended the protest, told HuffPost over the phone Tuesday.

"They're putting me and my family at risk," Sekia Royall, who works in nutrition services at O'Berry Hospital in Goldsboro, said in a press release.

"My daughter and I both have pre-existing conditions, and if someone gets the virus at our facility, it will spread like wildfire," she said. "For some of our patients it could be fatal."

Carrie Shropshire, a medical student at Campbell University in Raleigh, joined the health care workers protesting Tuesday.

"We take an oath to 'do no harm,' and these protesters are literally causing harm," she said in the press release.

Shropshire also tweeted that some anti-lockdown protesters yelled at her and her fellow health workers Tuesday, asking if they are citizens.

"The people who are trying to reopen our state to infection and death want to know if we are American," Shropshire tweeted.

The ReOpen NC protests are just a few of the many "reopen" demonstrations that have taken place across the country in recent weeks. They're often attended by heavily armed militias and other extremists, and many are organized, in part, by groups with ties to right-wing billionaires including Charles Koch and Robert Mercer.

The anti-lockdown protesters — who are largely supportive of President Donald Trump and who view the economic impact of the pandemic as worse than the pandemic itself — are not representative of the majority of the country. A recent Yahoo News/YouGov poll found that only 22% of Americans support the anti-lockdown protests. Most Americans support stay-at-home orders and the continued closure of nonessential businesses.

The poll found that a majority of Republicans also oppose the protests, even though Trump and Fox News have expressed support for them.

Brown, the nurse from Kernersville, stood in opposition to the anti-lockdown protest in Raleigh last week too, where she was heckled over her weight.

"I am, and will always be, a nurse," Brown tweeted from the demonstration Tuesday. "I carry each patient with me in my heart and it is for them that I take a stand. It's why I was out here last week to speak out against reopening North Carolina. It's why I'm out here again today."

She also posted a video showing anti-lockdown protesters marching around without wearing masks.

"A thing about this virus: Many who die from it can't have their loved ones hold their hands in their last moments," Brown tweeted. "I've held people's hands while they've passed because no one should die alone. The more these reckless protests happen, the more people will."


From: "Health Care Workers Stand Up To Anti-Lockdown Protesters In North Carolina" Christopher Mathias (04/28/2020)
Source: https://www.huffpost.com/entry/healthcare-workers-reopen-north-carolina-protesters_n_5ea87e8cc5b6e50adaf4b160

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Quote[...] Nachdem er sich zwischenzeitlich in der Rolle des edlen Beatmungsgeräte-Spenders gefallen hat, ist Elon Musk (48) jetzt wieder zu seiner ursprünglichen Haltung eines Corona-Leugners zurückgekehrt. Er will jetzt unbedingt, dass der Lockdown in den USA beendet wird, egal wie viele Neuinfektionen das Land noch täglich meldet. Kurz hintereinander verlinkte er erst auf einen Kommentar im "Wall Street Journal" und forderte "Gebt den Menschen ihre Freiheit zurück!", lobte, dass in Texas ab Freitag Restaurants und Geschäfte wieder öffnen und verlangte schließlich in Versalien, Amerika sofort zu befreien.

Da die Tweets laut "Gizmodo" in der Nacht abgesetzt wurden, könnte man spekulieren, dass Musk vielleicht nicht ganz nüchtern war. Schließlich stimmte er auch noch einem Tweet einer Verschwörungstheoretikerin zu, die schrieb, das beängstigende an der Pandemie sei nicht das Virus selbst, sondern dass sich Amerika so einfach beuge und seine mit Blut erkaufte Freiheit für korrupte Politiker aufgäbe, die ihnen Sicherheit versprachen. Aber der Tech-Milliardär beurteilte die Pandemie eigentlich von Anfang an ziemlich wirr.

So twitterte er am 6. März, die Coronavirus-Panik sei dumm und legte am 19. März mit den Tweets nach, den aktuellen Trends nach gäbe es Ende April in den USA nahezu keine Covid-19-Fälle und Kinder seien im Wesentlichen immun.

Tatsächlich melden die USA aktuell täglich mehr als 20.000 neue Fälle, insgesamt zählt das Land bereits über eine Millionen bestätigte Infektionen, mindestens 53.000 Menschen sind dort bisher an Covid-19 gestorben. Und der Berliner Virologe Christian Drosten sagte in seinem jüngsten Podcast, Kinder würden sich wahrscheinlich genauso leicht anstecken wie Erwachsene. Möglicherweise seien sie weniger infektiös, aber das sei noch nicht geklärt.

Vielleicht glaubt Musk tatsächlich, was er da zuletzt getwittert hat. Vielleicht sind ihm seine Unternehmen aber auch einfach nur wichtiger als die vielen Menschenleben, die durch vorschnelle Lockerungen in den USA auf dem Spiel stehen. Man weiß es nicht, Erklärungen zu seinen oft irren Tweets liefert der Milliardär selten. Sein Einfluss auf Twitter ist mit 33,3 Millionen Followern jedenfalls groß und nicht wenige von ihnen teilen offenbar seine Meinung. Die Forderung, Amerika sofort zu befreien, erhielt bisher fast 200.000 Likes und mehr als 31.000 Retweets.

Quelle: ntv.de, kwe


Aus: "Elon Musk fordert Freiheit für Amerika" (Mittwoch, 29. April 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Elon-Musk-fordert-Freiheit-fuer-Amerika-article21749335.html

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Quote[...] Fraunhofer-Gesellschaft, Helmholtz-Gemeinschaft, Leibniz-Gemeinschaft und Max-Planck- Gesellschaft haben sich zusammengeschlossen, um aufgrund der vorhandenen Datenlage gemeinsam eine Strategie zu erarbeiten, mit der die Covid-19-Pandemie effektiv eingedämmt werden kann.

Die Wissenschaftler sind sich einig, dass der Rückgang der Neuinfektionen zwar ein Erfolg, aber noch nicht ausreichend ist. Die Situation sei nicht stabil, selbst eine nur kleine Erhöhung der Reproduktionszahl würde zurück in eine Phase des exponentiellen Wachstums führen. Daher müsse die Reproduktionszahl bis zur Verfügbarkeit eines Impfstoffs unter 1 gehalten werden, schreiben die Forscher.

Eine mögliche "Herdenimmunität" würde nach den bisher vorliegenden Daten einen Zeitraum von einigen Jahren erfordern, wenn das Gesundheitssystem nicht überlastet werden soll, heißt es in der Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft. Einschränkende Maßnahmen müssten bei einer solchen Strategie über den gesamten Zeitraum aufrechterhalten werden.

Aufgrund dieser Vorgabe erscheint den Wissenschaftlern eine zweiphasige Strategie sinnvoll zu sein: In der ersten Phase werden die Neuinfektionen weiter reduziert, bis eine effektive Kontaktverfolgung möglich ist. In der zweiten Phase schließt sich eine adaptive Strategie auf der Basis niedriger Zahlen von Neuinfektionen an.

Das bedeutet, dass die derzeitigen Kontaktbeschränkungen "soweit tragbar" - erstmal weitergeführt werden sollen. Dazu sieht die Strategie der Forschungsorganisationen hygienische Maßnahmen wie eine Mundschutz-Pflicht in Geschäften und auf offenen Plätzen oder Desinfektionsstationen vor. Gleichzeitig sollen immer mehr Tests durchgeführt und nach Wegen gesucht werden, Infektionsketten zurückzuverfolgen. Dazu wäre beispielsweise die vom Robert-Koch-Institut in Auftrag gegebene Tracing-App geeignet.

Die zweite Phase soll beginnen, wenn eine effektive Kontaktnachverfolgung möglich ist. Indem die Infektionsketten unterbrochen würden, könnte das Tracing die Kontakteinschränkungen nach und nach ersetzen und durch diese nur noch adaptiv flankiert werden, erklären die Forscher.

Quelle: ntv.de, kwe


Aus: "Deutsche Forscher stellen Corona-Strategie vor" (Mittwoch, 29. April 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Deutsche-Forscher-stellen-Corona-Strategie-vor-article21749564.html


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Quote[...] Um die Coronavirus-Pandemie in den Griff zu bekommen, sind seit Wochen die Kitas in Deutschland zu. Lediglich eine Notbetreuung wird gewährleistet. Viele Familien mit kleinen Kindern müssen eine völlig neue Form des Zusammenlebens erlernen: Arbeit und Kinderbetreuung gleichzeitig bewältigen. Was macht das mit Familien? Forscher der Universität Bamberg haben sich das mal genauer angeschaut.

Wenig überraschend: Zwei Drittel der Eltern sind nach eigenen Angaben oft am Ende ihrer Kräfte, berichtet die Universität. Vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf finden viele herausfordernd. Fast drei Viertel der Befragten gaben an, sich häufig gestresst zu fühlen.

Mehr als 3000 Eltern aus allen Bundesländern nahmen an der Familien-Studie teil. Fast alle hatten vor der Corona-Krise ihre Kinder betreuen lassen, und 81 Prozent waren erwerbstätig. Mittlerweile arbeiten noch 66 Prozent in Voll- oder Teilzeit, rund zwei Drittel davon im Homeoffice. Etwa jede zehnte Familie nimmt die Notbetreuung in Anspruch, überwiegend Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen.

Allerdings stellten die Forscher auch positive Effekte fest: Eine überwiegende Mehrheit der Eltern finden es positiv, dass sie mehr Zeit für ihre Kinder und ihre Familie haben. "Auffällig ist, dass Eltern die positiven Auswirkungen unabhängig von Erwerbstätigkeit, finanziellen Problemen oder Familienstand berichten", sagte Co-Projektleiterin Yvonne Anders laut Mittelung der Universität. Bei den negativen Auswirkungen sei das nicht so: Erwerbstätige Eltern im Homeoffice und Eltern mit Geldsorgen hatten häufiger der Aussage zugestimmt, oft am Ende ihrer Kräfte zu sein.

Aus Sicht der Forscher ist das Ergebnis der Untersuchung keine Überraschung: "Fehlende Strukturen im Alltag und kaum vorhandene Ausweichmöglichkeiten können das Konfliktpotential in der Familie erhöhen", sagte Anders. Dies bringe für Familien ein hohes Belastungspotential mit sich und sei für alle Familien ein ernstzunehmendes Problem. Es bestehe zum einen die Gefahr, dass Eltern von ihrer Arbeit abgehalten werden und so in finanzielle Schwierigkeiten kommen. Zum anderen könnten sie sich nicht mit gleicher Kraft und Konzentration Arbeit und Kindern widmen.

Aber es gibt auch Tipps von den Pädagogen: "Eltern sollten sich Zustände von Überlastung eingestehen und versuchen, Unterstützungsmöglichkeiten und Beratungsangebote zu nutzen", rät Anders. Hilfreich sei etwa, dass viele Kitas Kontakt zu den Familien halten. Denn die Fachkräfte seien wichtige Ansprechpartner und Vertrauenspersonen von Familien und Kindern und würden "in dieser schwierigen Zeit" unterstützen. "Viele Familien wünschen sich Tipps und Anregungen für Aktivitäten zu Hause."

Aber nicht nur die Eltern sind gestresst, auch die Kinder leiden unter geschlossenen Kitas: Für die meisten Kinder sei es "sehr schrecklich", ihre gesamten sozialen Kontakte aufgeben zu müssen, kritisierte Jakob Maske vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte im "Frühstart" bei ntv. Und zwar nicht nur zu den Freunden, sondern auch zu den Erziehern. Es seien "ja enge Bindungen, die da aufgebaut werden". Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte befürwortet eine Rückkehr aller Kinder in Schulen und Kitas unter Einhaltung von Hygieneregeln.

Und die von Familien sicher ersehnte Linderung zeichnet sich ab: Bund und Länder haben sich auf eine schrittweise Öffnung der Kitas geeinigt. Ein konkretes Datum für den Wiedereinstieg wurde allerdings noch nicht genannt.

Quelle: ntv.de, kst


Aus: "Studie: Viele Eltern am Ende ihrer Kräfte" (Mittwoch, 29. April 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/wissen/Studie-Viele-Eltern-am-Ende-ihrer-Kraefte-article21747530.html

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#69
Quote[...] Daniela Dahn ist Schriftstellerin und Publizistin. Zuletzt erschien ihr Buch Der Schnee von gestern ist die Sintflut von heute (Rowohlt 2019)

Wir entscheiden uns jetzt für Menschenleben, gegen die Wirtschaft, heißt es allenthalben stolz in Politik und Medien. Das ist das eigentlich Atemberaubende an dieser Corona-Situation, denn in der bisherigen Menschheitsgeschichte und bis vorgestern lief es immer umgekehrt. Wie war es mit einem Mal möglich, im Namen der Humanität alle bisher geltenden Spielregeln außer Kraft zu setzen? Selbst die des Profits und die der Ignoranz? Auch die Freiheitsrechte, weil sie jetzt angeblich eine tödliche Gefahr sein können? Woher die plötzliche und, ja, löbliche Ehrfurcht vor dem Leben? Man hatte sie bisher in der Politik, der Wirtschaft, selbst in Teilen der Medizin schmerzlich vermisst. Für dieses Phänomen hat es noch keine plausible Erklärung gegeben, nur Staunen. Und Angst.

Es geht hier also um anhaltende Wahrnehmungsprobleme von uns Verunsicherten, nicht um Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Medizin. Obwohl wir plötzlich herausgefordert werden, uns mit kausalen Zusammenhängen von Krankheit und Tod zu beschäftigen, sie zum Verständnis statistisch einzuordnen. Dabei wird man oft ganz schwindlig von Zahlen, zu denen jedes Koordinatensystem fehlt. Die hehre Absicht, sich für Menschenleben und gegen die Wirtschaft zu entscheiden, begann mit dem Lockdown im chinesischen Wuhan. Einem Riesenreich, in dem die normale tägliche Sterbezahl schon bei über 42.000 liegt. Die Sorge, die von Mensch zu Mensch übertragbare Epidemie hätte Millionen dahinraffen können, musste ernst genommen werden, bei diesem aggressiven Virus. Anfang Januar gaben chinesische Wissenschaftler das vollständig diagnostizierte Genom an die WHO, damit global Maßnahmen ergriffen werden können. Seither hat ein Staat nach dem anderen das Primat der Politik zurückerobert und im Namen der Humanität dirigistisch durchgegriffen.

