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[Umweltschutz | Naturschutz | Umweltgefährliche Stoffe (Ökotoxikologie) ... ]

Started by Link, July 22, 2018, 11:36:20 AM

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Quote[...] Giftgefahr nach dem Entgleisen eines Güterzuges in den USA. 50 Wagen des Zuges sprangen bei dem Zugunglück im US-Bundesstaat Ohio nach Behördenangaben aus den Gleisen. Ein Großbrand wurde ausgelöst und geringe Mengen der hochgiftigen Chemikalie Vinylchlorid wurden freigesetzt. Der Güterzug mit insgesamt 140 Wagen war demnach unterwegs in den Nachbarstaat Pennsylvania, als das Unglück am Freitagabend nahe dem Ort East Palestine passierte.

Zehn Wagen waren mit Gefahrgut beladen, darunter fünf mit Vinylchlorid, schrieb die Verkehrssicherheitsbehörde NTSB am Samstagabend (Ortszeit) im Onlinedienst Twitter.

Verletzt wurde den Behörden zufolge niemand. Sie forderten jedoch alle Bewohner in einem Umkreis von 1,6 Kilometern auf, ihre Häuser zu verlassen. Zudem wurde für die gesamte Stadt eine Schutzraumanordnung erlassen. ,,Wir können nicht genug betonen, dass wir alle bitten, sich vom Ort des Geschehens fernzuhalten", schrieb der Ortsvorsteher von East Palestine in einem auf Facebook veröffentlichten Brief.

Vinylchlorid wird vom US-Krebsinstitut als krebserregend eingestuft. Das Gas wird zur Herstellung von PVC-Kunststoffrohren verwendet, die häufig in Sanitäranlagen eingesetzt werden.

,,Wir haben nicht bestätigt, dass Vinylchlorid entwichen ist – außer durch die Druckentlastungsvorrichtungen", die in einigen Waggons installiert seien, teilte die Verkehrssicherheitsbehörde NTSB mit. Diese Vorrichtungen bauen den Druck in Tankwagen ab, um Explosionen zu verhindern.

Am Samstag waren nahe der Unfallstelle mehrere Explosionen zu hören. Feuerwehrkräfte in Schutzanzügen waren im Einsatz, um den Brand unter Kontrolle zu bringen. ,,Es ist ein aktiver Brandherd", erklärte ein NTSB-Vertreter. Eisige Temperaturen erschwerten demnach die Löscharbeiten zusätzlich.


Aus: "USA: Großbrand nach Zugunglück in Ohio – 50 Waggons entgleist" AFP/BK (05.02.2023)
Quelle: https://www.berliner-kurier.de/panorama/usa-grossbrand-nach-zugunglueck-in-ohio-50-waggons-entgleist-li.314476

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"Derailed Train in Ohio Carried Chemical Used to Make PVC, 'the Worst' of the Plastics" James Bruggers (February 8, 2023)
Scientists say PVC is trouble for people and the environment throughout its lifecycle, from manufacturing to disposal, and is almost never recycled. ... Vinyl chloride has been used to make polyvinyl chloride, used commercially to make such products as floor tiles, roofing and tents, for nearly 100 years. And there have been battles between industry and environmentalists over PVC for decades. ...
https://insideclimatenews.org/news/08022023/ohio-train-derailment-pvc-plastic/

Polyvinylchlorid (Kurzzeichen PVC) ist ein thermoplastisches Polymer, das durch Kettenpolymerisation aus dem Monomer Vinylchlorid hergestellt wird. PVC ist nach Polyethylen und Polypropylen das drittwichtigste Polymer für Kunststoffe.  ...
https://de.wikipedia.org/wiki/Polyvinylchlorid

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Quote[....] For days, authorities have been telling residents of the area around East Palestine, Ohio, that it is safe to return home after a 150-car train carrying hazardous chemicals derailed Feb. 3.

The Ohio Department of Natural Resources said the chemical spill resulting from the derailment had killed an estimated 3,500 small fish across 7½ miles of streams as of Wednesday.

And one resident of North Lima, more than 10 miles from East Palestine, told WKBN-TV of Youngstown that her five hens and rooster died suddenly Tuesday. The day before, rail operator Norfolk Southern had burned train cars carrying vinyl chloride — a flammable gas — to prevent an explosion. ...


From: "Worried residents near Ohio train derailment report dead fish and chickens as authorities say it's safe to return" Aria Bendix and David K. Li (Feb. 14, 2023, 2:04 AM CET)
Source: https://www.nbcnews.com/health/health-news/residents-ohio-train-derailment-report-dead-fish-chickens-rcna70378

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Quote[...] Für die Bewohner von East Palestine in Ohio ist es, als wäre ein Katastrophenfilm wahr geworden. Vor zwei Jahren noch hatten einige von ihnen als Komparsen an den Dreharbeiten von ,,Weißes Rauschen" teilgenommen. Der Film erzählt das Leben einer Familie nach einem Zugunglück, das giftige Gase freigesetzt hat. Vor anderthalb Wochen wurde die Geschichte für die knapp 5000 Einwohner von East Palestine dann zur Realität: Am Abend des 3. Februar entgleiste ein Güterzug der Eisenbahngesellschaft ,,Norfolk Southern" auf Höhe der Kleinstadt.

50 Waggons schoben sich ineinander, 20 von insgesamt 141 Waggons des Zugs enthielten laut der Betreibergesellschaft Gefahrstoffe wie hoch entzündliche Chemikalien. Bilder vom Unglücksort zeigen Feuer und dicke Rauchwolken, die in den Nachthimmel aufsteigen.

Inzwischen durften die zu Tausenden in Sicherheit gebrachten Einwohner von East Palestine und aus dem benachbarten Pennsylvania wieder in ihre Häuser zurückkehren. Mitte vergangener Woche gab der Gouverneur von Ohio, Mike DeWine, Entwarnung: Es bestehe keine Gefahr mehr. Doch viele in der Gegend fürchten weiter um ihre Gesundheit. Sie berichten amerikanischen Medien von auffälligen Gerüchen und Haut- und Atemwegsreizungen, in den umliegenden Flüssen schwimmen tote Fische. Unsicherheit herrscht vor allem über die Frage nach möglichen Rückständen von Chemikalien in der Gegend – auch wenn von offizieller Seite hervorgehoben wird, es bestehe keine Gesundheitsgefahr mehr.

Mehrere verunglückte Waggons enthielten Vinylchlorid, ein hoch entzündliches, farbloses und süßlich riechendes Gas, das laut der amerikanischen Behörde für giftige Substanzen Auswirkungen auf das Herz-Kreislaufsystem, die Leber und das Immunsystem haben kann. Um eine Explosion zu verhindern, hatten die Behörden die Chemikalie am 6. Februar ,,kontrolliert freigesetzt". Dabei seien ,,giftige und potentiell tödliche Stoffe" in die Luft gelangt, hieß es in der Stellungnahme des Gouverneurs. Verbrennt man Vinylchlorid, entstehen Chlorwasserstoff und Phosgen. Beide Chemikalien sind höchst gefährlich. Chlorwasserstoff kann zu schweren Verätzungen führen, Phosgen wurde im Ersten Weltkrieg als chemischer Kampfstoff eingesetzt und ist äußerst giftig.

Auf Aufnahmen von der Sprengung der Waggons in East Palestine sind lodernde Flammen sowie dicker schwarzer Qualm zu sehen – letzterer sogar auf Fotos, die Flugreisende aus hoher Höhe gemacht hatten. Proben zeigten laut Behördenangaben jedoch zwei Tage nach der herbeigeführten Explosion, dass die Luftqualität nicht mehr beeinträchtigt sei.

Auch der Bürgermeister von East Palestine, Trent Conaway, versicherte in einem Interview am Sonntag: ,,Alle Chemikalien sind jetzt abgebaut." Auch das Wassersystem des Ortes sei ,,hundert Prozent sicher". Nur private Brunnen könnten in einigen Fällen kontaminiert sein.

Doch am Beispiel der Wasserversorgung zeigt sich die mangelhafte Kommunikation der Behörden besonders eindrücklich. Drei Tage nachdem die Anwohner zurückkehren durften, schrieb die Polizei von East Palestine auf Facebook, ein Team werde bei denjenigen vorbeischauen, deren Trinkwasserbrunnen als ,,gefährdet" ausgemacht worden seien. Unmittelbar nach dem Zugunglück hatte es von der Behörde für Notfallmanagement des Gebiets noch geheißen, es sei ,,unwahrscheinlich, dass Substanzen von der Entgleisung das Grundwasser oder Brunnen in der Gegend beeinflussen". Tage später wurde dann offiziell ein Fisch- und Froschsterben in einigen Flüssen bestätigt. Man habe die Verschmutzung jedoch ,,erfolgreich kontrollieren" können.

Maura Todd, die mit ihrer Familie in East Palestine lebt, beklagte in der ,,Washington Post" jüngst die Informationspolitik: Sie habe jede Pressekonferenz verfolgt und trotzdem das Gefühl, sie wisse nichts. Wegen Kopfschmerzen, Übelkeit und dem stechenden Geruch in der Gegend wolle sie die Stadt erst einmal verlassen. Ein anderer Anwohner berichtete der Zeitung von einem Geruch ,,wie ein zu heftig gechlortes Schwimmbecken" und tränenden Augen. Einem lokalen Fernsehender sagte eine Frau, die rund 16 Kilometer vom Unglücksort entfernt wohnt, sie habe am Morgen nach der Explosion all ihre Hühner tot aufgefunden.

Rechte Politiker und Medien nutzen das Informationsvakuum rund um die Vorfälle in East Palestine, um Verschwörungstheorien zu verbreiten. Ein Journalist des Senders ,,News Nation" wurde in der vergangenen Woche kurzzeitig während einer Pressekonferenz des Gouverneurs DeWine festgenommen. Die Polizei behauptete, er habe mit seiner Live-Berichterstattung gestört und sei nach einem Hinweis darauf aggressiv geworden. Der Mann selbst wies das zurück. Nun wird der Fall untersucht.

In Ohio wie Pennsylvania haben Anwohner bereits mehrere Klagen gegen die Eisenbahngesellschaft erhoben. Sie werfen ,,Norfolk Southern" Fahrlässigkeit vor. Eine erste Untersuchung des Amts für Verkehrssicherheit ergab, dass das Unglück wahrscheinlich durch Probleme an einer Achse des Zuges verursacht wurde. Videoaufnahmen der Sicherheitskameras von Unternehmen entlang der Strecke zeigen schon rund dreißig Kilometer vor East Palestine Flammen und Funken unter einem Waggon. Nicht klar ist bislang, ob das dort vorhandene Warnsystem für eine Überhitzung nicht anschlug oder ob es zunächst ignoriert wurde. Laut dem Amt für Verkehrssicherheit gab es einen Alarm, nach dem dann eine Notbremsung eingeleitet wurde. Dieser könnte jedoch auch erst durch den Temperaturmesser in East Palestine ausgelöst worden sein. Die finalen Ergebnisse der Untersuchung werden für die nächsten Wochen erwartet.

Zur Beruhigung können die Bewohner von East Palestine von der Eisenbahngesellschaft bezahlte unabhängige Prüfer bestellen, die die Luftqualität bestimmen. Offiziell werden keine schädlichen Werte mehr gemessen, doch das Vertrauen in die Behörden ist geschwunden. Mehr als 450 Haushalte sollen sich laut ,,Washington Post" schon für die Prüfung angemeldet haben. Und auch Bürgermeister Conaway sagte am Wochenende, nicht nur die Aufräumarbeiten würden noch viel Zeit in Anspruch nehmen. Es werde auch,,sehr lange" dauern, bis East Palestine ,,mental" über dieses Unglück hinweg sei.


Aus: "Chemie-Zug in Ohio entgleist : Wie ein Realität gewordener Katastrophenfilm" Sofia Dreisbach, Washington (14.02.2023)
Quelle: https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/chemie-zug-in-ohio-entgleist-giftige-stoffe-in-die-luft-gelangt-18677143.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

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Quote[...] Nach dem Entgleisen eines mit Chemikalien beladenen Güterzugs im US-Bundesstaat Ohio wachsen die Sorgen der Anwohner vor gesundheitlichen Folgen. Der Direktor der US-Umweltbehörde Epa versuchte, die Menschen bei einem Besuch vor Ort zu beruhigen. Man unterstütze die örtlichen Behörden bei der Ermittlung der Auswirkungen des Unfalls und stelle sicher, dass es keine Auswirkungen auf die Trinkwasserversorgung gebe, sagte Michael Regan. Man teste sowohl das Wasser auch als die Luft regelmäßig auf gefährliche Schadstoffe. "Dieser Vorfall hat diese Gemeinde verständlicherweise in ihren Grundfesten erschüttert."

Rund 50 Waggons des Güterzugs, die teils mit Vinylchlorid und anderen Chemikalien beladen waren, waren am 3. Februar in der Gemeinde East Palestine im Osten von Ohio entgleist. Mehrere der Tankwagen gerieten in Brand. Eine riesige Rauchwolke stand über dem Ort nahe der Staatsgrenze zu Pennsylvania. Wegen der Explosionsgefahr wurden die Anwohner im Umkreis von einer Meile um den Unglücksort aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen. Um eine Explosion zu verhindern, entschieden zuständige Behörden vor Ort, das Vinylchlorid abzulassen.

