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[Umweltschutz | Naturschutz | Umweltgefährliche Stoffe (Ökotoxikologie) ... ]

Started by Link, July 22, 2018, 11:36:20 AM

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"Umweltverschmutzung im Globalen Süden: Afrika ertrinkt in Plastik" Simone Schlindwein (19.11.2023)
In afrikanischen Ländern sterben Menschen bei Regen in Plastikfluten. Viele fordern ein globales Plastikverbot. Die Vereinten Nationen wollen handeln. ... In Uganda forderten Parlamentarier vor Beginn der Unep-Konferenz erneut ein striktes Verbot von Einwegplastik. Zwar wurde bereits 2007 der Gebrauch von einfachen Plastiktüten verboten, an der Umsetzung hapert es allerdings. In Uganda hat die Plastikindustrie eine große Lobby und die Umweltbehörde Nema keine ausreichenden Befugnisse, das Plastikverbot durchzusetzen. ...
https://taz.de/Umweltverschmutzung-im-Globalen-Sueden/!5970969/

"Globaler Kampf gegen Plastikmüll: Jetzt wird's konkret" Heike Holdinghausen (11.11.2023)
In Nairobi gehen die UN-Verhandlungen über einen globalen Vertrag gegen Plastikmüll weiter. Die Einigung könnte schwierig werden. ... Für ein eher schwaches Abkommen stehen neben den Öl produzierenden Länder etwa auch Südafrika oder Ägypten. ...
https://taz.de/Globaler-Kampf-gegen-Plastikmuell/!5969295/


"Verhandlungen über Plastik-Abkommen: Ölländer blockieren Fortschritt" (20.11.2023)
Nächstes Jahr soll ein internationales Abkommen gegen die Plastikseuche stehen. Bei einem einwöchigen Gipfeltreffen ist es aber kaum vorangegangen. ... Die Verhandlungen über ein internationales Abkommen zur Eindämmung von Plastikmüll sind am Sonntag ohne Einigung in entscheidenden Punkten zu Ende gegangen. Bei den einwöchigen Gesprächen am Hauptsitz des UN-Umweltprogramms (Unep) in der kenianischen Hauptstadt Nairobi sperrten sich insbesondere die Vertreter der Erdölförderländer Iran, Saudi-Arabien und Russland dagegen, eine Einschränkung der Plastikherstellung zu fördern. ... Vertreter aus mehr als 170 Staaten waren in Nairobi zusammengekommen, um über die Aufnahme konkreter Maßnahmen in ein weltweit verbindliches Abkommen zur Beendigung der Verschmutzung durch Plastikmüll zu verhandeln. Erstmals wurde über einen im September veröffentlichten Textentwurf beraten.
Es war die dritte von insgesamt fünf Verhandlungsrunden. Im vergangenen Jahr hatten sich 175 Nationen verpflichtet, sich bis 2024 auf ein rechtlich verbindliches UN-Abkommen gegen die Plastikvermüllung von Umwelt und Meeren zu einigen. ...
https://taz.de/Verhandlungen-ueber-Plastik-Abkommen/!5974520/



"UN-Umweltkonferenz: Gespräche zur weltweiten Vermeidung von Plastikmüll enden ergebnislos" (20. November 2023)
Rund 170 Staaten haben in Kenia über ein Abkommen für weniger Plastikmüll verhandelt. Wegen des Widerstands der Erdölstaaten kamen sie Verbänden zufolge kaum voran. ... Nach Angaben aus Verhandlungskreisen verhinderten der Iran, Saudi-Arabien, Russland und eine kleine Anzahl an weiteren Erdölförderstaaten Fortschritte bei den Verhandlungen durch eine Vielzahl neuer Vorschläge. Dadurch sei der Vertragstext enorm angewachsen und die Bearbeitung der einzelnen Punkte erheblich verlangsamt worden. Insgesamt sind fünf Verhandlungsrunden geplant.
Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) äußerte sich enttäuscht. "Es ist sehr bedauerlich, dass die dritte Verhandlungsrunde um ein internationales Plastikabkommen ohne Einigung über nächste Schritte zu Ende gegangen ist", teilte sie mit. Gescheitert sei eine Einigung an jenen Staaten, die auch in Zukunft von fossilen Geschäftsmodellen wie der Plastikproduktion profitieren wollten. "Das Festhalten an klimaschädlichen Strukturen ist aber mit Blick auf die sich beschleunigende Klimakrise und die fortschreitende Plastikverschmutzung unserer Meere verantwortungslos", sagte Lemke. ...
https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2023-11/plastikmuell-un-verhandlungen-kenia

Quote
manus53

Aller plastikmüll in die Erdölförderländer exportieren!



QuoteVonKindernFernhalten

Ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich im Supermarkt vor der Wahl stehe, loses konventionelles Gemüse zu kaufen oder bio in Plastik. Zumal die Sache mit dem losen Obst und Gemüse eh eher selten ist.
Und dann das ganze überflüssige Verpackungsplastik bei manchen Artikeln!
Aber ach, wir haben ja andere Probleme...


QuoteOnlyOnePlanet

Falscher Supermarkt! Es liegt an Ihnen...in unserem reinen Biomarkt gibt es kein Gemüse in Plastik.


QuoteWeltbeschauer

Wieder mal ein Beispiel, dass die "Weltgemeinschaft" es nicht schafft, vorausschauende und vernünftige Vereinbarungen zu Treffen. Tatsächlich gibt es in diesem Punkt vereinzelte Leuchttürme, wie z.B. Ruanda, die es uns vor machen, wie man erfolgreich mit dem Problem umgehen kann. Dass die Ölstaaten in keiner Weise an einer Lösung interessiert sind, überrascht nicht wirklich. Ihr durch eine Zufälligkeit entstandener Reichtum wäre ja dadurch ggf. gefährdet. Und Altruismus wäre wohl das Letzte, was man von den dortigen Machthabern erwarten kann. Aber auch bei uns sitzen viele Nutznießer, die an einer Problemlösung wenig interessiert sind.


QuoteArtige Intelligenz

Wir werden die Klimakrise nicht erfolgreich bekämpfen.

Wir sind keine strategisch agierende Spezies. Kurzfristige Ziele und Auswirkungen finden bei den Wählern grössere Unterstützung.

Das geht bereits seit 70 Jahren so: die Kosten das Klima wirkungsvoll zu schützen wollten wir stets sparen, wissend, dass jetzt alles tausendfach teuerer und leidvoller wird.

Warum sollte sich das ändern?

Für die aufziehenden Konflikte um Verteilung und Verdrängung finden die Extremisten und Stammtische eh Schuldige, die ins politische Kalkül passen.

Wir zerstören weiter unseren Lebensraum und unsere Lebensgrundlage und nehmen uns weiter das Recht heraus Ressourcen in einem Ausmass zu ver(sch)wenden, die uns in dieser Menge nicht zustehen.

Andere Länder und Menschen, die ebenfalls und oft noch mehr unter der Klimakrise leiden, haben wir nie gefragt ob das so ok ist.

Und nun wollen wir von unserem geborgten Wohlstand nicht abrücken und auch unsere dadurch errungene wirtschaftliche und innovative Potenz wollen wir nicht effektiv und konsequent zur Bekämpfung der Klimakrise einsetzen.

Dermaleinst werden unsere Nachkommen fragen: "Warum habt Ihr das alles zugelassen?"

Was werden wir antworten?

PS: Ich weiss, es ist eine pessimistische Sichtweise, aber wenn man immer alles weichspült ändert sich nichts. Natürlich gibt es viele Bemühungen. Man muss heutzutage unter jedem Kommentar solche Disclaimer setzen.


QuoteDonDuck

Nun, Stand meines Wissens ist Ihre Sichtweise eher realistisch als pessimistisch.

Die Menschheit ignoriert Sachverhalte und wird weiter machen wie bisher. Die derzeitige Evolutionsepoche hat ihren Peak überschritten und befindet sich im Abwärtsgang. Den Wert nahe Null werden wir allerdings deutlich schneller erreichen als erwartet, denn diese Abwärtsbewegung folgt einer abklingenden Exponentialfunktion (Kipppunkte, die weitere Kipppunkte beschleunigen).

Die Folgen sind unvorstellbar, aber das ist das Schicksal der Menschheit, denn wie Einstein einst feststellte:

"Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher."


QuoteTura Satanas

Ich finde, gerade hier in D sollten wir dafür sorgen, dass Plastikmüll hier entsorgt wird, anstatt ihn zu exportieren.


Quotezeitlos9000

Absolut! Das die EU es erlaubt, Plastikmüll im Meer zu entsorgen (über Exporte in Entwicklungsländer) ist erbärmlich.


QuoteHab da so meine Zweifel

Da wird wieder einmal das Pferd von hinten aufgezaeunt. Das Anliegen sollte doch sein, den Plastik Verbrauch erheblich zu reduzieren.

Im Supermarkt ist jede Scheibe Wurst und Käse dick und fett in Plastik verpackt. Zurück zur Wurst- und Fleischtheke waere schon mal ein Anfang. Fuer jede schaedliche Verpackung 50 Cent an der Kasse extra ausweisen. Das tut weh. Kein fast food to go oder eben auch, wie in Tübingen, die Verpackung zu berechnet, usw. usw.


...

Link

Quote[...] Eigentlich sollen Medikamente im Körper wirken. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weisen sie aber immer häufiger in der Umwelt nach - auch im Trinkwasser. Daten zu den Risiken der Verunreinigung gibt es - nur sind sie oft nicht zugänglich, wie Experten bemängeln. Die EU will nun eingreifen.

Arzneimittel sollen im Körper wirken. Doch je nach Präparat werden bis zu 90 Prozent des enthaltenen Wirkstoffes unverändert wieder ausgeschieden und gelangen ins Abwasser. Kläranlagen fangen dem Umweltbundesamt (UBA) zufolge nur einen Teil der Substanzen ab. In Gewässern seien Arzneimittel daher ebenso nachzuweisen wie - in deutlich geringeren Mengen - im Trinkwasser.

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Forschungsgruppe PharmCycle: Die Gewässer sind weltweit zunehmend mit Arzneimitteln belastet, deren Auswirkungen auf die Ökosysteme und den Menschen nicht abschätzbar sind. Vor dem Hintergrund des Klimawandels können Starkregenereignisse und niedrige Wasserstände aufgrund von Hitzeperioden die Situation der Arzneimittelbelastung verschärfen.
https://www.haw-hamburg.de/hochschule/life-sciences/forschung/ftz-alster/fg-pharmcycle/

https://www.haw-hamburg.de/hochschule/life-sciences/forschung/ftz-alster/fg-pharmcycle/projekte/

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Zwar müssen die Hersteller Studien zu Umweltverhalten und -toxizität durchführen. Publik werden die Ergebnisse aber Experten zufolge kaum. "Umweltbehörden und Öffentlichkeit kommen an die Daten oft nicht heran", erklärt die Juristin und Umweltwissenschaftlerin Kim Teppe. Effektiver Gewässerschutz sei in der Folge erheblich erschwert. Anders als etwa bei Industriechemikalien müssen Arzneimittel-Hersteller bisher nur bei den Zulassungsbehörden Daten einreichen und können sich zudem auf umfangreiche Ausnahmen berufen, sodass in der Praxis oft gar keine Daten vorgelegt werden, wie Teppe erklärt.

