Author Topic: Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)  (Read 15314 times)

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #40 on: April 16, 2020, 02:41:33 PM »
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[...] Katja Janssen ist Kassiererin in einem Supermarkt in Brandenburg. Sie hat viele freundliche Kunden. Doch oft hat sie es auch mit aggressivem Verhalten zu tun. Im Interview mit ntv.de findet sie klare Worte.

Verena Maria Dittrich: Frau Janssen, viele Verkäuferinnen sagen, dass erst ein Virus ausbrechen musste, bis sie zum ersten Mal so etwas wie Wertschätzung erfahren haben. Empfinden Sie das auch so?

Katja Janssen (* Echter Name liegt der Redaktion vor): Für viele Kunden sind wir unsichtbar. Ich arbeite in einer großen Discounter-Kette, vornehmlich an der Kasse. Was ich da alles in den vergangenen Wochen erlebt habe, lässt mich an meinen Mitmenschen zweifeln. Ich musste mir sehr schnell eine noch dickere Haut zulegen, damit mich das Verhalten mancher Kunden nicht persönlich kränkt. Aber es ist schon auch so, dass uns - meinen Kollegen/innen und mir - viel Wertschätzung zuteil wird. Man klopft uns jetzt öfter verbal auf die Schulter, gelegentlich erhalten wir sogar kleine Geschenke wie Pralinen. Applaus gibt es auch manchmal - wie im Theater. Das fühlt sich schön an, ist aber nur die eine Seite. Verständlich, dass darüber lieber gesprochen wird. Jedoch fühlt es sich für mich auch ein wenig illusorisch an, wenn berichtet wird, wie freundlich die Kunden in diesen Tagen doch sind. Die negativen Erfahrungen sind ja deshalb nicht weniger negativ, sondern bleiben genauso unangenehm.

Verena Maria Dittrich: Sprechen Sie auf die Hamsterkäufer an?

Katja Janssen: Unter anderem. Aber nicht nur auf die! Man gerät auch ständig mit Kunden aneinander, die auf die Einhaltung der Abstandsregeln quasi pfeifen. Die Markierungen, die wir an den Kassen extra vorgenommen haben, interessieren die einfach nicht. Manche mögen in Gedanken versunken sein, aber nicht alle. Bei vielen ist es, da bin ich sicher, einfach Ignoranz. Wenn man sie nett darauf hinweist, werden einige kiebig, andere fangen an, herumzudiskutieren. Auch nervig sind jene Kunden, die mit der kompletten Familie bei uns aufschlagen, obwohl das momentan gar nicht gestattet ist. Es gibt so viele Leute, die den Zweck dieser Regeln zum Wohle der Gemeinschaft einfach nicht kapieren wollen!


Verena Maria Dittrich: Stichwort: Abgabemengen. Werden die inzwischen eingehalten?

Katja Janssen: Von vielen Kunden ja, aber es sind auch nicht wenige, denen die Vorgaben egal sind; die trotzdem fünf Packungen Nudeln aufs Band legen. Wenn man sie dann zum Beispiel freundlich darauf hinweist, dass sie doch bitte nur drei Packungen pro Kunde mitnehmen mögen, fangen sie an, gnadenlos rumzumotzen. Ich weiß nicht, was es genau ist, aber manche haben so eine Grund-Aggressivität. Als würden sie nur darauf warten, dass man sie anspricht, um dann sofort aus der Haut zu fahren und sogar beleidigend zu werden. Bei einigen schaukelt sich die Angelegenheit bis zur Androhung eines Hausverbots hoch. Auch Mehl darf in diesen Tagen ja nur als Dreier-Packung pro Haushalt verkauft werden. Vor einigen Tagen gab es einen Kunden, der hatte den halben Wagen voll mit Mehl, ca. 20 Packungen. Nachdem ich ihn auf die Begrenzung von drei Packungen aufmerksam gemacht habe, wozu wir nun mal verpflichtet sind, zeigte dieser Kunde keinerlei Einsicht oder Verständnis. Beim Versuch das Mehl wieder aus dem Einkaufswagen zu nehmen, wurde er grob und schlug mir die Packungen wieder und wieder aus der Hand! Was folgte, waren wüste Beschimpfungen. Ihm musste das Hausrecht entzogen werden. Abends zu Hause, wenn ich allmählich zur Ruhe komme, merke ich: Das macht was mit einem.

Verena Maria Dittrich: Sprechen Sie im Team offen über derlei Vorkommnisse?

Katja Janssen: Gelegentlich. Wenn ich mal einen Tag nicht solche Kunden habe, dann hat sie eine Kollegin. Ich denke immer, man gewöhnt sich an alles, aber diese im Grunde lächerlichen Diskussionen nerven zusehends. Man fühlt sich wie im Kindergarten, muss immer wieder das Gleiche sagen, wo doch jeder mündige Bürger eigentlich selbst wissen müsste, wie er sich in dieser Krise verhalten sollte. Es ist immer wieder aufs Neue schockierend, wie viele Kunden wie Kleinkinder auf die simpelsten Einkaufs-Regeln hingewiesen werden müssen, die ja letzten Endes uns allen zugutekommen. Einhergehend mit dem Kontaktverbot kam es gleich zu neuen, unangenehmen Zwischenfällen.

Verena Maria Dittrich: Die da wären?

Katja Janssen: Ich wies ein Paar mit ihrem Sohn auf die Sachlage hin, dass nicht mehr als zwei Leute zusammen in unseren Laden kommen dürften. Prompt folgten lautstarke Beschimpfungen von der Mutter. Sie hat mich fortlaufend angebrüllt, schrie: "Dann holen Sie doch die Polizei!" Ihr eigener Mann stand kopfschüttelnd daneben und versuchte, sie zur Räson zu bringen. Aber sie wollte sich partout nicht beruhigen und tat, als würden die Regeln gern für alle anderen gelten, aber nicht für sie. Mir ist klar, dass die Krise für uns alle hart ist, aber bei manchen Kunden scheint sich Einiges angestaut zu haben, das sich in diesen Situationen dann entlädt. Diese Leute explodieren förmlich vor Wut und Aggressivität. Aber ich bin auch ein Mensch und habe Gefühle.

Verena Maria Dittrich: Wie schützen Sie sich, um sich derlei Vorfälle nicht zu Herzen zu nehmen?

Katja Janssen: Wie soll ich mich schon schützen? Ich kann nur versuchen, ruhig zu bleiben und mir immer wieder zu sagen, dass Leute, die gleich rumbrüllen oder ausrasten, mich nicht persönlich meinen, sondern dieses Verhalten wohl der momentanen Situation geschuldet ist. Man schottet sich emotional ab. Mich haben diese Erfahrungen aber zu folgendem Entschluss kommen lassen: Was die Kunden machen, ist mir mittlerweile egal. Ich werde sie, sobald ich spüre, dass es mehr als ungemütlich werden könnte, nicht mehr darauf hinweisen, wie viele Mengen sie eines jeweiligen Produkts mitnehmen dürfen. Es laugt mich aus, dieses Verhalten von Leuten, die nur an sich denken. Ich bin kein menschlicher Fußabtreter. Natürlich bitte ich sie nach wie vor freundlich, sich an die Markierungen auf dem Boden zu halten, aber das war's.

Seit Wochen weise ich Menschen in meiner Funktion als Verkäuferin auf die offenkundigen negativen Zusammenhänge ihres Kaufverhaltens in der Corona-Krise hin. Ich erkläre nahezu täglich immer wieder dieselben Dinge und Prozeduren, wieder und wieder und wieder. Ich bete es rauf und runter. Die Regeln gibt es, damit in unseren Geschäften für alle alles vorhanden ist und die Gesundheit der Kunden nicht gefährdet wird. Dafür machen wir das. Jedem, der das immer noch nicht kapiert hat, kann ich durch hundertfaches Diskutieren auch nicht mehr helfen. Ich bin nicht dafür zuständig, erwachsene Menschen zu erziehen.


Aus: "Corona-Alltag einer Kassiererin "Ich bin kein menschlicher Fußabtreter"" (Donnerstag, 16. April 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Ich-bin-kein-menschlicher-Fussabtreter-article21716491.html

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #41 on: April 18, 2020, 10:58:11 AM »
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[...] Zweifel am Zahlenmaterial Chinas zur Corona-Pandemie hatte es immer gegeben – am Dienstag musste die Regierung eingestehen, dass sie berechtigt waren. 3.869 Menschen seien nach aktuellen Zahlen in der Provinz Hubei an der Krankheit Covid-19 gestorben. Sie ist das Zentrum des Ausbruchs, ihre Hauptstadt ist Wuhan. Dort sind 1.290 mehr als bisher bekannt ums Leben gekommen – ein Zuwachs zur bisherigen Zahl um die Hälfte.

Wie es zu dem "Irrtum" kommen konnte, versuchte ein Sprecher des Außenamtes mit dem Stress zu begründen, unter dem das medizinische Personal beim Ausbruch der Infektionen im Jänner und Februar gestanden sei. Dass dies auf Anweisung geschehen sei, stellte Zhao Lijian aber in Abrede: "Eine Vertuschung gab es nicht, denn unsere Regierung verbietet Vertuschungen" China komme seiner "Verantwortung vor der Geschichte, den Menschen und den Verstorbenen" nach.

Genau das aber steht als Verdacht weiter im Raum: spätestens seit Ende März das chinesische Magazin Caixin über lange Schlangen vor Bestattungsunternehmen in Wuhan berichtete sowie über die Bestellung zehntausender Urnen, deren Anzahl nicht mit den offiziellen Todeszahlen in Einklang zu bringen sei. Auch US-Präsident Donald Trump hatte vergangene Woche gesagt, das Zahlenmaterial aus China scheine ihm "etwas niedrig gegriffen" zu sein, es sei nicht glaubwürdig.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte Donnerstag in einem Interview mit der Financial Times angemerkt, es seien in China "gewiss Dinge passiert, die wir nicht wissen". Die britische Regierung wiederum hatte vor zwei Wochen über anonyme Quellen an Medien herangetragen, dass auch London nach der Krise eine "Abrechnung" mit China plane. Die fehlende Transparenz Pekings habe europäische Staaten ins Messer laufen lassen.

Peking selbst sieht sich hingegen weiter bestätigt. Das autoritäre Regierungsmodell habe seine Vorteile im Kampf gegen die Virusgefahr gezeigt, legen offizielle Medien – sehr zum Ärger europäischer Regierungen – immer deutlicher nahe. In den zensurierten sozialen Medien versuchte Peking am Freitag, auch die korrigierten Zahlen aus Wuhan schönzureden: Diese seien ein Zeichen für die hohe Transparenz, der sich Peking verschrieben habe.

Zudem zeigt Peking auch auf Europa – und findet dabei in der Tat ebenfalls Ungereimtheiten. So hatte die spanische Region Katalonien ihre Todesbilanz erst vergangenen Mittwoch um 3242 Personen erhöht, die in Altenwohnheimen gestorben waren. Ähnliches geschah mehrfach in Frankreich, auch in Italien ist von unvollständigen Zahlen die Rede. Österreich meldet in unterschiedlichen Statistiken verschieden hohe Todeszahlen – begründet auch durch die Unklarheit, ob jeder Tod eines Sars-CoV-2-Infizierten ursächlich mit der Krankheit in Zusammenhang steht. Und auch in Großbritannien steht die Regierung am Freitag erneut in der Kritik. Sie ließ in einer "Orientierungshilfe" an Ärzte mitteilen, auf Totenscheinen müsse nicht "Covid-19" vermerkt werden. "Lungenentzündung" sei ausreichend. (Manuel Escher, 17.4.2020)


Aus: "China korrigiert Todeszahlen für Wuhan um 50 Prozent nach oben, bestreitet Vertuschung" Manuel Escher (17. April 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000116945609/china-korrigiert-todeszahlen-fuer-wuhan-um-50-prozent-nach-oben

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Andreas_Egger

Den Artikel fertig lesend stellt man fest, dass offensichtlich die Korrektur in China, warum auch immer sie nötig war oder gemacht wurde, auch nur ein von vielen auf der ganzen Welt war. Und dass Boris Johnson die Parole ausgibt, nicht Covid 19 sondern Lungenentzündung auf die Totenscheine zu schreiben, ist ja auch heftig.


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #42 on: April 18, 2020, 11:35:34 AM »
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[...] "Ales zua, richtig still is’ es", bemerkt Josef Gaisberger. Und an diese Ruhe sollen sie sich gefälligst halten, die Zuagrasten, meint Josef Gaisberger. Er drückt es natürlich viel höflicher aus. Denn so ganz verschrecken, wie sein Bürgermeister es getan hat, will er die Touristen und Zweitwohnbesitzer ja auch nicht.

Immerhin ist er als Fischermeister am Altausseer See auch so etwas wie eine Respektsperson, und man lebt halt doch – und das gar nicht schlecht – vom Fremdenverkehr und den Zweitwohnbesitzern, die mittlerweile schon beinahe die Hälfte der Immobilien im Ort erworben haben.

Genau auf diese hatte es der Altausseer Bürgermeister – im Bunde mit seinen Kollegen der Nachbargemeinden – aber abgesehen, als er kürzlich in einem Schreiben an die steirische Landesregierung forderte, Besitzer eines Zweitdomizils müssten sich entscheiden, "ob sie diese Krise an ihrem Haupt- oder Zweitwohnsitz durchstehen wollen".

Es seien von Ordnungsorganen vermehrt "Autokennzeichen aus Graz, Wien und Linz" gesichtet worden, diese Gäste würden sich "den örtlichen Vorgaben und den Anordnungen der Bundesregierung widersetzen". Der Übertritt der Gemeindegrenzen müsse daher beschränkt werden. Auf grob Steirisch: Sie sollen dort bleiben, wo sie herkommen.

"Disziplinlos", seien sie, die Zweitwohnbesitzer, grollt der rüstige Über-80er Gaisbauer: "Wir müssen ja auch daheimbleiben." Nicht einmal zu seinen geliebten Fischen runter zum See könne er gehen.

Die Altausseer müssten sich an die Coronaregeln halten, aber "die" – da meint er die Städter – "halten sich nicht an die Bestimmungen. Sie kommen her zu ihren Zweitwohnsitzen, fahren in der Gegend rum, was weiß ich wohin, und dann bringen’s womöglich die Viren und Infektionen mit."

Die Zweitwohnbesitzer, und derer gibt es in Altaussee eben viele, fühlen sich jetzt, tief gekränkt, vor die Tür gesetzt. Plötzlich sind sie Fremde im eigenen Land und werden auch als solche behandelt. In Internetforen lassen sie Luft ab, ein mittlerer Orkan zieht gegen die Altausseer auf, denen vorgeworfen wird, jetzt trete deren Fremdenfeindlichkeit zutage.

"Unser Geld wollen sie schon", setzte ein überaus grantiger, gar nicht so unbekannter Wiener Bohemien einen Tweet ab. Ein Anderer aus der Twitter-Blase sieht die ganze Aufregung hingegen mit Augenzwinkern: "Da wollen Menschen aus Wien oder anderen Städten jahrelang nichts sehnlicher, als Teil der dort heimischen Subkultur zu werden. Sie mieten oder kaufen sich ein, kaufen sich neue Hüte und alte Lederhosen. Nehmen Sprache und Gebräuche an, um dann in der Krise festzustellen, dass all ihre Bemühungen vergebens waren und sie am Ende doch ,Die Wiener‘ geblieben sind, die sie von Anfang an waren."

Die Altausseerinnen und Altauseer sind aber eh noch milde. In Kritzendorf im Bezirk Tulln in Niederösterreich wurde den dortigen Zweitwohnbesitzern einfach das Wasser abgedreht. Die Stadt Klosterneuburg hatte beschlossen, das Wasser nicht aufzudrehen, um in Zeiten der Coronavirus-Krise "das Pendeln zwischen zwei Wohnsitzen einzudämmen", hieß es.

Apropos Wasser: Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil ließ jetzt anordnen, dass nur noch nahe wohnende Burgenländer das Neusiedlersee-Areal betreten dürfen. Burgenland den Burgenländern. Von draußen aus der Großstadt könnte ja das Virus kommen. Altausseer Weisheit.

Orte wie Altaussee oder Plätzchen am Neusiedlersee sind Synonyme für die Suche nach der Idylle, der Romantik alter Sommerfrische. Das Ländliche, Erdige, Ursprüngliche war immer schon – bereits in der Antike – ein "Sehnsuchtsort" wie es Friedrich Torberg 1942 im Exil für sein Altaussee formuliert hatte.

Musterbeispiel Altaussee: Es war in jüngerer Vergangenheit zuerst der Adel, der ab Mitte des 19. Jahrhunderts dem Kaiser in Bad Ischl nahe sein wollte und ins Salzkammergut nachreiste. 1847 ist der erste Zweitwohnsitz in Altaussee verbrieft.

Der Offizier und Schriftsteller Joseph Christian Freiherr von Zedlitz errichtete als erster Künstler "aus Liebe zur Natur und dem Entzücken über diese wunderbare Landschaft" sein "Seehaus". Später kamen Schriftsteller wie Hugo von Hofmannsthal Arthur Schnitzler oder Friedrich Torberg, auch Sigmund Freud und Gustav Mahler nach.

Sie alle machten Altaussee durch ihre schiere Anwesenheit zur österreichischen Sommerfrische-Berühmtheit. Altaussee könnte als Prototyp eines Sehnsuchtsortes für Städter, wenn es der Zufall gewollt hätte, sicher auch ganz woanders liegen. Österreich verfügt ja über eine Vielzahl an idealtypischen Entschleunigungsorten.

Nicht nur Österreich hat Derartiges zu bieten. Man denke etwa an das schweizerische Sils Maria, das für Hermann Hesse und andere Künstler zur zweiten Heimat wurde. "Wir sind hier restlos begeistert und schlürfen die Luft der Gemsen wie französischen Champagner", schrieb der Komponist Richard Strauss 1947 aus dem Engadin.

Schriftsteller wie Max Frisch, Thomas Mann oder Kurt Tucholsky genossen hier diese Einschicht, Friedrich Dürrenmatt, Albert Einstein waren ebenso hier. Friedrich Nietzsche lebte karg in einem kleinen Engadiner Häuschen.

Diese damals geübte Bescheidenheit der Sommerfrischler ist längst aus der Mode gekommen. Die Natur, das Plätschern des Baches, das Läuten der Kuhglocken und die Heuernte wollen in einem doch eher luxuriösen Ambiente genossen und das tagsüber bei Spaziergängen Erlebte bei einem guten Tropfen und delikater Haubenküche am Abend reflektiert werden.

"Es ist ein Privat-Vergnügen – vor allem für Neu-Eliten, die sogenannten Raumpioniere, die dem Leben der Stadt entrinnen und es sich leisten können, auf das Land zu ziehen, um verödete und verlassene Räume neu zu besetzen.

Es sind Nomaden, die wie Außerirdische in der Provinz landen", formulierte es einmal der Kulturgeograf Marc Redepenning. Und da ist auch dieses erhabene Gefühl, zur Elite zu gehören, dort wo – wie in Altaussee – auch die Androschs und Mateschitz verweilen und dort mächtig ins Tourismusgeschäft investieren.

Man gehört dazu – aber plötzlich kommt dieses Virus daher und vermiest die schönLandromantik. Und nichts ist es mehr mit Stammtischsitzungen.

Die Einheimischen erlassen vielmehr eine rücksichtslose Regel des Social Distancings: Inländer raus. In ihnen keimt wieder etwas auf, das Sozialpsychologen als "soziale Identität" bezeichnen würden.

Bei einer Bedrohung von außen ist sie rasch gebildet, die einende und abwehrende "Gruppenidentität". Dann ist man Altausseer oder Burgenländer. Das Prinzip "Eigengruppe versus Fremdgruppe", funktioniert immer, wie in einer Vielzahl sozialpsychologischer Studien nachgewiesen wurde.

Es beginnt schon im gesellschaftlichen Mikrokosmos, wenn die ansässigen Speckgürtelbewohner gegen die "Zuwanderer" aus der Stadt schimpfen, wenn das obere Dorf gegen das untere Dorf polemisiert.

Im Fußballmatch der Bezirksliga ist das Dorf aber wieder geeint, wenn es gegen die Nachbargemeinde geht. Und natürlich fühlt man sich – wenn’s darauf ankommt – übergeordnet als Mühlviertler, Murtaler oder Wiener. Und irgendwann kommt der Zeitpunkt, sich als Tiroler, Steirer oder Kärnten zu outen, wenn die gemeinsame Identität der Geburtsregion gefragt ist.

Der Gruppenzusammenhalt reicht in Ausnahmefällen, wenn die Republik von außen kritisiert wird oder bei Länderspielen sogar für eine "Wir-sind-Österreicher"-Identität. Das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit hört spätestens bei Europa auf.

Das ist eine Dimension zu weit weg, da bleibt man lieber in der kleinen, aber sicheren Selbstbestimmtheit als Altausseer oder Burgenländer unter sich, mit dem Kirchturm als Horizont.

Da können die Städter kommen und noch so viele Lederhosen und Dirndln kaufen, in diese "lokale Identität" werden sie nicht integriert. Sie werden immer die "Zuagrasten" bleiben. Mit oder ohne Virus. (Walter Müller, 18.4.2020)


Aus: "Corona-Krise: Inländer raus" Walter Müller (18. April 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000116950860/inlaender-raus

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haslach

IMMER SO!

Die "Fremden" sind o.k., solange sie:
a) Geld bringen
b) eine Fussballmannschaft zum Sieg führen
c) als billige Hilfskräfte tätig sind (besonders in der Pflege ...)
d) als billige Erntehelfer kommen
e) in der Prostitution tätig sind (Exotik macht geil)
f) für bestimmte Kreise: ausländische Politiker als Wahlhelfer für die bevorzugte Ideologie

AMERKUNG: Die Punkte e und f stehen natürlich ohne Absicht nebeneinander


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Kara Mustafa

Hm. Ich fühle mich ehrlich gesagt zu Tirolern oder Steirern nicht überdurchschnittlich stark sexuell angezogen. Trotz der Exotik.


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bauernopfer

Ich schreibe es gerne nochmal: Das ist eine logische Fortsetzung des wachsenden Nationalismus. Aus unserem Land wird unser Bundesland, unser Bezirk, unser Ort, unsere Siedlung und am Ende dann mein Haus. Flugs den Stacheldraht aufgebaut, wer weiß schon, was dieser Nachbar im Schilde führt...


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haslach

CORONA

Was einem alles in der Corona-Krise so in den Sinn kommt: Pest, Lepra, Aussätzige, Strafe-Gottes-Theoretiker, Mia-san-mia-Philosophen, Krisengewinnler statt Kriegsgewinner, Verschwörungstheoretiker ... Und stets aufs Neue das Wort von G. B. Shaw: "Die Politik ist das Paradies der zungenfertigen Schwätzer!"


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Rohling

Wie Adolf Loos schon sagte:,Der Städter, der sich wie ein Bauer kleidet, ist ein Hanswurst.“ - Vor vielen Jahren auf der Loserhütte, August, Sonntagabend: Die Terrasse voll mit Wienern in Luxustrachten und Eingeborenen in Jeans. Unvergesslich.


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Hudson

Als Durchschnittsverdiener, der meilenweit davon entfernt ist irgendwo einen Zweitwohnsitz zu haben (es warad wegen der Kohle) und der im Moment ganz andere Sorgen und Themen hat, beobachte ich dieses Match irgendwie mit einem gewissen Grinser: Übersättig-reiche Städter/„Zweitwohnsitzer“ gegen hohle Bauernschädeln/„Bürgermeister“.

Hat was. Meine Prognose: Die Beppis vom Land werden irgendwann draufkommen, dass sie die Kommunalsteuern und Einnahme der Zweitwohnsitzer doch gern hätten, spätestens im Sommer wenn die Kasse dann komplett leer ist. Als Revanche könnte Wien nach der Wahl aber auch schon mit einer City-Maut nachgezogen haben....natürlich nur wegen dem Klimaschutz, was denn sonst....


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #43 on: April 19, 2020, 09:58:37 PM »
"„Von Hongkong lernen“: Wo die Coronavirus-Pandemie ohne Lockdown bewältigt wird" (18.04.2020)
7,5 Millionen Einwohner, etwas mehr als 1000 bestätigte Infektionen und „nur“ vier Tote: Experten empfehlen anderen Regierungen Hongkong als Vorbild. ... Hongkong ist auch ohne einen kompletten Lockdown bislang glimpflich durch die Coronavirus-Pandemie gekommen. Eine am Samstag veröffentlichte Studie legt nahe, dass Tests und Kontaktverfolgungen sowie Änderungen des Bevölkerungsverhaltens – Maßnahmen, die weitaus weniger störende soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben als eine vollständige Ausgangssperre – den Kampf gegen das Coronavirus sinnvoll steuern können. "Durch die rasche Umsetzung von Maßnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit hat Hongkong gezeigt, dass die Übertragung von Covid-19 wirksam eingedämmt werden kann, ohne auf die äußerst störende vollständige Sperrung zurückzugreifen, die von China, den USA und westeuropäischen Ländern eingeführt wurde", urteilt der Wissenschaftler Benjamin Cowling von der Universität von Hongkong. Er leitete die im renommierten Fachmagazin "Lancet Public Health" veröffentlichte Studie.
Bis Ende März habe Hongkong einen größeren Ausbruch der durch das Coronavirus ausgelösten Erkrankung Covid-19 mit einer Kombination aus Grenzeintrittsbeschränkungen, Quarantäne und Isolierung von Infizierten sowie mit einem gewissen Grad von Kontaktbeschränkungen abwenden können. ...
https://www.tagesspiegel.de/wissen/von-hongkong-lernen-wo-die-coronavirus-pandemie-ohne-lockdown-bewaeltigt-wird/25752346.html


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #44 on: April 19, 2020, 10:51:12 PM »
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[...] Als Querfront werden zum einen anti-demokratische Strategien in der Weimarer Republik bezeichnet, die gegensätzlichen Ideologien des Nationalismus und des Sozialismus zu verbinden, um die politische Macht zu erringen. Solche Bündnisse strebten Vertreter der Konservativen Revolution seit etwa 1920 theoretisch, der damalige Reichskanzler Kurt von Schleicher 1932 praktisch an.

Als Querfront im weiteren Sinn bezeichnet man die Zusammenarbeit oder Vermischung linker und rechter Positionen, um die Zustimmung zu anti-emanzipatorischen Positionen zu vergrößern und Lager-übergreifende Aktionsbündnisse „quer“ zu bestehenden links- und rechtsgerichteten politischen Standpunkten herzustellen. ...