Seit dem Unfall beklagen sich die Anwohnerinnen und Anwohner über gesundheitliche Probleme – darunter Kopfschmerzen, gereizte Augen und Ausschlag. Sie werfen den Behörden unvollständige Informationspolitik vor und fühlen sich im Stich gelassen. Auch die Eisenbahngesellschaft Norfolk Southern steht in der Kritik, einer Versammlung mit Anwohnern blieb sie fern. 

Epa-Direktor Regan sagte, dass bei der Untersuchung von 480 Häusern keine Spuren von Chemikalien wie Vinylchlorid oder Chlorwasserstoff entdeckt worden seien. "Die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung hat für uns oberste Priorität", betonte auch die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre. Die örtlichen Behörden fürchten nun, dass Regen Schadstoffe in örtliche Bäche und Flüssen spülen könnte.

Anwohner von East Palestine, die über Trinkwasserbrunnen verfügen, dürften einen Test auf Kontamination anfordern, sagte der US-Senator für Ohio, J. D. Vance. "Wir müssen wissen, wie hoch die Grundwasserkontamination ist, und private Brunnentests liefern uns diese Informationen", sagte Vance.

Zudem drohen Umweltschäden. "Vier Wasserläufe auf einer Länge von 7,5 Meilen sind kontaminiert", sagte die Direktorin des Ohio Department of Natural Resources, Mary Mertz, bereits am Dienstag laut einem CNN-Bericht auf einer Pressekonferenz. "Wir haben auf der Grundlage unserer Probenahme und Modellierung etwa 3.500 tote Fische in diesem Gebiet, in diesen Bächen, Nebenflüssen und Wasserstraßen geschätzt", sagte Mertz weiter. Keine der zwölf betroffenen Arten sei gefährdet oder bedroht, aber es sei trotzdem ein Verlust für die Tierwelt. 

Gleichzeitig versuchte die Katastrophenschutzbehörde des Bundesstaates, die Anwohner zu besänftigen. Es könnten zwar Gerüche wahrgenommen werden. Das liege aber daran, dass einige der freigesetzten Schadstoffe eine niedrige Geruchsschwelle hätten. Diese Schadstoffe könnten also in einer Konzentration gerochen werden, die weit unter dem als gefährlich geltenden Wert liege.


Aus: "Chemikalienunfall verunsichert Gemeinde in Ohio" (17. Februar 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2023-02/ohio-zug-entgleisung-chemikalien-vinylchlorid

QuoteSensibler Zwiebelhackbraten #3

""Die Gesundheit und Sicherheit der Bevölkerung hat für uns oberste Priorität", betonte auch die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre."

Dazu haben viele betroffene Menschen offenbar eine ganz andere Meinung.


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Quote[...] Es war einer der größte Einsätze der Kieler Feuerwehren seit Jahrzehnten: 2009 brannte eine Abfüllanlage für Paraffin am Ufer des Nord-Ostsee-Kanals, mehrere Tanks waren explodiert. Das Feuer wurde gelöscht, doch der Löschschaum, der damals eingesetzt worden ist, war wohl giftig: Das zeigen Bodenproben, die ein Panorama-Reporter unlängst an der Stelle des Brandes genommen hat. Das Ergebnis der Labor-Analyse des Fraunhofer-Instituts: Der Boden könnte mit PFAS verseucht sein, auch noch knapp 14 Jahre nach dem Brand. Die Chemikalien steckten offenbar im Löschschaum. Weitere Testungen sind wohl notwendig.

Bei den sogenannten PFAS, per- und polyflourierte Chemikalien, handelt es sich eine Gruppe von mehr als 10.000 künstlich hergestellten Stoffen. PFAS sind wasser-, fett- und schmutzabweisend und werden fast überall eingesetzt: Nicht nur in Löschschaum, sondern auch in Regenjacken und beschichteten Pfannen, in Kettenfett, Zahnseide, Burgerpapier, Kosmetik oder Ski-Wachs. Die Stoffe kommen in der Natur nicht vor und können weder durch Wasser, noch durch Licht oder Bakterien zeitnah abgebaut werden.

Das heißt: Je mehr PFAS produziert werden und in die Umwelt gelangen, desto mehr reichern sie sich an, und könnten Tiere und Menschen krank machen. Es wird verdächtigt, Krebs zu verursachen, unfruchtbar zu machen und das Immunsystem zu schwächen. Und wenn es einmal in die Umwelt gelangt, dann bleibt es dort. Für sehr lange Zeit.

Bislang wird in der Öffentlichkeit vor allem über einige wenige PFAS-Hotspots diskutiert. Über Felder in Rastatt in Baden-Württemberg etwa, auf denen mutmaßlich belasteter Papierschlamm verteilt wurde. Oder über den Düsseldorfer Flughafen, wo bei einem Großbrand PFAS-haltiger Löschschaum in Boden und Grundwasser floss.

Nun haben Panorama-Reporterinnen und Reporter gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen von WDR und "Süddeutscher Zeitung" erstmals für Deutschland mehr als 1.500 mit PFAS verschmutzte Orte gefunden, darunter mehr als 300 Hotspots. Und mit 18 europäischen Partnermedien haben sie im "Forever Pollution Project" in ganz Europa mehr als 17.000 Orte mit relevanter PFAS-Verschmutzung lokalisiert, darunter gut 2.000 Hotspots mit erheblichen Gefahren für die menschliche Gesundheit.


The Forever Pollution Project Journalists tracking PFAS across Europe
More than 17 000 sites all over Europe are contaminated by the "forever chemicals" PFAS, an exclusive, months-long investigation from 18 European newsrooms shows. The investigation "The Forever Pollution Project" reveals an additional 21 000 presumptive contamination sites due to current or past industrial activity. The contamination revealed by this project spreads all over Europe....
https://foreverpollution.eu/

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Bündnis 90 / Die Grünen) nennt den Umfang der Schadensfälle im Interview mit Panorama "erschreckend" - auch, weil eine Sanierung bei PFAS "fast nicht möglich" sei. "Und deshalb ist das ein so großes Problem und deshalb müssen wir dazu kommen, dass wir sie einschränken."

Fünf EU-Staaten, darunter auch Deutschland, haben vor gut zwei Wochen vorgeschlagen, die gefährlichen Stoffe nach einer Übergangsfrist ganz überwiegend zu verbieten. Lemke betont, dass die ganze Stoffgruppe der PFAS grundsätzlich überprüft und die gefährlichen Stoffe verboten werden müssten, "weil wir uns nicht leisten können, sie weiter in diesem Umfang in die Umwelt zu entlassen - mit teilweise unbekannten Folgen, aber der Sicherheit, dass sie uns Jahrzehnte oder Jahrhunderte begleiten werden."

Die Kosten für eine Sanierung dieser flächendeckenden Verseuchung sind astronomisch. Eine Studie des Nordischen Ministerrates schätzt die Kosten allein für Europa auf 17 Milliarden Dollar. Die jährlichen Kosten für die Behandlung der gesundheitlichen Folgen in Europa liegen der Studie zufolge sogar noch höher. In Deutschland haben Behörden bisher bei den allerwenigsten Schadensfällen überhaupt mit einer Sanierung begonnen. 2020 schrieb die Bundesregierung, dass bei weniger als einem Prozent aller PFAS-Verdachtsfälle die Sanierung abgeschlossen sei.

In vielen der zusammengetragenen Fälle haben die Behörden offenbar nicht einmal die Bevölkerung vor Ort informiert. So sind im Hamburger Altlastenkataster etwa 50 mit PFAS belastete Flächen erfasst, informiert wurde bisher offenbar noch kein einziger Anwohner. "Es gab bisher keine relevante Gefährdung oder direkte Betroffenheit von Bürger*innen durch PFAS kontaminierte Flächen, die eine solche Informationspflicht ausgelöst hätte", schreibt die Stadt auf Anfrage.

Wo die Bevölkerung in der Vergangenheit informiert wurde, geschah dies über Pressemitteilungen auf Internetseiten der Behörden oder Flyer in Briefkästen. Zu schwereren Kontaminationen fanden vereinzelt auch Informationsveranstaltungen statt, etwa in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bremen. Mecklenburg-Vorpommern schreibt, es werde "kein PFAS-Monitoring durchgeführt. Demnach erfolgt auch keine Information der Bürger."

Dabei gäbe es genügend Orte, an denen Behörden auch in Deutschland nach PFAS suchen könnten. Zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen lassen etwa vermuten, dass in der Nähe von bestimmten Industrie-Standorten die Gewässer und Böden mit PFAS verunreinigt sein könnten. In verschiedenen US-Staaten und in Frankreich suchen Behörden deshalb in der Nähe solcher Standorte ganz gezielt nach PFAS-Rückständen. In Deutschland wird das bislang nicht systematisch so gemacht. Nur einzelne Behörden, wie etwa das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in NRW, testen regelmäßig in der Nähe solcher Standorte auf PFAS-Rückstände im Wasser.

Das Rechercheteam hat deshalb die in den USA und Frankreich genutzten Kriterien soweit möglich auf Deutschland übertragen. Dadurch haben die Reporter mehrere hundert Orte identifiziert, an denen Boden oder Grundwasser ebenfalls verschmutzt sein könnten. An diesen Stellen haben häufig noch keine Messungen stattgefunden. In ganz Europa hat das "Forever Pollution Project" sogar insgesamt mehr als 20.000 solcher möglicherweise verunreinigter Orte identifiziert.

Dazu gehören zahlreiche Flughäfen und Militärstandorte, auf denen in der Vergangenheit PFAS-haltiger Löschschaum eingesetzt wurde. Betroffen sind auch Kläranlagen und Deponien, in denen sich PFAS-haltige Abwässer und Gegenstände sammeln - denn bislang ist es selbst mit besonders teuren Verfahren nur schwer möglich, die Giftstoffe herauszufiltern oder zu verbrennen. Dazu kommen Industrien, die teilweise PFAS einsetzen oder mit PFAS kontaminierte Rohstoffe verwenden, wie die Textilindustrie, die Metallveredelung oder Altpapier verarbeitende Betriebe.

In Deutschland haben die Reporterinnen und Reporter insgesamt rund 1.000 dieser Standorte angefragt, ob sie Wasser oder Böden auf PFAS geprüft haben - der Großteil hat bisher keinerlei Messungen vorgenommen.

Dass PFAS giftig sein könnten, wusste der wichtigste Hersteller dieser Chemikalien schon seit den 1960er-Jahren. Damals entdeckte der Chemieriese DuPont, dass PFAS bei Ratten und Hasen die Leber vergrößerte. Einige Jahre später zeigten Tests, dass sich die Stoffe im Blut der Mitarbeiter anreicherten. Seit langem stehen verschiedene PFAS-Stoffe in Verdacht, Krebs zu verursachen, unfruchtbar zu machen, zur Fettleibigkeit und zu Immunschwächen bei Kindern beizutragen. Trotzdem gibt es bis heute in Deutschland keine Regeln, die den Gebrauch und die Entsorgung von PFAS systematisch begrenzen.

Vor gut zwei Wochen hat nun die zuständige EU-Behörde ECHA den Vorschlag von fünf Ländern vorgestellt, die gesamte Stoffgruppe der PFAS ganz überwiegend zu verbieten. Bislang sind nur zwei Stoffe der Gruppe verboten, PFOS und PFOA. Die insgesamt mehr als 10.000 Stoffe sollen - mit einer Übergangsfrist von wenigen Jahren - nicht mehr verwendet werden dürfen. Eine Entscheidung über das PFAS-Verbot wird wohl im Jahr 2025 fallen.