Inzwischen dreht sich der Wind. Auf EU-Ebene laufen Verhandlungen für neue Regelungen. Die Kommission hat angekündigt, in den kommenden Tagen oder Wochen einen ersten Entwurf für das neue Humanarzneimittelrecht vorzulegen. "Darin sind dann hoffentlich Umweltbelange wie das Schließen von Datenlücken und die Datentransparenz wenigstens ansatzweise schon adressiert", hofft Teppe, die seit einigen Monaten für das Umweltbundesamt (UBA) arbeitet. Für ihre juristische Doktorarbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAW) und der Universität Hamburg zur Problematik war sie 2022 mit dem Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung ausgezeichnet worden.

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Die wichtigsten Dissertationen 2022 (2. August 2022)
Arzneimittelrückstände, recyclebares Plastik und Elektrizitätsversorgung
Betriebsgeheimnis vs. Umweltschutz: Mensch und Tier scheiden bis zu 90 Prozent von konsumierten Arzneimitteln wieder aus. Wie diese Arzneimittelrückstände in der Umwelt wirken, ist weder der Öffentlichkeit noch den Behörden hinreichend bekannt – die Hersteller berufen sich auf Geschäfts- und Betriebs-geheimnisse. ...

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Die Substanz Diclofenac - in Deutschland unter anderem Bestandteil von Salben, die gegen Schmerzen wirken sollen - ist ein Beispiel dafür, dass Arzneistoffe ebenso überraschende wie furchtbare Folgen für Natur und Umwelt haben können: Als indische Landwirte in den 1990er-Jahren begannen, ihre Rinder mit Diclofenac zu behandeln, begann ein Massensterben der Geier. Bestände schrumpften um 90 Prozent und mehr, einige Arten starben fast aus. Das Mittel verursacht bei den Greifvögeln, die es beim Verzehr von Kadavern aufnehmen, schon in kleinsten Mengen ein qualvolles, tödliches Nierenversagen.

Allein in Deutschland werden pro Jahr etwa 80 Tonnen des Wirkstoffes verbraucht. "Maximal sechs Prozent kommen am gewünschten Zielort im Körper an", sagt Gerd Maack von der Fachgruppe zur Umweltbewertung von Arzneimitteln des UBA. "Die Haut ist eine effektive Barriere, das ist ja auch ihre Aufgabe." Als Salbe aufgetragen gehe der Großteil des enthaltenen Wirkstoffs beim Händewaschen, Duschen oder dem Waschen der getragenen Kleidung ins Abwasser. In den Kläranlagen werde nur ein Teil eliminiert.

Die Wasserrahmenrichtlinie der EU sieht inzwischen eine weitere Reinigungsstufe vor, auch in Deutschland werden immer mehr 4. Klärstufen eingebaut. Sie halten Spurenstoffe etwa durch sogenannte Ozonierung oder Aktivkohlefiltration zurück. "Viele Wirkstoffe wie Röntgenkontrastmittel rauschen aber auch da einfach so durch", sagt Maack vom UBA. Diskutiert werden deshalb verschiedene weitere Maßnahmen, etwa eine Umweltverträglichkeits-Ampel als Zusatzinfo für Fachpersonal. "Wirkstoffe wie Diclofenac sollten nicht mehr rezeptfrei abgegeben werden", nennt Maack eine weitere Möglichkeit. Medizinisch notwendig seien die Diclofenac-Salben - mit Ausnahme gegen Arthritis - oft nicht, ist Maack überzeugt. "Die Menschen müssten sich viel stärker bewusst machen, was sie mit der Verwendung in die Umwelt bringen."

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Selection of substances for the 4th Watch List under the Water Framework Directive
2022Technical reportsEnvironment and climate change
https://publications.jrc.ec.europa.eu/repository/handle/JRC130252


Gewässerverschmutzung durch Arzneimittel-Rückstände: Umweltreinigungskosten in Höhe von rund 1,5 Milliarden Euro allein durch Diclofenac (14.01.2022)
https://www.bdew.de/presse/presseinformationen/umweltreinigungskosten-in-hoehe-von-rund-15-milliarden-euro-allein-durch-diclofenac/

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Experten betonen schon seit Jahren, dass sich die Mentalität in Gesundheitsfragen in Deutschland grundlegend ändern müsse: Mehr Bereitschaft zu eigenem Handeln wie etwa zu einer besseren Ernährungsweise und einem höheren Bewegungspensum sei nötig. "Dass verbreitete Ansicht ist, ein Medikament oder eine Behandlung müsse jede Erkrankung richten und man selbst müsse gar nichts tun, ist Teil des Problems", sagt Maack.

Derzeit gelangen in Deutschland jährlich Tausende Tonnen biologisch aktive Wirkstoffe aus Human- und Tiermedizin über Abwässer, Klärschlamm und Gülle in die Umwelt. Mehr als 2000 verschiedene Substanzen sind im Handel. Das Problem wird an Brisanz gewinnen: Die Generation der Babyboomer erreicht das Rentenalter - und vor allem Senioren nehmen viele Medikamente. Verglichen mit dem Jahr 2015 sei bis 2045 mit einer bis zu 70-prozentigen Steigerung beim Einsatz rezeptpflichtiger Arzneimittel zu rechnen, sagt UBA-Experte Maack.

Zudem summieren sich die Mengen vieler Substanzen in der Umwelt. "Arzneimittel sind oft sehr stabil, verglichen mit anderen Chemikalien", erklärt Maack. Schließlich seien sie dafür geschaffen, unwirtliche Körpergefilde wie den Magen-Darm-Trakt und Passagen durch Zellwände heil zu überstehen. In der Umwelt würden sie häufig nur sehr schlecht abgebaut und behielten ihre biologische Wirksamkeit lange Zeit.

Bei Neuentwicklungen werde von Pharmafirmen auf noch mehr Haltbarkeit geachtet - zum Beispiel, damit Medikamente nur noch einmal statt zweimal täglich genommen werden müssen, sagt Maack. Die Umweltverträglichkeit werde bei der Entwicklung bisher gar nicht beachtet. Vom Pharma-Unternehmensverband VFA heißt es dazu, dass es nur begrenzt möglich sei, chemisch-synthetische Wirkstoffe von vornherein gut biologisch abbaubar zu entwickeln. Immer mehr, immer haltbarer: Was richtet das letztlich an?

Konkrete Folgen eindeutig nachzuweisen, ist schwer. Gesicherte Zusammenhänge sind für den Menschen bisher nicht erfasst. Auch beobachtete Phänomene in der Umwelt lassen sich nur selten ursächlich auf einzelne Schadstoffe zurückführen, weil es insgesamt unzählige Schadstoffe und Einflussfaktoren gibt, die typischerweise in einem komplexen Netzwerk zusammenspielen, wie Maack erklärt. Hinzu kämen chronische Effekte und Veränderungen des Erbgutes, denen noch schwerer auf die Spur zu kommen sei.

Klar ist, dass die Substanzen über die Wasserentnahme aus Gewässern und Grundwasser unvermeidbar auch ins Trinkwasser gelangen, ebenso in Mineralwasser. "Das ist nicht unbedingt weniger belastet als Wasser aus dem Hahn", sagt Maack. Zwar liegen die Konzentrationen meist weit weg von den therapeutisch wirksamen. Die möglichen Langzeitfolgen für den Menschen sowie potenzielle Wechselwirkungen seien aber völlig unklar, gibt Maack zu bedenken. "Wir alle sind dafür die Langzeit-Probanden."

Quelle: ntv.de, Annett Stein, dpa


Aus: "Daten zu Risiken Geheimsache: Wie Arzneimittelreste im Trinkwasser landen" (28.03.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/wissen/Wie-Arzneimittelreste-im-Trinkwasser-landen-article24016712.html


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Quote[...] BUENOS AIRES taz | In Argentinien steht der deutsche Verladehafenbetreiber Oiltanking Ebytem in der Kritik. Die Tochtergesellschaft der deutschen Oiltanking GmbH wird für einen mehr als 20 Quadratkilometer großen Ölteppich in der Bucht vor Bahía Blanca, rund 700 Kilometer südlich von Buenos Aires, verantwortlich gemacht. Dem Unternehmen wird vorgeworfen, das dafür vorgesehene Notfallprotokoll viel zu spät aktiviert zu haben.

Die Leckage ereignete sich an einer Unterwasser-Ladeboje vor dem Ölhafen Puerto Rosales, etwa 30 Kilometer südöstlich der Hafenstadt Bahía Blanca. Der Name Bahía Blanca (Weiße Bucht), leitet sich von den einst als weiß beschriebenen Sandstränden ab, die bei Ebbe sichtbar wurden.

Die gleichnamige Stadt ist die wichtigste Industrie- und Hafenstadt im Süden Argentiniens. Der Hafen ist der einzige in Argentinien mit einer natürlichen Tiefe von über 10 Metern. Tanker und Frachtschiffe mit großem Tiefgang müssen ihn anlaufen. Aus diesem Grund hat sich die petrolchemische Industrie um Bahía Blanca angesiedelt.

Satellitenbilder zeigen, dass der Ölteppich mindestens 21 Quadratkilometer groß ist und seinen Ursprung an der Ladeboje hat. Nach bisherigen Informationen war das Öl bereits am 26. Dezember ausgetreten. Am folgenden Tag wurde der sich bildende Ölteppich frühmorgens von einem Fischer entdeckt und den zuständigen Behörden gemeldet, aber erst am Nachmittag wurde das entsprechende Notfallprotokoll aktiviert.

,,Die frühzeitige Kontrolle von Leckagen erfordert, dass das Unternehmen den Vorfall der argentinischen Marinepräfektur mitteilt, damit das Reaktionsprotokoll aktiviert wird", sagte Bürgermeister von Bahía Blanca, Federico Susbielles, dem Internetportal elDiarioAR. Aber das Protokoll sei erst eine viel zu lange Zeit nach Bekanntwerden des Vorfalls aktiviert worden.

Betroffen sind die Naturschutzgebiete Bahía Blanca, Bahía Falsa und Bahía Verde. Sie bilden eines der wichtigsten Inselsysteme mit Gezeitenkanälen, schlammigen Gezeitengebiete und Sümpfen an der Küste Argentieniens. Befürchtet werden schwerwiegendere Folgen, sollte das Öl in den Grund vor der Küste und den Kanälen gelangen. Oiltanking hat mitgeteilt, man habe bisher mehr als 2.500 Quadratmeter Fläche gesäubert.

,,Wir müssen jetzt die wichtigen Beobachtungen des Fischers analysieren, der die Situation öffentlich gemacht hat", erklärt Javier Groso, Geograf an der Universität Comahue. Diese könnten zeigen, dass das Unternehmen darauf spekuliert habe, ,,dass es sich um einen kleinen Ölteppich handelt, dass er sich nicht ausbreitet, dass niemand etwas darüber weiß und dass er sich schließlich im Wasser auflöst oder auf das Meer hinaus zieht".