Erstaunlich bleibt, dass seit Jahr und Tag, von der Gesellschaft ignoriert und unbetrauert, Millionen sterben, die mit ähnlich konsequenten Zugriffen zu retten gewesen wären. Da meine ich nicht mal die Krankheiten, die von der westlichen Medizin unzureichend erforscht werden, weil sie hauptsächlich die Entwicklungsländer betreffen. Ich meine uns. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sowohl 2013 wie auch 2018 übereinstimmende Studien veröffentlicht, nach denen pro Jahr sieben Millionen Tote allein durch verschmutzte Luft zu beklagen sind. Die Medien haben es unaufgeregt gemeldet: Die Menschen sterben an giftigen Partikeln in der Luft, an Sulfat, Nitrat, Ruß, Feinstaub – den Hinterlassenschaften der Wirtschaft und des Auto- und Flugverkehrs. Diese Stoffe sind für einen Großteil aller chronisch obstruktiven Lungenerkrankungen und Lungenkrebs verantwortlich, aber auch für ein Viertel der Todesfälle durch Herzkrankheiten und Hirnschlag. ,,Luftverschmutzung bedroht uns alle", wurde WHO-Chef Ghebreyesus zitiert. In Europa sterben an verdreckter Luft jährlich 550.000 Menschen – das wurde schon seltener erwähnt. In keiner Zeitung fand ich den Hinweis, dass die Lebenserwartung jedes Europäers durch verschmutzte Luft im Schnitt mindestens um ein Jahr gesenkt wird. Könnte, wenn man selbst unmittelbar betroffen ist, nicht endlich Erschrecken einsetzen? Keine Zeitung vermerkte die Todesopfer in Deutschland.

Man kann aber in Bonn, beim WHO-Regionalbüro für Europa, nachfragen. Die zuletzt veröffentlichte Studie geht davon aus, dass in Deutschland jährlich über 37.000 Menschen an den Folgen vergifteter Luft versterben. Ist Wundern noch erlaubt? Bei solchen Angaben ist man jetzt hellhörig geworden. Ich will von den Experten wissen, ob die Betroffenen an oder mit vergifteter Luft gestorben sind, ob die Kausalitäten so eindeutig feststellbar sind. Mir wird versichert, dass zwar nicht Individualfälle ausgewertet wurden, dass aber über längere Zeiträume repräsentative Rückmeldungen und ein besseres Verständnis der biologischen Mechanismen, die einsetzen, wenn man verschmutzter Luft ausgesetzt ist, ein nachweisbares Quantifizieren ermöglichen. Meine illustrierende Nachfrage, ob man davon ausgehen könne, dass diese verfrühten Todesfälle nicht eingetreten wären, wenn die Menschen in einem Luftkurort gelebt hätten, wurde eindeutig bejaht.

Jetzt hat der Lockdown aus dem ganzen Land einen Luftkurort gemacht. Doch die Ehrfurcht vor dem Leben galt nicht den 37.000 Klima-Opfern des Jahres 2020. Auch wurde dem Robert-Koch-Institut im vorigen Jahr kaum Beachtung geschenkt, als es seine Studie vorstellte, nach der in Deutschland jährlich bis zu 20.000 Menschen an Infektionen sterben, die sie nicht bekommen hätten, wenn sie nicht ins Krankenhaus gekommen wären. Die Gesellschaft für Krankenhaushygiene geht von weit höheren Zahlen aus. Eine Freundin wurde bei der Entbindung mit Salmonellen infiziert und hat seither ein chronisches Darmleiden. Ungezählte kommen krank aus Krankenhäusern zurück. Muss im 21. Jahrhundert wirklich noch an Krankenhauskeimen gelitten und gestorben werden? Dort, wo Infektionsschutz den Kliniken kein Geld bringt und deshalb an Hygienepersonal und Laboren gespart wird, allemal. In den Niederlanden hat der Kampf gegen Keime einen ganz anderen Stellenwert – dort gibt es dieses Problem kaum.

Halten wir fest: Wir haben in Deutschland durch versiffte Luft und versiffte Krankenhäuser, also durch von Menschen verursachte Übel, etwa 60.000 Todesfälle im Jahr. Da haben wir noch nicht über die überschrittenen Grenzwerte von Nitrat im Grundwasser gesprochen, für die Deutschland vom Europäischen Gerichtshof verurteilt wurde, oder das undurchsetzbare Tempolimit. All das wird hingenommen, ohne sich für das Leben, gegen die Wirtschaft zu entscheiden. Keine Katastrophe des Humanitären? ,,How dare you?" wurde zur Anklageformel gegen die Verantwortlichen in Politik und Konzernen.

Sicher, immer schon haben neue, ansteckende Epidemien mehr Aufmerksamkeit erfahren als die nicht übertragbaren schweren Gesundheitsschäden durch verseuchte Umwelt. Dabei fängt mit dem Begriff Umwelt die Verharmlosung schon an. Als seien wir der unangreifbare Fels, der zusieht, wie die Welt um ihn herum Schaden nimmt. Als seien vor allem Bäume, Bienen und Korallen gefährdet. Nein, Umweltschaden ist ein Euphemismus, der unterschlägt, dass wir Teil des Geschehens sind. Der Mensch selbst ist der personifizierte Umweltschaden. Mit unseren entzündeten Atem- und Verdauungstrakten, den geschwächten Immunsystemen, sind wir die perfekten Wirte für Keime und Viren aller Art. Eine vorbeugende Impfung gegen Klimaschäden wird es nie geben. Eine Pille auch nicht. Und Intensivtherapie kommt erst, wenn intensive Prävention versäumt wurde.

Die WHO bemüht sich seit Jahren, ein Bewusstsein für diese Zusammenhänge zu schaffen. Doch die Betroffenen waren bisher ohnmächtig gegen eine Wirtschaft, die ein Geschäft aus dem Leid macht. Allein die Kosten zur Behandlung derjenigen, die noch nicht an vergifteter Luft gestorben sind, schätzen die WHO-Experten in ihrem Bericht zur Klimakonferenz in Kattowitz auf mehr als fünf Milliarden Dollar im Jahr. Der Preis des Klimawandels schlägt sich in den Hospitälern nieder. Wenn EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen fordert, man müsse nun den Unternehmen helfen, ,,angesichts der von ihnen unverschuldeten Corona-Krise", übersieht sie, dass den Bürgern schon immer die Rechnung für den Naturverschleiß der Wirtschaft auferlegt wurde. Die Staaten mit dem höchsten Ausstoß an krankmachenden Gasen müssen etwa vier Prozent ihrer Wirtschaftsleistung aufbringen, um die Schäden ihrer Unternehmen einzudämmen. Dabei würde es nur ein Prozent der globalen Wirtschaftsleistung kosten, den Pariser Klimavertrag zu erfüllen. Und so auf Dauer Millionen Menschen vor dem Tod zu bewahren. Warum greifen hier die humanistischen Werte nicht?

Die WHO ist nicht erst jetzt ins Gerede gekommen, wo der oberste Welt-Sündenbock-Finder ihr ausgerechnet in größter Not die US-Beiträge streicht. Zwar konnte sie die Pocken ausrotten und durch Aufklärung den Verbrauch von Nikotin stark senken. Und die Lebenserwartung ist in den meisten Ländern trotz allem gestiegen, auch wenn die gewonnenen Jahre oft mit Einschränkungen verbunden sind. Aber angesichts ihrer auf das Überleben der Menschheit gerichteten Aufgabe, war die WHO immer unterfinanziert. Letztlich ist diese UN-Organisation in Forschung und Betreuung nicht leistungsfähiger, als es der Wille ihrer 194 Mitgliedstaaten zulässt. Das macht sie abhängig von privaten Sponsoren, die inzwischen zum Hauptgeldgeber geworden sind. Man muss einem Bill Gates nicht jeglichen Altruismus absprechen. Aber Unternehmer verbinden ihren Edelmut am liebsten mit Geschäftemacherei. Die Gates-Stiftung hat Kinder und Frauen insbesondere aus Afrika zur Feldforschung benutzt, ihre Impfungen haben geholfen und geschadet. Jetzt wartet alle Welt auf den Messias, der Erlösung durch Corona-Impfung bringt. Also nicht nur eine vorübergehende, sondern die ultimative Lösung. Wieso sollte es gelingen, einen Stoff zu entwickeln, der schneller da ist als die Mutation von Covid-19? Wir kennen das Hase-und-Igel-Rennen von den Grippeimpfungen. Heilsversprechen ist zu misstrauen, erst recht, wenn sie von Privatfirmen kommen.

Der Machtkampf in der WHO spielt sich nur vordergründig zwischen den USA und China ab. Der eigentliche Konflikt besteht zwischen denjenigen, die das Übel an der Wurzel packen wollen, also an der Armut, den maroden privatwirtschaftlichen Gesundheitssystemen und der vergifteten Natur, deren Teil wir Menschen sind. Und denjenigen, die gegen das Gift vor allem ein Gegengift verkaufen wollen. Medikamente, Impfungen, Intensivtherapien, Apps. Diese Wirtschaft tötet, hat Papst Franziskus angeklagt, ohne dass sich etwas verändert hätte. Erst als das tödliche Virus kam und mit ihm die tägliche Katastrophen-Berichterstattung ein intransparentes Gefährdungsgefühl verbreitete, bebildert auf den Smartphones der Welt erstmals mit als Marsmenschen verkleideten Medizinern, mit überfüllten Leichenhallen, Särgen und gespenstisch leeren Städten, musste und durfte die große Wirtschaft vorübergehend aufhören zu töten. Während die kleine mitgeopfert wurde.

Der Autor der Pest, Albert Camus, wusste: ,,Es ist die natürliche Neigung des Menschen, sich und alle Welt mit sich zu ruinieren." Ist, was wir gerade erleben, mit der Logik des Absurden besser zu beschreiben als mit der des Rationalen? Denn die würde die Ursache als Prämisse nehmen und die Folge in Relation zu vergleichbaren Folgen setzen. Wer die Ängste und Entbehrungen der letzten Wochen mit der Hoffnung entschädigt, so bald wie möglich zu seinem gewohnten Leben zurückzukehren, hat die Botschaft des Virus nicht verstanden..


Aus: "Verrückte Maßstäbe" Daniela Dahn (Ausgabe 17/2020)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/daniela-dahn/verrueckte-massstaebe

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gsyme | Community

Schöner Artikel. Für mich ist das aber überhaupt kein Rätsel, warum beispielsweise beim Theme Luftverschmutzung nichts passiert, obwohl mehr Menschen jährlich daran sterben.
An der Luftverschmutzung leiden ja nicht alle gleich. Wer an einer Hauptstraße zur Miete wohnt, oder die Autobahn repariert leidet um ein vielfaches mehr. Selbst in der dreckigen Autostadt Stuttgart kann man saubere Luft atmen, wenn man in eines der Villenviertel geht. Ach ja, die CDU/SPD Regierung ist der Autolobby hörig, noch fragen?

Wenn im Krankenhaus Menschen an Keimen sterben, juckt das die Menschen nicht, die sich ohnehin in Privatkliniken behandeln lassen, wo ganz andere Standards gelten. Wen wählen die noch gleich?

Beim Virus ist es aber nicht so leicht sich zu schützen. Es kann jeden treffen, egal wie dick der Geldbeutel ist. Auch vor der Villa muss jemand das Gras mähen und bei dem kann man sich anstecken, oder beim Lieferservice. Die eingenen Kinder sind in der Privatschule ebenfals nicht mehr sicher.

Deshalb wird etwas dagegen unternommen und dabei was von "Menschlichkeit vor Wirtschaft" gefaselt. Wie weit man dem glauben kann wird schön in dem Artikel erläutert.

Ach ja, und wer stirbt an dem Virus noch mal am leichtesten? Etwa der Teil der Bevölkerung der noch CDU wählt?! Gibt es da vielleicht auch einen Zusammenhang?


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eichardt-29221celle | Community

Liebe Daniela Dahn, Sie fragen in Ihrem Artikel: "Wie war es mit einem Mal möglich, im Namen der Humanität alle bisher geltenden Spielregeln außer Kraft zu setzen? Selbst die des Profits und die der Ignoranz?" Und letztlich "Warum greifen hier die humanistischen Werte nicht?" Und verbleiben ohne Antwort. Vielleicht darf ich unternehmen, Ihnen einen Antwortansatz vorzuschlagen: Meine Freunde und ich haben uns diese Fragen regelrecht baff bereits Mitte März gestellt und sind, um mein großes Vorbild Käpt'n zu zitieren, durch "bloßes Nachdenken" auf folgenden Erklärungsansatz gekommen: Würden sich die Corona-Opfer übers Jahr verteilen, würde dies kein Lockdown, keine Schutzmasken, keine Absage von Veranstaltungen nach sich ziehen - es würde, so wie viele andere Todes- und Leidensursachen (die ökonomische Gründe haben) billigend in Kauf genommen werden. Das exponentielle Wachstum zeitigt ungebremst aber die Folge, dass sich der Peak der Sterberate in einem relativ kurzen Zeitraum ereignet. Sprich, jedes Gesundheitssystem, auch unser durch das DRG-System zusammengespartes Gesundheitssystem, wäre mit solch einer Rate überlastet. Es geht bei dem Ganzen um das Sichtbare, das nicht mehr "unter den Tisch zu kehrende" . Daher, sagen z. B. auch alle Ministerpräsidenten, die bei Markus Lanz eingeladen sind, dass es im Kern um die Anzahl der Intensivbetten geht und dass die Zahl der Infizierten so gering zu halten ist, dass ausreichend Intensivbetten zur Verfügung. Es also vor allem um eins geht: eine Triage unter allen Umständen zu vermeiden. Denn das wird m. E. als Bankrotterklärung des Staates, der Regierung und damit des Systems verstanden. Denn der Deal zwischen Staat und Bürger wird so gesehen: Der Bürger tritt alle möglichen Rechte an den Staat ab und der Staat garantiert dafür im Gegenzug bestimmte Infrastrukturleistungen im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge, bestimmter öffentlicher Güter und Rechtssicherheit. Sprich, es geht im Kern um die Legitimation der Macht. So, ist mein Blick auf die Sache in der von Ihnen gestellten Frage. Ich denke aber, dass das den meisten Politikern nicht bewusst ist, respektive von denen nicht so gesehen wird. Angela Merkel, so mein Gefühl, hat dafür aber einen ausgesprochenen "Riecher", welche Bilder sie in der öffentlichen Wahrnehmung zulassen darf und welche nicht. So sehe ich z. B. auch ihr zeitweiliges Handeln in der Flüchtlingspolitik ("Willkommenskultur) motiviert - und nicht als ethisch motiviert.