... Heute werden Querfront-Bestrebungen besonders im deutschen Rechtspopulismus sichtbar. Dazu zählt der Sozialwissenschaftler Wolfgang Storz die Zeitschrift Compact von Jürgen Elsässer seit 2010, das Internetportal KenFM von Ken Jebsen seit 2011, die Partei Alternative für Deutschland seit 2013, die Mahnwachen für den Frieden, das islamfeindliche Demonstrationsbündnis Pegida und dessen regionale Ableger (wie z. B. Legida in Leipzig) seit 2014. Kennzeichnend für diese neue Querfront seien eine leistungsfähige eigenständige Gegenöffentlichkeit und einfache populistische Fronten: „Volk gegen Eliten, Wahrheit gegen Lügenpresse“. Die Anhänger dieses Netzwerks bejahen laut Umfragen zwar die Idee der Demokratie, schenken den demokratischen Institutionen jedoch fast gar kein Vertrauen. Zu diesem Netzwerk gehört auch der ehemalige Sprecher für die Deutsche Burschenschaft Michael Vogt, der mit eigenen Internetmedien und Kongressen unter dem Motto Quer-Denken Verschwörungstheorien verbreitet. Er behauptet etwa, die USA hätten die Massenflucht aus Kriegsgebieten gezielt zur Zerstörung des als Blutsgemeinschaft verstandenen deutschen Volkes in Gang gesetzt.

Die Ziele dieser „Querfront“ formulierte Jürgen Elsässer in der Erstausgabe von Compact wie folgt: Man wolle eine „Volksfront“ aus der Gesamtbevölkerung aufbauen, damit diese die fehlende Souveränität erkämpfe. Die Linke müsse mit der Rechten einen „offenen Dialog“ führen und umgekehrt, um „Dogmen“ zu überwinden und „Tabus“ zu brechen und so einen gemeinsamen „Widerstand“ gegen jene Mächte zu ermöglichen, die das deutsche Volk beherrschten. Als Beispiel für einen solchen Tabubruch verwies Elsässer auf den Sozialdemokraten Thilo Sarrazin („Deutschland schafft sich ab“). Die herrschenden Fremdmächte verortete er im Sinne des sekundären Antisemitismus bei den angeblich vom Zionismus bestimmten USA und dem dort beheimateten, angeblich von wenigen Personen gelenkten Kapital der „Ostküste“. Damit versuchte er Compact als wesentliches „alternatives Medium“ für den deutschen Rechtspopulismus und gegen die Mainstreammedien zu etablieren.

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Aus: "Querfront" (9. April 2020)
Quelle: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Querfront&oldid=198689869

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[...] Mit dem Begriff Querfront wird heute die Übernahme traditionell linker Themen und Symbole durch Rechtsextreme bezeichnet. Dabei geht es der rechten Szene um zwei Hauptziele: Zum einen soll es durch die Angleichung an den linksautonomen Kleidungsstils und die Übernahme erfolgreicher Aktionsformen wie etwa des „schwarzen Blocks“ bei Demonstrationen Behörden und zivilgesellschaftlichen Akteuren erschwert werden, rechtsextreme Einstellungen und Verhaltensweisen zu erkennen und zu bekämpfen.

Zum anderen stellt die Übernahme traditionell linker Themen ein Kooperationsangebot an Linksextreme dar. Gemeinsame Bezugspunkte würden sich aus rechtsextremer Sicht dabei aus dem Kampf gegen Globalisierung, Imperialismus und Kapitalismus ergeben. In den letzten Jahren zeichnen sich besonders die Autonomen Nationalisten durch das Anwenden der Querfrontstrategie aus.

Der Begriff Querfront stammt aus der Zeit der Weimarer Präsidialkabinette (1930-1933) als die Zusammenarbeit des Reichskanzlers Kurt von Schleicher mit dem traditionell sozialdemokratischen Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB) und der Nationalsozialistischen Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) debattiert wurde. Der historische Begriff ist somit nicht auf das heutige Phänomen der Übernahme des linken Erscheinungsbildes durch Rechtsextremisten anwendbar, weil hier die Zugehörigkeit zur rechten Szene verschleiert werden soll. Er trifft aber durchaus auf die Betonung ideologischer Gemeinsamkeiten zu. ...


Aus: "Querfront" (kb, Mai 2013)
https://www.politische-bildung-brandenburg.de/lexikon/querfront

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[...] In mehreren amerikanischen Bundesstaaten demonstrieren Menschen gegen die Corona-Auflagen – befeuert von US-Präsident Donald Trump und Verschwörungstheoretikern. Manche tragen rote Trump-Kappen und -T-Shirts, viele halten amerikanische Flaggen, andere „Freiheit statt Angst“- und „Ich muss arbeiten!“-Schilder oder Kopien der Verfassung hoch. Dutzende Pickup-Trucks umkreisen immer wieder das State Capitol im Küstenstädtchen Annapolis, dem Landesparlament von Maryland. Sie hupen und brüllen sich ihre Wut aus dem Leib.

Im texanischen Austin rufen eng beieinander stehende Demonstranten „Schmeiß Fauci raus!“, was sich auf Anthony Fauci bezieht, den Top-Virologen in der Coronavirus-Taskforce von US-Präsident Donald Trump. In Concord, der Hauptstadt des Bundesstaats New Hampshire, versammeln sich rund 400 Demonstranten, darunter Bewaffnete in paramilitärischen Uniformen und mit vermummten Gesichtern, vor dem Kapitol.

Die Fernsehbilder zeigen ein Land in Aufruhr, oder zumindest Teile davon. Menschen in New Jersey, Texas, Maryland, aber auch in Indiana, Nevada, Wisconsin, Kentucky, in Kalifornien, Michigan und Ohio begehrten in den vergangenen Tagen gegen die strengen Ausgangsbeschränkungen auf, die in mehr als 90 Prozent aller Bundesstaaten verhängt wurden. Mit diesen soll die Ausbreitung des Coronavirus verlangsamt und den überlasteten Krankenhäusern mehr Zeit gegeben werden, mit der Krise fertig zu werden.

Die Demonstranten empfinden dies zunehmend als Tyrannei und Einschränkung ihrer Freiheitsrechte, sie sprechen von einer Überreaktion und fürchten um ihre Jobs – letzteres ist angesichts von 22 Millionen Arbeitslosen in nur vier Wochen und vielen Geschäften, deren Existenz bedroht ist, durchaus nachvollziehbar.

Andererseits ist der Protest häufig nicht nur spontaner Volkszorn, sondern aus rechten Kreisen befeuert und in Teilen finanziert. So wurden die Demonstrationen in Austin von der für Verschwörungstheorien bekannten Internetseite „Infowars“ organisiert. Deren Gründer Alex Jones, der auch bei den Protesten gesehen wurde, nennt das Virus wahlweise einen „Hoax“, eine Erfindung der Medien, oder einen von Chinas Kommunistischer Partei durchgeführten Angriff mit Biowaffen.

Jones nutzte seine Seite beispielsweise auch dafür, zu behaupten, dass der Amoklauf an der Grundschule Sandy Hook im Jahr 2012 ein „Hoax“ war oder von der Regierung inszeniert wurde, um den Amerikanern ihre Waffen wegzunehmen.

Empörung löste auch der umstrittene Wirtschaftsberater des Weißen Hauses Stephen Moore aus, der die Demonstranten mit einer amerikanischen Bürgerrechtsikone verglich. „Ich nenne diese Menschen die Rosa Parks’ unserer Zeit – sie stehen gegen Ungerechtigkeit und den Verlust ihrer Freiheitsrechte auf“, sagte Moore der „Washington Post“ vor wenigen Tagen.

Ein absurder Vergleich: Rosa Parks weigerte sich in Zeiten der Rassentrennung in einem Bus in Montgomery (Alabama), ihren Platz für einen weißen Mann freizugeben und wurde daraufhin festgenommen.

Die Demonstranten können sich aber auch von alleroberster Stelle legitimiert fühlen. So hatte Präsident Trump am Freitag auf Twitter sie sogar dazu aufgerufen. „Befreit Minnesota!“ und „Befreit Michigan!“, twitterte er, und: „Befreit Virginia, und rettet euren großartigen zweiten Verfassungszusatz. Er ist bedroht!“ Der zweite Zusatz zur US-Verfassung garantiert das Recht auf Waffentragen.

In allen drei von Trump genannten Bundesstaaten hatte es da bereits Demonstrationen gegeben – und in allen drei Staaten haben die Demokraten die Mehrheit.

Am Samstag erklärte Trump bei seinem täglichen Corona-Briefing, manche Staaten würden bei den Vorsichtsmaßnahmen übertreiben. „Ich glaube wirklich, dass sie unvernünftig sind“, sagte er mit Blick auf die demokratischen Gouverneure von Michigan und Virginia, Gretchen Whitmer und Ralph Northam. „Es gibt viel Protest da draußen. Manche Gouverneure haben sich meiner Ansicht nach mitreißen lassen.“

Dabei hatte Whitmer nichts anderes getan, als den von Trumps eigener Regierung herausgegebenen Richtlinien zu Geschäftsschließungen und „Social Distancing“ zu folgen. Und Northam hatte vor mehr als einer Woche ein schärferes Waffengesetz unterzeichnet, das nichts mit dem Coronavirus zu tun hat.

Aber das Waffenrecht ist eines der Themen, mit denen sich die republikanische Basis mobilisieren lässt. Kritiker werfen dem Präsidenten vor, mit Blick auf die Wahl im November Stimmung zu machen.

Allerdings sind die Demonstranten zwar laut und werden auf allen Sendern gezeigt. Aber sie sind offenbar nicht in der Mehrheit. Einer Studie des Washingtoner Pew-Instituts zufolge sind 66 Prozent der Amerikaner in Sorge, dass die Beschränkungen zu früh wieder aufgehoben werden. Nur 32 Prozent sagen, dies geschehe nicht schnell genug.

Die USA sind das Land mit der höchsten Zahl nachgewiesener Corona-Infektionen und Todesfälle weltweit: Die Zahl der Infizierten stieg am Samstag auf 734.000, mehr als 38.800 Menschen starben. Präsident Trump hat am Donnerstag neue Richtlinien erlassen, nach denen die Gouverneure selbst entscheiden können, wann sie Schutzauflagen lockern.


Aus: "Das steckt hinter den US-Protesten gegen Corona-Auflagen" Juliane Schäuble (19.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/-inszenierter-volkszorn-das-steckt-hinter-den-us-protesten-gegen-corona-auflagen/25754136.html

Quote
MahNaMahNa 19:41 Uhr
Es scheint ganz so, als wollten die amerikanischen Demonstranten der schwedischen Linie folgen, die Tote als unvermeidlichen Kollateralschaden einkalkuliert. Auch in Berlin und hier im Forum gab und gibt es ja Proteste gegen die hiesigen -- vergleichsweise harmlosen -- Beschränkungen.

Anzahl der Corona-Toten pro 1 Mio. Einwohner:
- Minnesota: 24
- New Hampshire: 28
- Virginia: 33
- Deutschland: 54
- Schweden: 152.

In New York, wo die Zahl bei 473 liegt, gibt es verständlicherweise keine Proteste gegen die Ausgangsbeschränkungen.
Quelle für die Zahlen: https://www.worldometers.info/coronavirus/#countries


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[...] Die Sonne scheint, die Menschen rufen „Wir sind das Volk“. Immer dann besonders laut, wenn die Ansagen der Polizei über den Rosa-Luxemburg-Platz in Mitte schallen. „Lüge“ brüllen sie den Beamten entgegen. Die versuchen, das Kontaktverbot durchzusetzen. Eine Frau hat auf ihrem Pullover den Slogan „Trump 2020“ stehen, ein anderer mit gelber Weste und Mundschutz gibt sich als Anhänger von „QAnon“ zu erkennen. Ein wirres, rechtsextremistisches Netzwerk von Verschwörungstheoretikern.

Das rechtsoffene Portal „KenFM“ ist mit einem Videoteam gekommen, der ehemalige Journalist und Erdogan-Unterstützer Martin Lejeune und der Rechtsextremist Nikolai Nerling, der sich „Volkslehrer“ nennt, drehen auch Videos.

Es ist eine wilde Mischung, die sich am Samstagnachmittag vor der Volksbühne zur „Hygiene-Demo“ versammelt hat. Laut Polizei etwas mehr als 500 Menschen. Die Versammlung ist illegal.

Seit vier Wochen treffen sie sich samstags um 15.30 Uhr. Die Zahl der Teilnehmer wächst, ihre Zusammensetzung geht von weit links bis rechtsextremistisch. Organisiert wird die Demonstration von der „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“. Seit vergangenen Donnerstag vertreibt die Gruppe auch eine eigene Zeitung, Plakate hängen an Berliner U-Bahnhöfen.

Ihr Slogan: „Wir sind die Opposition“. Hinter dem Verein stehen der Autor und Journalist (u.a. „taz“ und „Welt“) Anselm Lenz, der Autor und ehemalige Volksbühnenbesetzer Hendrik Sodenkamp und die Aktivistin Batseba N’Diaye. Die drei gehörten zum sogenannten „Haus Bartleby“.

Dieser lose Zusammenschluss von Künstlern und Autoren wurde 2014 als kapitalismuskritisches Projekt gegründet, sie veranstalteten Kunstaktionen wie ein Tribunal gegen den Kapitalismus. Jetzt distanziert sich „Haus Bartleby“ von der Demonstration.

Die Weltsicht von Lenz, Sodenkamp und Co wird auf der Website der „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“ deutlich: „Der deutsche Bundestag beschließt sein Ermächtigungsgesetz. Wir sollen ein Jahr lang in einer de-facto-Diktatur leben. Deren System ist derweil am Ende.“

Offiziell rufen sie bei ihren Demos dazu auf, Abstand zu halten und Mundschutz zu tragen. Kaum jemand hält sich daran.

Auf der Website versuchen die Aktivisten auch den Suizid des hessischen Finanzministers Thomas Schäfer (CDU) zu instrumentalisieren. Er habe „sich bereits das Leben genommen. Viele andere Tragödien spielen sich ab.“ Auf der Website wird ein Foto des konservativen Politikers gezeigt.

Nach Aussage einer Polizei-Sprecherin waren am Samstag 260 Beamte notwendig, um die Demonstration aufzulösen. Einige Teilnehmer widersetzten sich. Eine Frau wurde von Polizisten auf den Boden gerungen, Menschen abgeführt, Personalien wurden aufgenommen.

Nach Tagesspiegel-Informationen wurden zwei Personen vorläufig festgenommen, bei 79 Teilnehmern wurden die Personalien festgestellt. Die Polizisten nahmen mehrere Anzeigen wegen Verstößen gegen das Infektionsschutzgesetz auf.

Eineinhalb Stunden dauert es, bis der Platz vor der Volksbühne weitgehend geräumt ist. Unter Johlen und Pfeifen werden die Demonstranten in die Nebenstraßen abgedrängt, viele halten ein Grundgesetz in der Hand. Videos zeigen, dass die Demonstranten dicht an dicht stehen, nur wenige tragen Schutzmasken.

Seit einigen Tagen wird in Berlin auch die Zeitung „Demokratischer Widerstand“ verteilt. Laut eigener Aussage in einer Auflage von mehr als 20 000 Stück. Im Impressum taucht die Adresse der Volksbühne als Sitz der Redaktion und eines in Gründung befindlichen Vereins auf.

In einem Glaskasten am Theaterhaus ist am Samstag ein Symbol zu sehen, das auch einige Demonstranten tragen: Das rote V auf schwarzem Grund. Laut einer Sprecherin der Volksbühne steht es für den Anfangsbuchstaben der Bühne, einige Demonstranten interpretieren es am Samstag als Beweis, dass das Theater auf ihrer Seite steht: V - für Vendetta.

Auf Anfrage des Tagesspiegel erklärte eine Sprecherin der staatlichen Kultureinrichtung am Samstag: „Wir wurden gestern Nachmittag durch einen Hinweis darauf aufmerksam gemacht, dass der Verein „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“ die Adresse der Volksbühne auf Drucksachen sowie in der Impressumsangabe seiner Website nennt.“

Das Haus stehe in „keinerlei Verbindung“ zu den Herausgebern der Zeitung. „Die Adresse der Volksbühne wird ohne unsere Zustimmung verwendet“, schreibt die Sprecherin. Man prüfe jetzt rechtliche Schritte. Eine Anfrage des Tagesspiegel an die Senatsverwaltung für Kultur blieb am Samstag unbeantwortet.

Die Demonstration vor der Volksbühne ist eine von mehreren in Berlin, die sich zurzeit gegen die Eindämmungsmaßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus richten. Ein Demonstrant bezeichnete die Pandemie in einem Video-Interview als „leichte Grippe“, eine andere zeigte ein Schild mit der Aufschrift „Impfterrorismus“.

Nach der aktuellen Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus sind in Berlin Versammlungen unter freiem Himmel von bis zu 20 Teilnehmern erlaubt. Voraussetzung ist, dass sie aus infektionsschutzrechtlicher Sicht vertretbar sind, wie es in der Verordnung heißt.

Gegen diese temporären Einschränkungen hat sich eine Front von ganz links bis ganz rechts gebildet - vor der Volksbühne demonstrieren sie gemeinsam.


Aus: "Kritik an Corona-Maßnahmen: Das steckt hinter der Querfrontdemonstration in Berlin"  Julius Betschka, Christoph Kluge  (18.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/kritik-an-corona-massnahmen-das-steckt-hinter-der-querfrontdemonstration-in-berlin/25752958.html

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Armsel 18:33 Uhr
Ich finde es langsam sehr unangenehm, was sich für eine Stimmung in der Bevölkerung durchsetzt. Getrieben von stündlich aktualisierten Zahlen über Tote und Infizierte, Mundschutz, Einschränkungen, Maßnahmen etc. entwickelt sich in einer breiten Schicht der Bevölkerung eine Blindheit gegenüber aller entgegengesetzten Meinungen. Ja vielmehr werden alle Menschen,die diese Pandemie hinterfragen, in irgendwelchen politischen Ecken getrieben oder als Verschwörungstheoretiker abgestempelt. Unsere Meinungsfreiheit ist seit Wochen eingeschränkt.In allen Medien werden nur noch Coronakonforme Unterhaltungen und Berichte gesendet. Grenzen sind geschlossen, menschliche Kontakte sind verboten die Wirtschaft und die Zukunft der nachfolgenden Generationen liegen in Trümmern. Nun demonstrieren Menschen dagegen, ein paar hundert und werden gleich negativ abgewertet. Ich glaube das Virus hat größere Schäden bei uns angerichtet als wir alle denken. Das "dicke" Ende steht uns noch bevor.


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Zweites_Ich 19:08 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Armsel 18:33 Uhr

    alle Menschen, die diese Pandemie hinterfragen

Was muß da "hinterfragt" werden, sie ist da.
Das ist zur Kenntnis zu nehmen. Punkt!


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prokrastes 20:34 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Armsel 18:33 Uhr

Eine Pandemie ist keine Meinung.


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Anarc 18:30 Uhr

Nicht weniger verschwörungstheoretisch wie die Denke einiger Spinner auf der Demo ist auch der Umgang damit. Da wird fleißig im Trüben gefischt, im Nebel gestanden oder sonstwie spekuliert - ganz wie's beliebt. Es ist schockierend wie sich eine rudimentäre Presseberichterstattung nun hier mit einem großteils völlig ungerechtfertigten Shitstorm gegen Lieblingsfeinde auswächst.

Von der Facebook-Seite des Haus Bartleby:

"An alle JournalistInnen oder sonstwie eilig Publizierenden da draußen (taz, tip Berlin z.B.): Das Haus Bartleby ist seit Sommer 2017 in der Großen Pause. Wir leben alle noch, es gibt jedoch kein gemeinsames aktives Schaffen und so geht jeder seiner Wege. Mit "Hygienedemos" und dazugehörigen Vereinen, Verschwörern und Verlassenen hat das Haus Bartleby, als der Zusammenschluss, der es einmal war, nix zu tun."

Und selbst wenn das alles so stimmen würde wie im Bericht behauptet: eine Demokratie muß auch Spinner implementieren. Sogar respektieren, denn nicht wenige wichtige Entwicklungen der Menschheit - sei es technologisch, medizinisch oder politisch - wurden anfangs als Spinnerei abgetan. Die im Forum auftauchenden Auslöschungsphantasien einiger Leser sollte der Tagesspiegel nun wirklich nicht füttern.


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Einheitsbrei 15:17 Uhr

"In Berlin-Mitte sammeln sich am Samstag Verschwörungstheoretiker, linke und rechte Aktivisten."

Ich sehe hier einen gefährlichen Trend zur Diffamierung. Habe mir die Teilnehmer auf Youtube angeschaut und sehe und höre da viele ganz normale Bürger die für ihre Rechte auf die Straße gehen. Von ein paar einzelnen Spinnern abgesehen die gibt es aber immer und überall.


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mogberlin 16:43 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Einheitsbrei 15:17 Uhr
Auf Ihre Anregung hin habe ich bei YouTube den Suchbegriff "Hygienedemo Berlin" eingegeben, den ersten Treffer (von einem - siehe Artikel - "rechtsoffenen" Herrn) angeklickt und dort mal reingeschaut: Und - siehe da, Bingo! - prompt springt mir der rechtsextremistische "Volkslehrer" ins Auge, natürlich ohne jede Einordnung, ihm wurde das Wort überlassen als wäre er tatsächlich ein "ganz normaler Bürger", wie Sie sich ausdrücken, lieber Einheitsbrei.

Sorry, da muss man schon ein bisschen unter die Oberfläche schauen und ein Mindestmaß an politischer Bildung mitbringen, um solche Videos richtig einordnen zu können.

mog


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Gophi 14:21 Uhr
Wir leben in einem freien Land und Meinungsfreiheit gehört zu unseren Werten.

Was mich stört ist das zunehmend Ordinäre, Prollhafte, mit dem Meinungen vorgetragen werden. Es ist nicht mehr der Sinn einer Demonstration, auf andere Meinungen oder Perspektiven aufmerksam zu machen, ein Gehör dafür zu schaffen, sondern es geht darum, die eigene Meinung absolutistisch durchzusetzen. Als bedeutete Meinungsfreiheit das Recht, immer Recht zu haben.

Das gewählte Bild zu dem Artikel veranschaulicht dies sehr überzeugend. Beim Betrachter entsteht nicht der Eindruck, hier wolle jemand auf eine andere Sichtweise aufmerksam machen, sondern lediglich, hier haben sich wieder mal ein paar Idioten zusammengefunden, nur um Krawall zu machen.

https://www.tagesspiegel.de/images/55000824/25753136/2-format43.jpg


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provinzler 13:43 Uhr

Und was hat das mit Querfront zu tun? Welcher Linke unterstützt diesen Mist bzw. wer, der das unterstützt meint ernsthaft, links zu sein?


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klausk 13:20 Uhr
Die Teilnehmer an der Initiative und vor allem an der Versammlung sind einfach nur asozial und rücksichtslos. Sie blenden vollständig aus, dass sämtliche Einschränkungen zu einer übergroßen Mehrheit von der Bevölkerung akzeptiert, mitgetragen und für überlebensnotwendig gehalten werden. Was in den Ländern geschieht, in denen man das Problem weggeredet hat, kann man gerade im Trumpland sehen. Tote in Prozent bedeutet aber immer noch, das tausende sterben und gestorben sind. Das für ein paar kleine Freiheiten in Kauf zu nehmen, ist extrem asozial und verantwortungslos. In solchen Situationen ist Solidarität vor allem mit den Schwächsten gefordert!!  Menschen, die rücksichts- und gewissenslos das Leben anderer gefährden sind eine Gefahr für die Gesellschaft. Wenn die Mehrheit der Bevölkerung diese Massnahmen nicht einsehen würden, wären sie sowieso nicht durchsetzbar. Manchmal fragt man sich wirklich, wie verblendet man noch sein kann!!


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jetbundle 12:48 Uhr

Klar, sind natürlich alles Aluhutträger und Extremisten.

Jegliche seriöse wissenschaftliche Evidenz die ich bisher gesehen habe spricht gegen die Corona-Maßnahmen:

1) Die Letalität des Virus liegt lt. Daten aus Island, Dänemark, Gangelt und Anderen im Bereich von 0,1 bis 0,3%, nicht viel mehr als bei der Influenza.

2) Daten aus Deutschland und der Schweiz beweisen dass die Lockdown-Maßnahmen keinen Effekt haben. Schweden und Island zeigen dass es auch ohne Lockdown geht.

3) Die Vorersagen des "Modells" vom Imperial College, was gerne heran gezogen wird um den Nutzen der "Maßnahmen" zu belegen stimmen nicht mit den realen Daten überein. Das Modell ist also falsch.

4) Jegliche Modelle die die angebliche Überlastung des deutschen Gesundheitssystems belegen wollen verwenden absurde Annahmen zum Anteil intensivpflichtiger Infizierter, z.B. 6% bei der DGEpi verglichen zu 0,6% abgeschätzt aus derzeitigen Daten, unter Einbezug der 80% Dunkelziffer auf die die Gangelt-Studie hinweist (und andere Studien aus dem Ausland).


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mitte31 12:32 Uhr

Man muss halt einsehen, dass es gerade in Berlin immer wieder auch ein paar Leute gibt, die grundsätzlich gegen Alles und Jeden sind und es en vogue finden, immer genau das Gegenteil von der Mehrheit zu machen.

Wenn jemand der Meinung ist, China hätte das Virus bewußt freigesetzt, oder die USA, oder Muslime, oder die Pandemie sei durch 5G-Sendemasten verursacht...lasst ihm einfach seine kruden Gedanken. Solange solche Behauptungen nicht bewiesen und belegt sind, braucht man ihnen kein Gehör zu schenken.

Nahezu lustig ist es allerdings, dass viele Demonstranten das Grundgesetz dabei haben. Gerade bei Links- und Rechtsextremen ist zu normalen Zeiten die Würde des Menschen durchaus antastbar. Andere Zeiten, andere Sitten.

Und wenn Links- und Rechtsextreme nun zusammen "demonstrieren", hat Corona schon wieder was Gutesm weil das Virus verfeindete Gruppen zusammenbringt :-)

Lasst diesen Spinnern einfach ihren Spaß, wenn sie nichts Wichtigeres zu tun haben. Man sollte der Sache nur nicht zuviel Aufmerksamkeit schenken und z.B. auf mediale Berichterstattung dazu komplett verzichten. Dann erledigt sich der wöchentliche Auflauf ganz schnell von alleine.


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Hufeisensiedler 11:36 Uhr
Mehr Presseverteter als Teilnehmende. Na hoffentlich haben sie ihre Bilder und Aufnahmen bekommen. Man sollte aber auch Verständnis für die Journalisten haben. Ist ja schließlich nicht viel los in Berlin.


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Robert_Rostock 09:51 Uhr

Ich weiß ehrlich gesagt nicht so recht, was ich nun gruseliger finde:

- Die auf der Demo (zumindest mitlaufenden) Spinner und Extremisten
- Die Berichterstattung, die mich teilweise an das „Neue Deutschland“ von Anfang Oktober 1989 erinnert („In den Abendstunden des 7. Oktober versuchten in Berlin Randalierer, die Volksfeste zum 40. Jahrestag der DDR zu stören. Im Zusammenspiel mit westlichen Medien rotteten sie sich am Alexanderplatz und Umgebung zusammen und riefen republikfeindliche Parolen. Der Besonnenheit der Schutzund Sicherheitsorgane sowie der Teilnehmer an den Volksfesten ist es zu verdanken, daß beabsichtigte Provokationen nicht zur Entfaltung kamen“)
- Die Reaktionen vieler Foristen hier. („Wegsperren!“,“Einkesseln und 14 Tage Zwangsquarantäne auf dem Luxemburgplatz“) So ähnlich muss das auch 1968 oder zu RAF-Zeiten gewesen sein. Fehlt eigentlich nur noch der Spruch „Unter Adolf hätte man...“

Man bekommt den Eindruck, dass jeglicher Ansatz von Kritik an den Corona-Maßnahmen in die Ecke Extremismus und Verschwörungstheorie gedrückt werden soll.