Inzwischen hat die zuständige Staatsanwaltschaft eine vorläufige Untersuchung eingeleitet. ,,Die möglicherweise verspätete Aktivierung des Notfallplans und die mangelnde Sorgfalt des Unternehmens, die die Risiken und den tatsächlichen Schaden verschlimmert haben, müssen nicht nur von den Behörden sondern auch von der Justiz bewertet werden", forderte Bürgermeister Susbielles auf der Plattform X.


Aus: "Umweltkatastrophe in Argentinien: Ölpest mit deutscher Beteiligung" Jürgen Vogt (7.1.2024)
Quelle: https://taz.de/Umweltkatastrophe-in-Argentinien/!5982045/


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Quote[...] Wegen angespülter Plastikteilchen an der Atlantikküste haben die Behörden im Nordwesten Spaniens den Umweltnotstand verhängt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt und sucht nach der Ursache, weil die wenige Millimeter großen Kügelchen umweltschädliche Giftstoffe enthalten könnten. Der galicischen Regionalregierung zufolge stammen sie aus einem Container, der etwa 80 Kilometer vor der portugiesischen Küste von Viana do Castelo über Bord des liberianischen Frachters Toconao gegangen war. Der Container soll, abgepackt in Säcken, 25 Tonnen Kügelchen enthalten haben. Die Kügelchen sind das Ausgangsmaterial für die Produktion von Plastikteilen. 

Es gelte festzustellen, ob das Transportunternehmen und die Reederei "die richtigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen haben", sagte die spanische Umweltministerin Teresa Ribera. Plastik in Ozeanen und Ökosystemen sei eines der größten Menschheitsprobleme.

Die Kügelchen waren erstmals Mitte Dezember an der Küste entdeckt worden. Seither sind Arbeiter und Freiwillige mit der schwierigen Aufgabe befasst, die Strände von den Kügelchen zu säubern.

Umweltschutzgruppen wie Greenpeace sprechen von einer Gefahr für Menschen und Meerestiere durch die Millionen Kügelchen. Fische verwechselten die Kügelchen mit Fischeiern und fräßen sie. Inhaltsstoffe könnten so in die Nahrungskette gelangen und damit auch in Lebensmittel, warnte die spanische Umweltschutzorganisation Ecologistas en Acción. Der Fischfang ist für Asturien und Galicien ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. 


Aus: "Spanien ruft wegen Plastikkügelchen am Strand Umweltnotstand aus" (9. Januar 2024)
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2024-01/spanien-galicien-asturien-umweltnotstand-plastikkuegelchen

QuoteMeriadoc66

Ein Wahnsinn was Menschen produzieren und gedankenlos entsorgen. Ich denke an den mit Giftmüllverseuchten Flugzeugträger, den Brasilien im Atlantik hat versenken lassen.


QuoteLunatic Asylum

Dass Container über Bord gehen ist nicht "Entsorgung" sondern eher Verschleiß.
Bei Seegang fallen die Container halt mal vom Schiff.


QuoteRokin

"Giftstoffe enthalten könnten. ... erstmals Mitte Dezember an der Küste entdeckt"

Wie mehrfach kommentiert sollte das längst geklärt sein - und ist es auch (ungiftig). In einer Welt, in der wir uns auf einige Probleme konzentrieren möchten, halte ich diesen Artikel für schlechten Journalismus. ...


Quoterot und juckig

"Wie mehrfach kommentiert sollte das längst geklärt sein - und ist es auch (ungiftig)."

na denn, guten appetit!


QuoteMauldasch

Die Kügelchen nennt man in der kunststoffverarbeitenden Industrie Granulat. Da es an die Küste angeschwemmt wird, dürfte es sich höchstwahrscheinlich um Polyolefine handeln, also Polyethylen oder Polypropylen. Beide werden massenweise zu Dingen des täglichen Lebens wie beispielsweise Shampooflacons, Kanister, oder Einwegspritzen verarbeitet. Diese Polymere sind säurebeständig, können also nicht verdaut werden. Problematischer ist die UV- Beständigkeit. Mit der Zeit zerfällt dieses Granulat in Mikroplastik, wobei dann die spezifischen Zuschlagstoffe freigesetzt werden.


Quotenoplanetb

Das Kunststoffgranulat soll zwischen 30% UV-Stabilisatoren enthalten, und die Umweltstaatsanwaltschaft spricht daher von eher hoher Toxizität.
Mehr darüber: https://www.publico.es/sociedad/parte-pellets-vertidos-galicia-30-aditivos-potencialmente-toxicos-humanos.html


Quotecpmarret
vor 11 Stunden

Die Xunta de Galica sagt das die Plastikkügelchen nicht toxisch sind und man sie sogar ruhig essen kann.

https://www.telecinco.es/noticias/galicia/20240109/informe-xunta-riesgos-toxicidad-pellets_18_011389299.html


Quotedes Wahnsinns fette Beute
Antwort auf @enilnolo

Geht als spanischer Kaviar durch.



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Quote[...] Wien/Neu-Delhi – 96 Tonnen indischer Reis, die mit Rückständen mehrerer schädlicher Pflanzenschutzmittel kontaminiert sind, wurden dieser Tage in Wien aus dem Verkehr gezogen. Das geht aus übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien vom Mittwoch hervor. Demnach ist der Reis im Zuge einer Kontrolle von Lebensmittelinspektoren bei einem Wiener Großhandelsunternehmen entdeckt worden. Alexander Hengl vom zuständigen Marktamt der Stadt Wien bestätigte den Fall.

Der Händler hatte zur Einhaltung der EU-Vorschriften einen Laborbefund des indischen Herstellers vorgelegt, demzufolge der Reis von einwandfreier Qualität war. Das Marktamt unterzog den Reis einer eigenen Analyse, welche die Kontamination zutage förderte. Mit dem Reis hätten vor allem Restaurants beliefert werden sollen. (APA, 17.1.2024)


Aus: "96 Tonnen Reis mit Pestiziden in Wien gefunden" (17. Jänner 2024)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000203529/96-tonnen-reis-mit-pestiziden-in-wien-gefunden

QuoteDani Düsentrieb

Deswegen besser Österreis


QuoteMythos und Wahrheit

Interessant wäre noch die Stärke der Kontamination und die Illustration potenzieller Schäden für Konsumenten gewesen.


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Quote[...] Bei den Glyphosat-Prozessen in den USA hat Bayer wieder eine Niederlage einstecken müssen. Wie die Anwälte eines Klägers mitteilten, war am Freitag die Jury eines Gerichts in Philadelphia zu dem Schluss gekommen, dass das Unternehmen 2,25 Milliarden US-Dollar an den Mann aus Pennsylvania zahlen muss. Er war nach eigenen Aussagen nach dem Kontakt mit dem glyphosathaltigen Unkrautvernichtungsmittel Roundup an Krebs erkrankt.

Das Gericht entschied, dass seine Krebserkrankung das Ergebnis der mehrjährigen Verwendung von Roundup für die Gartenarbeit in seinem Haus war. ,,Der Strafschadenersatzspruch der Jury sendet ein klares Signal, dass dieser multinationale Konzern grundlegende Veränderungen braucht", teilten Tom Kline und Jason Itkin, die Anwälte des Klägers, in einer gemeinsamen Erklärung mit. Das Urteil sieht konkret eine Entschädigungszahlung von 250 Millionen US-Dollar und einen Strafschadensersatz in Höhe von zwei Milliarden US-Dollar vor.

Bayer erklärte daraufhin, dass man mit dem Urteil der Jury nicht einverstanden sei und glaube, in einem Berufungsverfahren starke Argumente dafür zu haben, das Urteil aufzuheben und den hohen Schadensersatz streichen zu lassen. Das Unternehmen betonte, dass Schadensersatzansprüche in früheren Gerichtsverhandlungen nach einem Berufungsverfahren um 90 Prozent gekürzt worden waren.

Nach fünf verlorenen Prozessen in Folge hatte Bayer im Dezember in den USA erstmals eine Glyphosat-Klage wieder für sich entschieden. Das Urteil eines Geschworenengerichts in San Benito County stehe im Einklang mit den Beweisen in dem Fall, dass der Unkrautvernichter Roundup keinen Krebs verursache und nicht für die Krankheit des Klägers verantwortlich sei, teilte der Konzern damals mit.

Das Unternehmen sieht sich in den USA seit langem ähnlichen Prozessen ausgesetzt. Die Klagen hatte sich der Konzern mit der Übernahme des Glyphosat-Entwicklers Monsanto im Jahr 2018 ins Haus geholt. Zuletzt waren nach Bayer-Angaben noch 52.000 der insgesamt rund 165.000 eingereichten Klagen offen. Bayer hatte die Vorwürfe gegen das Herbizid stets zurückgewiesen.

Behörden weltweit stuften das Mittel als nicht krebserregend ein. Die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO hingegen bewertete den Wirkstoff 2015 als ,,wahrscheinlich krebserregend". Bayer hat bereits etwa 9,5 Milliarden Dollar gezahlt, um Klagen vom Tisch zu bekommen. (Reuters)


Aus: "Nächste Niederlage für Bayer: Konzern soll in Glyphosat-Prozess 2,25 Milliarden Dollar an krebserkrankten Mann zahlen" (27.01.2024)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/nachste-niederlage-fur-bayer-konzern-soll-in-glyphosat-prozess-225-milliarden-dollar-an-krebserkrankten-mann-zahlen-11120017.html


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Quote[...] Gebäude sanieren, um sie klimafreundlicher zu machen: Das dürfte in den kommenden Jahren auf viele Eigentümer zukommen. Bei den Bauarbeiten könnte dann eine giftige Altlast ans Tageslicht kommen, die seit Jahrzehnten im Bestand schlummert: Asbest.

Ein Blick genügt: "Ja, das ist eine Asbestverkleidung", sagt Mehmet Celik selbstsicher. Der Asbestsanierer wurde zu einer Baustelle in Timmendorfer Strand (Kreis Ostholstein) gerufen. Dort wird das Rathaus modernisiert. Der Hausmeister hatte schon eine Vorahnung, wollte auf Nummer sicher gehen und hat das Fachunternehmen beauftragt. "Sowas sehe ich sofort, wir machen ja fast nichts anderes", erklärt Celik. Die Asbestverkleidung ist unscheinbar: Glatte, weiße Platten, die an der Fassade verschraubt sind.

Die Gewerkschaft IG-Bau geht davon aus, dass in Gebäuden, die zwischen 1950 und 1990 entstanden sind, fast sicher das krebserregende Mineral zu finden ist. Betroffen sind in den Schleswig-Holstein demnach 431.000 Gebäude, vor allem Ein- und Zweifamilienhäuser.

