• Welcome to LINK ACCUMULATOR. Please log in.

[Coronavirus Notizen (COVID-19-Pandemie, Mentalitätsgeschichte, etc., ...) ... ]

Started by Link, March 17, 2020, 03:00:05 PM

Link

#200
Quote[...] Nein, die Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen sind nicht von Nazis unterwandert. Was da seit Monaten auf die Straße geht und gestern als Höhepunkt den Reichstag angriff, ist eine Allianz der Feinde der Aufklärung und der Moderne – und zu denen gehören Neonazis natürlich ebenso dazu wie esoterisch angehaucht Hippies, Anthroposophen, Impfgegner und Wutbürger, die von einem tiefen Misstrauen gegenüber dem demokratischen Staat erfüllt sind.

Hier bricht sich der Hass und die Verachtung gegenüber der Demokratie ebenso Bahn wie seit Jahrzehnten geschürte Ängste gegen Gentechnik, IT und einen angeblich übermächtigen Staat – der ja nicht einmal in der Lage ist zu gewährleisten, dass die Infektionszahlen zeitnah und digital dem RKI gemeldet werden.

Man sieht bei diesen Demonstrationen sehr gut die verbindenden Elemente zwischen diesen nur auf den ersten Blick nicht zusammenpassenden Gruppen – und sie haben ihre Wurzeln in der in Deutschland nach wie vor tief sitzenden Verachtung vor der angeblichen Oberflächlichkeit, einer ebenso idiotischen wie romantischen Verherrlichung der Natur und dem damit verbundenen Glauben, eine herbeigesponnenen Nähe des ,,deutschen Volkes" mit dem ,,russischen Volk", durch die beide vereinende ,,Tiefe" im Fühlen und Denken.

Und wie immer, wenn die Feinde der Aufklärung zusammenkommen, ist der Antisemitismus nicht weit, denn Juden sind das Symbol für die verhasste Aufklärung. Wie sehr diese Milieus immer schon, mal mehr, mal weniger intensiv, zusammenhingen zeigt die Vita und Werner Georg Haverbeck, dem verstorbene Ehemann die inhaftierten Holocaustleugnerin und Spitzenkandidatin der Nazipartei Die Rechte bei der Europawahl, Ursula Haverbeck. Er und sein Verein Collegium Humanum waren Scharniere für die Zusammenarbeit von Nazis, Ökologen, Anthroposophen und Friedensbewegten. Ihr Denken steht nicht im Widerspruch, es hat gemeinsame Wurzeln, eine  gemeinsame Vergangenheit und nun eine gemeinsam Praxis.


Aus: "Nazis, Esoteriker, Hippies und Wutbürger" Stefan Laurin (30. August 2020)
Quelle: https://www.ruhrbarone.de/nazis-esoteriker-hippies-und-wutbuerger/189436

Quote#1
ccarlton
30. August 2020 um 14:00

Herr Laurin,
wenn von knapp 40.000 friedlichen Demonstranten ein paar Dutzend die Freitreppe vor dem Reichstagsgebäude verbotenerweise betreten, ist das kaum ein Angriff auf das Parlament und bestimmt nicht der Höhepunkt der Demonstration.


Quoteaaw
30. August 2020 um 17:23

Erläutern Sie doch bitte den Satz, Zitat: " Juden sind das Symbol für die verhasste Aufklärung.", Speziell die beiden Unterstellungen, Juden seien das Symbol der Aufklärung bzw. diese sei verhasst. Vielen Dank


Quote#3
Stefan Laurin Beitragsautor
30. August 2020 um 18:21

@aaw: Gerne verweise sich Sie auf diesen Artikel von mir: https://www.ruhrbarone.de/antisemitismus-der-angriff-auf-die-aufklaerung/158887


QuoteRobert Müser
30. August 2020 um 18:28

@ 1/ ccarlton

Ich habe da eher 40.000 Demonstranten gesehen, die sich im Irrgarten von Ich-Bezogenheit, Blödheit und Realitätsverleugnung verlaufen haben und nicht wieder herausfinden wollen.

Einen Teil der gestrigen Redner bzw. Demonstrationsteilnehmern würde man dringend einen Einzug in eine Nervenheilanstalt empfehlen, ein anderer z. Z. noch kleinerer Teil ist eher ein Fall für die Gerichte und später für längere Atemübungen hinter fein gesiebter Luft.


Quote#5
Helmut Junge
30. August 2020 um 22:25

@ccarlton, ganz sicher kommt es in der Frage, was der Höhepunkt der Demonstration war, nicht auf einzelne Meinungen an, sondern auf die Wirkung von Millionen wahlberechtigten Bürgern. Und da fürchte ich schon, daß der Jubelschrei des rechten Kameramanns leider nicht grundlos war.
Parteigängermeinungen zählen nicht viel. Parteigänger reagieren meist erst dann kritisch, wenn die Wogen über ihren Köpfen zusammenschlagen. Und dann oft immer noch durch die Blase gefiltert.
Ich halte die Polizeiaktion für leider komplett mißlungen. Nur bin ich ja auch nicht der Maßstab, an dem das objektiv gemessen werden kann. Wer wäre das schon?


Quote#6
Berti
30. August 2020 um 22:51

,,Ich bin weder rechts noch links, ich bin kein Antisemit, kein Verschwörungstheoretiker, kein Coronaleugner. Ich habe immer offen und ehrlich meine Meinung gesagt" – aus der Rede von Thomas Berthold, früherer Fußballspieler und Weltmeister, Hauptprotagonist dieser Querdenkerinitiative, auf der fraglichen Demo in Berlin. Solch eine Selbsteinschätzung dürfte von 80-90 % der Demoteilnehmer geteilt worden sein. Im Übrigen belegte Bertholds Rede, dass Fußballer durchaus Hirn haben können. (ich selbst muss mich gleich wieder hinlegen, bin nach der Corona-Positivtestung vom Frühjahr irgendwie immer noch müde, bleierne Müdigkeit, wenig Antrieb bei zugleich exzessiver Libido – der Arzt meint hingegen, ich würde zu viel trinken (mit zwei Flaschen Pils pro Tag sei ich bereits Äthyliker).


Quote#7
kassandro
30. August 2020 um 23:53

Auch ihr Rubrbarone solltet zur Kenntnis nehmen, dass die Demo nicht am Reichtag sondern an der circa 2 Km entfernten Siegessäule und den dort einmündenden Straßen, insbesondere der des 17. Junis , stattfand. Ich hab von der Randale am Reichstag nichts mitbekommen. Am Vormittag, wo wir am Reichstag vorbei zum Brandenburger Tor gezogen, war dort alles friedlich. Gegen den Terror, was bei linken Demos z.B. G20 in Hambur, Blockupy in Frakfurt usw. so läuft, war das nicht einmal Pippifax, der gleichsam trotzdem entschieden verurteilt werden muss. Das man sich jetzt in den Qualitätsmedien auf dieses üble Ereignis stürzt, spricht ebenso wie die dort kolportierte Zahl von 38.000 Teilnehmern für deren unglaubliche Qualität. Ebenfalls nicht in den Qualitätsmedien wird dieser erst 3 Tage alte Ohrwurm zu hören sein:
https://www.youtube.com/watch?v=WBEFjtq3R18
Das wird die Hymne der Freiheitsbewegung werden, und ihr werdet sie nicht mit euren Nazigeheul übertönen können.


Quote#9
abraxasrgb
31. August 2020 um 09:10

...

@all Das ist das Unschöne an der liberalen Demokratie: Manchmal finden auch unsympathische Menschen dasselbe blöd. Ist mir auch schon mal passiert, dass ich in einigen, wenigen Punkten mit ansonsten grünen oder linken Typen übereinstimmte. Hat mir aber nicht geschadet, die Welt ist nicht untergegangen ...


...

-

Quote[...] Es sind keine schönen Bilder, die am Samstag von Berlin aus um die Welt gingen: Protestkundgebungen wurden aufgelöst, Demonstranten von Polizisten abgeführt. Doch wenn sie ihnen dabei Mund und Nase zuhielten, dann zur Eigensicherung. Es reicht, wenn sich die Protestler wechselseitig mit dem neuartigen Coronavirus anstecken. Das wird Bösgläubige nicht daran hindern, die Szenen auf den Straßen rund um den Reichstag und das Brandenburger Tor zum Ausweis allgegenwärtiger staatlicher Repression und einer allzeit gewaltbereiten Polizei zu nehmen.

Doch nicht die Sicherheitskräfte haben ein Problem. Die Bilder halten in erster Linie das fest, was in der Sprache der Soziologie als performativer Selbstwiderspruch daherkommt: Bürger erstreiten mit den Mitteln des Rechtsstaats, von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machen zu können, um sich als Ausweis höherer Moral in ihrem Tun und Lassen um diesen Rechtsstaat nicht zu scheren.

Das alles wäre eher eine Posse, usurpierte dieser Kessel Buntes aus Spiritisten, Impfgegnern und Rechtsextremisten nicht den öffentlichen Raum dort, wo sie ihre wirren Phantasien vor Symbolen deutscher Staatlichkeit ausleben können. Doch der Reichstag, die Siegessäule und auch das Brandenburger Tor stehen ebenso so sehr für die Abgründe deutscher Geschichte wie für deren Größe.

All dies wird auch in Zukunft nicht verhindern können, dass sie als Kulissen, wenn nicht als Projektionsflächen von Größenwahn (,,Wir sind das Volk") und Gewaltphantasien (,,Widerstand") einer verschwindenden Minderheit herhalten müssen. Doch auch das sagen die Bilder des vergangenen Wochenendes: Im fünften Monat nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie ist von einer breiten und lautstarken Protestbewegung gegen die Politik von Bund und Ländern weit und breit nichts zu sehen.

Vielleicht sollte man das Spektakel in Berlin achselzuckend zur Kenntnis nehmen und sich den wirklichen Problemen widmen, die das Virus noch auf lange Zeit mit sich bringen wird. Leichtsinn im Alltag ist gefährlicher als Politfolklore am Wochenende.


Aus: "Größenwahn und Gewaltphantasien einer Minderheit" Ein Kommentar von Daniel Deckers (30.08.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/die-corona-demos-in-berlin-zeigten-keine-schoenen-bilder-16929142.html

Quote

Doch, es gab schöne Bilder

    Volker Linz (volker.linz), 31.08.2020 - 09:49

Doch, es gab sie, die schönen Bilder von der Demo, mit tausenden friedlicher Demonstranten. Diese werden aber von den sog. Leitmedien nicht publiziert. Für eine umfassende, mithin objektive Berichterstattung, wie sie einer großen Tageszeitung gut zu Gesicht stünde, wäre das unerlässlich. Abgebildet wird nur die zugegeben hässliche Seite, der Aufzug der Reichsbürger und Neonazis, die aber nahezu jede Demo für sich zu instrumentalisieren suchen. Repräsentativ war das am Samstag in Berlin aber nicht. In meinen Augen nehmen die etablierten Medien in der Corona-Krise eine sehr fragwürdige Position ein, sehr viel Hofberichterstattung, von investigativem Journalismus keine Spur mehr. Solche einseitigen und zudem unzulänglich recherchierten Berichte wie den vorliegenden braucht kein Mensch! Gelebte Demokratie hat am Samstag auf der Straße stattgefunden, nicht in den Medien. Achselzuckend sollte man das nicht hinnehmen.


Quote

Positive Erkenntnis

    Waldemar Pabst (waldemar28), 31.08.2020 - 09:41

Wenn drei (!) Polizisten genügen, Hunderte (!) von Rechtsextremisten vom Sturm auf den Reichstag abzuhalten, scheint von dieser Seite offenbar keine Gefahr für den Bestand unserer Demokratie auszugehen.


QuoteFacetten der bunten Gesellschaft

    Daniel J Hahn (137), 31.08.2020 - 09:04

Am Wochenende zeigten sich Berlin Menschen, die ihre Unzufriedenheit mit der Regierungspolitik speziell zu Corona aber auch ganz allgemein zum Ausdruck brachten. Diese Demo durfte erst nach der Entscheidung von Gerichten stattfinden. Kritik an den Politikkritikern wurden in den Meiden schon vorher laut. Dabei ist doch gerade die Äußerung von Zustimmung oder Ablehnung zur Politik ein wesentliches Element der Demokratie. Immerhin ist das Volk der Souverän und nicht Regierung oder Parlament. Daß das Parlament bei der Kontrolle der Regierung versagt ist eine Sache, daß man sich aber einig in der Kritik der Demonstration ist, zeigt, wie wenig selbstkritisch Politiker und Meiden heute sind. NIemand fragt sich, woher der Unmut in Teilen der Bevölkerung kommt, es wird aber fröhlich die Nazi-Keule geschwungen. Auch von Leuten, die sich gern mit der linksextremen Antifa zeigen. Die Reichsfahne des Deutschen Kaiserreiches ein Nazisymbol? Hoffentlich das nächste Mal mit Che Guevara T-Shirts.


QuoteTatort Berlin

    Rainhart Raack (tintangel), 31.08.2020 - 07:35

Nazis gesellten sich zu Nazis, demonstrierend und schreibend. Juvenile Afdler waren da, denen der Verfassungsschutz schon länger pflichtgemäß folgt, dann soll auch der Höcke gesichtet worden sein, nahe bei üblich minderbegabten Reichsbürgern; furchtsame Chemtrails mit Himmelwärtsaugen, provinzielle Milieuschamanen ... alle albern-lachhaften Außenseiter in trauter Gemeinsamkeit vereint auf Berlins Straßen. Einige Kriminelle nahm die Polizei fest, sie werden bald Prozesse am Hals haben.
Hat sich was geändert? Wenig bis kaum. Alle Senats-Voraussagen haben sich bestätigt und die Gerichte müssen nun im Namen des Volkes dazulernen und so ihre allzu biedermeierlichen Hoffnung auf friedliche Demos von rechts korrigieren. ...


QuoteHerr Raack

    Rainer Mueller (RobinWood2), 31.08.2020 - 11:09

Ihre Einstellung zu Andersdenkenden in einer Demokratie kennen wir inzwischen.
Danke, brauchen wir in ener Demokratie wirklich nicht.
Wir haben hier so etwas wie Pluralismus.


QuoteZahlreiche Augenzeugen vor Ort als Chance

    Karl Fischer (Junck-o-Leaks), 30.08.2020 - 23:29

Ich hoffe, das führt endgültig zu einer differenzierteren Berichterstattung. So langsam verstehe auch ich, was die Leute dort bewegt. Corona ist offenbar nur ein Nebenschauplatz.


QuoteBilanz der Demo?

    Günter Rampe (truth_hurts), 30.08.2020 - 22:23

Die Demo wurde nicht von Rechtsextremisten unterwandert,wie der Berliner Innensenator und die Linken behauptet hatten. Ohne die Lupe der Medien wären die Extremisten nicht in dem Panoptikum an bunten Meinungen aufgefallen, sondern hätten sich wie die Esoteriker usw. in der Menge verloren. Bis auf wenige Ausnahmen verlief die Demo friedlich, Menschen wurden nicht verletzt, es wurden keine Autos angezündet, keine Fensterscheiben eingeworfen. Die geschätzten 40 tausend Demonstranten hatten ein breites Meinungsspektrum, aber eines gemeinsam: Unmut gegenüber der Politik. Auffallend: die angekündigten linken Gegendemonstranten sollen nach Medienberichten ein Häuflein von 200 gewesen sein.
Was hängenbleibt ist die Aufgeregtheit von Politik und Medien im Vorfeld. Vielleicht sollte man es künftig einfach mal für selbstverständlich halten, dass Menschen mit abweichenden Meinungen demonstrieren und darin nicht gleich rechte Verschwörungen sehen. Etwas mehr Realismus und Gelassenheit wäre besser.


QuoteEs waren sehr schöne Bilder,

    Olaf Weinkamp (Weinkamp), 30.08.2020 - 22:19

die man gestern im Live-Stream von der Kundgebung rund um die Siegessäule sehen konnte und auf Youtube weiter sehen kann. Ein friedliches, fröhliches Beisammensein einer großen und sehr diversen Crowd. Es gab dabei etwas, was dieser Gesellschaft zunehmend abhanden kommt: ein Gemeinschaftsgefühl. Und eine interessante, von den Medien weitgehend totgeschwiegene Rede von Robert Kennedy, die mindestens einige Denk- und Diskussionsanregungen liefern mag. Man mag ja zu der Kritik an der Corona-Politik stehen, wie man will, aber hier hat der Autor offenbar nicht gründlich genug recherchiert.


QuoteBernd Viebach (Maxi1511), 31.08.2020 - 11:48

Schöne Bilder???


QuoteIch bin dort gewesen

    Kai Schneider (Erfolgsleser), 30.08.2020 - 22:07

Nach meinem Eindruck fanden sich zwischen Bahnhof Tiergarten und Brandenburger Tor sehr viel linksgrünes und religiös-esoterisches Volk ein, aber auch Normalos. In diesem Spektrum spielten sich auch die Redebeiträge ab, darunter der Beitrag von Robert F. Kennedy Jr., Neffe von JFK, Democrat und Biden-Unterstützer.
Im Randbereich der Demo versuchten jedoch Reichsbürger Demonstranten mit hysterischen Megafonaufrufen zum Reichstag umzuleiten, wo diese ihre eigene Veranstaltung hatten. Diese zogen auch immer wieder mit Ihren Fahnen über die Querdenken-Demo, um diese für sich zu instrumentalisieren.
Die große Querdenken-Demo war mehr ein friedliches Party-Happening. Die Menschen eint nach meinem Eindruck vor allem eines: Der Wunsch, endlich wieder ein normales Leben führen zu können, normal arbeiten, feiern und lieben zu können ohne staatliche Bevormundung.
Die ca. 500 Reichsbürger hatten eine völlig andere Agenda. Das sollten seriöse Journalisten schon unterscheiden können.


QuoteArnim Dahlen (ideasFAZ), 31.08.2020 - 09:34

die staatliche Bevormundung sieht wie aus?


QuoteWas nicht passt, wird passend gemacht

    Lars Kisch (Michael.Ratsch), 30.08.2020 - 21:46

Trotz der Tatsache, dass es hierzulande eine gar nicht kleine Minderheit an rechts-nationalen, autoritären und anti-systemischen Kräften gibt; so können sie trommeln wie sie wollen, sie stellen nicht die Mehrheit. Der angedeutete Sturm auf den Reichstag hat nur bestätigt, dass die Minderheitenmeinung eben mit allen Mitteln durchsetzen versucht wird. Das ist Implementierung der Gewaltphantasien. Viele Kommentare hier bestätigen das in ihrer Apologetik und Verharmlosung eindrücklich. Der Ruf während den Demonstrationen danach, die "Clique in Berlin um Merkel" möge abtreten, demaskiert nur die Missachtung der Wählermeinung und die Verachtung für den demokratischen Prozess. Der Verweis auf die Volksmeinung ist in diesem Zusammenhang der Ausdruck von Größenwahn.


QuoteDie Stimmung wird kippen....

    Pascal Scher (PascalScher), 30.08.2020 - 21:41

Ich glaube leider sind die Verlierer Medien und Politiker die an Glaubwürdigkeit verlieren. Bin im übrigen gerade in Holland, die lachen wenn sie maskierte Deutsche im Supermarkt sehen.


QuoteBernhard Keim (KeimB), 31.08.2020 - 09:53

Und ich lache über die Niederländer


...

Link

#201
Quote[...] Kurz bevor rechte Demonstranten zum Parlament vordrangen, rief Tamara K. zu der Aktion auf. Sie steht den Reichsbürgern nahe. Was über K. bekannt ist.

Die Frau rief "Wir haben gewonnen" und "Vor diesem Gebäude steht keine Polizei mehr" - dann rief sie dazu auf, die Treppen zum Reichstag hochzusteigen. "Wir holen uns hier und heute unser Hausrecht", schrie sie von der Bühne.

Kurz darauf setzte sich die Masse von Rechtsextremen, Coronaleugnern und Reichsbürgern in Bewegung. Was danach passierte, beschäftigt am Montag nach der Demo ganz Deutschland. ... Im Internet wirbt K. mit ihren Fähigkeiten: Unter anderem kenne sie sich in Massagen, Psycho- und "Metalltherapie" aus, aber auch in der Behandlung mit Bachblüten sowie in "Krebstherapie" sei sie erfahren. Nach eigenen Angaben ist sie Mitglied im "Verband unabhängiger Heilpraktiker". Nach Angaben des antifaschistischen Aachener Bündnisses "Demokratie Leben" ist sie bereits 2019 bei dem lokalen Zusammenschluss der "Aachener Gelbwesten" aktiv gewesen und unter anderem im Januar vergangenen Jahres auch als Kundgebungs-Anmelderin und Rednerin aufgetreten.

Laut Michael Klarmann, Journalist und Beobachter der rechten Szene in der Eifel-Region, sei K. in den sozialen Netzwerken immer wieder durch das Teilen von verschwörungsideologischen Inhalten sowie vertretener Reichsbürgerideologie aufgefallen. Einige ihrer Posts seien eindeutig rechtspopulistisch bis rechtsextrem formuliert.

Angestachelt wurde die Menge durch eine Lüge, die Tamara K. von der Bühne durchs Mikrofon rief. Ihr zufolge sei US-Präsident Donald Trump in Berlin gelandet. Deshalb müssten die Demonstranten jetzt ein Zeichen setzen und Trump zeigen, dass "wir die Schnauze gestrichen voll haben". Donald Trump gilt den Verschwörungsgläubigen von QAnon als Erlöser und großer Befreier, der die Weltverschwörung geheimer Eliten beenden wird.

Wörtlich rief K. von Bühne: "Wir schreiben heute hier in Berlin Weltgeschichte. Guckt euch um, die Polizei hat die Helme abgesetzt. Vor diesem Gebäude (gemeint ist der Reichstag, Anm. d. Red) und Trump ist in Berlin. Die ganze Botschaft ist hermetisch abgeriegelt, wir haben fast gewonnen. Wir brauchen Masse. Wir müssen jetzt beweisen, dass wir alle hier sind. Wir gehen da drauf und holen uns heute, hier und jetzt unser Hausrecht. Wir werden gleich diese komischen kleinen Dinger brav niederlegen und gehen da hoch und setzen uns friedlich auf Treppe und zeigen Präsident Trump, dass wir den Weltfrieden wollen und dass wir die Schnauze gestrichen voll haben. Wir haben gewonnen."

Schon am Freitag war K. vor der russischen Botschaft in Berlin aufgetreten. Auch davon gibt es ein Video:

In dem Video kündigt sie an, "dass wir morgen vereint dafür sorgen werden, dass diese BRD-Fake-Regierung abgewickelt wird. Wir wollen den Friedensvertrag." Damit gibt sich K. als Anhängerin der Reichsbürger zu erkennen, die die BRD nicht als rechtmäßigen Staat anerkennen, da es nach dem Zweiten Weltkrieg nie einen richtigen Friedenvertrag gegeben habe.

Reichsbürger sehen sich deshalb auch dazu legitimiert, das staatliche Gewaltmonopol nicht anzuerkennen und selbst Quasi-Staaten zu gründen, in denen ihr eigenes Recht gilt. Den Friedensvertrag wollten zahlreiche Demonstranten, die zu den Corona-Protesten angereist waren, am Wochenende mit Russland und den USA schließen.

Im Zuge der Demonstration von Rechtsradikalen und Reichsbürgern vor der russischen Botschaft am Samstag war es zu Krawallen gekommen. Rund 200 Personen wurden festgenommen, darunter auch der selbsternannte Reichskanzler und frühere Vegan-Influencer Attila Hildmann.

In dem Video ist zu sehen, wie sich K. in Richtung der Botschaft wendet und die Mitarbeiter bittet, am Samstag auf die Demonstranten aufzupassen, die für ihre Freiheit kämpfen.

In K.s Heimatort Roetgen selbst weiß man wenig über die Frau mit den Dreadlocks. Nachbarn erzählen lediglich, dass sie schon länger von ihrem Mann getrennt leben würde und auch Kinder habe.

"Es gibt wenig bis gar kein Kontakt zu anderen Bewohnern des Ortes", heißt es von einem Nachbarn. Ab und zu würde das Ordnungsamt bei K. vorbeikommen, da sie angeblich "zu laut trommeln" würde.

Über die Kontakte der Heilpraktikerin in die Reichsbürgerszene hört man in Roetgen zum ersten Mal. Allerdings berichtet eine Anwohnerin, davon dass vor dem Haus immer wieder Autos mit Ravensburger Kennzeichen auftauchten. Diese seien in der Gegend höchst ungewöhnlich, so die Nachbarin. Ravensburg hat seit Jahren eine stetig wachsende Reichsbürger-Szene zu verzeichnen.Auch ihre Naturheilpraxis scheint wenig bekannt zu sein.

Lediglich zwei Bewertungen hat sie auf Google vorzuweisen. Beide User vergeben einen von fünf Sternen. Einer schreibt dazu: "vorsichtig formuliert: schräg drauf."

Ob Tamara K. die Praxis überhaupt noch betreibt, ist unklar, die Website ist offline, ebenso ist unter der angegebenen Festnetz-Nummer niemand zu erreichen. Der Tagesspiegel kann sie dennoch kontaktieren.

Tamara K. möchte dem Tagesspiegel am Telefon keinerlei Details über ihr Privatleben verraten. Sie würde seit Samstag ständig bedroht und hätte bereits ihre Kinder evakuieren müssen, so K.

Für die Frau sind die Fakenews, die zur versuchten Erstürmung des Bundestages geführt haben, keine Falschinformationen: "Es ist keine Fehlinformation, dass Trump in Berlin war. Unsere Informanten haben uns eindeutige Beweise geliefert."

Details, wie die Höhe der amerikanischen Flagge am Fahnenmast der US-Botschaft sowie die Beleuchtung des Botschaftsgebäudes hätten darauf hingedeutet, so K.

Die Heilpraktikern stand selbst auf den obersten Stufen der Treppe zum Bundestag. Ein unglaubliches Gefühl sei das gewesen, man sei sehr glücklich über die entstandenen Bilder: "Die Welt sieht endlich, was in unserem Land abgeht."

Der Polizei war am Montag zunächst unklar, wer dort auf der Bühne gestanden hatte. Polizeipräsidentin Slowik sagte am Montagvormittag im Innenausschuss: ,,Von unbekannt gebliebener Sprecherin auf Bühne wurde dazu aufgerufen, geschlossen die Treppe zu stürmen."




Aus: "Das ist die Frau, die zum Sturm auf den Reichstag rief" Julius Geiler (31.08.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/heilpraktikerin-aus-der-eifel-das-ist-die-frau-die-zum-sturm-auf-den-reichstag-rief/26142914.html

Quotetobi_t 12:29 Uhr

Diese Szenerie belegt ja ganz schön, dass diese ganze Demo wie ein Freiluft-Kindergarten mit schwer erziehbaren Kindern wirkte. Die Bilder vom Bundestag sind allerdings nicht schön. Es sieht so aus, als ob die Bundesrepublik zu einer ehemaligen sowjetischen Republik mutiert ist, die destabilisiert werden soll. Es fehlen nur noch die grünen Männchen ;)

Insgesamt fürchte ich, dass diese kleine Bewegung zu viel Aufmerksamkeit erhält. Es sind und bleiben Sektierer.


Quoteroyalflush 14:36 Uhr

Bei den Grünen in Krefeld, beim Institut für politische Schönheit und bei Jan Böhmermann läuft so etwas unter "Satire". Selbst Schuld, wenn man es ernst nimmt.


QuoteFWE66 14:15 Uhr

Tamara K. die "Jeanne d'Arc" der Corona Krise oder "Der Sturm auf den Reichstag". Ich freue mich schon auf die Verfilmung. Wird wahrscheinlich so eine Art, Ritter der Kokosnuss.


Quotemarla44 14:13 Uhr

    Lediglich zwei Bewertungen hat sie auf Google vorzuweisen. Beide User vergeben einen von fünf Sternen. Einer schreibt dazu: "vorsichtig
    formuliert: schräg drauf."


Das ist Journalismus wie er seien muss!


QuotePaAllgZ 14:09 Uhr

In Deutschland sind seit dem 18. Jahrhundert Megatonnen an esoterischer Literatur produziert, gelesen und in Bücherregale einsortiert worden. Mit schweren Folgen.
Mit den sozialen Netzwerken und Echtzeitmedien leben nun die ganzen zivilisationskritischen geistigen Buchstaben-Gebilde in neuer, humanoid adaptierter und erzählter Form wieder auf.
Um zu beurteilen. ob die Protagonistinnen und Protagonisten im Kopf noch ganz echt sind, hilft nur das Faivre-Paradigma:

Antoine Faivre versteht Esoterik als bestimmte Art und Weise des Denkens:

- in Entsprechungen
- in lebendiger Natur
- Imagination und Meditation
- Erfahrungen der Transmutation (Erleuchtung, 2. Geburt u.a.).

Zusammen mit fehlender Kommunikation mit "Nicht-Gleichgesinnten" und der zwangsläufig einhergehendern mangelnden Falsifikation der Narrative, entsteht in den Köpfen vor den Bildschirmen an den Internet-Endgeräten ein Endzeit-Szenario eines neuen Mittelalters:
Die Menschen spiegeln sich selbst, bestätigen sich und gebären immerneue Repräsentationen, die Kontroll-Illusionen enthalten und zu Schlußfolgerungen führen, die vernünftig gebildete Menschen und Kommunikationswissenschaftler nur als "Verschwörungstheorien" beschreiben vereinfachen können.
Tatsächlich ist die offene Gesellschaft zerfallen, in eine Vielzahl narrativer Wirklichkeiten und Erzählwelten.
Die Zivilisation driftet so in den IRRSINN!  Bunte Fahnen kaschieren nur das Chaos in den Köpfen!
Die Lage ist so deppert, so fatal und so schrecklich komisch, dass nur noch ein GROSSES HOMERISCHES LACHEN den geistigen Kehraus der verpeilten Narrative bringen kann!


Quotelieselotta 14:34 Uhr

Antwort auf den Beitrag von PaAllgZ 14:09 Uhr
"Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer" – ein Bild, geschaffen von Goya am Ende des 18. Jahrhunderts, bringt das zeitgenössisch schon auf den Punkt. Könnte man glatt als Flugblatt auf den aktuellen Demos verteilen, aber wahrscheinlich ist das für die Teilnehmer intellektuell zu überfordernd.


QuoteBronstein 13:46 Uhr

Veganer, Heilpraktiker, Homöopaten, Telepaten, Impfgegner, Waldorfler, Weltfriedensapostel, Hellseher, Strahlenwarner - eigentlich das Volk, das in der Gegend um Stuttgart die Grünen zur Macht gebracht hat. Jetzt, wo es ihnen zu bunt wird, schreien sie "Gefahr von rechts". De facto ist es die Fortsetzung der Irrenoffensive der frühen 1970er.


QuoteGEO65 14:17 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr
Na ja, ob das die Grünen waren? Meiner Erfahrung mit der Impfgegnerszene ist: Der Süden von Deutschland, ganz Österreich und die Schweiz haben ein Problem mit der esoterischen Branche - aber, es wird gut Geld damit verdient!


Quotebeerlien 14:17 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr
Gute Beschreibung des Hufeisens neuen Typs. Kanzlerkandidaten-Kandidat Habeck mußte nicht ohne Grund die Positionsbestimmung der Grünen zur Homöopathie 2020 abbrechen, die die Partei seit Jahrzehnten spaltet. Die Grenzen zu "Extinction Rebellion" und ähnlichen Esoterikern der neuen Klimareligion dürften fließend sein. Selten zeigte sich  das Links/Rechts-Schema von 1789, das in seiner langen Karriere zu dem Basiswerkzeug der deutschen Innenpolitik schlechthin hochstilisiert wurde, so nutzlos wie bei diesem Operetten-"Sturm" auf den Bundestag.


Quotepetolinnun 14:35 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr
Das ist nicht falsch, was Sie da schreiben. Gerade im Südwesten, wo ich herkomme, ist anthroposophes Denken tief verwurzelt. Da mischt sich gerne die badische Revoluzzertradition der 48er Revolution und Jugendbewegungen vom Anfang des 20. Jahrhunderts mit steinerschen Ideen und allerlei Hokuspokus. Oft werden davon Damen mittleren Alters, oft Akademikerinnen, vom Wahn befallen, das konnte man beispielsweise gut an meiner damaligen Zahnärztin und der örtlichen Apothekerin sehen. Absolute Impfgegnerinnen, Teilnehmerinnen von Schamanen- und Hexenhappenings schon in den 80ern, aber sonst fachlich durchaus auf der Höhe. In der Zeitschrift Schrot und Korn werben auch gerne Kliniken von dort für zweifelhafte Heilmethoden. Ausser bei der Merz Akademie in Stuttgart, die seit dem Neustart in den 90ern nicht mehr befallen ist, finden sich immer noch viele anthroposophische Merkwürdigkeiten in der Merz Schule und dem Merz Kindergarten. Das hat aber nicht nur im Südwesten Tradition, auch in Sachsen haben solche Strukturen die Zeiten überdauert. Das wissen viele Leute überhaupt nicht. Auch zu Beginn der grünen Bewegung in den frühen 80ern sammelten sich viele dieser Leute unter den Fundis der neuen Partei. Oft sind die wirklich gebildet, aber eben oft auch sehr offen für hanebüchenen Schmarrn.


