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[Umweltschutz | Naturschutz | Umweltgefährliche Stoffe (Ökotoxikologie) ... ]

Started by Link, July 22, 2018, 11:36:20 AM

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"Ewigkeits-Chemikalie TFA: Ein Stoff für die Ewigkeit" Aus Bad Wimpfen und Freiburg Benno Schirrmeister (7.12.2025)
Das Chemiewerk in Bad Wimpfen hört auf, Trifluoressigsäure in den Neckar zu leiten. Doch das Gift ist da. Und geht auch nicht mehr weg. ... An einer [ ] Quellfassungen war im vergangenen Herbst eine exorbitante Belastung des Wassers mit Trifluoressigsäure festgestellt worden, TFA, fast 320 Mikrogramm pro Liter. Das weitgehend unbekannte TFA ist eine ,,Ewigkeits-Chemikalie". Es baut sich nicht ab. Es gilt als fortpflanzungsgefährdend, so viel weiß man mittlerweile, also als ,,reproduktionstoxisch, Kategorie 1B: Kann das Kind im Mutterleib schädigen. Kann vermutlich die Fruchtbarkeit beeinträchtigen", so der amtliche Eintrag. Zugleich ist es laut Umweltportal Baden-Württemberg derjenige menschengemachte Stoff, der mittlerweile im Grundwasser am häufigsten gefunden wird. Und 320 Mikrogramm, das ist das Fünffache des deutschen ,,gesundheitlichen Leitwerts" für Trinkwasser. Was der rechtlich heißt, bleibt vage. Vor allem ist er vergleichsweise lasch: In den Niederlanden und in der Wallonie, also dem französischsprachigen Teil Belgiens, wo Solvay ja herstammt, wird Trifluoressigsäure als Gesundheitsgefahr ernster genommen. Dort darf Trinkwasser höchstens 2,2 Mikrogramm enthalten. ... Das Problem an TFA ist: Die Substanz ist sehr mobil. Sie verbreitet sich rasend schnell über den Wasserkreislauf und akkumuliert in Organismen, um dann schließlich irgendwann als Gift zu wirken, nicht jetzt, auch nicht morgen. Sie hat dafür aber auch alle Zeit der Welt: TFA gehört zum Haltbarsten, was Menschen je geschaffen haben. ...
https://taz.de/Ewigkeits-Chemikalie-TFA/!6125022/

https://de.wikipedia.org/wiki/Bad_Wimpfen

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Quote[...] Eine Studie aus dem Jahr 2000, die eine zentrale Rolle in der Debatte um die Sicherheit des Pestizids Glyphosat spielt, ist von der Fachzeitschrift Regulatory Toxicology and Pharmacology formell zurückgezogen worden. Das Papier war ein wichtiges Argument für Angaben des früheren Herstellers Monsanto, das Herbizid Roundup und sein Wirkstoff Glyphosat hätten keine krebserregenden Wirkungen.

Die Studie habe weithin als wegweisend in der Debatte gegolten, teilte der Fachverlag Elsevier, in dem das Fachblatt erscheint, mit. Nun sei jedoch unklar, ob die gezogene Schlussfolgerung – dass Glyphosat und das Präparat Roundup nicht krebserregend seien – tatsächlich korrekt ist.

Demnach gibt es mehrere Punkte, die zur Rücknahme führten. Es wurden Bedenken hinsichtlich der Urheberschaft der Studie, der Gültigkeit der Ergebnisse im Zusammenhang mit einer falschen Darstellung der Beiträge der Autoren und des Studiensponsors sowie potenzieller Interessenkonflikte der Autoren geäußert, wie der zuständige Chefredakteur Martin van den Berg in der Mitteilung schreibt.

Die Schlussfolgerungen der Studie hinsichtlich der Karzinogenität von Glyphosat – also der Frage, ob das Pestizid Krebs erzeugt oder fördert – basierten ausschließlich auf Studien von Monsanto, die kein tumorauslösendes Potenzial zeigten, schreibt van den Berg. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung habe es andere Langzeitstudien zur chronischen Toxizität und Karzinogenität gegeben, deren Daten nicht berücksichtigt worden seien.

Die drei in der Studie genannten Autoren sollen demnach nicht allein für den Inhalt verantwortlich gewesen sein. Das geht der Mitteilung zufolge aus Korrespondenzen hervor, die im Zuge eines US-Rechtsstreits bekannt wurden. Stattdessen sollen möglicherweise Mitarbeiter von Monsanto ohne ordnungsgemäße Nennung als Mitautoren an der Erstellung mitgewirkt haben. Die Beiträge, die anscheinend von Mitarbeitern von Monsanto als Mitautoren verfasst wurden, wurden in den Danksagungen demnach nicht ausdrücklich als solche erwähnt.

Weitere während des Rechtsstreits offengelegte Korrespondenz mit Monsanto deutet der Mitteilung zufolge darauf hin, dass die drei offiziell genannten Autoren möglicherweise eine finanzielle Vergütung von Monsanto für ihre Arbeit an der Studie erhalten haben. Dies sei nicht offengelegt worden.

Angesichts dieser Punkte gebe es kein Vertrauen mehr in die Ergebnisse und Schlussfolgerungen, was die Rücknahme notwendig mache, heißt es von van den Berg. Die Studie gehört laut einem Artikel von Environmental Science & Policy zu den 0,1 Prozent der meistzitierten Studien in der Forschung zu Glyphosat. Die Enthüllungen über Monsantos mutmaßlich verdeckte Beteiligung hätten daran kaum etwas verändert, hieß es darin.

In einer Stellungnahme des Konzerns Bayer, der Monsanto 2018 übernommen hatte, hieß es: "Von Monsanto hat sich niemand als Autor beteiligt und der Bezug des Unternehmens zu dem Papier wurde ordnungsgemäß offengelegt." Bei der zurückgezogenen Studie handele es sich um einen reinen Übersichtsartikel ordnungsgemäß eingereichter Studien, sagte Konzernsprecher Philipp Blank der Nachrichtenagentur dpa. "Glyphosat ist das in den letzten 50 Jahren am umfassendsten untersuchte Herbizid." Unter führenden Regulierungsbehörden weltweit herrsche Einigkeit, dass Glyphosat bei sachgemäßer Anwendung sicher sei. 

Glyphosat gilt nach Einschätzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen. Behörden wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) und das Bundesinstitut für Risikobewertung sehen bei Einhaltung der Anwendungsregeln kein relevantes Krebsrisiko. Die IARC beurteilte die Krebsgefahr, also die generelle Möglichkeit, dass Glyphosat Krebs verursacht. In die Bewertung der Behörden floss das Alltagsrisiko als Faktor ein. Die Efsa bewertet das Krebsrisiko bei den Mengen, die ein Mensch üblicherweise etwa über Lebensmittel aufnimmt, als vernachlässigbar.


Aus: "Fachzeitschrift zieht zentrale Glyphosat-Studie nach 25 Jahren zurück" (10. Dezember 2025)
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/2025-12/glyphosat-studie-zurueckgezogen-monsanto-bayer

Quotequantosoph

Wieder einmal zeigt sich, wie verletzlich Wissenschaft wird, wenn mächtige Wirtschaftsakteure Einfluss nehmen. Dass eine zentrale Glyphosat-Sicherheitsstudie, auf die sich Monsanto jahrzehntelang berief, nun nach 25 Jahren zurückgezogen wird – wegen gravierender Zweifel an der Autorschaft –, ist ein Lehrstück in Lobbyismus, Manipulation und institutionellem Versagen.

Monsanto hat eine lange Vorgeschichte zweifelhafter Praktiken: vom ,,Ghostwriting" wissenschaftlicher Artikel, die später unter den Namen externer Forscher veröffentlicht wurden, über die Beeinflussung regulatorischer Behörden bis hin zu den ,,Monsanto Papers", die im Zuge amerikanischer Gerichtsverfahren offengelegt wurden. Diese Dokumente zeigen interne Strategien, kritische Wissenschaftler zu diskreditieren, eigene Risikoanalysen weichzuzeichnen und öffentliche Debatten gezielt zu steuern.

Das Problem ist größer als Glyphosat: Es betrifft die strukturelle Korruption wissenschaftlicher Prozesse durch finanzielle Abhängigkeiten. Wenn Studien nicht mehr der Wahrheit, sondern der Rendite dienen, verlieren Öffentlichkeit und Politik ihre Orientierung. Und genau so entstehen Entscheidungen, deren Folgen – für Umwelt, Gesundheit und Demokratie – erst Jahrzehnte später sichtbar werden.


Quoteoctavian

"Die Efsa bewertet das Krebsrisiko bei den Mengen, die ein Mensch üblicherweise etwa über Lebensmittel aufnimmt, als vernachlässigbar."


QuoteJon2055

Glyphosat, das Asbest des 21. Jahrhunderts.


QuoteBinane

Interessant wäre es gewesen zu erfahren welche Entscheidungen im Kontext dieser Studien denn gefallen sind. Was ist denn bspw. mit der Glyphosat-Zulassung in der EU. Spielte die Studie bei der Zulassung eine Rolle?


QuoteNoch_eine_Meinung_mehr

Es ist leider so. "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing."

Ich habe selbst 11 Jahre lang in der Forschung gearbeitet und gesehen, dass alles von der Förderung abhängt. Es wird das ausgebaut, was der freien Wirtschaft Geld bringt und das wird als Anwendungsnähe verkauft. Doch die freie Wirtschaft fährt auf Sicht, von einer Quartalszahl zu nächsten. Sie bezahlt nicht dafür, was sie zu ihrem Vorteil nicht wissen möchte. Die DFG finanziert einige wichtige Großprojekte, kann aber bei weitem nicht alles abdecken, was wir an Innovationen bräuchten.

Es ist schade, dass diese wirtschaftlichen Zwänge in der Öffentlichkeit oft auf die Wissenschaftler abgewälzt werden. Auch die Arbeit des schlüpfrigsten Emporkömmlings, der nur den Titel aber nicht den Aufwand haben möchte, wird von seinem Team aud Herz und Nieren geprüft bis sie irgendwo veröffentlicht wird, wo wiederum ein Expertenteam alles unter die Lupe nimmt. Es sind nicht die einzelnen Schritte der Wissenschaftler, wo der Wurm drin steckt, sondern die Abhängigkeit von der Wirtschaft hinsichtlich Förderung.