"Sie brauchen sich erstmal keine Sorgen machen, das ist festgebundener Asbest und hier draußen passiert sehr wahrscheinlich nichts", beruhigt der Asbestsanierer den Hausmeister. Fachleute unterscheiden unter anderem zwischen festgebundenem und schwachgebundenem Asbest. In festgebundenen Asbestprodukten ist das Mineral zum Beispiel in Zement zu finden, beispielsweise bei Eternit-Welldachplatten, die noch millionenfach auf deutschen Häusern verbaut sind. Der Asbest-Anteil ist niedrig und liegt zwischen 10 und 15 Prozent.

Schwachgebundene Produkte haben einen höheren Asbest-Anteil von mehr als 60 Prozent, verbaut zum Beispiel als Dämmaterial. Hier können sich die Fasern schneller freisetzen, als bei festgebundenem Asbest. Laut IG Bau lauern landesweit eine Million Tonnen Asbest im Bestand. Verbaut wurde der krebserregende Stoff unter anderem an Fassaden, in Zwischendecken, als Bodenbelag oder Dämmmaterial. Gefährlich ist das Asbest dort meist nicht. Erst wenn das Mineral bearbeitet wird, werden Fasern freigesetzt.

Wird das Mineral eingeatmet, setzen sich die Fasern tief in der Lunge fest und können dort für andauernde Entzündungen sorgen. Daraus kann Krebs entstehen. Bis das passiert, dauert es aber meist lange - 20 Jahre und mehr. "Es ist wichtig, dass sie hier erstmal nichts anfassen, nicht bohren, schleifen oder schrauben", erklärt Celik dem Hausmeister. "Ja, ich kenne das schon, das hatten wir schon öfter. Das Zeug steckt ja fast überall drin. Ich schreibe dann eine Rundmail an alle, die hier ein und ausgehen", meint der gelassen.

Asbest wird als natürliches Mineral aus Steinen gewonnen. Früher galt es als Wunderfaser: Asbest ist hitzebeständig, hat eine hohe Zugfestigkeit und ist gleichzeitig elastisch. Genutzt wurde es nicht nur im Bau. Asbest fand sich auch in Bremsscheiben, in Zahnpasta und sogar als Kunstschnee auf der Theaterbühne. Rennfahrer trugen Asbestanzüge, um sich vor Feuer zu schützen. Dass Asbest gefährlich sein kann, war lange nicht bekannt. In Deutschland ist es seit 1993 verboten, Asbest oder asbesthaltige Produkte herzustellen, in Verkehr zu bringen oder zu verwenden. In der EU gilt dieses umfassende Verbot seit 2005.

Spezialisierte Handwerksbetriebe dürfen Asbest beseitigen. Mehmet Celik wird die Aufgabe im Rathaus in Timmendorfer Strand übernehmen. "Draußen ist es nicht ganz so aufwendig wie einen Innensanierung", erklärt er. Drinnen werde mit Unterdruck gearbeitet, damit die Fasern nicht entweichen. Deswegen brauche es zum Teil mehrere Schleusen. Die Arbeiter benötigen spezielle Masken, müssen regelmäßig Pausen machen und ihre Filter wechseln. "Danach muss der Raum gereinigt werden, damit sich die Asbestfasern nicht im Haus verteilen." Eine aufwendige Sanierung ist teuer, kostet für ein Einfamilienhaus schnell bis zu 30.000 Euro. Die IG Bau fordert deshalb eine Sanierungsprämie für Asbest-Häuser. Diese könnte über ein KfW Förderprogramm geschaffen werden, heißt es von der Gewerkschaft.


Aus: "Asbest: Eine Million Tonnen lauern in Häusern in SH" (Schleswig-Holstein Magazin | 26.01.2024)
Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Asbest-Eine-Million-Tonnen-lauern-in-Haeusern-in-SH-,asbest624.html

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Quote[...] Der Weichmacher Di-n-hexylphtalat gilt als besonders gesundheitsschädlich. Aus diesem Grund ist er seit 2013 in Deutschland verboten. Mit dem Verbot der Chemikalie wird in Routine-Untersuchungen nicht mehr nach ihr gesucht. Ein großer Fehler, wie RTL-Recherchen aufzeigen.


Aus: "Verbotener Weichmacher in Kinder-Urin nachgewiesen" (31.01.2024)
Quelle: https://www.n-tv.de/mediathek/videos/ratgeber/Verbotener-Weichmacher-in-Kinder-Urin-nachgewiesen-article24703658.html

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Quote[...] Wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) mitteilte, geht es um den Weichmacher Di-n-hexyl-Phthalat (DnHexP). Dieser soll die Fruchtbarkeit schädigen. Im Urin ist der Stoff als sogenannter Metabolit MnHexP nachweisbar.
Verglichen worden seien aufbewahrte Urinproben von jeweils rund 250 Kindergarten-Kindern aus ganz NRW aus den Jahren 2017/18 und 2020/21. In dem Zeitraum habe sich der Anteil der Proben, die mit dem Weichmacher belastet seien, von 26 Prozent (2017/18) auf 61 Prozent (2020/21) erhöht. Die Konzentration bei hochbelasteten Kindern habe sich in etwa verzehnfacht, heißt es in der Mitteilung.

Die Ursache dafür sei völlig unklar. Die Ergebnisse hingen nicht mit den Wohnorten der Kinder zusammen, sagte eine LANUV-Sprecherin. Deutlich erhöhte Werte gebe es in ganz NRW. Vermutlich gelte das nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene – und möglicherweise auch für ganz Deutschland. Für Erwachsene lägen in Nordrhein-Westfalen allerdings keine Reihen-Urintests auf Schadstoffbelastungen vor. Man habe daher auch mit Bundesbehörden Kontakt aufgenommen.
Bei NRW-Kleinkindern untersucht das LANUV seit 2011 regelmäßig im Drei-Jahres-Rhythmus die Schadstoffbelastung durch Kontakt unter anderem mit Weichmachern etwa in Spielzeug und Kosmetika, durch Konservierungsstoffe und Pestizide. Die Analysen nimmt das Institut für Prävention und Arbeitsmedizin der Gesetzlichen Unfallversicherung an der Universität Bochum vor.
Bisher seien die Proben dabei routinemäßig nicht auf MnHexP getestet worden, weil der Weichmacher wegen seiner gesundheitsschädlichen Eigenschaften schon seit vielen Jahren stark eingeschränkt beziehungsweise verboten sei und nur noch in sehr geringen Mengen produziert werde, so die Behörde.

Anlass für die Untersuchung von Ende 2023 seien Recherchen einer Journalistin gewesen, die bei Untersuchungen erhöhte MnHexP-Belastungen in Einzelfällen festgestellt habe. Die Frau habe sich mit ihren Beobachtungen an das LANUV gewandt. Daraufhin seien die aufbewahrten Urinproben von 2017/18 und 2020/21 erneut und nun auf diesen Stoff analysiert worden.
Weichmacher sind Stoffe, die spröden Materialien zugesetzt werden, um sie biegsam oder dehnbar zu machen. Sie finden sich laut einer Mitteilung des NRW-Umweltministeriums zum Beispiel in Kunststoffen, Anstrich- und Beschichtungsmitteln, Gummi-Artikeln oder Klebstoffen. Bestimmte Weichmacher wirken störend auf das Hormonsystem des Körpers und können zum Beispiel die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen.


Aus: "Verbotener Weichmacher in Kinder-Urin entdeckt" (31.01.2024)
Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/verbotener-weichmacher-in-kinder-urin-entdeckt-100.html

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Quote[...] EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat angekündigt, ein geplantes Gesetz gegen den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zurückzuziehen. Der Gesetzentwurf sei zu einem "Symbol der Polarisierung" geworden, sagte sie vor dem Hintergrund von Bauernprotesten in mehreren europäischen Ländern. 

Die Pläne der Kommission sahen vor, den Einsatz von Pestiziden in der Union deutlich einzuschränken. Laut dem bisherigen Entwurf sollte er bis 2030 halbiert werden. Unter anderem wollte die EU-Kommission so gegen das Artensterben vorgehen. Der Vorschlag war auch abseits der Bauernproteste umstritten: Im EU-Parlament wurde das Gesetz im November abgelehnt, unter den Mitgliedsstaaten zeichnete sich ebenfalls keine Einigung ab.   

Das Thema sei dennoch nicht vom Tisch, sagte von der Leyen. Die Kommission könne nach einem Austausch mit Betroffenen wie Landwirten und Umweltorganisationen einen neuen Vorschlag vorlegen. Dieser werde "ausgereifter" sein. Es ist wahrscheinlich, dass der Entwurf erst nach den Europawahlen im Juni fertig sein wird.

Seit Wochen protestieren Bauern in mehreren Ländern gegen steigende Kosten und geringe Einkommen. Die Proteste richten sich  – wie etwa in Deutschland – gegen die Streichung von Subventionen, aber auch gegen die Umweltauflagen aus Brüssel. 

Einige Regierungen von Mitgliedsstaaten haben inzwischen Kompromisse angekündigt. So will etwa Frankreich auf geplante Steuererhöhungen auf Agrardiesel verzichten und Rinderzüchterinnen sowie Weinbauern stärker unterstützen. Zudem will Frankreich das Mercosur-Abkommen mit südamerikanischen Ländern, das den Handel mit Agrargütern liberalisieren soll, zunächst nicht unterzeichnen. Auch in Griechenland, wo sich Bauern mit den Folgen des Klimawandels alleingelassen fühlen, kündigte die Regierung Hilfsmaßnahmen an.   


Aus: "EU-Kommission will Gesetzentwurf für Pestizidschutz zurückziehen" (6. Februar 2024)
Quelle: https://www.zeit.de/politik/ausland/2024-02/eu-kommission-pestizid-landwirtschaft-bauern-proteste

QuoteJean Antoine

Die Bauern verwenden Glyphosat, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein. Die Bauern überschwemmen ihre Felder mit Gülle. Diese Unmengen verseuchen unser Grundwasser und das schädigt unsere Gesundheit. ...


QuoteShop-O-Mat

Schwieriges Thema. Klar fürt die geplante Regelung zu Einnahmeausfällen bei den Bauern. Klar ist aber auch, dass Pestizide zum Artensterben beitragen. Hm...


QuoteIlonaRagna

Ein Großteil der Menschen wohnt in Städten, bekommt die Pestizide und Insektizide also leider nicht unmittelbar mit. Wenn deren Reduzierung aufgegeben wird, beschleunigt sich das Artensterben und das Mirkobiomsrerben im Boden. Die Landwirtschaft wird so mittelfristig ertragsärmer. Warum erklärt das niemand den PolitikerInnen und LandwirtInnen so, dass sie es verstehen?


Quotebierosoph

"Landwirtschaft verursacht Pestizidcocktail im Schlafzimmer"

Forscher wiesen in Haushalten am Rande landwirtschaftlich genutzter Gebiete bis zu 23 Pflanzenschutzmittel nach. Wie gelangt umstrittene Chemie in die eigenen vier Wände?'