QuotePedroleum 14:49 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Bronstein 13:46 Uhr

    Veganer, Heilpraktiker, Homöopaten, Telepaten, Impfgegner, Waldorfler, Weltfriedensapostel, Hellseher, Strahlenwarner - eigentlich das Volk,
    das in der Gegend um Stuttgart die Grünen zur Macht gebracht hat. Jetzt,
    wo es ihnen zu bunt wird, schreien sie "Gefahr von rechts". De facto
    ist es die Fortsetzung der Irrenoffensive der frühen 1970er.


Nein, das ist eher eine erfolgreiche Vereinnahmung von rechts. Das passiert genannten Gruppierungen nicht zum ersten Mal. Und vor allem in Berlin kann man Vereinnahmungsversuche von eher linken Gruppierungen durch rechtsradikale bis rechtsextreme Aktivisten immer wieder beobachten: So gab es z. B. in der Gründungsphase der Grünen in Westdeutschland Versuche, die noch junge Partei von rechts zu unterwandern, besonders in Berlin. Allerdings blieb es damals bei Versuchen (Siehe den Abschnitt "Gründung erster Landesverbände 1979 und der Bundespartei 1980 auf Wikipedia und die dortigen Quellen" [https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCndnis_90/Die_Gr%C3%BCnen#Geschichte]).

Mehr Erfolg hatten hingegen die Mahnwachen für den Frieden [https://de.wikipedia.org/wiki/Mahnwachen_f%C3%BCr_den_Frieden] in den Jahren 2014 bis 2016, die an die Friedensbewegung anknüpften. Die ersten Mahnwachen fanden in Berlin statt und Linke nutzen für diese Mahnwachen eine Bezeichnung, die auf die rechte Vereinnahmungsversuche während der Zeit der Weimarer Republik zurückgeht: Querfront.


QuoteLuisa_f 13:46 Uhr

Dass die Dame Heilpraktikerin ist, muss nicht erwähnt werden, denn es spielt keine Rolle. Außer, die Medien haben - wieder einmal - im Sinn, alles, was mit alternativen Heilmethoden zu tun hat, als "eso" zu verunglimpfen (ohne dabei zu wissen, was "Esoterik" wirklich bedeutet).
Das ist unsachliche und falsche Stimmungsmache und seriöser Journalistik nicht würdig.
Es gibt kein Schwarz-Weiß. Es gibt kein "Schulmedizin = gut, Alternativmedizin = Scharlatanerie, Rechtsextremismus etc.

Die (voll abzulehnende) politische Ideologie jener Dame hat mit ihrem Beruf nichts zu tun.


QuoteFiffiKronsbein2 14:17 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

Hmmm, lassen Sie mich raten: SIE sind Heilpraktikerin?


QuotePat7 14:31 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

Ist Ihnen noch nicht aufgefallen, dass fast immer bei potenziellen Straftätern die Berufe mit genannt werden? ...


QuoteGEO65 14:23 Uhr
Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

    Dass die Dame Heilpraktikerin ist, muss nicht erwähnt werden, denn es spielt keine Rolle. Außer, die Medien haben - wieder einmal - im Sinn, alles, was mit alternativen Heilmethoden zu tun hat, als "eso" zu verunglimpfen (ohne dabei zu wissen, was "Esoterik" wirklich bedeutet).
    ...
    Die (voll abzulehnende) politische Ideologie jener Dame hat mit ihrem Beruf nichts zu tun.


Stimmt, eine kleine Minderheit der Heilpraktiker*innen sind nicht auf der Eso-Tour.


QuoteKarausche 14:33 Uhr

Antwort auf den Beitrag von Luisa_f 13:46 Uhr

Allerdings vereinfachen Sie auch, wenn sie alternative Heilmethoden und Heilpraktiker in einen Topf werfen. Wenn mir ein Arzt Akkupunktur anbietet und eine entsprechende Ausbildung hat nehme ich die Alternative gerne an. Heilpraktiker müssen lediglich eine Prüfung bestehen- nichteinmal eine Schule besuchen, keinerlei medizinische Ausbildung haben! Und was da alles als "Heilmethode" über Heilpraktiker angeboten wird schüttelt ein Schwein!!!


Quotepucky 13:46 Uhr

    dass vor dem Haus immer wieder Autos mit Ravensburger Kennzeichen auftauchten. Diese seien in der Gegend höchst ungewöhnlich, so die
    Nachbarin. Ravensburg hat seit Jahren eine stetig wachsende
    Reichsbürger-Szene zu verzeichnen


Soll das Journalismus sein? In der Strasse steht ein Auto mit Ravensburger Kennzeichen, muessen wohl Reichsbuerger sein. Auch die ganze Puzzle-Industrie ist von Reichsbuergern unterwandert. Sie erkennen die demokratische Grundordnung nicht  an.


QuoteEispickel 14:14 Uhr
Antwort auf den Beitrag von pucky 13:46 Uhr

Gut erkannt, sieht man doch in jedem Spielzeugladen wie die Ravensburger intakte Bilder buchstäblich "verhackstücken".
Und das Autokennzeichen aus Gütersloh im Freistaat Bayern unangenehm auffielen, hatten wir vor einigen Wochen, das wird jetzt scheinbar zu einer neuen Trendsportart.


QuoteHarzgeist 13:30 Uhr

Die Frau mag merkwürdig und verschroben sein, Ansichtsache und ihr gutes Recht.

Aber der ehemalige Staatsekretär im Verteidungsmisterium Wlly Wimmer CDU schrieb auch einiges zum Thema Friedensvertrag und Deutschland als unsouveräner, gehorsam- und tributpflichtiger Vasall der USA.

https://www.nachdenkseiten.de/?p=43809

...


Quoteniels 13:25 Uhr

2020. Das Jahr wo die Klima-Kids sich wie Erwachsene benehmen und die Boomer-generation wie spinner.


Quotetca 14:53 Uhr
Antwort auf den Beitrag von niels 13:25 Uhr

Das haben Sie schön ausgedrückt.
Ich glaube nicht an den Kinderfresserscheiß und auch nicht an den Reichsbürgerquatsch.
Aber ich frage mich schon sehr, warum gerade gefühlt die halbe Republik anfängt total am Rad zu drehen.
Weiß man eigentlich, wer hinter Q Anon steckt?


QuoteFWE66 13:17 Uhr

Kann mich einer anrufen, wenn's mal wieder andere Themen gibt?


Quotekolorit 12:59 Uhr

Zack. Und schon ist die Dame berühmt  und kann bei Big Brother mitmachen.


Quotegehirnstein 13:09 Uhr

Gibt es eine Krankenkasse die NICHT für Homöopathie und Heilpraktiker bezahlt? Würde ich sofort hinwechseln.


QuotePalolo 12:57 Uhr

    Tamara K. möchte dem Tagesspiegel am Telefon keinerlei Details über ihr Privatleben verraten.

Das ist ja unerhört!


Quotelilli90 12:56 Uhr

Unter einer Website zur alternativen Therpaeutensuche liest man, dass Tamara K. anthroposophische Medizin betreibt.
Das wundert mich nicht, setzt sich doch vermutlich ein großer Teil der Truppe vom Wochenende aus Anhängern der esoterischen Schwurbeleien Rudolf Steiners zusammen, bei den Impfgegnern jedenfalls sind sie führend.


QuoteP.U.Baer 12:53 Uhr

Aus gut unterrichteten Kreisen habe ich erfahren, daß Lebewesen, die in Deutschland schwarz-weiß-rote Fahnen schwenken, in Wirklichkeit reptiloide Aliens sind, die die Menschen in Deutschland unterjochen und vernichten wollen.


Quotepurist 12:41 Uhr

Das kommt dabei raus, wenn man von Globuli berauscht ist?


QuoteMotoko 12:37 Uhr

In gesellschaftlichen Stress-Situationen erschaft sich "der historische Moment" (oder das was manche dafür halten)
im guten als auch im schlechten ihre Charaktermasken.
Es sind die selbsternannten "Volkstribunen", die sich auf eine heilige Mission zur Erlösung (gegen Heiden / für das Vaterland)
befinden.
Sei es Lutz Bachmann bei der Pegida
oder nun Michael Ballweg bei den Corona-"Rebellen".

Und natürlich finden sich auch mehr oder weniger "erwachte" und "erleuchtete" (oder durchgeknallte) Jünger und Boten, die die frohe oder schlechte Kunde allen kundtun.
Kathrin Oertel und Tatjana Festerling "wirkten" da intensiv bei der Pegida mit (deren Höhepunkt die Demo im Januar 2015 mit 25.000 Teilnehmer war, natürlich auch mit Übertreibungen, jedoch nie so abartig extrem wie jetzt).

Und so offenbart sich nun Tamara K., die Wissende.
Wir dürfen gespannt sein, welche weiteren "Heilsbringerrin" uns die brodelnde Mengelage bescheren wird.


QuoteFranziziska 12:29 Uhr

Lieber Tagesspiegel, bitte hört doch auf, die Narrative der Rechten zu verwenden und vom "Sturm auf den Reichstag" oder "stürmen" zu schreiben. Andere Medien schaffen das doch auch, bei Ihnen fällt dies immer wieder unangenehm auf. Es ist Wasser auf die Mühlen der Rechtsextremen, füttert deren Größenwahn und überhöht und heroisiert die ganze Aktion. Das kann niemand wollen; präzise Sprache ist doch eine Grundaufgabe guten Journalismus.


Quotetca 15:20 Uhr

Antwort auf den Beitrag von MaerkerinderMark 12:22 Uhr
... Meine Kinder haben irgendwann angefangen zu begreifen, was Märchen sind und was nicht. Sie haben ein Gespür für die Wirklichkeit entwickelt. Dieser Entwicklungsschritt fehlte am Samstag offenbar knapp 40 000 Leuten.


...

Quote[...] Die Initiative "Querdenken 711" hat die Vorwürfe zurückgewiesen, die von ihr organisierten Corona-Proteste würden zunehmend von Rechtsextremisten vereinnahmt. Bei den Demonstrationen am vergangenen Wochenende in Berlin habe er "keine Rechtsextremen gesehen", sagte der Gründer der Initiative, Michael Ballweg, dem SWR. Seine Initiative sei eine "demokratische Bewegung" und weder links- noch rechtsextrem.

Zu den bei Rechtsextremisten beliebten Reichsflaggen, die bei den Protesten am Wochenende zu sehen gewesen waren, sagte Ballweg, zu den Menschen mit diesen Fahnen habe seine Initiative Ordner geschickt. Dabei sei zu hören gewesen, diese Flaggen seien verteilt worden. Seine Initiative werde künftig mehr auf mögliche Rechtsextreme unter den Demonstranten achten, kündigte Ballweg an.

Bei den Protesten in der Hauptstadt gegen die Corona-Politik der Bundesregierung war die Lage am Samstagabend am Reichstag, dem Sitz des Bundestags, eskaliert: Hunderte Rechtsextreme stürmten die Treppe des Gebäudes, einige von ihnen schwenken die Reichsfahne. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte anschließend, Rechtsextremisten seien dabei, die Bewegung gegen die Corona-Maßnahmen "komplett zu kapern".

Nach Angaben Ballwegs wird die aus Stuttgart stammende Initiative "Querdenken 711" die Proteste in der Hauptstadt künftig nicht mehr organisieren, sondern dies dem Berliner Ableger "Querdenken 30" überlassen. Der Ableger in der Hauptstadt habe noch Vorbereitungszeit gebraucht, um selber Großdemonstrationen organisieren zu können, inzwischen sei er dazu in der Lage. "Querdenken 711" werde sich nun wieder auf die Proteste in Stuttgart konzentrieren.

Nach Informationen des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) soll eine ursprünglich für den Einheitsfeiertag am 3. Oktober geplante Demonstration der "Querdenken"-Initiative nach Konstanz verlegt werden. Dies habe ihm Ballweg gesagt, schrieb der RBB-Journalist Olaf Sundermeyer auf Twitter.

Quelle: ntv.de, bad/AFP/dpa


Aus: ""Keine Rechtsextremen gesehen" "Querdenken 711" bestreitet Vereinnahmung" (Mittwoch, 02. September 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/politik/Querdenken-711-bestreitet-Vereinnahmung-article22009640.html


Link

#202
Quote... Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen versammelten sich Ende August in Berlin viele Tausend Menschen zu einer Großdemonstration. Sie hatten eine klare Botschaft, die sie mit Rufen nach ,,Freiheit" deutlich verkündeten: Weg mit den staatlich verordneten Auflagen zur Eindämmung der Corona-Pandemie. Demonstrationen sind in einer Demokratie etwas Normales, sogar Lobenswertes. Was aber, wenn es hier nicht um Diskussion und Austausch von Standpunkten geht? Warum wurden und werden auf Corona-Demonstrationen wieder verschwörungsmythologische und oft auch antisemitische Motive und Slogans verwendet?

... Gates und Soros werden nicht zufällig zu Sündenböcken für die Pandemie gemacht. In autoritären und verschwörungsideologischen Kreisen sind sie schon seit langem beliebte Feindbilder. Soros, ein Holocaustüberlebender ungarischer Abstammung, wurde unter anderem vom ungarischen Staatsoberhaupt Viktor Orbán beschuldigt, durch seine Stiftung für die Migrationsbewegung im Jahr 2015 gesorgt zu haben, angeblich, um die europäische Zivilisation zu zerstören. Orbán machte sogar im Europawahlkampf massiv Stimmung gegen Soros und sorgte dafür, dass die von Soros gestiftete Central European University von Budapest nach Wien umziehen musste.

Gates geriet durch seine Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung in die Schusslinie von Verschwörungsideologen, da er einen nicht unerheblichen Teil seines Vermögens verwendet, um sich u.a. für die Verbesserung der weltweiten Gesundheitsversorgung einzusetzen. Manche Verschwörungsgläubige witterten hinter diesem Engagement eine Kampagne zur Selbstbereicherung oder wahlweise zur Kontrolle der Menschheit.

Die Großdemonstrationen in Berlin wurde maßgeblich von Aktivisten der Initiative Querdenken 711 vorbereitet. Die Zahlenkombination weist dabei auf die telefonische Vorwahlnummer in Stuttgart hin. Hier findet sich ein zentrales Motiv dieser sog. ,,glokalistischen" Protestbewegungen: Einerseits bedienen sie sich wie selbstverständlich der globalen Kommunikationsmedien. Aber andererseits fordern sie auch eine lokale Beheimatung, ein Ernstnehmen und Gehörtwerden am Wohnort.  Die mediale Globalisierung wird genutzt, um die politische Globalisierung als vermeintliche Verschwörung anzuprangern.

Dementsprechend funktioniert auch die Organisations- und Finanzierungsform dieser Bewegungen: Über digitale, vor allem US-amerikanische (Facebook, WhatsApp) und russischarabische Medienanbieter (Telegram) vergemeinschaften sich die Betreffenden in wachsenden Gruppen und einigen sich auf bestimmte, gegen ,,die Eliten" gerichtete Verschwörungsmythen. Hinzu kommen das Sammeln von Spenden und der Verkauf von Produkten wie T-Shirts und Büchern bis hin zu eigenen Medien-Abonnements. Die öffentliche Versammlung in möglichst großen, gerne auch übertrieben inszenierten Versammlungen mit Reden, Liedern und Ritualen stärkt wiederum den Event-Charakter und wird in Tausenden Fotos und Videos ins Netz zurückgespielt.

Was hier greift, ist pure Religionspsychologie: Eine gegen die Mehrheit gerichtete Mythologie wird unter den Gläubigen durch digitale, finanzielle und schließlich tatsächliche Opfer-Taten inszeniert, bekräftigt und missionarisch verkündigt. An die Stelle von gefühlter Machtlosigkeit – in der Sprache der Psychologie: ,,mangelnder Selbstwirksamkeit" – treten die lokale Organisation und der Traum, die bestehende Ordnung zu stürzen und einer großen Wahrheit zum weltweiten Durchbruch zu verhelfen. ... Baden-Württemberg hat starke Traditionen des Platonismus geerbt – vor allem den Verschwörungsmythos, nach dem der Mensch von Gauklern in einer Höhle gefangen wäre und eines starken Befreiers bedürfe. In zunächst süddeutschen Werken des frühen Buchdrucks wie dem ,,Hexenhammer" von 1486 wurden antisemitische und frauenfeindliche Verschwörungsmythen verbunden: Juden und ,,Hexen" sollen demnach heimliche Verschwörungen mit dem Teufel betreiben, den ,,Hexensabbat" begehen und aus getöteten Kindern ,,Hexensalbe" gewinnen. Genau dieser wahnwitzige Verschwörungsmythos tauchte ab 2017 zunächst in den USA als ,,Adrenochrom-Weltverschwörung" wieder digital auf und wurde nicht zuletzt durch badenwürttembergische Prominente wie den Sänger Xavier Naidoo publikumswirksam propagiert. ... Im 20. Jahrhundert trat zudem – mit dem Beginn der Waldorfschul-Bewegung in Stuttgart – die global erfolgreiche Anthroposophie hinzu, die sich auf platonische Sichten und Lehren ihres Gründers Rudolf Steiner (1861-1925) beruft und nicht selten in einem Spannungsverhältnis zu empirischen Wissenschaften und insbesondere Impfungen steht. Aus der Schweiz propagiert schließlich der Sektengründer Ivo Sasek einen massiven, christlichen Antisemitismus, nach welchem es sich bei Covid-19 um eine durch den jüdischen Holocaust-Überlebenden George Soros finanzierte ,,Biowaffe" handele. Entsprechend haben viele religiöse, weltanschauliche und esoterische Bewegungen im Südwesten inzwischen mit der Ausbreitung von Verschwörungsmythen auch in den eigenen Reihen zu ringen. Es sind also weniger positive Überzeugungen, als vielmehr die gemeinsame Angst vor einer vermeintlichen Weltverschwörung durch ferne ,,Eliten", die insbesondere in Süddeutschland – aber längst nicht mehr nur hier – ganz unterschiedliche Personengruppen zu einer sogenannten ,,Querfront" zusammenbinden: Esoterikerinnen, Impfgegner, Umweltaktivistinnen, Rechtsextreme, Reichsbürger, Yoga-Anhänger, Linksrevolutionäre, Globalisierungskritikerinnen und Friedensaktivisten beteiligen sich an Corona-Protesten. Gemeinsam werfen sie gewählten Regierungen, Medien, Wissenschaften und internationalen – oft jüdischen – Akteuren Weltverschwörung vor und wenden sich gegen Rationalität, Verantwortung, wissenschaftliche Erkenntnisse und demokratische Auseinandersetzung. Das Motiv der ,,Corona-Diktatur" taucht auf den Querdenken-Demos immer wieder auf. Auf Plakaten und in Parolen wird in unterschiedlichen Variationen davon gesprochen, dass Grundrechte durch die Corona-Maßnahmen entzogen würden, dass immer mehr unbegründete Zwänge herrschten und dass die Bevölkerung von Eliten und der Regierung hinters Licht geführt würde. Es ist immer wieder von der Freiheit die Rede, die beschnitten oder ganz abgeschafft würde. Einige der genutzten Motive – wie das antisemitische Anheften von sogenannten ,,Judensternen" (zur Selbstinszenierung als Opfer einer vermeintlichen Vernichtungspolitik) – sind älter als die Querdenken-Bewegung und tauchten bereits vereinzelt bei Protesten gegen Dieselfahrverbote auf. All das klingt modern und aktuell, ist jedoch tatsächlich sehr alt. Der Antisemitismus wurzelt schon in der Antike, als sich das Judentum als erste Religion des Alphabetes herausbildete. ...

Aus: ,,Verschwörungsmythologische Tendenzen in der Corona-Krise: ,,Die Demokratie wird Schaden nehmen"" Dr. Michael Blume (2. September 2020)
https://www.ruhrbarone.de/verschwoerungsmythologische-tendenzen-in-der-corona-krise-die-demokratie-wird-schaden-nehmen/189626

---

"Corona - Lügner - Fakten - Sorgen" Klaus Weinert (02. September 2020)
https://www.heise.de/tp/features/Corona-Luegner-Fakten-Sorgen-4883518.html

QuoteTPNutzer, 02.09.2020 10:31

Wieder zeigt sich...

Artikel auf Telepolis muss man nicht mehr lesen, es reicht aus die Überschriften zu lesen bzw. den Text kurz zu überfliegen.

Klaus Weinert schrieb:

    Tatsache ist aber, dass zum Beispiel die Corona-Toten in Italien die Verstorbenen der Grippewelle von vor drei Jahren um 12.000 überschreiben (23.000 zu derzeit knapp 36.000), ähnlich ist es in anderen Ländern.

[Hervorhebung von mir]

Soso, das sind alles "Corona-Tote". Oder verhält es sich am Ende so wie in den USA, dass lediglich 6% aller "an Corona" Verstorbenen als alleinige Diagnose Covid-19 hatten (die man zu großen Teilen dann vermutlich per panikbedingter-Falschbehandlung totbehandelt hat). Ein sehr großer Anteil hatte neben einem positiven PCR-Test auf SARS-Cov2 ebenfalls Influenza, Lungenentzündung, Massive Herzprobleme, Krebs, Hirnblutungen...

Das Chaos im Krankenhauswesen in Italien, hoher Krankenstand bei Ärzten/Pflegern, Lockdown, massenhaft Falschbehandlungen (u.a. invasive Beatmung, aggressive Medikation mit antiviralen Mitteln) etc. - kann man alles vernachlässigen. Die Leute sind ALLE and Corona gestorben....



QuoteMr.Chainsaw, 02.09.2020 10:34

Re: Wieder zeigt sich...

Das ist in der Medizin ganz normal. Wenn jemand an Aids oder Krebs stirbt dann ist die eigentliche Todesursache in der Regel auch irgendein Organversagen. Die Ursache dafür ist aber eben HIV oder der Krebs. Genau wie die Ursache bei den Toten letztlich Corona war. Ist aber für die Debatte eh nebensächlich.


QuoteYang09, 02.09.2020 10:34


Finde den Artikel auch schwach, aber hier (link) eine gute Nacharbeit:
Corona-Pandemie So unterschiedlich meisterte Europa die erste Welle
Vor sechs Monaten breitete sich das Coronavirus rasant in Europa aus. Die Länder reagierten ganz unterschiedlich darauf - mit entsprechenden Konsequenzen. Eine Bilanz der ersten Pandemiewelle in Zahlen.Von Holger Dambeck, 15.08.2020, 09.42 Uhr
https://www.spiegel.de/wissenschaft/corona-pandemie-so-unterschiedlich-meisterte-europa-die-erste-welle-a-dca7cabf-8a3b-4bbc-a776-50384285969a

So wie ich mir die Welt aktuell erkläre, gibt es nur eine Zahl die wirklich die Gefährlichkeit bzw Ungefährlichkeit von Corona im Nachgang vermessbar macht: Die Übersterblichkeit wenn man nichts macht. Alles andere zeigt nur wie viel, wie zielgenau, usw getestet wird.

Einige Länder (UK, US, Brasilien) haben gar nichts unternommen, darum kann man dort die Übersterblichkeit für die ungebremste Ausbreitung ermitteln. Hier zeigt sich dass Corona doch deutlich gefährlicher ist als selbst eine schwere Grippewelle.
In dieser Aussage stecken einige Annahmen, etwa dass unterschiedliche Gesundheitsversorgung, Altersdurchschnitt, etc im Vergleich der Länder keine große Rolle spielen. Das stimmt natürlich nicht zu 100% aber so unterschiedlich sind zumindest UK/US nicht von uns.

Die Übersterblichkeit ist natürlich nur im Nachhinein als Zahl verwendbar. Wenn man daraus Handlungen ableiten würde, wäre man um Wochen oder Monate zu spät. Muss auch klar sein.

In der geringen Übersterblichkeit in Deutschland zeigt sich die Wirksamkeit der Maßnahmen. Nicht mehr und nicht weniger. Welche Maßnahmen wie viel gebracht haben und ob ein Teil auch schon gereicht hätte, das ist offen. Gut möglich, dass der komplette Lockdown 20% davon erklärt, Masken und Homeoffice und freiwilliges Abstand halten im Verhältnis viel mehr. Man weiß es nicht.

Schweden zeigt, dass Freiwilligkeit viel gebracht hat aber ein kompletter Lockdown nochmals deutlich mehr. Man kann es heute nicht rückwirkend sagen. Viel wichtiger, man konnte es damals nicht vorausschauend wissen. Hätte ein Politiker gesagt "Ich wette mit euch dass Masken tragen ausreicht. Mein Wetteinsatz ist euer Leben" wäre das nicht gut aufgenommen worden.

Meine Hoffnung wäre ja, dass Masken tragen und gesteigerte Hygiene insgesamt anerkannt bleibt und dadurch die Ausbreitung aller solcher Infektionskrankheiten, inkl normaler Grippe, in Zukunft deutlich niedriger sein wird. Dann hätte das Ganze auch langfristig etwas gutes gehabt. Naiv, ich weiß.

Aber ehrlich gesagt, wenn sporadisches tragen einer Maske und mehr Hände waschen meine größten Probleme wären, dann ginge es mir ziemlich gut, oder?


...

Link

Quote[...] Seit einem halben Jahr dreht sich mehr als je zuvor alles um die ,,Normalität": um die alte, die durch die Corona-Maßnahmen verloren wurde (wann wieder ins Stadion, wieder in den Club, wieder in den Hörsaal, wieder ins Flugzeug?) – mehr noch aber um die ,,neue", das rätselhafte ,,New Normal". Sollen ganze Büros, Unikomplexe oder Fabriken durch Homeoffice und/oder voll digitalisierte Produktion ersetzt werden? Die Reaktionen der Betroffenen sind gespalten: Die einen schwärmen von der neuen Normalität und feiern sie bereits an den Börsen, die anderen halten solche Aussichten für ,,überhaupt nicht normal" und fordern ihr ,,Old Normal" zurück. Derweil wächst eine Massenstimmung ängstlicher Sorge, in der sich die Ahnung verbirgt, dass die Entscheidungseliten nicht nur nicht wüssten, was genau es mit dem Virus auf sich habe, sondern auch nicht, welche Art Normalität eigentlich ihre Geschäftsgrundlage bilde. Es ist, als ob es für die Wirksamkeit von Normalität gerade notwendig sei, sie spontanen subjektiven Stimmungen zu überlassen und nicht genau nachzufragen, ob diesen nicht doch objektive strukturelle und funktionale Korrelate entsprechen.

Die Corona-Krise wird oft als ,,Lupe" bezeichnet, die übersehene Strukturen (etwa Lieferketten) sichtbar macht – sollte das nicht auch für die Normalität gelten? Woran messen Experten den Grad von Denormalisierung und Normalisierung?

...


Aus: "Coronas Kurven" Jürgen Link (Ausgabe 33/2020)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/coronas-kurven

Link

Quote[...] In Deutschland gelang es, den auch durch heimkehrende Urlauber ausgelösten neuerlichen Anstieg der Fallzahlen zumindest einzudämmen. Die Zahl der täglich gemeldeten Neuinfektionen entwickelt sich seit vergangener Woche im 7-Tage-Schnitt wieder rückläufig.

Anderswo dagegen sieht es düster aus. Spanien zum Beispiel verzeichnet seit Mitte August einen dramatischen Anstieg bei den neu nachgewiesenen Coronavirus-Infektionen. Im mehrtägigen Mittel sind es mittlerweile deutlich mehr als 8000 Fälle pro Tag. Zum Vergleich: Während des Höhepunkts der ersten Welle im Frühjahr waren es in Spanien niemals mehr als 9300 Neuinfizierte am Tag. Aktuell jedoch meldete Madrid für Montag inklusive der beiden Tage des zurückliegenden Wochenendes landesweit mehr als 23.500 Neuinfektionen - also im Schnitt rund 7850 pro Tag.

Bei der Zahl der spanischen Neuinfektionen kommt es zudem zu erheblichen Schwankungen. Grund ist eine Entscheidung der spanischen Behörden: Seit Anfang Juli werden dort am Wochenende keine neuen Zwischenstände mehr veröffentlicht. Dadurch häufen sich Nachmeldungen an, die zu Wochenbeginn dramatisch wirkende Ausschläge auslösen.

Eine rapide Verschlechterung der Gesamtsituation zeigt sich in Frankreich. Das Nachbarland im Westen musste die Corona-Auflagen in den vergangenen Wochen gleich in mehreren Landesteilen wieder verschärfen. Das Auswärtige Amt stuft derzeit zwei Regionen als Risikogebiete ein, darunter auch den Großraum Paris.

Landesweit hat das Fallaufkommen die nach deutschen Maßstäben geltende Obergrenze von 50 Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage je 100.000 Einwohner überschritten. Wenn die Entwicklung anhält, wäre bald auch mit einer formellen Reisewarnung für ganz Frankreich zu rechnen. Laut Daten des französischen Gesundheitsministeriums überschritten in der Kalenderwoche 34 insgesamt 13 Departements die Obergrenze.

Bei der Gesamtzahl der bisher nachgewiesenen Ansteckungen hat Frankreich Deutschland längst überholt. Die französischen Behörden gehen derzeit von mehr als 281.000 Coronavirus-Fällen aus. Die Zahl der Todesfälle liegt mit 30.635 sogar um ein Vielfaches über dem deutschen Niveau. Dafür kann es eigentlich nur zwei plausible Gründe geben: Entweder ist es in Frankreich in den vergangenen Monaten nicht gelungen, das Vordringen des Erregers in die älteren Bevölkerungsschichten zu verhindern, oder die Zahl der nicht entdeckten Ansteckungen im Land ist sehr viel höher als in Deutschland.

Generell gehen Epidemiologen davon aus, dass sich die Sterberate im Zusammenhang mit Coronavirus-Infektionen international eigentlich angleichen müsste. Schließlich unterscheidet das Virus nicht nach Nationalitäten. Den Schwachpunkt in den Berechnungen zum Fall/Verstorbenen-Anteil bilden natürlich die Meldedaten und die damit verbundenen Unsicherheiten. Die Annahme sich angleichender Werte gilt natürlich nur, sofern die auftretenden Infektionen auch in vergleichbaren Ausmaßen erfasst werden.

Ein auffallend hohes Fallaufkommen zeigt sich derweil nicht nur in Spanien und Frankreich. Auch andere Teile Europas werden wieder von der Pandemie-Welle erfasst. In der Balkan-Region sind es gleich mehrere kleinere Staaten, in denen das Virus noch nicht unter Kontrolle ist. Über der Obergrenze liegt aktuell Bosnien-Herzegowina mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von knapp 59 Neuinfektionen. Das Nachbarland Montenegro kommt auf 73,5 aktuelle Fälle je 100.000 Einwohnern. Den europaweiten Spitzenwert weist die Republik Moldau aus: Dort zählen die Behörden in den vergangenen sieben Tagen offiziellen Angaben zufolge 76,5 nachgewiesene Coronavirus-Fälle je 100.000 Einwohnern.

Sehr viel besser in der Pandemie-Abwehr schlägt sich derzeit Italien. Das Land, das in Europa zum Ursprungsort Zehntausender Ansteckungen wurde und das im Frühjahr lange Zeit die europaweit mit Abstand meisten Coronavirus-Fälle zählte, konnte eine neuerliche Ausbreitung des Virus bislang erfolgreich verhindern.

Ein Blick auf die Italien-Karte der Regionen zeigt, dass die Pandemie dort zwar ebenfalls noch längst nicht überwunden ist. Das Fallaufkommen jedoch entwickelt sich dort vergleichsweise moderat. Im schwer getroffenen Norden des Landes mit den dicht besiedelten Ballungsräumen bleibt die Lage stabil. Die Schwerpunkte des Infektionsgeschehens haben sich mehr in den Süden verlagert.

... Die Behörden in London meldeten für das Vereinigte Königreich zuletzt mehr als 9200 Fälle pro Woche. Im Schnitt entspricht das rund 1300 Neuinfektionen pro Tag - etwas mehr als in Deutschland. Da Großbritannien insgesamt weniger Einwohner als Deutschland zählt, fällt die Sieben-Tage-Inzidenz mit einem Wert von 13,9 höher aus.