Mit Ihren letzten Absatz mag ich mich gar nicht anfreunden. Ich habe alle Bücher von Camus gelesen, eine "Logik des Absurden" gibt es bei Camus nicht. Im "Mythos von Sisyphos" geht es um andere existentielle Kategorien, und vor allem sollte man "Der Mensch in der Revolte" und dessen essenziellen Ansatz rezipiert haben, wenn man sich zu Camus äußert. Eine Analogie von Camus Roman "Die Pest" (in meinen Augen sein literarisch schlechtester Text) zur jetzigen Pandemie finde ich wohlfeil. Camus "Pest" sollte zudem immer auch als Allegorie auf totalitäre Systeme gelesen werden. Und ob es eine Botschaft eines Virus gibt, habe ich bereits bei HIV und damit einhergehenden Konnotationen bezweifelt.

Viele GrüßeStefan Eichardt29221 Celle


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Hjoburg | Community

Diese Heuchelei ist einfach unerträglich. Ich könnte hier unendliche Artikel aus den vergangenen Jahren zitieren, die genau das Gegenteil ausgesagt haben. Hier nur ein paar Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit:

Was für unerbittliche Spaltungsversuche wurden in der Rentenfrage unternommen, um Jung und Alt zum Nachteil der Alten auseinanderzudividieren? Oder wie war es mit den unerträglichen Debatten, ob man Älteren über 80 Jahre noch ein neues Hüftgelenk implantieren sollte? Oder die Armutsrenten, die täglich zigtausende zur Suppenküchen, Flaschensammeln motivieren?

Auch stellte sich Fridays for Future die Frage, warum denn die Großeltern immer noch jedes Jahr reinreden würden? Schließlich seien sie eh bald nicht mehr dabei. Oder war das nur wieder ... Satire?

Halten wir fest: In weiten Teilen der medialen Darstellung und der öffentlichen Wahrnehmung galten alte Menschen zunehmend als jene gesellschaftlichen Störfaktoren, die keinen wirtschaftlichen Mehrwert erbringen, die dem jungen Steuerzahler sowieso nur auf der Tasche liegen würden und zu guter Letzt auch noch die Welt versaut hätten, in der die heute jungen Menschen nun leben müssten.

Und jetzt auf einmal stellen wir dieser langjährigen Aversion zum Trotz das öffentliche Leben ein, um diese — Vorsicht! Ironie! — alten Säcke zu schützen? Dies passt nicht zusammen!


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gelse | Community

>>In Europa sterben an verdreckter Luft jährlich 550.000 Menschen...<<

Im Alltag verliert das Grauen seine Grausamkeit eben durch die Alltäglichkeit. Schon drängen allerlei Kapitallobbyisten, allen voran der Automobilindustrie auf Wiederherstellung des tödlichen Alltages. Dass der Strassenunfall, mit ca. 3500 Toten und ca. 60 000 Schwerverletzten jährlich auch elektrisch herstellbar ist: Fast vergessen, denn zuerst muss der kranke Atemluftstandard wiederhergestellt werden. ...


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qbz | Community

Ihr Beitrag hat mich angeregt, über Ihre Fragestellung nachzudenken.

Die Infektionsschutzmassnahmen ergeben sich zwingend (!) aus dem § 2 des Grundgesetzes: ,,Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich." Träger dieses Rechtes ist jeder Mensch und es verpflichtet die staatliche Gewalt, es zu schützen. So muss z.B. jede Tuberkulose dem Gesundheitsamt gemeldet werden, das dafür sorgt, notfalls mit Zwangsmitteln wie psychiatrische Einweisung, dass ein Erkrankter sich behandeln lässt und keine anderen Menschen durch Ansteckung gefährdet. Jeder hat das Recht, vor einer möglicherweise tödlichen Infektionskrankheit durch die staatliche Gewalt geschützt werden. In den Ländern, wo das nicht der Fall ist, sterben weltweit ca. 1,4 Millionen an Tuberkulose und es werden dort auch Millionen wegen Covid-19 sterben.

Wie nun die staatliche Gewalt die körperliche Unversehrtheit garantiert, muss in der Demokratie ausgehandelt werden, was natürlich auch eine Frage der Machtverhältnisse zwischen den sozialen Klassen ist. So existieren für die Luftverschmutzung und viele Umweltgifte, an die alle irgendwie direkt oder indirekt beteiligt sind, eben zwischen den Klassen ausgehandelte Grenzwerte, welche der Staat einhalten muss. Und für eine möglichweise neue tödliche Infektionskrankheit müssen die Erkrankten und Kontaktpersonen in Quarantäne, damit das Recht der anderen auf Unversehrtheit gewahrt bleibt.

Der von Ihnen aufgestellte Hauptkonflikt:

"Der eigentliche Konflikt besteht zwischen denjenigen, die das Übel an der Wurzel packen wollen, also an der Armut, den maroden privatwirtschaftlichen Gesundheitssystemen und der vergifteten Natur, deren Teil wir Menschen sind. Und denjenigen, die gegen das Gift vor allem ein Gegengift verkaufen wollen. Medikamente, Impfungen, Intensivtherapien, Apps."

teile ich so nicht. Medikamente, Impfungen, Intensivtherapien pauschal als Gift zu bezeichnen, ist doch absurd. Überall da, wo diese "Gifte" fehlen, sterben die Menschen viel früher als in den Ländern, wo sie für alle verfügbar. Dass nun die medizinischen Güter ebenfalls der Profitmaximierung dienen, heisst jetzt nicht, sich gegen diese Güter zu wenden. Das wäre Maschinenstürmerei.


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Lacrima | Community

"Wahrnehmungsprobleme von uns Verunsicherten"

... von euch Verunsicherten, wer immer sich darunter subsummieren lassen mag; ich bin nicht verunsichert.

Eine interessante Frage, wie man sich das Leben von derzeit etwa 7 Milliarden Menschen ohne Wirtschaftskreisläufe und Lieferketten vorstellt. Es steht zu befürchten, dass die Fragestellung des Blogs darauf hinweist, dass der Autorin der Zusammenhang zwischen Wirtschaft und schierem Überleben von Milliarden nicht klar ist.


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Insel-Banker | Community

Herzlichen Dank für die im Detail absolut zutreffende Analyse der humanitären Verirrungen des Homo sapiens, dem gnadenlosen systemischen Manipulator des eigentlich Natürlichen! Ich schätze Ihre Arbeit sehr und möchte ausdrücklich anerkennen, dass Sie den Finger in verschiedene Wunden legen, von denen es aber noch so unglaublich viele mehr gibt.

Allerdings ist Ihr Text auf der anderen Seite (augenscheinlich völlig unbewusst) ein leibhaftiger Ausdruck dessen, warum die Menschen permanent daran scheitern, ,,Humanität" angemessen zu leben: Wie fast alle Menschen heutzutage bringen Sie Ursache und Wirkung durcheinander. In Ihrer Frage wird dieses deutlich:

Dahn: ,,Wie war es mit einem Mal möglich, im Namen der Humanität alle bisher geltenden Spielregeln außer Kraft zu setzen? Selbst die des Profits und die der Ignoranz? ... Woher die plötzliche und, ja, löbliche Ehrfurcht vor dem Leben?"

Orientiert man sich allerdings an der historischen Wirklichkeit, dass der Mensch aus evolutionärer Sicht der Meister der Kooperation und damit (wie so viele wissenschaftliche Erkenntnisse nahelegen) ein höchstgradig soziales Wesen ist, und nicht an der eingeredeten Illusion, also an dem extrem manipulativen ökonomischen Mantra, dass der Mensch von Natur aus ein völliger Egoist sei und schon immer das Gesetz des Stärkeren gelte, dann müsste diese Frage genau andersherum lauten:

Wie konnte es in der Entwicklung der Menschen geschehen, dass ökonomisch bedingte Ignoranz und allumfassendes Profitstreben die tief im Menschen verwurzelte Humanität verdrängt hat?

Achtung: An dieser Stelle geht es in erster Linie um ökonomische Zusammenhänge und nicht um Machtmissbrauch und Unterdrückung anderer und der damit verbundenen barbarischen Gewalt.

Durch die Industrialisierung (ab etwa dem 18. Jh.) und die Ökonomisierung des Lebensalltags erfuhren die Lebensart und die geistige Haltung der Menschen einen tiefen Wandel. Hiezu die Darstellung des Soziologen Gerhard Vowinkel (geb. 1946). Er beschreibt im Folgenden – mit Verweis auf das Werk »Der moderne Kapitalismus« von Werner Sombart (1931, S. 258f) – die gesellschaftlichen Veränderungen, die die neue Wirtschaftsordnung mit sich brachte:

"Im Mittelalter war wirtschaftliche Tätigkeit personal orientiert gewesen. Menschen wuchsen – nicht als wirtschaftliche Funktionsträger, sondern als individuelle, durch ihre Abstammung in soziale Beziehungsnetze eingebundene Personen – in Lebenszusammenhänge hinein, in denen die unterschiedlichen menschlichen Lebenstätigkeiten noch nicht voneinander differenziert waren. Das heißt, ihr wirtschaftliches Handeln konnte sich niemals nach vorwiegend wirtschaftlichen Gesichtspunkten richten. Es wurde dominiert durch die verwandtschaftlich-ständischen Bindungen. Die mit ihnen verbundenen Solidaritätspflichten waren wichtiger als Gewinn und Verlust. Mehr noch, alles Handeln nach Gesichtspunkten rein wirtschaftlicher Rationalität wurde als asozial und unmoralisch angesehen. Mit der Entstehung des Kapitalismus spalteten sich die Handel und Gewerbe treibenden Personen innerlich auf in Geschäfts- und Privatleute. Der Geschäftsmann nahm nicht mehr länger Rücksicht auf die Verpflichtungen des Privatmannes. Er kannte Verwandte und Freunde nicht mehr und orientierte sein Verhalten nur noch am wirtschaftlichen Erfolg, am Gewinn. Er nahm als Geschäftsmann keine Rücksicht auf andere Leute und erwartete keine von ihnen. ... Der Geschäftsmann, der seine private Person nicht aus dem Geschäft heraushalten kann, der bei Freunden kauft, statt beim billigsten Anbieter, der statt eines leistungsfähigen Fachmannes seinen Sohn zum Geschäftsführer macht, gefährdet das Unternehmen. Unternehmen, die solche Gefahren abwehren können, überleben diejenigen, die es nicht können." (,,Verwandtschaft und was Kultur daraus macht", Gerhard Vowinkel, aus: ,,Zwischen Natur und Kultur", Stuttgart 1994, S. 60:)

Fazit: Es sind die Menschen selber, die sich Inhumanität aus ökonomischen Gründen permanent einreden. Im Grunde ist der ökonomisch infizierte Mensch schlimmer als der ,,schlimmste" Junkie, der sich eine andere Realität erst gar nicht mehr vorstellen kann. Und dann plötzlich bahnt sich das Humane völlig unverhofft doch seinen Weg: vor allem in Extremsituationen, in denen nicht der eingeredete Schwachsinn, sondern die tiefste Prägungen, ja sogar genetisch Verankertes abgerufen werden. Das sollte die entscheidende Erkenntnis in diesen Zeiten sein.

Wenn wir Menschen daraus wirklich lernen wollen, dann müssen wir erkennen, dass wir so schnell wie möglich tabulos Inhumanität fördernde Systeme verlassen und Humanität fördernde installieren.

Wenn in tausend Jahren auf uns zurückgeblickt wird, dann dürfte wohl an erster Stelle die erstaunte Belustigung darüber stehen, wie wir uns einerseits ein absolut asoziales, alles dominierendes Wirtschaftssystem geleistet und uns andererseits in humanistischen Sonntagsreden darüber empört haben, wie egoistisch und inhuman sich viele Einzelne denn verhielten.

Wer also jetzt wirklich dazu lernen möchte, dem bleibt genau nichts anderes übrig, als von jetzt an die Neuinstallation eines wesentlich klügeren Systems lautstark kompromisslos einzufordern, denn innerhalb eines auf falschen Voraussetzungen basierenden Systems, kann es auf Dauer keine ,,richtigen" Maßnahmen geben.

Wir brauchen den Systemwechsel jetzt. Solidarität und Kooperation müssen das Fundament der künftigen Gesellschaft sein, in der Eigen-, Fremd-, Gemein- und Universalwohl gleichermaßen ernsthaft und je nach Situation abgewogen berücksichtigt werden müssen! Und natürlich soll die Demokratie dadurch gestärkt und nicht geschwächt werden, und natürlich geht es um ein funktionstüchtiges System und kein ,,sozialistisches Wolkenkuckucksheim".

Dahin kommt man allerdings nur, wenn man die richtigen Fragen stellt und die Antworten dann auch zu Kenntnis nimmt.


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reziplikativ | Community

,,In der Krise gehen Menschenleben vor Wirtschaft."

Ist dem so? Wer zynischen und gleichermaßen profilierungsgeilen Politikerdarstellern wie Lindner oder Palmer zuhört, den Bundestagspräsidenten aufmerksam liest, sich journalistische Kommentare und Tweets reinzieht, der könnte in einigen Bereichen durchaus zu einem anderen Urteil kommen. Es sind aktuell ja gerade Teile der Eliten und der Meinungsmacher, die verbal mit dem Leben anderer Vabanque spielen, dabei "eindrucksvoll" zeigen, wie wenig bis nichts sie z. B. für Alte und Schwache übrig haben. Es kommt halt eben auch weiterhin zuerst das Fressen, erst dann kommt die Moral. Daran wird selbst das Virus nichts ändern.