Aus: "Jahrhundertgift PFAS: Wie verseucht ist Deutschland?" (23.02.2023)
von S. Pilz, C. Felke, L. Busch, I. Schneider, S. Wippermann, M. Bewarder, J. Edelhoff, A. Hoferichter, D. Drepper
Quelle: https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/pfas-eu-lobbyismus-101.html

"Giftige Chemikalien Wo PFAS überall Deutschland verschmutzen" (23.02.2023)
An mehr als 1500 Orten lässt sich in Deutschland das Jahrhundertgift PFAS nachweisen. Das zeigt eine Recherche von NDR, WDR und SZ. Das Problem mit den industriell produzierten Chemikalien ist damit viel größer als bisher bekannt. Von Sarah Pilz, Catharina Felke, Lea Busch, Isabel Schneider, Sarah Wippermann, Manuel Bewarder, Johannes Edelhoff, Andrea Hoferichter und Daniel Drepper, NDR/WDR
https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/pfas-chemikalien-deutschland-101.html

"Streit um Chemikalien Wie Bayer, BASF & Co für PFAS lobbyieren" (23.02.2023)
Erstmals könnte die EU eine ganze Stoffgruppe mit mehr als 10.000 Chemikalien verbieten. Entsprechend massiv ist der Widerstand: Laut NDR, WDR und SZ kämpfen mehr als 100 Industrieorganisationen dagegen - mit teils fragwürdigen Argumenten. Von Andrea Hoferichter, Sarah Pilz und Daniel Drepper, NDR/WDR
...  Die am stärksten vertretenen Lobbygruppen in Brüssel sind den Recherchen zufolge der europäische Verband der chemischen Industrie (CEFIC), unter der Leitung des CEO von BASF Martin Brudermüller, und Plastics Europe, die eigens für den Kampf gegen das drohende PFAS-Verbot verschiedene Expertengruppen gegründet haben.
Diese wollen vor allem das Verbot von zwei bestimmten Stoffgruppen verhindern, der fluorierten Gase und der Fluorkunststoffe, die Fachleute "Fluorpolymere" nennen. Allein zu letzteren hat der Verband die Überzeugungskraft von mehr als 70 Unternehmen und Industrieverbänden gebündelt. Von deutscher Seite waren unter anderem der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und der Verband der Chemischen Industrie (VCI) dabei. Getagt wurde wöchentlich, Behördenvertreter waren willkommen. ...
https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/pfas-eu-lobbyismus-101.html

Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (englisch per- and polyfluoroalkyl substances, abgekürzt PFAS) sind aliphatische organische Verbindungen, bei denen an mindestens einem Kohlenstoffatom die Wasserstoffatome am Kohlenstoffgerüst vollständig durch Fluoratome ersetzt worden sind. Da sie oder ihre Abbauprodukte in der Umwelt sehr persistent sind, werden sie auch Ewigkeitschemikalien genannt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Per-_und_polyfluorierte_Alkylverbindungen

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"Chemie-Skandal in Belgien:Wahrheit, die krank macht" Tobias Müller (23.8.2023)
Chemikalien aus einer 3M-Fabrik verseuchen die Umgebung im belgischen Zwijndrecht. Gefährdete An­woh­ne­r*in­nen bereiten eine Sammelklage vor. ... Bei Bauarbeiten [in Zwijndrecht] zur Erweiterung des Antwerpener Rings wurde im Sommer 2021 entdeckt, dass der Boden mit sogenannten Ewigkeits-Chemikalien verseucht ist. Eine Blutuntersuchung bei knapp 800 Be­woh­ne­r*in­nen in einem Drei-Kilometer-Radius um die Fabrik des Chemie- und Mischkonzerns 3M ergab, dass 90 Prozent von ihnen erhöhte Werte hatten, 59 Prozent davon in einem Maß, das Gesundheitsrisiken wahrscheinlich macht. Nur 9 Prozent zeigten Werte, die als sicher gelten. ... Die 3M-Fabrik in Zwijndrecht, seit 1971 in Betrieb, stellt vor allem Halbfabrikate her, die an anderen Standorten weiterverarbeitet werden: Leim, synthetisches Gummi oder Kühlmittel für den Elektroniksektor. Dass die Fabrik 2002 die Produktion des besonders verrufenen PFOS aufgab, mag dazu beigetragen haben, dass der Handlungsbedarf weniger akut schien. Doch 2004 stellten For­sche­r*in­nen der Uni Antwerpen in einem nahen Naturschutzgebiet die höchsten je gemessenen PFOS-Werte bei Mäusen fest. Weder das flämische Umweltministerium noch die entsprechende lokale Behörde schritten ein. Beide wurden damals von grünen Politikern geleitet. ... Aus den USA meldet sich im Frühjahr Rob Billot, der ,,Dark Waters"-Protagonist, mit einer Videobotschaft. ,,In den letzten 24 Jahren habe ich alles getan, um bekannt zu machen, dass Kontaminierung durch PFAS eine massive Gefährdung der Gesundheit darstellt. Ich habe beobachtet, wie sich die Geschichte in Belgien entfaltet. Das Testen hat begonnen, und die Menschen begreifen, dass es sich um ein weltweites Problem handelt."...
https://taz.de/Chemie-Skandal-in-Belgien/!5950859/

"Chemikalien in Belgien: Nachbarschaftlich gegen Giftstoffe" Tobias Müller (24.5.2023)
Jahrelang hat der Chemiekonzern 3M in Belgien die An­woh­ne­r:in­nen gefährdet. Eine Familie klagte und bekam recht.
https://taz.de/Chemikalien-in-Belgien/!5936730/

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Quote[...] Ein riesiger Ölteppich vor den Philippinen bedroht einen der artenreichsten marinen Lebensräume der Welt. Auf rund 10.000 Quadratkilometern Fläche hat sich das Öl mittlerweile ausgebreitet. Es wurde zuletzt auch an der Isla Verde, einer Insel mitten in der meistbefahrenen Schiffsroute der Philippinen, an Land gespült. Das teilte die Küstenwache der Provinz Batanga mit. Ihre Einheiten seien auf der Insel damit beschäftigt, die Umweltschäden durch das Öl einzudämmen, sodass dieses den Artenreichtum nicht weiter gefährde.

Ende Februar war das Schiff MT Princess Empress mit 800.000 Litern Industrieöl an Bord etwa 160 Kilometer südlich von Manila gesunken. Seitdem sind die Isla Verde, die in einer Meerenge zwischen den Inseln Mindoro und Luzon mit der Hauptstadt Manila liegt, und Teile der weiter südlich gelegenen Provinzen Oriental Mindoro, Antique und Palawan von Ölverschmutzung betroffen.

Das Öl bedrohe die Lebensgrundlage und die Gesundheit von rund 150.000 Menschen und verursache große Umweltschäden, teilte die Meeresschutzorganisation Oceana Philippines mit. Das Öl töte nicht nur die Artenvielfalt im Meer, sondern könne auch Nieren- und Lebererkrankungen bei Menschen verursachen. Die Isla-Verde-Straße gilt als einer der artenreichsten marinen Lebensräume überhaupt.


Aus: "Ölteppich vor den Philippinen bedroht Artenvielfalt" (20. März 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2023-03/oelteppich-philippinen-artenvielfalt-umweltschutz


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Quote[...]

Produkt   Kurkuma-Gewürz
Hersteller   Abido
Betroffenes Sortiment   50 g Beutel
Chargen-Nummer   2-4-21/5372
Mindeshaltbarkeitsdatum   02.04.2024

Laut lebensmittelwarnung.de, dem Verbraucher- und Ratgeber-Portal der Bundesbehörde, wurden in den Kurkuma-Päckchen Rückstände von Ethylenoxid nachgewiesen. Dabei handelt es sich um ein farbloses Mittel, das in einigen Ländern zur Schädlingsbekämpfung bei Landwirtschaft eingesetzt wird. In der EU ist der Stoff allerdings seit 1991 verboten. In Deutschland ist die Anwendung sogar seit 1981 untersagt, wie die Verbraucherzentrale informiert.

Ethylenoxid wird als Desinfektionsmittel gegen Pilze und Bakterien angewandt, in erhöhten Mengen kann es allerdings gesundheitsgefährdend für den Menschen sein. Im schlimmsten Fall kann der Stoff das Erbgut verändern und Krebs erzeugen, warnt die Verbraucherzentrale Hamburg.

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit lässt daher aus Sicherheitsgründen das Produkt des Herstellers ,,Abido" zurückrufen. Betroffen vom Rückruf sind die 50-Gramm-Beutel mit der Chargennummer ,,2-4-21/5372" und Haltbarkeit bis 02.04.2024.  ,,Kunden, die das entsprechende Produkt gekauft haben, können dieses gegen Erstattung des Kaufpreises auch ohne Vorlage des Kassenbons in ihrer Einkaufsstätte zurückgeben", heißt es bei lebensmittelwarnung.de.

Dass Produkte aufgrund von fehlerhafter Herstellung oder Gesundheitsbedenken zurückgerufen werden, passiert immer wieder in Deutschland.

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Aus: "Nächster Gewürz-Rückruf: Bundesamt warnt – Gefährlicher Giftstoff entdeckt" Romina Kunze (23.03.2023)
Quelle: https://www.fr.de/verbraucher/rueckruf-warnung-naechstes-gewuerz-bundesamt-supermarkt-gefaehrlicher-giftstoff-entdeckt-92163350.html

QuoteHans-Joachim Elflein

Anhänger von Glyphosat konsumieren bestimmt auch gerne Ethylenoxid.


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Quote[...] In der Atmosphäre haben sich in den vergangenen Jahren fünf langlebige Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) angereichert, die Ozon abbauen. Die Emissionen stammten wahrscheinlich hauptsächlich aus Prozessen, die nicht den derzeitigen Kontrollen des Montrealer Protokolls unterliegen, erläutert ein Forschungsteam im Fachjournal ,,Nature Geoscience" ['Global increase of ozone-depleting chlorofluorocarbons from 2010 to 2020' https://www.nature.com/articles/s41561-023-01147-w].

Noch seien die Auswirkungen der Gesamtemissionen der fünf FCKW auf die Ozonschicht gering. Ein kontinuierlicher Anstieg in der derzeitigen Geschwindigkeit könne jedoch einen Teil der erzielten Fortschritte zunichtemachen und zusätzliche Klimaauswirkungen haben.

1987 hatten sich zahlreiche Länder im Montreal-Protokoll auf ein Ende der Produktion von Fluorchlorkohlenwasserstoffen (FCKW) verständigt, weil sie die Ozonschicht schädigten. Das Gas in der oberen Atmosphäre schützt die Erde vor ultravioletter Strahlung der Sonne. Seit 2010 gilt weltweit ein Produktionsverbot für FCKW, die früher unter anderem als Kältemittel, in Spraydosen und für Kunststoffschäume verwendet wurden.

FCKW können aber immer noch als Ausgangsstoffe, Zwischen- oder Nebenprodukte bei der Herstellung anderer Chemikalien freigesetzt werden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Luke Western von der University of Bristol hatten anhand von Messungen an 14 Standorten weltweit untersucht, wie sich die Menge an FCKW-113, FCKW-112a, FCKW-113a, FCKW-114a und FCKW-115 zwischen 2010 und 2020 verändert hat. Im Jahr 2020 erreichten demnach alle fünf Gase ihren höchsten Stand seit Beginn der direkten Messungen.

FCKW-113a, FCKW-114a und FCKW-115 werden bei der Herstellung anderer Chemikalien verwendet – wahrscheinlich bei der Produktion von Fluorkohlenwasserstoffen (FKW), die die FCKW für viele Anwendungen ersetzt haben, wie die Wissenschaftler erläutern. Für FCKW-112a und FCKW-113 sei kein aktueller Verwendungszweck bekannt, die Ursachen des Anstiegs seien unklar. Mögliche Erklärungen seien der gezielte Abbau anderer FCKW oder eine Entstehung als Nebenprodukt.

Die fünf Substanzen haben den Angaben zufolge eine atmosphärische Lebensdauer von 52 bis 640 Jahren – schaden der Ozonschicht also über lange Zeiträume. Den Studienergebnissen zufolge entsprach die Gesamtemission der fünf FCKW im Jahr 2020 dem Äquivalent von 4200 Tonnen FCKW-11, dem am zweithäufigsten vorkommenden Fluorchlorkohlenwasserstoff. Der Erwärmungseffekt entspreche laut der Autoren dem von 47 Millionen Tonnen Kohlendioxid, was 150 Prozent der Emissionen Londons im Jahr 2018 entspreche.

,,Angesichts des kontinuierlichen Anstiegs dieser Chemikalien in der Atmosphäre ist es vielleicht an der Zeit, über eine Verschärfung des Montrealer Protokolls nachzudenken", sagte Mitautor Johannes Laube vom Forschungszentrum Jülich.

Die fünf FCKW sind nicht die einzigen Substanzen, die Experten mit Blick auf das Ozonloch Sorgen bereiten. Im Fachblatt ,,Nature Communications" schrieb ein britisch-chinesisches Forschungsteam Ende 2021, dass sich der Ausstoß von Dichlormethan in China binnen acht Jahren fast verdreifacht habe. Das könne die Erholung der Ozonschicht je nach weiterer Entwicklung der Emissionen um bis zu 30 Jahre verschieben, so die Gruppe um Minde An von der Universität Peking.

Das in der Industrie unter anderem als Lösungsmittel eingesetzte Dichlormethan zählt zu den Substanzen, die in der Atmosphäre binnen sechs Monaten abgebaut werden. Solche kurzlebigen Verbindungen sind nicht vom Montrealer Protokoll betroffen.

Ebenfalls China war der Verursacher einer Anreicherung von Trichlorfluormethan (FCKW-11) in der Atmosphäre, das zu den verbotenen FCKW gehört. In der Zeit von 2013 bis 2018 hatten Forscher aus mehreren Messungen geschlossen, dass die Substanz im Osten Chinas trotz internationalem Verbot weiter produziert und verwendet wurde, in den Jahren darauf ging der Ausstoß dann wieder zurück.

Erst im Januar hatten die Vereinten Nationen mitgeteilt, die Ozonschicht sei auf gutem Weg, sich innerhalb der kommenden Jahrzehnte zu erholen. Werde der derzeitige Weg beibehalten, dürfte sich die Ozonschicht demnach bis etwa 2066 in der Antarktis, bis 2045 in der Arktis und bis 2040 im Rest der Welt auf den Stand von 1980, vor der Bildung des Ozonlochs, erholen.