Legt man das deutsche Fallaufkommen als Maßstab an, so zeigt sich ein geteiltes Bild der Entwicklung: Die aktuellen Brandherde des Infektionsgeschehens befinden sich demnach in Westeuropa und auf dem Balkan. Länder wie Schweden - das bei den Corona-Auflagen und den Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung im Frühjahr einen etwas lockereren Ansatz verfolgte - liegen mit Deutschland nahezu gleichauf.

Höhere Infektionszahlen als in Deutschland sind - gemessen an der Sieben-Tage-Inzidenz - jedoch zum Beispiel in Griechenland (14,0 Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage je 100.000 Einwohner) zu erkennen. Belgien kommt bei dieser Vergleichszahl auf einen Wert von 19,7 und die Niederlande auf 20,4. Stärker betroffen sind derzeit Österreich (21,0), Tschechien (22,9) und die Schweiz (24,7).

Bemerkenswert niedrige Werte erreichen dagegen europäische Länder wie Serbien (9,9), Slowakei (9,0) und Finnland, wo das aktuelle Fallaufkommen bei 2,7 liegt. Auch das zentral in Mittel- und Osteuropa gelegene Ungarn kann sich zu dem Kreis der Staaten zählen, die bislang vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Krise kam. Trotzdem hat die Regierung in Budapest die Landesgrenzen Anfang September für nahezu alle einreisenden Ausländer gesperrt. Auch Deutsche dürfen seitdem nur noch in begründeten Ausnahmefällen ins Land.

Der Grund für diese energische Maßnahme liegt jedoch nicht etwa in den Ansteckungsrisiken durch Touristen aus Deutschland und den zeitweise deutlich angestiegenen Fallzahlen in den deutschen Bundesländern. Das EU-Land mit seinen rund 9,8 Millionen Einwohnern sieht sich vielmehr vor allem im Süden und Osten von Risikogebieten umgeben. In der Ukraine zum Beispiel, das sich mit Ungarn eine immerhin rund 130 Kilometer lange Grenze teilt, steigen die Fallzahlen derzeit immer weiter an.

Noch gravierender stellt sich die Lage aus der Sicht der ungarischen Behörden im östlichen Nachbarland Rumänien dar: Dort nähert sich die Sieben-Tage-Inzidenz der Alarmschwelle von 50 Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern. In dem EU-Land mit seinen gut 20 Millionen Einwohnern mussten seit Anfang August gleich mehr als ein Dutzend Regionen zu Risikogebieten erklärt werden. Seitdem hat sich die Lage dort nicht verbessert. Das Virus breitet sich auch in der rumänischen Hauptstadt Bukarest weiter aus.

Quelle: ntv.de


Aus: "Neue Corona-Risiken in Europa Virus-Krise trifft Deutschlands Nachbarn" Martin Morcinek und Christoph Wolf (Mittwoch, 02. September 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Deutschland-und-Europa-im-Vergleich-Pandemie-Krisenherde-im-Ausland-Wo-Corona-Europa-ueberrollt-article22008070.html


Link

Quote[...] Es gebe da eine ,,Irritation" zu klären, sagte Moderatorin Korinna Hennig gleich zu Beginn der Ausstrahlung am Dienstag. Christian Drosten habe nicht zwei Monate Urlaub gemacht, wie das in sozialen Medien kolportiert worden sei. ,,Es ist ein sehr arbeitsreicher Sommer gewesen", gab der Virologe der Berliner Charité in seiner ersten Podcast-Folge auf NDR Info seit dem 23. Juni einen kleinen Einblick in die vergangenen zehn Wochen. Vielmehr als ein Familienbesuch bei Oma und Opa sei im verbleibenden Urlaub nicht drin gewesen.

Dabei gibt es aus wissenschaftlicher Sicht laut Drosten nicht viel Neues zu erzählen. ,,Es gibt keine einzige wirklich neue Erkenntnis, die den Umgang mit der Pandemie verändern würde", sagte der Virologe. Dafür sei er mit sehr vielen praktischen Fragen beschäftigt gewesen. Warum es denn mit denn Schnelltests nicht schneller gehe, zum Beispiel. ,,Viel Beratungsbedarf" habe er festgestellt, gerade in Sachen PCR-Tests. Beraten habe er hauptsächlich die verschiedenen staatlichen Ämter unterhalb der höchsten politischen Ebene.

,,Nicht unbedingt wissenschaftlich" wollte Drosten auch seine wichtigste Botschaft an die Zuhörer verstanden wissen. Längst sei anerkannt, dass ein gewichtiger Teil der Virusübertragung über die Luft geschehe, über sogenannte Aerosole. Sie würden von einer schlecht sitzenden Maske nicht abgefangen. Gleichwohl schütze eine Maske in jedem Fall besser als keine Maske. ,,Es ist wie beim Mundgeruch", sagte Drosten. Auch dieser bestehe aus Aerosolen, und werde hinter einer Maske nicht mehr wahrgenommen. Ähnlich reduziere der Mund-Nasen-Schutz auch das Infektionsrisiko. Die Problematik der Aerosole als Übertragungsweg des Coronavirus verglich Drosten mit dem Rauchen in geschlossenen Räumen: ,,Am Anfang ist der Rauch nur bei mir, nach einer Stunde im ganzen Raum."

Der Virologe gestand in der Podcast-Folge einen Zusammenhang zwischen dem in den vergangenen Wochen vermehrten verdachtsunabhängigen Testen und den gestiegenen Infektionszahlen ein. Viele Labore arbeiteten ,,an der Belastungsgrenze". Dennoch gebe es gegenwärtig deutlich mehr positive Fälle als im Juni, als auch schon sehr viel getestet wurde. Die erhöhten Zahlen hingen, sagte Drosten, nicht nur mit dem vermehrten Testen zusammen.

Im Zusammenhang mit der Debatte um die Urlaubsrückkehrer wandte sich Drosten gegen einfache Deutungen. ,,Es gibt ganz unterschiedliche Reiserückkehrer", sagte der Virologe. Viele würden nicht im großen Kreis feiern, sondern bloß ihre Angehörigen besuchen. Mehr Sorge bereiten Drosten in den kommenden Monaten das Feiern in geschlossenen Räumen. ,,Wer an einer illegalen Techno-Party teilnimmt, wird versuchen, die Symptome zu verstecken", sagte Drosten voraus. Man habe nun eine völlig andere Art von Patienten als am Anfang der Pandemie, als sich vor allem ältere Menschen angesteckt hätten.

Ein anderes zuletzt vieldiskutiertes Thema bezeichnet der Virologe dagegen als ,,Medienphänomen". Er meinte damit die Berichte aus Hongkong, wonach sich ein 33 Jahre alter Mann zwei Mal infiziert haben soll. ,,Das sind Raritäten", sagte Drosten. Er sprach im Podcast von einem ,,Mediengeheische", schloss in seine Kritik aber ausdrücklich auch die Kollegen aus der Wissenschaft mit ein. Auch in den Niederlanden seien Forscher vorgeprescht mit der Aussage, sie hätten einen ähnlichen Fall gefunden.

Zukünftig soll der Podcast mit Christian Drosten weniger als eine One-Man-Show wirken. Deshalb interviewt NDR Info den Virologen künftig in Abwechslung mit der Virologin Sandra Ciesek vom Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt.


Aus: "Weshalb Masken gegen Aerosole schützen sollen" Niklas Zimmermann (01.09.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/coronavirus/corona-drosten-warnt-vor-illegalen-techno-partys-16932756.html

QuoteNiemand glaubt an Masken

    Edgar Thielsch (F.Spee), 02.09.2020 - 13:21

Denn sonst wäre es unzulässig, irgendwelche selbstgebastelte oder gar gehäkelte Masken zu benutzen. Denn die nutzen ganz offensichtlich gar nichts. Da geht's nur um eine Gehorsamsdressur.

Doch auch andere Masken nutzen nichts. Denn wären sie wirksam, müssten ja ALLE infektiösen Atemwegserkrankungen abnehmen. Das RKI sagt jedoch, dass sich die Fallzahlen im üblichen Rahmen bewegen (Wobei nebenbei bemerkt nur ca. 3% aller stationär behandelten, also schweren Erkrankungen der Atemwege CoVid-Infektionen sind) . Halten Masken etwa auf magische Weise nur Corona-Viren auf, andere Viren und Bakterien jedoch nicht?


QuoteIch kann diesen Blödsinn nicht mehr hören

    Martin Schmitt (euameise), 02.09.2020 - 13:19

Wie will der Obervirologe des Landes die Corona-Nanopartikel mit einer Stoffmaske aufhalten? Die Maschen der Maske sind groß wie ein Fußballfeld. Man kann sich vor Corona nicht schützen, in engen Räumen schon garn nicht. Hände waschen, gesunde Ernährung und viel beten.


QuoteMan muss in zwei Extreme nicht verfallen

    Elena Kerber, 02.09.2020 - 10:32

und den Vernunft bewahren. Was ist pragmatischer, eine Maske zu verweigern und sich der eventuellen Ansteckungsgefahr auszuliefern oder eine Maske stoisch auszutragen, aber sich die, in der Maske abgearbeitete Luft, ein und aus (was auch etwas schädlich ist) dauernd zu zumuten. Selbst wenn Jeder zweifelt, ob alles bei dieser Pandemie "sauber" verläuft, besonders in der Politik, ist es doch pragmatischer, sich die Maske z.B. im Einkaufszentrum oder beim Arzt im Wartezimmer zu zumuten - mit der Hoffnung, dass es nicht lange dauern wird. In manchen OP-Räumen, wo das medizinische Personal die hygienische Regeln nicht befolgt, herrscht ein multiresistenter Staphylococcus aureus- MRSA genannt, - ein Keim, der bei bestimmten Bedingungen mutieren kann und dann ist er sehr gefährlich. Keiner wünscht sich, in so ein Krankenhaus oder so eine Abteilung zu landen. Dann wünscht sich jeder Patient, ohne Ausnahme, dass das Medizinpersonal der Hygiene strickt folgt.


QuoteBin in Holland....

    Pascal Scher (PascalScher), 02.09.2020 - 09:16

Kaum jemand trägt Maske außer einige Touristen und sieht da, Holland ist nicht ausgestorben.


QuoteDie Kenntnisse über das Maskentragen

    Alfons Heemann (HaeuptlingFred), 01.09.2020 - 22:44

haben sich verändert und verbessert. Zunächst wurde so getan, als seien Masken zum Selbstschutz gedacht. Als publiziert wurde, dass Masken zum Schutz des Gegenüber dienten, war das für asoziale Egoisten ein Dorn im Auge und bis heute ein Grund zur Verweigerung. Wozu Rücksichtnahme? - Eine weit trivialere Feststellung ist die mangelnde Kenntnis über Maskenqualität und -Anwendung. Es ist naheliegend, dass die von Oma selbstgestrickte Maske oder das selbstgebastelte Maskentuch bei weitem nicht mit einer Qualitätsmaske mithalten können. Billige, schlecht sitzende Masken sind am meisten verbreitet, allein aus Kostengründen. Sie sind zwar besser als keine, jedoch schützen sie nur kurzzeitig und weniger wirksam als professionelle Masken, zB wie FFP2-Masken odmedizinisches Personal sie anwendet. Über die Maskenwirkung kann man sich informieren, zB darüber, dass Virenschutz bis 96% möglich ist: Fachmagazin ,,Physics Fluids", 30.06.2020


QuoteTrefflichst auf den Punkt bringt es im Moment die NZZ

    Rainer Mueller (RobinWood2), 01.09.2020 - 21:16

"Kollabierte Kommunikation: Was, wenn am Ende «die Covidioten» recht haben?
Auch mit Statistiken lässt sich trefflich lügen. Es ist unredlich, aus der Zunahme der Neuinfektionen eine derart grosse Gesundheitsgefahr abzuleiten, wie das derzeit vonseiten der Politik und der Medien geschieht." https://www.nzz.ch/meinung/kollabierte-kommunikation-was-wenn-am-ende-die-covidioten-recht-haben-ld.1574096?reduced=true

Dem kann ich aus nicht ueberraschenden Gruenden vollkommen zustimmen.


Quote

Voll daneben.

    Ulrike Faassen (Pumphutt), 02.09.2020 - 06:44

Die ,,Covididioten", ich würde eher sagen, es sind Menschen, die Zusammenhänge nicht analysieren und können, sollten doch mal nach Indien oder Peru schauen was da so geht und wieviel Glück wir hier haben und hoffentlich bleibt es so. ....


Quoteach was, Drosten

    Rolf Weser (clammi), 01.09.2020 - 20:32

ist nun mal Virologe. Und damit weiss er erheblich mehr als die, die mit Stanniolpapierhüten rumlaufen und sagen: "mein Bauch sagt mir"...etc.
Hört man die Argumente auf der Strasse, schüttelt es mich aufgrund einer weitverbreiteten Meinung, dass die eigene Meinung die Richtige nur sein kann. ....


QuoteAerosole werden überschätzt

    Berthold Grabe (BGrabe02), 01.09.2020 - 19:51

weil sie nur in wirklich engen und vollen Räumen die zu dem geringen Luftaustausch und lange Anwesenheitszeiten haben ,wie etwa Diskotheken, Partys, Konzerte, Fussballsatadien öffentliche Verkehrsmittel etc. von belang sind. Ansteckungen darüber hinaus sind selten und beherrschbar. ...


usw.

Link

Quote[...]  Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sieht inzwischen bessere Voraussetzungen für gezielte Gegenmaßnahmen bei steigenden Corona-Infektionszahlen als noch im Frühjahr. Es gehe jeden Tag um die richtige Balance zwischen Gesundheitsschutz sowie Alltag und Freiheit, sagte der CDU-Politiker am Rande eines Klinikbesuchs in Bochum. "Wir können heute diese Abwägungsentscheidung zwischen Schutz und Alltag besser treffen, weil wir mehr wissen, weil wir mehr Erfahrung haben."

Nach heutigem Wissensstand würde man keinen Friseursalon oder Einzelhandel mehr schließen müssen, sagte Spahn im Gespräch mit der Bild-Zeitung. Der Lockdown im März hätte demnach rückblickend betrachtet nicht so drastisch ausfallen müssen.

Allerdings verteidigte Spahn die im März getroffenen Maßnahmen. Nun, Anfang September, wisse man aber, "wie wir gut etwa im Einzelhandel im Regelbetrieb damit umgehen können, vor allem wenn wir Masken tragen und Abstand halten, ohne dass es zu Einschränkungen kommt". Vor allem Abstand, Hygiene und Alltagsmasken seien weiterhin wichtig, betonte der Gesundheitsminister.

Spahn war am vergangenen Wochenende von Gegnern und Gegnerinnen seiner Corona-Politik bei einem Besuch bei einer CDU-Veranstaltung in Bergisch Gladbach bespuckt und bepöbelt worden, als er das Gespräch gesucht hatte. Laut Polizeiangaben waren etwa 50 Demonstrierende vor Ort. Gegen einen 39-jährigen Demonstranten habe die Polizei Strafanzeige wegen Beleidigung des Ministers gestellt.


Aus: "Bundesgesundheitsminister schließt zweiten Lockdown aus" (2. September 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/deutschland/2020-09/corona-beschraenkungen-jens-spahn-massnahmen-verbesserung

QuotePergamentus #1.1

Dann sollte er sich mal bei den "Coronaidioten" entschuldigen - denn DAS haben DIE doch schon immer gesagt, und zwar wissenschaftlich begründet.


QuoteKapaster d.J. #1.2

Der korrekte Terminus ist "Covidioten".


QuoteBarbara W. #1.3

Na vielleicht wurden die Regenbogen Fahnen ja doch nicht von Nazis sondern Homosexuellen geschisst. Wer weisst das schon?
Finde es gut, das wenigstens ein Politiker zugibt, falsch gehandelt zu haben, wobei ein Herr Laschert ihm da Monate im Voraus war.
Hoffentlich werden jetzt alle ein bisschen normaler.


QuoteKapaster d.J. #1.4

Sie müssen schon richtig zuhören: Falsch gemacht wurde nichts, nur mit der Kenntnis von heute würde man nicht wieder so handeln.
Wer für Verantwortung fur andere tragen muss, wird den Unterschied kennen. Jemand, von dem nichts und niemand abhängt, vielleicht nicht.


QuoteTraumflug #1.11

DAS haben DIE doch schon immer gesagt, und zwar wissenschaftlich begründet.

Nachdem ich gestern dieses Video gesehen habe:
Der Corona-Soundtrack - Best Of "Hygienedemos"
Seit mehreren Wochen berichten wir immer wieder von Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen der Politik. Die Argumente dagegen sind so einfach wie verrückt: das Virus gibt es nicht, ist ungefährlich und dahinter stecken mächtige Eliten. Hier ein Best-Of der Corona-Demos ...
https://youtu.be/bCaTX7gd32E

... ist eines klar. Eine ganze Reihe Leute basteln sich ihre "Wahrheit" mit einer Fantasie zurecht, da wird jeder Fantasy-Romanautor neidisch.

Zum zitierten Kommentar: im März gab es noch gar keine wissenschaftlichen Erkenntnisse. Den Anhängern der Fantasy-Wahrheit sind solche Zusammenhänge natürlich einerlei.


QuoteTordenskjold #1.16

Genau, die Helden der Aluhutträger sollten ans Ruder. ...


QuotePrincess Poppy #1.17

Genau, die Helden der Aluhutträger ...

Sucharit Bhakdi ist ein deutscher Facharzt für Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie. Er ist emeritierter Professor der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und war von 1991 bis 2012 Leiter des dortigen Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene.

Wolfgang Wodarg ist ein deutscher Mediziner und Politiker der SPD. Er war viele Jahre als Mitglied des Deutschen Bundestages und der Parlamentarischen Versammlung des Europarates für Fragen der Sicherheit, Medizin und Gesundheit zuständig. Er war der Initiator der Untersuchungen des Europarates zur Pandemie H1N1 2009/10 zur Rolle der Impfstoff-Hersteller und der WHO.

So, jetzt dürfen Sie Experten vorschlagen. Es ist nämlich keines Falls so, dass ich nicht lernfähig "sein will" oder mich neuen Erkenntnissen verschließe, schon von Berufs wegen.


QuoteKaiHill #1.21

Hey Collage/Cornflakes
Zum Einstieg empfehle ich Ihnen folgende Stellungnahmen der Uni Kiel, an der Bhakdi seit mehreren Jahren Gastprofessor ist und auch seine Co-Autorin Reiß lehrt:

https://www.uni-kiel.de/de/coronavirus/details/news/corona-stellungnahmen-fehlalarm


QuoteThaddäusz #1.22

Meine Güte - solche Diskussionen wie hier können auch nur mitten in der Nacht stattfinden, da nutzt dann der eine oder die andere die Stunden nach der Geisterstunde, um sich hier möglichst ausführlich und ohne Widerspruch ausbreiten zu können.

Schlaf soll übrigens sehr gesund sein. Im Gegensatz zu Verbissenheit und Empörerei.


QuoteLloretta #1.47

,,Bhakdis Blick auf Politik und Gesellschaft sei eingeschränkt: Die Unterstellung von Dummheit, Absicht, Inkompetenz und Korruption bestimmten seine Perspektive. Sein Auftritt bei Ken Jebsen zeige entweder Geistesverwandtschaft oder Naivität. Der Gipfel der Unglaubwürdigkeit ist nach Meinung des Rezensenten erreicht, wenn Bhakdi eine Verletzung von Grund- und Menschenrechten behauptet und sich zu einem Vergleich mit der Nazizeit versteigt. [... Christian Rabhansl von Deutschlandfunk Kultur (8. August 2020) gesteht ein, dass es viele offene Fragen zur Pandemie gibt. Bhakdi und Reiss eröffnen laut Rabhansls Beitrag ,,eine ideale Projektionsfläche für alle üblen Gründe – von flächendeckender Unfähigkeit über bösen Willen bis zu einer weltweiten Verschwörung. Ein Buch, das nüchterne Fakten verspricht, aber viel Polemik liefert." An vielen Stellen bleibe die genaue Position der Autoren laut Rabhansl offen – ,,außer, dass sie dagegen sind. Die prägenden Stilmittel dieses Buchs sind das Geraune, die rhetorische Frage, die Unterstellung und die Andeutung." Hauptkritik Rabhansls ist, dass gerade wegen der vielen von Bhakdi und Reiss zu Recht dargestellten Ungewissheiten entschiedenes Handeln notwendig gewesen sei, ähnlich einem Feuerwehreinsatz, wie es Alexander Unzicker im Onlinemagazin Telepolis passend dargestellt habe. Angesichts der Toten in Italien vor dem Handeln nach Langzeitstudien zu rufen, wie Rabhansl den Autoren unterstellt, sei ,,zynisch", ,,als wäre Vorsorge etwas für Feiglinge". ...] ,,

https://de.wikipedia.org/wiki/Corona_Fehlalarm%3F


QuoteLycaon pictus #2.11

"Wer sind denn die EIGENTLICHEN Idioten ?"

Die sehe ich an zwei Stellen: Die Neonazis, Reichsbürger, Verschwörungstheoretiker und ihre Mitläufer aus dem Umfeld von "Querdenken", die alles dafür tun, jegliche differenzierte Diskussion über die Corona-Maßnahmen unmöglich zu machen.

Hand in Hand mit den Autoritären und Illiberalen, denen der Staat schon immer zu lasch und die Justiz zu kuschelig war und die den Ball der Corona-Leugner denkbar aufnehmen, indem sie jede Detailkritik sofort in der rechtsextremen Dreckecke verorten (der sie mit ihrem Staats- und Gesellschaftsverständnis ansonsten aber alles andere als fernstehen).

Um so wichtiger, dass die Politik selber jetzt eine selbstkritische Bewertung vornimmt.


QuotePergamentus #5

"Nach heutigem Wissensstand würde man keinen Friseursalon oder Einzelhandel mehr schließen müssen, räumte Spahn im Gespräch mit der Bild-Zeitung ein. Der Lockdown im März hätte demnach rückblickend betrachtet nicht so drastisch ausfallen müssen.".

Dann haben die "Coronaidioten" ja recht gehabt....


QuoteWhyYouAlwaysLying #5.2

Und jetzt haben die Idioten unter den Kritikern recht. Toller Salat immer der selbe Mist mit Klerikern und Häretikern, eigentlich wollten wir mal von beiden nichts mehr wissen, aber ganz ohne geht es anscheinend auch nicht. Das Spahn, ungeachtet der Deppen auf beiden Seiten hier im Land, Dinge selbstkritisch offenlegt spricht für ihn. Ich hoffe er sticht in der letzten Runde noch alle aus aus. Einer der wenigen dem ich in der CDU zutraue ein tragbarer Kanzler für eine stabile Mehrheit der Bürger zu sein.


Quotesecret77 #5.3

"Dann haben die "Coronaidioten" ja recht gehabt...."

Zwischen Spahns differenziertem Rückblick und "Corona ist nur eine Erfindung" bzw "MerkelGatesSoros will die ganze Welt absichtlich mit fake Epidemien chippen" ist aber immer noch ein himmelhoher Unterschied.


Quotepauleric #5.4

Ein himmerhoher Unterschied besteht zwischen Ihrer Unterstellung und den differenzierten Positionen von dem Großteil der Kritiker.


QuoteWortgestoeber #5.5

Nein weil Spahn nur teilrichtig liegt. Ohne die Angst vor einem Lookdown würden wir noch viel mehr Leute ohne Maske und ohne Abstand sehen. Der Lookdown wäre nicht nötig gewesen, wenn man auf chinesische Wissenschaftler gehört hätte und die Maske sofort eingeführt hätte.


QuoteSever1 #6

https://youtu.be/ZfWEYeokZiA?t=802
In diesem ARD-Interview mit Spahn, spricht Spahn einen wichtigen Punkt an: Die PCR-Tests haben eine Falsch-Positiv-Rate. Das heißt, egal ob die Probe eigentlich negativ ist, spuckt der Test einen gewissen Prozentsatz an falschen, positiven Ergebnissen aus.
Genau das, vor dem Spahn hier warnt, die Testanzahl zu weit hoch zu fahren, ist aber in den letzten gut 2 Monaten passiert.

Um Spahns Aussage durch eine zweite, seriöse Quelle zu untermauern:
"[...] Bei Angaben zu Sensitivität und Spezifität der in Deutschland verwendeten PCR-Tests halten sich sowohl das Robert Koch-Institut als auch das nationale Konsiliarlabor am Institut für Virologie der Charité bedeckt. [...] Ein systematischer Review, der 957 negativ getestete Personen durch einen wiederholten Abstrich überprüfte, fand in den 5 Einzelstudien eine Rate initial falsch-negativer Ergebnisse zwischen 2 % und 29 %. Das entspricht einer ,,effektiven" Sensitivität der Tests zwischen 71 % und 98 % (4)"
Quelle Ärzteblatt:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/214370/PCR-Tests-auf-SARS-CoV-2-Ergebnisse-richtig-interpretieren

Kurz gesagt: Die aktuelle Positivrate von unter einem Prozent, zusammen mit einer extrem geringen Anzahl von Todesfällen im Zusammenhang mit Covid-19 lässt darauf schließen, dass es sich bei den vermeintlich positiven Tests nicht um Infektionen sondern um falsch positive Ergebnisse handelt.


QuoteSever1 #11.1

Danken wir den mutigen Demonstrantinnen und Demonstranten vom Samstag. Wenn es so weiter geht stehen die Chancen gut, dass es keine Impfpflicht geben wird.


QuoteBarbara W. #12

Jetzt müssen die "Covidioten" Kritiker aber sehr stark sein und bitte nicht unseren Gesundheitsminister beleidigen oder "die Medien".


QuoteTee4U #15

Wow, Hut ab Herr Spahn. Dazu gehört schon Mut, den Firlefanz mit den Geschäftsschliessungen im Nachhinein als sinnlos zu erkennen. Mir war vor ein paar Tagen schon völlig schleierhaft, wie ausgerechnet Spahn in Wuppertal und dann Bergisch-Gladbach zur Zielscheibe einzelner Personen wurde. Die Treiber der Lockdown-Politik waren erkennbar andere, ganz vorne die Cheifin im Kanzleramt. Ich hoffe, dass die Beton-Fraktion der Lockdown-Gegener imstande ist, zwischen den Akteuren zu differenzieren und Spahn Respekt zu zollen und nicht weiter zu verunglimpfen.


Quotesecret77 #15.5

"...Als wenn die Existenz von Millionen Menschen eine Ermessensfrage ist, wo man mehr Schaden egal ist, weil man im Zweifel immer mal etwas mehr tun sollte...."

Wenn man Leben gegen berufliche Existenz abwägen und das vor sich verantworten muss: ja, dann macht man das so als Mensch ...


QuoteTee4U #15.6

Es gibt keinen uneingeschränkten Schutz des Lebens (Schäuble). Das gilt auch z.B. für ca. 20.000 durch Krankenhauskeime (vorzeitig) Verstorbene. Ich kenne O-Töne von Hausärzten bei Angehörigen, die auf den Wunsch hin ins Kankenhaus zu kommen, die Aussage bekamen "Kurieren Sie sich bitte zu Hause aus. Glauben Sie mir, da sind sie sicherer." Nur ein Beispiel von vielen Vergleichen. Oder die Massen, die nach den Geschäftsschliessungen auf einmal in Bau- und Supermärkten unterwegs waren (damals noch ohne MNS-Masken). Völlig irre, das zu begreifen braucht es eigentlich nicht sehr viel Verstand.


QuoteUwe Z #16

---
"Nach heutigem Wissensstand würde man keinen Friseursalon oder Einzelhandel mehr schließen müssen, räumte Spahn im Gespräch mit der Bild-Zeitung ein. Der Lockdown im März hätte demnach rückblickend betrachtet nicht so drastisch ausfallen müssen."
---

Alle Achtung - Mut hat unser Bundesgesundheitsminister jedenfalls, in aller Öffentlichkeit mit dem in Deutschland unter plakativ-empörtem Propaganda-Dauerbeschuss stehenden schwedischen Modell zu sympathisieren.

Das zwar Infektionsschutz betreibt, den Schwed*innen aber trotz Corona-Pandemie NICHT die Autonomie bei der Ausgestaltung deren individueller, physischer Existenz entzieht, sondern auf Freiwilligkeit und NICHT auf Entmündigung setzt.


QuoteTordenskjold #19

Herrlich, wie manche sich nun krampfhaft bemühen Spahn misszuverstehen. Mit dem heutigen Wissen hätte er anders gehandelt... Na klar hätte er das. Da er das heutige Wissen nicht hatte, musste er aber handeln basierend auf dem Wissen, dass ihm zu damals zur Verfügung stand.
Also hat er rückblickend richtig gehandelt.

Wer da was anderes liest, der muss an seiner Lesekompetenz arbeiten oder sieht alles nur noch durch die Alu-Brille.

Ich halte wenig von Spahn, generell hat die Bundesregierung aber sehr vieles sehr richtig gemacht.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Beleidigungen. Danke, die Redaktion/mf.


QuoteRon Siderius #20

Wenn es sich im Nachhinein herausstellen sollte, das die Maßnahmen im Frühling zu restriktiv waren und der Wirtschaft unnötig schadeten, dann hätten doch diejenigen recht behalten, die schon immer vor einer Panikmache gewarnt haben. Sie haben die Situation besser eingeschätzt.


Quotedas_freie_wort #20.1

"Sie haben die Situation besser eingeschätzt."

Kein Hobby-Virologe hat irgendwas besser eingeschätzt. Sie haben im Nachhinein besser altklug daher geredet.
Am Montag würde ich auch andere Lottozahlen fürs vergangene Wochenende tippen.


QuoteDundoril #20.2

"Sie haben die Situation besser eingeschätzt."

Wer genau? Weil diese Leute haben mir alle erzählt "macht es wie Schweden"... Nur sind da weit mehr Menschen pro Kopf gestorben... In einem Land mit sehr viel niedrigerer bevölkerungsdichte....
Also kurzum: nur weil die Massnahmen im Nachhinein an einige Stelle vlt etwas zu übertrieben waren, muss dadurch die "den Virus gibt es gar nicht"(überspitzt) fraktion nicht recht haben.


QuoteRaymond Luxury-Yacht #29

Der Spahn ist schon ein ganz besonders schönes Beispiel der Spezies "Opportunist".

Der Lockdown wäre also rückwirkend so nicht nötig gewesen. Damit verlässt er mit einer Fußspitze dann die Wagenburg von Bundesregierung und Medien, die die Alternativlos-Erzählung weiterhin so tapfer gegen die ganzen "Nazis" verteidigen, die diese kritisiert haben.

Gleichzeitig aber nimmt er sich aus der Schußlinie und lenkt davon ab, dass diese ganzen Maßnahmen deswegen getroffen werden mussten, weil er keinerlei Zahlen liefern konnte, als es um die Belegung von Intensivbetten, Testkapazitäten, Maskenbevorratung aufgrund der jahrelang bekannten Pandemiepläne aufgrund SARS, ging.


QuoteRogerThornhill #29.1

"Der Spahn ist schon ein ganz besonders schönes Beispiel der Spezies "Opportunist"."

Ich würde das "lernfähig" nennen. Aber ich schaue mit allergrößter Bewunderung auf Menschen wie Sie, die offenbar schon zu Beginn einer Pandemie (oder sonstigen Groß-Krise) genau wissen, wie deren Verlauf sein wird und welche Maßnahmen getroffen werden müssen.


Quotekarlmitdembart #37

Wenn ich manche Kommentare hier lese, könnte man meinen, Corona wäre schön längst vorbei.


QuotePierre_H #30

Es wurde bisher (fast) alles richtig gemacht. Bitte mal die Zahlen der Nachbarstaaten vergleichen. ...


QuoteAilui #35

Wenn man unseren angeblichen "Lockdown" schon als drastisch empfindet, wie bezeichnet man denn dann die Maßnahmen in anderen europäischen Ländern, wo man zum Teil nicht einmal die Wohnung verlassen bzw. sich im Freien bewegen durfte?


QuoteDieter Rantel #35.1

Bislang sind wir wirklich mit einem blauen Auge davongekommen. Man muss auch sehen, dass die Menschen hier gerne genau nach Anweisung handeln, um nicht selbst Verantwortung für die Gemeinschaft übernehmen zu müssen. Gerne wird dann überreagiert, wenn es nicht mehr in den Kram passt oder wenn es die Anweisung nicht mehr gibt. Selten wird da der Verstand eingesetzt.


QuoteEismeerfisch #39

"Nach heutigem Wissensstand würde man keinen Friseursalon oder Einzelhandel mehr schließen müssen, räumte Spahn im Gespräch mit der Bild-Zeitung ein. "

Als ich das damals geschrieben habe, wurde ich hier im Forum als Coronaleugner und Aluhutträger beschimpft und es wurde darauf verwiesen, wie umsichtig und angemessen die Maßnahmen sind.
Auch damals war schon bekannt, wie sich das Virus verbreitet.