Quoteunendliche weiten

Spoiler: Glyphosphat inkl. aller Produkte, die es enthalten, IST krebserregend.

Glyphosat ist das meistverkaufte Pestizid der Welt – und auch in Deutschland weiterhin im Dauereinsatz. Über 2.300 Tonnen des Unkrautvernichters gingen allein 2023 über die Ladentheke. Und das, obwohl der begründete Verdacht besteht, dass Glyphosat Krebs auslösen kann. Eine neu veröffentlichte Langzeitstudie des unabhängigen Ramazzini-Instituts zeigt nun: Die Gefahr ist noch größer als bisher angenommen. ... Die neue, unabhängige Untersuchung des Ramazzini-Instituts gilt als bislang umfassendste Langzeitstudie zu Glyphosat. Die Forschenden setzten Ratten über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg unterschiedlichen Dosen des Ackergifts aus. Das Ergebnis: Bereits die niedrigste untersuchte Dosis – exakt die von der EU als ,,akzeptabel" eingestufte tägliche Aufnahmemenge – führte zu einer deutlich erhöhten Anzahl von Tumoren. Unter anderem traten Leukämie sowie Tumore in Brust, Schilddrüse, Leber und Eierstöcken auf. ... (Moritz Tapp, 8. Juli 2025)
https://umweltinstitut.org/landwirtschaft/meldungen/glyphosat-noch-krebserregender-als-gedacht/



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The Collegium Ramazzini is an independent, international academy composed of physicians, scientists, and scholars from 35 countries. Through its members and activities, it seeks to advance occupational and environmental health by bridging scientific knowledge with socio-political centers that have the responsibility to protect public health ...
https://en.wikipedia.org/wiki/Collegium_Ramazzini

"Nur wenig Glyphosat – trotzdem Krebs" (13.6.2025)
Das meistverkaufte Pestizid löste Forschern zufolge in einem Tierversuch auch in niedrigen Dosen mehrere Krebsarten aus. ...
https://taz.de/Neue-Tierversuche/!6093991/

"Studie mit LaborrattenKrebs durch Glyphosat? Bayer greift Forscher an" (27.7.2025)
Der Chemiekonzern kritisiert eine Untersuchung, derzufolge das Pestizid Tumore bei Ratten verursacht. Die Forscher wehren sich.
https://taz.de/Studie-mit-Laborratten/!6099230/

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Quote[...] Das Leck an einer Pipeline in der brandenburgischen Uckermark ist geschlossen. In der Nacht zu Donnerstag beendeten die Feuerwehren zwischen 2.00 und 3.00 Uhr ihren Einsatz, wie ein Sprecher der Regionalleitstelle Nordost sagte. Diese koordiniert Rettungs-, Feuerwehr- und Katastropheneinsätze. Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) unterstützen derzeit noch vor Ort.

Laut Berichten der Feuerwehr waren nach der Havarie am Mittwoch bis zum Abend bereits 200.000 Liter Rohöl durch das Leck ausgetreten.

PCK erklärte, nach ersten Erkenntnissen sei das Unglück durch vorbereitende Arbeiten für einen geplanten Sicherheitstest an der Pipeline verursacht worden. ,,Eine absichtliche Fremdeinwirkung kann derzeit ausgeschlossen werden."

Das Öl sei durch ein kleines Leck in einer Pumpstation bei Gramzow in der Uckermark mit einem Druck von etwa 20 Bar herausgeschossen, sagte der Abteilungsleiter der Feuerwehr Schwedt und Fachberater für Gefahrstofflagen, Alexander Trenn, der Deutschen Presse-Agentur.

Ersten Schätzungen der Feuerwehr zufolge sind mindestens 200.000 Liter Rohöl ausgetreten. Die Menge könne auch noch größer sein, hieß es. Vor Ort waren etwa 100 Kräfte der Feuerwehr, dazu etwa 25 Mitarbeiter der Raffinerie PCK, der die Leitung gehört.

Die Einsatzstelle sei noch in der Nacht an PCK übergeben wurde, sagte Trenn. ,,Gestern wurde noch abgepumpt und so viel wie möglich Öl in die ganzen Saugwagen gepumpt", sagte er. Als die Feuerwehren wegfuhren, seien zumindest auch die Ölpfützen weg gewesen. Das Rohöl war auf nassen Ackerflächen gelandet.

Die weiteren Maßnahmen treffe nun PCK, sagte Trenn. Welche das sind, war zunächst nicht bekannt Laut PCK trat das Öl an einer Schieberstation der Pipeline von Rostock nach Schwedt aus.

Weil Öl leichter als Wasser ist, schwamm das Rohöl nach dem Unfall auf der Oberfläche des sehr nassen Ackerbodens und sickerte nicht tief in den Erdboden ein. Eine Verunreinigung des Grundwassers sei nach Informationen vom Mittwochabend deswegen unwahrscheinlich.

Die Märkische Oderzeitung berichtete zuerst, dass Öl ,,in einer Fontäne rund zehn bis zwölf Meter in die Höhe" schieße und die Leckage voraussichtlich bis zum Morgen nicht gestoppt werden könnte. Bei Gramzow erstreckt sich die als veraltete geltende Pipeline mit einem Durchmesser von 45 Zentimetern von Rostock zur PCK Schwedt. Einsatzkräfte sind vor Ort.

Laut RBB soll die Havarie durch Bauarbeiten an der Schieberstation Gramzow verursacht worden sein. Ein Bolzen soll gebrochen sein. Das Leck befindet sich nahe Zehnebeck, rund drei Kilometer von Gramzow entfernt.

Am Donnerstagmittag will sich Brandenburgs Umweltministerin Hanka Mittelstädt (SPD) ein Bild über das Ausmaß der Schäden vor Ort machen, sich über den Stand der Rettungsarbeiten informieren und gegebenenfalls weitere Hilfen koordinieren. Genaue Angaben zu Ursache und Schäden machte das Ministerium am Mittwoch nicht. (mit dpa)



Aus: "Leck in PCK-Pipeline geschlossen – mindestens 200.000 Liter Öl ausgetreten" Katharina Henke Sarah Knorr (11.12.2025)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/potsdam/brandenburg/havarie-in-der-uckermark-mindestens-200000-liter-ol-aus-leck-in-pck-pipeline-ausgetreten-15040452.html


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"Chemiefabrik im Verdacht: Die klimaschädliche Abgasfahne aus Bad Wimpfen" Bernward Janzing (6.12.2025)
Forscher weisen in der Luft im Raum Frankfurt extreme Werte der Chemikalie SF6 nach. Ihre Erklärung: Das Gas muss aus einem Leck bei einer Firma nahe Heilbronn stammen. ... Die Fluorsubstanz steht so sehr im Fokus, weil sie als das stärkste derzeit bekannte Treibhausgas gilt. Sie sei 23.500-mal schädlicher als CO2 und habe in der ⁠Atmosphäre eine Lebensdauer von 3200 Jahren, berichtet das Umweltbundesamt. Die einzige derzeit plausible Erklärung für die Herkunft des Gases: ein Leck bei einer Chemiefirma in der Nähe von Heilbronn. ... Genau genommen ist es die Kleinstadt Bad Wimpfen am Neckar, die nun im Fokus steht. Dort verarbeitet und recycelt die Firma Solvay das Gas SF6. Die Uni Frankfurt, die seit einigen Jahren eine SF6-Messstation am Taunus Observatorium betreibt, teilte jetzt mit, sie registriere dort die höchsten Konzentrationen unter allen europäischen Stationen eines internationalen Messnetzes. ...
https://taz.de/Chemiefabrik-im-Verdacht/!6135658/



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Quote[...] Die EU-Kommission will bestimmte Pestizide wie Glyphosat künftig zeitlich unbegrenzt zulassen. Das geht aus einem Gesetzesvorschlag vom Dienstag hervor.

Demnach sollen die bislang erforderlichen regelmäßigen Neuzulassungen für Wirkstoffe abgeschafft werden. Die gefährlichsten Substanzen sollen davon ausgenommen werden.

Die Kommission begründet ihren Vorschlag damit, dass die meisten Pestizide auf dem Markt bereits mehrere Prüfverfahren durchlaufen hätten.

Erneuerungen und gezielte Neubewertungen sollen nach Willen der Kommission dann durchgeführt werden, wenn es wissenschaftliche Gründe dafür gibt.

Bislang wird die Zulassung eines aktiven Wirkstoffs in der EU nur für einen begrenzten Zeitraum bis zu 15 Jahren erteilt und muss danach neu bewertet werden. Ohne erfolgreiche Erneuerung läuft die Zulassung aus.

Der Vorstoß der EU-Kommission ist Teil eines Vorschlagpakets, mit dem sie Verwaltungsaufwand und Kosten etwa für Produzenten, Unternehmen und Behörden reduzieren will.

Gleichzeitig sollen bei der Lebens- und Futtermittelsicherheit hohe Standards aufrechterhalten werden, wie die Behörde betont. Außerdem soll die Planbarkeit beispielsweise für Landwirte verbessert werden.

Für risikoarme Wirkstoffe sollen nach Willen der Kommission etwa einfachere Verfahren gelten, um sie schneller zuzulassen und so auch nachhaltige Pflanzenschutzmittel zu fördern. Auch sollen Produkte gegen besonders schädliche Schädlinge schneller zugelassen werden.

Durch die Maßnahmen können Schätzungen der Kommission zufolge Unternehmen jährlich etwa 428 Millionen Euro einsparen. Außerdem rechnet die Behörde mit Einsparungen von jährlich etwa 660 Millionen Euro bei den nationalen Verwaltungen. Dank einer besseren Verfügbarkeit von Produkten sollen auch die Landwirte profitieren.

Bekannt ist etwa das umstrittene Pestizid Glyphosat, das die EU-Kommission nicht als gefährlich einschätzt. Die EU hat die Genehmigung für Glyphosat zuletzt bis Ende 2033 verlängert.

Glyphosat ist ein sogenanntes Totalherbizid, das nahezu alle grünen Pflanzen schädigt. Es wird seit Mitte der 1970er-Jahre vor allem unter dem Handelsnamen ,,Roundup" genutzt und ist heute in zahlreichen Pflanzenschutzmitteln verschiedener Hersteller enthalten.

In einem Teil der Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, sind Anwendungen in Haus- und Kleingärten sowie auf Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, verboten oder stark eingeschränkt.