Der Schutz vor UV-Einstrahlung hat neben dem direkten Schutz etwa vor Hautkrebs eine weitere wichtige Wirkung: Ohne das Montrealer Protokoll hätte sich die Erde bereits deutlich stärker erwärmt, wie ein Forschungsteam 2021 berichtete. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts hätten FCKW und ähnliche Substanzen demnach einen zusätzlichen Temperaturanstieg um 2,5 Grad bewirkt.

In der Studie wurde modelliert, wie stark das Pflanzenwachstum abgenommen hätte, wenn eine ausgedünnte Ozonschicht die Erde weniger vor UV schützen würde. Bei geringerem Pflanzenwachstum wird weniger Kohlendioxid in Pflanzen gebunden. Zudem sind bestimmte ozonzerstörende Substanzen auch äußerst wirksame Treibhausgase.


Aus: "Löcher im Ozonschutz: Fünf zerstörerische Chemikalien reichern sich in der Atmosphäre an"  Annett Stein (05.04.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wissen/locher-im-ozonschutz-funf-zerstorerische-chemikalien-reichern-sich-in-der-atmosphare-an-9610991.html


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Quote[...] Im US-Bundesstaat Indiana gerät ein Großfeuer in einem Industriegebiet außer Kontrolle. Durch brennendes Plastik breitet sich eine riesige Giftwolke über der Stadt Richmond aus, Tausende müssen ihre Häuser verlassen. Die Feuerwehr ist zum Rückzug gezwungen und befürchtet einen mehrere Tage anhaltenden Brand.


Aus: "Mega-Giftwolke erzwingt Massenevakuierung in Indiana" (12.04.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Mega-Giftwolke-erzwingt-Massenevakuierung-in-Indiana-article24047519.html

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Quote[...] Washington. Die schwarzen Rauchwolken über Richmond im US-Bundesstaat Indiana waren so riesig, dass sie selbst von den Kameras der Wetter-Satelliten erfasst werden konnten. In der 35.000-Einwohner Stadt östlich von Indianapolis brennt seit Dienstag auf über 50.000 Quadrameter Fläche eine Recycling-Anlage für Plastik-Artikel. Auslöser: bisher unbekannt.

Im Umkreis von rund einem Kilometer um die Unglücksstelle wurden bis Mittwoch rund 2000 Anwohner evakuiert, teilte Feuerwehr-Chef Tim Brown mit. Wer außerhalb der Gefahrenzone lebt, ist gehalten, sich nicht im Freien zu bewegen, die Klima-Anlage auszuschalten, Fenster zu schließen und Haustiere nicht vor die Tür zu lassen. Jedenfalls solange, bis die Toxizität der in Flammen aufgegangenen Kunststoffe zweifelsfrei festgestellt ist.

Christine Stinson, die Chefin des lokalen Gesundheitsamtes, rief am Mittwochnachmittag vor Journalisten zu erhöhten Vorsichtsmaßnahmen auf. ,,Was da brennt, sind sehr feine Partikel. Beim Einatmen können sie vielfältige Atemproblemen auslösen und zum Beispiel Asthma verschlimmern."

Nach der Erfahrung im vier Stunden entfernten East Palestine setzte die staatliche US-Umweltbehörde EPA umgehend Prüfer in Gang. Im Nachbar-Bundesstaat Ohio entgleisten im Februar Dutzende Güterzug-Waggons mit hochgiftige Chemikalien. Etliche Anwohner klagten über Atembeschwerden, Haut-Ekzeme und Kopfschmerzen.

Erst nach gut einer Woche traten die Behörden auf den Plan, was der Regierung von Joe Biden als Fehler angekreidet wurde. Diesmal rief der Präsident, der sich zurzeit auf Staatsbesuch in Irland befindet, den Gouverneur von Indiana, Eric Holcomb (Republikaner), umgehend an, um Hilfe der Zentralregierung anzubieten.

Unterdessen griff Richmonds Bürgermeister Dave Snow die Eigentümer des Geländes und der dort tätigen Firma massiv an. ,,Es gab eine städtische Anordnung zur Reinigung des Areals, der mehrfach nicht nachgekommen wurde. Das ist fahrlässig und unverantwortlich."

Feuerwehr-Chef Brown erklärte am Abend, der Brand sei halbwegs unter Kontrolle. Bis das Feuer vollständig gelöscht sei, würden allerdings noch einige Tage vergehen.


Aus: "USA: Großbrand in Recycling-Fabrik – Angst vor giftigem Rauch" Dirk Hautkapp (13.04.2023)
Quelle: https://www.morgenpost.de/vermischtes/article238130793/usa-richmond-indiana-grossbrand-recycling-fabrik-gefahr-anwohner.html

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"Fehlbildungen durch Glyphosat bestätigt" Nadja Podbregar (13. Juni 2023)
Herbizid verursacht schon in geringer Konzentration Entwicklungsstörungen bei Amphibien ... Während die EU über eine Zulassungsverlängerung für das umstrittene Herbizid Glyphosat berät, bestätigt eine Studie (Universität Ulm) dessen Schadwirkung auf Amphibien – und möglicherweise andere Organismen. Demnach verursacht Glyphosat schon in geringen Konzentrationen massive Fehlbildungen bei Kaulquappen. Dies gilt auch für den reinen Wirkstoff ohne weitere chemische Zusätze. Sogar am weltweiten Amphibiensterben könnte das Mittel mitschuld sein, wie das Team erklärt. ... ,,Überraschend für uns war, dass einige Defekte bereits bei der niedrigsten Konzentration auftraten, die wir getestet haben, also bei 0,1 Milligramm pro Liter", berichtet Flach. ,,Das sind Konzentrationen, die in natürlichen Gewässern in vielen Ländern teils mehrfach überschritten werden." ...
https://www.scinexx.de/news/medizin/fehlbildungen-durch-glyphosat-bestaetigt/


"Glyphosate without Co-formulants affects embryonic development of the south african clawed frog Xenopus laevis"
Ecotoxicology and Environmental Safety
Volume 260, 15 July 2023
A treatment with GLY affected various morphological endpoints in X. laevis tadpoles (body length, head width and area, eye area). Additionally, GLY interfered with the mobility as well as the neural and cardiac development of the embryos at stage 44/45. We were able to detect detailed structural changes in the cranial nerves and the heart and gained insights into the negative effects of GLY on cardiomyocyte differentiation. ...
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0147651323005845?via%3Dihub

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Quote[...] In einigen Seen gibt es eine höhere Konzentration an Mikroplastikteilen als in (damit hochbelasteten) Ozeanen. Das hat ein internationales Forschungsteam bei der Untersuchung des Wassers von 38 Seen und Stauseen, die in 23 Ländern liegen, herausgefunden. Die Forscherinnen und Forscher, deren Ergebnisse im Fachmagazin "Nature" veröffentlicht wurden, fanden in allen untersuchten Gewässern Mikroplastik, sogar in Seen, die sich in sehr entlegenen und kaum besiedelten Gebieten befinden.


Article - Published: 12 July 2023
Plastic debris in lakes and reservoirs
https://www.nature.com/articles/s41586-023-06168-4

"Unsere Ergebnisse zeigen zum ersten Mal ein umfassendes Bild der Plastikverschmutzung in Seen. Sie verdeutlichen, wie wichtig es ist, Seen und Stauseen in den Kampf gegen die Mikroplastikverschmutzung einzubeziehen, sowohl für das Management als auch für den Erhalt der Ökosystemleistungen der Seen", sagt Professor Hans-Peter Grossart, der an der Studie beteiligt war, laut Mitteilung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Besonders überrascht waren die Forschenden demzufolge vom Ausmaß der Verschmutzung in einigen Seen, denn diese übertraf in den am stärksten belasteten Seen sogar die Konzentrationen, die in den subtropischen Ozeanwirbeln aus Plastik in anderen Untersuchungen gemessen wurden.

13. Juli 2023: Pressemitteilung -Nadja Neumann
Mikroplastik: Einige Seen stärker belastet als die Ozeane
https://www.igb-berlin.de/news/mikroplastik-einige-seen-staerker-belastet-als-die-ozeane

Um möglichst viele verschiedene Typen von Seen in die Untersuchung mit einzubeziehen, suchten die Forschenden nach einer Reihe von verschiedenen Gewässern, die sich in Größe, Tiefe sowie der Besiedlungs- und Versiegelungsdichte im angrenzenden Umland unterschieden. An den weltweit verteilten Standorten wurden dann durchschnittlich 140 Kubikmeter Wasser gefiltert und alle Mikroplastikteile, die größer als 0,25 Millimeter waren, gezählt sowie die Art des Kunststoffs bestimmt. Die meisten Kleinstteile waren aus Polyester, Polypropylen und Polyethylen. Die Forschenden gehen davon aus, dass 49 Prozent davon auf Kunststofffasern und 41 Prozent auf sogenanntes "sekundäres Mikroplastik" zurückzuführen ist, das beispielsweise bei Zersplitterung größerer Kunststoffteile entsteht.

Bei der ersten standardisierten Untersuchung dieser Art wurden in allen Seen, die zu Proben herangezogen wurden, winzige Teilchen von Plastik nachgewiesen, sogar in entlegenen Gegenden, wie im Lake Tahoe in der Sierra Nevada oder in Bergseen. Prinzipiell unterschieden sich aber die gefundenen Konzentrationen von Plastikpartikeln von See zu See stark voneinander. Sie variierten von 0,01 bis zu mehr als 10 Partikel pro Kubikmeter Wasser. 45 Prozent der untersuchten Seen wiesen mehr als einen Partikel pro Kubikmeter auf, die am stärksten verschmutzten mehr als zehn Partikel pro Kubikmeter.

Besonders bedenkenswert: Auch Seen, die zur Trinkwassernutzung herangezogen werden, tauchen in der Liste mit der höchsten Mikroplastikbelastung auf. Dazu gehören der Lago Maggiore in Italien, der Luganer See, der zu Italien und der Schweiz gehört, der Lake Tahoe in den USA und der Lake Neagh in Großbritannien.

Bei den genannten Beispielen handelt es sich um große Seen, die von vielen Menschen auch in der Freizeit genutzt werden. Doch in großen und tiefen Seen hat das Wasser auch eine lange Verweildauer, sodass sich Kunststoffe darin schnell ansammeln. "Solche Seen fungieren als 'Fallen' für Plastik und können im Laufe der Zeit erhebliche Mengen an Mikroplastik ansammeln", erklärt Stella Berger laut IGB-Mitteilung, die ebenfalls an der Untersuchung beteiligt war.

In Deutschland überraschten die hohen Mikroplastikwerte in Form von Mikrofasern, die im Großen Stechlinsee nachgewiesen wurden, schreiben die Forschenden. Vor allem, weil das Ufer des Sees in Brandenburg weitgehend naturbelassen und von Buchenwald umgeben ist. Grossart vermutet, dass die Fasern im Wasser vor allem von der Kleidung von Badenden stammen.

Auch wenn es sich bei den Ergebnissen der aktuellen Studie um Momentaufnahmen handelt, kommen die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen zu dem Schluss, dass Verschmutzungen durch Mikroplastik in Seen vielfache negative Auswirkungen sowohl auf die Qualität des Trinkwassers als auch auf Wasserorganismen und Ökosysteme hat. ...

Quelle: ntv.de, jaz


Aus: "Mikroplastik in Seen überrascht Forschungsteam" (16.07.2023)
Quelle: https://www.n-tv.de/wissen/Mikroplastik-in-Seen-ueberrascht-Forschungsteam-article24261918.html

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Quote[...] Nach einem Unfall in einer Kläranlage in Lettland sind nach offiziellen Angaben große Mengen schadstoffhaltiger Abfälle in die Ostsee gelangt. Nach dem Einsturz einer Wand der Anlage am Sonntag in der Hafenstadt Liepāja seien mindestens 1.250 Tonnen schwefelhaltiger Schlamm ausgetreten, teilten die Behörden mit. Die lettische Gesundheitsaufsicht ordnete die Schließung von Stränden an und verbot das Baden in der Ostsee.

Die nationale Umweltschutzbehörde leitete eine Untersuchung des Unfalls ein. Ihren Angaben zufolge werden weiterhin 400 Tonnen Abfall pro Stunde ins Meer gespült.

"Wir wissen nicht, wann es uns gelingen wird, die kaputten Schlammtanks zu reparieren", sagte der Bürgermeister von Liepāja, Gunārs Ansiņš. Er rate daher allen Einwohnerinnen und Einwohnern, "weniger Wasser in die Toilette zu schütten", denn nun würden "alle Abwässer ins offene Meer geleitet".

Es bestehe jedoch "keine Gefahr für die Gesundheit", teilte Bürgermeister Ansiņš weiter mit. "Wir tun alles, was möglich ist, um die Einleitung von Schadstoffen in die Ostsee so schnell wie möglich zu stoppen." Die Wasserqualität werde genau überwacht.

Nach Angaben des Geschäftsführers des für die städtische Wasserversorgung und das Recyclingsystem zuständigen Betreibers war das beschädigte Gebäude relativ neu. Es wurde demnach erst 2009 gebaut. Die Geologin Baiba Grinberga schrieb hingegen auf Facebook, dass "geotechnische Untersuchungen bereits vor 20 Jahren auf instabilen Boden" in der Region hingewiesen hätten. Die Recyclinganlage sei aber trotzdem gebaut worden.