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Berlineratze 09:28 Uhr
Auch unter fast vier Millionen Einwohnern gibt es auch immer ein paar Kumpels, die zum großen Wellemachen einladen. So is dit halt.

Nur, dit Volk ist nicht so bescheuert, und marschiert mit diesen Kumpels, die die Gefährlichkeit von Sars-Cov-2 absolut leugnen, weil das Volk auch Oma, Opa und ein paar Kinder zu Hause hat, weil das Volk auch kapiert, was Pflege bedeutet, wie die Krankenhäuser aussehen und auch versteht, dass es aktuell keine Immunität und keinen Impfstoff gibt, und dieses Virus den gesamten Körper (Herz, Lunge, Blutgefäße und das neuronale Netzwerk des Menschen) angreift.

Das Volk kapiert auch, dass Spazierengehen eben nicht verboten ist und das überall auf der Welt von politisch grün - bis dunkellila Einschränkungen vorgenommen wurden und das nicht, weil alle  politischen Staatschefs sich weltweiten zum Big Bang und dem Roboteraufstand verschworen haben.


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Motoko 08:38 Uhr
Ich habe ehrlich gesagt nicht sooo viel Lust mich mit solche durchgeknallten Ereignissen zu beschäftigen - dazu gibt es leider heutzutage viel zu viel andere wirklich wichtige Dinge und Geschehnisse hier und in der Welt.

Leider gibt es kein Copyright auf das was man gewöhnlich für "linke Politik" so kennt und nennt.
Und so muss man auch solche Spinner und Irre (die es nebenbei in jedem politischen Spektrum - mal mehr mal weniger - gibt) zähneknirschend ertragen, die unter diesem Motto agieren.
Andererseits gibt es schon Indizien für Seriösität und man kann an dieser Stelle sagen: Verschwörungstheorien gehören nicht dazu.
Natürlich gibt es auch Linke, die abdriven und dann bei solchen Sekten landen; nur dann man solle man diese nicht weiter als "Linke" bezeichnen, sondern als das was sie sind: durchgeknallte Freaks.
Dem Autoren kann man  vorwerfen, dass sie das was ist nicht wirklich benannt haben; nämlich im Kern eine spezielle Form von Corona-Reichsbürgern - egal woher diese einst mal angesiedelt waren von "TAZ" bis "Welt".

Abgesehen von dieser hoffentlich sich nicht als zuu oft widerholenden Freak-Show bin ich der Ansicht, dass die EXekutive in Bund und Länder bis jetzt einen guten Job getan haben; und dieses greift - sofern man den Meinungsinstituten glauben schenken will - weit weit Partei übergreifend; außer natürlich der AfD.
So betrachtet bleibt das bisherige wühlen und ätzen der Rechten an allenorten sehr begrenzt und bescheiden - und das ist gut so.

Allerdings bin ich auch der Ansicht, dass Bund und Länder bei ihrem letzten Beschluß einen großen Fehler begangen haben.
Demonstrationsfreiheit und Religionsfreiheit sind die größten und wichtigsten Grundrechte hier im Land - und dazu hätte sich wesentlich mehr Gedanken und praktische Konzepte gemacht werden sollen!

Ich geh davon aus, dass dieser Fehler ende April korrigiert und eindeutig behoben wird.


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margard 18.04.2020, 22:56 Uhr

Es ist halt superschwierig fuer Menschen die nur von den Likes ihrer Mitbuerger leben, mal ein paar Tage alleine zu sein und die nie erreichbaren Ziele ihrer Traeume weit weit weg zu sehen. Die Demonstranten zeigen eigentlich nur in Unvermoegen ihr Leben mit sich selber im klaren zu fuehren. Traurig eigentlich...


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Kaiservondeutschland 18.04.2020, 22:40 Uhr
Die sind nicht das Volk, sondern Kriminelle. Sie verstoßen nicht nur gegen das Infektionsschutzgesetz, sondern begehen auch versuchten Totschlag. Sie begehen nämlich Handlungen, die potenziell tödlich enden können und nehmen dabei die tödliche Folge billigend in Kauf. Genauso wie übrigens Spahn, Braun und Bouffier im Fahrstuhl. Da Merkel Spahn und Braun weder entlassen noch öffentlich angezählt hat, ist Merkel mitverantwortlich, dass die Disziplin zunehmend abnimmt. Die Berliner Politik traut sich auch nicht, hier hart durchzugreifen. Der Anfang vom Ende des Abstandhaltens ist eingeläutet.


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controlX 18.04.2020, 22:22 Uhr
Was läuft eigentlich in Berlin für ein gruseliger Mop herum, dass die nicht die Polizisten angespuckt haben und Corona geschrien haben ist ein Wunder. Kann man die nicht alle Dingfest machen und mit hohen Strafen belegen z. B. 1000,- Euro aufwärts, dass muss so richtig weh tun, oder ab in den Knast!


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MarkusAurelius 18.04.2020, 21:08 Uhr

Keine Toleranz für Staatsfeinde: Verfolgen, verhaften, verurteilen!


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torrez 11:36 Uhr

... Also, ich bin schon erstaunt, wie schnell Menschen sich hier ein Urteil bilden, ohne hinter die Kulissen zu schauen. Allen voran der TSP. Bin heute mal hingefahren um mit den Leuten dort zu sprechen und mal zu sehen, ob das alles solche "Spinner" sind.
Was ich gesehen haben und gehört habe, sind das Menschen die sich (wie ich finde) zurecht Sorgen machen, daß die ausgehebelten Grundrechte als Einlasstor dienen Überwachung zu verschärfen (ich erinnere an Spahns Vorstoß zum bekanntermassen nutzlosen Handytracking oder Laschets Vorstoß zur Zwangsverpflichtung von ehemaligen Pflegekräften...ja, das Gesetz war schon geschrieben).  Und über ein Demonstrationsverbot lässt sich streiten, wie das BVG heute bestätigt hat. Viele Demonstranten hatten noch Erfahrung mit der DDR gemacht und sind natürlich wachsam. Tenor meiner Befragung war, Wachsamkeit zu demonstrieren. Demokratie ist nicht selbstverständlich. Tenor war auch einer Forderung nach sinnvoller Begründung der Massnahmen. Dies ist teilweise immer noch nicht so (wir wurden von Polizisten von einer Parkbank verscheucht...ohne Begründung, obwohl dies eigentlich erlaubt ist, oder?) Selbstverständlich hängen sich dort Rechts- wie Linksextreme ran. Das erfordert aber um so mehr eine Differenzierung durch die Artikel schreibenden. Das erfordert von gutem Journalismus mit den Menschen vor Ort zu sprechen um diese Hoheit nicht den rechts- oder Linksextremen zu lassen. Hier fim Forum schreiben viele über Menschen mit denen sie nie gesprochen haben. Und zu guter Letzt: Wäre der Platz nicht geräumt worden, wäre mit dieser Anzahl von Menschen ohne Probleme eine Demo möglich gewesen, bei der alle Sicherheitabstände hätten eingehalten werden können. Mit einer Auflage einen Mundschutz zu tragen hätte so Sicherheit gewährleistet werden können. Das Grundrecht zu demonstrieren ist zu zentral um nicht alles zu versuchen, öffentliche Meinungsäusserung zu gewährleisten. Dieser Meinung ist auch das Bundesverfassungsgericht.


...


"Coronavirus-Querfront: Keine Abgrenzung nach rechtsaußen" Stefan Lauerl (16. April 2020)
Die Coronavirus-Krise hat fast auf der ganzen Welt dazu geführt, dass Grundrechte eingeschränkt werden. Und zwar sehr schnell. Die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus betreffen fast jeden. Dagegen regt sich auch Protest. Seit drei Wochen wird hauptsächlich in Berlin von einer nach Eigenangaben „antifaschistischen“ Gruppe dagegen protestiert. Hand in Hand mit russischen Staatstrollen, Verschwörungideolog*innen, Rechtsaußen-Akteur*innen und Q-Gläubigen. ...
https://www.belltower.news/coronavirus-querfront-keine-abgrenzung-nach-rechtsaussen-98345/

...


"Propagandaschlacht zwischen China und USA über Ursprung des Coronavirus" (19. April 2020)
US-Präsident Donald Trump und seine Berater bringen immer öfter die Labortheorie ins Spiel. China wehrt sich vehement, die Beweislage ist schwierig ... Die Debatte um den genauen Ursprung des Coronavirus entwickelt sich allmählich zu einer wahren Propagandaschlacht zwischen den USA und China. Neuerdings betont auch die Beraterin von US-Präsident Donald Trump, die Ärztin Deborah Birx, dass sie nicht ausschließe, was niemand derzeit gesichert ausschließen kann: nämlich, woher das Virus genau stammt. ...
https://www.derstandard.at/story/2000116975258/trump-beraterin-schtrump-beraterin-keine-klarheit-ueber-ursprung
« Last Edit: April 20, 2020, 03:59:48 PM by Link »

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #45 on: April 20, 2020, 10:12:21 AM »
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[...] Ein Liberaler, der glaubte, Märkte seien unbesiegbar, muss nun die komplette Wirtschaft lahmlegen. In seiner Vorstellung sind es die "Leistungsträger", die eine Gesellschaft ausmachen, die Schrittmacher, die Unternehmer. "Vorsteiger" nannte er sie. Es bräuchte mehr junge Franzosen, die davon träumten, Milliardär zu werden. Jetzt, in der Pandemie, ist es andersherum: Der überdiplomierte Präsident dankt Hobbynäherinnen für ihre geblümten Stoffmasken und anderen, die im Leben nach weniger strebten und gerade die Versorgung Frankreichs aufrechterhalten. Es herrscht eine Art Kriegssozialismus. Die Maßnahmen gegen die Pandemie sind vorübergehend, aber ironischerweise hat kein Präsident der 5. Republik jemals so tief in die Märkte eingegriffen oder sich größere Sorgen machen müssen, ob die Grundversorgung der Bevölkerung gedeckt ist.

... Das Misstrauen der Französinnen und Franzosen in ihn rührt ganz sicher daher, dass er schlicht Fehler gemacht hat. Noch Mitte März lehnte er das Angebot ab, Schutzkleidung und Atemmasken aus China zu bestellen. Er ließ mitten in der Pandemie Regionalwahlen abhalten. Dazu aber kommt eine Art des Sprechens, ein Tonfall, eine Metaphorik, die ihn immer weiter in strategische Schwierigkeiten brachte.

... Natürlich hat Macron sehr wenig mit Donald Trump gemein. Und doch fiel beiden als Erstes ein, dass es sich bei dem Virus um einen "Feind" handele, um fortan entweder Drohungen in dessen Richtung auszusprechen oder die eigene Bevölkerung zu mobilisieren. Macron rief den Geist der Résistance an, aus dem heraus die Franzosen letztlich die Nazis besiegt hätten. Sars-CoV-19 zeigte sich unbeeindruckt.

Bestimmt ist die Kriegsmetaphorik auch ein Ersatz für Macrons liberale Erzählung, die ihm in der Pandemie abhandengekommen ist. Macron spricht von der Front, von der neuen Ordnung des Krieges, von vordersten Kampflinien, an der das Personal der Kliniken steht, dahinter kommen Busfahrer, Bauern, Verkäuferinnen. In Wirklichkeit stehen dort keine Soldaten, sondern die Gilets jaunes, auf die Macron jetzt bauen muss. Jene Menschen also, die zu Hunderttausenden gegen seine "Politik für die Reichen" auf die Straße gingen. Noch eine Ironie: Die Bewegung wurde von einer Krankenschwester gegründet.

... Rund 18.000 Menschen waren bis Freitag in Frankreich bislang an Covid-19 gestorben, nicht mitgerechnet diejenigen, die zu Hause sterben oder nicht getestet werden konnten. Weil Schutzkleidung und Masken fehlten, konnte sich das Virus in Altenheimen fast ungehindert ausbreiten. 62 Prozent der Franzosen haben in einer Umfrage gesagt, sie fürchteten um ihr Leben. Inzwischen, so erzählt die Krankenschwester Elodie Caillon-Royer, kommen die Menschen schon mit angstgeweiteten Augen in die Notaufnahme. Ein junger Mann in seinen Dreißigern, mit fast 42 Grad Fieber und schlechten Blutwerten, ist ihr in Erinnerung geblieben. "Haben Sie noch einen Platz für mich?", flüsterte er. "Ich habe Kinder."

Das Virus trifft eine sozial aufgewühlte Gesellschaft. Hier werden die Corona-Infizierten von Ärztinnen und Ärzten, von Pflegern und Krankenschwestern betreut, die seit Monaten für mehr Personal streikten, für eine höhere Bezahlung und besser ausgestattete Krankenhäuser. Ihr zählt das Geld, wir zählen die Toten, so lautete einer ihrer Demosprüche. Inzwischen werden eben tatsächlich jeden Abend die Totenzahlen gemeldet.

... Doch große Krisen haben ein Vorher und ein Nachher. Wird Macron sein Gesellschaftsbild und seine Politik ändern? Die Pandemie führt recht nüchtern vor, wie viel körperliche, schmutzige, harte, repetitive Arbeit notwendig ist, damit andere ihre Freiheit leben können und Wahlmöglichkeiten haben. Wenn man wollte, könnte man daraus schließen, dass nicht das Unten auf das Oben angewiesen ist, sondern es andersherum genauso ist.

Manches deutet darauf hin, dass Macron eine Wende vollziehen will. In seiner Ansprache am Montagabend schlug er einen weicheren Ton an. Zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie ließ der Präsident so etwas wie Betroffenheit erkennen. Das Wort Krieg nahm er nicht mehr in den Mund. Dafür war seine Rede der Versuch, alle in den Blick zu nehmen, auch diejenigen, die er sonst manchmal vergisst: die Kinder der armen Familien, die Menschen aus den Vorstädten, die in engen Wohnungen leben und Gewalt fürchten müssen. In der Rede kündigte er an, dass Familien, die von Sozialhilfe leben, 150 Euro pro Haushalt und 100 Euro pro Kind sofort erhalten sollen.

Und ein paar Tage später sagte Macron in der Financial Times: "Wir hatten das Gefühl, dass es keine Grenzen mehr gebe. Es ging darum, schneller und schneller zu sein, um mehr Wachstum. Aber in den vergangenen Jahren ist die Ungleichheit in den westlichen Ländern gewachsen. Und es war klar, dass diese Art von Globalisierung an ein Ende gekommen ist, dass sie die Demokratie unterwandert." Macron, der Globalisierungskritiker.

Seine Rentenreform hat er vorübergehend ad acta gelegt, ein Projekt, das im Winter von Anwältinnen bis zu Lehrern und Zugführern nahezu jede Berufsgruppe auf die Straße brachte, weil die meisten länger arbeiten müssten und ihre Bezüge sänken. Macron aber hielt daran fest. Jetzt sagt der Fraktionsvorsitzende von Macrons Partei, Gilles Le Gendre, die Reform spalte die Gesellschaft, man solle ganz darauf verzichten.

Auch Matthieu Orphelin, der die Fraktion der Macron-Partei im Streit über die Klima- und Sozialpolitik des Präsidenten verlassen hat und seither ein bekannter Kritiker ist, sagt: "Ich glaube schon, dass Macron jetzt anders regieren wird." Seit einigen Tagen jedenfalls antworte der Präsident wieder auf seine SMS.

Einfach wird es aber nicht für den linken Macron. Der französische Arbeitgeberverband schlug gerade vor, die Pandemie sei die Gelegenheit, endlich die 35-Stunden-Woche abzuschaffen und Urlaubstage zu streichen, um die Kosten der Krise zu finanzieren. Eine Argumentation, die sich durchaus durchsetzen könnte, sobald der erste Schrecken vorbei sein sollte.


Aus: "Wird aus dem Marktliberalen jetzt ein Sozialist?"  Elisabeth Raether und Annika Joeres (18. April 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-04/emmanuel-macron-frankreich-krisenpolitik-liberalismus-sozialismus/komplettansicht

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Tertius #6

Wird der Wolf zum Lamm?
Kann sein.
Aber nur im Märchen.
Und im Traum.


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Dankbarkeit #21

Deutschland steht auch so gut da weil es ein foederales System hat . D


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Augenspray #21.1

Stimmt: Aldi Süd und Aldi-Nord.


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Dankbarkeit #21.2

Ich habe ueber Ihre Antwort echt lachen muessen. Tut gut in Coronazeiten. ...


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Tobsse #29

Ich kann jedem nur das längere Interview Macrons von der Financial Times ans Herzen legen: "Emmanuel Macron tells the FT coronavirus is Europe's 'moment of truth', 16.04.2020" https://youtu.be/DPGfKhCICC0
Macron scheint mir durchaus selbstreflektierter und weitsichtiger als es oft in den Nachrichten den Eindruck macht. Letztlich halte ich seine Bewertung der Folgen der Coronakrise und die Schlüsse die wir daraus für Europa und die globale Wirtschaftsordnung ziehen müssen im Kern zu treffend.


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NaDaSchauHer #31

„ Emmanuel Macron muss nicht nur das Virus in den Griff bekommen: Er muss sich politisch neu erfinden.“

Wenn ich dieses „sich neu erfinden schon höre“ - bedeutet, was ich vorher links rum gemacht habe, mache ich jetzt rechts rum. Was ich gestern gemacht habe war alles Mist, ab heute mach ich alles viel, viel besser.

Marcon war nie ein „Wunschpräsident“ - er war und ist nichts anderes als die einzig wählbare Alternative zu Le Pen gewesen. „Den“ oder gar nichts - das war die damalige Wahl. Stellen wir es hier bei uns vor; nur die Wahl zwischen Söder und Hoecke: Nur die Reduzierung auf das kleinere Übel. Nichts anderes.

Und dieses „kleinere Übel“ Macron merkt selber inzwischen, das er seine Landleute wohl nie wirklich erreichen wird. ...


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[...] Obwohl das Coronavirus selbst nicht diskriminiert und keinen Unterschied zwischen Rassen und Klassen macht, trifft es vor allem Arme, Schwarze und Latinos. Es offenbart, was eigentlich schon lange klar ist: Die Postleitzahl entscheidet über die Gesundheit. Wer Not leidet und in ärmeren Landstrichen oder Stadtvierteln lebt, ist einerseits gar nicht oder nur äußerst eingeschränkt krankenversichert. Er wird andererseits auch sehr viel schlechter ärztlich versorgt.

In Amerika stehen die weltbesten Krankenhäuser, arbeiten hervorragende Ärztinnen und Forscher. Doch profitieren davon in der Regel nur die Betuchten, die sich Privatkliniken leisten können. In der Breite fehlt es derzeit an fast allem, an Ärzten und Pflegern, an Hospitälern, an Intensivbetten, an Beatmungsmaschinen und anderem medizinischen Gerät. Die staatlichen Krankenhäuser sind völlig überfordert und werden von den privaten kaum entlastet. Erste und dritte Welt treffen hier hart aufeinander, oft nur wenige Kilometer voneinander getrennt.

Allgemeine Statistiken über die Ungleichheit in der Corona-Krise gibt es nicht. Aber am 7. April veröffentlichte die Washington Post erste Zahlen ihrer eigenen Recherche. Im Bezirk Milwaukee, Heimat der größten Stadt des nördlichen Bundesstaats Wisconsin, waren zu diesem Zeitpunkt sieben von zehn Corona-Toten Afroamerikaner, obwohl sie nur jeden vierten Einwohner stellen. Im Bundesstaat Louisiana waren ebenfalls 70 Prozent der Corona-Toten Schwarze, dort machen sie aber nur 32 Prozent der Bevölkerung aus. In Chicago liegt die Todesrate der Schwarzen den Zahlen der Washington Post zufolge sechs Mal so hoch wie die der Weißen.

Auch die Sterblichkeit von Latinos ist im Vergleich zur weißen Bevölkerung fast überall höher. Gründe dafür gibt es viele. Afroamerikaner wie Latinos haben oft Vorerkrankungen, die lebensbedrohlich sein können, wenn man sich mit dem Coronavirus ansteckt. Gerade schwarze Menschen leiden besonders häufig an Diabetes, Bluthochdruck und Asthma.

Neben Armut und der daraus folgenden schlechteren ärztlichen Versorgung eint Afroamerikanerinnen und Latinos außerdem ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Staat, schreibt die New York Times in einem Leitartikel. Weil sie sich von Behörden oft im Stich gelassen fühlten, schenkten sie den Informationen und Verhaltensgeboten auch in der aktuellen Situation wenig Glauben.

Hinzu komme, dass Angehörige der Minderheiten besonders oft in systemrelevanten Berufen arbeiteten. Dazu zähle nicht nur die Gesundheitsversorgung, wo sie meist mit Gesichtsmasken und Handschuhen versorgt würden, sondern auch Tätigkeiten als Boten und Reinigungskräfte, als Kassierer in Supermärkten, als Busfahrerinnen und U-Bahn-Angestellte. Dort erhielten sie keine Schutzkleidung.

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Aus: "Das Coronavirus offenbart ein gespaltenes Land" Eine Kolumne von Martin Klingst (20. April 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-04/us-gesundheitssytem-joe-biden-coronavirus-armut-obamacare

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USER678 #9

„Die Folgen von Covid-19 legen in aller Brutalität die grundsätzlichen Fehler, Versäumnisse und Schwächen des amerikanischen Gesundheitssystems offen. Sie zeigen auch die tiefen gesellschaftlichen Friktionen, die krasse Spaltung zwischen Armen und Reichen, zwischen Minderheiten und weißen Amerikanern.“

Ich glaube nicht dass die krasse Spaltung zwischen Armen und Reichen, zwischen Minderheiten und weißen Amerikanern erst seit Corona bekannt ist. Dieses Wissen wurde bei uns eher mit „Zurückhaltung“ weiter gegeben. ...


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #46 on: April 21, 2020, 11:18:55 AM »
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[...] Das Land hätte vorbereitet sein können, allemal gewarnt. Seit drei Jahren starren die USA nun gleichermaßen hypnotisiert wie hysterisch auf ihren Präsidenten, und jedes Wort dieses Mannes wird gedreht und gedeutet, jeder Tweet zitiert. Dass der Präsident wüst und sprunghaft ist, kleingeistig und eitel, rachsüchtig und fremdenfeindlich, das weiß das Land längst, das wusste es ja bereits, ehe es ihn wählte. Dass er eine rohe, etwas plumpe Sprache spricht, dass er Wissenschaft verachtet, sogar Politik verachtet: Alles keine Überraschung mehr, genau deshalb ist Donald Trump gewählt worden.

Aber das Land ist verblüfft. Schockiert. Ist dies nun der Moment, der in der Rückschau das Scheitern der USA in der Corona-Krise markieren wird? Das Ende aller Strategien? Die Kapitulation?

Der Präsident schrieb am frühen Freitag, von 8.21 Uhr bis 8.25 Uhr, drei Tweets, allesamt in Versalien: "Befreit Minnesota!", "Befreit Michigan!", "Befreit Virginia, und rettet unseren großartigen zweiten Verfassungszusatz, der attackiert wird!" Trump rief damit zum Widerstand gegen die eigene Politik auf, vor allem aber natürlich gegen die Gouverneure, gegen deren Regeln, gegen die Schließung von Geschäften, Parks, Restaurants; und dass ausgerechnet der Präsident jenes 2nd amendment ins Spiel brachte, welches das Recht garantiert, Waffen zu tragen, ließ nicht wenige Menschen in den USA an einen Bürgerkrieg denken.

Es ist zu früh dafür, bereits heute ein Scheitern der gesamten Vereinigten Staaten in dieser Krise zu diagnostizieren. Glücklicherweise. Es gibt viele Pflegekräfte, Ärzte, Forscher, auch Politiker in den USA und sowieso Bürgerinnen und Bürger, die mit größter Ernsthaftigkeit gegen Covid-19 kämpfen; das Land ist so riesig wie vielschichtig, es war immer schon mehr als seine Regierung.

Aber noch immer gibt es nur 100.000 Corona-Tests pro Tag  in den USA, und das Vierfache wäre nötig, um heute die Ausbreitung zu verstehen und irgendwann präventiv handeln zu können. 745.134 Infizierte und 35.462 Tote waren es am Sonntagabend um 19 Uhr, offiziell. Die Tweets des Präsidenten werden fraglos dafür sorgen, dass viele Millionen Menschen nun die soziale Distanz, die Schutzmasken und vor allem die Selbstisolierung aufgeben werden, ehe ein funktionierendes Test- und Behandlungssystem aufgebaut wurde.

Das Scheitern ist darum realistisch geworden: Möglich ist inzwischen, dass die USA durch ihre permanenten Kurswechsel diesmal tatsächlich entgleisen; dass nämlich SARS-CoV-2 immer wieder neue Heimaten und dann Verbreitung findet, Welle auf Welle.

Möglich auch, dass die USA aus der Ferne erleben müssen, mutmaßlich beschämt, wie Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz, natürlich Südkorea (das zeitgleich mit den USA ereilt wurde, aber schnell reagierte), auch Spanien und Italien mit stringenter Politik und disziplinierter Solidarität Monate des Ausnahmezustands durchstehen – und danach, vielleicht zaghaft, gewiss fehlerhaft, wieder so etwas wie ein gesellschaftliches Leben in Gang bringen, inklusive spätsommerlich lebendiger Städte.

Möglich ist schließlich, dass die Rechten in den USA selbst daraus nicht lernen werden, sondern lediglich weitermachen werden mit ihrer geradezu manischen Suche nach Schuldigen. Dies nämlich scheinen sie obsessiv zu benötigen: einen Täter, dem sie die alleinige Schuld geben und den sie folglich mit Wucht verdammen können. Die Weltgesundheitsorganisation! China! Die Demokraten! Ein Wanted-Plakat am Saloon, Täter wird gejagt, Täter wird zur Strecke gebracht … Problem gelöst?

Das Land ist auch in dieser Krise wieder so gespalten wie zuletzt während des Amtsenthebungsverfahrens gegen Trump. Es gibt in den USA keine nationale Einheit mehr, auch nicht in diesen so gewichtigen, zutiefst ernsten Monaten. Es gibt ja auch keine amerikanische Strategie (von amerikanischer Führung redet in dieser Weltkrise sowieso niemand). Joe Biden, die Hoffnung der Demokraten, sitzt seit Wochen in seinem Keller in Wilmington, Delaware, und versucht, irgendwie aufzufallen, was als hilflos auffällt. Die Menschen in den USA wissen: Sie sind auf sich gestellt, auf die Regierung können sie nicht bauen. Es ist ein Experiment, ein Menschenversuch: Wer wird durchkommen? 

Das Scheitern der amerikanischen Politik ist nunmehr tatsächlich herbeigeführt, das Scheitern der Regierung Trump sowieso. Donald Trump und seine Republikaner haben sich in den eigenen Widersprüchen verstrickt, und sie zeigen, noch immer, keinerlei Wärme, kein Mitgefühl mit trauernden Familien; und im inzwischen vierten Monat dieses Dramas wird das alles von Tag zu Tag immer noch ein bisschen schlimmer.