Die 27 EU-Staaten und das Europaparlament müssen den Vorschlag nun diskutieren. Um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken, versucht Brüssel derzeit, viele Regeln zu entschlacken. (dpa, AFP)


Aus: "EU-Kommission will bestimmte Pestizide unbefristet zulassen" (16.12.2025)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/auch-umstrittenes-glyphosat-auf-der-liste-eu-kommission-will-bestimmte-pestizide-unbefristet-zulassen-15058058.html


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"Umweltverbrechen in Kolumbien: Einmal Whistleblower, immer Whistleblower" Michael Sontheimer (29.12.2025)
Der deutsch-kolumbianische Ingenieur Andrés Olarte wird für seine Enthüllung von Umweltverbrechen mit dem Ellsberg Whistleblower Award ausgezeichnet. ... Er stieß beispielsweise auf eine Datenbank, in der 839 Orte aufgelistet waren, an denen ehemalige Ölquellen undicht geworden waren und die Umwelt verseuchten. Bei einem Fünftel dieser Orte war angemerkt, dass sie nur Ecopetrol bekannt waren, nicht aber den staatlichen Umweltbehörden. Was die meisten dieser einstigen Ölquellen verband: In ihrer Nähe war das Wasser weit über die gesetzlichen Grenzwerte hinaus belastet. ...
https://taz.de/Umweltverbrechen-in-Kolumbien/!6141495/

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"Oil giant's leaked data reveals 'awful' pollution" Owen Pinnell (20 March 2025)
Colombian energy giant Ecopetrol has polluted hundreds of sites with oil, including water sources and biodiverse wetlands, the BBC World Service has found.
Data leaked by a former employee reveals more than 800 records of these sites from 1989 to 2018, and indicates the company had failed to report about a fifth of them.
The BBC has also obtained figures showing the company has spilled oil hundreds of times since then.
Ecopetrol says it complies fully with Colombian law and has industry-leading practices on sustainability.
https://www.bbc.com/news/articles/crewlj11jljo

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"'There's a dark side to floristry': are pesticides making workers seriously ill – or worse?" Louise Donovan (Sun 11 Jan 2026)
Unlike in food, there is no upper limit on the amount of pesticide residue levels in flowers. But after French officials linked the death of a florist's child to exposure in pregnancy, many in the industry are now raising the alarm. ... Many people don't think of pesticides when they look at a bouquet of flowers. But they're full of them, according to Pesticide Action Network (PAN), a UK charity. Buying from your local supermarket won't necessarily put you at risk, say experts – that falls to the growers and florists who handle what the charity describes as "toxic bombs". ...
https://www.theguardian.com/society/2026/jan/11/theres-a-dark-side-to-floristry-are-pesticides-making-workers-seriously-ill-or-worse


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Quote[...] In Europa sind mehr als zwei Drittel der Böden einer Studie zufolge mit Pflanzenschutzmitteln verunreinigt. Das schädige auch nützliche Bodenorganismen, schreibt ein internationales Forschungsteam in der Fachzeitschrift Nature. Die Mittel seien nicht nur für Vögel oder Bienen und andere Insekten eine Belastung, sondern auch für Böden, teilten die Forschenden mit. 

Die Wissenschaftler um den Bodenökologen Marcel van der Heijden von der Universität Zürich – darunter Mitarbeiter der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission im italienischen Ispra – untersuchten insgesamt 373 Bodenproben in 26 europäischen Ländern auf Rückstände von zahlreichen Pflanzenschutzmitteln. Zudem analysierten sie Auswirkungen auf Bakterien, Pilze und wirbellose Bodenbewohner, die organisches Material zersetzen und damit Nährstoffkreisläufe antreiben.

Rückstände etwa von Mitteln gegen Pilze, von Glyphosat gegen Unkraut und von Insektiziden wurden nicht nur auf landwirtschaftlichen Flächen gefunden, sondern auch in Wäldern und Wiesen. Der Wind habe vermutlich Sprühnebel von Feldern verteilt, berichteten die Forschenden. Zu den häufigsten Funden zählte ein Abbauprodukt des umstrittenen Herbizids Glyphosat.

"Das Problem verschiedener Pflanzenschutzmittel besteht darin, dass sie nicht nur Schädlinge bekämpfen, die unsere Nutzpflanzen beeinträchtigen, sondern auch nützliche Bodenorganismen", teilte die Universität Zürich zur Studie mit. 

Pflanzenschutzmittel beeinflussen der Untersuchung zufolge unter anderem wichtige Pilze, die sich mit den Wurzeln von Nutzpflanzen verbinden und ihnen helfen, Wasser und Nährstoffe aufzunehmen. Zudem profitierten einige Bakterien wahrscheinlich davon, dass andere Organismen reduziert werden.

Christoph Scherber, Professor für Biodiversitätsmonitoring an der Universität Bonn, der nicht an der Studie beteiligt war, sagte: "Die Illusion, dass ein Mittel nur gegen einen Zielorganismus wirkt, ist damit klar widerlegt. Vielmehr scheinen wir derzeit Landwirtschaft 'im Blindflug' zu betreiben – nach dem Motto 'erst sprühen, dann verstehen'."

Die Untersuchung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Europäische Kommission plant, dass Pflanzenschutzmittel künftig ohne regelmäßige Neuzulassungen auf den Feldern verteilt werden können. Das sei der falsche Schritt zum falschen Zeitpunkt, sagt Scherber. "Stattdessen sollte die Agrarpolitik endlich anerkennen, dass Vielfalt statt Einfalt der Weg in eine nachhaltige Zukunft ist."

"Hier wird aufgezeigt, dass die aktuelle Bewirtschaftung für kommende Generationen nicht nachhaltig ist", sagte Carsten Brühl, Leiter der Abteilung Gemeinschaftsökologie und Ökotoxikologie an der Technischen Universität Kaiserslautern-Landau, der ebenfalls nicht an der Studie beteiligt war. "Eine unbegrenzte Zulassung von Pestiziden ohne regelmäßige Überprüfung gefährdet die Sicherheit von Umwelt und Mensch."


Aus: "Großteil des europäischen Bodens ist mit Pestiziden belastet" (1. Februar 2026)
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2026-02/pflanzenschutzmittel-pesitzide-boeden-insekten-voegel-gxe

QuoteGernot68

Und neben den Böden versauen sie auch noch das Grundwasser. Bei mehr als einem Viertel der Messstellen liegt die Nitratbelastung über dem Grenzwert von 50mg/l. Primäre Ursache ist das Verteilen von Gülle aus der Viehhaltung als Dünger. Nitrat kann man filtern, aber das ist teuer. Die Rechnung dafür geht aber nicht verursachergerecht an die Bauern, sondern an die Wasserkunden. Die Bauern dürfen das Wasser gratis verschmutzen

Zum einen müssen auf diese Weise selbst Veganer die Viehhaltung zwangs-quersubventionieren. Zum anderen erzeugt das zahlreiche Fehlsteuerungen. Fleisch und Wurstwaren sind im Massenverzehr gesundheitlich problematisch, werden aber künstlich verbilligt. Es gibt negative Umwelt- und Klimafolgen.

Es müssen nicht alle Vegetarier oder Veganer werden. Es braucht keine Totalverbote. Aber die Tierhaltung muss so umgebaut werden, dass das unsägliche Tierleid sowie die Klima- und Umweltbelastungen reduziert werden. Fleisch wird dadurch teurer werden und dann gibt es vielleicht nicht mehr jeden Tag Steak und Burger.

Das Ganze hätte nur positive Auswirkungen: Umwelt, Klima, Gesundheit. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine Mehrheit der Bayern wirklich glücklich damit ist, aus ökonomischen Zwängen Tiere zu quälen.


QuoteCannasseur

Aiwanger und Söder: Dann müssen die Leute halt mehr Fleisch essen.


Quotegerhard 07

Und die Bodenvergifter blockieren mit ihren Ackerpanzern, betankt mit subventionierten Diesel, bei Unwohlsein die Innenstädte.

Die Union, die ja eigentlich bewahren will, applaudiert


QuoteBinane

Antwort auf @frimoe

Ja, das ist schon seltsam. Bei linken Demos wird dann einfach eingekesselt, und dann kommt da keiner mehr raus von dem nicht die Personalien aufgenommen wurden.


QuoteUnbekannter Benutzer

Ich bin sehr ländlich aufgewachsen und kenne sehr viele Landwirte und hauptsächlich Bauern, und ja, ich mache einen Unterschied zwischen diesen beiden Bezeichnungen. Denn gerade letztere, obwohl sie massiv davon abhängen, stehen der Natur gegenüber wie der Wolf einer Schafherde.


QuoteRealityartist

Da kann man sich doch gleich bei der CDU/CSU bedanken und bei deren Lobbyismus.


Quotecs_vb

Die Rechnung für all das kommt. Doch bisher konnte sie immer an die nächste Generation weitergegeben werden. Nach dem Motto: Läuft doch...


Quoteapi-zeit

Spielt es unter diesen Bedingungen eine Rolle, dass sich die europäischen Landwirte über den Import landwirtschaftlicher Produkte aus Mercosur aufregen? Müssen wir Konsumenten nicht eher auf klare Kennzeichnungspflicht pochen? Ich schlage der Komplexität wegen vor, dass die Gesundheitsministerien der EU einen Ampelaufdruck entwickeln, wie

Rot = gesundheitsgefährdend belastet

Gelb = nur jeder Fünfte entwickelt innerhalb der nächsten 15 Jahre eine lebensgefährdende Krankheit

Grün = nach bestkontrollierten Ökostandards produziert und keine Gesundheitsgefährdung nachweisbar.

Und das für alle Erzeuger, egal wo in der Welt angesiedelt. Das wäre mal eine Aufgabe für Gesundheit und globale Gerechtigkeit.



QuoteRahel069

In der Schweiz wurde gerade untersucht, inwiefern die mit Pestiziden belasteten Böden Einfluss auf die Spermienqualität der Männer, die in der Nähe dieser Böden leben, haben. Und die Ergebnisse sind sowas von eindeutig. Männer die in der Nähe von landwirtschaftlich genutzten Böden leben, haben eine signifikant verminderte Spermienqualität. Im Klartext bedeuten also vergiftete Böden eine höhere Unfruchtbarkeit der Menschen.


QuoteHamburg im Herzen

Sorry, wenn ich das jetzt so krass sage: aber das ist ein Gewinn für den Planeten.


QuoteHamburg im Herzen

Und was wird die logische Konsequenz aus dieser Erkenntnis sein?