Quotethpan #39.1

Nein, war es nicht. Niemand wusste das. Auch Sie nicht. Auch heute weiß man nicht genug darüber. Entscheidungen treffen zu müssen ist etwas anderes als diese zu kommentieren.


QuoteFalubor #49

Gut daß Spahn späte Einsicht zeigt. Aber Frisör und Einzelhandel sind dann doch nicht ganz so wichtig. Der große Fehler waren Schulschließungen - einfach aus Schlendrian. Im März war schon längst bekannt, daß Covid-19 hauptsächlich ältere Menschen betrifft und fast nie Kinder. Covid-19 ist eben keine Grippe. Eine Entschuldigung bei den Kindern wäre wirklich angebracht. Von der Bundesregierung und RKI.
Spahn verdient sich so wenigstens etwas Respekt. Ob der Oberscharfmacher Söder auch zur Selbstreflexion fähig ist?


Quotespiegelwechsler #49.4

In China waren die Schulen auch geschlossen, sogar länger als hier in Deutschland.


QuoteZeitabzuhauen #56

Absurd! Kommt gleich nach ,,Hätte, hätte, Fahrradkette." Mehr Rückgrat hätte man von Spahn schon erwarten dürfen. ,,Mit dem Wissen von heute..." ist niemandem gedient. Das Wissen von März / April war zunächst einmal massenhaftes Sterben von alten und schwachen Menschen in Italien. Kennenlernen eines neuen Virus dauert halt. Dann können wir beim nächsten Zoonosen ja sagen, ,,och, der andere war ja auch nicht so schlimm. So funktioniert Wissenschaft nicht!


QuoteBurki der kleine Prinz aus Sachsen #57

Vielen Dank Herr Spahn für ihre freundlich-selbstkritischen Äußerungen. Sie zeigen damit einmal mehr, dass Sie für das Volk da sind, wenn es sie braucht. [In gewisser Weise ist das ja auch so. Die Eingeständnisse Spahns zeigen, dass die Kritiker der Corona-Einschränkungen teilweise recht hatten und recht haben.]


Quotespiegelwechsler #60

Bei manchen Kommentare könnte man glauben, Spahn hätte zugegeben, dass im Impfstoff Chips von Bill Gates wären.
Spahn hat nur gesagt, dass er jetzt ein paar Sachen anders machen würde.
Damit haben die Coronaleugner nicht Recht bekommen. Die reden immer noch Unsinn.


QuoteEin kleiner Idiot #61

Da wüsste man doch gerne welche Erkenntnisse das sind, von der auch die Wissenschaft noch keine gesicherte Ahnung hat. Etwa die Frage nach Verlauf von Corona und Folgeerkrankungen. Ein riesiges Tal, das auf den Namen Neuland hört mit vielen Höhen und Senken. Alles noch sehr sehr unbekannt...

[Wir wissen doch noch nicht einmal wie verbreitet das Virus real ist, weil wir im Lande viel zu wenig testen.

Nehmen Sie als Beispiel die Hochzeit in Frechen von gestern. Kommisar Zufall sorgte für den Test der Hochzeeitsgesellschaft plus Folgekontakte. Eine Regeluntersuchung bei einem Baby sorgte für den Treffer. Der Rest der Gesellschaft plus Folgekontakte wurde erst danach getestet und liefert den nun plötzlichen Hotspot in NRW. Offenbar fehlte es an Symptomen bei vielen und dennoch infiziert und in der Lage das Virus weiter zu geben.

https://www1.wdr.de/nachrichten/corona-risiko-durch-private-feiern-100.html]


QuoteSic luceat lux #61.3

Lieber "kleiner Idiot", keine Ahnung warum sie sich diesen Spitznamen geben.

Herr Spahn gibt einfach zu Protokoll, dass man heute mehr weiß als vor 6 Monaten und vor diesem Hintergrund die Maßnahmen zu strikt waren, d.h. wohl mehr geschadet als genutzt und/oder unverhältnismäßig waren oder sind.

Da sich die Maßnahmen auf Beratungen von einzelnen Virulogen und des RKI stützen, damals auch schon kritische Stimmen womöglich weniger oder nicht gehört wurden, möchte man dies, so meine Hoffnung, in Zukunft besser machen.

Dies damit zu umschreiben der "Herr Minister wanzt sich an Querköpfe ran", verkennt meiner Ansicht nach die Lage dramatisch und misst der Selbstkritik nicht die nötige Wertschätzung bei, die diese verdient.

Zu erwarten "die Deutschen" hätten in Anbetracht der damaligen Lage und des Kenntnisstandes alles richtig gemacht, oder machen können, ist illusorisch. Selbstkritik ist richtig und erwartbar. Das Gegenteil, also Nichts gelernt zu haben, wäre verheerend.
Spahn scheint aber der einzig Lernfähige, alle anderen sind wohl - in Abwesenheit von Fakten - Allwissend. ...


QuoteMarie Ki #62

Im Gegensatz zu einigen anderen Ländern gab es hier auch nie einen Lockdown, sondern einen Slowdown.


QuoteJ.T.Kirk #62.1

Fragen Sie mal die Bewohner der Altenheime, für die gab es Lock up


QuoteEin kleiner Idiot #62.3

Vergleichen Sie Lockdown mit China, Italien, Spanien und der kleinen Ausgabe davon in Deutschland.


QuoteSic luceat lux #64

Der Anfang ist gemacht. Finde auch hier beweist Spahn Mut und Größe. Er kann es noch weit bringen, wenn er weiterhin so agiert, selbstkritisch bleibt und die Verantwortung für getroffene Maßnahmen und Entscheidungen übernimmt. Das ist stark!

Wie auch schon sich, trotz übelsten Verhaltens von einigen Demonstranten, weder provozieren noch sich persönlich angegriffen zu fühlen.

Die Lehren aus den letzten 6 Monaten nun offen zu diskutieren und in eine Verbesserung des Gesundheits-Monitorings, der Politkberatung und dem Umgang mit den Medien fließen zu lassen würde für eine Stärkung in allen Bereichen sorgen und ebenfalls viel für die Klima- und Zuwanderungsdiskussion bringen, als auch die ideologischen Grabekämpfe auf eine wissenschaftlicher Ebene heben, in Bezug auf was man weiß und wissen kann und wo die Getroffenen Maßnahmen ihrerseits mehr Schaden als Nutzen. Und, dass Hysterie kein guter Ratgeber ist.
[Es lässt sich leider ja auch keine wirkliche Kausalität zwischen Maßnahmen und Covid-Infizierten und Toten herstellen. Da ist mehr Gefühl als Wissen im Spiel.
Das Deutschland so gut durch die Krise, in Bezug auf Fallzahlen und Tote, kam ist wohl eher Glück als auf die Massnahmen zurück zu führen.
Verglichen mit anderen Ländern, z.b. Schweden und Spanien, kann man nicht genau sagen, warum die sich so entwickelt haben. Man vermutet, genaues weiß man aber noch nicht]


QuoteBullit #67

Wenn ich hier manche Kommentare von Corona Leugnern und Verharmlosern und solchen, die ,,es ja schon immer gewusst haben" lese, wird mir übel. Der Bundesregierung blieb gar nichts anderes übrig, als vom worst case auszugehen und die erfolgten Maßnahmen zu ergreifen. Hinterher ist man immer schlauer und wenn man jetzt auch mal zu der Erkenntnis kommt, dass BEIM JETZIGEN KENNTNISSTAND die eine oder andere Maßnahme nicht in diesem Umfang erforderlich gewesen wäre, dann heißt das noch lange nicht, dass man den laissez faire Umgang mit der Pandemie hätte pflegen können, wie es die ,,Covidioten" immer fordern. Man stelle sich nur mal vor, es wäre anders ausgegangen und wir hätten jetzt Zustände, wie sie zu Beginn in Regionen Norditalien geherrscht hatten und in Teilen der Welt (etwa Brasilien) immer noch herrschen. Und wahrscheinlich haben gerade die harten Maßnahmen dazu geführt, dass wir in D bis jetzt glimpflich davon gekommen sind. Stichwort Präventionsparadoxon.


QuoteOakman #72

... Die Postings hier verdeutlichen, wie vergiftet die ganze Debatte ist - es geht nicht um Sachargumente, es geht darum, Recht zu behalten und vor allem dem "Gegner" auf gar keinen Fall Recht zu geben. Zitat "Das wäre Wasser auf die Mühlen der Corona-Leugner".

Es geht nicht in erster Linie um die Situation im März. Damals war man vor dem Hintergrund der unklaren Faktenlage völlig zurecht vorsichtig und hat im Zweifel zuviel gemacht. Es geht darum, wie man mit dem heutigen Wissen in einer vergleichbaren Situation handeln würde - und da kommt man halt zu dem Ergebnis, dass man Friseure und Einzelhandelsgeschäfte (Anm. meinerseits: und Schulen) ohne Probleme geöffnet lassen kann.

Nochmal: Es geht hier nicht um Sieg und Niederlage in einer Debatte, es geht um Menschenleben und Lebenswege die beide bestmöglichst zu schützen sind.


Quoteottonis #73

Zum damaligen Zeitpunkt, also im März dieses Jahres, waren die damals getroffenen Seuchenschutzmaßnahmen genau richtig. Das Infektionsgeschehen in Italien und Spanien vor Augen war es natürlich richtig, sich zu wappnen und der Pandemie so gut es ging Einhalt zu gebieten. Alles geschah auf Grundlage der damals verfügbaren Daten, die Interpretation der Daten war plausibel. Der Leitsatz hinter den Entscheidungen war, dass es besser sei, sich auf der sicheren Seite zu irren, als das Leben von zehntausenden oder hunderttausenden von Menschen aufs Spiel zu setzen.

Mittlerweile hat man die Seuchenschutzmaßnahmen lockern können - auch dies auf Grundlage der "best available evidence". Und ich bin mir sicher, dass der heutige Wissensstand auch nicht der Weisheit letzter Schluss sein wird, da wir jeden Tag neu hinzulernen.

Es gibt daher keinen Grund, sich für die Maßnahmen vom März zu entschuldigen oder zu rechtfertigen, genauso wie es vermutlich (und hoffentlich) keinen Grund geben wird, in 6 Monaten die Lockerungen von heute rechtfertigen oder entschuldigen zu müssen.

Die Menschen müssen einfach lernen, dass es in einer hyperkomplexen Welt auf viele Fragen keine endgültigen Antworten gibt und dass man in Abwägung vieler Faktoren, einschließlich hoch dynamischer Daten versucht, die Situation bestmöglich zu managen.

Gegenbeispiel: Trump in den USA: Er hat wider besseren Wissens Maßnahmen verschleppt und Menschen aufgestachelt, nun haben die USA über 160.000 Tote, Tendenz steigend!


QuoteFlegelfreiheit #76

Wen jemand wenigsten bereit ist zuzugeben das dieses brutale herunterfahren nicht alternativlos war ist wenigstens ehrlich.
Ich wünsche mir von der Zeit eine Story in der sie zu Arbeitern geht welche ihren Job verloren haben und zu kleinen Unternehmern deren Betriebe auf Grund dieser Gewalt Maßnahmen zu existieren aufgehört haben . Denen welche diese ganzen Milliarden vom Staat nichts helfen , ( wir lassen die Betriebe nicht im Stich ).
Es wäre nur gerecht nach den ganzen Artikeln zum alternativlosen handeln endlich auch mal diese Menschen zu Wort kommen zu lassen, noch dazu wo sie in die hundert tausende gehen.


Quoteein mitdenker #79

Die RKI Zahlen im Lagebericht von gestern, Seite 9

Trotz Reiserueckkehrern und seit Wochen steigenden "Infizierten " Zahlen
275 Hospitalisiert ( Vorwoche: 381)
Intensivpatienten 235 ( Vorwoche 241)
Anteil verstorben 0,1Prozent
Spahn hat nun auch verstanden, dass sich das Virus in seiner Gefährlichkeit verändert hat.


QuoteNur dieser Gedanke #80

Die Wahrheit kommt scheibchenweise.
Jetzt heißt es erst einmal:
Aber wir haben es damals nicht besser gewusst!

...


QuotepanchoVilladelacasa #81

Ich wundere mich nur noch, dass angesichts dessen, was in Spanien, auf dem Balkan und in Frankreich gerade wieder anläuft, sich hier wieder die Verharmloser so in den Vordergrund drängen.
Wie naiv kann man sein?


usw.

Link

Quote[...] Am Samstag demonstrierten mehr als 40.000 Menschen gegen die geltenden Corona-Maßnahmen. Unter die Teilnehmer der Großdemo mischten sich bekennende Neonazis, Holocaust-Leugner und rechte Provokateure. Ein Überblick.

Als am Samstag mehrere Zehntausend Menschen gegen die Corona-Maßnahmen demonstrierten, mischten sich auch bekennende Rechtsextremisten und neurechte Provokateure unter die Massen. Das war kein Zufall, denn zur Teilnahme hatten zahlreiche Vereinigungen aus dem extrem rechten bis offen neonazistischen Spektrum aufgerufen.

Die Teilnehmer lesen sich wie ein Who's who der rechten Szene: Mitglieder rechtsextremer Parteien und Kameradschaften, Burschenschaftler, gewaltbereite Hooligans, Größen der deutschen Naziszene. Wir geben einen Überblick.

In weißem Hemd vor Ort war der Kasseler Hardcore-Rechtsextremist Mike Sawallich. Er machte im vergangenen Jahr auf sich aufmerksam, als er sich nach dem Mord an dem Politiker Walter Lübcke mit dem inzwischen geständigen Täter Stephan Ernst solidarisierte.

Auf Facebook veröffentlichte er ein Foto, auf dem beide Arm in Arm zu sehen sind. Dazu schrieb Sawallich, er stehe ,,in guten wie in schlechten Zeiten zum Kamerad E.". Ernst sei ,,der beste Kamerad gewesen". Die beiden kennen sich mindestens seit Anfang der 2000er-Jahre, engagierten sich bei der NPD und reisten zu Demonstrationen und Kundgebungen in ganz Deutschland.

Sawallich zählte zu den wichtigsten Kadern der rechtsextremen Szene in Kassel und auch darüber hinaus. Nachdem die Terrorzelle NSU enttarnt wurde, geriet er ins Visier des Bundeskriminalamtes (BKA). Die Ermittler legten eine Übersicht mit insgesamt 129 Namen aus dem Umfeld des NSU an. Auf dieser sogenannten 129er-Liste sind auch vier Personen aus Kassel verzeichnet. Einer davon: Mike Sawallich.

Auch der Verfassungsschutz sieht seine Befürchtungen bestätigt: Rechtsextremisten und Reichsbürgern sei es gelungen, das Protestgeschehen für ihre Zwecke zu nutzen, sagte Verfassungsschutz-Präsident Thomas Haldenwang am Dienstag. Seine Behörde beobachtete ,,eine starke rechtsextremistische Komponente, die aggressiv und gewalttätig durch Störaktionen auftrat".

Ebenfalls bei der Demo in Berlin: der Dortmunder Robin Schmiemann, ein vorbestrafter Neonazi. Er gilt als eine Schlüsselfigur der im Januar verbotenen rechtsextremen Organisation ,,Combat 18", einer militanten und klandestin agierenden Gruppierung. Schmiemann, der wegen eines Überfalls im Gefängnis saß, pflegte während seiner Haft eine Brieffreundschaft zu der NSU-Terroristin Beate Zschäpe. Zuletzt machte er von sich reden, weil er in einem Video vermummt und mit verzerrter Stimme einem Journalisten gedroht haben soll.

Auf den Stufen des Reichstagsgebäudes stand Arthur Österle. Er wurde als Chefordner bei den ,,Pro Chemnitz"-Demonstrationen 2018 bekannt. Zuvor war er bei der asylfeindlichen ,,Heimattreue Niederdorf" aktiv und nahm auch an einer Demonstration der neonazistischen Kleinpartei ,,Der III. Weg" teil. Inzwischen sieht er seine politische Heimat bei der AfD, als Mitarbeiter des AfD-Bundestagsabgeordneten Ulrich Oehme.

Vor Ort waren auch bekannte NPD-Gesichter wie Lennart Schwarzbach, Landesvorsitzender der NPD in Hamburg, oder der wegen Volksverhetzung vorbestrafte Ex-NPD-Vorsitzende Udo Voigt. Auch Funktionäre der Partei ,,Die Rechte" waren auf der Kundgebung vertreten, etwa der stellvertretende Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Michael Brück.

Der frühere AfD-Landesvorsitzende in Sachsen-Anhalt, André Poggenburg, ist seit seinem Weggang aus der Partei öfter mit einem verurteilten Nazi-Gewalttäter zu sehen, so auch in Berlin. An Poggenburgs Revers haftete eine blaue Kornblume – ein Symbol der österreichischen Nationalsozialisten zwischen 1933 und 1938.

Zahlreiche Fans von Christoph Zloch alias Chris Ares posteten am Samstag von der Demo Selfies mit sich und dem rechten Rapper. Zloch wandte sich nach seiner Aktivität im Münchner Pegida-Umfeld ideologisch der rechtsextremen ,,Identitären Bewegung" zu. Als Musiker gehört er der identitären Rap-Szene an.

Unter seinem Pseudonym Chris Ares veröffentlicht er Musik, die auf YouTube Hunderttausendfach geklickt wird. Mit solcher Musik, meint der Hamburger Verfassungsschutz, vermitteln Protagonisten wie Ares ,,subtil fremdenfeindliches Gedankengut und versuchen damit den aktuellen Zeitgeist zu treffen".

Über ein Lied mit Kai Naggert alias Prototyp, einer Führungsfigur der Identitären in Nordrhein-Westfalen, heißt es im dortigen Verfassungsschutzbericht, darin sei ,,ethnischer Nationalismus gepaart mit Widerstandsrhetorik". Auch Naggert war – genau wie der rechte Rapper Andre Laaf alias Primus – auf der Demo.

Zu den Teilnehmern der Kundgebung zählten weiterhin der Kopf der deutschsprachigen Identitären, der Wiener Martin Sellner, und der vorbestrafte Ex-Neonazi und Anhänger der ,,Identitären Bewegung", Mario Müller, der sich inzwischen als Autor des vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuften ,,Compact"-Magazins mit einer geschätzten Auflage von rund 40.000 Exemplaren betätigt.

Immer wieder wird in dem Magazin auf offen geschichtsrevisionistische Weise die Kriegsschuld der Nazis relativiert. In dem Heft wird zudem verschwörungsideologisch unter Verwendung antisemitischer Stereotype davon geraunt, dass die Westalliierten, vor allem die USA vor und nach dem Zweiten Weltkrieg die dauerhafte Unterjochung Deutschlands betrieben hätten.

,,Compact"-Chefredakteur Jürgen Elsässer verteilte am Samstag an prominenter Stelle Unter den Linden ,,Querdenker"-Fähnchen und Infomaterial. Auf dem Twitter-Account des Magazins, das vergangene Woche eine Löschung auf Facebook und Instagram hinnehmen musste, wurde der Tag der Demo, der 29. August, schon Tage vorher als ,,wichtigster Tag seit 1945" bezeichnet.

Indem der ehemals linksradikale Elsässer nun die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen auf 1945 bezieht, versucht er den vermeintlichen Volkswiderstand von heute als Aufstand gegen ein angeblich seit Kriegsende bestehendes Unterdrückungsregime erscheinen zu lassen.

Für den Publizisten ist die AfD mittlerweile zu angepasst. Anfang 2019 agierte Elsässer im schwäbischen Burladingen als Moderator einer Veranstaltung, auf der mehrere Personen auftraten, die damals wegen rechtsextremer Tendenzen aus der AfD ausgeschlossen werden sollten. Unter anderen Doris von Sayn-Wittgenstein, die 2014 für den rechtsextremen, von Holocaust-Leugnern mitgegründeten Verein ,,Gedächtnisstätte" geworben hatte.

Elsässer ist wegen seines geschichtsrevisionistischen Extremismus eine Schlüsselfigur des Übergangs von ,,Querdenkern" zu Reichsbürgern, deren schwarz-weiß-roten Fahnen das Bild der Demo prägten.

Bei dem besagten rechtsextremen Verein ,,Gedächtnisstätte" im thüringischen Guthmannshausen war Nikolai Nerling mehrfach zu Gast. Der 40-Jährige nennt sich ,,Volkslehrer" und verbreitet als Videoblogger antisemitische und rechtsextreme Positionen.

Im Dezember 2019 wurde Nerling erstinstanzlich vom Amtsgericht Dachau wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt. Der ehemalige Grundschullehrer, 2018 in Berlin fristlos entlassen, hat schon im Frühjahr kurz nach Beginn der Corona-Pandemie das Infektionsschutzgesetz als Werkzeug der Bundesregierung zur Unterjochung kritischer Bürger diffamiert.

Bei der Demo am Samstag sagte Nerling auf einer Bühne am Reichstag, er hätte sich mit Michael Ballweg von der Initiative ,,Querdenken" getroffen und sei mit ihm ,,schön grillen" gewesen. Was man Ballweg zu verdanken habe, so Nerling, seien ,,die sechs Millionen Menschen, die jetzt hier auf den Straßen sind in Berlin". Offiziell zählte die Polizei rund 40.000 Teilnehmer.

Eine Bühne vor dem Reichstagsgebäude erhielt am Samstag auch Rüdiger Hoffmann, früherer NPD-Kader und Kopf hinter der Reichsbürger-Gruppierung ,,staatenlos.info".

Auch der vorbestrafte Holocaust-Leugner Gerhard Ittner war auf der Demo zugegen. Am Mittwoch muss er sich vor einem Gericht wegen des Verdachts der Volksverhetzung verantworten.


Aus: "Mit diesen Rechtsradikalen sind Tausende marschiert" Alexej Hock, Matthias Kamann, Annelie Naumann (02.09.2020)
Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article214816630/Corona-Demo-Mit-diesen-Rechtsradikalen-sind-Tausende-marschiert.html

QuoteEwald P.
Ob links oder rechts. Wir lassen uns nicht auseinander dividieren. ...

QuoteTwoCents

Mal ehrlich, wenn interessiert es? ...


QuotePe T.

,,Unter die Teilnehmer der Großdemo mischten sich bekennende Neonazis, Holocaust-Leugner und rechte Provokateure."

Was wollen die Autoren ihren Lesern damit sagen? Dass der Bürger gefälligst zu Hause zu bleiben hat bei einer Demo, wo sich möglicherweise fragwürdige Gestalten dazu gesellen?  ...


QuoteJamesT.

Es mag ja sein, das da einige hundert sich auserwählt Fühlende mitgelaufen sind, es waren aber mehr als 40000 Demonstranten ! ...


QuoteKarangiosi

Bei mehr als 40.000 Demonstranten sind immer! auch Radikale jedweder Couleur dabei, Spinner und Extremisten. ...


QuoteAlexander J.

Es ging bei der Demonstration um die Verhältnismäßigkeit der Corona-Maßnahmen, die es aufgrund von derzeit 250 Hospitalisierungen und nur 100 Todesfällen im August schon lange nicht mehr gibt. Zum Vergleich: Es sterben jeden Monat etwa 90.000 Menschen in Deutschland.

Dass eine Minderheit der Demonstranten zu den Rechtsradikalen gehört hat mit dem Thema nichts zu tun.


QuoteLuke A.

Wenn Frau Roth auf einer Demo ist bei Deutschland verrecke skandiert wird - kein Problem. Wenn der Bundespraesident linksextreme Bands empfiehlt  - ganz wunderbar. Aber wehe 37.000 Regierungskritiker "maschieren" mit einer Hand voll Spinnern - zack Sippenhaftung ...


QuoteLars L.

Ich bin mir nicht ganz sicher, was dieser Artikel damit sagen will. Sollen sich Menschen, die das Thema bedrückt deshalb nicht mehr auf so einer Demo zusammentun? Ja, es waren wie auf jeder Demo auch Idioten dabei. So what?


QuoteLarica

Wer das Wort marschieren benutzt hat den Artikeldurch das Fehlen von Neutralität und Objektivität bereits disqualifiziert.


QuoteGerd H.

Selbst wenn die Rechtsradikalen es auf einige tausend bringen, die absolute Mehrheit war bürgerlich. Und so wenig wie die Rechtsradikalen bürgerlich sind, sind die Bürgerlichen rechtsradikal.


QuoteBernd S.

Bei der hohen Anzahl der Teilnehmer sind diese paar Spinner sicherich ohne jegliche Relevanz!


QuoteFreuDich

Die Überschrift ist sehr irreführend.  Die sollte umgekehrt lauten. Deswegen glauben viele der Presse nicht mehr.


usw.

...

Link

Quote[...] Ein Senioren- und Pflegeheim im schleswig-holsteinischen Itzstedt hat einer Mitarbeiterin fristlos gekündigt, weil sie nach der Teilnahme an der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin einen Corona-Test verweigert hatte.

Der Pflegedienstleiter der privaten Einrichtung bestätigte die Kündigung am Mittwoch. In einem Pflegeheim seien besonders strenge Vorsichtsmaßnahmen erforderlich, an die sich alle Mitarbeiter halten müssten, sagte er zur Begründung. Dazu gehöre unter anderem ein Corona-Test bei entsprechenden Krankheitssymptomen.

Die Mitarbeiterin hatte am Wochenende an der Großdemonstration in Berlin gegen die Corona-Auflagen teilgenommen und sich anschließend wegen Erkältungssymptomen krankgemeldet. Zuvor hatten Medien darüber berichtet. Unter Arbeitsrechtlern ist umstritten, ob die Kündigung wirksam ist.


Aus: "Pflegeheim-Mitarbeiterin verweigert Corona-Test – und wird entlassen" (02.09.2020)
Quelle: https://www.welt.de/politik/deutschland/article214848840/Pflegeheim-Itzstedt-entlaesst-Frau-die-Corona-Test-nach-Demo-verweigert.html

QuoteRainer B.

So tolerant ich bei den ganzen Esoterikern und Aluhüten mit ihrem Demonstrationsrecht ohne Maske bin. Nach so vielen Toten in Altenheimen ist die Haltung dieser Pflegerin nicht mehr akzeptabel. Die Frau stellt ihr Anrecht auf wirre Thesen ganz eindeutig über das Recht auf Leben der ihr anvertrauten Senioren.


QuoteEzra B.

Hört sich nach Schikane an. Kein Arbeitgeber kann medizinische Zwangsmaßmahnen wegen Schnupfen oder Husten anordnen. - Das Arbeitsgericht wird mit Sicherheit die Kündigung für unwirksam erklären.


QuoteDaniel S.

Die Frau wird nun wahrscheinlich den Arbeitgeber auf Abfindung verklagen und Recht bekommen.
Wahrscheinlich freut Sie sich darüber als Sieg über den Rechtstaat...


QuoteNoName

@ Daniel S.
Das war auch mein Gedanke - letzter Satz.


QuoteAndreas M.

Sehr zugute gehalten werden muß der Mitarbeiterin, dass sie mit Erkältungssymptomen eben nicht zur Arbeit gegangen ist. Dieser erste Schritt war schon einmal der richtige....


QuoteK.L.

Wirklich erbärmlich, wie man in Deutschland aufgrund von Erkältungssymptomen diskriminiert werden kann. ...


QuoteDieter S.

... Mit solchen unverantwortlich handelten Leuten würde ich auch nicht zusammenarbeiten wollen.


QuoteFriedrich R.

Warum lässt die Frau sich eigentlich nicht testen? Schade dass das nicht bekannt ist .


QuoteM A.

Tja, aber man kann leider nur Vermuten das es eine Corona Leugnerin ist. ...


QuoteHaref

Das Pflegeheim kann selbstverständlich die Vorlage eines Corona-Test verlangen. Wenn Zustände wie in Norditalien gewünscht sind, kann man natürlich auf Tests verzichten. Dort hat man Infizierte in nicht ausgelasteten Pflegeheimen untergebracht.


QuoteEdo v.

Eine Kündigung erscheint mir unangemessen und arbeitsrechtlich fragwürdig.
Die Teilnahme an der Demo rückt ein politisches Motiv der Kündigung zumindest in den Bereich des Denkbaren.
Eine ggf. unbezahlte Freistellung für 14 Tage wäre wohl eher vertretbar, wobei ich nicht weiß, inwieweit dies aus rechtlicher Sicht möglich wäre.


QuoteKarl Heinz W.

Zum Schutz der Kolleginnen/Kollegen und der Heimbewohner kann ich die Kündigung durchaus nachvollziehen. Warum hat sie sich nicht testen lassen, ist doch weder schmerzhaft noch gefährlich? Außerdem gibt es auch ihr Gewissheit.


QuoteTomaso L.

Ob eine Kündigung, auch noch fristlos, arbeitsrechtlich Bestand haben wird, bezweifle ich sehr.


QuoteR. L. S.

Das ist die eine Sache, die andere ist das diese Frau absolut verantwortungslos ist.


QuoteLuc S.

Sie wollen die totale Macht und Angst und Ausgrenzung ist ihr Druckmittel.


QuoteKlaus S.

Herr Spahn hat doch gesagt, er würde keine Besuche mehr in Pflegeheimen verbieten! Warum soll sich dann noch jemand testen lassen?


QuoteChristian B.

@Klaus: zwischen "keine neuerlichen pauschalen Kontaktverbote" und "keine Besuche verbieten" liegen eine Menge Möglichkeiten, die Besuche nicht zu verbieten, und dennoch so sicher wie möglich zu gestalten.


Quotenovquam

Die persönliche Freiheit endet eben da, wo die von anderen beginnt.


QuoteSchweigender Gast

novquam: Sie müssten eigentlich zitieren: "Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit."


QuoteMax Maler

Und schon geht es los. Wahrscheinlich ist der nächste Schritt dann die Kündigung, wenn sich jemand nicht Zwangsimpfen lassen möchte.


QuoteBernd K.

@ Maler: Pflegedienst,  Kontakt mit vielen alten Menschen = Risikogruppe. Da müsste es doch auch bei Ihnen klingeln.


Quoteolivia s.

Vollkommen richtig so.


QuoteHans K.

Vollkommen falsch so.


usw.


Link

Quote[...] Ein mutmaßlicher Maskenverweigerer hat in Düsseldorf zwei Polizisten verletzt. Der polizeibekannte 25-Jährige sei bei einer Kontrolle in einem Bus aufgefallen, weil er keine Maske trug, berichtete ein Polizeisprecher am Mittwoch. Als der Mann angesprochen wurde, sei er mit erhobenen Fäusten und mit einem Knie voran in vollem Lauf aus dem Bus auf eine 23-jährige Polizistin gesprungen, die sich ihm in den Weg gestellt hatte.

Nach dem Angriff habe der Mann weiter zu fliehen versucht, sei aber von einem Polizisten überwältigt und zu Boden gebracht worden. Dort habe er weiter nach dem Beamten getreten und geschlagen. Gemeinsam mit Mitarbeitern der Rheinbahn sei es gelungen, ihm Handfesseln anzulegen. Gegen den Mann wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Die Polizistin sei so stark verletzt, dass sie vorerst nicht mehr dienstfähig sei. Ihr Kollege kam mit leichten Verletzungen davon.

...


Aus: "Maskenverweigerer in Düsseldorf attackiert und verletzt zwei Polizisten" (02.09.2020)
Quelle: https://www.welt.de/vermischtes/live206935325/Corona-live-Maskenverweigerer-attackiert-und-verletzt-Polizisten-in-Duesseldorf.html

QuoteKatja L.

Provokateuere finden immer einen Grund andere Menschen abzugreifen, der Frust dieser Menschen scheint sehr groß zu sein, meistens sind ja auch noch Alkohol und Drogen im Spiel ...


...

Link

#210
Quote[...] Wie schafft man es, einen friedlichen Massenprotest gegen die Coronamaßnahmen  so zu kontaminieren, dass die Medien nicht über eine Demonstration von Hundertausenden, sondern von einem "Sturm" auf den Reichstag berichten ? Ganz einfach: man genehmigt einem Verein von Reichsbürgern eine Bühne direkt am Reichstagsgebäude (Anmelder: Ex-NPDler Rüdiger Hoffmann) und platziere am Westeingang trotz polizeilichem Großaufgebot überall in der Umgebung ganze drei Polizisten. Dann läßt man eine durchgeknallte  Q-Anon-Tussi (laut Tagesspiegel eine Heilpraktikerin aus der Eifel)  ins Mikrofon kreischen, dass Donald Trump die Freiheit ausgerufen hat, dass die Polizisten ihre Waffen abgelegt haben und man jetzt die Treppen des Reichstags besetzen soll – und schon hat man die Bilder, die die Berichterstattung dominieren: ein Mob von ein paar Dutzend mit Schwarz-Weiss-Roten Fahnen, die "den Reichstag stürmen".