Am 13. März sagt Trump, er übernehme keinerlei Verantwortung.

Am 10. April sagt er, die Entscheidung, wann und wie er das Land wieder öffne, werde die schwierigste seines Lebens.

Am 13. April sagt er, er allein mache die Ansagen, er habe die "totale Autorität".

Am 15. April paddelt er zurück und sagt, nicht er, sondern die Gouverneure seien zuständig für die Wiedereröffnung des Landes, für Tests, eigentlich für alles. Dass eine Regierung in Washington, D.C., auf eine nationale Notlage mit Dezentralisierung und Deregulierung antwortet, ist wie so vieles in dieser Präsidentschaft eine amerikanische Premiere.

Am 17. April aber sagt Trump eben jenen Gouverneuren, vor allem den drei demokratischen in Minnesota, Michigan und Virginia, wieder den Kampf an, stellt sich mit seinen "Liberate!"-Tweets auf die Seite rechter Demonstranten, zerstört den Rest des Zusammenhalts und sowieso jegliche kommunikative Klarheit.

Und auch dies ist Amerika: In Florida werden Profi-Ringkämpfe zum "essentiellen Geschäft" erklärt, dürfen also weitergehen (Trump und Gouverneur Ron De Santis haben hohe Spenden vom Wrestling-Verband erhalten). Dann öffnen in Florida auch manche Strände wieder und sind sofort bevölkert: #FloridaMorons wird zum Twitter-Trend. Dann versammeln sich in Minnesota, Michigan, Virginia große und immer größere Gruppen und demonstrieren. Dann bringen sie Maschinengewehre mit. Dann Hakenkreuze. Es folgen Demonstrationen in Texas, Kalifornien, bald im ganzen Land, und die meisten Demonstrierenden tragen natürlich keine Masken, gehen und stehen nahe beieinander, schleifen die eigenen Kinder durch das Menschengewühl, rufen in die Kameras: "Ich bin stärker als das verdammte Virus."

So nämlich können die USA, dieses Land freier Denkerinnen und Denker, mutiger Universitäten, findiger Konzerne, mitunter leider auch sein: so dumm.

Sie können so dumm sein, weil sie die Wissenschaften nicht ernst nehmen und seit Jahrzehnten daran gewöhnt sind, Studien zu verdrehen und zu politisieren: So war es beim Ozonloch und bei der Entdeckung von Quecksilber in Fischen, so war und ist es beim Klimawandel, so ist es jetzt bei Corona.

Sie können deshalb so dumm sein, weil sie sich im Wahlkampf befinden: Trump hat zwar im Januar und im Februar gesagt, das Virus sei bald wieder weg und sowieso im Griff, und Peking sei transparent und tatkräftig. Aber heute will und muss er aus taktischen Gründen damals das Gegenteil gesagt haben und gibt sich selbst "10 von 10" möglichen Punkten; "wir haben keinerlei Fehler gemacht", das sagt er auch. FOX News und Breitbart und die meisten konservativen Plattformen stützen dieses Narrativ, verstärken also, mutmaßlich wissentlich, die Unwahrheiten. "Tyrannei der 'Experten'", twittert die FOX-Moderatorin Laura Ingraham.

Das ganze Spektakel der Trump-Show, dieser täglichen Pressekonferenzen und ihrer Interpretationen in allen Sendern, ist vor allem zweierlei: viel zu laut und ganz und gar durcheinander. Knappe, klare Botschaften und Regeln, welche die Bevölkerung verstehen und 14 Tage lang befolgen könnte, um dann zu sehen, ob sie einen Effekt haben, erleben die USA schon lange nicht mehr und jetzt, in der Krise, noch immer nicht. Stattdessen erleben sie die Herren Jones und Kirk.

Alex Jones, ein bulliger Typ mit Glatze, Bart und dicken Oberarmen, ist Amerikas führender Konspirationstheoretiker. Seine Firma heißt "Infowars", Jones macht Radio und schreibt; immer wieder mal ist Alex Jones auf Facebook und Twitter gesperrt, aber einen echten Konspirationstheoretiker bestärken solche Strafen nur in seinen Theorien.

Sein zynisches Meisterstück lieferte Alex Jones 2012, nach dem Massaker an der Sandy Hook-Grundschule von Newtown, bei dem 26 Menschen, darunter 20 Kinder zwischen sechs und acht Jahren, ermordet worden waren. "Keiner ist gestorben", sagte Jones damals, "das waren Kinderschauspieler." Man mag kaum glauben, dass irgendwer irgendwo mit solch einer Geschichte Erfolg haben kann, aber in Amerika geht das. Jones sagte, dass liberale Demokraten das Schulmassaker, dieses angebliche, erfunden hätten, um gegen das Recht auf Schusswaffen und die National Rifle Association zu agitieren. Das Echo war gewaltig. Jones trieb seine Geschichte so weit, dass Eltern der ermordeten Kinder angepöbelt wurden und beweisen mussten, dass ihr Sohn oder ihre Tochter tatsächlich tot sei. Dann zogen sie weg, die armen Eltern.

Und nun, an diesem Wochenende, führt Alex Jones Demonstrationen in Austin, Texas, an, verlangt die Wiedereröffnung Amerikas und "den Kampf gegen die Tyrannen"; er nennt das Virus via Megaphon einen Schwindel, lässt sich umarmen, schüttelt Hände. "Fire Fauci", ruft Jones schließlich, denn der Epidemiologe Anthony Fauci, der das Land noch immer um Vorsicht und soziale Distanz bittet, ist das Feindbild der texanischen Freiheitskämpfer geworden.

Und da ist Charlie Kirk, erst 26 Jahre alt, Gründer der Website Turning Point USA und längst ein Star der rechten Szene. "Mehr denn je brauchen wir die Mauer. Wenn das China-Virus um die Erde wandert, haben die USA nur eine Chance, wenn sie ihre Grenzen schützen", twitterte Kirk am Freitag, "Präsident Trump sorgt dafür, dass es geschieht."

Kirk tauchte nach der Wahl von 2016 im politischen Amerika auf, zunächst als konservativer Kommentator, dann mit Denunziationen und glatten Lügen über Nancy Pelosi oder Hillary Clinton. Er reiste mit Donald Trump Jr., dem Sohn, durchs Land, trug dessen Koffer, buchte dessen Flüge.

Am Freitag, spät am Abend, las der Präsident das Tageswerk des jungen Charlie Kirk. So schlimm ist das Virus nicht! Trump ist ein großer Präsident! "Öffnet Amerika wieder!" Gleich elfmal klickte Donald Trump auf "Retweet", Trump hat inzwischen 77 Millionen Follower.

Falls, in einigen Monaten, die USA großes Glück gehabt haben sollten, wird diese Krise irgendwie zu Ende gegangen sein, nicht ganz so desaströs wie befürchtet. Es kann allerdings, und unwahrscheinlich ist das mittlerweile nicht mehr, auch ganz und gar desaströs kommen und endlos lang dauern.

Und wenn es, irgendwann, dann doch ein Ende gibt, werden sehr viel mehr Menschen gestorben sein, als hätten sterben müssen.


Aus: "Coronavirus in den USA: Ein amerikanischer Menschenversuch" Ein Kommentar von Klaus Brinkbäumer, New York (20. April 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-04/coronavirus-usa-donald-trump-massnahmen-regierung-bevoelkerung/komplettansicht

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Daedalus. #2.25 

"Tut mir leid, aber Sie haben da auf's falsche Pferd gesetzt. Trump ist das Gegenteil von guter rationaler Politik"

Ich habe nie auf Trump gesetzt und darum geht es auch nicht, es geht darum, dass ich nicht gut finde wenn im Stil eines schwarzen Kanals über das Ausland berichtet wird, die Tonalität, die Aufmachung, düstere Bilder, ...

"Die Trump-Regierung will sie nicht retten, sie sind allein",
"Afroamerikaner sterben weit häufiger als Weiße. Aber Donald Trump hat sich für sie noch nie interessiert",
"Der Präsident gefährdet Menschenleben, nur um seine Wiederwahl zu sichern",
"Für Donald Trump ist Geld etwas, das die Banken zaubern",

dagegen

"Angela Merkel: Krisen kann sie"
"Beim Kampf gegen die Pandemie trifft die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern den richtigen Ton [...] Die effektivste weibliche Führerin der Welt"
"Ursula von der Leyen: Sie handelt [...] Etwas Großspurigkeit sei da erlaubt"
"Cuomo: Der Held, der auf Fakten hört"

Alles nur Headlines zu diesem Thema ...

["Ich halte einen Großteil der Amis für geistig unterentwickelt"

Was soll ich dazu sagen.
An der deutschen geistigen Entwicklung soll die Welt genesen... [https://de.wikipedia.org/wiki/Am_deutschen_Wesen_mag_die_Welt_genesen]]


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polarapfel #2.40

Da die Amerikaner keinerlei Bezug zu deutschen Medien haben, können deutsche Medien schreiben, was sie wollen, denn das liest in den USA niemand. Im Gegensatz zu den deutschen Medien, die eine wahre Faszination mit den USA haben, interessiert man sich in den USA nur am Rande für andere Länder wie Deutschland.


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sitzplatzaus #2.44

"Vielleicht beweisen uns "die Amerikaner" aber auch bald, dass wir nur mal wieder "German Angst" hatten und Corona nichts anderes als eine heftige Grippewelle war?"

Genau! Oder eigentlich doch eher nein: es war eigentlich eine Angriff des "Deep State" dem der Potus Donald einen anderen Spin gegeben hat und Corona nun als Ablenkungsmanöver zum Sturz des "Deep State" umfunktioniert hat, der gerissene Retter der Welt.

Zur "German Angst": herrscht die nun auch in Italien, Spanien, England, Singapur, China, Russland, Schweiz, Österreich, Australien, Neuseeland, Frankreich, Holland und eigentlich dem Rest der Welt (incl. USA) - ist sie ein "deutscher Virus", an dem sich die Welt angesteckt hat, bevor wir hier den ersten infizierten im Lande hatten?

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oLii96x #14

Viele Amerikaner wollen (!) auch gar nicht gerettet werden. Nur führt maximale Freiheit in extremsituationen zu maximalem sterben..


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James Holden #14.1

Das ist der Punkt.


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Vielreisender Zeitungsl3ser #21

Ich bin mal gespannt, ob die Presse sich diesmal wieder so irrt, wie bei der letzte Trump Wahl, mein Gefühl sagt entgegen den meisten Kommentaren ja. Ich glaube, der nächste US President heißt leider Trump


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metua #27

Das ist die USA. Gespalten wie selten zuvor. An die Vorredner: Die deutschen Medien erteilen keine Ratschläge, sondern berichten oder kommentieren. Das dürfte den Freunden der Trumpschen Pressefreiheit natürlich seltsam vorkommen.

Trump und seine Regierung machen alles richtig, aus Sicht Trumps und seiner Regierung. Trump ist der Geisterfahrer, der die 100en entgegen kommenden Autos für die Geisterfahrer hält.


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Daniel_R #46

Die US-Amerikaner sind es gewöhnt ihre Probleme selbst lösen zu müssen. Außerdem akzeptieren sie (mehr als wir), dass der Stärkere überleben darf. ...


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Runkelstoss #48.5

Warum gibt es nicht den gleichen Artikel über Frankreich oder Belgien, Spanien oder Italien?

Weil sich in keinem dieser Länder die Regierungschefs hinstellen und nach Schuldigen fahnden und sich nicht entscheiden können und wollen.
Weil sich in keinem dieser Länder Teile der Medien versuchen das Ganze als Erfindung hinstellen.


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Stein der Weisen #68

Und ich bin immer noch der Meinung der Autor irrt.
Ein gut geschriebener Artikel, intelligent und spannend.

Jedoch macht er sich zu sehr an Trump fest. Wenn jemand wie Trump Präsident werden kann und 2020 realistische Aussichten hat wiedergewählt zu werden, zeigt das doch ganz knallhart an, das etwas zu Bruch gegangen ist.

Trump ist nur ein Symptom. Selbst seine Wähler wissen das er offenbar ein Idiot ist. Und nein, die Amerikaner die ihn wählen sind nicht dumm.
Sie wollen nur das Land brennen sehen und wenn Trump es ihnen nicht bieten werden kann, dann eben jemand anderes!

Trump ist nur die Witzfigur, die trotz besseren Wissens gewählt worden ist um den Demokraten ins Gesicht zu spucken.


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Augenspray #68.1

Zu hart formuliert - aber im Kern ist es so.


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Drehstuhl #68.2

Sorry, aber das ist Nonsens!
Die Wähler haben mit Trump ein Sinnbild für die Politikverdrossenheit der Bevölkerung geschaffen und sich den übelsten Vertreter dafür ausgesucht. Auch wenn es manchen Redneck gab, der sein Gebaren toll fand. Die Ernüchterung am nächsten Tag war auch für die groß, die ihm als Denkzettel, als Ohrfeige für die Politikerriegen eine Stimme gegeben haben. ...


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LexLegis #70

Die Ergebnisse der Coronabekämpfung in den USA sind nicht schlechter als in Italien, Spanien und anderen Ländern auch.

Man muss Trump nicht mögen. Er ist kein guter Politiker. Es ist aber ermüdend, wenn jeder Vorwand genutzt wird, um auf den Mann einzudreschen, ganz unabhängig davon, ob er nun wirklich wesentlich schlechter agiert als andere Politiker.

Bei Obama war es genau umgekehrt. Der Mann sah gut aus, konnte reden und hatte eine nette Familie. Er hatte immer gute Presse, selbst dann, wenn er Feinde der USA ohne Gerichtsverfahren exekutieren liess (siehe etwa Osama Bin Laden, Predatordrohnen).

Etwas mehr Ausgewogenheit in der Berichterstattung wäre schon schön.


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shambhalashen #71

"Ein amerikanischer Menscherversuch"

Alle westlich zivilisierten Ländern führen gerade einen Menschenversuch durch.
Jedes auf seine Art.


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BKBrackel #76

Trump und die meisten seiner Anhänger, und darüber hinaus, sind im Kern Darwinisten - survival of the fittest. Ein anderes Mantra der Konservativen und Rechten war schon immer: society does not owe you a living. Wer arm ist, der ist selbst daran schuld, und wer sich keine gute Krankenversicherung leisten kann, der hat eben Pech gehabt. Neben allen Absurditäten, die es auf vielfältige Weise in den wunderbar verrückten Land gibt, scheint mir der Strang für einen darwinistischen Individualismus am stärksten zu sein.


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DocWho #89

Dieser Artikel gibt eine Meinung wieder. Diese Meinung entspricht dem Mainstream der Demokraten und einiger Linken hier. Mehr nicht.  ...


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eve online #93

"Sie können so dumm sein, weil sie die Wissenschaften nicht ernst nehmen und seit Jahrzehnten daran gewöhnt sind, Studien zu verdrehen und zu politisieren"

Wohl eher wegen einer 70 jahre dauernden Gehirnwaesche durch Dauerwerbesendungen, Spielshows und Evangelikale.


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invoker #116

Zur Wahrheit gehört auch, dass vor allem die dicht gedrängten Städter der Demokraten sterben werden. Zudem Leute, die einfach Pech hatten und selbst schuld sind, wenn sie sich unter Leute mischen. Survival of the fittest.

Einen waschechten Republikaner schockiert so etwas schon länger nicht mehr.


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lgraewe #119

... Die USA sind anfällig für eine Pandemie mit massiven Todesraten. So stand es 2019 im Bericht des Geheimdienstkoordinators. Trump feuerte ihn. Ein Gastbeitrag. Kent Harrington (18.04.2020)
https://www.tagesspiegel.de/politik/warnung-vor-einer-pandemie-in-den-usa-haette-trump-mal-den-bedrohungsbericht-gelesen/25751336.html



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ReSc #124

Trump ist der Präsident, den sich die Bürger der USA ausgewählt haben. Wenn diejenigen, die anderer Meinung sind, nicht durchsetzen können, dann sollten sie die Covid-19 Leugner doch mal gewähren lassen. Das Problem klärt sich dann vermutlich ziemlich schnell von alleine. Ich frage mich nur, was dann Trumps Anhänger in Minnesota, Michigan oder Virginia sagen. Vermutlich aber wie immer: Schuld waren die Anderen!


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Dombaumeister #124.1

Leider unterscheidet das Virus nicht zwischen Pro-Trump und Contra-Trump.


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  Weinstädter #130

Ich bin ein großer USA-Fan, gleichwohl habe ich bei meinen vielen Reisen dorthin den Eindruck gewonnen, dass sich vieles verschlechtert hat. Besonders schockierend ist die Anzahl obdachloser junger drogenabhängiger Menschen. Das Problem der USA mit den schmerzstillendem süchtig machenden Medikamenten ist in Europa kaum bekannt, aber die Folgen sind massiv. Hiermit verbunden ist bei vielen Amerikanern der Wunsch nach einer umfassenden Fürsorge des Staates, der wiederum bei Teilen der Bevölkerung auf massiven Widerstand trifft. Das Coronavirus wird gerade die vielen Medikamentenabhängigen gnadenlos treffen und allein deshalb wird es dort massiv höhere Todeszahlen geben als etwa in Deutschland. Was wir jetzt sehen ist nur die Spitze des Eisbergs. In Städten wie San Francisco, Portland oder Seattle gibt es leider tausende obdachlose Drogenabhängige. Schon zu „normalen“ Zeiten sterben pro Jahr aufgrund dessen Tausende Menschen.



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Awel da #130.1

Ehrliche Frage: hat es sich seit 2017 verschlechtert oder schon davor?
Im konservativ-intellektuellen amerikanischen Diskurs (doch, den gibt es) wird dafür gerade die (sozial)demokratische Politik des Vorgängers bzw. der bundesstaatlichen Demkraten verantwortlich gemacht. Ich würde gern erfahren, wo man die Ursachen veorten kann Ihrer Meinung nach.


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Weinstädter #130.3

Oxycontin etwa war schon 2010 auf Platz 5 der umsatzstärksten Medikamente der USA. Damals gab es keinen Präsidenten namens Trump. Letztes Jahr meldete Purdue, der Konzern, der das Medikament aggressiv vermarktet hatte, aufgrund massiver Schadenersatzforderungen Insolvenz an. Die Entwicklung verlief bei vielen Süchtigen vom rezeptpflichtigen Medikament zum leichter zu beschaffenden Heroin. Die letzten Jahre war - gleichgültig wann die Ursache gesetzt wurde - die republikanische Regierung in der Pflicht sich mit diesem massiven und offensichtlichen Problem zu befassen. Außer Schuldzuweisungen an die Demokraten und insbesondere in Kalifornien an die dortige Regierung wurde nichts unternommen. Ich meine daher schon, dass hier grobe Versäumnisse der Republikaner vorliegen. Die Verhältnisse sind inzwischen mehr als schockierend.


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Leonia Bavariensis #130.8

Im Falle Oxycontin hat die einschlägige Pharmaindustrie ähnlich der Tabaklobby ihre Profite über alle ethisch gebotene Zurückhaltung gestellt und Gutachten einschlägig beeinflusst. Die hinter Purdue stehende Eigentümerfamilie hat ihre Schäfchen im Trockenen und die USA eine exorbitant hohe Anzahl an Schmerzmittelsüchtigen in allen Schichten. Die reicheren können sich sicherlich eine Entziehung erlauben, alle anderen nicht. Denn wenn die Krankenversicherung an den Job geknüpft ist, so wie meistens in den USA, dann dürfte es sehr selten sein, dass ein Schmerzmittelsüchtiger in bezahlter Arbeit ist und krankenversichert und zudem in der Lage, sich zum Entzug ohne Arbeitsverlust anzumelden.


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William S. Christ #127

Beim Umgang der Trump-Regierung und seiner rechtsradikalen Supporter muss ich immer an zwei South Park-Folgen denken ...


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Blauschlitz #133

Niemand kann derzeit wissen, wie die Lage am Ende der Pandemie aussehen wird.
Auch Journalisten nicht, die meinen, Trump oder Putin oder Al-Sisi wiedermal niederschreiben zu müssen.


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GPK #133.1

Fehlt da nicht dieser Bolzo Dings aus Brasilien in dieser "hochangesehenen" Runde?


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Mutte #133.2

Duterte?


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Tee4U #136

Ich bezweifel, ob es mit oder ohne Trump auch nur einen Toten mehr oder weniger gäbe. Das tägliche Spektakel seiner Pressekonferenzen ist lediglich Futter für die Sensationsgier der Medien und Zuschauer in Wahlkampfzeiten. Und die Demokraten - allen voran Nancy Pelosi - steuern das Ihre zur konfrontativen Stimmung bei. Das verschweigt Brinkbäumer geflissentlich, obwohl es zum Verständnis der Ausraster von Trump unerlässlich ist. Auch sucht er Länder-Vergleiche, die willkürlich sind. Warum bezichtigt er nicht die schwedische Regierung des fahrlässigen Mordes? Ganz einfach: Weil etwas gegen Trump immer geht beim kuscheligen ZEIT-Leser/in, gegen Schweden nicht so. Auch die Belgier werden medial überaus grosszügig geschont, obwohl die höchsten Zahlen im negativen Sinn.

Ich bin mir darüber hinaus nicht wirklich sicher, ob die shutdowns allerorten mit sinkenden Zahlen nur korrelieren, oder es da eine Kausalität gibt. Wenn man im nennenswerten Umfang Antikörper-Tests starten würde, wäre man schlauer. Je weniger Menschen mit Antikörper = shutdown wirkt. Je mehr, desto wahrscheinlicher ist die Wirkung der Herdenimunität. Die Wahrheit liegt vermutlich in der Mitte. Letztlich scheint mir die Leistungsfähigkeit und die Reserven (materiell, personell) der jeweiligen Gesundheitssysteme ausschlaggebend zu sein. Deutschland ist und war da z.B. in allen jetzt notwendigen Indizes in Europa führend (Intensivbetten, Beatmungsgeräte, persönliche Schutzausrüstungen, verfügbare Test-Kits).


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Jupp_Zupp #136.1

„ Warum bezichtigt er nicht die schwedische Regierung des fahrlässigen Mordes? Ganz einfach: Weil etwas gegen Trump immer geht beim kuscheligen ZEIT-Leser/in, gegen Schweden nicht so.“

"Honni soit qui mal y pense" ;-)
Jeder bedient seine Klientel, so gut er kann.


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Dantespricht #140

Soweit ich weiß ist jedem Amerikaner ein Scheck über 1200 Dollar ins Haus geflattert, außerdem wurden Farmern, Arbeitern etc. großzügige Finanzpakete versprochen, die sicherlich auch kommen, da sie Trumps Kernwähler sind. ... Gerettet werden wollen die meisten Amerikaner ohnehin nicht, "Freiheit" zählt dort mehr. Die Mentalität ist eine andere, sollte der Autor, der regelmäßig Trump kritische Artikel verfasst und sich als USA-Experte versteht, eigentlich wissen.


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qualia #150

Man muss Trump nicht mögen (wer tut das schon), aber fairerweise ist das alles weltweit ein großangelegter Menschenversuch. Erst in einigen Jahren wird man wirklich wissen, welche Strategie die beste gewesen ist.

Heute lässt sich dazu nichts sagen. Ob nun das koreanische Modell, das deutsche, das französische, das schwedische, das weißrussische oder das amerikanische das beste für alle ist. Momentan führt Belgien bei den Toten nach Bevölkerungsgröße - Ein relativ wohlhabendes Land, das sehr strikte Maßnahmen eingeleitet hat. ...


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Carolus E #153

Tja, dann ist wohl bald Schluss mit Trump. Wer wählt den schon noch nach diesem Artikel in der Zeit? Ist doch jetzt alles klar, oder sind da noch Fragen?
Solche netten Artikel lese ich hier und da schon seit Jahren. Bestätigen höchsten unsere eigene Meinung. In den USA denkt die große Mehrheit völlig anders. In Krisenzeiten schart man sich um seinen Präsidenten und hält ihm den Rücken frei. Trump wird mit ganz großer Sicherheit und erdrutschmäßig wiedergewählt. Je dreckiger es dem Land geht, umso mehr Stimmen für ihn. ...

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Cele #155

Diese "News" von Jones und vielen anderen "alternativen Medien" schlagen ziemlich ein.
Einige meiner Bekannten sind durch ihre "Recherche" der Auffassung, das Virus wäre in Wirklichkeit harmlos und wird zweckentfremdet um uns weiter auszubeuten und zu überwachen.

Ich denke mittlerweile dass solche Thesen im Endeffekt eines sind: Staatszersetzend.
Und dabei las ich früher sehr gerne News im VT Umfeld, nur so aus Infotainment und um das Spektrum der Möglichkeiten offen zu halten.
Helfen tun Fakenews dieser Art hauptsächlich denen, die eine Alternative zur derzeitigen gesellschaftlichen Ordnung anbieten.

Kann mir durchaus vorstellen, dass in extremistischen Kreisen diese Fakenews gefeiert werden. Dort wartet man nur auf den Moment wenn das Vertrauen der Bevölkerung in die Regierungen komplett unterwandert wurde.


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manfredkaese #164

Das ist einfach teilweise wohl ein grundsätzlich anderes Staatsverständnis als bei uns: Viele Amerikaner sehen es einfach grundsätzlich nicht als Aufgabe des Staates sie vor so etwas zu schützen. Und deswegen werden sie das auch nicht als Versagen interpretieren.


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Pattersson #165

Trump bekämpft die Pandemie indem er nach Schuldigen sucht. In der Welt der Bekloppten und Bescheuerten ist ihm mit dieser Maßnahme ein Ehrenplatz sicher. ...


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Iceteamango #177

Ein bisschen differenzerter hätte das USA Bild an der Stelle schon sein dürfen! - Wenn die Europäer alle eine Sprache sprechen würden, dann würden sich auch hier die Dummen aller Länder vereinigen. ...


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Weitgedacht #178

Was für ein Land. Als ich Kind und Jugendlicher war (zugegeben, schon ein Weilchen her) war Amerika das Land, das zum Mond flog, Hippies und Flowerpower heranzog, mit der besten Musik ever die Welt eroberte und die Fackel der Freiheit und des Fortschritts hell erstrahlen ließ. Ein Sehnsuchtsort. Vielleicht alles nur ein idealisiertes Bild und gar nicht so real, aber zumindest schafften es die USA, dieses Bild von sich zu erzeugen.

Und heute? Es scheint, das Land habe sich komplett ins Gegenteil verkehrt. Scheint! Vielleicht ist dieses Horrorbild genauso wenig wahr, wie das Märchenland meiner Kindheit.
Es ist wohl so, dass es nach wie vor beide Seiten gibt, und sich mal die eine, mal die andere mehr Gehör verschafft.
Vielleicht kommen nach Trump und seinen durchgeknallten Republikanern auch die Hippies und Flowerpower zurück. Und dann wird sofort ein Flug nach LA gebucht.


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #47 on: April 21, 2020, 12:40:40 PM »
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[...] BRÜSSEL taz | Wenn US-Präsident Donald Trump über die erschreckend hohe Zahl amerikanischer Todesopfer in der Coronakrise spricht, verweist er gern auf Belgien. Das kleine EU-Land habe weltweit die höchste Sterberate, behauptet Trump – was beweisen soll, dass die USA die Krise immer noch besser im Griff hätten als Europa.