Leider nicht:

- Rücknahme von Zulassungen für Pestizide, Herbizide, Fungizide
- Umbau der Landwirtschaft auf überwiegend Bio
- Maßnahmen zur Wiederbelebung und Ausweitung der Humusschicht
- Verbot von Lebensmittelverschwendung
- Verbot von Lobby-Arbeit der Agrar-Chemie-Konzerne


QuoteGyges

Das wird das Grundwasser mit der Zeit auch immer mehr belasten.
Die kommenden Generationen sind hinsichtlich vieler Punkte am Ar..., nicht nur des Klimas wegen.
Und das ganz wurde verursacht innerhalb von ca.drei Generationen. So ist das mit der Krone der Schöpfung.


QuoteHerr Grümpel

Wenn sich die konventionelle Landwirtschaft tatsächlich mal für Ökologie interessieren würde, wäre schon viel gewonnen.

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"Nicht nur auf Feldern: Flächendeckende Pestizidbelastung am Oberrhein von der Ebene bis in Höhenlagen nachgewiesen" (12. März 2025)
Eine aktuelle Studie der RPTU Kaiserslautern-Landau belegt eine weitreichende Pestizidbelastung der Landschaft im Oberrheingraben. Das Forschungsteam um Carsten Brühl zeigt erstmals, dass synthetisch-chemische Pestizide aus dem konventionellen Landbau nicht auf den Anbauflächen bleiben, sondern sich von der Tiefebene bis in den Schwarzwald und Pfälzerwald verbreiten. Die Ergebnisse belegen eine Kontamination mit Pestizidmischungen in der gesamten Landschaft und werfen ein neues Licht auf die potenziellen Umweltauswirkungen konventioneller Landwirtschaft. Um Gebiete um Äcker, Obstplantagen und Weinberge zu schützen, muss der Pestizideinsatz dringend reduziert werden, so die Forscher. ...
https://rptu.de/newsroom/neuigkeiten/detail/news/pressemeldung-studie

Die Studie:
Ken M. Mauser, Jakob Wolfram, Jürg Spaak, Carolina Honert & Carsten A. Brühl 2025 Current-use pesticides in vegetation, topsoil and water reveal contaminated landscapes of the Upper Rhine Valley, Germany. Communications Earth & Environment. https://www.nature.com/articles/s43247-025-02118-2

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"Schleswig-Holstein güllt auch bei Frost: Scheiß auf Eis" Esther Geisslinger (9.2.2026)
Schleswig-Holsteins Agrarministerin erlaubt nun auch, Gülle auf halbgefrorenen Böden auszubringen. Die Umweltverbände fürchten um die Gewässer. ... In Deutschland wird zu viel gedüngt: Viele Regionen überschreiten die EU-rechtlichen Grenzwerte. Auch Schleswig-Holstein gehört dazu, mit negativen Folgen für Meere und Binnengewässer. Dennoch will Landwirtschaftsministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) die Regeln lockern. Beifall gibt es vom Bauernverband, die Umweltverbände laufen Sturm. ...
https://taz.de/Schleswig-Holstein-guellt-auch-bei-Frost/!6153197/

"Dein Billigbrötchen killt Fische in der Ostsee" (13.1.2026)
In der Ostsee sterben immer wieder massenhaft Fische, weil verwesende Algen den Sauerstoff rauben. Ein Grund: Düngemittel aus der Landwirtschaft. ... Sowohl das Fischsterben in der Ostsee als auch das verschmutzte Grundwasser haben gemeinsame Ursachen. Eine davon ist, dass die Landwirtschaft insgesamt mehr Dünger auf die Felder ausbringt, als die Pflanzen aufnehmen können. Ein Teil des Überschusses an Pflanzennährstoffen versickert ins Grundwasser oder gelangt über Flüsse ins Meer. ...
https://taz.de/Dein-Billigbroetchen-killt-Fische-in-der-Ostsee/!6129746/

"Bundesregierung muss gegen Grundwasserbelastung handeln" Aus Freiburg Christian Rath (8.10.2025)
Bundesagrarminister Alois Rainer (CSU) muss etwas gegen zu hohen Nitrateinsatz unternehmen. Das entschied das Bundesverwaltungsgericht nun. ... Nitrat im Grundwasser ist schädlich für Menschen und erhöht die Kosten für die Trinkwasseraufbereitung. Deshalb sieht die EU-Nitrat-Richtlinie von 1991 vor, dass bei der Düngung nur so viel Nitrat ausgebracht wird, wie die Böden aufnehmen können. Aus der EU-Grundwasser-Richtlinie von 2006 ergibt sich das Ziel, bis 2015 im Grundwasser einen Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter einzuhalten. Das ist nicht gelungen. Im jüngsten Nitratbericht der Bundesregierung von 2024 heißt es, dass in 25,6 Prozent der deutschen Messstellen der Nitratgrenzwert nicht eingehalten wird. ...
https://taz.de/Gerichtsurteil-zu-Ueberduengung/!6118457/

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Quote[...] Im Urin von Kindern und Jugendlichen ist dem Umweltbundesamt (Uba) zufolge weiterhin verbreitet eine fortpflanzungsschädigende Substanz zu finden. In 92 Prozent der im Frühjahr und Sommer 2025 gesammelten Proben – also fast allen – sei sogenanntes MnHexP nachgewiesen worden, teilte die Behörde mit. Der große Anteil belasteter Proben sowie die teils sehr hohen Konzentrationen seien überraschend, sagte Uba-Präsident Dirk Messner.

MnHexP ist ein Abbauprodukt des gesundheitsschädlichen Weichmachers Di-n-hexyl-Phthalat (DnHexP). Er ist laut Uba in der EU nicht zugelassen. Im Jahr 2024 hatte das Uba erstmals über MnHexP-belastete Urinproben berichtet. Etwa zur gleichen Zeit entdeckte das Landesamt für Natur, Umwelt und Klima in Nordrhein-Westfalen den Stoff in Urinproben von Kindergartenkindern.

Die Herkunft war zunächst unbekannt. Die Funde ließen sich schließlich auf eine Verunreinigung eines UV-Filters in Sonnencremes zurückführen, wie es vom Uba hieß. ,,Dieser Zusammenhang zeigt sich auch bei den aktuellen Daten wieder." DnHexP kann demnach bei der Herstellung des häufig zugesetzten UV-Filters Diethylamino-Hydroxybenzoyl-Hexylbenzoat (DHHB) entstehen.

Für Sonnenschutzmittel mit diesem UV-Filter werden in der EU erst ab Januar 2027 strengere Regeln für den maximal erlaubten DnHexP-Gehalt gelten, wie es vom Uba hieß. Messner betonte aber auch, dass die Verwendung von Sonnenschutzmitteln bei Kindern und Jugendlichen essenziell bleibe, um das Risiko von Hautkrebs zu minimieren.

Für die neue Analyse waren 259 Urinproben von Kindern und Jugendlichen im Alter von 6 bis 17 Jahren aus den Monaten April bis Juli 2025 analysiert worden. Zwei Teilnehmende hätten den vom Uba ausgewiesenen Beurteilungswert von 60 Mikrogramm pro Liter Urin überschritten – sie kamen auf Werte von 83 beziehungsweise 107 Mikrogramm pro Liter.

DnHexP sei nicht der einzige fortpflanzungsschädigende Stoff, dem Menschen ausgesetzt seien, erläuterte das Uba. Die Gesamtbelastung durch fortpflanzungsschädigende Weichmacher habe in der letzten Uba-Analyse bei Kindern und Jugendlichen bei einem Großteil insbesondere der jüngeren Kinder über der als tolerierbar definierten Aufnahmemenge gelegen. Auch darum sei es wichtig, Produkte wie Sonnencreme frei von Verunreinigungen zu halten. (dpa)


Aus: "Umweltbundesamt findet wieder Weichmacher im Urin von über 200 Kindern" (17.02.2026)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/gesundheitsschadliche-sonnencreme-umweltbundesamt-findet-wieder-weichmacher-im-urin-von-uber-200-kindern-15261044.html

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Quote[...] Zwei Wochen nach einem Schiffsunglück breitet sich das Öl weiter aus. Thailand sorgt sich um den Tourismus. Zudem besteht große Gefahr für Korallenriffe.

Ölverschmutzte Strände im Urlaubsparadies: In Thailand wird Erdöl, das aus einem im Indischen Ozean gesunkenen Frachter ausgetreten ist, an die Strände der berühmten Urlaubsinsel Phuket gespült. Der örtliche Abgeordnete Chalermpong Saengdee sagte am Freitag der Nachrichtenagentur AFP, die Ölrückstände hätten Ya Nui Beach sowie kleinere Inseln in der Provinz Phuket erreicht.

Das Öl verschmutze den bei Touristen wegen seines türkisfarbenen Wassers beliebten Strand Banana Beach auf Koh Hey und werde sich vermutlich weiter ausbreiten. ,,Das ist sehr beunruhigend, weil der Vorfall zwei Wochen zurückliegt, sich die Lage nicht verbessert und eine Gefahr für Meereslebewesen und Korallenriffe darstellt", sagte der Abgeordnete. ,,Wir sind auch beunruhigt, weil es sich auf Thailands Tourismus und Wirtschaft auswirken könnte".

Das unter der Flagge Panamas fahrende Frachtschiff ,,Sealloyd Arc" war am 7. Februar auf dem Weg nach Bangladesch vor Phuket gesunken. Nach Angaben der thailändischen Behörden traten rund 1700 Liter Öl aus. Das Schiff liegt in rund 60 Metern Tiefe, weshalb Taucher das Leck nur schwer erreichen können, wie Chalermpong sagte.

Im örtlichen Fernsehsender PBS waren Anwohner zu sehen, die die Strände mit Harken und Eimern absuchten, um Ölklumpen einzusammeln. Die thailändische Marine setzte im Kampf gegen die Ölverschmutzung Dispersionsmittel ein. Chalermpong rief die Regierung auf, Geld für eine Bergung des Wracks bereitzustellen.

Die thailändische Meeres- und Küstenschutzbehörde verzeichnete zwischen 2017 und 2021 130 Ölverschmutzungen in mehr als 23 Provinzen. Umweltschutzorganisationen warnen vor schweren und langwierigen Schäden für Ökosysteme durch Ölverschmutzungen - sie schaden Wildtieren, kontaminieren Nahrungsquellen und setzen giftige Chemikalien frei.