Aus: "Massive Verschmutzungen in der Ostsee nach Kläranlagenunfall" (25. Juli 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2023-07/lettland-klaeranlage-unfall-ostsee-umweltverschmutzung


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Quote[...] Am Golf von Mexiko haben die Ausläufer eines mehr als 100 Quadratkilometer großen Ölteppichs offiziellen Angaben zufolge zahlreiche Strände erreicht.

Das im Meer befindliche Erdöl habe sich ,,an allen Stränden des Golfs verteilt", erklärte der stellvertretende Staatsanwalt für Umweltdelikte des südostmexikanischen Bundesstaats Campeche, Alejandro Brown Gantús.

Bereits Mitte Juli hatten mehrere mexikanische Nichtregierungsorganisationen (NGOs) auf den Erdöl-Austritt hingewiesen und ,,völlige Intransparenz" der Behörden beklagt.

Vize-Staatsanwalt Brown Gantús erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, er befürchte ,,schwere Umweltschäden".

In Campeche hatten Umweltschützer in den vergangenen Tagen nach Beobachtung von AFP-Journalisten einen rund 500 Meter langen Strandabschnitt gereinigt, vor dem das Wasser durch schwarze Flecken verunreinigt war.

In den vergangenen Tagen hatte das mexikanische Nachrichtenportal ,,El País" berichtet, das Erdöl habe die vier südostmexikanischen Bundesstaaten Campeche, Tabasco, Tamaulipas und Veracru erreicht, aus dem bei Touristen besonders beliebten Bundesstaat Cancún wurden bisher keine Erdölflecken gemeldet.

Mehrere NGOs, darunter Greenpeace, hatten bereits am 18. Juli von einem 400 Quadratkilometer großen Ölteppich im Golf von Mexiko berichtet.

Die Organisationen hatten ihn nahe einer Erdölplattform verortet, auf der es am 7. Juli eine Explosion und einen Brand gegeben hatte, bei der zwei Arbeiter ums Leben gekommen waren. Der Austritt von Erdöl war den NGOs zufolge aber bereits am 4. Juli festzustellen.

Das staatliche Erdöl-Unternehmen Pemex bestritt die Berichte über das Ausmaß des Ölteppichs. Es sei Anfang Juli lediglich zu einem ,,natürlichen Austritt von Kohlenwasserstoff" gekommen.

Das Leck sei am 22. Juli abgedichtet worden. (AFP)


Aus: "Nach Explosion auf Bohrinsel: Erdöl erreicht Strände in Mexiko" (03.08.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/internationales/nach-explosion-auf-bohrinsel-erdol-erreicht-strande-in-mexiko-10254661.html

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Quote[...]  Knapp 30 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt, ein wenig nördlich der elsässischen Stadt Mulhouse, liegt das Gelände des ehemaligen Kalibergwerks Mines de Potasse. Hinter einem hohen Metallzaun ragen zwei Fördertürme in den bewölkten Himmel: Joseph links, Else rechts. Die roten Räder auf den Türmen, die früher die Aufzüge mit den Bergleuten in und das Salz aus der Mine befördert haben, stehen still.

Seit 2002 wird hier kein Kalisalz mehr gefördert. Das Gelände hinter dem Zaun ist nicht viel größer als ein großer Supermarktparkplatz – aber 500 Meter darunter erstrecken sich kilometerweit die alten Gänge und Stollen des Salzbergwerks. Durchlöchert wie ein Schweizer Käse ist das Elsass an dieser Stelle, sagen Ortskundige. Problematisch wird es, wenn man nochmal 25 Meter weiter nach unten geht, unter die alten Salzminen.

Hier lagern, in einem Gitternetz aus Gängen, 42.000 Tonnen giftiger Industriemüll. Quecksilber, Asbest, Chrom, Pflanzenschutzmittel, alles in große Plastiksäcke – sogenannte BigBags – verpackt.

Direkt darüber erstreckt sich im Rheingraben das größte Grundwasserreservoir Europas, von Basel bis nach Mainz. Auf deutscher und französischer Seite hängen sieben Millionen Menschen von dieser Trinkwasserversorgung ab.

Ex­per­t*in­nen schätzen, dass das Lager in spätestens 70 Jahren voll Wasser laufen wird. Umweltschutzorganisationen und die regionale Politik fürchten, dass der hochgiftige Müll dann das Grundwasser und den Rhein kontaminieren könnte. Außerdem weisen sie darauf hin, dass in Stocamine immer noch illegal eingelagerte brennbare Stoffe liegen.

Seit über 20 Jahren fordern Umweltverbände wie der BUND und Protestgruppen wie Destocamine, die Säcke zu bergen. Die Betreiberfirma Mines de potasse d'Alsace (MDPA), deren alleiniger Eigentümer der französische Staat ist, will aber lieber versiegeln lassen. Zu viele Giftstoffe seien schon ausgetreten, man könne keine Mi­nen­ar­bei­te­r*in­nen mehr dort hinunterschicken.

Sechs Meter dicke Betonwände sollen deshalb vor alle Zugänge gegossen werden und verhindern, dass der Giftcocktail aus dem Lager herausgespült werden könnte. Oben, neben dem Turm Joseph, stehen schon die Silos bereit, in denen Zement und Sand dafür gemischt werden sollen. Ab September soll mit den Versiegelungsarbeiten begonnen werden, so der Plan der französischen Regierung.

,,Eigentlich dürfte hier gerade gar nicht gearbeitet werden", kommentiert Roland Dübel einige geschäftige Ar­bei­te­r*in­nen auf dem Förderturm Else, die man außerhalb vom Rand des Geländes aus beobachten kann. Dübel war früher als Techniker für die Sicherheit auf dem Gelände und in der Salzmine zuständig. Heute ist er Mitglied in der Überwachungskommission des Lagers.

Die Betreiberfirma ist verpflichtet, eine solche Überwachungskommission aus An­woh­ne­r*in­nen, Mitarbieter*innen, Verwaltungsangestellten und regionalen Po­li­ti­ke­r*in­nen einzusetzen. Die Kommission trifft sich regelmäßig, sie wird zu allen Beschlüssen und Vorkommnissen informiert und sie begutachtet – zumindest soweit möglich – das Lager.

Im Juli 2021 hatten lokale In­ves­ti­ga­ti­v­jour­na­lis­t*in­nen der Zeitung Rue89 Strasbourg Beweise dafür zusammengetragen, was kritische Be­ob­ach­te­r*in­nen schon lange vermuten: In Stocamine liegen nicht nur giftige, sondern auch illegal eingelagerte Abfälle [https://www.rue89strasbourg.com/stocamine-opposants-confinement-dechets-distribuent-eau-potable-wittelsheim-264507].

Der Umweltverband Alsace Nature hat daraufhin eine Klage vor dem Gericht in Straßburg eingereicht. Aktuell befindet sich die Klage noch im Berufungsverfahren. Die Vorbereitungsarbeiten für die Versiegelung müssen deshalb erst einmal pausieren. Trotzdem fahren an diesem Tag Mitte Juli ein paar Schaufellader über das Gelände, was genau sie machen, kann sich Roland Dübel auch nicht erklären.

Dabei ist die endgültige Entscheidung für die Versiegelung noch nicht offiziell. Aber der französische Minister für ökologische Transformation, Christoph Béchu, kündigte bei einem Treffen mit elsässischen Abgeordneten Ende Juli an: Ja, der Beschluss für die endgültige Versiegelung werde derzeit ausgearbeitet und soll im September präsentiert werden. Béchus Position in der Diskussion ist bekannt: Er will Stocamine zubetonieren.

130.000 Kubikmeter Beton müssten dafür über den Schacht Joseph in die Mine hinabgelassen werden. Wie viel das den französischen Staat kosten wird, beziffert die Betreiberfirma nicht genau. Dafür weist sie darauf hin, dass eine Bergung der Abfälle die französischen Steu­er­zah­le­r*in­nen 470 Millionen Euro kosten würde.

Unabhängige Experten, darunter auch der Geologe Marcos Buser, der das Projekt jahrelang begleitet hat, kritisieren diese Schätzung als viel zu hoch, verglichen mit ähnlichen Projekten in Deutschland. Sie gehen eher von Kosten von maximal 100 Millionen Euro aus. Wie viel es kosten würde, das Grundwasser im Rheingraben zwischen Basel und Mainz und den Rhein von giftigen Abfällen zu befreien, darauf will oder kann Minister Béchu bisher keine Antwort geben. Sicher ist nur: Schon der Unterhalt des Lagers kostet pro Jahr zwischen 5,5 und 8 Millionen Euro.

Unter dem Wittelsheimer Boden stürzen die Hohlräume und Gänge, in denen der Müll gelagert wird, nämlich mehr und mehr in sich zusammen. In einem Video auf der Webseite der Betreiberfirma MDPA sind rissige Gesteinswände und mit Drahtgittern abgestützte Deckengewölbe zu sehen. Wasser tritt durch die Risse im Gestein und läuft in die Mine.

,,Vor 20 Jahren wäre es noch einfacher gewesen, die Abfälle herauszuholen", sagt Romain Challamel, der technische Direktor der MDPA, in einem Interview mit dem Fernsehsender. ,,Heute haben wir leider das Problem, dass schon zu viele Giftstoffe in den Lagern ausgetreten sind, um noch Bergeteams dort hineinzuschicken."

Roland Dübel hingegen ist davon überzeugt, dass es technisch möglich ist, die Mine doch noch zu stabilisieren und den Müll zu bergen. ,,Es ist ganz normal, dass Minen abgestützt werden müssen. Als Minenarbeiter ist man es gewohnt, zuallererst für seine eigene und die Sicherheit seiner Kameraden zu sorgen."

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden unter dem Boden, auf dem er heute steht, große Kalisalzvorkommen entdeckt. Die Mines de Potasse d'Alsace wurden gebaut und Kalisalz gefördert: ein Rohstoff, aus dem zum Beispiel Kaliumdünger hergestellt wird. In den 90er Jahren begann dann die Planung des Projekts Stocamine zur Einlagerung von giftigen Industrieabfällen, etwa 25 Meter unter der Salzmine.

Der Amtsbezirk Haut-Rhin genehmigte damals das Projekt unter drei Bedingungen: 100 Arbeitsplätze sollten geschaffen werden, das Projekt soll von einem Recherchepool der Universität Mulhouse begleitet werden, der zum Beispiel zum Recycling der Abfälle forscht. Außerdem sollen die Abfälle jederzeit wieder geborgen werden können. 13 verschiedene Abfallkategorien wurden definiert, die im Lager angenommen werden sollten. Brennbare Materialien und radioaktive Abfälle waren nicht erlaubt.

Ab 1999 rollten die ersten Mülltransporte auf dem Gelände bei Wittelsheim an. 2002 brannte das Lager für mehrere Wochen. Seitdem liegen Mine und Lager still, kein Salz wird mehr gefördert, kein neuer Müll mehr darunter eingelagert. Ein Recherchepool war nie gegründet worden, Arbeitsplätze wurden laut der Organisation Destocamine nur 27 geschaffen. Geblieben sind nur die teils unbekannten Abfälle im Elsässer Boden.

Seitdem diskutieren Politiker*innen, Betreiberfirma und Umweltschutzverbände, was mit diesen Abfällen weiter passieren soll. Zwar wurde zwischen 2014 und 2017 ein Teil der giftigsten Abfälle geborgen, der Rest liegt aber bis heute unter der alten Salzmine. Wie genau es dort unten aussieht, wisse niemand, sagt Philippe Aullen.

Der 60-jährige Aullen ist wie sein Kollege Dübel Teil der Überwachungskomission des Lagers und engagiert sich mit der Organisation Destocamine gegen seine Versiegelung. Er organisiert gemeinsam mit seinem Kollegen Yann Flory, dem Sprecher von Destocamine, Treffen mit französischen und deutschen Politiker*innen, informiert über das Lager und initiiert Demonstrationen.

Mit der Kommission konnte er im Mai die Mine besichtigen und sich ein Bild der Lage machen. Allerdings war Aullen nur in der Mine, nicht in den Räumen, in denen der Müll lagert. Weder die Mitglieder der Überwachungskommission noch die Mit­ar­bei­te­r*in­nen der MDPA selbst hätten Zugang zu den vergifteten Räumen, erzählt er. Aullen schätzt, dass die letzten, die den Müll zu Gesicht bekommen haben, die Mit­ar­bei­te­r*in­nen der Firma sind, die bis 2017 für die Bergung der giftigsten Abfälle zuständig war.

,,Es wurde ein Cocktail an hochgiftigen Dingen eingeliefert", sagt auch Aullens deutscher Kollege Axel Mayer am Telefon. Er war Mitglied des BUND und seit 1997 bei Protesten gegen Stocamine dabei. Lasche Eingangskontrollen hätten dazu geführt, dass nicht genau protokolliert worden sei, welche Stoffe in welchen Mengen unter Tage gelagert wurden, so Mayer.