Tatsächlich sehen Belgiens Zahlen nicht gut aus. Wenn man die neuesten Daten der EU-Präventionsbehörde ECDC zugrunde legt, dann verzeichnet das westeuropäische Königreich mit 47,7 Todesfällen pro 100.000 Einwohner mehr Covid-19-Opfer als Italien (38,4) oder Spanien (42,9).

Belgien hat mit mehr als 5.000 Toten sogar mehr Tote zu beklagen, als das viel größere Deutschland. Dabei gibt es hier keine überlasteten Krankenhäuser oder überfüllte Leichenhäuser wie anderswo. Das belgische Drama scheint sich im Verborgenen abzuspielen – oder eine statistische Täuschung zu sein.

Das ist zumindest die offizielle Erklärung, die Regierungschefin Sophie Wilmès und ihre Berater verbreiten. „Die belgischen Zahlen sind beeindruckend“, räumt der Virologe ­Emmanuel André ein. Das liege daran, dass man „ein genaueres Modell“ benutze. Damit meint André die Alten- und Pflegeheime, die Belgien in die tägliche Zählung einbezieht. In ­diesen Heimen hat es besonders viele Todesfälle gegeben, neuerdings sind es sogar mehr als in den Krankenhäusern. Zudem nehmen die belgischen Experten auch bloße Covid-19-Verdachtsfälle in ihre Statistik auf.

Das tun längst nicht alle Länder. Manche zählen nur die Todesfälle in den Krankenhäusern, andere melden nur eindeutig nachgewiesene Corona-Opfer. In Brüssel spricht man es nicht offen aus, aber vor allem Deutschland zählt man zu den Schönfärbern. Anders, so heißt es, sei die extrem niedrige Zahl der Toten nicht zu erklären.

André nennt aber noch ein anderes Argument: In Belgien habe die Pandemie früher und heftiger begonnen als anderswo. Auch dies beeinflusst die Sterbequote – denn sie steigt oft mit der Dauer der Krise. Nun sei aber das Schlimmste überstanden: „Es gibt zahlreiche Indikatoren dafür, dass es in die richtige Richtung geht.“

So ist die Zahl der neuen Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern am Sonntag „nur noch“ um 232 gestiegen – und damit so wenig wie seit dem 19. März nicht mehr. Die Reproduktionszahl liegt auch in Belgien unter eins. Das heißt: Die Ausbreitung des Virus scheint eingedämmt.

Von Entspannung kann aber keine Rede sein. Am Wochenende durften zwar Baumärkte und Gartencenter wieder öffnen; fast alle anderen Geschäfte sind aber noch geschlossen. Die Lage in vielen Heimen ist weiter katastrophal; einige Experten sprechen von einer „zweiten Epidemie“. Erst am Freitag soll der nationale Sicherheitsrat über eine Lockerung der Beschränkungen beraten. Sie könnten am 4. Mai in Kraft treten – wenn es bis dahin keine neuen Hiobsbotschaften gibt.


Aus: "Hohe Corona-Sterberate in Belgien: Regierung verteidigt sich" Eric Bonse (20. 4. 2020)
Quelle: https://taz.de/Hohe-Corona-Sterberate-in-Belgien/!5677172/


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #48 on: April 22, 2020, 09:41:08 AM »
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[...] Christian Mihr von Reporter ohne Grenzen über die Einschränkungen der Pressefreiheit in China nach dem Corona-Ausbruch und kreative Wege, die Zensur zu umgehen.

 Herr Mihr, China hat die Pressefreiheit nach Ausbruch der Corona-Krise weiter eingeschränkt, dabei sogar die Zensur über den Gesundheitsschutz gestellt, kritisiert die Journalistenorganisation „Reporter ohne Grenzen“. Wie sieht das konkret aus?

Mihr: Man sieht in China gerade traurigerweise, wie die Corona-Pandemie das ohnehin Repressive und Diktatorische im Brennglas bündelt. In China gibt es faktisch ein staatliches Medienmonopol mit einer absoluten Zensur. Abweichende Meinungen werden im Land nicht geduldet.

Können Sie das an Beispielen festmachen?

Mihr: Da sind zum einen journalistische Quellen wie jene Ärzte, die wesentliche Kritiker am Umgang Chinas mit dem Corona-Ausbruch waren, verschwunden, nachdem sie sich in der Öffentlichkeit kritisch mit den Zuständen in Krankenhäusern in Wuhan geäußert haben. Das betrifft auch einige Bürgerjournalisten und andere Journalisten, die über die Krankenhauszustände vor allem in Wuhan und der Region Hubei berichtet haben.

Wie es um die Pressefreiheit in China bestellt ist, sieht man auch daran, dass das Land auf der viertletzten Stellen beim Ranking der Pressefreiheit weltweit steht. Was hat sich durch den Corona-Ausbruch mit Blick auf die Arbeit von Journalisten noch verändert?

Mihr: Wir sehen eine Verschärfung beim Instrument der Direktiven der Kommunistischen Partei Chinas. Bei den Direktiven handelt es sich um Vorgaben, wie Chinas Medien zu berichten haben. Auf den Webseiten, auf denen diese Vorgaben liegen, kann man dies – teilweise auch übersetzt – nachlesen. Dazu zählt das Narrativ, wie man in China die Pandemie erfolgreich bekämpft hat. Und dass man den Zahlen zu Corona mindestens eine gewisse Skepsis entgegen bringen kann, zeigt die jüngste Korrektur der Zahlen. Man sieht in China, wie der Kampf gegen die Corona-Pandemie missbraucht wird, um die üblichen diktatorischen Reflexe auszuleben.

Unlängst wurde über einen chinesischen Videoblogger berichtet, der nach Veröffentlichung eines Handy-Videos über die Situation in China verschwunden ist. Gibt es ungefähre Zahlen, auf wie viele Blogger oder Journalisten das aktuell wegen ihrer Corona-Berichte zutrifft und wie viele im Gefängnis gelandet sind?

Mihr: Und sind derzeit drei Fälle von Journalisten und Bürgerjournalisten plus mindestens zwei Fälle von Quellen bekannt, die in den vergangenen zwei Monaten verschwunden sind. Generell ist China das Land, das am meisten Journalisten inhaftiert. Oft verschwinden Journalisten wie andere politische Dissidenten zunächst, um dann später in Schauprozessen angeklagt und verurteilt zu werden.

Die Corona-Einschränkungen wurden in China zum Teil wieder gelockert. Kann auch wieder offener journalistisch berichtet werden?

Mihr: China hat ja gerade erst mit den Öffnungen begonnen, darum muss man erst einmal abwarten. Zudem war ja China vor der Corona-Pandemie kein offenes Land im Sinne der Pressefreiheit. Insofern ist das so kurzfristig nicht zu beurteilen.

Aber interessant ist doch auch, dass es in China trotz aller Restriktionen immer wieder Ansätze von Bürgerjournalismus gibt.

Mihr: Tatsächlich gibt es immer wieder Versuche, die Zensur zu umgehen. Ein Beispiel: Zunächst hatte eine Ärztin Informationen auf WeChat gepostet, die dann über das Internet geteilt wurden. Daraus entstand ein Interview in „China Daily“, das aber später zensiert wurde. Dann setzte die kreative Zensurumgehung ein, wie wir das oft beobachten. Auf WeChat und Weibo und auf verschiedenen Webseiten wurde das Interview weiterverbreitet und auch in verschiedene Sprachen übersetzt, sogar in Blindenschrift, als Emojis oder als Tonaufnahmen und hinter QR-Code versteckt. Mit diesem Katz-und-Maus-Spiel wird immer wieder versucht, die Zensur zu umgehen. Allerdings setzen sich diejenigen, die das machen, enormen Risiken aus.

In Europa sind Italien, Spanien und Frankreich besonders von Corona betroffen. Wird auch dort versucht, Einfluss auf die Presse zu nehmen?

Mihr: Eine massive Verschärfung Richtung Zensur ist nicht festzustellen. In Spanien hat allerdings in den vergangenen Wochen in der Corona-Pandemie eine Unsitte eingesetzt, das Fragen von Journalisten bei öffentlichen Pressekonferenzen nur noch zugelassen werden, wenn sie zuvor angemeldet werden. Ähnliche Berichte gibt es auch aus Italien. Ein anderes Problem für die Pressefreiheit wird es geben, wenn die privaten Medien den Journalismus wegen der Einbrüche am Werbemarkt nicht mehr finanzieren können.

Das könnte auch auf Deutschland zutreffen. Sehen Sie hierzulande ansonsten Auswirkungen der Coronakrise auf die Situation der Pressefreiheit?

Mihr: Jedenfalls nicht in dem Maße, dass es Zensur oder Angriffe auf die Pressefreiheit gibt. Es gab ganz vereinzelt Berichte, wonach auch bei uns Fragen zuvor angemeldet werden mussten. Aber dahinter steckte keine Systematik. Es gab einen Vorfall in Frankfurt, bei der die Berichterstattung eingeschränkt wurde. Die Polizei wurde in ihrer Berichterstattung von Demonstration behindert. Die Demonstration war wegen der Auflagen des Infektionsschutzes zwar illegal, aber es war der Auftrag der Journalistin. Und zu berichten ist der originäre Auftrag von Journalisten. Das stimmt zwar bedenklich, war jedoch ein Einzelfall.

Was nicht heißt, dass sonst keine Gefahren bestehen.

Mihr: Was wir mit Sorge beobachten, ist die Diskussion über die Einführung einer Corona-Tracing-App. Eine solche App kann absolut sinnvoll sein. Wir haben dafür Mindestanforderungen für den Datenschutz definiert, und am Ende, was dafür auch für den Journalismus wichtig ist – weil Journalisten auch auf digitalen Quellenschutz angewiesen sind. Wir sind für eine solche App, wenn sie zu mehr gesellschaftlicher Freiheit führt. Aber nicht zu dem Preis, dass journalistische Quellen digital ausgespäht werden.


Aus: "Eingeschränkte Pressefreiheit in China: „Corona bündelt das Repressive und Diktatorische im Brennglas"" Kurt Sagatz (21.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/eingeschraenkte-pressefreiheit-in-china-corona-buendelt-das-repressive-und-diktatorische-im-brennglas/25759240.html


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #49 on: April 22, 2020, 10:31:00 AM »
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Sabine Beck @sabine_beck, 12:45 nachm. · 21. Apr. 2020
Hatte heute einen Handwerker im Haus. Er meinte, die ganze Coronahysterie ginge ihm auf den Nerv. Weil was wäre denn das größte Problem auf der Welt? Die Überbevölkerung und da wäre es doch nich falsch, wenn die Kranken, Armen u Schwachen schneller sterben.
Ich weine immer noch.



https://twitter.com/sabine_beck/status/1252548941113065478

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Sabine Beck @sabine_beck, 1:06 nachm. · 21. Apr. 2020
Ich befürchte, es gibt viele Leute, die so denken.
Ein netter, freundlicher Familienvater.... Ich sags nur.
Und das ist an der Sache für mich das Beängstigendste.


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GrrrBrrr @Die_Papierkugel Antwort an  @sabine_beck

Wenn das Virus nur die Dummen angreifen würde, wäre heute ein anderer Handwerker zu dir gekommen.


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Anna Rosa Brito @AnnarosaBrito Antwort an  @sabine_beck

Solch dummen Menschen begegne ich ständig. Sie müssen zuerst ein Kind, einen Ehepartner, einen geliebten Menschen, eine Mutter, einen Vater, eine Omi, einen Opa, einen Onkel, eine Tante ... verlieren.


...

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[...] Als im zweiten Jahr des Peloponnesischen Krieges die Pest ausbrach, war für Thukydides der Erreger selbst kaum der Rede wert. Den Geschichtsschreiber interessierte nicht das Biologische, sondern das Historische. Welche Wirkungen hinterlässt die Seuche im Denken und Handeln? Was löst sie aus?

In der Corona-Pandemie ist das kaum anders. Klar, man redet ausgiebig über die Natur des Virus, doch die wahre Lektion, die uns das toxische Nichts erteilt, ist eine soziale – eine Lektion über uns selbst. Mit der Pandemie, so der Kulturwissenschaftler Joseph Vogl in der Zeitschrift monopol, "ist die Welt in ein Entwicklerbad gefallen". Schon bald werde man "genau sehen, welche Kontraste und Konturen sich herausprägen werden".

Einige Konturen zeigen sich schon jetzt. Die Corona-Krise bringt tabuisierte Dunkelzonen ans Licht, und plötzlich bekommen Zeitungsleser und Fernsehzuschauer Bilder zu Gesicht, die eben noch als Quotenkiller galten – Bilder von Hungerleidenden und Obdachlosen, von Bettelarmen und Prekären, die von keiner Mitleidstafel mehr restversorgt werden und nun dankbar sind für jeden Krumen, der vom Tisch des Herrn für sie abfällt. Solche Aufnahmen stammen nicht aus den Elendsvierteln von Bengaluru, sondern aus den Premiumbezirken westlicher Wohlstandsgesellschaften 30 Jahre nach ihrem Sieg über den Kommunismus. Und wie bereits in der Finanzkrise 2008 kommt das ikonische Foto auch diesmal aus dem "großartigsten Land der Menschheitsgeschichte" (Donald Trump). Wegen Ansteckungsgefahr hatten Wohnungslose in Las Vegas eine Notunterkunft räumen und auf dem Parkplatz eines Fußballstadions übernachten müssen. Mit weißen Linien, wie in einem Setzkasten, hatte die Polizei winzige "Wohnflächen" markiert, auf denen sie ihre Körper ablegen durften, während die Luxushotels ringsum leer standen. "Keep safe distance!"

Man sollte diese Bilder aus dem real existierenden Liberalismus im Hinterkopf behalten, wenn man nachschaut, was noch so alles im Entwicklerbad der Pandemie sichtbar wird. Scharf belichtet werden nämlich nicht nur die neuen Armutszonen, sondern auch intellektuelle Diskurslinien treten nun deutlicher hervor. Theorien, die bislang frei über der Empirie schwebten, feiern ihren konkreten Anwendungsfall oder werden unter Echtzeitbedingungen nachgeschärft. Zutiefst bestätigt fühlt sich zum Beispiel der italienische Philosoph Giorgio Agamben: In seinen Augen beweisen die hysterischen Reaktionen auf die "erfundene" Bedrohung durch das Virus, erst recht aber die drastischen Ausgehverbote der römischen Regierung, dass der Liberalismus an nichts mehr glaube, an keine Gemeinschaft, nur noch an die Macht und das nackte Leben. Italien führe es der Welt vor Augen: Weil sich in der sinnentleerten modernen Gesellschaft das menschliche Leben aufs Überleben reduziere, ziele alles Handeln darauf ab, die reine biologische Existenz zu retten. Getrieben von der panischen Angst, auch noch das letzte ihnen Verbliebene zu verlieren, das nackte Leben, flüchteten die epidemisch einsamen Bürger in die Arme des autoritären "monströsen Leviathan mit dem gezückten Schwert" und opferten ihm ihre Freiheit.

Keinen hat die Beschreibung der italienischen "Biopolitik" so empört wie den französischen Philosophen Alain Finkielkraut; Agamben verharmlose menschliches Leid und sei ebenso "unerträglich arrogant" wie der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk, der in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Le Point das Virus zu einer stinknormalen Grippe bagatellisiert und ebenfalls den Teufel des drohenden Sicherheitsstaates an die Wand gemalt habe. Finkielkraut dagegen ist überzeugt, dass in den staatlichen Reaktionen auf die Pandemie zivilisatorische Standards auf dem Spiel stehen. "Das Leben eines Greises ist so viel wert wie jenes eines Menschen im Vollbesitz seiner Kräfte. Solange wir dieses Prinzip hochhalten, hat der zeitgenössische Nihilismus nicht endgültig triumphiert, und wir bleiben eine Zivilisation." 

Aber es ist nicht nur Giorgio Agamben, der in der Art und Weise, wie die Behörden auf die Pandemie reagieren, die Eiseskälte der Moderne zu spüren glaubt. Auch der gern zitierte Kulturphilosoph Charles Eisenstein, ein Vordenker der Occupy-Bewegung, fragt sich, ob der intensivmedizinische Aufschub des Todes nicht in Wahrheit eine Entfremdung vom Leben ist: Ist die Technizität der Lebensrettung, das verzweifelte Anschließen der Infizierten an Beatmungsgeräte, nicht der Beweis dafür, dass die liberale Gesellschaft den kulturell eingebetteten Tod beseitigt und die familiäre Geborgenheit durch Apparate ersetzt hat? In der Logik des medizinischen Systems sei der Tod das Schlimmstmögliche, und doch wüssten wir alle, dass "der Tod ungeachtet dessen auf uns wartet. Ein gerettetes Leben bedeutet eigentlich einen aufgeschobenen Tod." Würden sich, fragt Eisenstein rhetorisch, peruanische Ureinwohner intubieren lassen? Nein, sie würden den Schamanen bitten, ihnen zu helfen, gut zu sterben. Einige Sätze später räumt Eisenstein immerhin ein, dass man Corona-Opfern helfen müsse – mit allen Mitteln. 

Es ist furchtbar, wenn todkranke Infizierte in Krankenhäuser eingesperrt, wenn sie isoliert werden und es nicht einmal den nächsten Angehörigen gestattet ist, von ihnen Abschied zu nehmen. Und doch muss man die Kritik an der Apparatemedizin scharf und unmissverständlich von einer Behauptung unterscheiden, die dieser Tage ebenfalls die Runde macht: Von der Behauptung, die vom Egoismus korrumpierte Gesellschaft weigere sich, in der Stunde der Not dem Gemeinwesen ein Opfer zu bringen. Oder um die Katze aus dem Sack zu lassen: Sie weigere sich, die Alten zu opfern, um den schleichenden Tod der Wirtschaft zu verhindern. 

Absurd? Nein, der texanische Vizegouverneur Dan Patrick, ein Republikaner, war der erste, der darüber streiten wollte, ob sich die älteren Amerikaner nicht für die heimische Wirtschaft opfern sollten. "Es gibt da draußen viele Großeltern wie mich. Ich habe sechs Enkel. Ich will nicht, dass das ganze Land geopfert wird." Auch der englische Journalist Jeremy Warner (Telegraph) ist der Auffassung, die gesundheitliche Gefährdung der Älteren sei ernsthaft kein Grund, die komplette Wirtschaft abzuwürgen. Im Gegenteil, stürben die Alten, verjünge sich die Wirtschaft, und auch das Rentensystem werde wohltätig entlastet: "Ohne zu sehr ins Detail zu gehen, könnte sich das Covid-19 langfristig sogar als leicht vorteilhaft erweisen, indem es unverhältnismäßig viele ältere Angehörige aus dem System stößt." Mit seiner Ökonomie des Lebens ist Warner nicht allein. Der Brexit-Stratege Dominic Cummings, mittlerweile Boris Johnsons Chefberater, wird mit den Worten zitiert, Vorrang müsse "dem Schutz der Wirtschaft" zukommen – es sei "halt Pech, wenn das bedeutet, dass ein paar Rentner dabei draufgehen". Später dementierte er diese Sätze.

Auch die aufrichtig marktliberale Neue Zürcher Zeitung veröffentlicht Wortmeldungen, deren Autoren keine Rücksicht mehr auf die Alten nehmen möchten und deshalb mit der Gleichheitsmoral der "Roten" und "Grünen" abrechnen. "Wir wählen", so sarraziniert dort ein Schweizer Unternehmer vor sich hin, "den wirtschaftlichen Suizid, um zu verhindern, dass einzelne betagte Menschen das Zeitliche einige Jahre früher segnen, als es unter normalen Umständen zu erwarten wäre (…). Akzeptieren wir, dass der Mensch sterblich ist, ein langes Leben nicht per se Ziel sein kann." Und eine betörend schlichte Ökonomin und "Influenzerin" zwitschert ihm hinterher: "Kurzfristig wird uns der Verlust vieler Menschenleben schmerzen (…), aber mittel- und langfristig dürfte uns das soziale und ökonomische Chaos stärker beschäftigen, in das wir uns vom Virus haben stürzen lassen. (...) Das Leben geht weiter (…). Darum muss auch der Kapitalismus überleben. Er schafft Wohlstand (…) und stärkt die Menschenrechte."

Auch der emeritierte, in Stanford ansässige Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht hat sich vom rechten Opfervirus anstecken lassen. Seinen erwartbar nietzscheanischen Refrain kennt man schon auswendig, doch diesmal klingt er besonders erbarmungslos: Gumbrecht fürchtet, dass die Gleichheitsmoral – also die ethische Maxime, alle Menschen vor Covid-19 retten zu wollen – das Überleben des Kapitalismus, mehr noch: das Überleben der Menschheit gefährdet. Willfährig haben sich die Regierungen dem lebensrettenden Moralismus der Massen ergeben und einen "populistischen Notstands-Staat" hervorgebracht, der deshalb so drakonisch durchgreife, weil er beim "Durchhalten des Gleichheitsprinzips" niemanden opfern wolle. Doch die (verständliche) Tragikvermeidung rufe eine viel gewaltigere Tragödie hervor und fordere möglicherweise ein noch viel größeres Opfer: das Opfer der Weltwirtschaft. Deshalb müsse man die "skandalös wirkende und gewiss schmerzhafte Frage" stellen, ob die Moral, alle Bürger nach dem Gleichheitsprinzip "maximal gegen eine Todesgefahr zu schützen", nicht das "Überleben der Menschheit aufs Spiel" setzte. "Wie tief können die Börsenkurse sinken, ohne eine Erholung unmöglich werden zu lassen?" Todesmutig bricht Gumbrecht in seinem Bocksgesang ein Tabu und stellt sich "eine bisher ganz und gar ungewohnte Entscheidungssituation" vor, "in der es tatsächlich darum ginge, ob man bewusst die Überlebenschancen der ältesten Generation zugunsten der Zukunftsmöglichkeiten ihrer jüngeren Zeitgenossen verringert".

Das Leben der Alten gegen das "Leben" des globalen Kapitalismus? Solche Zynismen kann nur unterbreiten, wer ernsthaft glaubt, die Wirtschaft sei ein herrischer Willkürgott, der immer wieder und zu Recht tragische Entscheidungen verlangt – man muss ihm opfern, damit er den Endverbrauchern des irdischen Lebens gewogen bleibt. Im Up and Down der Konjunkturen und Börsenkurse tritt der Gott der Ökonomie aus dem Dunkel seiner Unerkennbarkeit ins Licht der Welt, und niemals wird das menschliche Wissen ausreichen, um das Mysterium des Marktes zu verstehen. Das Einzige, was der Gegenwartsmensch noch tun kann, ist es, den Allmächtigen nach antikem Muster gnädig zu stimmen. So wäre dann das Opfer der Alten, Unproduktiven und Unnützen, das Opfer der systemisch Irrelevanten, die sich weder für Leistungsanreize noch für Preissignale empfänglich zeigen, jene fällige Gegengabe, die den wankelmütigen kapitalistischen Gott bei Laune und seinen numinosen Markt am Laufen hält. Für alle reicht es nicht.

Eine ähnliche Mythenbildung gab es bereits im Gilded Age, im amerikanischen Hochkapitalismus Ende des 19. Jahrhunderts, und nicht zufällig paktierte sie mit einem Sozialdarwinismus, der über Leichen ging. Das sollte wissen, wer darüber klagt, die Gesellschaft habe unter der Tyrannei eines maschinisierten Gesundheitssystems das Sterben verlernt, den menschlichen Tod in einer familiären "Kultur der Sorge". Diese berechtigte Klage ist nämlich Musik in den Ohren jener, die ein Menschenopfer für den Markt verlangen und nun die historische Gelegenheit beim Schopf fassen wollen, um den Geburtsfehler der Demokratie zu korrigieren, die Gleichheit aller Bürger. Man sollte, mit anderen Worten, höllisch aufpassen, dass Agambens und Foucaults Kritik am "biopolitischen Regime" nicht in die falschen Hände gerät – in die Hände derer, die uns weismachen wollen, "ein langes Leben" könne "nicht per se ein Ziel sein", weshalb man bitte schön ein Opfer nicht für das Vaterland, wohl aber für die vaterländische Wirtschaft zu bringen habe.

Die Vereinigten Staaten haben der Welt bewiesen, wie sehr es die "ökonomische Ungleichheit, Vermögensverteilung, Einkommensdifferenzen sind, die nicht nur über die Erträglichkeit von Ausnahmesituationen, sondern über Leben und Tod entscheiden". Das Gesundheitssystem, so der erwähnte Joseph Vogl, "ist zu einem Lackmustest für Marktlogiken geworden, die sich im Wettbewerb der Schwerkranken um Intensivbetten und Restlebenszeiten fortsetzen". Donald Trump, der menschgewordene kapitalistische Geist, schlug alle Warnungen vor der Pandemie in den Wind, und einige seiner Parteifreunde verkauften heimlich ihre Aktienpakete, bevor das Sterben einsetzte und das Virus sie um ihren leistungslosen Gewinn brachte.

Der Markt ist ein intelligentes, wenngleich hochgradig störanfälliges Steuerungsinstrument, und wer nun fordert, man müsse ihm Menschenopfer bringen, der verklärt ihn zum barbarischen mythischen Kult. Die kapitalistische Kultreligion feiert die blinde Akkumulation, sie feiert die Selbstbereicherung der bereits unendlich Reichen und die Verwandlung von Geld in noch mehr Geld. Im kapitalistischen Kult besteht der Sinn des Lebens in der Anpassung ans Tote.


Aus: "Menschenopfer für den Kapitalismus" Ein Essay von Thomas Assheuer (21. April 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/kultur/2020-04/corona-pandemie-kapitalismus-oekonomie-menschenleben/komplettansicht

Quote
[...] Thomas Assheuer (* 1955 in Arnsberg) ist ein deutscher Journalist.

Von 1975 bis 1982 studierte Assheuer an den Universitäten Münster und Hamburg Germanistik und Philosophie; 1983 absolvierte er ein Volontariat beim Hessischen Rundfunk und war anschließend Redakteur im „Kulturellen Wort“. 1991 wechselte er ins Feuilleton der Frankfurter Rundschau. Seit 1997 ist er Feuilleton-Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“.  ...


Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Assheuer (18. April 2020)

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #50 on: April 22, 2020, 12:50:01 PM »
Quote
[...] In Deutschland wächst angesichts des Lockdowns wegen der Corona-Krise das Heer der Kurzarbeiter. Gastronomie und Tourismus sind seit Wochen heruntergefahren und werden dies voraussichtlich noch längere Zeit sein. Die großen Autohersteller haben reihenweise die Bänder angehalten. In ihrem Sog können auch Zulieferer nicht arbeiten oder sind selbst von der Versorgung abgeschnitten. Einer Studie der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung zufolge summiert die Zahl der von Kurzarbeit betroffenen inzwischen auf rund vier Millionen.

 Grundlage der Berechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Stiftung ist eine Online-Befragung von rund 7600 abhängig Beschäftigten. Von ihnen gaben Anfang April rund 14 Prozent an, momentan in Kurzarbeit zu sein, wie die Böckler-Stiftung mitteilte. Hochgerechnet auf die Gesamtzahl der Beschäftigten entspreche dies rund vier Millionen Menschen. In rund einem Drittel der Fälle werde das Kurzarbeitergeld vom Arbeitgeber aufgestockt. Gut die Hälfte habe berichtet, es gebe in ihrem Betrieb keine Aufstockung.