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Quote[...] Der Journalist und Philosoph Gert Scobel sieht die Gefahr, dass Moderatorinnen und Moderatoren in der Corona-Krise ,,als Ersatzpolitiker agieren wollen". Journalisten könnten die Komplexität der Welt nicht allein lösen und auch virologische Debatten kommunikativ nicht allein so aufbereiten, ,,dass die Politik nur noch dem zu folgen braucht, was in Talkshows verhandelt wird", sagte er dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Das grundlegend Neue an der Corona-Krise sei, dass Milliarden von Menschen derzeit ,,sehr hautnah emotional" erfahren, wie komplex die Alltagswelt ist, sagte der Moderator der Sendung ,,Scobel": ,,Sie haben direkt erfahren, wie eng zum Beispiel Gesundheit mit Wirtschaft verknüpft ist."

Journalisten seien nicht die Einzigen, die die Komplexität der Geschehnisse für ihre Berichterstattung einordnen müssten, sagte der Journalist. Auch Virologen versuchten auf ihre Art, die Komplexität von Daten und Befunden zu reduzieren. Aufgabe von Journalisten sei es, ,,möglichst viele dieser Teilantworten und Perspektiven erstens sachgemäß und zweitens verständlich möglichst objektiv zu kommunizieren". Dazu gehöre auch zu sagen, dass sie bestimmte Dinge nicht wissen, weil sie sie gar nicht wissen könnten.

Insgesamt spiegele der Journalismus seiner Beobachtung nach derzeit viele unterschiedliche Perspektiven wider, sagte Scobel. Die wichtigste Aufgabe sei es, ,,neue Wege zu finden, gemeinsam mit unterschiedlichen Perspektiven und Komplexität umzugehen". Journalistinnen und Journalisten müssten auch weiterhin kritisch nachfragen, um ,,klug und freundlich auszuloten, was das klügste, im Idealfall sogar weise Verhalten ist".
Die Medien könnten nach Ansicht von Scobel aus der Corona-Krise lernen, dass sie ,,eine größere Verantwortung haben als gedacht". Ein Teil des Fernsehens könne lernen, ,,dass unsere erste Aufgabe nicht die Bespaßung der Republik ist, sondern dass wir gemeinsam versuchen müssen, neue Öffentlichkeiten herzustellen, um damit Freiheit und Gemeinwohl zu fördern", sagte er.

Jetzt sei eine gute Zeit, Dinge zu verändern: ,,Lieber mal einen Gast weniger in eine Talkshow einladen und dafür ein intensiveres Gespräch führen. Ein Gespräch, das auch nicht nur dem einen die Kritik des anderen um die Ohren haut, sondern lösungsorientiert ist."

Scobel, 60, studierte Philosophie und Theologie in Frankfurt am Main und im kalifornischen Berkeley. Seit April 2008 leitet und moderiert er die Sendung ,,Scobel" bei 3sat. Seit Mai 2016 ist er Professor für Philosophie und Interdisziplinarität an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. (epd)


Aus: "Medien in der Corona-Krise Gert Scobel warnt vor Moderatoren als ,,Ersatzpolitiker"" (30.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/medien-in-der-corona-krise-gert-scobel-warnt-vor-moderatoren-als-ersatzpolitiker/25791094.html

Quotebabilas-2020 13:52 Uhr

    Die Medien könnten nach Ansicht von Scobel aus der Corona-Krise lernen, dass sie ,,eine größere Verantwortung haben als gedacht".

Genau diese Verantwortung sind die Medien und speziell das Fernsehen nicht bereit zu übernehmen, denn es zählt nach wie vor nur die Quote!!

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Natascha Strobl (* 25. Februar 1985 in Wien) ist eine österreichische Politikwissenschaftlerin und Skandinavistin.
https://de.wikipedia.org/wiki/Natascha_Strobl

Quote[...] Natascha Strobl @Natascha_Strobl 5:58 PM · Apr 6, 2020

Ich habe mich in d letzten Tagen wieder sehr viel auf rechtsextremen Seiten in aller Welt herumgetrieben. Es gibt verschiedene Ansätze zu Corona, auf die ich andernorts länger eingehen werde. Was auffällt: Unkontrollierte Durchseuchung ist der präferierte Ansatz- ich sag euch warum.

Alle sind sich einig, dass es eine hysterische, panische und völlig überzogene Reaktion war und die sinnbildlich für d (post)moderne Welt (und damit im Gegensatz zu ihnen) steht. Verweichlichte, kopflose Politiker_innen ohne Führungsqualität stehen für eine ebensolche Gesellschaft.

Und genau hier bekommen wir schon eines der wichtigsten Elemente faschistischer Ideologie mit: Die Schwachen und alle Synonyme für schwach. Eine dekadente, verweichlichte, unmännliche, hysterische, panische, angstvolle, verweiblichte Gesellschaft ist das Problem.

Das ist nicht neu und stand auch mit dem Durchbruch der Moderne als ein zentrales Narrativ des aufkommenden Faschismus: Männer sind keine Männer mehr, sondern nervöse, städtische, verintellektualisierte u (jetzt kommts) kranke Schwächlinge. Die Idee von krank als schwach ist wichtig.

und genau in diese Kerbe wird jetzt wieder geschlagen: Wegen so eines Virus so einen Aufstand machen entspricht nicht männlichen oder nationalen Werten. Hier wird mit allerlei moralischen Bewertungen aufgefahren: Es verletzt die Würde, das Ansehen, den Geist usw des Volkes.

Denn selbst, wenn der Virus schlimm ist (worüber Uneinigkeit besteht), so ist es doch einerseits individuell besser ihn anzunehmen und daran zu sterben und andererseits "gesellschaftlich" (sie denken nicht in Gesellschaft) sich eben nicht an den Schwachen auszurichten.

Das ist interessant, weil man ja auch vermuten könnte der extremen Rechten wäre daran gelegen große Teile des eigenen Volkes zu schützen. Aber das stimmt eben nicht, wenn es schwache Teile sind. Das Schwache ist nie schützenswert und muss raus und weg. Das ist Faschismus.

Dementsprechend kommen jetzt in der intellektuellen Aufbereitung keine treuherzigen Aufrufe Oma und Opa zu schützen (wie wir es aus rassistischen Diskursen kennen), sondern, dass die Schwachen eben Pech gehabt haben. Man möge es in Würde ertragen.

Damit wird ideologisch auch kein Unterschied zwischen Krieg und Virus gemacht, denn dieses Prinzip des "Aushaltens" und des Sterbens ohne Murren für das große Ganze sind eigentlich Prinzipien der faschistischen Herorisierung von Krieg. Krieg und Heldentod als Wert an sich.

Das wird jetzt auf den Virus übertragen auf einer individuellen Ebene. Protagonisten verlautbaren in großem Pathos, dass wenn es sie trifft sie sich dem gefasst und dem Tod direkt in d Augen blickend stellen werden. Selbstherorisierung gegen einen Virus. (dem das völlig egal ist)

Und als gesamtgesellschaftliche Strategie wird eben gefordert alles normal weiterlaufen zu lassen, einerseits um die Wirtschaft nicht zu ruinieren und andererseits weil Lockdown eine ängstliche u somit unmännliche Strategie ist und der Maßstab die Starken nicht die Schwachen sind.

Es wird also von den Menschen der Risikogruppe gefordert nicht schwach, sondern stark zu sein und stark zu sein heißt ohne Murren sterben. Wenn sie das nicht tun sind sie schwach und Schwache ziehen Alle runter und müssen deswegen sowieso raus.

Es gäbe dazu noch sehr viel zu sagen - diese Idee von Schwäche und Stärke und wer zentral ist und nach wem sich Gesellschaft bzw. Volk auszurichten haben ist zentral im Faschismus und findet sich zum Beispiel im Antisemitismus, der völkischen Eugenik, im Antziganismus usw wieder.

Ihr seht in dieser Art der Debatte aber auch die Anknüpfungspunkte für etwa Marktfanatiker_innen, die ausrechnen möchten wieviel ein Menschenleben wert ist, oder ob es nicht besser wäre keine Anstrengungen in das Retten von Leben zu investieren.

Deswegen bitte extra Vorsicht, wenn Menschenleben als nicht wert oder ohnehin bereit beendet zu werden verhandelt werden. Die Sache ist: Das hört danach nicht aus. Jetzt sind es die Alten und Vorerkrankten. Nach Corona geht dann weiter mit Suchtkranken, Obdachlosen usw.

Diesen Pfad Menschenleben zu bewerten und als nicht rettenswert (und das ist die sanfte Variante) einzustufen, weil ihre Rettung eine zu große Belastung für die Starken in der Gemeinschaft sind, zu begehen ist sehr gefährlich.


Quelle: https://twitter.com/Natascha_Strobl/status/1247191849422458880

QuoteThorsten Bischoff @thobi75 Apr 8 Replying to
@Natascha_Strobl

Hinzu kommt der Ansatz, dass der Virus immer ,,vom Ausland kommt", also über das eigentlich unschuldige eigene Volk hereingebrochen sei, weshalb die Konsequenz daraus für rechte Ideologen in der üblichen Rhetorik aus Abschattung und Abgrenzung besteht.


QuoteNatascha Strobl
@Natascha_Strobl
·
Apr 8

Ja ,,Wuhan-Virus" in der deutschsprachigen Extremen Rechten ,,China-Virus" im angloamerikanischen Raum.


QuotePeter Bern @Pbern12 Apr 6 Replying to @Natascha_Strobl

Ich glaub, dass es simpler ist. Die Rechten sind immer anderer Meinung als Wissenschaft und gesunde Menschenverstand.
Sie bestreiten den Klimawandel, leugnen Darwin und sind Impfgegner. Das stärkt Zusammengehörigkeitsgefühl. ...


Quotesocially distant since spring of '79 @chupavaca Apr 6

Nein. Faschos haben kein Problem mit Wissenschaft, solange diese den eigenen Interessen dient, siehe Rüstung und Medizin. Das Leitbild ist hier auch, dass die überleben, die wertvoll sind.


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Quote[...] Angesichts des Konjunktureinbruchs dringen Wirtschaftsverbände auf einen schnellen Ausstieg aus den Anti-Corona-Maßnahmen. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) fordert, die Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie noch im Mai zu beenden. "Heben Sie den Lockdown auf, bevor es zu spät ist!", heißt es nach Verbandsangaben in einem Offenen Brief der Spitze um BVMW-Präsident Mario Ohoven an Kanzlerin Angela Merkel (CDU). Es sei verantwortungslos, dass die Politik keinen Ausstiegsfahrplan vorgelegt habe.

Der Industrieverband BDI fordert die Vorlage eines klaren Exitplans am kommenden Mittwoch. "Unsere Unternehmen wollen und müssen wissen, in welchen Stufen das gesellschaftliche und wirtschaftliche Leben wieder anlaufen soll – und zwar nach dem Treffen der Bundeskanzlerin mit den Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten am 6. Mai", sagte BDI-Präsident Dieter Kempf den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Jede Woche eines Shutdowns kostet die deutsche Volkswirtschaft einen mittleren zweistelligen Milliardenbetrag an Wertschöpfung."

Die Bundesregierung rechnet für das gesamte Jahr 2020 mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 6,3 Prozent und damit mit dem stärksten Einbruch seit Gründung der Bundesrepublik. 

Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble warnte davor, die Hilfsmöglichkeiten des Staates in der Wirtschaftskrise zu überschätzen. Er habe die Sorge, dass die Menschen den Eindruck gewinnen, der Staat könne jetzt für alles aufkommen, sagte Schäuble der Mittelbadischen Presse. "Am Ende können wir aber für Hilfen und Sozialleistungen nur so viel aufwenden, wie erwirtschaftet wird." Deshalb müsse man gemeinsam entscheiden, wie sich eine intensive Erholung der Wirtschaft in Deutschland und Europa zustande bringen lasse.

Die ersten Lockerungen – etwa die teilweise Öffnung von Geschäften – hatte es am 20. April gegeben. Am vergangenen Mittwoch hatten die Regierungschefs dann vereinbart, Spielplätze, Zoos, Museen und Ausstellungen zu öffnen und Gottesdienste wieder zu erlauben – allerdings gibt es keinen bundesweit einheitlichen Zeitpunkt.


Aus: "Wirtschaftsverbände fordern Ende der Corona-Beschränkungen" (2. Mai 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-05/corona-wirtschaftskrise-bvmw-beschraenkungen-ausstieg

QuoteFriedlicher Kampfradler #5

1720 lag ein Pestschiff aus Zypern vor Marseille. Es wurde die übliche Quarantäne verhängt. Aber die Händler wollten ihren Gewinn und drängten die Verantwortlichen, das Schiff löschen zu lassen. Zwei Jahre später war die Hälte der Bevölkerung an der Beulenpest gestorben.

Aber hey, aus der Geschichte lernen ist was für Nerds. hier geht's um CASH MONEY LEUTE YO!

https://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Pest_von_Marseille


QuoteAdam der Alte #5.1

"1720 lag ein Pestschiff aus Zypern vor Marseille. Zwei Jahre später war die Hälte der Bevölkerung an der Beulenpest gestorben."

Wann stirb die Hälfte der Bevölkerung an Corona?


Quote
over_the_line #5.2

Da wir gerade bei Geschichte sind: Uns droht die größte Wirtschaftskrise seit den 1920er. Da haben die Menschen am Ende dann Hitler gewählt.
Aber hey, sind ja nur wirtschaftliche Existenzen, die zerstört werden. What could possibly go wrong?


Quoterob_ert #5.4

"Wann stirb die Hälfte der Bevölkerung an Corona?"

Nonkognitivismus?
Keine Ahnung, vllt. dann wenn keine Gegenmaßnahmen getroffen werden?

Btw., die Pest könnte man heute mit Antibiotika bekämpfen.
Haben Sie schon ein Medikament, was Corona bekämpft?


Quotelindenstamm #5.7

Kühllaster mit Toten in New York, die Laster mit Toten in Italien, das reicht auch. Die Triage-Situation. Schwere Krankheitsverläufe und mögliche Langzeitschäden. Und das auch ab 50 Jahren. Dazu Menschen mit Vorerkrankungen.
So genau kennt man das Virus noch nicht, auch wenn die Virologen dieser Welt an der Arbeit ist.