(AFP)


Aus: "Öl erreicht Strände von beliebter Urlaubsinsel in Thailand" (27.02.2026)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/frachterungluck-im-indischen-ozean-ol-erreicht-strande-von-beliebter-urlaubsinsel-in-thailand-15298749.html

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"Dieselskandal: Interne Mails belasten BMW, VW und Daimler schwer" Stefan Krempl (27.02.2026)
Dokumente aus einem Londoner Prozess legen nahe, dass BMW, VW und Daimler ihre Emissionsstrategien bereits Jahre früher koordiniert haben dürften als bekannt. ... Die neuen Details stammen aus Beweismitteln eines laufenden Verfahrens vor dem High Court of Justice in London. Dort sehen sich die Autobauer den Klagen von rund 1,6 Millionen Dieselbesitzern gegenüber. ... Pikant ist die Wortwahl in den internen, von Follow the Money teils veröffentlichten Schreiben. Ein Mitarbeiter warnte damals, dass niemand die ,,wahre Motivation" für die Begrenzung der Dosierung gegenüber den US-Umweltbehörden EPA und CARB offenlegen wolle. Ein VW-Ingenieur beschrieb die Herausforderung in einer Nachricht an Kollegen bei Audi, BMW und DaimlerChrysler sogar als Frage der ,,möglichst geschickten Darstellung" gegenüber den Behörden und weniger als ein technisches Problem. Es scheint, als hätten die Beteiligten bereits Jahre vor dem Auffliegen der Dieselaffäre im Jahr 2015 genau gewusst, auf welch dünnem Eis sie sich bewegten. ...
https://www.heise.de/news/Dieselskandal-Abgas-Kartell-Interne-Mails-belasten-deutsche-Autobauer-schwer-11193722.html

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Als Diesel- oder Abgasskandal (auch Dieselgate) wird seit 2015 die Kombination aus einer Reihe von überwiegend illegalen Manipulationen verschiedener Autohersteller (Audi, VW, Daimler und teilweise auch BMW) und Konzerne wie Bosch zur Umgehung gesetzlich vorgegebener Grenzwerte für Autoabgase und – im Gegenzug – der politischen Einflussnahme zu deren Absicherung bezeichnet. Bereits 2006 äußerten die 4 großen Autohersteller bei Bosch den Wunsch ,,nach einer Funktion, die in bestimmten Betriebsbereichen geringere Umsätze der Harnstoffdosierung erreicht" und Bosch wies sie darauf hin, dass dies vorsätzlichem Betrug gleichkäme. ... Der Spiegel berichtete 2015, dass mindestens 30 leitende Angestellte seit Jahren von dem illegalen Vorgehen wussten, während Volkswagen selbst dies noch 2015 leugnete. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Abgasskandal

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"Pipeline-Protest: Existenz von Greenpeace in Gefahr" Joachim Wille (02.03.2026)
Die Umweltorganisation soll in den USA 345 Millionen Dollar Schadenersatz an einen Erdölkonzern zahlen, weil sie vor zehn Jahren die Proteste der Sioux gegen die Dakota Access Pipeline unterstützt hat. Greenpeace sieht darin einen Versuch, die Zivilgesellschaft einzuschüchtern. ... Ein Gerichtsurteil im US-Bundesstaat North Dakota hat die Umweltorganisation Greenpeace in eine ihrer schwersten Krisen seit der Gründung gestürzt.
Ein Richter verurteilte Greenpeace USA sowie Greenpeace International mit Sitz in den Niederlanden dazu, dem texanischen Ölkonzern Energy Transfer Schadenersatz in Höhe von 345 Millionen US-Dollar zu zahlen.
Die Entscheidung betrifft Proteste gegen eine Pipeline und könnte die finanzielle Existenz der Organisation zumindest in den USA gefährden.
Der Rechtsstreit geht auf die Jahre 2016 und 2017 zurück. Damals hatten Tausende, darunter Mitglieder indigener Gruppen, gegen den Bau der Dakota Access Pipeline protestiert.
Die Leitung führt von mehreren Tausend Fracking-Bohrstellen im Norden von North Dakota über rund 1.700 Kilometer in den Bundesstaat Illinois. Sie verläuft durch Sioux-Gebiete, unter anderem in der Nähe des Reservats Standing Rock. Die Kritik lautet, ein mögliches Leck könne das Trinkwasser der Region gefährden und zusätzliche Treibhausgasemissionen verursachen.
Die US-Regierung unter Präsident Barack Obama stoppte den Bau, Nachfolger Donald Trump ordnete im Februar 2017 per Dekret den Weiterbau an. Die Pipeline wurde Mitte 2017 offiziell in Betrieb genommen. ... Greenpeace USA verfügt laut Gerichtsunterlagen nur über begrenzte finanzielle Mittel und könnte eine Zahlung in dieser Größenordnung kaum leisten. Beobachter:innen sehen deshalb die Möglichkeit, dass Greenpeace USA Insolvenz anmelden müsste, sollte das Urteil Bestand haben. ...
https://klimareporter.de/protest/existenz-von-greenpeace-in-gefahr


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"Tehran's toxic cloud: satellite images show oily fires burned for days" Oliver Holmes, Damien Gayle and Tural Ahmedzade (Mon 23 Mar 2026)
Residents reported headaches, eye and skin irritation and breathing difficulties as Israeli bombings blanketed Tehran with pollutants. ... Satellite images of Tehran show toxic fires caused by Israeli bombings on oil depots were still burning days after the strikes, which have caused fears of serious health complications for millions of residents in the Iranian capital.
Clouds of smoke from bombings on 7 March on multiple facilities blanketed the city with pollutants ranging from soot to oil particles to sulphur dioxide. Hours later, a passing storm showered Tehran with poisonous, oil-filled rain. ... The Guardian spoke to residents who described having headaches, eye and skin irritation and difficulty breathing. Experts have warned those symptoms could be just the beginning, with longterm risks of cardiovascular disease, cognitive impairment, DNA damage and cancer. ... The United Nations Environment Programme (UNEP) has warned that heavy smoke from burning oil was "directly inhaled by people in Iran – including young children – raising serious concerns about long-term impacts on both human and environmental health". ...
https://www.theguardian.com/world/2026/mar/23/tehran-toxic-cloud-satellite-image-oil-fires


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"Giftiges Bohrloch: Das ,,argentinische Tschornobyl"" (1.5.2026)
Ein Ölunternehmen hinterlässt in der argentinischen Provinz Salta massive Umweltschäden – und meldet Insolvenz an. Das Bohrloch sprudelt weiter. ...
https://taz.de/Giftiges-Bohrloch/!6175437/



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... Bei dem Besuch ging der Pontifex mit den Verantwortlichen der Umweltverbrechen hart ins Gericht und kritisierte diejenigen, die damit "schwindelerregende Gewinne" machen. Er rief dazu auf, der Versuchung von Macht und Reichtum zu widerstehen, wenn diese mit der Verschmutzung von Land, Wasser und Luft einhergehe - und forderte das Ende einer Kultur der Privilegien, der Überheblichkeit und der Rechenschaftslosigkeit. ...


Quote[...] Die Gegend um die italienische Stadt Acerra wird "Land der Feuer" genannt. Seit Jahrzehnten leidet sie unter Giftmüll der Mafia. Betroffene kämpfen gegen Krebs, Angst und Behördenversagen. Jetzt hat der Papst sie getroffen.

Alessandro Cannavacciuolo und Michele Pannella sitzen in einem Kleinwagen und biegen auf einen Feldweg ab. Die beiden sind ein wenig nervös. Es könne sein, dass, wenn jemand Verdächtiges kommt, sie sofort wieder gehen müssen, warnen sie.

Auf der linken Seite des Wegs türmt sich der Müll: Kleidung, ein Kühlschrank, Autoreifen. Auf dem Feld direkt daneben wird Knoblauch angebaut, im Hintergrund ragt der Vesuv empor. Doch Cannavacciuolo und Pannella sind nicht allein wegen des Mülls am Straßenrand hier, sondern vor allem wegen des großen, dicht bewachsenen Hügels auf der anderen Straßenseite.

"Das ist ein symbolischer Ort, denn das hier wurde von den 1970er- bis wahrscheinlich in die 1990er-Jahre als Deponie nicht nur für Haus-, sondern auch für Sondermüll genutzt", erklärt Cannavacciuolo. Niemand weiß, welche Altlasten hier genau unter dem Grün liegen. Die Sondermülldeponie war illegal und ist nur eine von vielen in der Gegend um die Stadt Acerra, die in der Nähe Neapels liegt.

Seit den 1970er-Jahren hat die Camorra-Mafia für Unternehmen aus ganz Italien und sogar dem Ausland Hausmüll, Sondermüll, Giftmüll und sogar radioaktives Material um Acerra illegal abgeladen und häufig verbrannt. Ein gewinnbringendes Geschäftsmodell für die Camorra und korrupte Behörden - mit tödlichen Folgen für die lokale Bevölkerung.

Zum Beispiel für Alessandro Cannavacciuolos Onkel: Er war hier Schafhirte. Anfang der 2000er-Jahre kamen immer mehr Tiere mit schweren Missbildungen zur Welt. Auf Anordnung der Behörden musste die Familie die gesamte Herde töten, insgesamt etwa 4.000 Schafe.

Kurz darauf wurde bei Alessandros Onkel Krebs diagnostiziert, drei Wochen später war er tot. Das ARD-Studio Rom hat die Familie Cannavacciuolo bereits 2008 besucht und mit Alessandros Cousin Vincenzo gesprochen. Im Interview damals erzählt Vincenzo, dass sich eine der Mülldeponien direkt neben ihren Schafsweiden befunden habe. Dort seien dann später unter anderem Cadmium, Quecksilber und Aluminium gefunden worden. Alles sind Stoffe, die auch in extrem hoher Konzentration im Blut des Vaters nachgewiesen worden seien.

Antonio Marfella ist Onkologe am Nationalen Institut für Krebsforschung in Neapel. Viele seiner Patienten kommen aus der "Terra dei Fuochi" - zu Deutsch "Land der Feuer" - genannten Gegend, in der über Jahrzehnte tonnenweise Giftmüll illegal vergraben oder verbrannt wurde. Boden und Luft einer ganzen Region wurden so vergiftet. Mehr als drei Millionen Menschen in rund 90 Gemeinden leben bis heute mit den Folgen.