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit hat rund jedes dritte dazu berechtigte Unternehmen in Deutschland Kurzarbeit beantragt. Zur Zahl der betroffenen Beschäftigten macht die BA keine Angaben. Sie geht aber wie die Bundesregierung davon aus, dass der Rekord von knapp 1,5 Millionen Kurzarbeitern vom Frühjahr 2009 zu Zeiten der globalen Finanzkrise bei Weitem übertroffen wird. Allein in der Metall- und Elektrobranche rechnen die Arbeitgeber bis Ende des Monats mit über zwei Millionen Kurzarbeitern.

 Generell seien Beschäftigte mit niedrigeren Einkommen, in Betrieben ohne Tarifvertrag oder Betriebsrat sowie Frauen derzeit überproportional belastet, heißt es in der Mitteilung weiter. Befragte, die über ein Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1500 Euro verfügten, arbeiteten zudem nur knapp halb so oft in Betrieben, in denen das Kurzarbeitergeld vom Unternehmen aufgestockt werde, wie Personen, die über ein Haushaltsnettoeinkommen von über 4500 Euro verfügten.

Von den Befragten, die in Kurzarbeit seien und keine Aufstockung erhielten, hätten 40 Prozent angegeben, so maximal drei Monate finanziell durchhalten zu können. Insgesamt sorgten sich 70 Prozent der Arbeitnehmer um ihre finanzielle Sicherheit, wie die Erhebung weiter ergab. "Die Corona-Krise verstärkt die soziale Ungleichheit im Land weiter", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann. "Wir brauchen ein klares Signal an die Menschen, dass auch sie jetzt über diese schwierige Zeit gebracht werden und nicht in der Sozialhilfe landen."

DGB und SPD wollen daher, dass das Kurzarbeitergeld von 60 beziehungsweise 67 auf 80 Prozent der Nettoeinbußen (87 Prozent bei Arbeitnehmern mit Kindern) für die Monate Mai, Juni und Juli aufgestockt wird. Das Thema steht am Nachmittag auch auf der Tagesordnung des Koalitionsausschusses. Aus der Union gibt es massive Vorbehalte gegen eine Erhöhung.

Quelle: ntv.de, jwu/dpa/rts/DJ


Aus: "Schon vier Millionen sind in Kurzarbeit" (Dienstag, 21. April 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Schon-vier-Millionen-sind-in-Kurzarbeit-article21729007.html

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #51 on: April 22, 2020, 03:22:33 PM »
Tschetschenien ist eine im Nordkaukasus gelegene autonome Republik in Russland. Die Region hat etwa 1,5 Millionen Einwohner und ist Heimat der Tschetschenen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Tschetschenien

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[...] Die investigative russische Zeitung „Nowaja Gaseta“ hat auf Weisung der Staatsanwaltschaft einen Bericht über die Lage Corona-Kranker in Tschetschenien geblockt. Dabei handelt es sich um einen Artikel der auf den Nordkaukasus spezialisierten Korrespondentin Jelena Milaschina, worin es hieß, der Republikchef von Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, habe öffentlich Corona-Infizierte mit Terroristen gleichgesetzt und dazu aufgerufen, sie mit entsprechenden Methoden zu bekämpfen. Milaschina hatte insbesondere Massenverhaftungen von Tschetschenen erwähnt, die gegen die Pflicht zur Selbstisolation verstoßen hätten. Mehrere Tschetschenen, die sich in zwangsweiser Quarantäne befinden, hatten Journalisten erklärt, sie würden niemals den Behörden von Krankheitssymptomen wie erhöhter Temperatur oder Husten Meldung machen, weil sie Repressionen fürchteten. Sie sagten, sie würden lieber am Coronavirus sterben, als von den Machthabern stigmatisiert zu werden.

Zuvor hatte der Sprecher des tschetschenischen Parlaments, Magomed Daudow, erzählt, wie er den schwerkranken Corona-Patienten Abdulla Garajew im Krankenhaus verhört hatte. Er habe Ärzte in Schutzanzügen mit seinem Telefon an Garajews Klinikbett geschickt und von ihm verlangt, ihm die Namen aller seiner Kontaktpersonen zu nennen, sagte Daudow. Doch der Kranke habe ihm nur den Namen eines Hadsch-Pilgers genannt. Garajew habe kein Gramm Gewissen, lautete Daudows Verdikt.

Laut Milaschinas Bericht soll das tschetschenische Gesundheitssystem für die Pandemie nicht gerüstet sein. Viele Ärzte hätten keine Schutzausrüstung, hatte die Journalistin geschrieben. Deswegen hätten Beamte in einigen Regionen alle Krankenhäuser und sogar notärztliche Ambulanzen aus Quarantänegründen geschlossen. Nur einige Kliniken in der Hauptstadt Grosnyj seien in der Lage, Corona-Patienten zu versorgen.

Republikchef Kadyrow bezeichnete den Bericht als „Schwachsinn“ und erklärte auf seinem Telegram-Kanal, die „Nowaja Gaseta“ versuche, mittels verlogener Mythen den Tschetschenen wieder einmal das Etikett unverbesserlicher Verbrecher, mittelalterlicher Dunkelmänner und Freiheitsberauber anzuhängen. Zornig fragte Kadyrow, wie lange sich die provokative „antitschetschenische“ Kampagne der gewissenlosen „Nowaja Gaseta“ wohl noch fortsetzen würde.

Die russische Staatsanwaltschaft hatte ganz allgemein befunden, der Artikel von Milaschewa enthalte „zweifelhafte“, dabei aber für die Gesellschaft wichtige Informationen, die für das Leben und die Gesundheit von Bürgern sowie für die öffentliche Ordnung eine Bedrohung darstellten. Was konkret sie als Falschnachricht ansah, verriet die Behörde nicht. Die „Nowaja Gaseta“ verlangte in einer offiziellen Eingabe, die Vorwürfe zu begründen.

Milaschina hat mehrfach über Morddrohungen gegen sie aus dem Umkreis von Kadyrow berichtet. Im Februar waren sie und eine Anwältin in Grosnyj von einer Gruppe von ungefähr fünfzehn jungen Männern und Frauen überfallen und verprügelt worden, worüber sie ebenfalls berichtete. Kadyrow erklärte jetzt, er glaube nicht daran, und fragte nach Zeugen und Beweisen.

Zugleich appellierte der Republikchef an den russischen Inlandsgeheimdienst FSB, er solle die „Nichtmenschen“ von der „Nowaja Gaseta“, die das tschetschenische Volk provozierten, stoppen. Er habe es satt, sagte Kadyrow; „wenn ihr wollt, dass wir ein Verbrechen verüben, sagt das doch gleich“, fügte er drohend hinzu. „Dann nimmt einer die Verantwortung und die gesetzliche Strafe auf sich. Sitzt im Gefängnis und kommt wieder raus. Bemüht euch nicht, Banditen und Mörder aus uns zu machen“, warnte Kadyrow.


Aus: "Ramsan Kadyrow hält Corona-Patienten für „Terroristen“" Kerstin Holm (17.04.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ramsan-kadyrow-haelt-corona-patienten-fuer-terroristen-16728412.html

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[...] Deutschland und Frankreich haben Russland zum Schutz einer bedrohten Journalistin in der Teilrepublik Tschetschenien im Nordkaukasus aufgerufen. „Drohungen seitens staatlicher Funktionsträger sind völlig inakzeptabel und widersprechen jeder Rechtsstaatlichkeit“, sagte die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Bärbel Kofler, an diesem Mittwoch in Berlin. Die Erklärung wurde gemeinsam mit dem französischen Kollegen, François Croquette, veröffentlicht.

Hintergrund sind Äußerungen des tschetschenischen Republikchefs Ramsan Kadyrow, die sich gegen die russische Investigativjournalistin Jelena Milaschina richten. Sie hatte in einem Artikel über den brutalen Umgang mit der Bevölkerung in der Corona-Pandemie in Tschetschenien berichtet. Kadyrow sagte daraufhin unter anderem: „Es reicht! Wenn ihr wollt, dass wir ein Verbrechen begehen und Verbrecher werden, sagt es ganz offen!“ Die Nordkaukasus-Expertin hatte 2017 den deutsch-französischen Preis für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit erhalten.

Moskau müsse den Drohungen nachgehen, hieß es in der Erklärung weiter. „Wir fordern die Russische Föderation dazu auf, die von ihr eingegangenen internationalen und europäischen Verpflichtungen einzuhalten, um die Pressefreiheit und den Schutz von Journalisten zu gewährleisten.“

Kadyrow führt die islamisch geprägte Republik im Nordkaukasus mit harter Hand. Bürgerrechtler beklagen immer wieder schwerste Menschenrechtsverstöße, darunter Folter und Verfolgung. Die 41 Jahre alte Journalistin hatte bereits zuvor mehrfach über Morddrohungen aus Kadyrows Umfeld berichtet.


Aus: "Berlin fordert Moskau zum Schutz von Journalistin auf" (22.04.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/berlin-fordert-moskau-zum-schutz-von-journalistin-auf-16736697.html

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #52 on: April 22, 2020, 03:51:54 PM »
Quote
[...] In der Schweiz sind bis anhin fast 17 Menschen pro 100 000 Einwohner im Zusammenhang mit Covid-19 gestorben. In anderen Ländern wie Belgien oder Spanien sieht es dramatischer aus, dort sind es derzeit 50 beziehungsweise 44 Menschen. Für diese Unterschiede gibt es zahlreiche Gründe, zum Beispiel die Geschwindigkeit, mit der sich die Epidemie ausbreitet, die Altersverteilung der Bevölkerung oder das Gesundheitssystem.

Vor allem muss man bei solchen Vergleichen aber bedenken, dass kleine Länder zu Beginn einer Epidemie besonders schlecht dastehen, wenn man die Todesfälle auf die Einwohnerzahl bezieht. Denn das Virus verbreitet sich in einem kleinen Land gleich schnell wie in einem grossen, 1000 Tote fallen bei 8 Millionen Einwohnern aber stärker ins Gewicht als bei 80 Millionen.

Dieser Umstand könnte erklären, warum die Schweiz im Vergleich zu Deutschland derzeit schlechter abschneidet: Hierzulande sind bis anhin dreimal so viele Menschen pro 100 000 Einwohner an Covid-19 gestorben.

Allerdings gilt der gleiche Unterschied zu Österreich, das ähnlich viele Einwohner zählt wie die Schweiz. Hier dürften also noch andere Unterschiede zum Tragen kommen.

Um die Tödlichkeit oder Letalität einer Krankheit zu bestimmen, wird normalerweise die Anzahl der Verstorbenen durch die Anzahl der Infizierten geteilt. So kommt man für Österreich und Deutschland auf drei Prozent und in der Schweiz auf fünf Prozent. Wenn man es so betrachtet, ist der Unterschied nicht mehr ganz so gross.

Die wahre Letalität dürfte in Wirklichkeit aber noch viel tiefer sein, weil die Zahl der Infizierten in allen Ländern höher ist. Derzeit geht man davon aus, dass die Letalität von Sars-CoV-2 unter einem Prozent liegt.

Es wäre also möglich, dass die Dunkelziffer in der Schweiz höher ist, weil hier weniger Menschen getestet werden. Allerdings hat die Schweiz von allen drei Ländern die meisten Tests pro Einwohner durchgeführt. Getestet wurden mehrheitlich die Personen, die schwere Symptome aufweisen oder die zu einer Risikogruppe gehören. Diese Kriterien waren in den drei Ländern nicht immer gleich, aber relativ ähnlich.

Allerdings hat die Schweiz anteilsmässig nicht nur mehr Menschen getestet, es waren hierzulande auch mehr Getestete positiv auf Sars-CoV-2: zwölf Prozent im Vergleich zu acht Prozent in Österreich und in Deutschland.

Die tatsächliche Durchseuchung der Bevölkerung ist dabei viel tiefer. Es bedeutet nur, dass ungefähr 12 Prozent der Personen mit Verdacht auf Covid-19 tatsächlich diese Krankheit haben. Und auch das ist mit Vorsicht zu geniessen, da viele Patienten mehrfach getestet werden, beispielsweise im Spital, um den Krankheitsverlauf zu verfolgen. Dennoch kann man die Zahl als einen Anhaltspunkt verwenden.

Ein höherer Anteil positiver Testergebnisse bei gleichzeitig mehr durchgeführten Tests kann aber darauf hindeuten, dass die Durchseuchung in der Schweiz höher ist als in den beiden Nachbarländern. Dies zeigt sich auch, wenn man die Zahl der positiv gemeldeten Covid-19-Fälle pro Einwohner anschaut. Die Zahl ist in der Schweiz mit 327 pro 100 000 Einwohner fast doppelt so hoch wie in Deutschland mit 169 und in Österreich mit 167.

Das spricht also dafür, dass die Epidemie in der Schweiz schon weiter fortgeschritten ist. Eine Erklärung dafür könnten die Nähe zu Italien und die vielen Grenzgänger im Tessin sein, die von Anfang an zu einem regen Austausch mit dem stark betroffenen Nachbarland führten. Und je weiter die Epidemie vorangeschritten ist, desto mehr Todesfälle gibt es.

In allen drei Ländern erfolgten landesweite einschränkende Massnahmen mit Schul- und Ladenschliessungen am 16. März. Zu diesem Zeitpunkt waren in Deutschland 7255 Sars-CoV-2-Infektionen gemeldet, in Österreich 1015 und in der Schweiz 1135.

Bezogen auf 100 000 Einwohner war die Schweiz dabei wieder am stärksten betroffen. Aber der Unterschied zu Österreich ist dabei nicht besonders gross. Entweder hat Österreich die Ausbreitung des Virus danach besser in den Griff bekommen. Oder die Dunkelziffer war am 16. März in der Schweiz höher als in Österreich, so dass sich das Virus hier zu Lande schneller ausgebreitet hat. Tatsächlich war man in der Schweiz in den zwei Wochen vor dem «Lockdown» sehr zurückhaltend mit Testen, weil es nicht genügend Kapazitäten dafür gab.

Die unsichere Datenlage zur Anzahl der Infizierten macht den Vergleich zwischen den Ländern extrem kompliziert. Da aber in keinem Land das Gesundheitssystem an seine Grenzen gekommen ist, kann man davon ausgehen, dass die Letalität ähnlich hoch sein dürfte, es sei denn, die Schweizer wären aus irgendeinem Grund vulnerabler für das Virus.

Möglich wäre zum Beispiel, dass in der Schweiz in dieser Phase der Epidemie mehr alte Menschen erkrankt sind als in Österreich und in Deutschland. Die Alten haben bekannterweise ein höheres Sterberisiko. Bezogen auf die Gesamtzahl der bestätigten Fälle waren in der Schweiz 35 Prozent der Infizierten über 60 Jahre alt, während es in Deutschland nur 30 Prozent waren. Inwiefern das ins Gewicht fällt, ist schwer zu sagen.

Die Zahl der Todesfälle pro Einwohner ist aber immer eine Momentaufnahme. Sie taugt dazu, den Verlauf einer Epidemie in einem Land zu beobachten, für Ländervergleiche ist sie nur bedingt geeignet. Wenn in Deutschland und Österreich die Fallzahlen steigen, wird es voraussichtlich auch mehr Todesfälle geben. Und damit steigt unweigerlich auch die Zahl der Toten pro Einwohner – bis es wirkungsvolle Medikamente oder eine Impfung gibt.


Aus: "In der Schweiz sind pro Kopf dreimal so viele Menschen gestorben wie in Deutschland oder Österreich. Das sind die Gründe dafür" Lena Stallmach, Barnaby Skinner (22.04.2020)
Quelle: https://www.nzz.ch/wissenschaft/in-der-schweiz-sind-pro-kopf-dreimal-mehr-menschen-gestorben-als-in-deutschland-oder-oesterreich-das-sind-die-gruende-dafuer-ld.1552736

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #53 on: April 24, 2020, 12:14:50 PM »
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[...] Alles Panikmache?" – so lautet eine Folge der Sendung „Der fehlende Part“ von RT Deutsch, der deutschen online-Version des russischen Auslandsfernsehens RT. Sie ist mit 875.000 Abrufen der Hit von RT Deutsch auf YouTube.

Darin gibt es ein Interview mit einem Mediziner unter dem Titel „Die Epidemie, die nie da war“. In alarmierendem Tonfall spricht die Moderatorin Jasmin Kosubek von „dystopischen Maßnahmen“ und kritisiert „bisher nie dagewesenen Einschränkungen der Grundrechte in Deutschland“ und anderen Ländern.

Im Film wird gezeigt, wie die Polizei in Frankreich handgreiflich gegen Passanten auf der Straße vorgeht.

In Israel bekomme man „schnell die Handschellen“ angelegt, zwei Personen in Schutzanzügen fesseln einen auf den Boden gedrückten Bürger. Es geht weiter mit dem „Supergau für die deutsche Wirtschaft“ und dem „Tod der Restaurants“.

Diese Beispiele sind typisch für die Berichterstattung der russischen Staatsmedien in Deutschland, insbesondere von RT Deutsch und dem Nachrichtenportal Sputnik. Es wird suggeriert, dass die deutsche Regierung und die EU Krisen nicht bewältigen können. Und dass der Kollaps des Systems kurz bevorstehe.

Das war in der Flüchtlingskrise der Fall, im Fall Lisa – der angeblichen Entführung einer jungen Russlanddeutschen –, in der Brexit-Debatte. Die Corona-Pandemie wird nun ebenfalls genutzt, um mit tendenziöser und teils falscher Berichterstattung zu polarisieren.

Denn die russischen Staatsmedien in Deutschland haben eine Mission. Sie verstehen sich selbst als Waffe im Informationskrieg. Die Grundlagen dazu wurden von russischen Militärtheoretikern entworfen, als Ergänzung zu anderen Aktivitäten wie Cyberattacken und Spionage. Wie bei den „aktiven Maßnahmen“ zur Sowjetzeit soll der Gegner so beeinflusst werden, dass er seine Niederlage selbst herbeiführt.

Die Bundesregierung, insbesondere Kanzlerin Merkel, und die EU stehen wegen der Russland-Sanktionen im Zentrum der Berichterstattung der russischen Staatsmedien. Auch die Östliche Partnerschaft der EU mit der Ukraine, Georgien und andere Staaten ist dem Kreml ein Dorn im Auge.

Moskau beansprucht den postsowjetischen Raum als Sphäre privilegierter Interessen und will eine Westbindung dieser Staaten verhindern. Kein Zufall, dass die Maidan-Ereignisse in der Ukraine und deren Assoziierung mit der EU den Informationskrieg auslösten.

Wirtschaftlich erfolgreiche, demokratische Staaten in der direkten Nachbarschaft könnten in Russland einen Dominoeffekt auslösen – einen Regimewandel will Moskau deshalb verhindern.

In Deutschland will die russische Führung ihren Einfluss ausdehnen. RT Deutsch hat aktuell bei Facebook 469.000 Abonnenten, Sputnik 238.000. RT Deutsch hat damit das deutsche Portal der Deutschen Welle mit 450.000 Abonnenten überholt. Doch auch der englisch-, spanisch- und arabischsprachige Dienst von RT wird in Deutschland konsumiert. RT international in englischer Sprache ist bei fast jedem Kabel-Anbieter im Paket.

Neben Deutschland gehört die EU zu den Lieblingszielen der Kreml-Sprachrohre RT und Sputnik. So wurde ein Video der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, in dem sie zeigt, wie man sich in Corona-Zeiten richtig die Hände wäscht, als „Ausdruck der Hilflosigkeit“ und des „Versagens der EU“ beschrieben. RT Deutschs Beitrag trug den Titel „Uschis Hände – sauberes Krisenmanagement à la von der Leyen“.

Auf der anderen Seite wird bei den Sendern betont, dass Russland und China „tatkräftig“ an Italiens Seite stünden. Ausführlich wurde über die Aktion „From Russia with Love“ berichtet, als neun Militärflugzeuge Ausrüstung und Spezialisten nach Italien lieferten.

Zwar berichtete die italienische Zeitung „La Stampa“, dass 80 Prozent der Lieferung für den Kampf gegen die Corona-Pandemie unbrauchbar seien. Aber die Botschaft kam an: Russland hat die Krise im Griff und leistet sogar dem Ausland Hilfe.

Sputnik brachte beispielsweise eine Fotoreihe, wie Präsident Putin im Schutzanzug den von Corona infizierten Landsleuten zur Hilfe eilt.

Diese für die russische Führung sehr vorteilhafte Darstellung verkauft RT auf seiner Webseite als „alternative Informationsquelle jenseits des Mainstreams“ und als „Part, der sonst verschwiegen wird“. Auch Sputnik führt das Motto „Telling the Untold“ in seinem Logo.

Zweifel an dem erfolgreichen Krisenmanagement in Russland sind indes angebracht. Bis Ende März wurde die Krise in Russland offiziell geleugnet. Noch am 27. März betonte ein Kreml-Sprecher nach Angaben von BBC, dass es in Russland mit etwa 1000 Fällen „de facto keine Epidemie“ gebe.

Der Druck wuchs jedoch, selbst systemtreue Kräfte wie der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin kritisierten, dass zu wenig getestet werde. „Das reale Bild kennt keiner“, sagte Sobjanin nach einem Bericht der russischen Zeitung „Novoe Vremja“.

Als die offizielle Leugnung der Epidemie unhaltbar wurde, wandte sich Putin Ende März mit einer Videobotschaft an das Volk. Er ordnete eine arbeitsfreie Woche bei voller Lohnfortzahlung an und verlängerte diese eine Woche später bis Ende April. Unklar blieb, wer die Löhne zahlen sollte, denn die Unternehmen erhalten bislang keine finanzielle Unterstützung.

Das Verkünden unangenehmer Maßnahmen überließ Putin den Verwaltungschefs der Regionen. Ein überraschender Schritt, denn in den 21 Jahren seiner Herrschaft hat Putin ein streng zentralisiertes System geschaffen und zu selbstständige Regional-Politiker entmachtet.

So war es Moskaus Bürgermeister Sobjanin, der für die Hauptstadt eine strenge Ausgangssperre anordnete. Bis zum 17.April schnellte die Zahl der getesteten Infizierten nach Angaben von Statista auf 32000 Fälle – das ist 32-mal mehr als Ende März.

An der Darstellung von RT Deutsch und Sputnik, dass Russland die Krise im Griff hat, sind also Zweifel angebracht. Da wird dann gerne auf den rhetorischen Trick des Whataboutism zurückgegriffen, also der Ablenkung von einem Missstand mit der Frage nach Missständen auf der anderen Seite.

So werden Deutschland und andere Staaten in der Corona-Krise als repressive Regime dargestellt. Während in Russland regelmäßig Demonstranten von der Polizei niedergeknüppelt und Bürger wegen kremlkritischer Posts im Internet zu mehreren Jahren Haft wegen verurteilt werden, zeigen RT und Sputnik mit dem Finger auf Deutschland und kritisieren die Einschränkung der Rechte.

Das deutsche System wird kollabieren, so die Botschaft, während Russlands autoritärer Herrscher alles unter Kontrolle hat.

Eine Botschaft, die insbesondere bei deutschen Rechtspopulisten, Linksextremen und anderen Systemgegnern gut ankommt. Auch in der Corona Krise zeigt sich: Die Medien sind eine Waffe im Informationskrieg.




Aus: "Russische Auslandsmedien zeigen Deutschland und die EU als hilflos und repressiv" Susanne Spahn (23.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/informationskrieg-in-der-corona-krise-russische-auslandsmedien-zeigen-deutschland-und-die-eu-als-hilflos-und-repressiv/25767588.html

Quote
Zweibein 09:27 Uhr
Ja, ja, Russland hat RT etc. und Deutschland hat die Deutsche Welle. Beide hetzen im jeweils anderen Land nach Kräften. Natürlich ist es etwas völlig anderes, wenn die DW Unfug verbreitet, denn die gehört ja schließlich zu den Guten (TM). ...


Quote
679 10:26 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Zweibein 09:27 Uhr

    Ja, ja, Russland hat RT etc. und Deutschland hat die Deutsche Welle.


Die DW berichtet neutral und kritisiert auch die deutsche Regierung oder Verhältnisse Hierzulande wenn angebracht. Den Journalismus der DW mit dem schwachsinnigen Gehetze des Propagandakanal RT zu vergleichen ist daher absolut lächerlich. ...


Quote
Zweibein 11:09 Uhr
Antwort auf den Beitrag von 679 10:26 Uhr

    Die DW berichtet neutral und kritisiert auch die deutsche Regierung oder Verhältnisse Hierzulande wenn angebracht.

Das behauptet RT sicherlich auch von sich mit entsprechend umgekehrtem Vorzeichen. ...


Quote
ach 23.04.2020, 18:00 Uhr

Immer diese rätselhaften Gastbeiträge.
Gibt doch 3 oder 4 Redakteure, die einen Beitrag imit ähnlicher analytischer Durchdringung und politischer  Bewertung abliefern könnten.


Quote
a.fink 23.04.2020, 21:46 Uhr

Antwort auf den Beitrag von ach 23.04.2020, 18:00 Uhr
Warum halten Sie diesen Gastbeitrag für rätselhaft? Weil er über klar ersichtliche russische Manipulations- und Zersetzungsversuche informiert?


Quote
ach 08:52 Uhr
Antwort auf den Beitrag von a.fink 23.04.2020, 21:46 Uhr

Die Antwort auf Ihre 1. Frage stand in meinem 2. Satz.


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #54 on: April 27, 2020, 09:37:34 AM »
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[...] Wien – In einem Park im 15. Bezirk in Wien spielen vier Kinder auf dem Rasen miteinander Ball. Einem Passanten missfällt das. Er bleibt stehen und wirft der daneben stehenden Frau – sie trägt Kopftuch – böse Blicke zu. Die Frau dreht sich weg. "Wenn die alle zsammwohnen fress ich einen Besen", murmelt der Mann.

Der herrschende Ton auf den Straßen und Plätzen der Städte, in den Supermärkten und Geschäften in Zeiten des Coronavirus ist manchmal scharf. Seit der öffentliche Raum zu einem potenziell gesundheitsgefährdenden Ort geworden ist, schränken die gegen das Infektionsrisiko eingeführten Regeln des sogenannten Social Distancing die individuelle Freiheit stark ein. Das mag nötig sein, doch es fördert Unsicherheit und Stigmatisierung.

In der Stadt treffe das vor allem junge Migranten und kinderreiche, sozial schwache Familien, die Parks und freien Flächen schon in Vor-Corona-Zeiten "als verlängertes Wohnzimmer genutzt haben", sagt die Kommunikationswissenschaftlerin und Soziologin Irmtraud Voglmayr. Um den Distanzierungsvorgaben zu entsprechen, müssten sie ihr Verhalten besonders stark ändern.

Denn unterschiedliche Milieus haben unterschiedliche Zugänge zum öffentlichen Raum: Für Jugendliche aus der Arbeiterschaft, oftmals mit Migrationshintergrund, sei der öffentliche Raum einerseits Ort der Erholung von der Enge in der Wohnung zuhause, sagt der Soziologe Christoph Reinprecht. Andererseits sei er aber auch Ort der Aneignung und Sozialisation.