Die meisten der angelieferten BigBags wurden gar nicht aufgemacht, bei anderen wurde nur eine Probe von 200 Gramm auf den oberen Zentimetern des Inhalts genommen – das zeigt die Recherche von Rue89. So sind wohl auch die Materialien in das Lager gelangt, die 2002 zu dem Brand geführt hatten. Auch wenn ein Teil dieser illegal gelagerten Stoffe zwischen 2014 und 2017 wieder heraus geholt wurden – Axel Mayer geht wie andere kritische Be­ob­ach­te­r*in­nen davon aus, dass immer noch illegal eingelagerte Abfälle in der Deponie sind.

Durch Risse im Gestein, Bohrlöcher oder die Zugangsschächte kann Grundwasser aus dem Reservoir darüber in das Lager sickern, wo es dann durch die giftigen Abfällen kontaminiert wird. ,,Eine Betonversiegelung verhindert nicht, dass Grundwasser in das Lager läuft. Eine Mine kann niemals 100 Prozent dicht abgeschlossen werden", sagt Dübel. ,,Da unten laufen ununterbrochen Pumpen, um das einsickernde Grundwasser wieder herauszupumpen."

Er deutet auf den Boden, auf dem er steht. Über einen längeren Zeitraum betrachtet werden die Hohlräume, in denen der Müll lagert, von den Erdmassen darüber zusammengedrückt. Die Mischung aus Wasser und Müll wird dann wie aus einem Schwamm durch ebenjene Risse, Bohrlöcher und Schächte nach oben in das Grundwasser gepresst. Dies zeigen auch die Forschungen von Marcos Buser. Der Schweizer Geologe beriet die MDPA schon bei der Planung des Lagers und erzählt der taz am Telefon, dass er davon ausgeht, dass das Grundwassers in den nächsten 100 bis 150 Jahren verunreinigt werden wird: ,,Mit der Versiegelung exportieren wir das Problem in die Zukunft", sagt er. ,,Eine Mine ist kein Endlager – auch nicht, wenn man sie versiegelt."

Die MDPA selbst wollte trotz mehrfachen Kontaktversuchs durch die taz keine persönliche Stellungnahme zu Stocamine abgeben. Aber sie verweisen auf ihrer Webseite auf eine Studie, die davon ausgeht, dass das vergiftete Wasser erst in 20.000 Jahren wieder aus dem versiegelten Lager austritt.

,,Unter den Teppich kehren, das ist die Strategie der französischen Politik im Umgang mit diesem Problem", sagt Sandra Regol bei einer Limonade in einer Straßburger Kneipe. Sie ist Abgeordnete der Grünen in der Assemblée Nationale, der französischen Nationalversammlung, und engagiert sich gegen die Versiegelung des Giftmülllagers. Gerade kommt Regol aus Paris zurück. Dort ist sie zwei Tage pro Woche und versucht die Interessen aus ihrem Wahlkreis in die große Politik zu tragen. Hier im Elsass seien alle gegen die Versiegelung der Deponie. ,,Grüne, konservative und sogar rechte Abgeordnete arbeiten zusammen, um das zu verhindern."

Für Paris sei Stocamine aber perfekt, um ein Exempel zu statuieren, schätzt Regol. ,,Und irgendwann wird Zubetonieren die gängige französische Praxis im Umgang mit Problemmüll." Die könnte dann auf andere umstrittene Lager übertragen werden, fürchtet sie. So zum Beispiel auf das Atommüllzwischenlager in Bure nahe der Schweizer Grenze. ,,Wir sind darauf angewiesen, dass auch aus Deutschland diplomatischer Druck kommt. Die französische Regierung muss verstehen, dass dies nicht nur eine nationale Entscheidung ist, sondern weitreichende Folgen für alle umliegenden Länder haben wird", sagt die Abgeordnete Regol.

Bärbel Schäfer, Präsidentin des Regierungspräsidiums Freiburg sieht, anders als Regol, das Grundwasser für baden-württembergische Bür­ge­r*in­nen nicht gefährdet. Als Regierungspräsidentin vertritt sie die Anliegen der Region bei der baden-württembergischen Landesregierung. Sie verweist auf dieselben Studien wie die MDPA, die nicht von einer akuten Gefährdung des Trinkwassers ausgehen. Trotzdem habe die Landesregierung französische Behörden aufgefordert, den Müll zu bergen und das Grundwasser zu überwachen. Darüber hinaus sieht Schäfer aber wenig Einflussmöglichkeiten: ,,Die Entscheidung der französischen Regierung müssen wir erst mal so akzeptieren", sagt sie am Telefon.

,,Wir können nur hoffen, dass die Klage von Alsace Nature gegen die Versiegelung in letzter Instanz doch noch durchkommt", sagt Regol in Straßburg. Wann das Gericht die Entscheidung fällt, weiß die Abgeordnete nicht. An eine Kehrtwende der Politik glaubt sie indes nicht mehr: ,,Auf eine Erleuchtung unseres Ministers für ökologische Transformation brauchen wir, denke ich, nicht mehr zu hoffen."

Alain Carrier, der zuständige Unterpräfekt in Mulhouse, hat am 27. Juli bereits seine Zustimmung zur Versiegelung gegeben. Sie alle verweisen auf die Studien, die von der MDPA in Auftrag gegeben wurden und eine Gefährdung für das Grundwasser erst in vielen tausend Jahren sehen.

Doch genau das sei das Problem an diesen Studien, sagt Philippe Aullen vor Ort bei der Mine: ,,Diese Studien wurden alle von der Betreiberfirma beauftragt, also vom französischen Staat finanziert – unabhängige Ex­per­t*in­nen kommen zu anderen Ergebnissen." Deshalb hat der Umweltschutzverband Alsace Nature gemeinsam mit dem BUND auf deutscher Seite Mitte Juli ein Crowdfunding gestartet – um eine unabhängige Kommission von Ex­per­t*in­nen zu bezahlen, die das Risiko einer Versiegelung nochmal neu bewertet.

Eine weitere Möglichkeit, gegen die Versiegelung vorzugehen, wäre eine Klage wegen Ökozid einzureichen. Die Stop Ecocid Foundation setzt sich aktuell dafür ein, dass Ökozid vor dem Internationalen Strafgerichtshof als ein internationales Verbrechen anerkannt wird. Gravierende Umweltschäden, die ,,mutwillig" in Kauf genommen werden, könnten dann wie Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt werden. Der französische Ableger von Stop Ecocid prüfe das derzeit auch für Stocamine in Wittelsheim, bestätigt eine Sprecherin auf taz-Anfrage.

Technologien zur Bergung von giftigem Müll werden auf der deutschen Rheinseite schon entwickelt. Dagmar Dehmer ist Leiterin der Unternehmenskommunikation bei der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Das Problem von giftigen Abfällen in einem maroden Bergwerk kennt sie gut, erklärt sie am Telefon. Die BGE sucht aktuell eine Lösung zur Bergung der radioaktiven Abfälle im 100 Jahre alten Salzbergwerk Asse im niedersächsischen Wolfenbüttel.

Ähnlich wie bei Stocamine im Elsass läuft hier Wasser in die Mine, das Gestein verschiebt sich und die Lagerräume und Gänge sind instabil. Bis 2033 soll hier eine Lösung für die Bergung des radioaktiven Mülls gefunden werden. ,,Dafür muss ein neuer Schacht gebohrt werden. Dann müssen die gefährlichen Abfälle mit ferngesteuerter Bergtechnik, vergleichbar mit Tunnelbohrmaschinen, aus dem Gestein herausgekratzt, in Überbehälter verpackt und heraustransportiert werden", erklärt sie.

Dehmer kann sich vorstellen, dass eine ähnliche Technik auch für Stocamine im Elsass angewandt werden könnte. Technisches Vorbild für die nötige Bergtechnik findet sich nur 90 Kilometer nördlich von Mulhouse, auf der deutschen Seite des Rheins. Hier stellt die Firma Herrenknecht Tunnelbohrmaschinen her, auf deren Prinzip man für die Bergungsmaschinen aufbauen könnte, schätzt Dehmer.

,,Hier, das Gebäude hinter dem Turm Joseph, das ist das Maschinenhaus. Da sind der Motor und die Zahnräder drin, über die man früher das Salz aus der Mine gezogen hat", sagt Roland Dübel, und zeigt auf ein rotes Backsteingebäude, aus dem Drahtseile hin zu dem roten Rad auf dem Förderturm Joseph verlaufen. Ein bisschen wehmütig betrachtet er das Gelände, auf dem er früher gearbeitet hat. ,,Die ganze Technik da drin funktioniert noch", erklärt er.

Das nächste Mal könnte sie in Gang gesetzt werden, um den Beton, der hier schon für die Versiegelung vorbereitet wird, unter Tage zu bringen.



Aus: "Sondermülllager in Frankreich: Auf einem Haufen Giftmüll" Tim Kemmerling, Luise Mösle (11.8.2023)
Quelle: https://taz.de/Sondermuelllager-in-Frankreich/!5952377/


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Quote[...] Der seit Jahren vor der Küste Jemens rostende Öltanker FSO Safer ist leergepumpt. Die mehr als eine Million Barrel Öl, also 159 Millionen Liter, seien vollständig auf ein von den Vereinten Nationen gekauftes Schiff umgeladen worden, sagte UN-Vizesprecher Farhan Haq. Dadurch sei eine "monumentale ökologische und humanitäre Katastrophe" abgewendet worden, sagte UN-Generalsekretär António Gutteres.

Das Abpumpen hatte Ende Juli begonnen. Eine Bergungsmannschaft hatte 18 Tage gebraucht, um das Öl bei hohen Temperaturen und starken Strömungen abzupumpen. Das Seegebiet um den Tanker ist zudem vermint.

Der Chef des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, Achim Steiner, sagte, die UN hätten 130 Millionen Dollar für die Aktion ausgegeben. Damit sei unter anderem der Tanker Nautica gekauft worden, auf den das abgepumpte Öl geladen wurde. Zudem sei für Flugzeuge gezahlt worden, die im Fall einer Ölpest Chemikalien abwerfen sollten.

Außenministerin Annalena Baerbock lobte die Zusammenarbeit der Weltgemeinschaft bei der Aktion. Eine schwimmende Zeitbombe sei entschärft und eine "potentiell kolossale Umwelt- und Gesundheitskatastrophe" vor der Küste des Jemens verhindert worden, sagte sie.

UN und Umweltschützer hatten seit Jahren gewarnt, die gesamte Küste des Roten Meeres sei gefährdet, sollte der rostige Tanker auseinanderbrechen. Dann wäre viermal so viel Öl ausgelaufen wie bei der Exxon-Valdez-Katastrophe 1989 vor Alaska.

Die Gefahr ist laut Achim Steiner noch nicht komplett gebannt. Nach wie vor enthalte der Tanker Ölrückstände und könne auseinanderbrechen. Das Schiff solle in den kommenden Wochen gereinigt und für das Abschleppen vorbereitet werden, sagte er.

Für den Abschluss der Reinigung der FSO Safer fehlen den Vereinten Nationen rund 20 Millionen Dollar. US-Außenminister Antony Blinken forderte die internationale Gemeinschaft und den Privatsektor dazu auf, die erforderlichen Mittel bereitzustellen, um "die Arbeit zu beenden und alle verbleibenden Umweltbedrohungen zu bekämpfen". Die Umweltorganisation Greenpeace schlug vor, Ölkonzerne, welchen den Tanker genutzt haben, sollten für die ausstehenden Kosten aufkommen.

Seit den 80er Jahren liegt das 47 Jahre alte Schiff vor der Hafenstadt Hodeidah vor Anker. Die FSO Safer wurde als schwimmendes Lager- und Entladeterminal für Öl genutzt. Aufgrund des Krieges im Jemen wurden die Wartungsarbeiten 2015 eingestellt.

Unklar ist, was mit der leergepumpten FSO Safer geschehen soll. UN-Angaben zufolge steht der Tanker bis zum Ende des Jahres unter der Kontrolle des Schifffahrtsunternehmen Euronav. Über künftige Instandhaltung und Verwaltung sei allerdings eine langfristige Vereinbarung mit den Kriegsparteien im Jemen notwendig. Möglich sei ein Folgeprojekt, bei dem UN-Experten Mitarbeiter der jemenitischen Öl- und Gasgesellschaft Sepoc in der Sicherung eines Tankers schulten, sagte Steiner.



Aus: "Jemen: Beschädigter Öl-Tanker vollständig entladen" (11. August 2023)
Quelle: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2023-08/jemen-oeltanker-abgepumpt-vereinte-nationen

Quotem
mwasaa

Großartig. Wer zahlt das?


QuoteThomas30 aus Polen aus München
vor 12 Minuten

,,Die Organisation der Vereinten Nationen (UNO) wird durch obligatorische und freiwillige Beiträge ihrer Mitgliedstaaten finanziert.,,

https://www.eda.admin.ch/eda/de/home/aussenpolitik/internationale-organisationen/vereinte-nationen/finanzierung-deruno.html#:~:text=Die%20Organisation%20der%20Vereinten%20Nationen,freiwillige%20Beitr%C3%A4ge%20ihrer%20Mitgliedstaaten%20finanziert.


QuoteKing_Charles_der_unsichtbare_III.