Verena Kainrath (20. September 2021): ... Dass ein Teil der Spritzmittel im Zuge der Abdrift und Verdunstung übers Ziel hinausschießt, sei jedem hier klar, sagt der Steirer, dessen Haus an die Plantagen angrenzt. "Mit einem eigenen Garten tut man sich in Puch sicher nichts Gutes." Das Ausmaß der Kontamination mit Pflanzenschutzmitteln im Inneren seiner Wohnräume habe ihn dennoch schockiert. ...
https://www.derstandard.de/story/2000129796886/landwirtschaft-verursacht-pestizidcocktail-im-schlafzimmer

Ob das auch gegen Hausmilben wirkt?


QuoteAnidni

Ein ganz fataler Schritt für den Artenschutz. Und damit auch für unsere Spezies. Es ist zum K. : (


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Quote[...] Der Agrar- und Pharmakonzern Bayer hat in den USA im Zusammenhang mit einem Prozess um einen Unkrautvernichter vor einem Berufungsgericht verloren. Das elfte Berufungsgericht entschied, dass das Leverkusener Unternehmen nicht vor Klagen wegen des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup geschützt ist. Das Gericht aus Atlanta lehnte es ab, die Klage eines Arztes aus Georgia abzuweisen, der behauptet, Roundup habe bei ihm Krebs verursacht.

Die Entscheidung ist der jüngste Rückschlag bei den Bemühungen des Unternehmens, Tausende ähnlicher Klagen abzuwehren, die möglicherweise Schadenersatz in Milliardenhöhe bedeuten. Mehrere andere Berufungsgerichte waren zuvor in ähnlichen Verfahren zu demselben Ergebnis gekommen.

Bayer hatte gehofft, dass sich der Bundesberufungsgerichtshof in dieser Frage von den anderen Gerichten absetzen würde. Damit wäre es wahrscheinlicher, dass der Oberste Gerichtshof der USA die Frage durch ein US-weit geltendes Urteil klärt. Ein für den Konzern positives Urteil des Obersten Gerichtshofs könnte Bayers Haftung im Zusammenhang mit dem Produkt Roundup begrenzen, so die Hoffnung der Konzernführung.

Glyphosat hatte der Konzern Monsanto entwickelt. Weltweit beklagen Nutzer von Glyphosat-Produkten Gesundheitsschäden. Die Gerichtsverfahren hatte sich der Konzern ins Haus geholt, als er Monsanto übernahm.

Bayer hatte die Vorwürfe wegen des Herbizids stets zurückgewiesen. Auch stuften Behörden weltweit das Mittel als nicht krebserregend ein. Die Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO hingegen bewertete den Wirkstoff 2015 als "wahrscheinlich krebserregend". Die EU-Kommission hält Glyphosat für unbedenklich.


Aus: "Bayer unterliegt wegen Glyphosat vor US-Berufungsgericht" (6. Februar 2024)
Quelle: https://www.zeit.de/wirtschaft/unternehmen/2024-02/glyphosat-bayer-usa-gerichtsverfahren-niederlage

QuoteScorpio11

Das Wichtigste an der Entscheidung Glyphosat zu übernehmen war doch, dass die völlig verarmten Spitzenmanager des Bayer-Konzerns superfette Boni erhielten. Was danach auch immer kommen mag: Die Bosse haben für ihr Leben ausgesorgt, die Forderungen aus verlorenen Gerichtsverfahren müssen die Share-Holder leisten...und die Mitarbeiter in Form von Stellenabbau.


QuoteDer karierte Fagott Korowjew

Zum Glück ist Roundup in Europa überhaupt nicht giftig. Oder gibt es einen anderen Grund das verantwortlichen Politiker so entschieden haben?


QuoteTomTombw

Wir Europäer sind halt wesentlich robuster als die verweichlichten Amerikaner, uns kann das Gift nichts anhaben.


QuoteArminSchimmerFan

Glyphosat zu verteufeln ist etwa so wie Dachdeckern den Hammer madig zu machen weil man sich damit verletzen könnte.

Bodenschonende Unkrautvernichtung ist extrem wichtig, ohne Handarbeit bekommt man das nur mit glyphosat hin. Bei den Prozessen geht es um Anwender von roundup im eigenen Garten oder Galabau... also um Arbeitsschutz oder Mangel davon.


QuotePeerPfeiffer

Tja, und hier läuft es erstmal 10 Jahre weiter. Mich persönlich interessiert weniger das Krebsrisiko der Konsumenten von mit Glyphosat behandelten Pflanzen, sondern das dadurch verursachte Artensterben, was in der gleichen Liga spielt für die Zukunft der ganzen Menschheit wie der Klimawandel.

Dass man sich nur am Krebsrisiko stört und nicht an den Folgen für die Artenvielfalt hierzulande, zeigt, dass man überhaupt nichts verstanden hat von den Problemen, vor denen wir als gesamte Art stehen.


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Quote[...] Die Tesla-Fabrik in Brandenburg soll laut Angaben des Wasserverbands Straußberg-Erkner (WSE) die zulässigen Grenzwerte für wassergefährdende Stoffe verletzt haben. Messwerte sollen demnach belegen, dass Tesla seit rund zwei Jahren ständig und erheblich zu viel Phosphor und Gesamtstickstoff ins Abwassersystem einleite - um bis zu einem Sechsfachen. Das geht aus einem Schreiben des WSE hervor, das dem "Stern" und RTL exklusiv vorliegt.

Der WSE hat seine Mitglieder für Freitag zu einer außerordentlichen Sitzung eingeladen. In dem Brief an die Bürgermeister der Region dringt der Wasserverband darauf, Tesla bis auf Weiteres die Abwasserleitung zuzudrehen. Das könnte für die Fabrik einen Produktionsstopp bedeuten.

Tesla bestritt die erhöhten Messwerte auf Anfrage nicht. Eine Sprecherin schrieb, die Fabrik verfüge über eine Abwasseraufbereitungsanlage. Im Wesentlichen leite der Konzern noch Abwasser der sanitären Anlagen und Küchen in das kommunale Netz ein. Durch dieses ergebe sich "keine negative Auswirkung" auf die Kläranlage. Auch die Berliner Wasserbetriebe teilten auf Nachfrage mit, die erhöhten Phosphor- und Stickstoffwerte hätten "keinen Einfluss auf die Berliner Trinkwasserqualität". Der Wasserwissenschaftler Martin Pusch vom Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin warnte dagegen, die hohe Konzentration von Gefahrenstoffen im Abwasser könnte die Trinkwasserversorgung von Berlin gefährden, sollten diese in die Berliner Gewässer gelangen. Ein Teil des im Klärwerk gereinigten Wassers fließt im Sommer in den Müggelsee. Aus dem Uferfiltrat des Sees zieht eines der größten Wasserwerke Berlins sein Wasser.

Steffen Schorcht von der Bürgerinitiative Grünheide sagte, er sei "geschockt" über den erneuten Verstoß von Tesla gegen Umweltauflagen. Es sei nicht verwunderlich, dass der Protest gegen Tesla weiter ansteige, so Schorcht. Bei einer Bürgerbefragung hatten sich zuletzt zwei Drittel der Einwohner von Grünheide gegen einen Ausbau der Tesla-Fabrik ausgesprochen.

Quelle: ntv.de, lme


Aus: "Tesla-Fabrik überschreitet Schadstoff-Grenzwerte deutlich" (27.02.2024)
Quelle: https://www.n-tv.de/wirtschaft/Tesla-Fabrik-ueberschreitet-Schadstoff-Grenzwerte-deutlich-article24765547.html

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Quote[...] Ein neuer Bericht der Vereinten Nationen (UN) warnt vor der weltweit zunehmenden Menge an Elektroschrott. Demnach entweichen aus den weggeworfenen Geräten "Schwermetalle, Kunststoffe und giftige Chemikalien". Dies sei eine "große Katastrophe" für die Umwelt, sagte der Hauptautor der Studie, Kees Baldé.

Außerdem stellt der Elektroschrott laut dem Bericht ein Gesundheitsrisiko dar – insbesondere in ärmeren Ländern, wohin der Schrott aus reicheren Ländern häufig geschickt wird.

Mit insgesamt 62 Millionen Tonnen Schrott im Jahr 2022 ist dem Bericht zufolge eine Rekordmenge an Smartphones, Fernsehern und anderen Elektrogeräten weggeworfen worden. Davon sei nur ein Viertel wiederverwertet worden.

In dem Bericht wird der Wert der im Schrott enthaltenen Metalle auf 91 Milliarden Dollar (rund 84 Milliarden Euro) geschätzt. Davon sei jedoch nur ein Drittel verwertet worden, die meisten Geräte würden verbrannt.

Seit 2010 hat sich der Elektroschrott im Jahr 2022 in etwa verdoppelt, heißt es in dem Bericht. Mit der steigenden Nachfrage an elektrischen Geräten, darunter Solaranlagen und E-Autos, werde auch die Menge des Mülls weiter wachsen.


Aus: "UN beklagen Gesundheitsrisiken durch Rekordmenge an Elektroschrott" (20. März 2024)
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2024-03/un-elektroschrott-gesundheitsrisiko-umweltzerstoerung

Quotephisad

Wäre vielleicht mal eine gute Idee, dass die Produzenten auch die Rückgabe und Wiederverwertung sicher stellen müssen. Aber das ist ja nur eine Kurzmeldung hier...


QuoteSeebergers Kalle

Recycling von Elektrogeräten ist maschinell und auch chemisch schwierig. Daher ist viel Handarbeit gefragt. Beim Lohnniveau in z.B. der EU nicht rentabel. Bleibt also nur verbrennen oder verschicken. ...


QuoteTill Varo

Freie Marktwirtschaft bedeutet: Jeder darf jeden Unsinn (mit ordentlich programmierter Obsolezenz) herstellen, verkaufen und kaufen, wie er möchte.

Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik läuft darauf hinaus, dass das Endprodukt (im doppelten Wortsinn) billig sein muss!

Wer regulieren möchte, dass ein kompletter Drucker signifikant mehr kosten sollte, als ein Set neuer Tintenpatronen, setzt sich dem Verdacht planwirtschaftlichen Stalinismus' aus.

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Quote[...] Der Ärztliche Sachverständigenbeirat beim Bundessozialministerium hat entschieden, dass Parkinson nach dem Einsatz von Pestiziden eine Berufskrankheit darstellen kann. NDR.de sprach darüber mit dem Vorsitzenden des Beirats, dem Arbeitsmediziner Prof. Thomas Kraus.

Susanne Schäfer: Herr Prof. Kraus, zwölf Jahre hat es gedauert, bis die Anerkennung als Berufskrankheit vorlag. Warum so lange?

Thomas Kraus: Wir wussten schon sehr lange, dass es Zusammenhänge zwischen einer Pestizid-Belastung im Beruf und der Parkinson-Krankheit gibt. Aber es war extrem schwierig, die wissenschaftliche Literatur aus der ganzen Welt zu bewerten, aufzuarbeiten und dann Kriterien einer Berufskrankheit für das deutsche Sozialrecht abzuleiten.

Susanne Schäfer: In Frankreich ist Parkinson ja schon seit 2012 als Berufskrankheit anerkannt. Auch Italien war schneller. Haben die mehr in Forschung investiert, oder warum ging das dort schneller?