"Familien in kleinen Wohnungen werden weiterhin rausgehen – müssen", sagt Reinprecht. Ihr Problem sei dann weniger die Furcht vor sozialer Nähe und die Angst vor dem Virus, sondern das Überschreiten von Regeln, die von den Sicherheitsbehörden eingemahnt werden.

Andere wiederum würden nun die Orte der Zerstreuung vermissen. Ihnen fehlten die soziale Vernetzung in Beisln und Lokalen – während die Angst vor polizeilichem Eingreifen für sie nicht im Fokus stehe. Wie Geselligkeit im öffentlichen Raum erlebt werde, unterscheide sich milieubezogen eben sehr stark, sagt Reinprecht. Diesen Schichten, die sich das Ausgehen und Einkehren ökonomisch leisten können, gehe es nicht um einen Platz, an dem man der engen Wohnung ausweichen kann. Sondern, so Reinprecht, etwa um den Genuss beim Café Latte am samstäglichen Wochenmarkt.

Dort jedoch hat die Gastroszene seit Wochen geschlossen, nur mehr die Lebensmittelstandeln dürfen offen halten. Niemand kommt mehr, um ausgedehnt zu brunchen. Daher hat sich auch die Atmosphäre verändert. Der Großteil der Anwesenden trägt Maske, Eltern sind damit beschäftigt, ihre Kinder möglichst nahe bei sich zu halten.

Verunsicherung und Angst enstünden in diesem Zusammenhang immer dann, wenn eigentlich erwartet werde, dass der öffentliche Raum eine entspannende Atmosphäre ausstrahlen soll, sagt Reinprecht. Das betreffe vor allem Gruppen mit einem "erlebnisorientierten Zugang". "Wir bewegen uns jetzt anders in der Stadt – etwa so, wie wenn wir sonst in Stadtviertel kommen, die wir nicht kennen und wo wir uns sozial nicht ganz sicher fühlen. Wo wir uns als Eindringlinge vorkommen: Dort passt man auf, man beobachtet, wie andere reagieren oder ob man schief angeschaut wird."

Und es gibt Gruppen, die tatsächlich verstärkt kritisch beäugt werden. Eine Szene aus einem Geschäft in der Linzer Innenstadt: Eine ältere Dame wartet darauf, bedient zu werden. Sie trägt Mundschutz und achtet aufs Distanzhalten – doch jemandem in der Schlange reicht das nicht: "Jetzt san die Alten schon wieder am Nachmittag statt in der Früh einkaufen!", beschwert sich eine Frau halblaut.

Die aktuelle Stimmung treffe die gesamte ältere Generation in einer davor ungeahnten Radikalität, sagt Soziologin Voglmayr. Auch ohne altersspezifische Ausgangsverbote würden in der Öffentlichkeit sichtbare ältere Menschen nun von vielen als Skandal empfunden.

Vorbei die Zeiten, in denen man gesund gebliebene sogenannte "junge Alte" – aktive Menschen zwischen 60 und 75 Jahren – umwarb: Das laut Medizinern vor allem ab 65 Jahren stark steigende Risiko, an Covid-19 zu sterben führe zu einer uniformen Sichtweise und einem "tendenziellen Verschwinden der Alten aus dem Stadtraum", sagt Voglmayr. Dasselbe gelte für behinderte Menschen.

Das aber führe zu einer sozialen Spaltung zwischen Alt und Jung und blende die Potenziale der Alten aus. Alte Menschen seien auf diesen Bewegungsraum angewiesen, grobe Mobilitätsinschränkungen bedeuteten Passivität, Isolation und Verfall. Mit dem Wiederaufflammen der Altenfeindlichkeit würden so alle Diversittsbemühungen zunichte gemacht.

Auch laut Reinprecht ist eine der Schlüsselfragen, wie verhindert werden kann, dass durch das Social Distancing Vereinsamung und Vereinzelung entstehen. Der Rückzug von Risikogruppen berge große Gefahren,denn im öffentlichen Raum baue man normalerweise soziale Beziehungen auf, auch wenn diese zufällig zustande kommen. Dass derzeit kaum über Begleitmaßnahmen zum Social Distancing diskutiert werde, sei ein großes Problem.

Denn die Qualität des öffentlichen Raums liege in seiner Heterogenität. Ahnlich wie in der Schule treffen dort Menschen aufeinander, die ansonsten kaum zusammenkommen. "Das ermöglicht Begegnungen, die in einem Dorf oder einer Gated Community nicht möglich wären", sagt Reinprecht.

Insofern sei der öffentliche Raum zwangsläufig mit vielfältigem, städtischem Leben verbunden. Doch das produktive Chaos, das urbane Gebiete vor Corona trotz fortschreitender Kommerzialisierung an vielen Stellen auszeichnete, ist nun für längere Zeit dahin. Wer sich draußen aufhalten darf und wer nicht wird derzeit in aller Strenge neu ausverhandelt. (Irene Brickner, Vanessa Gaigg, 26.4.2020)


Aus: "Corona: Für Arme und Alte ist die Stadt ein verbotener Ort" Vanessa Gaigg, Irene Brickner (27. April 2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000117050689/fuer-arme-und-alte-ist-die-stadt-ein-verbotener-ort

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msk_at

Diese Stimmung in der Gesellschaft darf sich die Regierung mit ihrer Panikmache auf die Fahnen schreiben.
In einer Stadt von über 2 Millionen gibt es 450 Infizierte und die Menschen fürchten sich vor Buslenker und vor Joggern. Da kannst echt nur noch den Kopf schütteln.


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DerAllesWisser

Ich erlebe schon Anfeindungen, weil ich mich an die Maßnahmen halte! Leute, die unmittelbar vor der Haustüre tratschen und mir sagen, ich soll mich nicht so anstellen und gefälligst vorbeizwängen ... Wir haben durch die Einschränkungen mehr Freiheiten als wenn uns die Pandemie ungebremst getroffen hätte. Dann würde sich nämlich aus Angst vor Ansteckung niemand mehr raus trauen - ganz besonders die Senioren nicht. Diese Einsicht vermisse ich in all diesen Diskussionen.


Quote
ReinerAlex

Mein Fazit: Lasst euch nicht unterkriegen! - Sonnenschein, Bewegung, Freude sind ganz wichtige Stützen für das Immunsystem. Und das braucht es eben auch, um ein solches Virus zu bekämpfen.
Das - nicht wenige - versuchen, im Zuge dessen, Freiheitsrechte einzuschränken, muss man sich ja nicht gefallen lassen.


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DerAllesWisser

Also, wenn ich schau, was bei uns in Favoriten in den Parks los ist, kann ich das absolut nicht nachvollziehen. Da war in den ersten Tagen noch etwas Zurückhaltung aber jetzt ist an jedem schönen Tag so viel los wie früher an einem Sonntag.
Gestern eine Gruppe von 5 Paaren mit Kindern eng zusammen, haben sogar noch Gruppenfotos gemacht. Eine andere Partie, 4 Paare plus Kinder, hat Blinde Kuh und Bockspringen gespielt, anschließende Umarmungen inklusive.


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Mein Sohn heißt ebenfalls BORT

Gleich anzeigen gell? ....


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submarino

Ein Skandal!!! Da haben welche "Blinde Kuh" gespielt.


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Schweinsbratenfan

Hier ist leider das Land der durchgedrehten Blockwarte.


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AndiSt

Sollte öfter sein, dass sich Leute unsicher fühlen. Die Leute sollten sich im öffentlichen Raum öfter unsicher fühlen. Dann würden sie sich dort nicht so aufführen was Lärm, Verschmutzung un Zerstörung betrifft. Bei uns sind sehr auffällig seit Corona diese Schmierereien an den Wänden zurückgegangen.


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veit.hell

Das mit den Schmierereien glaube ich sofort, da ja die älteren Herrschaften zwischenzeitlich mehr zu Hause sind und nicht mehr in den Parks herumlungern.


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #55 on: April 27, 2020, 03:45:19 PM »
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[...] Ist das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit ein absoluter Wert? Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble verneint das. Im Gespräch mit dem  Tagesspiegel sagt er: „Wenn ich höre, alles andere habe vor dem Schutz von Leben zurückzutreten, dann muss ich sagen: Das ist in dieser Absolutheit nicht richtig. Grundrechte beschränken sich gegenseitig.“

Aus seiner These, der Schutz von Leben sei nur ein relativer Wert, leitet Schäuble eine nur relative Pflicht des Staates ab, Leben zu retten und zu schützen. Das gelte aktuell vor allem in der Corona-Eindämmungspolitik.

Schäubles Argumentation erinnert an seine vehemente Kritik, damals als Bundesinnenminister, an einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Dabei ging es, im Nachgang zu den Terroranschlägen vom 11. September 2001, um die Frage, ob ein Passagierflugzeug abgeschossen werden darf, das Terroristen entführt haben und auf ein ziviles Ziel lenken. Haben die an Bord befindlichen Passagiere ihr Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit verwirkt?

Das Bundesverfassungsgericht sagte klar: Nein! Dieses Recht könne den Passagieren bis zu ihrem Tode nicht genommen werden. Eine Abwägung „Leben gegen Leben“ verstoße gegen das Grundgesetz. Der Staat dürfe niemanden ermächtigen, Menschen zu opfern, um möglicherweise mehr Menschen zu retten.

Schäuble dagegen berief sich auf das Genfer Abkommen über den Schutz der Opfer bewaffneter Konflikte. Das verbiete nur Angriffe, die in keinem vertretbaren Verhältnis zu den erwarteten militärischen Vorteilen stünden. Das Prinzip der Verhältnismäßigkeit bleibe aber gewahrt, wenn zur Vermeidung einer noch größeren Katastrophe wie bei einem Terroranschlag durch ein Flugzeug die entführte Passagiermaschine abgeschossen würde. Der Tod unschuldiger Menschen sei in einem solchen Fall zu akzeptieren.

Leidenschaftlich und ausdauernd setzte sich Schäuble – wegen des eindeutigen Urteils des Bundesverfassungsgerichts – für eine Grundgesetzänderung ein, die den Abschuss entführter Passagierflugzeuge doch noch erlauben würde.

Schließlich griff der damalige Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Hans-Jürgen Papier, in die Debatte ein und warnte Schäuble, seine Pläne weiter zu verfolgen. Die „Menschenwürdegarantie“ könne „selbst durch eine Verfassungsänderung nicht eingeschränkt werden“, sagte Papier.

Es gibt Extremsituationen, in denen Menschen nicht handeln können, ohne sich schuldig zu machen. Bestimmte Dinge, wie Folter und Mord, sollen unter allen Umständen verboten sein, die physische Unversehrtheit immer gewahrt werden. Aber manchmal kollidiert die Rettungspflicht gegenüber den einen mit der Schutzpflicht für die anderen.

Im September 2002 entführte Magnus Gäfgen den damals elfjährigen Jakob von Metzler. Er lockte ihn in seine Wohnung und erwürgte ihn. Gäfgen wurde gefasst, schwieg aber.

Am Abend des dritten Tages nach der Entführung wurde dem dringend Tatverdächtigen von Polizeivizepräsident Wolfgang Daschner Gewalt angedroht, damit er den Aufenthaltsort des Kindes nennt. Für diese Drohung wurde Daschner später verurteilt. Vertreter des Staates dürfen weder foltern noch Folter androhen.

Ein Gemeinwesen muss an der absolut geltenden Schutzpflicht für Menschen ebenso festhalten wie am absolut geltenden Folter- und Tötungsverbot. Das schließt nicht aus, dass in Extremsituationen in Abwägung von Prinzip und Konsequenz Entscheidungen getroffen werden, die gegen die Prinzipien verstoßen. Dann müssen die Handelnden Verantwortung übernehmen, ohne auf Absolution spekulieren zu dürfen.

Um es paradox zu formulieren: Wenn ein Verteidigungsminister fragt, ob er ein von Terroristen gekapertes Passagierflugzeug äußerstenfalls abschießen darf, muss die Antwort der Öffentlichkeit „Nein“ lauten. Wenn er es trotzdem tut – und dafür einsteht -, zollen ihm viele womöglich Respekt.

Wenn ein Polizeibeamter fragt, ob er in einer verzweifelten Lage durch Androhung von Folter herausfinden darf, wo ein entführtes Kind versteckt gehalten wird, muss die Antwort „Nein“ lauten. Wenn er es trotzdem tut – und dafür einsteht -, kann er zum Helden werden.

Auch in der Coronakrise muss abgewogen werden. Nur ein Narr würde das bestreiten. Aber die Diskussion muss geführt werden, ohne dass die absolute Geltung von Grundrechten infrage gestellt wird. Wie viele gerettete Covid-19-Erkrankte rechtfertigen eine Maskenpflicht? Wie viele rechtfertigen eine Zunahme der Arbeitslosigkeit? Solche Debatten erzeugen mehr Verletzungen, als sie an Klarheit produzieren.

Eine große Zumutung der Coronakrise besteht darin, dass sie die Verantwortlichen in moralische Dilemmata stürzt. Keiner von ihnen will mutwillig die Wirtschaft ruinieren, damit ein paar mehr Intensivbetreuungsbetten frei werden. Aber es ist ein Unterschied, ob in die Abwägungen bestimmte Gewichtungsaspekte einfließen, oder ob öffentlich Werte relativiert werden, um Gewichtungen vornehmen zu können.

Wenn Wolfgang Schäuble fragt, ob der Schutz des Lebens ein absoluter Wert ist, muss die Antwort „Ja“ lauten. Wenn er in Abwägungsdebatten in sein Urteil auch andere Grundrechte einbezieht, tut er das aus eigener Verantwortung. Er darf auf Absolution dafür hoffen, er darf sie aber nicht einfordern.


Aus: "Wolfgang Schäuble meint das Richtige, sagt aber das Falsche" Malte Lehming (27.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/ist-der-schutz-des-lebens-ein-absoluter-wert-wolfgang-schaeuble-meint-das-richtige-sagt-aber-das-falsche-/25777154.html

Quote
Malafide 15:23 Uhr

Du gute Güte!

Ich bin mir sicher, dass Lehming nicht erst darauf hingewiesen werden muss, dass das, was er da "zusammengeschrieben" hat - mit Verlaub - Stuss ist. Es entbehrt jeder vernünftigen Grundlage.

Nicht von Ungefähr versucht Lehming einen kläglichen Rettungsversuch auf dem Feld von Terror, Krieg und vorsätzlicher Tötungsabsicht, um sowohl Schäubles moralisch-ethische Entgleisung, als auch dessen Relativierung unseres Grundgesetzes schönzureden.

Der Fall Schäuble hat mich sofort an die "Jenniger-Rede" erinnert. Und, tut mir leid, aber der hilflose Versuch Lehmings aus Schäubles Entgleisung ein positives Narrativ zu konstruieren, macht die Sache wirklich icht besser - ganz im Gegenteil wirkt es problemverstärkend, da beim Llesen durch alle Ritzen, respektive Zeilen seines Kommentars ein eiskalter und ungemütlicher Wind durchpfeift und eine Grundwärme sich einfach nicht einstellen will, nicht einstellen kann, weil man Fakten nicht beliebig umdeuten kann.


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eismann872 15:19 Uhr

Ich denke,mit körperlicher Unversehrtheit kann die Ansteckung mit Viruskrankheiten nur äußerst bedingt gemeint sein.
Sonst könnte ich bei jeder Grippe oder jeder anderen beliebigen Viruserkrankung den Staat auf Schadensersatz verklagen, da er mich nicht vor einer Ansteckung geschützt hat.
Sollte er mich nur ab einer bestimmten Todesrate schützen müssen, wäre diese noch festzulegen. Eine Diskussion, die meiner Meinung nach geführt werden muss.


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Pedro_Garcia 14:59 Uhr

... Wer den absoluten Schutz des Lebens befürwortet, muss auch Auto fahren verbieten, denn auch da sterben Menschen und jeder weiß das. Das selbe gilt mit Luftgrenzwerten und vileen anderen Dingen die direkt oder indirekt Menschenleben kosten, aber zu Gunsten von anderen Dingen akzeptiert werden. Grippe tötet, Masern töten und auch Corona wird weiterhin töten, wahrscheinlich selbst dann noch, wenn es schon einen Impfstoff gibt.


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #56 on: April 28, 2020, 09:23:46 AM »
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[...] Der in der Corona-Krise viel in den Medien präsente Virologe Christian Drosten wird nach eigenen Angaben mit dem Tod bedroht. Für viele Deutsche sei er "der Böse, der die Wirtschaft lahmlege", sagte der Berliner Wissenschaftler in einem Interview der britischen Zeitung The Guardian. Er leite die Drohungen an die Polizei weiter. Nachts wach hielten ihn allerdings vielmehr die E-Mails von Eltern, die ihm von ihren Sorgen vor der Zukunft berichteten.

 Der Experte für Coronaviren hatte schon vor einiger Zeit in seinem NDR-Podcast berichtet, dass er Hassbotschaften bekomme. In dem Guardian-Interview spricht er von einem "Präventionsparadox" in Deutschland: Die Menschen sähen, dass die Krankenhäuser die Lage bewältigen können und hätten daher kein Verständnis für die Geschäftsschließungen. Der Blick auf die Lage in stark von Sars-CoV-2 betroffenen Regionen wie New York oder Spanien fehle.

Aus Sicht Drostens sind es gerade die frühzeitig getroffenen Maßnahmen, die hierzulande Schlimmeres verhindert haben. Er warnte zuletzt vor Rückschlägen im Kampf gegen das neue Virus bei einem zu sorglosen Umgang mit dem Erreger: Es drohe eine zweite, schlimmere Infektionswelle.


Aus: "Morddrohungen gegen Virologe Christian Drosten" (27. April 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/2020-04/corona-krise-christian-drosten-morddrohungen

Quote
Der_Puderant #5

Welche Psychopathen machen so etwas bitte? Erschütternd. ...


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polarapfel #4

Dieser Sachverhalt ist ein mahnendes Beispiel dafür, dass sich die Menschheit immer noch nicht ausreichend an die Aufklärung angenähert hat. Handeln, abgeleitet aus Vernunft und Vernunft, abgeleitet aus Wissenschaft sollten 2020 eine Selbstverständlichkeit sein - tatsächlich ist das nicht der Fall. ...


Quote
Make Techno great again #4.4

Wenn weiterhin so viele Internetnutzer zu Anhängern der abstrusen Verschwörungstheorien werden und sich dann als "Querdenker" bezeichnen, die "den Mut haben", anders als der "Mainstream" zu denken und sich "ihres eigenen Verstandes zu bedienen" (obwohl sie gerade das eben nicht tun), und sich als Erleuchtete unter den "schlafenden Schäfchen" fühlen, wird das mit der Aufklärung der Menschheit auch in Zukunft nichts.


Quote
Moutzel #15

Es ist ganz klar. Erst müssen die Todeszahlen hoch gehen, dann kapiert auch der Dümmste den Zusammenhang. Was man nicht sehen kann, verstehen viele eben nicht.


Quote
Klaviermann #15.1

Das möchte ich leider bezweifeln. Die USA sind das erschreckende Beispiel dafür, und hierzulande können viele aus einem Vergleich zwischen Deutschland und den USA nicht die richtigen Schlüsse ableiten. ...


Quote
Frau. Huber #17

Das ist wieder mal der klassische Reflex, zu hoffen, dass man die Botschaft los wird, wenn man den Boten los wird. Also eine Unfähigkeit, die Botschaft vom Boten zu abstrahieren. Normalerweise können Menschen das spätestens mit 12 Jahren, aber es gibt immer auch Leute, die diese Fähigkeit nicht entwickeln. ...


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #57 on: April 28, 2020, 04:10:47 PM »
Quote
[...] Der Grünen-Politiker Boris Palmer hat den weltweiten Lockdown der Wirtschaft wegen der Corona-Krise erneut scharf kritisiert. „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einen halben Jahr sowieso tot wären - aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen“, sagte der Tübinger Oberbürgermeister am Dienstag im Sat.1-Frühstücksfernsehen.

Der Armutsschock, der aus der weltweiten Zerstörung der Wirtschaft entstehe, bringe nach Einschätzung der Vereinten Nationen hingegen Millionen Kinder ums Leben.

„Wenn Sie die Todeszahlen durch Corona anschauen, dann ist es bei vielen so, dass viele Menschen über 80 sterben - und wir wissen, über 80 sterben die meisten irgendwann“, sagte Palmer. Er empfahl in der Fernsehsendung darüber hinaus, alle verfügbaren Testkapazitäten einzusetzen, und sprach sich - anders als seine Partei - für eine verpflichtende Handyapp aus, die Infektionen nachverfolgt.

Palmer hatte schon früher die Politik zur Corona-Eindämmung kritisiert und für strenge Quarantänemaßnahmen für Risikogruppen sowie eine rasche Öffnung der restlichen Gesellschaft plädiert. „Es wäre ein neuer Generationenvertrag, bei dem die Jüngeren arbeiten gehen, die Infektion auf sich nehmen, während die Älteren und Kranken auf soziale Kontakte verzichten“, sagte der Grünen-Politiker der „tageszeitung“ Anfang April.

Für alle, die nicht zur Risikogruppe gehörten, könnte man dann schrittweise die Ausgangsbeschränkungen wieder lockern. „Natürlich nicht zurück zur völligen Normalität mit Bundesligaspielen und verschwitzten Disco-Partys“, sagte Palmer. Das Ziel wäre, das Wirtschaftsleben halbwegs zu normalisieren, so dass die Leute wieder arbeiten gehen können, aber keinen ungeschützten Kontakt mehr mit der Risikogruppe haben.

Er wüsste nicht, warum die Isolation von mindestens 16 Millionen Seniorinnen und Senioren schwieriger sein sollte „als drei Monate Shutdown für alle“, sagte der Tübinger Oberbürgermeister: „Wenn die Regierung es für denkbar hält, 700 Milliarden Euro zu verbrennen, weil die Wirtschaft ruht, ist es dann nicht vorstellbar, für vielleicht zehn Prozent der Kosten eine optimale Versorgung der Alten und Kranken auf die Beine zu stellen?“

Auch ethisch sei sein Konzept vertretbar, selbst wenn auch einzelne Gesunde durch eine Infektion in Lebensgefahr geraten könnten, sagte Palmer. Man müsse jetzt die richtigen Konsequenzen aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen ziehen. „Sich streng an Daten und Fakten zu halten, rettet mehr Leben, als wenn man die eigene Moralität hochhält“, sagte der Grünen-Politiker. (AFP, epd)


Aus: "Boris Palmer zur Coronakrise „Wir retten möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären“" (28.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/boris-palmer-zur-coronakrise-wir-retten-moeglicherweise-menschen-die-in-einem-halben-jahr-sowieso-tot-waeren/25782926.html

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Seriamente 15:27 Uhr

Als Grüner schäme ich mich einmal für Herrn Palmer und seine unsägliche Auslassungen. Ich verstehe nicht, warum dieser Mensch noch Teil unserer Partei ist und nicht längst zur AfD gewechselt ist, wo er ideologisch meiner Ansicht nach hingehört. ...


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minimal 15:23 Uhr
Der baden-württembergische FDP-Vorsitzende Michael Theurer reagierte empört auf Palmers Äußerung: «Ich rate Boris Palmer dringend, sich zu entschuldigen und diese Äußerung zurückzunehmen. Er ist nicht nur wie sonst manchmal über das Ziel hinausgeschossen, sondern erheblich entgleist.»

Und der Direktor des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm, Dietrich Rothenbacher, betonte, dass es auch bei jüngeren Erwachsenen schwere Verläufe einer
Covid-19-Erkrankung gebe. Laut einer Studie aus China starben in einer Patientengruppe von 35- bis 58-Jährigen 8,1 Prozent. «Die Gefährlichkeit einer Erkrankung kann auch nicht nur an der Zahl der absoluten Todesfälle festgemacht werden, sondern in der Tat sollte die Anzahl der verlorenen Lebensjahre benannt werden», teilte Rothenbacher mit. Diese Zahlen gebe es für Covid-19 noch nicht.


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elg 15:40 Uhr

Antwort auf den Beitrag von minimal 15:23 Uhr - Das kann gar nicht oft genug gesagt werden wird viel zu wenig behypt: Es geht nicht nur um die Alten, die sterben, es geht um schwere Verläufe und übrigens offenbar auch schwere Folgeschäden auch bei vielen jungen Menschen!

Die Äußerungen von Palmer sind unsachlich und nicht fundiert und nicht konstruktiv, im Gegenteil: Solche Äußerungen sind nicht nur unsensibel, unverschämt sonder hoch gefährlich, denn: Ddas gibt dem nun wieder zunehmenden leichtsinnigen Verhalten  und damit der nächste Welle an Infektionen Vorschub!  ...


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Oblomow 15:11 Uhr
Corona ist ein Virus. Und Ideologie ist auch eines. In meinem Heimatdorf hat die SS im April 45 noch zwei Brücken gesprengt, um zu verhindern, dass amerikanische Panzer mal darüber fahren. Meinen Kindern habe ich immer erklärt, dass sie sich vor Ideologen  hüten müssen. Palmer ist ein Ideologe.


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herjeh 15:08 Uhr
Herr Palmer, Sie sind OB für ALLE in Ihrer Stadt, nicht nur für die Jungen.
Wieso wollen Sie bestimmen, wann gestorben werden soll, wer sterben soll ? Wieso sind Sie so anmaßend.
Übrigens: Auch der Markt hat nicht zu bestimmen wann ich sterbe!


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MarkusAurelius 14:59 Uhr
Wolfgang Schäuble, Boris Palmer - empathielose Gesellen, deren hanebüchene Ansichten eine Perversion des Weber’schen Konzepts des Verantwortungspolitikers darstellen.

Um mal Oskar Lafontaine zu paraphrasieren: Die Fähigkeit auch das menschliche Sein einer Kosten- Nutzen Analyse zu unterwerfen, ist eine Sekundärtugend mit der man auch ein Konzentrationslager leiten könnte.


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DasIstNurIhreMeinung 15:32 Uhr
Antwort auf den Beitrag von MarkusAurelius 14:59 Uhr

... Verantwortung übernehmen heißt nun mal das Abwägen von mögliche Konsequenzen.


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gehirnstein 14:44 Uhr

Herr Palmer, warum nicht schon Leute ab 65? Das ist viel besser für den Generationenvertrag, jedenfalls für die jüngeren um die sie sich sorgen.


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Andy12207 14:43 Uhr

Herr Palmer bringt mal wieder neuen Schwung in die Diskussion. Und alle, die jetzt als Politiker sagen, wir müssen an die anderen denken, Leben retten. Wo sind alle diese Politiker (europaweit), als es darum ging Flüchtlngsleben zu retten. Oder Kinder auf der Welt vor dem Hungertod zu retten ? Da hat keiner in seinem Land (Europa) laut geschrien oder laut genug gerufen, wir müssen Leben retten.