Die Hälfte der Bevölkerung wie bei der Pest wird es nicht sein. Aber wirklich harmlos ist das Virus nicht und es geht nicht nur um die Hochbetagten, die tatsächlich das höchste Risiko haben.


Quotelindenstamm #5.10

Das Virus wurde am Anfang stark unterschätzt, wahrscheinlich auch in China. Wer alles aufmachen will und das normale Leben zurück unterschätzt das Virus noch heute oder nimmt Tote, schwere Krankheitsverläufe, eine Triage-Situation und Spätschäden als Kollateralschaden in Kauf. Allgemeines Lebensrisiko - die Kühllaster mit Toten in New York.

Auf der anderen Seite hat Schäuble recht. Die Leistungsfähigkeit des Staates ist begrenzt. Die Solidargemeinschaft kann auch heute nicht alles reparieren. Hartz IV für alle wird nicht funktionieren. Dazu die Frage der Wohnung...
Der Staat, die Solidargemeinschaft kann nicht alles. Zu massiven Verteilungskämpfen wird es in jedem Fall kommen.
Es müssen unterschiedliche Risiken gegeneinander abgewogen werden. Das macht es so schwierig.


QuoteMekud #7

Kann mir mal jemand erklären, inwiefern z.B. die Industrie massiv von Beschränkungen betroffen ist? Es gab hier ja keine Zwangsschließungen wie in Italien. Abstandsregeln etc. muss man zwar umsetzen, aber die Kosten dafür sollten doch überschaubar sein. Einige Betriebe arbeiten halt im Schichtbetrieb oder nutzen homeoffice etc. .Aber das sind doch keine massiven Ketten, die den Betrieben da angelegt sind. Verminderte Auftragseingänge sind auch zu erwarten wenn es in Deutschland keine Beschränkungen gäbe. In der Forderung der Verbände kommt das aber so rüber. Kann mich mal jemand aufklären?


Quotedth #7.1

Sie ist es praktisch gar nicht. Sie ist minimal davon betroffen, dass ein paar mehr Arbeitnehmer ausfallen durch Kinderbetreuung. Aber aufgrund der internationalen Wirtschaftskrise können die Industrieunternehmen ihrer Arbeitskräfte eh nicht auslasten.
Vermutlich will man halt mehr Geld.


Quoteimmer noch sprachliche vertuschung #9

Die Wirtschaftsverbände fordern einen verbindlichen Termin für das Ende der Corona-Beschränkungen.

Was die Wirtschaftsbosse übersehen: Das Coronavirus hält sich weder an Terminabsprachen noch interessiert es sich für die wirtschaftlichen Interessen von Industriebossen oder Shareholder. Da können die noch so drängeln und toben.

Diese Herren scheinen wohl zu denken, wenn sie sich nur heftig genug aufplustern wird das Coronavirus wohl Muffensausen kriegen und sich schnellstens verdünnisieren.
Oder sind sie in Wirklichkeit ganz und gar nicht so doof und muss man ihnen vielmehr unterstellen, dass ihnen einige Zehntausende Tote sowieso schnurzegal sind, solange die Kasse klingelt?


QuoteJBle #16

Die Industrie zeigt deutlich, dass sie die aktuelle Krise immer noch nicht verstanden hat. Es geht nicht mehr um planen und darum bestehende Kapazitäten um jeden Preis wieder auszulasten. Es geht um leben mit Unsicherheit und flexibel darauf zu reagieren Das ist leben, und das ist nicht planbar - Gott sei Dank!
Vielleicht wird die alte Form von Industrie diesen Anforderungen nicht gewachsen sein - wie es die Dinosaurier eines Tages auch nicht mehr waren. Dann wird etwas neues kommen und das ist eine Chance. Die bestehende Industrie tut den Menschen weltweit und der Umwelt ja unbestritten nicht ausnahmslos gut... ganz im Gegenteil.


Quoterunner_64 #17

Es wird nun allerhöchste Zeit endlich die Bunkermentalität abzulegen. Man kann hier nicht nur auf die Meinung von Rentnern, Beamten und Arbeitslosen hören. Andere Staaten machen vor, dass es auch ohne Holzhammer-Lockdown funktioniert. Meine Tochter hat gerade vorhin aus Atlanta angerufen, dass Georgia den lockdown bis auf kleine Ausnahmen aufgehoben hat, Restaurants, Fitnessstudios, Friseure - alles wieder auf. Ihre Häme gegenüber uns in Bayern war leider sehr deutlich :-(. Es muss viel mehr gedrängelt werden, damit sich Frau Merkel und insbesondere Söder aus der Aussitzposition bewegen. Prof. Drosten mag ein guter Virologe sein, als Bundeskanzler wäre er jedoch völlig ungeeignet. Da hieße es dann "Operation gelungen - Patient tot. "


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Quote[...]  Eine selbst ernannte "Reichsbewegung" will die Maßnahmen zum Schutz vor dem Coronavirus boykottieren und droht im Netz Virologen sowie Politikern mit Gefängnis. Anlass sei die "Inszenierung des unglaublich dreisten Corona-'Virus'-Theaters", das die unbekannten Urheber als "Vernichtungskrieg gegen die europäischen Völker und besonders gegen uns Deutsche" bezeichnen.

Gegen die Corona-Maßnahmen sollten die Menschen nun Widerstand leisten, heißt es in einem Aufruf der "Reichsbewegung", der auch über E-Mail-Verteiler verbreitet wird: durch "Boykott" sowie zivilen Ungehorsam. Ab dem 1. Mai sollten überall "Corona-Panikmacher, Impf-Propagandisten und Denunzianten, ebenso aber auch Befürworter von Tracking-Apps und der Bargeld-Abschaffung ganz energisch in die Schranken" gewiesen werden. 

Zudem wollen die "Reichsbürger" Politiker, Staatsbeamte und Vertreter der Medien strafrechtlich verfolgen lassen. "Alle führenden Vertreter des Robert-Koch-Instituts, der Virologie- und Impfstoff-Lobbies sind für immer hinter Gitter zu bringen!" Noch in diesem Jahr würden sie "ihre gerechte Strafe erhalten".

Bei den "Reichsbürgern" handelt es sich um eine diffuse politische Bewegung, die glaubt, dass die Bundesrepublik Deutschland nicht existieren würde. Daher rufen "Reichsbürger" eigene Kleinstaaten aus, verkaufen Fantasiedokumente und weigern sich, Steuern zu zahlen. Lange war das Milieu unterschätzt worden, seit dem Mord an einem Polizisten in Bayern wird die Bewegung aber deutlich ernster genommen. Sicherheitsbehörden gehen mittlerweile von vielen tausend Anhängern aus. Wissenschaftler stellten zudem in einer Studie fest, dass bei "Reichsbürgern" - im Gegensatz zu anderen politischen Fanatikern - die Gewaltbereitschaft im Alter nicht abnehme.

Die "Reichsbewegung" ist in den vergangenen Jahren durch Hassinhalte und Verschwörungslegenden aufgefallen, zudem war sie mutmaßlich für verschiedene Drohbriefe verantwortlich. Auf ihren Internet-Seiten hetzen die Rechtsextremen massiv gegen Juden und berichten von angeblichen Machenschaften Bill Gates sowie "Chemtrails".

Als Verbündete führt die "Reichsbewegung" unter anderem die "Russisch nationale Befreiungsbewegung" sowie, die Sekte der "Germanischen Heilskunde" auf und verweist auf diverse rechtsextreme und verschwörungstheoretische Medien.

Die "Reichsbewegung" rief ähnlich wie rechtsextreme Prepper-Gruppen dazu auf, sich für einen Umsturz am "Tag X" vorzubereiten. Auch wenn die Gruppe allein keinen großen Einfluss hat, zeigen die Aufrufe zum "Widerstand" gegen die Corona-Maßnahmen beispielhaft, wie einige Milieus derzeit die Gerüchte zur Pandemie mit bekannten Verschwörungslegenden verbinden und für Aufrufe zum politischen Umsturz nutzen.

Was diese Mythen verbindet, ist ihr antisemitischer Charakter: Klassische judenfeindliche Legenden wie die "Protokollen der Weisen von Zion" basieren immer auf der Grundidee, es gebe eine kleine verschworene Gemeinschaft von Strippenziehern, die Politiker, Medien und Wirtschaft lenkten. Nach diesem Muster funktionieren auch viele Legenden über einen angeblichen "Corona-Schwindel". Forscher sprechen daher davon, dass sie eine antisemitische Struktur hätten, auch wenn sich diese Mythen nicht direkt gegen Juden richten.

Die Vereinten Nationen warnen in diesem Kontext vor einer "gefährlichen Epidemie der Desinformation". Obwohl derzeit ein Moment der "Wissenschaft und Solidarität" sein sollte, gebe es viele Fehlinformationen, kritisierte UN-Generalsekretär Antonio Guterres. "Lügen verbreiten sich im Netz, Verschwörungstheorien infizieren das Internet" und "Hass geht viral, stigmatisiert und diffamiert Menschen und Gruppen".


Aus: "Corona-Maßnahmen "Reichsbürger" drohen Virologen" Patrick Gensing, tagesschau.de (16.04.2020)
Quelle: https://www.tagesschau.de/investigativ/reichsbewegung-corona-101.html

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#74
Quote[...] ,,Herzlich Willkommen, liebe Zuschauer, zu ,Bewusst aktuell'. Es ist der 12. Oktober 2019, viele Themen natürlich, die Spaltung der Gesellschaft, jetzt auch mit dem Attentat in Halle."

Vor einer Bücherwand sitzt ein Mann Anfang 60, graue Haare, kantiges Gesicht, blau-weißes Poloshirt. Sein Name: Jo Conrad. Früher war er Taxifahrer. Heute betreibt er einen YouTube-Kanal namens ,,Bewusst.TV". Das Logo: ein golden glitzernder Schriftzug, daneben ein kleiner Schmetterling. Die Themen seiner Beiträge: Intuitive Medizin, schamanische Rituale und die Kraft von Heilkräutern. Aber nicht nur, wie das Video am Wochenende nach dem Attentat in Halle zeigt.

,,Aber es gibt eben sehr viele Stellen, die von Fake-Anschlag reden. Veterans Today.com, die sagen, es ist sogar ein Mossad-Anschlag. Jetzt sind natürlich alle in Sorge um die Juden, obwohl überhaupt gar kein Jude getötet wurde. Aber alle Politiker sind sich einig, dass der Kampf gegen Rechts schärfer geführt werden muss."

Der Angriff auf die Synagoge in Halle – ein Fake-Angriff des israelischen Geheimdienstes, der dazu dienen soll, die deutsche Gesellschaft zu spalten und härter gegen rechte Gesinnung vorzugehen?

Das ist nicht die einzige haltlose These, die Jo Conrad auf seinem Kanal mit fast 44.000 Abonnenten verbreitet. Und: Jo Conrad ist nicht der Einzige im Internet, der mit solchen Thesen Klicks sammelt. Neben ,,Bewusst.TV" gibt es Kanäle mit Namen wie ,,Quer-Denken.TV", ,,Schrang.TV" oder ,,NuoViso.TV".

Die Sender haben jeweils mehr als Hunderttausend Abonnenten und eine Gemeinsamkeit: Sie mischen Esoterik, Verschwörungstheorien und rechtsextremes Gedankengut. Jan Rathje von der Amadeu Antonio Stiftung:

,,Es ist nicht immer einfach voneinander zu trennen, inwiefern Esoterik und Verschwörungstheorien geschieden sind. Denn beide verbindet eigentlich mehr miteinander, als dass es etwas gibt, was sie trennt. Beide gehen letztlich davon aus, dass die Welt eingeteilt wird in die Mächte des Bösen und die Mächte des Guten, ob man das jetzt metaphysisch noch mit Licht-Dunkelheit, mit Dämonen und Engeln versehen möchte oder wie im Nationalsozialismus mit den Deutschen und den Juden, letztlich ist es die Zweiteilung der Welt."

Dazu komme typischerweise das sehnsüchtige Warten auf einen Tag X, auf die Apokalypse, so Rathje. An diesem Tag, so die Vorstellung, zerbricht das alte System und ein neues, besseres beginnt.

Dass der Resonanzraum für solcherlei Thesen in Deutschland zumindest theoretisch groß ist, legen die Ergebnisse einer Studie nahe, die die Friedrich-Ebert-Stiftung Anfang des Jahres veröffentlicht hat: Jeder zweite glaubt demnach, es gebe geheime Organisationen, die Einfluss auf politische Entscheidungen nehmen. Fast jeder Dritte glaubt, Politiker und andere Führungspersönlichkeiten seien Marionetten in den Händen von klandestinen Kräften.

Hier setzen rechts-esoterische Internetkanäle und Plattformen an. Hunderttausende Klicks für einzelne Videos sind keine Seltenheit. Wie aber landen die Menschen auf diesen Seiten? Und was suchen sie dort?

Kla.TV: ,,Weltweite Epidemie: Chronische Erkrankungen durch Impfungen?"

NuoViso.TV: ,,Reduziert die Strahlung von diesen Dingern, ernsthaft, werdet euch dessen bewusst und erkennt die Gefahr für euch und für eure Kinder."

Schrang.TV: ,,Man muss sich überlegen, dass man ohne eine Einwilligung von uns, dass man uns fragt oder nicht ein Organ entnehmen kann!"

Kla.TV: ,,Dies geschieht gegenwärtig auch durch die unbegrenzte Zuwanderung, die von vielen Aufklärern als Migrationswaffe bezeichnet wird!"

Impfungen, Internet, Organspende, Migration. Überall auf rechts-esoterischen Plattformen wird Kontrollverlust vorgespiegelt. Stark nachgefragt sind Videos, die Angst machen. Besonders beliebt sind Videos, wenn die darin angesprochenen Ängste das Privatleben der Zuschauer betreffen.

Diese Beobachtung macht Ulrike Schiesser seit Jahren. Sie ist Psychologin der Bundesstelle für Sektenfragen in Wien. Immer wieder ist sie dabei, wenn Aussteiger erzählen, wie sie in diese Welt abgedriftet sind.