Thomas Kraus: Da sind Berufskrankheiten zum Teil anders definiert, und das geht dann einfacher. Wir haben in Deutschland hohe sozialrechtliche Hürden. Und im Ärztlichen Sachverständigenbeirat arbeiten wir alle ehrenamtlich. Wir haben selber gesehen, dass es zu langsam voran ging. Deshalb wurde das Gesetz jetzt auch geändert und wir haben eine wissenschaftliche Geschäftsstelle. Wir hoffen, dass wir dadurch bei künftigen Entscheidungen zur Anerkennung von Berufskrankheiten schneller sind.

Susanne Schäfer: Bei Pestiziden denkt man sofort an Glyphosat, dessen Zulassung in Europa trotz vieler Proteste gerade erst verlängert wurde. Hinter Glyphosat und anderen Pestiziden stecken große Herstellerfirmen. Haben diese Firmen oder deren Lobbyisten versucht, eine Entscheidung zu verhindern?

Thomas Kraus: Nein, da gab es keinerlei Einflussnahme der Hersteller.

Susanne Schäfer: Jetzt haben Sie Risikogruppen definiert. Wer ist denn besonders gefährdet?

Thomas Kraus: Landwirte, Winzer und andere Anwender von Pestiziden. Und da sind Herbizide, Fungizide und Insektizide eingeschlossen.  Wenn man bei einem dieser Pestizide mindestens 100 Anwendungstage im Berufsleben hatte, dann ist das Kriterium einer Berufskrankheit bei einer gesicherten Diagnose Parkinson erfüllt.

Susanne Schäfer: Was hat Sie am Ende überzeugt, so dass sie sicher sagen können, Pestizide können Parkinson verursachen?

Thomas Kraus: Letztlich die Vielzahl an Studien aus der ganzen Welt – etwa aus Frankreich oder den USA. Da gab es Studien mit einer guten Datenqualität, auch über die Dosis-Wirkungs-Beziehung.

Susanne Schäfer: Was ändert sich für Betroffene, durch die Anerkennung als Berufskrankheit?

Thomas Kraus: Wenn ein Betroffener eine Berufskrankheit anerkannt bekommt, dann wird auch geprüft, inwiefern eine Minderung der Erwerbsfähigkeit vorliegt. Diese Minderung der Erwerbsfähigkeit wird dann in Prozentzahlen angegeben, und dafür gibt es eine finanzielle Entschädigung. Die Zahlung orientiert sich am letzten Jahresbruttoverdienst des Beschäftigten. Und es gibt weitere Leistungen der Unfallversicherung, die sind besser als die normalen Leistungen der Krankenversicherung, wo es immer nur um das Notwendige geht.

Susanne Schäfer: Es gibt ja inzwischen deutlichere Warnhinweise, Arbeitsschutzkleidung und -ausrüstung für den Umgang mit Pestiziden - ganz anders, als in der Vergangheit. Reicht das jetzt aus?

Thomas Kraus: Die Warnhinweise und Verfahrensregeln fürs Spritzen und Anmischen der Pestizide reichen schon aus. Wichtig wäre, dass sie angewendet würden. Oft fehlt das Bewusstsein für die Gefahr, und die Unterweisungen sind mangelhaft. Da könnte die Anerkennung als Berufskrankheit helfen. Eine neue Berufskrankheit schärft oft das Bewusstsein und bringt einen Schub für die Prävention. Das erhoffe ich mir jetzt auch für Parkinson und den Umgang mit Pestiziden.

Susanne Schäfer: Sind die aktuellen Vorschriften denn auch praxistauglich und werden sie kontrolliert?

Thomas Kraus: Vor 30, 40 Jahre war das Gefahrenbewusstsein noch nicht so ausgeprägt. Aber es gibt auch heute noch Defizite. Gerade in kleinen und mittelgroßen Betrieben ist noch viel Nachholbedarf. Und auch bei den Kontrollen sehe ich Defizite.

Susanne Schäfer: Was ist Ihre Botschaft für junge Landwirte, Gärtner und Winzer, die heute Pestizide nutzen? Müssen die Angst haben, in Zukunft an Parkinson zu erkranken?

Thomas Kraus: Ich finde es aus ökologischer Sicht sinnvoll, so wenige Pestizide wie möglich einzusetzen in der Landwirtschaft. Wenn man sie einsetzt, ist es wichtig, dass man sich persönlich schützt, um das Erkrankungsrisiko so gering wie möglich zu halten. Und da geht es vor allem um den Kontakt über die Haut und Atemwege. Wir können sagen: Je weniger ein Landwirt spritzt, desto niedriger ist das Risiko. Und wenn er Pestizide nicht meiden kann, dann muss er sich und seine Beschäftigten gut schützen.



Aus: "Berufserkrankung bei Landwirten: Pestizide verursachen Parkinson" (17.04.2024)
Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/Berufskrankheit-bei-Landwirten-Pestizide-verursachen-Parkinson,parkinson198.html

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Quote[...]  In der dramatischen Frühjahrsflut droht südöstlich des Ural eine weitere, eine unsichtbare Gefahr - im Gebiet Kurgan, etwa 1.700 Kilometer östlich von Moskau. Atomphysiker Andrej Oscharowskij von der NGO "Sozial-Ökologische Union" schaut besorgt auf frei zugängliche Flutaufnahmen aus der Region.

"Ich habe mit Einheimischen gesprochen. Die sagen, dass das Wasser dort ungefähr eineinhalb Meter hoch steht", erzählt er. Satellitenbilder würden das bestätigen. Gemeint sei nicht das Dorf auf den Aufnahmen - das liege auf einem Hügel. Oscharowskij deutet auf das umliegende Tiefland. "Dort befinden sich Brunnen. Brunnen eines Testbergbaus, der zu Sowjetzeiten irgendwann Mitte der 1980er Jahre angelegt wurde."

 Oscharowskij meint damit Bohrungen für den unterirdischen Uran-Abbau. Hunderte dieser Bohrungen gibt es im Gebiet Kurgan. Viele wurden versiegelt, andere aber rotten und rosten vor sich hin. Sie sind nun teilweise überflutet.

Die besondere Gefahr liegt in einer Abbaumethode des Urans, die man vielleicht äußerst wohlwollend als extrem kurzsichtig bezeichnen könnte. "Anstatt das Uran-Erz aus einer Tiefe von 400 Metern zu fördern und dann das Uran chemisch zu extrahieren, wurde dieser zweite Teil in den Untergrund verlagert", erklärt Oscharowskij. Das sei billiger gewesen, aber auch viel gefährlicher für die Umwelt. "Unterirdische Bohrungsauslaugung heißt das." Verdünnte Schwefelsäure werde ins Erz gepumpt, die Säure löse dort alles auf und wandle Uran in eine lösliche Form.

 "Die Idee ist zwar nicht, einen unterirdischen See aus Uran-Lösung zu produzieren, sondern diese Uran-Lösung dann hochzupumpen und das Uran herauszufiltern", sagt der Atomphysiker. Reste des giftigen, strahlenden Schlamms blieben unter Tage - im besten Fall.

"Vor ein paar Jahren habe ich diese alten Bohrlöcher untersucht, die laut Berichten stillgelegt wurden", sagt Experte Oscharowskij. Auch an einem absolut trockenen Tag würde Wasser heraussickern - und eben nicht nur das. "Denn es kam ja aus einem einstigen Testbergbau, in dem Uran mit Säure gelöst wurde. Und mit meinen Messgeräten fand ich Stellen mit Verseuchungen rund um jedes Bohrloch, das ich dort finden konnte."

Der jetzt über die Ufer getretene Fluss Tobol, der auch Bohrlöcher überflutete, ist auch eine Trinkwasserquelle für die 100 Kilometer entfernte Großstadt Kurgan mit ihren gut 300.000 Einwohnern. Und die Uran-Salze sind nicht nur hochgiftig, sondern auch radioaktiv, warnt Oscharowskij: "Jetzt sind diese Tieflandfelder, in denen in den 1980er-Jahren Uran abgebaut wurde, überflutet. Unweigerlich gelangt Uran in den Fluss." Zwar würde dadurch das Uran erheblich verdünnt werden, gelange aber trotzdem ins Trinkwasser.

 "Es gibt die sogenannte Kollektivdosis, wenn eine große Anzahl von Menschen quasi kleinen Mengen radioaktiver Belastung ausgesetzt wird", erklärt der Experte. Einige von ihnen, die Uran mit dem Trinkwasser aufnähmen, seien dann innerer Strahlung ausgesetzt, die viel gefährlicher sei als äußerliche Strahlung. "Niemand sagt, dass jeder, der Wasser mit einer niedrigen Uran-Konzentration trinkt, krank wird und stirbt. Aber wenn 10.000 Menschen dieses Wasser trinken, dann können mehrere Dutzend von ihnen gesundheitliche Probleme bekommen."

Umweltschützer warnten in der Vergangenheit immer wieder vor dem Uran-Abbau und seinen Folgen. Die russische Atomenergieagentur Rosatom wies das bereits zurück als "Radiophobie" - also Strahlenfeindlichkeit - gepaart mit Unwissen. Und ihre neuen Uran-Abbauanlagen? Die lägen alle oberhalb des Hochwasserpegels.


Aus: "Fluten spülen radioaktive Stoffe aus stillgelegten Minen" Frank Aischmann, ARD Moskau (24.04.2024)
Quelle: https://www.tagesschau.de/ausland/europa/russland-ural-ueberschwemmungen-verseuchung-100.html


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Quote[...] Im Atommülllager Asse II bei Wolfenbüttel in Niedersachsen nimmt das seit langem einsickernde Salzwasser seit Anfang dieses Jahres neue Wege. Die Gründe für den veränderten Salzwasserzutritt sind bisher unklar, schreibt die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Sie arbeite intensiv daran, die Ursachen zu ermitteln.

Seitdem sich im April dieses Jahres der Wasserzufluss in tieferen Lagen verstärkt hat, sehen Fachleute und Politiker Pläne in Gefahr, den in dem ehemaligen Salzbergwerk gelagerten Atommüll und andere dort deponierte Giftstoffe zurückzuholen. Bundesumweltministerin Steffi Lemke äußerte vorige Woche ihre Besorgnis.

In der instabilen Schachtanlage liegen in 13 Kammern 125.787 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen, die dort von 1967 bis 1978 eingelagert worden waren. Außerdem lagern dort nicht mehr zugelassene Pestizide. "Weder die Geologie der Asse, noch das Bergwerk selbst eignen sich für die Lagerung radioaktiver Abfälle", beschreibt die BGE die grundsätzliche Lage. In dem instabilen Bergwerk bilden sich Risse, durch die salzhaltiges Wasser eintritt. Dieses wird aufgefangen und entsorgt, damit es nicht in Kontakt mit den radioaktiven Abfällen kommt.