Dass die große Demonstration und Veranstaltung von "Querdenken 711" an der Siegessäule mit diesem Event einer rechtsextremen Splittergruppe absolut nichts zu tun hatte, ist dann nicht mehr der Erwähnung wert. Denn schon im Vorfeld war die Demonstration ja als Veranstaltung von Reichsbürgern und Aluhut-Irren diffamiert worden und jetzt lieferte man eben die passenden Bilder dazu – und die SPD-Vorsitzende macht aus ein paar Dutzend Zehntausende, die den "Umsturz" vorbereiten:

    Zehntausende Rechtsradikale, Reichsbürger, QAnon-Anhänger, Holocaust-Leugner, antisemitische Verschwörungsideologen und Esoteriker, die Vertreter von Medien, Wissenschaft & Politik ,,schuldig" sprechen und offen zum Sturm auf den Reichstag und zum Umsturz aufrufen. Das ist #B2908.
    — Saskia Esken (@EskenSaskia) August 30, 2020

Auch Parlaments-Oldie Schäuble rollt ans Mikro und sieht "unsere Demokratie" in Gefahr und wenn man die Kommentare von taz bis FAZ liest, dann waren ein Häufchen Reichsbürger und Fernsehkoch Atilla schon drauf und dran wie einst Adolf die Macht im Staat zu übernehmen – was nur dank des beherzten Einsatzes der Polizei, die für "unsere Demokratie den Kopf hingehalten hat" (Esken) gerade noch verhindert wurde.

Abgesehen von der heldenhaften Verteidigung des Parlaments durch drei Musketiere agierte die Polizei aber keineswegs so, wie es bei einer vom höchsten Gericht genehmigten und absolut friedlichen Demonstration geboten wäre. Sie behinderte den Aufzug  quer durch die Innenstadt und löste ihn dann auf, weil die Teilnehmer sich nicht an die Auflagen gehalten haben sollen. Doch ist das wirklich so? In einer Spezialausgabe von des 3. Jahrtausends [https://www.exomagazin.tv/sturm-auf-reichstagsgeba%cc%88ude-demo-behindert-und-aufgelo%cc%88st-das-3-jahrtausend-spezial/] werden die Geschehnisse ausgewertet – gemeinsam  den beiden Organisatoren, Nils Wehner und Nadine Müller.


Aus: "Reichtagssturm abgewehrt – Demokratie gerettet!" Mathias Broeckers (31/08/2020)
https://www.broeckers.com/2020/08/31/reichtagssturm-abgewehrt-demokratie-gerettet/

QuoteTrumputin
01/09/2020 at 15:23

Moin,
Du meinst, die olle Heilpraktikerin ist ein Maulwurf?


Quoteolles Muttchen
01/09/2020 at 22:57

Hat sich möglicherweise einfach nur instrumentalisieren lassen.
Wurde übrigens am Tag zu vor kurz von BILD interviewt. Auf Mainz Free TV bei Telegram vom 01.09.2020 igibt es das oder direkt bei BILD+ https://www.bild.de/bild-plus/video/clip/news/heilpraktikerin-lotste-mob-zum-reichstag-die-kruden-ansichten-von-tamara-k-72676108-72677948,var=x,view=conversionToLogin.bild.html

Auch auf Mainz Free TV bei Telegram ein Video (31.08.2020) "WER IST DER TYP MIT DEM MEGAPHONE???" – ein Typ mit Kappe, Sonnenbrille, gelber Weste und Megaphon erzählt Trump ist hier und versucht möglichst viele Leute zu mobilisieren...
Also gute Frage wer der Typ ist.
Und was Tamara K. betrifft gibt es inzwischen eine Stellungnahme von ihr: https://www.youtube.com/watch?v=3yBS5hVq5K0


Quoteolles Muttchen
01/09/2020 at 06:22

Wie man doch von sich selbst ausgeht und was ich bei meinem ersten Kommentar nicht bedacht habe – die Symbolik und Geschichte des Reichstags.
Für mich ein olles Gebäude in Berlin, aber es gab in der Vergangenheit schon mal einen Vorfall, den ein faschistisches Regime für ganz eigene und überaus unmenschliche Zwecke genutzt hat und ehrlich gesagt, es würde mich nicht wundern wenn man heute ähnliches wieder versucht – wäre nicht die einzige Parallele.


Quotetraurig
01/09/2020 at 15:15

naja... so wirklich wichtig so eine demo ist für grundrechte, etc ist und so symphatisch manches symphtaisch erscheint von den querdenken menschen... so sehr die politik, polizei, etc. gerade sehr zu kritisieren sind... wenn der holocausleugner "volklehrer" nicolai nehrling am ende der demo an der siegessäule am 29.09. in berlin mit auf der bühne steht, wenn er von dem pressesprecher von querdenken 711 freudig umarmt und begrusst wird, wenn ein protagonist und sprecher der demo samuel eckert einen tag später eine aufschlussreiche sendung mit jürgen elsässer und oliver janich macht https://www.youtube.com/watch?v=9UAF84nwct8 wenn man sich bei querdenken 711 eben nicht sich von afd etc. distanzieren will weil rechts und links nicht mehr geteilt werden soll... nein dann kann und will ich leider nicht gemeiname sache machen... wie schön wärs wenn die "linke" seite aufwachen würde


QuoteMika Ackermann
02/09/2020 at 13:50

Der Artikel vergisst (absichtlich?) Dinge.

... Der gesamte Tag lief unter Mottos wie Sturm auf Berlin. Geschichtlich ist so ein Motto eindeutig einem rechtsradikalem Gedankengut zuzuordnen. Auch auf der Querdenker Bühne wurden Antisemitische Gedanken verbreitet.
Die Hauptaussagen vom Organisator lautet:
"sofortige Beendigung aller Corona-Maßnahmen" und die "Abdankung der Bundesregierung"
Das das auf eine gewissen Weise Dekungsgleich ist mit der Intention den Reichstag zu stürmen steht außer Frage.

... Man sieht überall Bilder von Reichsflaggen neben Regenbogenflaggen.
Bekannte Antisemiten die mit Esotherikern und Hippies tanzen.
Es wurde nicht (genug) von den rechten Teilen der Demo abgegrenzt und es wird ein Zusammengehörigkeitsgefühl nach außen transportiert.
Da muss man sich nicht wundern wenn man dann als Ganzes verstanden wird.

... Die besagten Querdenker haben ja ihren Namen auch mit Absicht an die Querfront angelehnt.
Bisher wurde immer nur von vereinzelten Radikalen gesprochen.
Allerspätestens jetzt ist eben nicht mehr haltbar.

Selbstverständlich gibt es auf jeder Demo egal zu welchem Thema Teile mit denen man sich nicht identifiziert.
Die Demos gegen die Corona Maßnahmen sind allerdings nicht nur unterwandert sondern durchwachsen von einem antisemitischen Gedankengut.
Auch wenn nicht jeder das so ausspricht geht es durchweg um die "reichen Eliten" die uns vergiften.
Das ist 1:1 der alte Brunnenmythos.

Fazit: ich halte es für äußerst fahrlässig sich auf diese Weise mit diesen Antidemokratischen Kräften gemein zu machen. Statt grundsätzlich alle Medien abzulehnen sogar wenn die Beiträge noch so schlüssig und verifiziert sind.
Der "Sturm auf den Reichstag" (ich würde eher sagen die chaotische Suche nach Gewalt mit der Intention die Regierung zu stürzen) ist eine direkte Auswirkung der Rückendeckung der 20k Demo zuvor.
Wenn man in der Gesellschaft so einen großen Aufruf hat die Regierung wäre nicht legetim muss man sich nicht wundern das Mitstreiter auch danach handeln.
Zum Glück ist dieser Rückhalt, wenn man auf die Gesamtbevölkerung schaut nicht so groß und die allermeisten Menschen halten die Coronamaßnahmen für angemessen.


...

-

Quote[...] Historisch war der ,,Sturm auf Berlin" der letzte Schritt der militärischen Zerschlagung des Faschismus in Europa. Am Ende stand am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation Nazi-Deutschlands. Diesmal versammelten sich am Wochenende zehntausende Menschen zu einer Corona-Demonstration und kündigten einen ,,Sturm auf Berlin" an. Neonazis und Reichsbürger riefen bereits zur ,,Entscheidungsschlacht" auf und zeigten mit ihrer Gewalt gegen Polizisten und dem Angriff auf das ihnen verhasste Symbol des deutschen Parlamentarismus, den Bundestag, dass ihre Ankündigungen nicht nur leere Phrasen waren.

Es spielt keine Rolle, ob alle Corona-Protestler Faschisten sind oder nicht, denn die vollkommene Distanzlosigkeit zu Faschisten, Antisemiten, Rassisten und anderen Menschenfeinden ist das eigentliche Problem. Die vermeintliche Überparteilichkeit der Organisator:innen ist eine Farce und dient als Feigenblatt für die Medien. Inhaltlich sind sie nicht mehr weit vom ,,Stürmer" entfernt. Denn wenn die Demonstranten vom 1. und 29. August sich wirklich um die Demokratie sorgen würden, so fragen wir: Warum wurde nicht die berechtigte Kritik geäußert – so wie der DGB es in seinem Aufruf zum 1. September tat? Wie es die VVN-BdA tat, die schon im April vor der Beseitigung der Grundrechte warnte? Wo ist die Solidarität mit den Schwächsten der Gesellschaft, mit Obdachlosen und Geflüchteten? Die vermeintliche Sorge um demokratische Werte und Kritik an den Corona-Maßnahmen der Bundesregierung durch die Organisator:innen der Corona-Demonstrationen dienen als Vehikel, mit dem völkische und faschistische Ideologeme weiter in die Gesellschaft transportiert werden und letztendlich in Gewalt wie am Wochenende münden. Sie glauben, den ,,Volkswillen" mit ihren Aktionen zu vertreten. Ein Legitimationsmuster, wie sie auch die Attentäter von Hanau und Halle für ihre Morde nutzten.

Es ist ein politischer Skandal, dass vor einer Woche eine Demonstration in Hanau im Gedenken an die Opfer des rassistischen Attentats verboten wurde, obwohl die Maßnahmen zur Eindämmung der Covid19 Pandemie dezidiert eingehalten werden sollten. In Berlin scheiterte das Verbot der Corona-Leugner:innen an der Unfähigkeit des SPD-Innensenators Andreas Geisel und der ihm untergeordneten Behörden, ein solches wasserdicht zu formulieren.

Frappierend ist auch die Unfähigkeit bzw. der Unwillen der Berliner Polizei, die Demonstrationen, nachdem die Auflagen (Abstand und Anlegen eines Mund-Nasen-Schutz) gezielt nicht eingehalten wurden, aufzulösen. Für linke und antifaschistische Demonstrationen gilt diese Zurückhaltung in der Regel nicht. Dort wird nur zu gern alles aufgefahren was der deutsche Repressionsapparat zu bieten hat, im Zweifel auch mal das SEK mit Maschinenpistolen wie in Wurzen 2017.

Dass man jetzt die 3 (drei) Polizisten belobigen will, die den Angriff auf den Reichstag aufgehalten haben, lenkt nur von der Unfähigkeit der Einsatzleitung ab, die die Ankündigungen der Neonazis nicht ernst genommen hatten. Die Berliner Polizei machte wieder einmal deutlich, dass Gefahr von rechts immer noch unterschätzt und heruntergespielt wird, während alles vermeintlich linke mit voller Härte bekämpft wird.

Die Geschehnisse vom Wochenende jedenfalls überraschen wenig, waren sie doch bereits vorher in den sozialen Medien groß angekündigt worden. Die Rhetorik bereits im Vorfeld voller Hass und Vernichtungsfantasien, durchsetzt mit Gewaltaufrufen gegen Eliten, Minderheiten und die parlamentarische Demokratie.

,,Beschämend" ist das Wort, welches von der Politik angesichts der Reichskriegsflaggen auf den Stufen des deutschen Parlamentes genutzt wird. Beschämend ist jedoch eher das Verhalten der Politiker:innen. Wo waren denn die Vertreter:innen der demokratischen Parteien des Berliner Abgeordnetenhauses und des Bundestages? Nur wenige von ihnen nahmen am Samstag an antifaschistischen Kundgebungen teil und oft genug auch nur für das eigene Foto für Facebook und Instagram. Wenn zum ,,Sturm auf Berlin" und den Parlamentarismus aufgerufen wird, müssen diejenigen, die in den Parlamenten sitzen, diesen auch verteidigen. Wie 1933 scheint dies 75 Jahre nach der militärischen Zerschlagung des Faschismus nicht der Fall zu sein.

Eine Demokratie muss solche Aktionen nicht aushalten, sie muss dagegenhalten!


Aus: "Der ,,Sturm auf Berlin" Thomas Trueten (Montag, 31. August 2020)
Quelle: https://www.trueten.de/archives/11636-Der-Sturm-auf-Berlin.html

...

Quote[...] Man konnte am Wochenende rings um die Siegessäule und das Brandenburger Tor viele Menschen treffen, denen man sonst eher in den Kommentarspalten sozialer Netzwerke begegnet. Twitter auf der Straße. Ein bemerkenswertes Nebeneinander von privaten Heilslehren und zusammengegoogelten Verschwörungstheorien, Putin-Plakate neben israelischen Flaggen, das riesige Q der Anhänger von QAnon neben Seneca-Zitaten ("Den guten Steuermann lernt man erst im Sturm kennen"), das rechte Modelabel Division Odin neben der Forderung nach der "Wiederherstellung normaler Arbeitsbedingungen in Bibliotheken und Archiven!". Und immer wieder der Slogan "Denke selbst!". Wie jede Demonstration war auch diese Kundgebung vor allem ein Erlebnis der Selbstbestätigung: Ich bin nicht allein.

Einer der Slogans, die wieder und wieder gerufen wurden, war:

"Wer sind wir?"

Die Antwort, im Chor: "Viele!"

Für den Samstagnachmittag in Berlin mag das sogar richtig gewesen sein, an die fünfzigtausend Menschen waren wohl versammelt. Für Deutschland insgesamt stimmt es nicht. Denn die Bereitschaft, an einer Corona-Demo teilzunehmen, ist nach den verfügbaren Zahlen konstant niedrig. Laut einer Studie der Uni Erfurt und des Robert Koch-Instituts sagten zwischen Mitte Mai und Mitte August jeweils nur zwischen 10 und 14 Prozent der Befragten, sie könnten sich vorstellen, gegen die Maßnahmen zu protestieren. Jeweils zwischen 77 Prozent (im Mai) und 83 Prozent (im Juli) schlossen das für sich aus.

Auch die generelle Zustimmung zur Politik der Bundesregierung und der Länder ist immer noch hoch. Nach den jüngsten Zahlen des ZDF-Politbarometers (vom 28. August) halten 60 Prozent der Befragten die geltenden Beschränkungen für richtig, während erstaunliche 28 Prozent sogar noch härtere Einschnitte fordern. Nur zehn Prozent meinten, die Maßnahmen seien übertrieben. Zehn Prozent aller Deutschen wären allerdings immer noch acht Millionen Menschen.

Das Irritierendste an allen Protesten ist aber nicht die Zahl der Teilnehmer. Auch nicht die lächelnde Verbrüderung mit den Rechtsextremisten. Das Irritierendste ist die Umdeutung der Realität.

Natürlich wird gegen Bill Gates gehetzt, wird die vermeintlich drohende Impfpflicht "entlarvt". Mediziner verkünden, es gebe das Virus gar nicht und auch keine Kranken in den Krankenhäusern. Auf der Demo am Samstag meinte ein junger Mann mit Rastalocken und selbst gestrickten Socken, er habe weit und breit keine Rechten gesehen – obwohl zwei Meter weiter eine Reichsflagge wehte. Keine Rechten? "Ach, rechts und links sind doch sowieso nur Kategorien, mit denen das Volk gespalten werden soll."

Das ist der Grundton: Es gibt eine andere, wahrere Wirklichkeit hinter den vermeintlichen Lügen. Und wir haben sie erkannt.

Gestritten wird hier nicht mehr über die Bewertung von Fakten und die politischen Schlussfolgerungen daraus, sondern über die Fakten selbst: "Es gibt keine Toten!", "Ich sehe hier keine Rechten". Genauer noch: Die Annahme, es könne überhaupt so etwas wie Fakten oder wissenschaftliche Erkenntnisse geben, wird bereits als Teil eines gigantischen Täuschungsmanövers desavouiert.

Es ist die Methode Trump, die Grenze zwischen Lüge und Wahrheit zu verwischen und damit dem Diskurs und den Institutionen den Boden zu entziehen, die auf einen rationalen Austausch von Argumenten gebaut sind. Wo alles verschwimmt, wo alles nur noch Meinung und Behauptung ist, endet der demokratische Diskurs.

... Laut einer Studie der Friedrich-Naumann-Stiftung, auch das gehört zum irritierenden Bild der Lage, sind immerhin 26 Prozent der Deutschen davon überzeugt, das Coronavirus sei in einem chinesischen Labor hergestellt worden. Und sogar 34 Prozent glauben, die Medien würden auf Druck der Regierung Informationen über das Virus verbergen.

Lauter Dinge, die einander zu widersprechen scheinen, finden gleichzeitig statt. Das Land insgesamt ist in ein Stadium maximaler Unübersichtlichkeit eingetreten, einer Unübersichtlichkeit, für die die Berliner Demonstration nur ein deprimierendes Symbol war. Während die einen sich schon in der "zweiten Welle" sehen, genießen die anderen noch die erste Erleichterung. Die Infektionszahlen steigen, aber Klinikeinweisungen und Todesfälle halten sich in Grenzen. Wurden gestern Pflichttests für Reiseheimkehrer angeordnet, werden sie heute durch Quarantänemaßnahmen ersetzt. Was für einen Reim soll man sich auf das Durcheinander machen? Wie damit umgehen? Wie nicht gereizt werden?

Wir haben die Krankheit im Frühjahr als extreme, fast apokalyptische Bedrohung kennengelernt. Inzwischen stellt sich das Virus eher als mittelschwere Gefahr dar. Paradoxerweise ist gerade mit dieser Normalisierung schwer fertigzuwerden. Die Notstandsstimmung war immerhin eine klare Sache, und wenn nun komplette Entwarnung gegeben werden könnte, wäre auch das von erleichternder Eindeutigkeit. Stattdessen muss man jedoch einen Grauzonen-Realismus entwickeln. Das verwirrt, und es ist anstrengend – für jeden Einzelnen, aber auch für die Gesellschaft und das politische System.

Statt der schlichten Botschaft maximaler Vorsicht, die in den Tagen der großen Sorge immerhin einen stabilen Verhaltensrahmen schuf, muss man sich auf ein Hin und Her von Lockerungen und Verschärfungen einstellen, auf einen Flickenteppich des Virus-Regionalismus, vielleicht auch auf zunehmende Corona-politische Differenzen zwischen den Parteien und ideologischen Lagern. Und niemand kann sagen, wie lange dieser Zustand noch andauern wird.

...


Aus: "Mit Ungeduld und Spucke"  Jan Roß und Heinrich Wefing (DIE ZEIT Nr. 37/2020, 3. September 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/2020/37/corona-krise-protest-demonstration-gesellschaft-verschwoerungstheorien-vernunft/komplettansicht

Link

Quote[...] Aufbauschen, skandalisieren, beschimpfen: Unsere Gesprächskultur verkommt immer öfter zu strategischer Kommunikation. Das funktioniert, indem gezieltes Falschverstehen zur Taktik wird ...

Kein kommunikativer Trend ist so auffällig wie der sich in den sozialen Medien, in Talkshows und auf Demos austobende Hang zur rechthaberischen Fehlinterpretation. Zum Einsatz kommen dabei vor allem drei rhetorische Kampftechniken.

Die erste ist die Strategie der Nicht-Interpretation: Man weigert sich, ,,zwischen den Zeilen" zu lesen, nimmt jedes Wort für bare Münze. Damit geht jegliche Doppelbödigkeit des Gesprächs verloren, auch alles Hintergründige und vor allem jede Ironie.

... Die zweite Taktik ist die gezielte Falschinterpretation.

... Die dritte Technik ist die Überinterpretation. Was sonst nur Karikaturen können, ist auf Twitter Modus Vivendi: Wer die Absage einer Hygiene-Demo begrüßt, ist Anhängerin der Merkel-Diktatur, wer auf die Demonstrationsfreiheit pocht, ist ein ,,Covidiot". Und wer Kant gegen den Vorwurf des Rassismus verteidigt, verteidigt zugleich auch den Rassismus ...

Traurig ist, dass die Tugend hermeneutischen Wohlwollens dem Laster des hermeneutischen Generalverdachts weicht: Man ist sich stets sicher, und zwar rechts wie links, dass das Gegenüber ein viel schlechterer Mensch ist, als das aus seinen manifesten Äußerungen hervorgeht. Deshalb will man ihn nicht mehr verstehen. ... Verweigertes Verstehen macht freudlos und verbissen.  ...


Aus: "Verrohte Gesprächskultur: Der Wille zum Missverständnis" Arnd Pollmann (30.08.2020)
Quelle: https://www.deutschlandfunkkultur.de/verrohte-gespraechskultur-der-wille-zum-missverstaendnis.2162.de.html?dram:article_id=483182

Link

Quote[...] Der erste Blick lädt nicht eben zum Zugreifen ein. Ramponiert sehen einige Eierkartons aus, klebrige Flecken lassen so manche gesprungene Schale vermuten. Trotzdem bekommt Arthur Kamarad leuchtende Augen, als er die Ware inspiziert. "Zehn Cent pro Stück sind unschlagbar", sagt er: "Für mich ist das hier das Paradies."

Dorthin getrieben hat den 50-Jährigen – wuchtige Statur, angegraute Stehfrisur, Ray-Ban-Brille am Kragen – die blanke Not. Von heute auf morgen kappte der Lockdown das Einkommen des Fitnesstrainers auf null, fortan zehrte er vom Ersparten. Einmal 500 Euro habe er aus dem Härtefonds bekommen, die erste Rate der Notstandshilfe ließ zweieinhalb Monate auf sich warten. Ein Segen, dass Kamarad die Kette Foodpoint entdeckte, um sich billig zu versorgen – zuallererst mit Eiern, von denen er täglich bis zu zehn vertilgt. Die tatoogezierten Muskelpakete, die er unter straff gespanntem Leiberl spazieren trägt, wollen genährt werden.

Neukunden wie Kamarad machen Sozialmärkte, die Bedürftigen Lebensmittel zu Sonderpreisen bieten, zu einer der wenigen boomenden Branchen der Krise. Die Foodpoint-Geschäfte verzeichnen einen bis zu viermal so starken Zulauf wie vor der Pandemie. Der Mitbewerber Sozialshop eröffnet in Wien kurzerhand zwei neue Fillialen. Auch die Soma-Märkte, unter deren Label österreichweit 38 Geschäfte firmieren, registrieren wachsenden Andrang – wobei Verbandschef Gerhard Steiner damit rechnet, dass es sich erst um die Vorhut handelt: "Viele trauen sich aus Scham nicht gleich, in den Sozialmarkt zu gehen."

Jene Menschen, die sich am Montagmorgen vor der Foodpoint-Filiale in Wien-Hernals anstellen, haben die Hemmschwelle längst überwunden. Eine halbe Stunde vor Öffnung sind die Ersten da, um sich Zettel mit Nummern zu holen – weil der Platz knapp ist, wird der Eintritt reguliert. Drinnen, in den zwei schummrigen Räumen, steuern die meisten erst einmal die Obst- und Gemüsesteigen an. Flink tasten Hände Gurken ab, drehen Äpfel nach allen Seiten. Ein Mann schüttelt den Kopf, als er den in rauen Mengen vorhandenen Knoblauch einem Frischetest unterzieht. Zu rasch geben die einzelnen Zehen unter Fingerdruck nach.

Wer sucht, findet rasch was zum Naserümpfen. Der Ingwer ist dürr, einige Pfirsiche sind angestochen, abgepackte Melonenscheiben safteln. In der Kühltruhe liegen zergatschte Cremeschnitten und brüchige Fertigpizzen, so manche Kartonage ist zerissen. Doch pingelig zu sein, das können sich die Kunden hier nicht leisten.

"Wofür du im Supermarkt 150 Euro bezahlst, kriegst du hier um 50", erzählt ein junger Mann, der in Schlapfen, Leiberl und Jogginghose auf Einlass wartet. Pünktlich zum Start des Lockdowns ist der Flüchtling als Küchengehilfe rausgeflogen und von 1.250 Euro netto im Monat auf 950 runtergerasselt – da gehe es um jeden Euro. "Man kann mit 900 Euro schon leben", sagt er, "aber du wirst dir nie etwas ansparen können, um irgendwie weiterzukommen – etwa für den Führerschein oder einen Kebabstand."

Pensionisten, Frauen mit Kindern, Kurzarbeiter und Arbeitslose geben sich an jenem Morgen die Klinke in die Hand, viele darunter haben Migrationshintergrund. Aber auch Studenten sind dabei, die zuallererst ein idealistisches Argument anführen. "Mir gefällt der Gedanke, dass Essen nicht verschwendet wird", sagt eine Soziologiestudentin, die nebenbei um 600 Euro im Monat kellnert. Da sei es verkraftbar, wenn die Bananen halt nur mehr zum Vermantschen in einem Kuchen taugen.

Ohne Sozialmärkte würden viele der feilgebotenen Lebensmittel direkt im Müll landen. Das Gros stammt von den Supermärkten, die überflüssige Ware gratis überlassen und sich so Entsorgungskosten sparen. Zum Teil sind das Ladenhüter – etwa aus der Zeit gefallene Osterhasen, wie sie das Foodpoint-Geschäft in Hernals sogar verschenkt.

Der größte Teil aber, erläutert Spar-Konzernsprecherin Nicole Berkmann, entfalle auf Produkte, deren Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) bald abläuft. Dieses sagt aus, wie lange der Hersteller die volle Genussfähigkeit garantiert – was aber nicht heißt, dass die Sachen danach verdorben sind. Greenpeace etwa fand heraus, dass Lebensmittel mitunter noch Wochen nach Ablauf des MHD tadellos waren. "Aber die Kunden kaufen sie dann einfach nicht mehr", sagt Berkmann.

Die Produkthersteller liefern ebenfalls, sei es, weil sie zu viel produziert haben – oder Waren in schadhafter Verpackung loswerden wollen. Am Höhepunkt des Lockdowns hatten auch Gastronomiebetriebe reichlich Nahrungsmittel geschickt, auf denen sie sitzengeblieben sind, erzählt Marius Aigner vom Verein Start-up, der die fünf Foodpoint-Märkte in Wien betreibt. Mit Mitbewerbern und anderen Sozialeinrichtungen wie der Obdachlosenherberge Gruft gebe es überdies regen Tauschhandel "wie vor hunderten Jahren. Der eine hat massenhaft Eistee, der andere Soda Zitron – dann wird getauscht."

Die Kühlkette werde penibel eingehalten, das Marktamt kontrolliere die Hygiene, sagt Aigner: Bedenkliche Ware sortiere man natürlich aus. Dennoch sichern sich die Betreiber ab. Wer hier einkaufen will, muss nicht nur sein niedriges Einkommen belegen, sondern auch einen Haftungsausschluss unterschreiben. Inbegriffen sei der Hinweis, so Aigner, beim Einkauf "alle Sinne walten zu lassen".

"Vergammelt war noch nie etwas", berichtet Arthur Kamarad, der – weil er nun wieder als Trainer arbeiten kann – mittlerweile aus dem Kundenkreis herausgefallen ist. Und selbst wenn das Gemüse mitunter schon batzweich war – mein Gott: "Ich habe Tomatencremesuppe zu schätzen gelernt." Daran änderten auch die verächtlichen Kommentare nichts, die ihm vermeintliche Freunde auf Facebook geschickt hatten: "Was? Dort gehst einkaufen?"

Billiges Essen für die Armen, weniger Verschwendung – ein Segen also für alle? Stefan Selke widerspricht entschieden. Es sei eine zivilisatorische Errungenschaft, dass der Sozialstaat die Daseinsfürsorge der Bedürftigen garantiere, sagt der Soziologie-Professor von der Uni Furtwangen in Deutschland. Wenn sich aber die immer professionelleren Sozialmärkte zu Einrichtungen auswachsen, mit denen die Bürger fix rechnen, sinke der Druck auf die Politik, für ausreichende Leistungen zu sorgen. "Der Staat wird aus der Verantwortung entlassen", sagt Selke: "Was ein Recht war, wird zum Almosen umgemünzt. Das ist ein Rückfall ins Mittelalter."

Allerdings steckt dahinter ein Henne-Ei-Problem. Gibt sich der Staat knausrig, weil es die Sozialmärkte gibt? Oder ist es umgekehrt? Wenn alle Spezialshops zusperren, wäre noch lange nicht garantiert, dass Regierungen im Gegenzug Sozialleistungen anheben. "Wir sind eine Ergänzung, kein Ersatz", sagt Foodpoint-Betreiber Aigner: "Wir können so rasch aushelfen, wie es die Behörden nicht schaffen." Auf Sozialämtern warte man Wochen oder Monate auf Leistungen.

"Es ist ein Dilemma", sagt Martin Schenk von der Armutskonferenz: "Sozialmärkte helfen Menschen unmittelbar, dass sie etwas ordentliches auf dem Tisch haben. Doch gleichzeitig schaffen sie Parallelstrukturen, die für Bedürftige beschämend sein können." Das Argument mit der schwindenden Verantwortung des Staates sei nicht einfach von der Hand zu weisen, "denn eigentlich sollten die Sozialleistungen so bemessen sein, dass Sozialmärkte überflüssig sind".

Schenk fallen einige Beispiele ein, wo Österreich nachbessern könnte. Das Arbeitslosengeld beschert Betroffenen hierzulande einen vergleichsweise harten Absturz auf 55 Prozent des früheren Nettolohns. Auch die Mindestsicherung, sagt er, biete keine so üppige Absicherung, wie Kritiker behaupten: "Sonst müssten nicht so viele Menschen zum Sozialmarkt gehen."

Verschärfend wirkt: Die Teuerung trifft ärmer Menschen in aller Regel härter als den besser situierten Teil der Bevölkerung. Laut Statistik Austria lag die Inflationsrate für die untersten zehn Prozent der Einkommensverteilung in den letzten vier Jahren dreimal über dem Schnitt, nur einmal gleichauf. Vor allem die stark gestiegenen Mieten schlagen durch.

Sie habe gar keine andere Wahl, sagt vor dem Geschäft in Hernals eine Frau, die in Kurzarbeit ist: "Niemand weiß, wie es weitergeht." Da gelte es, vorsorglich jeden Euro beiseite zu legen – und den Speiseplan notgedrungen ans Angebot anzupassen. Was heute auf dem Teller lande? "Fisolen mit viel Knoblauch."


Aus: "Boom der Sozialmärkte: Segen für alle oder Rückfall ins Almosenwesen?" Gerald John (2.9.2020)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/2000119670837/boom-der-sozialmaerkte-segen-fuer-alle-oder-rueckfall-ins-almosenwesen

QuoteStag77, 2. September 2020, 15:55:26
Ich bin selbst Mitbegründer eines vergleichbaren Vereins (rein ehrenamtlich betrieben) und bin mir der genannten Kritikpunkte bewusst. Häufiger noch kommt übrigens folgendes Argument: Wenn Menschen mit Sozialhilfe u.Ä. auch dank solcher Einrichtungen eh ganz gut über die Runden kommen, nähme man ihnen die Motivation, ernsthaft wieder einen Job zu suchen etc.
Ich habe noch zu keiner schlüssigen Antwort gefunden, auch weil mir die kausalen Zusammenhänge weitaus komplexer erscheinen, als von der einen oder anderen Seite dargestellt.
Es gäbe sicher, auch im Gesamten gesehen, bessere Systeme, aber ich denke, letztlich geht's darum, sich um eine lebendige Balance zwischen all den tw. auch (scheinbar) widersprüchlichen Aspekten zu bemühen.


QuoteNightwolf

... Solange es kein Gleichmaß in der Steuerpolitik gibt, bleibt der Gesellschaft die Verteilungsungerechtigkeit erhalten und daraus resultiert dann eben der "Scherenfaktor" zwischen oben/unten oder arm/reich. Und da sich in absehbarer Zeit nichts daran ändern wird, werden wir wohl mit den Sozialmärkten, den Tafeln und sonstigen "Almosenebenen" leben müssen und sie auch benötigen.
Ein erster Schritt wäre Lebensmittelvernichtung, egal ob durch Überproduktion oder nicht zeitgerechte, verbilligte Abgabe) exorbitant zu besteuern bzw. zu bestrafen.
Weiters verbindlich eine Teil-Grundsicherung einführen und an den Armutsfallenstellschrauben (Wohnkosten, Niedriglohnsektor) zu drehen. Dies für den Anfang - das MEHR hat noch viele "Baustellen".