,,Entweder stehen die in einer Phase im Leben, wo sie nicht wissen, wo es hingehen soll. Oder sie haben Schulden, sie haben das Gefühl in mancher Hinsicht versagt zu haben oder draußen zu sein aus der Gesellschaft. Und diese Verschwörungstheorien, die liefern ihnen so eine Erklärung: ,Das stimmt: Ja, genau, du bist wirklich betrogen worden um etwas, du hättest eigentlich viel mehr verdient, mehr Aufmerksamkeit, mehr Anerkennung, mehr Geld. Aber da gibt es eine böse Macht, die hat es dir genommen'."

Wer einer Verschwörungstheorie glaubt, sei versucht noch einer weiteren zu glauben, so Schiesser. Diese Menschen suchten dann Gleichgesinnte. Langsam findet so eine Abkapslung statt.

,,Ein ganzes Weltbild entsteht da. Sie sehen dann nur mehr Menschen, die genau diese Philosophie teilen. Dadurch wird es dann immer wahrscheinlicher, dass das stimmt. Je öfter sie etwas hören, desto mehr glauben sie an das."

Sucht man im Internet zum Beispiel nach Infos zum Impfen, landet man leicht auf Seiten, die vermeintliche Verschwörungen der Pharmaindustrie mit bösen Mächten bezeugen. Auf einer dieser Seiten angelangt, führt der Algorithmus gleich zur nächsten. Denn die Portale sind untereinander bestens vernetzt. So laden sich die jeweiligen Betreiber und Protagonisten immer wieder gegenseitig ein und verweisen aufeinander als Informationsquelle. Auf Seminaren und in Messen treffen sich Gleichgesinnte, die sich gegenseitig in ihrem Weltbild bestärken.

,,Fake-News und Gegenstimmen ausgelassen, darauf kannst du dich beim Mainstream verlassen. Globalstrategen steuern unser Verhalten, ist nur Verschwörung sagen diese Gestalten."

17. November 2018, die Markthalle in Sargans in der Schweiz. Im Publikum etwa zweitausend Menschen. Sie sehen bürgerlich aus. Halbglatzen, Trekking-Schuhe, Sakkos. Einige haben sich schick gemacht. Auf der Bühne ein Mann mit grauem Anzug und breiter weißer Krawatte. Er eröffnet die Gala, die er ,,Anti-Zensur-Koalition" nennt, kurz: ,,AZK". Hier sind all jene als Referenten willkommen, die Esoterik oder Verschwörungstheorien oder beides zusammen verbreiten.

,,Es braucht diese AZK, weil die Völker in einer Informationsmatrix, ich nenne es mal, weil die Völker buchstäblich in einer Informationsmatrix gefangen sind, und dies von skrupellosen Mächten. Diese Mächte beherrschen die Völker!"

Der Mann, der spricht, heißt Ivo Sasek. Er ist der Organisator der ,,AZK". Vor allem jedoch ist er Sektenführer der OCG, der Organischen Christus Generation. Mithilfe seiner Sekten-Mitglieder betreibt er eine eigene Zeitung, den Internet-Kanal ,,Klagemauer.TV" und eben diese ,,AZK".

2008 hat er die ,,Anti-Zensur-Koalition" als Vernetzungstreffen geschaffen. Seither lädt er in unregelmäßigen Abständen Klimawandelleugner und Impfgegner ein, Wunderheiler und selbsternannte Experten, die vor der ,,Migrationswaffe" warnen.

,,Ich darf jetzt Jo Conrad auf die Bühne bitten. Er hat sich 15 Jahre lang mit dieser Thematik auseinandergesetzt."

Und natürlich war auch Jo Conrad schon dabei und sprach über die Illuminaten und die angeblich gefälschte Mondlandung. Jörg Mayerhofer kennt all das aus nächster Nähe. Er hat die ,,AZK" einst mitorganisiert und Ivo Saseks Kanal Klagemauer.TV mit aufgebaut. Mayerhofer war über zehn Jahre lang Teil der Sekte. Vor vier Jahren stieg er aus. Früher glaubte er, dass Saseks Lehre das Wort Gottes sei. Heute hält er Ivo Sasek für einen gefährlichen Ideologen und seine Anhänger für Fanatiker. Das ist der Grund, warum er seinen wahren Namen nicht nennen will und seine Stimme für diese Sendung nachgesprochen wurde. Über Ivo Sasek sagt er:

,,Er denkt wirklich, man muss dieses ganze Staatssystem abschaffen, weil wenn alles zusammengebrochen ist, kann eine neue Herrschaft beginnen. Sasek hat immer betont: nicht mit Waffengewalt, sondern durch das Wort. Er hat diese Vorstellung vom hundertsten Affen, also wenn eine gewisse kritische Masse erreicht ist, dann kippt das System sowieso. Deswegen ist er dermaßen aktiv mit seinen Medien, mit Vernetzung, um die Menschen in ihrem Denken umzupolen."

Ivo Saseks Sekte ist eigentlich eine christliche. Laut Mayerhofer wurde sie über die Jahre jedoch zunehmend esoterisch. Reinkarnation ist inzwischen Bestandteil der Lehre, Sasek lässt seine Anhänger Mantras singen. Der sekten-eigene Sender Klagemauer.TV greift mitunter klassische Angstthemen der Esoterik auf, warnt vor der Bestrahlung durch 5G und vor dem Impfen. Generell gilt: Klagemauer.TV, kurz: Kla.TV, sendet alles, was gegen das sogenannte ,,System" ist. Jörg Mayerhofer sagt:

,,Sinn und Zweck von kla.TV ist Zerstörung, Zerstörung des System, und dazu beschreibe ich eben: alles ist schlecht. Das soll dem Zusammenbruch dienen. Die Leute, die ihm glauben, die folgen ihm da. Die haben wirklich irgendwann im Blick: Alles ist schlecht! Weil man so ideologisiert ist, so gehirngewaschen, das glaubt man unbesehen. Die Leute sind wie in einem Verfolgungswahn."

Grenzen des Sagbaren gibt es für Sektenführer Ivo Sasek quasi nicht. Das zeigt der Fall Sylvia Stolz. 2012 lud Ivo Sasek sie zur ,,AZK". Dort leugnete sie auf der Bühne den Holocaust.

Folge war eine anderthalbjährige Haftstrafe für Stolz, wegen antisemitischer Äußerungen. Auch Ivo Sasek kam aus diesem Grund vor Gericht – wurde jedoch in zweiter Instanz freigesprochen.

In einer Predigt, die dem Deutschlandfunk vorliegt, sagt Sasek, er stelle fest, dass derzeit heimlich eine jüdische Weltmacht aufgebaut würde. Dabei bezieht er sich auf die Protokolle der Weisen von Zion. Eine gefälschte Schriftensammlung, die seit Anfang des 20. Jahrhunderts zirkuliert und angeblich eine jüdische Weltverschwörung beweisen soll.

,,Diese Protokolle gehen aufs Letzte. Ich habe sie schon angesprochen. Wir müssen uns nichts darüber streiten, haben das die Juden geschrieben oder setzen es die Juden um? Wir müssen feststellen: Es wurde geschrieben und es wird umgesetzt. Jetzt müssen wir nur noch schauen: Wer setzt es denn um? Und wir können dir reihenweise Namen zeigen, die das umsetzen – ohne zu streiten ist das ein Jude oder ein Nicht-Jude. Versteht ihr das? Diese Protokolle werden umgesetzt."

Antisemitismus, ein weiteres Charakteristikum der Szene. Nicht alle drücken sich so deutlich aus wie Ivo Sasek. Auf anderen Kanälen wird die jüdische Weltverschwörung umschrieben oder angedeutet. Auf NuoViso:

,,Die neue Weltordnung, wie sie lange angekündigt wurde, scheint jetzt langsam Formen anzunehmen und scheint sich tatsächlich im Eiltempo auf uns zuzubewegen."

Oder bei Jo Conrads bewusst.TV:

,,Eine kleine selbsternannte Elite von Superreichen wird aber auch euch hinwegfegen, wenn ihr ihren Plänen der Orwellschen Neuen Weltordnung den Weg geebnet habt."

Tobias Ginsburg ist jüdischer Theaterregisseur und Autor. Für sein Buch ,,Reise ins Reich" hat er acht Monate verdeckt im Milieu der rechten Esoteriker und Verschwörungstheoretiker recherchiert. Er kennt die verschiedenen Code-Wörter für Juden oder jüdische Weltverschwörung. Sie würden benutzt, um die vermeintliche Dunkle Macht hinter der Verschwörung konkret zu benennen.

,,Dann geht es um die NWO, der Neuen Weltordnung, oder man spricht von Hochfinanz oder von Satanisten oder so. Aber defacto basiert das aber alles ganz konkret auf alten antisemitischen Vorstellungen, der Vorstellung der jüdischen Weltverschwörung, die uns klein halten will oder zerstören, die haben wir auch seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Klar, nach 1945 ist es schwieriger geworden in der Öffentlichkeit über die jüdische Weltverschwörung zu sprechen, und genau deswegen entwickelten sich dann diese ganzen Codes und Chiffren: Aber wenn du dich länger unter solchen Menschen aufhältst, dann wird das Reden über die ganz explizit jüdische Gefahr auch immer wieder konkret."

Ein prominentes Podium auch für rechts-esoterische Thesen bot vor einigen Monaten die AfD. Im Mai lud die Partei zur ,,1. Konferenz der Freien Medien im Deutschen Bundestag". Mit dabei: Ivo Saseks Klagemauer.TV und seine ,,Anti-Zensur-Koalition". Ins Bild passt darüber hinaus, dass Alice Weidel, die AfD-Fraktionsvorsitzende, selbst zumindest früher kaum Berührungsängste gegenüber derlei Ansichten kannte. Das offenbarte sich 2017 in der so genannten Email-Affäre. Nach Recherchen der Tageszeitung DIE WELT schrieb sie 2013 in einer Mail an Vertraute über die deutsche Bundesregierung:

,,Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs und haben die Aufgabe, das deutsche Volk klein zu halten, indem molekulare Bürgerkriege in den Ballungszentren durch Überfremdung induziert werden sollen. Lies doch mal diesen Link durch zur ,,Souveränität" Deutschlands."

Unter diesem Text verlinkt: die Seite terra-kurier.de. Ein rechtsesoterischer Blog, der einerseits Neonazi-Propaganda verbreitet und sich andererseits mit der Macht von Engeln und dunklen Energiefeldern befasst.

Dass wiederum Kontakte aus der rechts-esoterischen Youtuber-Szene in die offen rechtsextreme Szene bestehen, ist bildlich belegt: Zuletzt posierten die Szene-Stars Jo Conrad und Heiko Schrang zusammen mit Martin Sellner, einem der Köpfe der rechtsextremen Identitären Bewegung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird. Wie die österreichische Tageszeitung Der Standard recherchierte, soll Sellner Spendengelder vom späteren Christchurch-Terroristen erhalten haben.

Fragt sich: Wie gefährlich ist dieses Gemisch aus rechtem, esoterischem und verschwörungstheoretischem Gedankengut?

Tobias Ginsburg, der erlebt hat, wie sich Esoteriker in ihrer Verschwörungswelt selbst radikalisieren, glaubt, dass Anhänger der rechten Esoterik besonders dann gefährlich werden können, wenn sie einsam sind.

,,Und dann hast du Leute die selber immer tiefer in diese Logik einsteigen, und in diese Logik der Selbstverteidigung. Die gruseligsten Erfahrungen waren die mit so Leuten, die dann plötzlich vollkommen vereinsamt waren und wenn dir dann jemand, von dem du weißt, dass er Waffen im Keller hortet, zuflüstert: ,,Und irgendwann, muss ich mich doch wehren können, gegen all das Unrecht das mir passiert" – dann wird dir kalt."

Ginsburg sieht in der rechten Esoterik und in Verschwörungstheorien eine nicht zu unterschätzende Gefahr.

,,Denken wir an die Terroranschläge, allein in den letzten Jahren, von Anders Breivik mit seinem grausigen Manifest, bis zu den jüngsten, vielen versuchten Attacken in den USA oder dem Massenmord von Christchurch. Die Verschwörungstheorien und die antisemitischen Narrative ähneln sich da immens. Das ist eine kohärente Ideologie. Und der Mörder von Halle, der reiht sich da nahtlos ein. Der entstammt ganz exakt dieser Wahnwelt."

Die Ideologien, die die genannten Täter in den von ihnen verbreiteten Texten oder Live-Videos verbreiten, ähneln sich stark. Da ist vom ,,Großen Austausch" die Rede. Demnach sind Migranten Invasoren, die die ,,Weiße Rasse" in Europa und in den USA ausrotten wollen. Nahezu identische Formulierungen finden sich auch auf rechts-esoterischen Kanälen.


Und dennoch tauchen rechte Esoteriker bislang kaum auf dem Radar der Sicherheitsbehörden auf. In den Verfassungsschutzberichten des Bunds und der Länder kommt Esoterik ausschließlich im Zusammenhang mit Reichsbürgern vor. Also Menschen, die wie etwa Jo Conrad, die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland und auch Deutschland als Staat nicht anerkennen. Überwacht werden derzeit lediglich Einzelpersonen der rechtsesoterischen Szene. Sie ist zu gemischt, zu schwer definierbar, zu unterschiedlich in ihrer Radikalität.

Im Gewand der Esoterik gedeiht so eine bunt anmutende Medienlandschaft, die braunen Hass propagiert. Viele der rechts-esoterischen Angebote sind im Ausland angesiedelt. Insbesondere deshalb sei den Kanälen und Portalen rechtlich kaum beizukommen, sagt Caroline Volkmann, Professorin für Informationsrecht an der Hochschule Darmstadt.

Darüber hinaus ist das Verbot eines ganzen Online-Angebots beinahe unmöglich. Ähnlich wie bei Partei- oder Vereinsverboten sind hier die Hürden extrem hoch – das Angebot müsste faktisch als unvereinbar mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung eingeschätzt werden, so Volkmann:

,,Das bedeutet, es müsste hier schon ein Angebot vorliegen, was im Ganzen Menschenwürde verachtend, verfassungsfeindlich, klar aggressiv ist, um wirklich Angebote als Ganzes verbieten zu können. Das hat natürlich mit der Meinungsfreiheit zu tun und damit, dass der Staat ganz spezielle Meinungen so aus Zensur-Gründen nicht verbieten kann und will."