Kampanien sei die jüngste Region Italiens und müsste daher die gesündeste sein, so Marfella. "Doch entgegen aller Logik und Natur sind wir die am stärksten von Krankheiten betroffene, mit der höchsten Zahl an jährlichen Krebsneuerkrankungen."

Cannavacciuolo, Pannella und andere Freiwillige kämpfen seit Jahrzehnten dagegen, dass ihre Heimat vergiftet wird. Das gefällt nicht jedem, einigen von ihnen seien die Autos angezündet und die Hunde erschossen worden. "Es gab verschiedene Drohungen, gegen Alessandro aber auch gegen mich und andere, auch körperliche Drohungen, und zwar von Mitgliedern organisierter krimineller Banden", erzählt Pannella.

Doch statt aufzuhören hat Cannavacciuolo mit anderen Betroffenen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg geklagt: "Cannavacciuolo und Andere gegen Italien" heißt der Fall offiziell. Der Vorwurf: Der italienische Staat habe von der Situation gewusst, aber nichts unternommen, um die Bevölkerung zu schützen.

Cannavacciuolo und die Anderen haben Recht bekommen. Jetzt muss Italien den Müll und die Umweltgifte beseitigen.

Seitdem hat sich Manches zum Positiven verändert: Allein im laufenden Jahr hat es 563 Anzeigen wegen Umweltdelikten gegeben, 34 Personen wurden verhaftet und es wurden Geldbußen in Höhe von rund vier Millionen Euro verhängt - deutlich mehr als im gesamten Jahr 2025.

Außerdem haben die Behörden mit der Sanierung der Region begonnen. 90 Deponien wurden ausgemacht, an 20 wird derzeit gearbeitet. Der Prozess ist langwierig, denn meist muss erst einmal geklärt werden, mit welcher Art von Müll und Giften man es zu tun hat. Insgesamt 60 Millionen Euro hat die Regierung bislang bereitgestellt, benötigt werden Schätzungen zufolge aber mindestens 2,5 Milliarden.

Cannavacciuolo und Pannella befürchten, dass die Sanierung ihrer Heimat an der Finanzierung scheitern könnte. Umso mehr freuen sie sich über den Besuch von Papst Leo XIV. in Acerra, der damit die Aufmerksamkeit auf die Probleme in dieser Gegend lenke.

Bei dem Besuch ging der Pontifex mit den Verantwortlichen der Umweltverbrechen hart ins Gericht und kritisierte diejenigen, die damit "schwindelerregende Gewinne" machen. Er rief dazu auf, der Versuchung von Macht und Reichtum zu widerstehen, wenn diese mit der Verschmutzung von Land, Wasser und Luft einhergehe - und forderte das Ende einer Kultur der Privilegien, der Überheblichkeit und der Rechenschaftslosigkeit.

Tröstende Worte richtete der Papst in der Kathedrale von Acerra an betroffene Familien: "Ich bin vor allem gekommen, um die Tränen derer zu sammeln, die geliebte Menschen verloren haben, getötet durch die Umweltverschmutzung, die von skrupellosen Menschen und Organisationen verursacht wurde, die viel zu lange ungestraft handeln konnten."



Aus: "Italien Die Camorra und die Gift-Landschaft bei Neapel" Verena Schälter (23.05.2026)
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/italien-muell-mafia-100.html

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"Zentrum soll bei Bergung von Altmunition aus Nord- und Ostsee helfen"
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden in der Nord- und Ostsee 1,6 Millionen Tonnen Munition versenkt. Ein Kompetenzzentrum in Rostock soll die Bergung voranbringen. Quelle: DIE ZEIT, dpa, pip Aktualisiert am 2. Juli 2026
https://www.zeit.de/wissenschaft/umwelt/2026-07/muntion-nord-ostsee-meeresgrund-bundeskompetenzzentrum-rostock-gxe


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"Giftgaskatastrophe von Seveso: Chaotisches Krisenmanagement und seine Folgen" Henning Klüver (10.07.2016)
Am 10. Juli 1976 wurde bei einem Unglück in einer norditalienischen Chemiefabrik das hochgiftige Dioxin freigesetzt. Betroffen waren Bewohner der Ortschaft Seveso und Nachbargemeinden unweit von Mailand. Chlorakne entstellte die Gesichter von Kindern und bis heute bleibt die Angst vor gesundheitlichen Spätfolgen.
https://www.deutschlandfunk.de/giftgaskatastrophe-von-seveso-chaotisches-krisenmanagement-100.html

"Kalenderblatt: 10.7.1976 Der Horror von Seveso" (10.07.2009)
https://www.spiegel.de/geschichte/kalenderblatt-10-7-1976-a-948379.html

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"50 Jahre Seveso-Unglück: Als der Konzern das Gift verschwieg" Christian Stör (10.07.2026)
Am 10. Juli 1976 explodierte in der norditalienischen Chemiefabrik Icmesa im Ort Meda nahe Mailand ein Reaktorkessel. Eine giftige Wolke aus dem hochgiftigen Dioxin TCDD zog über ein dicht besiedeltes Gebiet der Gemeinden Seveso, Meda, Desio und Cesano Maderno. Rund 1800 Hektar Land wurden auf Jahre verseucht. ... Der eigentliche Skandal von Seveso war nicht die Explosion. So etwas kann passieren. Der Skandal war das, was danach kam: systematisches Schweigen, Vertuschen und Kleinreden auf Kosten der Bevölkerung. Die Werksleitung wusste bereits am Tag nach dem Unglück, dass hochgiftiges TCDD freigesetzt worden war. Sie schwieg acht Tage lang. Das Mutterunternehmen Roche wurde intern bereits am 12. Juli informiert – und schwieg ebenfalls. Den Menschen in Meda wurde in den ersten Tagen nur gesagt, sie sollten Obst und Gemüse aus dem Garten vernichten. Warum, erfuhren sie nicht. ...
https://www.fr.de/meinung/kolumnen/fr-ueh-dran-50-jahre-seveso-als-der-konzern-das-gift-verschwieg-94390945.html

"Verheerendes Umweltdesaster: Seveso kann der Dioxin-Wolke bis heute nicht entkommen" (10.07.2026)
https://www.n-tv.de/panorama/Seveso-kann-der-Dioxin-Wolke-bis-heute-nicht-entkommen-id31052039.html

https://www.n-tv.de/mediathek/bilderserien/panorama/Als-die-Dioxin-Wolke-ueber-Seveso-zog-id31001213.html

Das Sevesounglück war ein Chemieunfall, der sich am Samstag, 10. Juli 1976, in der chemischen Fabrik Icmesa im italienischen Meda, 20 Kilometer nördlich von Mailand, ereignete. Icmesa war ein Tochterunternehmen von Givaudan, das wiederum eine Tochter von Roche war. ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Sevesoungl%C3%BCck


Dies ist nicht die Geschichte des ,,Seveso-Dioxins"; vielmehr zielt dieses Projekt darauf ab, die Geschichten – und die Historie – jener Menschen zusammenzutragen, die unter den Folgen der Katastrophe von Seveso litten, und insbesondere jener, die sich weigerten, sich auf die Rolle des Opfers zu beschränken. Vor vierzig Jahren setzte eine Explosion im ICMESA-Werk zwischen Meda und Seveso eine Dioxinwolke frei, die weite Teile der Umgebung kontaminierte. Dies war die ,,Katastrophe von Seveso", die erste große Umweltkatastrophe in der Geschichte der italienischen Chemieindustrie – und darüber hinaus. Es war ein Ereignis, das von politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Akteuren zunächst heruntergespielt und verharmlost und später aus dem kollektiven Gedächtnis verdrängt wurde, sodass die Erinnerung daran verblasste oder durch offizielle Rhetorik verwässert wurde. Dennoch lebt die Erinnerung fort – jahrelang beschränkt auf die persönlichen Erlebnisse der vielen Menschen, die damals für Wahrheit und Gesundheitsschutz statt für Profit kämpften. Das Projekt ,,Memoria di parte" (Eine parteiliche Erinnerung) hat sich zum Ziel gesetzt, die Erinnerungen an diesen Kampf zusammenzuführen und in ein gemeinsames kollektives Erbe zu verwandeln. Dies auch deshalb, weil die ,,Katastrophe von Seveso" noch nicht beendet ist: Ein Großteil des betroffenen Gebiets ist bis heute stark belastet und durch die Einrichtung von Baustellen für die Autobahn Pedemontana bedroht. Aus diesem Grund ist die Erinnerung an jene Tage für all jene unerlässlich, die heute gegen die Zerstörung der Umwelt kämpfen.
https://www.archivioseveso.it (italienisch)

"50 Jahre Seveso-Katastrophe: So wirkt das Gift noch heute" (10.07.2026)
Am 10. Juli 1976 geriet in einem Chemiewerk in Seveso eine Reaktion außer Kontrolle und verursachte einen der größten Chemieunfälle weltweit: Dioxin trat aus und eine giftige Wolke verseuchte die Umgebung. Die Folgen werden bis heute erforscht.
https://www.br.de/nachrichten/wissen/50-jahre-seveso-katastrophe-so-wirkt-das-gift-noch-heute,VOmUIgX

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"Umweltkatastrophen: Verdreckt, verseucht, getötet" (1. Juni 2010)
Unzählige Male haben Unternehmen schlimme Umweltkatastrophen verursacht - oft mit verheerenden Langzeitschäden. Eine Übersicht in Bildern. ...
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/umweltkatastrophen-verdreckt-verseucht-getoetet-1.952411


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"Havarierter Tanker: Ölteppich im Arabischen Meer breitet sich rasch aus" (12.08.2026)
Aus dem Schiff »Caroline Bezengi« vor Oman läuft offenbar weiter Rohöl aus. Die Umweltverbände warnen vor einer der größten Umweltkatastrophen seit Jahren. ... Noch am Montag hatte Oman mitgeteilt, sich die Ölschicht erstrecke über fast 400 Quadratkilometer. Man habe Ölsperren eingesetzt, um die Ausbreitung einzudämmen. Bereits Anfang August hatte dagegen die Umweltschutzorganisation Greenpeace den Ölteppich auf rund 600 Quadratkilometer Fläche geschätzt.
Inzwischen gehen Umweltbehörden und Spezialisten für Ölunfälle von einem Vielfachen dieser Größe aus. Derzeit erstrecke sich die Ölpest über eine Fläche von mehr als 2000 Quadratkilometern, sagt John Amos, Chef der gemeinnützigen Umweltschutzorganisation Sky Truth, nach der Auswertung von Satellitenbildern.
Die »Caroline Bezengi« war im April aus dem Hafen von Noworossijsk am Schwarzen Meer ausgelaufen. Nach Angaben von Schifffahrtskreisen kam es an Bord zu einer Explosion. Bislang bekannte sich keine Partei zu einem Angriff. ...
https://www.spiegel.de/wissenschaft/arabisches-meer-umweltverbaende-warnen-vor-grosser-oelkatastrophe-vor-oman-a-c94bdc75-3a66-4025-a25e-1dee9c53d14e

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Quote[...] Nach geheimen Absprachen entkernen Wirtschaftsministerium und Kanzleramt die Umwelt- und Menschenrechtsstandards in globalen Lieferketten.