Quote
Salzkristall

Ja, aber wie soll das alles funktionieren liebe Leute? Wenn man höhere Sozialabgaben von Reichen verlangt, wie können diese sich dann bitte noch teure Autos kaufen, Golduhren, überdimensionierte Häuser oder eine Yacht in Malibu? Wollt ihr ernsthaft in einer Welt leben in der Reiche von ihrem Überfluss etwas abgeben müssen, nur damit andere Menschen ein würdiges Leben führen können?


...

Link

Quote[...] Ist es privatwirtschaftlicher Dynamik oder der Behäbigkeit subventionierter Betriebe zuzuschreiben, dass eine unabhängige, kommerzielle Bühne, wie das seit knapp drei Jahren bestehende Londoner Bridge Theater schneller als alle anderen die Initiative ergreift, um einen Weg aus dem Lockdown zu finden? Wahrscheinlich liegt es auch am Führungspersonal. Jedenfalls ist es Nicholas Hytner und Nick Starr, denen einst das National Theatre unterstand, gelungen, an ihrem Bridge Theatre, eine Saison mit zwölf hochkarätig besetzten Monologen zusammenzustellen und somit in Britannien unter den Ersten in der gesamten Branche zu sein, die nach monatelangem Stillstand den Betrieb – wie eingeschränkt auch immer – wieder aufgenommen haben.

Es hilft freilich auch, dass das Theater in einem modernen Block nahe der Tower Bridge untergebracht ist, über ein weiträumiges Foyer verfügt und variabel bestuhlt werden kann, so dass 250 durchweg unter Maskenpflicht stehende Zuschauer in einem Saal mit neunhundert Plätzen schachbrettartig verteilt sitzen, ohne dass der Raum gähnend leer wirkte.

Beim Auftakt der Saison lauschte das Publikum fünfzig Minuten lang gebannt der von Ralph Fiennes vorgetragenen Schimpfkanonade des Dramatikers David Hare, die denselben Titel, ,,Beat the Devil" (,,Schach dem Teufel"), trägt wie John Hustons Filmsatire aus den fünfziger Jahren. Hares Monolog paart eine bis ins kleinste physische Detail gehende Chronik seiner eigener Erkrankung an Covid-19 im März mit einer bitterbösen Betrachtung der Handhabung der Pandemie durch die Regierung von Boris Johnson. Mitunter meint der Autor Parallelen zwischen seinem Fieberwahn und dem Irrwitz der Regierenden zu sehen. ,,Nichts macht Sinn", bemerkt er mit jener süffisant kopfschüttelnden Attitüde, die dem politischen Dramatiker zur zweiten Natur geworden ist. Dass im Zusammenhang mit dem Kabinett immer wieder das Wort mittelmäßig fiele, erregt sein besonderes Missfallen. Man tue dem Begriff ,,mediocre" Gewalt an, indem man Inkompetenz mit Mittelmaß gleichsetze, schnaubt Hare. Nach seiner Genesung gesteht er, nicht vom Überlebens-Schuld-Syndrom befallen zu sein, sondern von der Wut des Überlebenden.

Ralph Fiennes, der in dem neuen, auf den Herbst verschobenen Bond-Film demnächst wieder als M zu sehen sein wird, kommt, wie von Krankheit gezeichnet, leicht geduckt daher. Er legt die Jacke über die Lehne des Stuhls, nimmt eine große Kladde aus der Brieftasche, setzt sich vor einer wie mit Japanpapier bespannten weißen Bildfläche an den Schreibtisch und hebt zu einer Tirade an, deren Unerbittlichkeit nur durch spitzzüngige Pointen und die virtuose Darbietung gelindert wird. Unter der subtilen Regie von Nicholas Hytner schreitet Fiennes um den Tisch herum, während er die Wirkungen des wie eine ,,schmutzige Bombe" detonierten Virus auf seinen Körper schildert. Wie die zur Untermalung vom blassesten Blau zum zartesten Rosa changierenden Farben auf dem Paravent, wechselt sein Tonfall von frustriertem Sarkasmus zu funkelndem Zorn. Wenn es um Politik geht, geschieht genau das, was Hares Laune beim Fernsehen verschlechtert, weil ,,ein dichter Schneesturm von Klischees den Bildschirm" beschlägt. Trotzdem stehender Applaus. Und große Dankbarkeit für ein gemeinsam erlebtes Theater jenseits der eigenen vier Wände.


Aus: "Ralph Fiennes gegen Johnson: Regierungsbeschimpfung im Fieber" Gina Thomas, London (03.09.2020)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/ralph-fiennes-attackiert-im-theater-boris-johnson-16932908.html

QuoteSabine Schönfeld (Vermalia), 03.09.2020 - 09:33

Was genau kritisiert David Hare denn an der Corona-Strategie der britischen Regierung?

Das steht nicht im Artikel - oder habe ich es etwa überlesen?
Das hätte mich jetzt tatsächlich interessiert und nicht, wie Fiennes "um den Tisch schreitet". Bemerkenswert inhaltsleer.


...

Link

#214
Quote[...] Demo - Während die einen die Liebe beschwören, erklimmen die anderen das Parlament. Ein Wochenende der Widersprüche

Eva Kienholz veröffentlicht am 21.9. das Buch Ihr Kampf. Wie Höcke & Co. die AfD radikalisieren.
Nik Afanasjew schrieb im Freitag (29/2020) zuletzt über das Lenin-Denkmal in Gelsenkirchen


Aus Darmstadt kommt er, Jonas, 18 Jahre alt, wilde Mähne, Calvin-Klein-Shirt, Schlabberhose. Später melden sich noch ganz andere zu Wort, der österreichische Identitären-Chef Martin Sellner etwa, auch ein echter Kennedy und sogar der mögliche Nachfolger von Andreas Kalbitz in der AfD – aber zunächst ist da einfach nur Jonas. ,,Wir wollen nicht bloßstellen, sondern entlarven", sagt er und lächelt lausbübisch. Was genau er entlarven will, kann er nicht so recht erklären. Aber sympathisch wirkt er mit seinem seligen Lächeln und einer Selbstgedrehten in der Hand, unbedarft bis revolutionsromantisch. Über sich sagt er: ,,Ich stehe auf der guten Seite."

Jonas gehört zur Initiative ,,Querdenken 711", die hier unweit des Kanzleramts ihr Protestcamp aufgebaut hat, ein provisorisches Hauptquartier, von dem aus sie ihr großes Demo-Wochenende plant, das ,,Fest für Frieden und Freiheit". An diesem Donnerstagnachmittag vergangener Woche ist der Protestzug zwar offiziell verboten, aber das werde nur dafür sorgen, dass ,,noch mehr Leute kommen", erklären Aktivisten gut gelaunt. Sie laufen mit Papierstapeln oder Kaffee hin und her, sitzen vor Laptops, irgendjemand sucht immer gerade irgendein Kabel, die Stimmung erinnert an Blockupy in Frankfurt anno 2012.

Jonas erklärt: ,,Wir haben Leute dabei, die drei Wohnungen besitzen, und Wohnungslose." Dann meint er, früher die Grünen unterstützt zu haben, aber eigentlich ,,total unpolitisch" zu sein. Während nebenan im Kanzleramt Angela Merkel mit den Länderchefs einheitliche Corona-Maßnahmen beschließt, etwa eine Mindeststrafe für Maskenverweigerer, sagt Jonas: ,,Ich muss eh keine Maske tragen, ich habe ein ärztliches Attest." Er sei komplett ungeimpft, wolle eigentlich weg, nach Sri Lanka vielleicht, oder nach Portugal, jedenfalls habe er sich vieles verbaut, zu viel gekifft. Irgendwann schließt er mit den Worten: ,,Aber eigentlich bin ich Kommunist."

Jonas zuzuhören ist ein bisschen so, als hätte man zehn willkürlich ausgewählte Wikipedia-Artikel ausgedruckt, in den Mixer geworfen und die Schnipsel anschließend zusammengeklebt. Jonas ist wohl das passendere Gesicht des Berliner Protestwochenendes als die rechte Prominenz, die sich in diesen Tagen ebenfalls im Regierungsviertel herumtreibt.

Auf der guten Seite wähnen sie sich aber alle, die da gegen die Corona-Maßnahmen demonstrieren, Unpolitische, Linke und Rechte, Sinnsucher und Reichsbürger, Trump-Fans und Impfgegner. Vielleicht ist das neben ihrer Ablehnung der Bundesregierung das Einzige, was sie verbindet. Das politische Koordinatensystem, in dem sie eingeordnet werden könnten, muss wohl erst noch gezeichnet werden. Aber zunächst wird getanzt.

Es ist Freitag. ,,Bewegt eure Ärsche, ihr faules Pack. Volkstanz für den Volkserhalt!", ruft Nikolai Nerling vor dem Reichstag. Der selbst ernannte ,,Volkslehrer" ist wegen Volksverhetzung verurteilt, interviewt sonst gerne Holocaust-Leugner, bringt an diesem Tag einer Frau Tanzschritte bei. Nerling hat seine Meute gefunden. Frauen mit langen Röcken und Männer mit kurzen Lederhosen haken sich vergnügt ein, als folkloristische Musik ertönt. Schon verströmt die Wiese vor dem Reichstag die schunkelige Stimmung eines Mittelaltermarktes. Vielleicht kommen diese Proteste ja auch deshalb mit solcher Wucht, weil viele Menschen nach einem halben Jahr ohne Volksfeste, Konzerte und Fußballspiele sich nach heiterer Gemeinschaft sehnen.

Doch da gibt es auch Leute, die nicht mittanzen wollen. Frederik zum Beispiel. Er ist aus Hannover gekommen, 40 Jahre und von Beruf Rettungssanitäter. Er trägt ein Band-Shirt der Ärzte. ,,Ich bin hier, weil ich mich von der Impfpflicht bedroht fühle", erklärt er mürrisch. ,,Es gibt Corona, aber es gibt keine Pandemie." Solche Sätze fallen an diesem Demo-Wochenende oft. Die Gefahr gehe nicht vom Virus, sondern von der Regierung aus, die versuche, Grundrechte abzuschaffen. Besonders die Querdenker verweisen gerne auf das Grundgesetz, das auch kostenlos am Protestcamp ausliegt. Einige tragen Corona herum, als Wollknäuel-Anhänger am Rucksack oder als basketballgroße Installation mit den charakteristischen Noppen. Einer nennt es ,,Freiheitsvirus".

Auch Bonny und Bert, beide 28 Jahre, sind extra aus Schleswig-Holstein angereist. Sie stehen nicht am Reichstagsgebäude, sondern vor dem Brandenburger Tor. Schon am Freitagabend findet dort eine Kundgebung von ,,Querdenken" statt. Die Stimmung ist prächtig, das Berliner Verwaltungsgericht hat gerade das Verbot für die große Kundgebung am Samstag gekippt. ,,Wir wollen demonstrieren, weil wir gegen das Impfen und für die Freiheit sind", sagt Bonny und nimmt einen Schluck vom Bier. ,,Aber politisch sind wir nicht", sagt Bert. Es ist kein Zufall, dass die beiden einen weiten Weg in die Hauptstadt auf sich nehmen, viele Demonstranten kommen aus ganz Deutschland angereist. Soziologen haben in den vergangenen Wochen darauf hingewiesen, dass vor allem Menschen aus entlegenen Regionen sich in Krisenzeiten, da Berlin scheinbar alternativlos durchregiert, nicht mehr gehört und repräsentiert fühlen. Diese Menge hier gibt der Wissenschaft recht.

Es ist Samstag, der Tag der geplanten großen Demonstration. Aus der rechten Szene hat es viel Mobilisierung gegeben, Gewaltaufrufe, Revolutionsfantasien, manche scheinen wirklich an einen Umsturz zu glauben. Aber vor jedem Sturm ist erst einmal Ruhe.

,,Ich bin einfach nur kritisch", sagt Judith. Sie ist 56 Jahre alt und lebt in einer Kommune in Baden-Württemberg, mit der sie heute auch demonstrieren möchte. Sie lächelt viel, hält mehrere Sonnenblumen in den Händen. ,,Eine Demokratie muss verschiedene Meinungen aushalten. Wenn sie es nicht tut, ist es keine Demokratie, sondern eine Diktatur." Es ist eine Haltung, die man öfter an diesem Tag hört. Menschen mit roten Herz-Luftballons laufen neben Leuten mit schwarz-weiß-roter Reichsflagge und antworten auf diesen Widerspruch mit: ,,Wir sind doch alles Menschen!"

Vor dem Brandenburger Tor steht Christoph Berndt, AfD-Mann aus Brandenburg und Chef des rechtsgerichteten Vereins ,,Zukunft Heimat". Er schaut durch seine randlose Brille zufrieden auf die Demonstrierenden, die über den Pariser Platz ziehen. ,,Eine richtige Volksversammlung ist das hier!" Berndt sagt, er sei heute nicht als Politiker, sondern als Privatperson hierhergekommen. ,,Wir müssen aufpassen, dass unsere Demokratie keinen Schaden erlangt." Es gebe keinerlei medizinische Notwendigkeit, die Grundrechte einzuschränken. Der Laborarzt gehört wie Björn Höcke zum rechten Rand der AfD. Auf der letzten Landesliste stand Berndt auf Platz 2, gleich hinter dem bisherigen Landes- und Fraktionschef Andreas Kalbitz. Offenbar plant er auch, Kalbitz zu beerben, worüber er an diesem Samstag aber schweigt. Berndt sagt nur, es sei richtig gewesen, dass Kalbitz zurückgetreten ist. ,,Nun kann endlich wieder Ruhe einkehren."

Während sich Berndt incognito unter die Protestierenden mischt, macht es sein Parteikollege Enrico Komning anders. Komning ist Bundestagsabgeordneter und Sympathisant des offiziell aufgelösten rechtsnationalen Flügels der Partei. Mit einem großen Plakat hat er sich der Demo angeschlossen. ,,Keine Hygiene-DDR" steht in großen Lettern darauf. Darunter prangt das AfD-Logo. Immer wieder wird Komning von Passanten gegrüßt.

Kritisch sehen all das Jolanda und Martha, beide 21 Jahre alt. ,,Wir haben ein Problem mit Rechtsextremisten, daher können wir uns auch nicht vollständig mit der Demo identifizieren", meint Martha, die gerade eine Ausbildung zur Schneiderin macht, blaue Chucks und Blümchenkleid trägt. Trotzdem würde sie es nerven, wie die öffentlich-rechtlichen Medien über die Corona-Demos schreiben würden. ,,Immer wird der Fokus nur auf rechte Teilnehmer gelegt. Unsere Kritik an der aktuellen Corona-Politik wird nicht ernst genommen", findet Jolanda. Martha nickt, während neben ihnen etwa dreißig Reichsflaggen wehen. ,,Wir sind Mensch, kein Personal", ruft einer der Flaggenträger. Ein anderer hält ein Plakat: ,,Friedensvertrag jetzt!"

Auf der anderen Seite des Brandenburger Tors steht Martin Sellner, Chef der österreichischen Identitären. Warum ist er hier? ,,Primär wegen der Heuchelei der Regierung. Und weil die Demo eine patriotisch-nationale Ausrichtung hat." Es ist das erste Mal, dass er sich den ,,Querdenkern" anschließt, doch schon früher sah er das Potenzial. In einem Beitrag für Götz Kubitscheks Sezession schrieb er mal: ,,Neurechte Kreise könnten sich dank jahrelanger Erfahrung in politischer Organisation tätig in Protesten hervortun und dabei Qualität, Weltanschauung und Strategie einbringen."

Immer wieder kommen Demonstrierende zu Sellner, wollen Selfies mit ihm machen. Einer drückt ihm eine Visitenkarte in die Hand, sagt: ,,Wenn du mal in Dresden bist und nicht nur eine patriotische, sondern auch eine einheimische Stadtführung willst." Ein anderer fragt im Vorbeigehen seine Begleitung: ,,Ist das nicht der Sellner?" Als seine Begleitung nickt, grüßt der Mann wohlwollend. Auch die vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestuften Identitären sind hier sichtbar willkommen.

Sellner wird von einem identitären Aktivisten aus Rostock begleitet, der seinen Namen nicht verraten möchte. Trotzdem sagt er: ,,Dieser Protest hier ist ein positives Bekenntnis zur Nation. Ich bin hier aber nicht als Aktivist, sondern nur als Patriot." Auch Sellner stimmt dem zu: ,,Wir wollen den Protest nicht vereinnahmen." Dann verabschieden sie sich. Sie müssten nun weiter zur Siegessäule.

Am Großen Stern ist am Nachmittag das Gedränge groß. Niemand trägt eine Maske. Deeskalationsteams sind bemüht, die Menschen dazu zu bringen, die Mindestabstände einzuhalten, meist ohne Erfolg. Dennoch wird die Ansammlung nicht aufgelöst. Im Gegensatz dazu war die eine Woche früher geplante Demo zum Gedenken an das rassistische Attentat in Hanau ganz abgesagt worden – aus Infektionsschutzgründen. Von denen wollen die Querdenker nun wirklich nichts wissen.

Am Nachmittag betritt ein unerwarteter Gast die Bühne, begleitet von großem Applaus. Robert Kennedy jr., Sohn des 1968 im Wahlkampf ermordeten Senators und Justizministers Robert F. Kennedy – dem jüngeren Bruder John F. Kennedys. Er ruft: ,,In den Vereinigten Staaten behaupten die Zeitungen, ich wäre hierhergekommen, um mit 5.000 Nazis zu sprechen. Wenn ich in die Menge schaue, sehe ich das Gegenteil von Nazis." Und: ,,Vor 50 Jahren kam mein Onkel J.F. Kennedy nach Berlin. Berlin war die Front gegen den Totalitarismus. Und heute ist es wieder so: Berlin ist die Front gegen den Totalitarismus. Und deshalb können wir heute wieder stolz sagen: Ich bin ein Berliner." Alle klatschen, auch ein Mann mit dem T-Shirt-Aufdruck ,,Operation Walküre 2.0".

Während die eingeladenen Redner ihre Reden halten, vergrößert sich die Menschentraube um Sellner. Große eingerollte Transparente werden angeschleppt – und dann, auch von Sellner, zu den Stufen unter der Siegessäule getragen. Als gerade eine Frau auf der Bühne andächtig singt, entrollen die Identitären unter Jubel der Anwesenden ihre Transparente: ,,Wir sind das Volk". So sieht es also aus, wenn Aktivisten eine Demo nicht vereinnahmen wollen.

Wie es aussieht, wenn ein friedlicher Protest eskaliert, ist später vor dem Reichstagsgebäude zu sehen. Rechtsextreme erklimmen die Treppen vor dem Parlament, gelangen beinahe problemlos an wenigen Polizisten vorbei hinter die erste Absperrung. Die Demonstration zu vereinnahmen, schaffen die Rechten an diesem Tag zwar nicht, bilden aber medienwirksam die Speerspitze einer ansonsten noch reichlich stumpfen Bewegung.


Aus: "Wirr ist das Volk" Eva Kienholz, Nik Afanasjew (Ausgabe 36/2020)
Quelle: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wirr-ist-das-volk

Quote
Moorleiche | Community

@ Bartleby: ,,Dabei wäre in diesen Tagen nichts wichtiger als Fakten, Information, Aufklärung."

Gerade die letzten Jahre haben doch gezeigt, dass es darauf nicht ankommt. Es hat eben jeder seine Fakten, seine Autoritäten und 'unbestechlichen' Akademiker, die allen sagen, wie es wirklich ist.

Darüber hinaus halte ich die Einstellung, dass Fakten etwas sind, worauf man einfach zeigen muss – Guck mal da, so isses – und dann entsteht im Kopf eines Jeden Einsicht in die Wahrheit, für revisionsbedürftig. Fakten sind bereits eine Auswahl, man nimmt damit eine bestimmte Perspektive ein, rücke gezwungenermaßen damit einen Aspekt in der Vordergrund und einen anderen in den Hintergrund.

Der Wunsch, nackte Fakten könnten disziplinieren ist selbst ideologisch und wissenschaftstheoretisch von vorgestern.


Quote
JR's China Blog | Community

... Das Volk ist nicht wirrer als früher. Es versuchen nur mehr Leute als früher, sich einen eigenen Reim zu machen - was natürlich schiefgeht, weil es eigentlich Medien bräuchte, die informieren, statt zu meinen. Es bräuchte Medien, die beim Lernen und wissen helfen.

Hans Leyendecker: "Wo die Öffentlichkeit aufhöre, hat Hannah Arendt mal geschrieben, werde Macht gefährlich. Wie soll aber eine Öffentlichkeit funktionieren,wenn es längst eine zweite Öffentlichkeit gibt, wenn vor allem das Konspirative den Ton angibt?" (https://netzwerkrecherche.org/wp-content/uploads/wp-post-to-pdf-enhanced-cache/1/eroeffnungsrede-von-hans-leyendecker-auf-der-nr02-2.pdf) ... Ein "Rennen um die Platzierung exklusiver Nichtigkeiten" hilft jedenfalls auch nicht weiter.


Quote
WuMing | Community

Die Rechten haben die Lufthoheit über diese Protestbewegung gewonnen und verwirrte Linke laufen mit. ...


Quote
w.endemann | Community

Die Verwirrtheit der Bürger wird sehr schön beschrieben. Allerdings ist der Schlußsatz ein krasser Fehlschluß: ,,Die Demonstration zu vereinnahmen, schaffen die Rechten an diesem Tag zwar nicht, bilden aber medienwirksam die Speerspitze einer ansonsten noch reichlich stumpfen Bewegung." Denn diese Bewegung ist am ehesten eine Brownsche Molekularbewegung zu nennen. Es ist das Ergebnis des entsubstantialisierten Individualismus, im Grunde der marktkonformen Demokratie, man könnte sagen, die Leute haben ihren Kant gelernt, sich nur aufs eigene Denken zu stützen – mit dem kleinen Pferdefuß, daß sie nie denken, nur Meinen gelernt haben. Diese fröhliche Apokalypse wird unübertrefflich im Schlußbild von ,,Mahagonny" geschildert. Die Gefahr, daß diese Massen faschistisch formatiert werden könnten, sehe ich nicht, eine gewisse Gafahr besteht darin, daß ihnen ein Totalitarismus übergestülpt werden könnte, aber dazu müßten die Gebildeteren mitmachen oder wenigstens stillhalten, auch das ist schwer vorstellbar. Diese Masse ist unregierbar und ist nicht selbstregierbar. Sie hat keinen substantiellen Zusammenhalt und der formale des kapitalistischen Systems hat nicht genug Integrationskraft.

Der Faschismus hat erst wieder eine Chance, wenn aufgrund der Zuspitzung der ökonomischen Krise, die bislang noch virtuell ist, wieder massenhaft elementare Existenzangst entsteht, dann muß eine Form der Lösung oder Pseudolösung gefunden werden, dann kommt es zur Alternative einer richtigen oder falschen Wahl.

Wollen wir jetzt schon die Weiche richtig stellen, müssen wir mit Vernunft der Desorientierung entgegenarbeiten. Das würde bedeuten, daß alle Argumente auf den Tisch der öffentlichen Debatte kommen und ergebnisoffen, aber allgemeinverbindlich diskutiert werden, wir müssen uns in eine kritische Wissensgesellschaft verwandeln. Die Chancen dazu sind vorhanden, die wegzuräumenden Barrieren sind aber auch gewaltig.


Quote
Moorleiche | Community

@ JR's China Blog

"Trotzdem gäbe es bei der Berichterstattung eine Menge Luft nach oben, denn wenn zur Verunsicherung noch der Eindruck kommt, manipuliert zu werden, gewinnen "alternative Fakten" an Einfluss."

Ich weiß nicht, wie man weiter so dämlich sein kann, Menschen, die hier und da ein wenig Invidualität leben möchten - sollte der mündige Bürger nicht darüber verfügen - in den einen großen Sack zu packen. Man verprellt immer mehr Menschen, hat damit politisch keinen Erfolg, macht aber tapfer weiter. Witzig ist nur, dass die Verschwörungsfreunde den Stuss noch adeln, indem sie dahinter eine durchtriebene Stategie vermuten.


Quote
WuMing | Community

@ Moorleiche

Goebels und Co. waren Esoteriker, liebten das tibetisch-buddhistische, sie vermuteten dort den Ursprungsort der arischen Rasse etc. Darüber wurden zahlreiche Bücher geschrieben, kann man alles nachlesen, wenn man will!

und der Link zwischen Steiner-Gläubigen, die das Starke wollen und das Schwache verachten heißt Sozialdarwinismus. Die Nazis wollten die starke Rauschen Rasse und haben noch bis über ihre Niederwerfung hinaus Behinderte umgebracht, bis die Alliierten ihre letzten Mordbuden fanden. Aber das ist alles bekannt. Man will es nur nicht kennen und stellt sich dumm.


Quote
Moorleiche | Community

@ WuMing

Das sind lose hingeworfene Assoziationen, eine Mischung aus analogem Denken (das die Esoterik, übrigens keinesfalls grundlos, in Anspruch nimmt) und pars pro toto Denken. Das könnte man als Vorurteil kritisieren, es gibt auch Argumente dafür, aber auch die kommen bevorzugt aus der Esoterik.

Hitler war auch Vegetarier, was sagt uns das? Eben, nichts!

Sie benutzen praktisch das, was Sie theoretisch ablehnen, das nennt man einen performativen Widerspruch https://de.wikipedia.org/wiki/Performativer_Widerspruch, der in die Klasse der typischen Fehlschlüsse gehört.

Wollen Sie es noch mal versuchen?


Quote
WuMing | Community

@ Moorleiche
Ein Uraltwerk: Politik  - Mystik, Faschismus, Menschenhaß
[ ... Jutta Ditfurth hat ein Buch geschrieben, das in jenem bunten Spektrum der Umweltbewegungen den Menschenhaß von mystischen bis faschistischen Strömungen entlarvt.
Entspannt in die Barbarei« heißt es, im Untertitel »Esoterik, (Öko-)Faschismus und Biozentrismus«. Mit diesen drei Begriffen charakterisiert die Autorin ideologische Grundlagen einer reaktionären Politik gegen die Emanzipation der Menschen. Diese antiemanzipatorische Ideologie ist kennzeichnend für rechte Gesellschaftsvorstellungen.
Esoterik ist nach dem Verständnis von deren Anhängern selbst eine »elitäre Geheimwissenschaft, die nur erleuchtete Eingeweihte begreifen können.«
Biologistische und biozentristische Weltbilder, Wertesysteme, Vorstellungen auch vom menschlichen Zusammenleben
beziehen sich auf die lebende Natur als ganzes. Sie übertragen Prinzipien aus dem Tierreich, auch wissenschaftlich durchaus umstrittene, auf die Gesellschaft. Und sie attackieren den »Anthropozentrismus«, ein ideologisches Versatzstück, das den Menschen in den Mittelpunkt allen Geschehens stellt. ... Jutta Ditfurth sucht und findet gefährliche Strömungen in den Umweltbewegungen Okobuch Von Jörn Jürschik (14.04.1997)
Neben Oliver Gedens »Rechte Ökologie« (Elefantenpress; siehe ND vom 19.8.96) ist Ditfurths Buch ein wichtiges Warnbuch. Viele Umweltbewegte sind sich der reaktionären Ursprünge so mancher grünen Tradition nur mangelhaft bewußt. Der besondere Wert des Buches liegt in der konsequenten Auseinandersetzung von links aus. Die Leser sollten nur nicht vergessen, daß nicht jede reigentanzende Leinenkleidträgerin und nicht jeder verträumte Müsligenießer rechts steht. Jutta Ditfurth sieht sie aber als Manövriermasse eines »möglichen künftigen Faschismus«. Jutta Ditfurth: Entspannt in die Barbarei. Konkret Literatur Verlag. Hamburg 1996. 224 S., Paperback ...]
https://www.neues-deutschland.de/artikel/655603.mystik-faschismus-menschenhass.html

Wenn sie den Tatsachen nicht ins Auge sehen wollen und Jutta Ditfurth für unglaubwürdig halten, ist das ihre Sache.
Klar ist aber Anthroposophie, Esoterik, Mystik führen über diverse Verschwörungstheorien zum neuen Faschismus.
Bitte informieren sie sich, wer ernsthaft suchen will, der findet!
Diese komischen mystischen Verschwörungstheorien fand man massenhaft auf der Querfrontdemo in Berlin. Aber das war schon keine Querfront mehr, das war eine nazigeführte Demo mit zahlreichen verdummten Mitläufern, die später dann wieder von nichts gewußt haben wollen.
Diesmal kann man es vorher wissen, aber es wird wieder weggeschaut!



Quote
Moorleiche | Community

@ WuMing

"Wenn sie den Tatsachen nicht ins Auge sehen wollen und Jutta Ditfurth für unglaubwürdig halten, ist das ihre Sache."

Nun habe ich mich aber selbst Jahre unter Esos bewegt, bin gewissermaßen selbst glühender Esoteriker gewesen und bin es in mancher Beziehung noch und habe ganz andere Erfahrungen gemacht.

So ich denn jetzt lieber meinen eigenen Erfahrungen und Beobachtungen glauben, oder Frau Ditfurth?

Ich habe die Esoteriker als überwiegend linksliberal mit starkem grünen Einschlag erlebt, hier und da ein paar Feministinnen dabei (das kalte, analytische, männliche Denken war das Feinbild, ganzheitlich, fühlend und weiblich war die Welt zu heilen), die Grundstimmung war pluralistisch, die Themen die interessierten waren vornehmlich Gesundheit, Umweltschutz und irgendwie alles zu heilen.

Rechtere Tendenzen fand man eher in den magischen Logen, deren öffentliches Auftreten aber verständlicherweise gering ist. Überschneidungen waren eher selten, die Vicca-Bewegungen stellten eine Brücke her. Die Szene war doch ziemlich zerfasert, aber linksliberal und grün, das herrschte sehr deutlich vor. Wenn man dann einen Artikel nach dem anderen liest, darüber dass man selbst und andere in Wahrheit rechtsextrem sind, es nur selbst noch nicht verstanden hat, dann fühlt man sich etwas seltsam.

Dann und wann erwischt es auch – gerne lanciert vom Spiegel – die Heilpraktiker und andere Alternativmediziner, die sind auch alle rechts, schon weil sie Feinde der Wissenschaft sind. Dass man sich bei diesen Einordnungen auf der Basis von Analogieschlüssen und pars pro toto Denken sich exakt jener Elemente bedient, für die man eben Genannte in die Ecke gaga und/oder ganz rechts erwähnte ich schon. Ich vermute aber, dass man die Leute, die man da kritisiert, einfach für blöd und naiv hält, seine Leser natürlich auch.

Man hat dann mit der Zeit den Rahmen immer breiter gezogen und immer größere Teile der Bevölkerung gegen sich aufgebracht. Man tut sich selbst im Grunde keinen Gefallen damit. Es ist zwar nicht falsch, die Spalter selbst zu spalten (bei dem hohen Aggressionspotential besorgen die das allerdings selbst, da kann man sich zurück lehnen), aber, wenn man dann diagnostiziert, dass irgendwann jeder Zweite ein Rechtsextremist ist, dann würde ich mal das eigene Messverfahren prüfen.


Quote
WuMing | Community

@ Moorleiche

Das von ihnen beschriebene linksliberale Lager trifftet jetzt nach rechts ab, auch wenn das die Akteure selbst nicht wahrhaben wollen.

...


Quote
Moorleiche | Community

@ WuMing

Der Artikel von Frau Ditfurth ist nicht aus 2020. Wir waren schon immer rechtsextrem, haben es nur selbst nicht gemerkt.

Aber dafür hatten wir ja so glänzende Nachhilfelehrerinnen, wie die besagte. Danke dafür! Die Strategie ist bis heute die gleiche, man bringt immer wieder die gleichen Assoziationen ins Spiel und erwähnt Eso im Zusammenhang mit rechts, wirr und unwissenschaftlich. So geht das schon seit Jahrzehnten.

Was soll ich davon halten?


...

-

[RÜCKBLENDE] ...