Und so erreichen Menschen wie der Verschwörungstheoretiker Jo Conrad über ihre Kanäle Tausende Menschen, wenn sie Politikern und Journalisten drohen:

,,Ihr öffnet die Grenzen für alle und jeden. Ihr habt ein Klima des Hasses geschaffen, der Angst, der Unterwerfung vor eurer Political Correctness und seht bei der Zerstörung sämtlicher geordneter Strukturen zu. Betreibt sie sogar, als würdet ihr dafür bezahlt. Aber was für ein Karma erschafft ihr euch? Ist euch nicht bewusst, dass ihr vor den Folgen eurer Handlungen oder Unterlassungen nicht davonlaufen könnt?"

Fast 300.000 Abrufe hat das Video, 28.000 Personen gefällt das. Einer mit dem Pseudonym ,,Der Deutsche" hat darunter kommentiert:

,,Alles eine Schweinebande ohne Skrupel. Sie gehören alle mit Ketten ins Zuchthaus."

Einer von vielen Kommentaren dieser Art. So krude ihre Ansichten auch erscheinen mögen, die Verfasser dieser Texte sollte man ernst nehmen – und auf keinen Fall unterschätzen.


Aus: "Rechte Esoteriker im Krieg gegen 5G und das Impfen" (19.10.2019)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/rechtsextreme-online-angebote-rechte-esoteriker-im-krieg.724.de.html?dram:article_id=461384

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Quote[...] Offenlegung: Die Bill & Melinda Gates Foundation (BMGF) unterstützt das SPIEGEL-Projekt Globale Gesellschaft über drei Jahre mit einer Gesamtsumme von rund 2,3 Mio. Euro. Unter dem Titel Globale Gesellschaft berichten Reporterinnen und Reporter aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Europa, die Beiträge erscheinen im Auslandsressort des SPIEGEL. Die Stiftung hat keinerlei inhaltlichen Einfluss. Die Beiträge entstehen redaktionell unabhängig.

Wenn man jahrelang zu Verschwörungstheorien im Netz recherchiert, meint man, dass einen eigentlich kaum ein Irrsinn mehr schocken kann. Vor einigen Tagen jedoch tauchten in meinem Stadtviertel Graffiti-Slogans auf, in denen Bill Gates auf eine Weise zum Sündenbock der Coronakrise gemacht wird, die ich sonst nur aus abseitigen Onlineforen kenne.

In den gesprühten Sprüchen, die ich beim Spazierengehen gesehen habe, wird gefordert, den Microsoft-Gründer einzusperren. Die Intention der Urheber kann ich nicht beurteilen. Klar ist aber, dass in Onlineforen, die für rechtsextreme und verschwörungstheoretische Parolen sowie Falschinformationen bekannt sind, gerade massiv gegen Gates gehetzt wird. Mal wird dort behauptet, er habe das Coronavirus erschaffen, mal, dass er die Bevölkerung mit implantierten Mikrochips kontrollieren wolle, und mal, dass er nichts Geringeres als der Antichrist sei.

Von allen momentan kursierenden Falschinformationen über Covid-19 haben jene über Bill Gates die größte Reichweite. Das geht aus einer Medienanalyse hervor, über die die "New York Times" berichtet. Die Zeitung hat das ganze Ausmaß der Desinformationskampagne hier [https://www.nytimes.com/2020/04/17/technology/bill-gates-virus-conspiracy-theories.html] nachgezeichnet. Viele der Falschinformationen werden auf Englisch verbreitet, doch es finden sich auch deutschsprachige Beiträge.

Die Hetze gegen Gates wird von einer wilden Mischung aus Impfgegnern, Rechtsextremen und Verschwörungstheoretikern gestreut. Immer wieder taucht dabei auch die sogenannte QAnon-Verschwörungstheorie [https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/coronakrise-und-rechtspopulismus-wahnsinn-prallt-auf-virus-a-0c13395e-c2e4-41fa-8eb9-e91bde0dd16b] auf. Deren Anhänger warnen vor einer angeblichen Geheimregierung, bestehend aus Reichen und Mächtigen, die angeblich die Welt beherrschen.

Falschmeldungen über Bill Gates' angebliche Rolle bei der Verbreitung des Coronavirus fügen sich da offenbar gut ein. Versatzstücke dieser Theorie fanden sich auch in dem Pamphlet des Attentäters von Hanau. Das Q als Erkennungssymbol der Kampagne tauchte am Wochenende auch auf einer Demonstration vor der Berliner Volksbühne auf [https://www.tagesspiegel.de/berlin/kritik-an-corona-massnahmen-das-steckt-hinter-der-querfrontdemonstration-in-berlin/25752958.html].

Die Falschinformationen werden in sozialen Netzwerken wie YouTube, Twitter oder Facebook, aber auch in abseitigen Onlineforen wie 4chan und in verschwörungstheoretischen Chatkanälen geteilt. In Letzteren werden hetzerische Beiträge nicht moderiert, während YouTube, Google und Facebook neben Desinformationen über das Coronavirus oft wenigstens einen Hinweis auf die Website der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung oder den Wikipedia-Eintrag zum Virus einblenden [https://en.wikipedia.org/wiki/Misinformation_related_to_the_2019%E2%80%9320_coronavirus_pandemic].

Faktenchecker warnen vor den Gefahren der Falschinformationen. Insbesondere weil sich die Desinformation auch in etablierten sozialen Netzwerken verbreitet, besteht das Risiko von sehr realen Auswirkungen auf die Eindämmung des Coronavirus. Claire Wardle, Leiterin der Faktencheck-Organisation First Draft, fürchtet, dass die Hetze gegen Gates zum Beispiel dazu beitragen könne, dass das Vertrauen in Impfungen sinke. Diese dürften jedoch eines der wichtigsten Mittel sein, um die Verbreitung des Virus langfristig einzudämmen. Manche Experten rechnen damit, dass ein solcher Impfstoff frühestens Ende des Jahres verfügbar sein wird, die meisten glauben, dass es noch länger dauern wird. 18 Monate gelten als realistisch.


Aus: "Verschwörungstheoretiker hetzen gegen Bill Gates" Ein Netzwelt-Newsletter von Max Hoppenstedt (20.04.2020)
Quelle: https://www.spiegel.de/netzwelt/web/corona-krise-verschwoerungstheoretiker-hetzen-gegen-bill-gates-a-0a6cbe14-22a7-40de-a149-8e8c0ddfef1a

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Quote[...] Sie nennen sich "Corona-Rebellen": populistische YouTuber schimpfen im Internet über die Macht der Virologen, sehen hinter den staatlichen Maßnahmen eine Verschwörung, eine "Corona-Diktatur", die den Bürger entmündigen soll. Mit Falsch-Nachrichten und dubiosen Lungen-Experten sammeln sie Millionen-Klicks.

Auch der AfD-Politiker Hansjörg Müller hat sich dieser Methode angeschlossen: In Videos prophezeit er eine Massenverarmung in Deutschland und Selbstmorde unter Firmeninhabern. Er äußert Zweifel an wissenschaftlichen Erkenntnissen und Statistiken, etwa zu den Corona-Toten in Italien.

"88 Prozent der Corona-Toten, die aus Italien gemeldet sind, sind keine Corona-Toten. Da werden andere Tote untergeschoben, um die Statistik nach oben zu jubeln. Und selbst von den zwölf Prozent, die dann noch übrigleiben, sind die meisten nicht an Corona gestorben, sondern mit Corona gestorben." Hansjörg Müller, AfD-Politiker

Hansjörg Müller ist kein einfaches Parteimitglied, sondern Bundestagsabgeordneter und Vizechef der Bayern-AfD, außerdem Anhänger des sich auflösenden rechtsextremen Flügels. Seine Kritik erstreckt sich auf die Bundesregierung und das Robert-Koch-Institut.

Virologen wie die Leiterin des Instituts für Virologie an der Technischen Universität München Ulrike Protzer kennen die Fake-News und Verunglimpfungen, die im Internet zirkulieren. Den Zweiflern sagt sie:

"Letztendlich führt diese Corona-Virus-Infektion dazu, dass man eine Lungenentzündung kriegt, im schlimmsten Fall ein Lungenversagen und darauf basierend an Herzversagen stirbt. Aber die Ursache ist ganz klar die Infektion mit dem Coronavirus." Ulrike Protzer, TU München

Auch der von Populisten häufig genannte Vorwurf, Corona sei nicht tödlicher als eine normale Grippe, ist in den Augen der Virologin eben nur die halbe Wahrheit. "Ein Grippevirus hat durchaus eine ähnliche Letalität wie das Coronavirus", so Protzer weiter. Aber der Anteil der Bevölkerung, die empfänglich sei für das Corona-Virus, der sei einfach viel höher als der, der empfänglich sei für das Grippevirus. "Für das neue Coronavirus ist keiner geschützt, es gibt keine Impfung."

Auch die AfD-Landeschefin Corinna Miazga scheint auf das Thema aufzuspringen. In einem jüngst veröffentlichten Video spricht sie von "Polizeipatrouillen" und "Passierscheinen". Sie warnt vor "Zwangsimpfungen" und einer "drohenden Währungsreform". Der deutschen Wirtschaft würde "der Garaus gemacht", so Miazga. Auf ihrem Youtube-Kanal sagt sie: "Dann wird es wirklich zappenduster. Wir könnten uns unserer gesamten wirtschaftlichen Existenzgrundlage berauben."

Für Politikwissenschaftlerin Ursula Münch sind die AfD-Videos unlauter und ein Beispiel von absichtlich gestreuter Falsch-Information. "Da wird Unsinn verbreitet, der durch nichts empirisch nachweisbar und belegbar ist. Da wird schlicht und ergreifend Panik verbreitet", so Münch. Für das fragwürdige Vorgehen sieht sie klare Gründe. "Die AfD steht zurzeit als Oppositionspartei - wie auch die anderen Oppositionsparteien - einfach nicht im öffentlichen Fokus. Und jetzt versucht die Partei aus der Not eine Tugend zu machen und völlig übertrieben Ängste zu schüren und an Regierungspolitikern Zweifel zu säen und damit auch am ganzen politischen System", meint die Politikwissenschaftlerin.

Die aktuellen Maßnahmen gegen Corona gingen sehr weit, sagt Münch. Darum sei Kritik durch die Opposition gewünscht, die Kritik aber müsse fundiert sein.

"Diese Freiheitsbeschränkungen sind sehr weitgehend. So etwas Weitgehendes hatten wir noch nie in der Bundesrepublik. Damit soll und muss sich Opposition auseinandersetzen. Aber eben in einer faktenbasierten Diskussion und nicht mit dem Bedienen von Verschwörungstheorien." Ursula Münch, Politikwissenschaftlerin

Der Kampf gegen Corona, so scheint es, wird nun auch ein politischer Kampf mit fragwürdigen Informationen.

In der Landtagsfraktion der AfD gehen die Meinungen zu den Corona-Maßnahmen auseinander. Abgeordnete wie Franz Bergmüller aus Oberbayern, fordern eine baldige Aufhebung der Beschränkungen. Ginge es nach Bergmüller, so hätte Deutschland ohnehin dem schwedischen Modell folgen sollen. "Schweden setzt auf Herdenimmunität", so Bergmüller, "Risikogruppen werden selbstverständlich isoliert und geschützt, allerdings kommt das öffentliche Leben dabei nicht zum Erliegen".

Für den oberpfälzischen AfDler Roland Magerl hingegen haben die aktuellen Maßnahmen ihre Berechtigung. Magerl sitzt für die AfD im Gesundheitsausschuss und spricht von einer ernsthaften Situation. "Jetzt hat der Schutz der Bürger oberste Priorität", sagt er. Laut Magerl müsse man in Krisenzeiten die "knüppelharte Oppositionsarbeit" über den Haufen werfen und für die Leute einstehen. Auch diene das Coronavirus in seinen Augen nicht als Thema, bei dem sich die AfD "in den Vordergrund drängen will".


Aus: "AfD verbreitet Fake News zu Corona" Johannes Reichart (04.04.2020)
Quelle: https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/afd-verbreitet-fake-news-zu-corona,Rv7jler

Quotebazi

Heute im DLF - intern Presseschau - wurde die NZZ zitiert. Ich halte die Analyse der NZZ stimmig. Sie behauptet, dass am Ende der Krise die Populisten Oberwasser bekommen. Die Coronakrise verstärkte die soziale Spaltung. Die, die in der Regel gut bezahlten Job mit HomeOfficeMöglichkeit haben und in großzügigen Wohnung leben, ggf. Zweiwohnsitz im Grünen. Und die, die mit Billigjobs an der virenverseuchten Front arbeiten, in einer kleinen Wohnung, wo sich die Eltern mit 2 Kinder auf die Füße steigen.


QuoteSquareman

Wenn man sieht wie sich zur Zeit die Populisten blamieren glaube ich das kaum. Die AfD hat so viel mit sich selbst zu tun, die können nicht auch noch Politik machen. Und wann jemals kam eine Lösung eines Problems von der AfD?


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Quote[...] Stephan Grünewald ist Psychologe, Marktforscher und gehört dem Corona-Expertenrat von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet an. Er sagte im Deutschlandfunk, dass im Zuge der Coronakrise mittlerweile weitere Bedrohungsszenarien wie Arbeitslosigkeit und die Vernichtung von Existenzen in den Vordergrund rücken. Momentan bestehe auch die Gefahr, dass die gesellschaftliche Polarisierung stark zunehme, es mehren sich die Zweifel, sagte er. Zudem spalte sich die Gesellschaft stark auf: Einige Bürger würden die Corona-Einschränkungen als Drangsal beschreiben, andere hätten sich wunderbar zu Hause eingerichtet. Die Lebenswirklichkeit der Menschen würde sich dadurch sehr stark aufspalten, in Personen, die den Alltag mit Corona als eine Art Vorhölle erleben und andere, die der Entschleunigung durchaus etwas abgewinnen könnten.