Die Stimmung ist angespannt, als die Spitzen von Union und SPD Anfang Juli zu einer Sitzung des Koalitionsausschusses zusammenkommen. Unter dem Druck einer stagnierenden Wirtschaft, geopolitischer Schocks und hoher Energiepreise ringt die Regierung um einen Befreiungsschlag. Nach einem intensiven Verhandlungsmarathon steht am 2. Juli schließlich das ,,Programm für Aufschwung und Beschäftigung".

In den vereinbarten Maßnahmen verbirgt sich auch ein unscheinbarer Absatz, der das Schicksal des deutschen Lieferkettengesetzes (LkSG) besiegelt. Eigentlich verpflichtet es Konzerne, Menschenrechtsverletzungen wie Zwangs- oder Kinderarbeit oder Umweltzerstörung bei globalen Geschäftspartnern aktiv zu verhindern. Diese Regelung soll nun laut Koalitionsbeschluss ,,1:1" an die entsprechende europäische Richtlinie mit dem Namen ,,Corporate Sustainability Due Diligence Directive" (kurz: CSDDD) angepasst werden. Laut Bundeswirtschaftsministerium (BMWE) löst man damit ein Versprechen aus dem Koalitionsvertrag ein, wonach deutsches Recht ,,durch ein europäisches Umsetzungsgesetz ersetzt wird" und ,,überbordende Regulierung durch die CSDDD verhindert werden muss".

Was auf den ersten Blick wie ein schlichter, fast zwangsläufig harmloser Schritt wirkt, entpuppt sich bei genauem Hinsehen als brachiale Strategie. Es ist der vorläufig letzte Hammerschlag eines lange zuvor gefassten und mit fossilen Konzernen besprochenen Plans: zunächst die europäische Richtlinie in Brüssel weitestgehend entkernen, um dann das deutsche Lieferkettengesetz auszuhöhlen – über rechtliche Hürden hinweg und gegen den erklärten Willen des Bundesarbeitsministeriums (BMAS).

Der Druck, diesen Plan zu fassen, ist enorm, kommt primär aus der fossilen Wirtschaft – und reicht mindestens zurück in das Jahr 2024. Unmittelbar nach der Verabschiedung der EU-Lieferkettenrichtlinie formiert sich in europäischen Wirtschaftsverbänden ebenso wie in den Chefetagen internationaler Rohstoff- und Energiekonzerne erbitterter Widerstand.

Die EU-Kommission öffnet daraufhin das Einfallstor: Noch bevor die Nachhaltigkeitsvorgaben überhaupt zur Anwendung kommen, setzt sie im Februar 2025 unter dem Schlagwort ,,Bürokratieabbau" diese Vorgaben wieder auf die Agenda. Mit dem sogenannten ,,Omnibus-I"-Gesetzespaket sollen die EU-Vorgaben für Unternehmen weniger komplex gemacht werden. Neben der CSDDD betrifft dies auch die bereits geltende Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD). Dann folgen Verhandlungen im EU-Parlament und in den Mitgliedstaaten – zunächst unter polnischer, von Juli an unter dänischer Ratspräsidentschaft.

Eine Gruppe fossiler Konzerne beginnt umgehend mit einer beispiellosen, systematischen Kampagne gegen die Richtlinien des Lieferkettengesetzes. Unter Führung der Lobbyagentur Teneo schließen sich fossile Giganten im informellen ,,Competitiveness Roundtable" zusammen. Dem Bündnis gehören US-Schwergewichte wie ExxonMobil, Dow, Enterprise Mobility und Koch Industries, aber auch der französische Konzern TotalEnergies an.

Interne Präsentationen aus den Treffen des Bündnisses, über die zuerst die niederländische Nichtregierungsorganisation Somo berichtete und die der FR vorliegen, dokumentieren eine dichte Abfolge von Strategiesitzungen seit März 2025. Ihr Ziel ist es, die Richtlinien so weit zu entkernen, dass sie im täglichen Geschäft ihre Wirkung verlieren. Dazu baut die Konzerngruppe auch eine massive ökonomische Drohkulisse auf: So droht der US-Ölgigant ExxonMobil damit, ein 20 Milliarden US-Dollar schweres Investitionspaket für CO₂-arme Technologien in Europa auf Eis zu legen, sollte man den Forderungen nach Deregulierung nicht nachkommen.

Flankiert wird die Konzernstrategie durch geopolitische Interventionen aus den USA und Katar. Deren Energieminister Chris Wright und Saad Sherida Al-Kaabi schicken in der heißen Phase der Verhandlungen, im Oktober 2025, einen gemeinsamen Brief an die europäischen Regierungschefs. Ihre Botschaft ist unmissverständlich: Die Lieferkettenrichtlinie gefährde Flüssiggas-Exporte in die EU und bedrohe damit direkt die verlässliche und bezahlbare Energieversorgung der Union – und das kurz vor dem nahenden Winter.

,,Da haben sie ganz klar die EU mit den geopolitischen oder auch energiepolitischen Abhängigkeiten, in die sich die EU begeben hat, unter Druck gesetzt", ordnet Juliane Bing, Referentin für Unternehmensverantwortung bei Germanwatch, diesen koordinierten Vorstoß ein. Die Nichtregierungsorganisation setzte sich für die weitgehende Beibehaltung der Richtlinie ein.

Deutschland kommt neben Frankreich und Italien in der Konzernkampagne eine Schlüsselrolle zu: Als wirtschaftsstärkstes und bevölkerungsreichstes Land der EU ist die Bundesrepublik entscheidend und soll im Zuge der ,,gezielten Kampagne" durch ExxonMobil gemeinsam mit Dow und Enterprise Mobility auf Linie gebracht werden, wie es in den internen Papieren heißt.

Mit ihren Anliegen rennen sie im unionsgeführten Kanzleramt und im von Katherina Reiche (CDU) geführten Wirtschaftsministerium offene Türen ein, wie Recherchen von FR gemeinsam mit ,,FragDenStaat" nun zeigen [https://fragdenstaat.de/]. Nach einer Katar-Reise der Ministerin Reiche Mitte November, bei der es auch um die Lieferkettenrichtlinie ging, schickt die Lobbygruppe dem Ministerium konkrete Formulierungsvorschläge für die heiße Phase der Verhandlungen in Brüssel.

Wenig später trifft sich die neue Leiterin der Europaabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums, Susanne Szech-Koundouros, vertraulich mit der europäischen Spitze von ExxonMobil. Gegenüber den Konzernen will das Haus ,,Verständnis für [die] Sorge einer Auswirkung" der CSDDD auf Drittstaaten zeigen. Die geplanten Einschränkungen durch das Omnibus-Paket würden ,,einen spürbaren Schutz für US-Unternehmen" bringen, heißt es in internen Vorbereitungsdokumenten für das Treffen [https://fragdenstaat.de/anfrage/treffen-des-bmwe-mit-competitiveness-roundtable/].

Während eine Anfrage an die Lobbyagentur Teneo unbeantwortet bleibt, verteidigt das Ministerium die vertraulichen Gespräche mit der fossilen Konzerngruppe: Der Termin habe lediglich einem ,,allgemeinen Austausch zu aktuellen europapolitischen Fragen" gedient. Mit seiner Positionierung im Zuge des Omnibus-Verfahrens habe sich das Ministerium ,,für die Interessen der deutschen Wirtschaft" eingesetzt, um ,,die bürokratischen Lasten für alle Unternehmen spürbar zu verringern".

Anders antwortet das fachlich zuständige und SPD-geführte Arbeitsministerium (BMAS): Es sei ,,zu keinem Zeitpunkt an Absprachen mit diesem Industriebündnis beteiligt" gewesen und habe eine Gesprächsanfrage der Lobbyagentur ,,abschlägig beantwortet".

Das BMAS wurde im Zuge der Verhandlungen indes mehrfach ins Abseits gestellt. Aus Brüsseler Verhandlungskreisen erfährt die FR: Das Kanzleramt erteilte der deutschen EU-Vertretung in entscheidenden Phasen gezielt Anweisungen für weitreichende Zugeständnisse – ohne die dafür erforderliche Abstimmung mit dem Arbeitsministerium. Auf Nachfrage heißt es aus dem Kanzleramt dazu lediglich, man äußere sich ,,grundsätzlich nicht zu vertraulichen Verhandlungen und Gesprächen".

Auch wenn es für die fossilen Konzerne kein Sieg auf ganzer Linie wird, fahren sie bei den finalen Verhandlungen am 8. Dezember 2025 in Brüssel auch mithilfe der Bundesregierung einen klaren Punktsieg ein. So bleiben mit der neuen Regelung Umwelt- und Menschenrechtsverstöße in den Lieferketten leichter im Dunkeln, weil die proaktive Informationsbeschaffung drastisch beschnitten wird. Die vorgesehene EU-weit einheitliche zivilrechtliche Haftung für Unternehmen wird gestrichen, die Pflicht, Klimapläne aufzustellen und umzusetzen, vollständig getilgt.

Zudem findet der Plan B der Lobbygruppe wortgleich Eingang in den finalen Gesetzestext: Für Konzerne aus Drittstaaten wird die Umsatzschwelle angehoben [https://fragdenstaat.de/anfrage/treffen-des-bmwe-mit-competitiveness-roundtable/1112982/anhang/anlage2-2.pdf]. Erst ab einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro sind die Unternehmen innerhalb der EU an die Regelungen des Liefergesetzes gebunden. Zuvor lag dieser Wert bei 450 Millionen Euro, sodass nun deutlich weniger multinationale Unternehmen direkt betroffen sind.