Die Organisation zeigte sich im Radio enttäuscht, das die Big-Oil-Firmen nichts beitragen konnten, trotz hoher Gewinne in der derzeitigen Weltlage..


QuoteDKW

Danke an die UNO!


Quotefief-un-dörtig

Endlich!


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Quote[...] 98 Prozent der europäischen Bevölkerung leben in Gebieten, in denen der von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlene Feinstaubgrenzwert überschritten wird. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Universität Utrecht, die der britische »Guardian« mit interaktiven Karten veröffentlicht  hat.
https://www.theguardian.com/environment/2023/sep/20/revealed-almost-everyone-in-europe-breathing-toxic-air

Besonders schlecht ist die Luft demnach in Osteuropa. In Nordmazedonien und Serbien muss die Mehrheit der Bevölkerung mehr als das Vierfache der WHO-Schwelle aushalten. Auch die norditalienische Po-Ebene mit Städten wie Mailand oder Turin gilt als hochbelastet.

Deutschland zählt zu den westeuropäischen Ländern mit eher schlechter Luft. Drei Viertel der Deutschen leben in Gebieten mit mehr als dem Doppelten des Grenzwerts. Am schmutzigsten ist die Luft in den sächsischen Städten Dresden, Bautzen, Görlitz und Zittau mit 14 bis 16 Mikrogramm pro Kubikmeter. Nur wenige Gemeinden in Eifel und Schwarzwald erreichen mit Werten von fünf bis sechs Mikrogramm fast den grünen Bereich.

Roel Vermeulen, Umweltepidemiologe und Leiter des zuständigen Forschungsteams, spricht von einer »schweren Krise der öffentlichen Gesundheit«. Laut den WHO-Richtlinien sollen Feinstaubpartikel mit unter 2,5 Mikrometer Durchmesser eigentlich nicht stärker vorkommen als fünf Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresdurchschnitt.

Diese Empfehlung wurde 2021 nach neuen medizinischen Erkenntnissen verschärft. Die winzigen Teilchen dringen in verschiedene Organe ein und gelten als Mitverursacher von Herz- und Kreislauferkrankungen, Krebs, Demenz und anderen Krankheiten. Laut EU-Umweltbehörde wird die schlechte Luft für gut 300.000 vorzeitige Todesfälle pro Jahr in Europa verantwortlich gemacht.

Aus mehreren Quellen wie Luftmessstationen oder hochauflösenden Satellitenbildern haben die Forscher für das Projekt »Expanse« die Konzentration des gesundheitsschädlichen Feinstaubs in nahezu der gesamten EU sowie einigen Nachbarstaaten bis ins Jahr 2019 ermittelt. Laut Vermeulen ist das der aktuell verfügbare Stand und dürfte sich bis heute kaum verändert haben. In einer interaktiven Karte lassen sich die lokalen Ergebnisse vergleichen. Bis auf wenige Gebiete vor allem in Nordeuropa oder südfranzösische Gebirgslagen sind sie schlechter als gewünscht.

Feinstaub entsteht auf verschiedene Arten, direkt oder durch die Zersetzung anderer Schadstoffe wie Stickoxide. Als Hauptquelle gilt der Straßenverkehr mit Verbrennungsmotoren, dem Abrieb von Bremsen und Reifen und aufgewirbeltem Staub. Daneben spielen andere Brennprozesse wie Kaminöfen eine Rolle, ebenso der Umschlag von Schüttgut in Industrie oder Landwirtschaft.

Offiziell gelten die WHO-Empfehlungen allerdings noch nicht als Maßstab. Der aktuelle EU-Grenzwert ist mit 25 Mikrogramm fünfmal so hoch, auch beim Vorläuferstoff Stickstoffdioxid sind weit höhere Belastungen erlaubt als medizinisch empfohlen. Weil diese Grenzwerte inzwischen zumeist eingehalten werden, fielen zuletzt lokale Fahrverbote für Diesel-Pkw weg.

Das könnte sich in Zukunft wieder ändern, weil die EU sich der strengeren WHO annähert. Das Europaparlament beschloss Mitte September dieses Jahres, die Luftqualitätsrichtlinie anzupassen. Der sozialdemokratische Verhandlungsführer Javi López nannte die Luftverschmutzung eine »Pandemie ein Zeitlupe«.

Der Feinstaubgrenzwert soll allerdings erst 2035 auf zehn Mikrogramm sinken, immer noch das Doppelte des WHO-Limits. Zudem hängt ein endgültiger Beschluss von Verhandlungen mit EU-Kommission und Mitgliedstaaten ab, die neue Fahrverbote in Städten fürchten. Diese könnten dann auch moderne Verbrenner-Neuwagen treffen.


Aus: "Analyse zu Feinstaub: Fast alle Menschen in Europa atmen verschmutzte Luft " (21.09.2023)
Quelle: https://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/feinstaub-fast-alle-menschen-in-europa-atmen-verschmutzte-luft-a-bf65aad0-bb11-4dc4-99df-e7aa9441524f?utm_source=dlvr.it&utm_medium=twitter#ref=rss

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Quote[...] Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat den ,,massiven Pestizideinsatz" bei der Getreideproduktion in Deutschland und der EU beklagt.

Mehr als ein Drittel (37 Prozent) aller europäischen Getreideprodukte sei mit Pestiziden belastet, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Foodwatch forderte die deutschen Lebensmittelhändler auf, nur noch auf Produkte ohne Pestizide zu setzen.

,,Die Supermärkte sollten ihre Marktmacht nutzen und nur noch pestizidfreie Getreideprodukte verkaufen – das würde den Pestizideinsatz in Deutschland auf einen Schlag halbieren", erklärte Annemarie Botzki von Foodwatch.

Derzeit trage die Getreideproduktion ,,wesentlich" zum übermäßigen Pestizideinsatz in Deutschland und der EU bei. Allein auf Weizen und Gerste entfielen demnach 45 Prozent des Pestizideinsatzes in Deutschland und mehr als 60 Prozent der bundesweit gespritzten Fläche.

Für die aktuelle Studie ,,The Dark Side of Grain" werteten die Verbraucherschützer nach eigenen Angaben Daten der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit zu Pestizidrückständen in unverarbeitetem Getreide und verarbeiteten Getreideprodukten wie Brot und Haferflocken aus.

837 von 2234 Proben wiesen demnach Rückstände von insgesamt 65 Pestiziden auf. ,,Davon überschreiten zwar lediglich 18 Rückstände in 14 Proben die Rückstandshöchstmengen (MRL), jedoch birgt die schiere Zahl verschiedener Pestizide (Pestizid-Cocktail) in den Produkten ein gesundheitliches Risiko für Verbraucher:innen", erklärte Foodwatch.

Die Verbraucherorganisation warf den großen Handelsketten vor, ihre Nachhaltigkeitsversprechen nicht zu erfüllen. Bei der Begrenzung des Pestizideinsatzes konzentrierten sich die Supermärkte vor allem auf Obst und Gemüse. Dies reiche bei weitem nicht aus, um die Artenvielfalt, das Klima und die Umwelt zu schützen, erklärte Foodwatch. (AFP)


Aus: "Pestizide in Brot und Co.: Foodwatch beklagt ,,Pestizid-Cocktail" in Getreideprodukten" (10.10.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/pestizide-in-brot-und-co-foodwatch-beklagt-pestizid-cocktail-in-getreideprodukten-10599622.html

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Quote[...] Eigentlich schien sich das Blatt gewendet zu haben. Nachdem Bayer in den USA zunächst alle Prozesse um angebliche Krebsrisiken des glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup verloren hatte und zu teils hohen Schadensersatzzahlungen verurteilt worden war, hatte der deutsche Dax-Konzern neun Prozesse in Folge für sich entscheiden können.

Doch jetzt zieht neuer Ärger für die Leverkusener auf. Am Dienstag sprach eine Jury im kalifornischen Bundesstaat San Diego einem 57-jährigen Mann 332 Millionen Dollar Schadensersatz zu, weil die Geschworenen Roundup für seine Krebserkrankung verantwortlich machen. Zuvor hatten bereits zwei weitere Gerichte Bayer zu Schadensersatz verurteilt. In Philadelphia urteilte die Jury, dass Bayer dem 83-Jährigen Ernie Caranci insgesamt 175 Millionen Dollar Schadensersatz zahlen muss zu, in einem weiteren Verfahren waren es 1,25 Millionen Dollar.

Bayer betonte am Mittwoch, man könne das Urteil aus Kalifornien nicht nachvollziehen. Die Jury hatte dem Kläger sieben Millionen Dollar Schadensersatz und weitere 325 Millionen Dollar als Strafschadensersatz, den es im deutschen Rechtssystem nicht gibt, zugebilligt. Bayer hält dieses Verhältnis für verfassungswidrig.

Hinzu kommt: Bayer ist grundsätzlich von der Sicherheit der Produkte überzeugt. Der deutsche Konzern kann sich dabei auf die Einschätzung der Zulassungsbehörden weltweit berufen, die bei bestimmungsgemäßem Gebrauch keine Gesundheitsgefahr durch Glyphosat sehen. ,,Im amerikanischen Rechtssystem mit Laienjurys kann es leider nicht ausgeschlossen werden, dass Prozesse auch mal verloren werden", sagte ein Bayer-Sprecher dem Tagesspiegel. Das gelte vor allem für Orte wie Philadelphia und Kalifornien, die für beklagte Unternehmen grundsätzlich schwierig seien. ,,Wir werden auf jeden Fall Berufung einlegen", kündigte der Sprecher an.

Die Probleme um Roundup hatte sich Bayer 2018 mit der 60 Milliarden teuren Übernahme des US-Saatgut- und Pestizidherstellers Monsanto ins Haus geholt. Im selben Jahr folgte ein erstes, spektakuläres Urteil gegen Bayer, das eine Klagewelle auslöste. Bisher hat Bayer in den USA neun Verfahren gewonnen und sechs verloren. Bei den ersten drei Fällen ist inzwischen die Berufung abgeschlossen. Bayer musste danach zwar weniger Schadensersatz zahlen, kam aber nicht ganz frei. Versuche, vor dem Supreme Court dagegen anzugehen, sind gescheitert.

Einen Großteil der Fälle hat Bayer jedoch nach eigenen Angaben inzwischen abgearbeitet. Im Frühjahr hieß es, von rund 154.000 angemeldeten Ansprüchen seien 109.000 verglichen worden oder die Vergleichskriterien seien nicht erfüllt. Ende 2022 hatte Bayer ein Polster von 6,4 Milliarden Dollar für aktuelle und künftige Glyphosat-Klagen.

Glyphosat ist das weltweit wichtigste Unkrautvernichtungsmittel. Es ist ein Totalherbizid, das nicht über die Wurzel, sondern über die grünen Bestandteile der Pflanze aufgenommen wird. Der Stoff bewirkt, dass eine Pflanze vollständig verwelkt oder abstirbt. In Deutschland wird Glyphosat auf rund 37 Prozent der Ackerflächen eingesetzt. Damit sollen Felder vor allem nach der Aussaat und der Ernte unkrautfrei gehalten werden.

In der Europäischen Union wird derzeit darüber gestritten, ob der Wirkstoff weitere zehn Jahre lang eingesetzt werden darf. Die aktuelle Zulassung läuft zum Jahresende aus, die EU-Kommission hat sich bereits für eine Verlängerung ausgesprochen. Bei einer Abstimmung der EU-Staaten im Oktober kam im Berufungsausschuss jedoch nicht die dafür erforderliche Mehrheit zustande, nun soll Mitte November erneut entschieden werden. Umweltschützer und der deutsche Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) sind gegen eine Verlängerung, da Glyphosat der Artenvielfalt schade. Vögeln, Insekten und anderen Tieren werde die Nahrungsgrundlage entzogen, heißt es im Agrarministerium.

In der Koalition herrscht jedoch Dissens. Da die FDP für eine Verlängerung plädiert, wird sich Özdemir bei der entscheidenden Abstimmung in zwei Wochen enthalten, kündigte der Minister an. Für eine qualifizierte Entscheidung im Berufungsausschuss wird die Zustimmung von mindestens 55 Prozent der EU-Staaten gebraucht, die zudem noch mindestens 65 Prozent der EU-Bevölkerung repräsentieren müssen. Sollte sich im Ausschuss weder eine qualifizierte Mehrheit für noch eine Mehrheit gegen den Vorschlag finden, kann die EU-Kommission eigenständig entscheiden.


Aus: "Schadensersatz wegen Krebs: Bayer verliert erneut Glyphosat-Prozess in den USA" Heike Jahberg (01.11.2023)
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/schadensersatz-wegen-krebs-bayer-verliert-erneut-glyphosat-prozess-in-den-usa-10713481.html


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Quote[...] Senf zählt zu den fränkischen Grundnahrungsmitteln. Ob zur Bratwurst, in Rouladen oder im Salat-Dressing - Senf ist vielseitig einsetzbar. Und er soll sogar gesund sein: Senföle sollen Krebs vorbeugen können. Das sei schon in verschiedenen experimentellen Modellen erforscht, bestätigt Bernhard Watzl vom Max-Rubner-Institut. Damit ist es umso wichtiger, dass keine schädlichen Inhaltsstoffe im Senf selbst sind, dachten sich die Fachleute von Öko-Test. Aus diesem Grund haben sie 20 verschiedene mittelscharfe Senf-Sorten getestet.