Fließwege des zutretenden Salzwassers können sich verschieben oder das Auffangsystem an der Hauptauffangstelle verändert werden. Langfristig kann laut BGE nicht ausgeschlossen werden, dass durch den Wassereintritt radioaktive Stoffe freigesetzt werden. "Aktuell besteht keine Gefahr, weder für die Böden noch für das Grundwasser", erläuterte Clemens Walther vom Institut für Radioökologie und Strahlenschutz der Leibniz Universität Hannover der FAZ in einem Interview. "Die Asse II liegt so tief, dass sie keinen Kontakt zu irgendwelchen Grundwasserleitern im Erdreich hat. Sollte die Asse II irgendwann vollständig mit Wasser geflutet werden, könnten die oberen Bereiche mit dem Grundwasser in Kontakt kommen."

Es sei aber nicht der Fall, dass die Asse jetzt gleich "absaufen" würde, wie zum Teil zu lesen sei, sagte Walther weiter. Asse II hatte 3,6 Millionen Kubikmeter an Hohlräumen, die heute zum Teil mit Fässern und auch mit Salzgrus gefüllt sind. 12 Kubikmeter, die täglich an Wasser zulaufen, seien eher gering. In Bergwerken im Kristallingestein dringe diese Menge pro Minute ein.

Von den 12 Kubikmetern lässt sich etwa die Hälfte nicht mehr aufhalten und verschwindet durch eine inzwischen undicht gewordene Folie, die das Wasser auffangen soll, zitiert die Frankfurter Rundschau BGE-Chefin Iris Graffunder. Es sei nicht vollkommen planbar, wie sich der Berg entwickelt. "Durch diese starke Veränderung des Wasserzutritts sind wir alarmiert", sagte Graffunder der Braunschweiger Zeitung.

Ein Teil der Notallpläne ist, das Bergwerk gegenzufluten, wenn der Lösungszutritt so stark zunimmt, dass er technisch nicht mehr beherrschbar ist. Dies sei derzeit nicht der Fall, erläutert die BGE. Die Atomkraft-Gegner der Initiative "ausgestrahlt" kritisieren, die BGE habe als Betreibergesellschaft die Asse nicht im Griff. "Statt eine absichtliche Flutung des Bergwerks vorzubereiten, muss die BGE mit aller Kraft an der Bergung des dort abgekippten Strahlenmülls arbeiten", hieß es von ihr Mitte dieses Monats. "Alles andere hätte unkalkulierbare Folgen für die Gesundheit der Bevölkerung und der Umwelt der ganzen Region."

Die Situation in der Asse II zeige, "wie weit entfernt wir davon sind, Vorgänge im tiefen Untergrund vorhersagen zu können", schreibt "ausgestrahlt" weiter. Das sollte auch für die aktuell laufende Endlager-Standortsuche und andere Atommüll-Projekte wie Schacht Konrad eine Warnung sein.

Nach bisherigen Plänen sollen die tausenden Atommüllfässer ab 2033 zurückgeholt werden. Allein die Vorbereitungsarbeiten dafür sollen 4,7 Milliarden Euro kosten. Die Abfälle sollen über ein neues Rückholbergwerk geborgen, in einer Abfallbehandlungsanlage behandelt und sicher verpackt werden, bevor sie in ein Zwischenlager gebracht werden können.

(anw)


Aus: "Atommülllager Asse II: Veränderter Wasserzufluss sorgt Experten" Andreas Wilkens (27.05.2024)
Quelle: https://www.heise.de/news/Atommuelllager-Asse-II-Veraenderter-Wasserzufluss-sorgt-Experten-9733003.html

QuoteBraunbär
27.05.2024 11:15

Die Kosten für die Sanierung der Asse zahlt... *trommelwirbel*...
... der Bund, also der Steuerzahler.

Sind ja "nur" 4 Milliarden. Naja, am Ende eher deutlich mehr.
Soviel zum Thema "günstiger Atomstrom" :/


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Quote[...] Im Norden Alaskas haben sich in den vergangenen Jahren Dutzende Flüsse von kristallklaren zu trüb-orangenen Gewässern gewandelt. Eine mögliche Erklärung für dieses Phänomen liefern Fachleute um Jonathan O'Donnell vom National Park Service in Anchorage nun im Fachmagazin "Communications Earth & Environment". Demnach führt die fortschreitende Klimaerwärmung zum Auftauen von Permafrostböden. In der Folge würden Eisen und giftigen Metalle freigesetzt und gelangen in die Flüsse. Vor allem das Eisen sei für das Orange verantwortlich. "Auftauender Permafrost kann die chemische Verwitterung von Mineralien, die mikrobielle Reduktion von Eisen im Boden und den Grundwassertransport von Metallen in Flüsse beschleunigen", schreibt das Team.

Die Forschenden werteten Beobachtungen von Wissenschaftlern, Piloten, Naturführern, Erholungssuchenden sowie der Land- und der indigenen Bevölkerung aus. Insgesamt identifizierten sie so 75 betroffene Flüsse entlang der sogenannten Brookskette, einem Gebirge im Norden Alaskas, das sich über 1100 Kilometer von West nach Ost des US-Bundesstaates zieht. So gut wie alle der betroffenen Flüsse seien dabei in sehr abgelegenen Gegenden gewesen, Dutzende bis Hunderte Kilometer beispielsweise von Minen entfernt, schreiben die Forschenden.

 O'Donnell zufolge waren die Verfärbungen erstmals 2018 aufgefallen, doch bereits zehn Jahre zuvor war das Phänomen auf Satellitenbildern zu sehen. "Das Problem breitet sich im Laufe der Zeit langsam von kleinen Quellgebieten auf größere Flüsse aus", sagte O'Donnell laut einer Mitteilung. "Da sich das Klima weiter erwärmt, ist damit zu rechnen, dass der Permafrostboden weiter auftaut. Überall dort, wo diese Arten von Mineralien vorkommen, besteht also die Gefahr, dass sich die Flüsse orange färben und sich die Wasserqualität verschlechtert."

"Es gibt bestimmte Stellen, die fast wie ein milchiger Orangensaft aussehen. Diese orangefarbenen Ströme können problematisch sein, da sie nicht nur giftig sind, sondern auch die Wanderung der Fische zu den Laichgebieten verhindern können", erklärt O'Donnell.

Das Team untersuchte Proben mehrerer Expeditionen im Labor. Dabei stellten die Fachleute fest, dass der pH-Wert orangefarbener Flüsse zum Teil deutlich niedriger ist als von Gewässern, die nicht von der Verfärbung betroffen sind. "Das bedeutet, dass die Sulfidminerale verwittern, was zu stark sauren und korrosiven Bedingungen führt, die weitere Metalle freisetzen. Es wurden erhöhte oder hohe Werte von Eisen, Zink, Nickel, Kupfer und Cadmium gemessen", heißt es in einer Mitteilung der University of California, Davis. Bestimmte Metalle könnten direkt von Tieren wie Fischen aufgenommen werden, andere eventuell über die Nahrungskette.

Die Verfärbung sei verbunden mit einem dramatischen Rückgang der Vielfalt großer wirbelloser Tiere und des Fischbestandes, schreiben die Forscher und Forscherinnen. So sei an einer Messstelle im Kobuk-Valley-Nationalpark ein erheblicher Rückgang der Artenvielfalt beobachtet worden, nachdem sich ein Hauptzufluss des Akillik River orange gefärbt hatte. Demnach seien Dolly-Varden-Forellen (Salvelinus malma) und bestimmte Groppen (Cottus cognatus) komplett verschwunden, nach dem der pH-Wert plötzlich gefallen war. Neben den Gefahren für Umwelt und Tierwelt sehen die Experten auch das Risiko, dass die Kontaminationen das Trinkwasser verunreinigen.

Quelle: ntv.de, Valentin Frimmer, dpa


Aus: "Flüsse in Alaska färben sich trüb-orange" (27.05.2024)
Quelle: https://www.n-tv.de/wissen/Fluesse-in-Alaska-faerben-sich-trueb-orange-article24968962.html


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Quote[...] Resistente Bakterien finden in Krankenhäusern oft ideale Bedingungen vor: viele abwehrgeschwächte Menschen auf engem Raum, die sie leicht infizieren und dabei Resistenzgene mit anderen Keimen austauschen können. Resistenzen breiten sich aber nicht nur in Krankenhäusern aus, sondern gelangen über die Klinikabwässer und Klärwerke auch in die umliegenden Flüsse.

Mehr als 35.000 Menschen sterben jedes Jahr in Europa an den Folgen einer Infektion mit antibiotikaresistenten Bakterien. Das entspricht etwa der Einwohnerzahl von Feldkirch in Vorarlberg. Diese alarmierende Zahl ist unter anderem auf den übermäßigen Antibiotika-Einsatz in Medizin und Landwirtschaft zurückzuführen, der eine Resistenzentwicklung begünstigt.

"Man sieht in der Umwelt, hauptsächlich in Gewässern, dass klinisch relevante Resistenzen in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen haben", sagt Alexander Kirschner, Leiter der Arbeitsgruppe Wassermikrobiologie an der Medizinischen Universität Wien (Med-Uni Wien) und Forscher an der Karl-Landsteiner-Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften Krems (KL Krems). "Diese Gewässer sind dann wieder Ressourcen, etwa für Trinkwasser, zum Baden und Schwimmen oder zum Bewässern von landwirtschaftlichen Flächen." Über diese Wege könnten resistente Bakterien dann allerdings erneut zurück in den Menschen gelangen und ihn krank machen, möglicherweise mit neu erworbenen Fähigkeiten, die sie im Krankenhaus noch nicht hatten.

Wie stark Gewässer von resistenten Bakterien betroffen sind, lässt sich an vielen Stellen aussagekräftiger aus Biofilmen ablesen als aus Gewässerproben. Zu diesem Schluss kamen Forscher um Kirschner und Andreas Farnleitner, Leiter des Interuniversitären Kooperationszentrums Wasser und Gesundheit (ICC) – einer Kooperation von TU Wien, Med-Uni Wien und KL Krems, die mit Mitteln des Wissenschaftsministeriums etabliert wurde. Gefördert wurde die Studie von der Gesellschaft für Forschungsförderung Niederösterreich.

Biofilme sind Schleimschichten auf festen Oberflächen, die Bakterien zum Schutz vor ungünstigen Umweltbedrohungen bilden. Im Krankenhaus schirmen sie sich damit auf medizinischen Geräten und im Körperinneren ab. In Gewässern schützen Biofilme sie auf Steinen und Pflanzen.

Die Wissenschafter verglichen Proben des Fäkalkeims Escherichia coli (E. coli) von Krankenhauspatienten mit E.-coli-Proben aus der Donau – in Flusswasser- und Fluss-Biofilmproben – auf Resistenzen. "E. coli ist ein sehr gut geeigneter Modellorganismus: Er ist als Haupterreger von Harnwegsinfekten weitverbreitet, besiedelt oft undichte Harnkatheter von Klinikpatientinnen und -patienten, dient in Gewässern als Indikator für Fäkalbelastungen und wird von der Weltgesundheitsorganisation als Anzeiger für Antibiotikaresistenz empfohlen", erklärt Farnleitner.