Quote[...] Eingestellt von Ingrid H. Oktober 23, 2018

Ein halbes Jahr in einer anthroposophischen Facebook-Gruppe – Ein Selbstversuch

Rainer Herzog

»Nicht von außen, so sagte Rudolf Steiner schon 1914/1915, drohe seinem Werke Gefahr. Die Feinde kommen von innen, aus der Mitgliederschaft selbst.« (Adelheid Petersen, ,,Erinnerungen an Rudolf Steiner", S. 189)

Ich muss gestehen, dass ich noch bis vor kurzem die diversen Berichte, Mahnungen und Warnungen über die Offenheit der anthroposophischen Bewegung für Verschwörungstheorien (VT) als etwas übertrieben erlebte – auf Facebook und auch vor allem hier auf dem Egoistenblog.

Inzwischen weiß ich: Es ist viel schlimmer, irrer und durchgeknallter, als ich angenommen hatte. Ich war ein halbes Jahr Mitglied in einer geschlossenen anthroposophischen Gruppe auf Facebook *), die unter anderem den Bedürfnissen nach geistiger Erbauung, Erkenntnisvertiefung, wissenschaftlichem Arbeiten und einem vertieften Studium Rechnung tragen will – und bin in diesen Tagen dort ausgestiegen.

Das Resümee schon einmal vorwegnehmend: Es hat sich gelohnt, ich wurde mit Erkenntnissen und Eindrücken bezüglich der zunehmenden VT-Begeisterung in Anthrohausen reich beschenkt. Dafür vielen und herzlichen Dank an die Gruppe! Ich kann es daher jedem unbedingt empfehlen, dieser (oder einer ähnlichen) Gruppe beizutreten, um sich ein lebendiges Bild vom, wie ich finde, desolaten, peinlichen und bedenklichen Zustand der gegenwärtigen anthroposophischen Bewegung zu machen.

Die folgenden skizzenhaften Erinnerungen und, ja, natürlich, auch Deutungen aus meiner Zeit in dieser Gruppe sind selbstverständlich subjektiv und als ergänzungsbedürftig anzusehen. Manche der Dialoge und Äußerungen, auf die ich mich im folgenden beziehe, wurden da wohl auch längst gelöscht, manche Mitglieder, mit denen ich debattiert hatte, sind inzwischen wieder ausgetreten.

Mitte April wurde ich auf FB von Jostein Saether in diese Gruppe eingeladen; da ich Jostein kenne und sehr schätze, war ich neugierig, was mich erwarten würde (Jostein selbst hat die Gruppe dann allerdings ziemlich schnell wieder verlassen). Das Geschehen dort fing an mit dem üblichen, eigentlich freundlichen, manchmal interessanten, irgendwie auch vertrauten und sich wiederholenden Posten von Zitaten oder Wahrspruchworten aus Steiners GA; es folgten Kommentare, Meinungen oder Fragen der Mitglieder dazu. Man kennt das ein wenig, manchmal kann das anregend sein, manchmal erbaulich, mir persönlich bringt so etwas nicht mehr viel. Einige Male wurde auf anthroposophische Seminare hingewiesen, ähnlich wie es in anderen Gruppen auf FB üblich ist. Interessant und unterhaltsam.

Irgendwann, ich glaube im Mai, ging ,,es" los: Die Beiträge in der Gruppe kreisten zunehmend mehr und mehr um die diversen Erscheinungsformen der VT. Vor allem die resolute Hauptmoderatorin *), zweifellos die alles dominierende ,,Chefin" und treibende Kraft, sowohl im 5er Moderatorenteam, als auch in der gesamten Gruppe (die anderen 4 Moderatoren waren äußerst zurückhaltend und eher bescheiden) – hat eine unermüdliche Energie, fast schon leidenschaftliche Hingabe entwickelt in der Bearbeitung von zahllosen und sich wiederholenden VT-Themen. Es entstand der Eindruck: Ein Mensch hat endlich sein Lebensthema, sein Schicksal gefunden.

Es kristallisierte sich im Laufe der kommenden Wochen und Monate heraus, dass VT-Denkhaltungen für einen größeren Teil der Mitglieder (zum Glück nicht für alle; und für manche mehr, für manche weniger) zu einer fest verankerten und ganz unumstrittenen Selbstverständlichkeit geworden sind: Man kann den ,,Mainstreammedien" nicht trauen, da grundsätzlich ,,NATO-konform" und von ,,der Staatsmacht" gelenkt, man muss ,,hinter die Kulissen gucken", man darf ,,die Wahrheit" nicht mehr aussprechen, da die Mächtigen in Staat/ Wirtschaft/ Logen/Weltlenkung das zu verhindern versuchen, usw. usf.

Von einem Mitglied wurden in einer Diskussion nicht nur pauschal die ,,Mainstreammedien" angezweifelt, sondern, wenn man schon einmal dabei war, auch die ,,Mainstreamgeschichtswissenschaften"(!). Auf meine diesbezügliche Frage, was denn genau bei den Geschichtswissenschaften anzuzweifeln wäre und welchen Autor etwa er mir denn nennen könnte, wurde herumgedruckst. Klar, so gut kennt man die denn nun doch nicht.

Der selbsternannte ,,Friedensforscher" Daniele Ganser wird von vielen Mitgliedern der Gruppe nicht nur als symphatisch erlebt oder geschätzt, er wird regelrecht verehrt, er ist eine absolute und nicht weiter zu hinterfragende Autorität. Es ist wohl vor allem Gansers oft demonstrierte Haltung und Methode, aus seiner von ihm behaupteten ,,Wahrheitsliebe" heraus anscheinend ,,nur unbequeme Fragen zu stellen" (was sich ,,Mainstreamwissenschaftler" aus Rücksicht auf ihre Karriere natürlich nie trauen würden), die dazu führt, dass viele Anthroposophen seine Denkhaltung begeistert 1:1 übernehmen.

Der Umstand, dass R. Steiner innerhalb seiner unüberschaubar großen GA diverse Male seine Zuhörer, Leser und Schüler ermuntert, die zu seiner Zeit gängigen wissenschaftlichen, philosophischen und sozialen Gegebenheiten und Autoren zu hinterfragen, um sie anthroposophisch zu durchdringen und entsprechend zu korrigieren, bzw. zu ergänzen, wird von nicht wenigen heutigen Anthroposophen etwas unbedarft übertragen auf die Person und Methodik des D. Ganser. Dass man sich als eifriger anthroposophischer Ganserist mit den zu hinterfragenden politischen und wissenschaftlichen relevanten aktuellen Autoren und Theorien häufig kaum oder nicht beschäftigt hat, kann dabei den Kampf der ,,Wahrheitsliebenden" offenbar nicht stören - in den vielen Diskussionen in den darauffolgenden Monaten konnte ich immer wieder staunend erleben, dass der angenommene ,,Mainstream" in Politik und Geschichte so gut wie immer grundsätzlich hinterfragt wurde, parallel zu einer meist auffällig dürftigen Kenntnis der Forschungsresultate eben dieses ,,Mainstreams": ,,Ich denk mir die Welt, wie sie mir gefällt!" (Pippi Langstrumpf).

Sagte nicht bereits Steiner bei politischen Themen häufig kritische Dinge über die USA? Genau wie Ganser! Spricht Steiner nicht vom Blick hinter die Kulissen? Wie Ganser! Und dann Steiners Aussagen über Geheimlogen! Werden wir nicht heute auch irgendwie alle gelenkt und gesteuert? Meine vorsichtigen Einwände in der Gruppe, dass das ja bei Steiner erstens im Verhältnis zur Gesamt-GA nur sehr wenige Äußerungen waren, die er zweitens vor gut 100 Jahren im finstersten wilhelminischen Zeitalter gemacht hatte, wurden zurückgewiesen; eine solche Unterscheidung wäre allzu willkürlich, wie würde ich darauf kommen, wie kann man nur, wir haben hier Aussagen von Steiner... Als dann irgendjemand mal die naheliegende Frage in den Raum stellte, welche Logen, von denen Steiner damals sprach, heute noch möglicherweise tätig sind, konnte natürlich niemand dazu etwas sagen.

Manchmal hatte ich den Eindruck, dass sich die Gruppenmitglieder in den endlosen Debatten zu dem Thema, ganz nebenbei, aber doch mehr oder weniger bewusst, ein neues aufregendes Selbstbild konstruieren wollten; die entsprechenden Denkmuster der VT lassen sich allerdings erst dann bruchlos in ein anthroposophisches Weltbild einfügen, wenn man letzteres einigermaßen begrifflich festgezurrt und auf einen allzu schlichten Gut-Böse/Wir-Die-Dualismus reduziert hat: Wir stellen die unbequemen Fragen. Wir lassen uns den Mund nicht verbieten. Wir kämpfen für die wahre Anthroposophie. Wir klären auf, kämpfen für die Wahrheit und kommen den Komplott auf die Schliche. usw. Ihr anderen werdet manipuliert und wollt die Wahrheit nicht zulassen.

(Es wurde in der Gruppe übrigens durchaus ernsthaft versucht, bei den VT zu differenzieren: Die ,,Reptilienmenschen" und ,,Flat earth"-Vertreter wurden nicht ernst genommen, ok, zu unseriös. Immerhin, das soll hier nicht unerwähnt bleiben).

Das zentrale Thema, um das es hingegen immer wieder ging, das man sich nicht nehmen lassen wollte, da es längst zum zentralen Baustein des eigenen Weltbildes gehörte, war natürlich auch hier die beliebte ,,Nine-eleven-inside-job"-These. Dabei war es für mich in gewisser Weise rührend zu erleben, dass einige Teilnehmer (ja, vor allem auch die Chefin) möglicherweise noch nie, oder kaum etwas davon gehört hatten, dass es bereits eine seit 17 Jahren bestehende bekannte und umstrittene (und längst widerlegte) ,,Forschung" und entsprechende Bewegung (,,Truther") zu dem Thema gibt. Es schien ansatzweise so, dass man in der Gruppe tatsächlich die Hoffnung hatte, ,,ganz unbefangen" die Ereignisse von damals ,,kritisch und sachlich" völlig neu zu bewerten, ,,erforschen", zu können. (Spätestens dann kommt, wie auch in ähnlichen Debatten andernorts, der Hobbyarchitekt im Manne zum Vorschein, mit diversen, schnell gegoogelten Beweisen, wann der Schmelzpunkt von dieser und jener Sorte von Stahlträgerkonstruktionen erreicht ist... – einmal ging es in der Gruppe sogar um die Brennbarkeit von Büromöbeln (!) von WTC 7. Ja, man lernt tatsächlich erstaunliche Dinge in solchen Diskussionen.)

Irgendwann kam auch mal jemand auf die glorreiche Idee, dass kein geringerer als Steiner selbst mit seinen Ausführungen zur 5. Nebenübung den Übenden regelrecht ermuntert, die Welt vor allem ,,unbefangen" und somit im Grunde eigentlich auch ,,VT-mäßig" zu sehen: Wie sagte Steiner – man solle sich unbefangen vorstellen, dass ein Kirchturm über Nacht ganz schief stehe... Man kann sich daher doch auch ebenso unbefangen vorstellen, dass die US-Regierung damals am 11.09 ...
Seufz. Und das war nicht das erste Mal, dass ich in dieser Gruppe erleben konnte, wie das Werk Steiners gezielt verzerrt und lächerlich gemacht wurde.

So ging das tatsächlich unermüdlich viele Wochen lang. Bei aller Unterhaltsamkeit – das Verfolgen dieser Naivität und Durchschaubarkeit des Denkens bei Menschen, die sich mit der ,,Philosophie der Freiheit" verbunden fühlen, war letztendlich zum Fremdschämen.

Apropos PhdF: Ich hatte des öfteren den Eindruck, dass u.a. auch der, wenn auch nicht immer offen ausgesprochene, Bezug auf Steiners berühmtes Hauptwerk, mit seinem leider sehr dehnbar und beliebig auslegbaren Schlagwort ,,Freiheit", als willkommene Legitimation für die ,,man-wird-doch-mal-was-sagen-dürfen"-Haltung herhalten musste. Auch Schillers ,,Die Gedanken sind frei" wurde natürlich bei einer VT-Debatte triumphierend ausgegraben.

Auf diesem sehr überschaubaren und etwas schlichten Niveau plätscherten zahllose Debatten etwas ermüdend vor sich hin.
Ganz selten gab es mal ein wirkliches Highlight, einen von mir aufgeschnappten Dialog, der mich zutiefst und vom Herzen her erfreute: Bei Ganser war man sich, wie gesagt, in der Einschätzung seiner Person und der damit verbundenen Verehrung einig, nicht so (wahrscheinlich wegen seiner etwas prolligen Art) bei Ken Jebsen:
Mitglied A: ,,Wie würdet ihr Ken Jebsen einschätzen?"
Mitglied B: ,,Manches ist sehr gut bei ihm, er ist auf jeden Fall michaelisch, da er am 29.09. Geburtstag hat."
Darauf muss man erst einmal kommen. Anthroposophische Geistesforschung 2018.

Der Fairness halber sei an dieser Stelle angemerkt, dass nicht wenige Mitglieder vom ,,Dauerthema VT" einigermaßen genervt waren, zumal das meistens nicht nur zu Streitereien und schlechter Stimmung, sondern auch dazu führte, dass viele Mitglieder sich überhaupt nicht mehr trauten, irgedetwas zu kommentieren (Meine Idee, politische oder VT-Themen probehalber für 2 Monate auf Eis zu legen, hat niemanden interessiert). Daher gab es von der Chefin, im Stile einer sich kümmernden Übermutter, in regelmäßigen Abständen eine gutgemeinte pädagogisch-moralische Übung, um den eigenen Kommunikationsstil zu verbessern (,,4 Nachrichten einer Botschaft", ,,Erwachen am anderen Menschen" usw.). Wurde viel geliked, hat natürlich niemand gemacht.
(Die späteren Aufforderungen, den Kommunikationsstil zu vervollkommnen, waren dann lustigerweise ausschließlich für mich gedacht).

Zwischendurch hat man übrigens immer mal wieder versucht, ein ,,richtiges" anthroposophisches Thema aufs Tapet zu bringen (sinngemäß): ,,Inwiefern können wir die Aussage Steiners, dass wir Anthroposophen die Wächter der Zeit sind, verwirklichen ... ?" Auch das wurde ausgiebig und ausnahmsweise sehr einmütig diskutiert.
Meine Güte, liebe Leute: ,,Wir – die Wächter dieser Zeit"! Geht`s denn vielleicht nicht noch unbescheidener...? Kann man nicht erst einmal versuchen, die eigenen Gedanken und Gefühle halbwegs zu sortieren und ansonsten sehen, dass man eine gewisse anfängliche Grundlagenbildung in Politik und Geschichte erwirbt oder wiederherstellt...?

Im Sommer platzte dann endgültig die Bombe: Info3. Der in anthroposophischen Kreisen reichlich viel Groll, Empörung und Staub aufwirbelnde Artikel: ,,Die offene Anthroposophie und ihre Gegner". Die Chefin und einige andere drehten jetzt erst richtig auf; was vorher mehr eine Art ,,interessiertes, wenn auch leidenschaftliches Engagement" gewesen war, entwickelte sich in den kommenden Wochen und Monaten für Aussenstehende zu einem beeindruckenden Schauspiel eines etwas irren und teilweise aus dem Ruder laufenden Privat-Djihad. Von ,,Inquisition" war ansatzweise die Rede (JSH - Jens Savonarola Heisterkamp?). Nach dem Motto: Gibt es denn eigentlich nichts wichtigeres als diese dauernde ,,Gefährdung der Demokratie"...?

So ging das noch etliche Wochen weiter. Als vor einigen Tagen dann die Chefin die fröhliche Idee hatte, dass sich jetzt Mitglieder bei ihr persönlich anonym über andere Mitglieder beschweren durften, reichte mir der entwürdigende Klamauk, das ging für mich in Richtung ,,Aufforderung zur Denunziation".

Fairerweise möchte ich betonen, dass der grösste Teil der Mitglieder sich überhaupt nicht, oder nur sehr sporadisch, an Diskussionen beteiligt hat. Es gab selbstverständlich auch zahlreiche äußerst positive und anregende Begegnungen. Diejenigen, die es betrifft, werden wissen, dass sie gemeint sind. Die hier dargestellte VT-Offenheit wurde in gewisser Weise nur von einer bestimmten Anzahl von Mitgliedern verbreitet, dieses dann allerdings so vehement und teilweise fanatisch, dass das bald den Stil, Duktus und Geist dieser Gruppe vollständig beherrschte.

Bei aller Ironie und Sarkasmus in der Darstellung meiner Ausführungen: Man kann sich natürlich zu Recht überlegen, ob einem diese Dinge nicht egal sein sollten. Ich hatte allerdings in den letzten Monaten zunehmend den Eindruck (auch durch reichlich ähnliche Beobachtungen in meinem Bekanntenkreis und auf FB), dass die von mir beschriebene Qualität und Vehemenz der VT-Offenheit in dieser Facebook-Gruppe ein durchaus repräsentatives Ergebnis der anthroposophischen Bewegung zeigt.

Wenn man, wie ich, mit der Anthroposophie seit über 30 Jahren so sehr verbunden ist, dass sie zum wesentlichen Bestandteil des eigenen Lebens gehört, kann und will man daher nicht schweigend zusehen, wie sie vollends der Lächerlichkeit und Demagogie preisgegeben wird.

- - -

*) Name der Redaktion bekannt.



Aus: "Ein halbes Jahr in einer anthroposophischen Facebook-Gruppe – Ein Selbstversuch" Eingestellt von Ingrid H. (23. Oktober 2018)
Quelle: https://egoistenblog.blogspot.com/2018/10/ein-halbes-jahr-in-einer.html

QuoteMichael Eggert Mod (2018)

Stimmen, die sich wehren gegen die zunehmende Korruption der anthroposophischen Szene durch wild wuchernde Verschwörungstheorien, billigen Rechten Populismus und Anbiederung an den identitären Ungeist sind überaus willkommen.


https://egoistenblog.blogspot.com/2018/10/ein-halbes-jahr-in-einer.html#comment-4159390283

...

-

Quote[...] Innerhalb der Querdenken-Bewegung ist offener Streit ausgebrochen. Neben persönlichen Befindlichkeiten wird vor allem um das weitere Vorgehen gezankt.

Der interne Konflikt hat bereits absurde Züge angenommen: Einem prominenten Querdenken-Redner wird vorgeworfen, einen anderen als ,,Satanisten" bezeichnet zu haben. Ein Organisator soll einen weiteren Redner in einer SMS als ,,Idioten" beschimpft haben.

Thorsten Schulte, mehrfacher Redner auf Querdenken-Versammlungen, beklagt öffentlich, es gebe ,,überhaupt keine Strategie". Außerdem seien bei Querdenken ,,einige Falschspieler unterwegs". Ein wichtiger Akteur der Bewegung sei ihm in den Rücken gefallen.

Querdenken-Initiator Michael Ballweg kritisierte daraufhin am Sonntag Thorsten Schulte und erklärte, es gebe keine ,,Dauerredeerlaubnis" für Redner auf der Bühne. Schultes Verhalten beim ersten Berliner Aufmarsch Anfang August sei außerdem ,,zu theatralisch" gewesen.


Seinen Kontrahenten wirft Schulte vor, dass Querdenken die Dynamik der vergangenen Wochen nicht genutzt habe - ja dass sogar ,,alles unternommen wird, um Momentum rauszunehmen". Er persönlich werde intern mit ,,fadenscheinigen Argumenten" angegriffen: ,,Man hat mir vorgeworfen, ich hätte den Veranstalter bedroht, um den Auftritt von Kilez More durchzusetzen." Der Rapper Kilez More stand im August auf der Bühne im Tiergarten. Er behauptet, die Bevölkerung werde gezielt durch Kondensstreifen hinter Flugzeugen vergiftet, um die Menschheit zu dezimieren.

Auch der Verschwörungstheoretiker Heiko Schrang, der bei beiden Berliner Querdenken-Aufmärschen auf der Bühne stand, ist zur Bewegung auf Distanz gegangen. In seiner Telegram-Gruppe verkündete er, er ziehe sich ,,raus aus dieser Sache". Ihn störe, dass die ,,eigene Szene völlig uneins" sei und dass Akteure nun übereinander herfielen und sich gegenseitig beschuldigten, von der Regierung gekauft oder gar Satanisten zu sein. Leider hätten viele noch immer nicht begriffen, dass wir ,,mächtige Lichtwesen sind".

In der Querdenken-Bewegung ist auch der Umgang mit dem rechtsextremen Holocaustverharmloser Nikolai Nerling alias ,,Volkslehrer" umstritten. Gegenüber dem RBB stritt Initiator Michael Ballweg zunächst ab, sich je mit Nerling getroffen zu haben. Dem widersprechen allerdings Augenzeugenberichte sowie etliche Beweisbilder, die der Fotograf Björn Kietzmann gemacht hat und die Ballweg lachend an der Seite des Volkslehrers zeigen. Auch Nerling selbst hatte öffentlich über das Treffen berichtet. Später räumte Ballweg ein, er führe ,,mit allen Gespräche".

Aufsehen erregt ein Interview, das ARD-Journalist Georg Restle mit Michael Ballweg führte. Darin behauptet der Querdenken-Initiator etwa, von der Bundesregierung gehe eine größere Gefahr für die Demokratie aus als von Rechtsextremisten. Auf die Frage, ob das Grundgesetz für ihn Verfassungsrang habe, antwortet Ballweg: ,,Gut, da kann man sich jetzt natürlich drüber streiten."

Ballweg bestreitet nun auch, gewusst zu haben, dass viele hochrangige AfD-Politiker für die Demonstration im Tiergarten geworben hatten. Er habe dies nur von ,,ein oder zweien" gewusst.

Unkenntnis behauptet Ballweg noch in einem weiteren Fall. Bei seiner Rede Anfang August hatte der Querdenken-Gründer auf der Bühne den Slogan der antisemitischen QAnon-Bewegung zitiert: ,,Where We Go One, We Go All." Die Bewegung glaubt an eine Weltverschwörung durch geheime Eliten, laut derer Satanisten und Juden einen internationalen Kindermissbrauchsring betrieben. Auf die Frage, weshalb Ballweg den QAnon-Spruch auf der Bühne zitiere, erklärt dieser nun der ARD, er habe QAnon und die damit verbundenen Ideologien lediglich ,,oberflächlich" gekannt.

Distanziert hat sich Ballweg mittlerweile von dem Rechtsextremen Nikolai Nerling. Nicht trennen möchte er sich hingegen von seinem Sprecher Stephan Bergmann. Dieser hatte auf Facebook rassistische Inhalte verbreitet, unter anderem Warnungen vor einer drohenden ,,Vermischung der Rassen". Ende August sprach Bergmann davon, das deutsche Grundgesetz sei lediglich ,,Besatzungsrecht" und solle abgeschafft werden. Es gibt Aufnahmen, in denen Bergmann den Rechtsextremen Nerling umarmt. Zudem setzte er sich mit einem Aktivisten der rechtsextremen ,,Identitären Bewegung" zusammen.

Auch Querdenken-Redner Hermann Ploppa hat intern keine Konsequenzen zu befürchten. Er hatte auf der Bühne vor geheimen Eliten gewarnt, die ,,genetisch" niedriger stünden.

Bei einer Querdenken-Veranstaltung in Wien wurde am Sonnabend auf der Bühne demonstrativ eine Regenbogenflagge zerrissen. Großen Applaus bekam ein Redner, der seine Reichsflagge auf der Bühne zur Schau stellte. Auch Thorsten Schulte hielt eine Rede. Michael Ballweg war nicht vor Ort, erklärte in Bezug auf Schultes Anwesenheit jedoch, er habe gehört, ,,dass das wohl nicht so dolle war."

Thorsten  Schulte wiederum präsentiert eine ganz eigene Erklärung für die Vorbehalte gegen ihn: ,,Ich habe das Gefühl, dass ich zu viel Wahrheit ausspreche - und dass das von einigen Leuten, aus welchen Gründen auch immer, nicht gewünscht ist."

Im internen Streit werden die Protagonisten zunehmend selbst Opfer absurder Verschwörungsmythen. So wird Michael Ballweg etwa vorgeworfen, er habe den versuchten Sturm des Reichstagsgebäudes am 29. August nur deshalb kritisiert, weil er insgeheim von der Bundesregierung bezahlt werde. In einem Video an seine Anhänger stellte er klar, er werde nicht von der Regierung bezahlt und sei auch kein Illuminati. Vielmehr habe er alle seine Rentenversicherungen gekündigt, dieses Geld setze er nun ein.

Ein zweiter wichtiger Querdenken-Organisator, Dirk S. aus Neckarsulm, will seinen Wohnsitz dauerhaft von Neckarsulm nach Berlin verlegen. Zu Hause in Baden-Württemberg ,,nerve" ihn das Arbeitsamt zu sehr. Nach seiner Ummeldung könne er dann Termine beim Berliner Arbeitsamt wahrnehmen. Dirk S. hatte im August mit Gleichgesinnten in der Nähe des Kanzleramts gecampt und erfolglos versucht, ein Protestlager für 20 000 Zelte in Berlin-Mitte anzumelden. Jetzt plant er ein neues Camp.


Aus: "Offener Streit im Lager der Corona-Querdenker" Sebastian Leber (07.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/berlin/hier-sind-einige-falschspieler-unterwegs-offener-streit-im-lager-der-corona-querdenker/26163774.html

Link

Quote[...] Der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen gilt als Brennpunkt für das Coronavirus Sars-CoV-2. Nach einer Karnevalssitzung kommt es dort im Februar zu einer massenhaften Ausbreitung des Erregers. Für den Virologen Hendrik Streeck ist die Lüftungsanlage ein Faktor, warum sich das Virus so schnell ausbreiten konnte, wie er bei "stern TV" erklärte. "Wir sehen einen Zusammenhang zu den Lüftungsanlagen. Wer also näher an einer Zuluft-Anlage gesessen hat, der hat sich eher infiziert als jemand, der bei der Abluft gesessen hat", sagte der 43-Jährige. "In solchen Fällen, wo viele Menschen aufeinandertreffen, gemeinsam feiern und schlechte Luft herrscht, spielen Aerosole wirklich eine Rolle." Fast 44 Prozent aller Anwesenden hätten sich auf diese Weise infiziert - etwa 300 Menschen im Publikum und weitere 150 Menschen aus Künstler- und Personalkreisen.

Infolge der Sitzung am 15. Februar hatte sich die Region schnell zu einer Art Epizentrum der Covid-19-Pandemie in Deutschland entwickelt - ab dem 6. März führte das Robert-Koch-Institut den Kreis Heinsberg als "besonders betroffenes Gebiet". Laut Streeck war die Karnevalsparty das "aller erste Superspreader-Event in Deutschland. Ein Ursprung der Pandemie."

Der Bonner Virologe leitet zurzeit eine weitere Studie im Kreis Heinsberg. Dabei soll unter anderem untersucht werden, ob einmal infizierte Menschen gegen erneute Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 immun sind. Die Kosten von rund 800.000 Euro für die Folgestudie übernimmt nach Angaben der Uni Bonn das Land NRW. Sie ist als Längsschnittstudie angelegt und umfasst einen Zeitraum bis Mai 2021.


Aus: ""Superspreader-Event" in Gangelt Streeck: Lüftung wurde zur Corona-Falle" (Mittwoch, 02. September 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Streeck-Lueftung-wurde-zur-Corona-Falle-article22012336.html

-

Quote[...] Italiens ehemaliger Premierminister Silvio Berlusconi ist nach Angaben seiner Partei positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der 83-jährige Unternehmer und konservative Politiker werde "weiter von seinem Wohnsitz in Arcore aus arbeiten, wo er die erforderliche Isolationszeit verbringen wird", hieß es in einer Mitteilung der Partei Forza Italia, die über einen Messengerdienst verschickt wurde. Weiter erläuterte die Partei, dass Berlusconi seine Kampagne für die Regional- und Kommunalwahlen am 20. und 21. September mit "täglichen Interviews in Zeitungen, Fernsehsendern und bei sozialen Medien" fortsetzen werde.

Berlusconis persönlicher Arzt Alberto Zangrillo sagte der italienischen Nachrichtenagentur Adnkronos, dass der Ex-Regierungschef keine Symptome der Covid-19-Krankheit habe. Er habe wegen seines kürzlichen Aufenthalts auf der Ferieninsel Sardinien einen Corona-Test gemacht. Auf der Insel hatte Berlusconi auch Kontakt mit dem ehemaligen Formel-1-Chef und prominenten Nachtclubbesitzer Flavio Briatore, der ebenfalls vor kurzem positiv auf das Virus getestet worden war.

Berlusconi, der oft "Cavaliere" (Ritter) genannt wird, hatte drei Amtszeiten als Ministerpräsident regiert. Der Mitgründer der Forza Italia war zuletzt 2008 bis 2011 in Rom an der Macht gewesen. Aktuell ist er Präsident der Forza und damit einer der bekanntesten italienischen Oppositionspolitiker. Seine Karriere wurde über lange Strecken von Korruption und Sexskandalen begleitet, etwa den sogenannten Bunga-Bunga-Partys mit jungen Frauen. In Italien stehen im September in sieben von 20 Regionen Regionalwahlen an.

Der ehemalige Formel-1-Manager Briatore hatte seine eigene Corona-Infektion Ende August öffentlich gemacht. Der 70-Jährige gab an, er sei aus anderen Gründen in ein Krankenhaus in Mailand gegangen. Dort sei der Routinetest auf Corona positiv ausgefallen. Briatores Nachtlokal "Billionaire" im Badeort Porto Cervo auf Sardinien war nach Medienberichten ein Corona-Herd gewesen. Bei Dutzenden Mitarbeitern dort wurde das Virus Sars-CoV-2 nachgewiesen. Das "Billionaire" wurde geschlossen.

Quelle: ntv.de, chf/dpa


Aus: "Nach Sardinien-Urlaub Berlusconi mit Coronavirus infiziert" (Mittwoch, 02. September 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Berlusconi-mit-Coronavirus-infiziert-article22012226.html

...

Link

Quote[...] In Israel steigt die Zahl der Coronavirus-Fälle sprunghaft an. Am Donnerstag wurden erstmals mehr als 3000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden registriert, wie das Gesundheitsministerium meldete. Den dritten Tag in Folge wurde ein Rekordwert verzeichnet.

Als ein Grund für die massiven Ausbrüche gilt in Israel der Widerstand der Strengreligiösen gegen Tests und die Corona-Beschränkungen. Außerdem stehen jetzt Schulen und Kindergärten wieder im Fokus. Sie waren am Dienstag nach dem Ende der Sommerferien wieder geöffnet worden. Rund 2,4 Millionen Kinder und Jugendliche lernen in Schulen oder gehen in Krippen.

Eigentlich war es Ziel der Regierung von Benjamin Netanjahu gewesen, die Zahl der Neuinfektionen zuvor deutlich zu drücken. Die Pandemie war in Israel auch wegen eines strikten Kurses der Regierung zunächst glimpflich verlaufen. Nach raschen Lockerungen im Mai schnellten die Fallzahlen jedoch in die Höhe.

Insgesamt wurden bisher nach Ministeriumsangaben 122.539 Coronavirus-Infektionen erfasst. Die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit einer Covid-19-Erkrankung liegt bei 969. Offiziellen Angaben zufolge befinden sich aktuell 418 Patienten in einem kritischen Zustand, von diesen müssen 118 beatmet werden. Zum Vergleich: In Deutschland werden auf Intensivstationen derzeit etwas mehr als 200 Patienten wegen Covid-19 behandelt.

Wegen der steigenden Fallzahlen gehen im Land seit Wochen regelmäßig Tausende auf die Straßen, um gegen den Premier und seine Regierung zu demonstrieren. Es geht bei den Protesten zwar auch um den Korruptionsprozess, in dem sich der Regierungschef verantworten muss – er ist wegen Betrugs, Untreue und Bestechlichkeit angeklagt.

Netanjahu wird aber auch wegen seines Kurses in der Pandemie kritisiert. Der 70-Jährige gab zuletzt zu, dass einige Beschränkungen vorschnell gelockert worden seien. Seine Regierung stand auch wegen der Wirtschaftskrise im Land unter Druck. Die Arbeitslosigkeit lag zeitweise bei mehr als 20 Prozent.

Im Fokus der Kritik steht auch Netanjahus Corona-Beauftragter Ronni Gamzu, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Demnach hatte Chaim Kanievsky, ein führender Rabbiner innerhalb der strengreligiösen Gemeinschaft, Religionsstudenten dazu aufgerufen, sich nicht auf das Coronavirus testen zu lassen. Eine mögliche Quarantäne gefährde die Bibelstudien, sagte er. Die Anzahl der Coronavirus-Fälle in strengreligiösen Vierteln ist besonders hoch.