Eine solche Begrenzung des Anwendungsbereichs würde ,,auch viele US-amerikanische Unternehmen ausnehmen", hatte das BMWE zuvor vermerkt, als das Treffen mit ExxonMobil anstand.

Obwohl viele Mitglieder der Lobbygruppe weiterhin unter die Richtlinie fallen, profitieren sie enorm von den beschlossenen Lockerungen, erklärt die Ökonomin Claudia Kemfert. ,,Wenn nur noch sehr wenige Konzerne unmittelbar erfasst werden, entfallen wichtige Anreize, Lieferanten nach Klima-, Umwelt- und Sozialstandards auszuwählen und dauerhaft zu kontrollieren", analysiert die Ökonomin. Auch wird es leichter, Risiken und Kosten in kleinere, formal nicht verpflichtete Zulieferbetriebe auszulagern. ,,Das verschafft kurzfristig finanzielle Vorteile – allerdings auf Kosten der Allgemeinheit und jener Unternehmen, die bereits konsequent in Klimaneutralität investieren", kritisiert Kemfert.

Um im Sinne des Zwei-Stufen-Plans auch das deutsche Gesetz aushöhlen zu können, braucht es jedoch noch einen entscheidenden Kniff. Denn eigentlich ist es wegen des europarechtlichen Verschlechterungsverbots nicht erlaubt, bestehende, weitergehende nationale Schutzstandards unter Berufung auf eine EU-Richtlinie abzubauen.

Das weiß man auch im Kanzleramt, das zu einer brachialen Methode greift, um sich über diese rechtliche Hürde hinwegzusetzen: In letzter Sekunde wird in den Text der EU-Richtlinie ein Satz reinverhandelt, der zuvor keinerlei Erwähnung gefunden hatte. Danach dürfen Mitgliedstaaten explizit bestehende nationale Gesetze an die aufgeweichten EU-Schwellenwerte anpassen. Der Passus, maßgeschneidert für die Berliner Pläne, wird vom deutschen Botschafter bei der EU, Thomas Hans Ossowski, mündlich in die finalen Gespräche eingebracht – auf Anweisung aus dem Bundeskanzleramt.

Ohne die im Dezember noch eiligst eingefügte Ausnahmeklausel wäre die geplante Demontage des deutschen Lieferkettengesetzes mit Verweis auf die EU-Richtlinie unzulässig gewesen, erklärt Ernesto Klengel, Arbeits- und Europarechtsexperte des gewerkschaftsnahen Hugo-Sinzheimer-Instituts (HSI). So aber können BMWE und Bundeskanzleramt zum vorerst letzten Hammerschlag gegen das Lieferkettengesetz ausholen.

Sollte das deutsche Gesetz wie Anfang Juli beschlossen ,,1:1" an die neuen EU-Schwellenwerte angepasst werden, schrumpft der Anwendungsbereich in Deutschland drastisch zusammen. Von den bisher rund 2900 direkt verpflichteten Firmen mit Hauptsitz hierzulande fallen laut Schätzungen der Initiative Lieferkettengesetz künftig nur noch rund 150 unter das Gesetz. Auch die Zahl der erfassten Drittstaaten-Unternehmen schrumpft durch die neue Schwelle auf ein Minimum. Konkrete Zahlen liegen dazu bislang nicht vor, weil künftig Konzerngruppen statt einzelner Firmen betrachtet werden.

Das BMAS kündigt zwar an, bei der anstehenden Reform des Gesetzes jegliche ,,Abstriche etwa beim Schutz von Kinder- und Zwangsarbeit" abzulehnen. Dazu aber müssten laut Experten auf nationaler Ebene die bislang geltenden strengeren nationalen Standards beibehalten werden. Das wäre zwar möglich, schreibt doch das EU-Gesetz grundsätzlich nur Mindestvorgaben vor. Doch die Linie des Bundeskanzleramts bleibt klar: ,,Die nationale Umsetzung wird nicht über die EU-Vorgaben hinausgehen", heißt es resolut.

Das europäische und das deutsche Lieferkettengesetz mögen formal zwar noch stehen – doch viele der darin enthaltenen Regelungen zum Schutz von Umwelt und Menschenrechten sind massiv ausgehöhlt. Um den verbliebenen Kern wirksam zu erhalten, müsse man sich nun politisch erst recht entschlossen einsetzen, betont die Lieferketten-Expertin Juliane Bing von Germanwatch. Entspannung dürfte sich unter den Berliner Koalitionsspitzen also vorerst nicht breitmachen – geschweige denn bei Gewerkschaften oder Umweltverbänden.

Chronologie

Die Aushöhlung des deutschen und europäischen Lieferkettenrechts hat mehr als zwei Jahre gebraucht. Diese Chronologie zeigt, wie die Umweltschutz- und Menschenrechtsregulierung zu bloßer Fassade wurde – in Gang gesetzt durch massiven Lobbydruck, geopolitische Drohkulissen und umgesetzt im Bundeskanzleramt und Wirtschaftsministerium.

13. Juni 2024 – Historischer Meilenstein in Brüssel: Die EU verabschiedet nach jahrelangen, zähen Verhandlungen die Richtlinie über die unternehmerische Sorgfaltspflicht im Bereich der Nachhaltigkeit (CSDDD). Sie sieht eine schrittweise Einführung ab dem Jahr 2027 vor.

September 2024 – Erste Lobby-Vorstöße: Wirtschaftsverbände und fossile Konzerne beginnen mit einer gezielten Lobby-Offensive gegen die CSDDD sowie gegen die strengen Pflichten der Nachhaltigkeitsberichterstattung (CSRD).

26. Februar 2025 – Geburt des ,,Omnibus"-Verfahrens: Unter dem Stichwort ,,Bürokratieabbau" präsentiert die neue EU-Kommission das erste ,,Omnibus-I-Paket" zur Entkernung der Nachhaltigkeitsvorgaben im CSDDD und CSRD.

14. März 2025 – Strategietreffen des ,,Competitiveness Roundtable": Ein Arbeitspapier des informellen Industriebündnisses dokumentiert den Auftakt einer Kampagne über 2025 hinweg.

14. April 2025 – Fristverlängerungen in Europa: Im Rat der EU beschließen die Mitglieder weitreichende Fristverlängerungen: Während der Geltungsbeginn der CSDDD um ein Jahr auf 2028 verschoben wird, werden Berichtspflichten für die CSRD um zwei Jahre verschoben.

Mai 2025 – Deutsch-französische Allianz: Beim Antrittsbesuch von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in Paris steht die EU-Richtlinie auf der Tagesordnung. Wenig später fordert Merz deren komplettes Aus, Macron schließt sich Ende Mai an.

23. Juni 2025 – Erster Berliner Coup im Brüsseler Rat: Der Rat der EU beschließt sein Verhandlungsmandat, um die EU-Regelung zu entkernen. Obwohl das im Bundeskabinett vereinbarte deutsche Mandat auf Enthaltung lautet, schweigt die deutsche Vertretung im Ausschuss der Ständigen Vertreter. Protokollarisch wird das Schweigen durch die polnische Ratspräsidentschaft als Zustimmung gewertet und ebnet den Weg für die Konzernforderungen.

Oktober 2025 – Heiße Verhandlungen und Drohkulissen: Die Energieminister der USA und Katars senden einen gemeinsamen Brief an die Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Sie warnen davor, dass die CSDDD die Bezahlbarkeit und Sicherheit der europäischen Flüssiggasversorgung (LNG) gefährde.

16.–19. November 2025 – Katar-Reise von Katherina Reiche: Bundeswirtschaftsministerin Reiche (CDU) trifft in Doha unter anderem Katars Energieminister, wobei es auch um das Lieferkettendossier geht. Eine Anfrage an das BMWE blieb bisher unbeantwortet. Eine IFG-Anfrage zum Inhalt der Gespräche lehnte das Auswärtige Amt mit Verweis auf das ,,bilaterale Vertrauensverhältnis" ab.

27. November 2025 – Gesetzgebung aus der Teneo-Feder: BMWE-Fachbeamte halten einen WebEx-Call mit Vertretern der Lobbyagentur Teneo sowie ExxonMobil, Chevron und Koch Industries ab. Am selben Abend sendet Teneo konkrete Änderungsanträge (,,Plenary Amendments") an das Ministerium. Drittstaatenkonzerne sollen komplett ausgenommen oder die EU-Umsatzschwelle auf 1,5 Milliarden Euro angehoben werden.

2. Dezember 2025 – Vertrauliche Leitungsgespräche: Die Leiterin der Europaabteilung im BMWE, Susanne Szech-Koundouros, empfängt die europäische Spitze von ExxonMobil. Eine zeitgleiche Gesprächsanfrage von Teneo lehnt das Bundesarbeitsministerium (BMAS) ab.

Dezember 2025 – Zweiter Berliner Coup bei der EU: In letzter Minute bringt der deutsche EU-Botschafter Thomas Hans Ossowski mündlich eine Klausel ein, die es Mitgliedern erlaubt, ihre nationalen Gesetze nach unten an die EU-Regelung anzupassen. Ossowski handelte am BMAS vorbei und auf Wirken aus dem Bundeskanzleramt.

8. Dezember – Finale Verhandlungen in Brüssel: EU-Staaten einigen sich auf massive Abschwächung des Lieferkettengesetzes. So sollen Vorgaben nur noch für wenige große Unternehmen gelten.

26. Februar 2026 – Geändertes EU-Recht tritt in Kraft: Die Änderungsrichtlinie (EU) 2026/470 wird im Amtsblatt der Europäischen Union veröffentlicht und gilt damit ab dem 18. März 2026.

2. Juli 2026 – Finale in Berlin: Der Koalitionsausschuss beschließt das ,,Programm für Aufschwung und Beschäftigung". Unter Punkt 29 wird die ,,1:1-Anpassung" des deutschen Lieferkettengesetzes an die CSDDD der Europäischen Union vereinbart. sas



Aus: "Geheime Absprachen mit Wirtschaftsministerium: Fossile Lobby bringt Bundesregierung auf Linie" Felix Sassmannshausen (20.08.2026)
Quelle: https://www.fr.de/politik/fossile-lobby-bringt-bundesregierung-auf-linie-94449380.html

Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle soll auf Druck des Ministeriums Beschwerden ignorieren und Verstöße nicht ahnden. Von 101 geplanten Stellen sind nur 40 besetzt.
https://www.fr.de/wirtschaft/lieferkettengesetz-wirtschaftsministerium-blockiert-kontrollen-aktiv-94452504.html