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Aus: "Coronakrise ,,Die Existenzangst vieler Menschen wird immer größer"" Stephan Grünewald im Gespräch mit Rainer Brandes (02.05.2020)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/coronakrise-die-existenzangst-vieler-menschen-wird-immer.694.de.html?dram:article_id=475886


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Quote[...] Der Mensch sehnt sich nach Sicherheit. Eine Sicherheit, die auch eine Steuerbarkeit bedeutet, die aktuell verloren gegangen ist. Eine Sicherheit, die darüber hinaus ohnehin nur eine Ilusion war und sein konnte.

Wir schauen auf Zahlen, die wir kaum interpretieren können. Hören gebannt jeden Tag Analysen, lesen neue Nachrichten, hören andere Meinungen und sind mehr und mehr von der Menge an unterschiedlichen Daten, Fakten, Meinungen überfordert.

Der derzeitige Zustand führt zu Stress. Zukunftsängste nehmen zu. Kaum verwunderlich, dass die Warnungen vor sozialen Spannungen lauter werden und die Zustimmung zu autoritären Einstellungen steigt.

Menschen reagieren unterschiedlich auf Stress. Einige lassen sich zu Äußerungen verleiten, die sie vielleicht besser nicht getätigt hätten (Grüße gehen raus nach Tübingen).
Andere verfallen in Depressionen, konsumieren mehr Alkohol oder entdecken gerade den Sportler in sich, jenseits der Vernunft, und anderes. Die Forderung gerade jetzt achtsam miteinander umzugehen, sich zu unterstützen, muss deswegen immer wieder betont und gelebt werden.

Und in diesem ganzen Prozess, der ganzen Normalisierungsdiskussion schauen wir primär auf die Wirtschaft, auf ökonomische Erwägungen. Ganz so, als hängt unsere Lebenszufriedenheit, die Gesundheit, die Zukunft primär an ökonomischen Kennzahlen. Dass diese Überlegung kaum haltbar ist, beweist auch die Klimakrise, immer wieder aufs Neue. Auch wenn einige, dass nicht hören wollen.

Eine ökonomische Grundlage zu haben, bedeutet eben nicht, ökonomischen Überlegungen, die erste und einzige Priorität einzuräumen.
Dieser Umstand erklärt aber auch, dass die Perspektive von Familien und die SIcht von Kindern bislang in den Debatten eher eine untergeordnete Rolle spielt. Die Familie, egal wie sie beschaffen ist, ist kaum ökonomisierbar. Die Überlegung die Notbetreuung auszuweiten und die Schulen wieder hochzufahren, damit Eltern wieder arbeiten können, ist die eigentliche Motivation.

Vielleicht müssten wir daher neu miteinander aushandeln, was es braucht, was wichtig ist und uns von den Gedanken lösen, dass es primär um die Verwertung des Humankapitals gehen kann.
Wann wenn nicht jetzt, ist der Zeitpunkt, uns kritisch zu befragen, ob unser derzeitiges Gesellschaftsmodell krisenfest und zukunftssicher ist?

Wer, wenn nicht wir, muss diese Fragen stellen und neu austarieren, wie wir miteinander zusammenleben wollen und ob der Indikator für das eigene Glück zuerst die eigenen Finanzen sein sollen und ob es gesund ist, in einer Gesellschaft miteinander zu leben, die auf einem Prozess der fortwährenden Konkurrenz aufgebaut ist und Aufstiegschancen primär nach sozialer Herkunft beurteilt?

Selbst wenn wir die Situation jetzt wieder unter Kontrolle bekommen, eine scheinbare Kontrolle, wird es neue Krisen geben. Krisen, die anhalten, sich verstärken, und neue Einschnitte bedeuten.

Dass es so weitergeht wie bisher. dass wäre die eigentliche Katastrophe und führt am Ende zu einer im Minimum moralisch bankrotten Gesellschaft.


Aus: "Jenseits der Steuerbarkeit." juergen kasek (Veröffentlicht am 1. Mai 2020- Katgeorien Nach Denken, PolitikSchlagwörter Corona, Coronakrise, Covid19, Nach der Krise, Sicherheit, Veränderung)
Quelle: https://juergenkasek.wordpress.com/2020/05/01/jenseits-der-steuerbarkeit/

Link

Quote[...] It had come to the outer suburbs of New York. There were cases in the Bronx, Brooklyn, Queens and Manhattan.

By now, the news was coming word of mouth. Someone had tested positive in our downtown office complex. A tenant in a neighbouring apartment building had been laid low. Our school was shutting. All the schools were shutting. The whole of New York was soon in lockdown.

Back then I remember thinking how different this was to stories of the past. Whether it was war or disaster, there was always a plane to take you away to safety; always a refuge at the end of a harrowing ordeal. With Covid-19, however, there was no plane; there was no refuge. In this planetary pandemic, the entire world was a trouble-spot.

Also this was the first time my family was living the same story of disaster that I had to cover. They were subject to the same risks and dangers. They felt the same tensions and concerns. And for us there was an extra layer of anxiety. My wife, Fleur, is seven months pregnant.

So some of those headlines now came like thunderbolts.

A top New York hospital was barring partners from being present at the birth. Other maternity wards were following suit. Delivery rooms were being placed in Covid isolation: women sequestered from their partners, partners sequestered from their newborns.

New life in the time of coronavirus. The magical realism of birth was becoming something altogether more dystopian.

In pre-pandemic times - how quickly we've adopted the language of the before and the after - many New Yorkers suffered from a paranoia known as FOMO. The fear of missing out. Those who can afford it want to dine in the most fashionable new restaurants. Go see the hottest new Broadway show. Attend the latest gallery opening.

But the virus was something that everyone wanted to miss out on - the talk of the town that nobody wanted to speak of from firsthand experience.

As the skies emptied of planes and we got used to seeing avenues without yellow cabs, the sound of the city changed. First we could hear the birds. Then they were drowned out by the sirens. Morning, noon and night. A ceaseless din. An unnerving din.

The city that never sleeps became the city that couldn't sleep. And the fear was the ambulance outside your window would become an ambulance outside your door. To a city known for its bravado and life abundant, the coronavirus brought an overriding sense of fear.

Just as people became scared of paramedics, people became frightened of hospitals - especially those with the white refrigerated trailers ranked outside, the city's mobile morgues that we hadn't seen on the streets since the days after 9/11.

Then, in this home of New World modernity, we witnessed something that seemed grotesquely medieval. The bodies of the unclaimed, those who had no next of kin, placed in plain wooden boxes, ferried across to an island near the Bronx and buried in a mass grave.

There was something inevitable about the world's most global city becoming the epicentre of a worldwide contagion. But few expected death on such an immense scale.

Once again, this city has become Ground Zero: that haunting phrase from the attacks of 11 September that New Yorkers hoped would never be applied here again. That was surely the city's most awful day. This surely has been its most awful season.

My first symptoms came on a Friday night, a weariness I put down to weeks of covering the outbreak, and the new parental juggle of helping to home school our kids. Then came the muscle pain, the cough, the numbing of my taste buds. Much more worryingly, Fleur was developing a fever. Then she had the cough, what felt like a weather system on her lungs, the chronic fatigue and the tell-tale shortness of breath.

New York attracts optimists. We both believed we'd be among those who only experienced mild symptoms. But Fleur's condition was deteriorating. Those sirens outside sounded even more threatening than before.

The symptoms got worse in the evening. With the coronavirus, darkness brought more menace. And late one night, when Fleur was struggling to breathe properly, we feared we would have to reach for the phone to call that much-feared number, 911.

Fewer things are more frightening than watching a loved one struggle to finish a sentence for lack of breath, and especially when that sentence is a matter of life and death.

Sleep usually brought some comfort, and did so again. Thankfully Fleur rallied. Her breathing improved. We could see that her blood oxygen levels were okay. She avoided hospitalisation.

Slowly, over the next few days, the clouds began to part. And eventually came the brilliant sunshine of full recovery. We could be counted amongst the fortunate, and we became even more mindful of the dead, and the loved ones they left behind.

Even in the midst of so much mourning, there have been uplifting New York moments.

The coronavirus has not crushed the charismatic personality of this city. We've seen firefighters pulling up outside hospitals then standing to applaud the nurses and doctors - the heroes of 9/11 saluting the new superheroes of Covid-19.

There's been the cheering and pot-banging every evening at seven, reverberating off the glass cliff-faces of Manhattan's skyscrapers and echoing through the outer boroughs. There have even been communal sing-alongs. One night it was Bill Withers Lean on Me. On another it was Frank Sinatra's rousing Big Apple anthem, New York, New York.

But for those who have suffered not just from the virus, but the economic contagion that has ravaged this city, the famous line from that song - If I can make it there, I'll make it anywhere - must now sound like a taunt.

How can you make it when your workplace is shutdown? How can you make it when there are no tables to clear or plates to scrub? When your shop is boarded up with plywood, as if a hurricane is about to rip through - which, economically, it has. Every single shutdown day.

In this hub of immigrant ambition and American abundance, we have witnessed scenes that look like they belong more in the days of the Great Depression. One of the neighbourhoods worst affected is a place called Corona in Queens. And there we have seen queues outside a food bank that stretched more than 200 yards, the length of the line a measure of the desperation.

Cleaners, restaurant workers, labourers. The economic victims of Covid-19. People who only six weeks ago had full-time jobs, now forced to rely on welfare to feed their families. Here they lined up for hours for the most meagre of provisions. A sandwich, some sweet corn, a small carton of milk, a pot of apple sauce, in this the land of plenty.

In low-income immigrant communities, American dreams are being crushed by this global scourge.

Many rich New Yorkers, the city's one per cent, have simply left town, and headed for their country getaways in the Hudson Valley or coastal retreats in the Hamptons. That is not an option for the poor, many of whom live in multi-generational family dwellings, sometimes in one-bedroom apartments shared by 10 people.

So the coronavirus has been a tale of two cities, with Hispanics and African Americans being killed at twice the rate of white New Yorkers. Poverty has been a propagator of the pandemic. Hardship has been a super-spreader.

We're living through another time of "Buddy can you spare me a dime". Let's hope it doesn't become an era.

When Covid hit, the United States was also among the vulnerable, and the virus has exposed so many of its long-term ailments - its income disparities, racial inequality, democratic sickliness, inoperative government, toxic polarisation, decline of reason, the downgrading of science, the lessening of its global influence, the absence of its global leadership.


From: "Coronavirus: New York becomes Ground Zero again" Nick Bryant New York correspondent (1 May 2020)
Source: https://www.bbc.com/news/world-us-canada-52495746


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Quote[....] Der schwedische Staatsepidemiologe Anders Tegnell bestätigte im Gespräch mit dem Sender SVT, dass die sogenannte Reproduktionszahl seit einigen Tagen unter 1,0 liege.

Dies besagt, dass ein mit dem neuartigen Coronavirus infizierter Schwede durchschnittlich weniger als einen weiteren Schweden ansteckt. ,,Das bedeutet, dass die Pandemie allmählich abebben wird", erklärte Tegnell am späten Freitagabend in dem Sender.

Eine Zusammenstellung der schwedischen Gesundheitsbehörde zeigt, dass die Reproduktionsrate im Land seit dem 10. April relativ stabil bei rund 1,0 lag. Am 1. April hatte sie demnach noch 1,40 betragen, am 25. April – dem letzten bislang veröffentlichten Wert – nach mehrtägigem Rückgang nur noch 0,85.

Schweden geht im Kampf gegen die Corona-Krise einen international beachteten Sonderweg.

Im Vergleich zu den meisten anderen Ländern hat das skandinavische Land mit lockereren Maßnahmen auf die Pandemie reagiert, Kindergärten, Schulen und andere Einrichtungen wurden zum Beispiel niemals geschlossen.

Vielmehr appelliert es an die Vernunft der Bürger, damit diese Abstand halten und die Corona-Verbreitung somit abgebremst werden kann.

Verglichen mit dem Rest Skandinaviens haben die Schweden jedoch relativ viele Infektions- und Todesfälle: Bis Samstagvormittag wurden mehr als 22.000 Infektionen und mehr als 2650 Tote mit Covid-19-Erkrankung erfasst.


Aus: "Corona-Reproduktionszahl in Schweden unter 1,0 gesunken" (Samstag, 02. Mai 2020)
Quelle: https://www.stol.it/artikel/chronik/corona-reproduktionszahl-in-schweden-unter-10-gesunken


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Quote[...] In den Vereinigten Staaten sind Wissenschaftlern zufolge seit Beginn der Corona-Pandemie mehr als 65.000 Menschen durch eine Infektion mit dem Virus ums Leben gekommen. Das ging am Samstagvormittag (Ortszeit) aus den Daten der Universität Johns Hopkins in Baltimore hervor. Die Zahl der bestätigten Infektionen in Amerika lag demnach bei mehr als 1,1 Millionen – etwa ein Drittel der weltweit mehr als 3,3 Millionen Fälle.

Präsident Donald Trump hatte noch am 17. April gesagt, seine Regierung rechne mit 60.000 bis 65.000 Toten infolge der Coronavirus-Epidemie in den Vereinigten Staaten. Diese Schwelle ist nun überschritten. Frühere Modelle, die das Weiße Haus vorgestellt hatte, hatten mindestens 100.000 Tote in Amerika vorhergesagt.

Am Freitag hatte Trump bei einer Veranstaltung im Weißen Haus gesagt, er hoffe auf weniger als 100.000 Tote durch das neuartige Coronavirus in Amerika. Das sei deutlich unter den Opferzahlen von bis zu 2,2 Millionen, die eine Studie ohne Eindämmungsmaßnahmen befürchtet hatte. Es sei dennoch ,,eine schreckliche Zahl". Der Präsident sagte, durch die Maßnahmen seiner Regierung seien ,,vielleicht Millionen Menschenleben" gerettet worden. Kritiker werfen Trump vor, die Gefahr durch das Virus zunächst kleingeredet zu haben.

Die Webseite der Forscher Johns-Hopkins-Universität wird regelmäßig mit eingehenden Daten aktualisiert und zeigt daher einen höheren Stand bestätigter Infektionen als die offiziellen Zahlen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC. In manchen Fällen wurden die Zahlen der Universität zuletzt allerdings auch wieder nach unten korrigiert.


Aus: "Johns-Hopkins-Universität : Mehr als 65.000 Corona-Tote in den Vereinigten Staaten" (02.05.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/mehr-als-65-000-corona-tote-in-den-vereinigten-staaten-16751238.html