Die gute Nachricht gleich vorweg: Geschmacklich haben alle Senf-Sorten überzeugt und auch in der Gesamtwertung ist kein Produkt durchgefallen. Doch leider wiesen mehr als der Hälfte der getesteten Sorten Spuren von Glyphosat auf. Glyphosat ist ein Mittel, das in der Landwirtschaft zur Unkrautbekämpfung eingesetzt wird und immer wieder in der Kritik steht.

Es wird von der Internationalen Krebsforschungsagentur seit 2015 als "wahrscheinlich krebserregend" eingestuft wird und auch die Verbraucherzentrale warnt, dass Glyphosat in Verbindung mit anderen Stoffen erbgutschädigend sein könne. Andere Behörden wie die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) oder das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sehen jedoch kein Krebsrisiko. Zur Sicherheit sollte aber gar kein Glyphosat in Lebensmitteln vorkommen, findet Öko-Test.

In einem Großteil der Senf-Sorten fanden die Tester*inne Spuren, lediglich die Bio-Sorten waren frei von Glyphosat. Eine Marke hat sich allerdings noch nachträglich verbessert: Bei einem erneuten Test des "Delikato Delikatess Senf" von Aldi Nord hat das Labor kein Glyphosat mehr gefunden. Damit verbessert sich das Testurteil von "gut" auf "sehr gut".

Neben Glyphosat wurde in allen getesteten Senf-Sorten der bislang wenig bekannte Problemstoff Bisphenol F nachgewiesen. "Erste Hinweise deuten darauf hin, dass auch Bisphenol F auf das Hormonsystem wirkt", so Öko-Test. Doch hier könnt ihr beruhigt sein: Die Menge des Stoffes war in den meisten Sorten so gering, dass Öko-Test sie als "unproblematisch" eingestuft hat. Einzig der Kania Delikatess Senf von Lidl wies einen erhöhten Wert auf und wurde deshalb nur als "befriedigend" bewertet.

Das Schlusslicht bildet dieser Senf mit den beiden mittelscharfen Sorten der Firmen Bautz'ner und K-Classic. Der Senf von Bautz'ner wurde schlecht bewertet, da er seinen Geschmack nicht nur durch herkömmliche Gewürze, sondern durch sogenannte natürliche Aromen bekommt: "Diese dürfen zum Beispiel mithilfe von Mikroorganismen erzeugt werden. Das ist gesundheitlich nicht bedenklich", erklärt Meike Rix von Öko-Test. "Ein guter Senf sollte seinen Geschmack aber vor allem aus Senfkörnern und Gewürzen erhalten."

Der Senf von K-Classic, der Eigenmarke von Kaufland, wurde hingegen schlechter als seine Mitstreiter bewertet, da in dem Produkt ein zu geringer Senfanteil nachgewiesen wurde. Hierfür gibt es eine Branchenrichtlinie, die nicht eingehalten wurde. Auch der mittelscharfe Senf von Byodo lag unter der Mindestgrenze, konnte aber trotz Punktabzug noch das Testurteil "gut" erreichen.

Zehn der insgesamt 20 getesteten Sorten erhielten die Note "sehr gut." Hier kannst du also problemlos zugreifen!

    Alnatura Mittelscharfer Senf*
    Born Thüringer Senf mittelscharf*
    Delikato Delikatess Senf mittelscharf
    Dennree Senf mittelscharf
    Develey Senf mittelscharf*
    Dm Bio Senf mittelscharf
    Jeden Tag Senf mittelscharf
    Löwensenf mittelscharf mild* (bio)
    Naturata Delikatess Senf mittelscharf
    Zwergenwiese mittelscharfer Senf*

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Aus: "Erschreckende Senf-Ergebnissen - viele Sorten mit Glyphosat verunreinigt" (31.10.2023)
Quelle: https://www.infranken.de/ratgeber/verbraucher/erschreckende-senf-ergebnissen-viele-sorten-mit-glyphosat-verunreinigt-art-5215799


"Internationale Krebsforschungs­agentur stuft Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend ein" (Donnerstag, 30. Juli 2015)
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/63654/Internationale-Krebsforschungsagentur-stuft-Glyphosat-als-wahrscheinlich-krebserregend-ein

"Keine Mehrheit in EU-Ausschuss für neue Zulassung von Glyphosat" (Freitag, 13. Oktober 2023)
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/146622/Keine-Mehrheit-in-EU-Ausschuss-fuer-neue-Zulassung-von-Glyphosat

https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/unkrautvernichtungsmittel-glyphosat-keineswegs-harmlos-11468

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Quote[...] Der deutsche Automobilhersteller BMW sieht sich mit Vorwürfen in Zusammenhang mit einem Zulieferer konfrontiert. Nach Recherchen von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) steht der Verdacht im Raum, dass der marokkanische Rohstoffkonzern Managem in seiner Mine in Bou Azzer große Mengen giftiges Arsen in die Umwelt gelangen lässt.

Zudem erheben aktuell angestellte und ehemalige Arbeiter der Kobaltmine den Vorwurf, Managem halte internationale Standards zum Schutz von Arbeitern nicht ein und gehe gegen kritische Gewerkschaften vor.

BMW hatte 2020 mit Managem einen Vertrag über 100 Millionen Euro geschlossen. Dieser sieht die Lieferung von Kobalt vor, das BMW für den Bau von Batterien für seine Elektroflotte benötigt. Experten gehen davon aus, dass die geschilderten Zustände in der Mine in Konflikt mit dem deutschen Lieferkettengesetz stehen könnten.

BMW hatte 2020 die Zusammenarbeit mit dem Rohstoffkonzern Managem bekannt gegeben. In einer Pressemitteilung hatte der deutsche Autobauer seinerzeit erklärt, künftig "nachhaltiges Kobalt" aus Marokko beziehen zu wollen. Insgesamt will BMW etwa 20 Prozent seines Kobalt-Bedarfs über die marokkanische Mine abdecken. Der Konzern hatte den Schritt unter anderem mit dem Ziel einer "ethisch verantwortliche(n) Rohstoffgewinnung" begründet und erklärt, die Einhaltung von Umweltstandards und Menschenrechten habe für BMW beim Rohstoffeinkauf "oberste Priorität".

Recherchen von NDR, WDR und SZ mit dem französischen Medium "Reporterre" und dem marokkanischen Medium "Hawamich" deuten nun daraufhin, dass aus der Mine Bou Azzer große Mengen Arsen in die Umwelt gelangen. Diesen Verdacht legen die Analysen von Wasser- und Urinproben nahe, die Reporter der Medien im Umfeld der Mine genommen haben. Die Probenuntersuchung wurde von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Magdeburg begleitet, die die Proben auch analysiert haben.

Die Mine Bou Azzer liegt im Anti-Atlas Gebirge im Süden des Landes. Erze, die dort unter Tage gefördert werden, beinhalten neben Kobalt auch Arsenid, ein Stoff, der in Verbindung mit Wasser zu giftigem Arsen wird. Recherchen vor Ort zeigen, dass der Minenbetreiber große Mengen Abraum auf dem Minengelände lagert, der dort auch mit Wasser in Berührung kommt. Die Wasserproben in einem Flussbecken unmittelbar unterhalb der Mine zeigen Arsenkonzentrationen von mehr als 18.000 Mikrogramm pro Liter. Der Arsen-Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation WHO für Trinkwasser liegt bei gerade einmal zehn Mikrogramm pro Liter.

Der Chemiker Wolf von Tümpling leitet die Abteilung Wasseranalytik im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und sagte im Interview mit NDR, WDR und SZ, er habe in seinem Berufsleben bislang noch nie solch hohe Arsenwerte in Wasserproben gesehen. "Die Konzentration ist exorbitant hoch und stellt eine Gefährdung dar. Und es ist auf jeden Fall so, dass dort Handlungsbedarf besteht". Selbst in Proben aus einem Wasserbecken in einer etwa zehn Kilometer von der Mine entfernten Oase wiesen noch massiv erhöhte Arsenwerte auf, die die Trinkwassergrenzen der WHO um den Faktor 40 übersteigen.

Dort leben Bauern, die mit diesem Wasser ihre Pflanzen bewässern. Auch weil Urinproben von zwei Anwohnern nahe der Mine deutlich erhöhte Arsenwerte zeigen, hält es der Chemiker Wolf von Tümpling für dringend erforderlich, eine großangelegte Untersuchung in der Region durchzuführen. Die Ergebnisse der vorliegenden Analysen deuteten stark darauf hin, dass die Mine die Verschmutzung verursache.

Im Rahmen der Recherchen konnten die Reporterinnen und Reporter auch mit rund einem Dutzend ehemaligen und aktuellen Arbeitern der Mine Bou Azzer sprechen sowie mit mehreren Gewerkschaftsvertretern. Alle Gesprächspartner erhoben dabei den Vorwurf gegen Managem, dass Arbeiter in der Mine beschäftigt würden, ohne zuvor geschult oder über mögliche Gesundheitsrisiken aufgeklärt worden zu sein.

Auch gebe es vor Ort nicht genügend Schutzausrüstung für die Arbeiter. Subunternehmen des Minenbetreibers stellten Arbeitern dabei oftmals Verträge mit besonders kurzer Laufzeit aus. Im Falle berufsbedingter Erkrankungen wie einer Staublunge würden Arbeiter in der Regel ohne soziale Absicherung entlassen. Vertreter der marokkanischen Gewerkschaft CDT erklärten im Interview zudem, dass Managem gegen kritische Gewerkschaften vorgehe. Minenarbeiter könnten heute faktisch nicht mehr Mitglied der linksgerichteten CDT-Gewerkschaft sein.

Auf Nachfrage wies Managem alle Vorwürfe zurück und erklärte, dass sowohl die Betreiberfirma der Mine als auch die dort tätigen Subunternehmen hohe Arbeits- und Sozialstandards einhielten. Insbesondere achte man auf ein umfangreiches Training für alle Arbeiter und darauf, die notwendige Schutzausrüstung bereitzustellen. Zudem wies der Sprecher darauf hin, dass eigene Untersuchungen keinerlei Arsenbelastungen für die Umwelt oder die Anwohner festgestellt hätten, die auf die Mine zurückzuführen seien. Arbeiter würden regelmäßig medizinisch untersucht.

Der Fall der marokkanischen Kobaltmine könnte für BMW auch juristische Konsequenzen haben. Seit Anfang 2023 gilt in Deutschland das Lieferkettengesetz. Es verpflichtet große deutsche Unternehmen dazu, die Einhaltung von Menschenrechts- und Umweltstandards von Zulieferern besonders genau zu prüfen und gegebenenfalls auf Verbesserungen hinzuwirken.

Die Wirtschaftsjuristin Stefanie Lorenzen erklärte im Interview mit NDR, WDR und SZ, dass die Prävention im Lieferkettengesetz bereits mit der Auswahl des Vertragspartners beginne. Wenn Anhaltspunkte dafür auftauchten, "dass die Arbeitssicherheit nicht gewährleistet ist, dann müsste BMW da eintauchen und tätig werden".

Die Firma Managem ist überwiegend im Besitz des marokkanischen Königshauses. Unlängst unterzeichnete auch der französische Autohersteller Renault mit Managem eine Absichtserklärung zum Kauf von Kobalt. Ein Sprecher erklärte, Renault lege bei der Auswahl von Zulieferern großen Wert auf die Nachhaltigkeit.

Ein Sprecher von BMW erklärte, man nehme alle Vorwürfe ernst und sei dazu mit Managem im Austausch. Bereits in der Vergangenheit habe man mit Managem Kontakt aufgenommen und über negative Berichte gesprochen. In diesem Zusammenhang habe BMW auch umfangreiche Dokumente angefordert. Aufgrund der aktuellen Ergebnisse der von der Recherchekooperation beauftragten Wasseranalyse habe man von Managem "eine umfassende Prüfung eingefordert". Sollte ein Fehlverhalten von Managem vorliegen, würde die BMW Group "sofortige Gegenmaßnahmen einfordern".


Aus: "Schwere Vorwürfe gegen BMW-Zulieferer"
Von Petra Blum, Catharina Felke, Verena von Ondarza, Sebastian Pittelkow, Benedikt Strunz, Celia Izoard, NDR/WDR  (NDR, tagesschau, 12.11.2023)
Quelle: https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/umweltstandards-bmw-zulieferer-kobalt-marokko-100.html


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"Neue EU-Zulassung für Glyphosat: Gift für die Grünen"  Kommentar von Jost Maurin  (16.11. 2023)
Agrarminister Özdemir hat sich im Streit über die Glyphosat-Zulassung kampflos der FDP ergeben. Dabei ist das Pestizid ein großes Umweltproblem.
https://taz.de/Neue-EU-Zulassung-fuer-Glyphosat/!5969921/

QuoteKaboom

"Koalitionsklima" ist, wenn die FDP - selbst bei anderslautenden Vereinbarungen, die sie selbst abgesegnet hat, ihre Positionen nach Belieben durchsetzt.
Wozu nochmal sind die Grünen in dieser Regierung? Achja, um FDP-Politik zu machen.

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