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Eunike 14:36 Uhr

    „Ich sage es Ihnen mal ganz brutal: Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einen halben Jahr sowieso tot wären -
    aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankungen“

Dann könnte man auch ganz allgemein fragen: Warum kümmern wir uns überhaupt noch um Kranke, Behinderte, Alte? Es wäre doch viel weitsichtiger und billiger, wir würden die Menschen mit Zukunft unterstützen: die Jungen, Starken, Gesunden, Erfolgreichen. Das wäre auch das Gesetz der Natur: der Stärkere setzt sich durch. Zum Glück lebe ich in einem Land, in dem die christlichen Wurzeln noch nicht ganz in Vergessenheit geraten sind. Denn sich um die Schwachen kümmern, das ist ja ein wichtiger Teil der christlichen Botschaft.

"Der Armutsschock, der aus der weltweiten Zerstörung der Wirtschaft entstehe, bringe nach Einschätzung der Vereinten Nationen hingegen Millionen Kinder ums Leben."

Jeder verantwortungsbewusste Politiker will und MUSS natürlich gerade in Notzeiten erst einmal für sein eigenes Land sorgen - dazu wurde er schließlich gewählt! In dieser Verantwortung stehen übrigens auch die Politiker in den ärmeren Teilen der Welt.


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klaus27 15:20 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Eunike 14:36 Uhr

Gegen den weltweiten Armutsschock in weiten Teilen von Asien, Südamerika und Afrika und teilweise sogar im eigenen Land mit steigender Obdachlosigkeit, den wir seit Jahrzehnten mit dem Neoliberalismus erleben, kümmern wir uns einen Dreck, aber jetzt wird er in Stellung gebracht gegen eine einzelne Bevölkerungsgruppe, heute die Senioren über 80 und morgen dann, na gegen wen wohl. Zur Zeit laufen Dokumentationen über die Vernichtung sogenannten unwerten Lebens in der Nazizeit. ...


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asgeyr 15:29 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Eunike 14:36 Uhr

Ihr Kommentar ist Satire, oder? Sie erfreuen sich an dem Mitgefühl und den christlichen Werten Ihres Landes, wischen dann das Argument von Palmer bzgl. der mglw. Millionen von Kindern die in Folge der unzweifelhaft sich verschärfenden Armut sterben werden, mit Argument weg, dass man nur auf sein eigenes Land schauen sollte? Genau mein Humor!


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guyana07 14:24 Uhr

Entspricht zu 100% dem Klischee vom Schwaben in Reinkultur - widerlich.


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crossoverhill 14:03 Uhr

Palmers Populismus führt ihn an das Ende des Hufeisens, wo es leicht ist, seine Hand nach den anderen Ende auszustrecken, das von der AfD besetzt ist.
Die Grünen täten gut daran, ihm den Austritt aus der Partei nahezulegen oder ihn - bei zu erwartender Aufsässigkeit - rauszuwerfen.
Er kann dann ja mit Lucke. Petry, Fiechtner, Naidoo und Dittfurth eine populistische Sammlungspartei gründen.
Aus der Kategorie "linksgrünversifft" fällt er schon mal raus!


...

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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #58 on: April 29, 2020, 10:52:12 AM »
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[...] Wolfgang Schäuble hat dem Tagesspiegel ein weithin beachtetes Interview gegeben, in dem er eine verfassungsrechtliche Betrachtung der Corona-Politik mit einer sehr persönlichen Sicht verbindet. [https://www.tagesspiegel.de/politik/bundestagspraesident-zur-corona-krise-schaeuble-will-dem-schutz-des-lebens-nicht-alles-unterordnen/25770466.html]

... Angesichts vorerst leer gebliebener Krankenhausbetten und wechselnder wissenschaftlicher Einsichten wird der Ruf nach mehr Freiheit und Rückkehr in den Alltag lauter.

Menschen verlieren ihre Existenzgrundlagen, Firmen rutschen in die Pleite; die Situation in Familien einschließlich Alleinerziehender ist mitunter desolat. Zugleich werden mit Erfolg rechtsstaatliche Prinzipien eingefordert. Gut gemeint genügt nicht mehr, wie der gerichtliche Streit um die willkürlich gezogene Grenze für Geschäftsflächen im Einzelhandel belegt.

Eine gefährliche Situation? Unbedingt. Sie ereignet sich im Vordergrund eines Pandemieverlaufs, den derzeit niemand abschätzen kann. Der nächste erzwungene Stillstand könnte noch viel teurer werden als der erste. Gefährlich ist aber auch eine andere Situation: Der Lockdown spaltet.

Rentner oder Beschäftigte im Staatsdienst können gelassener sein, während andere um ihr Einkommen kämpfen; viele Ärmere werden ärmer, während nur die allerwenigsten reicher werden. Die Kosten einer globalen Rezession sind nicht annähernd eingepreist. Kommt es schlecht, wird es katastrophal.

Schäuble, das deuten seine Worte an, sieht die deutsche Debatte auf dem Weg in die Correctness-Falle. Wie in der Flüchtlingskrise, als anfangs kaum eine Ansicht akzeptiert war außer der humanitären, stellt sich auch jetzt eine bisher ungern ausgesprochene Frage: Welches Maß an Menschlichkeit können wir, welches wollen wir uns leisten?

Und zwar nicht nur gegenüber potenziell gesundheitlich besonders Betroffenen, sondern auch gegenüber jenen, die unter den gegenwärtigen Bedingungen anders leiden als Corona-Patienten im Krankenhaus?

Szenen wie in Bergamo darf es nicht geben. Doch wenn sie unwahrscheinlich werden, sind Mittel zu erwägen und in Relation zu stellen, die mit einem Fortdauern oder sogar einem möglichen Wiederanstieg des Infektionsgeschehens kalkulieren. Einschließlich der gesundheitlichen Folgen für alle.

Das erscheint kaltherzig, doch solche Positionen möchte ein Politiker wie Schäuble vernünftigerweise anklingen lassen, bevor andere sie besetzen.

Namentlich die AfD, deren Chef Gauland fordert, das Corona-Management schon jetzt den Bürgern zu überlassen. Das ist Irrsinn. Doch wahr bleibt: Für Gefährdete wird es wieder gefährlicher werden in den kommenden Monaten. Es geht nicht anders.


Aus: "Schäubles Einlassungen zu Corona: Einer muss es mal sagen" Ein Kommentar von Jost Müller-Neuhof (29.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/schaeubles-einlassungen-zu-corona-einer-muss-es-mal-sagen/25784932.html

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ach 09:21 Uhr

    Einer muss es mal sagen

Hat doch Boris Palmer gemacht.


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MaerkerinderMark 08:12 Uhr

Herr Schäuble spricht einen extrem wunden Punkt der deutschen Politik an - nämlich das Beziehen absoluter Standpunkte und deren Verteidigung hin bis zur Starrsinnigkeit.


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derdasowo 07:57 Uhr

Wolfgang Schäuble ist ein schönes Kontrastprogramm zu Boris Palmer. Das liegt wohl an dem Unterschied Bundespolitiker vs. Lokalpolitiker
Die Politik hat doch schon längst entschieden, dass wir weder auf Herdenimmunität, noch auf Virusaustrocknung setzen.

Heute klagen die, deren Grundrechte zu sehr eingeschränkt wurden. Morgen werden es die Risikogruppen sein, weil der Staat ihr Leben nicht angemessen schützt.
Diese Diskussion wird uns noch lange beschäftigen.


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WOLF-L 07:42 Uhr

Um einen kleinen Teil der Bevölkerung (mich eingeschlossen) zu retten, wird ein großer Teil der Bevölkerung (wirtschaftlich) vernichtet! Ist das gerecht????
Merkels Popularität wächst (enorm), mal  sehen, wie es ausschaut, wenn in Monaten das Volk aus der Starre, in einer Wirtschaftswüste, erwacht.....


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thoughts 10:05 Uhr
Antwort auf den Beitrag von WOLF-L 07:42 Uhr

Der Unterschied zwischen Leben und Geld ist Ihnen aber bewusst?


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Paul_Kalbautzke 07:39 Uhr

Die "Correctness-Falle" und "Einer muss es mal sagen".
Klingt jetzt schon etwas nach, "wird man ja noch sagen dürfen".  ...


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Prenzlbaer 07:30 Uhr

Ich bin sehr froh, dass mit Herrn Schäuble endlich einmal ein hochrangiger Politiker etwas gegen die hypermoralische Hysterie gesagt hat, die uns alle wirtschaftlich vernichten kann und die jeden Tag neue Trittbrettfahrer bekommt.


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thoughts 09:59 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Prenzlbaer 07:30 Uhr

Als (hyper)moralisch kann man Koffer-Schäuble wirklich nicht bezeichnen.

Aber eigentlich habe ich eine andere Frage. Alle sagen, der Lockdown schadet der Wirtschaft (das ist sicher auch richtig) und das kann ja auch Menschenleben kosten.
Was ist denn mit dem Argument, dass mehr Corona-Tote ja auch eine erhöhte Belastung für die Wirtschaft bedeuten kann? Dann hat man erst mehr Tote, dann trotzdem eine schlechte Wirtschaft und daraus (wenn das erste Argument stimmt) nochmals mehr Tote. Was ist dann gewonnen?


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Zweiglein 07:22 Uhr

Herr Schäuble spricht den jammernden Deutschen aus der Seele! Wenn man bedenkt, wie streng die Auflagen in unseren Nachbarländern waren, Italien, Spanien, Frankreich, war das doch hier ein Spaziergang dagegen! Und es waren nur ein paar Wochen, nicht Monate...!


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Adur 07:20 Uhr

Mich ärgert das seit Wochen, dass die Diskussion eigentlich nur nach dem Motto geführt wurde "Wenn du die Oma retten willst, dann hältst du gefälligst die Klappe und machst alles mit".
Wir kommen endlich langsam dahin, dass die negativen Folgen eines Lockdowns auch bedacht und abgeschätzt werden. Und zwar auch nicht nur im Hinblick auf wirtschaftliche Probleme, sondern beispielsweise auch in Bezug auf verschobene Operationen (Krebs, Herz etc.), auf verpasste Vorsorgeuntersuchungen, natürlich auch auf mögliche Suizide wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten. Und neuerdings auch die möglichen Folgen der Vereinsamung alter Menschen.
Eine eingeengte Debatte, die hier immer nur das einseitige Recht auf Leben der Coronagefährdeten sieht, wie das zum Beispiel in dem äußerst platten Spruch von Herrn Kretschmann zum Ausdruck kam (sinngemäß: Die anderen Grundrechte müssen im Vergleich zum Recht auf Leben zurücktreten), hilft da auf Dauer nicht weiter. Mal abgesehen davon, dass er sich da die Messlatte auch bei anderen Sachen ziemlich hoch legt und dann auch mit massivsten Mitteln und Einschränkungen dafür sorgen müsste, dass wir keine 20.000 Toten durch Krankenhauskeime, keine 100.000 Toten durch Alkohol, keine 70.000 Toten durch Rauchen usw, haben.
Herr Schäuble hat richtigerweise erkannt, dass wir alle irgendwann sterben müssen. Der Staat hat die Pflicht, den Menschen die bestmögliche Versorgung zu bieten und sie zu schützen (z.B. mit besserer Ausstattung des Pflegepersonals in Seniorenheimen, mehr Tests bei Risikopatienten, besseren Konzepten für Quarantänemaßnahmen in diesem Bereich). Aber er wird immer beim Versuch scheitern, den Tod zu verhindern.


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derdasowo 09:49 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Devid 08:49 Uhr

    mit welcher Vehemenz das "argumentiert" wird

Leider ist das so … von beiden Richtungen aus.

Ihren Vergleich teile ich allerdings nicht. Die Risikogruppe kann sich momentan nicht in Eigenverantwortung schützen. Das können aber Raucher und Säufer.
Wobei der Raucher NICHT zur Risikogruppe zählen darf.


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Garzauer 28.04.2020, 22:06 Uhr

Niemand anderes als Schäuble hätte dieses Thema anreissen dürfen, auch nicht Merkel oder Steinmeier. Nur bei ihm wirkt es nicht pietätlos.
Im übrigen erleben wir gerade einen Gesundheitspopulismus ohne Maß. Jeder Depp ist plötzlich Epidemiologe, kippt aber sofort aus den Latschen über die unvermuteten Zumutungen medizinischer Fachberufe. Dabei ist z.B. die vieldiskutierte Triage etwas vollkommen Reguläres für jeden Not- und Intensivmediziner. Dafür ist er ausgebildet, im Gegensatz zu einem der "was mit Medien macht", und naiv die Barbarei heraufziehen sieht. So wie man jedem Fleischkonsumenten mal ein Praktikum im Schlachthof  nahelegen müßte, so sollten ein paar Wochen Krankenhausdienst in keiner Politiker- und Journalistenbiographie fehlen.


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Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie)
« Reply #59 on: April 29, 2020, 11:26:25 AM »
Quote
[...] Armin Laschet hat sich dieser Tage ein paar neue Freunde im Volk gemacht, allerdings aus zweifelhaften Gründen. Der NRW-Ministerpräsident schimpfte auf die Virologen: Dauernd neue Zahlen und neue Ziele, statt sich mal festzulegen – das verstehe kein Mensch, und da müsse die Politik „dagegenhalten“!

... Christian Drosten, ein besonnener Vertreter seiner Zunft, formuliert sie so: Es sei sinnlos, mit Virologen aushandeln zu wollen, ob man Maßnahmen zurücknimmt oder verschärft: „Wenn überhaupt, dann verhandelt man da mit der Natur.“

Man muss den Satz drei Mal lesen, um seine fundamentale Wucht zu erkennen. Viren und Gletscher schließen keine Kompromisse. Das Grundgesetz ist ihnen schnuppe. Sie verzeihen keine Fehler. Sie unterwerfen uns einfach nur blind ihren Naturgesetzen.

Wissenschaftler versuchen, diese Gesetze zu verstehen. Manche können das besser, auch besser erläutern, andere schlechter. Es gibt Kluge und Eitle, Irrtümer und Wissenslücken.

Politiker haben bisher wenig Sensorium für diese Szene. Sie tun sich schwer, ihr eigenes Urteil zu bilden. Bei manchen wird man den Eindruck nicht los, sie wollten es gar nicht.

Es schimpft sich ja so viel leichter auf die Wortwahl der Kanzlerin! Es kämpft sich so viel lockerer für die Rechte des Küchenhandels! Aber mit Bequemlichkeit und Ignoranz ist der Kampf mit dem Virus nicht zu gewinnen. Er fordert neues Denken, tägliches Lernen, auch Demut.

Vielleicht ist es kein Zufall, dass die Naturwissenschaftler im Bundestag parteiübergreifend für Vorsicht beim Lockermachen plädieren – die Physikerin Merkel, der Biologe Hofreiter, der Epidemiologe Lauterbach. Sie wissen: Mit einer Naturgewalt verhandelt man nicht. Man begegnet ihr besser mit Respekt.


Aus: "Laschets Ungeduld bei Corona-Maßnahmen: Mit einer Naturgewalt verhandelt man nicht" Robert Birnbaum (28.04.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/laschets-ungeduld-bei-corona-massnahmen-mit-einer-naturgewalt-verhandelt-man-nicht/25782932.html

Quote
Malafide 09:49 Uhr
Beeindruckend
einige der nicht nur jüngeren Kommentare hier zeigen, dass es definitiv keine Gleichverteilung von Intelligenz gibt und das Unvermögen Ursache und Wirkung richtig auseinander zu halten und richtig einzuordnen noch größer als akzeptabel ist.

Könnte dieser Umstand eventuell ein Fall für Schäuble, Laschet und Palmer sein, die ja aktuell offen darüber "nachdenken" welches Menschenleben für einen "gesunden Volkswirtschaftskörper" noch hinnehmbar ist und welches ausgefällt werden kann/soll/muss, damit der wieder" richtig funktioniert"?

Schließlich brauchen die ja Kriterien, um die "richtigen" Entscheidungen zu treffen.


Quote
cz284 28.04.2020, 21:09 Uhr
Bei all dem Getöse kann ich beim besten Willen nicht verstehen, warum Kinderspielplätze leer sein müssen.
Wenn eine Mutter mit ihrem Kind zur Schaukel kommt, dann lasst das Kind doch schaukeln. Eine weitere Mutter wird gerne einige Minuten im gebührendem Abstand warten, bis ihr Kind an der Reihe ist.

Was beim Einzelhändler geht, ist auch auf dem Spielplatz möglich!

Und sage mir keiner dass die Mütter auf dem Spielplatz weniger Verantwortungsbewußtsein haben, als die Leute im Supermarkt.


Quote
guyana07 28.04.2020, 20:36 Uhr
Ich kann bis heute nicht verstehen wie man allen Ernstes in D Lockerungen fordert und einführt.
Wir haben ca. 50.000 Infizierte die noch nicht geheilt sind. Dann sichre noch mal 100.000 die unerkannt infiziert sind. Das Virus hat eine vergleichsweise hohe Letalität.
Wie kann man nur glauben, dass unter diesen Bedingungen die umfassenden Lockerungen in D NICHT zu einer zweiten, massiven Welle führen? Banaler gehts doch kaum.


Quote
Schnelleser 28.04.2020, 18:24 Uhr
Der gesamte Bohai, der aktuell durch die Medien und Foren geistert, resultiert aus dem Irrtum, der Mensch hätte sich über die Natur erhoben. Zu begreifen, dass man in der Natur nur Nahrung für eine andere Spezies (in unserem Falle die Würmer) ist, erfordert das, was die Kirchgänger versuchen, mit dem Beten zu vermeiden, Realitätssinn. Jetzt kommt ein Virus und sorgt dafür, dass die Schwächsten vor der medizinisch verordneten Zeit dem Kreislauf der Natur zugeführt wird und alle erschrecken. Die Angst davor, doch nicht über der Natur zu stehen, verleitet uns, das Recht auf Leben von anderen einzufordern und diese zu Beschimpfen, wenn Sie uns das nicht garantieren wollen. So sind die zornigen Kommentare gegen Laschet, Schäuble und Lindner für mich zu verstehen. Es sind Kommentare der Angst gegen diejenigen, die man gern als Schuldige ausgemacht hat.


Quote
Dabljuh 28.04.2020, 19:32 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Schnelleser 28.04.2020, 18:24 Uhr

     Es sind Kommentare der Angst gegen diejenigen, die man gern als Schuldige ausgemacht hat.

nein, es sind Kommentare, die denen entgegentreten wollen, die zu früh die Maßnahmen zurückdrehen wollen. Ihre Motive kennen wir einigermaßen. Es ist nicht Angst, sondern Empörung und wenn ich mir die Aussage von Boris Palmer zu Gemüte führe

    Wir retten in Deutschland möglicherweise Menschen, die in einem halben Jahr sowieso tot wären, aufgrund ihres Alters und ihrer Vorerkrankung

Das ist ethisch gesehen einfach nur völlig daneben.


Quote
Schnelleser 28.04.2020, 21:37 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Dabljuh 28.04.2020, 19:32 Uhr

Das ist das, was mich im Forum stört, das permanente Gewimmer der Jammerlappen, die noch jeden Quatsch mitmachen, wenn man Ihnen genügend Angst einjagt und bereit sind, alle zu beschimpfen und zu diffamieren, die nicht in die Jammerei einstimmen.


Quote
scopa 28.04.2020, 22:26 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Schnelleser 28.04.2020, 18:24 Uhr

Ich persönlich möchte lieber eingeäschert werden, als zu den Würmern. Und wenn die Zeit gekommen ist, dann ist die Zeit gekommen. Aber ganz so aussichtslos ist unsere Situation nicht. Wir können mit ca. 10%igen Einschränkungen 99% der Leben retten - andere Länder wie SüdKorea und Taiwan machen uns vor wie es geht.
Das Leben ist nicht nur Schicksal und man kann so eine Krise meistern oder aber total versagen. Laschet ist ein Versager: Kein Plan, keine Vorbereitung, keine Maskenvorräte, keine Ahnung. Um den 20. Januar herum  war klar dass uns eine pandemische Katastrophe droht (Cordon sanitaire und Bilder von auf der Strasse sterbenden Menschen in Wuhan sowie ein paar Tage später zwei in Windeseile von den Chinesen aus dem Boden gestampften Krankenhäuser). Ab dem 26.Februar war klar dass sich das Virus unnachvollziehbar in NRW verbreitet. Um den 9. März wurde in NRW noch Bundesliga gespielt. Die erste wirkliche Maßnahme erfolgte dann um den 15.März mit den Schulschließungen. Keine Grenzschließungen, keine Masken, fast 2 Monate gepennt und vergeudet! Ohne die Horror-Meldungen Anfang/Mitte März aus Italien hätte Laschet es nicht kapiert und NRW zum nächsten Wuhan gemacht. Wenn wir irgendwann im Februar vernünftig und entschieden reagiert hätten, wir hätten  niemals einen Lockdown gebraucht. Der Lockdown in NRW geht auf Laschets Konto. Umso lächerliche wie er jetzt versucht sich darzustellen.


Quote
Ferdinand-Georg 28.04.2020, 17:46 Uhr
Um nachhaltigen Erfolg zu haben, muss man sich anstrengen!

Stichworte: Fleiß, Geduld, Disziplin, Beharrlichkeit, Ausdauer, Bescheidenheit, Nicht-Nachlassen, Warten-Können, ...

Das gilt z.B. für ein naturwissenschaftliche Studium. Wer 3 Tage vor der Prüfung anfängt sich vorzubereiten, kann sich damit keine dauerhaften nachhaltigen Fähigkeiten aneignen. (Durch die Prüfung kommt man heutzutage mit dieser Methode leider dennoch häufig - das nur nebenbei.)

Es gilt auch sinngemäß für die körperliche Fitness oder für sportliche Erfolge. Ohne stetiges anhaltendes sich Bemühen geht es nicht. Mal eben eine Woche ins Fitnessstudio gehen führt nicht zum Ziel (z.B. desr Fettreduktion)

So verhält es sich auch beim "Kampf" gegen das Virus auch.

Neuseeland hat es vorgemacht, wie es geht.


Quote
NoSi 28.04.2020, 17:04 Uhr

"Politiker fragen oft die Experten, deren Meinung sie teilen." Hierfür bietet Laschet den besten Beleg. Mann/Frau schaue sich nur mal die Zusammensetzung seines 12köpfigen Experten*innenrat NRW an: völlig einseitig konservativ-wirtschaftsnah. Kein Vertreter+innen  der Arbeitnehmer*innenseite, keine Vertreter*innen aus der Wohlfahrt, die ja schwerpunktmäßig im Bereich Kinder, Jugend,Alte tätig ist, um deren psycho-soziales Wohlergehen bei zu langem Lockdown "Lusche Laschet" sich scheinbar so sorgt und deshalb lockern will. Die Zusammensetzung seines Gremiums verrät aber sein eigentliches Ziel, das er mit weichen Themen dem Volke genehmer machen möchte: Befriedigung der Wirtschaftslobbyisten*innen, deren Wertschöpfung aber von Arbeitnehmer*innen erarbeitet wird, die er in seinem Gremium nicht hören will. Laschet ist ein rechter Wolf, der sich im sozialliberalen Schafspelz argumentierend präsentiert, um so gesamtgesellschaftliche Zustimmung für seine letztlich einseitige  Wirtschaftsnähe zu generieren. Je weniger ihm das gelingt desto unkontrollierter tritt er auf. Bestes Beispiel dafür war Sonntagabend sein Gezeter bei Anne Will. Er spielt Verantwortungsethik mit dem Ziel, seine konservative Gesinnung ausschließlicher Wirtschaftsnähe durchzusetzen.

Norbert Sinofzik, Rheinstadt Uerdingen


Quote
DNC 28.04.2020, 17:51 Uhr
Antwort auf den Beitrag von NoSi 28.04.2020, 17:04 Uhr

Sie haben völlig recht, obwohl es schwer vorstellbar erscheint, dass jemand die viele Kreide um seinen Mund nicht wahrnimmt. ...


Quote
McSchreck 28.04.2020, 16:50 Uhr
Herrn Laschets Kritik war ja nur zum Teil an die Experten gerichtet - und da berechtigt.

Wenn Tausende von Toten für Ostern prognostiziert wurden oder eine Überforderung des Gesundheitssystems angeblich fast unvermeidlich war - zu Zeiten, wo das exponentielle Wachstum schon beeendet war und die Zahlen stagnierten oder schon fielen, dann musste man kein Experte sein, um Zweifel zu haben. Ein bisschen Statistik genügte das schon - gut dass wir in Deutschland gute Schulen haben, Wo so etwas gelehrt wird und einige Leute mitgerechnet haben.

Die schlimmste Fehleinschätzung wurde in der Woche vor der Sendung mit Laschet bei Frau Will geäußert, die gesunkenen Zahlen seien nur ein "Artefakt der Osterwoche" mit geringeren Meldezahlen. Daran war NICHTS richtig. In den Tagen nach Ostern wurden die Zahlen ja nachgemeldet (was zu dem ach so schlimmen Anstieg führte, nicht etwas der angebliche Leichtsinn, nennt man "Nachholeffekt") - sie waren im Wochenschnitt dennoch niedriger als die Woche davor - und die Woche danach noch niedriger und diese Woche noch niedriger.....

Die Frage ist, warum ein Laschet so hart kritisiert wird, während ich noch kein Wort der Kritik zu dieser völlig falschen Behauptung eines "Experten" gelesen habe - und von ihm meines Wissens auch keine Worte der Entschuldigung für seine krasse Fehleinschätzung.


Quote
Dabljuh 28.04.2020, 17:01 Uhr
Antwort auf den Beitrag von McSchreck 28.04.2020, 16:50 Uhr

Sie mögen ja irgendwie recht haben, aber bei mir kommt bei solchen Meinungsäußerungen immer der Verdacht auf, dass Sie eine Ausrede suchen, um jetzt die Position des "Streikbrechers" einzunehmen. In letzter Zeit häufen sich diese Ausreden. Wahrscheinlich halten manche Menschen die Kontaktsperre einfach schlecht aus.


Quote
PeterHLorenz 28.04.2020, 17:12 Uhr
Antwort auf den Beitrag von McSchreck 28.04.2020, 16:50 Uhr

"Ein bisschen Statistik genügte das schon - gut dass wir in Deutschland gute Schulen haben, Wo so etwas gelehrt wird und einige Leute mitgerechnet haben."

Deutschunterricht wäre auch angebracht.


Quote
GEO65 28.04.2020, 16:50 Uhr
Ich bin mittlerweile hoffnungslos, was das Volk(c) angeht - die meisten Kommentare beweisen das auch hier. Ich halte mich an die Naturwissenschaftler. Deren Branche hat nachweislich schon tausende von Jahren überlebt, und ist in den letzten 100 Jahren immer besser geworden, sonst könnte nicht ein kleiner Bürgermeister die ganze Bundesrepublik erschrecken, und ich nicht diesen Kommentar schreiben.
Herr Laschet, Palmer und die FDP möchten die Alten, ganz jungen und die Kranken sterben lassen - ok, wenn das Volk es so will. Wir können ja dann später wieder ganz entsetzt tun, Denkmäler aufstellen und eine Dokumentation nach der anderen im Fernsehen senden.
Der Laschet schielt eh nur auf den Posten des Bundeskanzlers und übersieht dabei, dass er gerade die Letztwähler der CDU dafür opfert, denn die können dann nicht mehr wählen...


...