Strengreligiöse nehmen Gamzu auch einen Brief übel, den er an den Präsidenten der Ukraine, Wolodymyr Selenskyj, geschrieben hatte. Darin hatte er dazu aufgerufen, die Einreise von Israelis in die Ukraine zu verbieten, um Infektion zu verhindern. Tausende Ultraorthodoxer Israelis besuchen zum jüdischen Neujahr den Pilgerort Uman in der Ukraine. Der Likud-Politiker Micky Zohar warf Gamzu dem Bericht zufolge daraufhin vor, er ermutige zu antisemitischen Übergriffen in der Ukraine.

Am Mittwoch hatte Gamzu die ultraorthodoxe Gemeinde Beitar Illit besucht. Dort sagte er einem Bericht der ,,Jerusalem Post" zufolge: Ohne eine signifikante Veränderung des Ausmaßes der Ausbrüche in den von der Regierung als ,,roten Städte" bezeichneten Zonen – wo zum Bespiel Schulen nicht geöffnet werden dürfen – ,,werden wir nicht in der Lage sein, eine vollständige Schließung zu vermeiden".

Er teilte den dortigen Behörden mit, dass etwa 14 Prozent der Menschen, die dort auf das Virus untersucht wurden, positiv getestet worden seien.
,,Leider sind wir Zeugen eines systematischen Verstoßes gegen die Richtlinien", sagte er während des Besuchs. ,,Jeden Abend finden in der Stadt Veranstaltungen statt, die gegen alle Verfahren verstoßen. Und gestern wurden entgegen unseren Anweisungen die Bildungseinrichtungen in der Stadt geöffnet."

,,Ich verstehe die Komplexität der Situation, aber ich stelle jetzt unmissverständlich fest: Ohne die Durchsetzung der Maßnahmen zu verstärken und Kontrollen zu intensivieren, werden wir komplexe Entscheidungen treffen müssen, die einer totalen Abriegelung gleichkommen können", warnte er. Er sagte den Verantwortlichen, dass ,,die Situation in Ihren Händen liegt".

Gamzu fügte hinzu, dass bei einem signifikanten Anstieg der Infektion die Regierung möglicherweise ,,drastische Maßnahmen auf nationaler Ebene" ergreifen müsse, und zwar nicht nur in den roten Städten. Seinen Angaben zufolge entfallen etwa 28 Prozent der Infektionen auf die arabische Gemeinschaft und 22 Prozent auf die ultraorthodoxe. Er fügte hinzu, dass 80 Prozent der Neuinfektionen in ultraorthodox dominierten Städten stattfänden. Unter den Neuinfizierten befinden sich demnach Hunderte von Jeschiwah-Studenten.

Auch die hohen Feiertage, die mit dem jüdischen Neujahr Rosch Haschana am 18. September beginnen, bereiten den Verantwortlichen in Israel Sorgen. Im israelischen Fernsehen wurde Mitte August berichtet, Gamzu habe vor, das gesamte Land zu dieser Zeit unter einen Lockdown zu stellen.

Das stimme so nicht, sagte er damals der ,,Jüdischen Allgemeinen". ,,Es ist noch ein Monat Zeit, und wir versuchen, das Virus bis dahin einzudämmen. Dafür brauchen wir die Mithilfe aller Israelis. Das Tragen von Masken und Abstandhalten sind die richtigen Maßnahmen dafür."

Er wisse, dass sich die Menschen in diesem Jahr besonders auf die Feiertage freuen und sich nach Familienfesten und Zusammenkünften sehnen. ,,Wir haben noch nichts entschieden. Es kommt wirklich darauf an, was bis dahin passiert." Weiter sagte Gamzu dem Blatt: ,,Ich tue wirklich alles, um Lockdowns zu vermeiden, denn ich sehe natürlich in der ganzen Welt, welches Desaster dies für die Beschäftigung der Menschen mit sich bringt."

Auch er sieht im Beginn des neuen Schuljahres am 1. September ein großes Problem. ,,Die Meinungen darüber, ob es die Öffnung der Schulen war, die für die zweite Welle sorgte, gehen auseinander. Es ist aber eindeutig, dass es eine immense Herausforderung ist."

In Israel waren die Schulen bereits Mitte Mai als Problem ausgemacht worden, als sie nach dem Lockdown wieder geöffnet wurden. Die Schülerinnen und Schüler wurden daher zunächst in Kleingruppen unterrichtet. Für die Älteren galt Maskenpflicht. Fenster mussten geöffnet bleiben. Tische sollten mit knapp zwei Meter Abstand voneinander stehen.

Da die Infektionszahlen zunächst niedrig blieben, wurden die Kleingruppen aufgelöst, die Schulen kehrten vollends zurück zum Regelbetrieb. In vielen Klassenzimmern herrschten dieselben beengten Verhältnisse wie vor der Pandemie. Das erwies sich als Fehler. Experten gehen davon aus, dass die Schulöffnungen in Israel einen entscheidenden Teil zur zweiten Viruswelle beitrugen. Die israelische Forscherin Ronit Calderon-Margalit nennt die Schulsituation in Israel gegenüber der ,,New York Times" (NYT) ,,ideale Voraussetzungen für einen Ausbruch".

Und der kam tatsächlich. Die Fallzahlen im Land stiegen rapide. Am 3. Juni schließlich wurden 28.147 Schüler, Lehrer und deren Angehörige in Quarantäne geschickt, nachdem an mehreren Schulen Coronavirus-Fälle nachgewiesen wurden – darunter mindestens 130 Fälle an einem einzigen Gymnasium in Jerusalem. Insgesamt wurden 2026 Schüler und Lehrer positiv auf das Virus getestet. 240 Schulen wurden geschlossen. Grafiken zeigten einen massiven Anstieg der Corona-Fälle in Israel seit den Schulöffnungen.

Interessanterweise sind die Bildungseinrichtungen in etlichen anderen Staaten, die sich ebenfalls für einen Lockdown entschieden hatten, nicht zu einem solchen Problem geworden. So gab es nach dem Ferienende zwar auch in Deutschland Infektionsfälle unter Lehrern und Schülern, größere Ausbrüche blieben aber bisher aus. Auch aus Dänemark, Norwegen und Finnland werden keine größeren Schwierigkeiten gemeldet.

Und Schweden hielt sogar alle Schulen bis zur 9. Klasse und die Kindertagesstätten seit Beginn der Pandemie geöffnet. Nur für ältere Schüler und Studierende gab es Digitalunterricht. Nach dem Ende der Sommerferien ist selbst dies aufgehoben.

Auch nach Ansicht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befeuern Schulen die Ausbreitung des Coronavirus nicht. Dies erklärte der WHO-Regionaldirektor für Europa, Hans Kluge. ,,Bis jetzt wissen wir, dass das schulische Umfeld kein Hauptfaktor für die Epidemie war", sagte Kluge.

Dies sei eine der wichtigsten Prioritäten für die politischen Entscheidungsträger der Weltgesundheitsorganisation, sagte Kluge. ,,Was wir wissen, ist, dass wir keine Gesellschaften öffnen können, ohne zuerst die Schulen zu öffnen", sagte er. (mit jni)



Aus: "Widerstand der Strengreligiösen: In Israel droht die Pandemie außer Kontrolle zu geraten" Sven Lemkemeyer (03.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/widerstand-der-strengreligioesen-in-israel-droht-die-pandemie-ausser-kontrolle-zu-geraten/26153776.html


Link

Quote[...] Lima – Gemessen an der Bevölkerungszahl sterben in keinem Flächenstaat der Erde so viele Menschen an der Lungenkrankheit COVID-19 wie in Peru. 89,99 Tote je 100.000 Einwohner registrierte das südamerikanische Land zuletzt. Damit liegt es vor Belgien, Andorra und Großbritannien weltweit an erster Stelle.

Nur der Kleinstaat San Marino in Italien kommt umgerechnet auf die Bevölkerungszahl auf noch mehr Tote – allerdings mit insgesamt gerade einmal 42 Opfern.

Bislang haben sich in Peru mehr als 652.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert, mehr als 28.000 Patienten sind an COVID-19 gestorben. In Südamerika ist nur das viel größere Brasilien in absoluten Zahlen stärker von der Pandemie betroffen.

Trotz großer Bemühungen ist es der peruanischen Regierung bislang nicht gelungen, die Infektionszahlen zu drücken. Zwar erließ sie gleich zu Beginn der Pandemie weitrei­chen­de Ausgangssperren, um die Ausbreitung des Virus zu bremsen.

Allerdings können es sich in dem armen Land viele Menschen schlicht nicht leisten, zu Hause zu bleiben. Rund 70 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Peru sind im infor­mell­en Sektor beschäftigt – das ist selbst für lateinamerikanische Verhältnisse sehr viel.


Aus: "Peru bei Sterblichkeit an COVID-19 weltweit an der Spitze" (Mittwoch, 2. September 2020)
Quelle: https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/116162/Peru-bei-Sterblichkeit-an-COVID-19-weltweit-an-der-Spitze


-

Quote[...] Als Reaktion auf die zunehmenden Corona-Infektionen in England werden dort Versammlungen mit mehr als sechs Menschen bis auf Weiteres untersagt. Die neue Obergrenze soll ab kommendem Montag gelten und betrifft sowohl Treffen in den eigenen vier Wänden als auch im öffentlichen Raum, wie die britische Regierung laut übereinstimmenden Medienberichten am Mittwoch offiziell verkünden wird. Bislang gilt hier eine Grenze von 30 Personen.

Ausnahmen werden den Berichten zufolge für Haushalte mit mehr als sechs Personen wie auch für Treffen mit beruflichem Hintergrund oder zu Ausbildungszwecken gelten, also etwa in Schulen. Auch Hochzeiten, Beerdigungen und bestimmte Sportarten sollen von den verschärften Regeln ausgenommen sein.

Die Zahl der Corona-Infektionen in Großbritannien stieg zuletzt wieder deutlich an. In den vergangenen Tagen gab es jeweils fast 3.000 bestätigte Neuinfektionen pro Tag, wie aus den offiziellen Zahlen der Regierung von Dienstag hervorgeht. Das ist der höchste Stand seit Ende Mai.


Aus: "Versammlungen mit mehr als sechs Menschen in England künftig verboten" (00:29 9. September 2020)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/2020-07/corona-weltweit-pandemie-entwicklung-live?liveblog._id=urn:newsml:localhost:2020-09-09T00:29:22.505437:ad9dcf82-be74-4e83-a0a3-67a2b37a94ff__editorial | https://www.zeit.de/politik/2020-07/corona-weltweit-pandemie-entwicklung-live


Link

#218
Quote[...] Freiwilligkeit statt Lockdown: Der schwedische Sonderweg in der Corona-Pandemie sorgt lange für Skepsis. Doch nun verkünden die Behörden einen Durchbruch: Die Rate der bestätigten Infektionen ist auf einem historischen Tiefstand, während andere Länder Europas vor der zweiten Welle zittern.

Schweden meldet einen Etappenerfolg in der Bewältigung der Corona-Pandemie: Die Quote der Positiv-Tests ist auf den niedrigsten Stand seit Ausbruch des Virus gefallen. In der vergangenen Woche wurden die Tests nach offiziellen Angaben auf den Rekordwert von mehr als 120.000 hochgefahren. Nur 1,3 Prozent fielen positiv aus. Im Frühjahr hatte das Niveau noch über Wochen um die 19 Prozent gelegen. Nach Ansicht mancher Experten zahlt sich nun die heimische Strategie aus, durch die sich die Ansteckungsrisiken mittlerweile verringert hätten.

Schweden fährt in der Corona-Krise einen eigenen Kurs, der auch im Ausland unter scharfer Beobachtung steht und mitunter heftige Kritik auslöst. Die Regierung hat auf einen Lockdown verzichtet und setzt stattdessen auf die Eigenverantwortung der Bürger sowie auf Abstandsregeln und ein gutes Hygieneverhalten. Die Idee dahinter ist, sich auf eine Verlangsamung der Virus-Ausbreitung zu konzentrieren, da sich der Krankheitserreger ohnehin nicht ausrotten lasse.

In Schweden sind bislang mehr als 5800 Menschen gestorben, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Die Pro-Kopf-Totenzahl liegt damit deutlich höher als in anderen nordeuropäischen Ländern. Sie ist zugleich aber niedriger als in Italien, Spanien und Großbritannien, wo es Lockdowns gab.

Vertreter der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben das schwedische Modell als nachhaltig gelobt. Der Chef der schwedischen Gesundheitsbehörde, Johan Carlson, sagte, die heimischen Richtlinien seien einfach zu verstehen und für einen längeren Zeitraum gedacht. Die Bevölkerung habe sie inzwischen verinnerlicht. Das Land hat nun die geringste Ausbreitungsrate in Skandinavien. In Spanien und Frankreich ziehen die Positiv-Tests wieder an, nachdem die dortigen Lockdown-Maßnahmen beendet wurden.

"Unsere Strategie war konsequent und nachhaltig. Wir haben wahrscheinlich ein geringeres Ausbreitungsrisiko als andere Länder", sagte Epidemiologie-Professor Jonas Ludvigsson vom Karolinska Institutet. Schweden dürfte seinen Worten zufolge nun eine höhere Immunität in der Bevölkerung haben als die meisten anderen Länder. "Ich glaube, wir profitieren jetzt viel davon", betonte Ludvigsson.

Quelle: ntv.de, mau/rts


Aus: "Positiv-Quote niedrig wie nie Schweden feiert Etappensieg über das Virus" (Dienstag, 08. September 2020)
Quelle: https://www.n-tv.de/panorama/Schweden-feiert-Etappensieg-ueber-das-Virus-article22023814.html

-

Quote[...] Schweden hat in den vergangenen zehn Tagen im Schnitt nur noch je einen Covid-19-Toten verzeichnet. Dies sagte der Direktor der staatlichen Gesundheitsbehörde FHM, Johan Carlson, bei einer Pressekonferenz. Auch die Zahl der Patienten auf Intensivstationen habe sich deutlich reduziert. Aktuell würden landesweit noch 13 Menschen intensivmedizinisch behandelt.

Auch die Zahl der Neuinfektionen bleibe im Gegensatz zu vielen anderen Ländern in Europa inzwischen weiter auf einem niedrigen Niveau, obwohl mehr getestet werde. ,,In der Kalenderwoche 36 hatten wir fast 126.000 Tests, davon waren nur 1,2 Prozent positiv", sagte Carlson am Dienstag. Im Frühjahr hatte das Niveau noch über Wochen um die 19 Prozent gelegen.

Allerdings: Das Robert-Koch-Institut meldete am Mittwoch bei gut einer Million Tests in der Zeit vom 31. August bis zum 6. September eine Positivrate von 0,74 Prozent.

Die FHM – sozusagen das schwedische RKI – mit dem Staatsepidemiologen Anders Tegnell hatte sich in der Pandemie von Beginn gegen einen Lockdown ausgesprochen. Das Land mit seinen rund 10,2 Millionen Einwohnern fuhr einen moderaten Kurs und ließ beispielsweise Schulen bis zur 9. Klasse, Geschäfte und auch die Gastronomie geöffnet. Die Regierung setzte stattdessen auf die Eigenverantwortung der Bürger sowie auf Abstandsregeln und ein gutes Hygieneverhalten. Eine Maskenpflicht hält Tegnell bis heute für überflüssig.

Eine der Empfehlungen: Die Schweden sollten bei den geringsten Krankheitssymptomen zu Hause bleiben und nach Möglichkeit generell im Homeoffice arbeiten. Diese Empfehlung der FHM wurde bereits auf den Herbst ausgedehnt. Ein wirkliches Verbot gab und gibt es für den Besuch von Altenheimen – dies trat Anfang April in Kraft – zu spät, wie Kritiker monierten.

Die Strategie hinter dem international gern als ,,schwedischer Sonderweg" bezeichneten Kurs war und ist, sich auf eine Verlangsamung der Virus-Ausbreitung zu konzentrieren, da sich der Krankheitserreger ohnehin nicht ausrotten lasse, wie Tegnell immer wieder betonte.

,,Die Menschen haben ihr Leben ziemlich dramatisch verändert", sagte Ministerpräsident Stefan Löfven vergangene Woche nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin. Für eine endgültige Auswertung der Coronavirus-Krise sei es zudem zu früh, sagte Löfven. ,,Wir sind vielleicht noch mitten in der Pandemie."

Für ihren Ansatz wurden FHM und die rot-grüne Minderheitsregierung von Premier Stefan Löfven auch international heftig kritisiert – zumal das Land vergleichsweise hohe Fallzahlen verzeichnet.

Insgesamt gibt es Stand Mittwoch bisher 5842 Covid-19-Tote und 85.880 Infektionen – das sind 175 neue positive Tests mehr als am Vortag. Auf eine Million Einwohner berechnet liegt Schweden mit 573 Toten und 8402 Infektionen deutlich höher als die Nachbarländer Dänemark (108/3198) und Norwegen (50/2168) oder auch als Deutschland (113/3058). Diese Staaten waren alle in einen Lockdown gegangen.

Die Zahl der positiven Tests in Schweden liegt seit Ende August im Schnitt bei unter 250. Der deutliche Abfall der Kurve der Neuninfektionen seit Ende Juni sei ,,der Effekt der ergriffenen Maßnahmen, aber auch die Konsequenz aus der Spitze, die wir durch die vermehrten Tests in den Wochen vorher bekommen hatten", erklärte Tegnell gegenüber dem Tagesspiegel.

Die Zahl der Covid-19-Toten führen die Verantwortlichen in Schweden vor allem auf die hohe Sterberate unter Pflegebedürftigen zu Beginn der Coronavirus-Krise zurück. Die Todesrate in den Heimen sei ,,schrecklich", sagte der 64-Jährige. Offiziellen Angaben zufolge waren fast 80 Prozent der bisherigen Covid-19-Toten Pflegebedürftige.

,,Unser großes Versagen lag im Bereich der Langzeit- und Altenpflege. Die regionalen Ämter hätten besser vorbereitet sein müssen, dann hätte es weniger Tote gegeben", sagte Tegnell bereits vor Wochen. Eine von der Regierung eingesetzte Kommission soll unter anderem dies untersuchen.

Zudem behauptete Tegnell schon in der Frühphase der Pandemie, die Zahl der Covid-19-Toten werde sich im Vergleich mit anderen Ländern im Verlauf der Pandemie angleichen. Ob sich diese These bewahrheiten wird, bleibt abzuwarten.

Fakt ist, Schweden steht aktuell mit Blick auf das Infektionsgeschehen besser da als andere europäische Staaten wie zum Beispiel Frankreich, Spanien oder Italien. Diese Länder verordneten einen harten Lockdown. Nach Lockerungen werden die Auflagen dort inzwischen wieder deutlich verschärft, weil die Infektionszahlen drastisch ansteigen und von der Regierung in Paris auch wieder mehr schwere Krankheitsverläufe erwartet werden.

Tegnell hatte bereits vor zwei Wochen die Ansicht geäußert, angesichts der Entwicklung der vergangenen Wochen, brauche Schweden keine Wiederholung der Situation wie im Frühjahr zu befürchten. ,,Im Herbst werden wir es wohl mit sehr lokalen Ausbrüchen zu tun haben", sagte er.

Den lokalen Ausbrüchen solle mit einem klaren System für lokale Beschränkungen, Tests und Nachverfolgung der Infektionsketten begegnet werden. Eine flächendeckende Ausbreitung des Virus werde es nicht mehr geben. ,,Ich bin sicher, dass dabei die Immunität eine Rolle spielt, aber wie groß der Anteil ist, lässt sich zum heutigen Tag schwer beurteilen. Um dies zu analysieren, bedarf es mehr Zeit."

Tegnell war immer wieder vorgeworfen worden, für Schweden möglichst schnell die sogenannte Herdenimmunität angestrebt und damit bewusst Leben aufs Spiel gesetzt zu haben. Der Epidemiologe hatte mehrfach dementiert, dass dies Teil der FHM-Strategie sei.

Es gehe darum, dass Infektionsgeschehen so flach zu halten, dass das Gesundheitssystem nicht überlastet werde. Wie in allen anderen Ländern klagte das medizinische Personal über extreme Belastung, die Intensivbetten waren in der Pandemie bisher allerdings nie alle belegt – auch weil die Kapazitäten ausgebaut wurden.

,,Unsere Strategie war konsequent und nachhaltig. Wir haben wahrscheinlich ein geringeres Ausbreitungsrisiko als andere Länder", bilanzierte nun auch der Epidemiologie-Professor Jonas Ludvigsson vom Karolinska Institutet in Stockholm. Schweden dürfte seinen Worten zufolge nun eine höhere Immunität in der Bevölkerung haben als die meisten anderen Länder. ,,Ich glaube, wir profitieren jetzt stark davon", betonte Ludvigsson.


Aus: "Schweden feiert Etappenerfolg in der Corona-Pandemie" Sven Lemkemeyer (09.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/weniger-infektionen-kaum-noch-tote-schweden-feiert-etappenerfolg-in-der-corona-pandemie/26170858.html

-

Quote[...] Beinahe seit Beginn der Corona-Pandemie geistert der "Schwedische Sonderweg" durch die Medien und Stammtische. Während mit den steigenden Infektionszahlen in Europa ab März die Maßnahmen zur Viruseindämmung immer strikter wurden, ging Schweden einen ganz eigenen Weg: Die Behörden setzten auf die Freiwilligkeit der Menschen und umgingen so einen strikten Lockdown – zumindest bisher.

Denn nun denkt man auch in Schweden angesichts der erneut steigenden Infektionszahlen über einen Lockdown nach. Bereits am Montagabend könnten regionale Maßnahmen verkündet werden, sagte Johan Nojd, Leiter der Infektionskrankheiten-Abteilung in Uppsala, der britischen Zeitung "Telegraph" am Sonntag.

Am Montag tritt eine neue Regelung in Kraft, die es auch regionalen Gesundheitsbehörden erlaubt, Einschränkungen in ihren Regionen umzusetzen – in Absprache mit der nationalen Gesundheitsagentur. Zu den möglichen Maßnahmen zählen, dass Bürgerinnen und Bürger angewiesen werden können, Einkaufszentren, Museen, Bibliotheken und Schwimmbäder zu meiden. Weitere betroffene Orte können Sportstätten, Sportveranstaltungen und Konzerte sein. Auch die Benutzung der öffentlichen Verkehrsmittel darf eingeschränkt werden, um Risikogruppen wie ältere Menschen zu schützen.

"Es ist eine Art Lockdown-Situation, aber ein lokaler Lockdown", sagte Nojd. Damit begegne man den wieder ansteigenden Infektionszahlen. In Uppsala sind die Zahlen in den vergangenen Wochen ums Zehnfache gestiegen. Im 14-Tage-Schnitt gab es in Schweden kumulativ rund 85 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, in Norwegen 37, in Dänemark 97 (Zahlen vom European Centre for Disease Prevention and Control). Bereits seit Anfang September steigen die Zahlen wieder an. Waren es Anfang September noch rund 200 Neuinfektionen täglich, sind es nun teils über 900 (Stand Ende vergangene Woche). Noch am Montag trifft sich Nojd mit dem nationalen Chefimmunologen Anders Tegnell, um mit ihm die möglichen Maßnahmen zu besprechen.

Die Lockdowns würden eine markante Abkehr von der bisherigen Strategie des Landes bedeuten. Während im Rest Europas ab März ein Land nach dem anderen per Ausgangssperren oder Lokalschließungen dichtmachte, blieben in Schweden die Betriebe, Lokale und Geschäfte offen. Das soziale Leben ging in vielen Bereichen weiter wie zuvor.

Diese Strategie wurde weltweit mit besonderem Interesse beobachtet. Chefepidemiologe Tegnell musste aber vor allem viel Kritik dafür einstecken. Denn der lockere Umgang hatte einen hohen Preis: Fast 6.000 Menschen sind bisher in dem Land an oder mit Covid-19 gestorben, das sind rund 58 pro 100.000 Einwohner – fast so viele wie im schwer betroffenen Italien (rund 60). Im benachbarten Finnland sind es lediglich sechs, in Österreich zehn (Zahlen von der John Hopkins Universität).

Tegnell selbst verteidigte die Strategie mithilfe des Arguments der Langzeitwirkung: Auf Dauer werde sich eine erreichte Herdenimmunität bezahlt machen. Allerdings gestand er Ende vergangener Woche ein, dass das Niveau der Herdenimmunität bei weitem nicht so hoch sei wie angenommen. Es gebe noch riesige Gruppen von Menschen, die noch nicht betroffen waren. (Anna Sawerthal, 19.10.2020)


Aus: "Schweden denkt nun doch über Lockdowns nach" Anna Sawerthal (19. Oktober 2020)
Quelle: https://www.derstandard.de/story/2000121026283/schweden-denkt-nun-doch-ueber-lockdowns-nach

Link

Quote[...] In Frankreich verschärft sich die Corona-Lage weiter. Für den Dienstag meldeten die Behörden rund 6500 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden, in den sieben Tagen davor waren es insgesamt rund 42.000 - rund sechs Mal so viele wie in Deutschland. Die Infektionszahlen steigen seit mehr als drei Wochen massiv an.

In der besonders betroffenen Hafenstadt Marseille berichten erste Krankenhäuser von vollständig belegten Intensivbetten. Von den 70 Betten für Covid-19-Kranke im Département Bouches-du-Rhône seien derzeit 70 belegt, teilten die Behörden in Marseille mit. Die Lage sei angespannt, aber nicht so dramatisch wie auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie, als im Département 270 Coronapatienten auf den Intensivstationen lagen. Aktuell sind in der Region 322 Betten generell für Intensivpatienten verfügbar.

Pro Tag werden derzeit in der Region rund 60 Menschen wegen einer Erkrankung mit Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert. Eine Behandlung auf der Intensivstation bedeutet das nicht automatisch. Als Reaktion auf die angespannte Lage wollen die Universitätskliniken in Marseille nun die Zahl der Intensivbetten erhöhen.

In ganz Frankreich wurden am Dienstag knapp 500 Menschen wegen einer Covid-19-Erkrankung in Krankenhäuser eingeliefert. Im Schnitt der vergangenen sieben Tage gab es täglich rund 300 Einweisungen. Das ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zur letzten Augustwoche. In dieser Zeit lag die Hospitalisierungsrate bei rund 200 Kranken pro Tag.

Aktuell befinden sich rund 540 Menschen in Frankreich wegen einer Corona-Infektion in intensivmedizinischer Betreuung, die Zahl war am Montag und Dienstag noch einmal deutlich gestiegen. Unklar ist, ob es sich nur um einen temporären Ausschlag oder schon um einen Trend handelt.

Zum Vergleich: In Deutschland werden aktuell 230 Patienten wegen Corona intensivmedizinisch betreut. In Deutschland haben die gestiegenen Fallzahlen bei den Infektionen bisher nicht zu einem Anstieg der Patientenzahlen in den Krankenhäusern oder Intensivstationen geführt.

Frankreich müsse wachsam bleiben, da in den nächsten zwei Wochen mehr Menschen auf Intensivstationen eingeliefert werden würden, sagte Gesundheitsminister Olivier Veran nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters am Samstag schon gewarnt. ,,Wir befinden uns nicht auf der gleichen Epidemiewelle wie im vergangenen Frühjahr. Wir sehen einen langsameren Trend, aber es ist einer, der uns alarmieren muss", sagte Veran.

In der vergangenen Woche seien täglich im Schnitt 55 Patienten auf Intensivstationen eingeliefert worden. Die aktuellen Zahlen der Krankenhauseinweisungen spiegelten Infektionen wider, die vor zwei Wochen erfolgt seien. ,,Es ist also offensichtlich, dass es in den nächsten 15 Tagen eine Zunahme geben wird, sie wird nicht massiv sein, aber es wird dennoch eine Zunahme der Anzahl schwerer Fälle und der Zahl der Krankenhauseinweisungen und Patienten auf den Intensivstationen geben", sagte Veran.

Genau diese Zunahmen scheint es nun zu geben.

Die Bilder aus Frankreich erschütterten im Frühjahr auch viele Menschen in Deutschland, die Angst vor einem ähnlichen Szenario wie im Nachbarland war groß. Zeitweise meldete Frankreich vierstellige Todeszahlen pro Tag. Die Kapazitäten der Intensivstationen waren erschöpft, Berichte über das Triage-Verfahren in Kliniken machten die Runde. Präsident Emmanuel Macron sprach von ,,Krieg".

Nach ersten Gegenmaßnahmen im Februar zog die Regierung Mitte März die Notbremse und beschloss einen der schärfsten Lockdowns in Europa inklusive Ausgangssperren. Der Höhepunkt der ersten Ansteckungswelle war in Frankreich dann bereits Anfang April erreicht.

Danach konnte die Ausbreitung des Erregers Sars-CoV-2 weitgehend effektiv eingedämmt werden. Ende Mai fiel die Zahl der Neuinfektionen im Schnitt unter die Marke von 500 Fällen pro Tag. Die Lage schien beherrschbar.

Allerdings ist die aktuelle Situation mit der im Frühjahr kaum zu vergleichen. Denn im März wurde wohl nur ein Bruchteil der tatsächlich Infizierten überhaupt entdeckt. Schätzungen des Pasteur Institutes könnte es zum Höhepunkt der Epidemie im März in Frankreich bis zu 250.000 tägliche Neuinfektionen gegeben haben – statt der damals höchstens rund 8000 Neuinfizierten pro Tag. Das würde auch die relativ hohe Zahl schwerer und tödlich verlaufender Covid-19-Fälle in den Wochen danach erklären.

Auch jetzt entgehen den Testlabors noch Infizierte, aber die Schätzungen liegen mit vermutlich 10.000 bis 15.000 Neuinfektionen pro Tag wesentlich näher an den tatsächlichen Diagnosen von rund 9000 täglichen Neuinfektionen.

Hinzu kommt: Wie die ,,New York Times" berichtete, sind rund 30 Prozent der Neuinfizierten in Frankreich in einer relativ jungen Altersgruppe: zwischen 15 und 44 Jahren. Bekannt ist, dass junge Infizierte seltener schwere Symptome entwickeln. Die Teile der Bevölkerung, die besonders anfällig für schwere Verläufe sind, sind besser geschützt als während der ersten Phase im Frühjahr, als sie etwa in Seniorenheimen fast schutzlos waren.

Ein Grund ist sicher die gestiegene Zahl der Tests. Nach Angaben der Gesundheitsbehörden wurden binnen einer Woche mehr als eine Million Tests vorgenommen. Der Anteil der positiven Tests stieg innerhalb einer Woche von 4,0 auf 4,5 Prozent.

Zum Vergleich: In Deutschland ist die Positivrate trotz ebenfalls erheblich ausgeweiteter Untersuchungen auf 0,74 Prozent zurückgegangen. Doch der starke Anstieg der registrierten Fälle könne nicht allein mit der Ausweitung der Tests erklärt werden, hieß es am Samstag von den französischen Gesundheitsbehörden.

Dass sich viele Urlauber nach dem Ende der Ferien testen lassen, gilt als ein Grund. Aber auch zunehmende Nachlässigkeit bei den Hygiene- und Abstandsregeln wird diskutiert. Auch illegale Feste – beispielsweise eines mit bis zu 10.000 jungen Menschen auf einem Feld in Südfrankreich oder Pool-Partys an der Côte d'Azur – werden als Ursache vermutet.

Seit Mitte Mai wurden außerdem die Auflagen gelockert, das öffentliche Leben nahm wieder Fahrt auf. Treffen unter Freunden, in Cafés und Parks wurden wieder zur Normalität, die Schulen öffneten, nach und nach auch Kinos und Museen. Seit Mitte Juni sind Reisen vom und ins europäische Ausland wieder möglich.

Eine Maskenpflicht gab es lange nur im öffentlichen Nahverkehr. Erst seit einigen Wochen ist sie in Geschäften ebenso Pflicht, auch am Arbeitsplatz müssen seit Anfang des Monats Masken getragen werden. Paris, Marseille und andere Städte ordneten eine Maskenpflicht auch im Freien an – eine der Reaktionen auf die veränderte Lage.

Inzwischen gelten mehr als ein Viertel der französischen Verwaltungsbezirke als ,,rote Zonen". Die Einstufung ermöglicht es den Behörden, die Corona-Maßnahmen zu verschärfen. Massendemonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen gab es in Frankreich anders als in der Bundesrepublik bisher nicht.

Für die Region Provence-Alpes-Côte d'Azur am Mittelmeer wie auch für den Großraum Paris gilt eine Reisewarnung der Bundesregierung. Nicht ausgeschlossen ist, dass sie auf ganz Frankreich ausgeweitet wird.


Aus: "Nun steigt auch die Zahl der Intensivpatienten im Nachbarland" Benjamin Reuter (09.09.2020)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/6500-neuinfektionen-in-frankreich-nun-steigt-auch-die-zahl-der-intensivpatienten-im-nachbarland/26171528.html