Die Resistenzraten in den Fluss-Biofilmproben waren deutlich höher als in den reinen Wasserproben. Zwei der Biofilmproben enthielten sogar sogenannte ESBL-Bakterien. Diese Keime sind gegen ein großes Spektrum von verschiedenen Beta-Lactamase-Antibiotika – wie etwa Penicilline, Cephalosporine und Monobactame – resistent. ESBL steht für Extended Spectrum Beta-Lactamasen, das sind Enzyme, mit denen die Bakterien Antibiotikamoleküle spalten und dadurch unschädlich machen können.

Darüber hinaus spürten die Forscher in den Fluss-Biofilmproben sogar ein multiresistentes E.-coli-Bakterium auf, das gegen das Reserveantibiotikum Tigecyclin resistent war und bei den Patientenproben nicht gefunden wurde. Die oft neueren Antibiotika heißen Reserveantibiotika, weil sie in Reserve gehalten und erst als letzte Wahl verabreicht werden: entweder damit gegen sie nicht so schnell Resistenzen entstehen, oder weil ihre gute Wirksamkeit mit stärkeren Nebenwirkungen gepaart ist, die man nach Möglichkeit vermeiden will. Bisher aber, so schreiben die Forscher im International Journal of Hygiene and Environmental Health, seien Resistenzen gegen Reserveantibiotika relativ selten in Österreich.

In einer zweiten großen Studie, die vom Österreichischen Wissenschaftsfonds gefördert wurde, untersuchten Kirschner und Farnleitner gemeinsam mit Kooperationspartnern Wasserproben entlang den gesamten 2311 Kilometer der Donau, inklusive zahlreicher Zuflüsse. Eine solche internationale Untersuchung namens "Joint Danube Survey" führen die Anrainerstaaten alle sechs Jahre durch. In früheren Untersuchungen untersuchten die Forscher hauptsächlich die Fäkalbelastung des zweitgrößten europäischen Flusses, aus welchen Quellen diese stammt und welche Bedeutung sie für die Trink- und Badewasserqualität hat.

"Inzwischen beschäftigen wir uns auch verstärkt mit Antibiotikaresistenzen in der gesamten Donau", sagt der Mikrobiologe. Schließlich beinhalten Fäkaleinträge auch Bakterien. Bei der letzten Befahrung suchten die Wissenschafter deshalb an 36 Messstellen nach klinisch wichtigen Resistenzgenen, die gegen fünf Antibiotikaklassen Schutz bieten. An insgesamt zehn Messstationen in Serbien, Ungarn und Österreich wurde die Resistenzsituation auch zeitlich im Verlauf eines Jahres aufgezeichnet, mit sieben Probenentnahmen alle zwei Monate. Das Ergebnis: Je schlechter die Abwassersituation, desto mehr Hotspots – mehr Gene in höheren Konzentrationen – gab es.

"Die meisten Hotspots haben wir in den mittleren und unteren Donau-Anrainerstaaten gefunden. Serbien zum Beispiel ist ein Eldorado für Fäkalbakterien in der Donau, weil es keine Kläranlagen hat", sagt Kirschner. Hier sprudelte Abwasser teils direkt neben Restaurants und Discos in die Flüsse. Weitere Hotspots gab es in Bulgarien und Rumänien, wo Kanalisierung und Kläranlagenbau noch nicht alle Bereiche abdecken. Die höchsten Konzentrationen an Resistenzgenen fanden die Forscher in einem Donau-Zufluss in Budapest. Weil die Feststellung dieser enormen Konzentration ein zeitlich einmaliges Ereignis war, handelte es sich wahrscheinlich um eine illegale Einleitung, schreiben die Autoren im Fachjournal Water Research.

Diese großangelegte Vermessung von Resistenzgenen soll nun die Basislinie für künftige Trendbestimmungen sein und ermögliche gezielte Maßnahmen gegen die Resistenzverbreitung in Flüssen. (Veronika Szentpétery-Kessler, 1.7.2024)


Aus: "Resistenzen gegen Antibiotika verbreiten sich über die Donau" (1. Juli 2024)
Quelle: https://www.derstandard.at/story/3000000224350/resistenzen-gegen-antibiotika-verbreiten-sich-ueber-die-donau

https://www.derstandard.at/story/3000000209061/antibiotikaresistente-bakterien-in-mur-und-drau-quasi-heimisch

https://www.derstandard.at/story/3000000182222/sorgt-feinstaub-fuer-probleme-mit-antibiotika

https://www.derstandard.at/story/2000144529729/krebsmittelkoennte-gegen-antibiotikaresistentes-bakterium-wirken

https://www.derstandard.at/story/2000108851408/massiver-anstieg-bei-antibiotikaresistenzen-in-der-in-nutztierzucht

https://www.derstandard.at/story/3000000215111/neue-studie-zeigt-belastung-von-gewaessern-mit-ewigkeitschemikalien

https://www.derstandard.at/story/2000130322799/in-diesen-europaeischen-staedten-lebt-man-in-ungesunder-umgebung

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Quote[...]  Im Jahr 2021 exportierten deutsche Unternehmen mehr als 8.000 Tonnen hochgefährlicher Pestizide vor allem in Länder des globalen Südens – obwohl diese Chemikalien in Deutschland bereits verboten oder nicht mehr zugelassen sind. Zum Beispiel nach Kenia.
Dort werden sie an Kleinbauern verkauft, die wenig über die Auswirkungen wissen und die Mittel ohne die notwendigen Schutzmaßnahmen anwenden. Die Bundesregierung hat versprochen, einen Teil dieser Exporte zu stoppen.
Doch das Geschäft mit den Pestiziden ist ein umkämpftes Feld, es geht um viel Geld – und die größten Unternehmen sitzen in Deutschland. Wie nehmen sie Einfluss auf die Politik in Deutschland ...

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Der Einfluss der Agrochemie-Lobby
Von Paul J. Hildebrandt und Birte Mensing

Regie: Beatrix Ackers
Es sprachen: die Autorin, der Autor sowie Philipp Engelhardt, Robert Frank und Talin Lopez Wiegmann
Ton und Technik: Lukas Wilke
Redaktion: Christiane Habermalz
Produktion: Deutschlandfunk 2024

Birte Mensing ist freie Multimedia-Journalistin, lebt und arbeitet in Berlin und Nairobi.

Paul Hildebrandt, geboren 1990 in Niedersachsen, arbeitet als freier Journalist in Berlin. Seine Themen sind vor allem soziale Gerechtigkeit und Globalisierung.


Aus: "Der Einfluss der Agrochemie-Lobby: Exportschlager Gift" (09.07.2024)
Quelle: https://www.hoerspielundfeature.de/feature-exportschlager-gift-100.html

Feature - Exportschlager Gift
Der Einfluss der Agrochemie-Lobby
Autoren: Birte Mensing und Paul Hildebrandt
Redaktion: Christiane Habermalz
Produktion: Deutschlandfunk 2024
Erstsendung: Dienstag, 09.07.2024, 19.15 Uhr
https://bilder.deutschlandfunk.de/f2/da/0b/f2/f2da0bf2-8379-4661-8a02-c13ba42c9457/manuskript-exportschlager-gift-100.pdf

Text:
https://bilder.deutschlandfunk.de/27/c4/48/1b/27c4481b-f963-45f0-80fd-b90d0abc506d/textversion-exportschlager-gift-100.txt


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Quote[...] Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktiven Atommüll dürfte sich laut einem Bericht des Deutschlandfunks um Jahrzehnte verzögern. Der Sender berief sich am Mittwoch auf ein Gutachten des Freiburger Öko-Instituts. Dieses war vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung in Auftrag gegeben worden.

Demnach könnte ein Standort für ein Endlager im besten Fall in fünfzig Jahren benannt werden, hieß es. Bislang ist im Gesetz vorgesehen, eine Standortfestlegung bis 2031 zu treffen. Es ist allerdings schon länger klar, dass dieser Zeitplan nicht zu halten ist.

Derzeit lagert der hochradioaktive Müll aus den inzwischen stillgelegten deutschen Atomkraftwerken in mehr als 1000 Castor-Behältern in Zwischenlagern an verschiedenen Orten in Deutschland. Für die Standorte Ahaus und Gorleben laufen die Genehmigungen dafür dem Bericht zufolge bereits 2034 aus, für andere Lager in den 2040ern. Die Behälter seien zudem nicht für eine derart lange Nutzung in Zwischenlagern konzipiert.

Bislang hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) lediglich 90 Teilgebiete benannt, die weiter untersucht werden sollen. Sie umfassen allerdings immerhin noch etwa 54 Prozent der Gesamtfläche Deutschlands. Darunter sind 74 – oft kleinere – Salzstöcke, neun Ton- und sieben Kristallformationen. Betroffen sind alle Bundesländer, mit Ausnahme des Saarlandes. Der früher favorisierte Salzstock Gorleben wurde im Rahmen des Auswahlverfahrens als ungeeignet ausgeschlossen. (AFP)


Aus: "Gesetzlich festgelegter Zeitplan wohl nicht zu halten: Suche nach Atommüll-Endlager verzögert sich massiv" (07.08.2024)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/politik/energie-klima/gesetzlich-festgelegter-zeitplan-wohl-nicht-zu-halten-suche-nach-atommull-endlager-verzogert-sich-massiv-12157952.html

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QuoteFriederike Busch @rike_tweet

Die Stilllegung des beschädigten AKWs Hinkley Point B wird ca. 95 Jahre dauern. Was meint Ihr, was das kostet?!!
Ich weiß, ich wiederhole mich, aber: beknackteste Technologie ever!!

8:37 vorm. · 21. Sep. 2024


Quelle: https://x.com/rike_tweet/status/1837380665777549407

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Quote[...] Residents are being asked for their views on how a former nuclear power station should be safely decommissioned.

The Hinkley Point B facility, which lies on the Somerset coast north of Stogursey, ceased operations in August 2022, after cracks developed in the plant's graphite cores, creating potential safety concerns.

EDF Energy, which owns the facility, has applied to the Office for Nuclear Regulation (ONR) for formal permission to decommission the site, which could take about 95 years.

Somerset residents now have three months to voice their views.

Under the proposals, Hinkley Point B, which opened in 1976, could be decommissioned in three phases.

The first phase, which will last until 2038, includes the dismantling of all buildings and plant materials except for the site's safestore structure. This facility will be used to store and manage the residential nuclear waste from the power station.

The second phase will see "a period of relative inactivity" of up to 70 years from 2039, to allow for the radioactive materials within the safestore to safely decay, according to the Local Democracy Reporting Service.

While physical activity within the site will be minimal during this phase, the former power station will remain under close surveillance with "periodic maintenance interventions" to prevent any risk to health or national security.

The third and final phase will see the former reactor and debris vaults being dismantled and removed and any final landscaping work being completed – with EDF estimating that this will be finished by 2118.

The consultation is running until 9 December, with the ONR expected to publish its formal response in early 2025.

EDF is currently building Hinkley Point C, which has a target completion date of June 2027.

Costing about £46bn, it is expected to generate enough electricity to supply some six million homes for the next 60 years.


Aus: "Nuclear plant's decommissioning could take 95 years" Daniel Mumby (19.09.2024)
Quelle: https://www.bbc.com/news/articles/c8699v4dvexo